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Die
Kirchengeschichte
yon
Spanien.
VOD
Fius Bonifacins Oams
O. S. B.
I Dritter BaDd.
Y0th Ende des eilften Jahrhnnderts bis zur Grogenwart.
(
Zweite Ablhellnns*
Jahr 1492 — 1879.
Regeiisburg.
Druck and Verlag von Georg Joseph Manz.
I 1879.
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TTItT»
if Hjmda Ite Abtheilnne firehorifire ..Karte^* ist diesem Bande beis^pfiiH
Im Verlage von 0. J. Manz in Begensborg ist erscbienen
ond durch alle Baobhandloiigen zu beziehen:
A. BÜ8E,
PAULIS, BISHOF VON RfOLA
und seine Zeit (360 — 450).
2 Bde. gr. 8. 8 M. 56 Pf.
Dr J. M. Dux,
DER DEUTSCHE CARDINAL NIKOLAUS VON GUSA
und die Kirche seiner 7eit.
2 Bde. (Ir Zugleich eine Würdigung der grossen Concilien des
15. Jahrhunderts. Mit dem Bildnisse Casa's. 2r: Schluss von Cusa's
Leben und seinem literarischen Wirken.) gr. 8. 12 M.
Dr. T. firöne,
die Papstgeschichte.
2 Bde. 2te, verb. Aufl. gr. 8. 13 M. 20 Pf. (Ir Bd. Von
Petrus bis Alexander IL 1—1037. 2r Bd. Von Gregor VIL
1037 bis auf unsere Zeit.
Der Verfasser bietet hier nicht etwa bloss eine sterile Aufzählnnp^ der
Päpste mit einigen Notizen fiber ihr Leben nnd Wirken; sondern ein wissen-
schaftliches We^i welches den Hauptinhalt derKirchengcschichtezarKenntniss
des Lesers bringt. Nach dem Vorgänge der Kirchenhistoriker theilc er die
Geschichte in bestimmte, genan abgegrenzte Zeitepochen nnd schildert die
kirchlichen und staatlichen, religiösen nnd socialen Zustande dieder Epochen,
sowie deren wichtigsten Begebenheiten in Kirche und Staat. Darauf ISast er
in chronologischer Ordnung die treffenden Päpste folgen und berichtet von
ihnen, wie sie gelebt und gewirkt, und was Merkwürdiges unter ihrem Ponti-
ficate geschehen. In dieser Weise ist es ihm gelangen, mit der Geschichte
der Päpste eine kurze Kirchen- und Weltgeschichte zu verflechten und deren
vorzüglichsten Momente pragmatisch und in scbOner Uebersichtlichkeit dar-
zulegen. Ausserordentliche Gründlichkeit, Wahrheitsliebe und historische
Treue, acht kirchlicher Geist und Schönheit der Form — das sind unseres Er-
achtens die Vorzüge, welche bei diesem Werke ganz besonders in die Augen
springen. Wir sind der Ueberzeugung, dass diese Geschichte allgemeinen
Keifall finden und die schiefen Urt heile, welche sich über das Wirken der
Päpste selbst in den Köpfen nicht weniger Katholiken festgesetzt haben, be-
ricntigen werde,
Dr. F. HIpler,
Dionysius der Areopagite.
Untersuchungen über Aechtheit und Glaubwürdigkeit der
unter diesem Namen vorhandenen Schriften, gr. 8. ^ M. 55 Pf.
Dr. L. J. V. Jazdzewski,
Zeiio Teronensis Episcopus.
Commentatio patrologica. 8. maj. 1 M. £0 Pf.
Fr. KAULEN,
LINGUAE HANDSHÜRIGAE INSTITUTIONES,
quns conseripsit, indicibus ornavit, chrestomathiaetvocabulario
^ auxit. 8. maj. 6 M. 60 Pf.
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Kirchengeschichte
von
Spanien.
Von
Pins Bonifacius Oams,
O. S. B.
» ■ ■ I
Dritter Band.
Vom Ende des eilften Jahrhunderts bis zur Gegenwart.
Swelle AbtheUung.
Jahr 1492 — 1879.
Begensburg.
Druck und Verlag von Georg Joseph Manz«
1879,
.Gell
\
7. U. I0|l
Vorrede.
'^ie nnn in fünf Bänden vorliegende Kirchengeschichte
von Spanien verdankt ihren Ursprung dem lebhaften Schmerze
des Verfassers über die Verkennnng des Bischofs Hosins von
Cordnba in der Kirchengeschichte, über seinen getrübten Ruf
bei der Nachwelt Ich war Jahre lang darüber betrübt, dass
er, der nach meiner Ueberzengiing es verdient hätte, unter den
Heiligen der Kirche verehrt und angerufen zit werden, durch
die Verleumdungen der Luciferianer zu den Gefallenen und
Abgefallenen gerechnet wurde und wird. Ein anderes, auch
nur untergeordnetes Motiv hat mich zu meiner Arbeit nicht
gfetrieben oder bei ihr festgehalten. Damit ist zugleich die
Frage beantwortet, wie ein Deutscher, ein „Ultramontaner**,
dazu komme, eine Kirchengeschichte von Spanien zu schreiben.
Hosius gehört nicht der spanischen Special-Geschichte, sondern
der allgemeinen Earchengeschichte an. Was er in und für
Spanien gewirkt, das tritt vollständig hinter dem zurück, was
( r in und für die ganze Kirche gethan. Ich wollte ursprüng-
lich meine Arbeit beschliessen mit dem Jahre 357 oder dem
Todesjahre des Hosius. Was ich am 27. August 1862 ge-
schrieben, das wiederhole ich am 27* August 1879: „Wie der
^osse Athanasius, so ist der grosse Hosius würdig der Liebe und
des unsterblichen Angedenkens aller christlichen Geschlechter«^
Wannn aber aus der Geschichte des Hosius eine Earchen-
beschichte von Spanien geworden ist, habe ich auf Seite 307
des zweiten Bandes gesagt Dort habe ich auch angedeutet,
dass ich keine spanische Kirchengeschichte im Detail, oder mit
Eingehen auf alle mehr oder weniger wichtigen Ereignisse
schreiben, sondern dass ich vorwiegend die Streitfragen in und
IV Vorrede.
Über die spanische Kirchengeschichte behandeln wolle. Der
richtigere Titel meines Werkes wäre gewesen: Abhandlungen
über die in der Controverse befindlichen Fragen der Kirchen-
geschichte Spanien^s. Dass ich aber diesen Titel nicht gewählt,
wird man begreiflich und verzeihlich finden.
Bei jeder einzelnen Streitfrage habe ich einen Versuch
der Lösung derselben gemacht, und ihn der Prüfung der Leser
vorgelegt. Die Punkte oder die Streitfragen, die zum grossem
Theile auch die allgemeine Kirchengeschichte berühren und in
ihr zum Theile behandelt werden, sind aber: 1) Die Missions-
reise des Apostels Paulus nach Spanien, und die muthmassliche
Richtung seiner Wanderung durch Spanien. 2) Die Ankunft
und die Thätigkeit der ,, apostolischen Siebenmänner ^ (Septem-
viri apostolici) in Spanien im ersten Jahrhundert 3) Die Er-
klärung des Briefes des heiligen Cyprian von Carthago an die
Christengemeinden zu Emerita und Asturica-Leon. 4) Einige
Streitfragen über die Zeit der grossen Christenverfolgung der
Jahre 304 — 305, besonders über die heilige Eulalia von Bar-
celona, und über die Frage der Aechtheit oder Unächtheit an-
geblich alter christlicher Inschriften. 5) Zeit der Synode von
Elvira — Mai 306 j Bischofssize und Pfarreien der dort ver-
sammelten Bischöfe und Pfarrer; die Erklärung der schwierig-
sten Canones (1, 2, 3, 15, 26, 34, 36, 49, 56, 57, 59, 62).
6) Grundlegung und Einfuhrung der kirchlichen Hierarchie in
Spanien durch Bischof Hosius. 7) Schuld oder Schuldlosigkeit
des Bischofs Hosius. 8) Ort und Zeit des Todes des Hosius
(t 27. Aug. 357 zu Sirmium in Pannonien). 9) Die Lucife-
rianer in Spanien. 10) Zeit und Ort der Entstehung der Häresie
der Priscillianisten , und ihre Verbreitung. 11) Ringen der
Bischöfe von Toledo um ihre Anerkennung als Metropoliten.
12) Die Streitfrage über den Ursprung und die Ausbildung
der altspanischen Liturgie. 13) Die Streitfrage über den Ort
und die Zeit der Entstehung der Sammlung des altspanischen
Kirchenrechtes. 14) Die Streitfrage über den Ursprung des
Primats der Kirche von Toledo, und die Stellung dieser
Kirche zu der römischen Kirche. 15) Die Frage über den
Ursprung und die Urheber der Häresie der Adoptianer.
16) Die Streitfrage über den Apostel Jacobus Major und sein
Verhältniss zu Spanien. 17) Die Streitfrage über die Anwesen-
heit des Primas Roderich Ximenes von Toledo zu Rom bei
dem Lateranconcil von 1215, und am 8. October d. J.
18) Die Frage nach der Zahl der Einwohner Spanien's zur
Zeit der Römer, der Gothen, der Mauren, und in der neuern
Vorrede. V
Zeit 19) Die römischen Strassen durch Spanien. (Die diesem
Bande heigegebene Karte: „Hispania Ecclesiastica^ ist vor-
wiegend eine Karte der Römerstrassen in Spanien). 20) Die
Entstehung und der Charakter der spanischen Inquisition, die
Frage ihres kirchlichen oder staatlichen Charakters; ihre Licht-
und Schattenseiten. 21) Die Gründe des Zerfalls der Macht
and Grösse Spanien's von den Zeiten Philipp's IL au*
Bei allen Streitfragen habe ich irgendeine bestimmte Lösung
vorgeschlagen. Die Gewohnheit Tillemonts und Anderer, zu
sagen: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein,
hat mir nie zugesagt Die Gegner müssen wissen, was sie zu
widerlegen haben. Weil aber die Leser manchmal im Unge-
wissen sind, was ich als geschichtliche Thatsache, was als
Hypothese vorlege, so gebe ich hier eine kurze Uebersicht.
Es ist geschichtliche Thatsache, dass der Apostel Paulus nach
Spanien gekommen. Die von mir dargelegte Richtung seiner
Reise durch Spanien ist meine Hypothese. Die Ankunft der
„ Siebenmänner ^ in Spanien ist geschichtliche Thatsache, ebenso
dass Torquatus erster Bischof von Acci, Indaletius von Urci,
Caecilius von EIvira-Granada, Euphrasius von Illiturgi gewesen.
Dass Secundus seinen Siz in Abla, Ctesiphon in Beija, Esitius
in Cazorla aufgeschlagen, ist meine Hypothese. Dass es eine
Enlalia von Emerita und eine andere von Barcelona gegeben
habe, ist geschichtliche Thatsache. Dass die Synode von Elvira
im Mai 306 gehalten worden, ist meine Hypothese; dasselbe
gilt von meinen Erklärungsversuchen der schwierigsten Canones*
Dass die spanischen Bischöfe von 306 bis 400 nicht nach der
Zeit ihrer Ordination, sondern nach dem Alter ihrer Bischofs-
ßize unterschrieben, ist meine Hypothese. Was ich über die
Schuldlosigkeit des Hosius, den Ort und die Zeit seines Todes
sage, halte ich für geschichtliche Thatsache. — Es ist wahr-
scheinlich, dass Gregor von Elvira nach dem Tode des Lucifer
von Cagliari Haupt der Sekte der Luciferianer wurde, und die
Verleumdungen gegen Hosius von ihm, von Faustinus und
Marcellinus stammen. Es ist wahrscheinlich, dass die Priscil-
lianisten schon zu Lebzeiten des Hosius und Olympius ent-
standen, daas Marcus, ihr Haupt, in Spanien weilte. Es kann
nicht bewiesen werden, dass der „Primas" Julian von Toledo
zu irgendeiner Zeit als Heiliger verehrt wurde. Es ist histo-
rische Thatsache, dass die altspanische Liturgie die Liturgie
der Kirche von Toledo war; es ist wahrscheinlich, dass die-
selbe von Tarragona nach Toledo, von Rom nach Tarraco
kam. Es ist wahrscheinlich, dass weder Elipandus von
VI Vorrede.
Toledo, noch Felix von Urgel Erfinder des Adoptianismus waren,
derselbe vielmehr reiner Nestorianismus war, der von den Nesto-
rianem nach Cordnba gebracht wurde, dass zunächst ^Bruder
Milita^ (Melito) den Elipandus für seine Irrlehre gewonnen
habe* — Was ich über Jacobus den Aeltem gesagt, ist Hypo-
these bis zum Jahre 756; von hier und vom Jahre 829 an ist
es geschichtliche Thatsache. Historische Thatsache ist auch,
dass im Jahre 962 fünf spanische Bischöfe erklärten: der Apostel
sei keineswegs lebendig, sondern sein heiliger Leib sei nach
Spanien gekommen* Es ist Thatsache, dass der zweite Tole-
tanische Primat vom Jahre 1088 toto coelo von dem ersten
Primate von 683 verschieden war. Es ist Thatsache, dass
der Primas Rodrigo Ximenes vor dem 12. Januar 1216 sich
in Rom aufhielt, also die grösste Wahrscheinlichkeit, dass er
wegen der im November 1215 statthabenden Lateransynode in
Rom erschienen war. Es ist mehr als nur Hypothese, dass
die spanische Inquisition einen staatlichen Charakter an sich
getragen, und dass es spanische Politik war, den Einfluss der
Päpste auf dieselbe ferne zu halten« Dass der Niedergang
Spanien's von den Zeiten Philipp's IL, von der Abschaffung
der mittelalterlichen Verfassungen, und von der sich vollendenden
absoluten Monarchie herstamme, scheint nicht zu leugnen. Es
ist auch historische Thatsache, dass den Autokraten Ferdi-
nand V., Carl L (V.), Philipp IL die Könige Philipp IIL,
Philipp IV., Carl IL, PhUipp V., Carl IIL, Carl IV., Ferdi-
dinand VII. folgten, welche statt ihrer ihre ersten Minister
herrschen und regieren Hessen.
Möge es dem Könige Alfons XII. beschieden sein, die
Wunden, welche das Unglück der Zeiten Spanien geschlagen
hat, heilen zu helfen und heilen zu sehen! Denn Gott hat die
Nationen so geschaffen, dass sie geheilt werden können*
Set. Bonifaz in München, 27. August 1879.
Pius Garns, o. s. B.
Inlialts-yerzeicilniss.
Vorrede. S. Ul-VL
Einleitnng. S. 1—4.
Dreizehntes Buch.
Di« Xlrolie la Bpftnlen vob der Erobenuiff Oranada'« bis auf Xdnlg
PhlUpp V. (1482—1700). 8. 5-803.
Erstes Kapitel.
Die epaniBcbe Staatsinquisitioii. Der heilige Petrus Arbnte, S. 5— d3.
Zweites Kapitel«
Die Spaoier in Amerika (1492— 1542), S. 94—121.
Drittes Kapitel.
Von der Eroberung Granada's bis zum Begiemngaantritte Carl's V. (I), (J. 1492
iMS 1517), 8. 122—148.
Viertes Kapitel.
Die Kirche In Spanien anter der BegieroDg Garl'a Y. (I). (1517—1556), S. 149—183.
Fünftes Kapitel.
Frühere Zeit der Begiemng PhUipp's II. (1566-*1568), S. 184—201.
Sechstes Kapitel.
Die Kirehe im spanischen Amerika (1542 bis a 1600), S. 202—220.
Siebentes Kapitel.
Die Begiemng Phiüpp's IL im Niedergänge (1568—1598), S. 221—251.
Achtes Kapitel.
Die Zeiten Pbilipp*8 lU. (1598—1621) nnd Philipp*« IV. (1621-1665), S. 252-286.
Neuntes Kapitel.
Die Zoten Carl's O. (1665—1700), S. 287—803.
VIII Inhalts -VerzeichniM.
Vierzehntes Buch.
«
Spanien unter den Bonrbonen und nnter der Herrschaft der Bevolntioii.
(1700-1879.) & 304-470.
Erstes Kapitel.
Spanien nnter den zwei ersten Bourbons Philipp V. und Ferdinand VI. — 1700
bis m9, S. 304-347.
Zweites Kapitel.
Kirche und Staat von Spanien nnter den grossen königlichen Jägern Carl III
(1759-1788), und Carl IV. (1788-1808), S. 348-383.
Drittes Kapitel.
Die Bischöfe in diesem Zeitraum, S. 384 — 403.
Viertes Kapitel.
BlUthe der Literatnr (1747—1808). Allmäliger Verfall, S. 404—426.
Fünftes Kapitel.
Vom Jahre 1808 bis znr Gegenwart, S. 427-470.
Recapitulation des ganzen Werkes.
Erstes Kapitel. Erster Band, 1862, S. 471—4.^1.
Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864, S. 481—493.
Drittes Kapitel. Der dritte Band, 1874, S. 494—509.
Viertes Kapitel. Der vierte und fünfte Band — 1876—1879, S. 510—532.
Einleitung.
Der Backblick auf die Jahrhunderte des Mittelalters der Kirche
in Spanien, anf die 780 Jahre, welche von der Entscheidangsschlacht
am Guadalete — im Jahre 711 bis zum 2. Jannar 1492, dem Tage
des Einzugs der christlichen Spanier in die lezte Burg der Mauren in
Granada, yerflossen, ist tröstend und erhebend. Der Rückblick auf die
vier Jahrhunderte, welche seit dem Einzüge der Christen in Granada
bis zu der Gegenwart verflossen, ist weniger erhebend. Die Kraft des
Volkes ist seit Jahrhunderten gelähmt. Die politischen wie die kirch-
lichen Zustände sind traurig. Trauernd sagen die patriotischen Spanier:
Wir sind ein unglückliches Volk und Land.
Die Vereinigung Spanien's, d. i. der beiden Reiche Gastilien und
Aragonien galt unbestreitbar für das Volk und die Eirche in Spanien
als grosses Glück. Vielleicht war es nur ein scheinbares Glück, in
Wirklichkeit aber ein Unglück. Wir wissen nur zwei grosse Erfolge
aufzuweisen^ welche dieser Vereinigung gefolgt sind, die völlige Be-
siegung der Mauren, und die Entdeckung, Besitznahme und Christiani-
sirung eines Theiles von Amerika. Allein wenn die castilianischen
Konige von Alfons X« an bis Isabella (1252 — 1474) nicht so tief von
der Hohe und Grösse Ferdinand^s III., des Heiligen und Alfons' IX*
herabgesunken wären, so wären sie allein im Stande gewesen, die Mauren
ans Granada zu vertreiben, wie sie Ferdinand aus Jaen, Cordova, Sevilla
(und Cadix), wie sie Jayme I. von Aragonien aus den Balearischen Inseln
and Valencia, wie die Portugiesen sie aus Algarve vertrieben hatten.
In den Erwerb und die Christianisirung Amerika's aber konnten sich
die Castilianer und Aragonier ebenso theilen, wie sich die Spanier und
Portugiesen getheilt hatten.
Ausserhalb Spanien's besteht die Ansicht, als seien die Spanier
ein einheitliches, geschlossenes, ein centralisirtes Volk. Ein Spanier
aber sagt nicht so leicht: Ich bin ein Spanier, sondern: Ich bin ein
Castilianer, Catalane, Baske, Asturier u. s. w. Es sind keine besondem
Provinzen, sondern besondere Völker, welche' nach dem Jahre 1474
GtUBSt qpan. Kirch*. UL S. 2^
2 Einleitung.
zunächst in einer Personal-Union verbunden wurden. Sie hatten ein Recht,
in ihrer Eigenart und in ihrer besondern Geschichte fortzuleben, ihre Ver-
fassungen und Einrichtungen (Fueros) ungeschmälert zu erhalten. Der
allmälig sich ausbildende spanische Einheitsstaat in seiner starren Centrali-
sirung -war das Unglück, das Verderben Spanien's. Die Könige Carl (V.),
besonders Philipp IL, die auf sie folgenden willenslosen Konige und
omnipotenten Minister und Günstlinge, welche den spanischen Einheits-
staat gegründet, tragen die meiste Schuld an dem 2ierfalle der Macht
und Grosse Spanien's. Das alte Spanien war überhaupt nur ein Jahr-
hundert lang unter den gothischen Königen geeinigt. Die acht Jahr-
hunderte des Mittelalters aber hatten gesonderte und getrennte Völker
geschaffen, nicht nur die Portugiesen neben den Castilianem^ von denen
die einen die Sprache der andern nicht verstehen, sondern auch die
Valencianer, die Catalanen,'die Aragonier, die Navarresen, die Basken, die
Galizier, die Asturier, zulezt noch die Andalusier und die Estremoz (die
von Estremadura) neben den Castilianern. Welcher Unterschied besteht
heute noch zwischen dem ernsthaften und ceremoniösen Castilianer, und
dem fröhlichen leichtlebenden Andalusier, welchem maurisches Blut in
den Adern fliesst, welcher Unterschied zwischen dem schwerfälligen
Asturier, der sich seines Königs und Ahnen D. Pelajo rühmt, und
dem elastischen Catalanen?
Die Catalanen und die Basken verstehen heute noch nicht die
Sprache der Castilianer. Es sind nicht verschiedene Mundarten, sondern
verschiedene Sprachen, die sie reden. Die castilianische Sprache aber
haben die Leonesen, Galizier, Castilianer ausgebildet; die beiden Länder
Estremadura und Andalusien haben sie von ihnen angenommen.
Die Vereinigung der spanischen Lande schien ein grosses Glück
für die katholische Kirche zu sein. Wir unterscheiden den Schein von
der Wirklichkeit. Was man von dieser Einigung hoSte, hat sich nicht
erfüllt. Die römische Kirche hat viel, unendlich viel gelitten unter den
Ansprüchen und Anmassungen, unter der unersättlichen Hab- und
Herrschgier der spanischen Herrscher, d. h. der Könige Ferdinand
(von Aragonien), Carl V* (L), und Philipp U., welche selbst regierten,
und unter den omnipotenten Ministem der Könige von Philipp UI.
an, welche Sklaven ihrer Günstlinge waren ^).
') Der vielgerahmte KOnig Carl UI. (1759—1788) wiuste sich zn trösten mit
der Hoffnung, dass nicht er, der König, sondern seine Minister Gott verantwortlich
seien ftUr die Fehler ihrer (i. s. seiner) Regierung. Ein Hofmann empfahl einst
einen erklärten Günstling des Königs diesem für irgend ein Amt. Oarl III. fragte,
ob derselbe in der That alle su dem Amte erforderlichen Eigenschaften besize. Auf
die bejahende Antwort erwiederte der Nachfolger Philipp*8 IL: „Ich bin Ihnen sehr
vielen Dank schuldig, dass ^ie an diese Beförderung gedacht haben. Ich hätte nie-
mals gewagtf mit Ihnen dacon zu sprechen."
Einleitang. «>
Das Yerhältniss Spaniea's zu Rom in den lezten Jahrhunderten
ist der bestandige Plan und Versuch, mit Hilfe der römischen Kirche
sich von der romischen Kirche loszutrennen, den Primat der Jurisdiction
Rom's zu einem Primate der Ehre herabzudrücken, mit Hilfe Rom's im
Innern und nach Aussen einen Druck anf die der spanischen Staats-
omnipotenz widerstrebenden Kräfte auszuüben. Schon Carl V. wollte
nor Päpste, die seine dynastischen Interessen förderten. Die Päpste
sollten Yor allem der Krone Spanien dienen. Rom sollte in Spanien
nichts, oder fast gar nichts zu sagen haben. Die eigentlichen Päpste in
Spanien sollten die Könige oder ihre omnipotenten Minister sein. „Das
streng katholische Spanien (sagt Joseph Hergenröiher) bietet in seinen
Verhandlungen mit Rom ein ganz eigenthümliches Bild dar. Der Ab-
solatismus seiner Beherrscher, ihre misstrauische, yon eigenem Interesse,
doch auch hin und wieder yon grossen, auf das Allgemeine gerichteten
Gedanken — geleitete Politik mit ihrer steifen Schroffheit, mit ihrer
ängstlichen Geheimnisskrämerei zeigt sich auf dem religiösen Gebiete
nicht weniger, als auf den andern, und ihre Zähigkeit wusste Sehritt
fibr Sehriit dem päpsüiehen Stuhle^ der sich nur in der Defensive halten
konnte, mit beharrlichen Gesuchen, wie durch aggressives Vorgehen eine
Cofhcession um die andere abzutrotzen, ohne dadurch grössere innere
Festigkeit und Stärke zu erlangen, wie man yergebens gehofft; ja wie
die rasch erbeuteten Schäze der neuen Welt bald zerronnen waren,
nnd die gesteigerte Machtentfaltung nach Aussen nur die innere Ohn-
macht Tergrösserte, so trugen auch die zahlreichen kirchlichen Praroga-
tiven des Monarchen wesentlich mit zum Verfalle Spanien's bei, und
brachten auch seinen Klerus in eine Lethargie und Kraftlosigkeit, aus
der nar die gewaltigsten Erschätterungen ihn wiedererwecken sollten.^
Als die Lichtseiten des kirchlichen Lebens in Spanien yom Jahre
1492 an treten hervor die grossartige Missionsthätigkeit des spanischen
Klems, (an den Missionen nahmen im edelsten Wetteifer besonders
die yerschiedenen Orden Antheil), die Stiftung und Blüthe ver-
schiedener neuer Orden im Mutterlande selbst, das Leben und die
Wirksamkeit zahlreicher Heiligen beider Geschlechter, sodann die
aosserordentliche Blüthe der spanischen Literatur, besonders im sechs-
zehnten, und in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.
Wohl begann schon unter der Regierung Philipp's U. der Zerfall
Spanien's, aber er trat sehr langsam ein, und wurde damals weniger
gefühlt« Das ganze siebzehnte Jahrhundert, die Zeit der drei lezten
Habsburger war ein Jahrhundert der Erlahmung und Erschöpfung.
Sowohl die Annektirung, als die nach 60 Jahren wieder erfolgte Los-
reissung Portugal's war eine stets blutende Wunde für Spanien, deren
Kachwehen in dem gesteigerten Nationalhasse der Portugiesen gegen
die Spanier fortdauern.
4 Einleitung.
Unter Regenten, wie Philipp IIL, Philipp IV. und Carl IL, die
selbst nicht regieren wollten oder konnten, führte aach der Staat und
das Volk ein hinwelkendes Dasein. Der spanische Erbfolgekrieg entn
Yolkerte das Land auTs Nene und bedeckte es mit Ruinen. Unter
Philipp y. und besonders Ferdinand VI. trat einige Besserung ein.
Von den Zeiten Carl's III., vom Jahre 1759 an, hatte die Revo-
lution Yon oben herab die Gewalt. Seit etwa 116 Jahren ist es vor-
zugsweise die Revolution, welche auf dem Throne Spanien's sizt. Das
Land fiel von einer Ohnmacht in die andere, unterbrochen von kurzen
krampfhaften Anstrengungen zur Erhebung, die mit neuen Niederlagen
und Erschöpfungen endeten. Die Revolutionäre brachten es über grosse
Worte und Verheissungen nicht hinaus. Das Alte musste, weil es alt
war, von ihnen zerstört werden; Neues zu bauen, waren sie nicht im
Stande.
Nicht das Eonigthum in seinen verschiedenen Formen, sei es ein
legitimes und unumschranktes, sei es ein beschranktes und von Par-
theien abhängiges, nicht die Republik oder moderne Verfassungen,
können Spanien retten, nur die von Gott erschaffene und von Gott
erhaltene Kraft des Volkes — im Bunde mit der katholischen Kirche.
Dreizehntes Buch.
Die Kirclie in Spanien von der Eroberung Granada's
bis anf König Fhüipp IL
(1492— 1Ö56.)
Erstes Kapitel.
Die gpanlsehe Staatsinqnisiflon. Der heilige Petras Arbate.
§1.
Der Dichter Friedrich Schüler, der von sich selbst als Geschicht-
schreiber bezeugt: „Der Sto£f miiss es sich gefallen lassen, was er
unter meinen Händen wird^, hat in seinem historischen Roman: »Die
Geschichte des dreissigjährigen Krieges^ den Grafen Tilly als Mord-
brenner, als den Urheber des Brandes nnd der Plünderung Magde- Brudv.
burg^s (am 29. Mai 1631) dargestellt, nnd etwa 60 Jahre lang betete ^]^^
die »gebildete^ Welt gläubig das Mährchen nach. Das Mährchen ist i6si.
heute for jeden , der die Waiirheit sucht, als solches entlarvt Es ist
sonnenklar, dass der Schwede Falkenberg und seine Gehilfen Magdeburg
in Brand gesteckt haben, damit diese wichtige Festung nicht den
Kaiserlichen in die Hände falle. Nicht diese, sondern die Schweden
hatten ein brennendes Interesse an dem Brande Magdeburg's. Wer
das GegentheU heute noch behauptet, der ist selbst ein blinder Fana-
5 Dreizehntes Bneh. Erstes Kapitel.
tiker, oder er ist in seinen historischen Forschungen nicht über den
dreissigjährigen Krieg von SchiUer hinausgekommen.
§• 2,
Seit drei Jahrhunderten wird das Mähreben herumgetragen, dass
die Katholiken Frankreich's, vor allem die Bischöfe und Priester, die
Schuld an der sogenannten Bluthochzeit — in der Bartholomäusnacht
(am 24. August 1572) — tragen, und dass Papst Gregor XUI. zur
Feier des Blutbades ein Te Deum gesungen habe. Aber was ging der
Bluthochzeit voran? Die unmenschlichen, die diabolischen Grausam-
keiten der Hugenotten, der Protestanten Frankreich's. Wo immer die
^Wttt.' Protestanten siegten, wurden die Katholiken unterdrückt, sie mussten
hoeh- ihrem Glauben entsagen, oder fliehen, oder sterben. Von Glaubens-
freiheit, deren man sich heute so sehr rühmt, war keine Rede. — Aus
n
seit" a.
Ihr
Toran- Schottland^ aus England, aus Dänemark und Norwegen, aus Schweden
**"*• u. s. w., wurde die katholische Kirche vertrieben durch die siegreiche
Gewalt. Kein Einwohner dieser Länder durfte Katholik bleiben oder
werden. Der „edle*^ Gustav Adolph von Schweden Hess drei junge
Schweden, die im Auslande Katholiken geworden, nach ihrer Heimkehr
hinrichten^). Seine Tochter, die Konigin Christine, wurde dennoch
Katholikin, aber nicht in Schweden oder auf dem Throne Schweden's,
sondern nach ihrer Auswanderung und Abdankung (1677). Sie wäre
vielleicht nicht hingerichtet worden, aber sie wäre auch nicht auf dem
Throne geblieben.
Der lezte Erzbischof von Set. Andreas in Schottland, Johann
Hamilton, fiel in die Hände seiner Feinde, und endete durch den Strang
— 6. April 1570. Allen Katholiken in Schottland stand Confiscation
des Vermögens, Verbannung oder der Tod in Aussicht.
^® Ein Anführer der Hugenotten in Frankreich, durch seine Grau-
der samkeit berüchtigt, Hess einmal 3000 Katholiken, darunter Kinder nnd
Hag«- Greise, ermorden. Bei einer Tafel wurden (im Jahre 1569) katholische
nouen. ]g2(}^]]Q^^ meuchlcrisch ermordet. Man zeigt heute noch einen Brunnen,
in welchen 200 Priester geworfen wurden. Der Hugenotte Briquemaut
trug ein Halsband, das aus den abgehauenen Ohren katholischer
Priester zusammengesezt war. Ein Hugenottenfiihrer zwang seine
Opfer, von der Höhe eines Thurmes sich hinabzustürzen. Als die
Hugenotten einst in ein Kloster drangen, entrann nur ein Bewohner
desselben dem allgemeinen Blutbade; auch dieser wurde eingeholt, und
lebendig verbrannt. öOEotthedralen, 500 kleinere Kirchen wurden von den
*) „Wie Gofltav Adolph die religiöse Freiheit der Katholiken verstand* -«
in „Hittorisch-poUt Blfitter«", Bd. XIII, S. 580—584.
Hugenotten; epanische Inquisition. 7
HogenotteD zerstört. Gegen die Gräber, gegen die Reliquien und Leiber
der Heiligen wurde gewüthet. Es war ein Yertilgungekrieg, den die
Hugenotten führten. Hätten sie gesiegt, die Kirche Frankreich*s wäre
im Blnte ihrer Bekenner erstickt worden.
Nach all' diesen Unthaten wurden in der Nacht vom 23./24. August
1572 in Paris selbst c. 200 — 500, in ganz Frankreich im Laufe der
nächsten Tage c. 2000 — 4000 Hugenotten ermordet. Von wem? Nicht
TOD den Katholiken als solchen. Es war ein politischer Racheact, der
zunächst von der Königin Mutter Catharina yon Medicis ausging,
welche sich ihrer politischen, nicht religiösen Gegner entledigen wollte.
An den Berathungen zum Morde der Hugenotten hat kein Bischof^
kein Priester Theil genommen. Unvergleichlich grosser war die Zahl
der Katholiken, die vorher von den Hugenotten ermordet worden. Wir
rechtfertigen nicht den Bacheact, wir entschuldigen ihn nicht, sondern
wir erklären ihn. Die Bischöfe Frankreichs traten in jenen Tagen überall
versöhnend auf. Wo immer man ihnen Gehör gab, unterblieben weitere
Gewaltthaten, und nicht wenige Hugenotten kehrten desswegen zu der
Kirche zurück. König Carl IX. liess dem Papste Gregor XIII. melden,
ea sei eine gegen sein Leben gerichtete Verschwörung vereitelt worden.
Nicht wegen der Bluthochzeit, sondern wegen der — angeblichen —
Rettung des Königs von Todesgefahr wurde zu Rom ein Te Deum gehalten.
§. 3.
Neben dem Magdeburger Brande, und der Pariser „Bluthochzeit^
wandelt stets als dritter Popanz, der gegen die Katholiken in das Treffen
gefuhrt wird, die spanische Inquisition. Diese Inquisition ist aber nicht Diespa-
von der Kirche, sondern von der weltlichen Regierung eingeführt, aus- jj^^^,*
gebildet und erhalten worden. Sie ist kein kirchliches, sondern ein suion.
Staatsinstitut, theilweise mit kirchlichen Formen. Es ist eine aus dem
Charakter und der geschichtlichen Entwicklung des spanischsn Volkes
hervorgegangene Einrichtung, ein Institut, für welches die katholische
Kirche keine Verantwortung triffi;. Das wussten oder beobachteten aber
die Spanier selbst nicht, sonst hätten sie nicht den überall, z. B. in
Italien und den Niederlanden, misslungenen Versuch gemacht, ihre nur
är Spanien passende Inquisition den Katholiken anderer Länder, die ^^
onter dem Scepter Spanien's standen, aufzuhalsen und aufzuzwingen. inaüULU
In Spanien selbst ging die Inquisition aus den gegebenen Verhält-
nissen naturgemäss hervor. In ihr machte sich eine geordnete und geregelte
Gerichtsbarkeit ebenso zum Schuze der Bussfertigen und Unschuldigen^
wie zur Unterdrückung der in die Häresie, besonders in das Judenthum
Zurückgefallenen, geltend. Wer könnte leugnen^ dass die Inquisition
in Spanien selbst ein volksthümliches und ein geachtetes Gericht war?
N«tio
nallnsti
8 Dreizehntes Bach. Erstes EjtpiteL
Bei der Natur des annoch gläubigen spanischen Volkes, sei es,
dass es an den erst kommenden Messias , oder an Muhamed, den Pro-
Ein pheten des einzigen Gottes, oder an Christus, den eingebomen Sohn
Gottes, glaubte, konnten mehrere entgegengesezte Bekenntnisse an-
tut, möglich im Frieden, ja sie konnten ohne bestandigen gewaltsamen
Kampf nicht neben einander bestehen. Die spanische Nation war und
ist, so weit sie gläubig war und ist, exclusiy, wenn man will, aus-
sdilieüsend gläubig. In den Augen des gläubigen Spaniers kann nur
eine llfligion die wahre sein, und diese allein wahre Religion muss
allein herrschen^ weil sie die wahre ist. Die gläubigen Spanier haben
stets die religiöse Einheit angestrebt und festgehalten. Sie haben stets
von der Staatsgewalt verlangt, dass sie diese Einheit schüze und auf-
recht halte. Wären sie der Mehrzahl nach Juden gewesen, so hatten
sie das Christenthum nicht neben sich bestehen lassen.
* §. 4.
Dieser exclusive Charakter des spanischen Volkes ist uns vom
Anfange dieser Kirchengeschichte an wiederholt in auffallender Weise
begegnet. Dieser Charakter tritt schon an den sogenannten apostolischen
„Siebenmännem^ (um das Jahr 65 n. Chr.) hervor, deren Begleiter
doch wahrscheinlich Spanier waren. Sie sahen, dass die Heiden in
Acci (Guadix) den Gozen opfern. „Die Ungläubigen geben sich durch
den offenen Dienst ihrer Religion zu erkennen*^ »I^io Begleiter der
Siebenmänner aber^ [sagt F^rrero«], „schrieen gegen diese Abscheulichkeit
des Gözendienstes , und zogen sich dann zurück.^ In dem Hymnus
des Festes der Siebenmänner lesen wir: „Die Jünger sahen, dass die
Gözenbilder in falscher Weise verehrt wurden. Während sie mit
Thnlnen diess Begängniss zu verhindern treffen, werden sie durch den
gottlosen Andrang der Heiden erschreckt.'^ Da sie andere Mittel nicht
hatten, suchten sie wenigstens durch Thränen und Weheklagen den
Gozendienst zu verhindern.
Diese exclusive Eigenart des spanischen Charakters tritt hervor
in den glorreichen Märtyrern des vierten wie des neunten Jahrhunderts.
Die heilige Justa und Rufina von Sevilla weigern sich nicht bloss, der
spa- Göttin Salambo ein Geldstück zu opfern, sondern sie zerstampfen und
EU^- Verstössen mit ihren Füssen das Gozenbild, welches herumgetragen
•rt. wird, — und sterben dann freudig fiir ihren Glauben. Von der heiligen
Eulalia von Merida (Jahr 304) singt der Dichter Aur. Prudentius:
Sie speit ihm (dem Richter) ergrimmt in's Gesicht,
Und sie zertrümmert das GrOzengebild
Auf dem Altar — und das heilige Mehl
StOsBt sie mit FOssen vom Banchfass hinweg.
Spanische Eigenart. Die Jaden in Spanien ^exclnaiy*. 9
Die Christen traten todesverachtend and den Tod suchend in
den einzelnen Städten herror, um die Gozenbilder zu zertrümmern^ zu
einer Zeit, wo die Zahl der Christen in Spanien noch sehr klein war.
Darum verordnete der Canon 60 der Synode Von £lyira — im Jahre ^**
306: „Wenn Jemand Gozenbilder zerbricht, und dabei getödtet wird, tjr«r
da dieses im Eyangelium nicht geschrieben, auch nicht, gefunden wird, ^^°
dass es je unter den Aposteln geschehen sei, der soll nicht unter die
Märtyrer aufgenommen werden^ '). Aber gerade darin bestand die spa-
nische Eigenart, dass sie etwas für erlaubt oder für eine Tugend hielten^
was andere Christen nicht thaten und nicht billigten.
Ein grosser, vielleicht der grossere Theil der spanischen Märtyrer
suchte den Martyrtod durch Angriffe, durch Herausforderungen gegen
die Heiden oder Muhamedaner. Der Arianer, Konig Leovigild (f 587)
nannte den Bischof Masona von Emerita, weil er lieber sterben, als
nachgeben wollte, einen, der mit Gewalt den Tod sucht. ^)
Wenn wir auf die grosse Verfolgung der Christen unter den ^*'
Mauren in Cordova (Jahr 839 — 864) zurückblicken, so erinnern wir tTrer
uns, dass die Mehrzahl der Märtyrer auf den öffentlichen Fläzen er- ▼• ^^'
schienen, und die Lehre und Person Muhamed's angriffen mit der be- 639-86«.
stimmten Absicht, ihr Leben far das Bekenntniss ihres Glaubens hin-
zugeben. Alle litten standhaft den Tod, und werdeq von der Kirche
als wahre Märtyrer verehrt').
§. 5.
Zu aller Zeit wollten die Juden ihre Religion in Spanien aus-
breiten, und herrschen. Die Oeseze gegen die Juden zur Zeit der
Westgothen schienen strenge zu sein, sie waren aber nicht gegen die ^"^
Juden überhaupt , sondern gegen die getauften Juden gerichtet. Der den in
jüdische Schriftsteller Dr. Heinr. Grätz gibt dieses zu. Nach ihm sp»»^"*
„dürfte es sich als unzweifelhaft herausstellen, dass die Tendenz der "bit".
meisten Oeseze nicht nur die Chri^ianisirung der Juden, der treuen
Bekenner des Judenthums, auf dem Wege der Gesezgebung, sondern
die Zurückfuhrung der bereits getauften, und zur Apostasie vom
Christenthum geneigten Juden in den Schooss der Kirche war« Es dürfte
sich zeigen, dass nur sehr wenige Paragraphe den Juden im eigent-
lichen Sinne gegolten haben. Diese Geseze, welche man als Ausfluss
0 KircheogeBCh. II, 1, S. 124.
^ Espaßa sagrada, t. XIIL, p. 367. Mit Unrecht übersetzt JQT. Florez das
Wort: Biotbanatos — einen Qeisteskranken — (mente captns).
*) yDle Bekenner and Märtyrer von Cordnba^, Kircbengesch. If, 2, S. 299
bis 33a
10 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
eines gewaltsamen Fanatismus gebrandmarkt hat, dürften (darum) in
einem mildem Lichte erscheinen" *).
Es ist ziemlich allgemeine Annahme, welcher auch wir beitreten,
dass der sonst so gefeierte Konig Receswinth in seinen spätem Tagen
unter den Einfluss einer ^^ Jüdin *^, und der ^^Juden^ kam, und dass
deren Einfluss die Stagnation des geistigen Lebens in jenen Tagen
zuzuschreiben sei*).
Welche einflussreiche Rolle Juden als Aerzte und besonders als
Schazmeister oder Finanzminister am Hofe der Könige yon Castilien
Die gespielt, ist allbekannt. Die spanischen Juden trieben stets Proselyten-
jaden Q|gciierei. Abraham Ben Samuel Abnlafia, £ceboren im Jahre 1240 zu
Proso- ' ®
lyten- Tudela, wollte seine Landsleute auf dem Umwege über Rom bekehren.
machet, jjj. nja^hte sich an den Papst Martin IV., und wollte ihn überreden,
Jude zu werden — August 1281. Man Hess den Narren laufen.
„Ueberall verfolgt, aller Orten verwiesen, flüchtete er sich endlich auf die
Insel Comino bei Malta, und starb als Märtyrer seiner Schwärmerei" ^).
Waren es doch die Juden, die sich zum Scheine taufen liessen,
sich in die einflussreichsten Stellen, und selbst auf Bischofsstühle ein-
schlichen, damit sie um so wirksamer Proselyten machen konnten.
Juden waren es, welche die Mauren zur Eroberung Spanien's einluden«
Die Juden waren es auch, welche durch ihre geheimen Umtriebe den
nächsten Anstoss zu der Einfuhrung der Inquisition gaben.
§. 6.
Auf der andern Seite waren aber auch die Christen gegen die
Juden ^exclusiv", und suchten sie auf sanften oder unsanften Wegen
zu Christen zu machen. — Im Jahre 418 nahmen 540 Juden in
Mahon auf Menorca die Taufe an, nicht ohne Gewaltthätigkeit von
*) Heinr. Orätz, „Die westgothische GesezgebuDg in Betreff der Juden",
Bresl. 1858, S. 5. — In seinem grossen Werke : „Geschichte der Juden* — Band III,
Leipz. 1861, kommt H. Qrätz wieder auf denselben Gegenstand znr&ck, S. 70-79,
aber von einem mildern „Lichte*" ist hier keine Rede mehr; einen ünterBchied zwischen
getauften und eigentlichen Juden kennt er nicht mehr. Freilich ist dieses gproase
Werk (11 Bände) herausgegeben vom ,, Institut zur Förderung der israeiitisohon
Literatur**. Um so werthvoUer ist das G^tändniss vom Jahre 1858.
*) Vom Jahre 656—673 hörten die sonst so häufigen Concilien von Toledo
völlig auf. Wie wir, so fasst H. Florez die Lnge der Dinge auf, während Ftc. de
la FiLffnie den Receswinth durchaus in Schuz^ nimmt« "^ Espafia sagrada, t. Y,
append. 8. t. VI, cap. 13. — Ftc. de la Puente (Rir<ihengesch. v. Spanien), t II
(1873), p. 326.
') if. Kayserling, Die Juden in Navarra, den Baskenländern und auf den
Balearen. Berl. 1861. S. 83.
Die Spanier „exclosiv''. 11
Seite der Christen. Nur drei Jüdinen leisteten noch einige Zeit Wider-
stand ').
Wie im übrigen Europa, so brachen in Spanien wiederholt blutige
Verfolgungen gegen die Juden aus. Während aber in andern Ländern
der christliche Pöbel an der Niedermezlung der Juden sich genügen
Hess, trat bei den christlichen Spaniern das Streben hervor, die Juden
zur Taufe zu bringen und zu zwingen. Sie verstanden das Wort:
Compelle (eos) intrare (zwinge sie, hereinzugehen) — nur zu buch-
stäblich. Eine solche religiöse Bewegung und zugleich Verfolgung der
Juden ging im Jahre 1391 durch Spanien hindurch. Die Juden in
Sevilla, Cordova, Toledo, Valencia und in andern Städten wurden
theils getödtet, theils gezwungen, das Christenthum zu erheucheln. ^'®
Damals brach auch auf Palma und der Insel Mallorca — ein Aufstand
.ex-
gegen die Juden aus. Die Bichter und die Magistrate schüzten die «lui^''
Jaden, die Matrosen und Arbeiter griffen dieselben an. Wegen der
Jaden kämpften Christen gegen Christen. An 300 Personen fanden in
diesem Yolksauflauf ihren Tod, gegen 800 retteten sich in das könig-
liche Schloss (die Universität), die übrigen (Juden) gingen (zum
Christenthum) über. — In Barcelona sezte das Volk den Juden zu, es
liess ihnen die Wahl zwischen Taufe oder Tod. Die einen zogen das
Leben und die Taufe vor, andere wählten den Tod").
Am schärfsten tritt die Eigenart der Spanier in der Vermengung
des Geistlichen und Weltlichen hervor. Der religiöse Spanier will,
dass die Eorche den Staat ganz durchdringe^ der Staat des christlichen
Spanien's soll gleichsam ein Gottesstaat, die vollkommene Herrschaft
Gottes auf Erden sein. Der Gedanke einer Trennung von Kirche und
Staat ist ihnen undenkbar. Wenn das Christenthum die ewige Wahr-
heit ist und darbietet, so soll es auch das ganze öffentliche Leben be-
stimmen und beherrschen. Unter diesem Gesichtspunkte nur können
wir den Canon 18 der dritten Synode von Toledo im Jahre 589 be-
greifen; „Die Bezirksrichter und die Fiscalbeamten sollen (auf den
Synoden) lernen, nicht durch Lasten oder übermässige Leistungen ent-
weder die Privatleute zu beschweren, oder die Angehörigen des Fiscus
zu beladen. Die£ischöfe seien nach dem Willen des Königs AoftSllCry
wie die Richter das Volk behatiddn, sie sollen sie ermahnen, ihre An-
massttngen (insolentiis) vor den König bringen, und sie im Nothfalle
cxcommoniciren. Der Bischof soll mit den Ael testen berathen, was
') Kirchengesch. II, 1. S. 406. — Vergl. Jost, Geschichte der Israeliten, B. IV,
8. 243 flg. — Ghrätz, Geschichte der Juden, 2. Aufl. Leipz. J866, II. S. 392. —
Kayserling, die Juden auf den Balcaren, 1861, S. 156-— 158. (Leztere drei Schrift-
steiler sind selbst Jaden.)
*) M. Kayserling a. a. 0., S. 162—165.
12 Dreizehntea Bach. Erstes Kapitel.
jede Provinz ohne ihren Schaden leisten kann***). Diese Vermengung |
des Geistlichen und Weltlichen hat sehr viel Unheil über Spanien ge-
ver- bracht, der Kirche selbst aber vielleicht mehr geschadet als dem Staate.
«rr^fl- Nur in dem neu entdeckten Amerika erwies sich die Gewalt der Geist-
nng uM I
Kirch, liehen in weltlichen Dingen als wohlthätig und erhaltend. Ohne diesen
"^J**Einflu8s der Bischöfe und Priester wäre die Urbevölkerung des mittlerii|
uchea. und sädlichen Amerika so völlig ^^vom Erdboden hinwegculüvirt^
worden, wie die Ureinwohner der Inseln S. Domingo und Cuba, über-
haupt Westindien's').
So kann man denn sagen, dass die spanische Inquisition aus dem
Charakter des spanischen Volkes selbst hervorgewachsen sei. So lange
die Spanier gläubig sind, können dort mehrere Religionen nicht neben
einander im Frieden bestehen« Die gläubigen Spanier wollen Glaubens-
einheit, nicht Glaubensfreiheit. Man kann darum die spanische Inqui-
sition ebenso ein National- wie ein Staatsinstitut nennen. Die Begierung
vollzog nur, was das -gläubige Volk der Katholiken in seiner immensen
Mehrheit wollte'). Dabei fielen die materiellen Verluste durch den
Wegzug der Juden (und Mauren , vielmehr Moriscos) nicht in das
Gewicht. — Dass die Inquisition bei den hohem Ständen, besonders
dem Adel, wenigstens im Anfange missliebig war, kam grossentheils
daher, dass sie zur Concentrirung der königlichen Macht, zur Aas-
bildung der Staatäomnipotenz missbraucht wurde* Auch war „der
Adel mit den getauften Juden verschwägert oder befreundet^*).
§. 7.
Kircb- Das Gericht der kirchlichen Inquisition bestand im Königreich Ära-
qaiBition gouieu Seit dem dreizehnten Jahrhundert. Es war im Kampfe der Kirche
in Ars- gegen die Waldenser, Albigenser, und verwandte Sekten entstanden,
go en. j^.^^ Dominikaner waren, im Auftrage des Papstes und der Bischöfe,
die delegirten Richter. Es bestand aber kein permanenter Gerichtshof^).
Der heilige Kaymund von Pennaforte, Llotger, der Richter über die
^) Kirchengesch. II, 2. S. 13. Allerdings hatten auch die Bischöfe im Römi
sehen Reiche das Recht, in Processen der Partheien ab Schiedsrichter zu entscheiden
Der heilige ÄugtufHn u. a. beschwert sich über dieses zeitraubende Geschüft
*) Aber die wilden Garaiben oder Cariben hätten die Bewohner der AntillcE
auch ohne die Ankunft der Europäer alhnählig aasgerottet Oscar Pesehel, D&&
Zeitalter der Entdeckungen, 1858, 8. 195—200.
*) Unter den 8 Millionen Einwohnern Spanien's in jener Zeit waren c 7 MiUionoc
Katholiken, an 160.000 Juden, nebstdem c. 400.000 Maaren im getrennten Reiche
Granada.
*) Grätz, Bd. V, S. 806.
*) Kirchengesch. Bd. lY (ÜJ, 1) S. 229, 246.
Kirchliche Inquisition in Antonien. Nicolans Aymerich. 13
Tempelherrn, Nicolaua Aymerich der Censor und Verfolger der Schriften
fiaymundas Lnllus, hatten yorubergehend dieses Amt verwaltet^).
Der Dominikaner Aymerich stammte aus Gerona, trat in den ^^
Orden im Jahre 1334; von 1357 an war er (päpstlicher) General-Inquisitor «uor
aller Reiche der Krone Arairon. Unter seinen zahlreichen Schriften ^^^^
® lieh.
neimen wir: „Tractatos gegen diejenigen^ welche die Dämonen anrufen
und sie \rerehren^ — 1371, woraus erhellt, dass Verbrechen dieser Art
Tor das Gericht der Inquisition gehörten. Eine andere Schrift handelte:
„Von der Jurisdiction der Kirche und der Inquisitoren gegen die Un-
gläubigen, welche Dämonen anrufen.^ Eine andere Abhandlung spricht
von der „Gerichtsbarkeit der Inquisition gegen die Ungläubigen, welche
etwas gegen den katholischen Glauben vollfährten^.
Sein „Anweiser für Inquisitoren'^ (Directorium Inquisitorum) er-
schien zuerst in Avignon — 1376, wieder in Barcelona — 1503; mit
Commentaren zu Rom von dem Auditor der Rota Franc. Pena*).
Dem Papste Clemens VII. widmete er einen Tractat gegen die
Lnllisten (Anhänger des Raymund Lullus) — 1390. Aber „die
Lnllisten'' brachten es dahin, dass der Konig D. Juan L den
N. Aymerich aus seinen Ländern verbannte. Im Jahre 1396 befand
er sich noch in der Verbannung. Im Jahre 1398 war er wieder in
seiner Vaterstadt Gerona, wo er am 4. Januar 1399 starb*).
Ein Ungenannter verfistsste das „Repertorium^ far die Inqui-
sitoren^). — In Gastilien dagegen war die kirchliche Inquisition ganz
erloschen. Der Franziskaner AVphons Espena beklagte es im Jahre
1460, dass sich in Gastilien kein päpstlicher Inquisitor befinde und
dass der Christenglaube von Kezem und Juden frech verhöhnt werde.
Seit der erwähnten Verfolgung im Jahre 1391 hatte die Zahl der m. vin-
schembar Bekehrten ungeheuer zugenommen. Schon im Jahre 1412 ^^,,
und den folgenden kam eine neue Bewegung über und unter die Juden, nnd^e
Der heilige Vincenz Ferrer zog als Glaubensprediger durch das Land; ^^^
und gab sich die äusserste Muhe, die Juden in Masse flir das Christen-
tfaum ZQ gewinnen.
Josua Lorqui (aus Lorca), nach seiner Bekehrung Geronimo de
Santa Fä, Leibarzt des Papstes Benedict's XIII. von Avignon, — hofite
0 EirdieDgeseh. III, 1, S. 289, 292.
^ Die idiBte Handschrift befand sieh in dem Kloster der Dominikaner zu
fittteloxia. Es ersehien auch 1695 zu Venedig in Fol. Das Werk selbst wurde in
^^on gesehrieben.
*) Das dortige Capnzinerkloster besass ein Mannscript aller seiner Werke in
Dnplo -. in 11 Folianten. — cf. Nicolaus Antonio Bibliotheca Vetos, t. II, p. 124,
187, 188. *- Felix Tones Amat, Escritores Gatalanes, p. 68—70.
*) Bepertoriom inquisitorum haeretioae pravitatis. -— Valencia, 1484, revidirt von
^^ Albertj Juristen in Valencia.
14 DreizehnteB Bucb. Erstes Kapitel.
im Bunde mit diesem und Vinceoz Ferrer die Jaden zum Cbristen-
thum zu fuhren. Mit Wort und Schrift eiferte Vincenz für die Be-
kehrung der Juden. Da er wusste, wie viele der im Jahre 1391 Bekehrten
in das Judenthum zurückgefallen, so wendete sich sein Eifer zunächst
an und gegen diese. Dieselben (die Maranos) legten in grossen Massen
ein reumüthiges Glaubensbekenntniss ab, so dass er auf die Bekehrung
aller Juden in Spanien hoffite. Er erhielt die Erlaubniss, in den Syna-
gogen (und Moscheen) zu predigen, während die Juden gezwungen
waren, ihn anzuhören. Mit mächtiger Stimme forderte er sie auf, unter
dem Kreuze sich zu sammeln« Am 12. Januar 1412 erschien für
GastUien ein Edikt, welches die Juden zwang, in den Städten in be-
sondern Quartieren (Juderias) zu wohnen, die nur eine einzige Eingangs-
und Ausgangspforte haben sollten. Sie sollten kein Handwerk, nicht
die Arzneikunst, und kein Geschäft mit Christen treiben. Es war ihnen
eine besondere Tracht vorgeschrieben. Sie sollten ein Abzeichen von
rother Farbe tragen*).
Natürlich traten jezt auf Ferrer's Predigten viele Juden zum
Scheine oder im Ernste in die Kirche ein, um so mehr, als auch das
christliche Volk in seiner Weise dazu drängte. Man hoffte, dass die
Juden überhaupt in Spanien aussterben würden. So traten viele Juden
der Gemeinden von Astorga, Avila, Benevente, Burgos, Leon, Palencia,
Salamanca, Segovia, Toro, Valladolid, Zamora und anderer Städte, wo
Vinc. Ferrer predigte, in die Kirche über. Es sollen über 26.000 Juden
und 8000 Maureu durch die Predigten des Vincentius bekehrt worden
sein. Verschiedene Synagogen wurden in Kirchen umgewandelt, so die
Synagoge von Salamanca in eine Kirche zum heiligen Kreuz*). „In
den kaum vier Monaten^% sagt der Jude GhätZy „während welcher (er)
sich im Königreich Castilien aufliielt, hat er den Juden so tiefe Wunden
geschlagen, dass sie daran verbluteten.^ Vom Jahre 1414 an wurde
die Lage der Juden wieder gemildert. Auch in Aragonien wirkte
Ferrer mit dem gleichen Eifer'). — In Saragossa, Daroca^ Tortosa,
Valencia, Majorca — wurden viele Juden bekehrt Benedikt XIII.
hatte auf das Ende des Jahres 1412 eine grosse Disputation in Tortosa
Dispu- veranstaltet. Geronimo de Santa Fe war der erste Disputator für die
^^Jl* Christen, üeber 16 angesehene Juden fanden sich ein. Sie waren der
1418 n.
Uld.
') Das Edikt bei Alfomo Espina in Fortalitiam Fidel UI (gescfarieben 1459
— 1460) erschien zn Nürnberg 1491 (p. 93), zu Strassborg 1511, 1525, 1629, zum
Theil unter fremden Namen.
') Bzovius Annales ad a. 1412, nr. 11, (der nur von Salamanca redet). Die
Acta Sctor., April t. I, (5), p. 495 — - nennen 25,000; Qrätz, Geschichte der Juden,
(V, 122) nennt '^0.000, und nach einer Variante 22.500 bekehrte Juden.
') Raynald., annales ad ann. 1414, nr. 19. —Acta Sanotor., p. 508.
Geheime Jaden. — „Maranos." 15
gefahrvollen Lage keineswegs gewachsen. Sic gaben sich Blossen, und
zerfielen zalezt in Parteinngen, von denen jede einen eigenen Weg
einschlug *). Die Disputation, „die merkvrürdigste, die je gehalten wurde,^'
zog sich vom Februar 1413 bis .12. November 1414 hin, während
68 Sizungen stattfanden')^ Benedikt XIIL wohnte auf seinem Throne
den Sizungen an.
In Bälde besserte sich die Lage der Juden. Die Folge war, dass
sehr viele Bekehrte theils offen, theils versteckt zum Judenthum zurück-
kehrten. Sie wurden „neue Christen^ oder Maranos (Marranes) ge-
nannt. Sie lebten in Verbindung unter einander, und bildeten eine
eigene Nationalitat®).
Die Gefahr vor ihrem Proselytismus wuchs zusehends, und die
Bischöfe thaten oder konnten nichts dagegen thun. Der Chronist An-
dreas Bemald& macht ihnen den Vorwurf, dass sie die im geheimen
schleichende Pest weder bei den Königen noch bei den Päpsten je zur
Anzeige gebracht, wozu sie doch verpflichtet gewesen seien ^). Die
j^mosaische Häresie^ nahm nach seiner Ansicht im Reiche Castilien im
Jahre 1390 (1391 ?) ihren Anfang, seitdem die zum Schj^in bekehrten Juden
ihrem alten Glauben im Geheimen treu blieben. Die „neuen Christen'^,
die Nachkoomien jener mit Gewalt Bekehrten, waren weder Juden noch
Christen. Da sie vielmehr getauft worden, waren sie Häretiker und
ohne Gesez. Sie fanden Schuz bei Hohen imd Niedern, „bei Weisen,
Gelehrten, Bischöfen, Ganonikem, Mönchen, Aebten^^). Diese heim-
lichen Juden hatten sogar den Plan, der Königin Isabella das Gesez
des Moses zu predigen.
Die Kluft zwischen den „alten^ und den „neuen'' Christen wurde »Aite«
immer grösser. Die Juden hatten sich des Reichthums des Landes ^q^«
bemächtigt. Durch ihre Hände ging die Einziehung der königlichen chH«-
Renten in Castilien, und, was noch schlimmer, ihren Händen war die
Ausübung der Gerichtsbarkeit anvertraut. Der königliche Rath war
voll von „Conversos*' (neuen Christen), Viele Meuchelmorde, an
') Grätz, V, 126.
') Orätz, V, 127.
*) Jimt (Jade), Geschichte der Israeliten bis auf unsere Tage, Berl. 1825,
Thl 7, 8. 70. — ^Der Zahl nach hatten die Juden bedeutend abgenommen. ** Orätz
(V, S. 235) schätzt ihre Zahl auf 150.000 im Jahre 1474 gegen 800.000 im Jahre
1290 (in Gastih'en).
*) Man erinnere sich hiebei des scharfen Verweises, welchen vor dem Jannar
638 Papst HonoriuB 1. den spanischen Bischöfen aas demselben fGrunde ertheilt, in-
dem er sie „stamme Hunde*' nennt. Eirchengesch. II, 2, S. 224—227. Bemaldez,
^ reyes Oatolicos, Gran. 1856, t I, p. 97.
*) e Sabios, e Contadores, e Secretarios, e Factores de Beyes e de Grandes
Sefiores — Bemald^z, I, 97. — Ptdgar, Crönica de los Reyes Catölicos. Valencia»
1780, p. 136.
16 Dreizehntes Bach. Erstes Ki^itel.
Christen vollbracht, blieben ungestraft , durch ein geheimes Einver-
ständniss zwischen Bichtem und Rathen. Bei ihrer bekannten Frucht-
barkeit war die Zahl der Juden in der lezten Zeit ungemein gestiegen,
während die Christen in Folge der Kriege — abgenommen hatten.
Viele von den ^neuen Christen'' lebten ohne alle Religion, so dass
man auf sie die Worte des heiligen Augustinus anwendete : „Conversos,
ergo perverses''. Der Bischof Paulus von S. Maria von Burgos, sowie
seine beiden Söhne machten eine rühmliche Ausnahme. Aber was waren
einige wenige aufrichtige und gute Convertiten aus dem Judenthum
unter so vielen bösen?
§. 8.
Petrus de Cordova y Solier, Bischof von Corduba (1464 — 1476),
hatte seinen Feinden weichen und die Stadt verlassen müssen. Die
„neuen Christen" waren dort sehr reich und mächtig; da das Kapital
in ihren Händen sich befand, so litten die Katholiken unter ihrem
Revolte Drucke. Am 14. März 1473 ging eine Procession durch die Strassen;
*do^ ein Mädchen schüttete Wasser über das Gewand, welches die Statne
U7S. der seligsten Jung&au trug.
Ein Katholik, erbittert bei diesem Anblicke, rief aus, man solle
das Haus verbrennen, aus welchem Wasser geschüttet worden. £in
Cavalier, Namens Torreblanca, widersezte sich, und die erzürnte
Menge stürzte sich auf ihn. Es kam zum blutigen Kampfe. Die
Katholiken aus dem Volke flüchteten in die Kirche S. Francisco.
Aguilar, der Führer der „neuen Christen", kam dahin, bemächtigte
sich durch Wortbruch des Führers der Bewegung, und durchbohrte
ihn mit einem Lanzenstiche^). Da erhob sich das ganze Volk gegen
die Adeligen und „die Conversos". Vergebens suchte es Aguilar mit
seinen Berittenen einzuschüchtern; es verbarricadirte die Strassen, und
zwang die Adeligen zur Flucht in das Castell. Die Häuser der „Be-
kehrten" wurden geplündert und in Brand gesteckt, und viele ermordet,
von denen die Rede ging, dass sie nur dem Namen nach Christen
seien. Die Grausamkeiten der „alten Christen" waren -schreckltcb, und
rechtfertigten das Urtheil, dass sie so schlecht seien, als die „neuen
Christen". Die Bewegung gegen die (versteckten Juden ergriff gaixz
Andalusien, beraubt und getödtet wurden die „Bekehrten" in Montoro.
0 Fic de la FuerUe führt als Gegenstück an, Ferdinand „der Katholische^
von Aragonien habe einst einen Schuft in seinen Palast von Saragossa zu Tafi>
geladen, und ihn ohne einen Schein von Cterioht darch die Garotte (das eisernt
Halsband) erdrosseln lassen. Diess habe man das „Becht*' jener Zeit genann
(t. V, 26).
' Vorspiele der Inquisition. Die Maranos. 17
Bajaknce, and andern Orten. Aehnliche Excesse wurden in Baena,
SeTÜla, XeveZj Ecija mit genauer Noth verhindert. In Jaen ermor-
deten die ^alten Christen^ den Condestable Miguel de Lucas, während
er in der Cathedrale die heilige Messe horte; sodann wurden ohne
Schonung des Alters und Geschlechtes ,,die Bekehrten^ beraubt und
:retödtet. Von Andalusien aus pflanzte sich die Bewegung nach Casti-
lien fort. In Segovia vereinigte sich das Volk der untern Pfarreien,
um die ,,Bekehrten^ zu ermorden. Gegen es stand der Alcalde des
Alcazar^ Andreas Cabrera. Es kam zum blutigen Kampfe und beide
Parteien erlitten schwere Verluste. Angesichts dessen begann die
Auswanderung der „Bekehrten" — nach Flandern, nach Italien, oder
in die Herrschaften der Adeligen und Magnaten, von welchen die
•neuen Christen" beschüzt wurden. — Ein Versuch der „neuen Christen",
sich der Festung Gibraltar durch List zu bemächtigen, misslang ^).
Aus diesen Bewegungen geht u. a. der unversöhnliche Gegensaz ^^^'
und die tödüiche Feindschaft zwischen den „neuen" und den „alten der
Christen* hervor. Die Einfuhrung der Inquisition lenkte den Strom ^'''**°
ier Erbitterung in ruhigere Bahnen. An die Stelle der Selbsthilfe, der judcn.
Volksjustiz, trat jezt das richterliche Verfahren des s. g. „heiligen
Officio". Selbst der Jude Gräiz gesteht: „Das gläubige Volk beschul-
digte die Marranen (getauften Juden), wohl nicht ganz mit Unrecht,
dass ihnen das Christenthum, das sie mit den Lippen bekannten, in
der Seele zuwider wäre. Es hiess, sie brächten ihre Neugebornen ent-
weder gar nicht zur Taufe, oder wüschen, wenn getauft, in ihren Häusern
den Flecken der Taufe wieder ab. Sie hätten auf ihrem Tisch keinen
Speck, sondern Oel, enthielten sich des Schweinefleisches,, feierten das
jüdische Fassahfest und spendeten Oel für die Synagogen. Sie hätten
ferner keine Hochachtung für die Klöster, entweihten deren Heilig-
thämer, und verführten die Nonnen. Die Neuchristen wären ein
!K:hlaue8 und ehrgeiziges Völkchen, das nach den einträglichsten Aem-
tem haschte, nur an Bereicherung dächte, und anstrengende Arbeit
scheute. Die Keuchristen selbst betrachteten sich als unter Egyptem
:<^bend, and hielten es für erlaubt, die Christen zu betrügen und aus-
z!3beuten. Diese Beschuldigungen werden wohl nicht auf sämmtliche
Neuchristen gepasst haben, aber das Volk war voll davon und hasste
^ie fast noch mehr als die Juden*^ ').
Zwei verschiedene Nationen wohnten neben einander, die sich bis
2i]m Tode hassten; auf eine Aussöhnung oder ein ruhiges Nebeneinander-
*) Orätz, Geschichte der Juden (von 1265—1492), Bd. V, Leipz. 1864. S. 232
tm 244. Vic. de la FuenU, Historia ecleBia«^ de Espa&a T. V, Madr. 1874, pag. 2'ö
\ÄM 26 tcf. Oomez Bravo, Historia de los Obispos de Cordova, t. I, pag. '653— '664).
'> GriUz, V, 241 u. 242.
Garns, tpAn. Klrdia. III. 8. 2
18 Dreizehntes Bnch. Erstes Kapitel.
wohnen konnte man nicht mehr hoffen. Wenn die Konige. nicht ein-
geschritten wären, wäre ein innerer Ejieg wohl nicht za vermeiden ge-
wesen. Die Gefahr vor dem Proselytismus der Juden wuchs zusehends.
Geistliche und Laien wandten sich an die katholischen Konige um
Schuz gegen dieselben. Die „Könige" kamen im Jahre 1477 zum
erstenmale nach Sevilla, wo der Cardinal Mendoza den Dominikaner
Alfonso V. S. Paul als Prediger gegen die neue Häresie beschüzte. Dieser
Mönch und andere Elatholiken wiesen die „Konige'' auf das grosse
Uebel dieser Häresie hin, und forderten auch den Cardinal zum Ein-
schreiten auf.
Alfons von Ojeda war Prior des Klosters von S. Paul. Mit
ihm verband sich der Gerichtsbeisizer Diego Merlo, sowie Philipp, de
Barberis, Grossinquisitor von Sicilien, welcher zu Konig Ferdinand,
seinem Souverän, nach Sevilla in Anliegen seines Amtes gekommen war.
— Im Jahre 1478 entschlossen sich die ^^katholischen Könige' zur
Einfuhrung der Inquisition (auch) in Castilien, und wandten sich an
Papst Sixtus lY. um Bestätigung. Der Papst gab am 1. November
^* 1478 *) die erbetene Bestätigung, in der Erwartung, dass diese Inqui-
tion g«- sition ein rein kirchliches Institut sein werde. Die ^Könige^ erhielten
gründet (jjg Vollmacht, zur Untersuchung und Bestrafung der Häretiker zwei
1484. bis drei kirchliche Personen, Welt- oder Ordenspriester, aufstellen zu
dürfen, welche mindestens 40 Jahre alt, von reinem Wandel, Magister
oder Baccalaureen der Theologie, Doctpren oder Licentiaten des cano-
nischen Rechtes sein müssten.
Im Jahre 1478 gab auch der Cardinal Mendoza eine Art Cate-
chismus des christlichen Lebens heraus, einen Abriss dessen, was der
Christ zu thun und wie er sich zu benehmen habe, von seiner Taufe an
bis zu seinem Tode« Daraus aber hat man nicht mit Becht geschlossen,
dass er die Einführung der neuen Inquisition empfohlen habe'). Doch
unterstüzten „die Könige" den Cardinal in dem Werke der Belehrung
des Volkes. Als sie Sevilla wieder verliessen, gaben sie dem Stell-
vertreter des (mit ihnen) abwesenden Cardinais, D. Pedro Femandez
de Solis, Bischof von Cadix, dem erwähnten Corregidor D. Merlo, und
dem P. Alfons von S. Paul den Auftrag, die Bemühungen des Erz-
bischofs zu unterstüzen und deren Erfolge zu beobachten.
Allein die verkappten Juden Hessen sich nicht belehren und be-
kehren. Es erschien eine sehr bittere Schrif); gegen das Vorgehen der
„Könige", und gegen die christliche Religion überhaupt, welche zu
weiterm Vorgehen drängte. — Kraft der päpstlichen Bulle wurden jezt
') Nach Bemaldh (l. o. p. 100) im Jahre 1480, — Die Bulle selbst ist nicht
bekannt
•) Prescott, Ferdin. und Isäbella, Thl. I, S. 299.
zwei DomiDikaner nach Sevilla entsendet, der FrOTinzial Miguel Monllo,
Magister der Theologie, nnd Jnan de San Martin, Vicar des Ordens
der Dominioaner, 17. September 1480. Der Yollmachtsbrief der Könige
ist am 27. December 1480 anBgestelH '). Als Gehilfen erhielten die
beiden Dominikaner den Priester D. Jnan Ruiz, Rath der Königin,
nDd den Hofpfarrer Jnan Ijopez dcl Barco *). Diese Inqnisitoren traten
ohne alles kirchliche Mandat als blosse königliche Beamte ihre Send*
img an.
Das tiene Crericht trat sogleich in das Leben. Es erliess am iBqnui.
2. Jannar 1481 eine Instmctioa, in welcher die Fnnkte oder Merkmale ti<» in
angeführt werden, an welchen man den geheimen Jndfüsmns der s. g. j^g,
(Denen Christen" erkenne. Jedermann wnrde anfgefordert , alle die-
jenigen zu nennen, an welchen diese Kennzeichen widirgenommen
worden*).
Der Ek'lass des nenen Gesezea ging znm Theil anch g^^n dsa
Adel von Andalusien, bei welchem die „neaen Christen" stets Schnz
geüinden. — Denjenigen wmrde Verzeihung angekündigt, welche ihren
Itrthnm innerhalb einer gewissen Zeit bekennen würden. Die Namen
der Kli^er oder der zur Anzeige Bringenden sollten Terschwiegen
bleiben.
Die Zahl der Angeklagten mehrte sich in Bälde so, dass der
Gerichtshof seine Siznngen ans dem Kloster des heiligen Paulus, das
sich innerhalb der Stadt befand, in das geräumige Fort Triana in der
Vorstadt verlegen musste*).
Die Behauptung des A. liorente ist aber reine Br6nduug, dass
d&a Gericht der Inquisition in dem einen Jahre 1481 in den beiden
Diöcesen Sevilla und Cadiz — 2000 Personen habe verbrennen lassen.
Uormte hat keinen Gewähremann für seine Behauptnng (den Sfariana
^i er entstellt), verräth dagegen überall das brennendste Verlangen,
die Zahl der Hingerichteten zu ver^rössem*).
' ') Er Btebt in lib- 11, lit 7, nota !■ der Novisima Beooplladon de lu leyes
de EipASft, dividids in XII libroa; Nneva edicion, Paria 1S32. 4. voL 4*.
*) UoraUe, I, pag. 148.
") UarenU meint, dan von diesen 37 EeonEeichen 22 ^r nidit intreffen oder
nichts beweisen (I, 153—169). Pregcott tritt seiner Anaicht bei, and erhebt den
. dirduu pvteiiBoben Uorente mit onverdienteD Lobapractaen. Preseott, t. II. der
mipmiseben Uobon. v- 1848, pag. 139—144).
m *] Perrerat sagt (Paite XI, pag. 157 des apan. Werkea): dasa im Jahre 1180
;, 10 Sevilla da« «rate Antodaf6 (Äctna fidei) statt hatte, in welchem 7 hartnfickige
Apostaten anm Fener, viele Betdge aber zn andern leichtem ätrafan venirthailt wurden.
^ D» Thatsache mag richtig sein; daa Antodafä kann aber nicht vor dem Jahre 1481
< >tUtgefiaden haben.
>) LioreaU, iV, pag. S43 n. 244. f^lschUch bemft Moh anch O. Moroni,
iBdarn et diese Bebanptang wiederholt, anf Mariaaa (L 24. cp. 17). Mariana redet
20 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel
Es trat aber bald za Tage, dass die Inquisition in der Hand des
absoluten Konigthums sei^ und nur durch äussere kirchliche Formen
sich einen kirchlichen Schein geben wolle. Schon am 29. Januar 1482
erliess Papst Siztus lY. ein neues Breve, worin er sich beschwert,
da;s6 die Bestätigung der Inquisition mittelst falscher Angaben von ihm
erschlichen worden sei'). Er tadelt die beiden Inquisitoren, welche
Leute gestraft hätten, die irei von aller Kezerei seien« . An sich hätten
sie verdient, von ihm abgesezt zu werden. Er wolle aber mit Rück-
^ sieht auf die katholischen Konige davon abstehen. Der Konigin schenke
Hon aber voUeu Glauben, wenn sie behaupte, dass sie die Kezer nicht des
suata- Gewinnes wegen verfolge.
Am 23. Februar und 2. August 1483 erliess derselbe Papst zwei
^^six ^^^^'^^ Breven. Er fuhrt Klage gegen König Ferdinand über die grosse
tos IV. Strenge des neuen Gerichts^ und fordert die Konige auf, Milde und
^* Schonung eintreten zu lassen, besonders wenn die Schuldigen deutliche
Zeichen der Reue an den Tag legten. O. Maroni rechnet es den romischen
I%psten zum „ewigen Ruhme" an, dass sie niemals die spanische In-
quisition an sich begünstigt, sondern stets bemüht gewesen ^eien, sie
in ihre Grenzen zurückzuweisen. — Allein leider befanden sie sich in
der Defensive gegenüber den Offensivstossen dieser Staatsanstalt').
In dem Breye vom 2. August 1483 verlangt der Papst, dass den
von der Häresie reuig Zurückkehrenden der Besiz ihres Vermögens
erhalten werden sollte.
In derselben Zeit wurde nach dem Ableben des Alfons de
Carrillo (1. Juli 1482) der Cardinal von Spanien, Gonzalez de Mendoza,
auf den Primatialstuhl von Toledo erhoben, nachdem er 14 Jahre Erz-
bischof von Sevilla gewesen'). Ihm folgte in dem Erzbisthum Sevilla
Jnicus Manrique, bisher Bischof von Ja6n — 1482, der aber schon im
p. siz- Anfange des Jahres 1485 starb. An ihn richtete Papst Sixtus IV. vor
gtgendem 2. August 1483 ein Breve, worin er ihn zum päpstlichen Ober-
^**® richter bestellte, nm die gegen die Urtheile der königlichen Richter
tion. eingelegten Appellationen im Namen des Papstes anzunehmen^). Die
aber nicht von 2000 Opfern des Jahres 148], sondern sagt, dass in der ganzen Zeit
(des Inquisitors Torquemada?) so viele Opfer gefallen seien. Moroni^ Dizionario,
t. 68, Venezia 1854, pag. 110.
0 Es steht b. Llorente t IV, p. S45.
*) Balmes, der Katholizismus verglichen mit dem Protestantismas (deutsch),
Begensb. 1861, Bd. I, S. 412—455, Kap. S6 a. 37. — Ranke, Fürsten und Völker
in Sttdeoropa im 16. und 17. Jahrhundert, BerL 1827~-1836, 4 voL Thl. I, S. 248.
„Es war die Inquisition, durch welche die unbedingte Autorität der B^erung
vollendet wurde.**
') Kirchengesch. lü, 1, S. 432 u. 433.
') Llorente, t. I, pag. 165 u. 166; t. IV, pag. 352-^67 (hier stehen auch die
beiden Breven vom 23. Febr. und 2. Aug. 1483).
Die InqniBition in den Jahren 1483—1489. Thomas Torqnemada. 21
königlichen Inqnisitoren waren zuerst Spanier, dann erst Katholiken,
nnd Hessen keine päpstliche Appellation zn. Da nahm der Papst selbst
Appellationen der Angeklagten an ihn an. In seinem Edikte vom
2. Aaguet 1 483 erklärt er, er habe noch immer die Appellationen vieler
Spanier aus Sevilla angenommen; denn dieselben hätten, aus Furcht
verhaftet zu werden , nicht gewagt , an den Erzbischof von Sevilla zu
appelliren. Er fugt bei, dass mehrere der Appellanten die Iiossprechung
dorch den apostolischen Stuhl erlangt hätten, andere sie noch erlangen
würden. Er klagt darüber, dass man die verschiedenen Angeklagten
kurz vorher gewahrte Gnadenfrist nicht gehörig beachte. Noch andere
Mahnungen fugt er bei, und fordert „die Könige^ zuletzt auf, zu be-
denken, dass Barmherzigkeit mit den Schuldigen Gott wohlgefälliger
sei, als alle Strenge, dass der gute Hirte das verirrte Schaf mit un-
endlicher Geduld aufgesucht habe. Die „Könige^^ mögen gegen Alle,
welche ein aufrichtiges Bekenntniss ablegen, Milde walten lassen, ihnen
den Aufenthalt in Sevilla oder jedem ihnen beliebigen Orte gestatten,
and sie im Besize aller ihrer Güter lassen, als wären sie in das Ver-
brechen der Häresie nie gefallen^. — Die Angeklagten wendeten sich
anch nicht immer nach Rom, um Hilfe gegen Ungerechtigkeit, sondern
nur um mildere Behandlung zu finden. Viele spanische Flüchtlinge,
welche des Rückfalls in das Judenthum überwiesen wurden, kamen
nach Rom. Dort wurden einmal 250 solcher Maranos schuldig gefonden. nie
Aber nicht Einer wurde hingerichtet« Es wurden ihnen verschiedene ^J*^®^^
Bussen auferlegt. Sie wurden losgesprochen und sollten unbeschadet tomcIi
ihrer Ehre — nach Spanien zurückkehren können. Diess geschah ^^°^
freilich zu einer Zeit, wo in Spanien die erste Strenge der Inquisition
längst einer mildem Praxis Plaz gemacht hatte (1498)')*
Nach dem päpstlichen Breve vom 2. August 1483 griff man jezt Thomw
Torqa«-
') Balmes, I, S. 426 n. 427.
*) Dass Horenie obiges Edikt des Papstes tadelt, muBS man an diesem spa-
nisehen and kirchlichen Reneg;a€ien begreiflich finden. Denn weil es der Papst ge-
Üum, so hat er übel gethan (t I, p. 168, 176). Aber dass Pre^co^ in dasselbe Hom
BtdsBt (t e. p. 132), kann nnr ans Mangel an bessern Quellen erklärt werden. Unter
den Opfern der ersten Zeit nennt er drei Kleriker (diess nach Bemdldez, l, p. 100),
▼enchiedene Richter nnd Beamte. Auch er redet von 2000 Verbrannten in dem
einen Jahre 1481, nnd verdreht den Inhalt der päpstlichen Erlasse vom Jahre 1483.
Nach ihm hätte der Papst die „Könige" ermuthigt, in dem Werke der «Purification*'
des Landes tapfer auszuharren. Llorente sieht die wahren Ursachen der Einführung
der Inquisition in Spanien in der Habsucht des Königs Ferdinand, imd in dem Ver-
langen Slztus IV. , die bisherige freisinnige Kirchenverfassnng Spanien's durch die-
selbe zu verdrängen. Selbst die in den Jahren 1819—1822 gewiss sehr ,,frei8innige'
T&bmgerTheoL Quartalschrift äussert sich entrflstet fiberdie beständigen Uebertreib-
nngen und Verdrehungen Uarente's, der an den Päpsten auch das Gute tadelt, weil
es die Päpste gethan haben (J. 1820, S. 259—266; J. 1822 S. 81—96; S. 338—41). —
22 Dreizehntes Buch Erstes Kapitel
°^^^> in Spanien zu der Politik, mit Hilte Borns von Rom loszukommen.
inqabi- Man ging y,ent8chieden in der Sache, aber sanft in der Form^^ voran.
*^^' Die „katholischen Könige'^ schlugen dem Papste den P. Thomas de
Torquemada, Prior des Klosters zum heiligen Kreuz in Segovia, als
(ersten) Grossinquisitor für Castilien vor. Der Papst bestätigte ihn in
dieser Eigenschaft, mit der Vollmacht, zur Einsezung weiterer Unter-
inquisitoren zu schreiten. Diess geschah zwischen dem 2. August und
17. October 1483. Ein weiteres Breve erliess der Papst am 17. October
1483, in welchem er einwilligte, dass Torquemada auch Grossinquisitor
für das Königreich Aragonien, mit denselben Vollmachten, wie für
Castilien, sein sollte. Für Aragonien waren Inquisitoren schon aus der
frühern Zeit da, welche sich nicht ohne Widerstreben dem neuen Gross*
inquisitor unterwarfen. Sie mussten weichen.
§. 9.
Thomas Torquemada war im Jahre 1420 zu Valladolid geboren.
Seit dem 11. Februar 1482 war er den ersten Inquisitoren als Gehilfe
beigegeben, und überragte in Bälde seine CoUegen so sehr, dass er sie
in den Hintergrund drängte. Von ihm stammt die eigentliche Organi-
sation des „heiligen Officiums^^. Bisher hatte nur der Gerichtshof
von Sevilla far ganz Spanien bestanden. Er errichtete in Kurzem vier
Gerichtshofe, in Sevilla, in Cordova, Jaen und in Villareal (später
Oiudadreal), welcher zwei Jahre später nach Toledo verlegt wurde.
Er gab denselben ausfuhrliche Statuten*). Ferdinand gab ihm einen
obersten Inquisitionsrath aus Theologen und Juristen zur Seite').
Torquemada sollte in theologischen Fragen nur den Rath dieses Colle-
giums zu hören haben, in juristischen und bürgerlichen Fragen aber
sollte er an die Mehrheit der Stimmen gebunden sein. Die Ernennung
dieser Räthe erfolgte ohne Genehmigung des Papstes oder eines Bischofs.
Ob die Räthe Laien oder Priester waren, fallt dabei nicht in's Gewicht.
Sie waren von vornherein königliche Beamte.
^<« Nach dem am 12. August 1484 erfolgten Tode des Papstes Six-
üon und ^^^ ^^- folgte ihm am 24. August Innocenz VIII. als Papst. Auch er
p. Inno- i)e8tätigte die neuen Einrichtungen am 11. Februar 1486. In einer
VIII. zweiten Bulle, die am 6. Februar 1487 publicirt wurde, bestätigte der
(lAMbüpi^pg^ den Torquemada in der Würde eines Grossinquisitors für die
Königreiche Castilien, Leon, Aragon, Valencia, das Fürstenthum Cata-
lonien, und die übrigen Theile des Landes. In derselben Bulle wurde
') Sammlang der Instructionen des spanischen Inqnisitionsgerichtes. Ueber-
sezt Ton «7^ 2>. Retiss, Hannorer, 1788, S. 1—36.
*) LlorenU, I, p. 173.
Piq)8t Innocenz VIII. und die Inqaiflitioii. 23
er als Special-Inquisitor für die Stadt und das Bistbum Barcelona ein-
gesezt, mit dem Rechte , sich Delegaten nach seiner Wahl zu substi-
tuiren ^). Die Vollmachten der frühem Inquisitoren wurden widerrufen.
Eine Bulle vom 3. April 1487 befahl allen (auswärtigen) Regierungen,
anf die einfache Requisition Torquemada's, alle von ihm näher bezeich-
neten Flüchtlinge festzuhalten, und sie unter Strafe der grössern Ex-
communication an die Inquisitoren zurückzusenden. Nur die Monarchen
waren von diesem Anathem ausgeschlossen').
Am 27. November 1487 erliess (nach Uorente) der Papst eine
Dene Bulle in Betreff Solcher, welche durch ein päpstliches Privilegium
von der Gerichtsbarkeit der Inquisition befreit zu sein vorgäben. Mit
dieser Bulle war die Inquisition unzufrieden. Durch ein neues Breve
vom 17. Mai 1488 suchte der Papst den Beschwerden der Inquisitoren
abzuhelfen^.
Dersdbe Papst erliess bald nach dem Antritte seiner Regierung
eine Bulle an die Inquisitoren in Spanien. Er sagt u. a.: „Wir haben
gehört, es seien einige Häretiker in jenem Reiche, jedoch als solche
nicht bekannt, welche gern zur Kirche zurückkehren würden, wenn eine
Abschworung ihrer Irrthümer im Geheimen zugelassen würde, da sie
Männer in Ehren und von hohem Ansehen sind.^' Er ertheilt nun den
Inquisitoren die Vollmacht, dass sie Häretiker jeder Art zur geheimen ^^^^^
Abschworung zulassen und zu der Kirche zurückführen mögen. Doch und die
müsste diess in Gegenwart „der geliebtesten Söhne in Christus, des ^^^^^^'
erlauchten Königs und der Königin von Castilien, Leon und Aragonien
gescliehen^), damit, wenn Jene wieder in den alten Irrthum zurück-
fielen, sie nicht unter irgend einem Verwände der Strafe der Rück-
tälligen sich entziehen könnten.^'
Dieser Schuzbrief vom 15. Juli 1485 ist nicht ganz ohne Folgen
geblieben. 50 Häretiker wurden am 11. Februar 1486 im Geheimen
absolvirt, in Gegenwart Ferdinand's und Isabella's*).
§. 10.
•
Die Einfuhrung der neuen Inquisition in Aragonien und Valencia
fand einigen Widerstand, besonders bei dem Adel. Ferdinand kümmerte
*) Diese Bnllen werden bei lÄormie (I, p. 212) nur erwähnt
*) Auch diese Bnlle begnügt sich LhrenU nur zn citiren. Warum liat er den
Text zurückgehalten (I, pag. 263)?
*) Llorente, 1, p. 248. Von diesen Breven hat Uorente den Wortlaut nicht
mitgetheilty und es ist erlaubt, an ihrer Aechtheit zu zweifeln.
*) Den KOnig nennt er zuerst, und wieder zuerst das Land der Königin. —
Die Bulle steht in Raynaldi's annales ad annum 1485, nr. XX, und ist daraus bei
0, CczsMy Leben des heiligen Arbuös, abgedruckt, p. 81 u. 82.
•) Llorente, IV, p. 295.
24 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
sich wenig um diesen Widerstand. £r beseitigte die bisherigen kirch-
lichen Inquisitoren, den Dominikaner Christoph Gualb^s, und den
Magister Ortes. Jenem wurde vorgeworfen, dass er seine Geipralt
missbraucht habe.
In den Cortes von Tarazona -^ 1484 — verbandelte man mit
dem Grossinquisitor über die Weise des Vorgehens gegen die Häre-
tiker und die der Häresie Verdächtigen. Es wurden getrennte Com-
^*® missions- (Juntas) Sizungen gehalten. Torqnemada delegirte als In-
tton In quisitoren für Aragonien den Dominikaner Caspar Inglar von Bena-
^^' varre, und den Canonicus an der Cathedrale zu Saragossa^ den Magister
1484/ Pedro Arbues, bekannter unter dem Namen Maestr-Epila, weil er aus
Epila stammte.
Für das Königreich Valencia wurden Martin Inigo und der
Dominikaner Fr. Pedro de Epila ernannt. In den Cortes von Valencia
erhob sich auf den Bänken der Ritter Opposition. Nach drei Monaten
brachte Ferdinand diese Opposition zum Stillschweigen. Auch zu
Saragossa und Teruel fehlte es nicht an Widerspruch, nicht so fast
gegen die Einsezung des „heiligen Officiums^^, als gegen die neuen
. Formen, unter denen es sich einführte, welche den „Fueros", und der
Art, die Gerechtigkeit zu verwalten, in diesen Ländern zuwider seien.
Die Einziehung der Güter, die Heimlichkeit des Verfahrens, indem der
Name des Anklagers den Verklagten verborgen blieb, waren für die
Aragonier nicht erträgliche Neuerungen, deren Gesezgebung schon im
15. Jahrhundert „die fortgeschrittenste und freieste in Europa" war')»
Mittelst des mehr oder weniger gewaltsamen Einflusses des Königs,
dem sich der Klerus und ein Theil des Adels anschloss, wurde der
Widerstand besiegt.
^*® Aber viele von den ersten Advocaten zu Sarafi^ossa waren „Neu-
,, neuen ,
chri«- bekehrte'', und verwandt mit den Juden, sie waren reich und von
ten« In grossem Eiuflusse. Sie führten Klage bei dem „Justicia major", dem
gosM. obersten Gerichtsbeamten des Königreichs; sie verlangten, dass den
Inquisitoren verboten werden solle, nach ihrem neuen Verfahren vor-
zugehen, vor alleAi aber, Güter einzuziehen. Sie boten grosse Summen
Geldes an, nicht bloss dem „Justicia major", sondern auch dem Könige
Tristan de la Porta, Stellvertreter des Justicia, weigerte sich zu ihren
Gunsten einzuschreiten. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge
sie hatten aber keinen Erfolg, weil in der Zwischenzeit eine Ver-
schwörung gegen das Leben des Inquisitors Petrus Arbues ausbrach.
') Ftc. de la Fuente, V, pag. 30 u. 31 ,
Heib'ger Petrus Arbnte. Seine Jagend. 25
§. 11.
Bis vor Kurzem wusste die Welt diesseits der Pyrenäen nur von dem
grossen Kezerrichter, vielmehr Kezervemichter — Thomas Torquemada.
Im Jahre 1867 v^urde aber Petrus Arbues, erster Inquisitor im Reiche
Äragonien, heilig gesprochen, und seitdem hat man in diesem vorher
in Deutschland ungenannten und unbekannten Manne ein sittliches Un*
geheuer entdeckt, wie es deren in der Weltgeschichte, zum Tröste des
Menschengeschlechtes, nur wenige Exemplare gegeben. Petrus Arbues
war demnach „ein Greis^^ voll Mordlust und voll ^Elauhsucht. Er hat
auf Scheiterhaufen und andern Schaffoten so viele Menschen vom Leben
znm Tode gebracht, dass er weite „Gegenden entvölkerte^^ Diejenigen
aber, welche ihn die zartesten Saiten aufziehen lassen, behaupten, dass
er wenigstens 2000 Menschen durch Feuer martern und sterben liess.
Was sagt dazu die Geschichte?
Petrus Arbues sagte drei Jahre vor seinem Tode im Jahre 1482
aus, dass er damals ungefähr 40 Jahie alt sei. Sein Tod aber er*
folgte im September 1485, ein Jahr nach der Einfuhrung der Inqui- •'?»«®°*
Bition in Saragossa. Wühelm Kaulbach hat ihn in seinem bekannten Arba^.
Tendenzgemälde als abgelebten Greis dargestellt. Auch in Blättern
and Broschüren wird er der „Greis'' genannt. Dass aber Jemand in
dem Blütheoalter von (42) 40 Jahren zugleich im Greisenalter stehe,
das will unserer beschränkten Einsicht nicht einleuchten. Wenn er
aber „Gegenden'' entvölkerte, so müsste er wenigstens eine Reihe von
Jahren das Amt eines Inquisitors bekleidet haben.
Petrus Arbues wurde um das Jahr 1442 in der Stadt Epila in
Aragonien geboren. Seine Eltern waren Antonio de Arbues, und
Sancia Ruiz de Sadava, beide von edlem Geschlechte. Petrus hatte
einen altem Bruder Antonio , und fünf Schwestern. Er besuchte die
Universität Huesca in Aragonien, wo er in der Lernbegierde wie in
der Frömmigkeit allen Andern voranleuchtete. Er erlangte die Würde ®*^**^
des Doctorats in der Philosophie , und wurde als Magister in den Hnesc»
Wissenschaften erklärt. Später — im Jahre 1468 wurde daselbst ein
Aasschuss zum Zwecke einer Verbesserung der Statuten der Uni-
versität erwählt. Arbuds war ein Mitglied dieser Commission.
Der grosse Cardinal Aegidius Albornoz hatte im Jahre 1363 das
weltberühmte. „CoUegio maggiore di S. demente" in Bologna für "»* ^•
stadirende Spanier vom Adel gegründet. Drei junge Aragonier sollten '**^°*'
darin Freipläze haben. Aegidius Albornoz war selbst Chorherr in
Saragossa gewesen. Darum -bestimmte er, dass das CoUegium der
Canoniker daselbst zwei von diesen jungen Männern, der Erzbischof
aber den dritten auszuwählen hätte. Der Erzbischof wählte den
26 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Petrus Arbues für seinen eben erledigten Plaz im CoIIegio von
S. demente*),
s^^ Am 11. März 1469 trat Petrus als^ Studirender der Theologie in
logna, das CoUegio Major ein. Mit besonderem Eifer verlegte er sich auf
1^^- das Studium der heiligen Schrift. Unter seinen Tugenden leuchtete
die Demuth, der Gebetseifer, die Nächstenliebe, die Abtodtung n. a.
hervor. Schon im Jahre 1471 lehrte er an der Universität zu Bologna
die Moralphilosophie. Am 27. December 1473 erlangte er mit Aus-
zeichnung die Würde eines Doctors in der Theologie. In so hoher
Achtung stand er damals und später in Bologna, dass diese Stadt, um
sein Andenken zu ehren, allen Convictoren des spanischen Collegiams
von S. demente das Ehrenbürgerrecht von Bologna schenkte. Die
Zöglinge des CoUegiums vollendeten gewohnlich erst nach acht Jahren
den Lauf ihrer Studien daselbst. Petrus aber musste nach einem
Aufenthalte von fünf einhalb Jahren nach Aragonien zurückkehren.
Er wurde am 30. September 1474 zum Ganonikus von Saragossa
erwählt. Das Gapitel bestand aus Regulär - Chorherren. Dasselbe
wurde erst im Jahre 1604 säcularisirt').
hmL ^" Folge dieser Wahl musste Petrus in den Orden des heiligen
Sara- Augustinus eintreten. Mit allem Eifer bereitete sich derselbe für den
'um' ^^^^^^^^ ^^ ^^^ Ordensstand vor. Nach zurückgelegter einjähriger
Probezeit im Noviziate legte er am 9. Februar 1476 in der Cathedrale
des heiligsten Erlösers die Gelübde in die Hände des P. Michael Ferrer
ab, welcher damals Prior der Chorherren war. Erst nachher empfing
er auch das heilige Sacrament der Priesterweihe, in einem Alter von etwa
35 Jahren. Bald zog er die Gläubigen durch seine ausgezeichnete
Gabe der Bede an. Er predigte sowohl in der Cathedrale als in der
Kirche S. Maria del PUar. Unermüdlich war er in dem Beichtstuhle«
Seine Ihm wurde der Unterricht und die Leitunir der luncccn KJeriker über-
Thütiir- w D
keit. geben. Der Armen nahm er sich mit aller Hingebung an. Um ihnen
dienen zu können, entsagte er allen Bequemlichkeiten des Lebens.
Nebstdem war er der Seelenführer vieler nach Vollkommenheit streben-
der Gläubigen.
'} Pineda, Catalogas illustrinm virorum, qai in inBigni Collegio Majori S. Cle-
mentis Hispanorum Bononiae degentiam prodiere, Bononiae, 1624. — OaHL Qiordani,
Cenni storici deU* almo real Collegio Maggiore de' Nobili Spagnaoli in Bologna,
Bol. 1834. — Cenni storici deir almo collegio maggiore di San Clemente della
nazione Spagnola in Bologna, das. 1855. {Adolf Wolf, Sapplementband za Gft, TUk-
noT^s GeBchichte der schönen Literatur in Spanien, deutsoh v. N. H. Julius (Hamb.
1853), Leipzig, 1867, S. 37).
*) Pennotti, Historia tripartita totius Ordinis Clericomm Ganonicomm Regu-
larium S. Augustini, lib. II, p. 31. — Bonanni, Catalogus omnium Ordinom Religio*
Borum, artic. 20. — Blasoo de Lanuza, Bistoria . . , . de Aragon., t. II, L V. 6wp, 5.
Arbato Inquisitor. 27
Als es sich am die Heraasgabe eines neaen Missale bandelte,
übergab Alfons von Aragonien , seit 14. Aagast 1478 Erzbiscbof von
Saragossa, ihm die Leitang dieser Angelegenheit, zugleich mit den
beiden gelehrten Canonikem Martin. Garcia und Juan Cebrian.
Am 4. Mai 1484 wurde Petrus, zugleich mit dem Dominikaner
Caspar Juglar (oder Inglar) durch Torquemada als Inquisitor für
Aragonien erwählt Diese Wahl beweist die grosse Auetoritat, deren bt wim
er sich erfreute. Alle seine Bemühungen , dieses schwere Amt von ^^^ '
sich abzulehnen , blieben ohne Erfolg. — Der neue Gerichtshof hatte
seinen Siz bei der Cathedrale Ss. Salvador.
Den Gerichtshof bildeten, ausser den beiden Genannten, der Cano-
nikus von Calahorra, Boderich Sanchez de Zua^o, femer Juan de An-
chias, Petrus Jordan, Didacus Lopez von Calatayud, Juan de Exea
und Raymund Mur, Fiscaladvocat '). — Sie leisteten den Eid, ihren
Pflichten nach besten Kräften nachzukommen. Dieses neue Amt hin-
derte den Petrus Arbu&s nicht, alle seine frühem Obliegenheiten in
vollstem Umfange zu erfüllen, und noch einen grossen Theil seiner
Zeit dem Gebete zu widmen.
§. 12.
Am 19. September 1484 schwuren der Justicia major, der oberste Anfang
Beamte des Königreichs Aragonien, Juan de la Na9a, und eine Anzahl i^^^i.
Richter, Beamte und Deputirte in der Cathedrale, dass sie den katho- tionin
lischen Glauben in jeder Weise schüzen und vertheidigen, dass sie auch
die geheimen Häretiker zur Anzeige bringen würden. — Durch seine
Milde und Geduld, durch seine innigste Nächstenliebe gelang es dem
Petrus Arbues, viele Irregangene auf den Weg der Wahrheit zurück-
zufuhren. Einst sprach er mit solcher Kraft und solchem Eifer zu den
Angeklagten, dass dieselben der Kraft seiner Worte nicht widerstehen
konnten, dass die einen die Versöhnung mit der Kirche, andere die
beilige Taufe verlangten, und die Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung durch
ihr späteres Leben bewiesen. — Er verbot und unterdrückte die ge-
heimen Zusammenkünfte der Häretiker.
Ob zu Lebzeiten des Arbuis Hinrichtungen von s. g. „neuen
Christen^^, oder getauften Juden, stattgefunden haben, ist nicht klar.
Es fehlt an bestimmten Zeugnissen der Zeitgenossen. Was Schrift-
steller JOO oder löO Jahre später sagen, ist weniger glaubwürdig.
Von Juan Sperandeo, einem der gedungenen Morder des Petrus, sagt
Arago-
nien.
*) Ludoo, Paramo, De origine et progressu officli sanctne inquisitionis,
Madr. 1598. pag. 180, 181.
28 Dreizehntes Bach. Erates Kapitel.
Parafno^)y er sei der Sohn des Salvator Sperandeo, eines Mannes aus
der niedersten Classe, der damals wegen Olaubenssacben im Gefang-
nisse sich befand, gewesen. — Ans der Gefangenschaft aber kann man
nicht auf die Hinrichtung schliessen.
Aus einer Stelle bei den Bollandisten') scheint dennoch hervor-
zugehen^ dass er die Schwester eines seiner Morder, des Juan de La-
badia, zum Tode, wahrscheinlich zum Tode durch das Feuer, verurtheilt
habe, vielmehr mit dem CoUegium des Inquisitionsgerichts, verurtheilt
habe. Die naheliegende Vermuthung ist, dass die Hinrichtung erfolgt
sei. Aber bei keinem Gerichte wurden so viele Todesurtheile gefallt,
und nicht vollzogen, als bei dem der Inquisition. Jedoch zugegeben,
dass die Hinrichtung wirklich vollzogen wurde, so muss man beachten,
dass bei solchen Entscheidungen Einhelligkeit der Stimmen erfordert
wurde, und dass wir, weil wir die Anklagepunkte gegen die betreffende
Person nicht kennen, nicht zu ihren Gunsten, aber auch nicht zu Un-
gunsten des Gerichtes entscheiden dürfen, das sie verurtheilte ').
Paramo sagt nichts von Hinrichtungen. — Sein Zeitgenosse
Mariana, der in Toledo lebte, und die Quellen nicht anfuhrt, deren er
sich bediente, scheint der Zeit nach der erste zu sein, der in unbe-
stimmter Weise von einigen verhängten Todesstrafen redet*).
') Der zwar 114 Jahre spater schrieb, aber fßr dieses Capitel seines Werkes
schäzbare Quellen hatte. — Filius Salvatoris Sperandei, infimi hominis, qui pro fldei
causis in vinculis costodiebatnr. Paramo p. 182. — Cf. Acta Sanctor. t. V. Septembr.,
p. 733.: qni, teste Oraciano, in ejnsdem tribnnalis carceribus detinebator. (Joann.
Qraciano y Salaverte schrieb erst im Jahre 1670, und diesem folgten die Bollandisten
im Jahre 1755.)
^ Zum 17. Sept, welche sich anf das italienische Yitae Compendinm des
Seligen, das um das Jahr 1664 erschien, berofen.
*) Acta Sanctor.* 1. c p. 733, 753. Joannes de Labadia — quiqne eo majori
odio beatum Inquisitorem perseqaebatar, qnod soror illiul^ non malto ante in sacri
tribnnalis carcerem conjecta fuerat, et morte damnata, ut habet Vitae Compendium
nr. 9. — Joannes de Labadia, ex odio, quo Beatum proseqnebator ob ignominiosam
mortem, qua illius soror ab eodem trlbunali panlo ante damnata fuerat etc.
^) Juan Mariana, Historiae de rebus Hispaniae, Üb XX (Uteinisdi) Toleti, 1592,
fol.; libri XXY, Toleti 1595. — Historiae hispanicae appendix, libri 21 ad 30. Franeof-
1616. — (libri XXX, Moguntiae 1605.) Dieses Werk spanisch: Toledo 1601»
Madrid, 1608. Im Spanischen heiBSt es — Hb. 25, cap. 8 von Arbute: y eonforme
ä lo que hallaba, castigabä los culpados (und entsprechend dem, wie er es vorfand^
strafte er die Angeklagten.) Im Lateinischen heisst es (25, 8): Graviore facinore
aliquante post civitas (Saragossa) universa turbata est. Petrus Arbuös qnaestiones
in ea urbe de religione habere coeperat. NonnuUis irrogata supplicia pravos
quosdam homines libertino e genere natos, sive libertatis specie, sive ex conscientia
similia metuentes incitarunt, nt conjuratione multorum facta Inquisitoris capiti in-
sidias struerent. Mariana druckt sich, vielleicht mit Absicht, unbestimmt ans; „irro-
gata supplicia" sind noch nicht „sumta supplicia* — verhSngte Todesstrafen sind
noch nicht vollzogene.
Ob Hinrichtnogen stattgeAmden? Das Vorgehen des Arbo^ 29
In ähDlicfaer Weise spricht sich der kurze italienische Lebens-
abriss des Heiligen vom Jahre 1664 (den die Bollandisten mittheilen) ^),
aas. Dieses „korze Leben" sagt: ,p[He Todesstrafe Weniger erschütterte
die Gemüther Vieler. Diejenigen, welche unter dem Scheine des
christlichen Glaubens den jüdischen fSsdschen Glauben verhüllten,
wurden durch die genaue Untersuchung erschreckt, von der sie horten,
dass dieselbe gegen ihre geheimen Sacrilegien angestellt werde').
§. 12.
Das Kapitel in der ,,kritischen Geschichte der spanischen Inqui-
sition TOD «7. A. IZorerUe^ enthält fünf Artikel über den heiligen Petrus
Arbu^s, in welchen A. Uorente in Erdichtungen weniger Grosses bietet,
als in den übrigen Theilen seines Werkes'.)
Er sagt also, dass die Inquisitoren Arbuds und Juglar (welcher
am Ende des Januar 1485 gestorben war) einige ,,neue Christen'^ als
jodaisirende Häretiker verurtheilt, „und es ist sicher, nach den Original- J** ^"
Processen, welche ich zu Saragossa in dem Jahre 1813 gesehen habe, a. i486
dass sie in den Monaten des Mai und Juni (1484? 1486?) einige oflFent- ™^**"
liehe und feierliche Autodafe's hielten, und dass sie dem weltlichen «uttfui-
Gerichte unglückliche Angeklagte übergaben, die verbrannt wurden^^^). ^^^
*} Cf. die Boüandisteii unter dem Titel: Vitae eompendiom * oder Vita
brevis. Ex relatione Italica Bomae impressa, 1. c. p. 752—754.
*) Paucorum aupplicium müUarum mentes perenssit, qnique ChristiaDae
religionis ementita specie Hebraieam perfidiam velabant, coepemnt percelli aceurata
indagatione, qua m oocolta sna saorilegia inquiri audiebaat — 1. c. p. 7ö3. Man
mott aber beachten, daas ein Italiener, der um das Jalir 1664 schrieb, weniger
sicherer Gewährsmann ist
Die Worte bei Ifartana; Nonnnllis irrogata snpplioia, und in der Vita brevis:
Paaeonun supplicium — sind so gleiclilaatend, dass ich vermnthe, leztere Worte
seien denen des Mariana nachgebildet, so dass der eigenüiohe Gewährsmann Mariana
wäre. (S. über eine andere Stelle einer in Bom erschienenen »Vita** unten bei der
.Zahl der Opfer der Inquisition."*)
*) Ich dtire nach der (ersten) französischen Ausgabe dieses Werkes in vier
Banden: Histoire critiqne de 1' Inquisition d*Espagne, par J. Änt LlarenUy Paris
1817—1818. touL I, p. 185—210. () Etablissement de T Inquisition moderne dans
r Aragon. Erneutes k Sarragosse. 2) Assassinat commis sur la persofie du premier
biquisiteur d' Aragon. Bistoire de la B^tification du premier Inquisiteur d' Aragon.
Ponition des Assassins comme sospects d'hörteie. — Von Llorente nehme ich die
Weise: Arbnte — zu schreiben an, da er ein gebomer Aragonier war, und zu Sara-
gossa studirt hatte. — (J. HefeUj Der Cardinal Ximenes etc., 1851 — „Llorente^s
Person, Charakter, geringe Glaubwürdigkeit, Entstellungen, Unzuverlässigkeit'',
8. 330—349.)
*) Us condamn^nt quelques nouveaux chrötiens comme hörötiques jndal&ans,
ils livrirait k la justtee s^nliöre de malheureux accusös, qui furent brulte. Uorente,
I, p. 188.
so Dreizehotes Buch. Grates Kapitel.
Warum hat denn Liarente^ der so viele Processakien abge-
schrieben, gerade von diesen keine Abschrift genommen? Seiner blossen
Versicherung, sie gesehen zu haben, können wir um so weniger glauben,
als er gleich darauf ohne irgend einen Beweis beifugt, dass das in
Castilien errichtete Tribunal nur in drei Jahren, unter der Lieitung
von Mönchen und fanatischen Priestern, Tausende von Opfern ge-
schlachtet habe^). — Aber auch er redet nur von einigen Opfern der
Inquisition unter Arbute.
Der neueste Biograph des Heiligen, CUua. Cozza^y schweigt
über diesen Gegenstand, ebenso handelt der Erläuterer zu W. Katd-
bach's Bilde „Arbute^^ — nicht von der Zahl der Opfer des Arbues,
sondern nur von seinem strengen Vorgehen'), — Aber ein „namhafter
Gelehrter in Franken'^ ^) hat entdeckt, dass in der Provinz Aragonien
2000, in der Stadt Sevilla allein von 1 185— 1520 4000 Menschen ver-
brannt worden seien, und beruft sich dabei auf Faramo (S. 189).
Dieser aber redet gar nicht von der Zahl der in Saragossa Hingerich-
teten. Er nennt den Arbuis einen heiligen Märtyrer, kann also un-
möglich sagen, dass den Verschwornen in Saragossa kein anderes
Mittel übriggeblieben, als ihn zu ermorden. Wie „der Arbu^s^^ in
dem Bilde Kaulbach* s^ so sind diese 2000 Schlachtopfer eine reine
Erdichtung.
Damach kommen wir zu dem Ergebnisse: Es scheint sicher,
dass vor dem Tode des Arbues eine Person zum Tode verurtheilt, eine
andere von der Inquisition gefänglich eingezogen wurde. Es kann
nicht bewiesen werden, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass zu
Lebzeiten des Arbues einige wenige Personen hingerichtet worden.
Von da bis zu 2000 Schlachtopfem, und Entvölkerung von Gegenden
ist ein weiter Weg.
Dass Arbu&s einer Hinrichtung persönlich angewohnt^ oder sich
mit Plünderung der Güter der Schlachtopfer beschäftigt habe (wie
Kaulha^h gemeint zu haben scheint), zu einer solchen Meinung oder
Behauptung ist nirgends ein Grund zu finden.
§. 14.
Man hat einen andern Weg eingeschlagen, um den Beweis zu
fiihren, dass Petrus Arbu&s mit grosser Grausamkeit gegen die „Judaisten^'
') Avait dej& immolö des milliers de victimes.
«) Roma, 1867.
') Münoheo, Ackermann, 1870 (Der anonyme VerfaBser nennt sich später
Ferd Zimgihl). S. 25—42.
«) AUgem. Zeitg. v. 6. Ifai 1867.
Zengnisfle über den heiligen Petrus Arbnte« 31
Totgängen sei. Man hat sich auf einzelne Ansdrncke der Geschicht-
schreiber Aragonien's, Hieron. Zurita, Hieron. Biancas^ Vinzenz BUisco
de Lanuza — über Arbnös berufen, und darin einen Tadel seines
Vorfifehens befanden. — Diese Schriftsteller lebten mehr als 100 Jahre ^^»^^^'
gehen
nadi Arbuto, sie waren die grossten Lobredner der Inquisitionf, undde«heii
des Arbute insbesonders. Vinc. Bltzeco de Lanuza hat zudem sein ^'^«^*
Leben in Versen beschrieben oder besungen *). Also müssen ihre Aus-
drücke über ihn anders verstanden werden. Hier, de Bianca sagt von
diesem und seinem Mitinquisitor Juglar : ,,Es waren zwei ausgezeichnete
und vortreffliche Männer.'^ Von Arbues sagt er noch besonders: „Er
war ein gerechter, ja der beste Mann, begabt mit der seltensten (sin-
gnlari) Güte und Bescheidenheit, besonders gebildet in der heiligen
Wissenschaft und in der Lehre ^). Petrus habe, nach Einfahrung der
Inquisition, ,,mit grossem Eifer sich gegen die Juden, L e. Judaisten,
gewendet'^ Darum traf ihn auch der bitterste Hass der Juden. „Sie
selbst, vom bösen Gewissen ihrer Uebelthaten getrieben, erwarteten
mit grosser Angst, wohin das neue gegen sie eröffnete Gericht fuhren
würde"*).
Er sagt femer von ihm, dasp er taglich Gericht hielt, und zwar
mit Fleiss, Klugheit und Aufmerksamkeit. In diesem Zeugnisse liegt
sicher niclits Tadelnswerthes. Zwei lateinische Ausdrücke^), die man
missverstehen konnte, haben den Sinn: Arbuto war ein sehr eifriger
Verwalter seines Amtes.
Diese beiden Ausdrücke bedeuten nach dem Zusammenhange, in
welchem sie vorkommen, bald *ein grosses Lob, bald einen grossen
TadeL . Man sehe ein Lexicon latinitatis, etwa das von Gesner, nach,
and man findet bei Cicero Stellen genug, wo „vehementer^^ gar keinen
Tadel in sich schliesst; z. B. admirari vehementer — Cicero ^ Academ.
4j 63. — Orat. Philippic 8, 16, cp. 5: Vehementer me agere fateor,
iracunde, nego. Also wird hier Heftigkeit von Erzürntheit unterschieden,
,,grausam'^ — bedeutet das Wort nie. — Marinaeus 8ic%dus, des Ar-
bues Zeitgenosse, nennt den heiligen Vinzenz Ferrer einen: orator
Tehemenfi — (et eloquentia maxima polieret), nicht einen hizigen, son-
dern einen gewaltigen Redner (ap. Schott, Hisp« ill«, t. I, p. 482).
0 SaragOBsa, 1623.
*) Aragonensiiun renun Commentarii — Sarag. 1588. Dann in t. III der
HiaiHuila {Uustrata, ed. Schott : Faemnt egregii duo et praestantes viri. — Petrus —
vir qnidem justos et optimiis, siDgnlari bonitate et modestia praeditus, inprimisque
aKris literls excnltus et doctrina.
*) Hieron, Biancas^ Aragonensiam remm Commentarii ab anno 704 ad annom
1588. Zaragosa 1588, abgedruckt apud Ändr. Schott, Hispaniae illnstratae, 4 vol.
- Fnmkliirt, 1603—1606, t IH, p. 706.
*) aoerrunna and vehementer invehi.
Die
32 Dreizehntes Boch. Erstes K&pitel.
Bei dem Worte: acer (acerrimus) aber steht bei J. Matth, Qesner,
(Novae linquae latinae Thesaurus, — 1749) die ganz richtige Erklärung:
pro forti ac vehementi magnoque gradu cujusque qualitatis accipitiir
(z. B. acerrimus defensor veritatis).
Wenn der Historiker Lanuza (Vimenz Laaco de L.) gesagt hat:
,,Die8er Knecht Gottes (Ärbues) verfolgte die Häretiker und im Glauben
Verdächtigen mit grossem Eifer, und es gelang ihm, diese Stadt and
das Reich von allem Unkraute und allem üblen Wesen, das sich darin
befand, zu reinigen" — so ist darin gewiss kein Tadel ausgesprochen.
Die Erfolge aber, welche Ärbuds in so kurzer Zeit erreicht haben
sollte, sind offenbar übertrieben^).
So ergibt sich denn, dass keiner der spanischen Schriftsteller sich
tadelnd oder anklagend gegen die Art und Weise des Vorgehens des
zen en ^^^'^^^ Pctrus ausspricht, wcdcr Paramo, noch Mariana, oder Zwrita,
einig in Viuc* Blosco de Lanuza oder Hieron. de Biancas^ vielmehr sind sie
']^e^ einig in seinem Lobe, selbst Lhrente weiss nichts Stichhaltiges gegen
ihn vorzubringen. Die Urheber seines Mordes wollten sich auch nicht
an ihm wegen des Vergangenen rächen, sondern sie wollten die Be-
amten der Inquisition einschüchtern, und dieselben von weitern
Massregeln abschrecken.
Die „neuen Ghristen^^ hatten es dahingebracht, dass die Stände
des Reichs den Petrus Miguel, den Prior des Klosters der Augustiner
zu Saragossa, und den Petrus a Luna, Doctor des Civilrechts, an den
König, der zu Cordova weilte, sandten, um ihn zu der Zurücknahme
der Privilegien der Inquisition zu vermögen. Sie beschwerten sich be-
sonders darüber, dass das Vermögen der Verurtheilten eingezogen,
und den Angeklagten die Zeugen gegen sie nicht mitgetheilt werden
sollten, als entgegen den Gesezen von Aragonien. Sie ho£^n besonders
die Massregel der Einziehung der Güter rückgängig zu machen. Neben
den zwei ofEciellen Deputirten hatten sich viele „neue Christen^^ nach Cor-
dova begeben; sie versuchten es auf alle Weise, besonders indem sie dem
König und der Königin grosse Tonnen Geldes anboten, ihren Zweck
zu erreichen. Es gelang nicht. Sie hielten inzwischen verschiedene
geheime Versammlungen, an denen auch einige Bitter Theil nahmen.
Hier beschlossen sie den Mord der Inquisitoren, wenn es nicht ge-
länge, das Joch der Inquisition auf einem andern Wege abzuschütteln.
^® Sie beschlossen also, den Petrus Arbues, den Martinus de la
Chris. Baga, Assessor bei der Inquisition, und den Petrus Frances, Deputirten
tan''be-(}^g Königreichs, durch Meuchelmord aus dem Wege zu räumen. Sie
sen sei- suchteu uach Werkzeugen zur Vollbringung des Mordes. Sie
nen
Hord.
') Aehnlich spricht sich 2jurita Qber die Thätigkeit des Axbuös ans, Anales
de Aragon, t IV, p. 341, 342.
VerschwOrnng gegen P. Arbnös 33
besteaerten sich selbst, und brachten eine bedeutende Summe Geldes zu-
sammen, um die Morder ,^abzulohnen^S Sie hofften, dass nach Voll-
bringang des Mordes Niemand mehr ein Amt bei der Inquisition
übernehmen, und der Konig selbst aus Furcht vor einem Aufstande in
Aragonien die Inquisition fallen lassen würde«
Die Verschworenen legten auf alle Aragonier von judischer Ab-
kanfl eine Steuer. Es ist erwiesen^), dass Don Blasco von Alagon,
Herr von Sastago, 10.000 Realen in Empfang genommen, das Ergcb-
niss dieser Besteuerung, bestimmt, die Morder des Magisters Epila
zn besolden').
Nicht bloss die „neuen Christen^' in Saragossa trugen zn dieser
Samme bei. In einem Urtheilsspruche gegen einen Juan Perez aus
Calatayud vom 13. November 1489, gebürtig aus Ariza, wird gesagt,
dass derselbe mit den „neuen Christen^^ der Stadt Calatayud zu den
Kosten des Meuchelmordes beigesteuert habe. In dem Processe des
Juan Pedro Sanchez, der am 30. Juni 1486 „im Bilde^^ verbrannt
wurde, ist bewiesen, dass er Urheber der Verschworung gegen Arbues
gewesen, und dass er 500 Gulden in Händen hatte, um die Meuchel-
mörder zu bezahlen.
Der schon erwähnte Juan de Abadia, von mütterlicher Seite her
ans jüdischem Geschlechte, übernahm den Auftrag, die Ausführung des ^^^ e«-
Mordes zu leiten. Die eigentliche Vollbringung des Verbrechens wurde ^"n*
dem erwähnten Juan de Sperandeo , seinem Hausgenossen Vidal de vorder.
Uranso, aus der Gascogne, auch der „Franzose^^ genannt, dem Matthäus
llam, Tristan de Leonis, Anton. Gran, und Bernard. Leofante über-
tragen^. Nach Gius. Cozza wurden Juan de Labadia für seinen
Antheil 100 Gulden versprochen. Er war ein Mann, der in der Schule
des Verbrechens gross geworden. Derselbe erscheint überall als Vor-
mann der gedungenen Mörder, obgleich er selbst den Mord nicht
vollbrachte.
Die Morder suchten lange vergebens nach einer Gelegenheit,
ihrea Plan auszufahren. Sie wollten eines Tages sich auf den Assessor
Martin de la Raga stürzen, und ihn in den Fluss Ebro werfen. Sie
mussten aber von ihrem Plane ablassen, weil er eben mit dem Gober-
oador Lope Ximenes de Urrea, und mit Philipp de Castro zusammen-
getroffen war.
') Naeh den Prozessen gegen Sancho de Patemoy, Jnan de Abadia, n. a.,
^e zo Saragossa verortheilt wurden. ^
') LloTenie, 11 est ^ en effet proavö, qae D. Blasco d' Alagon, seigncur de
^^Btago, avait re^n dix mille reanx, provenans de cette contribution, destinöe k
B^er les assassins du Maitre Epila. — Bd. I, p. 190.
0 Diese Namen stehen gleichmässig bei Paramo, p. 182; Lhrente, 1, p. 190>
191; 6iu9. Cozza. p. 88 u. a.
OtDi, fptn. KiKlM. lU. 2. 3
34 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Ihre Vergebens wurde Arbu^s wiederholt gewarnt und gebeten, dass
Bchiede. er för die Erhaltung seines Lebens Sorge tragen möge. Er überliess
iionvor- 2Üles der Leitung Gottes, und unterliess nichts von allem was er bisher
gethan. Die Morder waren öfters in die Kirche S. Engracia und
S. Maria del Portillo gekommen, um ihren Plan auszufuhren. Sie
schlichen sich in einer Nacht in das Haus, in welchem Petrus wohnte.
Es war die Wohnung der Canoniker, welche an die Cathedrale an-
stiess. Durch das Geräusch, das sie verursachten, indem sie bei den
.Fenstern einsteigen wollten, wurden sie von dem Dienstpersonale
entdeckt , und mussten sich entfernen. — Um in die Cathedrale zu |
gelangen, durfte Petrus nicht in das Freie heraustreten.
Die Morder sahen sich also veranlasst, oder gezwungen , ihren ;
Plan in der Kirche selbst auszufuhren. Sie schlichen sich während !
I
der Nacht ein, zu der Stunde, in welcher Petrus zur Absingung der 1
Psalmen der Matutin in die Cathedrale zu kommen pflegte. Li der
ersten Nacht entdeckten sie ihn nicht. In der kommenden Nacht |
stellten sie sich bei den Pforten der Kirche auf. Sie wussten, dassi
Petrus , bevor er in den Chor trat , an einer einsamen Stelle in der
Kirche bete. Die einen traten durch das grossere Thor in die Kirche !
ein, die andern durch eine Seitenthüre, genannt „Prevostia", und ver-
steckten sich hinter den Säulen und Mauern. Es war in der Mitter-
ueber- nacht vom 14. auf den 15. September 1485. Petrus trat mit einer
Ermord- Laterne in die Kirche ein. Er näherte sich einem Altare, und kniete
nng des an der untersten Stufe auf der Epistelseite nieder, um in der Stille zu I
ligen. beten. Während der Chorgesang schon begonnen hatte, stürzten 8ich|
die Mörder auf ihr ausersehenes Opfer. Der Gascogner Vidal brachte |
dem Heiligen eine todtliche Wunde am Halse bei, Sperandeo aber!
durchbohrte seinen Arm und seine Seite. Voll Ergebung und Sanfl-
muth sprach der Heilige: „Gepriesen sei Jesus, denn ich sterbe für
den heiligen Glauben'^^ und so sprechend fiel er zu Boden. Sperandeo
holte zu einem dritten Stosse gegen das Haupt des Heiligen aus. Als 1
er aber den Vidal fliehen und den Heiligen in seinem Blute liegen 1
sah, hielt er ihn fiir todt, und ergriff die Flucht. Im Chore saugen |
sie eben den Vers: Quadraginta annis proximus fui generationi huic'
— 40 Jahre lang war ich ganz nahe diesem Volk (der Juden).
So lange Petrus noch lebte, hörte man aus seinem Munde nichts!
anderes, als Worte zum Lobe Jesu Christi und der seligsten Jungfrau. I
Er wurde in seine Wohnung gebracht, und konnte noch bei vollem
Petrus Bewusstsein die heiligen Sacramente empfangen. In diesem Zustande i
liger. lebte er noch zwei Tage, stets betend und gottergeben. Wiederholt I
sprach er, dass er allen seinen Feinden von Herzen vergeben habe.|
Als der Arzt ihm die Nähe seines Todes ankündigte, sprach er:!
Laetatus sum super his, quae dicta sunt mihi; in domum domini
Das Volk gegen dio Mörder. Die VorgSoge nach dem Morde. 35
ibimns; icb frene mich über dfts, was mir gesagt worden; wir werden
in das Haus des Herrn eingehen. Er sprach noch aus die hei]i<;eii
Namen Jesus und Maria — und sanft athmcte er aus im Kusse des
Herrn. Er starb am 17. September des Jahres 1485, in einem Alter
TOD etwa 43 Jahren^).
Als ein Heiliger hatte er gelebt, er starb wie ein Heiliger.
§. 15.
Auf die schreckliche Kunde von der todtlichen Verwundung des ^<^
Heiligen in der Cathedrale erhob sich das Volk von Saragossa, um gen du
seine Morder aufzusuchen. Alfons von Aragon, Erzbischof ^ 2u- >'^'^<''-
gleich Viceköuig des Reiches, trat dem Volke entgegen. Er erfreute
sich der allgemeinen Hochachtung, besonders wegen seiner seltenen
Nächstenliebe. Er versuchte alle Mittel, um den drohenden Ausbruch
des Aufstandes zu verhindern« Er versammelte um sich die Minister
des Königreichs, einerseits um die Schuldigen zur Strafe zu ziehen,
anderseits um die Bewegung des Volkes niederzuhalten*). Er stieg
20 Pferde, und ritt, begleitet von seinem Hofe, durch die Strassen der
Stadt, und redete die Volksmassen mit sanften Worten an. Es gelang
ihm, der Bewegung Herr zu werden.
Der Leib des Märtyrers Petrus wurde mit grosster Feierlichkeit
beigesetzt. Die Verschwomen aber hatten den weitern Plan, den
Canonikus Martin. Garcia, den innigsten Freund des P. Arbues, zu
ermorden, welcher Plan durch energische Maassregeln des Domcapitels ^^
vereitelt wurde*). Sowohl der Erzbischof als das Capitel erstatteten '^«m
über diese Ereignisse Bericht an Papst Innocenz VIIl. Der Archi- ^^^^^
diakon Petras Olivar aber wurde zur Berichterstattung an die „Konige^^ ^^
abgesandt.
Zehn Tage nach dem Tode des Heiligen richteten die Deputirten ^^^ ^^'
des Königreichs ein Schreiben an Konig Ferdinand, das uns seinem ^\on^°
Wortlaute nach erhalten ist^. Die Stände sagen, dass einige diabolische Aragon
und nngläubige Menschen zwei Dolchstösse^) gegen P. Arbuös aus- Kunig.
gelahrt, den einen am Halse, den andern am Arme, während derselbe
iü der Cathedrale gebetet habe, an deren Folgen er gestorben sei. Die
Glocken seien geläutet worden, grosse Volksschaaren haben die Waffen
*} Qiu8. Cotuta, l c. p. 93—106.
^ Zuriia, AniJes de Aragon, L XX, cap. 49; 65.
*) Lcmuza, Vinoeat., de vita, morte et miracnlis Petri Arbuesii, Saragoss.
1G23, Üb. V, cap. 16.
*y Bei Joaquin Tomeo y Benedido, Zaragoza, su historia, deBcripcioa, glorias
y tndiciones, Tom. I, Zarag. 1859, p. 446, 447.
*) Cucbilladas.
5*
36 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
ergriffen, um sich auf die Judeu und Mauren zu stürzen ^). Der £rz-
bischof besonders habe diess verhindert, unterstüzt von den Edlen,
Lopez Ximenez, Phelip. de Castro, und Blasco de Alagon^, zugleich
mit vielen andern. Die Stadt habe sich beruhigt. Alles erwarte die
strengste und genaueste Untersuchung gegen die Anstifter und Urheber
der Missethat, wofür die Maassregeln ergriffen seien. Die Stadt biete
500 Gulden denen, welche sie entdecken würden^). Die Richter haben
zur Entdeckung der Verbrecher in das Ausland geschrieben. „Es ist
Absicht und Wille Aller, sie mit aller Schärfe (auf das grausamste)
zu verfolgen und zu strafen, wenn es überhaupt gegen solche Misse-
thäter noch eine Grausamkeit gäbe^). Das Reich und die Stadt wolle
alle daraus erwachsenden Ausgaben und Mühen gerne tragen. Diese
Anzeige erfolge so spät, weil die Stände geglaubt, dass der Erzbischof
und die Stadt ihnen hierin vorangehen werden. „Möge es der gött-
lichen Majestät gefallen, diess Verbrechen an das Licht zu ziehen, möge
zur Warnung und Strafe für andere an den Schuldigen eine solche
Execution vollbracht werden, dass sie dem Könige zu einiger Genug-
thuung gereiche/' Demüthig bitten sie den Konig, seine Augen gnädig
auf dieses Königreich zu richten, das, erschüttert genug, auf dem Wege
des Unterganges sei, wenn der Konig nicht Kettung schaffe. — So
schreiben von Zaragoza am 26. September 1485 — die Deputirten des
Königreichs Aragonien. — Ihre Sprache zeigt, dass sie den Zorn des
Königs fürchteten.
Die Untersuchung nahm, wie natürlich, lange Zeit in Ansprach.
Die Inquisition selbst aber hatte durch diese Ereignisse die festesten
Wurzeln in dem Königreiche Axagonien gefasst Jezt war keine Rede
mehr von ihrer Abschaffung oder Milderung des Verfieihrens. Die
überschwänglichen Lobsprüche, in denen sich u. a. Hieron. Zvrita und
andere über sie ergehen, sind, falls sie ganz objectiv und aufrichtig
schreiben, eine beredte Apologie derselben. Zu leugnen aber ist nicht,
dass die alten Cortes und Freiheiten des Reichs mehr und mehr in
die Defensive gedrängt wurden.
Doen- Kur uoch zwci Documente über die nächste Zeit nach dem Morde
T"jÜ^e haben sich (nach Joaq. Tomeo) erhalten. Ein öffentliches Ausschreiben,
i486, ein Bando erging im Juli i486. Darin wurde erklärt, dass als Eezer,
■} Se armaron infinitas gentes ^ toda aquella gente, que staba armada, —
fablaba de matar e robar d'has gentes, ö & mescla la juderia ö moreria.
') Sollte diess derselbe Blasco sein, der das Depositum der 10.000 Realen
hütete? Dieser hatte allerdiogs allen Grund, seine Freunde vor der VolksjaBtis
zn scbüzen.
') Ofifrecimientos de ein cientos florines & qaien lo descubriese.
*) Intencion y volnntat de todos, persegair e castigarlo crudelisimement, si
res cruel se pnede pensar contra tales delinquientes.
Die Vorgänge Im Jahre 1186. Verehrung des F. Arbuös. 37
rnckfallige Jaden (jadaizantes) und Mitschuldige an dem Morde des
P. Arbnes verurtheilt worden seien: Juan de Pero Sanchez, micer Juan
de Santangel; mosen Pero Manyos, micer Pedro MoiBPort, Pedro de
Vera y Garcia de Moros, beide Notarien, und sehr viele Personen von
Tcrschiedenen Geschlechtern und Standen, vrelchc sich in den Schuz
einiger (neuen?) Christen, ihrer Mitschuldigen und Genossen, begeben
hätten. Ausser der gewohnlichen Amnestie wurden denjenigen, welche
sie ausliefern würden, die Guter der Ergriffenen versprochen'). —
Diese worden also im Jahre 1486 zunächst in contumaciam verurtheilt.
Ob sie ausgeliefert oder entdeckt wurden, wird nicht gesagt*).
Bei Joaq. Tomeo finden wir noch ein anderes Aktenstück. Es
ist ein Auszug aus dem Buche der Contos (Cuentas) der Cathedrale
aus dem Jahre 1486. Der unbekannte Buchführer schreibt: „Item
warde mir am 13. Juli aufgetragen , einen Anschlag für das kleine
Holz der Schaffotte zu machen, als man den Vidal, den Franzosen,
und den Sperandeo, Mörder des Maestre Epila • — aburtheilte. In
Accord übernahmen es Cabanyas und ein anderer Geselle; ich gab
ihnen l Sueldo (Sou), 6 Heller'). Darnach wurden die beiden Mörder
wohl mit einander hingerichtet.
§. 16.
Bald nach seinem Tode errichtete man dem P. Arbufes ein pracht- i>onk-^
volles Monument, in welchem sein Leib am 8. December 1487 bei- p. Ar-
gesezt wurde. Die Inschrift wurde eingegraben: „Wer ist es, der in**"^« '"
diesem Grabe ruht? Ein anderer felsenfester Mann ist es, dessen Tugend
alle Juden von hinnen treibt Denn der Priester Petrus ist der sehr
feste Fels, auf welchem Gott sein Werk gegründet hat. Glückliches
Saragossa! freue dich, an dieser Stätte den beigesezt zu sehen, welcher
ist der Kahm der Märtyrer. Fliehet rückwärts von hier, fliehet schnelle,
ihr Juden. Denn der kostbare Stein, der Hyacinth, vertreibt die Pest*).
') Maehiaimas personas de distintos sexos y clases, que se ampararon de
algQDoa (naevos?) cristianos, cömplices y. companeros suyös. Admäs de las indul-
gesciaa de costambre, prom^tese en esto bando al que los entregue los biencs
del preao.
') Ebenso kOnnte die Schwester des J. Labadia zwar zum Tode verartheilt,
ftber doch nicht hingerichtet worden sein.
') libro de cuentas de 1486. — Item k 13 de Jolio me fuä mandado ficicse
pQyar h fiista de los cadaholsos de cuando sentenciaron ä Vidan, franci^s, y a
SperaodeOy homicida (as?) de maestre Epila: puyäronla Cabanyas y un otro peon;
^iles 1 sneldo, 6 dineros. — Archiv de la Cathedral. 1. c. p. 448.
*) Qitis jaoet hoc tumulo? Alter fortissimus lapis, qui arcetvirtnte cunctos a
Be Jadaeofl. Est eoim Petras sacer firmissima petra supra quam Dens edificavit opus:
38 Dreizehntes Burh. Erstes Kfipitel.
Ferdinand und Isabella Hessen dem Arbuis eine Statae von Stein
errichten, mit der Inschrift: ,,Der ehrwürdige Magister Petras von
Epila, Canonikus an dieser Cathedrale, wurde, während er nach seiner
Pflicht standhaft gegen die Häretiker inquirirte, hier, wo er begraben
ist, von denselben durchbohrt — am 15. September 1485'). Auf Be-
fehl Ferdinand's nnd Isabella's, der Regenten „in beiden Spanien^' (?).
Ein Basrelief unten an der Statae stellte einen Theil des Ereignisses
dar. — In der Kapelle, yrelche den Namen des Heiligen erhielt, war
an der Seite seines Grabes eine andere Inschrift: „Dieselbe Konigin
Elisabeth von Spanien hat, zum beständigen Beweise ihrer frommen '
Verehrung, dem Confessor (vielmehr aber dem Märtyrer) auf ihre
Kosten diess Denkmal errichten lassen^^').
In dem Processe der Seligsprechung des Petrus wird ein doppeltes
Wunder hervorgehoben, welches sich bald nach dem Tode desselben
Wander ereignete. Damach trat am 17. und 29. September 1485, genau an
*" •®'" der Stelle, an welcher Petrus ermordet worden , das inzwischen ver-
nein ' '
Grabe, schwundcue Blut wieder hervor. Es war während der Vesper, als der
Psalm gesungen wurde: Dens laudem meam ne lacueris. Der Notar
Petrus Lalueza — nahm desswegen ein doppeltes Protokoll auf. Das
Protokoll ist unterschrieben von sieben und drei Zeugen. In dem Be-
richte iür die Seligsprechung des Petrus lesen wir: Saragossa: An-
gelegenheit des Dieners Gottes Petrus de Arbuös, genannt Magister
Epila. „Auf den Bericht Seiner Eminenz des Herrn Cardinais Sacchetti
in der Angelegenheit der Seligsprechung des Dieners Gottes, Petrus
de Arbu^, hat die in Gegenwart seiner Heiligkeit Alexander YD.
stattgefundene Versammlung der Gongregation der Riten erklärt, das
Wunder des Wiederhervorfliessens und der Vermehrung des Blutes
sei bewiesen, welches ein und ein zweitesmal am zweiten und zehnten
Tage nach der Verwundung des Dieners Gottes aus dem Boden der
Kirche hervorgetreten war. Am 17. Januar 1663').
Caesnr augasta, gande beata quae Martirum decus ibi sepultom habes. Fogite hinc
retro, fugite cito Judaei. Nam fugat pretioBUB pestem hyaolnthas lapis.
*) Der Wortlaut der verschiedenen Inschriften Ist bei Llorente (I, S. 193) und
bei Gius. Cozza (p. 120—140) keineswegs gleicblaatend, wenn auch im Ganzen der
Sinn derselbe ist
') Llorente l, p. 193, 194. Nach Horente bezieht sich „die Verehrung" auf
Arbnös, nach Cozxa (p. 140) auf Christus.
*) Sacra ritanm Gongregatio habita coram Sanctissimo censuit constare de
miracnio eifervescentiae et mnltiplicationis sanguinis, qui semel atqne itenun secunda
et daodecima (die?) post inflicta in Dei servam volnera e Uteritio Ecclesiae solo
cniperat. Die 17 Januaril 1663. — S. das doppelte Notariats-ProtokoU — in Acta
Sanctor. 1. c, p. 735—737. — O. Cozza, p. 129—132; es steht auch bei Bzomtis,
Annales ad annnm 1485 — nr. XI, welcher dass. ans Hieron. Bianca Commentar.
— entnommen hat. Dagegen sagt Mariana: XXIV, 8 — quo tempore fervere aangnis
Process der Seligsprechung, Die Verehrung des Heiligen. 39
§. 17.
Ea ist unbestreitbar, dass Petrus seit seinem Tode als Märtyrer
und Heiliger verehrt wurde , wie der Process der Heiligsprechung
nachweist. Weil viele Leidende und Kranke an seinem Grabe Heilung
gefanden zu haben glaubten, strömte immer mehr Volk bei demselben
zusammen. Zahlreiche Votivtafeln wurden in dankbarer Erinnerung an
die durch seine Fürbitte erlangten gottlichen Wohlthaten an seinem
Grabe angebracht. Nachdem die Cathcdrale wegen des in ihr voll-
brachten Mordes ein Jahr lang unter dem Interdikte gestanden war,
wurde am 28. September des Jahres 1486 das Gedächtniss des Hei-
ligen mit grossem Glänze gefeiert. An diesem Tage ruhten die Ge-
schäfte, wie am Feste eines Heiligen').
Im Jahre 1490 verheerte eine furchtbare Pest das Land, welche
auch viele Bewohner Saragossa's hinwegrafile. Die Stadt nahm nun
ihre Zuflucht zu der Fürbitte ihres Martyrer's bei Gott; die Pest hörte
bald auf, während sie noch in den angrenzenden Landstrichen wuthete.
Die Municipalbeamten der Stadt, Petrus Torelas, Lorenzo Molon und
Albert von Oriola , beriefen eine Versammlung') Sie beschlossen,
den Märtyrer als ihren besondem Patron anzurufen. Eine silberne
Lampe, im Gewicht von 50 Unzen, sollte an dem Grabe des Heiligen ^"
leachten. Der Quaestor der Stadt sollte dafar sorgen, dass auf deren Licht an
Kosten das Licht dieser Lampe am Tage wie in- der Nacht nie er- ««*"«"
lösche. So wurde es gehalten, und so ausgesprochen, dass die Stadt
itn als Heiligen verehre*).
Im Jahre 1548 hiengen an dem Grabe des Heiligen schon sechs
silberne Lampen, und zahlreiche Weihgeschenke. Sein Fest wurde
am 15. (später am 17.) September so feierlich, wie das der Märtyrer
Valerius und Vincentius begangen. Im Jahre 1535 (nach andern 1539)
legte Kaiser Karl V. dem Papste Paul HI. die Bitte vor, der Process
der Heiligsprechung möchte eingeleitet werden. Philipp HI. und
Philipp IV. wiederholten in den Jahren 1614 und 1622 dieselbe Bitte.
^QB est, niü ocnlomm ludibria fuemnt, und Joaq, Tomeo sagt im Jahre 1859:
^ este prodigio tan decantado ni el menor rastro ni Inz ha hallado el aator apesar
de BUS escmptüosas investigaciones (was freilich nichts dagegen beweist). — i. c
- P- 446.
*) Der Geriditshof des Königreichs hatte an diesem Tage seine Sizuogen ein-
gestellt Cozea, p. 138 ans den „Prooessi** der Heiligsprechung, fol. 1011.
*) S. ProcesBi, fol. 72.
*) Marione^ XXV, 8. — Deereto Senates aliquante post addita lampas sepulcro:
^Qud nisi consecratis hominibus, coeloqne dicatis non datur. — « Acta Sanctor.,
P. "m. - Cozza, p. U6.
40 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Es worden nun sehr lange Untersuchungen und Verhandlungen
seii^- geführt, deren Ergebniss die Seligsprechung des Petrus im Jahre 1664
u'i^g, ^^''^'■- Unter den zahlreichen Wundern, welche auf die Fürbitte des
i6i>4. Heiligen geschahen, wurden gemäss der hierin bestehenden Gewohnheit
12 besonders geprüft« Die Congregation erklärte, dass das der Zahl
nach dritte und sechste Wunder besonders beglaubigt seien. Nach
dem dritten wurde Maria de Ciria auf die Anrufung des Heiligen
plözlich von einer bleibenden Verrenkung des Gesichtes geheilt. Nach
dem sechsten wurde Elisabeth von Andreas plözlich von dem Krebse
im Munde geheilt'). Wegen dieser und anderer Wunder, im Hinblick
auf das Leben , die Tugenden und den Martyrtod des Petrus (auch
des Wunders der Aufwallung und Vermehrung seines Blutes), erklärte
die Congregation am 23. September 1663, man könne ohne Bedenken
zu der feierlichen Heiligsprechung des Petrus Arbuös als eines Mär-
tyrers vorschreiten, da die Zeichen und Wunder erwiesen seien ^).
Da^u kam, dass Petrus seit seinem Tode als Märtyrer beständig ver-
ehrt wurde'). Am 17. April 1664 erliess Papst Alexander VII. das
Brevc der Seligsprechung des Petrus Arbues*). Er erklärt, dass er
den Bitten des Königs, der Inquisitoren, des Domkapitels und der
Geistlichkeit von Saragossa, der Juraten und des ganzen Volks mit
diesem Decrete nachgebe. Nach dem Rathe und dem einstimmigen
Gutachten der Cardinäle der Congregation der Riten erlaubt er, dass
der Diener Gottes, Petrus Arbu^s, in Zukunft mit dem Ehrennamen
eines Seligen (Beati) bezeichnet, dass sein Leib und seine Reliquien
zur Verehrung der Gläubigen ausgestellt (nicht aber, in Processionen
getragen) werden dürfen. Am 17. September dürfe jährlich sein Fest
mit dem Officium und der Messe eines Märtyrers begangen werden^),
in der Cathedrale von Saragossa, in den Kbrchen, die speciell der In-
quisition in Spanien unterstehen, in der Pfarrkirche zu EpUa, in der
Kirche der Aragonier von Monserrat zu Roml Am 20. April 1664
wurde das Fest der Seligsprechung in der Vaticanischen Basilica mit
grosser Pracht begangen.
Von da an ruhete die Angelegenheit zwei Jahrhunderte, vom Jahre
1664 bis zum Jahre 1864. Der Erzbischof Garcia Gil von Saragossa?
Dominikaner, (Cardinal seit 12. März 1877), richtete mit seinem Capitel
') Instantanea sanatio Mariae de Ciria ab ore torvo. (EUsabethae) ab nlcere
cancri in ore.
') attento, quod agitur de Martyre cum prodigiis et miraculis approbatis.
') D. h. der caltos immemorialis (oder die beständige Verehrang); cooslare
dicto Servo Dei cultam exhibitum ^fuiBse et ad praeseos exhiberi. — Decrete vom
23. Malt. 1662, 12. Dec. 1661, 17. Januar 1663, 15. Sept 1663, 19. Hart. 1664.
*) Es steht u. a. in Acta Sanctonun, p. 749 n. 750. — O, Cozza, p. 208^213.
') Sab ritu daplici, et Missa celebretor de Mivtyre non Pontifioe.
Seine Heiligsprechung im Jahre 1867. Schriften Über den lil. Petrus Arbute. 4 1
im Jahre 1861 erneuerte Bitten am die Heiligsprechang (Canonisatio) Heiug*
des Seligen an Papst Fius IX. Am 23. Februar 1^6*0 erging wieder un?.
ein Decret der Congregation der Riten , nachdem der heilige Vater
feierlich erklärt hatte: Man könne sicher zu der Heiligsprechung des
Seligen Petrus Arbute vorschreiten '). •— In dem ' Consistorium vom
14. Mai 1866 liess der Papst durch den Cardinal Const. Patrizi den
Cardinälen über den Fortgang des Processes der Heiligsprechung Be-
richt erstatten. Alle Cardinäle wurden gefragt, welches ihre Ueber-
zengang von der Heiligkeit des (Erzbischofs Josaphat Euncewicz von
Polocsk und des) Regularcanonikers Petrus de Arbu6s sei. Jeder
erklärte, es sei seine Meinung und sein Wunsch, dass zu deren feier-
lichen Heiligsprechung geschritten werde. Die Cardinäle erklärten
sich einstimmig.
Am 8. December 1866 richtete Papst Pius IX. durch den Car.
dinal Caterini an die katholischen Bischöfe eine Encyclica, er sei ent-
schlossen, am 29. Juni 1867 den Seligen Petrus in das Verzeichniss
der Heiligen , welche von der Kirche als solche verehrt werden , auf-
zunehmen. -^ Diess geschah auch an demselben Tage, an welchem zu
Rom die achtzehnte Saecularfeier des Martyrtodes der heiligen Apostel
Petras und Paulus begangen wurde.
§. 18.
Ueber das Leben des heiligen Petrus Arbues hat, soweit uns
bekannt, kein Zeitgenosse geschrieben. Erst im Jahre 1623 erschien
TOD Vineem Blctsco de Lanuza das Werk: Peristephanon, seu de Coronis sohrif-
Sanctorum Aragonensinm, vita, morte, miraculis Petri Arbuesii Canonici
Caesaraugnstani et primi Inquisitoris, — in fünf Büchern — Caesaraug.}
1623. — Ob das Werk des Lanuza: „La vida del primer Inquisidor
Pedro de Arbute^^ — damit zusammenfiiUe , weiss schon Nicol. An-
Umio nicht*)
Zur Zeit der Seligsprechung des Petrus Arbuis erschien das
Werk von Didaeus Oarda de Trasmiera: Epitome de la santa vida,
y relacion de la gloriosa muerte del Venerable Pedro de Arbues, In- ®®***'*'"
quisidor apostolico del reyno de Aragon., — es erschien zu Monreale ihn,
in Sicilien, und in zweiter Auflage zu Madrid im Jahre 1664— *4^ ^^'^'
Der Verfasser war als erwählter Bischof von Zamora im Jahre 1661 i69oi
in Madrid gestorben'). — Um dieselbe Zeit erschien in Rom in ^^^'
italienischer Sprache: „ein Compendium, oder ein kurzes Leben des
ten ttber
Ihn.
*) Täte procedi posse ad solemnem Petri de Arboös canonizationeiQ.
*) Biblioteca Naeva, t II, p. 323.
') NicoL Anionio I, p. 285.
42 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Seligen,'^ welches in lateinischer Sprache bei den BoUandisten abge-
druckt ist.
Der Mercedarier Mich. Sdaverte Hess im Jahre 1690 ein anderes
Leben des Heiligen erscheinen, welchem er die einige Jahre früher
von ihm in der Cathedrale zu Saragossa gehaltene Lobrede auf den-
selben anschloss').
Im Jahre 1729 erschien zn Valencia von Franc, Fern, de Mar-
MdniUo: Vida del glorioso martir San Pedro de Arbues — kl. 4° —
Gedichte. — Im Jahre 1755 erschien das Leben des Heiligen im
fünften Bande der Acta Sanctornm, — des Monats September; der
„Commentarius praevius von Sticker (al. Suysken.) p. 728 — 762; die
Vita brevis aus dem Italienischen, p. 752 — 754.
Aus Anlass der Feier der Heiligsprechung erschien die Fest-
schrift: Della vita, miracoli e culto del martire S. Pietro de Arbues
Canonico regolare — di Saragozza. Narrazione di D. Giuseppe
Cozza, monaco Basiliano, Roma, 1867, pp. 263. —
Dem Verfasser stand für seine Arbeit ein spanisches Manuscript
über das Leben des Heiligen zu Gebote. Mehr als dieses diente ihm
schrif- eine authentische Copie der „apostolischen Processe", welche über das
ihn, Leben des Heiligen in verschiedenen Perioden eingeleitet wurden.
1867, Von dem kurz vorher verstorbenen General- Abt der Regular-Canoniker
1870<
vom Lateran, Giov. Strozzi, erhielt er diese und zahlreiche andere
Schriften im Umfange von mehr als 2000 Seiten, welche in der Bibliothek
der Basilica des heiligen Petrus ad vincula als Manuscripte aufbe-
wahrt werden.
Ferner erschienen zur Zeit der Heiligsprechung zwei Artikel in
der „Civilta cattolica^ vom 3. und 17. August 1867, und eine Abhand-
lung in den Historisch, polit Blättern (von Prov. Oreü in Passaa) :
„der Märtyrer Pedro Arbues de Epila«, 1867, H, S. 854—873, gegen
einige den Petrus Arbues angreifende Artikel in der Augsb. Allg.
Ztg. V. 6. Mai, 2. n. 3. August 1867. — Als sodann ein den Petrus
Arbues beschimpfendes Bild des Malers W. Kavlbach ausgestellt wurde,
secundirte dem Bilde der „Schriftführer" Eberh. Zimgibl, — 1870,
dessen Pi&ce ebenso richtig eine Widerlegung, als eine Bestätigung des
Kaulbach'QGhen Bildes genannt werden kann; denn von dem Greisen-
alter, dem Blutdurst, und den Güterconfiscationen durch Petrus Arbues
weiss auch Zimgibl nichts zu erzählen. Gegen (diesen und) das KavU
bach'Bche Bild erschien wieder eine Widerlegung von einem Unge-
nannten: Die Märtyrer der protestantischen Intoleranz im Vergleiche
') Latassa, Bibliotheca Dueva de los Escritores Aragoneses, t. IV, p. 16 — 17.
1800, Pamplona 8. v. Salaberte.
Statuten vom 29. November 118^. 43
za der spanischen Inquisition. Historisclie Sittenbilder, Herrn Direktor
YOQ Kauliach gewidmet. 2. Aufl. Augsb. 1870; p. p. 28 ').
§. 19.
Der Grossinquisitor hatte am 29. November 1484 eine General-
versammJnng zu Sevilla veranstaltet Derselben wohnten verschiedene
Inquisitoren und Mitglieder des königlichen Rathes von Castilien an.
Unter den Anwesenden erscheinen neben Torquemada: Fr. Johann von
S. Martin, Inquisitor der Stadt Sevilla; Johann Ruiz von Medina, Prior
und Ganonicus von Sevilla, dessen Gehilfe, Pero Martinez von Barrio,
Ganonicus und Inquisitor von Cordova ; Fr. Martin de Casso, Franzis-
kaner, Assessor der Inquisition zu Cordova; Franc. Sanchez de la
Fuente, Ganonicus von Burgos, Inquisitor in der Stadt Gindad Real;
Johann Garcia von Ganas, Scholasticus von Galahorra, königlicher
Caplan; Fr. Johann, ^e Yarca, Prior von Toledo, Inquisitor in Jaen; ^<^''
ÄlfoQs Garrillo , erwählter Bischof für Mazzara auf Sicilien ; Sancho lang" a
Velasquez von Cuellar, Doctor beider Rechte; Micer Foner von Va- s«^*"»»
lencia, Doctor beider Rechte, königlicher Rath; Johann. Gutierrez berT«^«.
von Lachaves, Lioentiat; Tristan von Medina, Baccalaureus'). Torque-
mada legte hier den Entwurf der Regeln und Statuten des heiligen
Officiums, in 28 Artikeln geordnet, vor, welche einstimmig Annahme
fiinden^. — In einer zweiten Versammlung, welche er zu Sevilla im
folgenden Jahre hielt, legte er einige neue Statuten vor^). In der
ersten Versammlung wurde festgesezt, dass die Inquisitoren ein feier-
liches Edikt erlassen, und manniglich kundmachen sollten, dass eine
Gnadenfrist von etwa 40 Tagen ertheilt würde, in welcher Alle, die
sich selbst der Häresie, des Abfalls vom -Glauben, und vom Ghristen-
thom abweichender Uebungen bevnisst wären, vor den Inquisitoren sich
steUen, ihre Schuld bekennen, reumäthig ihre Irrthümer abschwören,
nnd dadurch von der Strenge der Strafen befreit sein sollten. — In einer
zu Valladolid im Jahre 1488 gehaltenen Versammlung von Inquisitoren
wurden 15 weitere theils erläuternde, theils erweiternde Artikel ange- Statuten
nommen. Eine lezte Instruction erliess Torquemada von Avila aus in ^'^^'
16 Artikeln, im Jahre 1498, in welchem Jahre er daselbst starb.
0 Des heiligen Märtyrers Petrus von Arbnös Leben, Tod, Wander und Ver-
ehrung, München, 1877, p. p. 120 (anonym).
*) jSsum, Sammlung, S. 3^4.
*) Rem», S. 5—36.
*) Spondaefus^ anuales ecoles., ad annum U78, nr. 17 — Quötif et Echard,
Script, ord. Praedicatorum, 1719, I, p. 893.
44 Dreizehnte.'. BDcb. Eittes Kapitel.
§. 20.
Dieselben Beweggründe, welche in den Jahren 1478 — 1482 zu der
Einfuhrung der neuen Inquisition gefuhrt, hatten im Jahre 1492, bald
nach Eroberung von Granada, die Verbannung Bammtlicher Juden aas
Spanien zur Folge. Wenn zu dieser Verbannung auch Th. Torquc-
mada und andere Priester gerathen haben sollten, so bleibe die Ver-
bannung selbst eine rein politische Maassregel. Der Staat, und nicht
uo'n w- ^'® Kirche — verbannten sie. Die Inquisitoren und Andere überzeugten
Lannu sich, dass die geheimen Juden so lange in Spanien nicht aufhören
würden, als es überhaupt Juden daselbst geben wurde. Die Juden
waren von ihrem Plane nicht abzubringen, sämmtliche Spanier zu ihrem
Glauben zu bekehren'). Man fand, dass der Reichthum des Landes
mehr und mehr noch in den Händen der Juden sich ansammle und
die Christen von ihnen überall zurückgedrängt und übervortheilt würden.
Die Aufregung und der Hass gegen die Juden steigerte sich zusehends,
je mehr sich Nachrichten verbreiteten, dass die Juden Racheacte gegen
die Christen begingen. Sie sollten Crucifize verstümmelt, und geweihte
Hostien entweiht haben. Sie sollten auch christliche Kinder ge-
kreuzigt haben. Am meisten Aufregung verursachte der zu la Guardia
in der Mancha im Jahre 1490 durch Kreuzigung an einem Kinde voll-
brachte Mord.
Die Thatsache selbst ist über jeden Zweifel erhaben*) Das Kind
wurde seiner blinden Mutter gestohlen, welche an der Pforte der Cathe-
drale zu Toledo zu betteln pflegte. Am 31. März 1491 kamen 11 „Be-
kehrte^ aus verschiedenen Ortschaften der Mancha zusammen, um das
Kind zu kreuzigen. Sie errichteten ein sehr hohes Kreuz, an das sie
das Kind annagelten. Einer der Grausamsten riss dem noch lebenden
Kinde das Herz heraus. Gleichzeitig wurde eine consecrirte Hostie
entweiht. — In Toledo selbst war schon im Jahre 1485 eine Ver-
schwörung der Juden entdeckt worden, welche am Frohnleichnamsfeste
der Stadt sich zu bemächtigen und die Christen niederzumezeln ge-
dachten^.
Um die drohende Gefahr von sich abzuwenden, boten die Juden
dem Konige Ferdinand noch zur Zeit des Maurenkrieges 30.000 Ducaten
') Jose dem. CamicerOj Impognadon de la obra de D, Juan. Ant. lAorente:
Anale« de la Inqoisicion de Espafia, Madr. 1816, t. I, p. 101.
*) Historia del martirio del SaDto Nifio de la Ouardia, sacada de los pro-
CC808 . . . por el Doctor Martin Martinez Mareno, 188 p. p. — (zweite Ausg.)
1866. — Vic. de la FuenU, 1874, t. V, p. 32-33.
•) CamicerOf t. J, p. DO.
Verbannung der Juden. 45
an. Torquemada habe^ heisst es, die Annahme verhindert*). Bald
darauf, am 31. März 1492, wnrde das Edikt der Verbannung gegen alle
Jaden erlassen, welche nicht vor dem 31. Juli d. J. sich taufen Hessen^).
Sie sollten ihre Habe verkaufen und den Erlös in Waaren und Wechseln,
nicbt aber in Metall mitnehmen dürfen'). Pässe und Schiffe wollten
die „Könige^ liefern. Wie viele die Taufe, zu der sie dringend er-
mahnt wurden, dem Exile vorzogen, erfahren wir nicht, glauben aber,
es werde eine verschwindend kleine Zahl gewesen sein^}.
Die meisten Juden wanderten in das nächste Land, nach Por-
tugal ans.
Es ist eine „wilde^ Uebertreibung, wenn «7. A, Llorente 800.000
Juden auswandern lässt. Er beruft sich auf Mariana als seinen Ge-
währsmann^). Dieser aber sagt, dass nur ein Schriftsteller diese hohe
Zahl angebe, an deren Wirklichkeit man kaum glauben könne. Aus
jüdischen und christlichen Schriftstellern ist aber leicht zu beweisen,
dass die Zahl der nach Portugal auswandernden Juden kaum
100.000 erreichte. Wir haben schon gehört, dass der Jude H. G^ätz
auf sichere Beweise (ihrer Abgaben an den Staat) gestuzt, die Zahl
der Juden in Castilien im Jahre 1474 auf 150.000 angibt^ — Bis
zum Jahre 1492 können sie unmöglich auf 800.COO angewachsen zahider
sein, um so weniger, als die Inquisition dazwischen trat, und vom ^"j^^^
Jahre 1480 an doch auch Viele, wenn nur zum Scheine, sich taufen Jaden
Hessen.
Der Jude Kayserling stüzt sich auf die Angaben bei dem Portu-
giesen (und Juden) Cacuto^ und dem Portugiesen Damiäo de Ooe$.
Jener sagt, dass in Portugal mehr als 20.000 Familien eingewandert
') Kayserling, Gesch. der Jaden in Portugal, p. 100: «Torqaemada's angeb-
liche Aenssemng Ist — nicht historisch.*
') Das Edikt der Verbannung s. n .a. bei Yangtuis, Diccionario de Historia j
Aotignedades deNavarra. Pamplon. 1840, s. v. Judios, t. II, p. 117, nndbelLtndo,
- History of the Jews in Spain. 1848, p. 277.
•) Camicero, I, p. 273.
*) «Nor wenige gingen zum Christenthum über**, Kayserling ^ Jaden y.
Portugal, p. 101.. „Nur sehr wenige Jaden gingen im Jahre der Answeisang aus
Spanien über*, Oräiz, Bd. V, S. 856. — Barisaimos o seqairan preferindo quasi
^06 odestorro. A, Hereukmo, la Origem da Inqoisicao em Portogal, t. I, Liaboa,
18M, p. 79-
^ LlorenUj I, p. 261, — IV, p. 297. Zweimal sagt Uorente dasselbe: 800.000
s'ezpatrient. Mariana aber sagt (26, 1): Judaeomm mnltitadinem qni ex Hiapania
«lisceflserant, ad certam nrnmemm revocare promptnm non est Pleriqae scriptores
170 familiarnm millia abiisse confinnant, qnidam ad 800.000 capita pervenisse ait.
logeofl nnmems ae yix fidem factaros . • Molti ex eo nnmero, ne patria carerent,
Christo dedere nomina, pars sinceris animia: ab'i simulata pietate tempori servientes
brevi ad ingenhim, ilrandes et mendaeia rediemnt
•) S. a 16.
46 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
seien. Die Familie wird überall auf fünf Kopfe berechnet, also mehr
als ICO.OOO Personen. Wörtlich stimmt damit D. de Gces iiberein *).
Die genauesten Angaben finden sich bei Andr. Bernaldea'^) und
D. G0€8.
Von BensTente wanderten ans nach Braganza fiber 3.000 Personen (animas).
« Zamora « „ » Mimnda 30.000 ^
, CindadBodrigo , , , ViUar 35.000 .
^^ « Alcsntara , » * Hsrban 15.000 ,
Porta- Zusammen: 93.000 Personen.
Von den Juden, welche im Nordosten wohnten, wanderten 2000
Seelen nach Navarra aus'). Ans den Baskischen LÄndem wanderten
30U Familien zur See aus. Aus Andalusien und dem Maestrazgo
(Herrschaft) von Santiago wanderten über Cadix 8000 Personen aus.
Viele andere wanderten über Carthagena, und die Hafen von Aragonien.
Aus Aragonien und Catalonien wanderten viele nach Italien, andere
nach Mauritanien, Tunis odei: Tlemecen u. s. w. ans^).
Ohne tüchtigen Beweis aber lässt H. Grrätz im Jahre 1492
300.000 Juden auswandern. Er sagt: „Die Gesammtzahl der Aus-
wanderer ist viel calculirt worden. Die christlichen Schriftsteller haben
Abrabenels (des Juden) Angaben nicht berücksichtigt, der an zwei
Stellen die Zahl ganz bestimmt auf 300.000 anschlägt, und er war
als Jude und Finanzmann am besten darin unterrichtet. Diese Zahl
wird auch dadurch bestätigt, dass 1474 in Castilien noch 150.000 Juden
wohnten; man darf wohl ebensoviel (??) auf Aragonien, Catalonien und
Valencia rechnen. Das gäbe also 300.000. Mariancts (und Uorente'a)
Angabe (nach einigen Quellen auf 800.000 oder auf 1 70.000 Familien-
väter ist gewiess viel zu hoch gegriffen^), ebenso die 400.000 bei
') D. de Ooee: Segundo se affirma entrarao nestes Regnos maiB de vinte
mil casaes. L X. c. 10.
') HiBtoria de Femandez j Isabel, 1856, t I, p. 255.
') dos mil änimas, sagt Bemaldez (I, p. 255). Dagegen Kayeerlingiäie Jaden
in Navarra, S. 107) sagt: »gegen 12.000'*. Ebensoviel lAndo, p. 287 und Heinr.
Orätz V, p. 866 — etwa 12.000, welche sich auf jüdische Schriftsteller berafen.
*) H. Orätz, kommt mit sich selbst in Widersprach, wenn er im Jahre 1474
150.000 Jaden in Castilien wohnen, im Jahre 1492 aber 800.000 ans Spanien ans-
wandern UEsst (V, p. 858). Es ist gegen alle historische Wahrschemlichkeit, dem
Königreiche Aragonien ohne Weiteres 150.000 Jaden anzudichten. Wir theilen aber
die Note bei Orätz, (V, p. 859) wegen ihrer sonstigen Wichtigkeit im Texte mit.
*) PreecoU, spanische Uebeneznng v. 1848, t. IV, p. 70. — (Schäfer^ Ge-
schichte von Portugal, t II, S. 646,) spricht keine Ansicht aus.) — Ereck und Gruber,
Enoyclopfidie, Sectio IL Bd. 27, Leipz. 180O, S. 225 u. 226 nimmt 800.000 Personen
an. Auch hier sagt 8d%g Cassel unrichtig, wenigstens mehr als miasverstindlich:
nDie höchste Angabe bat Mariana^ ; er hat sie, aber glaubt nicht an sie. Adolf o
Zahl der aasgewanderten Jnden. 47
Zurita und die mehr als 420.000 bei Aboab^). Die Zahl 170«000 bis
] 80.000 bei los Bios und Modesto la Fuente ist aber viel zu klein^ weil
sie die 30.000 Haasväter (vecinos) bei Bemaldez zn gering berechnet
haben. Gibt doch Bemaldez selbst an, dass die Zahl der aus Castilien
allein Ausgewanderten weit 90.000 überstiegen habe*). Die Zahl
300.000 empfiehlt sich daher als die richtigste^*. Dagegen bemerken
wir: Die Angaben des Damiao de Qoes^ und A. Bemaldez sind
sehr leicht zu vereinigen. Es wanderten in Portugal über 20.000
Familien, nach Bemaldez aber 93.000 Personen ein, im Ganzen etwa
lOO.OOO nach Portugal'); 2000 nach Navarra, etwa 1500 aus den
Baskenländem aus; 8000 über Cadix nach Marocco, eine unbestimmte
Menffe wanderte über Carthairena aus — wir wollen annehmen 8000 ^•^^*^«'
Jndmi In
Personen. Nach Bemaldez hätten im Jahre 1492 in Castilien noch oasu-
etwa 135.000 Juden gelebt Durch die Thätigkeit der Inquisition wäre '^*'' "^^^
ihre Zahl von 150.000 im Jahre 1474 auf 135.000 im Jahre 1492 ge- ^!T,
snnken. Gesezt aber den Fall, es hätte im Jahre 1-^92 — noch
150.000 Juden in Castilien gegeben, so durfte Qrätz am wenigsten dem
Königreiche Aragonien 150.000 weitere Juden zuschieben, da er sich
doch stets auf Bemaldez^) und Prescott bezieht Nach Bemaldez
aber, welchem Prescott hierin folgt, betrugen die Juden im Königreiche
Castilien ^e Theile sämmtlicher Jnden in Spanien^), nämlich 30.000
Familien in Castilien, 6000 in Aragonien, im Ganzen c. 160.000 Juden.
Lebten nun auch (nach Qrätz) noch im Jahre 1492 150.000 Juden in
Castilien, so durfte er für das Reich Aragonien nur den sechsten Theil
davon, und im Ganzen nur 175.000 Juden in ganz Spanien annehmen.
dt Castro^ Historia de los Jndios en Espafia, Gadiz, 1847, p. 146. Amadorde tos
RioSy Estttdios — sobre los Jndios de Espafia, 1848, p. 207—209. («Die Uoge-
nanigkeit bei los Bios überrascht Niemand, der sein Werk nach Verdienst wQr-
digt*, Wägt der Jude Kayserling, Joden in Portngal, S. 112). Modest delaFtiente,
Historia genersl de Espafia (26 Bde., Madrid 1850—1862}, t. IX, p. 413. — Ck>lmeiro
berechnet die Zahl der Jnd^n auf 200.000 (s. oben, III, 1, S. 460).
') Isaac Äboab, Nomologia, p« ^90 n. 291. — Zurita, Anales, t V, 9.
*) Er sagt aber Ȁnimas ond nicht vecinos^ (Seelen und nicht Familien),
I, p. 255.
*) Kayserling nimmt 120.000 Seelen an, S. 115.
0 (?r^z im Jahre 1863, und jfiraj/^erZtn^ im Jahre 1867 Icennen den Bemaldez
immer 'noch als Mannscript und nach den Auszügen anderer, während Oscar Peschel
m seinem „Zeitalter der Entdecknngen'' Stuttg. 1858 — schon die im Jahre 1856
im Druck erschienene Chronik von Bemaldez kennt (Ose Peschel, Zeitalter
p. 148^ 152). Inzwischen erschien zu Sevilla im Jahre 1870 eine zweite, bessere
imd sehOnere Ausgabe.
*) Bemaldez, I, p. 254. Prescott^ 1. c. IV, p. 70. Bemaldez berechnet nach
seinem Gew2hrBmanne, dem von ihm getauften Bab. Centollo von Yittoria —
B6j)00 Familien zu 160.000 Seelen: darnach wären etwa 133.000 Juden in Castilieni
c 27.000 in Aragonien gewesen.
48 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Nach anserer Schäzang (und nach Bemaldez) aber gab es im Jahre
1492 an 13*5.000 Jaden in Castilien , etwa 27.000 in Aragonien,
zusammen 160.000, von welchen c. 100.000—120.000 nach Portugal,
2000 nach Navarra, 8000 nach Marocco, die Uebrigen nach Italien und in
andere Länder Europa's, nach Afrika und Asien auswanderten*), ein
kleinerer Theil sich taufen Hess. Dass die meisten Juden der Taufe die
Auswanderung vorziehen würden, hatte sicher Isabella nicht erwartet,
welche völlig von der Wahrheit des Christenthums durchdrungen war;
sicher hofi'te sie, dass die Mehrzahl der Juden sich taufen und dem Lande
sich erhalten würde. „Gewiss ist^ (sagt der Protestant Pe^cAeZ), „dass die
Krone bei der Vertreibung der Juden und Araber, wie bei der In-
quisition, sich nicht durch niedrige fiscalische Motive') leiten liess,
sondern recht glaubhaft, dass Isabella in ihrem Eifer sich verrechnet,
und nicht die Vertreibung selbst, sondern durch ihre Androhung eine
rasche und allgemeine Bekehrung beabsichtigt habe^).
Die Juden, welche in Portugal einwanderten, mussten aber ihre
Zulassung daselbst mit theurem Gelde bezahlen. Gemäss eines Ueber-
einkommens mussten 600 meist reiche Familien eine Summe von
j)te Jo- 60.000 Gold-Cruzados entrichten: alle anderen Einwanderer mussten,
Portugal mit Ausnahme der Säuglinge, jeder acht Gold-Cruzados in vier Ter-
minen bezahlen. Sie durften aber überhaupt nur acht Monate in
Portugal bleiben. Der König versprach, zu billigen Fahrpreisen sie
an die von ihnen gewünschten Orte bringen zu lassen; sie wurden aber
von den Schiffslenten unmenschlich behandelt. Die in Portugal noch
übrigen Juden blieben; sie wurden nach Ablauf der zur Auswanderung
bestimmten Zeit sämmtlich zu Sklaven gemacht und verschenkt. Die
Granden und Hofleute konnten sich Juden und Jüdinen nach Belieben
auswählen*),
und Na- Die Juden in Navarra mussten im Jahre 1498 entweder aus-
1499' wandern oder sich taufen lassen. Weil die gegebene Frist zu kurz
') Am nächsten komme ich der Scfaäzung bei Kayserling, auf 120.000 Aai-
gewanderte cach Portngal. Ferreras gibt die Zahl der Ausgewanderten überhaupt
auf c. 100.000 an. Bd. VllI, Tfa. 11., p. 250 flg., eine wohl za niedrige Zahl. —
Paramo sagt, es seien 170.000 Seelea, ^ut quidam referunt, vel, ex aliorom sententia)
fiber 400.000 Jaden ausgewandert (Paramo, p. 167).
*) ,,Die Finanzen des heiligen Amtes (der Inquisition) waren so Übel bestellt,
dass die Gehalte der Inquisitoren, welche ans den Confiscationen bestritten werden
sollten, gewöhnlich in Bttckstand blieben" (JAorente^ Hist. de Tlnq. tom. I, p. 217).
') Diese neue Ansicht ist nSher begründet worden in Kunstmann's Untersuch-
ungen „floer die Rechtsverli<nisse der Juden in Spanien*^. Münchner gelehrte
Anzeigen, 1848. S. 248). — Ose. Peschel, S. 152.
*) Kayserling, Gesch. der Juden in Portugal, p. 112*115. — Oräiz, V,
p. 873-387.
Die Inquisition und die Moriscos. 49
war, 80 „gingen die meisten zum Christentham über**. „Jn der sonst
wegen ihrer Frömmigkeit so berühmten (jüdischen) Gemeinde von
Tudela liessen sich 180 Familien taufen." ')
§. 21.
In Folge der Verbannung der Juden aus Spanien wurden die
Arbeiten der Inquisition nicht vermindert, sondern vermehrt Tausende
der Ausgewanderten, besonders nach Afrika, kehrten im grossten Elende
zurück, und liessen sich nothgedrungen taufen. Diese, und jene, welche
vor dem 31. Juli 1492 die Taufe angenommen, blieben aber im Herzen
und im Verborgenen Juden, — und sie hielten die Inquisition in be-
standigem Athem*). In den Jahren 1492 — 1502 wurden auch die
Manren, bald Moriscos genannt, allmälig in den Kreis der Thätigkeit
der Inquisition hereingezogen. Zwar wurde den Mauren in dem er-
oberten Granada die freie Ausübung ihrer Religion gestattet'). Es
schien aber keine Verlezung dieses Versprechens zu sein, wenn der
erste Erzbischof Talavera von Granada und Franc. Ximenes, seit 1495
Erzbischof von Toledo, die grossten Anstrengungen machten, die Mauren ^i»
zom Christenthume zu fuhren. Die Mauren sahen in diesen Versuchen eine ]„
Verlezung der ihnen gewährten Religionsfreiheit Es brachen bedrohliche Qnnada
Auf stände in Albaycin, in den Alpujarras und der Sierra Bermeja aus. 1502, u.
Dadurch glaubten die ,,Eönige" ihres gegebenen Wortes entledigt zuin^**^!-
seiD, und als Sieger gegen besiegte Unterthanen verfahren zu dürfen. Leon.
Es war den Mauren die Wahl gelassen, entweder sich taufen zu lassen,
oder, gegen eine Abgabe von zehn Goldgulden für den Kopf, auszu-
wandern. Die Meisten blieben, liessen sich taufen, die Wenigem wan-
derten aus. Im alten Königreiche Granada war kein ungetaufter Maure
mehr zu finden. In den Provinzen Castilien und Leon dagegen lebten
noch ziemlich viele ungetaufte Mauren. Durch Edikt vom 20. Juli
1501 wurde diesen jeder Verkehr mit den getauften Mauren in Granada
Terboten. Durch ein neues Edikt vom 12. Februar 1502 wurde auch
den Mauren von Castilien und Leon befohlen« entweder auszuwandern
oder sich taufen zu lassen. Auch sie wählten in grosser Mehrzahl die
*i Oräiz, V, 366. — Tanguas, Diedonario, 11, p. 120. — Kayserling, Ge-
schichte der Jaden in Navarra, p. 106; 212. — LdndOj History of the Jews in
3puQ, 1848, p. 287.
') A. Bemaldez, I, p. 254. Uorente, I, p. 262. — Perreras, Vllf, 11, §. 252*
- Hefele, der Card. Ximenes, p. 275.
*) Kirehengeseh. Sp. III, 1, S. 444 n. 445.
Oiou, fpu. Kirche. IIl. f, 4
50 Dreizehntes Bucb. Erstes Kapitel.
Taafe. Der zweite Inquisitor^ Didacus Deza, soll zu diesen strengen
Maassregeln gerathen haben').
§. 22.
Zur Zeit der Auswanderung der Juden aus Spanien und Portugal
war schon der Spanier Alexander VI. Papst (1492 — 1503). Von den
nach Genua ausgewanderten Juden kam auch ein Theil im grossten
Elende nach Rom. Aber die Juden in Rom ^verschworen sich gegen
sie, sie nicht zuzulassen, aus Furcht, dass der Zuwachs neuer Ansiedler
Aiexon. ^^.gJ^^ Gcwcrbc Schadcu bringen mochte*. — Diese romischen Juden
der VI. ^
und die schosscu also 1000 Ducatcu zusammen , und boten sie dem Papste
Jaden, ^exander VI. an, mit der Bitte, dass er den neuen Juden nicht ge-
stalten möge, sich in Rom niederzulassen. Der Papst war über diesen
hx)hen Grad von Herzlosigkeit so aufgebracht, dass er sämmtliche
Juden aus Rom auszuweisen befahl. „Es kostete den Juden noch
2000 Ducaten, den Befehl rückgängig zu machen, und sie mussten
es sich gefallen lassen, die Juden au&unehmen^ ').
Unter diesem Papste, dessen Stellung Spanien gegenüber eine
mehr als precare war, erlangten die „Könige" eine Menge von Privi-
legien und Concessionen für ihre spanische Inquisition, durch welche
dieselbe mehr und mehr eine Regierungsanstalt wurde. Wir haben
schon gehört, dass im Jahre 1498 230 Spanier in Rom abgewandelt
wurden, um nach Auflegung leichter Bussen nach Spanien zurückgesandt
zu werden — 29. Juli 1498. Aber schon am 2. August erliessen
Ferdinand, und Isabella ein scharfes Edikt, weiches diesen Spaniern
die Rückkehr in ihre Heimath unter Todesstrafe verbot*). — Am 12. Au-
gust 1493 erliess Papst Alexander VI. ein Breve, in welchem er die
') Luis del Martnol Carvc^cU, Historia del rebelion y castigo de los Moriscos
del reyno de Granada, Madrid 1797, t. I, p. 83--98. Obrasde Diego Huriado de
Mendozüf Granada, 1864, 1. 1. Guerra de Granada Lib. I, Leyes contra loa criaüanos
nuevoB, p. 78eq. — Flor, Janer^ Gondicion social de los Moriacos deEapafia, Madr. 1857,
p. 185, sq. Jos. Ilefele, der Card. Ximenea, 8. Haaptafick. Bekehrang der Mauren,
S. 52, 66 flg. — S. 275 — 276. — Rochau, die Moriscoa in Spanien, Leipz. 1853,
p. 156 flg. (Nach ihm sind die Manren immer im Rechte, ihre Sache ist die Sache
der wahren Civilisation, die Chriaten aind immer im Unrechte; nur Schade, daaa die
Muhamedaner in Spanien mit den Christen in Spanien nicht „reinen Tisch* gemacht
haben). — Will, Prescotty History of theReign of Philip the aecond, king of apain,
New edition (in 8 Bänden, reichend bis 1580), Philadelphia, 1874, t III, p. G.
(the Moora of Spain, p. 1—272).
«) Grätz V, p. 373.
') Uorente, I. p. 245—246. IV, p. 297. Am 12. März 1499 eriieaa der Papst
darüber ein weiterea nachgiebiges Schreiben an die „Könige^.
Papst Alexander VI. und die Inquisition. 51
TOQ Siztas lY. ertheilten Abeolutionen einiger Angeklagten von Sevilla Aiexan
als nngiltig erklärte, und die Inquisitoren beauftragte, auf das neue^^^^^/
gegen die Angeklagten vorzuschreiten. giebig.
Die Inquisition wollte es nicht dulden, dass die Päpste einzelne
Processe an sich zogen, oder Angelegenheiten in Rom entschieden.
Der Papst sollte auf die Inquisition gar keinen Einfluss mehr haben.
Sie klagten also den Papst bei den „Königen'^ an. Diese schrieben
an den Papst, er möge den Inquisitoren die ganze freie Aus-
übung ihrer Gerichtsbarkeit lassen, er möge nicht gestatten, dass
dieselbe durch die Umwege geheimer Absolutionen oder gewisse Ex-
emtionen und Privilegien für einzelne Personen geschädigt werde. Und
der Papst gab nach. In einem Breve vom 23. August 1497 erklärte
er alle Absolutionen, welche nicht in der regelmässigen Weise (durch
die Inquisition) ertheilt worden, far null und nichtig, mit einziger Aus-
nahme der Absolution im Beichtstühle^). Das heisst, Alexander YI.
verzichtete von nun an auf alle und jede Gerichtsbarkeit oder
Auetoritat über die spanische Inquisition, und überliess es dem
Staate, in Angelegenheiten der wahren Lehre und Häresie endgiltig zu
entscheiden. —
Th. Torquemada wurde wiederholt wegen harten Verfisihrens bei
dem Papste verklagt. Dreimal sandte er zu seiner Vertheidigung ^lexan.
seinen Gefährten^ Fr. Alphons. Badaja an den Papst. Doch — er- und
mndet durch die beständigen Klagen, die ihm zu Ohren kamen, wollte '^<"'Q"®'
der Papst die Vollmachten zurücknehmen, mit denen er ihn ausge-
stattet« Aber politische Erwägungen und die Schonung gegen die
„Konige' hinderten ihn daran. Er betrat einen Mittelweg. Er fertigte
am 23. Juni H94 ein Breve aus; erklärte, dass Torquemada sehr auf
Jahren und leidend sei, und dass er darum ihm als Coadjutoren den
Martin Pance de Leon, Erzbischof von Messina (1493 — 1500), der in
Spanien wohnte, beigegeben habe^ den Bischof Jnicua Manrtque von
Cordova, Neffen des Erzbischofs von Sevilla gleichen Namens, den
Franz Sanchez de la Fuente, Bischof von Avila, und den Bischof
Alfon» Suarez de la Fuente von Mondonedo. Beide leztere waren
sei bat Inquisitoren gewesen. Es ist nur gewiss, dass der Erzbischof
von Messina und der Bischof von Avila die Functionen von General-
inquisitoren verrichteten. Noch zu Lebzeiten Torqnemada's dehnte die ^^'^'
Inquisition ihre Gerichtsbarkeit auf Gebiete aus, die mit dem Glauben Q„g der
und der Häresie nur sehr lose zusammenhingen. Am 22. August ^°^''^'^^
1498 erlaubten die „Könige^ den Inquisitoren, von dem Verbrechen vor-
•) LloreaU , I, p. 247. IV, p. 297.
4*
52 Droizf^hnteB Bach. Eretes Kapitol.
scuie* der Sodomie Kcnntniss zu nehmen'). Die Sodomie sollte gestraft
VMbro- werden, wie die Häresie oder die Majestatsbeleidigong. — Die Namen
eben, der Zeugen durften hier den Angeklagten mitgetheift werden. Ebenso
wurde später die Bigamie (und die Vielweiberei) von der Inquisition
gerichtet*). Von der Inquisition wurden gerichtet Priester und Mönche,
welche heirathetcn; Beichtväter wegen Missbrauchs des Beichtstuhls.
Lezteres geschah allerdings in Folge eines Breves PauFs IV. vom
18. Januar 1560 an die Inquisition von Granada, und vom 16. April
1561 an den Generalinquisitor Valdds^). Der Inquisition verfielen
Laien, welche geistliche Functionen sich anmassten, Diaconen, welche
Beichten abnahmen, natürlich auch solche , welche fälschlich sich als
Beamte, Commissäre oder Diener der Inquisition ausgaben*). Blas-
phemieen wurden gleichfalls von der Inquisition gerichtet^).
Ferdinand V. hatte in dem Eide, in welchem er versprochen, die
Fueros des Reiches Aragon zu beobachten^ auch gelobt, dass er den
weltlichen Richtern die Gerichtsbarkeit in Wucherklagen lassen werde.
Aus gewissen Gründen suchte er nach und erlangte von Rom am
14. Januar 1505 eine Dispense von diesem Versprechen, den Inquisi-
toren aber wurde die Vollmacht eingeräumt, auch über das Verbrechen
des Wuchers zu richten. Ein Breve Leo's X. vom 3. April 1513
(oder 2. September 1514?) dispensirte Ferdinand V. von dem Eide,
welchen er vor den Cortes in Aragon abgelegt, die Maa^sregeln in
Ausfuhrung zu bringen, welche in den Cortes beschlossen worden, um
die Gerichtsbarkeit der Inquisition in Schranken zu halten*). Die von
Rom erhaltene Dispense aber half Ferdinand V. nichts, er musste
seinem Eide nachkommen, und den Ständen Wort halten. Es waren
keine geistlichen, sondern rein ficalische Motive für ihn, Wucher und
Schmuggel der Gerichtsbarkeit der Inquisition unterstellen zu wollen^).
') Llorente, I, p. 340. II, p. 16. IV, p. 297 (hier nennt Llcrente das Jahr
1498, zweimal vorher das Jahr 1497). Htfele, p. 325. Nach Llorente (I, p« 340)
wären im Jahre 1506 — sechs Personen zu Sevilla wegen Sodomie verbrannt
worden.
*) Am 8. September 1560 wurden zn Mnrcia — 7 — Polygamisten venutheilt;
am 20. Mai 1563 — wurden ebendaselbst 13 PolygamiBten zn verschiedenen Strafen
verurtheilt Llorente, II, p. 338, 341. IV, p. 319.
*) Llorente, II, p. 344, 374—875. III, p. 26-28.
') Llorente, II, p. 246, 382—383, 391—392, 402. III, p. 431.
») Llorente, III, p. 56—57, 431.
') Bei Spittler — „Entwarf der Gesch. der span. Inqis.", Reuse, p. XUL
— XlIfL, steht ein Anszug einer BnUe Leo*s X. v. 2. Sept. 1514, wo gleichfalls von
der Gerichtsbarkeit der Inquisition Aber den Wacher die Bede ist. Damach hatten
die Inquisitoren za Barcelona eidlich versprochen, dass sie sieh hinfort nar mit
Glaabenssachen und Hjlresieen innerhalb gewisser Grenzen befpssen wollten.
•; Lloi-ente, I, p. 340, II, p. 394, IV, p. 302.
Die Inqcdaidon als Staatainstitut 53
Am 12. Mai 1516 erliess Leo X. eine andere Bnlle, in welcher er
die im Jahre 1513 (1514?) ertheilte Dispens von dein geschworenen
Eide zurückrief, und die Beschlüsse der Cortes von Aragon bekräftigte. —
Damach wird man es begreiflich finden, dass auch Hexen, Zau-
berer, Bereiter von Liebestränken, solche, welche aus dem Aberglauben
der Leute Nuzen zu ziehen suchten u. a« m. der Inquisition zugewiesen
worden'). — Um so begreiflicher werden wir es finden, dass die In-
quisition der ausschliessliche Gerichtshof für ihre eigenen Beamten und
Diener war.
„Mit Untersuchung dieser so vielen und verschiedenartigen Ver-
brechen hatten die spanischen Herrscher ihre Inquisition zum Theil
selbst gegen den Willen der Grossinquisitoren*) beauftragt, und wer
sich erinnern will, wie viel nur Hexen in Deutschland verbrannt wur-
den, wird die Zahl der von der spanischen Inquisition zum Tode ver-
urtbeilten Ketzer, Zauberer, Hexen ^ Mörder, Wucherer, Sodomiten,
Hurer, Schmuggler, Kirchenräuber und Verbrecher aller Art nicht
mehr für so ungeheuer erachten."
§• 23.
Wiederholte Versuche, welche in den Jahren 1480 — 1522 ge- p»«
macht wurden, der Inquisition einen kirchlichen Charakter zu geben? nn/dfo
oder den Einfiuss der Päpste und Bischöfe auf sie zu verstärken, inqaioi-
blieben ohne Erfolg. Die Könige wussten, was sie wollten, und han- ^°'
delten nach einem festen Plane. Als Papst Leo X. im Jahre 1519 zu
strengeren Maassregeln gegen die Inquisition schreiten wollte, war es
zu spät. Der spaniscl^e Episcopat war zu abhängig von der Krone,
TOD ihr hoffte und fürchtete er Alles; diess gilt besonders von dem
Episcopate in Castilien, der zu einer kirchlichen Opposition gegen das
omnipotente Konigthum sich nicht aufraffen konnte. Der Cardinal
(ßrossinquisitor seit 1507) Ximenes, der Ferdinand V. oft sehr un-
bequem war^), wollte der Inquisition wenigstens eine mehr kirchliche
Form geben. Nach seinem Wunsche sollten bei dem Oberinquisitions-
rathe nur Geistliche angestellt werden. Er protestirte gegen die Er-
nennung de Ordugno Ybanez de Aguirre als Mitglied des obersten
InqnisitioQsrathes , weil er ein Laie sei — am 11. Februar 1509.
') Uorenie, II, p. 51—55. III, p. 431—461. Secte des Sorciers in Logrofio
IV. leo, Htffle, a 293-294; 326,
*) Der Growinqnisitor Aveda z. B. wollte Niemand von der Inquisition richten
Ittien, dessen Vergehen nicht die Religion betreffe. Hefele^ S. 326. Dieser Name
findet sich sonst nicht.
>) Hefele, ». 40a
Die
54 Dreizehntes linch. Erstes Knpitcl.
„Wisset Ihr nicht, entgegnete ihm Ferdinand Y., dass, wenn dieser
liath eine Gerichtsbarkeit hat^ der König es ist, von dem er sie hat^?
So war es. Die Inquisition war ein königlicher, aber mit geist-
lichen Waffen ausgerüsteter Gerichtshof. Erstens — waren die Inquisi-
toren königliche Beamte. „Die Könige hatten das Recht, sie einza-
sezen und zu entlassen; auch die Inquisitionshöfe unterlagen den könig-
liehen Visitationen; bei denselben waren oft die nämlichen Männer
Staats- Assessoren, welche im höchsten Gericht von Castilien sassen. — Zwei-
iuqui>i. tens fiel aller Vortheil von den Confiscationen dieses Gerichte deai
Könige zu. Drittens — der König bekam ein Gericht in die Hände,
welchem sich kein Grande, kein Erzbischof entziehen durfte. Dieses
Gericht gehört zu jenem Spolien der geistlichen Machte durch welche
die spanische Regierung mächtig wurde, wie die Verwaltung der
Grossmeisterthümer , die Besezuug der Bisthümer^^ — „Seinem Sinn
und Zweck nach ist es vor Allem ein politisches Institut. Der Papst
hat ein Interesse, ihm in den Weg zu treten, und thut es, so oft er
kann. Der König aber hat ein Interesse, es in steter Aufnahme zu
erhalten^ ')•
Man sagt so oft, die Kirche sei oder wolle ein Staat im Staate
sein. Aber die spanische Inquisition war eine Kirche in der Kirche.
Carl V. fing bald an, dieselbe als Werkzeug seiner Herrschsucht
gegen die Kirche zu benüzen. Er war, so lange er regierte, der wahre
und einzige Grossinquisitor.
§. 24.
Dnss Th. Torquemada durch die ihm gesezten Coadjutoren sich
nicht in den Ruhestand sezen Hess, geht u. a. aus der Instruction mit
16 Artikeln hervor, welche er, der Prior zum heiligen Kreuz in Avila,
von dort aus im Jahre 1498 ergehen Hess '). Darin wird u. a.
verordnet, dass alle Beamten der Inquisition täglich wenigstens
') So Leop, Ranke, Fürsten und Völker von Stldenropa im 16. und 17. Jahrb.
Thl. I, 1837, S. 242— 24a — Vgl. Ueinr, Leo, Weltgeschichte, Bd. II, S. 48L —
Ouizot, Cours d* histoire moderne, Paris, 1828 — eile (rinquisition) fut d*abord (aaeh
in der Folge) plus politique, que religieuse, et destinöe ä maintenir V ordre plntot,
qu' ä döfendre la foi.
') Reuss, S. 56-63. CopilRcion de las Instinciones del Oficio de la Santa
Inqoision, hechas per el muy Reverendo Sefior Fray Tomas de Torquemada, foI.
Madr. 1576. — Havemann, Daretell. ans der innem G^sch. Spanien^s, Göttg. 1850.
S. 106. Dass Torquemada der widerstrebenden Isabella die Einführung der Inqui-
Bition gleichsam abgerungen habe, läast sich nicht einmal wahrscheinlich machen,
viel weniger beweisen.
Das Ende Torquemada's. 55
sechs Standen in ihrer Amtsstube arbeiten, drei Vor- und drei Nach-
mittags. Die Inquisitoren sollen die falschen Zeugen züchtigen und
öffentlich bestrafen. Die Frauen sollen in den Gefängnissen getrennt
TOD den Männern sein. Der Historiker Zwita , einer der grössten
Lobredner der Inquisition, nennt den Th. Torquemada wiederholt einen
heiligen Mann, oder einen Mann von Heiligkeit. Er versichert, dass
die eingezogenen Güter der Verurtheilten auf die gewissenhafteste und
uneigennüzigste Weise verwendet wurden^) u. a. zum Baue verschie-
dener Kirchen und Kloster. Derselbe Zurita^ berichtet, dass^ vor der
Vermählung der Jüngern Isabella mit' Manuel, König von Portugal (1497),
die spanischen Eltern der Braut u. a. die Bedingung gestellt hätten, dass
Manuel aus seinem Königreiche alle spanischen Flüchtlinge vertreiben
müsse, die von der spanischen Inquisition verurtheilt worden seien ^).
Wie wenig Papst Alexander VI. dem Torquemada geneigt war, ^^' ^®'
haben wir früher gehört. Damals war Garcilaso de la Vega, der Vater Garci'
des bekannten Dichters , spanischer Gesandter in Rom. Er schrieb '^^ ^®
am 21. April 1498, kurz vor dem Tode Torquemada's, an die „Könige^, in Rom
dass Papst Alexander VI. Willens gewesen sei, der Macht der Inqui- **^^-
sition in den Weg zu treten. Im Auftrage der „Könige^ aber habe
er die Einmischung des Papstes hintertrieben, und demselben die In-
quisition in einem günstigen Lichte dargestellt^).
Die Gegner Torquemada's werfen ihm vor, dass er auf Reisen
mit einer grossen Schuzmannschafb sich umgab, jedenfalls also sein
Leben einer Gefahr nicht aussezen wollte. Seine Leibwache auf Reisen
') Zurita, Anales de Aragon, IV, p. 324: la religion j santetad de aqnel
ezcelente varon; — aqaello santo varon Torquemada. — Fueron muchos los bienea
j baziendas, que se aplicaran a la camara y fisco real y dellos se hizieron muy
senaladas obras: y se fandaron diversas Iglesias y monastcrios: porque no dedi-
cavan, sino para en cosas mny piadosas y santas y todo se expedio en eato (ausser
den Ausgaben für die Besoldung der Beamten der Inquisition, die in der ersten
Zeit oft Noth litten), y en los alimentos de los reos, que eran pobres. Unter den
frommen Sachen nennt er den Bau des Klosters von S. Thomas in Avila. Zurita
war selbst Secretär bei der Inquisition.
*) Zurita, Anales de Aragon, Zarag. 1610, t. V, p. 121. — Von dieser Be-
dingung sagt Heinr. Schäfer in seiner so genauen „Geschichte von Portugal"
Bd. ni, 1850, S. 10—11 kein Wort.
') i^Por Uis cosas, que Vuestras Altezas me han escrito tocantcs k la Santa
Inquislcion, he procurado, no solo de empachar que no se otorgasen aqni cusus
contra ella, mas que el Papa la favoresciese, y ayudase (Spanien von Rom zu trennen)
y para esto ha Dios rodeado dispusicion en que se pudieso fazor." Der englische
Quaecker Ber^jamin B. Wissen war im Besize des Originals dieses wichtigen Briefs.
— (Carta k los reyes D. Fernando y dofia Isabel, de su embajador en Koma en
1498; in^ita. Van adjuntos otros doeumentos diplomdticos de aquella ^poca, tambicn
in^itos, San Sebat^tian., 1812. (Dionig, Hidalgo, Diccion. — de bibliogralia
Eepanola, Madr. 1862, I. p. 330. Ad. Wolf, 1. c, 1867,. S. 49.)
56 Dreizehntes Bnch. Erstes Kapitel.
habe aas 50 Dienern zu Pferd, nnd 100 za Fass bestanden; bei Tische
habe er stets den Zahn eines wilden Thieres neben sich liegen gehabt,
der etwaiges Gift entdecken und unwirksam machen sollte ').
Der gefarchtete Mann starb zu Avila in einem Alter von 78 Jahren
— am 16. September 1408.
§. 25.
Didacus Deza, aus Toro, der zweite Grossinquisitor, war gleich-
falls Dominikaner. Als Professor der Theologie in Salamanca erlangte
er grosses Ansehen. Seine Schriften bekunden eine umfassende Ge-
^^^ lehrsamkeit. Er wurde nach einander Bischof von Zamora, Salamanca
GrTÜto- (1496— 1497), Jaen 1497 — ILOO), Palentia, im Jahre 1505 aber Erz-
quisitor. bischof von Sevilla. Als solcher starb er am 9. Juli 1523, nachdem
er noch vorher zum Erzbischof von Toledo ernannt worden war. Cr
wnr Erzieher des Prinzen Juan, Thronerben von Spanien. Ihn schlugen
nun die Eonige dem Papste Alezander VI. als Grossinquisitor vor.
Schon am 1. December 1498 wurde er vom Papste bestätigt, aber nur
als Grossinquisitor von Castilien*}. Es war diess offenbar wieder ein
schwacher Versuch, der Macht der Inquisition Schranken zu sezen.
Deza war darüber unzufirieden, und nahm das Amt nicht an^ bis der
Papst dasselbe auch auf Aragon ausgedehnt hätte. Denn auch die
beiden oben erwähnten Coadjutoren hatten ihre Vollmacht für ganz
AiexAn. Spanien. Am 1. September 1499 erliess der Papst eine weitere —
QQd seine Vollmachten ausdehnende Bulle. Jezt nahm D. Deza an. Durch
D.Dexa. eJn ßreve vom 25. November 1501 erklärte der Papst, dass die Voll-
machten, in deren Besiz Torquemada gewesen, auch auf seinem Nach-
folger übergehen sollten. Durch eine um einen Tag firüher erlassene
Bulle gewährte der Papst der Inquisition das bedeutende Privilegium,
dass derselben an jeder Cathedrale Spanien's eine Präbende zur Besezang
mit einem der Ihrigen eingeräumt werden müsse. Concession folgte
auf Concession, Privilegium auf Privilegium. Durch Breve vom 15. Mai
1502 ertheilte der Papst dem Generalinquisitor die Vollmacht, über
die Beweggründe zu entscheiden, welche die Angeklagten hätten, von
dem Gerichte der Inquisition befreit zu sein, d. h. der Papst schnitt
die Appellationen an den Papst ab, oder stellte es wenigstens in das
Gutbefinden des obersten Inquisitors, ob appellirt werden dürfe, oder
nicht. Durch Breve vom 31. August 1502 erhielt Deza die Vollmacht,
') LlorerUe, J, p. 286. — Thom, M'Orie, Geschichte der BeformRtien in
Spanien, dentsch v. O. Plieninger., Stuttg.l835y S. 115 (bemflt dch auf lAorente),
*) Llorente, I, p. 289.
Did. Deza, Grossinqniaifor. 1498—1507. Monstreprocess in Cordova. 57
sich Sabdelegaten (ohne Bestätigung durch den Papst) zu bestellen.
Durch ein anderes Breve von demselben Tage erhält Deza die Voll-
macht, alle Fragen wegen Appellationen durch die von ihm ein-
gesezten Subdelegaten entscheiden zu lassen, um den Zeitaufwand
zn vermeiden, den das Einsenden der Processsachen nach Rom erfor-
dert hätte. Wahrlieh dieser Papst machte einen verschwenderischen
Gebrauch von seinen Rechten; wahrlich, das spanische System, mit
Hilfe Rom's von Rom sich loszutrennen, stand in den lezten Jahren
dieses Papstes in der höchsten Bläthe. Derselbe starb am 18. August
1503, und darnach war es ihm nicht mehr möglich, dem unersättlichen
Konige Ferdinand noch weitere Privilegien zu ertheilen, die Ranke mit
Recht „Spolien^ der geistlichen Macht nennt
D. Deza erliess neue Statuten und Instructionen für das Verfahren
der Inquisition am 17. Juni löOO, am 13. November 1503 u. a.').
Unter Deza wurde die Gerichtsbarkeit der Inquisition, ganz gegen
den ursprünglichen Plan bei ihrer Einfuhrung, auf die getauften
Morisco's ausgedehnt, um sie an dem Ab&lle vom Ghristentbume zu
verhindern. Isabella gestand nur zu, da^s der Gerichtshof von Cordova
— im Falle eines vollständigen Abfalls der Moriscos vom Christenthume,
seine Jurisdiction auf Granada ausdehnen dürfe*). In ähnlicher Weise
wurde die Inquisition auch aaf die Moriscos in Castilien, Leon und Aragon
ausgedehnt. Jene erklärten aber im Jahre 1524 dem (fünften) Gross«
inquisitor Manrique, sie seien von seinen Vorfahrem im Amte stets
mit Billigkeit behandelt und in Schuz genommen worden^.
Die Amtsverwaltung Deza's ist. durch drei Processe in üblen
Ruf gekommen, gegen den Erzbischof Talavera von Granada, gegen '^^'' ^'^^
den Gelehrten Aelius von Lebrija, und durch einen grossen Monstre- meero.
process in Cordova. Deza's Unglück war, dass er seinen Gehilfen
Diego Rodriguez de Lucero, Scholasticus von Almeria, und Inquisitor
des Tribunals von Cordova, ungehindert schalten Hess*).
Einige der Häresie angeklagte Andalusier wollten sich dadurch
retten, dass sie eine ungeheure Menge Unschuldiger denuncirten. Sie
hofften so eine allgemeine Amnestie für Alle, also auch für sie, die
0 S. Reuss a. a. 0. — S. 63 flg. -- Copüacion de las Instracdones del Ofieio
de la Santa InquiBidcm, heohas en Toledo ann. de 1561. — Madr. 1612. Erweiterte
SaaiiDlimg, im Aaf trage des Alonao Manrique, Erzbischof v. Sevilla, Madr. 1680»
welehe Anagabe der Instructionen der Inquisition «/• D» Reuss ttbersezt hat, Hannov.
1788. (Uarente, I, p. 330-881.)
') lAoretUe^ I, p. 333—334.
*) Lhrent€j I, p. 424 --425.
*) Petrus Martyr nennt ihn im Jahre 1506: severua et iracundus a natura,
jQdaioo Domhii et neophytis infensissimus (Epist. 295); er nennt ihn statt Lucerius
— Tenebrerius.
/
i
58 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Denuncianten. Lncero und Deza gingen in die Falle. Den Bedrängten
kam Ximenes zu Hilfe. Er bat den König, den Deza seines Amtes
durch den Papst entsezen zu lassen. Bald darauf kam Konig Philipp I.
nach Castilien, und Ferdinand musste sich nach Aragonien zurück,
ziehen. Philipp suspendirte den D. Diego in seiner Thätigkeit als
Grossinquisitor, und verwies ihn in sein Erzbisthum zurück. Die Ge-
schäfte der Inquisition wurden dem königlichen Rathe übertragen^).
Philipp I. starb schon am 25. September 1506. Jezt nahm Deza ohne
eine Ermächtigung sein früheres Amt wieder auf, und auch der grosse
Process scheint wieder aufgenommen worden zu sein. Sicher ist, dass
am 6. Oetober 1506 zu Oordova eine Revolte ausbrach. Das Gebäude
der Inquisition wurde gestürmt, die Gefangenen durch den Marquis
von Priego entlassen. Dieser, das Domcapitel und der Magistrat ver-
langten Lucero's Absezung, welcher entflohen war. Deza gab nicht
nach« Der Aufstand tobte durch ganz Andalusien*). Ferdinand Hess
seinen Freund und Beichtvater Deza fallen; dieser musste resigniren,
und am 18. Mai 1507 trat Ximenes an seine Stelle.
Ximenes Hess den Lucero nach Burgos bringen, und in der dor-
tigen Festung verwahren. Für die Revision des Processes^^^lbst wurde
eine Junta von 22 Mitgliedern eingesezt, worunter vier Bischöfe. Der
Prozess wandte sich zu Ungunsten des Lucero. Am 9. Juli 1508
wurden die Angeklagten für unschuldig erklärt, die Gefangenen wurden
freigelassen, und vollkommene Sühne des Unrechts befohlen. Am
1 . August wurde der Beschluss zu Valladolid mit grosser Feierlichkeit
in Gegenwart der Königin Juana verkündigt Nach einjähriger Had
durfte Lucero nach Almeria heimkehren.
§• 26.
Didacus Deza hielt im Jahre 1512 zu Sevilla eine Synode, die
einzige uns bekannte, welche zwischen den Jahren 1473 und 1529 in
Spanien gehalten wurde. — Die Aoten dieser Synode sind vollständig
concii erhalten. Ihnen geht voran die einleitende Rede des Erzbischofs.
Villa Der Prolog sagt, dass die katholische Kirche den Erzbischöfen vor-
i'^^is- schreibe, zu bestimmten Zeiten Provinzialconcilien zu veranstalten.
Das Concii nahm 65 Canones oder Gapitel an. Es wird grosser
Nachdruck auf einen genauen Unterricht der erst vor kurzem bekehrten
frühern Juden oder Mauren gelegt. Die Aerzte sollen die Krauken
anhalten, an das Heil ihrer Seele zu denken, d. i. die heiligen Sacra-
') Zurita, T. VI, 1. VII, cp. 11.
»; 2^rita, 1. c. cp. 42. — Uarente, I, p. 346— 3i8.
Dezft
Concil zu Sevilla, 1512. 59
mente zu empfaogeD. Die Gläubigen wurden vor Wahrsagern und
Zauberern gewarnt, deren es in jener Gegend eine grosse Zahl tou
beiden Geschlechtern gab« Es wird die Zahl der kirchlichen Festtage
angegeben, darunter war das Fest des heiligen Sebastian, des Evan-
gelisten Marcus, Kreuzerfindung, des Apostels Bamabas , der heiligen
Maria Magdalena, der heiligen Anna, die Verklärung Christi, des
heiligen Laurentius, „der Geburt unserer Herrin** (8. Sept.), Fest des
heiligen Michael, des Evangelisten Lucas. Es sind 38 Feiertage und
52 Sonntage; aber das Fest der heiligen Justa und Rufina und des
heiligen Isidor wird nicht angeführt, vielleicht weil diese nur in der
Stadt begangen wurden. Eine Procession am Feste des heiligen Isidor
wird angeführt. — Der Dreissigste bei den Seelengottesdienstcn heisst: ^^
^trigenarins^. Es sollen keine heiligen Messen ausserhalb der Kirche conoii
gefeiert^ und es soll hiezu keinerlei Erlaubniss ertheilt werden. Eigene '"»J^^«
Beichtstuhle und tragbare Altäre dürfen nur in den Häusern irgend
eines Herrn von Titel oder seiner Söhne ^) sein. Viele Leute haben
nnter dem Vorgeben, von Stand und Adel zu sein, durch Betrug von
Rom sich Privilegien erschlichen. Ehen dürfen nicht ausserhalb der
Kirche gcschloasBn werden. In den Kirchen und Klöstern dürfen keine
Passionsspiele gegeben werden. Die Sacristane in den Eärchen sollen,
vo möglich, Priester sein. Die Priester sollen wenigstens an den drei
Uaaptfesten beichten und communiciren. Es soll aus jedem Vicariate
(Decanate) jährlicher Bericht über das Leben der Kleriker erstattet
werden. Es dürfen die Befehle solcher, welche sich „apostolische
Richter^ nennen, nicht vollzogen werden, wenn der eigene Bischof
deren Vollmachten nicht zuvor approbirt hat. Auch die ^^apostolischen
Notarien** sollen ihre Vollmachten zur Prüfung vorlegen. Es wird
verboten, dass in (oder bei) den Kirchen „Burgen" (arces) errichtet
werden. Das „Buch der Constitutionen" dieses Concils solle in jeder
Kirche aufbewahrt werden. Auch werden die von dem Cardinal und
Hhem Erzbischof Didacus Hurtado de Mendoza erlassenen Consti-
tutionen bestätigt — Der Erzbischof beschloss das Concil mit einer
Anrede. — Wir erfahren aber nicht, ob und welche Bischöfe der
Kirchenprovinz dieser Synode angewohnt haben, nicht, wie viele Siz-
Qngen gehalten wurden, und wie lange sie gedauert habe. Die sehr
gut redigirten Verhandlungen des Concils gewähren uns einen nähern
Einblick in die damaligen religiösen und sittlichen Zustände von
Andalusien*).
*) alienjus domini titolati.
^ Aguirre-Gatalani« Concilia Hispaniae, t. V, p. 361—881 — Tejada y Ramirot
<')!cccion etc., tum. V, Madr. 1855, p. 67-111.
60 Dreizehntes Buch. Erstes SLapit«!.
§• 27.
Man hat in Deutschland eine falsche Vorstellnng von den s. g.
Autodafö's und den Sanbenitos der Spanier. Autodafes bedeutet wedeii
Hinrichtungen noch Grausamkeiten, sondern einfach „ Akte des Orlaubens-
(bekenntnisses ^) *).
Die „Autodaf(i8^ waren öffentliche Bekenntnisse des katholischen!
Glaubens, zugleich Abschworungen von Irrlehren. Solche Akte fanden
vom Jahre 1481 bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts in grosseri
Zahl statt. Die meisten verliefen unblutig. In einem Autodafe zu
Toledo vom 12. Februar i486 wurden 750 Personen gestraft; die Strafe
bestand meistens in einer leichten Kirchenbusse; nicht Einer erlitt den
Tod. Am 2. April 1486 wurden zu Toledo 900 Personen verurtheiltj
und keine hingerichtet. Am 1. Mai 1486 wurden wieder 750 Personen^
am 10. December 1486 — 900 Personen verurtheilt, keine aber z^
den Flammen. 3300 Personen wurden — nach LlorenU — die meiste^
zu Ejrchenbussen, 27 aber zum Tode verurtheilt. Paramo weiss nui^
von vier Todesurtheilen der Inquisition zuToledo gegen vier „Erzkezer" *)^
— Die einzelnen Auto's^ u. a. das Verzeichniss der abschworenden
Personen enthaltend, erschienen später im Drucke, und es gibt noch
verschiedene Sammlungen dieser Autodafe's').
Die Beschreibung eines der lezten Autodafes, der ,,von dem hein
ligen Inquisitionsgericht am 9. Mai 1784 in der Kirche S. Domingo
*) Man denke an die so gefeierten: Autos sacramentales der Spanier, — \
Fronleichnamsspiele, iUinlich wie die Paasionasptele in Oberammergau, welche lezterö
bei Katlioliken, Protestanten, und selbst Jaden solchen Anklang finden; s. äbeti
jene — THcknor- Julius, Gesch. der schönen Literatur in Spanien, Hamb. 1852J
Bd. I, p. 612—620, besonders des Lope de Vega und Calderon; 11, p. 12—22;
733. — Fr. Schock, Gesch. der dramat Literat, u. Knnst in Spanien (3. Bd.) 18MJ
II, p. 102-105; 39a-415 u. b. w. — Äd. Wolf, (Nachtr. zu Ticknar-Julius, 1867)j
S. 99-100. Lope de Vega sagte sterbend, er bereue es, dass er nicht sein ganze^
Leben dem Schreiben von Autors und andern ahnlichen religiösen Gedichten ge^
widmet habe, S. 118—120; 207—208.
*) Paramo, p. 170. — Lhrente, I, p. 238—239.
') Ob es irgendwo eine vollständige Sammlung gibt, wissen wir nicht. £in<^
kleinere Sammlung, leider nur aus den Jahren 1720—1723, befand sich in der Privat^
bibliothek des unglücklichen Kaisers Maximilian von Mexico. Nicht weniger ald
39 Autodafe wurden in diesen Jahren gehalten , und zwar 3 in Madrid , (2 iii
Lissabon, 1 in Coimbra), 1 in Barcelona, 1 in Gordova, 2 in Llerena, 8 in Murciaj
4 in Sevilla, 4 in Valladolid, 4 in Toledo, 4 in Granada, 3 in Cnenca, 1 in Sandagoj
1 in Valencia^ 1 in Zaragoza, 1 in Mallorca. — z. B. Belacion del Auto particold
de Fö, qne se celebrö en Madrid, el 22 Febrero de 1722. Madrid 1722 in i\ H
p. p. cart. — cf. Catalogue de la biblioth^ue de Jos, Mar, Andrade, Lieipz., Ib6^i
p. 100—102.
Ein Antodafö 1781. 61
el Real öffentlich vollzogenen Execution^ findet sich im Anhange der
Sammlung der Instructionen der Inquisition (von Reuss), Darnach
gingen am 9. Mai 1784, nach acht einhalb Uhr Morgens, aus dem
Inquisitionsgerichtshof zu Madrid ein Mann und zwei Frauen in
Bnsskleidem; zwei davon mit dem San Benito und dem Andreas-
Krenz, die dritte ohne dieses. Alle drei mit grünen Kerzen , Stricken
um den Hals, und papiemen Kappen ^ worauf ihre Verbrechen ge-
sehrieben waren. Vor dem Tribunal ging ein Zug von der Reiterei ^^^J^^,^
nnd eine Compagnie Grenadiere, in zwei Reihen folgten die Diener des itm.
Gerichts, in ihrer Mitte die Verbrecher, dann die Censoren in Glaubens-
sachen, in ihrer Mitte ein geist- und weltlicher Bedienter, welche einen
mit carmosinrothem Sammt überzogenen Kasten, worin die Processakten
waren, trugen. Es folgten der Inquisitor, der allein ging, der oberste
Algaazil (von Madrid) und einige andere Dignitare. Zwei Reihen von
Hellebardieren deckten den ganzen Plaz ; es folgten wieder Grenadiere,
welche den Marsch spielten. Allen diesen folgte der Zug von Wagen
und Kutschen des Alguazils. Man zog in die Kirche Domingo el real, in
der wieder eine Grenadier - Compagnie aufgepflanzt war, ,,um Unord-
Dong beim Zulauf des Volkes zu verhindern''. Die „Verbrecher'^ er-
hielten auf einem erhoheten Gerüst in der Kirche ihre Pläze ange-
wiesen. Hinter ihnen stellten sich der Alcayde, der Vice- Alcayde, der
Gerichtsbote und der Chirurgus auf, die sie beobachteten. Der In-
quisitor hatte seinen Siz auf der Evangelienseite, vor sich ein Crucifix,
das Ritual, die Stola, und ein Licht, um die Verbrecher zu absolviren.
Es begann die heilige Messe. Nach dem Introitus bestieg ein Secretär
des Gerichts eine Kanzel neben dem Gerfist, worauf die Verbrecher
standen, und las ihre Processakten vor^ welche eine Menge von Schänd-
lichkeiten, Aberglauben, Abgotterei, Teufelsverbindungen, und andere
abscheuliche Verbrechen enthielten. Das Urtheil lautete: Der Mann
und eine der Frauen sollten „de vehementi" abschworen, beide am
nächsten Tage auf den öffentlichen Plaz gefuhrt werden, der Mann, um
200 Staupschläge zu erhalten, die Frau zur öffentlichen Beschimpfung.
Beide soUten dann auf fünf Jahre in das Zuchthaus wandern, und beide
für immer 40 Meilen von Madrid und den übrigen Hoflagem verwiesen
werden, und an dem Orte, wo sie später wohnten, sich der Aufsicht
<ler Inquisition unterstellen. Die andere Frauensperson sollte „de levi^
abschworen, und vier Jahre von Madrid und den königlichen Hoflagern
ferne bleiben« Alle drei Verbrecher sollten einen Monat lang in dem
Hsttse des Tribunals geistlichen Uebungen obliegen, dem zu ernennenden
Director eine allgemeine Beicht ablegen, dann in das königliche Ge-
fangoiss, aus dem sie gekommen, zurückgeführt werden, damit „ihre
hier anhängig gemachte Sache ausgemacht würde, nadi deren Beendigung
8ie zu ihren verschiedenen Bestimmungen abgeführt werden soUten^^ -
62 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Die Verbrecher xnnssten yor dem Tisch des Inquisitors nieder-
knieen nnd ihre Irrthümer abschworen. Sie wurden absolvirt, ihre
Andreas-Kreoze ihnen abgenommen, nnd die grünen Kerzen in ihren
Händen angezündet. Knieend horten sie die heilige Messe an. Am
Ende gaben sie ihre Kerzen dem Priester, küssten seine Hand undj
wnrden in der frühem Ordnung in das Gerichtshaus zurückgeführt
Um zehn Uhr am nächsten Tage empfing der Mann seine Schläge,:
die Frau aber die öffentliche Beschimpfung, begleitet von allen Familiarenj
und weltlichen Dienern in zwei Reiben zu Pferde; die Secretäre und
der oberste Alguazil folgten dem Zuge, der seine Kutschen und Wagen
mitfühiie. Vor der ganzen Procession ging ein Haufen Reiterei. —
An beiden Tagen war ein sehr grosser Zusammenlauf von Volk ').
Unter den beiden Konigen Carl IlL und Carl IV. (1759—1808)
wurden nach Llorente — nur vier Personen lebendig verbrannt, diej
lezte im Jahre 1781 als angebliche Hexe — zu Sevilla').
Die Autodafe waren für die Spanier Lieblingsschanspiele,
wie die Autos sacramentales, nnd wie die Stiergefechte. Bei festlichen
^'^ Gelegenheiten wurden solche Autodafes zum Besten gegeben, und diq
f^« als Spanier meinten, dass die Fremden an ihnen denselben Geschmack findet
Volks, sollten, wie sie selbst Als Philipp IV. im Jahre 1621 zur Regierung
kam, gab die Inquisition zur festlichen Feier ein Autodafe zum Besten^
Eine Maria de la Concepcion sollte mit dem Teufel einen Bund gcH
schlössen haben; dieselbe erhielt 200 Hiebe und wurde zu beständige!^
Haft verurtheilt'). Aehnliches war geschehen, als Philipp U. die Ke^
gierung antrat; als Elisabeth von Valois, die dritte Gemahlin Philipps 11.^
im Jahre 15C0 nach Spanien kam, gab man ihr zu Ehren u. a. Stier^
gefechte in Guadalaxara, ein Autodafe aber in Toledo am 2ö. Februail
loCO'). Nach Llorente wurden hier Mehrere in ,^Person^, Andere inl
„Bilde^^ verbrannt. Viele aber Bussen unterworfen. Aehnliches geschalt
zur Feier der Heirath Carl's II. im Jahre 1680 mit Maria Luis^
Bourbon von Orleans^). Als der erste Bourbon Philipp V. im Jahre 1701
nach Spanien kam, wollte man auch ihm zu Ehren ein Autodafe auf-
fuhren. (Er, ein Franzose, verbat sich diese Ehre)®).
Das war spanisch, sehr spanisch, katholich war e» nicht. Will
man diese Form der Inquisition der katholischen Kirche aufbürden^
') </. D. Reu98, 1. c. — S. 202—206, ans: Memorial literario instmctivo y
curiofio de la corte de Madrid^ etc. Hayo 1784. p. 79 — 83.
') JJorente, IV, p. 93; 270. — Ticknor-Julius, II, p. 359.
*) Llorente, III, p. 463.
*) Llorente, II, p. 884—385. — TicknorJulius, II, p. 322.
») Llorente, IV, p. 3.
*) Llorente, fV, p. 29. — Ticknor Julius, II, p. 351.
Die Autodaf(§8. Art des Verfahrens. 63
80 kann man ihr mit demselben Rechte auch die spanischen Stier-
gefecbte zum Vorwurfe machen.
Die Autodafes waren in den meisten Fällen eine Art öffentlicher
Kirchenbusse, womit geistliche Uebungen verbunden wurden. Die
„Verbrecher mussten ihre frühem Irrthümer^ feierlich abschworen. Sie
trugen ein Busskleid, genannt San Benito (Saccus benedictus, der hei- ^*^ ^°
lige oder geweihte Rock), dessen Gestalt und Verzierungen allerdings
nicht nach unserem Geschmacke sind; aber „ländlich, sittlich^ '). Nach
den Autodafe's kehrten die meisten der Schuldigen wieder in ihre Hei-
math zurück, und Alles war vorüber, wenn sie nicht rückfallig wurden.
Man zählte in Spanien 14 Gerichtshöfe der Inquisition, die unter ^^^^®'
dem obersten Gerichte in Madrid standen, Sevilla, Lebrija, Cordova, richu.
Jaen-Granada, Toledo, Murcia, Valencia, Cuenca, Barcelona, Zaragoza^ ^^'<^-
Valladolid, Santiago, Mallorca, Calahorra.
Nach Llorente zahlte man im Jahre 1538 — 19 Gerichtshöfe, zu
Sevilla, Cordova, Toledo, Valladolid, Murcia, Calahorra, für Estre-
madara, zu Zaragoza, Valencia, Barcelona, für Mallorca, für die Cana-
rias, zu Cuen^a, Granada (womit Jaen vereinigt worden), für Navarra,
Sicilien, Sardinien, auf dem Festlande und den Inseln America's.
Nachher worden die drei Gerichtshöfe in Mexico, Lima und Cartha-
gena errichtet*).
§. 28.
Jedes Inquisitionsgericht begann sein Verfahren damit, dass es
für die Angeklagten eine Zeit der Gnade, etwa 40 Tage, verkündigte.
Die Termine wurden oft verlängert. Wer vom katholischen Glauben ^J**^®»*-
abgefallen war, aber innerhalb einer bestimmten Zeit sich freiwillig
stellte, wurde vollkommen freigesprochen^. — Als das Gericht von
Ciadal-Real nach Toledo verlegt wurde (1485 — 1486), wurden drei
Termine von je 40, 60, endlich von 30 Tagen gewährt*). — Diejenigen,
deren Vergehen bewiesen war, durften eingezogen werden. Die Mit-
glieder einzelner Gerichtshöfe konnten nur mit Stimmeneinhelligkeit
eine Verhaftung beschliessen. Die Verhöre mussten in Gegenwart von
zwei Priestern stattfinden, welche Misshandlung und Willkühr abzu-
wenden hatten. Der Ankläger musste einen Eid ablegen, dass ihn kein
Privatbass zur Anklage treibe. Die Protokolle sollten den Ange-
■) Llarenie, „San-Benito" (Sac benit) t. I, p. 826—829. Es gab verschiedene
Arten von San Benito's.
») IJorenie, II, p. 76-77.
»> Reu$a, Sammlung, S. 8, 11. — lAorerUe, I, p. 152, 175.
0 Llorente, I, p. 237.
64 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
*
klagten zweimal vorgelesen, und deren Inhalt von ihnen als wahr an-
erkannt werden.
^*^ Der Angeklagte konnte Zeugen zurückweisen, welche er für seine
««^°- p^Jq(]^ hielt. Er konnte Entlastungszeugen sich ansbitten, welche be-
rufen werden mussten, wenn sie auch in einem andern Welttheile sich
befanden. Jeder Process wurde durch eine Keihe von Instanzen hin-
durchgeführt. Nur wenige Inquisitionsprocesse (in der Zeit nach 1507)
hatten den Tod der Angeklagten zur Folge. Vergleicht man damit
das gleichzeitige Gerichtsverfahren in andern Landern, so wird man
iiberrascht von dieser Milde.
Wahr ist, dass auch bei diesem Gerichte die Folter angewendet
wurde. Aber kein weltlicher Gerichtshof hatte sie abgeschafft. Sie
hörte bei der Inquisition, wie bei allen andern Gerichtshöfen, erst all-
mälig um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts auf. Selbst Ziorente
sagt: CS ist gewiss, dass seit langer Zeit die Inquisition auf die Folter
verzichtet hat, so dass man sie in der That als abgeschafft betrachten
kann*). Die Inquisition weiss nichts von all' den geschärften Todes-
strafen, welche die peinliche Gerichtsordnung Carl's V. vom Jahre 1520
^1^ kennt, nichts von Viertheilung, Raderung, Galgen, Wasser, Lebendig-
^ ^ begraben, Keissen mit glühenden Zangen, Abhauen der Finger, Ab-
schneiden der Zunge und Ohren, u. s. w.
In einem und demselben Process durfte die Folter nicht mehr
als einmal angewendet werden. Ein anwesender Arzt musste jedesmal
bestimmen, wann sie aufzuhören habe, um nicht das Leben zu gefährden.
Zwar hatten die im Jahre 1484 erlassenen ersten Artikel eine wieder-
holte Tortur gestattet, aber sehr bald wurde davon Abstand genommen^).
Schon im Jahre 1537 verbot der oberste Inquisitionsrath fast alle An-
wendung der Folter gegen die Moriscos'). Bald darauf wurde ent-
schieden, dass nicht die Provinzialgerichtshöfe, sondern nur der oberste
Rath der Inquisition die Anwendung der Folter erlauben durfte, aber
erst, nachdem der Angeklagte zuvor zu seiner Entschuldigung Alles
vorgebracht hatte. Nach einer andern Verordnung sollten nur der
Diöcesan - Bischof, die Consultoren und der Inquisitor auf Tortur er-
kennen dürfen, und dieselbe nur in ihrer Gegenwart angewendet werden^).
^^^ ^ Die* Gefängnisse der Inquisition waren selbst nach Lhrente gut
nisM. gewölbte, helle und trockene Zimmer, in denen man sich einige Be-
wegung machen konnte °). Von Ketten, Handschellen, eisernen Hals-
') UoretUe, I, p. 305—306.
*) Llarente, I, p. 307. — Eeuas, S* 23, Artikel 15.
') Lhrente, I, p. 415.
*) Lhrente, H, p. 317—318.
•; TAorente, I, p. 300.
Die Gefängnisse. Art des Verfahrens. 65
bäDdem war keine Rede'). — Die Kranken wurden gut behandelt.
Die Gefiingenen vmrden gefragt, ob der Kerkermeister sie gnt behandle.
Sohne und Tochter von Kezern unter 20 Jahren worden auch
nach abgeiaofener Gnadenfrist gern zu Gnaden angenommen *). Knaben
durften nicht Tor 14, Madchen nicht vor 12 Jahren die Häresie ab-
schworen, am sie vor Gefahr des Rückfalls in dieselbe zu bewahren.
Der zweite Grossinqnisitor Deza Hess am 17. Juni 1500 u. a.
<Jie Verordnnng ergehen, das Niemand wegen unbedeutender Anklagen,
iucii nicht wegen Gotteslästerungen, welche im Zorne ausgestossen
worden, eingezogen werden dürfe ^). Das tolle, wahnsinnige Benehmen
mancher spanischer Häretiker, von denen z. B. nicht wenige bei oder
ruieli der heiligen Wandlung auf den Priester sich stürzten, und ihm
die consecrirte Hostie ans der Hand rissen^), zeigt eben, wie bei diesen
Ilüreükem Wahnsinn epidepoisch war. Desswegen untersuchten die
Inquisitoren genau den Geisteszustand der Angeklagten und Ueber-
viiesenen, and bestimmten darnach ihr Verfahren'^)«
In seinen lezten Statuten vom 25. Mai 1498 verordnete Torque-
mada, dasa bei jedem Gericht ein Jurist und ein Theolog, ersterer ge-
v^ohnlich auch ein Kleriker, Inquisitoren sein sollten. Sie durften nur
gemeinschaftlich auf Yerhaftung erkennen. Waren sie nicht einig, oder
der Angeschuldigte eine distinguirte Persönlichkeit, so konnte nur der
oberste Bath der Inquisition die Verhaftung anordnen^). Carl IV.
verbot der Inquisition, Jemand zu verhaften, ohne dass der König da-
von in Kenntmss gesezt worden^). Für die Verhafteten wurden be-
sondere Verwalter ihrer Güter angestellt.
§. 29.
Den Inquisitoren waren die s. g. Qualificatoren an die Seite ge- ^^o
bkllt, Professoren, Theologen, die nicht zum Gerichte selbst gehorten, ^"J)^
Mr Crntachten abzugeben hatten, ob gewisse, seien es gesprochene
oder gedruckte Säze der Angeschuldigten, wirklich häretisch seien.
Wenn sie diess verneinten, so unterblieb die Verhaftung. Erst wenn
rcn.
0 Lhrende, 1, p. 301.
^ Beu88, 8. 1&-16.
*) Art. 4. — Reu88, S. 66. — UorenU, l, p. 234, 330.
0 Don B^cmcisoo de Quevedo. Ein spanisches Lebeosbild ans dem sieb-
»hoten Jahrhundert v. Baumstark. Freib. 1871, S. 130—143. Quevedo erklärt
•Hr^ als Sucht, berflhmt ea werden , nnd meint, man solle Verbrecher dieser Art
ciit Aosechlnss aller Oeffentlicbkeit hiDricbten.
*) lAorenie, II, p. 148-149.
') UorenU, II, p. 9—10, 29R.
') lAorenie, 11, p. 471.
GuM, ipM. Kirche. EL 3. 5
66 Dreizehntes Buch. Erstes KaiHtel.
andere Qualificaioren gefragt , and anders entschieden hatten, durfte
eine Verhaftung stattfinden*).
Der achte Artikel der Statuten Tom Jahre 1498 verordnet, dass
die ak falsche Zeugen Ueberwiesenen öffentlich bestraft werden sollen').
Bei einem Autodafe zu Sevilla im Jahre 1559 erhielt ein falscher
zen^^n Ankläger 400 Peitschenhiebe, und wurde vier Jahre zu den Galeeren |
boBtraa verurtheilt^). Ja, Papst Leo X. wollte am 14. December 1518, dass
falsche Zeugen mit dem Tode bestraft werden soUen^). |
Zwei bei den Verhören anwesende Priester mussien Misshand-
lung und Willkühr zu verhindern suchen^). Der dem Angeklagten
beigegebene Anwalt musste schwören, denselben standhaft nnd treu zn
vertheidigen. Bei armen Angeklagten bezahlte der Fiscus den Advo-
caten*). Der Ankläger musste schwören, dass kein Privathass ihn
treibe, dass er, wenn er verleumde, gewärtig sei, der schwersten Strafe
diesseits und der ewigen Verdammung anheimzufallen. Den Verklagten
Art des ^^urden in Gegenwart der beiden Priester die Protokolle nach dem
fahrcna. Verhöre und wieder nach vier Tagen zur Verificirung vorgelesen"^).
Dem Angeklagten, der noch nicht 25 Jahre alt war, wurde ein eigener
Curator beigegeben®).
Fällung j^ ^{q grösste Vorsicht war die Inquisition bei Fällung der
t^eiier Urtheile gebunden. Das Urtbeil erhielt nur Rechtskraft durch Zu-
stimmung des Oberinquisitors nnd seines Käthes; früher war die8s
nur bei den nicht einstimmig, später auch bei den einstimmig gefitösten
Urtheilen der Fall ^. Die Urtheile mussten von den Consulenten, den
Advocaten bei dem Obergerichte, die keineswegs Beamte desselben waren,
geprüft werden. Zum zweitenmale wurden die Qualificatoren nach
dem Verhöre gefragt, ob nach den gegebenen Erläuterungen eine
Häresie vorliege, oder nicht. Ohne eigenes Geständniss war, die Uebei -
Weisung der Eezerei äusserst schwierig ^^).
So leid es den Spaniern war, hörten die Päpste doch niemals
auf, Appellationen gegen die Inquisition anzunehmen.
') UorerUe, I, p. 227; 297—299.
') JReu88, S. 60. — Llarente, I, p, 232; 352.
») Uorente, U, p. 271.
*) Llorente, I, p. 417.
*) Llorente, I, p. 233.
«) Eeu88, S. 24; 164. —
^ Camicero, Jos. Clemeni,^ la inquisicion jnstamenfee restablecida, 6 imptip:-
nacion de la obra de D. «7. Änt lAarente: Anales de la Inqnisioion de Espaüa.
Madr. 1816. T. II, p. 67—58.
•) Reuss, S. 156. — Llorente, I, p. 294; II, p. 306.
") Llorente, I, p. 221; — Reuss, S.. 41.
»•) Reuss, S. 21—22. — Llorente, I, p. 227.
Die Zeogen. Art und Welse des Verfahrens. 67
Aber warum durften die Angeklagton nicht die Namen der Zeugen
gegen sie erfahren? Schon im Jahre 1484 wurde geantwortet, weil
mehrere Zeugen von den Häretikern, oder ihren Anhängern, Verwandten,
getodtet, oder verwimdet und misshandelt worden*). Unter Carl V.
verlangten die Cortes von Valladolid, — Februar 1618, — dass die
Zeugen genannt werden. Die Nennung sei ,jjezt nicht mehr gefährlich,
es sei denn, dass der Angeschuldigte ein Herzog, Markgraf, Graf,
Bischof oder Prälat sei^^^. Der Beklagte hatte femer das Recht, die
Personen zn nennen, welche er (ur seine Feinde halte, und deren
Zeugniss er verwerfe, und sie wurden als Zeugen ausgeschlossen. Bei
Zeugen, welche er nicht ausgeschlossen, musste das Gericht untersuchen,
ob sie nicht personliche Feindschaft treibe^).
Die neuen Statuten vom -Jahre 1488 bestimmen zur Abkürzung
der Processe: der Process müsse sogleich instruirt werden, damit
die Gefimgenen nicht Grund zur Beschwerde hätten^). Dagegen durfte
kein Process und keine Haft verlängert werden (Statut von 1488),
wenn ein Zeuge gegen den Angeklagten aus weiter Ferne berufen werden
sollte. Der Geüemgene sei nach Maassgabe dessen, was erwiesen worden,
zu beurtheilen, und dann freizusprechen. Ein neuer Process könne
nur beginnen, wenn neue Anklagen vorliegen^).
Das Statut Torquemada's vom Jahre 1498, das' auf einer Ver-
sammlung zu Toledo berathen worden, verlangt Vorsicht und Kürze
der Processe. Wenn aber einzelne Processe dennoch lange dauerten,
so lagen änaeere Hindernisse vor, z. B. weite Entfernung der Zeugen.
Zuweilen zögerte man auch, um dem Angeklagten Zeit zur Reue zu
geben. Nach dßm Bekenntnisse und der Rene aber trat stets die Busse
ein, welche im Allgemeinen in geistlichen Uebungen bestand^).
Zu Zeiten Torquemada's wurden wiederholt Klagen laut, dass
den Inquisitoren die ihnen schuldigen Gehalte nicht ausbezahlt würden,
nnd sie darum am Nothwendigen Mangel litten. Später verstummen
diese Klagen, ohne dass man Grund hat, von Iteichthümem der In-
quisition zu reden. Vielleicht hängt dieses Verstummen zusammen mit
der Verleihung einer Canonicatspfründe jeder Oathedrale an die In-
quisition^.
0 ReusSj 8. 23. Art. 16 der ersten Stfttaten. ■— Ranke, Ffirsfen nnd Völker ,
1, S. 247.
^ JJorente, J, p. 379.
^ Llorente, II, p. 29 - 30.
«) Reu88, Samnhing, S. 39, Art 3.
•) Reuss, S. 40.
•) Reuss, S. 18; 58.
'} lÄorente, I, p. 217. „Die Finanzen des hciligeu A rotes waren so Hbel be-
bteUt, dass die Gehalte der Inquisitoren, welche aus den Confiscationen bestritten
5'
68 Dreizehntes Bach. Eretes Kapitel.
Dass das Vermögen der Vcrurtheiltcu confiscirt, und die Kinder
derselben ihres elterlichen Erbes beraubt wurden, war unstreitig eine
harte Maassregel der Inquisition. Sie wird etwas gemildert durch die
Erwagungy dass in Cadtilien schon vor Einführung der Inquisition die
Güter der überführten Kezer eingezogen wurden^). Bei den Moriscos
dagegen fiel diese Härte weg. Das Vermögen der Verurtheilten blieb
deren Eindem^). Schon nach dem ersten Statut des Jahres 1484
(Art. 22) wird verordnet, dass die Inquisitoren für die Waisen der Ver-
urtheilten Sorge tragen; sie sollen dieselben rechtschaffenen Personen
empfehlen, welche sie erziehen, unterhalten^ und in dem katholischen
Glauben unterrichten^). Sie sollen ein genaues Verzeichniss über diese
dorver- Waisen und deren Zustand halten, welche „die Könige^ unterstüzeu,
nrtheii- ^^^ g|^ ^ ^^^ Stand sezeu, dass sie entweder heirathen, oder in einen
teil.
Orden eintreten. In nicht seltenen Fällen liessen ,,die Könige^' die
Güter der Verurtheilten deren Frauen und Kindern*), oder sie ver-
willigten ihnen Pensionen aus ihrem Vermögen, oder Anweisungen auf^
bestimmte Summen, bezahlbar dem, der diese Anweisungen prasentirte.
§. 30-
Zahl der Opfer der Inquisition.
Durch einen „frivolen ProbabilitätscalcuP^ kommt Llorente dazu;
DU
die Zahl der Opfer der Inquisition also zu berechnen:
Zahl dor
Verurtheilte, die in Person verbrannt wurden: • • 031* 912
„ „ im Bilde „ „ • • 017. 659
Begnadigte mit schweren Strafen 291. 450
Total: 341. 021^)
Durch die genaue Angabe der Zahlen will er die Leser glauben
machen, dass er die Opfer gleichsam selbst gezählt, dass ihm klar-
redende Documente vorgelegen haben. Seine ganze Rechnung stüzt
sich aber auf eine Angabe bei Mariana, dessen Worte er nicht so last
missverstanden, als schmählich verdreht hat. Mariana lebte ein Jahr-
hundert nach Torquemada, kann also in keinem Falle ein zuver-
lässiger Zeuge sein.
werden sollten, gewöhnlich im Rückstand bliebeiu* -> Ose Peschel, Zeitalt. iL
Entdeck., S. 152. — Zam Ganzen s. Hefde, S. 304-322.
') Ordenan^ reales, Lib. 8, tit. 4.
*) Llorente, I, p. 448—449. — Gondicion moral de los Moriscos de Espaua,
causasde sn expiüsion, y coDBecnencias qae esta prodnjo en el 6rden econömico
y politico; P« D. Floreneio Janer, Madr. 1857.
») Beu88, S. 31—32. — Llorente, I, p. 182.
*) Llorente, p. 216—217.
') Llorente, IV, p. 271.
Zahl der Opfer. G9
Wir haben aber die Aussagen dreier zur Zeit der Einfiihrung der
Inquisition lebender Schriftsteller, deren übereinstimmendes Zeugniss
Zuerst gehört werden mnss.
Luc. Mdrinms Sietdus schrieb „de rebus Hispaniae", 22 Bücher, 'jj^'^*"
Er bezeugt, dass in Folge der Inquisition in Andalusien etwa 17.000 Per- siouius.
sooen ihre Irrthümer abgeschworen haben , dass sehr Viele geflohen,
und man etwa 5000 leere Hauser gezählt habe« Von den Hartnackigen
seien im Laufe weniger Jahre 2000 Personen beider Geschlechter ver-
brannt worden *).
üebrigens schiebt auch Marineus die Einfuhrung der Inquisition
iälschlich dem Papste zu, der sie bloss concedirte^.
Heman dd Pulgar, Chronist der „katholischen Konige", spricht ^"*«*^'
sich in ähnlicher Weise aus^. Er sagt: „Von den Verurtheilten
warden zn verschiedenen Malen, und in einigen Städten und Orten
gegen 2000 Männer und Frauen verbrannt; andere wurden zu bestän-
digem Gefängnisse verurtheilt, andern wurde als Busse aufgegeben,
dass sie alle Tage ihres Lebens einherwandelten, gezeichnet mit grossen
farbigen Eo-euzen, die sie auf der Brust und an den. Schultern tragen
sollten*).
Ans der gleichzeitigen Chronik des A. Bemaldez will Llorente ^^l
^issen^ dass von 1482 — 1489 jährlich 88 Personen in Sevilla verbrannt des.
worden. Im Jahre 181$ (und 1851) war das Werk von Bemaidez
noch nicht gedruckt. Es erschien erst im Jahre 1856 zu Granada ^).
~ Bemaldez zählt vom Jahre 1481-^ 1488 einschliesslich acht Jahre.
Id dieser Zeit, sagt er, verbrannten sie mehr als 700 Personen, ver-
söhnten mit der Kirche mehr als 5000, schlössen (andere) in Gefäng-
nisse^ in welchen sie vier oder fünf Jahre oder länger verweilten.
') Quorum (obstinatomm) pancis annis atriasqne sexus millia dno combuata
faemnt (Andere durften in den Gefängnissen fortleben.) Luc Marin. SicuLus^ de
^bas Hispaniae memorabilibns 1. 22. ^ ap. Schott., Hispaniae illnstratae, t. I.
1. 19, p. 483 (p. 291—518).
^ Papa — inqnisitionem fieri diligenter et animadverti jabebat — Bex et
regina soctoritate jnflsnqne Pontificio inqnisitoribas hanc ordinem et hanc legem
ätataerunt (p. 482—483.)
*) Corönica de D. Fernando y D. Isabel^ Valencia 1780 foL sonst flOschlich
BDter dem Namen des Ad. Anton, v. Lebrija dtirt, der das Werk herausgab, aber
nicht verfasste (oben III, 1, p. 446).
0 Pulgar, Crorönica de los reyes Gatölicos« -- P. segnnda, cap. 77, p. 137.
l^tM fd^n qnemadoB en diversas veces y en algunas cibdades ö vUlas, fasta dos
mil homes ö mageres: d otros fneron condenados d carcel perpetoa, 6 k otros fuö
dado per penitencia, qne todos los dias de an vida andovieaen sefialados con cruces
graodea coloradasi pnestas sobre ans ropaa de vestir en loa pechoa y on las eapaldas.
^) In zwei Banden nnd in achlechter Aosatattnng. Andr^ Bemaldez^ Historia
<le loa reyes Catoliooa D. Fernando y D. Isabel, Corönica inödita del Siglo XV,
2 tom., Graaad. 1866.
70 Dreizt'lintcs Buch. Erstes Kapitel.
In diesen acht Jahren verbrannten sie in Sevilla drei Priester^), und
drei oder vier Mönche^)» alle aus der Klasse derer, die (ihre Häresie)
eingestanden hatten. Sie verbrannten auch einen Doctor (Frayle) der
Trinitarier, mit Namen Savariego. £r war ein grosser Prediger, nnd
ein in Künsten der Verfahrung grosser Häretiker. Sie verbrannten
auch ungezählte Gebeine in den Vorstädten de la Trinidad, von San
Angustin nnd San Bemard, Gebeine derer, die überwiesen worden,
und welche dort nach jüdischer Sitte waren beerdigt worden^). Sie
verbrannten auch ,,in efißgie^^ viele überwiesene, aber entflohene „Ju-
den'^ — Aus acht Jahren macht Uorente sieben Jahre, und theilt dem
Jahre 1481 — noch 298 Verbrannte bis zum 4. November 1481, und
ausserdem noch 2Ü00 Verbrannte zu. In der That aber dürfte die
cbronut -^^g^be des Bemaldez das Richtige treflfen, so dass auf jedes der acht
A. Her- Jahre im Durchschnitte 80 (nicht 88) Personen kamen. Daneben
uaidoz. ^^j^j^ richtig sein, dass im Jahre 1481 allein 298 Personen verbrannt
wurden. Dann treffen eben auf die folgenden sieben Jahre im Durch-
schnitte 60 Personen^).
§. 31.
Bei der Frage nach der Zahl der Opfer sind wir weiter auf eine
Inschrift hingewiesen, welche angeblich im Jahre 1.524 über den Thoren
des Castells von Triana zu Sevilla gesezt wurde. Die Inschrift lautet:
An eb- "^™ Jahre des Herrn 1481, als Sixtus IV. Papst, Könige vou
liehe In- Spanien und heider Sicilien die Katholischen D. Fernando nnd D. Isabella
^ waren, nahm hier das geheiligte Tribunal der Inquisition gegen die
judaisirenden Eläretiker seinen Anfang; wo nach der Vertreibung der
Der
srhrfft
in Se
Villa.
*) Tres Gldrigos de Missa.
') Frailes.
') DiOBS ist wieder jene spanische Härte, welche unserem christlichen und na-
türlichen Grcfühlo widerstrebt, die wahrscheinlich denjenigen weniger anstössig ist,
welche die Leichenverbrennung in unsem Tagen in Deutsohland einführen wollten.
Es ist eine Härte, wie wir sie bei Canon 2 und 3 der Synode von Elvira (306)
gefunden, nach welcher auch den Reuigen auf dem Todbetto die heilige Gommunion
nicht gereicht werden soll.
*) BemcUdeZf I, cap. 44. — De como comenzaron en Sevilla a -prender,
quemar, y reconciliar los hercges JudilicoB ~ p. 102. Qnemaron mas de setecientas
porsonas, y reconciliaron mas de cineo mil; — en Sevilla en tomo de aqaellos ocbo
afios quemaron a tres ClörigoB de Missa, e tres o cnatro Frayles todos de este linagc
de los confesos e quemaron an Doctor Frayle de la Trinidad, que clamaban Sava-
riego, que era an gran prcdicador y gran falsario herege engafiador: quemaron in-
finitos hnesoB de los corralcs de la Trinidad y San Agastin e San Bernardo de los
confesos, que alli se habian snterrado, cada ano sobre si al aso judayco, e aprego-
naron, c quemaron en estatua a muchos qnehallaron dafiiados de losjudioshuydos.
cf. Aufgabe von Sevilla, J. 1870, l, p. 133.
Zweifel
an der
Die Inflcbrift zu Sevilla. 71
Joden and Maaren bis zu dem Jahre 1524, als der göttliche Carolus
:d5 römiflcfaer Kaiser, von mütterlicher Seite her der Erbe der katholi-
schen Könige regierte, Generalinquisitor der ehrwürdigste Don Alfonso
le Maorique, Erzbischof Ton Sevilla, war, schwären 20.000 und mehr
lläreüker das schreckliche Verbrechen der Häresie ab, von Allen aber
wurden mehr als 1000, die in ihren Häresieen verhärtet waren, nach
>i(m Rechte dem Fener übergeben und verbrannt.
Mit Hilfe und Forderung der Päpste Innocenz VIII., Alexander VI.,
Pias III., Julius IL, Leo X., Hadrian VI., welcher als Cardinal Statt-
halter von Spanien , und Generalinquisitor zur päpstlichen Würde er-
hoben wurde — im Auftrage und auf Kosten unseres Herrn des Kaisers
iiess der lacentiat de la Ctteva diese Inschi'ift sezen, und es dictirte
•iieselbe Didacus von Cartagena^ Erzdiacon von Sevilla, im Jahre des
Herrn 1524/'
Der Wortlaut dieser — gewöhnlich als acht angenommenen In-
schrift erweckt viele Zweifel an ihrer Aechthelt, Zweifel daran, ob sie A«cht.
ms dem Jahre 1524 stamme. Wurden die katholischen Könige —
Konige beider Sicilien genannt? — Sind die Worte: Divo Carolo —
umc Regnanti (für Regnante?) im Jahre 1524, überhaupt zu Lebzeiten
^arFs V. angewendet worden*)? — Selbst der angebliche Verfasser
it'f Inschrift hat seinen Namen nicht richtig dictirt. Denn er hiess
nicht Didacus de Cariagena, sondern de Cortegana^^. — Im besten
Fälle haben wir also eine äusserst misslungene Copie der Inschrift
vor uns , oder die Inschrift ist ein Machwerk jener Gesellschaft von
Falschem, die seit dem Ende des sechszehnten Jahrhunderts Spanien
mit ihren erdichteten Chroniken, Schrift;en und Inschriften überschwemmt
und belogen haben. Die Zahl von 1000 Personen aber, welche zu
Sevilla in den Jahren 1481 — 1Ö24 verbrannt wordep, dürfte der Wirk-
lichkeit annähernd entsprechen, da wir der erwähnten Angabe des
^VTnaW«5 von 700 Verbrannten (von 1481 — 1488) ohne Bedenken glauben.
Auf die Aussagen des Luc. Marineus und Pulgar gestüzt, sagt Auga-
liun J. Mariana y dass mehr als 17.000 freiwillig ihre Schuld bekannt, j^^^j^^^^^
^'XX) aber verbrannt worden seien^ während eine grössere Anzahl sich
0 lebend in die benachbarten Provinzen zerstreut habe^).
') Die Worte: ab Alfonso Manrique — Fidei officio pra^fecto — passen
eicht in den ZasammeDliang. Sodsim die Worte: omniom fere M. (mille) obstioa-
t</nim tgmbuB tradita simt et combusta, sind sprachlich kauiA richtig. Was sechs
Pipste Bolt dieser InBchrift zu thun haben, leuchtet nicht em.
*) Anales eelesiastieos y aecularea de — Sevilla^ formad. per Didacus Ortiz de
Zo%a, corregidos p. A. M. Espinosa y Carzd, t. IIT, p. 836-^337. Madrid 1791—92.
«Die erste Aasgabe dieses Werkes erschien in einem Fol. zu Madrid im Jahre 1677).
Vgl. Didacus lafptx de Coriegana bei Nicol Antonio ^ Bibl. nova, I, p. 205*
*) MariaMf de rebus ffispaaiae, 12^ 17: ATarrecremataedictispropoBita spe
72 DrcizchntcB Duch. Erstes Kapitel«
Wir finden in den Aussagen des Marineus, Pulgar j Bemaldez,
der angeblichen Inschrift, and Mariana's keinen Widerspruch. Un-
streitig fanden am meisten Hinrichtungen zu Serilla in den Jahren
1481—1488 statt Von 14S8— 1524 mögen noch etwa 300 Personen
daselbst das Opfer der Inquisition geworden sein« Auf das iibrige
Spanien kommen dann gleichfalls etwa 1000 Personen. Unter diesen
waren die 52, welche — nach Paramo — za Ciudad real, die vier (nach
Llorente 27), welche zu Toledo'), und die vielleicht 200, welche zn
Saragossa im Jahre 1486 hingerichtet wurden. Diese aber waren nicht
so fast Opfer der Inquisition, als Mitglieder einer grossartigen Ver-
schwörung, als deren Opfer der heilige Petrus Arbu^ fiel.
c. 2000 d{q Zeit, innerhalb welcher in ganz Spanien an 2000 Personen
brannte, vou der luquisition verbrannt wurden , beginnt mit dem Jahre 148 1 ,
und geht jedenfalls nicht über das Jahr 1524 hinaus. Wir stimmen
hier dem Protestanten Oscar Peschd bei, der sagt, dass bis etwa zn
Isabella's Tode (1504) — 2000 Personen den Feuertod erlitten haben«).
§. 32.
Troz dieser klaren Zeugnisse glaubt die grosse Masse treuherzig
dem A. Llorente. Denn sie will sich eben von dem prachtvollen
veniae, homines promiscoae aetatis, sexos, conditionis ad deoem et septem millia
ultro crimina confessoa memorant: duo miUia crematos igne^ majori samero in
vicioas provincias faga dilapsos.
') ParamOy de origine inquisitionis, p. 170. Die Inquisition warde im April
1483 zu Villareal (später Cindad real) eingesezt, von da im Mai 1485 nach Toledo
übertragen. — In Givifate regia (nbi duos dmravit annos), qainqnaginta duo haeretici,
in erroribus pertinaces, flammis faere addicti, qni sua pemicie non content!, alios
in crrores inducebant: bis centum et viginti absentcs damnati, centom oetoginta tres
ex erroribus, et baeresibos, quibus erant infecti, Inquisitorum studio et diligentia,
ad fidei Gatholicao veritatem redacti. Von Toledo aber sagt er: Brevitatis ergo
so! um de qaatuor famosis Haereaiarchis mentionem faciam. Sigmund Aiquer, aus
Sardinion, war der erste; GelasiusDus, ein Belgier, wohnte in Ocafia; der dritte war
ein Franzose, der Doctur Hngo Celans, ein Recbtsgelehrter. Der vierte Haeresiarcha^
Franc. Rol, aus dem Orden N. (Norbertiner?), stammte aus der Provinz Estrema-
dura und war ein „Lutheranus haeresiarcha^, mnss also nach dem Jahre 1517 auf-
getaucht sein.
') Ose. Pesckd, das Zeitalter der Entdeckungen, 1858, S. 151. ,£s ist sittlich
ganz gloichgiltig, wie gross die Zahl der Verbrannten gewesen sei, nur darf man
nicht dulden, dass Llorente (Histoire de P Inquisition, t I, p. 229 und 280) durch
einen frivolen ProbabiiitStscalcnl 10.220 Personen ermitteln will, die bis zum Jahre
1498 den Feuertod erlitten hatten, weil eine Inschrift auf dem Inqnisitionsgebäudc
von Sevilla (bei Zuntga, Anales, tom. III ad ann. 1524) von 1000 Verbrannton
bis zum Jahre 1524 spricht. Die Zahl von 2000 für sämmtliche Inqaisitionshdfe
bis etwa zu IsabeUa's Tod kommt dagegen der Wahribieit am n&chflten; sie findet
Llorente — bomo mcndax. 73
Steckenpferde der blutdurstigen Inquisition nicht trennen. Wir geben
onr einige Illustrationen seiner „Erdichtungen^^ ^). Er sagt, die In-
qoisition habe allein im Sprengel von Sevilla und Cadix im Jahre 1481
— 2000 Personen verbrannt, und citirt den Mariana, Dieser aber "•'*•"•
spricht von der ganzen Zeit von 1481 — 1498 oder 1501, ja vielleicht route.
nicht einmal mit Beschränkung auf diese Zeit, und von ganz Spanien«
— Auf dieser Zahl 2000 und dem Jahre 1481 baut Llorente weitere
Schlüsse, d. i. Luftschlosser auf. Er widerspricht sich auch selbst,
indem er anderswo sagt, das neue Tribunal h^be bis zum 4. No-
vember 1481 schon 298 Personen verbrannt. Dann meint er, die an-
dern 1700 seien ausserhalb Sevilla's verbraunt worden. Ek* vergisst
nar, dass er früher gesagt, vor dem Jahre 1483 habe nur das einzige
Tribunal von Sevilla bestanden^*
Verwegen ist es, wenn Llorente jedem der drei ersten Gerichts-
hofe (nach Sevilla) Cordova, Jaen, und (Ciudad real) Toledo durch-
schnittlich 44 Verbrannte im Jahre zuweist; noch verwegener ist es,
nachdem die Zahl der Tribunale von 4 auf 1 1 erhöhet wurde, an dieser
rein willkuhrlichen Zahl von 44 für jeden der 1 1 Gerichtshofe fest-
halten zu wollen, als ob die Vermehrung der Verbrecher mit der Ver-
mehrung der Zahl der Gerichtshofe gleichen Schritt hielte. Ausserdem
zahlte Gastilien fünfinal mehr Juden, als Aragonien.
Llorente lässt in den Jahren 1483 — 1498, in der Zeit Torque- ?*• *^'
mada's 8800 Personen im Feuer sterben, der Grausame 1 der es sich an genuo-
200O Verbrannten nicht genügen liess. Llorente konnte unter den zahl- *'•"•*'••
reichen durch den dritten Grossinquisitor Ximenes gefällten Urtheilen
kein einziges Todesnrtheil auffinden. Trozdem ist er verwegen genug
za behaupten, es seien unter ihm ebensoviele hingerichtet worden, wie
unter seinem Vorgänger Deza. Aber „getreu dem Principe, welches
ihn stets den massigsten Berechnungen den Vorzug geben lässt'^, lässt
er in den 1 1 Jahren der /Imtsverwaltung des Ximenes nur 2536 Per-
sonen in Wirklichkeit, 1368 im Bilde verbrannt werden, 47.263 zu
Bussen verurtheilt, im Ganzen 51.167 gestraft werden^). Darnach muss
man es noch als eine besondere Gunst betrachten, wenn Llorente die
Zahl der Opfer der Inquisition während der ganzen Zeit ihres Be-
standes nur auf 31.000 schäzt Diess ergäbe für das Jahr 74 Hin-
sich bei Pulgar ^ Beyes Catöl. part II, cap. 57; L. Marinei Siculi, Memorab.
Hb. XIX, fol. 109 verso; Mariana , de rebas Hispanfae, lib. XXIV, cap. 17. —
Ebenso b< Maurenbr edier , Stad o. Skizzen zur Reform. Greschichte, 1874, dio
Zahl TOD 2000 Opfern für die richtigste, S. 17-18.
') S. das Nähere bei Hefele, der Card. Ximenes, 1851, 8. 2G6>267; 317, 330,
339-849.
») Llorente, I, p* 149—150, 160.
') Llarenie, i p. 360; IV, p. 256.
74 Drcizolintes Buch. Erstes Kapitel.
richtangen. In dieser Zahl begreift Uorente alle Kezer, Zauberer,
Hexen, Gotteslästerer, Sodomiten, Vielweiberer, Wucherer, Schmuggler,
deren Verbrechen in gewissen Provinzen oder in ganz Spanien der In-
quisition zugewiesen waren. Dem gegenüber stellen wir die Meinung
oder die Behauptung auf, die Zahl der Opfer der Inquisition von
1 181— 1504 betrug etwa 2000, die Hälfte davon entfiel auf Sevilla,
die andere Hälfte auf die übrigen Gerichtshofe. Für die Zeit von
150 i — 1758 nehmen wir wieder nicht mehr als 2000 Opfer an, aber
nicht eingerechnet diejenigen, welche wegen anderweitiger Verbrechen
hingerichtet wurden. Denn dass man 'sogar den Wucher und den
Schmuggel bei den Gerichten der Inquisition einschmuggelte, ist auch
wieder spanische Sonderbarkeit oder Eigenart.
§. 33.
Hieron. Zurita und L^id. Paramo lebten ein Jahrhundort nach
Einführung der Inquisition. Sie können nicht mehr als eigentliche
Quellen oder Zeugen für die Geschichte dieser Einfuhrung beni'izt
werden; doch wollen wir auch ihr Zicugniss anführen. Zvrita hat vor
Paramo geschrieben. Lezterer hat sich auf Zurita mehrfach bernfen,
ihn auch vorkommenden Falles berichtigt^). — Zurita war selbst
Secretär bei der Inquisition*), und erhebt, wie wir schon gehört, die-
selbe mit den grössten Lobsprüchen. Ueber die Zahl der Opfer schreibt
er: „Die Strafe der Delinquenten war so exemplarisch , dass, wie sie
schreiben, allein bei der Inquisition in Sevilla, seitdem die gegebene
Gnadenfrist verstrichen war, bis znm Jahre 1520 mehr als 4000 Per-
sonen verbrannt, mehr als 30.000 mit der Kirche ausgesöhnt wurden ^).
— Diess steht fast wörtlich so auch bei Paramo. — Da die erste Auf-
lage der Annalen des Zurita in den Jahren 1562 — 1580 gedruckt wnrde,
so scheint mir, dass Paramo auch diese Angabe über die 4000 ans
Zurita entnommen; was dieser aber in unbestimmter Weise gesagt^)
hatte, als bestimmte Thatsache ausgesprochen, dadurch aber mit sich
Paramo! ^clbst in Widerspruch gekommen, da er in demselben Capitel nur
2000 Opfer der Inquisition nennt Zurita lugt noch bei: Bei einem
Schriftsteller, welcher in dieser Bezifikxmg sehr fleissig ist, findet man
die Versicherung, man dürfe für gewiss halten, dass bloss in dem Erz-
') Paramo, de origine, p. 140: Zurita non parum hallaeinatas est
*) lAorente, II, 136.
^ £1 castigo fue tan exemplar en los delinquentes, qua 60 qaemaron, segun
escriven, en sola la Inqnisiclon do Sevilla , dcsde qne passaron los termines de la
gracia basta el afio 1520, mas de quatro mil personas, y se recoDciliaron mas do
treiut-H mil. Zurita, Anales do Aragon, t. IV, p. 324.
*) Scguu escriven — wie sie sclireibcn.
Die AuBsagen Zurita*8 nnd Paramo's. 75
bisihame Sevilla, unter Lebenden, Todten und Abwesenden, mehr als
100.000 Personen als jadaisirende. Häretiker erfanden worden, sammt
den mit der Kirche wieder Versöhnten'). Zurita nennt den Namen
seines Autors nicht, er nennt diejenigen nicht, welche 4000 (statt 2000)
schreiben. Darum können wir auch seinen Aussagen keinen Glauben
schenken. Er hat wahrscheinlich nach der blossen Erinnerung ge-
schrieben, und sich getauscht; möglich ist bei ihm auch, dass er mit
Bewnsstsein die Zahl verdoppelt hat Mit den Worten: „wie sie
schreiben^' erklärt er aber, wie Mariana mit den Worten: „wie sie be-
richten^% dass er selbst keine nähern Untersuchungen angestellt habe.
2!urita ist auch der einzige Schriftsteller, welcher bei dem Be-
richt über die Thätigkeit des Petrus Arbuös von dem Vorschreiten
gegen „Viele^^ (Personen) redet, welche in üblem Rufe (der Häresie)
standen^. Da er mit dieser Aussage allein dasteht, so darf seine Aus-
sage nicht maassgebend sein. Wir wollen hier nicht übersehen, dass
unter mehreren Biographien des Heiligen, die um das Jahr 1664 aus
Anlass seiner Seligsprechung in Italien erschienen, eine derselben von"^-^®^'
„vielen" Opfern der Inquisition unter Arbues redet^). — Diese Stelle ],ui«.
aber wird neutralisirt durch die andere Stelle der Vita brevis: Pau-
corum supplicium multorum mentes percussit (s. oben S. 27). —
Haben wir oben — diese Worte auf die ähnlich lautende Stelle
bei Mariana zurückgeführt^), so fuhren wir obige Worte auf Zurita
zurück^). Ohne Uebertreibung aber glauben wir sagen zu dürfen,
0 Hallaso memoria de autor, en esta parte may diligente, que afirma, qae
80 ba tener por cierto, qne solo en el Arzob. do Sevilla, cntre vivos y muertos y
absentes fueron condenados por bereges, que judayzavan, mas de cien mil per-
sooas, oon los reoonciliados al ^remio de la Iglesia, IV, p. 324. Aus der AnfÜhrnng
dieser Worte bei Frescott^ (fl, p. 141): otro autor, A quien cita — könnte man
meinen, dass Zurita den Namen dieses Autor^s nenne.
^ Zurita, IV, p. 342: proceder al castigo de muchas personas, qae estavan
infamadas, e convencidas de aver jadayzado. (Seine Ungenauigkeit zeigt sieb auch
darin, dass er den Petras Arbuöa am 14. September, statt am 17. des Jahres 1485
sterben lässt Unrichtig ist ferner, dass er einen Tag nach der Verwandung starb;
denn er wurde in der Nacht vom II. aaf den 15. verwandet; und starb am 17. Sept).
') In assumpto mnnere et officio inquisitoris adeo mirabiliter magna cum
constantia se gessit, at palam omnibos accaratus aemulator ezaltationis sanctae
fideiy et acerrimus pcrsecutor haeresnm apparaerit, ejusqne diligentia ac solicitudine
brevi tempore malti haereticl, apostatae et reUpsi debitam saoram criminum poenam
taerint, oberrimom fractom et evidentem ntilitatem demonstrando, quae taue et in futorum
in dies ezerescero debuisset ex ipsa erectione tribunalis sanctae inquisitionis in istis
rcgnia. — Acta Sanctor. Septemb. t. V, p. 733 (s. Zdmgiebl, I. c. S. 29; Mfinch. 1870).
*) Mariana: nonnullis irrogata suppiicia (XXV, 8). Die „Vita brevis*:
Panconun suppliciam.
*) Zurita: el castigo „de muchas personas** — das s. g. Jnstrumentum^ bei
den Bollandisten: multi haeretici — poenam luerint
76 Droizcfantea Buch. ErstCB Kapitel.
dass Zuriiaj der Secreiar and Lobredner der Inquisition, in dieser An-
gelegenheit Neigung zu Uebertreibungcn kundgebe.
§. 34.
Lttd. Paramo endlich stimmt in der Angabe der Zahl der Opfer
zunächst mit Marineus , Ptdgar und Mariana^). Er scheint aber den
Widerspruch nicht zu fühlen, dass er wenige Zeilen später nur in der
Stadt Sevilla allein bis zum Jahre 1520 — 4000 Personen verbrennen
lässt^). Er, ein Inquisitor, wie Zurita, scheint in der grossen Zahl der
Opfer ein besonderes Verdienst der Inquisition zu sehen, oder jener
„Abschreckungsthcorie^^ zu huldigen, nach welcher die Inquisition im
Anfange sehr streng vorging, um nachher Milde walten lassen zu
können»).
So glaube ich denn bei der Zahl der 2000 Opfer — für die Jahre
1481 bis c. 1504, bei der gleichen oder geringern Zahl für die Zeit
von 1504 — 1758 stehen bleiben zu sollen.
§• 35.
Niemand hat die Opfer gezählt, welche dem Hexenglauben in
Deutschland fielen. Aber dass es mehr als 4000 Geopferte waren,
werden wohl die Meisten zugeben. In der kleinen allzeit protestan-
tischen, aber nicht aUzeit aufgeklärten Reichsstadt Nördlingen wurden
in den Jahren 1590 — 1592 — 32 Hexen verbrannt, angeblich um die
Hexerei mit Stumpf und Stiel auszurotten. Es wuchsen aber wieder
andere Hexen nach. In der kleinen, allzeit katholischen, aber nicht
allzeit aufgeklärten Reichsstadt Rottweil wurden im sechszehnten Jahr-
hundert innerhalb 30 Jahren — 42, im siebzehnten Jahrhundert in
*) Lib. II, Tit II, cap. 4 — p. 139: Honim dao oirciter millia diversis tem-
poribna, civitatibiiB, atqae lools igni traditi, ac etiam combusti sunt, alii perpetuis
carceribos manoipati, aUi tandem saccis benedictis — indati. Es ist klar, dass dem
Paramo die Chronik Pulgar's vorgelegen. ^ In Betreff jener %ber, deren Gebeine
ausgegraben wnrden, sagt er, abweichend ron Bemaldez: »hi fuerunt numcro
non paaci.*
*) In Bispalensi dantaxat civitate usque ad annnm 1520 snpra qaatoot millia
cremati essent — p. 140. Er combinirt hier die beiden Angaben bei Zurita and
in der s. g. Inschrift von Sevilla vom Jahre 1524.
*) Paramo: Sic enim iilis temporibas tummopere expedire videbatar, ut paulo
severiora in aliumm terrorem supplicia ederentar. Sicqne pii Uli patres magnam
post cdietam haereticoram cdidorunt stragem, Biiorumqne assessornm consilio, qoi
Jurisconsulti orant, juris limites in processibus facicndis ad versus reos non exce-
debanC. Severe tarnen ac sancto christianam rempublicam exporgarnnt, ac etiam
expiarnnt. P. 139.
Hexeo boi Katholiken and Protestanten. 77
48 Jahren — 71 Zauberer ond Hexen verbrannt. Bei einer Bevülkernnü
von nar 100.000 Seelen des Fürstbistbums Bamberg erlitten in don
Jahren 1627—1630 — 285 Personen aus allen Standen den Tod.
Sonst rühmten sich die Protestanten, jeden Wahn und jeden Aber-
glauben abgeschüttelt zu haben, dem die Katholiken huldigten. Aber
in unseligem Wetteifer jagten sie diesem Wahne der Hexenverfolgung
nach*). (Dass Dr. Luther fest und standhaft an die Hexen glaubte, ist
ja allbekannt). In dem allezeit protestantischen, aber nicht allzeit auf-
geklärten Herzogthnm Braunschweig liegt die kleine Stadt Wolfen-
büttel. Bei dieser Stadt stand der s. g. Hexenwald. Die zum Tod
Verortheilten wurden an einen Pfahl gebunden, und von unten herauf
langsam verbrannt, wenn sie bekannten, oder .wenn sie hartnäckig und
unbussfertig blieben, d. h. wenn sie standhaft genug waren, troz Fol-
tern und Martern an dem Bekenntnisse ihrer Schuldlosigkeit festzu-
halten. Jener Hexen wald war nichts anderes, als eine Unzahl von
Pfählen, welche von dem Feuer geschwärzt waren, in dem jene Armen
verbrannt wurden. Das au%eklärte Publikum in Deutschland möge der
einheimischen MiserabUitäten eingedenk sein; auch nicht vergessen,
dass der Boden von Deutschland bis zum Morgengrauen des neun-
zehnten Jahrhunderts mit hochragenden und weithinleuchtenden Galgen
bede^t war (gemäss der s. g. Abschreckungstheorie), an denen gewisse
Vogel des Himmels Nahrung suchten*).
Während die Katholiken und Protestanten Deutschlands, die
Protestanten im Bunde mit dem Auslande, mit dem lutherischen
Schweden und dem katholischen Frankreich — den dreissigjährigen
Krieg der Vernichtung gegen einander führten, der Deutschland in
eine Wfiste verwandelte, horten auch in dieser traurigsten Z^eit die Hin-
richtungen der angeblichen Hexen und Zauberer nicht auf. Geständ-
*) Der Protestaat Schock sagt: Die Zahl aller je in Spanien hiDgerichteten
Jaden, Manren (?) nnd Kezer (nach Llorente's Angabe 31.382) ist nicht so gross
gewesen, wie die der unglficUiehen Weiber, die in Deutschland im siebzehnten
Jihrhimdert verbrannt worden.
*) Doch nicht jeden Wahn, dem die deatschen Protestanten huldigten und
huldigen I haben sie von den Katholiken entlehnt Der Hezenwald ist gefiUlt und
gefallen. Aber die Stadt Wolfenbüttel hat einen nicht unverdienten Ruhm wegen
ihrer Bibliothek. Bei einem Besuche dieser Bibliothek vor vielen Jahren wurden
wir (meine Begleiter nnd ich) mit grosser Höflichkeit behandelt, und konnten mit
Masse von Allem Einsicht nehmen. Wir sahen auch die an einer Kette befestigte
Bibel, nnd auf unsere Frage: Was dieses bedeute? erhielten wir die Antwort: So
wollen es eben die protestantischen Herren und besonders die Damen haben, deren
Glaube, dass die Bibel för die Katholiken angeschmiedet gewesen, oft fester bt,
sIs ihr Glaube an den Inhalt der Bibel; man mfisse ihnen dieses Steckenpferd lassen.
Sie sehen sieh diese angeschmiedete Bibel an, und wenden den übrigen Kostbar-
ketten der Bibliothek ein geringes Interesse zu.
ceaso.
78 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
nisse zu erpressen, war eine leichte Sache. Denn die Beschuldigten
wurden so lange und so unmenschlich gefoltert, bis sie zu allen An-
klagen: Ja — sagten. Denn dann wurden sie von den Foltern befreit,
mit welchen verglichen der Feuertod ertraglich zu sein schien; jeden-
falls war die Qual bälder beendigt.
§. 36.
Goamor Wer waren aber die ersten, welche gegen das Unwesen, gegen
HelTcn ^^® Orausamkeit der Hexenprocesse in Deutschland ihre weheklagende
pro- und ihre anklagende Stimme erhoben? EJs waren katholische Bischöfe,
katholische Priester, und — es ist schrecklich anzuhören — es waren
Ordenspriester, sogar Jesuiten waren es. *— Die Herren von der Ge-
rechtigkeit, die Juristen kamen sehr langsam nachgehunken. Der
katholische Priester Cornelius Loos zu Mainz (f 1693), der Jesuit
Adam Tanner (f 1632), der Churfiirst Johann Philipp Schonbom von
Mainz (f 1673), besonders der Jesuit Friedrich von Spee (f 1635),
der liebliche Sänger der „Truz- Nachtigall'^ standen in den vor-
dersten Reihen der Kämpfenden, zu einer Zeit, wo deijenige sich
der Gefahr aussezte, selbst auf die Folter gespannt, und an langsamem
Feuer gerostet zu werden, der da behauptete, es gebe überhaupt in
Deutschland keine Hexen und keine Hexenmeister. Friedrich v« Spoe
hat mitten unter den Greueln des dreissigjährigen Krieges sein Werk
über, d. i. gegen die Hexenprocesse zuerst im Jahre 1631 erscheinen
lassen^). Er klagt, dass seine Haare vor der Zeit ergraut seien, im
Anblicke dieser Greuel. Blr hatte in den Jahren IG21 — 1628 — an
200 Personen von jedem Stande und Range zum Tode v<Mrbereitet, und
zum Scheiterhaufen geleitet, welche er alle als unschuldig gefunden
hatte. Der (spätere) Erzbischof Schonborn von Mainz, welchem sieh
Spee als Verfasser dieser Schrill entdeckte, suchte in seinen Landen
dem Unwesen abzuhelfen. Sonst wurde die Schrift des Fr. Spee sehr
kalt aufgenommen. Wie hätte es in einem Jahrhundert anders sein
können, von dem der Protestant Horat^) sagt, dass damals in den
Burgen der Ritter, in den Palästen der Grossen, in den Bibliotheken
der Gelehrten, auf jedem Blatt in der Bibel, in den Kirchen, auf dem
Rathhaus, in den Stuben der Rechtsgelehrten, in den Officinen der
Hexen«
woson.
') Gautio criminalis sea de proecssibns contra Sagas über ad magistratns
Germaniae hoc tempore necessarias (aactore theologo romano) , Rinteln, 1631. —
Biicker, (bibliotb6qne des öcrivains de la Coropagnie de J^na, Li^ 1854) führt
sechs Ausgaben an. Der protestantische Pastor Johann Seifferi hi Ulm gab 1647,
der Pastor Hermann Schmidt in Nassau gab 1G49 eine dentsc&e Ueberseaung da-
von heraus (Backer, II, p. &77}.
') Ö. Conr. Jlorstf genannt der „Dämonolog^, t 1Ö82.
Die Bpsaische Inquisitioii in Qeof and Bern. 79
Äerzte und Natarlehx'er, in dem Kuh- und Pferdestall, in der Schäfer-
hütte, überall und überall der Teufel war, wo jedes Donnerwetter,
jeder Hagel, jede Feuersbrnnst, Dürre, Viehseuche u. s. w. dem Teufel
and den Hexen Schuld gegeben wurde, in einem Jahrhundert, das
darch die Schrecken uqd die Noth des dreissigjährigeo Krieges ver-
wildert war"?
§. 37.
Die 8. g. Reformatoren haben ihrerseits kein Bedenken getragen,
diejenigen, welche in ihren Augen Kezer waren, durch angezündete
Scheiterhaufen aus dem Wege zu schaffen. Michael Serveto (Servede)
wnrde im Jahre 1509 zu Villanueva in Aragonien geboren, studirte
zuerst in Toulouse, dann in Italien und kam im Jahre 1534 nach Paris,
wo er sich dem Studium der |iifedicin widmete^ und schon nach
zwei Jahren selbst Vorlesungen hielt. Durch ein berühmtes Werk
über die Natur der Syrupe zog er sich die Verfolgung von Seiten
seiner Facultat zu. Er verliess Paris, und übte die Arzneikunst in
Vienne aus. Wegen seines Buches: Christianismi restitutio (Wieder-
herstellung des Christenthums) wurde er im Jahre 1553 gefänglich
eingezogen. Er entkam nach Genf. Da er aber die Ansichten Calvin's
bekämpfte, wurde er gefänglich auch hier eingezogen. Der Ankläger
nnd der Richter war der „grosse Reformator.^ ^ Sieben Jahre früher
hatte Calvin zu Servede gesagt , wenn er wieder nach Genf kommen
sollte, so werde er die Stadt lebendig nicht verlassen. Er hielt Wort.
Troz der Anstrengungen des Präsidenten der Republik erzielte Calvin
das erwünschte Todesurtheil« Servede wollte nicht widerrufen, vor
Allem nicht vor Calvin Abbitte leisten, der sich personlich von ihm
beleidigt fohlte. Auf dem Wege zur Hinrichtung rief er: O Gott, Der
rette meine Seele, o Jesus^ du Sohn des ewigen Gottes, habe Erbarmen "j^*^^!'
mit mir. Als er den Scheiterhaufen anzünden sah , stiess er einen sorvedo
Schrei aus und endigte nach einer halben Stunde fürchterlicher Qualen ^^J^
(26. Oct. 1553). Calvin, wie sein Schüler Theod. Beza verfochten in brannt.
Wort und Schrift die Hinrichtung der Häretiker; der sanfte Melanchton
aber sprach dazu sein Ja und Amen*).
Der Italiener Valentin Gentilis konnte nur durch die Flucht vor
Calvm dem Tode entfliehen. Auf die Kunde, dass Calvin gestorben
sei (1564), glaubte er in die Schweiz sicher zurückkehren zu dürfen.
Aber der Geist Calvin^s war nicht gestorben. Gentilis wurde vor den
') Alex. Budinsky y Die Uni veniitat Paris nnd die Fremden an Ihr im Mittel«
titer, BerL 1876, S. 214-215,
80 DreisehnteB Bach. Erstes Kapitel.
vaion. hohen Uath des protestantischen Bern gestellt, und unter der Anklage,
^'° j^^*^' dass er die drei Personen in der Gottheit geleugnet, zwar nicht zum
stirbt aia Feuertode verurtheilt, aber zur Hinrichtung durch das Schwert bc-
^®*®'- gnadigt. Er wurde hingerichtet im September 1666').
Churfurst Friedrich „der Fromme" von der Pfalz (1559—1576),
dem der Churfurst Augast von Sachsen bei einer feierlichen Gelegen-
heit das Zeugniss gab: „Fritz, du besizest mehr Frömmigkeit, als wir
andern Alle", wurde durch seine Frömmigkeit nicht daran gehindert,
einen Prediger, den er im Verdachte hatte, Socinianer zu sein, köpfen
zu lassen. — Diess war das Jahrhundert, in welchem jeder neue Regent
in der Rheinpfalz mit Gewalt eine neue Religion einführte. War der
Regent Calvinist, so mussten die lutherischen, war er lutherisch, so
mussten die calvinischen Prediger das Land verlassen. Die Spanier
wollten mit ihrer Inquisition doch nur den alten Glauben der immensen
Mehrheit des Volkes erhalten. Indem die „katholischen Konige" die
Juden zur Auswanderung zwangen, thaten sie genau dasselbe, was die
verschiedenen protestantischen Regierungen nach ihnen ohne Bedenken
thaten. Das Wort: cujus est regio, illius et religio (wessen das Land
ist, dessen ist auch die Religion des Landes) war nur der Ausdruck
der bestehenden Verhältnisse. Wer die Spanier wegen ihrer Unduld-
samkeit tadeln will, muss zuerst nachweisen, dass man anderswo duld-
samer gewesen sei. Die Glaubensfreiheit ging nicht weiter, als bis zu
der Freiheit, auszuwandern.
§. 38.
Biatho Die spanische Literatur und Kunst stand gerade zur Zeit der
ütora^ Herrschaft der Inquisition im sechszehnten Jahrhundert in der schönsten
^^i'- Bluthe. Wir sagen nicht, dass die Inquisition diese Bluthe befördert;
sie hat dieselbe jedenfalls nicht gehindert. Poesie und Prosa entfalteten
sich ungehindert. Die schone Literatur erfreute sich einer Freiheit,
welche uns manchmal an Ungebundenheit zu streifen scheint. Man
durfte damals vieles drucken, was in späterer Zeit unterdruckt wor-
den wäre.
„Während Frankreich von religiösen Parteikämpfen zerrissen
') Er rOhmte sich, dsst er fUr die Ehre des Vaters sterbe , während die
Apostel nnd die übrigen Märtyrer (Ur die Ehre des Sohnes gestorben seien. — Für
den Pinsel eines Kanibach wäre hier in Genf und Bern eine reale Wirklichkeit ge-
wesen. Das Bild des P. Arbu^s aber von Kaulbach ist nicht das Abbild einer
realen Wirklichkeit, sondern die Darstellung einer Einbildung, die Niemand zur Un-
ehre gereicht, als den Urhebern nnd Vertheidigem derselben.
InqniBition und Poesie. 81
wurde, sagt der Protestant Friedr. v. Schach ^ während Dentschhmd
noter den Verheerungen des dreissigjährigen Krieges seufzte, genoas
Spanien Ruhe und innem Frieden, Besizthümer die immer ala
relative Vorzüge erscheinen, wenn man ihre unmittelbaren Resultate
mit denen vergleicht, welche aus den Glaubeuswirren in jenen Ländern
erwachsen. Denn wenn dort die Bliithen früherer Cultur vielfach von
den Stürmen des Krieges zerstört wurden, entfaltete sich hier innerhalb
des Eatholicismus eine reiche und frische Blüthe der Kunst.
Die schone Literatur war ein Zufluchtsort für das Genie, das
sich auf andern Gebieten eingeengt fühlte. — War die Dichtkunst
äQch im Allgemeinen in denselben Kreis gebannt, der die Geistes-
ireibeit der Nation überhaupt beschränkte, so stand ihr doch inner-
halb jener Grenzen ein unendlich freierer Spielraum offen. — Die
Grandsäze des katholischen Glaubens anzugreifen, war freilich nicht
gestattet, und diess thun zu wollen, fiel auch keinem echten Spanier
ein; aber die Schranken blieben immer noch weit genug, um der Phan-
tasie, der Empfindung und dem Witz ein ausgedehntes Feld zu gönnen.
Für das Schauspiel kam — — hinzu, dass es — — keiner der Dar-
stellung vorhergehenden Censur unterworfen war, und dass selbst die
allgemeine ControUe, unter welcher alle Aeusserungen standen, hier mit
auffallender Nachsicht geübt wurde. Eine Zusammenstellung aller
freien Aeoeserungen , aller Ausfalle auf Staat und Geistlichkeit, die
sich die spanischen Dramatiker erlaubt haben, würde den Beweis liefern,
dass man sich im Lande des verrufensten Despotismus in manchen
Punkten einer Redefreiheit erfreute, wie sie noch heutiges Tages nicht
überall gestattet ist Wie weit die Licenz ging, zeigen u. a. die Co-
mödien des Tirso de Molina und zahlreiche burleske Zwischenspiele
verschiedener Verfasser. — Doch ist kein Beispiel bekannt, dass die
Inquisition einen dramatischen Dichter — zur Rechenschaft gezogen Freiheit
hätte: vielmehr liegt manches Stück, das von freien und beinahe zügel- ^^^^.
losen Bemerkungen aller Art wimmelt, mit besonderer Approbation der in spa-
Geistlichkeit versehen, im Druck vor. — — Die katholische Religion "'**"*
war so fest gegründet und die Hochachtung für sie so tief im Volke
gewurzelt, dass Spott über ihre Diener oder Scherz mit ihr selbst noch
nicht mit Angriffen auf ihr Wesen verwechselt wurde; je fester das
Heilige steht, um so eher lässt es mit sich spassen« Fast alle die
Dichter, die sich dergleichen (Scherze und Ausfälle) erlauben, haben
in anderen ihrer Werke unzweideutige Beweise einer aufrichtigen
Heligiosität geliefert; schon der Umstand, dass sie selbst zum grössten
Tbeile dem geistlichen Stande angehören, scheint jeden Zweifel dieser
Art niederzuschlagen. — Regierung und Inquisition scheinen es ihrem
Interesse entsprechend gefunden zu haben, die Lieblingsunterhaltung
QuoB, «psa. Kirthe. III. t. g
83 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
des Volkes darch möglichst wenige Hindernisse einzuengen, und auf
der Bühne zu gestatten, was dem Leben verpönt war *)•
Bei der Frage, ob die Inquisition von Nuzen oder nothwendig
gewesen sei, müssen zuerst die Spanier gehört werden. Denn sie
werden doch am besten wissen, was ihrem Land und Volk nüzlich
oder schädlich gewesen. Bemaldez, Pulgar ^ (Marineus Siculus),
Zurita, Hier, Biancas, Paramo, Zuniga^ Blasco de Lanuza u. a. loben
Petnia ^^ mehr oder weniger enthusiastischen Worten die Inquisition. Petrus
Martyr Martyr rühmt die Königin Isabella, dass sie die Kezereien ausgerottet,
,Q^^^f und für die Reinerhaltung der Religion gesorgt habe; die Inquisition
tioD. selbst nennt er eine ^,herrliche Erfindung, und ein des Lobes würdiges
Werk, wodurch die Religion von jeder Befleckung bewahrt wurde" ^).
Mariana Mariana^ dessen Wahrheitsliebe und Freimüthigkeit Allen bekannt ist,
^" ^* nennt die Inquisition „ein stets gegenwärtiges Heilmittel gegen drohende
Uebel , von welchen andere Länder heimgesucht werden , ein vmn
. Himmel gegebenes Heilmittel; denn durch menschliche Rathschlüsse
konnte gegen so grosse Gefahren nicht genügende Vorsorge getroffen
wenden" •).
Mit begeisterter Liebe und Verehrung hing das Volk selbst
an seiner Inquisition. Die Gläubigen fühlten sich geschüzt und ge-
sichert, und wussten, dass das scharfblickende Auge und der starke
Arm ;,des heiligen Officiums^^ für die Einheit und Reinheit des Glau-
bens sorge.
Ein genauer Kenner von Land und Leuten, der Protestant
F. A. HvheTj hat wohl im Ganzen ein richtiges Urtheil über Ursprung
und Wirken der Inquisition gefällt^). „Es war eine Zeit der furcht-
0 Friedr, ßcJiack, Gesch« der dramat. Literat xl Kunst in Spanien. 11. Bd.
Frankf. 1854, S. 15-21.
*) Petras Martyr, epist. 279: qualem — se gesserit ad extirpandas haereses,
purgandam religioDem» nallas ambigit — Epist 295: Praeclaram inventnm et omni
laude dignam opus nt omnis e religione labes tollatiir.
') Ab hoc initio res in hanc anctoritatem crevit atqne potestatem: qua nuUa
pravis hominibas tote orbe Christiano formidabilior est, reipnblicae nniversae majori
commodo, praesens remedium adversas impendentia mala, qnibns aliae provinciae
(z. ß. damals das Frankreich der Hugenotten) exagitantur, coelo datum. Nam hu-
mane consilio adversns tanta pericula satis caveri non potuit (de reb. Hisp. 24, 17).
*) Vict. Ä, Hvber, Ueber spanische Nationalit&t und Knnst im sechszehnten
und siebzehnten Jahrhundert. Ein Vortrag am 9. Februar 1852 (in Berlin) g^e-
halten, Borl. 1852, S. 9—14, — Ticfcnf/r-JuliuSj 11, p. 727— 729»
Huber Über die Inqiiiaition. 83
barsten, dringendsten Gefahr, sagt er; es handelte sich, wenn je, tun
Sein oder Nichtsein des christlichen Spanien's« Die Gefahr von Aussen
war um so grosser, da das Gift gerade auf den materiell, geographisch,
strategisch gefahrlichsten Punkten, auch die tiefsten geistigen Elemente
der Nationalitat am meisten angegriffen hatte. Die Reaction musste
in demselben Maasse gewaltsam , tiefgreifend sein. Sie ging zunächst
ans von der neugestärkten königlichen Macht Die grosse siegreiche
Kraft dieses rettenden reactionären Konigthums bestand grossentheils
darin, dass es auf das concentrirt Einfache recurrirte, was zulezt dem
Mannigfaltigen gegenüber, auch unter sonst gleichen Umständen, immer
siegt — Man darf nicht vergessen, bis zu welchem Grade politischer
nnd socialer Zerrüttung, neben allem Glänze eines geistreichen Hof-
lebens, Castilien unter der Regierung Heinrich's IV, und Aragon unter
Johann II. gesunken war. In Andalusien hatte sich im fünfzehnten
Jahrhunderte ein Zustand von sittlicher, religiöser, socialer und poli-
tischer Auflösung gebildet, wie kaum anderwärts zu irgend einer an-
dern Zeit eine tiefere und grössere, bedenklichere nachzuweisen, unter
dem Einflasse aller Versuchungen der herrlichen Natur, des Klima's,
eine Emancipation des Fleisches , eine chaotische gährende Fänlniss,
in der Vermischung einer Masse schlechter Christen, schlechter Juden
nnd schiechter Muhamedaner, und zwischen diesem in allem Schmucke,
aller Zuversicht und Gewandtheit der damals modernsten Genussbildung
sich spreizenden Wesen, die halb thierische Smniichkeit und Leiden-
schaftlichkeit des afrikanischen Blutes, durch Negersklaven bis in's
Heiligthum der Familien getragen — für die Gefahr nach Aussen be-
dnrfle es nur eines Blickes nach der afrikanischen Küste, wo der
türkische Halbmond sich erhob, auf das Mittel meer, unter türkischen
Flotten stöhnend, auf Granada und seine herrliche Vega , wo dantals
ein noch unabhängiger Kern mnhamedanischer Macht den Millionen
von Morisken im Gebirge von Granadu, Murcia und Valencia, als poli-
tischer und militärischer Mittel- und Anhaltspunkt dienen konnte,
während die Häfen von Malaga, Almeria u. s. w. jeden Augenblick einer
türkischen Flotte sich zu öffnen bereit waren.
Dass unter diesen Umständen nur heroische Mittel retten konnten,
liegt auf der Hand! Ein solches war die Inquisition, zunächst jeden-
talls als Cauterium gegen dieses entsezliche Geschwür« Mit dem Miss-
branche, zumal hei der weitern und spätem Anwendung auf alle Fälle
ahnlicher und manche anderer Art, haben wir es hier nicht zu thun;
ob aber diess Rettungsmittel in äusserster Noth ein zu kräftiges Mittel
war, und um wie viele Grade es die rechte Mitte überschritt^ — das
mögen die entscheiden, welche, — selbst thatenlos und ohne erheb-
liches Mitleiden bei der Noth des Vaterlandes, das allein gültige feinste
Maass für alle Noth nnd alle Thaten der Rettung an der Spize ihrer
G*
B4 Dreizehntes Bach Erstes Kapitel.
Zunge oder Feder zu tragen vermeinen. So viel aber ist gewiss: die
Inquisition war eine im besten Sinne volksthümliche, eine Maassregel
im Sinne echt katholisch-castilischer Nationalitat. Bald dann erhob sich
das Kreuz und das Banner von Castilien auf der Alhambra.
Diese Resultate waren um so ruhmvoller, da sie nur eine Seite
jenes Ausbruchs der katholischen Nationalität bildeten. Die zweite
Seite, in jeder Beziehung ruhmvoller und allgemein erfreulicher, zeigt
uns Spanien nicht mehr als Vorkampfer in dem Bruderkriege der einen
Hälfte der Christenheit gegen die andere, sondern als sieghaften Vor-
kämpfer der ganzen Christenheit, der ganzen christlich-abendländischen
Civilisation gegen den Islam, gegen die türkische Barbarei. Fragen
wir aber, welches andere christliche Land war damals in der Ver-
fassung, diesen Vorkampf zu übernehmen, so wird sich das Providentielle
in jener reactionären Stärkung der spanischen Nationalität wohl nicht
verkennen lassen, ohne welche Spanien am wenigsten dieser Aufgabe
gewachsen gewesen wäre, welche doch die geographische Lage auf-
nothigte. — Die Entscheidung jenejs Kampfes lag an der Donau und
im Mittelmeere; aber die Gefahr war hier viel grosser wie dort So
bildet denn mit Hecht der Seesieg von Lepanto (1571) den Glanzpunkt
des Biesenkampfes, und hier trug Spanien unbedingt als Haupt, Führer
und Kämpfer den Siegespreis davon; und mit Recht nennt der Spanier
jenen Sieg kurzweg emphatisch: Die Seeschlacht (la naval)! Aber auch
an der Donau war es ein Arm der spanisch-österreichischen Macht, au
dem die türkische Ueberschwemmung sich brach, und der dann bald
sie über die Karpathen zurückwarft
§. 40.
L-Par». Unter den spanischen Schriftstellern, welche über die Inquisition
J^qai^r geschrieben haben, sind A. Llorente und Ludov. Paramo Antipoden.
tion Jener malt sie möglichst schwarz, dieser stellt sie möglichst glänzend
dar^). Paramo fuhrt die Einfuhrung der Inquisition auf Gott selbst
J5urück. Gott selbst war der erste Gross - Inquisitor im Paradiese').
') De origine et progressu of&cii Sanctae InqaisitioniB, ejusque dignitate et
ntilitate, de Romani Pontificis Potestate et delegata Inquisitornm; £d]c(o fidei, et
ordine judiciario Sancti Officii, quaestlones decenu Libri tres. Aactore Ludavicr^
h Paramo Borozensi Archidiacono et Canonieo Legionenai, regnique Sidliae,
(also nicht atrinsque Siciliae) Inquisitore. Matriti, ex typogr. Regia, 15d8^ pp. 68*7
(Klein -Folio).
*) S. 26. Dens ad pnnitionem primoinm hominum se aocingit, et traditur
fonna procedendi. — S. 30. S. Officii Inqnisitores modnm procedendi a Deo mutnantor^
et enndem observant.
Panimo über die Inquisition. 85
Die Felle, mit denen Gott die Gefallenen im Paradiese bedeckte, waren
nichts anderes, als der „Sanbenito^^ (der Saccus benedictns), dessen
sich die Inqnisitoren heute bedienen. Der Sanbenito ist so alt, wie
die Kirche, ja wurde schon in der Kirche des Alten Bundes gebraucht.
Die Inquisitoren haben denselben nur aus einer unverdienten Vergessen-
heit wieder hervorgezogen. Weil Gott die Stammeltem, beraubt aljer
ihrer Guter , aus dem Paradiese vertrieb , so folgen die Inquisitoren
diesem gottlichen Vorbilde, und sprechen die Guter der Häretiker dem
Fiscas zu*).
Weiter beschreibt Paramo die Entwicklung der Inquisition in
den Zeiten vor und nach der Sündfluth. Abraham war ein Inquisitor, ^'® ''^'
welcher die Chaldäer des Gozendienstes bezüchtigte. Sara, Abrahams uon m
Gemahlin, vollzog das Officium einer Inquisitorin ^ indem sie den Is- *" *'■
mael wegen Gozendienstes aus dem Hause Abrahams vertrieb. Da- (nach
gegen war Esau kein Inquisitor, vielmehr ein Häretiker, ein profaner ^•'
Mensch und Simonist, darum wurde er mit Recht der Erstgeburt und
seines Eigenthums beraubt. Rachel stahl dem Laban seine Gözen, um
ihn an dem Gözendiente zu verhindern. Natiirlich war Jacob wieder
Inquisitor, und auch Moses. Aber aus der heiligen Schrift vnll be-
wiesen werden, dass Aaron der Urheber einer neuen Idololatrie ge-
wesen").
Gleichfalls waren die Juden Häretiker und Gozendiener während
der ganzen Zieit ihres Wohnens in der Wüste. So wird dann die Ge-
schichte der Inquisition in allen fünf Weltaltern bis auf Christus ver-
folgt und dargestellt^.
Im Neaen Testamente erhielt Petrus der Apostel von Christus
die „Gewalt, zu inquiriren"^). Dagegen wurde die „delegirte" oder
übertragene Inquisition erst durch Papst Innocenz III. eingeführt, aus
Äolass der Häresie der Albigenser '(p. 90). Der heilige Dominicus,
ein Spanier, wurde im Jahre 1216 erster General-Inquisitor. Domini-
caner waren seine Nachfolger in diesem Amte^). Es wird weiter ge-
handelt von der Verbreitung der heiligen Inquisition in allen Provinzen
der Welt, in Rom, Portugal, im Reiche des (fabelhaften) Priesters Jo- i>«« '»•
h'tones, in den canarischen Inseln, in Italien, in Frankreich (S. 245), ^oQ^Jr.
von der Inquisition in Flandern, Arras und „den benachbarten Inseln^^ breitet
tp- 247), von der Inquisition in Deutschland, Oesterreich, Ungarn und ^«it.
*) Paramo, S. 45—48.
•) P. 66.
>) p. 48—87.
*) Potestatem inqnirendi.
•) Paramo, p. 88—111.
86 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Polen, Dalomtien, u. s. w. , ÄrmenieD, von den Inquisitionen in der
Lombardei, in Hetrurien, Mark Ancona, Venedig, dem übrigen Italien ').
Ueberall wird die Inquisition als kirchliches Institut betrachtet, and
dem Paramo dämmert keine Ahnung auf, dass die spanische ein Staats-
institut, und dass sie von der der übrigen Länder, wo eine kirchliche
Inquisition bestand, ganz verschieden gewesen sei.
Von der Inquisition in Spanien und dessen Nebenländern wird
S. 130 — 226 gehandelt. Genau ist Paratno nur in der Angabe des
Personals der einzelnen Tribunale. Dem ersten und zweiten Grossin-
quisitor Thomas Torqnemada (1483 — 1498) und Didacus Deza (1498
— 1507) folgte der dritte, Cardinal Ximenes (1507, f 8. Nov. 1517).
Ihm folgte der Cardinal Iladrian von Löwen — 1518, der als Papst
im September 1523 den Erzbischof Alfons Manrique von Sevilla ein-
sezte (f 28. September 1538). Im November 1539 folgte der Cardinal
Joannes Tavera von Toledo als sechster Grossinquisitor (f 1. Augast
1545). Im Februar 1540 folgte ihm Garcia de Loaysa, Erzbischof
von Sevilla, der schon am 22. April 1546 zu Madrid starb. Der Erz-
nand de bischof voii ScviUa , Ferdinand de Valdes , wurde nach ihm achter
vaMK Grossinquisitor am 20. Januar 1547 (f 2. Dec. 1508). Zu seinem
i\loM\n-^^^^ sagt Paratno: „Er ist des unsterblichen Andenkens würdig.
qui»itor. Niemand besizt solchen Kcichthum des Geistes, Keiner solche Kraft der
i^'® Sprache oder Darstellung oder solche Fülle, dass er im Staude wäre,
inquisi- seine herrlichen Werke, die Denkmale seiner ausgezeichneten Frömmig-
le'^jab" ^^'* ^"^'^ °"^ aufzuzählen*).^ Seit September 1566 hatte er in dem
hundert. Bischof von Sigueuza, dem Cardinal Didacus de Espinosuj einen Coad-
jutor, welcher am 15. September 1572 starb. Zehnter General-Inquisitor
wurde Petrus Ponce de Leon — 30. November 1572, der am 13. Januar
1573, vor dem Antritte seines Amtes, starb. Am 20. April . 1573
wurde der (spätere) Cardinal Caspar de Quiroga^ Erzbischof von To-
ledo, vom Papste bestätigt. Er hielt im Jahre 1574 „das erste Concil
der Inquisition.'^ In Madrid starb er am 20. November 1594. —
Ilieronymus Manrique, Bischof von Avila, begleitete das Amt eines
obersten Inquisitors nur vom lO. Februar 1595 bis 1. September 1595,
dem Tage seines Todes. Petrus Portocarrero ^ Bischof von Cuenca,
wurde in demselben Amte am 1. Januar 1596 bestätigt^); er starb am
LU Sei»tembcr 1600.
König Philipp III. nahm ihm aber bald nach seinem Kegierungsan-
tritte, unter irgend einem Vorwande, sein Amt ab*). Am 1 1. August 1599
•) Paramo, p 218~2«Ji;.
*) Vir actcrna incmoriii (elcl»randn8. Paramo, \\ IGO
*) So weit reicht Paramo^ p. 158—162.
*) Nach dem Buche: los obispos de Caenca, par Trillon Munoz y Soliva,
Beibenfolge der General <Inqni8itoren. 87
worde der Cardinal Ferdinand Nino de Guevara in Rom bestätigt.
Aach er mosste auf Befehl des Königs seinem Amt im Anfange des
Jahres 1602 entsagen; er starb am 1. Janaar 1609.
Am 29. Jnli 1602 folgte ihm in diesem Amte Juan Zuniga^ Bischof ^'^
von Cartagena; dieser starb am 10. December 1602 (1603?). — Juan quiaito-
R. AzeoedOj Patriarch von Indien und Bischof von Valladolid, wurde als '®° *"
(16.) Gross-Inquisitor am 20. Januar 1603 bestätigt, und starb am 9. Juni hunderL
1608. Bemard Sandoval j Roxas, Cardinal und Erzbischof von Toledo,
war voai J2. September 1608 bis zu seinem Tode — 7. December
1618 Gross -Inquisitor. Der Dominicaner Luis de Alliagaj Beichtvater
Philipp's III., wurde am 4. Januar 1619 bestätigt. — Kaum aber war
Philipp IV. an das Ruder gekommen — 1621, so sezte er denselben ab.
Alliaga starb am 3. December 1626. Sein Nachfolger Andreas PacÄeco
winde aoi 12. Februar 1622 zu Rom bestätigt, und starb am 7. April
1626. Der (20.) General-Inquisitor, Anton, de Zapata y Mendoza, wurde
von Rom am »\0. Januar 1627 confirmirt. Er war Cardinal, Patriarch von
Indien and Erzbischof von Burgos (bis 1605) gewesen. Er resignirte
als Inquisitor im Jahre 1632, „um den Befehlen Philipp's IV. nachzu-
kommen^^ Er starb am 23. April 1635').
Der Dominicaner Anton, de Sotomayar^ Beichtvater Philipp's IV.,
folgte ihm am 17. Juli 1632. „Auf Befehl des Königs resignirte auch
er im Jahre 1643, (f 1648). Didacus de Arce y Reynoso wurde vom
Papste am 8. September 1643 bestätigt. Er war Bischof von Placentia,
ald welcher er im Jahre 16Ö3 resignirte. Er starb als Inquisitor am
17. September 1665, an demselben Tage, wie Philipp IV., dessen ge-
treuer Diener er gewesen. Länger, als einer seiner Vorgänger, begleitete
er dieses Amt 22 Jahre. Die Konigin Wittwe ernannte den Erzbischof
von Toledo, Cardinal Paschalis de Aragon, zu seinem Nachfolger.
Weil die Königin es befahl, dankte auch er wieder ab, bevor er seine
Functionen angetreten. Jo. Eberhard Nithard, der s. g. „deutsche
Jesüit^', und Beichtvater der Regentin, erlangte seine Bullen am 15. Oc-
tober 1666. Er wurde nachher Erzbischof von Edessa und Cardinal.
Auf Befehl der Konigin resignirte er im Jahre 1668, (f 1681). — Di-
^iiciis Sarmiento de Yalladares, Erzbischof i. p. inf., wurde bestätigt
<Mji 15. September 1669, und starb am 29. Jan. 1695. Er bekleidete
1'<J Jahre diese Stelle. Der Erzbischof von Valencia, Juan Thomas de
liocnberH^ wurde am 18. Juni 1699 (1695?) bestätigt. Lhrente lässt ihn
Cuenca, 1860, p. 255 — 257, wäre Portocarrero an dem Schmerze über den Verlust
der königlichen Gnade gestorben. Jedenfalls erhellt auch bieraas, dasa die Inqai-
BitioD eis köoigliebea, kein kirchliches Institut war.
*) Hiohfc 1639, wie UormU (4.263) sagt
richtii-
88 Dreizehntes Buch. Erates Kapitel.
fünf Jahre Inquisitor sein*). Er starb am 13. Juni 1699. Sein er
nannter Nachfolger starb am 19. September 1699 Tor Ausfertigung
seiner Bullen. Am 31. October 1699 folgte Baltasar Mendoza j
Sandoval, Bischof von Segovia. In Kraft eines Befehls Philipp^s V,
verzichtete er im Anfange des Jahres 1705 (f November 1727). Am
24. März 1705 wurde Vidal MartUy Bischof von Ceuta, als sein Nach-«]
folger bestätigt (f 10. März 1709).
Damals gab es 17 Gerichtshöfe der Inquisition, nachdem in Madrid
hüfederein eigener Hof, getrennt von dem zu Toledo, errishtet worden. — *
inqui. Vi(jj|Pg Nachfolger, Anton. Ibanez de la Riva, Erzbischof von Sara-*
gossa, starb schon am 3. September 1710. Der Cardinal Franc. Giiidice^
Italiener, bestätigt am 2. Juni 1711, resignirte im Jahre 1716 (f 10. Oc^
tober 17:^5). Zwei ernannte Nachfolger traten nicht in Thätigkeit.
Didacus de Astorga y Cespedes, Bischof von Barcelona, war Gross-
^*® Inquisitor vom 26. März 1720; er resignirte noch im Jahre 1720. ,
inquiiN Am 18. Juli folgte ihm (34) Juan de Camargoy Bischof von Pamplona i
tor^n im /j. 24. Mai 1 733). Uorente- lässt unter ihm, ohne den Schatten eines
hundert. Beweises, 442 Personen verbrannt werden, nach der lächerlichen An-
nahme, dass die Inquisition von c. 1500 an bis zum Jahre 1708 jedes
Jahr gleich viele Leute habe verbrennen lassen. — Andreas de Orhe
•y Larreategui^ Erzbischof von Valencia, trat am 28. Juli 1733 ein;
er starb am 4. August 1740. Manuel Manrique de Lara, Bischof von
Jaen, nacher Erzbischof von Compostella, vnirde am 24. Januar 1742
bestätigt (t 12. Februar 1745). — Franc. Perez de Prado, Bischof
von Teruel, folgte ihm am 22. August 1746, bis zum Jahre 1755 —
1757. Um das Jahr 1758 wurde Manuel Qutntono Bonifaz, Erzbischoi
von Pharsalus, Gross -Inquisitor, und blieb es bis 1774. (Unter ihm
wurden zwei Personen verbrannt). Am 7. November 1781 wurde als
Icztes Opfer der Inquisition die lezte Hexe zu Sevilla verbrannt^),
unter dem Gross-Inquisitor Philipp Bdtran, — seit 1775, Bischof von
Salamanca (f 30. November 1783). Der (41.) Grossinquisitor Augustin
Rubin de Cevallos (f 1792) Hess nach Llorente Niemand, auch nicht
„inefSgie'^, verbrennen. Manuel Abad j Lasierra, Erzbischof von Selimbria
1. p. inf., folgte ihm im Jahre 1792, und musste im Jahre 1794 auf
Befelil CarFs IV. abdanken (f 12. Januar 1806). Der Erzbischof von
Toledo, Cardinal Lorenzana, folgte ihm im Jahre 1794, und musste
auf Befehl desselben Königs (d. i. des Friedei^sfursten Manuel Godoy)
*) IJorenie, 4, S. 265. Also, wnrde er 1695 und nicht 1699 erwählt
') Ob Bio {aog und Bchdn, oder alt und häaslich gewesen — adboosabjudice
lia est. •— Trozdem lasst Llorente unter ihm jährlich zwei Personen verbrannt
werden, im Widerspräche mit sich selbst. Die Hexe von Sevilla wäre nach Uorente
verachont worden, wenn sie ihr Verbrechen gestanden hätte (IV, p. 270).
Inquisition in Italien. 89
abdanken — 1797. Manuel Godoy's Creatur, Ramon Joseph de Arce,
(Psendo-) Erzbischof von Burgos and Saragossa, trug den Titel des
(44.) Generalinquisitors von 1798 — 180S *). Allmälig war die Inquisition
uicht bloss das purste Staatsinstitut, sondern auch das Staatsinstrument
der jeweils herrschenden Günstlinge am Hofe geworden, Günstlingei
deren Vollziehungsorgane die Könige waren.
Paramo erzählt (weiter), dass und wie die Neapolitaner sich die
spanische Inquisition nicht auflialsen Hessen (1504 und 1546), was ganz
in der Ordnung war. Denn sie waren Italiener^ und keine Spanier.
Sie erklärten, die Ausrottung der Häresien gehe den Papst und die
kirchlichen Kichter, nicht die weltlichen Fürsten an. Auch Papst
Paul III. erklärte, diese Angelegenheit gehe ihn, und keinen andern
an. Als Kaiser Carl V., der die Inquisition als Regierungsinstrument
missbranchte, Ernst machte, kam es zum Aufstande. Der tnächtige
Herrscher hielt es für kluger, dem Sturme zu weichen*), und auf
bessere Zeiten zu warten. „Nach unverrichteter Angelegenheit, sagt
Paramo, gewährte Carl den bittenden Neapolitanern nach seiner be-
kannten Güte Verzeihung.^
In Sicilien ging die Inquisition durch, mit grosster Anstrengung i><«
und durch mehrere Zwischenstadien. Noch im Jahre 1562 brach in ^J^"^
Palermo ein Aufstand gegen die spanische Staatsinquisition aus. Hier <iie
war Paramo Inquisitor gewesen. Von Hinrichtungen erzählt er nichts, {„qa^.
— Nach Sardinien wollte die Inquisition im Jahre 1492 importirt tioDza-
werden. Als der Inquisitor im Jahre 1494 einen gewissen Dominions
unter der Anklage der Häresie gefänglich einzog, befreiten ihn der
ViceköfUg und der Erzbischof von Cagliari (es war der Dominikaner
Petrus Pilares 1483—1513) mit Gewalt. — Ferdinand „der katholische«"
schrieb darüber sehr zornige Briefe. Was nun geschah, und über die
ganze Zeit von 1498 — 1590 gesteht Paramo nichts zu wissen. Doch
wurde im Jahre 1590 ein Lutheraner (vielmehr Calvinist) von Genf
gefangen, aber weder enthauptet noch verbrannt, sondern Katholik zu
werden vermocht.
Im Jahre 156:] versuchte man die- Inquisition in Mailand einzu-
führen. Aber die Bevölkerung leistete Widerstand, und die Inquisition
wurde „suspendirt^. — Wie die Italiener, so Hessen sich auch die
') Reihenfolge der Grossinquisitoren (mit vielen Irrthttmem), bei lÄortfiit^
IV, 213—271).
0 PoTcmo, p. 218-^221.
Hefele
90 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Niederländer die spanische Inquisition nicht gefallen. Der Versuch
aber, sie daselbst einzuführen, hatte bleibend traurigere Folgen, als
in Italien.
§. 42.
Liorente Dag Werk Ant Uorente's über die Inquisition, welches zum
inquisi. grössern Theile aus ihm selbst widerlegt werden kann, hat das grosse
lion. Verdienst, spätem Forschern eine Menge von Material erhalten zu
haben. — Der Abschnitt in PrescoU's „Leben Ferdinand's und Isa-
bella's über die Inquisition beruht auf keinen selbständigen Studien.
— In Spanien selbst hat Jr Cl, Camicero das Werk LlorerUe's zu
widerlegen gesucht'). — C J. Hefde hat in seinem Werke: Der Car-
[ dinal Ximenes , nicht nur den Liorente gründlich widerlegt, sondern
legt ihn. auch tür eine unpartheiische Bearbeitung der Geschichte der Inquisition
die Bahn gebrochen ^). Aber aus der neuesten Kirchengeschichte
Spanien's von Vic, de la FuenteiMadr, 1873 — 1875) ersieht man, dass
diese Forschungen in Spanien selbst noch nicht bekannt, wenigstens
noch nicht verwerthet sind*). — Fr, Gare, Rodrigo gedenkt eine Ge-
schichte der Inquisition in zwei Bänden herauszugeben.
inquui- jß Portugal wurde die Inquisition besonders auf Betreiben
Porta- Carl's V. (von Spanien) im Jahre 1Ö36 eingeführt. A. Herctdano de
^^' Carvalho hat in drei Bänden diese Einfuhr ung beschrieben^). Er ist
ein Gegner der Inquisition aus Princip. Vor ihm hat H, Schäfer
dieses Thema kürzer behandelt ^) , nach Herctdano aber der Jnde
M. Kayaerling mit grosser Ausführlichkeit und ziemlicher Unparteilich-
keit®). — Die meisten Schriftsteller in England und Frankreich wandeln
bei diesem Thema im Schlepptau Uorente's.
schrif- j)^,. Aufsaz „Inquisition^ in der Encyclopaedie von Ersch und
die In- Gruber — Jahr 1840 — ist von J5. Böse; dieser adoptirt ohne Be-
a«i»»- denken Uorente's Angaben. — Nie. Heinr. Jidius hat in seinen Zu-
*) Josi demente Camicero : La Inquisicion justameate restablecida, impu^-
nacion de la obra de D. Juan Antonio de Uorente: Anales de la inqnistcion de
Espafia. 2 tom. Madrid, )816. — cf Jos. de Maistre, Lettres k nn gentilhoAe Ruase
8ur r iDqnisicion espagnole. LyoD, 1837.
') Tabingen, 1816; (1^51). .1». Hauptatück: Die spaDiache InqaiBition and
Uorente's geringe Glaubwürdigkeit (S. 241 — 360 — 368).
') Historia eclesiaatica de Espafia, t, V. Madr. 1874, p. 23—33.
*) Da origem e eatabelecimenio da Inqaisicao em Portugal. Teotativa
historica per Alex. Herculano , Lisboa, 1854, 1855, 1857.
*) Heinr. Schäfer, Geschichte von Portugal, Bd. 111, Hambarg, 1860, S. 035
— 34*^.
') M. Kayserling, Geschiobte der Juden in Portugal. Berlin, 1867, S. 167
-861.
Schriften Über die rnqiiisition. 91
säzen zu: ^O. Ticknor's Geschichte der echooen Literatar in Spanien
— Hamb. 1802'^ — interessante Beiträge zur Beurtheilung der Inquisition
mitgetheilt*). — Ueber die Inquisition auf den Balearen handelt
M. Kayserling in seinem Buche über die Juden in Navarra, den
Baskenländem und den Bakaren*). — Heinr, Grätz hat in seiner ;, Ge-
schichte der Juden ^, die spanische Inquisition von seinem jüdischen
Standpunkte aus behandelt^). — Unsere Abhandlung über die Inquisition
war seit Jahr und Tag beendigt^), als uns im Jahre 1877 noch zwei
nencre Schriften über die spanische Inquisition zugingen. Die eine
Schrift ist von Fridolin Hoffmann^), Der Verfasser will nicht bloss
Dach Quellen, sondern nach den besten Quellen gearbeitet haben.
Diese Quelle ist vorwiegend Llorente für Spanien. Hoffmann gesteht,
dass er nicht Historiker vom Fach, sondern Publicist sei und es ihm
„somit im Blute liege^ die Gegenwart nicht ungerupft zu lassen, auch
da, wo er die Leser in entlegenen Regionen umheriuhrt^. Der Publicist
hat einen Tendenz-Roman für das gewöhnliehe Publicum herausgegeben.
Seine Tendenz ist es demnach, die Zahlen der Hingerichteten möglichst
zn steigern, er lässt den Mariana fälschlich sagen, dass im Bisthum
Sevilla und Cadix allein im Jahre 1481 — 2000 judaisirende Christen
Terbrannt worden. Er lässt im Jahre 1877 die im Jahre 1856 u. 1870
gedruckte Chronik des Bemaldez noch ungedruckt sein^). Er lässt den
Tb. Torquemada gewaltthätig gegen Ferdinand und Isabella auftreten,
um ihnen die Verbannung der Juden abzupressen, wogegen der Protestant
Pesckel festhält, dass die Krone bei Vertreibung der Juden und Araber,
wie bei der Inquisition, nicht durch niedrige fiscalische Motive sich
leiten liess, sondern für recht glaubhaft hält, dass Isabella in ihrem
Eifer sich verrechnet, und nicht die Vertreibung (der Juden) selbst,
sondern durch ihre Androhung eine rasche und allgemeine Bekehrung
beabsichtigt habe®).
*) Tieknor Julius, Bd. II, p. 724—729. Dazn Snpplement-Band v. Äd. Wo\f,
Leipa. 1^'67, p. 196—198.
*) Berlin, 1861, S. 178-189.
*) QräJtz, Geschichte der Joden, Bd. V, Leipz. 1861, S. 300 — 363.
') Er nennt Isabella die »Bigotte'' (S. 301), und sagt, sie and Ferdinand
haben durch die Schöpfung des InqoisitionBtribunalB Spanien*« Verkümmerung nnd
aVerwesnng* angebahnt
*j Seit October — December 1876.
*) Geschichte der Inquisition. Einrichtung und Thäfigkeit derselben in Spanien,
Portugal, Italien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Stld - Amerika, Indien
und China. Nach den besten Quellen allgemein far stich dargestellt v. ^. jET. Erster
Band, Bonn, 1878, p. 418. Ein zweiter Band soll dem ersten folgen.
') S. 309.
*) Pe9ckd, Zeitalter der Entdeck. 1858, S. 152. (Nene Aufl. Stultg 1877,
S. 120 flg.)
92 Drcizehotcs Buch. Erstes Kapitel.
Nach Hoffmann fugte sich Spanien allein durch die Jndonver-
trcibuDg den Verlust von achthundert Tausend fleissigen Menschen zu *),
deren Verbrechen nur darin bestand, dass sie festhielten an dem Glaabeo
ihrer Väter und den ,,kaiholischen Majestäten^ mehr Geld geliehen
hatten, als diese zurückerstatten konnten oder wollten. iSblches und
Aehnliches berichtet der „Publicist'' „aus den besten Quellen^. Die
Zahl von 800.000 stammt von Marianaj aber dieser spricht seinen
Zweifel an der Grösse der Zahl ans. Mit dem Brand von Magdeburg,
und selbst mit der Bartholomäusnacht kann man heute sein Glück
nicht mehr machen; aber die Blutgerüste und die Scheiterhaufen der
Inquisition ziehen noch.
Der Professor Juan Manuel Orti y Lara hat zu Madrid im Jahi*e
1877 „die Inquisicion^ herausgegeben, ein Werk, das zuerst in der
Zeitschrift „EI siglo futuro^ in kleineren Abschnitten erschien'). —
Nach den rühmenden Meldungen in katholischen Zeitschriften über
dieses Werk durfte man etwas Tüchtiges erwarten. Aber es sind eben
gesammelte Zeitungsartikel ohne Quellenangaben'). Die Inquisition
war, nach Ortiy ein rein kirchliches Institut. In zwei Abschnitten vrird
„Doctor Hefde*^ abgewandelt , weil er die Inquisition ein staatliches
Institut nennt^). Von dem Grafen de Maistre wird gesagt, er habe
in Moskau (?) fern von katholischen Kreisen geschrieben, und habe
nur einige englische Schriftstücke und die von den Cortes zu Cadix
publicirten Schriften über die Inquisition benüzt. Dagegen will Ch^/t
widerlegen die Behauptungen des y^Alzog, Hefele, und im Allgemeinen,
alle die katholischen liberalen Publicisten, welche niemals eine Wahl-
heit vertheidigten^ ausser mit halb und halb^ und mit „wenn und aber'',
und mit gefahrlichen Concessionen^ ^).
Siehe da, wir befinden uns mitten iti der Kezerei der „liberalen
Katholiken^ , weil wir nicht durch „dick und dunn^ mit „den Orii
y Lara und Consorten^ gehen. Das „Santo officio^ war ja ein
„wesentlich kirchliches Tribunal^*). Die Inquisitoren erhielten viel-
•) 8. 311.
*) La Inquisicioo. Obra pablicada por vez primera eo el Siglo fütaro. Por
Don Jnan Manael Ort! y Lara, Catedritico de Metafisica de la Universidad de Madrid.
Edicion; corregida y anmentada. Madrid 1877, p. 315. Der VerfasBer hat viele
andere Schriften erscheinen lassen. —
*) S. 74 wird citirt: Salgado, de Sapplicatione ad SaoctonuD. Salgado war
ein hiziger Regalist, und schrieb (1639) de SnppHcatione ad Sanctissfmiini etc.
*) El Dootor Hefele, p. 64—69, und Respnestas al Doctor JTI^e^e, p. 81 — 85.
') Como han asegnrado los Ahog, Htfde y, por lo general, todos los pabli-
oistas catöliooB hberales.
•) P. 81.
Neuere Schriften. 93
mehr ihre ganze Jurisdiction von dem Papste, der General -Inquisitor
Jurch die Bullen seiner Ernennung und Bestätigung, seine Gehilfen
durch den vom Papste dazu bevollmächtigten obersten Inquisitor.
Darom waren die Inquisitoren nicht Beamte des Staates, sondern der
Kirche, die bei der Inquisition betheiligten Bischöfe aber Beamte Gottes.
Die rein weltlichen Befugnisse der Inqnisition seien rein äusserlich und
nebensächlich, ihr kirchlicher Charakter sei die Hauptsache gewesen.
Man könne einen Mohren nicht darum weiss nennen, weil er weisse
Zahne habe, die Inquisition nicht darum ein Staatsinstitut, weil etwas
Staadiches an ihr gewesen.
Aber an dieser Inquisition war^Alles staatlich. Die Kirche hatte
das Nachsehen, das Gehen- und Geschehenlassen. — Mit dem Tode
sollte jeder Spanier bestraft werden, befahl Ferdinand der Katholische,
der eine Einmischung des Papstes in den Lauf der spanischen In-
quisition provocirte. Ohne kirchliche Sendung und Vollmacht kamen
die ersten Inquisitoren nach Sevilla, und begannen dort ihr Geschäft.
Die Regierung sezte die Inquisitoren nach Belieben ein und ab. Welcher
Papet hat denn einen Grossinquisitor eingesezt? Wie viele derselben
Iiat die Regierung abgesezt? (12.) Welchen abgesezten Grossinquisitor
bat Rom in seiner Würde erhalten?') Es wurde einfach in Rom an-
gezeigt, dass — der oder jener Grossinquisitor geworden, und man
ijchickte ihm seine Bestätigungsurkunde zu^ gleichviel, ob sein Vor-
^'änger mit Recht oder mit Unrecht abgesezt worden. Diese immer
tiod sicher erfolgende Bestätigung — diess waren des Negers weisse
Ziähne. Darum war aber die spanische Inquisition dennoch schwarz.
Sie wurde vom Staate eingeführt^ vom Staate regiert und dirigirt, sie
war ein Werkzeug in den Händen des Staates, sie wurde vom Staate
wieder abgeacha£ft. Diessi ist die Wahrheit der Geschichte, und es
ficht uns nicht an, ob uns auch OrH y Lara unter die Kezer, genannt
^liberale Katholiken^, verweist.
') 44 Generalinquisitoren zählt Llorente, Davon sezte Ferdinand V. ab —
den Did. Beza. Im Jahre 1599 wurde der GrossiDqnisitor Portocarrero von Phi-
lipp HL abgesezt; aein Nachfolger Ferd. Guevara wurde 1602 abgesezt Philipp IV.
^zte 1621 den Lnis de AUiaga ab. Im Jahre 1632 sezte derselbe den Anton.
Zapata ab; Im Jahre 1613 sezte er den Ant. de Sotomayor ab. Zwei Grossinqnisi.
t^ren sezte die Königin Maria ab. Philipp V. sezte zwei, Carl IV. gleichMs zwei
OroflaioqalBitoren ab; 12 von 44 sezte der Staat ab, und nnr einen Papst Pins V.
Zweites Kapitel.
Die Spanier in AmerÜLa (1492—1342).
§. 1.
Nach der glücklichen Eroberung Granada's gewährte Isabella dem
Genuesen Christoph Colambus (Colon) die längst erbetenen Mittel,
um auf dem Seewege nach Westen Ostindien aufzufinden. Colon fuhr
am 3. August 1492 mit drei kleinen Schiffen aus dem andalusischen
Hafen von Palos aus. Am 12. October entdeckte er Westindien, d. i.
die ostlichsten Inseln von Mittelamerika. Von da aus entdeckte er die
grosse Insel Cnba. Er glaubte, in der Nähe China's, etwa 100 Meilen
von der Stadt Zaitun, sich zu befinden , und schickte sich an , einen
Brief „der Könige^ an den vermeintlich in der Nähe befindlichen
Gross-Chan der Mongolen abzugeben. An dieser Täuschung hielt er
fest, so lange er lebte. Am 4. December 1492 gab er der Insel Cnba
zu Ehren des spanischen Thronerben den Namen Juana. Am 6. De-
cember erreichte er die Insel Haiti (Hayti). Wegen ihrer Aehnlichkeit
Hia- mit andalusischen Landschaften nannte er sie Espanola (Hispaniola) ^).
(s!"do- ^^ baute eine kleine Festung „Navidad^. Am 16. Januar 1493 wurde
uiogo). die Rückfahrt nach Spanien angetreten. Am 23. März erreichte Colon
wieder den Hafen von Palos ^). Am 31. März, dem Palmsonntag, hielt
') Hier hörte er von den menacbenfressenden Cariben (Caraiben). Colon ver-
stand aber Caniba (oder Cannibalen). Dnrcb ibn kam der Ausdruck ,,Kannibalen^
statt (menfichenfressende) Kariben in Umlauf. Er meinte, Caniba könne nichts an-
deres bedeuten, als Völker des Chans (der Mongolen), also mQsse der Chan ganz
nahe residiren.
*) Wa8h, Jrving, A history of the life and voyages of Christ. Columbus,
Lond. 1828, 4 vol. 6*. (Deutsch: Leben und Reisen des Columbns, Frankf. 1828;
1832. I, S. 264.)
Colon's erste Fahrt q. Rftckkebr. Papst Alezsnder Vf. n. d. neae Welt. 95
Colambas seinen Einzag in Sevilla'). Auf die Einladung des Hofes ^"^^"^^
vom 30. März reiste er sogleich nach Aragonien. Sechs Eingeborneio 8pa.
(aus Weetindien) begleiteten ihn, yier liess er in Sevilla zurück.
1193.
§. 2.
In der Mitte des April erschien er vor den y,Königen^ in Barce- ^^^^l^
lona. Mitten auf dem Markte war der Thron aufgeschlagen. Auf dem lon»,
Throne sassen die ^Könige^ und der Erbprinz, welche sich vor Colon ^^^^
erhoben. Dem Colon wurde neben dem Throne ein Sessel zum Nieder-
sizen geboten, die höchste Ehre, welche spanische Eonige einem Unter-
thanen zu erweisen vermochten'). — Diess durfte der schönste Tag
in dem Leben Colon's gewesen sein. — Eine neue Flotte wurde aus-
gerüstet« Der Decan von Sevilla , Juan de Fonseca , später Bischof J,"^^ ^*
von Badajoz, Cordova, Valencia und Burgos (1496 — 1524), sollte die coio-
RüBtuni? und den Aufwand für dieselbe überwachen. Bald wurde er '^'*'"'^'
Minister der Colonieen oder Vorsizender des Rathes von Indien.
Dreissig Jahre lang verwaltete er mit grossem Oeschicke diesen Posten,
der, wie Lots Qzscu sagt, eher einem Basken, als einem Geistlichen
zukam. Ferdinand Colon, der Sohn des Christoph , hat den Ruf Fon-
eeca's angeschwärzt; andere suchen ihn zu vertheidigen. Er wahrte
mit Energie, vielleicht auch mit Härte das Interesse der Krone, und
trat darum den übertriebenen Ansprüchen der Entdecker und Er-
oberer entgegen.
§. 3.
Durch Bulle vom 3. Mai 1493 ertheilte Papst Alexander VI. der
Krone Spanien die Herrschaft über die Inseln und Festlande im west-
lichen Theile des Ocean, nur mit dem Vorbehalte etwaiger früherer
Rechte eines christlichen Fürsten. Schon am 4. Mai 1493 erging eine
zweite Bulle. Der Papst zog, um jede weitere Streitigkeit abzuschnei- ^^^
den, eine Grenzlinie vom Nordpol bis zum Südpol. Der Krone Castilien ioq^,.
verlieh er alle Gebiete, Inseln oder Festlande, westlich von dieser Linie, ^*>''«
gegen Indien oder sonstwohin gelegen. Dieser Meridian sollte von jeder xlnder*«
der azorischen oder capverdischen Inseln einen westlichen und südlichen ^'<*
*) Anär. BemaideZt los reyes catolicos, 1856, I, p. 277. Ausgabe von 1870,
T. I, p. 869.
^) Erst später kam daza das Wappen mit der bekannten Inschrift: Für Ca-
sdHeD ttod filr Leon — eine neue Welt fand Colon (per Castllla y por Leon —
Boevo mimdo hallo Ck>lon). Die Erzählung von dem „Ei des Colambus'' ist ein
Mährohen ohne geschichttiche Grundlage.
96 Dreizehntes Bach« Zweites Kapitel.
Abstand von 100 spanischen Meilen entfernt sein'). Am 26. Sep-
» tember 1493 erliess der Papst eine dritte Bnlle. Er erweiterte die
Schenkung, die er zuvor den y,Königen^ gemacht, auf alle neuen Gnt-
deckangen, sie mögen Inseln oder Festland umfassen, welche bereits
gemacht, oder noch zu machen seien, mögen sie auf der Fahrt gegen
Westen oder Osten sich finden, mögen sie im westlichen, oder süd-
lichen und östlichen Theile, und in Indien liegen*). Die beiden Kronen
Castilien und Portugal traten über die Theilung der „neuen WcJt^
selbst in Unterhandlungen. Am 7. Juni 1494 wurde ein Vertrag ab-
geschlossen, nach welchem ein Mittagskreis, nicht wie die Bulle Ale-
xander's VI. es gewollt, 100, sondern 370 Leguas westlich von den
u. por- Inseln des grünen Vorgebirges als Grenzlinie (raya) für die Entdeck-
tagai ungen der beiden Lander gezogen wurde. Alles Land westlich sollte
»ich. Castilien, alles Land östlich sollte Portugal zufallen.
§. 4.
Wenige Tage, bevor die ,|Eönige^ Barcelona wieder verliessen,
baten die Indier um die Gnade der heiligen Taufe, nachdem sie
den Unterricht in der christlichen Religion empfangen hatten. 9»r>ie
Könige^ freuten sich sehr, dass sie Gott diese Erstlinge aus der Heiden-
welt darbringen durften. Mit grosser Feierlichkeit wurden sie in der
Ghathedrale getauft. Die „Könige^ und der Prinz Juan waren ihre
Pathen*).
Bemard Boil*)j aus Tarragona stammend, Benediktiner in Mon-
serrat, hatte das Ordenskleid vor dem Jahre 1481 genommen. Ibn
') Navarrete, Mart, Femandez , Coleccion de viages y descnbrimientoa que
hioieron por mar los Eapafioles desde fines del siglo XV, con varios docamen-
toB, etc., Madr. 1825—1829. — 37, 5 vol. 4*. — t. II, n. 17; 18. — qaae linea diatet
a qualibet iosnlarom, qiiae vnigariter nuncopantar: ,de los Azores et Gabo Verde*,
ceotom leuciB adversus occidentem et meridiem.
*) Ora esten eo las partes Occidentalcs 6 Heridionales y Orientales y de la
India. — Die zwei ei'Stcn Bullen stehen in dem Bnllarium, ed. Cherubini, Luxemb.
1742, t. I, p. 453. t X, p. 3. In dem neuesten Tariner Bullarinm 6teht nor die
zweite Bolle vom 4. Hai 1493, t. V, A. Taur., 1860, p. 361—364. — - Die dritte
Bolle steht nor in der spanisehen Ueberseznng bei Navarrete, Viages, t. II, p. 405.
— J. O. Kohlj Die beiden ältesten Generalkarten von Amerika. Aosgef. in den
Jahren 1527 nnd 1529 auf Befehl Kaiser CarFs V. Weimar, 1860, S. 11. -- Friedr.
Kunstmann^ zur Entdecknngsgeschichte Amerika*s, in Histor. - Polit. Bl&tter, 1861,
I, p. 765--779 (Bd. 47). — Ose, Pesckel, Die Demarkationslinie des P. Alexander
VI., Leipz. 1865. (Ders. „in Zeitalter der Entdeckungen«", 1858, 8.230—231.)
*) llleacas, Historia pontifical y catoliea, 1564, (1652), t. U, Üb. 6» ep. 2*2,
- (112).
*) Auch Boyl, Bali, Boeil.
Der Miasionfir B. Boil. Zweite Fahrt Colon's. 97
wählten die „Könige*^ als Haupt einer Gesellschaft von Missionären
aas, welche mit Columbus in die neue Welt ziehen sollten. Es wurden
ihm 12 Begleiter aus verschiedenen Orden, und auch Weltpriester,
beigegeben. Der Papst wurde you dieser Wahl in Kenntniss gesezt
Aasschmückungen dürften es sein, dass B. Beil als „legatus a latere^
des Papstes, oder als erster Patriarch von Indien nach Westindien ge-
reist sei *). — In der Instruction der ,,Könige^ an Colon vom 29. Mai
1493 sprachen sie von der Bekehrung der Indier; um diese zu fordern,
senden ihre Hoheiten dorthin den gelehrten P. Fr. Boil, zugleich mit^^-^^"
andern Religiösen. In einem Schreiben an B. Boil selbst sagen sie:
„Der König and die Konigin — dem frommen Bruder Boil: „Eben sind
von Rom die Bullen angekommen, um welche Wir dahin gesandt
haben, sowohl in Betreff dessen, was Euch angeht, als dessen, was in
den neuen Inseln vorzukehren noth wendig ist^*).
Am 4. August schrieben sie ihm wieder von Barcelona ans, sandten
ihm eine Abschrift der Bulle Alexander*s VI«, und beauftragten ihn,
sie von Allem in Kenntniss zu sezen, was von da an sich ereignen
würde. Ks scheint, dass B. Boil von Sevilla aus sich über das Be-
tragen Fonseca's gegen Colon beschwert habe, denn die Konige sagen,
eä sei ihr innigster Wunsch, dass der „Admiral^ so sehr als möglich
geehrt werde.
§. 5.
Am 25. September 1493 fuhr die neue Flotte und mit ihr zweite
Fr. B. Boil ans dem Hafen von Cadix ab. Am 3. November sah ^^j^^J
man eine bergige Insel, welche sie dem Sonntag zu Ehren Dominica i4os-
nannten. Von da landeten sie auf der flachen Insel Marigalante. Am /^^
6. November sahen sie den berühmten Vulkan von Guadeloupe. Colon
batte den Mönchen von „Unserer Frau zu Guadeloupe^ in Spanien
versprochen, eine Insel nach ihrem Kloster zu benennen^). Hier
wohnten Garaiben. Vom 10. November a^ fuhr das Geschwader in
der Richtung von Espanola. Am 15. November erreichten sie die
Insel Puertorico, von Colon San Juan genannt. Am 25. November
gelangten sie in die Bucht von Montecristi auf Epanola, und befanden
sich vor der Festung Navidad. Am 28. November stieg Colon an's
Land, und fand nur Brandtrümmer an der Statte der Festung. Die
*) Nach Alf. Sanvitores, Hlstoria de la orden de S. Benito — wurde er zum
Regionar-Bischof ernannt.
') Naoarrete (II), Document., nr. 45 et 52.
^ Bemaidezy 1, p. 127.
Ora», ipui. Kirch«. III. 9. 7
98 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel.
dort liegenden Spanier hatten in Käinpien mit den Einge^ornen ihr
Leben verloren. Colon sah sich gezwungen, diese Gegend zu
verlassen. '
sted^ In der Nähe davon gründete er die Stadt Isabella. Das Fieber, an
' dem aach er lange litt, hemmte den Fortbau. Die Verlegenheiten mehrten
sich. Die Lebensmittel för die Colonisten mussten aus Spanien her-
beigeholt werden. Zu einiger Entschädigung versprach Colon, Caraiben
als Sklaven nach Spanien zu senden. Er kam also einem ähnlichen
Plane des Barth. Las Casas znvor. Der Unterschied war aber, das»
es sich dort nicht um die Erhaltung der Indianer, sondern am Geld
und Geldeswerth handelte^). Schon wurden Meutereien gegen den
Admiral angezettelt. Colon liess den Zahlmeister Bemal de Pisa, der
ein Complott organisirt hatte, in Ketten werfen, um ihn mit Gelegen-
heit nach Spanien zu senden. Von jezt an verfiel der Admiral dem
allgemeinen Hasse, und galt für einen grausamen Mann, sowohl in den
Colonien, als in dem Mutterlande'). Von Isabella brach Colon am
12. März 1494 nach dem Goldlande Cibao im Innern von JBlspaüoIa
auf. Auf dem Wege dahin liess er das Blockhaus San Tomtis be-
festigen. In IsabeUa war die Lage trostlos. Ein Aufstand der In-
dianer brach zwischen Isabella nnd San Tomas aus. Colon sezte einen
Verwaltungsrath ein, der aus dem Benedictiner Fray Boil, — Fernandes
Coronel als oberstem Vogt der Insel, und zwei andern Beamten be-
stand. Präsident war sein jüngster Bruder Diego, der sich dem geist-
lichen Stande widmen wollte.
Am 5. Mai 1494 wurde die Insel Jamaica entdeckt, am 8. Mai
lief Colon in den Hafen Puerto Bono ein. Das gesuchte Grold aber
wurde nicht gefunden. Am 18. Mai kehrte der Admiral nach Cuba
zurück. Weder Colon, noch die Eingebornen wussten, ob Cuba eine
oaba, Insel Sei. Colon glaubte immer, er befinde sich in Asien, und ganz
Und. nahe den chinesischen Städten Zaytun und Shangai. Am 12. Jani
liess Colon sämmtlichen Piloten und Matrosen vor dem Notar den
Eid abnehmen, dass sie Cuba itir ein Festland, und nicht für eine
lusel hielten. Man sei de*r Küste in einer Länge von 335 spanischen
Meilen gefolgt^). Man dürfe schliessen, das asiatische Festland vor
sich zu haben. Wollten die Schworenden ihre Aussagen widerrufen,
so würden die Officiere mit Verlust der Zunge, vom Schiffisvolk aber
*) Memorial para los Reyes Catholieos, ap. NavarreUy I, p. 225 sq.
*) Loa Casas in s. Brevisima relacion de la destroydon de las Indtas oceiden-
tales per los Castellanos, Sevilla, 1552 — gesteht, diess allgemeine Vorurtheil vor
seiner Reise nach Westindien getheilt zu haben. Lib. 1, cp. 90.
') Aber Colon hStte ja schon nach 1—2 Tagen das Gap San Antonio, das
westliche Ende der Insel, erreicht.
Rückfahrt B. Boil's. 99
Jeder mit 100 Peitschenhieben abgewandelt werden; 49 Personen be-
schworen, dass Cuba Festland sei.
Getrost wollte jezt Colon die Rückfahrt antreten, da es an Lebens-
mitteln fehlte, und die Mannschaft nach Hause verlangte. Am 6. Juli,
einem Sonntage, wurde- auf dem I^ande (in Cuba) unter grossem Zu-
lauf der Eingebornen ein Hochamt gehalten. Die Spanier kehrten
wieder nach Espanola, dann nach Puertorico zurück. Am 29. Sep-
tember war man wieder in Isabella. — Um diese Zeit kam Bartholo-
mäas Colon, der Bruder des Admirals, mit drei Schiffen aus Spanien an.
§. 6.
Mit den drei Schiffen, welche Bartholome an^s Land gesezt,
kehrten Fray Boil, das Regentschaftsmitglied, und der Christ D. Pedro
de Margarit zurück, und nberliessen fufanenflüchtig die Colonie ihrem
Elend — c. Juni 1494. Nach der Entfernung Margarit's brachen ®- ß*'"'«
neae Aufstände der Eingebomen aus '). — Boil's Vertheidiger sagen, ai,d
dass er zu S. Tomas die erste katholische Kirche in der neuen Welt Gegner
baate, welcher er den Namen: „Unsrer Frau von Monserrat^ gab.
Durch seine Predigt des Evangeliums habe er viel Volk bekehrt. Es
seien (sehr viel spater) Kirchen errichtet, und diese barbarischen Na-
tionen unterrichtet, getauft und civilisirt (?) worden, »Derjenige,
welcher am meisten an der Bekehrung der Gozendiener arbeitete, war
der ^Nuntius Boü««).
*) Peaehel, p. 361, 267.
*) So berichten vorwiegend cataloniscbe ond aragonische Schriftsteller,« wie
Qonz, de lUescaSy (Ant. Berrera), H. B, Lanuza, Marillo, besonders Ped. Serra
— in: Historia de Ntra. Sra. de Monsemte, Bare. 1747, p. 217. — Fei. Torres
Amat, Diodonario de los Escritores Catalanes, Bare. 1836, p. 112 -r- 115, — Diesen
geiellte sieh ein dentsclier Benediktiner bei m. d. Werke: ,,Nova navigatio novi
orbia, Indie ocddentalis B. F. D. Bueüü Catalani, abbatis Montis Sermti (?), ac
Bociormn monaehomm 0. S. B. — afio U93, figuris exomata a P. Bonorato PJuloppone
ejofldem ordinis, 1621 fol. Der Verfasser wollte in dieser Schrift dem Orden der
Benediktiner die Ehre vindiciren, dass seine Mitglieder zuerst das Evangelinm in
da neuen Welt gepredigt haben. Die Thatsache lässt sich nicht leagnen, doch
ttheinen die Erfolge nicht bedeutend gewesen zu sein. Das päpstliche Breve für
Boil imd seine Genossen, die von den einen Benediktiner, von den andern Beligioaen
au verschiedenen Orden und Weltpriester genannt werden , steht bei Baynald,^
A&Oes ad an. 1493, nr. 24. — W. Irving, Leben und Reisen des Columbus,
VIII. Buch, Kap. 8. — Nach Wadding hat der Franciscaner Juan Percz de Mar-
ehena unter Boirs Leitung das erste christliche Kirchlein auf Hispaniola erbaut.
(Wadding, afiales Minor., t. XV, p. 18, or. 2). Berrera, Decas I, Hb. 11, cp. 12.
Die (angekandigten) Schriften des P. Caresmar und J. Vülanueva über B. Boil
Kbeinen ungedrnckt geblieben an sein.
7*
100 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel.
B. Boil soll sich nach seiner Rückkehr den Gegnern Colon's
angeschlossen haben. Aus seiner spätem Zeit erfahren wir nur noch,
dass der König ihn (der ihm später diplomatische Dienste bei Ver-
handlungen mit Frankreich geleistet) zum Abte des Klosters S. Miguel
de Cuxa im Bisthum Perpignan ernannt habe, und dass er als solcher
um das Jahr 1520 gestorben sei.
§• 7.
Colon drang im Allgemeinen darauf, dass die Missionäre die
Sprache der Eingebornen lernen sollten ^). Einzelne Caziken , wie
Guarinver, zeigten sich der Annahme des Christenthums nicht abge-
Mi88i' neigt. Aber die Grausamkeiten und Laster der Spanier, zum Theil
•acha. A^cl^ <^i^ Unfähigkeit der ersten Missionäre, hinderten weitere Fort-
schritte. Wir wissen nur, da^s der P, Roman Pane, Hieronymit, und
der Franciscaner Juan Borgonon den erwähnten Kaziken mit seinen
Unterthanen eine Zeit lang günstig gestimmt hatten. Aber die schlimmen
Einflüsse der andern Indianer und die Gewaltthätigkeiten der Spanier
bewirkten den Abfall derselben*).
§. 8.
Die Zahl der Gegner Colon's wuchs in den Jahren 1494 — 1496
in bedenklicher Weise an. Im Frühjahre 1495 schlag auch die Stim-
oegner Qm^g am Hofe gegen ihn um. Die entdeckten Lande kosteten sehr
viel, und trugen nichta ein. Der Admiral sollte alle Ansiedler, bis
auf 500 — nach Spanien zurücksenden , weil Sold und Kosten der
Verpflegung zu gross seien. Von Westindien wurden auch einige
hundert gefangene Indianer im Jahre 1495 auf die andalasischeu
Sklavenmärkte gebracht. Die Konigin befahl aber am 16. April 1495,
den Verkauf zu sistiren , bis sie Geistliche und Juristen zu Käthe ge-
zogen, und die Depeschen des Admirals gelesen hätte. — Um diese
Zeit glaubte Colon die Goldgruben des Königs Salomon im Liande
Ophir entdeckt zu haben.
Am 11. Juni 1496 landete Colon wieder im Hafen von Cadiz. Am
23. April 1497 wurden seine Privilegien aufs Neue vom Hofe in Burgos
bestätigt, und er erlangte eine Menge neuer Begünstigungen. Doch die
Kosten der Colonie wuchsen zusehends. Desswegen gerieth Colon auf
den unglücklichen Einfall, die neue Welt mit Verbrechern zu bevölkern.
') Herrera^ Decas I, Lib. III, c 4.
•) Herrera, 1. c. — TT. Irving, Xf, 2.
Colon's dritte Fahrt, t498. 101
Die Gerichte erhielten Befehl, Verbrecher mit Abkürzung der Hälfte v«rbr^
' Chor uod
der Strafzeit nach Hispaniola zu Torbaimen. Las Casas sah noch skUren
manche von diesem Gesindel, welche ohne Ohren herumliefen M. Es*"^*"'"
fehlte an weitern Mitteln, die Colonisten zu versorgen. Colon be-
fand sich in grosser Noth. Die „Konige" waren durch wichtigere,
nähere Sorgen in Anspruch genommen, u. a. den Tod des Thronerben
D. Juan am 4. October 1497. — Colon hatte alle Fassung verloren.
Isabella fühlte sich u. a. dadurch beleidigt, dass er einen Ejronbeamten
mit Händen und Füssen misshandelt hatte.
Am 30. Mai 1408 trat Colon mit sechs Schiffen und 200 Begleitern
seine dritte fieise nach Westindien an. Am 1. August erreichte er die
Insel Trinidad, und sah die Küste von Südamerika. Das Land am
Ausfluss des Orinoco zeigte sich. Der Admiral glaubte sich in der
Nähe des ^.irdischen Paradieses** der Stammeltern zu befinden. Am®*^*'
15. August kehrte er nach Espanola zurück, das er seit zwei und
einem halben Jahre verlassen, und wo er am 10. März 1496 seine
beiden Brüder mit unbegrenzten Vollmachten gelassen hatte« Barto- ß^** ^•
lom^ hatte im Jahre 1496 im Innern der Insel die Stadt S. Domingo go.
gegründet. Kämpfe gegen die Indianer, Kämpfe der Spanier unter
sich hatten die Lage sehr verschlimmert. . Die Spanier hatten sich,
jeder — mit einem Harem und mit Leibeigenen umgeben. Unerhörte
Grausamkeiten wurden begangen'). — Colon fand am 17. October 1498
eine organisirte Verschworung der Spanier gegen ihn vor. Am 18. Oc-
tober sandte er eine Ladung kriegsgefangener Indianer an die „Könige^,
nnd verlangte von ihnen Priester, nicht so fast zur Bekehrung der^^**^"*''
Indianer, als zum Dienste der verwilderten Spanier, die keinen Fasttag gnade,
mehr hielten, und in frecher Polygamie mit den Indianerinen lebten. Er
fugte bei: „Wenn eine Aussöhnung mit den Rebellen (Spaniern) nicht
gelänge, wäre es besser, mit Gewalt sie auszurotten*^. Dieses Wort
führte besonders seinen späteren Sturz herbei.^) Durch vieles Andere,
was er in seinen grossen Verlegenheiten that, gab er seinen zahlreichen
Feinden Waffen gegen sich in die Hände.
*) NavarreUf t II, nr. 116. Carta patente d. d. 22. Juni 1497. — Las
Casas, Desiruycion, 1. I, cp. 112.
") «Vor allen Dingen hat man sich zu hüten, im spanischen Blute die Neigung
zur Mordinst zu suchen. Die f^nzösischen und englischen Colonisten des sechs-
zehnten Jahrhunderts haben die nordamerikanischen Rothhänte nicht menschlicher
behandelt". 8o der Protestant Pesehef-, S. 297. Damit Übereinstimmend sagt der
Protestant F. Huber im Jahre ]8')2: Ein Haufe Deutscher, darunter Fugger*8 und
Beheiffl*s genannt werden, welche unter Carl V. Columbien zu colonisiren suchten,
fiberboten sehr schnell alle Greuel, welche den Spaniern gegen die Indianer vor-
geworfen worden (HubeTy I. c. p. 15).
*) Las Casas^ Historia general de las Indias. Msc. (b. Peschet), lib. I. cp. 155.
102 Dreizehntes Bach. Zweites Kupitel.
Auf ähulichem Wege ent8timden im Jabie 1409 die beiüchtigtcn
Reparil- ^Repartimientos*' oder „Encomiendae^^ (V^rtheiliiDgen , CommeodeD).
od. En* £^^06 Anzahl (412) Empörer, die im Jahre 1499 unter Bedingoogen
comim. capitulirt hatten, erhielten nämlich Ländereien, und mit denselben
Frohndienste der Eingebornen angewiesen. Diess war der Anfang der
Sklaverei der Indianer im Grossen, welche die Bekehrung derselben
unmöglich machte, oder nur Scheinbekehrungen zuliess. Die Spanier
erhielten als Geschenk je 10.000—12.000 Matri (Erdhugel) Manioc-
wurzeln. Der Kazike der einzelnen Bezirke war dann verpflichtet,
diese Felder durch seine Leute bebauen zu lassen. Die Eingebornen
wagten nicht, zu entfliehen; denn entweder wurden sie auf der Flacht
ergrifien und getödtet, oder als Sklaven verkauft').
Um diese Zeit erschloss sich auch der Metalireichthum der Insel
Espanola in einer Weise, welche den neuen Goldströmen in Californien
und Australien glich. Das ungesunde Isabella war aufgegeben, nnd
dem Klima fielen nun keine neuen Opfer mehr. Freilich hielt die
materielle Besserung der Ansiedler gleichen Schritt mit dem wach-
senden Elend der Indianer. Schon im achten Jahre nach der Ent-
deckung herrschte die Ansicht vor, dass der weisse Mensch unter den
Tropen nur durch die Dienstbarkeit niederer Menschenra9en gedeihen
könne. Die Spanier zwangen die Indianer, das Feld für sie zu be-
stellen. Sie hielten sich Sklaven zum Fischfange, zur Jagd, sie hielten
sich Indianerinen zum Kochen, Waschen, als Mägde und Concubinen.
Sie liessen sich von ihren Sklaven in Hängematten durch das Land
tragen. Die Indianer zitterten nur noch vor den „weissen^ Kaziken.
Die Spanier hatten den Beruf, die Indianer zu befreien, und sie
als Christen zur Freiheit der Kinder Gottes zu erheben. Statt dessen
verfielen diese armen Indianer der geistigen und der leiblichen Sklaverei.
§. 9.
Americo Vespucci, aus Florenz geburtig, weilte im Jahre 1493
zu Cadix in Handelsgeschäften^). Er begleitete eine neue Expedition
unter dem Spanier Hojeda (1499 — 1500), welche das amerikanische
Festland am Amazonenstrom, sowie Venezuela (das kleine Venedig)
entdeckte. Im Juni 1500 kehrten Vespucci und Hojeda nach Spanien
Americo zurück. Auch dicse Seefahrer brachten u. a. 232 geraubte Indianer für
Amt- ^^® europäischen Sklavenmärkte zurück. So gering war die Ausbeute
ric». dieser Fahrt, dass nach dem Verkaufe der erbeuteten Sklaven nur
') Las Casas, HistoriH ms. 1. cp. 61.
') Äug. Maria Bandini, Vidu e lottere di Amerigo Vespucci. Fireaze. 17 15.
Schlimme Läge. Statthalter Franc, de Bobftdilla, 1500. 103
10 Dacaten reiner Gewinn jedem der Olacksritter zufielen. Durch
Verwicklung seltsamer Zufälle erhielt die ganze neue Welt ihren Namen
Yon diesem Amerigo, der doch bei diesen Entdeckungen eine sehr
untergeordnete Rolle gespielt hatte.
Die nächstfolgenden Seefahrer brachten, da das ersehnte Gold und
die Edelsteine nicht gefunden wurden, meistens nur geraubte Indianer
zurück.
Ein Jahrzehent war seit der Entdeckung der neuen Welt vergangen.
Aber von einer Bekehrung der Indianer war keine Rede. Es war hohe
Zeit, dass nun die Kirche ihre Missionsthätigkeit eröffnete, sollten nicht
bämmtliche Eingeborne aussterben, oder ausgetilgt werden.
Schon im Jahre 1495 hatte Isabella verboten, dass die Indianer ^^* ^^'
dliiner-
in die Sklaverei verschleppt werden. Sie war darum auf das Höchste ikiaven.
indignirt, als eine Schiffsladung unbekehrter Indianer nach der andern
auf den andalnsischeo Sklavenmarkt geworfen wurde. Im Jahre 1500
laugte eine neue Fracht von mehreren Hunderten von Indianern an,
durch deren Verkauf die Kosten der Entdeckungen bestritten werden
sollten. Unmuthig fragte die Königin: „Welche VoUmaoht besizt der
Ädmiral, meine Unterthanen an irgend Jemand zu verkaufen?^ Durch
Cabinetsordre vom 20. Juni 1500 liess sie die auf Golon's Befehl ver-
kauften Indianer in Freiheit sezen. Sie sollten unverzüglich in ihre
Heimat zuräckkehren').
Ein Theil der Amerikafabrer war bettelhaft und siech heimgekehrt.
Ein halbes Hundert dieser Invaliden hatte sich in Granada angesammelt,
wo der fiof im Sommer 1600 wohnte. Ging der König vorüber, so
riefen sie: „Zahle, zahle.^ Wenn sie die königlichen Pagen Don Diego
und D. Fernando, die Söhne des Admirals, sahen, riefen sie: Seht die
Püppchen, die Söhne des Admirals, der die Länder des Trugs und der
Trübsal, den Kirchhof castilianischer Hidalgo's, entdeckt hat. ^
§. 10.
Der Ritter von Oalatrava, Franc, de Bobadülay erhielt die grössten
Vollmachten, die neuen Uesizungen zu leiten und neu zu organisiren.
Den Ck>Ion nannten die Könige nicht mehr Vicekönig, sondern nur coionin
noch Admiral. Das Schreiben an ihn lautete kurz: ^Wir senden den ^^'
. gnude.
Ueberbringer dieses Briefes, den Commendador F. de Bobadilla, um
Euch in unserem Namen mündlich gewisse Dinge mitzutheilen. Ihr
werdet ihm Vertrauen und Glauben schenken, und seine Weisungen
erfüllen^ ^). Erst im Juni 1500 ging Bobadilla mit zwei Schiffen nach
') Navarreie, t II, Doc. or l.'M. — Leu Casas, Uistoria t I, ep. 176 ms.
0 Der Brief ist vom 26. Mai 1499 von Ifadrid datirt Las Caaas, I, c. 179 ms.
104 DreiKefantes Buch. Zweites K8pitel.
Westindien ab. Colon hatte iuzwischen durch eine Schretkeusjusti
seine Auetoritat über unbotmässige Spanier herzustellen gesucht. Nicb
wenige wurden hingerichtet, andere wurden im Geföngnisse processirt
Bobft- ^iQ 23. August kam Bobadilla mit seinen Schiffen an. Er erfuhr, dass^
8. i>o. in der vergangenen Woche fünf Spanier durch den Strang hingerichtet
mingo. worden, fünf andere in der Festung ihr Todesurtheil erwarteten. Beim
Einlaufen der Schiffe sah er an beiden Seiten des Flusses die Galgen^
an denen die „Verbrecher'^ noch hiengen. Am 24. August zog er mit
seiner Mannschaft in Procession in die Kirche. Es kam sogleich zum
Kampfe. Bobadilla Hess den Colon ohne Verhör in Ketten schliessen.
Colon, sein Bruder Diego und die übrigen Gefangenen langten im Ko
vember 1500 in Cadix an. Colon litt nicht, dass seine Ketten ihm ab-
genommen werden*). Die „Könige'^ befanden sich in grosser Ver-
legenheit. Colon wurde sogleich freigelassen, und ihm ein Gescheuk
von 2000 Thalern überreicht. Als er am 17. December zu Granada
vor den „Königen^^ das Knie beugte, erstickte Schluchzen seine Stimme.
Die „Könige^' leugneten jede Theilnahme an Bobadilla's Verfahren, und ',
sicherten dem Colon den Genuas all* seiner Würden und Vorrechte zu. '
Iticolaus de Ovando, Ritter von Alcantara, wurde am 3. September
1501 zum Statthalter von Espanola ernannt*). Um Gold und Perlen
zu finden, schiffiben sich mit ihm 2Ö00 Spanier auf 23 Schiffen ein.
Am 13. Februar 1502 fuhr die Flotte von San Lucar aus, und erreichte
noch im April Espanola. Unter den Ankömmlingen war BarthoL Las
Cdsas, der nicht Gold und Perlen, sondern das Heil der Seelen suchte.
Colones Colon selbst verliess am 9. Mai 1502 mit vier Schiffen und
Fahrt ^^^ Matrosen Cadix, und erreichte Martinique am 15. Juni. Am
1502-4. 29. Juni erschien er vor S. Domingo, aber der Statthaitor Ovando ver-
bot ihm zu landen oder seine Schiffe auszutauschen. Um diese Zeit
verlor Bobadilla auf der Rückfahrt nach Spanien durch einen Sturm
sein Leben. Als Colon diess erfuhr, „glaubte er zu ergrunden, dass
eine höhere vergeltende Gewalt zur Vollstreckung einer Sühne an seinen
Beleidigem sich erniedrigt habe"').
Er erreichte auf dieser Fahrt die Halbinsel Yucatan. Er gelangte
zur Landenge von Costarica und Panama. Er meinte, der Fluss Ganges
sei von da noch 10 Tagereisen entfernt, indem er die Südsee für den
*) Er bewahrte sie als Reliquien, sngleioh als Andenken an den Undank der
Könige. Sein Sohn Fernando sah sie stets in seinem Cabinete; Colon wollte sogar,
dass sie ihm in's Grab folgen sollten. (Vida delAlmirante [s. Vater's]; it«lleni>ch
1571, cp. 86).
») Navaftete, t. 11, nr. 138.
») Oscar Peschel, S. 367. Er schrieb an König Ferdinand: Grande tiempc
ha, que Dios nuestro Sefior no moströ milagro tan pnblioo. Las Casas, HIstorifl
ms. II, 37,
Colones lezte Fahrt, sein Tod und seine Persönlichkeit. 105
Meerbasen vod Bengalen hielt Diese vierte Fahrt war voll von Ge-
fahren und Nothen, ohne sehr erhebliche Resultate. Am 2. Januar
1504 brach eine neue Empörung gegen den auf Jamaica weilenden
„Admiral'^-aus. Nur wie zuföUig erfahren wir, dass damals in S. Do-
mingo regelmässiger Gottesdienst und Predigt gehalten wurde *). Ovando
schickte dem bedrängten Colon erst dann ein Schiff zu Hilfe, als die
Frediger von den Kanzeln herab ihn angriffen. Am 9. Mai kam es
zam £[ampfe der Spanier auf Jamaica unter sich. Am 13. August ge-
langte Colon wieder nach S. Domingo, wo damals Hernan Cortes
weilte, der künftige Eroberer Mexico's. rt^BLS aufgehende Gestirn wan-
derte an dem untergehenden vorüber^ , ohne dass sie sich gegenseitig
kennen lernten.
Schon erkrankt reiste Colon am 12. September ab, und erreichte
im November den Hafen von Cadix. Auch er brachte seinen Gegner
Branc de Porras als Gefangenen in Ketten nach Spanien. Porras und
sein Bruder wurden zu Sevilla in Freiheit gesezt. Bis zur lezten Zeit
hatte Isabella den „Admiral* in jeder Weise unterstüzt. Für ihn war
darum ihr am 5^6. November 1504 erfolgter Tod der schwerste Schlag,
Von dem berechnenden und kalten Ferdinand konnte er weniger er-
warten. Im Mai 1506 kam er nach Segovia zu Ferdinand. Er wurde
höflich behandelt, und bezog, wie früher, den zehnten Theil der Kron-
einkünfte aas der neuen Welt. Aber die von ihm ersehnte Wiederein-
seznng als Vicekönig verschob der König bis zur Rückkehr seiner
Tochter Juana. Ferdinand bot ihm gegen Abtretung seiner Ansprüche
eine Grafschaft in Castilien. Colon nahm den Tausch nicht an. Auch
nahm er weitere Einnahmen aus der neuen Welt in Anspruch. Im
April 1506 landeten Philipp von Flandern und seine Gemahlin Juana
im Hafen von Coruna. Schon damals war Colones Krankheit unheil-
bar. Am 17. Mai 1506^ am Tage der Himmelfahrt des Herrn, starb
er in Valladolid. Seine lezten Worte waren: „In deine Hände, o Herr,
empfehle ich meinen Geist."
Gott hatte ihn auserwählt, die neue Welt zu finden. Gott hatte za ««^i-
68 gefogt, dass diese neue Welt zunächst von einer Nation beherrscht ^^^^^^
werden sollte, die von der einen und wahren Kirche nicht getrennt atik.
wurde, von einer Nation, welche tausende muthiger und standhafter
Glaobensboten, neben den goldsuchenden Abenteurern, in die neue Welt
sandte. In einer von Colon hinterlassenen Handschrift, genannt das
3uch der Prophezeiungen", hatte er dafür die Beweise gesammelt»
dass die Erde im Jahre 7000 nach ihrer Schöpfunjr, nach alphonsistischer
Berechnung des Weltalters, im Jahre 1656 nach Chr. untergehen werde.')
') Loa Casas, Historia etc. I. II, cp. 86 ms.
*) NatooTäUj II, nr. 140.
106 Dreizehntes Bnch. Zweites Kapitel.
„Seit wir, im Besiz seioes schriftlichen Nachlasses, dem grossen Manne
menschlich näher treten dürfen , entdecken wir betrübt, dass ihm die
AchtoDg vor den Rechten seiner Mitgeschöpfe fehlte. Er brachte nach
portugiesischem Vorbilde reissende Hnnde zur Menschenjagd nach der
neuen Welt, deren Urbevölkerung er als den wahren Keichthum des
Landes '), deren Freiheit er, gleichsam wie ein unbesessenes Gut, als
Eigentbum des ersten Finders ansah, die er zu Frohnden auf den
Pflanzungen und in den Goldländern abrichtete, und deren völliges Er-
löschen er dadurch verursachte. Schmerzlich ist es, dass er nicht zu
den Edlen seines Zeitalters zählte, die, wie Isabella und die wackem
Dominikaner auf Espanola, fiiir die Menschenrechte der Urbevölkerung
sieh regten und litten. Einer Verstimmung kann man sich nicht er-
wehren, wenn der grosse Mann auf jedem Blatte seiner Geschichte
aus schwer zu sättigender Gewinnsucht immer von Monopolträumen
und fiskalischen Trugbildern gedrückt wird^^^). Er starb mit dem Ge-
fühle, unbilligen Fürsten gedient zu haben. Er selbst hatte bis zu
seinem Tode keine Ahnung, dass er eine neue Welt entdeckt Denn
Cuba hielt er för eine Provinz von China, Espanola aber iiir Japan.
Er meinte, die Erde sei lange nicht so gross, als der Pöbel glaube.
Seine Gebeine in dem Cartbäuserkloster zu Sevilla ehrte König Fer-
dinand mit der Inschrift: „Castilien und Leon — Eine neue Welt
gab Colon.^ Später wurden diese Gebeine in den Dom von S. Do-
mingo übertragen. Seit der Abtretung der Insel Haiti ruhten sie —
seit 19. Januar 1796 — unter einer einfachen Marmorplatte in der
Cathedrale zu Havanna«
§. 11.
Colon hatte zwei Brüder und zwei Söhne. Die Söhne waren
D. Diego, genannt der zweite Admiral, und D. Fernando, der später
Priester wurde, und zu Sevilla am 12. Juli 1539 starbt mit Hinterlassung
einer Bibliothek von 12.000 Bänden. D. Diego zog am 9. Juli 1509
als Vicekönig der Antillen in S. Domingo wieder ein. Aber er konnte
seiner Vollmacht keine Anerkennung verschaffen. In den Jahren 151 f>
— 1520 weilte er in Spanien, um sich seiner Gegner zu erwehren. Im
Jahre 1520 kehrte er nach Espanola, und im Jahre 1.^23 wieder nach
Spanien zurück. Er erwarb sich hier die Gunst CarPs V. Er ging
von Toledo nach Sevilla, um sich in sein Vicekönigreich wieder ein-
') T.ns .Indios licafa isla Espaiiulii cran y son la tiqiieza dellx. Denkschrift
vom Jahre 1505, bei Las CaaaSf IIb. 11, cp. 37.
') Ose. Peschd, S. 396.
1
AnBsterben der Eiogcbornen. 107
zuschiffen, als ihn am 23. Febraar 1526 za Montalban der Tod ereilte.
Sein sechsjähriger Sohn D. Luis war sein Erbe. Durch die kluge
Energie seiner Mutter D. Maria von Toledo wurde D. Luis zum Her-
zoge TOD Veragua, zum Markgrafen von Jamaica, zum indischen Ad-
miral, spater noch zum Generalcapitän von E^spanola ernannt, und
erhielt eine erbliche Abfindungssumme von 1 0.000 Ducaten. Die Apa-
nagen fSr seine Geschwister übernahm der Staatsschaz. Man kann
nicht sagen y dass Spanien undankbar an Colon und seiner Familie
handelte. D. Luis starb im Jahre 1572. Im Jahre 1576 erlosch die
legitime männliche Linie des Entdeckers.
§. 12.
Bisher war für die Christianisirung der Indianer so viel wie nichts
geschehen. Die Urbevölkerung Espatiola's verschwand nach 1504 mit
erschreckender Schnelligkeit. Bei der ersten genauen Zählung von
1508 fand man noch 65.000 Köpfe. Im Jahre 1510 fanden sich noch
46.000 Ureinwohner, im Jahre 151:^ nur noch LO.OOO, im Jahre 1514
nur noch 13 — 14.000 Köpfe') Benzoni, der um das Jahr J541 nach
Westindien kam, glaubte nur noch au 150 Eingeborne auf der Insel
ZQ finden. Kach Oviedo wurden um das Jahr 1548 nur noch 500 Per-
sonen des alten Geschlechts gefunden. Mit Ausnahme der caraibischen
Inseln war die Sterblichkeit auf den Antillen dieselbe, wie auf Espa-
iiola*). Die Urbevölkerung Cuba's war im Jahre 154S schon erloschen.
Von üuba und den Incayischen Inseln verpflanzte man von 1508 an
Einwohner nach Espanola'). Das allmählige Verschwinden der Urein-
wohner in Nordamerika und der Inseln der Südsee schüzt die Spanier
gegen den Vorwurf, dass lediglich oder doch besonders durch ihre
Schuld die Eingebomen Westindiens so schnell ausstarben. Als Capitän
Cook im Jahre 1779 die Sandwichinseln besuchte, schäzte er die Zahl
*) La» Catas, lib. II, cp. 51. III, cp. 2, 35, 93.
') J^V. Lopez de Oomara, Historia de la lodias, 1553, cp. 51. -- Era Cuba
oiny poblada de Indios ahora no ha sino Espafioles..
*) Wohl waren die ersten Entdecker und Ansiedler die Urheber (abor niclif,
Vollbringer) dieses Völkertodes, doch trifft sie nnr die sittliche Schuld, den Proocss
beschleunigt zn haben, denn wir gewahren jezt, erwärmt von einem mildem (!!) Zeit-
alter, dass beinahe ohne Gewalt ^hOrt!) auf dem nordamerikanischen Festlande, und
aaf den Inseln des stillen Meeres, namentlich der Sandwichs- und der Gesellschaf is-
gruppe die Urbevölkerung unrettbar dem Grabe zueilt Dieses Abschiednehmen
ganzer Ba^n beim Erscheinen verfeinerter und stärkerer Völker erfolgt dort so
ttchtbar nnd doch so geräuschlos, dass es uns an die Vorgänge geologischer Zeit-
alter mafanty wo die Natur mit bedächtiger Hand die verbrauchten Formen belebter
Wesen hinwegräumte* (FeschüJ.
108 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
Dievöi. der Einwohner aof 400.000 Seelen. Vancouver scbäzte sie im Jahre
iLt: 1792 auf 300.000 Seelen. Im Jahre 1823 zählte man 142.000 Be-
wohner. Im Jahre 1832 zahlte man noch 132.000, im Jahre 1836
100.000 Seelen. Im Jahre 1837 wurden 3.335 geboren, während 6.838
starben. Im Jahre 1849 ergab die Zählang nicht ganz 79.000. In
diesem Jahre waren 6500 mehr gestorben, als geboren.
Grund der Abnahme war theils der allgemeine, nach welchem die
Ureinwohner neben civilisirten Völkern überall schnell aussterben, theils
die harte Religion der dortigen Methodisten. — Auch auf Neuseeland
war das Ende der protestantischen Missionsversuche das „Völker-
grab** *).
Es ist aber unbestreitbare Thatsache, dass, während auf den In-
seln Westindien's die Ureinwohner rasch ausstarben, unter der Herr-
schaft der Spanier, dieselbe Urbevölkerung auf dem Festlande Amerika's
nicht bloss fortbestand, sondern sich vermehrte. Warum? Ersiere
starben zu einer Zeit aus, in der sich die erhaltende Macht der Kirche
in Westindien noch nicht zeigen konnte. Nicht die Spanier haben die
Indianer des Festlands erhalten, sondern die katholische Kirche. In
Nordamerika herrscht das traurige Sprichwort: „Es ist die Bestimmung
(the destin) der Wilden (durch die Culturvölker) vom Erdboden hin-
wegcultivirt zu werden.^ In Mittel- und Südamerika standen Einge-
bome und Eingewanderte unter dem Einflüsse derselben Kirche, und
es war das Loos der von Californien bis Patagonien wohnenden In-
dianer, auf dem Erdboden erhalten zu werden.
Während man Mitleid hat oder heuchelt mit den Urbewohnern
der Antillen, betrachtet man den Untergang der Indianer in den Ver-
einigten Staaten als eine selbstverständliche Sache, über die man, als
eine Natumothwendigkeit, nicht trauern dürfe. Die ^^Rothbäute'' seien
^er- ja zum Verschwinden vorherbestimmt. Wahr ist es, dass durch die
dlJ^dw Grausamkeit der Spanier in der ersten Zeit die Bewohner der Antillen
Roth- früher ausstarben, oder ausgerottet wurden, als es sonst geschehen wäre.
Denn jene Eingebornen halfen selbst dazu. Sie begingen au sich einen
„Ra9enselbstmord^. Die Frauen gelobten einander^ unfruchtbar zu
sein; durch die ihnen wohlbekannten Pflanzengifte tödteten sie die
Leibesfrucht. Die noch lebenden verkürzten sich, oft in ganzen Gesell-
Bchaftien, das Leben durch den Genuss des schnell tödtenden Manioc-
*) Ausland, 1845, S. 988. Historischpolit. Blatt. Bd. 37, S. 291. Bd. 3S,
S. 62—94; 187-202. The Island World of tho Pacific, by ff. T. Cheeoer, New-
York, 1851. Dort warden die Missionäre ^iLandfresser" genannt. Ein H. Williams
besass 11.245 Jaucheit, ein anderer 40.000, ein dritter 50.0 K) Ac.-cs auf NeiiseeUnd.
— Auf den (resellschaftsinseln sind im Gefolge der Missionäre Trunksucht, l>&gbeit
und alle Laster eingezogen, welche die Völker hinsterben machten.
Die Dominikaner In S. Domingo 1511—15! 2. 109
«
saftes, oder durcii die Dämpfe giftiger Pflanzenstofie, die man neben den
Hängematten anzündete. Auf Cuba wählten grosse Menschenmassen
den Tod dnrch Erhängen. Nicht bloss Familien, sondern ganze Dörfer
luden sich zum Selbstmorde ein').
Seitdem die vorher soi^los heitern Indianer für die Spanier ar-
beiten mussten, hatte das Leben keinen Reiz mehr für sie. Weniger
jedoch der Arbeit als dem Clima erlagen sie, da sie von der sonnigen
Küste weg nach dem rauhen Goldland Cibao versezt wurden. Wohl
brachen mildere Tage für sie an. Aber die schwarzen Blattern rafften
im Jahre 1518 den Rest der Ueberlebenden wog'). Von Espanola ver-
breitete sich die Seuche nach Cuba. Durch einen Neger kam sie nach
Mexico, um die Zeit, als der Herrscher Montezuma ermordet wurde
(30. Juni 1620),
§.13.
So furchtbar rächte es sich, dass von 1492 — 1510 weder den Indianern
das Evangelium gepredigt wurde, noch die Spanier regelmässigen Gottes-
dienst hatten. Wohl waren ziemlich viele Franziscaner auf Espanola erschie«
Den. Sie führten dort ein erbauliches Leben, aber waren weltlichen Dingen
ganz al^ewendet. Erst am Ende des Jahres 1510 kamen Dominikaner').
Sie sahen den Greud der Verwüstung unter Spaniern und Indianern«
Schon im Jahre 1511 gelobten sie einander, den Indianern zu Hilfe zu
kommen. Juan Garces hatte eine vornehme Indianerin geheirathet, sie
aber aas Eifersucht erstochen. Die Angst vor den Gerichten trieb ihn
in die Gebirge, die Reue nach einigen Jahren zu den Dominikanern.
Nach einiger Zeit nahmen sie ihn an. Beredt schilderte er ihnen die
furchtbaren Leiden der Indianer. — Die Dominikaner schlössen unter sich
einen Vertrag, den alle unterzeichneten. P. Antonio Monierino wurde
auserwählt, den kühnen Feldzug gegen die Pflanzer zu eroffnen. Man
lud za einer Predigt am ersten Sonntag im Advent (1511) ein. Mit
glühendem Feuer schilderte der Redner die Leiden der Indianer und
die Grausamkeit der Spanier. Als er aber geendet, war die Versamm*
lung mehr betroffen, als erschüttert. Unter dem laut werdenden Un-
willen konnte man kaum das heilige Opfer feiern. Die au%eregte
Menge zog dann vor den Pallast des Vicekonigs Diego Colon, und
verlangte die Bestrafung des verwegenen Mönchs. D. Diego untcr-
') Las CcucLs, L III, cp. 81 ms.
*) Petrus Martyr, de erbe novo Decad. IV, cp. 10.
*) Las Casa^^ II, cp. 84 ms.
*) C. Balufftj das vormals spanische Amerika, deotsch , Wien, 1848, I,
S. 101—103.
110 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel
handelte mit dem Vicar der Dominikaner. Zam Widerrufe war Mon-
tcsiuo nicht zn bewegen, aber er Teraprach, dass er seine Predigt besser
erläutern werde. Eine noch zahlreichere Menge kam in die Kirche.
Er widerrief nicht , sondern wiederholte alle Behauptungen mit schla-
genden Beweisen. Die Ansiedler wandten sich jezt an den König,
nnd bestürmten die Franciscaner, sich des Rechtes und der Ordnung
anzunehmen. Diese sandten den Bruder Alonso de Espina zur Ver-
theidigung der Ansiedler an den Konig. Auf demselben Schiffe fuhr
auch Moutesino nach Spanien.
Die Do- Y)ie Fortdauer der Kroneinkünfte hini? auch von der Fortdauer
ner der jezigen Zustände ab. * Die Pflanzer hatten an dem Rathe von In-
«t!^"^ dien eine starke Stüze. Mit halber Gewalt erzwang sich Montesino
Gehör bei Konig Ferdinand. Es gelang ihm, denselben zu erschüttern.
Ferdinand berief einen Rath seiner Theologen und Juristen. Dieser
erklärte zwar die Indianer als Freie, rieth aber, sie zu einer massigen
Arbeit gegen Taglohn anzuhalten. Schon Isabella hatte diess befohlen
(20. December lÖOö). Je 8 — 9 Monate im Jahre sollten sie dienen,
je 3—4 Monatje durften sie zu Hause ihre Felder bestellen. Nar
5 Monate im Jahre durften sie zu den schweren Arbeiten in den Berg-
werken verwendet werden. Sei eine Züchtigung nothwendig, so müsse
man sich an den Visitator wenden, welches Amt Ton der Krone zniu
Schuze der Indianer eingeführt wurde.
Von jezt an wurden die s. g. Repartimientoe oder Belehnangen
(Commenden) mit Leibeigenen ertheilt. Der Jahreslohn eines Indianers
war ein halber Gastellano (4 Gulden). Ein solches Formular der Ueber-
gäbe lautet: „Es werden Euch N. N. hiemit so und so riele Indianer
in dem Dorfe N. als anvertrautes Gut übergeben, und Ihr erhaltet die
Vollmacht y derselben Euch zu bedienen in Eueren Bergwerken und
auf Eueren Grundstücken, zur Gewinnung des Goldes und anderer
Betriebsarten (Metalle); unter der Bedingung, sie in der christlichen
Lehre und den übrigen Elementen des heiligen katholischen Glaubens
zu unterrichten. Hiemit entbinde ich das Gewissen S. M. unseres
Königs und das meinige von ajler Verpflichtung'^ (i. e. Schuld). £in
anderes Patent vom Jahre 1514 sagt u. a.: ,,Ihr sollt wissen, dass Gnch
diese Indianer im Fall der Nichtbeobachtung der königlichen Verord-
nungen weggenommen werden sollen; Ihr zudem den andern Strafen
verfallen werdet , welche in der Verordnung (zum Schuze der Indianer)
ausgesprochen sind/^ Aehnlich hat auch Franc. Pizarro in Peru ini
Jahre 1541 die Indianer vertheilt Es wird u. a. verlangt, dass Priestor
berufen werden, zu denen die Kinder der Kaziken zu führen seien
*) Las Caaat, II, cp. 14, IH, cp. 4 ms.
Westindien. 111
damit sie in der Keltgion unterrichtet werden ^). Es war eine Art von
Sklaverei, der die Indianer durch diese Vertheilungen anheimfielen. Es
hing von der Menschlichkeit der Herren ab, ob die Indianer ganze
oder halbe Sklaven waren.
£twa ein halbes Jahrhundert lang gab es im spanischen Amerika p^*
eine doppelte Sklaverei, die gesezlich erlaubte Kriegsgefangenschaft, n^o^Jn
ond den Missbrauch mit den Repartimientos. La$ Qutts nennt die in «»"^ ^^
denselben befindlichen Indianer geradezu Sklaven. Der Dominikaner rJ.**
MeUndez gesteht , dass ihr Loos wenig v/ou dem der Sklaven ver-
schieden war« Ja der Jesuit J. Ca8$ani halt ihr Loos noch im sieben-
zehnten Jahrhundert druckender, als das der Sklaven*). Die Regierung
hoffte durch die Einrichtung der Commenden die Bekehrung und Civili-
sirong der Indianer zu erreichen. Die Commende war in den ersten
50 Jahren Ton der Sklaverei wenig verschieden. Je mehr aber die
christlichen Elemente unter den Ansiedlem sich stärkten, je mehr Orden
und Priester sich den Missionen widmeten, eine um s^ humanere Ge-
stalt nahm das Commendenwesen an. Die Eingebomen starben nun
nicht mehr aus, sondern wurden erhalten. Noch im Jahre 1541 musste
man den Verkauf der anvertrauten Indianer bei Verlust der Commende
verbieten'). Die Männer mussten in die Bergwerke wandern, wie einst
im Alterthum die Verbrecher, Weiber und Kinder bestellten die Aecker,
oder mussten grosse Liasten tragen. Selten konnten die Getrennten
sich wieder sehen. Die erste Zeit der Indianersklaverei endet mit der
Denen Colonialgesezgebung des Jahres 1542. — Die grosse Zahl der
Kriegsgefangenen verschlimmerte damals noch die Lage der Indianer
in den Commenden, weil ieztere zum grossen Theile wie die erstem
behandelt worden.
§. 14.
Im Jahre 1500 waren sechs Missionäre, unter ihnen der Francis-
caner Juan Trassiera, im Jahre 1602 — lO Franciscaner unter der
Leitung des P. Alfons del Espina nach Westindien gezogen. Für das
*) Gegeben in der Stadt der Könige (Lima) am 28. Mai 1541. — Llorente^
oeovres de Los Ccuom^ 1821, 1, p. 179. — Cqj. Balujfi, das vormals span. Amerika,
1818, 1, S. 95 — J, Margrafs Kirche und Sklaverei seit der Entdeckung Ameri-
b's. Tfib. 18t 5, S. 19.
*) Juan Meiendez, Tesoros verdaderos de las Indias, en la historia de la
gnn provineia del Pero. Borna, 1651, 5 fol. T. I. 1. I, cp. 4: qno era tcnetlos en
poco mcnos qne eselavos. — Cassani^ Jos,, Historia de la provineia de la Com-
pa&ia de Jesu del nuevo reyno de Qranada en la America, — do ens mistones en
el reyno — y rio de Orinoco. Madrid, 1741, fol. p. 103.
*) Beoopiladon de leycs de los reinos de las Indias, 5 edic, Madrid, 184L
lib. VI, tit. IX, ley 1. '
112 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
ZuätaDdekommen dieser Mission hatte sich der Cardinal Ximenes sehr
bemüht'). — In ihrem Testamente hatte Isabella ihren Nachfolgern
eingeschärft, das Werk der Taufe und Bekehrung der armen Indianer
mit allem Eifer zu betreiben, sie mit aller Güte zu behandeln, alles
Unrecht wieder gutzumachen, was sie an ihren Personen oder ihrem
Eigenthum erlitten hatten. Aber unter den Statthaltern Diego Colon
und dessen Nachfolger Albuquerque machte die Bekehrung der Indianer
eher Rückschritte ^). Vergebens wurden Kirchen gebaut, vergebens
auch ßisthümer gegründet. Ein Kazike erklärte, er wolle nicht in den
Himmel kommen, wenn auch die Spanier sich dort einfänden«
Nachdem die Dominikaner im Jahre 1513 sich der Indianer mit
aller Kraft angenommen, erklärte König Ferdinand, die Repartimientos
seien u. a. gemäss einer Bulle Alexander's VL, welche den „Königen^
den Besiz der neuen Welt zusprach, in Uebereinstimmnng mit dem
göttlichen und dem menschlichen Rechte. Die Dominikaner mögen in
Zukunft sich massigen'). Mit diesem Bescheide kehrte der Prior Pedro
de Cordova, der nach Motesino zu dem Könige gekommen, nach West-
indien zurück. Vergeblich bat er für sich und seinen Orden nm einen
andern Wirkungskreis. Ihm selbst wurde erklärt, dass er für seine
Person unentbehrlich in San Domingo^) sei. — Da aber die Willkübr
nicht nachliess, Hessen auch die Klagen der Dominikaner nicht nach.
§. 15.
Bartkolomävs de Las Cäsas wurde im Jahre 1474 zu Sevilla ge-
boren. Er war im Jahre 1502 nach S. Domingo gekommen, erhielt
im Jahre \6U\ 36 Jahre alt, die Priesterweihe, und war zuerst Seel-
sorger von 2anguarama. Als Rathgeber des Statthalters Diego Velas-
Die An- quez wirkte er kräftig zum Schuze der Indianer. Seine eifrigen Pre-
des Ha digten gegen die neuen Vertheilungen durch Albuquerque und dessen
<^**"* Nachfolger Ibarra (lölö) hatten geringen Erfolg. Er selbst hatte sich
von Velasquez mit Indianern belehnen lassen, auf welche er jezt ver-
zichtete. Mit D. Renteria beschloss er zum Schuz der Indianer an den
Hof zu gehen. Troz der erhaltenen Verweise gingen ihm die Domini-
kaner hilfreich an die Hand. Der Vicar Gutierre de Ampudia wollte
*) Herrera, Historia (Descripoion) de las Indias occideDtales, Decss I, V,
c. 1. — Wash. Irving, Leben des Columbaa, XIII, 1. XVI, 8. — Wadding^
annale« Mmorum, t. XV, p. 229, nr. 2; p. 247, nr. 3; p. 248, nr. 4. — HefeU^ der
Cardinal Ximenes, 2. Aufl., 1851, p. 483.
«) PrescoU, Th. II, p. 365.
*) HerrerOy Deoas I, üb. IX, cp. 14,
*) HerrerOf l. oit
Lfts Camui in Spanien in den Jahren 1516 — 1517. 113
ihn nach Spanien begleiten^). Las Casas erschien noch 1515 in Sevilla.
Seiner nahm sich der Erzbischof Deza an, der sich auch Colon's an-
genommen hatte. Auf dessen Empfehlung erhielt er eine Audienz zu
Plasencia. Ferdinand Tertrostete ihn auf eine zweite Audienz in Se-
villa, starb aber auf dem Wege dahin, 23. Januar 1516. Der Keichs-
rerweser Ximenes Hess sich von Lob Cobo» Bericht erstatten. Ximenes
entschied, dass nicht Beamte, sondern Mönche anf Espanola die Lage
der Indianer bestimmen und verbessern sollten. Zwölf der bewährtesten
Hieronymiten wurden ihm zur Verfugung gestellt, von welchen La$
Caaai drei der tüchtigsten auswählen durfte. Er wählte den P. Bernar-
din de Manzanedo, den Prior Luis von Figueroa, und den Prior Juan
de Ortega. Loa Casaa erhielt den Titel eines „Beschüzers der Indianer^^
mit einem Gehalte von 100 Pesos. Den Commissären wurde der Li-
centiat Alfons Zuazo beigegeben^).
Gerade damals trafen 14 Franciscancr aus der Picardie, fromme ^'*°°^""
' canar-
and gelehrte Männer, in Spanien ein, um sich den Missionen in West- &iigaio-
indien zu widmen. Sie standen unter dem P. Remigius , der schon ^^^ ^^'
früher in Indien gewesen. Ein Bruder des Königs von Schottland reich,
war anter ihnen. Ximenes sorgte für ihre Fahrt nach Espanola. — Er
befahl ferner, dass fortan kein Schiff auf Entdeckungen u. s. w. aus-
Unfen dürfe, das nicht von Priestern begleitet wäre.
§. 16.
Bereits waren Negersklaven nach Westindien verkauft worden,
welche sehr gesucht waren, da ein Neger so viel als vier Indianer ar-
l>eitete. Um diese Zeit wurde dem Cardinal der Vorschlag gemacht,
den Negerhandel zu erlauben. Las Casaa sprach sich erst im Jahr®
1517 dafür ans, als bereits zahlreiche Neger in Westindien waren.
Ximenes aber verbot unbedingt deren Einfuhr'). — Die Patres-
Commissäre reisten am 13. November 1516 ab, sie wollten aber nicht
Qiit Las Casas in einem Schiffe fahren, um unparteiisch zu erscheinen.
Der j,Licentiat^ Las Cktsas kam 13 Tage später auf Espanola an. Die niero-
Hieronymiten, welche am 20. December 15l6 angekommen, nahmen bei|||^^^^°
den Franciscanem Wohnung. Zunächst zogen sie die Bepartimientos miugo.
der in Spanien abwesenden Pflanzer ein. Die Anwesenden sollten sich
ier Indianer wie bisher, unter der Bedingung gütiger Behandlung, be-
dienen. Eine plozliche Freilassung der Indianer hielten sie für schädlich,
*) Hemra, Decas I, 1. X. cp. 12. Decas II, ]. I, cp. 11.
*) Hemroy Deeas II, 1. II, cp. 4—6.
*) Herreray Decas II, Lib. II, cp. 8. — W, Irving^ Anhang, nr. 26.
Ciuu, ^u. Slrdie. UI. 2. 3
114 Dreizehntes Bach. Zweites Ej^itel.
wegen der Trägheit und Indolenz der Indianer, die selbst ihrer Be-
kehrung zom Cbristcnthum im Wege stände. Mit aller Macht eiferte
dagegen Las Casas, nnd weil er Angriffe befürchtete^ zog er sich jede
Nacht in das Dominikanerkloster zurück ').
§. 17.
Um diese Zeit erschienen die ersten Bischöfe in Westindien.
Alexander Gerardino aus Rom, vorher Lehrer am Hofe von Castilien,
war erster Bischof von S. Domingo. Ximenes als Grossinquisitor er-
nannte die neuen Bischöfe zugleich als Inquisitoren für Westindien.
Als aber dieses Gericht den Indianern furchtbar zu werden drohte,
schränkte Carl V. im Jahre 1538 seinen Wirkungskreis auf die dort
lebenden Spanier ein, und die Indianer blieben von demselben befreit.
^^ ^*" Im Mai 1517 reiste Las Casas wieder nach Spanien. Ximenes war
MUS wIg*
der tn schou 80 erkrankt, dass er mit ihm nicht mehr verhandeln konnte. Las
Spanien, (7^^^ woUtc uun in Valladolid die Ankunft CarFs V. erwarten •). Die
1617. .
Hieronymiten sandten den P. Bernardin von Manzanedo zu ihrer Recht-
fertigung gegen die Klagen des Las Casas nach Spanten'). Dieser
unterhandelte nach dem Tode des Ximenes mit Job. Sanvage, CarFs
Kanzler, und andern Beamten desselben, die sich für Las Casas ent-
schieden. Die Hieronymiten und der Licentiat Zuazo wurden abbe-
rufen, Koderigo de Figueroa zum Oberrichter ernannt.
Inzwischen betrieb Las Casas die Einfuhr der Neger, und bean-
tragte, dass jeder Colonist zwei Neger und eine Negerin frei einfnhren
dürfe ^). Die neue Regierung ging, zur Schonung der Indianer, auf
diesen Vorschlag ein. Las Cascis konnte die Folgen seines Rathes
nicht ahnen. Ihm war es zunächst um Rettung und Erhaltung der|
schwachen Indianer zu thun. Aber ihren Untergang konnte diese!
Maassregel doch nicht verhindern. Ein Unrecht sollte das andere be-j
seitigen helfen. Gott selbst aber lenkte das an sich Böse, den gewalt-
samen Menschenraub zu dem Besten der Neger, indem es ihnen hier
möglich und vielfach leicht war, in das Reich Gottes auf Erden ein-
zugehen. Sie mussten ihre Heimath verlassen, um Kinder Gottes zu
werden. Dem Vorschlag des Las Casas traten die Hieronymiten am
22. Juli 1517 und im Februar 1618 bei^). Am 22. Januar 1518 bei
*) Herrera, Decas II, l II, cp. 16.
') Hpfele, 1. cp., Sorge des Ximenes für Amerika, S. 477—499.
*'•) Herrera^ Decas II, 1. II, cp. 10. — Llarente, oeuvres de Leu Casas^ 1,
p. XXIX.
*) Nach Navarrete^ T. I, p. 204^ zwei Neger and zwei Negerinen.
•) Navarrete^ T. I, p. 293.
Die fiinfahr der Neger. Gehilfen des Las Gasas. 1 15
antragte Zuazo von Espanola aus gleichfalls die freie Einfahr der
Neger. Dasselbe yerlaogte die Stadtbehörde von S. Domingo am <>*• ^«
Ü4. Janaar 1527. Bis zum Jahre 1778 dauerte die beschrankte Neger- '^"rou
einfiihr fort Entsprechend dem allgemeinen Verlangen wäre diese
Einfuhr auch ohne LtM Casas darchgedrungen. Diesen ergriff aber
später bittere Reue bei dem Anblick des Schicksals der Neger — über
seinen eigenen Vorschlag, „weil von den Negern dasselbe gelte, was
von den Indianern'^ ').
Der neue königliche Commissär Kodr. de Figueroa trat im Jahre
15 18 mit dem besondern Auftrage in Thätigkeit, das Loos der Indianer
zu mildem. Gleichzeitig gingen königliche Commissäre nach Cuba,
Paertorico und auf das Festland von Amerika*). — Kräftige Hilfe fand
Las Casw damals bei den acht Hofpredigem, die ganz in seine Pläne
eingingen. Nur der Bischof Juan de Fonseca machte eine traurige
Ausnahme; über dem Beamten der Krone vergase er den Bischof.
Als er den acht Predigern sagte, sie seien vom Konige als seine Pre-
diger und Bei<^htväter besoldet, erhielt er zur Antwort: |,Wir sind
bieher gekommen, ihr Herren, Euch zu ermahnen und aufzufordern -*-'
zur Abstellung der schweren Fehler und Ungerechtigkeiten, welche in
Indien zum Verderben so vieler Seelen und mit so vielen Beleidigungen
gegen Gott begangen werden. Wenn Ihr diese Dinge nicht abstellet,
so werden wir gegen Euch predigen, wie gegen solche, welche Gottes
Gebote nicht halten, und deren Handeln dem Dienste des Königs zu-
wider ist. Diess, ihr Herren, heisst das Evangelium predigen und es
befolgen.'^ Die Prediger griffen besonders das Commendenwesen an.
Sie fragten : „Welcher Konig hat je sein Volk gezwungen , mehr als
neun Monate für ihn zu arbeiten?^ Man solle die Indianer unter der
Leitung eines Spaniers frei in Dörfern zusammenleben lassen. Ihr Rath
wurde gehört, und nicht ausgeführt.
Einen Forderer seiner Plane fand Loa Casas auch an dem Cardinal
Hadrian. Dieser hielt vor dem Könige eine Rede über die Freiheit der
Indianer. Es wurde beschlossen, dass sie als Freie behandelt werden
sollten. Selbst Bischof Fonseca trat jczt zu Las Casas üben Dieser
schifte sich am 11. November 1520 mit 200 Ackerbauern ein. Aber
sein Golonisationsplan misslang, u. a. wegen des Eigennuzes der neuen
Colonisten') Ganz nneigennüzig waren nur die Mönche in den neuen
') Las Casas ^ Historia de las ludias, i III, cp. 101 ms. (Navarretef I,
p. 203.)
*) Llorente, oenvres do Las Casas, t 11^ p. 456.
*) Uarente^ II, p. 4S3. — Arthur Helps, tbe Spanish conquest in Ameriqne,
and its lelationB to the history of slavery, aud to the government of coloDies. Lond.
1861, 8 vor», t. II, p. 202, 210.
8*
116 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel«
Colonien, vor allen die Dominikaner. Im Jahre 1522 trat Lav Casus
selbst in diesen Orden ein, 48 Jahre alt*). Von da an bis zum Jahre
1530 tritt seine Persönlichkeit zarijck.
§. 18.
^^' Am 1. August 1524 wurde der Kath von Indien neu organisirt.
Indien" unter seinen acht Mitgliedern waren wenigstens vier Priester. Präsident
1624. wurde Garcia de Loaysa^ Erzbischof Ton Sevilla, und (1524) Cardinal.
— Luis de Figaeroa wurde Bischof von S. Domingo, zugleich Statt-
balter von Westindien und Präsident des königlichen Gerichtshofes.
Dieser Hieronymit starb aber schon J525 vor Empfang der Bischofs-
weihe. Seine Vollmachten übertrug Carl V. am 1. September 1025
vorerst den Obern der Dominikaner und Franciscaner. Besonders im
Jahre 1526 ergingen eine Menge von Verordnungen zum Schuze der
Indianer. Die Sklaverei derselben wurde unter Todesstrafe und Ein-
ziehung des Vermögens verboten, ebenso das Einbrennen der Marke
(herrar) zum Zeichen der Sklaverei. Alle in Spanien weilenden In-
dianer sollten als freie Vasallen der Krone zurückgesendet werden. —
Die Mönche und die „Conquistadoren^^ waren in diesem Kampfe
gleichsam die gebornen Gegner*). Auf einef Junt£i zu Barcelona, ge-
halten 1529 vor dem Kaiser, erwirkten die Mönche den Beschluss, dass
die Commenden und die Leibeigenschaft der Indianer aufhören, und
nur jene Sklaven werden sollten, welche nach empfangener Taufe an
einem Aufstande Theil nähmen, und Kriegsgefangene würden. Den
Dominikanern hatten sich in ihren Kämpfen jezt auch die Franciscaner
und Augustiner beigesellt. Vor dem Jahre 1529 war der Provinzial
O. S. Fr. Anton, von Ciudad-Bodrigo nach Spanien gekommen, um für
die Freiheit der Indianer zu wirken. Carl V. hörte die Klagen der
Mönche gnädig an. Er suchte den Uebeln durch entsprechende Ver-
ordnungen abzuhelfen. — Vielleicht, dass ohne diese Thätigkelt der
Mönche die Indianer (besonders in Mexico) überhaupt ausgestorben
wären *).
Sebastian Ramirez de Fuenleal^ seit 1527 der dritte Bischof von
S. Domingo, war wie sein Vorgänger Präsident des Gerichtshofes >
und sehr tbätig für den Schuz der Indianer. Im Jahre 1528 hatte er
') Navarrete, T. I, p. 166.
') Herr er a, Decas IV, 1. VI, cp. 11.
') Torquemada,^ Juan de, Los Vjeiote j an libros ritnales y monarehia In.
diana, con el origen j gnerras de los Indios ocddentales, de sus poblaciones, —
conversion etc. Mndr., 1723. 5 fol. (Das vollständigste Werk Aber das alte Mexico;
frühero Ausgabe, Madr., 1613, 3 vol. 2").
Heilsames Wirken des Kleras. 117
die Freilassung der Indianer auf Haiti za überwachen. Er führte die
Greseze mit unerbittlicher Strenge durch. Mexico war in den Jahren
15i9 — 1530 durch Fern. Cortös für die Spanier erobert worden*).
Der Franciscaner Juan de Zumarraga war seit 1530 (1527) erster
Bischof Yon Mexico. Die Bischöfe von Neu - Spanien (Mexico) rich-
teten an Carl Y. die Klage, dass der Gerichtshof von Mexico unter
dem Vorsize des Laien Nuno de Guzman, troz ihrer Mahnungen, die
Geseze zu Gunsten der Indianer nicht ausführe. Man solle keine
Sklaven mehr aus dem Lande wegfuhren lassen, den Indianern den
Verkauf ihrer Kinder verbieten; sie verlangten gute Beamte als Yisita-
toren*). Carl Y. ernannte am 12. April 1530 den Bischof Kamirez
de Faenleal zum Präsidenten des Gerichtshofes von Mexico. Neue
Richter wurden ernannt, das Gebot erneuert, in keiner Weise einen
Indianer zum Sklaven zu machen. Ramirez erklärte in seinen Pre-
digten jede Misshandlung eines Eingebornen für eine Todsünde*). Bis
zom Jahre 1Ö32 schaffte er die Indianersklaverei völlig ab, auch die
der Caraiben; selbst durch Krieg durften die Indianer nicht Sklaven
werden^). In diesem herrlichen Werke wurde er unterstüzt durch den
Bischof Zumarraga, durch Yasco de Quiroga, seit 1Ö37 erstem Bischöfe
Ton Mechoacan, durch die Prioren der Dominikaner und Franciscaner
in Mexico, Mitglieder desselben Gerichtshofes, denen je zwei Ordens-
brüder beigegeben waren*). Yon dieser Zeit an hat, nach Herrercis
Meinung, die Sklaverei der Indianer in den spanischen Colonien auf«
gehört Ramirez musste nach drei Jahren Mexico verlassen, war aber
auch in Spanien stets bemüht für den Schuz der Indianer, wo er u. a.
Mitglied des Käthes von Indien war.
§. 19.
Der Bischof Juan de Zumarraga von Mexico, seit 1528 zugleich Mezieo.
nProtector^ der Indianer, fuhr mit grösstem Eifer für die Freiheit und
die Bekehrung der Indianer zu sorgen fort. Er wirkte für die Ab-
') Preseott, Will.^ Histoire de la conqaete de Mexique (Uebers.), Paris, 1846,
3 voll
•) Herrera, Deoas IV, L VI, cp. 9. — TarquemadOj I. V, cp. 7.
*) Uarenie, t I, p. 374, 830.
*) Herrera f Decas IV, 1. IX, op. U. DecasV, l.I. cp. 6« — Torquemada,
^ V, cp. 10.
*) Herrera, D. V. 1 I. ep. 6. — Oanz. Datnla, Te&tro edösiastieo de la
igleBia primlttva des las Indias occidentales , 2 tom. 2*. Madr, 1649 — 1655, t I.
p. 107^138. — Änt. Alcedo, Dicdonario de las Indias occidentales, 5 t, Madr.,
1786-1789. t ra, p. 187—143.
118 Drclzehnfea Buch. Zweites KApitel.
scbaffoDg des Commendenwescns, dieser Quelle des Uebels. Die Be-
sizer der Commenden sollten durch die Hälfte der Abgaben entschädigt
werden, welche die Indianer zn entrichten hätten '). Zumarraga weilte
im Jahre 1Ö32 in Spanien, wo er weitere Begünstigungen für die
Indianer erreichte. — Noch 16 Jahre wirkte er mit ungebeugter Kraft
fiir die Freiheit und Bekehrung seiner Schüzlinge. Im Jahre 1545
wurde er mit dem Pallium geschmückt, als erster Erzbischof von
Mexico, und starb, im Alter von 80 Jahren, im Jahre 1548^).
^•""- Peru wurde in den Jahren 1529—1541 durch die Brüder Franc,
und Gonzalo Pizarro und Diego de Almagro erobert. Als „Beschüzer
der Indianer^ wurde am 30. October 1529 der Dominikaner Hemanlo
de Lucque, und nach ihm Beginald de Pedraza — am 11. März 1531
— aufgestellt^. Aus dem gleichen Orden und in demselben Amte
^v^ folgte ihm im Jahre 1534 Vincent. Valverde , erster Bischof des am
vai- 4. September 1538 errichteten Bisthums Cuzco. Zum Schuze der Ein-
^°^**®' gebornen reiste auch er nach Spanien, und wartete 3 — 4 Jahre ver-
gebens auf einen günstigen Bescheid. Aus seinem Bericht an Carl V.
ersieht man, dass die Eingebqrnen wirklich zn Sklaven gemacht wurden.
„Eure Majestät", sagt er, „braucht die Eroberer nicht dadurch zu be-
zahlen, dass Dieselbe Ihre Unterthanen zu Sklaven macht^ ^). Valverde
predigte im Jahre 1542 auf der Insel Puna. Die Wilden aber todteten
ihn am Altare und verzehrten seinen Leichnam^). Aus Anlass des
Angriff auf Peru war auch Las Caeas^ der inzwischen in Haiti ge-
weilt, im Jahre lööO wieder nach Europa gereist. Die Feldherren Franc.
Pizarro und D. Almagi*o erhielten den strengen Befehl, die Indianer
nach ihrer Unterwerfung im Besize ihres Eigenthums und ihrer Frei-
heit zu lassen*). Mit zwei Ordensbrüdern ging Las Casas selbst nach
Peru^ um dort seinen Orden einzuführen. Nachdem der Erlass des
Königs dem Heere verkündigt worden, kehrte er zurück.
Biithttin j)||g Bisthnm Nicaragua in Central- Amerika wurde am 26. Februar
gaa. 1531 errichtet. Didac. Alvarez de Osorio, als „Beschüzcr der Indianer"
aufgestellt, wurde erster Bischof daselbst. Dahin kam auch Las Casas,
um an der Bekehrung der Indianer zu arbeiten. Der Statthalter Ro-
drigo de Contreras stellte ihrer Freiheit nach. Las Casas aber redete
') Arthur Hdps, the slavery, t. lU, 1. XIV, cp. 5, c. 8, p, 2i0.
*) Goncil. provincial. 111 Mexicanam, Mex. 1770 (cnm Serie arcbl^ptBCoporam).
— Torquemada, monarchia Ind., t III, p. 455.
') Melendez, Tesoros etc., T. ], 1. III, c. 2, 4, 7, p. 205.
*) Wilh, PrescoUj Eroberung von Fem (aus dem EngliBch.), 1847, Th. II,
P. IV. cp. 7.
*) Touren^ Ant, Histoire g^n^rale de rAmerique, t X, p. 45.
•) Melmdez, t I, I. I, cp. 6. — Helps, voL III, 1, XV, cp. 5. — p. 821.
Nicaragua; La» Casas, 1530—15)9. 119
den Soldaten desselben so lange in das Gewissen^ bis sie jenem den
Gehorsam in diesem Punkte verweigerten. Es kam vor, dass von
4(XX) Indianern, die bei einer Expedition das Gepäck zu tragen hatten,
uar sechs lebend zurückkehrten '). Last- und Zugthiere konnte man
anfangs in Amerika gar nicht haben. Erst der Präsident und Bischof
b'tbastian Ramirez in Mexico sorgte im Jahre 1532 für Herbeischaffung
kräftiger Hansthicrc zum Tragen der Lasten.
Verklagt von dem Statthalter Rodr. Contrcras kam Las Casas zu
seiner Vertheidigung wieder nach Spanien, kehrte aber in Bälde zu-
nick. Er unternahm eine Mission unter den wilden Indianern von
Tazniutlan im Gebiete von Mechoacan. Mit drei Ordensgenossen voll-
brachte er die Bekehrung dieser Wilden in den Jahren 1537 — 1539.
Das Land, von den Spaniern vorher „Land des Krieges" (tierra de
c;uerra) genannt, erhielt jezt den Namen „Verapaz"'*).
Vera
pas.
§. 20.
„Der Rath von Indien" entschied im Jahre 1533, dass die Ein-
wohner von Trinidad, Caraiben, welche vom Glauben abgefalleiu, zu
Sklaven gemacht werden sollten. Die Beschüzer der Indianer wandten
^icb jezt am Hilfe nach Rom.
unter den Bisthümern Mexico's war zuerst Tlascala oder Puebla ^*^'"
.le los Angelos am 4. Jannar 1519 errichtet worden. Erst im Jahre,:Xe
iiy'Jd trat der Dominikaner Julian Garces als Bischof ein. Er, Z.as*"^'®'^^
CaaaSy und Domingo de Betanzos sandten den Prior Bernardin de
Minayo nach Rom , wo er im Namens der Dominikaner die Sache der
Indianer vertreten sollte. Im Jahre 1536 sandte der Bischof J. Garces
tinea ausfuhrlichen Bericht an Papst Paul 111. (1534—1549). Er
nimmt die Indianer durchaus gegen die Vorwurfe der „Eroberer'^ in
Schuz, welche sie mit den Thieren auf eine Stufe stellen, und sie wie
Thiere bebandeln. Wenn die ludianer nicht frei seien, so können sie
aoch niebt bekehrt werden^). Paul III. schrieb am 29. Mai 1537 an
den Cardinal von Toledo, Juan de Tavera, damit er bei Strafe des
Bannes, den nnr der Papst, ausser in articulo mortis, losen könne, ver-
biete, Indianer zu Sklaven zu macheu. Mit Eifer nahm sich der
Cardinal der Freiheit der Indianer an. Am 2. Juni 1537 erliess der
Papst die berühmte Bulle: „Veritas ipsa, quae nee falli nee fallere
•) Hdps, vol. III, 1. XV, c. 5.
•) Hdps, t III, 1. XV, 0. 6, 1, 9.
*) S. Goneilios provindales celebrados in Mexico I— lU, ed. Lorenzana,
Mez. 1799—1770, T. I, p. 19.
120 Dreizehnfcs Buch. ZweifcB Kapifel.
polest" — an die gesammte ChristeDheit: „Die Wahrheit selbst —
sandte die Verkündiger der Wahrheit — zu dem Werke der Predigt:
Gehet hin nnd lehret alle Völker. Alle, spricht er, ohne irgend eine
Ausnahme, da alle der Zucht des Glaubens fähig sind. Als der Feind
des Menschengeschlechts diess wahrnahm, und die Menschen beneidete
hat er eine bis jezt unerhörte Weise ausgedacht, damit er die Predigt
zur Rettung der Heiden verhinderte; er hat einige seiner Genossen
bewogen, welche ihre eigene Habgier befriedigen wollen, dass sie dahin
Bulle wirken und lehren, dass die westlichen oder südlichen Indier und an-
1^7. ^^^^ ^^^^ ^^ nnsem Zeiten entdeckte Völker, unter dem Verwände, dass
sie keine Kenntniss von unserem Glauben haben, wie vemunfUose Thiere
zum Dienste der Menschen verwendet werden sollen, welche sie in der
Thal zu Sklaven machten, und sie mehr misshandeln, als die Thiere.
Wir aber, die Wir Christi Stelle auf Erden vertreten, die Wir
die Schafe seiner Heerde, welche sich noch . ausserhalb des Schaf-
stalles befinden, mit aller Mühe in denselben zu fuhren verlangen, in
Erwägung, dass die Indier selbst, als wahre Menschen, nicht bloss für
den christlichen Glauben empfanglich sind, sondern, wie uns berichtet
wurde, auch eifrigst zur Annahme des Glaubens herbeieilen, erklären
hiemit Elraft apostolischer Vollmacht durch diesen Unsern Brief, dass
diese Indier, und alle andern Völker, welche hinfort von den Christen
entdeckt werden sollten, wenn sie auch noch ausserhalb der christlichen
Kirche stehen, im Besize ihrer Freiheit und ihres Eigenthums bleiben
sollen, dass sie nicht zu Sklaven gemacht werden dürfen, dass, was
immer dagegen geschieht, ungiltig und nichtig sei, dass die Indier
selbst, und andere Völker durch die Predigt des Wortes Gottes und
das Beispiel eines guten Lebens zu diesem Christenglauben einzu-
laden seien.^
Dieser apostolische Ausspruch war entscheidend für die Freiheit
und Bekehrung der Indianer. Aehnlich entschieden und handelten die
Päpste Urban VIH, Benedict XIV, Pius VII. Am :^. December lcS39
Schrei- erlicss Papst Gregor XVI. ein apostolisches Schreiben , welches den
Q^'^p,, Sklavenhandel den Katholiken wiederholt untersagte. Er gibt einen
xyu T. Rückblick auf die Geschichte des Christenthums, dessen umwandelnde
Kraft vom Beginn an die Sklaverei gemildert und aufgehoben. Als
aber Indier und Neger zu Sklaven gemacht worden, haben sich u. a.
die Päpste Paul III. durch Schreiben vom 29. Mai 1537 und Urban VIH.
am 22* April 1639 dagegen erhoben. Ihnen folgte Benedict XIV.
durch Schreiben vom 20. December 1741 an die Bischöfe von Bra-
silien und anderer Gegenden; auch Pius VII. wendete seinen Einfluss
bei den weltlichen Herrschern an, dass der Handel mit Negersklaven
unter den Christen ganz aufhöre! Aufs Neue verbietet Gregor XVI,
dass Niemand es wage, Indier, Neger oder andere Menschen dieser
3. Dee.
1889.
Die Päpste gegen die Skluverei. 121
Art zn noterdrücken , sie ihrer Güter zu berauben, oder zu Sklaven
zQ machen, oder dazu mitzuwirken. „AU' Diess verwerfen Wir kraft
apostolischer Vollmacht als des christlichen Namens durchaus un-
würdig, Wir verbieten und untersagen, dass Geistliche oder Laien unter
irgend einem Vorwand oder einer Vorspiegelung diesen Negerhandel
ia Schnz nehmen oder sonst gegen das, was Wir durch diesen Unsem
apostolischen Brief vorgeschrieben haben, zu predigen, oder irgendwie
öffentlich oder privatim zu lehren wagen" ').
Es trat jezt auch in der Gesinnung der spanischen Laienwelt
eine heilsame Reaction ein. Die Mitglieder des indischen Rathcs
mossten sich fugen. Aber es bedurfle noch einiger Jahre, bis durch
die neue Colonial - Gesezgebung vom Jahre 1542 eine durchgreifende
Verbessenuig eintrat.
") BnOarium Benedicti XIV, t. I. BuUar, Oregorii XVI, Prato, 1857^
1 1 4*. — gesammelt (ausser dem Bericht des Bischofs Oarcis) — bei Margraf ,
Kirche and Sklaverei, 1865, p. (20—88), 218—230.
Drittes Kapitel.
Von der Eroberung Granada's Ms zum Regierungsantritte
«arl's V. (I), (J. 1492-1517).
§. 1.
Die Eroberung Grauada's war für die Königin Isabella keines-
wegs der Anfang neuen Glücks und ungetrübter Ruhe, Die meisten
Hofinungen und Freuden wandelten sich in bittere Leiden um fiir sie.
Sie hatte gehoiH, dass die spanischen Juden ihr irdisches Vaterland
so lieben würden, dass sie die Taufe der Auswanderung vorzögen.
Es war eine schwere Täuschung. Sie hatte gehofil, dass der Ent-
deckung der neuen Welt die Einführung ihrer Bewohner in die Kirche
Gottes sogleich folgen würde. Es war ihr nicht beschieden, die Be-
kehrung derselben zu erleben. An der Entdeckung der neuen Welt
erlebte sie wenig Freude, und viel, sehr viel Schmerz. — Die Wahl
des Spaniers Alexander VI. zum Papst am 11. August 1492, obgleich
sie den egoistischen Plänen Ferdinand's entgegenkam, war för Isabella
kein freudiges Ereigniss; „die Könige^ bezeugten keine Freude an dieser
Wahl, welche ihnen eher neue Stürme als ruhige Zeiten in der Kirche
zu verkündigen schien *), — Die Hoffnungen, welche Isabella auf die
um sie heranblühenden Kinder gesezt, sanken, die eine nach der an-
dem in ein frühes, trauriges Grab. Zuerst starb der Erbprinz D. Juan,
*) Petrw Martyr^ op. Epist (I); Ep. GXVIII, NuIIub in Regibos animi motus
ad laetttiam, nulla frontia sercuita«. Tempestatem potias in orbe Christiano qnam
tranqoilloB portas praesagire videntur. (O^c. Pescheli Zeitalter der Entdeckungen,
p. 280).
IsabclIa'H Tngendcn und Verdienste. 123
19 Jahre alt, am 4. October 1497 *)• Nach seinem Tode würde die
jnngere Isabella, Gemahlin Königs Manuel von Portugal, Thronerbin
in Spanien. Emmanuel Hess sich am IK Februar 1498 zu Toledo als
Thronerbe von Castilien huldigen *)• Am 24. August 1498 wurde der
Erbprinz D. Miguel zu Zaragoza geboren. Aber die Geburt des
Sohnes kostete der Mutter das Leben; der Prinz selbst starb schon
am 22. Juli 1500 zu Granada.
Jezt war Erbe der spanischen Länder Carl (V.), geboren zu
Gent am 24. Februar 1500, Sohn Philipp's des Schonen von Flandern,
und Johanna's von Castilien. An diesem Philipp erlebte Isabclla und
ihre Tochter Juana wenig oder keine Freude.
§. 2.
Isabella arbeitete mit ihren (4) Töchtern viel für den Schmuck '"'
nnd die Zierde des Hauses Gottes. Manche Kirche in Spanien freut Togen-
sich heute noch der Denkmale ihrer Frömmigkeit. Sie liebte die *^®°*
Zierde des Hauses Gottes, den Ort, wo thronet seine Majestät, und
jeden freien Augenblick beniizte sie, um das Haus des Herrn zu
schmücken, und seuae Zierde zu erhöhen. — Zu nicht minderem Ver-
dienste gereicht es ihr, dass sie in jener Zeit der Prunksucht und der
äussern Pracht, welche die Spanier überhaupt und besonders damals
entfalteten, sich der grössten Einfachheit und Sparsamkeit in Kleidung
Wohnung und Lebensart befliss. Sie war mit den Palästen zufrieden,
welche eine frühere Zeit gebaut, sie uuterstüzte aber den Bau von
Kirchen, Klostern, von gottgeweihten Stätten jeder Art
Von ihrem Vater D. Juan II. hatte Isabella auch die liiebe zu
den Wissenschaften, zu ernstem freilich^ als sie der „Schöngeist"
D. Juan IL cultvirte*), geerbt. Sie sammelte Bücher, und förderte
die Gründung und Erweiterung von Bibliotheken^). Noch als Regentin
erlernte sie die lateinische Sprache*). Sowohl in der Keuntniss der
*) Er wurde geboren am 20. Juni 1478.
•) S. oben Bd. 3, J, S. 31^— 3ö0.
•) V. G. 3, 1, S. 425.
•) H. FlareZy Beynas Catolicas II, p. 799. — Prescott, Histor. de los reyes
«tolico«, Madr., 1848, t. 4, p. 102. — Havemann, Darstellungen ans der Innern
Oeseh. Spaoien's; Göttingen, 1850, S. 135. — Hefele, Xlmencs (2. Aufl.), S. 95.
') Marineus Siculus, 1. c., I. 21 (ap. Schott y Hisp. illastr , t I, p. 506). —
f^ylgar, Groidca, I, p. 37: fablaba mny bien, y era de tan excelente ingenio, que
en eoam de tantos 6 tan ibrdaos negocios como tenia en la governacion de bus
^^ot, 86 diö al trabajo de aprender las letras latinas; ^ aleanzo en tiempo de
VI sfio über en eHaa tanto, qae entendia qtialqaier fabla ö eacriptara latina (Part.
H «p. 4).
124 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel
lateinischen Sprache als an geistiger Bildung überhaupt, überragte sie
weit ihren Gemahl. Fremde und einheimische Buchdracker wurden
ermuthigt und unterstüzt; Befreiung von Abgaben und andere Vor-
theile wurden ihnen zugewendet. Die Einfuhr von Büchern war frei.
Gute Schriften Hess sie wohl auch auf ihre Kosten drucken. Buch-
drucker waren aus Deutschland eingewandert. Aus Italien kamen Ge-
lehrte an ihren Hof, u. a. Antonio und Alessandro Geraldino (später
erster Bischof von S. Domingo). Petrus Martyr von Anghiera, der aus
Arona stammte, kam im Jahre 1487 aus Rom, Lucio Marineo aber
kam aus Sicilieu nach Spanien. Aelius Antonius von Lebrija (Nebrissa),
geboren 1442, zog, 19 Jahre alt, nach Italien, wo er die lateinische,
griechische und hebräische Sprache, und die Humaniora überhaupt
studirte in dem berühmten Colleg. S. Clemcnte der Spanier zu Bo-
logna. Auf den Ruf des Erzbischofs Alfons de Fonseca von Sevilla
kehrte er nach zehn Jahren zurück. Arias Barhosa studirte in Florenz,
und wurde Professor in Salamanca. Die beiden Geraldino waren Er-
zieher der Kinder Isabella's, welche für eine streng wissenschaftliche
Bildung derselben besorgt war. Erasmus bewunderte die Bildung der
jüngsten Infantin Catharina, die an den Prinzen Arthur, und spater
an dessen Halbbruder Heinrich VIII. von England vermählt war*).
Der Humanist J. Luis Vivls erzählt, dass selbst Johanna, genannt „die
Närrin", lateinische Beden aus dem Stegreife hielt*). — Dem Petrus
Martjfr wurde, nach der Eroberung von Granada, die Erziehung des
jungern Adels anvertraut. Eine mit dem Hoflager wandernde Academie,
gleichsam eine „schola palatina", wurde errichtet'). Petrus wurde
zwar Prior zu Granada, blieb aber am Hofe. Fast der ganze Adel
verdankte ihm seine Bildung. — Lucius MarineuSj früher Professor in
Salamanca, kam um das Jahr 1500 an den Hof, und wirkte zur Bil-
dung des Adels mit. Erasmus bezeugt von den Spaniern, sie hätten
sich im Laufe weniger Jahre in den freien Wissenschaften auf eine
so hohe Stufe erhoben, dass sie nicht bloss die Bewunderung der
gebildeten Völker Europa's erregten, sondern ihnen auch zum Muster
dienen konnten^). Männer aus den ersten Häusern waren Professoren
in Salamanca. Selbst Frauen hielten öffentliche Vorlesungen auf den
Hochschulen über Beredtsamkeit und classische Literatur^),
Salamanca soll damals 7000 Studirende gezählt haben. Als dort
Petrus Martyr im Jahre li88 Vorträge über Juvenal hielt, musste er
■} Erasmi epistolae, 1. II, 24. XIX, 3}.
') Vivhs, de institutione feminae christianae, üb. V, cp. 4, Antw., 1538;
(geschrieben auf Bitten Catharlna's von England.) — Prescott, t. IV, p. 105.
») Petrus Martyr, Opns Epiet, cp. 102, 113, Uö.
*) Erasmus, Ep. 977. — Prescott, t IV, p. 107.
») Prescott, IV, p, 110. — Hefele, p. 98.
I8abella*8 Sorge für Bildang und WissenBchaft Ihr Tod. 125
gleichsam auf den Schulten] der Znhörer in den Hörsal boreinge-
hoben werden').
§. 3.
Der Erzherzog Philipp, Gemahl Johanna's, kam auf die Einla- ^'*^*^'J'^
doog der Konige am 28. Januar 1502 zum erstenmal nach Spanien- dorn in
In FraDkrekh schwur er dem Könige Ludwig XII. den Lehenseid ^p*"*"^
wegen seiner Güter in Frankreich, Johanna aber Hess sich zu dieser
Selbsterniedrigung nicht herbei^). Von der Grenze bei Irun wurden
die ,JQDgen E^onige'^ mit allen erdenklichen Ehren nach Madrid ge-
leitet. Am 22. Mai empfingen sie die Huldigung der Cortes in der
Primatialkirche zu Toledo. Von dem (jungern) Cardinal Diego de
Mendoza und dem Primas Ximenes an schwuren alle Bischöfe und
alle Granden des Reichs den Eid der Treue'). Aber den Philipp
druckte die Nähe und Ueberlegenheit seiner Schwiegereltern, ihm
missfiel der Ernst der Spanier. Umsonst mahnte ihn Isabella an seine
Pflicht, sein Volk und Land kennen und lieben zu lernen. Philipp
gab Yor , seine Gesundheit und das spanische Klima könnten einander
nicht vertragen. Ihn beschwerte auch die gegründete Eifersucht seiner
Gemahlin. Er habe seinen Belgiern eidlich versprochen, dass er in
Jahresfrist zurückkehren werde. Er wollte Friede zwischen Frankreich
ond Spanien vermitteln^ den er auch am 5. April 1503 zu Lyon zum Nach-
iheileSpanien's schloss, so dass Ferdinand ihn verwarf. Auf's Neue briach
der Krieg zwischen Frankreich und Spanien aus, und endigte mit der
Unterwerfung Neapel's unter Spanien durch den Feldherrn Cördova,
),den grossen Capitan'^ Nach Philipp's Abreise fiel Johanna in tiefe,
zolezt unheilbare Schwermuth. Am 10. März 1503 gebar sie ihren
zweiten Sohn, den spätem Kaiser Ferdinand. Am 1. März 1504 reiste
sie nach Belgien, war aber bei ihrem Gemahl noch unglücklicher,
als ohne ihn.
§. 4.
Im Juli 1504 vmrde Isabella zu Medina del Campo vom Fieber
ergriiSen; im October stellte sich die Wassersucht ein. Am 26. No-
vember 1504 verschied sie. Zu ihrem Kuhme sagt Petrus Mariyr:
„In der ganzen Geschichte findet sich keine Frau, welche hohe
») PdTus MartyTy Ep. 57.
*) üzor caatior patriae dignitatis memor nalla re priores Gallo partes concC"
dere visa est Mariana XXVII, 11.
') Ha^no nnmero proceres luza et familiae splendore certantes. Mariana, L o.
126 Dreizehntes Bach. Drittes Kapitel.
Herrsebergaben und Heiligkeit des Lebens in gleichem Grade ver-
einigt, und ausser der seligsten Jungfrau sei sie von keinem Weibe
der Erde an Reinheit des Herzens übertroffen worden.^^ Aehnlich sagt
Ximenes: „Niemals wird die Welt einen Regenten von gleicher Grosse
des Geistes, gleicher Reinheit des Herzens, gleicher Wärme der Fröm-
migkeit, und gleicher Sorge für Gerechtigkeit sehen.'^
Alles, was zu ihrem Ruhme gesagt werden mag, bleibt weit
hinter ihr zurück. Diejenigen, welche zweifeln, ob es auch Gottes
Wille sei , dass Frauen Reiche regieren , müssen bei ihrem An-
blicke die Waffen strecken. Denn Spanien hat nie einen Herrscher
ihres Gleichen gehabt Ihr einziges Streben war das ^ Reich Gottes
auf Erden.
In welche Tiefe des Unglücks war Castilien durch ihren Tod so
pl5zlich gesunken? Zwei Augen hatten sich geschlossen, und dieses
Volk, jezt so glücklich und beneidet, war in einem Augenblick ein
unglückliches, ein verlassenes Volk geworden. Der Regent Philipp
hatte nur Gefühle der Abneigung für Castilien. lieber seine Gemahlin
senkte sich mehr und mehr die Nacht des Geistes herab, und nahm
völligen Besiz von ihr* Sie war die Tochter der grossen Isabella, aber
der Geist ihrer Mutter war erloschen in ihn
In Erwägung der Eigenschaften Johanna's und Philipp's hatte
Isabella die Regentschaft über Castilien ihrem Gemahle übertragen.
In ihrem Testamente vom 12. October 1504 erklärte sie Ferdinand als
alleinigen Regenten von Castilien, bis Carl (V.) das zwanzigste Jahr
erreicht hätte. — Nach ihrem Tode verzichtete Ferdinand auf den
Titel eines Königs von Castilien, da er bloss Verweser des Reiches
sei. Von Seiten vieler Granden Castiliens erhob sich Opposition gegen
ihn. Mit dieser verband sich Philipp von Flandern. Ferdinand, jezt
63 Jahre alt, ging eine zweite Ehe mit der 18 Jahre alten Germaine
de Foix, Nichte König Ludwig's XII., ein. Er schloss im October
1505 einen für Spanien schimpflichen Vergleich mit Frankreich.
Am 24, November 1505 kam zwischen Philipp und Ferdinand
ein Ausgleich zu Stande, der die Frage der Regentschaft ordnete.
Alle königlichen Erlasse sollten gemeinsam die Namen Ferdinand^s,
Philipp's und Johauna's tragen , die Regierung gemeinsam von ihnen
geführt werden. Am 28. April 1506 liefen Philipp und Johanna in
dem Hafen von Coruna ein. Auf vieles Zureden kam Philipp am
23. Juni mit Ferdinand zusammen. Philipp wollte, dass Ferdinand
so bald als möglich Castilien verlasse. Ferdinand ging nach Aragonien^
dann aber nach Neapel ').
') Petrus Martyr, £p. 305, 306, 308 — 310, 316—317. — Zurita, Anales de
Aragon, t. VI, L. VII, c. 16—17—19. — Hefele, S. 187—214.
König Philipp VI, f U06. Ximenes, Cardimtl, QrossinquiBitor. 127
§. 5.
Nftch einem Gastmahle, welches der Gouverueur Ton Bargos,
D. Manuel, dem Eonige gab, zog sich Philipp ein hiziges Fieber zu
— 19. September. Er starb am 2ö. September 1506 im Alter von
28 Jahren.
Jezt trat ein Regentschaflsratb ein, an dessen Spize Franc. Ximenes
stand. Im October wurden die Cortes nach Borges berafen, aber
wegen Uneinigkeit wieder vertagt — Im Juni 1507 fahr Ferdinand
von Neapel wieder ab, an Ostia vorbei, wo P. Julius II. ihn ver-
gebens erwartete, und landete am 20. Juli zu Valencia, in seinem Erb-
reiche. Er wurde in Caslilien glänzend empfangen. Am 29. August
iö07 kam er zu Tortoles mit seiner Tochter Johanna zusammen, und
übernahm sogleich die Regentschaft über Castilien. Erst am 6. Oc-
tober 1510 holte er die Genehmigung des Cortes ein.
§. 6.
Ein papstliches Breve vom 17. Mai 1507 ernannte auf Bitten
Ferdinand's den Erzbischof Franc. Ximenes von Toledo (seit 1495)
zum Cardinal. Am 18. Mai 1507 schrieb ihm Ferdinand von Neapel
aas, und ernannte ihn anstatt des abgesezten Didacus Deza zum
Generalinquisitor in Spanien. Kaum hatte Ximenes dieses Amt über- carjinai
Qommen, als Leben, Festigkeit und Sicherheit in das Amt der Inquisition „^^'
einkehrte; denn in den Jahren 1498 — 1607^ war das „heilige OiBcium^^ oroMtn-
tut ans Rand und Band gegangen. Es ist nicht wahrscheinlich, ^"
dass in dem Decennium von 1507— a]5[7 überhaupt Hinrichtungen
stattfanden. Die erste Zeit des Schreckens war überstanden. Uorente
liat keine Hinrichtung zu Zeiten des Ximenes nachzuweisen. Trozdem
lisst er gemäss seiner frivolen Schäzung unter ihm 2536 Personen in
Wirklichkeit, 1368 im Bilde verbrannt, 47.236 Personen zu verschie-
denen Strafen verdammt, 51.667 Personen durch die Inquisition be-
straft werden '). Vielmehr brachte Ximenes Ruhe und Milde in
das Amt der Inquisition. Von nun an war sie nicht bloss ein Schrecken
der Schaldigen, sondern ein Schuz der Unschuldigen und Reumüthigen.
Den Ximenes können wir den zweiten Gründer der Inquisition nennen.
In dem Monate Mai des Jahres 1507 war der erste Erzbischof ^"^'
TaU-
von Granada, der Hieronymit Ferd. Mendoza de Talavera, gestorben. TemTon
Er war Beichtvater der Königin Isabella. So wohlthätig war er als ^'''^*'
■) LhmUe 4, p. 255.
1 28 Dreizehntes Buch. Dritte» Kapitel.
Erzbischof, dass er nicht selten sein eigenes Kleid mit den Armen
theilte. Er lernte noch in hohem Alter die arabische Sprache, und
draog auf dieselbe Erlernung bei seinem Klerus. Selbst die Mauren
liebten ihn, und nannten ihn den grossen Alfaqui der Christen. Im
Jahre 1499 gesellte sich ihm Ximenes bei, und am 18. Deccmber
1499 konnte er 4000 Mauren an einem Tage taufen. Die Mauren
nannten ihn den Alfaqui Campanero (den Glocken-Prediger), weil durch
ihn besonders die Glocken in Granada eingeführt wurden. Durch seinen
todesverachtenden Huth dämpfte er Ende des Jahres 1409 einen Anf-
stand der Mauren gegen Ximenes, dessen Bekehrungseifer die Grenzen
des Erlaubten fiberschritt. — Lucero, Dezas Gehilfe, und Deza strengten
im Jahre 1505 einen Proccss gegen Talavera, den vielleicht „heiligsten
Mann'' von Spanien, wegen jüdischer Kezerei an. Sein Neffe, dessen
Schwestern und Mutter wurden^ sogar gefangengesezt. Der Papst
Julius II. aber zog die ganze Sache an sich; von Rom aus folgte
völlige Freisprechung. Aber die Freisprechung folgte am 21. Mai,
während Talavera schon am 14. Mai starb').
Ferdi- ^Qg einem Briefe Ferdinand's an seinen Yicekonig in Neapel
wiiuich^om Jahre 1608 entnehmen wir^ dass Ferdinand damals nichts Oe-
von ringeres im Schilde führte, als eine Losreissung von der romischen
tr«DD«o. Kirche. P. Alexander VI. hatte sich in Concessionen gegen ihn er-
schöpft, während P. Julius II. eine unabhängige Stellung anzunehmen,
und Italien von der Herrschaft des Auslandes zu emancipiren suchte.
Für Ferdinand handelte es sich um den gesicherten Besiz des König-
reichs Neapel, über welches die Päpste die Oberlehensherm waren.
Julius II. hatte ohne Anfrage bei Ferdinand II. durch einen Herold
ein päpstliches Breve im Königreich Neapel verkünden lassen, worüber
der Vicekönig Conde de Rivagorza an Ferdinand berichtete — 6. Mai
1Ö08. Am 22. Mai erliess dieser von Burgos aus einen sehr scharfen
Verweis an den Vicekönig; er fragt ihn, warum er den Courier des
Papstes nicht habe aufknüpfen lassen; er befiehlt ihm, diess nach«
träglich zu thun, unbekümmert darum, was man in Rom dazu sage.
Er möge die Grenzen des Landes genau bewachen, und wenn eiu
„apostolischer Briefträger" (cursor) irgendwo sich betreten lasse, so-
gleich Hand an ihn legen. „Wir sind völlig entschlossen, fugt er bei,
wenn seine Heiligkeit nicht sogleich das Breve und seine Erlasse
') Vida del Yen. D« Fr. Hemando de Talavera^ per P. ÄlcdrUara Buarez,
8» — 1866.
Ferdinand Y. gegen P. Jolius II. 1 29
widerruft, durch neue Erlasse, ihm den Gehorsam aller Reiche der
Kronen von Castilien und Aragonien aufzukündigen'^^). Es ist diess
ein Zeichen, wessen Ferdinand „der Katholische" im gegebenen Falle
fabig war. Er trieb die Politik der Selbstsucht und hängte eben nur
den katholischen Mantel um, wenn es in seinem Interesse lag (wie
wieder im Jahre 1511).
Im Jahre 1505 sandte Ferdinand, unterstüzt von Ximenes, eine
Flotte nach Algier, um den festen Seehafen Mazarquimr zu erobern,
was auch gelang. Des Ximenes grosser Plan iur die Wiedereroberung
des heiligen Landes scheiterte. Sein Plan aber, wenigstens die Festung
Oran in Algier zu gewinnen , kam zur Ausführung. Er selbst,
72 Jahre alt, wollte das Heer fuhren und lieh dem Könige das nothige
Geld. Er brachte 10.000 Mann zu Fuss, und 4000 Reiter zusammen.
Am 16. Mai 1509 fuhr die Flotte von Cartagena aus, am 17. Mai
war sie an der Küste von Afrika. Die Truppen baten den Ximenes,
fem vom Ejimpfe zu bleiben. In der Kapelle des heiligen Michael zu
Mazarquivir betete er für den Sieg der Christen. Vor dem Anbruch
der Nacht — 18. Mai — war Oran erobert. An 4000 Mauren fielen,
5800 wurden gefangen. Die Spanier wollten nur 30 Mann vermisst
haben. Die Beute wurde auf 500.000 Goldthaler geschazt. Ximenes
brachte die ganze Nacht in Preis- und Dankgebeten zu. Am 19. Mai
hielt er seinen Einzug in die Stadt, während ein Hilfsheer der Mauren ^'o^-
ans Tlemecen umkehren musste. 300 Christensklaven wurden frei. — inAfrik«
Nach andern Berichten wurde durch Verrath einiger Einwohner Oran**^-"-
den Spaniern in die Hände gespielt. Unter diesen wird der Jude
Cattora, und selbst der Burgvogt Cedrinus genannt. Die Moscheen
wurden als Kirchen eingeweiht; Klöster der Dominikaner und Francis-
caner gegiündet. Ximenes schöpfte Verdacht, dass König Ferdinand,
dem er zu mächtig geworden, seinen Tod im heissen Clima von Afrika
wünsche und erwarte, fuhr schon am 23. Mai wieder von Oran ab,
und kehrte nach Alcala zurück.
Am 5. Januar 1510 wurde die wichtige Stadt Bugia in Algier
yon Navarro erobert Algier, Tunis und Tlemesen wurden jezt den
Spaniern zinsbar. Selbst Tripolis eroberte Navarro im Juli 1510.
Zum Danke hielt P. Julius U. eine feierliche Procession in Rom. Oran
') Estamos mny detenninadofr, si su Saotidad no revoca luego el Breve y
\n Autos por virtud de (1) fechos^ de le quitar la obediencia de todos loBreynos
las Coronas de Gastilla y Aragon. — lieber 100 Jahre sp&ter fand Franc.
den Brief im Archive zu Neapel, and pnblicirte ihn im Jahre 1621 za
lidrid. — Frone, de QuevedOy Obraa, 11 tom. 4*. Madr. 1792—1794, t. XI, p. 3
9. — Franc, de Quevedo, v. Reinh. Baumstark^ Freib. 1871, S. 105—110. —
Wolf, Sttpplem. Bd. zn Ticknor-Julius, Leipz. 1867, S. 86—37.
Gama^ q^an. Kirche. UL a. 9
130 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
blieb den Spaniern, bis es im Jahre 1790 durch ein Erdbeben ver-
wüstet, im Jahre 1791 dem Dey von Algier übergeben werden mnsste.
Die Versuche, von Oran aus das Christenthum weiter zu verbreiten,
misslangen, wie die frühem Versuche im dreizehnten und vierzehnten
Jahrhundert ')•
§. 8.
Die Stiftung der Universität Alcala durch Ximenes nannten die
Spanier selbst das achte Wunder der Welt, Zur Zeit Isabella's wurde
eine Anzahl von Academien gegründet, die von Siguenza durch den
Archidiacon Juan Lopez de Medina Celi, die von Toledo durch den
Scholasticus Franc Alvaro, die von Ossuna durch den Grafen Griron
von Urena, die von Onate durch Rodr. Sanchez de Mercado, Bischof
von Avila, die zu Valencia durch P. Alexander VI.
Im Jahre 1498 begannen die Bauten tut die Hochschule in Al-
cala; im Jahre 1500 wurde der Grundstein des CoUegiums von S. Dde-
fonso gelegt. Im Jahre 1503 wandte Isabella der jungen Stiftung
grosse Privilegien zu, durch welche Lehrer und Studirende angezogen
wurden; ebenso wurde sie von den Päpsten Alexander VL, Julius II.
und Leo X. mit vielen Privilegien beschenkt'). Das CoUegiam von
S. Ildefonso, das Haupt der neuen Universität, wurde am 26. Juli 1508
(al. ISIO) zuerst von sieben CoUegialen aus Salamanca bezogen. Eis
sollte, nach den Lebensjahren Christi, 33 Mitglieder aufnehmen, nach
der Zahl der Apostel 12 Priester zählen, welche den Gottesdienst und
die Seelsorge an der Universität besorgen, die canonischen Standen
beten, die Almosen und Ueberbleibsel vom Tische an die Armen aas-
theilen sollten. Die CoUegialen selbst, nur Theologen, hatten die
Mehrzahl der Lehrstühle an der Hochschule inne, andere hatten andere
Aemter, oder bereiteten sich dazu vor. Diesen CoUegialen war die
ganze Verwaltung der Universität übertragen.
Für arme Studirende der Sprachen gründete Ximenes die zwei
Convicte von S. Eugenio und S. Isidro, wo 42 junge Philologen je drei
Jahre lang frei verpflegt wurden. Alle 14 Tage fanden hier Dispa-
tationen statt Sechs (acht?) Professoren der PhUologie lehrten , in
welchem Fache Alcala nach Erasmus das Grosste leistete*). Strengt
') Hefdey die Erobemng von Oran, und die dort angegebenen Qaellen,
S. 368—398. DazQ kommt: Cartas del Gardenal D. Fr. Jimenez^ Madr. 1867,
von welchen 21 den Feldzng gegen Oran betreffen.
*) Constitationes msignis collegii 8. lldefonsi Complnti (pnblio. 1518) 1560,
Friedr. Kunsimann. (Münchner) (belehrte Anzeigen, 1845. Kr. 96.
') Academia Complutensis non alinnde celebritatem nominia anapicata
qnam a complectendo lingoaa ao Omaa literaa. Eraam. £p. p. 755.
ÜniveroitSt Alcala de Henarea. 131
Prüfangeo entschieden über das Vorrücken in höhere Klassen, oder zu
den s. g« Fachwissenschaften.
In dem CoUegiom der heiligen Balbina, yon welcher Kirche in Kmenos
Rom Ximenes den Cardinalstitel führte, wurde zwei «fahre Dialectik^ ^^ g^.
in dem Colegi oder heiligen Catharina zwei «fahre lang Physik und n*r«B*
Metaphysik gelehrt. Jedes dieser Collegien hatte 48 Zöglinge. Sie
borten die Vorlesungen bei den Professoren der Philologie, hatten je
nach 14 Tagen strenge Disputationen und erlangten nach einander die
Grade eines Baocalaureus, Licentiaten und Magisters der freien Künste.
Für kranke Studenten wurde 1614 ein eigenes Haus hergestellt. Das
^kleinere. CoUegium^ zum heiligen Petrus und Paulus sollte 12 stu-
dirende Ordensgenossen des Cardinal Ximenes aufnehmen. Viele Ge-
lehrte und Bischöfe gingen daraus hervor '). — Ein anderes Haus wurde
18 armen Theologen und 6 Medicinern zugewiesen. In dem Collegium
der drei Sprachen oder des heiligen Hieronymus^) studirten 10 Zög-
linge die lateinische, griechische und hebräische Sprache. Die ver*
schiedenen Orden, mit Ausnahme der des heiligen Benedictus*) und Hie-
roDymus, gründeten für ihre Studirenden eigene Häuser in Alcala.
Im Jahre 1508 wurde Petrus Camipo erster Rector. Der Kanzler
hatte die academischen Grade zu ertheilen. Als erster Kanzler wurde
Petrus Lerma aus Paris berufen, und zugleich zum Abte von S. Justus
Qod Pastor erwählt^). Am 18. October wurde die Uniyersität eröffiiet*
die meisten Lehrer waren aus Salamanca oder Paris berufen, 6 far die
Theologie, 6 für das canonische Recht, 4 für Medicin, 1 für Anatomie,
1 für Chirurgie, 8 für Philosophie, 1 für Moral, 1 für Mathematik,
6 for Grammatik, 4 für Rhetorik, 4 für die griechische und hebräische
Sprache, im Ganzen 42« Die erste Anstellung war nur für ein Jahr,
dann sollte eine neue Bewerbung eintreten. Wer keine Zuhörer
bekam, erhielt auch keine Lehrerbesoldung, sondern war auf seine
Pfründe oder seinen Plaz im Collegium beschränkt. .Alcala ertheilte
die academischen Grade in der Theologie, Medicin und Philosophie.
Bin Doctor der Theologie musste dieses Fach 10 Jahre studirt haben.
Die Einkünfte der Uniyersität betrugen im Anfang 14.000 Du-
caten, im J'ahre 1600 — waren sie schon auf 30.000 gestiegen. Alle
Stiftungen hatten sich erhalten. Salamanca entführte aber Alcala manche
tnchtige JLiehrer, und damit viele Studirende. Als König Franz I. nach
Alcala kam, sagte er: Euer Ximenes hat ein Werk unternommen und
&Q8geführt, das ich selbst zu vollbringen nicht gewagt hätte. Die
*) Wadding, annaL Hmor.y t. XV, p. 143.
*) Der sieh selbst „homo triiinquis' nannte.
*) Die Benedictiner hatten n. a. ihre Collegien in Valladolid und Barcelona.
*) Das Weitere s. Kirohengesch. I, S. 333-^334.
9*
132 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Pariser Universität, der Stolz meines Landes, ist das Werk vieler
Konige. Ximenes hat allein Aehnlicbes vollbracht.
^^^ Als das Concil von Trient die Abschaffung der Exemtionen der
Hezm- CoUegiat-Capitel beschloss, so legte der Bischof von Leon, Andr. Guesta
^*' (1558 — 1564), Fürsprache für die CoUegiatkirche in Alcala ein. Fast
alle Bischöfe stimmten ihm bei. Sie erhoben diese Ejrche mit grossen
Lobsprüchen, wegen ihrer eigenen Würde, besonders wegen des herr-
lichen Collegiums und der Universität, von welcher nach den Statuten
Doctoren der Theologie und Magister der freien Künste Canonicate
und Präbenden an dem CoUegiatstift erhielten; „aus der auch taglich
die gelehrtesten und besten Männer hervorgehen, welche den Einfluss
des Christenthums weithin verbreiten, wie Wir es selbst erfahren an
so vielen hochgelehrten Männern jener Schule, welche dieser heiligen
Synode von Trient angewohnt haben.^' Es wurden dem Decrete die
Worte beigefugt: „Unbeschadet der Privilegien, welche den Universi-
täten und deren Mitgliedern bewilligt wurden, vorzugsweise, um die
CoUegiatkirche von Alcala zu ehren^^^). — Die Lieblingsstiftung des
Ximenes dauerte drei Jahrhunderte, bis zum Jahre 1807 fort Seitdem
ist Alcala verlassen und verödet').
Den frühern Universitäten gesellten sich im sechszehnten Jahr-
hundert eine Anzahl neuer bei. Nachdem die Hochschule von Alcala
im Jahre 1508 eröffnet worden, stiftete schon im Jahre 1509 (Maese)
Rodrigo Fern, de Santaella die Universität von Sevilla. Er war Cano-
nicus daselbst und Achidiacon von Beina^ starb aber^noch im Jahre
der Eröffiiung der Schule, welche den Namen „Colegio des Magisters
Rodrigo" erhielt,
ooate, Die Universität zu Granada gründete König Carl V. im Jahre
1531; die sämmtlichen Lehrstühle wurden aber erst im Jahre 1557
besezt. — Rodrigo de Mercado, Bischof von Avila (1530— f 1548),
stiftete im Jahre 1543 die Universität zu Onats in Guipüzcoa, seiner
Vaterstadt« Die Bestätigung Papst Paul's III. erlangte er im Jahre 1540.
Das Colleg: „del Espiritu santo^^ trat 1542 in's Leben. Bei seinem
Tode hinterliess er reiche Mittel für die Fortfuhrung des Werkes;
doch wurde hier nur lateinische Sprache und Philosophie gelehrt*}.
16^.
') £a verba decreto addiderant: „Salvis privilegiis UniveraitatibiiB ac illa-
ram peraonis concessis, ejus (Gomplutensis) ecclesiae potiBsimum causa.'' Quae saue
verba Patres onmes — libentissime sunt amplezi. (Trident. 6. December ]5G3>
ap. Vic. de la FuenUf t V, Madr. 1874, apend. 11.
») H^ele, S. 99—112.
'} Minano, Diccionario de Espafia, t. VI, Madr. 1827, p. 827.
Neue UnlTersitäten. 133
Die Universität Osma wurde im Jahre 1550 durch den Bischof
Petrus Alvarez de Acosta (1539—11563) gegründet. (Im Jahre 1552
wurde zu Almagro eine Universität im Kloster der Dominikaner del
Kosario errichtet). — Die Universität BaSza wurde im Jahre 1533 durch
Fr. Juan de Avila gestiftet, als Collegium, welches D. Rodrigo Lopez
im Jahre 1562 erweiterte.
Die Universität von Murcia entstand und bestand aus 2 Collegien,
dem der Dominikaner, welches schon 1310 in das Leben trat, und
dem der Jesuiten, das im Jahre 1563 durch den Bischof Stephan de
Almeida, einen Portugiesen, (wie Bischof Petrus von Osma) gegründet
Würde. Er vereinigte beide Collegien zu einer Universität. — Die
Universität zu Avila wurde 1576 durch Bulle Papst Gregorys XIII. im
Dominikanerkloster St. Tomas bestätigt. — Die Universität Oviedo
wurde durch Ferdinand de Yaldäs, den Grossinquisitor '), gestiftet.
Er war 1532— 1639 Bischof von Oviedo, und starb als Erzbischol
von Sevilla im Jahre 1568. Er stammte aus dem Bisthum Oviedo.
An der von ihm gestifleten Universität dotirte er 19 Lehrstühle, 4 der
Theologie, 5 des canonischen Hechtes, 5 des Civilrechtes u. s. w. Die
Eröffiiung fand aber erst im Jahre 1608 statt, gemäss folgender In-
schrift: Jahr 1568. Diese Schulen und diese Universität gründete und
dotirte D. Fernando de Valdes, glorreichen Andenkens, Erzbischof von
Sevilla, Präsident des obersten Rathes dieser Reiche, und General-
Inquisitor in ihnen, der frömmste und wachsamste Yertheidiger des katho-
lischen Glaubens, und strengste Verfolger der häretischen Verkehrtheit.
Er starb im Jahre 1568. Man fing an, in diesen Schulen zu lesen im
Jahre 1608"»).
Die Universi^t Santiago wurde durch Vereinigung mit dem Colegio Univer-
von Monforte de Lemos im Jahre 1595 von dem Cardinal D. Rodrigo ^ Ara.
de Castro, Erzbischof von Sevilla, in's Leben gerufen. In dem Konig- s«»*«»«
reiche Aragon wurden die Studienanstalten zu Gandia auf Bitten des
(heiligen) Franc. Borgia, der die Lehrstühle dotirte, im Jahre 1546 zu
einer Universität erhoben. — Ferd. de Loazes, Erzbischof von Tarra-
gona und Valencia, stiftete das Dominikanerkloster zu Orihuela und
daraas um 1555 eine Universität. — Die Universität Saragoza, wurde
auf Grundlage früherer Studienanstalten im Jahre 1541 von Carl V.
errichtet, von Papst Paul IV. im Jahre 1555 bestätigt, kam aber zu keinem
Aufschwünge, bis Bisehof Petr. Cerbu&a von Tarazona (1585 — 1597) sie
restaurirte, dotirte und Gebäude für sie herstellte. — Die Universität
von Gerona wurde im Jahre 1561 durch Konig Philipp II. gegründet.
Die Universität Tarragona stiftete im Jahre 1570 Erzbischof Casp.
') S. oben S. 86.
^ Espafia aagr. t 39, p. 114-115.
134 Dreizehntes Bach. Drittes Kapitel.
Cervantes, Cardinal. — Die Universität zu Estella in Navarra wurde
im Jahre 1565, die Universität zu Pamplona im Jahre 1608 gegründet.
§. 10.
Aus früherer Zeit stammen die Universitäten von Palencia, Sala-
manca, Yalladolid. Die Blüthe der erstem dauerte nur wenige Jahre
(1212 — 1228 — 1246). Salamanca bestand etwa seit dem Jahre 1200;
schon Papst Alezander IV. erklärte sie im Jahre 1255 als eine der
vier General-Studien- Anstalten (neben Bologna, Paris und Oxford) ').
Der Kirchenzehnt des Bisthums war, bis Aufhebung des Zehntens in
Spanien überhaupt am 29. Juli 1837, die Hauptquelle ihrer Einnahmen.
Weltberühmt wurde das CoUegium San Bartolomeo, genannt „das
alte^% welches der Erzbischof Didacus de Anaya gestiftet, und Papst
Martin V. am 28. April 1418 bestätigt hatte ^). In seinem CoUegiuni
wurde der Stifter begraben (f 1437). — Das CoUegio von Monte Olivete
wurde im Jahre 1490 von dem Domherrn Gonzalo Caiiamares gestiftet.
Diego Ramirez, Bischof von Astorga, Malaga (1498—1600 — 1518) und
Cuenca (15 18 — 1536), stiftete im Jahre 1506 das „Colegio mayor"
von Cuenca. Er war Grosscaplan der D. Juana, und taufte deren am
24. Februar 1500 gebornen Sohn Carl V.
Cardinäle, viele Bischöfe und Staatsmänner gingen aus diesem
CoUegium hervor. Man zählt 4 Cardinäle, 29 Bischöfe, 10 Prasidenten,
2 Vicekonige. — Didacus de Velasco, Bischof von Galipoli, gründete
im Jahre 1510 das CoUegium des heiligen Thomas von Canterbary.
— Im Jahre 1518 wurde das Colegio von San Millan (Aemilian) ge-
gründet, aus welchem u. a. 6 Bischöfe hervorgingen. — Im Jahre
1522 gründete der Erzbischof (von Santiago und Toledo) Alfons de
Fonseca das berühmte CoUegium, das von ihm den Namen: „del
Arzobispo^ — hat. Er führte eines der prachtvollsten Gebäude mit
einer herrlichen Kapelle in Salamanca auf, in der er begraben ist^).
— Im Jahre 1522 wurde von einem Domherrn zu Saragossa das
CoUegium der heiligen Maria gegründet, das wegen Armuth später
mit dem des heiligen Thomas von Canterbury vereinigt wurde. £>er
Domherr Juan Canizares stiftete im Jahre 1626 das Colegio vom hei-
ligen Kreuz, gewöhnlich Coleg. de Canizares genannt« Aus ihm gingen
') Stndia generalia.
^ Historia del Colegio de San Bartolomö, per Vergara y el MarqaeB de
Alventos. 1766, 3 fol. — B. Dorado, Compendio Jiistor. de Salamanca, p. 290—295.
') Ad paupemm nobilium ingenia sublevanda, ad Clori aogmentum — A\fons
de Fonseca — hoo tarn felix quam sacrnm CoUegium et insignem Gapellam fieri
cnravit, qnod ipse vivens inchoavit, et mortaus perfici mandavit Obiit Complati
5. Februar. — 1534. ^ Aus der Grabsohrift, ap. Dorado^ p. 369.
Gollegien in Salamanca, 1526^1592. 135
11. a. 4 Bischöfe, 10 Professoren hervor. — Später wurden auch noch
Collegien für die Ritterorden gegriindety 1532 för die Johanniter, fiir ^***"
den Orden von Santiago, für die Orden von Alcantara und Calatrava
im Jahre 1552.
In den Jahren 1538 — 1545 Hess der Domherr D. Martin Gasco
TOD Sevilla das berühmte Colegio der heiligen Magdalena herstellen.
Er war Gesandter Eonig Carl's Y. bei Papst Clemens VU. Im An-
fange hiess es: Jnsigne, und auch ,,Mayor^^ Aber in Folge der Oppo-
sition der schon bestehenden sechs „grossen Collegien^' musste es auf diese
Ehrennamen verzichten. Es galt aber nach den sechs grossem als das
siebente Colegio in der Rangordnung. Es vergab sieben Lehrstühle
an der Universität, die fast immer mit seinen CoUegialen besezt waren.
Viele Prälaten, Schriftsteller, königliche Bathe u. a. gingen aus ihm
hervor. — Um das Jahr 1538 — 1545 gründete Franc, de Solis Quinones,
Bischof von Bagnorea (f 1545) das Colegio für studirende Waisen
^zar unbefleckten Empfangniss^^ Nur in diesem und dem s. g.
^jDreisprachen^^- Colegio bestand die Clausur, und überhaupt die Ordens-
Regnlaritat. Auch aus diesem Collegium gingen Erzbischöfe, Bischöfe,
Präsidenten, Käthe u. a. hervor. — Im Jahre 1563 stiftete Geronimo
de Arce, Professor an der „Sapienza^^ zu Rom, das Colleg der „heiligen
Maria zu den Engeln^*, aus dem gleich&lls Bischöfe, Gesandte u. a.
hervorgingen.
Um das Jahr 1570 gründeten die Norbertiner für ihren Orden CoUe-
das Collegium „der heiligen Susanna^', das einen grossen Aufschwung ^^^^
nahm. Ihnen nachfolgend stifteten die Hieronymiten im Jahre 1572
das Colegio von Guadeloupe für ihre Studirende. Grosse Gelehrte
gingen daraus hervor'). Im Jahre 1577 (?) gründete der Erzbischof
Ferdinand Valdes*) das Colegio de „San Pelayo", auch „die Grünen"
(Verdes) genannt, und dotirte es mit einer Rente von 6000 Ducaten
inr 25 Pläze'), darunter für 12 Asturier und 4 Sevillaner; auch aus
ihm sind viele Bischöfe, Domherrn, u. a. m. hervorgegangen. Die
reformirten Carmeliten, welche im Jahre 1572 in Salamanca sich nieder-
liessen, gründeten einige Jahre später ihr Colegio des „heiligen Elias"*).
— Berühmt sind die Werke über Moral und Scholastik, welche die
Carmeliten in Salamanca herausgaben. — Im Jahre 1592 stiftete König
Philipp IL auf seine Kosten das Colegio der „adeligen Irländer" zum
heiligen Patricius, für Irländer bestimmt, die um des Glaubens willen
>) Havieudo salido de este celebre Colegio grandes sngetos en toda enidicion.
Dorado, p. 421.
*) Er starb schon 1568.
*) Bursen, Becas.
0 Dorado, p. 480.
136 Dreizehntes Buch. Drittes Kapifel.
aaswandern mussten. Die einen kehrten in ihre Heimath zariick, an-
dere begleiteten verschiedene Aemter in Spanien.
Gestüzt anf solche CoUegien nnd Stiftungen konnte Salamanca
seine hervorragende Stellung in der Reihe der Universitäten Europa's
unschwer behaupten. Es war die eigentliche Musenstadt Spanien's.
Heute ist sie, wie Alcala und Toledo, eine verlassene und trauernde
Wittwe. — Denn „La Universidad Central" von Madrid hat die
blühenden Hochschulen der frühem Zeit verdrängt. — Neben Sala-
uniyer- mauca uud Alcala stand die gefeierte Universität von Valladolid, welche
v»iia4o- ^^^^ rühmte, die Fortsezung der von Palencia, und so alt, wie die von
lid. Salamanca zu sein. Unter Ferdinand dem Heiligen sei sie nach Valla-
dolid übertragen worden. Das Dunkel, in welchem diese Uebertragung
liegt, bewog Schriftsteller, wie Mariana, Colmenares und Alf. Garcia
Matamorosj die Uebertragung in der Absicht zu leugnen, um der Uni«
versität von Salamanca, wohin nach ihrer Ansicht die von Palencia
verlegt worden, ein höheres Alter zu geben ^). Die Gründe aber, die
Valladolid für sich vorbringt, sind nicht überzeugend, für unsere Zwecke
sicher ohne Belang. Aus einem Schreiben Königs Sancho IV. vom
20. Mai 1293 erhellt aber, dass es damals schon ein „Studinm^^ zu
Valladolid gab; das sich durch die oftmalige Residenz des Hofes da-
selbst .hob. Am 21. Mai 1304 wies Ferdinand IV. dieser Schale neue
Einkünfte zu. Alfons XI. sorgte so sehr für dieselbe, dass ihn Viele
für den Gründer der Universität halten. Auf seine Bitte erhob sie
Papst Clemens VI. am 30. Juli 1347 zu einer papstlichen Universität.
Von da an war^der Abt der CoUegiatkirche daselbst ihr bestandiger
Kanzler. Der König wies 20.000 Maravedis als Besoldung für die
Lectoren, Magister und Baccalauren an*). Es waren besonders die
Benedictiner, die unter dem Namen der Congregation von Valladolid
bekannt sind, welche ihre Studienanstalt in Valladolid hatten.]
§. 11.
Die Universität von Toledo gründete im Jahre 1490 der Domherr
Franc. Alvarez de Toledo, nachdem er am 7. Mai 1485 eine Be-
stätigungsbulle von Papst Innocenz erlangt hatte, und stellte dieselbe
unter den Schuz der heiligen Catharina von Alexaudrien. Er stiftete
12 Lehrstühle. Papst Leo X. bestätigte dieses Colegio als Universität
*) Historia de la Ciudad de Valladolid, p. Maiiaa Sangrador Vitores,
tom. I, Val. 18Ö1, p. 190.
•) Vitares, I, p. 186—196.
UoiTersitSten VaHadolid^ Toledo, Oflona, Lerids, Huesca, ValenoU. 137
im Jahre t520, wie auch Carl V. ihre Constitationen confirmirte; doch
konnte Toledo neben Alcala nicht zu Kräften kommen').
Juan Tellez Oirorij erster Graf von Urena, gründete im Jahre
1149 die Universität von Osuna; sie war blühend n. a. zu Zeiten des
Cervantes. Durch königliches Decret vom Jahre 1824 wurde sie unter-
drückt. — Die Universität Lerida rühmt sich, schon vor dem Jahre
13(X) gestiftet zu sein. Es bestanden dort Lehrstühle fttr das canonische unwer-
und Civilrecht, für die Medicin , Philosophie , Künste und Wissen- ■***••*"
Schäften. Der Unterricht in der Theologie war der Cathedralkirche
und den Klöstern der Dominikaner und Franciscaner zugewiesen. —
D, Pedro IV. „el Ceremonioso'^ stiftete durch Privilegium vom 12. März
1354 die Universität Huesea, für den Unterricht in der Theologie, h«*«««-
beiden Rechten, Medicin, Philosophie und den andern Wissenschaften
and Künsten. Er bewilligte Huesca die Vorrechte der Universitäten
von Toulouse, Montpellier und Lerida. Bischof und Kapitel dotirten
sie durch Einverleibung einiger Beneficien. Während sie sich hob,
giog die Hochschule von Lerida zurück. — Der Bischof Raimund
Gasion von Valencia (1312 — 1348) stiftete im Jahre 1345 an seiner
Cathedrale Lehrstühle iHr Theologie, welche Dominikanern anvertraut
wurden. Den Sorgen des heiligen Vincent. Ferrer aus Valencia gelang
es, die zerstreuten Studien zu vereinigen und um das Jahr 1412 eine
Universität zu Stande zu bringen. Papst Paul II. bestätigte sie im
Jahre 1470, Ferdinand V. ertheilte ihr grosse Privilegien. — Die
Universität Barcelona entstand unter König Alfons V. um 1450, und
wurde von Papst Nicolaus V. bestätigt. Erst im Jahre 1507 erhielt sie
entsprechende Räumlichkeiten. Sie wurde von Beginn an auf Staats-
kosten unterhalten. Carl V. und Philipp IL wandten ihr Privilegien zu,
Philipp V. aber versezte sie nach dem spanischen Erbfolgekriege im Jahre
1716 nach Cervera (von wo sie wieder nach Barcelona zurückkehrte) •).
§. 12.
Unter Anregung und Leitung des Cardinais Ximenes erschien
zu Alcala die s. g. Complutenser Polyglotte der heiligen Schrift. Den
hebräischen und chaldäischen Text besorgten gelehrte Convertiten aus
dem Judenthum, Alfons von Alcala, Alfom von Zamora, Paul. Coronell
von Segovia, den griechischen und lateinischen Text besorgten Antonii^
') SUto Ramm Parro, Toledo en la mano, tom, 11, ToL 1867, p. 449-461.
*} Aniolin. Manesciüo, Snplemento al Diccionar. de Teorogiadel Ab. Bergier,
Midr., 1867, „üniversidadee Eepafioles«, p. 902 — 905. — Floranet, Origen de los
estndiofl de Caatilla, especial. los de Valladolid, Palencia, y Salamanca in : Coleccioa
de doeamentos ineditos, t XX, Madrid, 1852.
138 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Nebrissensis, Demetrius Ducas ans Creta, Lopez de Zuniga, «Am
^^"^ 10. Janaar 1514 war der Druck des neuen Testaments, und damit
tenser zugleich die erste gedruckte Ausgabe des neutestamentlichen Urtextes
Poiy- vollendet*). Früher waren nur unbedeutende Versuche mit kleinen
Abschnitten gemacht worden. Am 10. Juli 1517 war auch das alte
Testament, und damit die erste gedruckte Ausgabe des alttestament-
lichen Urtextes durch Christen vollendet Als dem Cardinal der leztc
Druckbogen übergel>eii wurde, rief er freudig aus: Ich danke Dir,
Herr und Christus, dass Du dieses schwere Werk glücklich zu Ende
kommen liessest').
^^!^^ Ad. Antonius von Lebrija lehrte mit grossem Ruhme zu Sala-
Lebrfja. mauca, u. a. auch über die christlichen lateinischen Dichter. Er ver-
zichtete im Jahre 1488 auf das Lehramt. Später wurde er Erzieher
des Erbprinzen D. Juan, und Reichshistoriograph. Nach Isabella's
Tode kehrte er im Jahre 1505 nach Salamanca zurück. Im Jahre löOS
aber folgte er dem Rufe des Ximenes nach Alcala, und für dessen
Polyglotte. Er kehrte nach Salamanca, und zum zweiten Male nach
Alcala zurück, 1513, wo er bis zu seinem Tode — am. 2. Juli 1522
— blieb. — Da Lebrija Uebersezungsfehler der Vulgata offen auf-
deckte, zog er sich Vorwürfe der Theologen zu, und Didac. Deza als
Grossinquisitor verbot die zwei ersten Quinquagenen der biblischen
Untersuchungen Lebrijcüe. Unwahr ist, dass Deza ihn verfolgte. Seine
zahlreichen Schriften theilt Nie. Antonio in sieben Klassen ein, in
grammatische, philologische, poetische, geschichtliche, zum Rechte, zur
Medicin und zur Theologie gehörende. Das historische Hauptwerk:
Decades duae rerum a Ferdinando et Elisabetha Hispaniarum regibus
gestarum — ist nur eine lateinische Uebersezung der Chronik des
Fem. Pulgar^\ aber ohne Schuld des Lebrija diesem zugeschrieben^).
§. 13.
Dem Alfons Carrillo (f 1. Juli 1482) war der Cardinal von
r>
Spanien^, Petr. Gonz. de Mendoza im Jahre 1483 als Erzbischof von
') Novnm Testamentum graece et (atine in Academia CompluteiiBi noviter
impreBsniDy 1514.
*) Hefüe^ Die Stiftung der Universität Alcala, und die Complutenser Poly-
glotte, Tüb. Theol. Qnartalschrift, 1844, S. 222 - 283. - Der Card. XimenM, 2. Aufl.,
Mb. 1851, S. 99-113—147.
*) Eircbengesch. 3, 1, S. 440.
0 Nieol. Antonio, Bibl. Hfsp. nova, t. f, Madr. 1783, p. 132—139. —
J. B. Mufiozj Memorias de la real Academia de la Historia, T. III, Madr., 1799,
p. 18. — Hefele, Ximenes, 8. 109-110, 116; 858-859; 432—438.
Ximenes als Enbischof. Reformen des Ximenes. 139
Toledo gefolgt'); diesem aber (f 11. Januar 1495) Franc. Ximenes.
In den ersten drei Jahren seiner Regierung hielt er zwei Synoden,
deren Acten nicht erhalten sind; die erste zu Alcala, wohl im Jahre 1496.
Er befahl u. a., Tauf- und Beichtregister in den Pfarrkirchen anzulegen.
Die Pfarrer sollten über jedes schwere Vergehen sogleich berichten.
Diese Einrichtung wurde auch in andern Bisthämem eingeführt. Ver-
gebens sachte er ein Fest Julian's von Toledo einzuführen; es zog
Jbeim Volke nicht ^). — Im Sommer 1498 hielt er seine zweite Synode
in Talavera. Dort zeichnete sich besonders Gregor. Castello durch
seine Predigten und Vorträge aus. Ea sollte hinfort jedes Jahr eine
Diocesan- Synode stattfinden^).
Schon vor seiner Erhebung zum Erzbischofe wandte Ximenes
seine Thätigkeit der Reformation seines Ordens der Franciscaner zu.
Isabella aber hatte den Plan einer Reformation der Orden überhaupt
Id den meisten Klöstern der Franciscaner hatten die strengern Obser»
Tanten den Conventualen weichen müssen. Unterstüzt von der Königin
fahrte Ximenes die strengem Observanten wieder in die Klöster ein, und
nahm denselben ihre regelwidrigen Güter. I)ie bessern Mönche nahmen
die Reform an, die schlimmsten wurden verjagt. Durch ein Breve
Alexander's VI. vom 23. Juni 1497 erlangte Ximenes die Aufhebung
der Exemtionen aller E^leriker seines Sprengeis, wären sie auch päpst-
liche OfEcialen. Eine andere Bulle gab ihm die Vollmacht zur Refor-
mation aller Orden. Dem widerstrebten seine eigenen Franciscaner,
unterstüzt von vielen* Adeligen, die ihre Todtengrüfte und zahlreiche
foodirte Jahrtage in den Kirchen der Franciscaner hatten. Durch
Breve vom 9. November 1496 verbot Alezander VI. die Fortsezung
der Klosterreformen. Ximenes wusste dieses Breve rückgängig zu
machen. Ihm und den Bischöfen von Jaen und Catania wurde aufs
Neue die Reformation der Klöster übertragen. An 1000 Conventualen
sollen nach Afrika ausgewandert, und sich dem laxern Islam in die
Arme geworfen haben ^). Von den übrigen Orden unterwarfen sich
die Carmeliter, Dominikaner und Augustiner am willigsten der Reform.
Gemäss der Bulle vom 23. Juni 1497 wollte Ximenes im Jahre x*««-
1503 sein eigenes Kapitel durch zwei Delegirte visitiren lassen; jenes u^t .«in
appellirte nach Rom. Ximenes Hess drei Domherrn, Sepulveda, Ortiz Kapitel
und Barzana in den Alcazar einsperren; die andern klagten bei der
Königin, bei welcher — in Medina del Campo — eben Ximenes war-
■) Kirohengescb. 3, 1, S. 432—437.
') Ea hatte nie ein Fest desselben gegeben.
*) Hefele^ nach den Berichten bei Eoblea und Oomez, S. 174 — 177.
0 Baynald,, annales 1499, nr. 34 (nach Petrus Delphinta).
140 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Dieser lenkte ein, und versprach, das Kapitel in eigener Person zu
visitiren. Sofort stand er auf gutem Fusse mit seinem Kapitel.
^^^ Zum Schuze armer Mädchen gerundete er zu Alcala ein Kloster
kioater zum heiligen Johannes, und dabei ein Haus „zur heiligen Isabella^ für
^^ ^' arme Mädchen, wo sie unter guter Aufsicht so lange bleiben konnten,
bis sie die Ehe oder den Schleier wählten. Diese Anstalt erblühte;
Ximenes dotirte sie reichlich in seinem Testament. König Philipp II.
vermehrte ihre Einkünfte. Selbst Mädchen von Stand, besonders Tochtev
königlicher Beamten, wurden dort erzogen.
Ximenes speiste täglich 30 Arme, besuchte die Spitaler, steuerte
arme Mädchen aus, kaufte Gefangene los'}. Er gründete 12 Kirchen,
8 Klöster, 4 Hospitäler. Dass er dabei seine eigene Cathedrale, den
grossartigen Bau seines grossen Vorgängers Ximenes de Rada, nicht
vergass, lässt sich erwarten. Nicht nur stiftete er dort im Jahre 1503
die mozarabische Kapelle, sondern Hess den Kapitelsaal, in welchem
die Bilder der Erzbischöfe von Toledo gesehen werden, herstellen und
ausschmücken; er stiftete und vermehrte die Bibliothek der Cathe-
drale, und schenkte derselben die grosse Custodia (Monstranz) und
vieles Andere.
§. 14.
In den Jahren lij06 — 1510 war das Verhältniss Ferdinand's V.
und des Papstes Julius II. ein sehr gespanntes. Am 22, Mai 1508
schrieb Ferdinand den erwähnten Brief an seinen Vicekönig in Neapel,
dem er befiehlt, Träger päpstlicher Briefe (ohne staatliches Placet)
ohne Weiteres aufzuhängen, und worin er mit der Losreissung seiner
Staaten von Rom droht. Fic. de la Fnente hält es fttr unmöglich,
dass dieser „ungemessene" Brief Ferdinand „den Katholischen" zum Ver-
fasser habe, und hält ihn für das Machwerk eines Protestanten vom
Ende des sechszehnten Jahrhunderts. Wir meinen, dass dieser Brief
der im Grunde wenig katholischen Stimmung und Gesinnung Ferdinand'»
genau entsprach. Er ist auch nicht bloss „ab irato" oder im Zorne ge-
schrieben. Denn dieselbe Anschauung von seinen unverlezlichen Kron-
rechten tritt überall bei Ferdinand hervor.
') Jß. S. Parro weist noch im Jahre 1857 eine ganz erstaunliche Zahl von
Spitälern und Wohlthätigkeitsanstalten aller Art in Toledo nach. Toledo en la
mano, I, p. 355—448. Es gäbe diess ein prächtiges Kapitel zu dem meines Wissens
noch nicht geschriebenen grossen Buche: „Die christliche Barmherzigkeit^ nnd die
Güter der todten Hand.** Die von Ximenes nnterstflzte „Casa de caridad* bestand
noch u. d. N. „Hospital del Refugio**, im Jahre 1857 — s. Parro, p. 431—440
fle/eZe, p. Iö4— 186.
Perdinand V. und Jalins IL Bas kOnigl. Plaoet (Pase). 141
Schon im Jahre 1423 verbot Konig Alfons V. von Aragonien, ^^
päpstliche Ballen ohne sein Placet (^Pase^) bekannt zn machen. od«r
Ludwig XI. von Frankreich und Ferdinand V. von Araironien han- ■^"•''
delten hierin gleichmässig. Vergebens beschwerte sich Papst Sixtus IV. nion.
bei der Konigin Isabella, dass seine Bullen nicht beachtet würden —
1483. Da manche derselben Pensionen und Commenden an Ausländer
Tergaben^ oder die königlichen Rechte zu verlezen schienen, so wurden
die Klagen der Päpste wenig beachtet Besonders suchte Papst
Alexander VI. mehrere seiner Günstlinge spanischen Bisthümern „als
Administratoren^ aufzudrängen. Darin, dass die „spanischen Könige^
diese nicht zuliessen, scheinen sie uns kirchlicher gehandelt zu haben,
als die betreffenden Päpste, welche das unkirchliche Institut der s. g.
, Administratoren^ in Aufnahme brachten. Am 26. Juni (1. August?)
1493 erliess Alexander VI. eine Bulle, worin er keineswegs den spa-
nischen Königen das Recht des „Placet'', d. i. die päpstlichen Bullen
zurückzuhalten, ertheilt, sondern ein beschränktes Recht, von den Bullen,
welche Indulgenzen verliehen, Einsicht zu nehmen, um zu prüfen, ob
sie acht oder falsch seien. Diess gewährte der Papst auf Bitten der
j^Snige"*). Die spanischen Regalisten nahmen von dieser Bulle An- ^*»^*«'-
lass, zu lehren, dass das Recht, päpstliche BuUen zurückzuhalten nach qaatnr«.
königlicher und päpstlicher Concession, von dieser Zeit an datire, eine
Behauptung, an deren Wahrheit sie (nach F. Fuente) selbst nicht
glauben. ^,Auf einem so kleinen Fundamente erhob sich das mächtige
Gebäude des „königlichen Exequatur"'). Aber Ferdinand V. griff mit
beiden Händen nach dieser scheinbaren oder doch nicht wesentlichen
Concession. Im Jahre 1508 erliess er ein Decret, wodurch er eine
Indolgenz-Bulle zu Gunsten der Kirche von Monserrat cassirte. Diess ^^^^^
wurde einige Male zu Gunsten der s. g. „Bulla de la Cruzada" wiederholt *), omsad».
*) Vic de La Fuenie^ V, p. 78. — Pareoe imposible, qua el Ray Catölico
fltcribiera tal coea (nftmlioh: Per quo no fecistais tambien de fecho mandando
fthorcar al Cursor, qne vos la presento?). Oröolo mi^ biea una sopercheria protes-
tante, ioventada ä fines de aquel siglo como otras per el estilo.
*) Nos omnes et singnlas indnlgentias concessas et concedendas in posterum
NispendimuB et BUBpensas esse decemimns donec per loci ordinariam prins, deinde
per — nostmm — Nimtiam ac Capellanum majorem Kegis et Beginae consilio
tanatentem per eos ad id depatandos bene et diligenter aut (aa?) sint verae Litterae
Apostolieae viaae et inspectae faeriot Das Breve steht bei La Fuentßy V» p. 581
— apead. nr. 1. cf. La Fuente, La retencion de Bulas en Espafia ante la Historia
y el derecho, Hadr. 1865, 2 t 4*. — pp. 180 et 300.
') Sobre tan peqnefio fandamento vino a snrgir luego la pesada mole del
»Exeqnatar reginm." Fuente, V, p. 78.
*) Zoerat gewfihrte Papst Innoseenz III. den Königen von Gastilien die Indnl-
gens, die Ctelder, welche Ar den Krieg gegen die Mauren in Spanien eingingen, zu
Terwalten, und für gewisse Zeiträume für sich zu verwenden. AJlmälig bildeten
142 Dreizehntes Bach. Drittes Kapitel.
Besonders hütete Ferdinand sein Schoosskind, die spanische In-
quisition gegen jeden sie mildernden, ihm aber unbequemen Ein^flass
der Kirche. In diesem Punkte war er ^katholischer als selbst der
Papst/' Am 31. August 1509 erliess er ein Decret, wornach jeder, der
vom Papste oder seinen Legaten eine Bulle oder sonst eine Urkunde
zu Ungunsten der Inquisition erwirken würde, mit dem Tode bestraft
werden sollte '). Zuerst müsse der königliche Rath entscheiden, ob die
Bulle publicirt werden dürfe, ob nicht. Leider gab auch Ximenes dem
Könige den Rath, sich alle päpstlichen Bullen vor ihrer Pnblicirnng
vorlegen zu lassen^').
§. 15.
Als Konig Ludwig XII. von Frankreich jene Trennung von Rom
wirklich durchfuhren wollte^ welche Ferdinand am 22. Hai 1508 nur
angedroht, finden wir Ferdinand wieder an der Seite des Papstes
Julius II* Der Kaiser Maximilian I. und König Ludwig XIL im
Bunde mit einigen Gardinalen, besonders mit Bemard Garvajal aus
Spanien, schrieben eine Synode nach Pisa auf den 1. September 1511
aus. Hier sollte Papst Julius II. abgesezt werden, denn er habe den
Frieden unter den Christen gestört, sei durch Simonie Papst geworden
und habe sein im Conclave gegebenes Wort nicht gehalten^ ein all-
gemeines Concil zu berufen. Durch Brief vom 18. Mai 1511 wandte
sich Julius II. um Hilfe an Ferdinand. Ferdinand machte sich eine
Ehre daraus, den heiligen Stuhl zu beschüzen, wenn er seine eigene
Rechnung dabei fand ^). Er berief den Cardinal Ximenes, alle Granden
und Bischöfe, die eben in Sevilla weilten, zu sich. Auf ihren Rath
beschloss er, seine Streitkräfte fttr Italien zu verwenden. Ximenes sandte
dem Papste eine bedeutende Summe zu Bestreitung der Kriegskosten ^).
diese Hilfsgelder einen Theil der königlichen Einkünfte. In dieser Kasse des hei-
ligen Krenzznges tritt uns eine ähnliche Vennengnng der geistiiefaen und weltlichen
Macht entgegen, wie bei der Inquisition. Der (königliche) Gommissfir der «Santa
Crazada** beansprnehte das Recht, za Gunsten seiner Kasse pfipstliohen Indolgenz-
briefen das „Pase** zu verweigern. Dieser Stand dtr Dinge hat bis auf die neaeBte
Zeit die Verbreitung des grossen (Lyoner) Vereins zur Verbreitung des Glaabens in
Spanien verhindert. „Das katholische Spanien liest nach eigenen Heften." — Of.
BuUa de la S. Grnzada in dem Snplem. al Diccionario del ab. Bergier, Madr. 1857,
p. 100—103.
>) Uorente I, p. 368 — 369. — Hefele, S. 363—864. Was sagt dazu Herr
Orii y Laraf
*) Hefde, S. 433—434.
») HefeU, S. 410.
*) Hefdd, S. 411.
Lezte Jahre Ferdinand*8 V. und sein Tod 1516. 143
— Im November 1511 kam ein Legat des Papstes zum Reichstag
nach Borgos, der meldete, dass Julius II. am 4. October d. J. einen Ver-
trag mit Venedig geschlossen, dem auch Ferdinand V. beitrat, und
der die Bulle der Berufung der Alnflen Synode im Lateran verkünden
sollte. Kaiser Maximilian, damals Wittwer, trug sich mit dem Plane,
nach Absezung des Papstes Julius II. , selbst Papst zu werden. Er
berief darum die deutschen Bischöfe nach Augsburg. Aber keiner
derselben fand sich in Pisa ein. Nur Matthaeus Lang, damals Bischof
von Gurk, begünstigte seine Plane« Maximilian, wetterwendisch, wie
er war^ sandte nach Pisa keinen Legaten, wo, unter Carvajals Führung,
7 Cardinale und nur 20 Prälaten, meistens Franzosen, sich stellten.
Diese flohen schon nach 15 Tagen nach Mailand. Sie suspendirten
hier den Papst, wurden aber vom Volke ausgezischt.
Mit grosser Feierlichkeit wurde am IG. November 1511 durch
den Nuntius Wilhelm Cazador die päpstliche Bulle in der Cathedrale
von Burgos verkündet^ vor Ferdinand, seinen Räthen, vielen Bischöfen
ond Grossen^).
§. 16.
Ans Anlass der bestehenden Wirren mit Frankreich rüstete
Ferdinand zum Kriege gegen Navarra. Konig Jean d' Albret wurde
Ton Julius II. u. a. als Verbündeter Ludwig's XII« excommunicirt.
Als die Spanier einrückten, überliess der Franzose d' Albret das Land
seinem Schicksal. Im März 1513 huldigten die Stände von Navarra
Ferdinand V. Auch aus Italien wurden die Franzosen vertrieben.
Im März 1513 erkrankte Ferdinand durch den Genuss einer gewissen
Speise, die ihm seine Gemahlin bereiten liess, um ihrem Manne die
verlorne Manneskraft wieder zu verschaffen. Er zählte 61 Jahre. Im
November 1514 sagte Petnis Martyr bestimmt voraus, der Konig sei
nicht zu retten, wenn er nicht der unmässigen Jagdlust^ und dem un-
niassigen Umgange mit seiner Frau entsage*). Die Unruhe trieb ihn
von Ort zu Ort. Im Mai 1515 machte er zu Burgos sein Testament.
Troz des Abmahnens des Ximenes wollte Ferdinand nach Sevilla reisen.
Auf dem Wege erkrankte er lebensgefahrlich. Er ernannte nach einigem
Widerstreben den Ximenes zum Beichsverweser , empfing die heiligen
Sacramente, liess sich das Erleid des heiligen Dominikus anziehen und
starb am 23. Januar 1516, im Alter von 64 Jahren, im 41. Jahre
semer Begierung in Castilien.
') Bemaldez, U, p, 183—191. Der Nuntius wollte Ferdinand sogar die
Hand kflasen, was dieser aber nicht zugab.
*) Petrm Martyr, Epist. 542. — HffeU; S. 434-436.
144 Dreizehntes Bach Drittes Kapitel
Sicher war er ein grosser Staatsmann und tüchtiger Regent.
Aber neben der grossen Isabella scheint er ein kleiner Mann za sein.
Ferdi- Dqs Glück verlicss ihn selten oder nie. Aber er verfolgte doch im
die Cor' Ganzen eine egoistische Politik. Kirchlich war er , wenn er dabei
^■* sein Interesse fand. Er ist der Vormanu jener Regenten, welche durch
Concentrirnng aller Gewalt in einer Hand zwar für die nächste Zeit
die Staaten stärkten, far die spätere Zeit aber den Keim des Verfalls
der Staaten legten. Sie wollten ihren Nachfolgern eine starke und ein-
heitliche Gewalt hinterlassen, vermochten ihnen aber nicht ihren eigenen
Geist und ihre Geisteskraft zu hinterlassen. — Die Cortes waren für
Ferdinand gerade gut genug, ihm Geld zu verwilligen. Wollten sie
an ihren eigenen und verbrieften Rechten festhalten, so waren sie nach
seiner Meinung Attentäter gegen die allein berechtigte königliche
Gewalt. Wie sein Enkel Carl V., machte er dann kurzen Process mit
ihnen. Als im Jahre 1Ö15 die zu Calatayud versammelten Stände
Aragon's die begehrte Kriegssteuer ablehnten, Hess er ihren Kanzler
Anton. Augustin verhaften. Da sie noch nicht nachgaben, jagte er sie
auseinander, und „kehrte höchst missstimmt im October (1615) nach
Castilien zurück^ ')• Unser Urtheil wird vielleicht Manchem zu hart
erscheinen. Vielleicht hätten auch wir in die Lobgesänge anderer ein-
gestimmt; aber wir schreiben zu einer Zeit, wo die von Ferdinand
inaugurirte Regierungsweise eine Probe von bald vier Jahrhunderten
bestanden, und sie hat diese Probe sehr schlecht bestanden. Das von
Ferdinand eingeleitete absolute Königthum ist in Spanien seit bald drei
Jahrhunderten von einer Ohnmacht in die andere gefallen. Isabella
der Ersten ist Isabella die Zweite nachgefolgt.
§. 17.
Als Ximenes die Zügel der Reichsregierung ergriff, zählte er
80 Jahre, (er war geboren im Jahre 14o6), war aber im vollen Besize
seiner geistigen und selbst seiner körperlichen Kräfte. Die ihm an-
geborne Energie schien sich gesteigert zu haben. Aber auch er w^ar
einer der Staatsmänner, welche das Feudalsystem des Mittelalters zu
brechen, und alle Staatsgewalt in der Hand des Monarchen zu ver-
einigen sachten. Er gehört zu den Staatsmännern, welche, in dem
löblichen Eifer, einem Uebel abzuhelfen, ein anderes herbeiführten.
Er selbst ist gar sehr entschuldigt durch die zahlreichen Verschwör-
ungen und Aufstände, welche verschiedene Granden gegen ihn an-
') Hefele, S. 436.
Ximenes als Rcichftregcnt und desBeQ Tod. Ho
zettelten, und die ihm obliegende Pflicht, das "Reich ungefährdet
dem Könige Carl V. zu hinterlassen.
Dem Papst Julius II. (f 21. Februar löl3) war im März 1513
Leo X. nachgefolgt. Er sezte die iunfle Synode im Lateran fort.
Da Ximenes in Rom nicht erscheinen konnte, so erbat sich der Papst ^^"'*"^"
seinen schriftlichen Rath in den wichtigsten Dingen. Ximenes suchte «tiut p.
die Beschlüsse des Concils noch vor dessen Schluss in seinem Sprengel ^^ ^'
aaszufuhren. Er Hess sogleich die Reformdecrete der achten und
neauten Sizung vollziehen. Dagegen war Ximenes ganz gegen den
Ablass, welchen Papst Leo X. auPs Neue (1514 — 1516) für den
Weiterbau der Peterskirche ausgeschrieben, obgleich Ferdinand V. dazu
seine Einwilligung gab. Er meinte , solche Ablässe dienen gar sehr
zur Entnervung der Kirchenzucht. Die Protestanten konnten sonach
den „Grossinquisitor^ Ximenes in die stattliche Reihe „der Refor-
matoren vor der Reformation '^ aufnehmen.
Am meisten beunruhigten den Ximenes die Beamte, welche Konig
Carl y. aus Belgien sandte. Sie waren seine natfirlichen Gegner.
Ihre Habsucht erschwerte die Bemühungen des Ximenes für König ^'*»*-
Carl gar sehr. Sie arbeiteten auch beständig an seinem Sturze. Im Tod de^
Sommer des Jahres 1517 sandte Ximenes eine stattliche Flotte nach ^^™®'
Belgien, unter deren Schuz Carl ungefährdet nach Spanien kommen,
konnte. Im August reiste Ximenes nach Aranda del Dnero, um dem
ankommenden Konig näher zu sein. Er erkrankte im Kloster Aguilera.
Carl y. landete Mitte September in Asturien. Bei ihm waren u. a.
seine Schwester Eleonora und seine zwei einflussreichsten Räthe, der
Kanzler Sauvage (Selvagio), und Wilhelm Chi^vres, Herzog von Croy,
Cari's Erzieher und Vertrauter. Dieser war entschiedener Gegner des
Ximenes; ebenso der Kammerherr La Chaux. Die Belgier hintertrieben
eine Zusammenkunft des Königs mit Ximenes.
In seinem Testamente sezte Ximenes zu seinem Haupterben die
Universität Alcala ein. Am 17. October begab er sich in das Kloster
Roa. Hieher sandte ihm Carl seine Entlassung als Reichsverweser,
und zugleich seine Entfernung von den Geschäften des Reichs, wegen
schwerer Erkrankung aber verschonte man den Cardinal mit dieser
Nachricht*
Als er seinen Tod nahen fühlte, umschlang er mit seinen Händen das
Zeichen des heiligen Kreuzes, bat unter Thränen Gott um Verzeihung
aller seiner Sünden, rief die Fürbitte aller Heiligen Gottes an, und empfing
die heiligen Sacramente der Sterbenden. Unter den Worten :. „In te, Do-
mine, speravi" — verschied er am 8. November 1517, 82 Jahre alt ^)
Des.
•) Eefüe, 8, ö30— 631.
Umm, fp«B. Kircli«. m. f. JQ
146 ' Dreizehntes Bnch. Drittes Kapitel.
Er war einer der grössten Männer, welche Gott dem christliehen
Spanien geschenkt, von einer staunenswerthen Vielseitigkeit der
geistigen Gaben. Seine Herbe oder Härte findet ihre Erklärung in der
Energie seines Wesens'). — In den Jahren 1650 und 1655 legte
Philipp IV. die Bitte um die Einleitung des Proeesses seiner Heilig-
sprechung dem römischen Stuhle vor.
§. 18.
Schrif- ^yg diesem Anlasse erschien die Schrift seines Ordensbruders
ten Über
ibn. Pedro de QuintaniUa y Mendoza: Archetypo de virtudes, Espejo de
Prelados, el venerable padre y siervo de Dios Fr. Francisco Ximenes
de Cisneros. Palerm. ]653, 2^ — Die Angelegenheit blieb in Rom
ruhen. In manchen Gegenden Spanien's wird er aber wirklich als
Heiliger verehrt, an seinem Gedächtnisstage wurde nicht mehr für ihn
gebetet^). In sieben spanischen Martyrologien kommt sein Name vor.
Wetteifernd mit den Spaniern haben französische, italienische,
deutsche und englische Schriftsteller das Leben des grossen Cardinais
beschrieben. Zuerst erschien das Werk des Spaniers Alvarus Gomez ^).
Diesem folgte Etagen, de Robles mit seinem Abrisse des Lebens des
Cardinais Ximenes. Nach diesem erschien das Werk Quintanillds und
ein ihm ähnliches zu Rom 1654^). In Deutschland erschien anonym:
Historie von dem Staatsministerium des Cardinal Ximenes , Hamb.
1719, 8®. — Don Franc. Ximenes, Leipz. 1796. — Von Havemann
erschien Don Fr. Ximenes, Götting. 1848 (eine Skizze). Das Werk
Hefde^s über den Cardinal ist eine erschöpfende Staats- und Kirchen-
geschichte Spanien's in der Blüthezeit spanischer Macht und Grösse
in den Jahren 1480 — 1517®). — Der Engländer Barret hat im Jahre
1813 ein Leben des Cardinal Ximenes herausgegeben^).
') Seine Grabschrift in der Kirche S. lldefonso in Alcala lautet: Condideram
muBis Franciscus grande lycenm, Condor in exiqno nunc ego saroophago. Prae-
textam junzi sacco, galeamque galero, Frater, duz, praesal, Cardinensque pater!
Quin virtnte mea junctam est diadema cacullo, cnm mihi regnanti parait Heaperia.
') Quintanittaj in apendice; auch bei FUchier^ vie de Ximenes, p. 552 —
566. Hefele, S. 534.
^ Oamecii de Castro, Toletani (Alvari)^ de vita et rebus gesiia a Fr. Xi-
menio archiäpiscopo toletano, libri YIII, Complnti, 1569. 2*. ~- Francofurti, 1581. —
Es steht auch bei SchoU, Hispaoia illnstr., Francof., 1603, t. I, p. 927—1156.
*) Eugenio de Robles, Compendio de la vida j hazafias del Cardenal Don
Fray Fiancisoo Ximenez de Cisneros, y del oficio y Misa Mnsarabe, Tdledo, 1G04, 4*.
'} Panegiricos del card. de Cisneros. Bom, 1654, 4*.
') ^Obra importante" nennen es die Herausgeber der Briefe des Ximeues,
Orti y Lara aber, „obra renomada^.
^) Hieher gehören die betreffenden Abschnitte in dem Leben Carlas V. von
Robertson^ und PrescotVs in dem Leben Ferdinand's und Uabella's.
Schrifiten über Ximenes. Briefe desselben. 147
Nicht gering ist die Zahl französischer Schriften über den grossen
Cardinal. Im Jahre 1631 erschien das Werk eines Ungenannten^
sodann im Jahre 1635 eine Schrift von Baudier. Märsollier liess im
Jahre 1694 eine ^Geschichte des Ministeriums dea Cardinais Ximenes^
erscheinen, nnd fand im Jahre 1708 einen literarischen Gegner. Von
Richard erschien im Jahre 1704 eine „Parallele des Cardinais Ximenes
and des Cardinal Richelieu.^ — Bedeutender war das Werk des
Bischofs Esprit FUchier über den Cardinal, 1693<). Im Jahre 185G
erschienen nicht weniger als drei Ueberseznngen des Werkes von
Hefde nber Ximenes'). Die Spanier selbst scheinen an den frühem
Schriften über Ximenes sich haben genügen zu lassen^). — Wir kennen
nur eine historische L#obrede von dem Acaderoiker V. O. Ai^clo^) auf
Ximenes. Dagegen ist Ximenes selbst erst vor wenigen Jahren^) durch
Panqual Gayangos und Vic. de La Fventej welche seine Briefe
herausgaben, unter die spanischen Schriftsteller eingeführt worden. ^*^*^*
Es sind 129 Briefe, die meisten gerichtet an Diego Lopez de Ayala, m«iiea.
Domherrn von Toledo. Die Briefe reichen vom 1. September 1508
bis 27. October 1517. Sie sind alle kurz; mehr für die Persönlichkeit
des Ximenes, als für die Geschichte der Zeit von Wichtigkeit. 20 — 23
') Histoir. du eard. Ximenes. Paris 1631. — Baudier, Bist de T administratioa
da Card. Ximente, Paris, 163 t. 4*. — Marsollier, Bist, da minist^re da oard. de
Ximentey Tüoloose 1694, und: MarsoUier döcoavert et confoDd» dans ses contra-
dictioDB öerivant rhlstoire du Card. Ximenös. Par. 1708. — Richard, Parallele du
Card. Ximeate et du card. de Richelieu. Trevoux, 1701. Rotterdam, 1705. — Auch
Hefde hat eine historische Parallele dieser zwei CardinSle (S. 535—552), sowie
IsabelU's mit Elisabeth von England (S. b3 — 94) gezogen.
*) An dem man jedoch anssezt, dass er über dem Gelehrten den Minister
nnd Staatsmann nicht gebührend gewürdigt habe: flifitoire du Cardinal XimenöSy
1693, 4* nnd wieder 2 t 12*. — Daa Werk von Mich. Baudier (f nm 1645) er-
schien wieder im Jahre 1852 und 1&% n. d. Titel: Bistoire de la vie et de Fad*
minifitration du eardinal Ximonös. Afiotöe et pr^cöd^o d' nne introduction et d* une
Nutice snr Michel Baudier et ses diverses ouvrages, par. Edm, Baudier, Paris,
1852, 1855.
*) Die erste Uebersezong ist von Charles- Sainte- Foix et P. A. de Bermond,
a?ec des notes des tradactear*s, 1856. — Die zweite ist: tradoit snr la 2 Vitien
par Jf. raöbi. A. Sisson et M. Vabbi A. Ürampon. Lyon, 1856. — Die dritte
ut von M. V ahhi Toumai 1856.
*) Nie. Antonio sagt zum Lobe des Werkes von Alv. Oomez: qno opere in
^ geoere an praestantias aut perfeetiua esse possit^ non immerito saepe dubitavi.
Nkol. Antonio, Mova Blbliot. I, p. 59.
^) t im Jahre 1845; in tom. IV de las Memorias de la Real Academia de
Hiatoria, Hadr. 1886.
') Cartas del Cardenal Don Fray Francisco Jimenez de Cisneros, dirigidas ä
Don Diego Lopez de Ayala (s. Generalvicar in Toledo), pnblicadas por Don Pas-
cttcU Oayangos j Don Vic. de La Fuente, Madr. 1867, p. 271.
10*
148 Dreizehntes Buoh. Drittes Kapitel. Briefe des Ximenes.
handeln von dem Feldzuge gegen Oran. Aus dem lezten Lebens-
jahre des Cardinais, 1517, stammen 38 Briefe, der lezte ist eilf Tage
vor seinem Tode geschrieben. Ein Brief vom 8. October 1517 aus
Aguilera ist an das Colegio von San Ildefonso in Alcala gerichtet.
Obgleich er Stifter desselben und Verfasser seiner Constitutionen war,
so richtet er doch die Bitte an es, die Amtsgewalt des gegenwärtigen
Rectors um ein Jahr zu verlängern^). Als sechster Anhang ist der
schon bekannte Brief an den ,)Sehr hohen und sehr mächtigen katho-
lischen König (Carl I.) und Herm^, ohne Datum beigefugt, wonn er
das Verfahren der Inquisition, die Namen der Zeugen oder Ankläger
geheim zu halten, sehr energisch vertheidigt*).
•) Carta, 120, p. 229.
*) CartcUf p. 261—263. Hefele hat eine Ueberaezang dieser Denksebrift aus
Carnioero (H, p. 289—293) gegeben (S. 365—366).
Viertes Kapitel.
Die Kirehe in Spanien onter der Resierong Cari*8 Y. (1).
Iil7— IU6.
§. 1.
•
Nach dem Tode Ferdinand's I. am 23, Januar 1516 bestätigte
Carl in einem sehr wohlwollenden und staatsklugen Schreiben vom
14. Februar 1516 den Cardinal Ximenes als Ueichsverweser *). — Carl
war schon von Papst Leo X. und Kaiser Maximilian L als ^Konig^
hegrüsst worden, während ihm zu Lebzeiten seiner Mutter nur der
Name eines Prinzregenten zukam. Da er sich dennoch Konig von
Spanien nannte, so vermittelte Ximenes zwischen ihm und den Spaniern,
d. i. er übte einen starken Druck auf die Spanier aus, und Hess zu
Madrid, das er zu seiner Residenz gewählt, Carl am 31. Mai 1516
mit grosser Feierlichkeit als Konig ausrufen, das Volk jubelte, die
Bischöfe widerstrebten nicht, der Adel gab nach. Die Aragonier da-
gegen weigerten sich, Carl'n den Konigstitel zu geben, bis ihre Cortes
entschieden hätten. £rst nach seiner Ankunft erkannten sie ihn auf
dem Reichstage zu Saragossa an*).
Papst Leo X. kam dem neuen Konige in jeder Weise entgegen,
lo seiner Bulle vom 1. April 1517 sagt er: Schon vor langem hat
Papst Alezander VT., mit Rücksicht auf die herrlichen Tugenden und
Verdienste Ferdinand's und Isabclla's, auf die ungeheuren Anstreng-
ongen bei der Eroberung des Reichs von Granada, — auf die Aus-
*) Sandoval, la Vida y hechos del emperador Carlos V. Pamplona 1618,
2 fol. — lib. IL Hefele, S. 445—446.
^ Petrus Martyr, Epp. 668, 672, 690, ü03, 617 — 618, 624, 665. — Arvao,
Mcm«4ia8, t. iV, p. •iL - Hefele, S. 4 0.
150 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
treibuDg der Juden, von welchen dem christlichen Glauben so viele
Gefahren drohten, auf die Reform der geistlichen Orden beider Ge-
schlechter, ihnen zum Lohne für ihre Verdienste den Ehrentitel der
katholischen Konige verliehen. ,,Er bewilligte und wollte, dass sie von
nun an Ferdinand der Katholische, und Isabella die Katholische ge-
nannt wurden.^' — Indem Wir hoffen , dass Unser geliebtester Sohn in
Christus, Carl, Konig von Spanien, welcher im 18. Jahre seines Le-
bens steht, mit Hilfe der Gnade Gottes in die Fusstapfen seiner Gross-
eltern eintreten, ja sie noch iibertreffen werde, ertheilen Wir aus eignem
Antriebe, sicherm Wissen, und in der Fülle der Gewalt dem Konige
Carl und seiner rechtmässigen Gemahlin den Namen und Titel der
katholischen Konige — in dem Namen Grotte« *)•
§. 2.
Nach dem Tode des Ximenes wollte der Erzbischof Alfons von
Saragossa den Primatialstuhl von Toledo besteigen. Schon im Jahre
1509 hatte Ferdinand V. dem Ximenes zugemuthet, dass er zu Gunsten
seines Sohnes abtrete. Ximenes entgegnete: „Niemals werde ich meine
Braut wechseln, und lieber in mein Kloster zurückkehren. Meinen
Besiz aber werde ich Niemand in der Welt, als der Kirche selbst und
den Armen übergeben."
Auch nach dem Tode des Ximenes konnte Alfons nicht durch-
dringen. Der Kanzler Chievres wünschte von dem Primatialsize selbst
Besiz zu ergreifen. Auf sein Betreiben schlug Carl V. den Belgier Wil-
DerCAT-belm von Croy, den Neffen des Kanzlers, als Primas vor. Dieser
^(i. war zugleich Bischof von Coria, und wurde gleichzeitig Cardinal. Das
beim V.Kapitel von Toledo, dem am 13. April 1518 die BestatigungsbuUen
'^^' vorgelegt wurden, stellte dem Konig vor, wie unpassend es sei, einem
Ausländer eine so wichtige Stelle zu übergeben. Es half nichts. Die
Belgier behandelten Spanien wie eine eroberte Provinz. Papst Leo X.
fertigte am 23. Juli 1518 neue Bullen zu Gunsten Wilhelm's von Croy aas.
Das Capitel musste nachgeben. Der junge Belgier kam nie nach Spanien.
Am 11. Januar 1521 starb er in Lüttich an einem Sturz vom Pferde.
— Auch der Erzbischof Alfons starb schon am 24. Februar 1520, erst
48 Jahre alt Dennoch war er 42 Jahre Erzbischof gewesen, da sein
Vater Ferdinand V. ihn als sechsjähriges Kind in das Erzbisthnm ein-
geschoben hatte.
Am 18. November 1518 hielt Carl V. seineu Einzug in Valladolid,
•) BuUar. Roman, ed. Taurin., t. V, 1860, p. 691—692. — Vic. de la Fuente,
V, p. Ö89.
Die
Stände.
Corte« zu YaUadolid, 1518. Carl V. im Jahre 1519 — 1520. 151
wohin Ximaies die Cortes berufen hatte. Mit ihm zog u. a. der
Decan Hadrian von Utrecht ein, dem wenige Tage nachher der König
den Cardinalshut übergab. Im Februar 151.8 traten die Cortes zu-
sammen. Sie machten ans ihrer Abneigung gegen die Belgier kein
Hehl. Der Depntirte von Burgos protestirte im Namen Aller gegen invaiia-
die Beleidigung , die den Cortes durch den Eintritt von Ausländern pebra«
aogethan worden, die einen Posten (des Vorsizes) inne hätten, der nur i5i8
Castilianem gebühre. Die Cortes erklärten am 5. Februar, dass sie
den Eid der Treue nur dann schworen würden, wenn „Seine Hoheit^
gleich&lls schworen würde, die Privilegien, Gewohnheiten, Freiheiten
und guten Gebräuehe der Gemeinden^), besonders die Geseze zu
halten und zu schüzen, welche Ausländern Aemter und Beneficien zu
übertragen verboten. Die Mehrzahl der Cortes weigerten den Schwur,
bevor der König geschworen hätte. — In derselben Form, wie die
Depntirten^ schwur Carl Y. den allgemeinen Eid, die Geseze des
Königreichs zu halten, zu schüzen und zu respectiren. Zumiel, Sprecher
der Cortes, bat, dass der König speciell schwören solle. Fremden keine
Aemter zu übertragen. Carl war wegen der vielen Belgier in Ver-
legenheit, aber Zumiel drängte so lange, bis er sagte: „Ich schwöre es^
(esto jure). — Diese Formel war dem D. Zumiel zu vieldeutig; er
Hess nicht nach, bis er ein klares Versprechen des Königs erlangt;
and jezt schwuren Zumiel und die übrigen Deputirten, die sich bis
jezt zurückgehalten, freudig den Eid*).
Die grossen Kosten der Reise des Königs nach Spanien, und die
enormen Ansprüche seiner Belgier, hatten schon den reichen Schaz er-
bchöpft, den der Cardinal Ximenes gesammelt hatte. Carl wandte
sich an den Edelmuth der Cortes, welche ihm ein „Service^ (Geschenk)
von 200 Cuentos Maravedis machten, zahlbar im Laufe von drei Jahren.
Die Cortes benüzten den Anlass und reichten Carl am 16. Februar
tine Supplik ein, welche 88 Vorstellungen oder Bittgesuche enthielt.
Carl gab eine befiriedigende Antwort, und die Cortes lösten sich auf.
Im April ging Carl nach Aragonien, um auch dort sich huldigen
zu lassen. In Barcelona erhielt er die Nachricht von seiner am 28. Juni
1519 geschehenen Wahl zum römischen Kaiser. Die Spanier waren
damit nnzufrieden; sie sahen voraus, dass von nun an ihr Gut und
Blot in fremden Kriegen würde verzehrt werden, und dass seine Ent-
fernung aus Spanien das Land in grosse Unruhen stürzen würde. Ver-
gebens baten sie ihn, das Land nicht zu verlassen. Als er am 5. März
1520 Valladolid wieder verliess, strömten 5000 Mann in Waffen zu-
0 De los pneblos.
*) Prestaron goBtosos el jaramento.
152 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
sammen, nm ihn mit Gewalt festzuhalten» Die Menge wurde darch
die grosse Garde der Belgier zerstrent. Die Scbnldigen wurden schwer
gestraft, u. a. drei Kleriker, weil sie das Lauten der Glocken nicht
▼erhindert. Carl hatte die Cortes auf den April 1520 nach Santiago
berufen. Es handelte sich um nichts, als um weitere Hilfsgeldcr.
Nur einige Deputirte gaben entgegen den ihnen .gewordenen Aaftrag,
nach, und bewilligten ein Geschenk (servicio) von 200 Cuentos Mara-
vedis, in zwei Jahren zahlbar. Am 20. Mai 1520 fuhr Carl aus dem
Hafen von Coruna nach Belgien ab.
§. 3.
Nicht bloss der Staat, anch die Kirche Spanien^s hatte die sch^v^ere
Hand des jungen Königs zu fühlen. Die j^katholischen Könige^ hatten
Ausländer, die, mit päpstlichen Bullen versehen, sich „als Administra-
toren'' in spanische Bistbömer eindrängen wollten, nicht zugelassen.
Jezt war mit päpstlicher Genehmigung der 20jährige Wilhelm von
Croy „Administrator^ von Toledo und Coria geworden, der Cardinal
Matthaeus Lang, seit 1519 Erzbischof von Salzburg, wurde „Admini-
strator'^ von Murcia. Statt dem Papste dankbar zu sein, sezten sich
diese Hofbischoie sogleich in Opposition g^gen Rom, indem sie dem
Cardinale Hadrian,. dem vierten General -Inquisitor in Spanien, hierin
nachgaben. Am 14. December 1518 richtete Papst Leo X. an Hadrian
ein Breve; er sagt, dass in Spanien manche verworfene Menschen be-
kennen, dass sie mit Wissen und Willen nm Geld, aus Hass oder
Furcht gegen Angeklagte vor der Inquisition, falsches Zeuguiss ab-
gelegt. So seien Unschuldige verurtheilt worden, die falschen Zengen
aber straflos ausgegangen. Diese müssten strenger gestraft werden,
als andere falsche Zeugen, da es sich nm den Glauben handle. Hadrian
möge sie zur Strafe ziehen, besonders wenn durch ihre Schuld Jemand
hingerichtet, oder verstümmelt, oder seiner Güter beraubt, oder ehrlos
geworden. „Damit beschweren Wir dein, und das Gewissen derer,
welche du mit diesen Geschäften betraut hast^, damit die Schuldigen
bestraft, „und auch dem weltlichen Arme übergeben werden^. Dazu
ertheilt er Hadrian die „volle und unbeschränkte Freiheit'^ Der Papst
sieht also die Inquisition für ein kirchliches Gericht an , was sie nie,
und nach dem Tode des Ximenes noch weniger war. Die neue Re-
gierung wollte dieses mächtige Regierungs-Instrument noch fester in
ihren Händen halten und jeden Einfluss des Papstes auf es abschnei-
den. Mochte auch Leo X. den Inquisitoren in Toledo mit dem Banne
drohen; es half nichts.
Die Generalvicare von Toledo und Murcia verboten nun die
Papst Leo X. im Conflikt mit seinem Nachfolger. Leo X. u. Carl V. 1 53
Verkündigung päpstlicher Bullen, die nicht vorher das „Vidimus" oder
riacet der Bischöfe oder ihrer Stellvertreter erhalten hätten. Dagegen
erliess Papst Leo X. die apostolische Constitution, welche das Datum
des 1. März 1519 trägt Der Papst müsse sorgen, dass von allen
Katholiken, besonders den Bischöfen, dem apostolischen Stuhle die ge-
bührende Ehrfurcht erwiesen werde. Das Gegentheil gereiche unzäh-
ligen Seelen zum Aergemisse. Dagegen habe sich schon Papst
Bonifaz IX. erhoben. Neulich seien ihm einige Bittschriften vorgelegt
worden, womach in den Sprengcln von Toledo und Cartagena, unter
dem Verwände, Fälschungen zu begegnen. Synodal- Constitutionen er-
lassen worden, welche verbieten, dass Referendaere und Notare')
apostolische Briefe keineswegs annehmen dürften, wenn sie nicht vorher
durch den jezigen Erzbischof von Toledo und den Bischof von Carta-
gena (Croy und M. Lang) oder deren OfSciale geprüft worden, von
Uns aber die Bestätigung dieser Constitutionen erbeten wird. Solches
Ansinnen an den Papst sei unschicklich, widersinnig, verwegen. Die
dem Papste vorgelegten Bittschriften, wornach er die ihm Untergeord-
neten als seine Yorgesezten anerkennen solle, habe er zurückgewiesen)
und die Schriftstücke vor seinen Augen zerreissen lassen. Die Syno-
dalbriefe von Toledo und Cartagena hebt er auf und vernichtet sie.
Die Richter , Notare u. a. sollen , ohne Erlanbniss einer kirchlichen
oder weltlichen Person, die päpstlichen Schreiben annehmen und voll-
ziehen. Unter Strafe der Ezcommunication und des Bannes, dem sie
durch die That selbst verfallen, und wovon sie nur der Papst lösen
kann, verbietet er allen kirchlichen und weltlichen Würdeträgern,
Richter oder Vollzieher päpstlicher Briefe an deren Verkündigung und
Aasfohmng zu hindern, seien sie auch Patriarchen, Erzbischöfe oder
Primaten, seien sie Kaiser, Könige, Königinen oder Herzoge'). Unter
den gleichen Strafen befielt er denen, in deren (Kirchen-)Büchern solche
Constitutionen von Sprengel- oder Provincialsynoden eingetragen sind,
sie so auszulöschen und zu vernichten , dass sie nicht mehr gelesen
werden können^. Ob diese Bulle dem Kaiser Carl V., und den beiden
Cardinälen, die sie zunächst anging, direct zugesandt worden, wissen
wir nicht. Eine Besserung trat nicht ein. Carl sandte vom Zorne
dictirte Briefe an seinen Gesandten in Rom, worin er mit Feuer und
Schwert den päpstlichen Boten und Mandataren droht, wie ihnen Fer-
dinand mit dem Stricke gedroht hatte ^).
Diess war der Dank, den Leo X. jezt für seine grossartigen
') Tabelliones et ootarif.
') £tiam imperial!, regall, regioali aut dacali vel alia praefulgeant dignitate.
*) Ita deieri et cassari faci»nt» ut amplias legi non possint.
*) BuUar, Roman. Taiuin. V, p. 713— 714— 717.
154 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel.
Concessionen an Carl V. erntete. Er hatte im Jahre 1518 Carl einca
Zebent auf alle Einkänfte des Klerus bewilligt. Die Kirchen in Cas*
tilien, besonders die reichsten, verweigerten die Bezahlung. In Cor-
duba legten der päpstliche Legat, Cardinal Fr. Aegidins, der die
Zehnten einzutreiben hatte, im Bunde mit dem Cardinal Hadrian und
dem Bischof von Badajoz, das Interdikt auf die Stadt und auf andere
Orte, wo der Klerus widerstrebte. Gegen das Interdikt appellirte das
Kapitel von Cordova vergebens an den Papst Es lastete auf der "Stadt
vom Feste der Himmelfahrt bis zum Monate August 1518; selbst das
Fronleichnamsfest wurde nicht gehalten. — Der Klerus der Reiche
Castilien und Aragon hielt zu Calatayud eine Versammlung, um sich
wegen des Zehnten zu vereinbaren; sie wollten statt desselben dem
Könige ein bedeutendes „Subsidium^^ in aragonischer Münze geben ^).
§. 4.
Carl's Verweser in Spanien war Cardinal Hadrian, der am 5« Juni
1520 in Valladolid seinen Siz nahm. In diesen Tagen brach wegen
Auf- der Erpressungen der Fremden der Aufstand der Städte (Communen,
d«r Co- Comuneros) aus. Er begann in Segovia, wo das Volk seinen Pro-
mune- curator Antonio de Tordesillas erhängte, weil er gegen sein Mandat
dem Könige zu Compostella die verlangten Subsidien bewilligte. Von
Segovia und Medina del Campo verbreitete sich der Aufstand nach
Toledo, welche Stadt ihm in der Person des Juan de PiidiUa ein
Haupt gab, nach Madrid, Avila, Burgos, Valladolid, Soria, Signenza,
Leon, Palencia, Sevilla, Murcia, Valencia, Zaragoza, Ciudad-Rodrigo,
Zamora, Salamanca. Auch der turbulente Bischof Ant. de Acuna von
Zamora schlug sich zu den Aufstandischen'). Dieselben brachten
kaum 20.000 Mann schlechtgeübter und schlechtbewafßieter Truppen
zusammen. Sie wurden am 23. April 1521 bei Villalar auf das Haupt
geschlagen. Von jezt an hörte jede auirilhrerische Bewegung in Spa-
nien auf. Carl V. verfügte unbedingt über Gut und Blut dieses Volks.
Der Adel drängte sich an seinen Hof; der Klerus diente ihm. Wenn
je einmal Widerspruch erfolgte, wie im Jahre 1538, wo Adel and
Klerus nicht geben wollte, was der König verlangte, so jagte er sie
mit Schimpf und Schande auseinander'). Im Jahre 1522 kehrte Carl V.
TOB.
') Un Babsidio de uns gran cantitad de florines de Aragon. Vie. de La
Fuente, V, p. 109—110.
*) Er wurde iih Jahre 1522 abgesezt, am 23. März 1526 hingerichtet.
') lieber den Aufstand der Comuneros — s. u. a.: Sangrador Vitores,
Historia de Valadolid, yal.l851,t.I.p.d37— 378. — ilc2o(/'jB&er^, Qaellenforschnngen
Papst Hadriao VI. und Kaber Carl V. 155
nach Spanien zurück , und vollzog ein strenges Gericht an den
^Comnneroe^.
§. 5.
Am 1. December 1521 starb Papst Leo X. Am 9. Januar 1522 .''•"**
wurde Ehidrian von Utrecht (Hadrian VI.) zum Papste gewählt, ohne vi.
ergichtliches Einwirken Carl's V. Am 9. Februar erhielt er die Nach-
rii'bt von seiner Wahl, und schrieb dem Kaiser n. a., dass v bereit
>ei, sich für ihn ,,martern^ zu lassen. Sicher war er vorzugsweise
Papst für Kaiser Carl *). — Am 5. August schifite sich Hadrian in
Taragona ein ; am 30. August wurde er in Rom gekrönt. Eine grosse
Menge von Gesuchen aller Art richtete Carl an seinen Erzieher; die
wichtigsten gewährte ihm dieser. Durch Bulle vom 4. Mai 1523 ver-
iiibte er die Grossmeisterwurden der Kriegsorden vom heiligen Jacobus
vom Schwerte, von Calatrava und Alcantara für alle Zeiten der Krone von
Spanien ein*). Was viel wichtiger ist, er ertheilte ihm das Patronat aller
ßiäthümer und kirchlichen Würden in Spanien. Die Konige Spanien's
t^rnannten von nun an alle Bischöfe und kirchlichen Würdeträger über-
'laapt in Spanien'). Freilich hatte Leo X. in seinem Concordate vom
Jahre 1517 den Konigen von Frankreich dieselbe Concession gemacht.
In allen Ländern, wo die Regenten Katholiken sind, verloren die Dom-
ii'ipitel von jezt an das Wahlrecht der Bischöfe.
Nach vielem und langem Drängen von Seiten CarPs V., der diesen
Papst ganz für sich ausnüzen wollte, schloss Hadrian am 3. August
1523 mit Carl, Heinrich VHI. von England, Ferdinand von Oester-
reich und fünf italienischen Staaten eine Defensiv -Alianz gegen Franz L
von Frankreich. Damit war Carl nicht zufrieden. Er bedrängte nun
<ien armen Papst zum Abschluss einer Offensiv- Allianz. Der Vater
'Icr Christenheit, der Stellvertreter Christi bei allen Völkern der Erde
sollte wie ein weltlicher Fürst die Waffen gegen die politischen Gegner
CarPs tragen. Napoleon I. muthete dem Papst Pius VII. eine solche
Allianz gegen England zu. Dieser weigerte sich beharrlich, verlor
>ii der Oeschkhte Spanien'«, Kassel 1849; (Histor -pollt Blätter, Bd. 28, S. 333
-354). Beinr. Bauer, „Hadrian VI/ Heidelb. Ib76, S. 27-40. HistorU de las
'omuoidades de Caatilla, Madrid 1811. 4*.
*) Dieser schrieb nach der Wahl an seinen Gesandten in London: Er könne
•ber Hadrian verfögen, wie ftber einen in seinem Hause erzogenen Mann. Histor.-
[Hjlit. Bluter, Bd. 46, S. 622.
') Bullar. Boman. Taurin, V, p. 18-24.
') Mariana, L 26, cp. 5. La Fttmte, V, p. 139. *- Dieser nennt es: „grande
^ preeioBa regalia*'.
166 Dreizolintcs Buch. Viertes Kapitel.
den Kirchenstaat, und wardc in die Gcfimgenschaft abgeführt. Gott
Hber befreite Hadrian VI. aas der grossen Noth, in welche ihn sein
Zögling Carl gebracht, indem er ihn anerwartet schnell aus diesem
Leben rief (f 14. September 1523)^).
Höfler schliesst seine jüngst erschienene Schrift über Hadrian VI.
nüt den Worten: „Es ist so oft behauptet worden, dass Spanien unter
Ferdinand und Isabella vereinigt worden und die drei Grossmeister-
thumer unter Ersterem der Krone zugewendet worden wären. Die
Vereinigung der spanischen Königreiche erfolgte erst unter Kaiser
Carl ulid die Incorporation der drei Grossmeisterthümer durch
Papst Hadrian VL zu Gunsten seines Zöglings. Jezt erst erlangte das
spanische Königthum seine Einheit und Abgeschlossenheit, und was
bisher den catolicos reyes (Ferdinand and Isabellen) zugeschrieben
wurde, muss in erhöhtem Grade Kaiser Cafl und dem ehemaligen
(xobernador Spanien's, Papst Hadrian VI. zageschrieben werden, der
mehr als jeder Andere die wunden Seiten Spanien's im Aufstande der
Comunidades kennen gelernt hatte. Kein Wunder, wenn Konig Franz
von Frankreich über diese Stärkung der königlichen Macht von Spanien
ungehalten war. Aber welch' ungeheurer Zuwachs dem französiächen
Königthum durch das Concordat Papst Leo^s X. zugefallen war,
brachte Konig Franz freilich nicht in Rechnung** *). Wir können diesen
Worten beistimmen, mit dem unterschiede jedoch, dass, was Höfler
ein Glück für Spanien und wohl auch für die Kirche zu sein scheint,
nach unserer Ansicht ein unermessliches Unglück für Spanien und fUr
die Kirche war.
Nicht so fast die Niederwerfung des Aufstandes der Comuneros,
als die reactionären Maassregeln in ihrem Gefolge hatten für Spanien
traurige Folgen. Die Städte verloren ihre Freiheiten und Vorrechte,
sie verloren aber auch ihren Handel- und ihre Bevölkerung. Als Carl
am 16. August 1522 wieder in Valladolid erschien, war die Revolution
auf allen Punkten unterdrückt^).
0 Casp. Burmann, Adrianas VI., sive Annlecta historica deHadriano Sexto
Trajectino, Papa romano. Trajecti ad Rhen. 1723. 4". — Correapondance de Charles V.
et d' Adrian VI., publicö — par M. Oachard, BmxelL, 1859 (und darnach Histor -
polit. Blätter, Bd. 46, S. G17— 635). — Syntagma doctrinae theolog. Adriani V!.,
iiA,Reu8en8, Lovanii 18«)2. — Reusena, Anecdota de vita et scrptis Adriani, Lo-
vanii 1862. — Ctmst Höfler, Wahl und Thronbi-Brcigiing des leztou deutschen
Papstes Hadrian'8 VI., — 1522. — Wien, 1^72, p. 98. — C. Höjler, der deutsche
Kaiser und der lezte deutsche Papst. Carl V. und HadriHu VI. Wien 1876, p. H.
— Hadrian VL Ein Lebensbild aus dem Zeitalter der Beformation. V. Dr. HeinT.
Bauer, Pfarrer in Frankf. a. M. — Ilcidelb. I87r., p. 161
') Höfler, S. 81.
•) In Medina del Campo wurden sieben Procuratorcn 'der 8tadte) erdrosselt —
r»7
Carl io den Jahren 1522 — 1524. Die iMomcoa in Spanien nnbekebrbar. 1 57
Im Juli 1523 versamtnelte Carl allgemeine Cortes in Vallndolid.
Auf diesen erschienen die Flamändcr nicht mehr. Carl verlangte
wieder ein j^Servicio** für die Kosten seiner Kriege, die Cortes präscn-
üit^Q ihm 165 Bittgesuche. Alles wurde unterbrochen durch die
plözliche Abreise CarFs zum Kriege gegen Frankreich. Am I.August
K24 fanden neue Cortes daselbst statt, welche wieder am 13. August
aufgelost wurden, unter dem Vorwande, dass Carl Wichtigeres zu
thun habe.
Die Zahl der Mauren, genannt Moriscos, war besonders gross in ^'® ^^'
den Königreichen Valencia und Granada und in der Mancha. Es lebten ten mo-
auch viele Moriscos in Nieder - Aragon. Da sie aber Vasallen der '^"^■'
Kirchen und Adeligen waren, so wurden sie von diesen geschüzt, und
schienen wenig gefähi*lich zu sein, obgleich sie später Aufstände ver-
suchten« Man sollte meinen, dass da jeden Tag neue Missionäre nach
West- und Ostindien abgingen, man zuerst die Ungläubigen im eignen
Lande hätte bekehren sollen. Diess war aber schwer, wenn nicht un-
möglich. Die Moriscos waren verhärtet im Irrthum, und sezten Allem
(inen nobezwinglichen Widerstand entgegen, was ihre Besieger auf
dem Wege der Gewalt ihnen auflegen wollten. Ximenes hatte tausende
derselben in Granada getauft, aber die von ihm angewendeten Mittel
führten nicht zu einer innern Bekehrung, und gereichen dem berühmten
Franciscaner nicht zum besondem Ruhme. Die Leiber der Mauren
Murden abgewaschen, ihre Seelen nicht belehrt und nicht bekehrt. Ge-
wöhnlich zog man die Mittel des Schreckens vor, um mehr auf die Ein-
bildungskrafl, als auf die Vernunft zu wirken.
„Der spanische Charakter, über die Maassen gewaltthätig, neigt
immer dazu, seine Ansicht andern lieber durch die Gewalt, als durch
die Ueberzengung beizubringen^^). — Die bekehrten Mauren wurden
von den Spaniern selbst mit Misstrauen und Geringschäzung behandelt.
üsd als endlich am 1. November ]6v2 die Amnestie verkündigt wurde, waren
270 Personen davon ausgeschlossen, die Adeligen zur Enthauptung, die Bürgerlichen
ivaa Gnlgen vemrtheilt worden. — Petrus Martyr, opus epist. nr. 771. .— Höf ler,
Wahl - Hadrian's VI., p. 77 (Ä Bauer^ 8. 40. 8angrad(yr Vüores, p. 374 — 375.
T(ymeo y Benedicto^ Zaragoza, 1859, p. 460 ^ nennt die Besiegten „die Märtyrer
^OD Villalar.*
') Vic de Im Fuente, V, p. 391. „El caräcter Espafiol , demasiado impe-
tnasoy propende siempre & imponer su opinlon mas bien per la fuerza, quo por la
ponviccion«'' Dieser Spanier bestätigt vollkommen unsere Ansicht, dass die spanische
•Suatiinqniaition im Grunde aus dem Charakter des spanischen Volkes hervorge-
ik'aogen sei. — S. oben — 8. 15 — 18. — Die Schattenseiten in dem Wirken des
grossen Ximenes, Gewaltth&tigkeit, rücksichtsloses, slfirmisches Vorgehen sind auch
u:ht spaaStehe Eigenschaften; s. Hefeh^ 8. 55—63 ttber den Bekehrungseifer des
Ximenes,
■■V
^^. ^
158
Dreizehntes Bnch. Viertes Kapitel.
Auch sie hiessen „neue Christen** *). Ihnen blieben Aemter und Ehren
stellen verschlossen, ebenso die Klöster und geistlichen Würden, ihnei
und ihren Söhnen bis zu der vierten Generation; öffentliche Unglücks
fülle wurden ihnen als Schuld angerechnet. Diese Abneigung dauei
im aechszehnten und siebzehnten Jahrhundert fort. Kein Morisco vev^
langte Christ zu werden, denn er würde von den Seinigen als Renega^
gehasst, von den Christen mit Geringschäzung behandelt worden sein.|
Dazu kamen die schlimmen Beispiele der Christen aus dem Laien- und]
Priesterstande. Die Moriscos, besonders die in Valencia, hatten aber
während des Kriegs der „Corauneros" grosse Proben der Loyalität
gegeben, sie schlugen sich alff treue Kämpfer der Krone gegen die
verbündeten Demokratea'). Anderseits wurden sie von den „Comuneros"
grausam behandelt, als treue Vasallen ihrer Lehensherrn. Ein gewisser
Mercadillo hatte in Cazorla, Baza und Huescar einen Aufstand be-
gonnen, welchen der Marquis von Mondejar mit 4000 Moriscos uml
einigen alten Soldaten leicht niederschlug.
Nachdem Carl l. am 10. März 1526 zu Sevilla seine Ehe mit
Elisabeth von Portugal geschlossen, kam er im Juni nach Granada.
Auch die Moriscos nahmen ihn mit grossen Ehren auf. Aber
der Bischof von Guadix, der Klerus von Granada, und andere an-
gesehene Personen brachten schwere Anklagen gegen sie vor, während
die Moriscos ihre Seelsorger wegen Erpressungen anklagten. Beide
Parteien hatten leider Recht. — Um die Wahrheit zu erforschen, er-
nannte der Kaiser Visitatoren, u. a. den erwähnten Bischof Didacus
de Avalos, den Canonicus von Granada, Petrus Lopez, seinen Chro-
nisten Anton. Guevara, Franciscaner, der im Jahre 1528 Bischof von
Gnadix wurde, und die Doctoren Quintana und Utiel. Guevara und
Avalos visierten in Valencia. Die Berichte lauteten dahin, die Moriscos
seien nur dem Namen nach Christen. Carl sezte nun eine grosse
„Junta" von Prälaten, Inquisitoren, Theologen, Auditoren und Käthen
ein. Vertreten waren in ihr der Erzbischof Alfons de Manrique vor
Sevilla, General -Inquisitor, der Beichtvater des Kaisers, Garcia de
Loaysa, vorher General der Dominikaner, die Bischöfe von Santiago
Guadix, Almeria, der Präsident des königlichen Rathes, und andere
Diese hielten sieben Sizungen in der Kapelle „der katholischen Konige.'
Noch im Jahre 1526 erging der Erlass Carl's, der den Morisco' i
Verzeihung anbot, aber sie ermahnte, den alten Gebräuchen zu ent-
sagen, aber ohne Erfolg. Denn die „Conversos" leisteten hartnäckiger
') CristianoB nnevos.
^) Die man in Valencia wegen ihrer Verbindungen («Germanias^) „ager
manadoB** nannte.
. V 'J»M
Die Morisoos. Juan de Avila. 159
Widerstand, und bestachen mit schwerem Gelde einzelne Visitatoren ').
— Es hiess aach, dass ein Theil dieses Geldes für den Bau des
Palastes verwendet wurde, den Carl V. (seit 1529) auf der Alhambra
herstellen Hess. Es sollte damit der weltberühmten Alhambra ein ^^i^ta
Seitenstück errichtet werden, aber der neue Palast blieb sehr weit m^j^.
hinter den alten Wunderbauten zurück. Wirksamer für die Bekehrung
der Moriscos war die Gründung neuer Schulen, Collegien und Uni-
versitäten.
Dem ersten Erzbischof von Granada, Talavera, folgte im Jahre ^'^'
1507 — Anton de Rojas, vorher Bischof von Majorca, der im Jahre vonora-
1524 nach Palencia versezt wurde. Im Laufe von vier Jahren folirten ""'^^
*^ 1507
einander Franc, de Herrera (Nov. 1524 — f Dec. 1524), Petrus Porto- 1545.
carrero^ der im Jahre 1526 vor der Besizergreifung starb, und der
Hieronymit Petros de Alda (1626, 4. Dec. ~ f 21. Juni 1528)^
diesen aber der mehrerwähnte Caspar de Avalos (1529, 2. April —
t 2. November 1545). Sobald er Erzbischof von Granada geworden,
sorgte er in jeder Weise für den Unterricht. Er gründete die Uni- Uuirer-
versitat und das CoUegium des heiligen Cäcilius. Die päpstlichen «oi^.t.
Bollen worden im Jahre 1531 erlassen, Carl V. aber unterstüzte ihn gross-
müthig. Für den Bau der Schulen und des „königlichen CoUegiums''
wurden mehr als 50.000 Ducaten verwendet.
§. 6.
Der ehrwürdige Juan de Avila, der „Apostel von Andalusien^,
stndirte die Theologie zu Alcala unter Dominikus Soto. Er wollte als
Missionär nach Westindien gehen. In Sevilla brachte der Priester
Ferdinand a Contreras im Verein mit dem Erzbischof Manrique ihn
von diesem Plane ab, da es nothwendiger sei, Andalusien zu bekehren. „Der
Oreissig Jahre alt begann er seine Thätigkeit als Prediger und Lehrer ^^^^^a-
za Sevilla. Bei der Inquisition daselbst verklagt, sagte und that er luafen".
nichts zu seiner Yertheidigung« Die Anklage fiel zu Boden. Er zog
nun als Missionär durch ganz Andalusien. Viele Schüler sammelten sich
um ihn. Bis in dfe unwegsamsten Gegenden fUhrte ihn sein glühender
Eifer, mit dem er nicht bloss lehrte, sondern zahllose Werke der
Barmherzigkeit vollbrachte. Im Jahre 1533 stiftete er die Universität
zo Baeza^ zu dem Zwecke, Mitarbeiter für sein Werk zu erziehen. Er
eiferte besonders gegen die Ausartungen des Luxus. Wunderbar war
0 Historia de los Morisos de Granada, por Luis de Marmoh Malaga^
1600 fol. — Ciuip. EacoUxnOj Historia de — ciadad y reyno de Valencia, vVal.
1610>-1611. 2 fol. — Fr. Jayme de Bhda^ Coronica de los Moros de Espafia.
Valenc, 1618 — fol
IßO Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
seine Beredtsamkeit. Er hatte die Gabe, wie der Franciscaner Alfons
Lopc, durch ein einziges Wort oder einen einzigen Ruf Feuer in den
Herzen seiner Zuhörer zu entzünden. Seine Jünger waren n. a. Jo-
hann von Gott, Sancia Carilla aus Astigi, Anna Ponce, Gräfin von
Feria, Franc. Borgia, Herzog von Gandia, die heilige Theresia von
Jesus. Viele seiner Schüler traten in die verschiedenen Orden, be-
sonders in die Gesellschaft Jesu — die er sehr hoch schäzte, und nach
deren Ankunft in Spanien er die Gesellschaft seiner Missionäre auf-
löste. £r gründete viele Collegien für die Erziehung der Jugend, und
Seminarien für Bildung des Klerus. Von seinem fünfzigsten Liebens-
jähre an waren seine Kräfte fast erschöpft, mit himmlischer Geduld
aber ertrug er alle Schmerzen. Gefesselt an das Krankenlager fuhr
er durch seine Rathschläge an Anwesende, durch seine Briefe an Ab-
wesende zu wirken foii. Er starb zu Montillo, an 70 Jahre alt, am
10. Mai 1569, und wurde im CoUegium der Jesuiten begraben. Er
wird als „ehrwürdiger" verehrt. Zehn Jahre nach seinem Tode er-
schienen seine „geistlichen Briefe" '). Seine Abhandlungen über Selbst-
erkenntuiss, über das Gebet, 21 Tractate über das heiligste Altars-
sakrament, 6 ttber den heiligen Geist u. s. w. sind Zeugnisse seiner
Geistestiefe*) und Wohlredenheit. Als „Apostel von Andalusien" wirkte
er indirect auch für die Bekehrung der Moriscos.
Im Jahre \i)2o war zu Valencia eine grosse Anzahl Mauren fast
mit Gewalt getauft worden. Es erging ein Edikt Carl's, wornach sie
und ihre Kinder von dem Tage ihrer Taufe an als Christen zu be-
trachten seien, und unter der Inquisition stehen. Der erwähnte Antonio
de Guevara hatte Antheil an dieser Gewaltthätigkeit
§. 7.
Carl V. kehrte von Sevilla und Granada im November 1526
nach Valladolid zurück, damals der gewöhnlichen Residenz des Hofs.
Seine Gemahlin Isabella gebar hier am 21. Mai 1527 Philipp (II.),
den Nachfolger CarFs (I.) in Spanien. Gross war die Freude der
Spanier; von dieser Zeit an stellte sich ein besseres Verhältniss zwi-
schen dem Kaiser und den Spaniern ein, wozu Isabella selbst, wie
Carl V. von mütterlicher Seite eine Enkelin der grossen Isabella, viel
beitrug. Während der Vorbereitungen zur feierlichen Taufe kam ein
Courier von Koni mit der Trauerbotschaft, dass der Coiietable, Herzog
') Cartas espiritnaleB, Compliiti, 1579, 4*.
*) Yida y obras de Juan de Avila, predicador apostolico de 1* Andaluzia,
Madr. 1618, 2 vol. 4*. — p. Martin Ruiz, Madr. 1575. S. Briefe anch in der
Biblioteca Espafiola v. Rivadeneira, 1846—1862, t. XIII.
£1 Sacco de Roma, Mal 1527. 161
von Boorbon, Führer der Trappen Carrs in Italien, Rom erobert —
0. Mai 1527, dass er den Papst Clemens VII. nnd 13 Cardinäle in
der Engelsbnrg gefangen genommen habe. Ein grosser Theil des
Heeres bestand aus deutschen Protestanten und Keisläufern aller Art.
Die Verwüstung Rom's war schrecklicher, als die unter Alarich und
GeDserich. Auf die Kunde davon erhob sich ein allgemeiner Aufschrei
der Entrostung gegen Carl in ganz Europa. Ob und welche Schuld
der Kaiser, der bisher mit Clemens YII. nicht auf gutem Fuss ge-
standen, u. a. im Jahre 1525 das Tribunal (zur Prüfung) der Breven
eingesezt hatte, ist hier nicht zu erörtern. Carl leugnete allen An-
theil an dem Geschehenen. Der Kaiser, welcher überaus politisch war,
und vom Verdachte einer Schuld sich möglichst rein waschen wollte,
befahl die Suspension aller Maassregeln för die feierliche Taufe seines
Sohnes; er Hess in seinem Reiche „Bittandachten^^ halten, damit „der
Himmel dem heiligen Vater seine Freiheit wiedergeben mochte, welche
ihm zu geben in der Hand des Kaisers lag^).^^ Er befahl sofort, den
Papst in Freiheit zu sezen. — Am 5. Juni fand dann die Taufe Phi-
hpp's statt. Die Taufe vollzog Alfons de Fonseca, Nachfolger WO-
helm's von Croy in Toledo (1524 — t 4. Februar 1534). Die Stadt
tiberbot sich in Festlichkeiten, wobei es natürlich ohne Stiergefechte
nicht abging.
Am 27. Juni fand zu Valladolid unter dem Vorsize des Erz-
biscbofs Manrique eine grosse Junta statt, welcher 32 Theologen an-
wohnten. Man verhandelte über gewisse Säze, welche sich in den
Schriften des Erasmus fanden, Säze, die von den einen vertheidigt,
Ton den andern mit der grossten Hize bekämpft wurden. Zwei Monate
dauerten die Sizungen. Da sich die Streitenden nicht einigten, so
löste Manrique die Junta auf. — Im Jahre 1528 wurde Carl'n ein
zweiter Sohn geboren, D. Juan, der schon am 29. März 1528 starb.
§. 8.
Carl V. hatte eingesehen, dass er besser fahre, wenn er in Frie-
den, als wenn er in Feindschaft mit dem Papste lebe, und näherte
■) Charles Qaint feignit alors de ressentir nne vive doulenr. Didot-Hdfer,
Kottvelle Biogr« nnivers.. t. IX, Paris 1864, p, 774 (s. v. Charles). — Sangrador
Vitores, 1 l, p. 876. £1 emperador, dcmasiado politico, con el fin, de evitar la
sota de empiedad, etc. —
*) Para pedir al eielo concediese al Santo Fadre una libertad qae estaba en
10 mano ißoiieederle.
C«VM, tpui. Klrohe. m. S. 1}
162 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
sich dem Papste Clemens VII. (1523 19. November — 25. Sep-
tember 1534). In Carl's Interesse lag die Herstellung einer ständigoii
^*« Nuntiatur, welche die zahlreichen Appellationen der Spanier nach Rom
tnr. verhindern sollte. Es ging nicht an, diese Berufungen absolut zu ver-
bieten. Es ist wahr, dass die Cortes, u. a. die von Segovia — 1532,1
die von Madrid im Jahre 1552, gegen diese Appellationen Beschwerde
erhoben. Der Kaiser kam mit dem Papste überein, dass dessen Nuutins
in Madrid über die nach Rom zu bringenden Appellationen entscheiden
solle. Vorher hatten die Nuntien nur den Charakter von Botschaflern,
und sehr beschränkte Vollmachten. Es war üblich, dass der heiliire
Stuhl einen spanischen Bischof beauftragte^ über einzelne Appellationen zu
entscheiden, u. a. ob sie nach Rom gebracht werden sollen, oder nicht.
Im Jahre 1528 kam über diese und andere Fragen eine Convention zu
Stande. Der Auditor der neuen Nuntiatur müsse stets ein geborner
Spanier sein, weil Fremde „keine Gerichtsbarkeit in Spanien ausüben
können.^^ Man wollte die Nuntiatur, wie die Inquisition, zu einem
spanischen Staatsinstitute machen. Die Nuntiatur wurde in zwei
Sectionen getheilt, die erste für blosse Gnadensachen, an deren Spize
der „Abbreviator" stand, die zweite für die Rechtssachen, an ihrer
Spize der Auditor. Die erste entschied über die dem Papste vorbe-
haltenen Gnaden und Dispensen, soweit der Papst seinen Nuntius
delegirt hatte, über die Vergebnng der in den päpstlichen Monaten
erledigten Beneficien, deren Ertrag nicht 500 Realen (de vellon)
übersteige.
In der Scction der Gerechtigkeit wurden sechs apostolische Pro-
tonotarien angestellt, mit dem Charakter von „Richtern in Curia", sie
mussten aber Spanier sein. Diese Section nahm Appellationen gegen
Entscheidungen der Ordinarien oder Metropoliten an. Der Nuntius
übertrug die Untersuchung über jede Angelegenheit einem Protonolar
mit der Vollmacht, die zur Entscheidung nothigen Befehle zu erlassen,
und über die Angelegenheit bis zur definitiven Sentenz zu entscheiden;
im Falle seine Sentenz mit jener der Ordinarien gleicliformig war.
deren Ausführung zu veranlassen. Anfangs gaben die Nuntien Audienzen
an einigen Tagen der Woche, — zugegen war der Auditor in dei
Eigenschaft eines Assessors. Als aber die persönlichen Audienzen aut-
hörten (weil sie der absoluten Regierung unbequem wurden), so wuchi^
um so mehr die Macht des Auditors, während der Nuntius thunlichsl
von dem Verkehre mit den Spaniern abgeschlossen wurde. Es wurdeu
ihm alle äussern Ehren erwiesen. Diess war aber Alles. Der Aaditoi
der Nuntiatur, der Spanier, entschied Alles.
Johannes Poggio war der erste Nuntius — bis 1544. Die Miss-
brauche, über die man sich beschwerte, wurden durch ihn eher ver-
mehrt. Er begann in allen geistlichen Sachen mit solcher Leichtigkeii
Die Nantiatur. 163
zu dispensiren, dass er zu zahlreichen Concessionen Thür und Thor
erofihete, welche bis daher unbekannt waren ^).
Carl V., der die Auditoren zu ernennen das Recht hatte, während
der Papst sie nur bestätigen durfte, fuhr fort, die Erweiterung der
Befugnisse der Nuntien "von Rom zu verlangen. Joh. Poggio schon
hatte die Gewalt eines „Legaten a latere')". Er und seine Nachfolger
übten viele Rechte des römischen Primats aus, und bedurften darum
vieler Gehilfen. Die Auditoren übten ausgedehnte Jurisdiction in kirch-
lichen Rechtssachen aus; ihr Tribunal war ja Appellationsinstanz.
Der Nuntius verlieh die in die päpstlichen Monate fallenden
reservirten Pfründen, welche den Ertrag von 24 Goldducaten nicht
überstiegen, jedoch nicht bei Erledigung des päpstlichen Stuhles^).
Unter ihm standen die CoUectoren und SubcoUectoren der Einkünfte ^'*°'
der päpstlichen Kammer**). Unter ihm stand das von dem Nnntius,
spätem Cardinal (1594) Philipp Sega zu Madrid gestiftete Pilgerhaus
und Hospital fiir die Italiener — 1579, mit der italienischen National-
"kirche, S. Piedro et Paolo ^). — Der Nuntius schlichtete als Legatus
a latere Zerwürihisse und Streitigkeiten von kirchlichen Personen und
Instituten. Diese Macht kam aber selten zur Ausübung und wurde
immer mehr beschränkt. Carl V. bat Papst Paul III. wiederholt,
seinem Nuntius in Madrid ausgedehntere Gewalt zu geben , damit
seine Unterthanen nicht an den Gerichtshöfen Rom's Processe führen
müssten. In Spanien sorgte man dafür, dass die erweiterte Jurisdiction
der Nuntien nicht ausgeübt wurde. Papst Gregor XIII. ertheilte am
20. October 1584 dem König Philipp IL ausgedehnte, bald aber will-
kührlich erweiterte Facultäten, zu Beilegung von Differenzen zwischen
Bischöfen, Capiteln, und andern kirchlichen Personen und Corpo-
') In dem Archiv der Universität V4>n Salamanca befinden sich Dispensen von
Lehrcnrseo, die Poggio solchen ertheilte, die sich für academische Grade vorbe-
reiteten. In dieser Weise begann er von Allem zu dispensiren, bei Besezung der
Stellen an Cathedralen, Collegien und KlOstern, Vermächtnisse anderweitig verwen-
den za lassen, was den Ordinarien Anlass zu schweren Klagen gab. Er war der
ersfe, welcher Renten von (erledigten) Bisthümem einsammelte, und er widmete
sich vorwiegend diesem Geschäfte (Vic, de La FuenU, V, p. 176).
') Thomassin, de n. et v. discipl. P. I, L. II. c. 117, nr. 13, cp. 119. nr. 7.
') Mdchor Macanaz, (Memorial), Pedimento v. 1713, nr. 15—19. — Coleccion
de Concordatos. p. 67. — Qarcia9, de benef., P. V. c. 1, nr. 84. — RigantvuSf
in regttl. IX. Cancellariae, P. I, §. 4. nr. 24—28. t. 11, p. 117. -^ nr. 80—34.
p. 118—119.
*) Barhosa, Summa apost. Decis. V. Snbcollector, nr. 1. — Ferraris, prompta
biblioth. Paris, l*:ö8, t. VIT, p. 665—666, nr. 4. 8.
•) Moroni, Diccionario, Spagna, p. 37. — BuMarii Roman. Continuat., ed.
Andr. Barberi, t XVI, Rom 1851. Const. „Extat" vom 28. Juni 1826, p. 461
— 462,
11"
164 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel.
rationen^). Tm Allgemeinen schien die von dem Spanischen Hofe
selbst gewünschte Einrichtung der Nuntiatur demselben in vielen Fällen
unbequem zu sein. Der König dehnte sein Placet auch auf jene
apostolischen Erlasse aus, in denen die Facultaten des Nuntius ver-
zeichnet waren, damit der Nuntius wisse, welche Facultaten er zu ge-
brauchen habe, welche nicht^ , was man mit verschiedenen Gründen,
besonders aber mit der ähnlichen Praxis in Frankreich zu beschö-
nigen suchte.
Der gewaltige Unterschied zwischen Frankreich und Spanien war
aber der, dass troz aller Gallicaner der französische Episcopat und
Klerus eine starke Stüze des Papstes und der kirchlichen Freiheit
war, während in Spanien der Klerus den „katholischen Königen^^ stets
zu Willen, und bei Conflicten zwischen Rom und diesen Königen auf
ihn kein Verlass war. „Man sah in Rom, dass der spanische Klerus
vom Hofe fast ganz abhängig geworden war.'^
Für seinen Plan, die kirchliche Gewalt in seiner Hand zu con-
centriren, Spanien zu „einer Kirche in der Kirche'^ zu machen, benüzte
Carl y. das in seiner Art vortreffliche Mittel, die höchsten Aemter im
Staate Bischöfen, hoben kirchlichen Würdeträgem zu übertragen. Er
machte sie dadurch von sich abhängig, und wahrte den äussern Schein
der Kirchlichkeit. Diess war nicht bloss bei der Inquisition der Fall.
Wenn Bischöfe Präsidenten der höchsten königlichen Räthe and Colie-
gien waren, so war ja die Kirche in Spanien geehrter und einflnssreicher,
als sonstwo in der Welt. Man findet darum die Bischöfe immer im
Gefolge der „katholischen Könige'^ Von der Sonne des Hofes be-
schienen zu werden, war ein absonderliches Glück für sie. Seit der
Gründung des Käthes von Castilien, und besonders seit dem Anfange
des fünfzehnten Jahrhunderts waren fast alle Gobemadoren oder
Präsidenten desselben hohe geistliche Würdenträger gewesen. Für
die Besezung der geistlichen und kirchlichen Aemter bildete Carl V.
innerhalb des Rathes von Castilien eine besondere Section, bestehend
aus dem „Gobernador^' und einigen Räthen. Sie erhielt den Namen:
„königliche Kammer"; sie entstand im Jahre 1518, und erhielt ihre
*) Papst Pias VlI. Const. 577 d.d. 28. November 1814. Buüar. Rom. Ccntf
t. XUI, p. 337-338.
*) PhUipp's II. Gesez vom Jahre 1593. L. II, tit. Novis. — Didac. Oovar-
ruvias ap. Thomassin?. I. L. II, cp. 119, nr. 7 sagt: Sicut apnd Hispanos potestas
legatoram sen Nuntioram Apost. Sedis examinatnr, ut admoneri possint a summo Regis
praetorio, qnibus uti conveoiat dispensationibns et commissionibus, ne quid fiat in rei-
publicae dispendium (die respublica Philipp^s II. — !!), cum pleramque NuDtii apost
exteri sint, nee satis noveriot, quae sint omnino praecavenda, ne falsis preoibos et
Buggestionibus decipiantur: ita et idem fieri solet apad Gallos, teste Carole Molinaeo
in reg. Gancell. de infirmis resignantibas, nr. 139 ~ Hergenröther^ p. 30—32.
AbbäDgigkeit des Klerus Tom Hofo. Die geistliche Kammer. 165
weitere Ansbildang im Jahre 1523*). (Schon seit dem Jahre 1387
bedienten sich die Eonige von Castilien vier gelehrter Gehilfen, welche
„Silentiarii^^ [geheime Bathe] hiessen.) Durch Erlass vom 6. Januar
15^8 Übertrag Philipp II. der ^^königlichen Kammer" alle Angelegen-
heiten, welche Streitfragen ttber das kirchliche Patronat, Gnaden und
Gerechtigkeit beträfen. Präsident und Gobemador des Rathes von
Castilien mussten den Siznngen anwohnen. Im achtzehnten Jahrhundert
war die Gewalt dieser „königlichen Kammer" so gestiegen, dass der
Konig, anf den Rath der Consulta, mehr als 60.000 kirchliche und
staatliche Aemter vergab. Bis zum Jahre 1707 umfasste sie die Reiche
Castilien, Navarra und das Baskenland; im Jahre 1707 kam auch noch
die Krone von Aragon hinzu. Die vor ihr verhandelten Sachen be-
trafen vor Allem das königliche Patronat.
Mit Recht beschwerte sich Papst Clemens VIl. darüber, dass alle
papstlichen Bullen von dem königlichen Rathe von Castilien geprüft
würden. Neu waren diese Maassnahmen nicht, neu aber war die Aus- ^*®
dehnung derselben und die Form, in der sie vorgeschrieben wurde, uehe
Froher hatte es sich nur um Abweisung von Missbräuchen gehandelt.
Jezt war man weiter gegangen, und behandelte den römischen Stuhl
wie eine feindliche, wenigstens eine verdächtige Macht, man verdäch-
tigte jeden Gebrauch der päpstlichen Rechte, und schuf einen grössern
Missbrauch, um den kleinern zu verhindern. Als der Kaiser aus den
Kämpfen in Italien als Sieger hervorging, so war seine Uebermacht
dem Papste noch drückender. Das Heer j^ des »Liga^ musste vor den
Spaniern weichen, und der Papst wurde ein Gefangener. Die Schuld
des Kaisers war es, dass er an die Spitze seiner Truppen einen Mann,
wie Bourbon stellte, der zum Verräther an seinem eigenen Lande ge-
worden, einen ebenso guten Soldaten als schlechten Christen^) (der
am 5. Mai 1527 beim Angriffe auf Rom fiel). Die Deutschen in seinem
Heere wollten den Papst als Gefangenen nach Deutschland fuhren;
dem widersezten sich die Spanier, und es kam zu schweren Streitig-
keiten. Jezt näherte sich Carl dem Papste. — Er zog alle seine
Truppen aus dem Kirchenstaate zurück. Der Papst Hess dem Kaiser
mittheilen, dass er ihn selbst als Kaiser zu krönen wünsche. Ein
Vertrag wurde im Jahre 1529 zu Barcelona^ wo Carl weilte, ratificirt.
D. Margaretha, Carl's natürliche Tochter, sollte mit dem Neffen des
Papstes, Alezander de Medicis, vermählt, dem Papste alle noch von
den Kaiserlichen besezten Pläze zurückgegeben, der E^aiser mit dem
Kam-
mer.
*) Novisima Reeopilacioo, üb. 1. tit 17. — Jose Qofrma y Solcedo, Teatro
amversal de Espafia, t IV, op. 16. p. 210 seq.
'j Ffc. d» La FuetUe, Y, p. 174. 182.
166 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
Königreiche Neapel investirt werden. Der Kaiser erhielt das Privi-
legium, in allen seinen Staaten zu den Bisthümern und Erzbisthümern
zu ernennen, und gab das vieldeutige Versprechen, für die Zurück-
fübrung der Häretiker Deutschland's in den Schooss der Kirche sorgen
zu wollen. Auch mit Franz I. von Frankreich wurde im Jahre 1529
der Friede von Cambrai geschlossen.
Carl wurde am 22. Februar 1530 zu Bologna von Clemens VII.
gekrönt '). Im Mai 1530 kam Carl zu dem Reichstage nach Augsburg.
— Carl V. Hess sich auch von Clemens VII. in dem Besize der drei
grossen Kitterorden bestätigen^)
§. 9.
Admini- Troz seiucr wiederholten Verbote, dass keine spanischen Bis-
thümer an Fremde vergeben werden sollen, präsentirte Carl V. doch
ren
durch den Cardinal Lorenz Campegio als Administrator auf das Bisthuro
C&rl V ...
^j^^.'Huesca — 1530. Die Stände des Königreichs Aragon protestirten vor
sezu ihrem Justicia. Der König erkannte sein Unrecht an^ und bat für
dieses Mal um Genehmhaltung seiner Wahl. Die Cortes gaben unter
der Bedingung nach, dass der Kaiser das Gesez (fuero) wieder be-
stätige: dass die Fremden keine Prälaturen erhalten sollen^). Drei
Jahre später wurde erklärt, dass diejenigen nicht Fremde seien, vrelche
aus irgend einer Gegend der Lande des Kaisers stammten. Campegio
war in den Jahren 1530 — 1532 Administrator von Huesca. Im Jahre
1533 wurde der Cardinal Hieron. Doria von Genua, dessen Familie
der Kaiser verpflichtet war, Administrator von Huesca^ im Jahre 1.534
wurde er Administrator von Tarragona. Er erschien nicht in Spanien,
sondern blieb in Genua, wo er im März 1558 starb. So übertrat Carl
seine eigenen Geseze, wenn sie ihm unbequem waren. Der italienische
Generalvicar Doria's trieb in Tarragona so starke Simonie und Miss-
bräuche aller Art, dass die allgemeine Stimme sich gegen diese Fremd-
herrschaft erhob. Das Kapitel verlangte, dass das alte Statut wieder
in Kraft trete, wornach die Vicarien der Bischöfe dieser Kirchenprovinz
immer Eingeborne sein müssen*). — Troz dieser Uebelstände wurden
fünf Concilien gehalten, deren Akten nicht auf uns gekommen, wurde
die erste Sammlung der bis jezt gehaltenen Concilien veranstaltet, ver-
') Bullar. Rom., ed Aug. Taurin., t. VI, p. 132—134; 137—139.
*) Die Bulle vom 13. März 1530 bei Fumte^ im Anhange, nr. 10, p. 590—591.
^) De paelaturis ab alienigeDis non obtineDdis. — Bamoo d« Huesca, Teatro
hifltorico de las iglesias de Aragon, t. VI, p. 330 (cf. IV, 73).
*) J. Villanueva, Viage htenirio, t. XX, p. 24—25.
Concilien von Tarragona, 1517, 1529. 167
si*
biedene Ritualbucher gedruckt, und das Amt des Camerarius mit
den Einkünflen des Ka{)itels gestiftet.
Dem Erzbischof e Petrus de UrreA (f 9. September 1489') folgte
Gonzalez de Heredia, am 13. Juni 141)0 von Barcelona hieher versezt.
Er war gerade damals Gesandter Ferdinand's V. in Rom. Er weilte
bis c. 1500 in Italien. Er starb in Tarragona am 21. November 1511.
Er machte mehrere fromme Stiftungen. Im Juli 1513 wurde der schon
bejahrte Alfoos de Aragon von Tortosa hieher versezt, der schon am
26. August 1514 mit Tod abging. Petrus Folch de Cärdona war bis
zum 23, März 1515 Bischof von Urgel gewesen. Er war Kanzler der
Könige Ferdinand V. und Carl, Vicekönig und Generalcapitän von
iatalonien, welche Aemter in seiner Person zum ersten Male vereinigt
wurden. Er feierte zwei Provincial- Concilien, deren Constitutionen
^ich zum Theil erhalten haben. Das Concil von 1517 handelte u. a.
über die Frage, ob und wie die Provinz den dreifachen Zehent, wel-
chen die lezte Sizung der fünften Synode im Lateran ausgeschrieben,
entrichten könne. Es schien unmöglich, da die Flotten der Türken
die Seegegenden verwüsteten, epidemische Krankheiten herrschten, und
^inc lange Unfruchtbarkeit das Land heimgesucht hatte. König Fer-
ünand ^unsterblichen Andenkens'^ habe sie in den Cortes seiner lezten
Jabre als exemt von solchen Lasten erklärt. Sie bitten den Cardinal
Ximenes, er möge sich an den König wenden, dass er bei dem Papste
iiir sie interccdire , damit dieser Zehent sie „nicht ergreife, nicht er-
I eiche"*). Aber schon im Jahre 1518 wurden sie von einem andern
Zehent „ergriffen und erreicht", welchen ihnen ihr König Carl durch
Papst Leo X. auflegte, und den sie wenigstens theil weise entrichten
inussten.
Eine zweite Synode berief Petrus Cärdona im Jahre 1529. Er concii
sprach von der grossen Missethat, den Papst in der Engelsburg ge-
iangen zu halten, von der Plünderung Rom's durch des Kaisers Trup-
pe n, wenn es auch, wie anzunehmen war, ohne Wissen des Kaisers
;.'tschah. Carl V. verlangte, wie immer und überall, Hilfsgelder unter
schweren Bedingungen. Die Aebte erschienen zwar, aber erklärten,
dass sie exemt von solchen Versammlungen seien. Sie erhielten die
Antwort, wie sie die Privilegien des Concils genössen, so müssten sie
auch dem Concil anwohnen. Weiteres theilt Tejada über seine Ver-
bandlungen nicht mit^). — Dem Erzbischof Petrus de Cärdona
■) KircheDgesch. III, 1, S. 313.
') Der Brief an Xim#nes ap. La Fuentej V, p. &88. Das Concil wurde in
BaKekwa gehalten ((X>r(X8 del arzob. Costa y Barras, tom. V. Baroelona 1866,
p. 553—554).
*) Tefada y Bamiro, Goleocion, VI. p. 115.
168 Dreizehntes Bach. Viertea Kapitel.
(t IL April 1530) — folgte im Mai 1531 Ludmg de Caidona, Yorher
Bischof von Barcelona (f 13. NoTember 1532^); diesem sodann der
erwähnte „Administrator^ Doria*
Es ist sicher, dass vom Jahre 1517 — 1564 — 13 Provincial-
concilien in dieser Kirchenprovinz gehalten wurden, nämlich 1517,
1523, 1524, 1529, 1530 bei erledigtem Size, 1534, 1536. Im Jahre
1539 berief der General vicar Franc. Soldeovilla ein Concil nach Barce-
lona. Die Concilien von 1541, 1543, 1546, 1554, fanden statt unter dem
Generalvicar Barthol. Fuques; endlich im Jahre 1560 unter dem Erz-
bischof Ferd- de Loazes. ^
Tarragona scheint die einzige Provinz in der Kirche gewesen zu
sein, in welcher diß Concilien, vor und nach der Synode von Trient,
in fast ununterbrochener Regelmässigkeit gehalten wurden.
§. 10.
Die beständige Geldnoth des Kaisers lag als beständiger harter
Druck auf der Kirche von Spanien. Im Jahre 1523 gewährte Papst
Hadrian VI. dem Kaiser für seine Kriege gegen die Türken und die
Häretiker ein volles Viertel der kirchlichen Renten; für Castilien ver-
Beuci- einbarte man sich auf ein Subsidium von 210.000 Aragonischen Gold-
^lera!.' gnlden. Im Jahre 1532 gewährte Papst Clemens VII. dem Kaiser die
Hälfte des Zehentertrages eines Jahres. Die Aufregung darüber war
am stärksten in Toledo und Cordova. Alle Kapitel erklärten „die Un-
möglichkeit, das Verlangte zu leisten.^ Das Kapitel von Cordova
klagte bei dem Papste; denn diese Beschwerung trat zu den gewöhn-
lichen Subsidien an den Kaiser noch hinzu, welche Subsidien bereits
gewöhnliche und vorgeschriebene Abgaben waren. Die Präbendaten
waren entschlossen, sich von dem Chor und den übrigen kirchlichen
Diensten fem zu halten. Am 26. Juni 1533 erhielt das Kapitel von
Cordova Briefe vom königlichen Rathe. Der eine befahl ihm unter
schweren Strafen, dem Chore anzuwohnen^). Ein anderer Bri^f des
Bischofs Franz Mendoza von Zamora, Commissärs in dieser Sache,
befahl dem Kapitel dasselbe unter Strafe des Bannes. Das Kapitel
appellirte an den Papst. Da der Corregidor der Stadt wusste, dass
die Canoniker nicht nachgeben würden, so drohte er, er werde das
') Unter ihm wurde am 4 Deoember 1580 das Domkapitel s&eiilariBirt. Es
Kab damals 23 GaDOoiker. Die BuUe vom 4. Deoember 1590 — ap. FtKonueva,
t XIX, p. 252—259, Apend. XIV.
') Die alte apaniadie Yermengang des Weltlioben mit dem Geiatlicheiu
Der Kaiser ab Verkfiufer kirchlicher Gttter. 169
Volk gegen sie aufbieten, und darch Menschenmasfien mit Gewalt sie
zwingen. Am 27. Juni beschloss das Kapitel, um Gewaltthätigkeiten
zvL vermeiden, den Chor zu besuchen« Es schrieb aber an den Papst
ond den Kaiser, dass es ihm nicht zustehe, so grosse Concessionen zu
fordern, und der Kaiser gab nach*). — Auch die Kapitel von Toledo
ond Palencia weigerten sich, zu bezahlen. Der Kaiser befahl, dass die
Corregidoren bei der Einsammlung der Zehnten mitwirken sollen. In
Palencia war der Gottesdienst 50 Tage eingestellt. Da aber die Cano-
nicer sahen, dass sie nichts ausrichteten, gaben sie nach*}.
Der Kaiser erlangte von den Päpsten Clemens VII. und Paul III.
die Erlaubniss, die Güter der Kriegsorden, deren beständiger Admini-
strator er war, zu verkaufen. Damals kaufte Arias (Ares) Pardo, Neffe
des Cardinais Joann. Tavera, dem Kaiser die Villas von Malagon und
Paracuellos am Jarama im Erzbisthum Toledo, mit allen Ländereien,
Vasallen, Schlossern und Gerichtsbarkeiten ab. Die eine Besizung
gehörte dem Orden von Santiago, die andere dem von Calatrava.
Diese Ankäufe, sagte man, bezahlten sich gut und dienten dazu, dem
Hause der Medinaceli mit den übrigen Gütern und Stiftungen der
Familie der Tavera's aufzuhelfen. — Im Jahre 1541 verkaufte der Kaiser
ao seinen Secretär und Günstling, Juan de Samano, um 1 7.566 Ducaten
zwei Drittheile der Primicias (kirchlichen Einkünfte) der Stadt Alfaro
nnd seiner Kirchen, sowie die Zolleinnahmen von dem Uebergang über
den Ebro. Das Kapitel von Alfaro bewies, dass die Erträgnisse des «
Verkauften ein Kapital von 51.515 Ducaten repräsentiren , und der
Kaiser, wie die Kirche, durch den Verkauf enorm beschädigt werde,
ohne Erfolg. Denn der Kaiser, „verwickelt in seine beständigen Kriege,
erschöpft von stetigen Schuldforderungen an ihn , und umringt von
Gewinnsüchtigen^, konnte diese Schäden nicht mehr gut machen, und
die Kirche von Alfaro verfiel auf klägliche Weise').
§. 11.
Nicht selten zogen die Könige unter gewissen Vorwänden die
Güter verstorbener Prälaten an sich. Für den niedern Klerus traf die auf
den Cortesvon Valladolid — 1523 beantragte, im Jahre 1566 von Phi-
lipp IL bestätigte Verfugung ein, womach deren Güter ohne Unterschied
an ihre testarischen oder Intestat- Erben fallen sollten, wohl in Folge der
0 Gornea Bravo, Obispos de Gordovs, I, p. 434. — FueniSj Y, p. 198.
*) Eayßnald. amuiU ad ann. 1533. ^ Femandez Pulgar^ Historia de Pa-
lencia, 3 tom., Hadr. 1679 — 1680. t. 11, §. 3, p. 173.
V Espafia sagrada, t. 50, Madr. 1866, p. 109.
170 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
Annahme, dass die Kleriker zu Lebzeiten genügend die überschüssigen
Renten ihrer Beneficien zu frommen Zwecken verwendet, und mnn
eine compHcirte Untersuchung über ihre Vermögenstheile nicht an-
stellen könne*).
Der Druck auf das Kirchenvcrmögen nahm unter Carl V. immer
mehr zu. Klerus und Adel konnten die harten Abgaben, wo?on be-
sonders die Alkabala verhasst war^), nicht mehr abwenden. Die im
Jahre ir^38 zu Toledo versammelten Cortes verweigerten die Annahme
Carl V. (j^r auf Nahrungsmittel gelegten Steuer. Der Adel berief sich auf
Corte«, seine Vorrechte, welche ihn von jeder Auflage (taxo) freisprachen.
Voll der Entrüstung jagte Carl die Cortes von Castilien und Leon aus-
einander. Er rächte sich an dem Klerus und dem Adel. Von nun au
lyurden die Adeligen und die Prälaten nicht mehr zu den Cortes be-
rufen, nur die Vertreter der Städte wurden zugelassen^).
Diess war die Hand der Revolution von oben herab, welche an
den Grundsäulen der ruhigen Entwicklung der mittelalterlichen Ver-
fassung Spanien^s rüttelte. Nachdem die zwei Stände des Adels und
Klerus beseitigt waren, sanken mehr und mehr die Cortes zur Un-
bedeutendbeit herab. Es lag im Belieben der folgenden Könige, sie
gar nicht mehr zu berufen, und ohne sie zu (miss-) regieren. Um so
mehr wurde von nun an das Kirchengut von den Königen heimgesucht.
Nach einer Berechnung des Cardinais Arn. d'Ossat bezog der König
am Ende des sechszehnten Jahrhunderts von dem Klerus jährlich
drei Millionen Golddukaten. In keinem Lande war die Erpressung so
furchtbar*). Der grösste Theil des Einkommens des Klerus war
Zehent. In allen Kämpfen und Conflikten Bom's mit der spanischen
Regierung aber hatte dieser Klerus, besonders der von Castilien, es nie
vermocht, eine Stellung einzunehmen, dass sich der römische Stuhl auf
ihn stüzen und verlassen konnte. Eine kirchliche Opposition gegen
seine eigne Regierung konnte er nicht erschwingen. Darum zum
grossen Theil wurden ihm stets neue und unerschwingliche Lasten
*) Ley 12, tit 20. L. I. Novis. Becopil. — Coleccion, p. 249.
') Decima pretii pars omniiun remm, quae vendantur publice vel privatim,
81 ve eint immobiles sive mobiles. Covarriivias, P. II. Relect c. Peccat de Beg. Jur.
in 6, §. 5.
') Manuel de Colmeiro, Gonstitucion y gobierno de los reines de Leon y
Castilla^ Madr. 1855| t. ), p. 388 — sagt, wenn der Adel mit den Städten sich ver-
bunden, so hätte der Kaiser Frieden scbliessen müssen. „El clero y la nobleKa
fueron despedidos con enojo de los Cortes, para no volver k entrar como brazos
dcl estado en las juntas generalea del reino. Moroni, Diccion. t. 68, p. 123. —
Hergenröthm', 1. c., p. 23.
*) Nee toto orbe christiano esse Glerum ullum gravioribos exactionibua depres-
sam Card, d' Ossat, epist. 10. 81 , ap. Tkoma88tn, Vetus et N. etc., Fan, III, L. I,
c. 44 — nr. 6. —
Die Basilianer; Capuziner. 171
anfgelegt. Davon scheint nur das neunzehnte Jahrhundert eine Äns-
oahme zu machen. Die angeblichen Ueichthümer der Kirche in Spa-
nien waren für den Klerus von geringem Werthe. Der eigentliche
Nuzniesser war der König und seine Günstlinge.
§. 12.
Die Basilianer wurden im Jahre 15^0 in Spanien eingeführt'),
nicht ohne Widerstreben des Raths von Castilien und einiger klöster-
licher Institute, welche sich auf päpstliche Entscheidungen beriefen,
wornach die Mönche des Morgenlandes die Regel des heiligen Basilius» ^"'"•'
die des Abendlandes die Regel des heiligen Benedictus annehmen 1540.
sollten. Franz de Mendoza, Bischof von Jaeu (1538 — 1543) gab die
Regel des heiligen Basilius Einsiedlern in seinem Sprengel. Ihr Führer
war Matthaeus de la Fuente, Schüler des Juan de Avila. Sic schlössen
sich später an die Basilianer in Italien an, und erlangten in drei Pro-
vinzen in Spanien eine weitere Verbreitung*). Später wurden die
Capuziner in Spanien eingeführt. Von Neapel kam Fray Angel Alarcon
mit iunf Gefährten im Jahre 1Ö78. Sie fassten zuerst festen Fuss in
Catalonien. Es g\nst hier leichter, weil die beschränkenden Verord- ^"p"**"
iinngen des Rathes von Castilien nicht eintraten. In' den Jahren 1602 1578.
<jnd IßlS wurden auch die Capuzinerinen zugelassen. Nicolaus Factor^
der die in Valencia ihm angebotenen Ehrenstellen floh, trat zu Barce-
lona in den Orden, und starb in dem von ihm gegründeten Kloster
'ier strengen Observanz am 23. December 1583 zu Valencia. Pius VI.
hat ihn „Selig'* gesprochen — 1786^). — Von Aragonien verbreiteten
?ich die Capuziner nach Castilien — 1606.
Der heilige Franc, von Caracciolo fiihrte seinen Orden der regu- »iiadere
laren mindern Brüder selbst in Spanien ein. Er kam (lo94) nach'*^^®''
Madrid in Begleitung des P. (Lorenzo) Aponte. Er gründete ein
eigenes Kloster daselbst; später gründete man Studienanstalten zu Alcala
lind Valladolid*).
■) Qarma, Teatro, tit. 2*. p. 191.
'; Der beilige Franc. Xaver trat um diese Zeit seine MisnonBreise in Spanien
ao. Wie wir aber von den Domiiiikanem in Spanion nicht im Besondern gehan-
delt, ireil Bie der allgemeinen Kirchengeschichte angehören, der Orden anch in
Fnnkreieh und Italien, wie die GesellschafI Jesu, gegrttndet wurde^ so handeln wir
bier nicht ttber die Gründung der Gesellschaft Jesu.
*) Bein Leben sebrieben Fr. CriMval Mcreno (Gompluti 1588, Roma 1590>
Bareeiona 3618); Josef Ximenez (Barcinon. 1618) nnd Joaquim Company (s. Ya-
)('Qda, ErzbischOfe).
0 Euseb. Quintana, Vida de San Franc. Caracciolo (f 1606 in Neapel).
Pias YIL bat ihn 1807 heilig gesprochen.
172 Dreizehntes Bnch. Vierte» Kfipitel.
§. 13.
Im Auftrage seines Ordens war Las Casas im Jahre 1539 mit
zwei Ordensgenossen wieder nach Europa gereist. Der s. g. Indische
Rath war jezt seinen Vorschlägen viel zugänglicher, dessen Präsident
damals Garcia de Loaysa, selbst Dominikaner, Cardinal und Erzbischof
von Sevilla war*). Damals schrieb Las Casas sein berühmtes Werk:
„Die Zerstörung von Indien"'). Das Buch wurde dem Kaiser, der ans
Deutschland zurückgekehrt war, und seinen Ministern vorgelegt, und
frühe in verschiedene Sprachen übersezt. Dadurch kamen die Spanier
im Auslände in einen schlimmen Ruf. Von den Verdiensten der Missio-
näre wusste das übrige Europa wenig oder nichts. Man ^chte nach
Eraften die Darstellung des Las Casas als Uebertreibungen erscheinen
zu lassen'), der allerdings ^,wild" übertrieb, wenn er Hispaniola von
3 — 4 Millionen, statt von — 300.000 Menschen bewohnt sein lässt.
Auf Wunsch Carl's verfasste er auch eine Schrift über das Commen-
L«8 cä. denwesen in Westindien. — Im Jahre 1642 wurde der Licentiat Jvtan
Jahre. ^^ Figueroa als Visitator nach Westindien gesandt. Las Casas und
die Dominikaner Juan de Torres, Mathias de Paz und Petrus de An-
gulo wirkten auf das Gewissen des Kaisers ein. In Valladolid wurde
eine grosse Versammlung von Theologen und Juristen gehalten, deren
Präsident der Erzbischof von Sevilla^ zugleich Präsident des Rathes
von Castilien, war. Eine neue Berathung hielt Carl V. zu Barcelona,
der die Cardinäle Loaysa und Granvella, sowie des Kaisers Beicht-
vater, Anton, de Guevara, anwohnten. Der Kaiser und Granvella traten
den Vorschlägen des Iais Casas bei^). Es wurden nun die neuen Gre-
seze erlassen, welche im Allgemeinen die mildere Behandlung der
Indianer zum Zwecke hatten^). Unbedingt wird die Sklaverei der
Indianer, ihre Verwendung zur Perlenfischerei wird bei Todesstrafe
verboten. Diese Arbeit blieb den Negersklaven vorbehalten. Die
') Er folgte als solcher dem Cardinal Alfons de Manriqne (1534 — 13. Mai
— t 28. September ir>38), der selbst dem mehrgenannteo DidacnsDesa gefolgt war.
Er war Erzbiachof vom 11. Jali 1539 an, und f zu Madrid am 22. April 154i. Ihm
folgte der gleichfalls mehrgenannte Grossinqnisitor Ferdin. Valdös (1546, 20. Sep-
tember, t in Madrid 9. December 1568)^ der, neben seinen übrigen groBsartigen
Schöpfungen, im Jahre 1568 zu Sevilla eine Anstalt Hlr aosgesezte Kinder grfkndete.
*) Brevlsima relacioa de la destmycion de las Indias occidentaleB por los
Gastellanos. Sevilla 1552.
*) Juan Nuix, S. J., Beflexiones imparciales sobre la homanidad de los EsfMi-
fioles en las Indias contra los pretendidos filösofos etc., Madr. 1782« — Ose, Pescfiel^
Zeitalter der Entdeckangen, S. 546.
*) Edps, vol. IV, L 18. cp. 1.
') Herrera, Decas VII, 1. G, cp. 10.
Die neuen Gesese von 1542—1543. Die Dominikaner. 173
Commenden sollten baldmoglich an die Krone zurückfallen, gegen
Entschädigung an die Besizer oder ihre Erben. Neue Belehnungen
sollten nicht mehr stattfinden. — Der Widerstand gegen die Aus-
führung war natürlich sehr gross. Eine Deputation von Mexico,
welche den Kaiser im Jahre 1546 in Regensburg traf, erlangte die
Concession, dass die Commenden für zwei weitere Generationen fort-
bestehen sollten. Aber unter dem Yicekönig Velasco (1561 — 1564)
worden mehr als 150*000 Indianer, Weiber und Kinder nicht einge-
rechnet, die in den Minen arbeiteten, freigelassen. Schlimmer ging es
in Peru. Hier brach Bürgerkrieg aus; der Yicekönig verlor im Kampfe
das Lebea. Der Kleriker Petrus de la Qascaj Präsident des Gerichts-
hofes von Lima, schlug den Aufstand nieder, und verschaffite den
Denen Gcsezen Eingang. Das Commendenwesen nahm überhaupt eine ^«><^»-
mildere Form an. Das Princip der Freiwilligkeit und der Bezahlung
der Indianer trat immer mehr an die Stelle der Sklaverei. Der Ein-
fluss der Earche wurde mächtiger; die Lage der Indianer wurde eine,
bessere. Sie wurden von den Bischöfen und dem Klerus überhaupt in
Schüz genommen. Ihr Loos war nun nicht mehr, wie in den ersten
Jahrzehnten, durch die Spanier von dem „Erdboden hinwegcultivirt zu
werden^% sondern durch die wahre Cultur des Ghristenthums auch
wahrhaft gebildet und erhalten zu werden. Wie aber in Europa die
Sklaverei aus der heidnischen Zeit nicht auf einmal , nicht durch eine
äassere Umwälzung, sondern durch eine innere Umwandlung allmälig
und fast unbemerkbar aufgehoben wurde, so waren es nicht einzelne
Geseze oder Akte, welche die Sklaverei der Indianer aufhoben; diese ^'*
Anihebung vollzog sich vielmehr durch das stille und verborgene kuier
Wirken jenes christlichen Geistes , der wehet , wo er will , dessen »|« v®''-
kräftige Organe aber die katholischen Bischöfe waren. — Dass die '^^
Bischöfe aus dem Orden des heiligen Dominikus den übrigen voran-
gingen, muss man voraussezen. Dieser Orden hatte ja die Befreiung
der Indianer zu seiner Lebensau%abe sich gesezt. Neben dem ge-
nannten Julian. Garcte, Bischof von Puebla (1529 — 1542) und dem
Barth. Las üasas, der von 1544 — 1650 Bischof von Chiapa war^ ragt
hier der Dominikaner Thomas del Toro, im Jahre 1532 erster ernannter
Bischof für Cartagena, hervor. Gebrochen von den Leiden und Ver- ,
folgungen gegen die Indianer, starb er um das Jahr 1536, in der
Blüthe der Jahre, noch vor Empfang der Bischofsweihe. Hieron. de
Loca/sa, aus demselben Orden, war zwei Jahre lang Bischof von Carta-
gena (1538 — 154D), und wurde dann erster Erzbischof von Lima. Er
bat sich vor Annahme seines Amtes die königliche Gnade aus, die
Indianer beschüzen zu dürfen, um sie so leichter zu bekehren^). Zu
*) A Tcuron, histoire gönörale de rAmeriqae, T. II, 1. i»
174 Dreizehntes Hnch. Viertes Kapitel.
diesen Bischöfen gehörten ferner Franc. Marroquin von Guatemala
(1537 — 1563) und Anton. Valdivieso von Nicaragua, gleichfalls ein
Dominikaner. Dieser reiste noch als Missionär zum Schuze der In-
dianer zu Kaiser Carl V,, der ihm Hilfe versprach, und ihn zum Bischot
ernannte (15'J4). Fünf Jahre lang kämpfte er unermüdlich für seine
Schüzlinge. Er schloss zulezt die Hartnäckigen von der Kirche aus.
Der Statthalter Rodrigo de Contreras erhob mit seinen beiden Söhnen
die Fahne des Aufruhrs gegen den König. In seiner eigenen Wohnung
wurde der Bischof von Contreras ermordet — 26. Februar 1549, und
starb so als Märtyrer für die Freiheit der Indianer*).
Als La8 Casas im Jahre 1543 bei dem Kaiser zu Barcelona war,
so schlug er das ihm angetragene reiche Bisthum Cuzco aus, nahm
aber das neugegründete arme Bisthum Chiapa an, in welches er mit
24 Dominikanern im Jahre 15-14 sich begab. Zu S. Domingo wnirde
er schlecht behandelt; er war ja den Spaniern der verhasstcste Mann
in der „neuen Welt." Wie Pestkranke wurden er und seine Gefährten
geflohen. — In Chiapa selbst trozte er muthvoll allen Stürmen. Im
Jahre 1547 reiste er wieder nach Spanien zurück, um den liest seiner
Tage dort zum Schuze der Indianer zu vollenden. Er zählte bereits
77 Jahre, und in Spanien war seine Wirksamkeit viel umfassender.
Bei dem spätem König Philipp II. fand er sehr grosse Unterstuznng.
— Noch nach seiner Abdankung nahm sich auch Carl V. aus seiner
Einsiedelei in S. Yust seiner an. Die Commenden blieben in der
Hand der Regierung, wurden aber erst unter König Carl VI. ganz
abgeschafft. In dem Kloster seines Ordens zu Madrid starb Las Casas
am 31. Juli 1566, Ü2 Jahre alt»).
§. u. •
Carl's einziger legitimer Sohn, Philipp, wurde sehr frühe zu den
Staatsgeschäften gezogen. Als er erst zehn Jahre zählte, musste er
mit seiner Mutter den Cortes zu Valladolid präsidiren, in welchen die
0 Davila, Teatro edesiastico de las Indias, I. p. 236. ~ Touron, 1. 2,
cp. 63.
*) S. tlber ihn die erwähnten Werke von Llorente (1822). — Man, Jos. Quiti-
tana, Vidas de Espatioles celebres, Madr. 1807 — 30 — 33, Paris 1845. — Navar-
Tete, Colecclon de viages, 5 t., Madr. 1825 — 1837 (Weise, über Las Casas^ in:
lügen's Zeitschrift für die histor. Theologie, 18J4, S. 166—319). — PrescoU, Con-
quest of Mexico, New- York, 1850, 2 t. — Arthur Helps, the Bpacisch Conqnest
(und colonization) in America, 4 vol., Lond. 1^55—1861 (bes. über Las Casas).
Margraf, Kirche und Sklaverei in Amerika. Tüb. 1865. - Ose. Pesi^iel, 1858
(und 1877), besonders 2. Buch, 10. Kap. 3. Bnch, 8 Kap. — Peschd theilt reich-
liehe Auszüge aus der damala noch nicht gedruckten Qeschichte von Westindien mit.
Philipp's ir. Anfänge. 17b
Procuratoren der Städte 151 Petitionen Torbrachten. Phillpp's Mutter
starb zu Toledo schon am 1. Mai 1539'). Ihr Leichnam wurde durch
Franc. Borgia nach Granada gebracht. Der Anblick ihrer durch den
Tod entstellten Züge erschütterte den jungen Mann derart, dass er
der Welt innerlich entsagte, später in die Gesellschaft Jesu eintrat,
und in ihr znm Heiligen heranwuchs. Carl V. Yermählte sich nicht
mehr. Philipp wurde um so bälder in den Ernst des Lebens einge-
führt. Mit hoher Verehrung und Liebe hing er stets an seinem Vater.
Als Carl im Jahre 1541 Von seinem unglücklichen Feldzug nach Algier ^'^'',
zurückgekehrt, schrieb ihm Philipp einen ebenso zärtlichen als ernsten jugend.
Trostbrief. Im Jahre 3542 schon ruckte er zum Schuze Spanien's
gegen die eingefallenen Franzosen in das Feld; seine feste und kluge
Haltung erwarb ihm die Verehrung des Heeres wie des Volkes. Im
Jahre 1542 traten die Cortes von Castilien, welche ihm schon im Alter
von eilf Jahren gehuldigt hatten, wieder in Valladolid zusammen. Die
Deputirten brachten hier 16 Gesuche vor. Nachher traten die Cortes
von Aragonien in Monzon zusammen, und huldigten Philipp als künf-
tigem Konige von Aragonien. Im Jahre 1543 verliess Carl V. das
Land auf mehrere Jahre. Philipp wurde Regent, unter einem Regent-
schaftsrathe, an dessen Spize der Herzog von AJba stand. Schon am
12. November 1543 ging Philipp seine erste Ehe mit der Infantin
D. Maria von Portugal ein. Am 8. Juli 1545 gebar Maria den In-
fanten D. Carlos traurigen Andenkens. Vier Tage nach der Geburt
ihres Sohnes starb D. Maria, und hinterliess Philipp als Wittwer mit
achtzehn Jahren*).
Philipp fahrte die Regentschaft in Spanien, bis er im Herbst
1548 za seinem Vater nach Belgien reiste. In seiner Abwesenheit
fahrte Maximilian (II.) von Oesterreich, Gemahl Maria's, der Tochter
des Kaisers, die Regentschaft in Spanien. Die Reise Philipp's ging über
Italien, wo ihm Papst Panl^HI. das geweihte Schwert der Kirche iiber-
reichte, xAer München und die Reinpfalz nach Brüssel. Da er die Sprache
des Landes nicht kannte, auch sehr ernst und zurückhaltend war, gefiel
er den Belgiern nicht. Seine durchaus spanische Art machte ihn
popolär bei den Spaniern, unbeliebt bei den Niederländern'). Im
0 Marez, Reynaa Catholicas, D. Isabel Emperatriz, t 11, p. 865—877. —
Plorez führt zwei «Amigas* des Kaisers an, Margarita Vangest, die ihm im Jahre
1522 seine Tochter Margaretha gebar, und Barbara Blomberg, die am 24. Februar
1515, an des Kaisers eigenem Geburtstage, den D. Juan d* Austria gebar.
^ Der Leichnam wurde nach Granada, im Jahre 1.^74 aber durch Philipp 11.
in den Escurial zurückgeführt. Florez II, S. 883—889.
*) Rarissime Tolte va fuora in Campagna, ha piacere di starsi in Camera, co
saoi favoriti, a ragionare di cose private; et se talF hora Tlmperatore lo manda
la visita, si scusa per godere la solitlt quiete. — Relatione dl Marino Cayalli , ap«
176 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel.
Herbst 1650 ging er mit seinem Vater zum ßeichstage nach Augsburg.
Sehr früh trat dieser Unterschied von seinem Vater in dem Wesen
Philipp's II. hervor. Carl V. war bei den Belgiern ein Belgier, bei
den Deutschen ein Deutscher, bei den Italienern ein Itxiliencr, bei den
Spaniern ein Spanier, er war von der seltensten Vielseitigkeit des
Geistes. Philipp war ein exciusiver Spanier. ,,Er war in jedem Ding
ein Spanier*). Er redete von nichts, und schien an nichts zu denken,
als an Spanien.^^ Auch seine Rathgeber und Begleiter waren exclusive
Spanier. Die Belgier fürchteten, wenn er zur Regierung käme, wurde
er die wichtigsten Stellen in Flandern ebenso mit Spaniern besezen,
wie sein Vater die wichtigsten Aemter in Castilien mit Flamländern
besezt hatte*). Der Kaiser schien von der Unpopularität seines Sohnes
nichts zu ahnen. Auf dem Reichstage zu Augsburg im August 1550
wollte er die Reichsfursten zu Philipp's Wahl zum romischen Könige
bewegen. In seinem Gesuche oder Vorschlage sagt Carl V., er selbst
sei kränklich, fühle täglich die Abnahme seiner Kräfte und werde stets
an seinen nahen Tod erinnert. Sein Bruder, obwohl damals römischer
König, sei kaum drei Jahre jünger und ebenso den Gesezen der Natur
unterworfen (er zählte aber erst 47 Jahre und lebte bis zum Jahre
1564). Sein Sohn Philipp aber, Prinz von Spanien, überrage weitaus
die übrigen Fürsten des Reichs an Macht und Gewalt, alle andern an
Reife des Geistes, Glück und Geschick in Fuhrung der Geschäfte, er
sei an Fülle der Tugenden und Gewandtheit des Geistes ganz voll-
kommen. Niemand sei darum geeigneter, die Zügel der Regierung des
römischen Reiches zu ergreifen und zu fuhren. „Den deutschen An-
gelegenheiten habe er sich mit besonderem Eifer zugewandt, da er
gleichsam, einem Drange seiner Natur folgend, oft mit aller Energie
sich mit denselben befasse ^;.^ Er mahne und bitte nun die Churfürsten
in feierlicher Weise, ihn zu ihrem Könige zu wählen, damit nach
seinem Tode keine Uneinigkeit über die Wahl entstehe^). Obgleich
dieses Document den Namen CarFs und Ferdinand's an seiner Stirne
ti'ägt, so war Ferdinand doch mit seinem Inhalte nicht einverstanden.
WiU. PrescoUy History of the reign of Philip the Seqpnd, King of Spain, (3 tum.),
Philadelphia, 1874, I, p. 58.
') He was in every thing a Spaniard.
*) W. Prescott, I, p. 59 — alla quäl natione (der Spanier) ö inclinato piü di
quelle che si convenga a prencipe che voglia dominaf e a diveral. Mar. Cavalli, 1. c.
') Renim germaDicarom imprimia stadiosum esse , ut veluti natnrae duetn
spoDte ad illarum vehemeotem cogitationem sepenomero rapitur (?}. Dagegen sagt
der Spanier Septdveda: Philippas ipse Hiapaniae deaiderlo magnopere aeatnabat^
nee aliud quam Hispaniam loquebatur. Sepulv. opp. t. II, p« 401.
*) Döüinger^ Documenta zur Gesch. Garra, Philipp'a II. und Ihrer Zeit Aus
•panischen Archiven (von Heine), Regenab. 1662, p. 168—- 169.
Philipp Qod Carl V. in Deatschland. 1650-1551. 177
Er wollte weder selbst verzichten, noch Philipp als seinen Erben adop-
tiren. Die väterliche Liebe aber blendete den Kaiser derart, doss er
in seinem Sohne Eigenschaften sah, die Niemand sonst in ihm ent-
deckt. Die Deutschen wollten mit Recht einen Deutschen zum Kaiser
haben. Philipp und die Deutschen gefielen sich noch weniger, als sich
Philipp und die Niederländer gefielen. — Philipp musste den Fürsten
in lateinischer Sprache sich verständlich zu machen suchen. Wenigstens
die Fürsten bewegten sich schwer in dieser Sprache. So wurde denn
za Augsborg am 9. März 1&51 eine Kapitulation zwischen Ferdinand
nnd Philipp geschlossen, nach welcher Philipp auf Ferdinand in der
Eigensch&ft als deutscher Konig, auf Philipp aber Ferdinands Sohn,
Maximilian, folgen sollte '). E2s war diess mehr ein anständiger Rück-
zag für den Kaiser. Denn abgesehen von den Reichsfursten , waren
aach Ferdinand und Philipp für die Ausfuhrung dieses Abkommens
Dicht begeistert» — Die Reichsfursten wollten Philipp auch darum
nicht, weil sie, wie sie meinten, »genug unter dem despotischen Tempera-
mente CarFs Y. gelitten hätten'), und sie fürchteten, dieses Tempera-
ment mochte in der Person seines Sohnes nicht gemässigt sein. Die
protestantischen Reichsfursten hoflften besonders von Maximilian, dass
er ihren Bestrebungen günstig sein, wenn nicht gar zu ihrer Religion
übertreten werde. Von Philipp konnten sie solches nicht hoffen').
Im Sommer 1551 kehrte Philipp mit Freuden nach Barcelona zurück —
S« Juli 1551, und übernahm wieder die Regentschaft von Spanien, nachdem
sanuntliche hochfliegende Pläne seines Vaters mit ihm zerronnen waren.
§. 15.
Nach einem Wittwenstande von acht Jahren sollte Philipp ge-
mäss dem Willen seines Vaters eine zweite Ehe eingehen. Diese
zweite Frau war aber nicht die Auserwählte seines Herzens, sondern
die Auserwählte seines Vaters, der vor allem an die Vermehrung seiner
■) 8. die KapItalatioB ap. DolUnger, 1. e. p. 169 — 173. Dasa eine Erklärung
Philipp*« vom gleiclieD Tkge, daas er die Kapituladonsponkte halten wolle, S. 173
—175. In einem weitem Docnmente (alle drei in spaniaclier Sprache) verspricht
Philipp, dassy wenn er seiner Zeit von Ferdinand an seinem Stellvertreter in Italien
ernannt werden sollte, er dort seinen Pflichten entsprechen werde, p. 175—177.
*) PrueaU, I, p. 60. «They had saffered enongh from the despotic temper
of Charies the Fiftfa; and this temper they had no reason to think wonld be mitiged
ia tbe penon of Philip.
*) Fa pooo grato a Italiani, ingratiasimo a Fiamenghi et a Tedeschi odioso.
ReUzione di Michele Sariano^ H. S. ap. Prescott^ p. 61. — PheUpe segnndo,
rey de Espafia (haata 1583) , ponr Luis Cabrera de Cordova. Madr. 1619, fol. -*
Üb. I, eg. 3. — Oe. LeH, Vita di FiUppo II., t. I, p. 195 — 198. — Sepulvtdae,
JooMnü OenßBii (t 1571), opera, t. IV, 4*. Madr. 17£0. t 11, p. 399-401.
QftBft tpaa. Kirch«. UL S. Jg
Phi-
178 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel.
Macht in Europa dachte. Maria, genannt die „Katholische^, wurde
im Jahre 1653 Königin von England* Sie war die einzige Tochtei
Heinrich's VIII. und Catharina's von Aragonien, sie war also Gross-
tante Phiiipp's II., nnd zählte schon 38 Jahre, Philipp erst 25 Jahre
Sie war von schwacher Gesundheit, nnd von frühem Kummer abge-
zehrt. Ihre geistigen Gaben und Eigenschaftenr waren sicher ausge-
zeichnet Gern willigte sie in die von Carl V. ihr vorgeschlagene
Heirath ein. In dem Heirathsvertrage waren alle Rechte und An-
sprüche England's sorgsam gewahrt Im Juli 1654 begab sich Philipp
nach England; am 25. Juli wurde die Vermählung gefeiert Philipp
gab sich die grosste Mähe, das Vertrauen und die Liebe der Eng-
länder sich zu erwerben, und schien bei ihnen auch Anerkennung zu
finden. Als Legat des heiligen Stuhles erschien der Cardinal Reginala
ji '^^ PoUj eine Zierde der Kirche wie der englischen Nation. Die Stimmung
In £Dg-in England war im Ganzen diese: „Man war in die neuen Lehrer
*^^ ohne Prüfung hineingerathen^ auf Konigsbefehl , grossen Theüs ohm
innern Drang, viele wider Willen. Wenige waren durch eigenes Nach-
denken so sehr darin zu Hause, dass sie sich ihrer nicht leichten
Kaufes hätten entschlagen mögen«"
Das Parlament stellte vor AUem die Ehe Heinrich's VIU. mii
Catharina wieder her; gab dann seinem Willen dazu, dass der Kelch
den Laien entzogen, dass der Colibat der Geistlichkeit wieder ein-
geführt werde. Als Elisabeth von England in eine Verschwörung
gegen Maria verwickelt zu sein schien, erwirkte ihr die Fürsprache
Phiiipp's Leben und Verzeihung. Ganz anders dachte hierin seil
Vater, der aus politischen Gründen auf die Hinrichtung der Throa
praetendentin Johanna Gray drang.
Im Novembar 1554 erschien Cardinal Pole vor dem Parlamente
und ermahnte es zur Aussöhnung mit der Kirche. Er brachte voi
Rom das Zugeständniss, dass die jezigen Besizer eingezogener Kirchen^
guter in deren Besize nicht gestört werden sollten. Diess war bei de
Mehrzahl der Deputirten die Hauptfrage. Am 18. November &Dd di<
feierliche Aussöhnung statt Der Antrag ging bei den Lords ohn<
Widerspruch durch. Das Unterhaus zählte etwa 320 — 330 Mitglieder!
Hier erhoben sich nur zwei Stimmen dagegen, die auch bald ver
stummten. Es hiess in dem Parlamentsbeschlusse: „Man gedenki
mit Keue und Leidwesen des Abfalles^. In feierlicher Sizung beide
Hänser und in Gegenwart des Königspaares löste nun der papstlichi
Legat das Königreich England von dem Fluche der Kezerei (30. Ko^
1654). Den Schluss machte ein Te Deum in der Palastcapelle ').
*) Also der Protestant DcMmann in: €U»ch. der eoglischen Reformatio^
6. Auf., 1848, S. 80—81 (6. Aufl. 1863, S. 74). — J. Lingard^ Geacbiohte von England
finde CarPs V. l79
Die Hoffnungen der Katholiken gingen nicht in Erfüllang. Die
Ehe Philipp's nnd Maria's blieb kinderlos. Die Opposition gegen die
Königin wuchs. Philipp kehrte, von seinem Vater abberufen, nach
Belgien zurück — September 1555.
§. 16.
Niedergebeugt durch körperliche Leiden und beständige Miss-
geschicke in den lezten Jahren wollte der Kaiser der Regierung ent-
sagen. Am 25. October 1555 trat er zu Brüssel die Herrschaft über
die Niederlande an seinen Sohn ab *). In seiner Abschiedsrede sprach
der Kaiser u. a. gegen seinen Sohn den frommen Wunsch aus: „Möge
der Allmächtige dich mit einem Sohne segnen, welchem du, wenn du
einst alt und von Krankheit heimgesucht sein wirst, deine Königreiche
mit der nämlichen Gesinnung zu übergeben vermagst, mit welcher ich
dir jezt diese Niederlande übergebe." Dieser fromme Wunsch ging
in keiner Weise in Erfüllung. Don Carlos wuchs nicht zum Tröste,
sondern zum bittersten Herzeleid seines Vaters heran« Die Augen
Philipp's (III.) aber schauten ängstlich umher, ob nicht Jemand da
sei, dem er gehorchen konnte. Wenn aber ein unbeschränkter Mo-
narch nur gehorchen, nicht befehlen kann, so gehet sein Volk und Land
den Krebsgang. Da Philipp II. des Flämischen nicht mächtig war, so
sprach er nur einige franzosische Worte zu den Vertretern der 17 Staaten pi^uipp
der Niederlande, nnd liess statt seiner den Cardinal Granvella eine gi^^.
wohlgesezte Rede halten '). — Am 16. Januar 1556 übertrug Carl zu
Brüssel seinem Sohne die Reiche Castilien und Aragonien, nebst deren
Nebenländem, in Gegenwart von Mitgliedern des spanischen Adels.
Am 15. September 1556 schiffte sich der Ex-Kaiser nach Spanien ein,
um den Rest seiner Tage im dem EUeronymiter - EJoster S. Just bei
Qbers. von Balis, Bd. VU, Frankf. 1828, S. 203—212. — Prescott, L c. t. I,
p. 6S-130.
i *) Coleocion de Docamentos inöditos pars la historia de Eapafia, t. VII,
ptdr. 1845. — Forme de que usö el emperador caando hfzo oeslon de los Paises-
Wijos en la persona del rey Felipe II, p. 534 sq. — Chckardy Analectes Belgi-
Jllttes, Paris 1830, p. 76—81. — Weiss, Charles, Papiers d'£tat da cardinal de
•Granvella, Paris 1843, t. IV, p. 486. — PnscoU, 1. c., I, p. 2-- 24.
*) Warum aach, fragt Baumstark^ hatte Carl seinen Sohn nicht französisch,
oder fiiimiBch, oder Beides lernen lassen? Hatte er es selbst doch auch gelernt
S. 29, Philipp II. KOnig von Spanien, Freib. 1875). Der berühmte Donoao Cortes,
ehrere Jahre spanischer Gesandter in Paris, war dnrchans nicht im Stande, die
raozOsische Sprache za erlernen. Philipp 11. stand eben an geistiger Begabung
ieOeicht so weit hinter Carl V. zarfiok, als Philipp UI. hinter Philipp II. zurückstand.
12»
\
180 Dreisehntes Bach. Viertes KApitel.
Flacentia za verleben. Er zog sich keineswegs , wie man truhet
geglaubt hat, und wie es vielleicht sein Vorsaz war, von allen welt-i
liehen Angelegenheiten zurück ^ lebte aber dennoch in ernster Vorbe^
reitung auf die Ewigkeit. In seiner Einsamkeit starb er am 20. Sep^
tember 1558.
„Am 20. September^, schreibt der Reformator Mdanchtorij ,^\n^
diesem Jahre 1558 ist Carl V., römischer Kaiser und Eonig in Spanien j
nachdem er grosse Dinge ausgerichtet, selig entschlafen in Spanien^
im Kloster, darin er Ruhe halber entwichen^ und fast zwei Jahre mij
Beten und Lesen zugebracht hat, wie er denn sonderlich gern io
Bernardo gelesen.
Im Jahre 1621 forderte er die deutschen Fürsten gen Worms
Damals sagte sein Kanzler Mercurinus, ein weiser und vortreffliche^
Mann, zu dem Kanzler des Herzogs und Curfursten Friedrich voij
urtheiie Sachscu : ^^Dic deutschen Fürsten haben wohl daran gethan , dass si^
Carl V. Carl zum Kaiser gemacht haben; denn er wird ein weiser und fromme]
Herr werden. Dass aber diese, eines solchen Mannes Worte nich{
aus Heuchelei, sondern aus der Wahrheit und wohlbedachtem Gemütb<
hervorgegangen sind, hat der Ausgang bezeuget.^ Ueber sein Betraget
gegen Franz L von Frankreich und den Papst sagt er: „Diese Hand<
lungen, darinnen sich der Kaiser gar bescheiden gehalten, zeigen gei
nugsam an, dass er ein weiser, glimpflicher und gutthätiger Herr ge
wesen ist.^ Er lobt auch den grossen Muth des Kaisers. Es sei voi
Anfang an der Wille des Kaisers gewesen, die Sache der Reformatioi
gütlich auf einem Concile auszutragen, Diess habe ich, schliesst eij
an dem Orte von dem Kaiser Carl anzeigen wollen, dieweil es in an
dern Historien ausgelassen ist '). Es sind viel herrliche, grosse Togenj
den in ihm gewesen. Denn für sich selbst war er ein eingezogene]'
massiger Herr. Im Regimente aber sind viele Anzeichen einer hohen
grossen Weisheit, und dass er in dieser Regierung Gerechtigkej
und Gelindigkeit gehabt und gebraucht, weiset seine ganze Hiatorii
aus, als dass er so viele gefangene Fürsten hat wieder los gelasseij
nämlich Franz, König von Frankreich, Papst Clemens, Herzog Johani
Friedrich, Curfursten von Sachsen, und Philipp, Landgrafen voj
Hessen"*).
Ein anderer seiner Zeitgenossen, der Venetianer CavaUij sagt i^
Jahre 1551 über ihn: „Die Lebensweise des Kaisers ist die eine
Christen und eines Privat- Cavaliers. Er sucht sich frei zu erhalte
'} Das ist: in Sleidanua, Jo.j De statu rellgionis et reipaUicaa, Carole qaint
Caesars, commentarii, Argentorati, 1555, 1559, 2*.
*) Corpus Beformatorum, opp. MdancMonii, IX, p. 702—708 (cf. II. 430^.
Urtheile über Carl V. 181
TOD allen Fehlern, nnd ich weiss an ihm keine ünvollkommenheit.
Vielmehr ist er in allen seinen Handlungen, bis zu den geringsten
herab, so rnhig, so besonnen, so umsichtig, in Geberden und Worten
80 maassToll , dass er die allgemeine Bewunderung verdient. Er ist
immer leutselig, wallt niemals auf, wird niemals ungestüm, sondern
redet so überlegt, so sachgemäsS; so voll Gottvertrauens, dass man
.sagen darf, er spreche weder ein Wort, das an sich Tadel verdient,
noch ein solches, das seiner Sache schade"^}. Ein anderer Venetianer,
Contarini, sagt über ihn: „Der Kaiser ist ein tief religiöser Mann,
durchaus gerecht, frei von jedem Laster, in keiner Weise dem Ver-
gnügen ergeben, wie gewohnlich die Leute seines Alters (der Bericht
ist aus dem Jahre 1525 — 1526), noch hat er Gefallen an irgend-
welchen Spässen. Er ist ein Mann von wenig Worten und von sehr
bescheidenem Wesen. Er erhebt sich nicht sehr im Glücke, noch
lägst er sich niederbeugen im Unglücke. Freilich ist er empfanglicher
tlir Traurigkeit, als für Heiterkeit, gemäss der Beschaffenheit seines
Charakters, den ich als zur Schwermuth neigend bezeichnet habe.
Wahrlich nach jenem so' grossen Siege über den Eonig von Frankreich
(1525) benahm er sich mit solcher Mässigung, dass es wie ein Wunde^
war. Man sab in ihm kein Zeichen der Ueberhebung, weder in
Worten, noch irgend welchen Geberden. Jedoch hat er eine nicht
<ehr lobliche Eigenschaft. Gemäss dem nämlich was mir sein Beicht-
vater sagte, der Franciscaner , der in Valladolid starb, mit dem ich
ziemlich vertraut war, ist der Kaiser von Natur der ihm angethanen
Beleidigungen eingedenk, und kann sie nicht so leicht vergessen^'').
— Die Schwermuth, welche ihm anhing, hatte er eben von seiner
Mutter Johanna geerbt, und vererbte sie auf seinen Sohn Philipp.
') Berichte der venetianischen Gesandten: Belazione degli ambasciatori veneti
il Senato, raccolte ed edite da E. Albert. Firenze, 1839—1862, 15 vol. in 8*. —
vne I. Relazione degli atati Enropei trafie ItaHa; 2 Serie Relaziono d'Italia; 3 Ser.
EeUzione degli Stati Ottomani (Serie I, tom. II, p. 195).
^ £ naturalmente Ceaare memore delle injarie fattegli, nh le puö dimenticare
ficilmente (Relaxione, Serie I, t. 2, p. 62 sq. In seinem Werke: Carl V. nnd die
'ieotachen Protestanten 1545—1555, nebst einem Anhange von Aotenstfioken aas
im spanischen Staatsarchiv von SimanccLS, Dttsseld. 1865 — hat Wüh, Mauren-
^ftditr diese Worte ans ihrem Zusammenhange gerissen, nnd sagt n. a.: „Leiden-
«chafUich schimpfend und tobend fuhr er (Carl V.) oft seinen Gegner an; nnd da-
^*ei war er eigensinnig, nnd hielt z&h an dem einmal ergriffenen Gedanken fest.
Eine empfangene Beleidigung vermochte er nicht zu vergessen, seine Bachsacht
tar Ton nachhaltiger Dauer (Contarini 62). Und im Grunde war er doch ein
larahans ernster Charakter, dem Tiefe des Gefühls und Tiefe des Gedankens nicht
»kzQsprecben ist Bei aller Leidenschaftlichkeit, die in spätem Jahren allerdings
tiorch seine Kritaikliöhkeit noch gesteigert wurde, war doch der Geist des Fürsten
^ auf ernste Aufgaben gerichtet (1. c, S. 171).
182 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
Aber er wu88te sie mehr, als dieser, za beherrschen. Tiefe Religiosität
vrar es, vr eiche ihn, als er zum lezten Male die Erde Spanien's be-
treten, drang, niederzaknieen und zu sagen: Nackt bin ich hervor-
gegangen aus meiner Mutter Schoosse, und nackt werde ich zurück-
kehren in den Schooss der Erde. Das Kloster San Jeronimo de Yuste,
in welches sich der Kaiser zurückzog, lag bei Plasentia*).
In Spanien bat zuerst als Lobredner Carl's Peirua de Salazar
herausgegeben: Coronica del Emperador Carlos V. en la quäl se
*) In der Tortrefflichen Literatargeschichte der Orte Estremadara^s, in welcher
Provinz San Yoste liegt (Catalogo razonado y critieo de los libros, memoriaB y
papelea impresos y manosoritos, ,que tratan de las provincias de Estremadara,
compuesto pör Vicente Barrantes^ 4*, Madr. 1865), findet man unter dem Artikel:
S. YoBte die Literatar über das Klosterleben Carrs V. (p. 231 — 242) recensirt, nenn
Schriften nämlich, darunter mehrere M. S., namentlich von dem gleichzeitigen
Hieronymiten, Fray Martin de Angtüo und einem Ungenannten um 1580. Im
Jahre 1578 liess Philipp II. den Leichnam seines Vaters in den Escorial bringen.
Lettres de Quill, de Male aar la vie intörieure de V empereor Charles Quint,
publ. ponr la premiöre fois par le baron de Eeiffenberg. Broxell. 1843.
Cloiater-life of theemperor Charles V., by Will. Stirling^ 3 edition enlarged.
London, 1853. — {Wilh. Stirling^ das Klosterleben CarUs V., aas dem Englischen
von Lindau^ Dresd. 1853). — Rötraite et mort do Charles - Qnint an monaatöre de
Saint-Tuste. Lettres inöditea publica par If. Oachard. BraxelL 1854—1856. 3 vol.
in 8*. — Relation dea ambaaaadeura Yönitiena sur Charlea-Qoint et Philippe IL,
pnbL par L. P. Oachard. Bnixell. 1856. — Charlea - Qnint, aon abdicatton , aon
Böjonr et aa mort au monaatöre de Juate, par F. A. Mignet, 3 ödit. Par. 1857. —
W. Prescottf Kloaterleben CarraV., anadem Engliachen, Leipz. 1857. (TT. Prescott^
t 1859, hat eine neue Anagabe der Geachichte CarPa von W. Boberison besorgt,
und ihr beigefügt: An acconnt of the emperor'a life after hia abdication , Boaton,
1856. (1^57, 3 vol. 8*.) Dea Ealaera Carl V. Correapondenz. Ana dem königlichen
Archiv und der Bibliothek von Bourgogne %n Brüaael, mitgetheilt von Carl Lanz
(1513—1556), Leipz. 1844—1846. 3 vol. 8*. — Cartaa al emperador Carloa F.,
eacritaa en loa afioa 1530—1532 por an confeaor (Oarcia de Laay^a) aus dem
Archiv von Simancaa, publ. par C. Heine. Berlin 1848, Dieaelben Briefe erachienen
in: Coleccion de documentoa in^itoa, t. XIV, Madrid 1849 (Correapondencia del
Cardenal de Oama {Loaysa^ Cardinal 1530, Biaohof von Oama 1525—1532, von
Signenza 1532—1539, zolezt Erzbiachof von Sevilla) con Carloa V.). — Correapon-
danco of the emperor Charlea V., and hia ambaaaadora at the coort of England
and France, from the original lettera in the imperial fiunUy archivea at Yiefia,
publiahed by Witt. Bratford. Lond. 1850, 2 voll
Mit Bezog auf daa genannte Werk von Mawrenbrecher vom Jahre 1865
erachien eine: «Studie über den Eaiaer Carl V., von einem proteatantiachen Forscher,
in Hiatoriach-polit Blätter, Bd. 60, S. 1—17, 109—131, 213-232, 345-364,
433—451.
Kervyn de Lettenhave^ Hiatoire de Flandre (792—1792), BmzelL 1847—1855,
6 voll. (Deaaelb. Commentare CarPa V.) — Lea grandea- et aolennellea pompes
funebrea faitea k Bruxelle ponr le aervice de Charlea -cinqnitome, Paria, 1559 — 8'}.
WilL Bobertsan, Hiatory of the Emp. Charlea V. , Lond. 1769, 3 t 4*. (Deutach
von Bemer, Braunach. 1792, 3 Bde., nene Ausgabe von Preacotty Boaton. 1856—1857).
Schriften über Carl V. 183
trata la jastlsima guerra^ que su Magestad moviö contra los Liiteranos
y rebeldes del Imperio, y los sncesos que tuvo. Hispali 1552; (Italie-
nisch, Neapoli 1548. fol.) Gegen dieses Werk erschien, als Manu-
Script, eine Satyre: Epistola Bachalauri Arcadis, von Didaeus Hurtado
de Mendoza *). Eine sehr unparteiische Geschichte des Kaisers schrieb
der Zeitgenosse nnd Augenzeuge Joann. Oenenua Sepnlveda ans
Cordova: De rebus gestis Caroli Y. Imperatoris. Aber dieses
Werk bliebe vielleicht gerade wegen seines Freimuths, ungedruckt.
Andr. Schott (in seiner Bibliotheca Hispana) sagt: ,,Es werde von
QDsern Konigen aufbewahrt*) (d. i. unter Verschluss gehalten). Nicolaus
Antonio yennuthet nur, es sei lateinisch geschrieben. Erst im Jahre
1780 erschienen: Sepulvedae Cordubensis Opera tum edita tum ine-
dita, accur. regia histor. Academia (edente jFV*. Cerda y Rico')^ Matriti
1780, 4 vol. in 4®., wovon die zwei ersten Bände die bis dahin un-
gedruckte Geschichte Carl's V. enthalten«
Carl y. war in Spanien zu Lebzeit^i nicht populär. Das Blut
der Spanier floss in Strömen in seinen auswärtigen Kriegen. Seine
beständige Geldnoth zwang ihn zu beständigen Erpressungen« Dazu
kamen die Erinnerungen an die ersten Jahre seiner Regierung, die
barte Behandlung der niedergeworfenen „Gomuneros^, und die Miss-
bandlung oder doch Missachtung der Cortes. Das Angesicht des
grossen Kaisers, das freundlich erschien den Belgiern, den Deutschen,
den Italienern und den Bewohnern der „neuen Welt^, es leuchtete nicht
holdselig den Spaniern. Sie mussten immer zahlen und immer bluten.
£r8t nach seinem Tode, unter Philipp IL, und noch mehr unter
Philipp III., wurde Carl Y. populär auch in Spanien, wegen des Glanzes
seiner Regierung, deren Druck nun nicht mehr gefühlt wurde, und erst
so spät konnten Lobwerke über ihn erscheinen, unter denen das des
Bischoft Prudent. de Sandoval hervorragt : La vida y bechos del empe-
»dor Garlos V.«)
') Tichnor ' JtUius, II, p. 759—760.
*) Valladolid, 1604; Pamplona, 1618, 1634; Antwerpen, 1681.
Fünftes Kapitel.
FrAhere Zeit der Regtening PhiUpp*8 IL (1M6— 1568).
§. 1.
Philipp blieb im Jahre 1556 in Flandern zurück. Noch einmaj
kam er zu seiner Gemahlin nach England auf kurze Zeit — 15ö7i
Diese starb zwei Monate nach Carl Y., am 17. November 1558, und
die Gewalt fiel in die Hände Elisabeth's^). Die Mutter des Kaisers.
D. Juana, war in Tordesillas am 11. April 1555 gestorben. Geborer
am 6. November 1479 hatte sie ein Alter von 76 Jahren erreicht, eiij
höheres Alter^ als irgend ein Mitglied ihrer Familie. Ihre Tochtei
Eleonora, Gemahlin des Königs Enmianuel von Portugal (f 1525), und
Franz I. von Frankreich (f 1547)9 überlebte den einen und andern]
und kehrte mit ihrem Bruder Carl Y. nach Spanien zurück — 1556<
Ihre Tochter Maria war mit dem Infanten Sebastian von Portugal ver^
mahlt. Nachdeäi sie diese ihre Tochter besucht hatte, starb sie zt
Talavcra de Badajoz, im Februar 1568, und wurde zu Merida be<
graben, von wo ihr Leichnam im Jahre 1574 nach dem Escorial über-
tragen wurde.
So lebten am Ende des Jahres 1558 nur noch Philipp IL uni
sein Sohn Don Carlos, sowie Ferdinand von Oesterreich, aus der F»
milie des Kaisers.
■) Fiorez, Rejnas catholicas, U, p. 890—898. 8ie war geboren 8. Febr. 15111
Philipp'! n. Krieg Bit Paptt FMl lY., 1556. 185
§. 2.
Ganz gegen sein ESrwarten wurde Philipp IL zneni in einen
Krieg mit Papst Panl IV. (1555 — 1559) verwickelt Dieser Papst
sah in der Ansdehnnng der Herrschaft and der Besiznngen Philipp's
II. eine Oefidir far die Unabhängigkeit des Kirchenstaats nnd Italien's,
and schloss mit Heinrich II. von Frankreich ein Bandniss gegen
Philipp — 17. December 1555. — Frankreich sollte das Königreich
Neapel nnter päpstlicher Lehensoberhoheit erhalten, Italien in einem ge-
wissen Sinne den Herrn wechseln. Einige Wochen später schloss
Frankreich einen fünfjährigen Waffenstillstand mit Philipp II., handelte
also trenlos an Papst Panl IV. — Znr Entschädigung sollte ein Theil
des Königreichs Neapel mit dem Kirchenstaat vereinigt werden. Frank-
reich sachte zugleich ein Bfindniss mit dem Sultan Soliman. Papst
Panl IV. Hess gegen Philipp II. den Process wegen Vorenthaltung der
Lehensleistungen instruiren; Neapel, wurde erklärt, sei an den Papst
zurückgefallen, weil der Vasall seinen Pflichten sich entzogen. Der
jüngere Herzog von Alba, damals 49 Jahre alt, führte die spanischen
Truppen zum glänzenden Siege. Er drang bis zu den Thoren Rom's ^^^^
vor, schloss sodann einen Waffenstillstand mit dem Papste, und kehrte rup^
nach Neapel zurück — 1556. Phüipp H. wollte den Papst in jeder ^^^^ '^•
Weise schonen. Da kam, gerufen von dem Papste, ein französisches
Heer nnter dem Herzog von Ouise, in den Kirchenstaat, um Neapel
zu erobern. Alba vertrieb die Franzosen aus Neapel, und stand wieder
vor Rom. Die Römer verlangten nach Frieden, Fkunkreich's Hilfe war
ohnmächtig. Nach dem Siege der Spanier bei Set. Quentin — 10. Au-
gust 1557, wurden die Franzosen aus Italien zurückgerufen, und Papst
Paul stand allein. Philipp U. bot dem Papste einen seJir billigen Frieden
an. Das spanische Heer musste den Kirchenstaat räumen, Alba öffent-
liche Abbitte leisten, weil er gegen den Papst die Waffen getragen;
Spanien behielt Neapel als Lehensträger des Papstes — 1657 ').
Einen neuen Sieg über die Franzosen erfocht der Graf Egmont
bei Gravelines — 1558. Als die Königin Maria gestorben, und Phi-
lipp II. die Feindseligkeit Elisabeth's voraussah, verlangte er einen für ^^^^
beide Theile ehrenvollen Frieden mit fVankreich zu schliessen. Warum ttua-
sollten sich die zwei einziir fibriirirebliebcnen katholischen Mächte der '"'^^
ö oo l.*i69,
Welt in nnzlosen Kämpfen aufreiben? Im April 1559 wurde der
') PrueoH, Philip de Seoond, eh. V— VI. t 1, p. 131—189. — Giafione
Lrtoria di Napoli, t X (von welohem Werke auch eine deutsehe Ueberseiang
enebJsB).
186 brelzehotm Boch. matten Kapitel.
Friede von Chateao - Cambresis geschlossen. Philipp IL 'schloss
seine dritte Ehe mit der 15 Jahre alten Elisabeth von Yalois. Bei
einem Turnier, das zur Feier der Hochzeit gehalten wurde, wurde ihr
Yater^ Konig Heinrich IL, durch den Splitter einer Lanze am Kopfe
getroffen, und starb am 9. Juli 1559').
Am' 25. August verliess Philipp Belgien, und erreichte am 8. Sep-
tember die Küste von Spanien, um seine Heimath nicht mehr zu ver-
lassen. Zur Feier seiner Ankunft wurde u. a. zu Yaladolid ein Auto-
dafe gehalten, wo kurz zuvor eine protestantische Gemeinde entdeckt
worden war. Schon am 21. Mai war ein erstes Autodafe gehalten
worden, in Gegenwart des Infanten D. Carlos, wo u. a. zwei Luthe-
raner verbrannt wurden. Dem weitem Autodafe vom 8. October
Philipp wohnte Philipp und sein Sohn bei. Achtzehn Personen wurden ver-
wieder
in spa- urtheilt , von denen drei wegen Hartnäckigkeit den Feuertod litten^).
nien. _ ^^ x2. Fcbruar 1560 kam Elisabeth von Valois in Toledo an.
Am 22. Februar empfing D. Carlos in der Cathedrale zu Toledo die
Huldigung als Thronerbe.
Die Verdienste der Spanier um das Zustandekommen und die
glückliche Beendigung des Concils von Trient sind allgemein aner-
kannt. Viele durch Gelehrsamkeit und Tugenden ausgezeichnete spa-
nische Kirchenförsten wohnten demselben bei^).
Nach ihrer Rückkehr veranstalteten die spanischen Prälaten eine
Anzahl von Provincialconcilien zur Bekanntmachung und Ausfuhrung
der Beschlüsse des Trienter Concils. Am 8. September 1565 wurde
in der Cathedrale zu Toledo ein Provincialconcil eröffnet, und am
15. Mai 1566 geschlossen, dem sechs Bischöfe, u. a. der gelehrte
■) PreseoUf I, p. 190—269. (War whit, France eto.)
') Uorente, Inquis. d'Bspagne, II p. 220; 233—234. — APcie^ die Refor-
matioil in Spanien, (dentsoh von PUeninger)^ 1835, p. 290—331. — PrescoU, I,
p. 380—411.
') Ein kürzeres Verzeicliniss steht bei Agnirre-CataUuii, t VI, p. XI — XII.
— Pedro SaJinz de Baranda hat einen aoBfÜhrlichen Catalog mit knnen Biogra-
phieen der einzelnen Spanier, (nnd Portngiesen) in: „Documentos inöditos p. la historia
de Espafia. U IX, Madr. 1846, erscheinen lassen: ^Noticia de los Espafioles, qae
asistieron al eondlio de Trento". — Diese „Noticia^ ist wieder abgedmckt in t IV
der Conoiliensammlong von Tejada y Eamiro^ Madr. 1859, p. 520—540. Im Jahre
1787 hatte der Portugiese Anton. Pereira de Figneiredo erscheinen lassen:
Portugneses nos Goncilios geraS^s (oder Bericht über die portugiesischen Ge-
sandten, PriUaten und Dootoren, welche den allgemdnen CondUen , voil dem ersten
Lateranensisohen bis sinn lezten Tridentfnisohen, angewohnt (Lisboa, pp. 134. 4*); er
hatte im Anhange auch .los Castelhanos no Condlio de Trento* aofgeAhrt
Concil von Trieot; Proyincial-OoDdlien too 1565->156G. 1B7
Didacus CovarraTias von Segovia (f 27. September 1577), der im Jahre
1569 selbst eine Diocesansynode hielt, anwohnten*)* — Es folgte das
ProTincialconcil von Valencia, welches der Erzbiscbof Martin, de Ayala
am 11. November 1565 eröffnete, nnd am 24. Febraar 1566 mit der
fünften Sizung scbloss. Der Erzbischof nnd zwei Bischöfe wohnten
demselben bei')« — Das Provincialconcil von Gompostella wurde in
der Cathednde von Salamanca am 8. September 1565 eröffnet. Die
zweite Sizung fand am 25. April, die lezte am 28. April 1566 statt.
Der Synode wohnten neben dem Erzbischof zwölf Bischöfe bei'). —
Das Provincialconcil von Zaragoza wurde im Jahre 1565 eröffiiet. Der
Infant und Erzbischof Ferdinand von Aragon berief es. Der Cardinal
Aguirre hatte vergebens gehofft; (1693 — 1694), die Akten dieses Con-
cils zu erhalten. Er und nach ihm Catalani mussten sich mit einer
kurzen Notiz über dieses Concil begnügen. Tejada y Ramiro dagegen
erhielt auf seine Bitten die lateinischen Akten von dem Canonikus
Benito Garrido*). Fünf Bischöfe wohnten dem Concile an. Es wurde
vom September 1^-65 bis 17. Februar 1566 gehalten. Auch zu
Granada hielt der gefeierte Erzbischof Petrus Gnerrero, im Jahre 1565)
ein Provincialconcil, dessen Akten der Cardinal Aguirre nicht entr
decken konnte. Nach den Mittheilungen, welche Tejada von dem
Canonikus Kaiael Barea y Avila erhielt, konnten die Akten des Con-
eils, wegen starker Opposition des Domkapitels, nur theil weise ver-
öffentlicht werden^) Das Concil beschäftigte sich u. a. mit den Un-
gerechtigkeiten und dem Drucke gegen die Moriscos, die ein schweres
Hinderniss ihrer Bekehrung waren. Das Concil richtete auch eine
Supplik an den Papst, er möge den Priestern in Deutschland nicht
gestatten, zu heirathen*).
In den Jahren 1564, 1566, 1566, 1567, 1569, 1572, 1574, 1577
u. s. w. wurden regelmässig wiederkehrende Provincialconcilien für die
Kirchenprovinz Tarragona gehalten. Aguirre wusste nichts von diesen <^^^'
Concilien. Dieselben sind erst in neuester Zeit theilweise bekannt ge-
worden, durch den Erzbischof Joei Costa y Borräa (f 1864), und in
der Conciliensammlung von Tejada y Ramiro'^).
') Aguirre-Caialaniy t. V, p. 890 — 41 1. — Tejada y Ramiro, t. V, p. 217-260.
*) Aguirre- Catalanh V, p. 411-436. — Tefada, V, p. 261—313.
") IWd., V, p. 445-4^,0-462; Tefada, V, 314-346.
*) Por cuyo acte lo estaremos etemameiite reconocidos, Tefada, V, p. 347.
*) In den Ck>DBtitQciones sinodales, welche Gaerrero auf der von ihm im
Jahre 1572 gehalfeoen Diöccsaosyoode verkfindigte.
•) Tefada, V, p. 3«l -400.
^ Es war höchste Zeit; denn P. Itofamll in Barcelona hat mir erz&hlt, dass
das Archiv der Cathedrale von Tarragona znm Theil durch NaohlSastgkett seioer
Hftter m^ oder weniger vom Feaer zerstört worden sei.
188 Dreisehntes Bach. FttnfteB Kapitel.
Tefada erklärt, dass nach seinen Nachforschangen vom Jahre
1564 an bis zum Jahre 17ö7 nach und in Folge der Decrete des
Concils Ton Trient 36 Provincialconcilien gehalten worden. Die Con-
cilien der Jahre 1564 — 1566 wurden dnrch den Erzbischof Ferdinand
Ton Loazes bemfen.
Er folgte im Jahre 15<)0 dem ^Administrador^ Doria, wurde im
Jahre 1566 Patriach von Antiochien, im Jahre 1567 Erzbischof von
Valencia, nachdem er von 1542 — 1560 nach einander Bischof von
Perpignan, Lerida und Tortosa gewesen war. Bei erledigtem Size
berief der Oeneralvicar das Concil im Jahre 1567. Das Concil von
1569 berief Wilhelm Cassador, Bischof von Barcelona, im Auftrage
des Cardinais und Erzbischofs von Tarragona, Caspar Cervantes de
Gaeta, der zwar im Jahre 1568 von dem Size von Salemo auf das
Erzbisthum Tarragona befordert worden, sich aber damals noch in
Rom befand. Das Concil von 1572 (und 1574) wurde durch den
Cardinal selbst berufen, welcher für seinen Sprengel auch ein Semi-
narium Tridentinum in's Leben rief.
Bei allen oder fast allen diesen Concilien war ein weltlicher
Commissär Philipp's zugegen'). Philipp U. legte den Concilien auch
die Punkte vor, welche er verhandelt wissen wollte. — Wie das Concil
von Granada, so richtete auch das Concil, das im Jahre 1564 zu
Tarragona begonnen, im Jahre 15G5 zu Barcelona fortgesezt wurde,
eine gelehrte Bittschrift an den Papst, er möge die fiir Deutschland
gestellte Bitte um Aufhebung des Cölibats der Geistlichen nicht ge-
währen» Es war Philipp II., schon damals „päpstlicher als selbst der
Papst^, welcher durch seine „Cedulas^ an die Bischöfe diese Bitt-
schriften an den Papst zu Stande brachte.
Philipp II. hielt das königliche Placet in der strengsten Weise
fest. Nachdem er am 12. Juli 1564 das Concil von Trient in feier-
licher Weise acceptirt'), dessen Protector zu sein er vorgab, liess er es
mit der Clansei verkündigen, dass diese Decrete zu vollziehen seien,
soweit sie den königlichen und den Landesrechten nicht präjadicirten').
Viele sehr heilsame Beschlüsse des Tridenter Concils blieben nnaus-
') Darob %reve vom 4. Nov. 1567 warden zwar verschiedene ^CorrectioDes"
an dem Conoil von Valencia angeordnet, aber von der Anwesenbeit eines könig-
lichen CommisBärs ist keine Rede. BtiUar. Koman. ed. Taurint T. VII, 1862,
p 631^633. S. daselbst Breven vom 27. December 1567 nnd 12. October 1569 Aber
die Concilien von Toledo nnd Santisgo, dem Wortlaute nach ziemlich gleich*
*) Ley 13, tit. 1. L. 1. Novisima Recopil.
*) Jo, Cavarruoias, Maximas sobre los recnrsos de fnersa, tit, 19. — Colec-
cion de Gonoordatos y demas convenios oelebrados despnes del ooncilio Tridendno
entre los reyes de Espafia, y la Baniaßed», Madr. 1848, p. 262.
Philipp IL^wftcht über den Concilien. Toletaner Concil yoq 1582. 189
geführt, weil sie dem Konige nicht convenirten ^), worüber sich nachher
diese Konige am meisten beklagten. Der Absendang weltlicher Com-
missäre zu den seit 1564 gehaltenen Concilien suchten die Päpste
Pias lY. und Pius V. vergebens entgegenzutreten. Nur bei dem im
Jahre 1565 zu Zaragoza gehaltenen Concil werden diese Commissare
nicht genannt, woraus nicht folgt, dass sie nicht erschienen. Einem
Conflikte zwischen Rom und dem Könige suchte man auf kunstliche
Weise auszuweichen. Der Nuntius hatte das Verbot der Anwesenheit
königlicher Commissare zu intimiren. Die Concilien wurden darum,
froher als das Verbot mitgetheilt wurde, in Gegenwaii dieser Com-
missare gehalten.
Im Jahre 1582 berief der Cardinal Caspar Quiroga wieder eine
Synode nach Toledo. Am 8. September 1582 wurde die Synode er.
öffiiet. Der Erzbischof trat hervor aus seinem Palast, begleitet von
seinen Suffraganen, und dem D. Gomez von Avila, Marquis de Velada,
dem Legaten des Königs an das Concil. Zum Voraus hatte Papst
Gregor XIII. Kenntniss davon erhalten, und am 30. October 1581 an
den Cardinal Quiroga geschrieben, und ihn gewarnt, er möge nicht
zulassen, dass bei diesem Concil die Freiheit (der Kirche) durch
königliches Einmischen verlezt werde. Näheres werde er durch den
Nuntius in Madrid erfahren. Trozdem fand das Concil in Gegenwart
des königlichen Legaten statt. Am 8. September 1582, am 9. und
12. März 1583 wurden drei Sizungen gehalten. Das Concil ist nach
dem Cardinal von sieben Bischöfen und dem Abte von Valladolid
unterschrieben. Die Akten wurden nach dem Gebrauche zur Genehm-
haltung nach Rom gesandt. Die Congregation des Concils wollte sie
nicht eher bestätigen, bis der Name des königlichen Commissärs ge-
tilgt sei. Der Cardinal suchte durch den Nachweis einer alten Ge-
wohnheit sein Vorgehen zu vertheidigen. Vor der weltlichen Gewalt, '>m
die er fürchtete, bewies er Feigheit, der kirchlichen Gewalt, die er ^^l
nicht forchtete, gegenüber bewies er Troz — oder Unwissenheit. Car- »sss.
dinal Philip Boncompagni schrieb ihm im Jahre 1584 u. a.: „Es wird
niemals gefunden, dass weltliche Fürsten oder deren Nuntien Concilien
angewohnt haben, ausser den allgemeinen, wo es sich um den Glauben,
die Reformation und den Frieden handelt*). Nach langen und hizigen
*) Salgado de 80moza^ Franc,^ Tractatos de supplicatione ad SanotiBsimam
a ballifl et literia ApostoliciB nequam et importune impetratis in pernieien rei-
pablieae, regni, ant Begis, ant juris tertii praejndiciiim, et de eamm retentione in-
terün in Senato. Matriti, 1639 -* 2*. — Lugduni, 1604 — 2*. — Pau l, op. 2. 2.
43. Idi seq. (Diess das Werk, welches Orti y Lara ,,de supplicatione 8anctonim*
— handeln Itot).
*) ViUanuno, Suma.concil. Hispanfae, T. U, p. 232.
190
Dreizehntes Bach. Fünftes Kapitel.
Streitigkeiten aber diese Sache befahl Papst Gregor XIIL darcfa ßreve
vom 26. Januar 1585, dass der Name des koniglidieti Abgeordneten
aus den Akten der Synode auszulöschen sei^)» — Der Papst hofit,
dass der Cardinal seinen und des apostolischen Stuhles Befehlen, wie
billig, gerne gehorchen werde ^).
Man darf sich nicht wundem, dass von nun an, ausser der Kirchen-
provinz von Tarragona, die Provincialconcilien in Spanien ganz auf-
horten. Das Concil des Jahres 15^2 war das lezte, welches zu Toledo,
aber auch in den Kirchenprovinzen von Valencia, Zaragoza (?), Compo-
stella, Burgoe, Sevilla und Granada gehalten wurde — bis zum beu-
tigen Tage. Mit ihm schliesst die Conciliensammlung von Aguirre für
Spanten ab. Diocesansynoden wurden auch im siebenzehnten und selbst
achtzehnten Jahrhundert gehalten, sie brachten aber bei der Allgewalt
des Staates wenig Frucht'). Philipp II. war auch der Todtcngräber
der Concilien von Spanien. Das allmälige Erloschen derselben zeigt
die folgende Uebersicht:
Jahr der Con-
eilien:
Ort:
Berufender:
ZaU imd Jahalt der BeseUttase:
1512
in Sevilla
Didacos Deza
Ordnung der Diseiplin — 64 Ganones
1517
, Barcelona
Cardona
Erlass von (wenigstens 6) Con-
stitationes.
15.^9
a Tarragona
11
Wenigstens 1 Canon aber Zehnten.
1543
S 11
Doria
Anordnung von Constitutionen.
1552 •
, Lima
Zweifelhaft
Die AuthencitSt wird bezweifelt.
1555
n Mexico
Hontufar
93 Canones.
1555
„ Tarragona
Doria.
1564
n n
Loazes
Annahme des TrienterConcils. De-
cret y. d. Residens.
1565
« Toledo
Rojas
In 3 Sizungen — 59 Canones.
>) ViUanuno, II, p. 260.
^ Aguirre, Concil. t IV, p. 224. (Llb.4 Decret Congregat. Cono., p. 18—19.)
Aguirre-Catalani, VI, p. 20-24. Benedict XIV, de syn. dioeeeaana, III, ep. 9,
nr. 6. — Hergenrother, L o., p. 29.
*) SperamuBf te Nostris atque apostolicae Sedis mandatis libenter, uti debes,
obtemperaturum esse. — Aguirre -CaUdani, VI, p. 21. Siehe die Akten des Con-
cils und die Nachtrage dazu, ibid. VI, p. 1 —26. — Tejada y Ramiro, t. V,
p. 400—485. Aus den weitem hier mitgetheilten Verhandlungen zwischen dem Ck>ncil
und dem Könige, dem jeder einzelne Anfrag des Concils, bevor er Beschluss wurde,
vorgelegt werden musste, ogleieh Philipp II. damals in Lissabon weilte, geht her-
vor, dass nie ein Papst ein Conoil so sehr ttberwaohte, leitete, corrigirte, bis in's
Kleinste zureditwies, wie dieser Papst- König.
*) Ant. Alois Schmid, Die Bisthumssynode, II, 2 Abth., Begensburg, 1851,
S. 152. S. 191 — 198. 8. 64 flg. S. 263.
£nd6 der Coneilien.
191
JalurderCoii-
eOiai:
Berofender:
ZaM imd Inhalt der BesehläBse:
1&65
in Valencia
Ayala
1565
, Salamanca
Znfiiga (y. Santiago)
1565— 1566
„ Grenada
Guerrero
1565
9 Zaragoza
D. F. de Aragon
1565
, Mexico
Montufar
1567
, Lima
1582
» Toledo
Quiroga
1584
„ Tarragona
Agusdn
1585
a Mexico
Moya
1587
„ Tarragona
Terea
1591
» Lima
Mogroyejo
1591
„ Tarragona
Tores
1598
n n
9
1601
, Lima
Mogrovejo
1602
„ Tarragona
Terea
1607
n n
Vieh y Manrique
1613
» s
Moncada
1614
, Zaragoza
Manriqne
1618
„ Tarragona
Moncada
1625
» II
Hozes
1685
9 »
Perez
1654
11 II
Kojas
1659
n »
9
1664
n n
Espinofla
1670
« «
m
1678
• »
W9
9
1685
» »
Sanchez
1691
« »
9
%
1699
II n
Llinas
1712
• n
Bertran
1717
9 9
11
1722
9 9
Samaniego
1727
9 9
9
1733
9 9
Ciopons
17J8
w
9 9
•
1745
9 9
9
1752
9 9
9
1757
9 9
Cortada
1757 — 1878
1771
n Mexico
Lorenzana
1772 -1773
9 Lima
Parada
In 5 Sizungea — 102 Canonea.
In 3 Siznngen 87 Canones.
Drei Constitutionen (Siznngon).
28 Canones.
Die Akten sind nicht vorhanden.
In 3 Siznngen 61 Canones.
Anordnung von Constitutionen.
21 Canones.
Ordnung der Cnrie. 2 Canones.
Ordnung des Stiles der Decretalen.
5 Siznngen.
In 2 Siznngen 6 Canones.
In 38 Siznngen 4 (?; Canones.
Mehr als 32 Sizungen. Keine
Canones.
13 Siznngen.
Nicht gedruckt.
8 Siznngen; ohne Constitutiones.
12 Siznngen.
In 52 Siznngen 6 (bekannte) Ca*
nones.
Man weiss von 8 Siznngen.
In 21 Sizungen I Canon (bekannt).
24 Sizungen. Liturgbche Consti-
tutionen.
In31 8izungen7(bekannte) Canones.
In 33 SIznngm 10 Canones.
Jn 31 Sizungen 13 Canones.
In24 Sizungen 4 (bekannte) Canones.
(Es wird b«Milen, d«n der Erzbisebof sieli
imiDAr yPrlmM** ron Spanien nenne.)
In 23 Sizungen 7 Canones.
Ende der Coneilien von Spanien.
Die Akten in Madrid sequesfrirt.
Die Akten in Madrid seqnestrirt
192 Dreizehntes Batb. Fünftes Kspltel.
§. 4.
Die onheilbarc Leidenschaft Philipp'a IL, die Kirche wie den
Staat in's Kleinste za regieren, Papstkonig seiner Lande and Völker
za sein, brachte ihn in beständige Gonflikte mit den Päpsten seiner
Zeit; und mit den ausgezeichnetsten dieser Päpste in die heftigsten
Gonflikte. Mit Papst Pius IV. (1559—1566) hatte er Gonflict wegen
der Goncilien. Mit Papst Pins V., dem Heiligen, hatte er denselben
Gonflict. Dazu kamen noch mehrere andere Differenzen, sowie über-
haupt die Grösse dieses Papstes auch in seinen Verhandlungen mit
Spanien sich zeigt.
Hospitä- ßg g^\y IQ Spanien zu viel Hospitäler, die in schlechtem Zn-
stande waren. In manchen Städten zählte man Spitäler zu Duzenden,
und die Armen wurden doch nicht nnterstüzt. Manche Spitäler dienten
nur dazu, gewisse dort Angestellte zu unterhalten, welche das Gnt
der Armen verzehrten. Die Gortes beschwerten sich bei Philipp IL
über den schlechten Zustand der Spitäler. Der König schritt zur
Reduction und Reform der Spitäler, gemäss einer Bulle Papst
Pius V. vom 6. December 1566, und einer erläuternden Bulle vom
9. April 1567. In Madrid wurden eilf Hospitäler in eines, ge-
nannt Hospital „General^, verschmolzen '). Daneben blieben ver-
schiedene Spitäler bestehen , besonders wenn sie auf besondern Stifl-
ungen beruhten.
Der ehrwürdige Obregon, aus Burgos, Hauptmann in dem Heere
in Belgien, hatte einst in der Aufregung in einer Strasse von Madrid
Jemand einen Schlag auf die Wange versezt. Der Geschlagene bat
ihn um Verzeihung, und reichte ihm die andere Wange dar. Von
dieser Demuth wurde Obregon so ergriffen, dass er ein neues Leben
begann. Er gründete ein kleines Spital in der Strasse von Fuencarral,
welches bald darauf mit dem allgemeinen Hospital vereinigt worde.
£2r stiftete die nach ihm genannte Gongregation fiir den Dienst der
Armen in diesem Spital« Dort lebte und starb er. Statt der
unterdrückten Spitäler wurden in Madrid bald neue gegründet, einige
durch verschiedene Bruderschaften, andere durch Angehörige der ver-
schiedenen lÄnder, die zu Spanien in eugern Beziehungen standen,
Flamänder, Irländer, Italiener, Einwanderer aus Aragon, Navarra und
andern Provinzen errichteten viele Spitäler.
In Sevilla gab es 76 Hospitäler; nach längern Kämpfen und Ar-
beiten, nachdem man noch andere päpstliche Bullen erlangt hatte,
') £ey 11, tit. 38, üb. VIII, Nota I der Novisima BeoopUacion.
Der heilige Johann von Gott 193
wurden sie auf zwei redncirt, das vom „heiligen Geist", und von
„der Liebe Gottes". In Salamanca gab es 22 Hospitaler, fast alle
gegründet von Bruderschaften oder Privatpersonen. In Kraft der Bulle
Pias y. wurde die Vereinigung im Jahre 1581 durchgeführt. — Sie
wurden von einer Junta geleitet.
§. 5.
Johann von Gott, geboren zu Montemayor in Portugal im Jahre Jobann
1495, kam, neun Jahre alt, nach Spanien. Nach vielen Wechselfallen Qo^t.
eines janruhigen Lebens kam er nach Granada. Hier horte er eine
Predigt des ehrvTurdigen Juan de Avila, und wurde so ergri£Een, dass
er seine geringe Habe den Armen gab, durch die Strassen lief,
nnd sich wie ein Thor geberdete^ um verspottet und misshandelt zu
werden. Juan de Avila lenkte ihn auf vernünftigere Bahnen, und
empfahl ihm die Werke der Barmherzigkeit, in deren Ausübung Joannes
sein Leben hinzubringen versprach. — Er sammelte zu Granada die
Armen in einem Hause, und pflegte sie leiblich wie geistlich. Dieses
kleine Spital wurde die Wiege eines Ordens. Der Erzbischof von
Granada nahm das Listitut unter seinen Schuz. Er und seine Ge-
fährten erhielten eine besondere Ordenstracht, und den Beinamen Brü-
der der Barmherzigkeit. Am 1. Januar 1572 bestätigte Pius V. die
^Congregation der Brüder des Johann von Gott^ ^). Johann von Gott
war am 8. März 1550 gestorben« Der ehrwürdige Bodrigo de Siguenza,
nach Johann von Gott „grosserer Mitbruder^, d. h. Vorsteher der Ge-
sellschaft, bat um die Bestätigung des Ordens. In dem Hospitale zu
Granada waren damals etwa 18 dienende Brüder, und etwa 400 Kranke,
darunter viele Unheilbare, für deren Pflege jährlich über 16.000 Ducaten
verwendet wurden. Aehnliche Spitäler bestanden schon in Cordova,
Madrid, Toledo und de Lucerna (bei Cordova). Der Papst gab ihnen
die Regel und das Kleid des heiligen Augustinus, mit besondem Ab-
zeichen. Der Orden verbreitete sich in Bälde über ganz Spanien, und
in andere Länder. Johann von Gott wurde im Jahre 1630 von Ur-
ban yni. aelig-, von Alexander YUI. im Jahre 1690 heiliggesprochen').
«) Byüar. Roman, (Taurin.), t VII, p. 969—962.
*) jFVanc de Ccutro^ MiracoloBa^vida y saatss obras del b. Juan de Dios^
Grmada, 1588; 1613; Bnrgos, 1624, lateinisch in Acta Sctor., 8 Hart. I, p. 809 —
8U — 835. — Ana Anlass seiner Seligsprechnng erschien von Anton, v. Chvea^
Bisehof von Cyrene: Historia de la vida, y mnerte, y milagros del glorioso Patri-
ireha, y Padre de pobres San Joan de Dies fondador de la erden de la Hospitalidad,
Madrid, 1624, 4* nnd 1632. — Cadix, 1647. — Erweiterte Ausgabe, Hatr. 1669;
duelbBt 1674. — Lateinisch in Acta Sotor. , Mari. I, p. 835—868. — K Per-
Ouos, »pao. Kirdi«. UI. S. 13
194 Dreizehntes Buoh. Ffinftes Kapitel.
Ausser Rodrigö ragten in der ersten Zeit des Ordens herror
Sebastian. Arias, und der gefeierte Anton. Martin. Er verzieh seinem
gedemüthigten Gegner, und erhielt von Gott dafür die Ghoade, die
Welt zu verlassen 9 und sich in das Spital zurückzuziehen ^ das er zu
Madrid in seinem Hause gründete, und das heute noch seinen Namen
trägt. Alle überragte der Bruder Pedro Pecador, Zeitgenosse Johann's
von Gott, und Stifter des Hospitals in Sevilla. Er hatte lange das
Leben eines Einsiedlers gefuhrt, gesellte sich dem neuen Institute bei,
und starb zu Sevilla — 1680.
Orden j^ Mcxico Stiftete Bernard. Alvarez, in Verbindung mit andern
ken- frommen Personen, ein dem heiligen Hippolytus geweihtes Hospital —
pflege, jjj^ ßi^Q J|^[^. i5g5^ zur Erinnerung an den 13. August 1521, an welchem
Tage, dem Feste des heiligen Hippolyt, Mexico durch Ferdinand Cortez
für die Christen erobert wurde. Die Päpste Sixtus V. und Cle!
mens VIII. stellten den Orden dem des heiligen Johann von Gott
gleich. Papst Innozenz XH. durch Bulle vom 20. Mai 1700 bestätigte
die Constitutionen des Ordens; Clemens XI« durch zwei Bullen vom
20. Juni 1701 fügte weitere Privilegien und Bestimmungen hinzu. Die
Brüder vom heiligen Hippolyt haben mit jenem Statuten und Zweck
gemein. Nur das braune Gewand unterscheidet sie von jenen. Die
Congregation hatte ihren eigenen General, der von den 24 ältestenl
Mitgliedern gewählt wurde. — Der ehrwürdige Petrus von Betancourt
aus Teneriffe stiftete um 1653 in Guatemala die Congregation der
Betlehemiten , die sich über Amerika verbreitete. Sie pflegte diei
Kranken und Wiedergenesenden, und unterrichtete die armen Kinder
in dem Katechismus und den ersten Schulkenntnissen.
§. 6.
Als die Inseln „Philippinen^ entdeckt worden, gab Philipp II.
dem Vicekonig von Mexico den Auftxag — 1664, für ihre Besiznahmi*^^
eine starke Flotte in Stand zu sezen. Fray Andrees Urdaneta, un-
beschuhter Augustiner und geschickter Cosmograph, und einige Reli-
giösen sollten zur Bekehrung der Einwohner die Expedition begleiten.
Die vier ersten Missionäre waren Augustiner. Am 21. November 1564
verliess die Flotte unter dem Capitän MichaSl Lopez de Legaspi den
diearo, Vita di s. Giovafii di Dies, Palenn. 1666, 4^ — J. Oirard, de Vtlie-
thierry^ Vte de s, Jean de Dteuy Institotenr et patriarche de Tordre des rdigieu^
de la Charit^, Parie, 1691 — 4*. — Wasserburger, Petr. — In 1000 Singgeaätzet^
verf aaste Lebensbeschreibiiiig Joannis de Deo. . . Wien, 1767 — 8*. — Wümef,
Leben des heiligen Johann von Gott Aus dem Französ. — Regensburg, 18G2.
Die Philippinen. Hl. Petrus von Alcantara. 195
Hafen von Natividad. Am 27. April 1565 ankerte die Flotte im Hafen
Ton Gebti* Hier gründeten die Augustiner ihr erstes Missionshaus
and Kloster. Im Jahre 1571 legte Legaspi den Grund der Stadt
Manila auf der Insel Lu^on. Durch Breve vom 6. Februar 1579 wurde
das Bisthum Manila errichtet, und am 21. December 1681 dem Erz-
bisthnm Mexico unterstellt« Im Jahre 1581 nahm der Dominikaner
Dominicns de Salazar Besiz von dem Bisthum, Durch Breve Cle-
mens VIII. vom 14. August 1591 wurde Manila Erzbisthum, unter ^^^^
dem Namen der unbefleckten Empfangniss. Am 13. August 1595 pinen,
wurde das Bisthum „Nominis Jesu^ für die Insel Cebü, an demselben
Tage das Bisthum Nueva Gaceres oder Camarines, am 14. August das
Bisthum Neu-Segovia oder Uocos errichtet, und damit die neue
Eirchenproyinz für die Philippinen hergestellt. — Im Jahre 1575 kam
der Augustiner Alfons Gutierrez de Veracruz, und 24 andere Ordens-
genossen mit ihm an. Der Franciscaner Petrus Alvaro langte gleich-
falls mit vielen seiner Ordensbrüder an. Mit dem ersten Bischof
Salazar waren 6 Minoriten, 3 Dominikaner und 3 Jesuiten ange-
kommen. Der erste Erzbischof starb zu Madrid am 4. December I5ü4.
Es waren fast ausschliesslich die religiösen Orden, die Dominikaner,
Aagostiner, Franciscaner, Jesuiten, welche in die Bekehrung der
Einwohner sich theilten, die mit grosser Willigkeit den Glaubensboten
eDtgegenkamen, vielleicht weil sie das Kreuz früher, als das Schwert
sahen. Die Eingebomen wurden nicht von dem „Erdboden hinweg-
ealtivirt^, sondern die Bevölkerung erhielt sich und wuchs bis zum
heutigen Tage. — Erst spät kamen auch Weltpriester an, und wurden
die Sohne der Eingebomen zu Priestern geweiht^). Von den Philip-
pinen aus verbreiteten sich die Missionäre nach und über Japan,
China, und Tonkin. Die apostolischen Vicariate Ost- und Central-
Tonkin, und das Vicariat Fokien in China werden auschliesslieh mit
Spaniern, meistens mit spanischen Dominikanern besezt*).
§. 7.
Durch fast unglaubliche Strenge des Lebens und beständige
Busse gelangte Petrus von Alcantara, geb. 1499, zur höchsten Yoll-
0 S. meine Series episcoponim — S. 113 — 115, und die auf S. 115 ange-
Hihrte Literatur. — Diecionario geogr&fico estadistico, histörico de las Islas Fili.
pinifl, von den Angnstinem Fray Manuel Buzeta, und Philipp Bravo, Rector
<lea CollegiamB (der Angastiner) in Valladolid, Madr. 1850. 2 t. 4^
*) Uknona dominieaiDes daus V extreme Orient, par Fr. Ändri Maria, 0. S. D.,
2 t^ Lyon, 1865.
13*
196 Dreizehntes Buch. Fünftes Kapitel.
Refor- kommenheit. Seit dem Jahre 1538 fiihrte er unter den Franciscanern
Orden, die strengere Regel ein« Seit 1555 entstand der Zweig des Ordens
der Alcantariner, welcher im Jahre 1561 zu einer eigenen Provinz er-
hoben wurde. Am 18« October 1562 starb dieser Mann der wunder-
baren Thatkraft und Selbstabtodung. Auch der heiligen Theresia stand
er bei ihrem Werke hilfreich zur Seite.
Am 2. December 1566 erliess Pius V. auf Anregung Philipp's IL
ein Decret über die Reformation der Conventualen des heiligen Fran-
ciscus in Spanien. Sämmtliche Bischöfe in Spanien werden aufgefor-
dert, mit Hilfe der Provinciale der Minoriten von der Observanz und
einem andern Mitgliede von der strengem Observanz die Conventualen zu
reformiren. Von nun an sollten alle Obern der bisherigen Conventualen
strenge Observanten sein, die bisherigen Conventualen aber sollten in und
unter die Kloster der Observanten vertheilt werden. Die Widerstre-
benden soUen in Gefangnissen festgehalten werden. Durch Decret
vom 12. December 1566 wird Aehnliches for die Franciscanerinen vor-
geschrieben; in allen ihren Klöstern soll die strenge Observanz ein-
geführt werden. — Auch die Reform der übrigen Orden soll bald-
möglich in Angriff genommen werden '). — Eine Bulle vom 18« März
1568 befiehlt, die Praemonstratenser sollen nach der strengem Regel
ihres eigenen Ordens, keineswegs nach der Regel des heiligen Hie-
ronymus reformirt werden.')« Mehrere Decrete erliess Papst Pius V.
für seine Ordensbrüder, die Dominikaner in Spanien. Am 23. Sep-
tember 1568 bestätigte er die Statuten des CoUegiums des Prediger-
ordens in Tortosa, welches Carl V. für den Unterricht der bekehrten
Mauren gestiftet, Philipp 11. aber mit dem Collegium der Dominikaner
») BüUar. Soman., ed. TavTin^ t VII, p. 494—497 (ex Bnllario Ord. fralr.
Praedlcatonun , t. V, p. 146). Daseibat Bulle vom 16. April 1667, p. 565 — 571
— Ueber den heiligen Petras von Alcantara: Annales Hinorom, continaati a P. S
J. de Luca, t. XVIII. — Juan de San Bemardo , Chronica de la vida de Pedro
de Alcantara, Napoles, 1667. — Franciscos descalssos en CasHüa la vi^a, p. Juan
de 8. Antonio^ Salam. 1728, 2 fol. — Vie et oeavres spiritaelles de s. Pierre
d' Alcantara. Trad. du B. P. Talon, Paris, 1670. — San Bemardo^ Alonso de,
Vida de s. Pedro de Alcantara. Madr., 1783. — Blas, de Manazarea, epitome de
la vida y milagros de s. Pedro de Alcantara, Madr., 1786. — J. A. SMssig, das
Leben des heiligen Petras von Alcantara, Begensborg, 1857* — OUo Zoeckler^
Petras von Alcantara, Teresia nnd Johannes v. Ereoz« Beitrag znr Geschichte de
mönchischen Contrareformation Spanien's im sechszehnten Jahrh. Ldps. 1864
(Zeitschr. für lather. Theol. v. RudeUnich). — Acta Sanctormn, t VIII (19.) October
Paris, 1866, p. 623—657—799—809). Die Bolle der Heiligsprechung Clemens' X.
vom 18. HSrz 1669.)
*) Bvilar. Roman. Taurin, t VII, p. 661— 663. Lesteres hatte der Papst id
seiner Bolle vom 16. April 1567 verordnet
OrdenBreformen. 197
daselbst vereinigt hatte ^). — Nach dem Breve vom 11. Juli 1569
sollten in der Provinz Aragonien die Predigerbrüder nicht Baccalanreen
werden, wenn sie nicht Philosophie oder Theologie vier Jahre ge-
lehrt hätten*).
Ludwig von Chanada^ (geb. 1504), war ein Ordensmann von aus- ^^^ *•
gezeichneter Tugend und Erbauung; 19 Jahre alt, nahm er das Ordens*- 4«.
kleid des hl. Dominions, und wohnte in dem CoUegium des heiligen Gregor
zu Yalladolid. Seine grosse Beredtsamkeit, seine herrlichen Schriften, sein
musterhaftes Leben, sein Gebetseifer, machten seinen Namen in Bälde
gefeiert« Er erneuerte das Kloster „Scala Dei" in dem Gebirge von
Cordova. Der Cardinal - Infant Henrique nahm ihn mit sich nach
Portugal» Dort gründete er viele Kloster von grosser Strenge, und
reformirte andere, u« a. das von Lässabon, in dem er am 31. December
1588 starb. Von seinen zahlreichen Schriften nennen wir das Leben
des ehrwürdigen Bartholomäus de Martyribus, Erzbischofs von Braga
mid Dominikaners, welchen er diese Würde anzunehmen gezwungen
hatte, sowie das bei uns vielverbreitete Werk; ,)Die Lenkerin der
Sünder* ■).
§. 8.
Durch Breve vom 1. November 1567 verbot Papst Pins V. die
Stierkämpfe. Wer bei denselben sein Leben verliere^ dürfe nicht
kirchlich begraben werden. Leider erlaubte Clemens VIII. im Jahre
1596 dieselben Kämpfe mit gewissen üautelen. Heute ist dieselbe
Leidenschaft tief gewurzelt im Herzen der Spanier, und werden fort
and fort die Spiele gefeiert , welche Pins Y« nicht „Spiele der Men-
schen, sondern der Teufel^ nennt^).
Dagegen gelang es diesem Papste, die Abschaffimg der grau-
samen Gewohnheit anzubahnen , nach welcher den zum Tode Yer-
nrtheüten in Spanien die lezte Wegzehrung nicht gereicht wurde ^).
•) BuOar., rtm^ t VH, p. 714—719.
^ L. 0. p. 760—761 (ex Ballario Praedieatomm, t. V, p. 217).
^ Oranada, Luis de^ Obras, mit s. Leben v. Luis Munoz, 6 voL 2*. —
Hadr. 1788—1800. ap. i&orro. — Die «Lenkerin der Sünder^ (laGuia de peeadores)
4. Aufl., Aachen. 1847 — s. Leben bei Touran, histoire des homesilluBtr. de Fordre
4ie 8t Dominique, t VL —
*) BMar. Eaman. Tanr. VII, p. 680 — 631. E. O. II, S. 126-127. -Graf
FaHovx, Leben Pins V., 8. 197. — Wir lesen, dass am 25. Januar 1878 zur Feier
der Heiiatb Alfon's XII. mit D. Meroedea von Orleans den Neuvermählten ein
Sttergefecht zum Besten gegeben wurde. Leider ist die Königin schon am 26. Juni
gestorben.
*) JS: 0. 2, S. 85. FaOaux, S. 196—197. Der Brief Pias IX. ist vom
25. Januar 1568.
*
*
r
198 Dreizehntes Buch. Fünftes Kapitel
Freilich ging es sehr langsam mit Abschaffung dieser Unsitte ; so dass
Benedict XIY. in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sie als eine in
Spanien noch fortbestehende betrachtet.
Ferd.
§. 9.
Auf dem Primatialstuhle von Toledo sassen nach dem Cardinal
Wilhelm von Oroy Alfons von Fonsecaj am 26. April 1524 von San-
tiago hieher versezt. Zehn Jahre war er Primas (f 4. Febr. 1534).
Sein Nachfolger, der Cardinal Johann. Tabera^ kam gleichfalls von
Santiago — 13. Mai 1534, und starb am 1« August 1545. Im folgte,
von Murcia hieher befordert, der Lehrer und Erzieher Philipp's II. —
1546 30. Januar, der Cardinal Johann. Martinez Süiceo, der am
31. Mai 1557 mit Tode abging. An seine Stelle trat am 5. März 1558
der Dominikaner Bartholomaeus Carrama, gegen den der damalige
General- Inquisitor, Ferd. de Valdes, den bekannten Process wegen
Kezerei anstrengte. Valdes lief durch viele Bisthumer hindurch, nach
QroBg- der üblen spanischen Sitte der unmotivirten Versezungen, er war
^"HI'J^^' Bischof von Elna, Orense, Oviedo, Siguenza, 1546 Erzbischof von
Sevilla, zugleich General- Inquisitor. Man sagte von ihm , dass er
selbst die Hatten excommunicire. Didacus Perez war sein Stellver-
treter in Oviedo. Als dort Ratten das Land verheerten, und vor den
Beschworungen nicht weichen wollten, vielmehr die Bauern formlich
dieselben anklagten^ so stellte der Bisthumsverweser ihnen einen Advo-
caten auf, der sie nach Kräften vertheidigte , aber der Verweser ex-
communicirte sie, und sie flohen in die Berge von Asturien. Dem
Valdes wurde vorgeworfen, er habe sein Leben lang seine Kirche in
Sevilla nicht gesehen, welche er indess reichlich beschenkte. Er stiftete
die Universität Oviedo, und das Collegio des heiligen Gregor, in
Salamanca, das Collegium der „Grünen'^, sorgte für dürftige Mädchen
in Siguenza, Sevilla, und in seiner Vaterstadt Salas, wo er die gross-
artige Kirche baute, in der er begraben ist. Auf alle diese Stiftungen
verwendete er mehr als 1.383.000 Ducaten.
Valdös gab im Jahre 1559 den ersten Index der (durch die In-
quisition) verbotenen Bucher in Spanien heraus, als das Concil von
Trient an einem solchen Index erst arbeitete. — Unbeschadet seines
grossen Eifers urtheilt La Fuente über sein Vorgehen: „wie vielen her-
vorragenden Männern, wie Valdös war, hat es geschadet, dass sie
nicht die Eigenschaften der Güte und Sanftmuth, der Tochter der hei-
ligen Demuth, besassen, ohne welche zwar der katholische Sinn sehr
feurig, aber doch jenem Eifer der Apostel ähnlich sein wird, welche
den Herrn baten, er möchte Feuer vom Himmel herabfallen lassen." —
Ferd. de Valdös. Barth. Carranza. 199
In dem Procesee der Protestanten za Sevilla wurde das erste
Aatodafö am 24. September 1559 aaf dem Plaze des heiligen Fran-
C18CU8 gehalten; 21 Personen wurden dem Arme der weltlichen Ge^
richte übergeben, 80 zu geringem Strafen verurtheiit. Ein zweites
Aatodafö wurde am 22. December 1560 gehalten, wo 14 Lutheraner
in Person, 3 im Bilde verbrannt, 34 (37) aber gewissen Bussen unter-
worfen wurden'). — Die vier Autodafös der Jahre 1559 und 1560 sind
überhaupt die bekanntesten von der ganzen Geschichte der Inquisition«
Die Opfer derselben werden von den Protestanten als vollendete Mär-
tyrer verehrt, von den Katholiken als verstockte Häretiker betrachtet.
Barth. Garranza wurde als Professor der Theologie zu Valla- ^"^^'
dolid von Carl V. im Jahre 1545 nach Trient gesandt. Er stand auf ta.
der Seite der Spanier, welche die Lehre vertheidigten, dass die Residenz-
pflicht der Bischöfe gottlichen Becbtes sei, und machte sich durch
eine am 14. März 1546 über „die Rechtfertigung^ gehaltene Predigt
bemerklich. Er musste im Jahre 1554 den König Philipp II. nach
England begleiten, und sollte an der Befestigung der katholischen
Kirche in England arbeiten helfen. Zum Lohne für seine in England
geleisteten Dienste ernannte ihn Philipp II. im Jahre 1558 zum Erz-
bischofe von Toledo; er wurde am 27. Februar zu Brüssel consecrirt.
Dem sterbenden Carl Y. ertheilte Garranza die lezte Wegzehrung und
Oelung. Bald darauf hörte man, Garranza habe in seinem Katechismus
Kezerisches gelehrt^), und den sterbenden Kaiser mit seiner Häresie ange-
steckt. Er wurde auf Befehl Philipp's II. zu Yalladolid verhaftet, und der
Inquisition übergeben — 21. August 1559. Die Bischöfe zu Trient baten
den Papst, den Process in seine Hand zu nehmen. Pius IV. erklärte,
er habe wiederholt darauf gedrungen, aber Philipp II. sei unnach-
giebig. Garranza's Katechismus wurde in Trient geprüft, und approbirt
— 1563. Graf von Luna, spanischer Gesandter in Trient^ protestirte.
Man entzog, um einen Bruch mit Spanien zu vermeiden, dem Kate-
chismus die ertheilte Approbation wieder. Endlich sezte es Pius V.
durch, dass Garranza, nachdem er in Spanien acht Jahre lang im Ge-
fängniss gesessen, im Jahre 1567 nach Rom ausgeliefert wurde.
Philipp II. war lange starrkopfig. Aber der Papst drohte ihm, er
werde ihn excommuniciren, sein Reich aber mit dem Interdikt belegen.
Pias y. zwang auch im Jahre 1566 den Inquisitor Valdes, auf sein
Amt zu verzichten und sich mit seinem Erzbisthume zu begnügen.
Aus Rücksicht auf Spanien wurde Garranza in der Engelsburg
*) Lhrentey II, chap. XXI, p. 255—273—295. — 2%oma« If CWe (deutsoh
von Hieninger), S. 309 — 381. — Vic. de La Ftiente, V, 238 — 240. — 45.
*) Commenttrios sobre el catechismo christiano. Antwwp., 1558 -^ fol.
200 Dreizehntes Bach. Fünftes Kapitel.
in einer milden Haft gehalten« Im April 1576 entschied Gregor XIIL,
dasB keine Häresie bewiesen sei, weil aber doch Verdacht vorliege, so
solle er gewisse häretische Size feierlich verwerfen, weitere fiinf Jahre
von der Verwaltung seines Erzbisthams ausgeschlossen sein, und
in einem Kloster zu Rom Ezercitien halten. Sein Katechismus wurde
in den Index gesezt. Er starb schon am 2. Mai 1576, 72 Jahre alt,
vom romischen Volke als Märtyrer verehrt. Papst Gregor XIH. sezte
ihm ein Grab-Denkmal. Seine „Summa Conciliorum^ ist in zahlreichen
Ausgaben bis zum heutigen Tage in Umlauf).
§. 10.
Lala de Li^jg Ponce de Leon (fray Luis de Leon), geb. im Jahre 1528,
bezog, 14 Jahre alt, die Universität Salamanca, und trat wenige Mo-
nate später in den Augnstinerorden ein. Er wurde Licentiat und
Doctor der Theologie. Im Jahre 1561 erhielt er in öffentlicher Be-
werbung den Lehrstuhl des heiligen Thomas von Aquin, später nach
10 Jahren auch noch den Lehrstuhl der Biblischen Literatur. Seine
Gegner verklagten ihn zunächst wegen einer Uebersezung des Hohen-
liedes bei der Inquisition, sowie dass er behauptet, die Vulgata sei
der Verbesserung fähig. Auch fliesse jüdisches Blut in seinen Adern.
Am 6. März 1572 wurde er vor die Inquisition in Valladolid geladen,
und wegen seiner Uebersezung des Hohenliedes verhört Am 27. März
wurde er verhaftet, und in die GeHlngnisse der Inquisition zu Valla-
PrpeeM Jolid gebracht. Mehr als 50 Mal wurde er verhört. Erst am 28. Sep-
deLeon. tcmbcr 1576 erfolgte der Spruch der Richter. Vier von ihnen stimmten
far die Folter, zwei far einen öffentlichen Verweis. Aber der.Rath
der „Suprema^ in Madrid ging mit Stillschweigen über diese Anträge
hinweg, und beschloss am 7. December 1576 durch einen feierlichen
Befehl, den Angeklagten völlig freizusprechen, mit der Warnung nur in
Zukunft vorsichtig zu sein. Seine Uebersezung des Hohenliedes solle
unterdrückt werden. Vom Gefängnisse kehrte er sogleich auf seinen Lehr-
stuhl zurück. Seine erste Vorlesung am 20. December 1576 begann er mit
den Worten: „Wir haben bei unserer lezten Zusammenkunft braierkt,"
') Die ältere fiberreiche Literatur Aber ihn findet man bei Niool Antonio.
— Uorente, Eist de rinqnisition III, p. 184—316. ^ Bemard de Castro, Esta-
dlos historicos sobre — Bart, de Carransa, in: Iris, 1841. Coleodon de docamen-
tos ineditos, p. Salva y Baranda t V, Madrid, 1846, pJ889 — 584. — Heine, — in
DöUinger^s Beitrüge, 1. 1, 1862. Langwitz, Barth. Carranza, Ersb. y. Toledo,
Kempten, 1870. — FaUoux, Leben des Papstes Pias V., Bog. 1873, S. IdS — 196.
— WiXh. Maurenirecher, Stadien and Skizzen bot G^esohichte d. BeformatioQBseit
Leipz., 1874| 8* 25—26.
Luis de Leon. 201
und ging mit Stillschweigen über die fünf bittem Jahre seiner Hafl
hinweg. Im Jahre 1580 gab er in lateinischer Sprache eine Erklärung
des Hohenliedes heraas. Im Gefangnisse schrieb er das Werk —
Los Nombres de Christo (Die Namen Christi), von dem er 1583 bis
1585 — drei Bacher herausgab, es aber nie ganz vollendete. Sein
Werk: ^Die vollkommene Hausfrau^ (la perfecta Casada) — worde im
Jahre 1583 zum erstenmal gedruckt. Sein Werk in zwei Bänden
»Erklärung des Hiob,^ erschien erst im Jahre 1779 im Drucke. Sein
«Bericht von der heiligen Theresia^ ist niemals vollendet worden. Er
starb im Jahre 1591. Seine gesammelten Gedichte hat erst Quwedo
40 Jahre nach seinem Tode herausgegeben. Sie wurden wiederholt,
und erst im Jahre 1816 wieder neu gedruckt. Seine eignen Ctedichte
darf man an die Spize der spanischen lyrischen Gedichte stellen.
Als seine beste Ode gilt „die Prophezeiung des Tajo^; als seine beste
Dichtung gilt die Hymne auf die Himmelfahrt Christi ! >
*) Obnui de M. Fr. Luis de Leon, Madr. 1801—1816, 6 tom, t 6 seine Ge-
dichte. — Biblioteea de autores Espafioles, impr. de Rivadeneyra, Madr. 1846 —
1862, t. 37, Madr. 1855.
Obras poBticas — reeog. y traducidas en Aleman per (7. B, Sehlüter y W*
Stark, WSamL, l&'^d.
üeber Luis de Leon und seinen Proeess s. Goleeeion de docomentos ineditos.
t 10—11, Madr., 1847—1848 (mehr als 900 p. p., aus den Archiven der Inquisition
von Valladofid (Viüanueva, Vida, t. I, Lond. 1825). SemaDario pintoresoo, 184 f,
p. 374. — Jas^ ChnzaUz dt Tejada, Vida de Fr. Luis de Leon, Madr. 1868. 4*.
(.ninstranla notieias, y doeamentos ineditos hallados reeentiemente en las nniversi-
dadea central y de Salamanca, y an oatAlogo de ediciones y manaseritos de aqnel
aator.« — Tkknar - Julius, I, p. 469— 4S0. Tieknar, Ausgabe von 1863, II,
p. 75-89. — Tieknor-Jidius' Wo^f, p. 77—79. — WiUcena, Fray Luis de Leon,
1866. — Beuschj Lm de Leon und die spaniBche Inquisition, Bonn, 1873.
Sechstes Kapitel.
Die Kirche im spanlseben Amerika (1542 bis c. 1600).
§• 1.
Am 25. Juli 1513 richtete Ferdinand V. an Papst Leo X. die
Bitte, er mochte den mehrgenannten Vorsteher des „Rathes von In*
dien^, den Bischof Juan de Fonseca, damals Bischof von Palencia,
zugleich Administrator des Erzbisthnras Kossano (1511 — 1524), zam
,,Univer8aI- Patriarchen^ von Westindien, einsezen ^). Aber erst im
Jahre 1524 erscheint der erste Patriarch von Indien« Das Patriarchat
selbst blieb ein leerer fSirenposten , dessen Träger auf die amerika-
nischen Angelegenheiten keinen Einfluss hatten. Gewohnlich waren
die Träger dieses Titels zugleich Bischöfe anderer Size in Spanien.
Paul m. erhob im Jahre 1543 (al. 1547) San Domingo zum Erz-
bisthum, die Bisthümer Cartzccas^ Cuba und Puertorico waren seine
Suffi-aganate. — Mexico^ Bisthnm seit 1525, wurde Erzbisthum im
thnm Jahre 1534. Seine Suffragane wurden die Bischöfe von Tlascala,
15S4. Mechoacan oder Valladolid , Antequera oder Oajaca , Guadalaxara,
Yucatan oder Merida, Durango oder Nneva - Vizcaya. Der erste Erz-
bischof Jnan de Zumarraga erhielt das Pallium erst im Jahre 1545.
Von ihm wird noch erzählt*), dass ihm im Jahre 1531 die ,)Mutter
Gottes von Gnadalonpe^ erschien, dass er ihr die erste Eremitage
geweiht, und dass er in vier Tagen 14.500 Indianer gefirmt habe. —
Mexico
ErzljU
') Der Brief des Königs — ap. Vie. d< La FuenU^ V , 587 — apendices.
0 8. 0. 8. 117-118.
Bisthümer Id Mexico. 203
— Die Gathedrale des im Jahre 1625 gestifteten Bisthums Puebia
de los AngdoB gehört za den reichsten und am besten mit Kirchen-
geräthen aasgestatteten Cathedralen. Erster Bischof war der er-
wähnte Dominikaner Juan OarcA aus Aragon, Prediger Carl's V.;
erwählt im Jahres 1527, starb er im Jahre 1542. Jfac&oaean wurde
am 11. August 1 36, mit der Gathedrale Ton S* S. Salvador, errichtet;
auch sie ist sehr schon. Der Franciscaner Luis de Fnemalida wurde
znm ersten Bischöfe (nur) ernannt, einer der ersten Glaubensboten,
welche nach Neu -Spanien, wie Mexico früher hiess, gelangten. Er
war Guardian in dem CouTcnt von Tezcono, als Carl V, ihn im Jahre
1536 als Bischof ernannte; aber er lehnte diese Würde standhaft ab,
und ßon folgte ihm als zweiter Bischof Yasco de Quiroga, im Jahre
1537 prasentirt, welcher in einem Alter von 95 Jahren — am 14. März
1556 starb. — Am 21. Juli (Juni?) 1535 wurde durch Paul IIL das
Bistham AnUquera errichtet Seine Gathedrale trägt den Titel der '^**|^'
Himmelfahrt Maria's. Sein erster Bischof war Juan Lopez de ZdrcUe, quera.
welcher auf dem Wege zu der ersten Synode zu Mexico im Jahre
1554 starb. Er organisirte die Pfarreien seines Bisthums, und berief
Möoche aus der Provinz Mexico als Curaten, weil er nicht genug
Priester in der eigenen Di5cese hatte.
Das Bisthum Guadalaxara wurde am 31. Juli 1548 errichtet f"^''''
bcine Gathedrale ist der seligsten Jungfrau, und dem heiligen Jacobus
von Compostella geweiht Seit 1570 ist sie Suffraganbisthum you
Mexico. Pedro Gomez Maraver^ auch er ein apostolischer Mann, war
erster Bischofl Er bekehrte viele Indianer, u. a« einen Gaziken, von
dem die Indier, genannt Maraveres^ abstammen« Er starb, im Jahre
1552. — Die Stadt Merida auf der Halbinsel Yucatan wurde im Jahre
1542 gegründet Der erste Bischof, der Franciscaner Franc« de Taralj
trat im Jahre 1562 ein. Seine Gathedrale ist eine der schönsten in
Amerika« Im Jahre 1554 ging er zum zweitenmale als Missionär ^"''*'
oiit 34 Gefährten seines Ordens nach Amerika. Er wohnte, obgleich
184 Meilen von Mexico entfernt, den beiden ersten dort gehaltenen
Concilien im Jahre 1555 und 1565 an. Er visitirte sein Bisthum
dreimal. Er starb im April 1571 zu Mexico. Das Bisthum Durango
worde am 11. October 1620 von Papst Paul V. errichtet, d. i. von dem
Bisthume Guadalaxara dismembrirt Seine prilchtige Gathedrale ist
dem Apostel Matthaeus dedicirt. Das Bisthum Monterey oder Linares ^''
auch Neu-Leon wurde erst am 15. December 1777 gestiftet; auch es
hatte einen Franciscaner zum ersten Bischof. Im Jahre 1787 wurde
das Bisthum Sonora errichtet ^^°*^"-
Der zweite Bischof von Mexico, der Dominikaner Alfons de
Montufar, (1551 — 1569) berief die beiden ersten Goncilien seiner
Kirchenprovinz , nachdem schon im Jahre 1524 die erste »aposto-
Un.
In Area.
204 Dreizehntes Buch. SechBtes Kapitel.
lische Janta^ zu Mexico vorangegangen war^). Dem ersten Concil
wohnten fünf Bischöfe, darunter der von Chiapa, an. Die 93 Kapitel
des Concils worden am 6. und 7. October 1555 bekannt gemacht.
conci- Diese Synode erschien im Drucke zu Mexico im Februar 1556. —
llnn In
Moxioo Das zweite Concil trat im Jahre 1565 zusammen. Hauptgrund der
1555— Berufung war die Annahme des Concils von Trient. Es wurden
1585. 28 Kapitel veröffentlicht. Die Bischöfe von Chiapa, Tlascala, Yucatan,
Guadalaxara und Antequera waren zugegen. Die Akten des Concils
wurden erst im Jahre 1 769 gedruckt, durch die Sorge des Erzbischofs
Lorenzana''). Der Erzbischof Montufar starb 80 Jahre alt, am 7. März
1569. Sein Nachfolger Petrus Moya de Contreras wurde im Juni
1573 ernannt. Er feierte im Jahre 1585 das dritte Provincialconcil
zu Mexico. Die Bischöfe von Guatemala, Tlascala, Mechoacan, Yucatan,
Guadalaxara und Antequera waren anwesend. Dominicus de Salazar,
erster Bischof auf den Philippinen, wurde berufen, sandte aber wegen
der weiten Entfernung nur Stellvertreter.
Pedro de Faria, Bischof von Chiapa, gelangte bis Oajaca, musste
aber hier, weil er sich ein Bein gebrochen, zurückbleiben. Das Concil
wurde in Ausführung der Beschlüsse der Synode von Trient gehalten.
Die Beschlüsse sind eingetheilt in fünf Bücher, je mit einer An-
zahl von Titeln. Sie umfassten alle Bestimmungen des kirchlichen
Lebens. Es war an zwei Jahrhunderte die Norm und Regel für die
kirchliche Disciplin in diesen Landern. Es wurde der Congregation
der Concilien „für das Concil von Trient'' zur Prüfung vorgelegt, und
am 21. October 1589 von derselben mit Zusazen und Verbesserungen
genehmigt. Der Erzbischof Juan Perez de la 8ema gab das Concil
im Jahre 1622 zum erstenmale heraus. Dasselbe ist abgedruckt in
der Sammlung der spanischen Concilien von Aguirre, und wieder auf
Kosten des Bischofs Juan Gomez Parada von Guadalaxara zu Paris
im Jahre 1725 gedruckt, im lezten Bande der Concilien von Labbe.
Der Abdruck bei Aguirre- Catalani ist derselbe wie bei Aguirre,
und berufl sich auf die Ausgabe von 1622 und deren Abdruck im
lezten Bande der Condliensammlung von Labbä^ (1672). — • Auch
■) T^oda y Bcmiro, t V, p. 111—115.
^ Conoilios provinoiales primero y segundo, celebrados en la eindad do
Mezioo en los afios de 1555 y 1565. Da los h Iw Franc. AnJt. Lorenzana^
Hexioo, 1769, fol. — Daraas ap. T^ada, V, p. 123—179; 207—216.
') S. Aguirre — im Register zu diesem Werke. Bei Aguirre^Catalam,
t VI, Bom. 1755, p. 78 — 193. Die erste Aosgalie der ConeiliepHaminlntig von
Aguirre ist vom Jahre 1693 — 1694. — Aguirre bemühte sich, etwas NSheres über
die sieben Bischöfe za finden, welche der Synode von 1585 erwähnten. Er sagt
u. a.: „Sabscribit Didacns Episoopns Tlaxcalensis, do quo nulla mihi prorsus notttia
pecnliaris est". — Wir wissen wenigstens, dass Didacus Romano im Jahre 1578 zum
i
Kirchenproyinz vob Mexico; von Guatemala. 205
diese Synode gab der Erzbischof JFV. Ant Loremana im Jahre 1770
aus den Akten neu nnd correcter heraus, nnter dem Titel: Concilium
Mexicannm provinciale tertinm celebratnm Mexici anno 1585, confir-
matum Romae 1589, demnm (itemm?) typis mandatnm, Mexici, 1770, fol.
Die neueste Ausgabe des Concils erschien in der grossen Sammlung
der spanischen Concilien von Tejada y Ramiro (tom. V, Madr. 1855)
Concilio ni ProYincial de Mejico anno 1585 (V, p. 522 — 636) mit
kostbaren Zusäzen. Um das Jahr 1622 waren Zweifel aufgetaucht, ob
die Sazungen dieser Synode noch binden und verpflichten, zu der
Zeit, als der Erzbischof Sema die Akten derselben drucken liess. Der
Licenciat D. Juan de Cevicos kam auf der Beise von den Philippinen
nach Spanien — zu Mexico im Anfang des Jahres 1623 an, und fand
hier, dass verschiedene Religiösen behaupteten, dass die Synode sie
nicht verpflichte. J. de Cevicos kam im Jahre 1626 zu Rom an, mit
dem Auftrage des Erzbischofs von Manila, für die Bestätigung des
Concils von 1585 zunächst für die Philippinen zu wirken. Er fand
dort das (im Jahre 1622 zu Mexico nicht bekannte) Breve der Be- ^^«'^
statigung des Concils des Papstes Sixtus V. vom Jahre 1589 vor, und ^riuo^
erlangte ein neues Breve vom Papst Urban VIII., womach die Sta- Synode
taten desselben auch für die Bisthümer auf den Philippinischen Inseln Mexico,
verpflichtend seien. Im Jahre 1626 präsentirte er diese Breven dem
königlichen Rathe von Indien zu Madrid, welcher das Breve vom
Jahre 1589 drucken liess. Im Jahre 1628 wurde «7. de Cevicos
Bacionero an der Cathedrale von Puebla, wo er das päpstliche Breve
mittheilte« Die Praebendaten daselbst aber waren unzufrieden hicmit,
weil sie im Jahre 1623 Widerspruch erhoben hatten^ als der Erz*
bischof de la Sema die Synode von 1585 einscharfle. Darum ver-
ia88te Cemco» eine ausfuhrliche Denkschrift zur Vertheidigung der
verpflichtenden Kraft des Cioncils von 1585 für Mexico und die
Philippinen. Seine Arbeit aber gelangte nicht zum Drucke, sondern
blieb als Manuscript in der Staatsbibliothek von Madrid liegen^).
Dort £emd sie T^ada y Ramiro, und liess sie zum erstenmale im Jahre
1855 drucken, -sieben Menschenalter, nachdem sie geschrieben worden*).
Bischof von Paebla ernannt^ im Jahre 1585 consecrirt, und als solcher am 12. April
1606 gestorben ist. — Man sieht, wie es auch einem Spanier am Ende des sieb-
zehnten Jahrhunderts schwer oder anm5glich war, Näheres über die Bischöfe des
spanischen Amerika zn erfahren. Äguirre^Caialani^ VI. p. 193). Aguirre sagt
darflber: qnoniam Romae nemo ad mannm mihi est, a quo illam (notitiam) mutnare
possim (p. Id2). Also fanden sich wenigstens damals zu Rom die Materialien ftlr
eine voUslSndige gSeries episcopomm** nicht beisammen, oder Aguirre wusste sie
nidkt anfiinfinden^ wie anch C. Moroni in nnsem Tagen nicht.
') Mannscritos de U biblioteca nacional de Madrid, codice J. 36.
») Tefada,Y, p. 523—536.
206 DTDlzehnftes Bnch. Secbutes Kapitel.
Die Arbeit zerfallt in acht Propositionen , und trägt das Datam: In
Paebla de los Angelos am 24. April 1629. = Dr. D. JuanCevicosK)
§. 2.
Biaihum Das Bisthum Chiatemala, mit der Cathedrale des heiligen Jaco-
mau. bnSy warde am 19. December 1531 errichtet, und stand zwei Jahr-
hunderte unter dem Erzbisthume Mexico. Erster Bischof war Franc.
Marroquin (1537). Er bekehrte unzählbare Indianer, und starb im
Rufe der Heiligkeit am 19. April 156 {. Im Jahre 1742 (al. 174:],
16. Dec.) wurde es zum Erzbisthume erhoben. Ihm wurden die
ciiupa. Bigthümer Chiapa, Hondurcu und Nicaragua zugetheilt. Chiapa wurde
am 11. April 1538 errichtet. Sein zweiter Bischof war Barthol. de
Las Casas (1544 — 1550). Es stand bis zum Jahre 1743 unter Mexico.
Honda- ffof^iuras, auch Comayagua genannt, erhielt im Jahre 1539 seinen
Kicarag- crstcn Bischof. Nicaragua wurde durch Bulle PauFs III. vom 3. No-
vember 1534^) errichtet. Didacus Alvares Osarioj sein erster Bischof
(1531 — 1542)| war ein geborner Amerikaner. In neuester Zeit sind
dazu noch die Bisthumer San Jose de Costarica (1850) und San Sal-
vador (1842) für die gleichnamigen Staaten gekommen.
§. 3.
Santa Das Bisthum Saute Fe de Bogota wurde am 11. September 1562
^^^^ errichtet, und schon am 22. März 1564 zum Erzbisthum erhoben. Es
lag im Reiche Neu-Granada. Ihm waren die Bisthumer Panama,
Panama, g^ Marta, üarthagcna und Popayan zugetheilt. Das Bisthum Panama^
auf der gleichnamigen Eüilbinsel, bestand seit 1 1 . Februar 1534. Seine
Cathedrale, unter der Anrufung ^^unserer Frau^ oder „unserer Herrin^
von Danen ist von Stein, and von grossartiger Bauart Die Kirche
der heiligen Maria von Darien war die erste christliche Kirche auf
dem Fesdande von Amerika. Vom Jahre 1533 — 1537 werden fünf
Bischöfe genannt, bis zum Jahre 1558 sieben, erst der Dominikaner
na.
*) Unter den spanischen Schriftstellern bei NieoL Antonio kommt der Name
Juan Cwicos nicht vor. — Die beiden Ausgaben des Concils vom Jahre 1585 —
Mezioo, 1622, and Paris 1726, — sind sehr selten geworden, befanden sich aber
in der Bibliothek des <7. M. Andrade -— im Jahre 1869 (Coneiliom sAnetum pro-
vinciale, Hezioi eelebratnm anno 1585, praesidente Petro Moja de Contreras archie-
piscopo Hezicano. Mexico, 1622. •— Statuta ordinata, a sancto concilio provinc.
Hezicano III. anno 1685. — ibid. fal. — Conciliam mezieannm provinciale, celo-
bratum Mezici anno 1585. Parisii (!) 1725 in — 12. d. rel. (Andrade, 1^69, p. 191).
*) Alias: 2G. Febr. 1531.
goiia.
Die KirohenproTinzen in SfldAmerika. 207
Paul, de Tarre» um das Jahr 1660 scheint wirklich eingctreicu zu
sein. Da man bis zam Jahre 1875 — 46 Bischöfe zählt, so ergeben
sich für jeden im Durchschnitte nur sieben Jahre der Regierung.
Man muss aber noch wenigstens 100 Jahre der langen Sedisvacanzen
abrechnen, so dass sich nur fünf Jahre für einen Bischof ergeben« —
Das Bisthum Cartagena (in Indiis) wurde von Papst Clemens VII. ^^^'
am 24. April 1534 errichtet; seine Cathedrale, ,)Nuetra Senora^, wurde
im Jahre 1538 eingerichtet, (d. i. die schon bestehende Kirche zur Gathe-
drale erhoben). — Im Jahre 1535 wurde das Bisthum Santa Marta j^^
errichtet; es wurde im Jahre 1562 supprimirt, und im Jahre 1577
wieder hergestellt. Sein erster ernannter Bischof war der Dominikaner
Thomas de ÖHiz. Das Bisthum Popajan wurde am 22. August 1546, ^'y^^'
die Cathedrale zu „Unserer Frau^ im Jahre 1547 errichtet. Die Bis-
thümer Antioquia, (Medellin, seit 1804), Neu-Pamplona (1835), und
Pasto (1859), stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert.
Oestlich schliesst sich die Kirchenprovinz von Venezuela an. Am
4. Juni 1532 wurde ein Bisthum in Coro errichtet, welches im Jahre
1736 nach Caraceae übertragen wurde. Es stand unter dem Erzbis- ^^~^*
thom San Domingo* Erst am 24. November 1803 wurde es selbst
zum Erzbisthume erhoben. Unter ihm stehen die neuern Bisthümer
(Galabozo, Coro (1868), Guayana (1790) und Merida (de Maracaybo
seit 1777).
§• 4.
Am 3. Juli 1552 wurde das Bisthum Charcas errichtet, welches
auch den Namen La Plaia und Chuquisaca de Plata trägt. — Die ^^^^'^'^
Cathedrale, welche den Namen „St Maria" tragt, hat drei Schiffe, und ist im«u.
sehr reich geschmückt mit ausgesudbten Gemälden. Seit dem 2. Juli
1609 besteht es als Erzbisthum. Der erste Bichof war der Domini-
kaner Thamcu de Set. Martin — 1553, welcher zu Lima im Jahre
1569 starb. — La Plata hat heute noch drei^ früher hatte es sechs
Suffragane. Das Bisthum „Unserer Frau de la Paz^ wurde im Jahre
(IGOo) 1608 errichtet, und unter la Plata gestellt. Seine schone
Cathedrale trogt den Titel ^^Mariä Geburt". Ein von Kaiser Carl V.
geschenktes Bild „unserer Frau del Pilar'' wird sehr Tcrehrt Das
Bisthum Cordava in der Provinz Tucuman wurde im Jahre 1570 er- j^^^^^^*
richtet, steht aber seit neuester Zeit unter dem Erzbisthum Buenos man.
Ayres. — Das Bisthum S. Cruz de la Sierra wurde am 6. Juli 1606 ^- ^'^'
errichtet Seine Cathedrale tragt den Namen zum „heiligen Kreuz'^ sierm.
— Früher gehorte auch das Bisthum Paraguay oder S. Assumcion,
gestiftet im Jahre 1547, in diese Eirchenprovinz« Die Hauptstadt der
Provinz, wie die Cathedrale tragt den Namen; „Himmelfahrt^' (Maria's)«
g«»y
208 Dreizehntes Bach. Sechstes Kapitel.
Der Franciscaner Juan de los Barrioe y Toledo war der erste (er-
^' wählte) Bischof. Das Bisthnm Salta de Tucuman wurde erst im Jahre
1806 errichtet. Buenos Ayres oder das Bisthnm der „heiligsten
Dreieinigkeit^^ wurde zwar im Jahre 1582 gestifitet, trat aber erst
im Jahre 1620 mit der Cathedrale des heiligen Martin, und dem ersten
Bischöfe, dem Garmeliter Petrus de Carranza, in das Leben. — Dieser
Bischof wohnte im Jahre 1629 einem zu Charcas gehaltenen Concil
an, dessen Akten uns (bis jezt) nicht bekannt sind.
§. 5.
r
ErKbifl. Erst im Jahre 1866 wurde Buenos Ayrsa zum Erzbisthnm fiir
tham
ruonoB
die Argentinische Republik hergestellt. Unter ihm stehen die Bis-
Ayrea. thumcr üordova in Tucuman, Paraguay, Salta und die neuern Bis-
thümer San Juan de Cuyo und Parana.
Die Stadt Lima wurde am 6. Januar 1536 von dem „Conqui-
stador^ Franz Pizarro gegründet; Carl V. gab ihr im Jahre 1537 den
Titel „Stadt^^ Papst Paul III. errichtete hier ein Bisthnm am 19. März
Enbia- 1539, Am 11. Februar 1546 wurde das Bisthnm zum Erzbisthume
Lima, erhoben. Die Cathedrale wurde in den Jahren 1541 — 1543 einge-
richtet. Sein erster Bischof war der Dominikaner Franc. Hieronymus
de Loaysa'}. Loaysa wurde im Jahre 1640 von dem Bisthume Car-
tagena in Indien hieher versezt, am 22. August 1543 trat er ein, das
Pallium aber erhielt er am 9. September 1548. In den Jahren 1552
und 1567 hielt er zwei Concilien, deren Akten jedoch (noch) nicht zu
uns gelangt sind. Obgleich Erzbisthnm, war Lima noch nicht Metro-
pole, stand vielmehr unter der Metropole von Sevilla, Erst im Jahrej
1571 wurde es Metropole; sein Patron war der heilige Joannes dei^
Evangelist In der schonen Cathedrale wurden fünf Concilien gefeiert,
die zwei schon erwähnten, und drei von dem heiligen Tnribius in den
Jahren 1582, 1591 und 1601 gehaltene. Lima erlangte im Laufe
der Zeit 10 Suffragansize, von denen es aber mehrere an zwei in
unserer Zeit errichtete Erzbisthümer abtreten musste«
Biathnm j^^iA Bisthum Cuzco wurde schon am 5. September 1588 errichtet.
Sein erster Bisohof war der schon erwähnte Dominikaner Vincent,
Valverde; der zweite Bischof war Juan Solano, gleichfalls Dominikaner,
der im Jahre 1544 eintrat, im Jahre 1561 resignirte, und am 14. Januar
1580 zu Bom starb. Die grosse, schone nnd reiche Cathedrale fuhrt
*) Kin sehr «aasgepri^r*, und dannn der ehemaligen spanischen Herrschafl
in Fem abgeneigter Pemaner hat mir doch gestanden , dass die spanischen Erz-
bisohöfe von Lima fast lauter Heilige gewesen seien*
Kirchenprovinz Quito, Santiago de Chile. 209
Jen Titel: zur „Himmelfahrt Mariä^S Cnzco galt nach Lima als die be-
leuteDdste Stadt Pera's; sie war die Residenz der alten Herrscher
der Incas). — Die Stadt Areqnipa gehorte zuerst zum Bisthume ^requi.
Cnzco, bis dieselbe am 15. April 1577 zur Bischofsstadt erhoben
ivorde. Das Bisthnm selbst trat erst im Jahre 1611 in das Leben.
[)er Dominikaner Christoph Rodriguez wurde als erster Bischof er-
lannt, starb aber schon im Jahre 1612 in dem Orte Cumana, bevor
T Besiz von dem Bisthume ergriffen. Die Cathedrale trägt gleichfalls
len Namen zur ,,Himmelfahrt Maria". — Die Stadt Truxillo wurde ttoxiuo.
m Jahre 1635 von dem Eroberer Franz Pizarro gegründet, nach dem
Kamen seiner Vaterstadt Truxillo in Estremadura. Truxillo wurde
im Jahre 1577 (nur), und wieder am 20. Juli 1609 als Bisthum er-
richtet. Der erste Bischof traf erst im Jahre 1616 ein, und starb nach
drei Jahren.
Quito in der heutigen Republik Ecuador wurde am 1. August ^"'**''
1540 als Bisthum errichtet. Seine Cathedrale, eine der reichsten und
prächtigsten in ganz Amerika, ist „Unserer lieben Frau'' (Neustra Senora)
«gewidmet. Die sog. „Plaza mayor" in Quito ist in der Mitte der
Cathedrale, des Bischöflichen Palastes, des Palastes des Präsidenten
oder Gobemadors und des Stadthauses oder des Ayuntamiento der
Stadt. Der erste Bischof von Quito war Garcias Diaz Arias, 1545
zu Lima geweiht, gestorben im Jahre 1562. Unter Gregor XVI.
wurde Quito ein eigenes Erzbisthum — 1837, mit den neuem Bisthü.
niem Cuenca, Guyaquil , Ibarra, Loja, Riobamba und Portoviejo. —
Das Bisthum Guamanga wurde am 20. Juli 1609 errichtet. Unter Gna-
dem Bischof Cyprian de Medina aus dem Predigerorden — seit 1660 *"*"«*•
— wurde die grossartige Cathedrale des heiligen Johannes des Täu-
fers vollendet.
Das Bisthum Santiago de Chile wurde am 27. Juni 1561 er- ssnuago
richtet, und erhielt in demselben Jahre als ersten Bischof Roderich ^•^"®'
Gonzal. Marmolejo. Er zählte zur Zeit seiner Ernennung 70 Jahre,
und starb im Jahre 1565. Die bisherige Pfarrkirche wurde Cathedrale
des heiligen Jacobus. Eine zweite Cathedrale „zur Himmelfahrt
((aria's^ wurde im Jahre 1667 eingeweiht. Den Bau einer neuen
Jathedrale begann der Bischof Joannes Gonzalez Melgarejo (1743 —
754), welche im Jahre 1830, mit Ausnahme der Giebelseite, vollendet,
gegen schon unter dem Bischof Emmanuel de Altai (1754 — 1788) ein-
eweiht wurde. Als Hauptstadt eines besondem Staates wurde San-
ago am 21. Mai 1840 zum Erzbisthume erhoben. Unter ihm stehen
ie neueren Bisthnmer Serena und S. Carlo de Ancud, sowie das ältere
isthum Concepcion de Chile. Dieses wurde am 22. Mai 1 563 er- concep
i-htet. Sein erster Bischof war der Franciscaner Anton, de San^^^u^^^
iguel (Solier); seine Cathedrale trägt den Namen des Erzengels
GftmS| fptxu KlrdM. IIL 2. 14
210 Dreizehntes Bach. Sechstes Kapitel
Michael. — (Von Bisthümem aus neuerer Zeit stehen noch unter dem
Erzbisthume Lima — Maynas oder Chacapoyas, Huanuco und Pudo.)
§. 6.
Der zweite Erzbischof von Lima war der heilige Tnribius. Turi-
bius Alfons, der Sohn eines Edelmanns von Mogrovejo, wurde am
16. November 1538 geboren. Er studirte zu Valladolid und Sala-
manca; später begleitete er fünf Jahre lang mit Auszeichnung die
Stelle eines Präsidenten von Granada. PhUipp IL wählte den Laien
Toribio zum Erzbischof von Lima — 1578 , welche Würde er nach
Dor hei- ijiQcrem Sträuben annahm. Er war ein zweiter Ambrosins von Mai -
lige Tu-
ribioB. land. Nach Empfang der heiligen Weihen eilte er nach Lima, wo et
am 24. Mai 1581 eintraf. Schon im Februar 1582 hielt er in Lima.
,,der Stadt der Eonige^^, seine erste Diocesansynode, als Vorbereitung
zu einem spätem Provincialconcil. Er beruft sich auf die Anordnung
des Concils von Trient, nach welcher jährliche Diocesansynoden zuij
Einschärfung und Erneuerung der Kirchenzucht gehalten werden sollen^
Die Synode besteht aus 29 Kapiteln oder Constitutionen; dieselben;
ß-ßy^o* wurden am 10. März in der Cathedrale feierlich verkündigt — Aus
demselben Grunde berief er eine zweite Diocesansynode auf das Festj
des heiligen Andreas im Jahre 1583. Die hier gefassten Beschlüsse
oder Constitutionen wurden am 9. Februar 1584 von der Kanzel der
Cathedrale verkündigt «— Es sind 11 kurze Kapitel ')•
Das Erzbisthum erstreckte sich 130 Stunden entlang der Küste
Während die wildeste Unordnung, Mord und Baub unter den Spaniern!
herrschten, schmachteten die Indianer unter dem härtesten Drucke.
Durch Klugheit und Energie brachte Turibins Ordnung in das wildej
Chaos. Er arbeitete mit Erfolg an der Ausrottung der öffentlichen
8. apos. Aergernisse. Auf einer Reise durch seinen Sprengel unterzog er sich
wirken! unglaublichen Mühen. Ohne Unterlass lehrte, betete und fiwtete erj
zur Bekehrung der Indianer sezte er überall tüchtige Seelenhirten einJ
Unerbittlich war er gegen die Sünden des Clerus. Wie er ein Be-
schüzer der Unterdrückten, so war er eine Oeissel der offentlicheu
Sünder. Kein Wunder also, dass er von einigen Statthaltern in Per
verfolgt wurde. Er stiftete Seminarien, Kirchen und Spitäler. Nebei
der schon bestehenden Universität von Lima wurde durch päpstlich
Bulle vom 20. August 1586 eine Universität in der Stadt Quit
errichtet ')• — Als eine Fest ausbrach, so gab er Alles hin und brachte
») Aguirre-Catalani, t VI, p. 64—71.
«) Buttarium Rom. Taurin. 1863, i VIII, p. 733— 7J6.
DiOoesansynoden d«8 hl. Taribins. 211
taglich Bein eigenes Leben znm Opfer. Drei Male Tisitirte er sein
ganzes Biethom. Die erste Reise dauerte sieben Jahre, die zweite fiinf
Jahre, die dritte etwas weniger. Er bekehrte eine unzählbare Menge
von Heiden. Er hatte, obgleich an Jahren vorgeräckt, die verschie-
denen Sprachen der indianischen Stamme erlernt. Er traf im Allge-
meinen die Bestimmung, dass je nach drei Jahren eine Diöcesansynode,
je nach sieben Jahren ein Provincialconcil gehalten werden sollte. Auf
das Fest der heiligsten Dreieinigkeit des Jahres 1585 berief er seine
dritte Diocesansynode in die Stadt San Domingo de Yangay. Es
wurden 93 Kapitel oder Constitutionen erlassen, welche am 17. Juli
1595 publicirt wurden. Ebe neue Synode wurde gleichzeitig auf den
25. Juli 158G ausgeschrieben, von der wir wissen, dass sie gehalten
worden. Die Constitutionen der Synode von 1685 werden als bestän-
dige Synodal-Constitutionen des Erzbisthums erklart, welche alle geist-
lichen und weltlichen Personen in Händen haben sollen^). — Die für
das Jahr 1586 ausgeschriebene rierte Diocesansynode fand wirklich in
der Stadt Santiago de Yaural-Camba statt. Sie erliess 30 Kapitel,
welche am 7. September publicirt wurden. Papst Gregor XIIL hatte
am 12. Juli 1584 dem Turibius gestattet, nach je zwei Jahren seine
Synode zu berufen. Desswegen beruft er eine weitere Synode auf den
7. September 1588. Die Säumigen werden mit einer Strafe von
100 Pesos (Silber) belegt«).
Die angekündigte fünfte Synode wurde in der Stadt St. Christoval
de Ynanes am 7. — 20. September 1588 gehalten. Es wurden 30 Kapitel
festgestellt, und verkündigt, am 16. October aber in der Cathedralc zu
Lima publicirt'). Die sechste Diocesansynode wurde in der „Stadt
der Könige^ selbst am 11. October 1590 begangen. Es wird den
Priestern und Klerikern u. a. verboten, spazieren zu reiten, Maulthiere
mit Tüchern zu behängen u. s. w. Es wurden 11 Kapitel erlassen^).
Am 21. October 1592 wurde die siebente Diocesansynode zu Lima
gehalten, d. i. geschlossen, mit 30 Kapiteln. Darin wird u. a. gefor-
dert, dass die Beschlüsse der beiden in den Jahren 1567 und 1583 zu
Lima gefeierten Provincialconcilien beobachtet werden sollen.
Von dem Concil von 1567 wissen wir nur, dass dort die An-
nahme der Decrete des Trienter Concils Gegenstand der Verhand-
lung war. Die Akten des Provincialconcils vom Jahre 1583 finden
sich bei Tejada im Auszuge unter der Ueberschrift: „Concilio I. Pro-
0 Äguirre-Caialani, VI, p. 193—208.
») AguirreCaialant, VI, p. 208—215.
•) Agwrre'Oaialanif VI, p. 215-. 200.
0 AgvirreOatoilani, VI, p. 220—222.
14
212 Dreizehntes Bach» Sechstes Kapitel.
vbcial de Lima ano 1582^^'). Das Concil hielt nämlich fanf Sizungen,
die erste am 15. August 1582, welcher fö^f Bischöfe anwohnten. Im
October kam der Dominikaner Petrus de la Pena, Bischof von Quito,
an, welcher am 7. März 1583 zu Lima an Altersschwäche starb. Die
zweite Sizung fand erst am 15. August 1583 statt. Auch Sebastian
de Lartaun, Bischof von Cuzco, starb auf der Synode am 9. October
1583. Die fünfte und lezte Sizung fand am 18. October statt. Der
lateinische Text der Synode wurde, mit Zusäzen, zu Rom im Jahre
1610 approbirt, und zu Madrid im Jahre 1614 gedruckt (woraus die
Auszüge bei Tejada genommen sind). Tejada hat aber zum erstenmal
eine sehr interessante Denkschrift veröffentlicht, welche der Licentiat
F<dcon im Interesse der unterdrückten Indianer an die Synode richtete,
und welche sich als Manuscript in der National- Bibliothek zu Madrid
erhalten hatte ^).
Nach der damaligen kirchlichen Verfassung mussten zehnDiocesan-
Bischöfe auf diesem Concil erscheinen. Das Bisthum, d. i. die Stadt
Quito war 200 Leguas von Lima entfernt, der Bischof von Popayan
300, der von Cuzco 150, der Bischof von Paraguay 600 Meilen, der
von Santiago de Chile 400, der von der Stadt „La Imperial^', an
dessen Stelle später Goncepcion de ChUe trat, war 500 Meilen, das
Bisthum Panama 400, das von Nicaragua mehr als 600 Meilen, das von
„los Charcos^% heutzutage Buenos- Aires, 800, das von Tucuman 40()
spanische Meilen entfernt. Troz dieser Entfernungen, und der gänzlich
fehlenden oder lebensgefährlichen Wege fehlten von den zehn Bischöfen
nur der von Panama, das eben erledigt war, der von Nicaragua, der
zwar 1580 ernannt, vielleicht aber 1582 noch nicht eingetroffen inrar,
und der Augustiner Augustin de Coruna (1563 — 1590) genannt „der
heilige Bischofs, von Popayan, der wegen der Gerechtigkeit ssweimal
verbannt wurde. Er wurde auf d^m Wege nach Lima durch einen
Unglücksfall zurückgehalten^).
Seine zweite Provincialsynode hielt Turibius zu Lima im Jahre
159 L Von dieser Synode hat Ant Montalvo nur Bruchstücke, ent-
haltend 20 Kapitel, aufgefunden. Sie sind nur von dem Erzbischof
0 T^ada, V, p. 486-522.
•) L. c., p. 488>-606.
*} Lima limata conciliis constitutionibafl • . • . qnibas Toribiaa Alph. Mo^ro-
vejoB provinciam Limensem sen Peravinnm imperinm limavit, latine reddidit, etc.
JSaroldus. Somaey 1673 — fol. — Haroldus hat die Ausgabe von 1614 abdrucken
lasBen. Aguirre und (Äguirre-) Catalani haben den Text des Haroldus repro-
dncirt (VI, p. 27—51—65). Tejada hat nur einen Auszog gegeben. (Bei Haral-
dtiB finden sich die drei Provinoial - und die zehn Diöcesansynoden , welche bei
Aguirr^ t IV, und bei Aguirre-Catalani, t. VI reprodncirt werden.)
Synoden des heiligen Turibinfl. 213
und dem Bischof Gregor de Mantalvon von Cuzco unterzeichnet. Ob,
und welche andere Bischöfe zugegen waren, wissen wir nicht').
Am 31. October 1592 schloss Tnribias zu Lima seine siebente
Diocesansynode, in welcher 30 Kapitel erlassen wurden'). Zugleich
wurde die achte Synode auf den 31. October 1594 berufen. Dieselbe
wurde am 24. November 1594 in der Stadt S. Pedro y Paolo von
Piscobamba geschlossen. Es wurden 48 Kapitel erlassen^, und die
nächst« Synode auf den 24. November 1596 berufen, deren Akten
sich nicht mehr vorfinden. —
Seine dritte Provincialsynode konnte Turibius erst im Jahre 1601
halten, welcher nur die beiden Bischöfe von Panama und Quito an-
wohnten ^), Zwar hatte Turibius dieses Concil schon auf den 3. März
1598 ausgeschrieben. Damals hatten sich nur zwei Bischöfe auf die
Reise begeben^ der von Paraguay, welcher noch nicht consecrirt war,
nnd der auf der Beise starb, der von Tucuman aber erkrankte so
schwer, dass er umkehren musste. Als am 11. April 1601 keine an-
dern Bischöfe mehr erwartet werden konnten, eröffnete* der Erzbischof
das Concil. Die zweite Sizung wurde am 17« April gehalten. Es
Würden fünf Decrete erlassen. Am 18. April wurde das Concil ge-
schlossen*}. — Am 16. Juli 1602 hielt Turibius seine neunte uns be-
kannte Di5cesansynode , in der 49 Kapitel erlassen wurden. Am
31. Juli 1604 hielt er seine zehnte und lezte uns bekannte Bisthums-
Synode, sie erliess 43 Kapitel*). — In dem Leben des ,^Heiligen^' von
Antonius a Leon Pindo wird gesagt, dass Turibius 3 Provincial- und
13 — 14 Diocesansynoden gehalten habe«
In Santa, 110 Stunden von Lima, erkrankte Turibius, er Hess
sich zum Empfang der heiligen Wegzehrung in die Kirche tragen, und
verschied unter den Worten: „In manus tuas. Domine, commendo spi-
ritrnn menm" — am 23. März 1606. — Man brachte im folgenden
Jahre seinen noch unverwesten Leib nach Lima; im Jahre 1679 wurde
er selig-, im Jahre 1726 heiliggesprochen. Er habe einen Todten auf-
erweckt, mehrere Kranke geheilt^.
') Aguirre • CaMani, VI, p. 895— 398. — Hier sind den 20 Capitula — die
Heg:iila oonsaeta oder Institationes consaetadmales Ecdes. Metr. Limensis beige-
%t, p. 398—420. T^ada y Eamiro, VI, p. 636—647, welcher den 20 Capitula
zwei wichtige Docnmente voranssohickt, darunter den Brief des Taribias an König
Philipp n. vom 16. MSrz 1591.
*) AffidTre-Catakmiy VI, p. 420—428.
^ Ägtdrre-CaUUani, p. 429—440.
*) Franc. Ant, MonUUvOy „Novns mundos*.
^ Äguirrt-CatdUmi, VI, p. 477—480. T^ada, VI. p. 647-648.
•) Aguirre-Catalani^ VI, p. 485—490.
^) S. Urkunden s. Canonisation. — Antonius de Leon Pindo, Vida del
214 Dreizehntes Buch. Sechstes Kapitel.
Die heilige Rosa, „die erste BliUhe der Heiligkeit im südlichen
Amerika^^, wurde za Lima am 20. April t5>6 geboren. Von frühester
Jagend bewies sie eine wunderbare Stärke in Ertragung aller geistigen
und leiblichen Leiden, für welche Leiden sie wie vorherbestimmt
schien. Obgleich sie täglich wohl 12 Stunden im Gebete zubracht«,
arbeitete sie doch mehr als alle andern. Ihren in Armuth gerathenen
Eltern erwarb sie den Lebensunterhalt. Sie trat in den dritten Orden
des heiligen Dominikus zu Lima. Sie lebte ein abgeschiedenes Leben
in einer Zelle im Garten ihrer Eltern. Oft blieb sie acht Tage lang
ohne Nahrung. Bei dem Empfang der heiligen Gommunion nahm sie
die Gestalt wie eines Engels an. Die heilige Gommunion stärkte und
hl. Kos« i)elei)te auch ihren Leib. Es war ihr dann nicht möglich , irdische
1686 — Speise zu gemessen. Sie übte ganz unglaubliche Abtodtungen« Ihr
1617. i^ger bestand ganz aus Glasscherben und andern spizigen Gegen-
ständen« In den lezten 15 Jahren ihres Lebens — führte sie der Herr
in eine bittere Leidensschule — er überliess sie langer Trostlosigkeit
und innerer Verlassenheit, die peinvoUer war, als alle körperlichen
Leiden, aber auch ihre Heiligkeit vollendeten. Am 24. August 1617
ging sie ein in die Freuden ihres Herrn. Sie wurde im Jahre 1668
selig-, im Jahre 1671 heiliggesprochen. Sie ist Hauptpatronin des
Reiches von Peru*).
llnatriBsimo y Beverendissimo D. Tortbio Alfonso Mogrovejo, Arzob. de Uma, Lim.
1653. Italienisch von Mich. Äng. Lapi, Rom., 16ö5, i*. Oyprianus de Htrrera^
Mirabilem vitam et mirabiliora acta Y. Servi D. A. Toribii Mogrovejfi Limani
archipr., ex actis lei^timis de mandato Sacrae Rituom GoBgregationis oo&fectis,
Romas, 1670 — 4*. — {Benedict. XIV., de Servis dei canoniz., t IV, tract. de
mirac., cp. 16.) BuÜer, Leben der Heiligen, von liaess und TTeis, IV, p. 196 —
206. Nebstdem schrieben über sein Leben: Niool, ÄrU. Ouerrero; Ancutaa. I^ico-
seUi; Jacob. Laderchi; Fr. Anton, de Lorea; Franc. Macedo, Vita & Tnriliii de
Mogrovejo, arch. Limani, Venet, 1668 — 4^ — OabrieL Maria VaienKuda; Franc
de Morüalvo.
') Ihr Leben in Acta Sctor. — 26. Aug. t. V; p. 902—981, anelöro Leon,
Hansen, 0. S. D. — ex edit 3 — Lovanii, 1668 impressa. — Oaperi Commentar.
praev., p. 892— 902. — Gloria posthoma, p. 984— 1029. — Ihr Leben von Byacinthus
de la Parraj Matr. 1668 (fibers. d. lat. Lebens von L. Hansen^ AndreoB FVrrer
de Valdecebro, Matrit, 1666, 4*. — Änt OonzaUz de Äcuna, 0. S. D., Compen-
dinm admirab. vitae B. Rosae, Romae 1665 (laaoh spanisch geschrieben); Fr. Ijuis
Antonio de Oviedo. Das Leben von Oonzales erschien an^ in Warschao« Anonym
erschien ihr Leben za Angsbnrg, 1670, französ. von Jean Andri FaMre, Bordeaux,
1668, und J. B. Feuilet, Paris, 1669. Qiovagnoliy Ant. Fr., Vita di s. Rosa di
Lima, Rom., 1768. — Bwsierre, Mar. Th£od. Renoual de (t 1866), Le Peron et
B. Rose de Lima, Paris, 1868. 8*.
Die Bischöfe aus den geistlichen Orden. 215
Maria Anna a Jesu de Paredesj genannt die „Lilie von Quito^^,
worde am 30. September 1618 in dieser Stadt geboren. Zehn Jahre
alt, legte sie die drei Geliibde der Kenschheit, Armnth und des Ge-
horsams ab, ohne in einen besondem Orden zu treten. Sie fühlte den
tiefsten Schmerz und das innigste Mitleid mit den Völkern, die noch
in der Nacht des Heidenthums sassen , und wollte auf den Flügeln
der Liebe zu ihrer Bekehrung dahineilen. Da ihr diese nicht gelang,
so ergab sie sich in den Willen Gottes, und bewohnte eine einsame
Zelle in ihrem elterlichen Hause, wo sie ein wahrhaft himmlisches
Leben fiihrte. Den grössten Theil des Tages und der Nacht widmete
sie dem Gebete und der Betrachtung. Sie erreichte nur das 27. Jahr
ihres Lebens, und starb am 25. Mai des Jahres 1644. Nach ihrem
Tode wurde sie durch viele Wunder verherrlicht, und der Ruf ihrer *'«*"«<»
Heiligkeit wuchs immer mehr. Papst Pius VL erklärte am 16« März seiigo.
1776, dass ihre Tugenden heroische gewesen. — Nachher wurde die
Untersuchung über die auf ihre Anrufung vollbrachten Wunder ein-
geleitet. Zwei Wunder waren besonders beglaubigt, und wurden durch
Decret Pins LK. am 14. Januar 1847 als wirkliche bestätigt Am
7. October 1850 sprach Papst Pius IX. die Dienerin Gottes, genannt
„die Lilie von Quito^^ selig. Diess geschah auch in Folge der
frommen und inständigen Bitten der Bewohner von Quito, so dass in
der Stadt und Diöcese von Quito ihr Fest am 26. Mai — „ritu duplici^'
begangen werden möge ')•
§. 8.
Die Eorche von Spanien, aus welcher so viele Heilige dem Him-
mel entgegenreiften, ist besonders wunderbar durch die erstaunlich
grosse Zahl von Glaubensboten, welche sie bis zum heutigen Ta^e
nach Westindien, wie nach Ostindien entsendete. Im edelsten Wett*
eifer rangen hier in der Missionsthätigkeit die verschiedenen geist-
lichen Orden um die Palme, Ueberaus gross war das Gebiet der
Missionen, aber auch überaus gross die Zahl der Missionäre, die zur
Bebauung desselben jedes Jahr aus Spanien auszogen. Voran gingen
den andern die Dominikaner und die Franciscaner , und gründeten
überall EJoster. Es folgten die Augustmer, Hieronymiten, Minimen,
Norbertiner , Benedictiner, Cisteroienser, Trinitarier, Mercedarier, später
die Jesuiten und Carmeliten. Die Geschichte ihrer Wirksamkeit ist
in besondem grossen Werken beschrieben worden« Uns fehlt hier der
■) Pii IX. F. H. Acta, t. I, Born. 1854, p. 247-260. — Oams, Kirchengesch.
(les neaniehnten Jahrh., Bd. Ill, 1856, S. 705—706.
216 Dreizehntes Buch. Sechstes Kapitel.
Baum, näher auf dieselbe einzugehen. Wir wollen nur aof eine Er-
scheinung hinweisen, auf die zahlreichen Bischöfe aus den verschie-
denen Orden, welche die neugegründeten Bisthumer in Amerika über-
nahmen und leiteten. Nach einer ungefähren Berechnung zählen -wir:
Bisohofo Im Bisthum Antequera — Bischöfe aus dem Weltklerus 15, aus
RUS dOD ^_ .^
Orden, geistlichen Orden — 9, 4 Dominikaner, 2 Benedictiner, I Cistercienser,
1 Augustiner, 1 Mcrcedarier.
Bei dem Bisthum Arequipa zählen wir in der Zeit der spanischen
Herrschaft 14 Bischöfe aus dem Stande der Weltpriester, 2 Domini-
kaner, 3 Augustiner, 1 Trinitarier, 1 Mercedarier, 1 Capuciner.
In dem Erzbisthum Santa Fe de Bogota zählen wir 20 ErzbischSfe
aus dem Weltklerus, 5 Dominikaner, 2 Franciscaner, 1 Hieronymiten,
1 Minimen, 1 Norbertiner, 1 Augustiner. — Das Bisthum Buenos
Ayres hatte 9 Bischöfe aus dem Weltklerus, 2 Dominikaner, 2 Francis-
caner, 1 Benedictiner, I Carmeliten, 1 Augustiner, 1 Trinitarier. —
Das Bisthum Cartagena zählte 18 Bischöfe aus dem Weltlkeras,
10 Dominikaner, 4 Franciscaner, 2 Hieronymiten, 1 Trinitarier, 1 Cis-
tercienser, 2 Basilianer. Das Bisthum Maynas (seit 1805) zählte
einen Franciscaner zum ersten Bischof. In dem Bisthume Chiapa zahlten
wir 7 Bischöfe aus dem Orden des heiligen Dominikus, unter ihnen
den grossen Barthol. Las Casas, 3 Franciscaner, 1 Benedictiner,
2 Augustiner, 1 Hieronymiten, 3 Mercedarier, 18 Bischöfe aus dem
Weltclerus. Das Bisthum Santiago de Chile hatte 17 Bischöfe aus
dem Weltklerus, 1 Dominikaner, 5 Franciscaner, 1 Augustiner. Das
Bisthum Concepcion de Chile hatte in der spanischen Zeit 25 Bischöfe,
von ihnen waren 13 Weltpriester, 6 Franciscaner, 1 Dominikaner,
1 Cistercienser, 3 Augustiner, 1 von unbekanntem Orden. Das Bis-
thum Cordova in Tucuman hatte vom Jahre 1570 — 22 Bischöfe,
12 aus den Beihen der Weltpriester, 3 Franciscaner, 3 Dominikaner,
3 Augustiner, 1 Carmeliten. S. Oruz de la Sierra hatte von 1605 —
1820 23 Bischöfe, von denen 15 Weltpriester, 4 Dominikaner, 1 Francis-
caner, 1 Augustiner, 1 Carmelit, 1 Mercedarier war. — Das Bisthum
Santiago de Cuba hatte 34 Bischöfe, darunter 4 Dominikaner, 4 Francis-
caner, 1 Carthäuser, 2 Mercedarier, 1 Trinitarier, 1 Cistercienser,
1 Basilianer» Das Bisthum Oitzco hatte bis zum Jahre 1821 —
24 Bischöfe, 16 aus dem Weltklerus, 3 Dominikaner, 1 Jesuiten,
3 Augustiner, 1 Franciscaner. Das Erzbisthum San Domingo hatte
vom Jahre 1525 an bis zum Jahre 1817 — 36 Bischöfe und Erz-
bischöfe, 5 waren Dominikaner, 1 Franciscaner, 1 Benedictiner, 1 Cis-
tercienser, 1 Norbertiner, 2 Hieronymiten, 4 Augustiner, 1 Mercedarier^
1 Trinitarier. Das Bisthum Duran^o hatte von 1620 — 1815 — 22 Bischöfe,
darunter 1 Franciscaner, 1 Augustiner, 1 Benedictiner, 1 Minimen,
1 Carmeliten. Gfuadalaxara hatte von 1553 — 1819 — 80 Bischöfe.
Die Bischöfe aus den goistlichen Orden. 217
Von ihnen waren 20 ans dem Weltklerns, 4 Franciscaner, 2 Domini-
kauer, 2 Benedictiner, 1 Augnstiner, 1 Mercedarier. Quamanga hatte ^^^
von 1612 — 1818 — 25 Oberhirten, davon waren 2 Dominikaner,
3 Augustiner, 1 Basilianer, 1 Mercedarier. Guatemcdaj Erzbisthnm seit
1743, hatte von 1533—1875 — 24 Oberhirten, — 18 waren Welt-
priester, 1 Dominikaner, 1 Hieronymit, 1 Benedictiner, 1 Franciscaner,
2 Angostiner. — Das Bisthum Verapcus hatte überhaupt nur 5 Bischöfe,
von welchen die 3 ersten Dominikaner waren. Im Bisthum Honduroi
zählt man bis 1817 — 23 Bischöfe« Weltpriester waren 11, 3 waren
Dominikaner, 3 waren Franciscaner, 3 Hieronymiten, 1 Benedictiner,
1 Basilianer, 1 Norbertiner. Nueva Leon^ gestiftet im Jahre 1778,
hatte 2 Franciscaner als seine 2 ersten Bischöfe. — Lima zählte bis
zam Ende der spanischen Herrschaft 18 Erzbischofe. Der erste war
ein Dominikaner, der zweite, der heilige Turibius, ein Weltpriester,
dann noch 14 aus dem Stande der Weltpriester, 2 Trinitarier. Das
Bisthum Santa Marta hatte bis I8l7 — 83 Bischöfe, wovon allerdings
nicht alle das Bisthum antraten, 5 waren Dominikaner, 6 waren Francis-
caner, 1 Hieronymite, 1 Augustiner, 1 Cistercienser, 1 Trinitarier.
Mechonean hatte vom Jahre 1536 an — 30 Bischöfe. Davon waren
18 Weltpriester, 1 Dominikaner, 2 Franciscaner, 5 Augustiner, 2 Merce-
darier^ 1 Hieronymite, 1 Minime. — Das im Jahre 1782 gegründete
Bisthum Merida de Maracaybo hatte zur Zeit der spanischen Herr-
schaft 2 Dominikaner, und 1 Franciscaner zu Bischöfen.
Das Erzbisthum Meaeico hatte 23 Oberhirten bis zum Jahre 1820,
16 davon waren aus den Reihen der Weltpriester, 2 waren Francis-
caner, 2 Dominikaner, 1 Benedictiner, 1 Augustiner, 1 Hieronymite.
— Das Bisthum Nicaragim hatte von 1531-^1817 — 32 Bischöfe; Bi«ch»f«
13 derselben waren aus dem Stande der Weltpriester , 19 waren ^q^^J^
Mönche, und zwar 4 Dominikaner ^ 5 Franciscaner, 2 Hieronymiten,
3 Augustiner, 1 Benedictiner, 1 Norbertiner, 1 Trinitarier, 2 Merce-
darier. Es zeigt sich auch hier, wie sonst, dass die abgelegeneren und
klemem Bisthümer vorzugsweise mit Mönchen besezt wurden. So
hatte Panama unter etwa 40 Bischöfen — 20 aus Orden, 6 Domini-
kaner, 4 Franciscaner, 1 Benedictiner, 1 Hieronymiten, 3 Augustiner,
1 Norbertiner, 2 Carmeliten, 1 Trinitarier, 1 Mercedarier. In dem
Bisthum Paraguay werden bis zum Jahre 1816 — c. 31 Bischöfe ge-
zahlt; 4 waren Dominikaner, 7 Franciscaner, 4 Augustiner, 1 Benedic-
tiner, 2 Mercedarier. — La Paz hatte von 1608—1818 — 21 Bischöfe,
3 waren Dominikaner, 3 Franciscaner, 1 Augustiner, 1 Trinitarier.
La Plato, Erzbisthum seit 1605, hatte von 1&&3 — 1818 33 Oberhirten,
davon 4 Dominikaner, 1 Franciscaner, 6 Augustiner, 2 Benedictiner,
i Cistercienser, 1 Trinitarier, 1 Carmeliten.
Popayan hatte von 1547—1816 — 27 Bischöfe; 2 waren Domini-
l
218 Dreizehntes Bach. Sechstes Kapitel.
kaner, 1 Franciscaner, 4 Augustiner, 1 Jesuit, ] Carmelit. — Das
^"•'*^- heute noch spanische Bisthum Puertarieo hatte von 1512 — 1834
43 Bischöfe^ unter ihnen 3 Dominikaner, 4 Franciscaner, 1 Capuciner,
2 Augustiner, 1 Hieronymiten, 2 Carmeliten, 1 Trinitarier, 1 Merce-
Puebi«. tarier, 2 Benedictiner, 4 Basilianer. — Das Bisthum Puebla zahlte
seit 1527 — 1 Dominikaner, 1 Franciscaner; es hatte nur 2, und nach
15Ö7 keinen Mönch mehr. Es gehorte zu den reichsten und einträg-
Quito. Hchsten Bisthümern Amerika's. — Quito zählte bis 1818 unter seinen
Bischöfen 3 Dominikaner, 2 Franciscaner, 1 Augustiner, 1 Cistercienser;
auch es gehörte zu den reichsten Bisthümern. 4 Franciscaner leiteten
nach einander das im Jahre 1780 — gegründete Bisthum Sonora, —
Tmxu- Tntxillo hatte bis ISi^ö — c. 30 Bischöfe, darunter 2 Dominikaner,
1 Franciscaner, 1 Hieronymiten, 1 Trinitarier, 1 Mercedarier, 1 Bene-
dictiner, 1 Jesuiten. — Venezuela hatte bis zum Jahre 1803, wo es
Erzbisthum wurde, 6 Dominikaner zu Bischöfen, 1 Franciscaner,
2 Mercedarier, 2 Minimen , 1 Benedictiner. — Endlich hatte Yucatao
unter 27 Bischöfen 2 Dominikaner, 5 Franciscaner, 3 Augustiner,
1 Hieronymiten, 2 Benedictiner*). —
lo.
§. 9.
Allerdings trat nach der neuen Golonialgesezgebung von 1542
eine Milderung des Looses der Indianer ein'); aber nicht far alle
Zeit. Wie überhaupt schon in der zweiten Hälfte der Begierung
Fhilipp's n. in Spanien selbst im Kirchlichen und Politischen der
Rückschritt begann, so auch in dem spanischen Amerika. Der kirch-
liche und politische Zerfall Spanien's seit der spätem Zeit Philipp's II.,
im ganzen siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert musste auch auf
das Volk und die Kirche in Amerika zurückwirken. Wie Spanien
erlahmte und zerfiel^ so das spanische Amerika. Diess um so mehr,
da auch die Eingebornen selbst , sodann die verschiedenen Arten von
Mischlingen, die Mestizen, Creolen u. s. w. wohl die schlimmen, aber
nicht die guten Eigenschaften der gebomen Spanier anzunehmen ge-
neigt waren. Unter diesen Mischlingsra^en herrschte eine sittliche
Ungebundenheit, unter deren vergiftenden Einfluss auch die ächten
Spanier fielen. D. Jorge Juan und D. Antonio de UUoa, Generale
der spanischen Marine, wurden im Jahre 1737 von ihrer Regierung
*) Die Zahl der eiDzelnen Bischöfe ist überhanpt nicht leicht festzustellen,
weil manche derselben ihre Bisthümer gar nicht sahen, andere resignirtcn oder
starben, bevor sie eintraten.
») 8. 172—171.
Der ZerfftU SUdamerika*8. 2 1 9
beauftragt, genaue Berichte über die Zustande Sudamerika's einzusen*
den, Sie bereisten Peru, Bolivia, Ecuador und Columbia — drei
Jahre lang. Ihr Bericht Wurde erst zur Zeit des Abfalls Amerika's
von Spanien gedruckt') zur Rechtfertigung des Abfalls Sndamerika's
Ton Spanien. Die Verachtung der Geseze, die Raubgier der Be-
amten, die Habsucht der Besizer und Kaufleute, die Pflichtvergessen-
beit des eingebomen Klerus und die allgemeine Unsittlichkeit hatten
Zustände geschaffen und befestigt, welche die spanische Regierung
auch bei dem besten Willen nicht mehr bessern konnte. Es herrschte
die drückende Mita. Alle Indianer mussten den Landgütern und
Bergwerken ihrer Bezirke eine gewisse Anzahl Leute stellen, welche
die harten Arbeiten vollbringen mussten. Alle Indianer mussten die
ihnen nothigen Waaren von den Corregidorcn um enorme Preise kaufen«
Der Welt- und Ordensklerus war gar sehr gesunken. Aber so gross
war die allgemeine Unsittlichkeit, dass die Laien daran keinen An-
stoss nahmen, denn sie waren ebenso und noch schlimmer, Weiber
wie Männer^).
Bis auf die neueste Zeit war man überzeugt, dass die von den
Jesuiten geleiteten Indianer von Paraguay in der zweiten Hälfte des
achtzehnten Jahrhunderts so musterhaft waren, wie zur Zeit ihrer Be-
kehrung. Wenn wir aber das Werk des deutschen Jesuiten Flor.
Bauche lesen, so werden wir eines andern belehrt ^. Es wird von den
beständigen gemeinsamen Trinkgelagen und der Trunksucht der In-
dianer Erstaunliches erzählt. Wenige, sagt F. Bauche^ habe ich im Zu-
stande der Trunkenheit lustig gesehen, sondern fast alle grimmig und
blutgierig. Sie weinen dann aus lauter Zorn, schreien und schimpfen
auf ihre Beleidiger, auch wenn diese nicht zugegen sind. Die Weiber
wurden barbarisch misshandelt. Die Reductionen der christlichen In-
dianer waren beständigen Ueberfällen der heidnischen Indianer aus-
gesezt. Den christlichen Indianern musste man gar viele Concessionen
machen, um sie vor dem Abfalle zu bewahren, u. s. w. — Auch in
unserer Zeit sind jene Indianer- Stämme, die P. Smets in Nordamerika
■) Notioias secretas de America, sobre el estado naval, mflitar, y politlco de
los reyaos del Peru, y provincfas de Quito, costas de Nueva Granada y Chile,
goblemo y regimen particnlar de los pneblos de l&dios: cmel opresion y extor-
siones de aus corregidorea y eoras: abuBos escandalosos entroducidos entre estos
babitantes por los misioneros; eansas de sn origen, y motivos de sa continoacion
por el espado de tres aigios — sacadas ä luz — por D, David. Barry, Lon-
dres, 1826. —
*) S. AoBsfige ans obigem Werke — in Histor. polit. BlStter, Bd. 71,
S. 383-400, 518—639 (,die Ursachen vom VerfaU Spanien*s«).
*) Pater FJorian Baucke, ein Jesuit in Paraguay (1748—1766). Nach dessen
eigenen AnfzeichnmigeD, von A, Koöler, Priester S. J., Begensborg, 1870.
220 Dreisehntes Bach. Sechstes Kapitel. Der Zerfall Sttdamerika's.
bekehrte, nicht standhaft geblieben; sie sind in ihre alte Wildheit
zarfickgefallen.
Anders aber ist die Schilderung, welche Franc. Ani. de Lorenzofug,
Erzbischof von Mexico (1766 — 1772), aus Anlass des von ihm ge-
haltenen vierten Provincialconcils von Mexico gibt. Damach bezweifelt
der Kirchenfnrst, ob je ein anderes Volk seine Colonieen so civilisirt
and christianisirt habe, wie die Spanier ihre Colonieen. Vielleicht,
dass die Mexicaner besser regiert nnd behandelt wurden, als die Ein-
gebornen in Fem nnd den angrenzenden Landern*)«
') Lorenzanii, Concilios provinciales Mexicanos, 1, II nnd III, Mexico, 1769,
1770. — Concilio IV. Prov, M^icano^ celobr. en el anno 1771 (zuerst herausge-
geben von T^ada y Ramiro, t, VI, s. Golecdon. Madrid, 1859, p. 177—313).
Siebentes Kapitel.
Die Segiernns Phllf pp*8 11. Im Niedergänge (iS68 - iS«8).
§. 1.
Das erste Decenniuin der Regierong Pbilipp's IL verlief in fast
ungetrübtem Glücke ; Erfolg reihte Bieh an Erfolg. Die erste
grausame Trübung und Täuschung trat ein in der unversöhnlichen
Feindschaft, welche der Thronfolger D. Carlos gegen seinen Vater an
den Tag legte. — D. Carlos, Philipp's einziger Sohn, von Natur aus
ein Krüppel an Geist und Leib, wuchs allmählieh zu einem sittlichen
Ungeheuer heran, das vielleicht seines Gleichen nicht hatte unter den
damals lebenden Spaniern diesseits und jenseits des Weltmeeres. Unter
den wildesten Leidenschaften, von denen er ganz beherrscht war,
ragen besonders Troz^ Tücke, Rachsucht, Tyrannei, Grausamkeit, Ge-
frässigkeit — hervor. Schon im Jahre 1564 schrieb über ihn der Ge-
sandte Oesterreich's, DietrichBtein^ ),6ein Vater sei halb verzweifelt, es ^^
sei auch viel versäumt worden, dass er nicht anders erzogen*'). Er
sei ein presshafter, schwacher Herr, aber wiederum eines mächtigen
Königs Sohn (es handelte sich um die Vermählung mit einer Habs«
burgerin). — D. Carlos zog Abends und Nachts mit seinen Spiess-
geseUen in den Strassen der Residenz umher (ganz wie Nero in Rom),
und übte Bübereien jeder Art Damen der höchsten Stände vnirden
bald mit frechen Küssen angefallen^ bald mit den gemeinsten Schimpf-
■) Sein Vater war vollauf beschäftigt mit der Regierang der Kirche.
222 Dreizehntes Buch. Siebentes Kflpifel.
Worten überschüttet. Ein Franzose, der nach Madrid kam, nennt ihn
„einen entsezlichen Menschen^. Seine maasslose Gefrässigkeit hätte
auch die beste Gesundheit untergraben. Er verlangte mit allem Uu-
gcstümm, Statthalter der Niederlande zu werden. Sein Hass gegen
seinen Vater führte ihn zu den grossten Excessen. Er konnte nicht
müde werden, über seinen Vater zu schimpfen, und ihn lacherlich zu
Sttino machen. Gegen die, welche er hasste, wie selbst den Cardinal Es-
pinosa, zückte er den Dolch, oder traktirte sie mit Faustschlagen oder
Fusstritten. Am Ende des Jahres 1566 drang er plozlich in den Saal
der eben versammelten Cortes ein, schimpfte sie aus, und drohte, seine
Widersacher als seine Todfeinde zu betrachten, welche zu vernichten
er alle denkbaren Mittel anwenden würde. Die Pferde seines Vaters
quälte er zu Tode, besonders dessen Lieblingspferd. Auch gegen den
Herzog von Alba zog er den Dolch, rufend: „Ihr geht nicht nach
Flandern, oder ich bringe Euch um*, und er wollte ihn umbringen,
aber er war zu schwach. — Gerade um diese Zeit überhäufte ihn der
Eonig mit neuen Beweisen seines Wohlwollens und Vertrauens, über-
gab ihm den Vorsiz im Staatsrath und im Eriegsministerium; aber
er brachte Verwirrung in alle Geschäfte. Viele Abscheulichkeiten, die
er beging, lassen sich nicht erzählen« Er trieb sich nächtlich an den
verrufensten Orten umher. Im December 1567 schrieb er an den
Papst, an den Kaiser, alle Potentaten einschliesslich seinen Vater , an
alle Granden, Behörden und Städte des Landes, er müsse der Tyrannei
seines Vaters sich entziehen, der ihn nicht einmal heirathen lasse. Sie
sollen ihm als rechtmässigen Thronerben treu bleiben. Seinem Oheim,
D. Juan d'Austria, versprach er am 23. December 1567 — das
Königreich beider Sicilien, wenn er ihm seine Pläne ausfuhren helfe.
D. Juan theilte dem Könige Alles mit. Philipp ^sah seinen einzigen Sohn
als den schwersten Verbrecher des Reichs^ ')• D. Carlos war auch fesi
entschlossen, seinen Vater zu ermorden. Am 18. Januar 1568 wollte
er entfliehen, um in Belgien die Fahne der Empörung gegen seinen
soiaa Vater zu erheben. In der folgenden Nacht wurde D. Ourlos gefangen-
fanden- genommen. Bei diesem Akte war Philipp II, selbst zugegen. Er
•cbftft. trug einen Panzer unter der lUeidung, ein Schwert in der Hand, und
einen Helm auf dem Haupte, als zöge er zur Schlacht aus« In seinem
Geleite waren 12 Männer der Palastwache, ihr Officier, sowie acht
andere Personen, so dass Philipp IL mit seinem Panzer, Helm und
Schwert uns fast wie ein Donquixote erscheint Zudem hielt sich
Philipp sehr im Hintergrunde. D. Carlos bat um den Tod, — er
wollte sich in^s Kaminfeuer stfirzen, Philipp sagte zu ihm: ^Von nun
•) Bawmtark, S. 87.
Don Carlos Ende. 223
an werde ich dicb als König behandeln, nicht als Vater.^ D. Carlos
warde wie ein Gefangener bewacht. — In einem achtstündigen Mi-
nisterrathe vom 20. Januar berieth Philipp die durch die Umstände
gebotenen Schritte. — Die Königin Elisabeth horte zwei Tage lang
nicht auf zu weinen, bis der Konig es ihr verbot, mit Unrecht, wie
mir scheint Als sich D. Juan d'Austria öffentlich in tiefster Traner-
klcidung zeigte, verbot ihm diess der König, mit Recht, wie mir
scheint Nur der Gonetable von Castilien schrieb an den König, er
habe es auffallend gefunden, dass vor der Gefangennehmung des
Prinzen, dem als Thronfolger bereits gehuldigt worden, die Granden
Castiliens nicht gehört worden seien. Aber Philipp II. wollte keinen
Bath, und bedurfte keinen. Nach seiner Auffassung von der Monarchie
haben die Unterthanen nur zu huldigen und zu gehorchen. Die Gross-
mutter des D. Carlos wurde zu ihm nicht zugelassen. Der portu-
giesische Gesandte wünschte ihn zu sehen, und wurde abgewiesen.
Papst Pius V. schrieb an Philipp in dieser Angelegenheit einen zweiten
Brief — 9* Mai. In einem zweiten Brief an den Kaiser schrieb Phi*
lipp, dass die gegen D. Carlos ergriffenen Maassregeln unwider-
ruflich seien ^).
Am 21. Juli bat D. Carlos, der sein nahes Ende fühlte, seinen
Beichtvater Diego de Chaves, den KOnig für ihn um Verzeihung zu
bitten; Philipp gewährte ihm seine Bitte. Am gleichen Tage erhielt
D. Garlos die lezte Oelung, und dictirte sein Testament. Am 24. Juli
1568 starb er chrititlieh und gottergeben. — Selbst Llorente sagt: „Ich
bin fest überzeugt, dass der Tod dieses Ungeheuers ein Glück für
Spanien war*).
§. 2.
Zu Zeiten Carl's V. wurden allmälich alle Mauren getauft; aber
sie behielten ihre Religion, ihre Sprache, ihre Tracht, ihre Gewohn-
heiten , ihre unversöhnliche Feindschaft gegen die Spanier bei. Es
waren „Regierungs-Christen^, deren innere Bekehrung mtin nicht hoffen
konnte, erstens, weil sie Muhamedaner, zweitens weil sie Spanier waren.
') Der Wiener Hof batte „mit anglaublioher Bornirtheit' immer noch an
dem Gedanken einer VermShlnng der Erzherzogin Anna mit D. Carlos festgehalten.
BowoMtark, S. 103. LlarerUe, III, S. 127—182.
') Belaclon de hi maerte y faonras fnnebres del principe D. Carloa • . . per
«7. lA>pez de HoyoB, Madr., 1568. — Don Carlos et Philippe II, par M. Oachard,
Bmzell, 1863, 2 volL — Don Carlos, von W. Maurenbrecher^ ein Vortr., Leipz.,
1869. - Fa^^aux, Leben Pias V., 1873, S. 198—207. — Baumstark, Philipp II., 1875.
224 Dreizehntcfl Buch. Siebentes Kapitel.
Die Piraten aus der Türkei und Berberei plünderten stets die Küsten
Die Mo- gpanien's; die Moriscos drohten stets, sich mit ihnen zu verbinden.
Am 13. August 1552 schrieb der Erzbischof Thomas von Villanova
an Philipp, eine Flotte der Türken stehe in der Nähe; er möge schnell
12.000 Castilianer zu Hilfe senden, denn die Christen im Königreich
Valencia seien ungeübt im Kriege '). Die Spanier selbst befanden sich
im. eigenen Lande in bestandiger Gefahr vor den Moriscos. Die
Mauren hofften, zum zTFcitenmale Herr von ganz Spanien zu werden.
Ihre Hoffnung steigerte sich mit dem Wachsthume der Macht der
Türken. Wie ehedem die Juden, wuschen sie ihre neugetauften Kin-
der sogleich nach der Taufe von den angeblichen Makeln derselben
ab, beschnitten sie, und gaben ihnen arabische Namen. Aehnlich
machten sie es bei den Ehen. Sie arbeiteten an den Sonn- und Eest-
tagen, feierten aber die Freitage. Sie nahmen Türken und Berbern in
ihre Häuser und Landgüter auf, gaben ihnen Nachrichten, dass sie
(als Seeräuber) Christen tödten oder als Gefangene fortschleppen
mochten. Selbst dem heiligen Thomas von Villanova wollte die Be-
kehrung der Maureu nicht gelingen, wie vorher dem Franciscaner
Bartholomaeus de los Angelos und dem Bischof Ramirez de Haro von
Die MO' gegovia nicht. Die Geschwader Barbarossa's erschienen immer wieder
vaien- <ui den Küsten Spanien's, besonders von Valencia und Murcia, und
<^'** ermuthigten die Moriscos zum Widerstände. Wegen Unsicherheit
konnten die Pfarrer nicht in ihren Gemeinden wohnen. Die Oiücialen
des Erzbischofs (von Valencia) visitirten die Diocese nicht« Die Poly-
gamie fand auch unter den Christen weitere Verbreitung. Die Bc-
sizer der Moriscos (als Vasallen) gaben die schlechtesten Beispieh',
und Hessen die Moriscos in Allem gewähren, um nicht so nüzliche
Vasallen durch deren Auswanderung zu verlieren. Troz der Beschlüsse
des Provincialconcils zu Valencia im Jahre 15G5, obgleich im October
1565 verschiedene Bischöfe eine neue Versammlung hielten, besserte
sich nichts in der Lage der Dinge. Der Weihbischof Segrian^) be.
hauptete, dass nach 40 Jahren des Unterrichts und der Predigt die
Moriscos von Valencia, „Mauren wie vorher' blieben.
Q. Ora- Wo möglich schlimmer stand es mit den Moriscos in Granada.
nada. jjj^^ hatte der harte Druck der Christen nicht aufgehört Beunruhigt
und verfolgt warfen sie sich in die Gebirge, und überfielen von da
aus die Christen. Den andern Moriscos wurden schwere Tribute auf-
gelegt, und mit grosster Härte eingezogen. Soldaten durchzogen das
0 Der Brief — bei Janer^ Condicion social de los Moriscos, Madr., 1857,
p. 244 — apendice 61.
') Oder Sebrian von Valencia^ Bischof von Chrysopolis i. p. inf.
Die Monacos. 225
Gebiet Ton Granada, am die Schuldigen aufzusuchen, aber die Ver-
brechen, die sie begingen, waren zahlreicher, als die Delinquenten,
welche sie einfingen»^ Von den Sierras um Gaadix, Baza, Almeria,
machten die Moriscos Ueberfalle nach allen Seiten. Sie sezten sich
u. a. in der Vorstadt von Granada, Albaicin, fest, machten nächtliche
Aasfalle, tödteten die Männer, schleppten Weiber und Kinder fort, und
verkauften sie als Sklaven nach Afrika.
Die Cortes von Castilien brachten im Jahre 1560 die Beschwerde
an den Konig, dass die Moriscos Kegersklaven aus Afrika einführten,
sie zu Muhamedanem machten, und so die Zahl der Ungläubigen ver-
mehrten. Darauf verbot eine königliche Pragmatik den Gebrauch
afrikaniacher Sklaven durch die Moriscos von Granada* Die Ordo-
nanz vom Jahre 1563 erneuerte das Gesez, dass die Mauren keine
Waffen beaizen dürften, wenn dieselben nicht den Stempel des General-
capitäns trugen *)• Die Uebertreter sollten sechs Jahre auf den Galeeren
dienen; den Tod sollte erleiden, der den Stempel iälschte. Die Moris-
cos verschafften sich nun heimlich Waffen, was zu häufigen Con-
flikten führte.
Nach einer Zählung vom Jahre 1563 ergab es sich, dass im
Königreich Valencia 9000 Familien der Moriscos, etwa 45.000 Kopfe,
wohnten. Papst Pius V. machte Philipp II. verschiedene Mittheilungen
über die Plane der Monacos^). Eine Junta unter dem Vorsize des
Ministers und Cardinais EspinoMa beantragte entscheidende Maass- ^'*^'
regeln, welche Philipp genehm hielt. 1) In drei Jahren sollen alle Moru-
Moriscoa die castilianische Sprache erlernen. Alle nach dieser Zeit in ^^''
arabischer Sprache geschriebenen Contracte sind nichtig. 2) Die
Moriscos sollen sich wie die Christen tragen, ihre Frauen ohne Schleier
ausgehen. 3) Bei ihren Hochzeiten and andern Festen müssen sie sich
aller ihrer frühem Gebräuche enthalten, u. a. der nationalen Tänze und
Gesänge. Statt der arabischen Namen werden sie christliche annehmen«
Die Bäder sind in allen Hänsern abzuschaffen. 4) Ihre Negersklaven
mttssen das Königreich verlassen.
Im Beginne des Jahres 1567 wurden den Moriscos diese Verord-
uuDgen mitgetheilt: „Bald aber erzitterte der Thron Philipp's IL troz
seiner festen Stozen unter der gewaltigsten Empörung seiner Vasallen. EmpUr.
Denn ein Volk, also angegriffnen in seinem Leben und seiner Lebens- .oiben,
art, und sogar in seinen häuslichen Gewohnheiten, wie die Moriscos, i»^7.
konnte erliegen unter der Last tyrannischer Unterdrückung, vorher
*; Marmolj Rebelion y cnstigo de los Moriscos del reyno de Granada (ICOO),
Madr., 1797, t* I, p. 133. — Alb. de Cireourt, Ilistoire des Ar.4bes d' Espagne,
Par., 1816, t II, p. 267 — 2ti9.
•) Falloux, Leben Pins V., S, 21«.
Qsm«, tpao. Kirche, m. S. 15
226 Dreizehntes Buch. Siebentes RnpiteL
aber mnsste es sich erheben mit verzweifelter Anstrengnng*' *)• Du
Mauren hofften, das ganze Reich Granada tod 6panien losznreisse^
und wollten sich der Hauptstadt durch einen Handstreich bemächtigen
Sie griffen während der Nacht vom 25. December 1568 die Vorstad
Albaicin an; sie wollten 8000 Mann hineinwerfen, welche sich hei mlicl
in der Nähe angesammelt hatten. Die Christen sollten ermordet, di^
Stadt eingeäschert werden« In derselben Zeit wurden die Oberstei
Diego de Herrera, und Juan Hurtado, welche mit 500 Soldaten ii
Cadiar übernachteten, in ihren Quartieren ermordet Das Land wai
fast von Truppen entblosst; die Heere und Flotten des Königs befandet
sich in entfernten Ländern. Aber frischgefallener Schnee in den Gc
birgen verhinderte die rechtzeitige Ankunft der Moriscos am 24. De«
cember. Nur der Häuptling Farag drang mit wenigen Uebellen iv
den Albaicin ein. Die Bewohner erwachten unter dem Feldgeschrei
„Es ist nur ein Gott, und Muhamed ist sein Prophet^'), und untei
dem Getöse maurischer Kriegsfanfaren. Aber die Christen erschreckter
die kleine Schaar durch das Läuten der Glocken, und die Maurei
zogen sich aus der Stadt. Der Hauptplan war misslungen*). Dei
Marquis von Mondejar, Statthalter in Granada, rief seine wenigei
Leute zu den Waffen, befestigte und verproviantirte die wichtigstei
Pläze. Die Mauren erwählten sich einen Konig, einen jungen Mani^
der sein Geschlecht von den Omajaden herleitete, der mit dem Nanie^
Ferdinand de Valor getauft war, bei den Mauren aber Aben-Humey^
hiess. Diese Wahl fand (nach Mendoza) am 24.. September 166^
statt ^). Er ernannte den Farag zu seinem obersten Commandanten
Während der junge König das Leben der ' Christen schonen wollte
war Farag ein Tieger, der nach dem Blute der Christen lechzte. Eii
Krieg der Vernichtung gegen die unter den Moriscos lebenden „altei
Christen^ begann. Unter den ausgesuchtesten Qualen wurden all
Christen, Priester, Alcalden, wehrlose Jungfrauen und Kinder er
mordet. Schonung sollten nur die Verleugner ihres Glaubens finden
Alle Spanier zogen den Tod der Verleugnung vor; sie starben den Toi
der Märtyrer. Die Uilfe^ welche die Türken und Berbern versprocher
nährte den Aufstand. Da Alba sich in den Niederlanden befand, s*
gab Philipp U. den Oberbefehl seinem Halbbruder, D. Juan d' Austris
') So der Spanier — Janer^ I. c, p. 83.
') Historia de Gnmada, ap. Im Fuente Alcäntara, Gran., 1818,
') No hay mas Dies qua Dios y Mahoma es sn profeta.
*) Diego Ilurtädo de Mendoza, Querra de Granada, hecha per el rey D
Felipe IL, Granad., 1664, p. 10 seq.
') 1. c, p. 12. — Anders erzählt Marmol (üb. 4, cap, 7) die Erwfihlnng^ de
„Königs«.
Aufstand der Moriccoa» 1568-1569. Die Manren mfissen auswandern. 227
Dieser, von Philipp wie vom Volke geliebt, hatte im Jahre 1667 einen
glücklichen Zog gegen die Berbern in Afrika gemacht Am 6. April
1569 reiste er von Aranjnez ab, und gelangte in drei Tagen in die
Nähe Granada's. Die Stadt athmete wieder auf; 18.000 Mann Fuss-
Yolk standen ihm zo Diensten*). Mehr als 4C0 christliche Frauen
aus de» Alpujarras, welche die Ihrigen verloren hatten, riefen: „Ge-
rechtigkeit, Gerechtigkeit, o Herr, ist es, um was diese armen Wittwen
und Waisen, deren Gatten und Väter getodtet worden sind, bitten.^
Die Stadt selbst bot eher den Anblick der Freude, als des Schmerzes
dar; die Hauser waren mit kostbaren Stoffen von Gold und Seide geziert
Mit ihrer beweglichen Habe hatten sich die Mauren in die Ge-
birge zurückgezogen. Ihr Konig sandte seinen Bruder Abdala um
Bäh Btfih Algier. Der Sicherheit wegen verbannte D. Juan d'Austria
alle Manren ans der Stadt Granada. Wegen eines Liebeshandels wurde
der Maurenkonig von Leuten ans seinem eigenen Volke ermordet Aben-Abo
wurde als sein Nachfolger erhoben. Er varstarkte sein Heer mit Türken und
Berbern, belagerte mit 8.000 Mann das Fort Orjiva, schlug den zum
Entsaz keraukommenden Herzog von Sesa zurttck, und nahm die
Festung. Die Mauren durchstreiften siegreich die ganze Vega von
Granada. Dem D. Juan gelang es inzwischen, durch kluge Maass-
regeln und Versprechen die Spaltung in das Lager der Feinde zu
tragen, die sich als Anhanger und Gegner des neuen Königs, der nur
seinen Freunden Stellen und Aemter übertrug, feindlich gegeüüber-
traten* Der Herzog von Sesa nahm die Forts von Velez, Benaudalla
und Lenteji. Die Mauren wurden von dem Meere abgeschnitten, und
in das Innere des Landes gedrängt £s wurde beschlossen, dass alle
Mauren aus dem Reiche Granada auswandern müssten. Sie sollten
für ihre Güter entschädigt, und mit möglichster Schonung in das
Centmm der Mancha und beider Castilien verpflanzt werden. Der
grossere Theil liess sich in der Gegend von Castellao, Villamanrique, sie wer-
Valdepenas, Almagro und Oudad real in der Mancha nieder. Aben- ^^^^^'
Abo blieb hartnäckig, und liess den Habaqui, Vermittler zwischen den
Christen und Mauren, ermorden. Seine Krieger waren noch zahlreich,
aber auf ein enges Gebiet eingeschränkt. Viele wanderten in die
Berberei aus, andere schwuren Philipp II. Gehorsam. Die Verwandten
des Aben-Humeya wollten dessen Tod durch den Tod des Aben-Abö
rächen, und Hessen ihn todten. Sein Leichnam wurde -nach Granada
gebracht, sein Haupt daselbst, nicht nach christlicher Sitte, ausgestellt.
Die Thäler der Alpujarras, die Sierra von Konda und von Bermeja
wurden ganz von den Spaniern besezt, welche von da alle Moriscos
•) Mar mal, 11, p. 17-18.
16'
223 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapirol.
austrieben, sie mochten an dem Aufruhr Theil genommen haben odei
nicht Die Mauren aus der Stadt Granada und seiner Ebene, dei
Sierra von Bentomiz, Ajarquia, aus der Hoya von Malaga, von Mar
bella und der Herrschaft von Ronda, mussten den Wanderstab nacl
Cordova ergreifen, und wurden bald darauf über die Provinzen von
Estrcmaduralmd Galicien zerstreut. Die Mauren von Baza, Hnescar.
Gnadix und dem Rio Almanzora wurden in die Mancha und uacl
Alt-Castilien verwiesen. Die Mauren von Almcria, Tabernas und dei
Umgegend wurden zur See nach Sevilla gebracht, und mussten sicl
westlich vom' Guadalquivir niederlassen. — Das Reich Granäda wurdt
sehr menschenleer; es herrschte in ihm gleichsam die Stille der Wüsle
Handel und Industrie verschwand aus diesem Lande. Heute noch is
dem Lande das Gepräge der Noth und Armuth aufgedrückt Wie in
zwölften Jahrhundert die mozarabischen Christen fliehen mussten voi
den Mauren, so mussten jezt die Mauren vor den Christen fliehen
Die Exclusivität des spanischen Charakters, seien die Spanier Manrti
oder Christen, zeigte sich aufs Neue. Tolerant sind die Spanier erst
wenn ihnen jeder Glaube gleichgiltig geworden ist
Marinoi d\q Gcschichte dicBcs Krie&:es haben die Zeitgenossen Manndi
•eu und Diego de Mendoza geschrieben. Ludwig de Marmol Caravaja\
Krieg, stammte aus der Stadt Granada, stand in Diensten Carl's V., und weilt<
seit .1535 — 22 Jahre lang in Afrika. Er befand sich in Guinea nnc
Aegypten, und auch einige Monate lang in der Gefangenschaft zi
Marocco. Aus diesem Aufenthalte in Afrika entstand sein Werk: „Li
Descripcion general de Africa**, in drei Bänden. Der erste Theil er-
schien zu Granada, 1573, fol. Der zweite Theil zu Malacca, 1599, ful
Der dritte Theil desselben ist das berühmte Buch: „Historia dei re
belion y castigo de los Moriscos dei reino de Granada* (Geschieht«!
der Rebellion und Züchtigung der Moriscos des Königreichs Granada);
Malacca, 1600*).
Didacns Hui-tado de Mendoza, aus Granada, geboren 1503, Sehr
des Statthalters Marquis de Mondejar, des Lateinischen, Griechischci
und Arabischen kundig, diente im Kriege und Frieden unter Carl V.
in Italien, und verwendete seine freie Zeit zu Studien. Er war u. a
Carl's Gesandter zu Venedig 1538, bei dem Concile von Trient, und
in Rom. In Venedig gelang es ihm, griechische Classiker und Kirchen^
väter sich zu erwerben. Andere griechische Codices Hess er aus de|
Bibliothek des Cardinais Bessarion und andern Bibliotheken für öicl'
') Eino französische üebcrsezung, mit geographischen Karten von M, Sansf'U
erschien zu Paris — in drei Bänden. 4*. Marmors Schrift über den Krieg vi.:i
ir>69 erschien als „segunda impresion" in 2 t. 4\ Madrid, 1797.
Did. Hnrfado de Mendoza. 229 '
abschreibeD. Auch von dem Berge Athos verschaffte er sich kostbare
Haudschriften. Aus seiner SammluDg von Mannscripten v^nrde der
Geschicbtschreiber JosephuB Flavius zuerst vollständig gedruckt, sowie
einige griechische Kirchenväter. Er hatte dem Sultan Soliman einen
grossen Dienst erwiesen, für welchen ihm dieser einen Gegendienst ^'"^^^^^^
leisten wollte. Er erbat sich nur die Schenkung einer Anzahl grie- ttu. den-
chischer Handschriften; er erhielt sechs Eisten kostbarer Manuscripte. "®^''®"*
Mitten unter diesen gelehrten Arbeiten berief ihn Carl V. zu der Stelle
eines EriegsbefehlBhabers von Siena. In dieser Stellung sollte er zu-
gleich den Papst und die Florentiner im Zaume halten. In Trient
glänzte er besonders durch seine Beredtsamkeit. Von Trient kam er
in ausserordentlicher Mission nach Kom, um den „Papst (Paul III.) in
81 iner Hauptstadt zu bewachen und zu bedrohen.** Dem Papste Ju-
lius III, (l.5''0 — 1555) trat er bei einer grossen Berathung scharf ent-
gegen. Er galt sechs Jahre lang als Haupt der kaiserlichen Partei
in ganz Italien, ja wurde fast als Vicckönig CarPs V. angesehen. Da
der Kaiser aber eine andere Haltung annahm, und Europa vor seiner
Abdankung zu versöhnen beschlossen hatte ^ so kehrte Mendoza im
Jahre 1555 nach Spanien zurück. An Philipp's II. Politik fand Jfen-
doza kein Gefallen. Beide Männer passten nicht zusammen. Mendoza
kam selten an den Hof; Philipp beobachtete ihn scharf, und Mendoza
glaubte sich von ihm beleidigt*). Mendoza gerieth im Palaste mit
einem Höfling in Streit Lezterer zog einen Dolch, den Mendoza ihm
entriss, und in die Gänge des Palastes schleuderte, ^Ja, wie einige sagen,
ihn (den Höfling) selbst hinterdrein." Mendoza zählte damals 64 Jahre.
Ein solcher Streit war in den Augen des formlichen und genauen
Philipp's IL ein Todesvergehen. Er betrachtete Mendoza als einen
Wahnsinnigen, verbannte ihn als solchen vom Hofe, gegen „welche
Ungerechtigkeit Mendoza zuerst Einwendungen machte, darauf aber
mit würdevoller Treue sich unterwarf.** In seiner Verbannung schrieb
«r Gedichte. Er Hess sich in bescheidener Stille zu Granada nieder.
Hier schrieb er die Geschichte des Krieges von Granada in den Jahren
loGS— 1570. Das Buch ist so parteilos geschrieben, dass es erst
viele Jahre nach seinem Tode und der Vertreibung der Mauren aus
Spanien gedruckt werden konnte. Scdlust und Tacitus haben dem
Mendoza zum Vorbilde gedient. Der „Krieg von Granada** ist eine
kleine Schrift, aber ihr Styl ist reich und kühn. Lange Stellen sind
dem TacituB nachgebildet^ aber ganz ungezwungen'). Nach Been- l
') NavarreUj M. F., Vida de Migael Cervantes Saavedra (mit Docum. z.
Gesch. nnd Literatur (s. Zeit.), Madr. 1819, p. 441.
') Etwa 80, wie Sulpicitts Severus in seiner ^Historia sacra' den Tacitus
Dtchahmf.
230 Dreizehntes Buch. Siebenies Kapitel.
digoDg dieser Arbeit war Mendoza mehr als 70 Jahre alt. Er sam- i
melte nun seine Biicher, die er mit solcher Muhe erworben, sowie die
seltenen arabischen Werke, die er in Granada gefunden hatte , und
überreichte sie dem Eonige für dessen Bibliothek im Escorial, unter
deren Schäzen Mendoza^s Sammlung immer noch eine hervorragende
Stelle einnimmt. Philipp II. gestattete ihm wieder, an den Hof zu
kommen. Er kam, aber wenige Tage nach seiner Ankunft in Madrid
ergriff ihn eine heftige Krankheit, an der er im April 1575 starb ^).
MarmoVs Werk über den Aufstand der Morisco's ist eine weit-
läufige Chronik des Krieges, von dem Mendoza mehr eine kühne Skizze
gibt. Marmors Stil ist weitschweifig und ermüdend, Mendozcit Stil
ist vielleicht geistreicher und gedrängter, als der irgend eines castili-
anischen Schriftstellers').
§. 3.
Der Niederwerfung .des Aufstandes der Moriscos^ folgte der
glänzende Sieg der christlichen Flotte über die türkische Flotte bei
Lepanto. Als die Türken im Jahre 1665 Lepanto belagerten, war es
D. Garcia de Toledo, Vicekonig in Sicilien, der die Türken zur Flucht
zwang. Zum Kampfe gegen die Türken rief nun Pins V. alle
christlichen Fürsten auf, und sandte einen eigenen Legaten .«an Phi-
') Mendoza schreibt am 1. December 1578 an den Historiker Zurita: Der
verstorbene Dootor Vdaseo schrieb mir, es wtlrde SrM. Yergnttgen machen, sie
(meine Bttcher) za sehen, und vielleicht auch sie in den Escnrial za versezen. Ich
meine, der KOnig hat Recht, denn da er das prachtvollste GebSade ftiterer oder
neuerer Zeit ist, das ich jemals gesehen {Mariana nennt den Escmrial, erbaut seit
1563, ,»inBana atque regia sabstmctio ejns templi, quod a Laurentio martyre oomen
habet": De Rege 15d9, p. d40)> so denke leb, es sollte nichts darin fehlen, and es
mfisse aach die schönste Bttchersammlnng der Welt in sich scbliessen. {Dormer,
Progresos de la Historia de Aragon. Sarag., 1680 — 2*. p. 601. PrescoUf U HI,
p. 409 — 427. — Die Baukosten betrugen c. sechs Millionen Dneaten. — Jos. Que-
vedo, Historia del real monasterio de San Lorenzo — del Escurial. Madr., 1849.
*) Zuerst im Jahre 1610 erschien: Guerra de Qranada^ por D. Hurtado de
Mendoza, Madrid. Lisboa, 1627. 4«. — Valencia, 1730, 1766, besonders 1776, 4\ —
(mit s. Leben); Valenc, 1830; abgedruckt in: Tesoro de historiadores espafiolen,
.^ chez Baudry, Paris, 1840. — 8*. — Mendoza's gesammelte Werke befinden sich
^^ in der: „Biblioteca de Autores espafioles, v. Rivadeneyra, Madr., 1846—1862, t 21,
1852. — £ine Sammlung von Mendoza's Werken erschien in der ,BibUoteca de
escritores granadinos, Tomo I, Obras de Mendoza, Granad., 1861, 4*. — cf. Nicola
Antonio, I, p. 290—292. — Ticknor Julius, Bd. I, p. 393-411. If, p. 286; 756
— 760. Ticknor- Julius-Wolf, p. 4ß; U"^.
*) Janer, Condicion social de Bloriscos, p. 21—41; und die ^Apendices*,
nr. 62—85. Preseott, t. 111, p. 17—272.
Schlacht bei Lepanto. t 231
pp II. Es wurde eine Allianz gescklosseu zwischen dem heiligen
table, Spanien und Venedig — im Frühjahr löTO. — Bald darauf
el Micosia, die Hauptstadt von Cypem, in die Hand der Türken.
Oberster Feldherr der Liga wurde D« Juan d'Austria. In der ewig
denkwürdigen Schlacht bei Lepanto, ?• October 1571 — wurde die^^^^L^
Seemacht der Türken und deren Herrschaft über das Mittelmeer p«nfo
Teraichtet')- *"^'
Aus der Ehe mit der Konigin Elisabeth yon Valois hatte Phi-
lipp II. zwei Töchter, Clara Eugenia, geboren am 12. August 1566,
spätere Statthalterin der Niederlande, und im Jahre 159S Gemahlin
des Erzherzogs Albert von Oesterreich; am 10. October 1567 erblickte
die zweite Tochter Catharina Michaela das Licht der Welt. Sie hei-
rathete im Jahre 1586 den Herzog Carl Emmanuel von Savoyen, und
starb am 6. November 1597, noch ein Jahr vor ihrem Vater. — Ver-
gebeos hoffte das Land von Elisabeth eine männliche Nachkommen-
schaft. Der Konig war auf Jahren und hatte nach dem Tode des
I). Carlos keinen männlichen Thronfolger. An den Folgen der un-
glücklichen Frühgeburt eines Sohnes starb die Königin selbst am
3. October 1Ö68, beweint von dem ganzen Volke, das ihre Frömmig-
keit, ihre Herzensgüte und ihren spanischen Patriotismus anerkannte^).
Sie hatte nur ein Alter von 22 Vg Jahren erreicht. Sie wird als eine
der weisesten und tugendhaftesten Fürstinen ihrer Zeit bezeichnet; sie
vereinigte in ihrer Person fast alle guten Gaben und Eigenschaften der
französischen Nation. In Toledo stiftete sie ein Kloster vom dritten
Ürden des heiligen Franz von Paul, und machte verschiedene andere
Stiftungen •).
Die lezte Gemahlin Philipp's II« war Anna von Oesterreich. Der
König brachte es über sich, diese Ehe einzugehen, obgleich Anna die
Braut seines unglücklichen Sohnes gewesen war. Man entschuldigt
ilin u. a. mit dem grossen Mangel an katholischen Fürstinen in jener
Zeit. Ihr Vater war Kaiser Maximilian IL, ihre Mutter Maria, die
Tochter GarPs V. Sie selbst war bei Valladolid am I.November 1549
geboren. Im Jahre 1569 erhielten die Cortes Mittheilung von der Ab-
sicht des Königs, sie zu heirathen. Da die Sache sich verzögerte, so
baten die zu Cordova im Jahre 1570 versammelten Stände, der König
') Roseü, Cajetany Hi8toria del Combate naval de Lepanto, Madr., 1858. —
Faüoux, Leben des Papstes Pius Y., 1873, S. 838- 347. - Preßcott, 1874, t III,
p- 237-357.
^ Bei der famosen Zusammenkunft mit ihrer Mutter Catharina von Medici
in Bijonne sagte ihr diese im Tone des Yorwarfs: Da bist ja eine ganze Spanierin
geworden.
*) Fhrez, reynas catholicas, 11, p. 895 — 903.
Pbi-
232 ^ DreizehDtea Bach. Siebentes Kapitel.
möge seine Heirath Dicht länger Terschieben. Am 3. October langte
Anna in Santander an; am 14. November fand die Verroählang zu
Segovia statt. Die Königin gebar am 4. December 1571 ihren ersten
Sohn Ferdinand. Philipp II. schenkte allen Gefangenen in Spanien
und Indien einen Generalpardon. Schon am 31. Mai 1573 empfing
II Tu ^^>*<l>Q^'^d ^8 Prinz von Asturien die Huldigang der Stände za Madrid.
Khen. Er starb aber am 8. October 1578. Am 12. Augnst 1673 hatte die
Konigin ihren zweiten Sohn Carlos Lorenzo geboren, der schon im
Juli 1575 zu Madrid starb. Am 12. Juli 1575 gebar die Konigin
ihren dritten Sohn Diego. Am 1. März 1580. erhielt er die Huldigung :
als Prinz von Asturien. Auch er starb, an den Pocken, am 21. No-
vember 1582. Der lezte Sohn, Philipp, welcher allein seinen Vater
überlebte, erblickte das Licht der Welt am 14. April 1578. Auch
eine Tochter Maria wurde dem Könige geboren. Im Jahre 1580 reiste
die Königin mit Philipp IL nach Radajoz, nachdem der lezte Konig
von Portugal gestorben. Philipp erkrankte gefahrlich; sie aber opferte
im Geiste Gott ihr Leben, damit er ihm das Leben erhalte^). Anna
hatte noch nicht das 31. Jahr ihres Lebens vollendet, als sie am 26. Oc-
tober 1580 starb. Der König blieb Wittwer'). Da bald nach der
lyi utter auch deren einzige Tochter gestorben, so blieb Philipp IL mit
Philipp (III.) allein übrig. Auf diesen beiden Augen (Philipp's III.)
ruhte die Zukunft Spanien's. Wahrlich, die Völker sind übel gebettet,
deren Zukunft, deren Glück und Unglück lediglich von den Geburts-
nnd Todesfällen in der Familie ihrer Fürsten abhängt.
§. 4.
Nach der Schlacht von Lepanto und der Geburt des Infanten
Ferdinand — 1571 hatte der König den Höhepunkt seines Glanzes
und Glückes erreicht. Die düstere Wolke, welche das traurige Ende
des D. Carlos auf dieses Glück geworfen, hatte sich wieder verzogen.
Phi. Aber wie den „unbesiegten*^ Carl V. das Gluck in seinen lezten Jahren
lipp^i IL ioi gtiche Hess, und nicht mehr zu ihm zurückkehrte, so wurde Phi-
neigt lipp IL vom Glücke, das ihn so lange begleitet, verlassen, und es
^^' kehrte nicht mehr zu ihm zurück. Das Meiste von dem, was er be-
gann, misslang, und zulezt wurde er so unmuthig und verzagt, dass
er auch das nicht mehr wagen wollte, was nothwendig war. Voll von
Misstrauen wollte er sich Niemand anvertrauen, mit Ausnahme Eüniger.
*) Zuniffa, Anales de Sevilla, anno de 1580. Ebenso PreicoH^ III, p. 435.
ohne einen Zweifel an der Thatsache aiiszadrflcken.
') Florez, II, p. 905—913.
D, Juan d^Aoatria. 233
Da begegnete ee ihm, dass er gerade von den Wenigen am meisten
iDissbraacht Mrurde. Unter diesen Günstlingen ragt Antonio Perez
herror. Geboren im Jahre .15S9, natarlicher Sohn des Gonz. Perez,
Staatssecretar CarPs V. und Philipp's IL, wnrde er frühe in die Ge-
schäfte eingeweiht. Nach dem Tode seines Vaters 1667 wurde er
besonders mit der Branche .des „Despacho oniversal^y der Gegenzeich-
nung der Befehle des Königs, betrauL Philipp IL schenkte ihm un*
bedingtes Vertrauen.
Nach dem Siege von Liepanto erhob sich der Geist des Siegers,
den damals die christliche Welt, wie 100 Jahre später den Eonig Johann.
Sobieski, mit den Worten pries: „Erat homo missus aDeo, cui nomen
erat Joannes^^ , zu unermesslichen Hoffiiungen und Entwürfen. Er
wollte der Grunder und Beherrscher eines selbstständigen Reiches sein.
Von Philipp IL beauftragt, Tunis zu erobern, machte er sich zum
Herrn dieser Stadt, und der umliegenden Häfen — 1573. Er fasste
den Plan, auf den Ruinen von Carthago'ein neues Reich zu gründen,
welches ein Bollwerk der Christenheit gegen die Uebermacht der
Türken sein sollte. Troz der Fürsprache des Papstes Gregor XIII.
(1572 — 1585) verweigerte es Philipp II., dass D. Juan sich als König
von Tunis proclamiren lasse; bald darauf fiel Tunis in die Hände der
Türken — 1573.
Im Jahre 1565 war der Aufstand in den Niederlanden ausge- ^^^' ^
brechen. — Papst Pius V. Hess zuerst durch seinen Nuntius in Madrid den nio-
Philipp II. aufTordem, sich persönlich in die Niederlande zu begeben.
Philipp II. hatte so oft an seinem Vater getadelt, dass er überaUhin
sich begebe, und dadurch seiner Würde schade, und selbst sein Leben
gefährde. Die Bitten des Nuntius vermochten ihn nicht von einem
Entschluss abzubringen, bei welchem die eigene innerste Abneigung
mit dem Grundsaze (nicht zu reisen) zusammentraf. Er machte zwar
Miene, als wollte er gehen, es war ihm aber nie Ernst. Da schrieb
ihm Pins V.: „Euere Majestät hat es noch in der Gewalt, diese
Provinz zu retten; geht Sie aber säumig und lässig zu Werke, so wird
--* jedes Heilmittel zu spät sein. Kommen Sie wenigstens nach Mai-
land, dort werden Sie mit mehr Müsse die 'Reise nach Flandern be-
sprechen können und bis diese beschlossene Sache ist, wird schon das
Gerücht von Ihrer Ankunft allein die Aufständischen in ihren Plänen
stören, und die Lauen ermuthigen. Gebe Gott, dass Ew. Majestät
doch so klar, wie Wir, das Verderben erkänneten, welches herein-
brechen wird, wenn Sie nicht rechtzeitig Gegenmaassregeln ergreifen.^
Der Papst ging noch weiter. Er liess Philipp wissen, dass die
B. g. KreazzugsbuUe, vermöge deren die spanischen Könige den Kirchen-
zehnten für sich einzogen, in Spanien nicht publicirt werden dürfen bis
er sich wirklich nach den Niederlanden begebe, um dort die Religion
dorlan-
den.
234 Dreisohntes Bocb. Siebentes Kapitel
ZD vertbeidigen. Zadem sandte er den Erzbiscbof von Sorrento,
Jnl. Pavesi, aU seinen ansserordcntlicben Legaten nach Spanien, um
den Konig zu treiben. Philipp blieb nnbeweglich. Statt seiner kam
der „eiserne^ Herzog Alba, lieas n. a. die Grafen Egmont nnd Hom
hinrichten, nnd stiess alle Parteien von sich und von Spanien zu-
rück. — Philipp II. sah sich gezwungen, denselben abznrnfen — 1573,
war aber weit entfernt, selbst sich nach den Niederlanden zu begeben.
Nach dem baldigen Tode von Alba's Nachfolger, Requesens
(f 5. März 1576) brach ein Aufstand unter den spanischen Truppen
aus, denen der Sold lange Zeit nicht ausbezahlt worden. Troz des
Znflasses edler Metalle aus Amerika versank Philipp II. in immer
tiefere Geldnoth. Diese Geldnoth, nicht aber seine Arbeitskraft, ver-
erbte er auf alle seine Nachfolger. Die Tmppen warfen sich plün-
rhiiipp ^Qi^d |]Q^ sengend anf die dem Konige treuesten Provinzen, Flandern
weglich, und Brabant. Der Prinz von Oranien, das Haupt der Aufständischen,
forderte die Stände dieser Provinzen auf, sich mit den nordlichen
Staaten zum Kampfe gegen Spanien zu vereinigen. Diess geschah
durch den Frieden von Gent — 1576. Philipp sandte nun seinen
Bruder D. Juan d'Anstria als Statthalter in die Niederlande, der sich
zum Beitritte zum s. g. Frieden von Gent gezwungen sah, den er
auch eine Zeit lang hielt. Am 4. November 15V6 zog D. Juan in
Luxemburg ein, während die spanischen Truppen an demselben Tage
Antwerpen plünderten. Er konnte aber in Brüssel nicht früher ein-
ziehen^ als er die den Flamändem verhassten spanischen Truppen ent-
lassen hatte. In Brüssel verkündigte er das s. g. „Eklit perpetuel^
oder den Friedenstractat mit den Provinzen. Nur die Stände von
Holland und Seeland wollten sich von dem Oranier nicht trennen,
und nahmen das Edict nicht an. Durch List zwar bemächtigte sich
D. Juan der Festungen von Namur und Charleroi. Er erfocht am
31. December 1577 bei Gemblours einen Sieg über die Kebellen. Aber
von Philipp II. mehr und mehr im Stiche gelassen, fehlte es ihm an
Geld und Truppen. Philipp II. hatte den Verdacht des Abfalls gegen
ihn gefasst. D. Juan war von Mitleid gegen die gefangene Konigin
Maria Stuart von Schottlatad erfüllt. Er fasste den Plan, sie zu be-
freien, und den Thron mit ihr zu theilen. Der Papst zeigte sich
diesem Plane geneigt, nicht aber Philipp II.
Dieser hatte seinem Bruder den Spanier Escobedo als Secretär
an die Seite gegeben, um mässigend auf denselben einzuwirken. Juan
Escobedo aber Hess sich für die Pläne D. Juan^s gewinnen. Derselbe
schrieb wiederholt an Antonio Perez, er möge auf den König einwirken,
dass er die Pläne D. Jnan's begünstige. Perez theilte die Briefe des
Escobedo, vne die von D. Juan in derselben Absicht geschriebenen
d^m Konige mit, welcher, ohne direct einzuwirken, dem Perez nach
Philipp. II. and Ant. Perez. Tod D. Johd^b d* Austria. 285
seinen Absichten zn antworten befahl. Perez schrieb demnach an
D. Joan, er möge Flandern nicht verlassen , den Escobedo aber bei
sich bdialten. Znm Erstannen Philipp's kam Escobedo aber im Juli
1577 nach Spanien zurück, Philipp fürchtete Verrath, und besohloss
des Escobedo sich zn entledigen. Vorerst verhinderte Perez noch den
beabsiditigten Schlag. Durch seine Unbesonnenheit aber überwarf
sich ESscobedo mit Perez. Er entdeckte, dass Perez der Geliebte der
Fürstin Eboli sei, welche als Maitresse des Königs galt, und drohte,
seine Entdeckung dem Könige mitzntheilen. Perez, gereizt und von
der Fürstin gedrängt, fasste den Plan, den Escobedo zu beseitigen.
Es gelang ihm leicht, den Verdacht des Königs zu erwecken. Dieser
be&hl ihm, den Escobedo zu tödten. Die Art der Ausfuhrung über-
liess er ihm, nur müsse der Mord Geheimniss bleiben. Zweimal ver-
suchte Perez es vergebens mit Gift. Dann dingte er Meuchelmörder,
welche den Secretär des D. Juan am 31. März 1578 tödteten. Grosse
Aufregung entstand wegen dieses Mordes in Madrid; die Alcalden
fahndeten nach den Mördern. Diese aber, beschüzt und reichlich
Helobnt, retteten sich durch die Flucht. Obgleich *die Familie
Gscobedo's Verdacht gegen Perez schöpfte, so glaubte dieser doch
darch den Schuz des Königs gesichert zu sein.
§. 5.
Philipp II. hatte seinen Bruder, troz langen Bittens und Flehens,
ohne alle Unterstüzung gelassen; D. Juan befand sich in der ver-
zweifeltsten Lage. Er verfiel in eine langwierige Krankheit, welche Don
ihn dem Grabe entgegenfahrte. Er starb am hizigen Fieber und am ^"^j,"
gebrochenen Herzen in seinem Lager vor Namur am 1. October 1578, tna Tod.
33 Jahre alt. Nicht Philipp IL, sondern D. Juan war das Ebenbild,
war der Erbe der Vorzüge seines Vaters. Sein früher Tod war ein
grosser Verlust für die katholische Sache. Aber seine Pläne giengen
in^s Weite und Ungemessene. An dem Plane, ein christliches Reich
in Afrika zu gründen, scheiterte und gieng zu Grunde in derselben
Zeit König Sebastian von Portugal. Der Plan D. Juan's, die Türken
aas EoTopa zu vertreiben, war schwieriger, als es D. Juan sich dachte.
Die Eifersucht Frankreidi's gegen das Haus Habsburg hatte schon
Franz I. von Frankreich zu einem Bunde mit den Türken getrieben.
Der Vertreibung det* Hugenotten aus Frankreich wäre wahrscheinlich sefn
die französische Eifersucht im Wege gestanden; endlich den Plänen
mit England und Schottland der geschlossene Widerstand der Schotten
und Engländer. Wir haben erst in unsem Tagen wieder erlebt, wie
weitschweifende Pläne einen andern edeln und hochherzigen Sprössling
Cliarak-
(or.
236 Dreizehntes Baeb, Siebentes ELapitel.
der Habeborger in's Verderben gestärzt haben. Traurig aber ist —
nach 80 glorreichen Anfängen dieses Ende; seiüem Vater war das
Loos doch anf das Lieblichere gefallen, der in der Einsiedelei von
S. Jast seine Tage im Frieden beschliessen dürfte^). — Man darf
sich nicht wnndem , wenn die Zeitgenossen anch diesen frohen Tod
des D. Juan einer Vergiftung zuschreiben'), (worüber wir kein ür-
theil haben); die Haut desselben war nach seinem Tode wie die eines
Menschen, welcher verbrannt worden.
§. 6.
^*- Seit dem Jahre 1578 schöpfte Philipp H. Verdacht gegen Anton.
läsRtden Perez, während dieser sich in der Gunst seines Herrn noch ganz sicher
p«rea fubltc. Philipp IL furchtetc den zügellosen Ehrgeiz des Staatssecretärs,
und seine Vertrautheit mit der Fürstin von Eboli weckte seine Eiier-
sucbt. So entschloss er sich denn, meinen Günstling fallen zu lassen,
ohne dass dieser etwas ahnte. Am ^*8. Juli 1581 wurden Perez und
die Fürstin von Eboli arretirt. Perez wurde anfangs in milder Haft
gehalten, und erlangte sogar eine theilweise Freiheit. Aber mit be-
rechneter Langsamkeit stillte Philipp U. an ihm seine unversöhnliche
Rachsucht. Im Mai 1582 wurde eine lange und strenge Untersuchung
gegen Perez begonnen. Es wurden viele Acte der Bestechlichkeit und
Bestechung nachgewiesen. Im Januar 1585 wurde Perez zu zwei
Jahren Strafhaft, zu zehn Jahren Verbannung und einer enormen
Restitutionssumme verurtheilt. Diese Sentenz wurde so strenge aus-
geführt, dass sie sich auch auf die Gemahlin des Perez, Juana Goello,
und dessen sieben Kinder erstreckte, die ihn zwingen sollten, ver-
schiedene den Konig compromittirende Papiere herauszugeben. Er gab
einen grossen Theil heraus, behielt aber die wichtigsten zurück. Als
der König alle Beweise seiner Theilnahme an dem Morde des Esco-
bedo in seinen Händen zu haben glaubte, so Hess er der Gerechtigkeit
ihren Lauf gegen den Vollbringer des Verbrechens. Der Minister
Vasquez, Nachfolger des Perez, zeigte sich besonders strenge gegen
') Lawrent, Van der Hamen et Lwn, Historia del Sefior Juan d'Aostria,
Madr., 1627. (Von ihm ist auch: Epitome de la Historia del rey D. Felipe II, wei-
cher al)er wenigstens zu seinen Lebzeiten nicht gedruckt wurde.) — BrueU de
Monipleinchamp^ Vie de D. Juan d' Autriche. Amsterd. 161^0. — Ranke^ FQrsten
und Völker in Südeuropa im sechszehnten und siebzehnten Jahrhundert (die otto-
maniscben und spanischen Reiche). — Goleccion de documentos ineditos (Brief-
wechsel von 1571— 15T7 etc.). Madn, 1843 (bes. Ober die Schlacht von Lepanto).
*) On croit g^nöralement, qn'il monmt empoisonnö. Biographie nniTerselle,
p. Didot — .ITöfer, t. 27; p. 115. Paris, 1858.
Proceaa gegen Ant. Perez« 237
Perez. Obgleich der Sohn des Escobcdo seine Klage gegen Perez
zurückgezogen — 1589, so wurde Perez doch auPs Schärfste verhört,
und, da er nicht antworten wollte, auf die Folter gespannt — 22. Fe- ^^^^^f^®"
bruar 1590. Noch erschöpft von dieser Marter, gelang es ihm, durch isw.*
eine List seiner Gemahlin, am 18. April zu entfliehen. Er erreichte
Aragonien und stellte sich unter den Schuz der privilegirten Gerichts- Batfl«»»*«
barkeit dieses Keiches. Die öffentliche Meinung hatte langst für ihn, /^g^.
als ein Opfer der Kacfasucht Philipp's II., Partei genommen. Philipp »«•«»•
hatte den Perez in Calatayud ergreifen lassen. Als Perez sich auf das
Privilegium der „Manifestados^^ berief, so wurde er nach Saragossa
gebracht, und dort in das Gefangniss des Königreichs oder der
„Freiheit" *) eingeschlossen. Die dort Gefangenen hingen nur von
dem „Justicia major" des Königreichs ab. Der König konnte sich
hier nur durch einen Fiscal oder Commissär vertreten lassen. Perez
stellte sich unter den Schuz der Privilegien „des Königreichs". Philipp
II. sezte es nicht durch, dass Perez wieder nach Madrid gebracht
wurde. So liess er denn die Akten des Processes nach Saragossa
schicken, und verklagte durch seinen Fiscal-Pröcurator den Perez als
schuldig, falsche Berichte an den König gemacht zu haben, nach
welchen der König die Hinrichtung des J. Esoobedo angeordnet habe,
Cabinetsbriefe gefälscht, und Geheimnisse des Staatsrathes verrathen
zu haben. Nun vertheidigte sich Perez durch Auszüge aus den eigen-
händigen Billeten des Königs. Erchreckt über den Scandal erklärte
Philipp am 18. August 1590, dass er auf die weitere Anklage ver-
zichte. Er glaubte dadurch der Schande zu entfliehen, dass Perez
durch einen definitiven Entscheid des Gerichtshofes freigesprochen
wurde. Auf Rache verzichtete darum der König nicht; er erklärte,
dass er in geeigneter Weise gegen Perez vorgehen werde. Damit er
nicht ganz in Freiheit gesezt würde, leitete er vor dem Regenten der
königlichen Audienz von Aragon einen andern Process unter der Form
„der Inquisition^' wegen Missbrauchs seiner Amtsgewalt ein. Im
Februar 1691 wurde Perez dem Gerichte der Inquisition überliefert, ^ero«
weil er in Verdacht der Häresie gekommen, wegen unüberlegter inquuiV
Aensserungen, die er im Verlaufe seines Processes gethau, z. B. „Gott "<>».
schläft, oder: Alles ist Täuschung, was man in Betreff seiner sagt,
oder: ist es denn vielleicht falsch, dass es einen Gott giebt««)? Troz-
dem beschloss der Rath der „Suprema" in Madrid am 21. Mai 1691,
dass Perez in die Gefangnisse der Inquisition gebracht weiden solle.
•) Auch Gefangniss de ,Faero de Aragon"; de ^Fuero«, oder do „Mani-
festados**.
'} Das Statut Desa's vom 17. Jani 1500, art 5, verbietet ausdrQcklicb, im
Zorne oder in der Hize gemachte AeusseruDgen aJs Härcsieen zu behandeln.
238 Drcizohntes Buch. Siebentes Kapitel.
Als Gefangener der Inquisition war Perez in der Gewalt des Königs,
da die Inquisition ihre Gerichtsbarkeit auch über Aragonien ausbreitete.
Am 24. Mai befahlen die Inquisitoren den Beamten des ^^Jasticia
mayor'^ unter Strafe der Excommunication, einer Busse voa 1000 Dn-
caten, und mehreren anderft Steigen, in Zeit von drei Stunden den
8«ra- Perez auszuliefern; denn es handle sich um das Verbrechen der Kezerei,
'^^''^Q dem Verfolgung kein weltliches Gericht das ,,heilige Tribunal'
•iioi. hindern könne. Der ^^Justicia mayor'^, Juan de Nuza, gab den Perez
heraus. Aber das Volk, besorgt um seine Privilegien, erhob sich so-
gleich unter dem Rufe: ,,VerrathI Es lebe die Nationl Es lebe die
Freiheit I Es leben die Fueros! Tod den Verratheml'^ Der Aufstand
wurde so geHthrlich , dass Perez in sein voriges Gefingnisa aoruckr
gebracht wurde. Die Inquisitoren flohen zum grossen Theile nach
Madrid. AuTs Nene sollte Perez am 24. September der Inquisition
ausgehändigt werden. 3000 Soldaten waren bereitgehsken , und alle
Gehilfen der Inquisition« Ein neuer Aufstand brach aus, und die
Soldaten zogen den Kurzem» Perez wurde unter dem Rufe: „Es lebe
die Freiheitl Es lebes die Fueros von Aragon'^ — durch die Strassen
der Stadt gefölnl. Eine Armee rückte gegen Saragossa an. Perez
wollte fliehen; aber die Passe der Pyrenäen waren besezt. Er hielt
porei sieh verborgen in Saragossa. Die Inquisition Hess alle ihr beliebigen
^l^Q Häuser durchsuchen. Durch (Madrider) Sentenz vom 1. Juli löUO
▼ernr- ^ar Pcrez zum Tode verurtheilt worden, und diese Sentenz sollte an
ihm vollzogen werden. Am 11. November 1591 floh Perez in der
Er rnt. Richtung der Pyrenäen. Auf seine Bitte nahm ihn Catharina, Schwester
Heinrich's IV., im Lande Bearn auf. Verfolgt von 300 Soldaten, ge-
langte er am 26. November nach Pau. Statt seiner mussten seine
Frau und Kinder zu Madrid gefangen sein. Noch im Jahre 1591
liess Perez zu Pau zwei Schriften iiber seine Verfolgung erscheinen.
„Philipp II. und die Inquisitoren boten Amnestie allen zum Tode
Verurtheilten , versprachen Aemter, Geld und Ehrenstellen jedem
Schuldigen (vor Gericht), welcher den Ant Perez ermorden oder ihn
als Gefangenen zurückfuhren würde^*'). Perez ging nach London, wo
ihn Königin Elisabet und Graf Leicester init Freuden aufualimen. Von
dort kehrte er nach Paris zurück, und liess sich hier bleibend nieder,
stets seufzend nach seiner Frau und seinen Kindern. Am 1 5. Februar
1592 forderte die Inquisition ihn auf, in Monatsfrist sich vor ihr zu
stellen« Denn da er mitten unter Kezern lebe, tfei er selbst ein Kezer.
Lange Untersuchungen wurden gepflogen, ob Perez nicht von einem
') So sagt Llorentef 111, p. 345, nod beruft sich dabei auf die sp&(cre Schrift
des Perez: „Uclations''.
Perez iipd die Inquisition. 239
Juan Perez abstamme, der aas Anlass des Mordes des heiligen Petras
Arboes am 13. November 1489 als rückfälliger Jode verbrannt worden
war. Alle Aussagen der 2ieugen waren verneinend. Dennoch strengten
die Inquisitoren eine Anklage in 43 Artikeln gegen Perez an, a* a.
weil er gesagt habe, es sei eine Ungerechtigkeit, die Aasfahr der
Pferde nach Frankreich (das damals sich im Kriegsstande gegen Spa-
nien befand), als eine Kezerei za bestrafen; denn die Franzosen seien
ja keine Kezer; weil er harte Reden gegen den Eonig aasgestossen,
^mit Yerachtnng der Lehre der Kirche, welche befiehlt, den Souverän
za achten und zu ehren' ^).
Am 1. September 1592 wurde Perez „als Verdächtiger in dem
höchsten Grade' za der Strafe der „Relaxation in eiBgie' verurtheilt,
„als formeller Kezer, überwiesener Hugenott, verhärteter Unbussfer-
tiger*' Seine Güter wurden confiscirt, seine Kinder und Enkel in der
männlichen Linie als ehrlos erklärt Am 20. October wurde ein grosses
Autodafe gehalten, und darin auch Perez „in effigie' abgewandelt. ^^^
Sein Bild trug die Inschrift: „Anton. Perez, Secretär des Königs, un- %mr-''
seres Herrn; geboren za Montreal de Ariza, wohnhaft zu Saragossa; ^<»<i^
überwiesener Kezer, Flüchtling und Rückfälliger.'^ Damals war Perez
in London. Nach Uorente entdeckte man sowohl zu London, als
später in Paris eine von Spaniern gegen sein Leben angezettelte Ver-
schwörung. Der Baron Rodrigo de Mur habe gestanden, dass Juan
Idiaquez, Minister Pfailipp's, ihn gesandt habe, um den Perez za er-
morden*). (Die blosse Aussage Uorente' $ aber beweist nichts.) —
Nach Philipp's IL Tode erlangte Perez die geho£%e Amnestie nicht;
denn die Inquisition hatte gesprochen. Im Jahre 1610, nach der Er-
mordung Heinrich's IV., seines Beschüzers, sebute er sich aufs Neue,
seine Familie wieder zu sehen, doch vergebens. Perez starb zu Paris Sein
am 3. November 1611. Seinen Kindern gelang es, das gegen ihn ge-
fällte Urtheil der Inquisition rückgängig zu machen. Sie brachten
u. a. ein Breve des Papstes vom 26. Juni 1607 vor, worin Perez „ad
caatelam*^ von kirchlichen Censuren wegen seines Umgangs mit Kezern
abaolvirt wird, sowie verschiedene Z^eugnisse, nach denen er zu Paris
als gnter und frommer Katholik gelebt, und als solcher gestorben sei.
Zwar die Inquisition von Saragossa wollte ihr Unrecht nicht zuge-
stehen. Aber über dem Gerichte der Inquisition, die sich in diesem
Processe als reines Werkzeug der weltlichen Gewalt, vielmehr als
Organ eines erbosten, nach Rache dürstenden Königs erwiesen, stand
der oberste Gerichtshof der „Suprema'', welcher damals anders als im
Tod
1011.
') Aber nicht, darob ihn das sichtbare und nnsichtbaro Oberhanpt der Kirchs
in den Hintergrund zu drSngen.
•) LUyrente, III, p. 356—367.
240 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapitel.
Jahre 1592 zusammengesezt war. „Die politischen Gründe, welche im
Jahre 1592 den Ant. Perez hatten verortheilen lassen, existirten jezt
nicht mehr/^ Er cassirte das frühere Urtheil, ,,in Ansefaang neuer
Dm An- im Proccss erschienener Documente hob er die Sentenz anf, welche den
do° Pe- -^^ Pöfez verurtheilte;*' er erklärte den guten Ruf desselben wieder her-
reireha- gestellt; Seine Kinder und Nachkommen wieder föbig, Ehrenämter zu
^^^l* bekleiden — 1615. Philipp III. schrieb an den Rand des ihm vor-
gelegten Decrets: ,,Man vollziehe, was in gegenwärtigem Decret ent-
halten, weil es, wie man sagt, der Gerechtigkeit entspricht^^ Am
2. Mai 16 !ö wurde die Inquisition von Saragossa aufgefordert, dieses
Decret zur Ausführung zu bringen. Noch im Jahre 1654 kommen
Spuren von diesem Processe vor. Auch Rom nahm sich in diesem
Processe der Familie des A. Perez*) an.
Das Ende des D. Carlos, und der Process gegen Perez und die
Fürstin' Eboli haben am meisten dazu beigetragen, den guten Ruf
Philipp's auch bei den Katholiken ausserhalb Spanien's zu schädigen.
— Die Verhöre der Eboli Hessen „keinen Zweifel über die Natur der
Beziehungen zwischen ihr und Perez, und ihrer Theilnahme an dem
Morde Escobedp's'^ Aber die Richter waren erklärte Feinde der An-
geklagten. Die Thatsachen, welche der Fürstin zur Liast fielen, waren
wenige. Sie wurde nach einiger Zeit entlassen« Die Historiker sind
über ihre Schuld nicht einig. Leop* Bänke spricht sie frei von Schuld,
Mignet behauptet, sie sei Maitresse des Ant. Perez gewesen. Dieser
fasst sein Urtheil über Perez also zusammen:
fjrthoiie ,^Ohne einer der grossen Minister Philipp's IL zu sein, besass
er doch eine Zeit lang die ganze Gunst dieses Fürsten, und war die
mächtigste Person der spanischen Monarchie. Nachdem er allzaleiclit
zur Gewalt gelangt, wusste er sich selbst nicht zu beherrschen, und
benahm sich, nachdem er gleichsam auf dem Wege der Erbschaft Mi-
nister geworden, als einen wahrhaftigen Abenteurer. Leidenschaftlich,
geizig, ein Verschwender, zugleich gewaltthätig, Intriguant, indiscret,
bestechlich, brachte er sein unordentliches Leben an einen Hof von
strengem Aeussem, störte er mit seinen Agitationen einen Fürsten, der
an eine stille Würde gewöhnt war, beleidigte er durch die Rivalität
res.
') Las obras y relaciones (Memorial et Relaciones) del hocho de sa Coosa —
p. D. Ant. Perez; Paris, 1598; Genev., 16J1. 8*. Llorente^ Histoire de F Inqui-
sition, III, p. 316—375. — Antonio Perez, Secretario de Estado del rey Felipe 11.
Eatadios histörieos por D. Salvador Bermudez dt Castro^ Madr., 1841. — Antonio
Perez et Philippe II, par A M. Mignet, 1845. Paris, 1854, (Madr., 1852). — Co-
leocion de documentos ineditos, Madr., 1812, t. I (Prision de Antonio Perez y de
la princesa de EvoH). — Philipp sah von der Vorhalle einer gegeDfiberstehenden
Kirche zn, als und wie die Eboli arrctirt wurde. — A. Pcrcz ist auch dramatisch be*
handelt worden.
Portugal herrenlos« KOnig Sebastian von Portugal. 241
seiner Liebschaften und die Frechheit seines Vorgehens einen heuch-
lerischen, rachsüchtigen nnd absoluten Herrn« Aber durch die reichen
Hilfsquellen seines Geistes, die er in der Zeit seiner Verfolgung ent-
wickelte, entwaffnete er seine Gegner und erlangte die allgemeine
Sympathie. Doch seine alten Fehler begleiteten ihn auch in die Ver-
bannung, und er starb arm und verlassen."
§. 7.
Seit dem Tode des grossen Königs Emmanuel (13. December
1521) schwand auch die Grösse Portugal's dahin. Manuel hatte von
52 Lebensjahren 26 regiert« Sein Sohn Joaö IlL regierte 36 Jahre;
seine lange Regierung war aber keine gluckliche. Er starb, erst
55 Jahre alt, am 11« Juni 1567. Sechs Sohne und drei Töchter giengen
im Tode ihm voraus« Von seinen Söhnen starb zulezt Joaö, der Erbe
des Thrones. Vermahlt mit Juana, der Tochter Carl's V., starb er am
2. Januar 1554, erst 16*/, Jahre alt. 17 Tage nach seinem Tode
warde ihm ein Sohn geboren, Sebastian. Die Königin- Wittwe Catha-
rina war Reichs Verweserin bis zum Jahre 1562; nach ihr führte der sebM-
Cardinal - Infante D, Henrique die Regentschaft von 1562—1568. Im*^^'^*«."
Jahre 1568 übernahm Sebastian die* Regierung, nicht um im Frieden mg ron
Portugal zu regieren, sondern sogleich seinem abenteuerlichen Plane ^^'
eines Feldzugs nach Afrika zugewendet. Ebenso wenig liess sich
Sebastian von dem Entschlüsse abbringen , keine Ehe zu schliessen.
Denn die Ausführung desselben musste das Ende des Königreichs
Portugal herbeifuhren, sowie den Anfall an Spanien» Sebastian be-
tete stets zu Gott, dass er ihn keusch erhalten möge; als ob es
im Ehestande keine Keuschheit, und als ob es nicht viele heilige Ehe-
manner und Ehefrauen gäbe. Schon im Jahre 1574 machte er mit
geringer Macht einen Feldzug nach Afrika, von dem er voll Kriegs-
lust zurückkehrte. Es half nichts^ dass seine Grossmutter Catharina
(t 12. Februar 1578) sterbend sprach: „O dass seine Hoheit nicht
lach der Berberei übersezel Rathet ihm, dass er nicht dahin gehe, wie
ich es immer gethan habe, und jezt thue. O, er gehe nicht, es
ommt nicht.^
Dennoch gieng er. Aber wie bei Philipp IL, der troz des Rathes
Her nicht nach den Niederlanden ging, so traf bei Sebastian, der troz
es Abrathens Aller nach Afrika gieng, das Wort zu: „Wem nicht zu
then, dem ist nicht zu helfen.^ Philipp IL wies die Einladung Se-
stian's, mit ihm zu ziehen, von sich, und soll ihm persönlich gerathen
ben, den Feldzug nicht selbst mitzumachen. Doch versprach er ihm
Hilfscorps von 5000 Mann. Sebastian hoffie so fest auf die
oberang von Fez und Marokko, dass er sich in Portugal Scepter
Garn«, «iMUi. Klrebe. III. 9. 15
242 Dreizehntes Bucfa. SiebeDtes KapiteL
^nach* ^^^ Krone für die Eaiserkronung hatte anferügen lassen. Nur etwa
Harok- 9000 Mann brachte er zasammen, nnd diese waren ungeübt und nn-
^°* erfahren. Dazn kamen etwa lOOO Castiiianer, 3000 deutsche Reisläufer,
700 Italiener, etwa 500 Freiwillige, und 1000 Reiter. Am 4. August
1578 kam es bei Alcacer am Flösse Macazem zur Schlacht. Die Portu-
giesen wurden von dem viermal starkern Heere der Mauren ganz um-
ringt, und von ihnen blieben nicht 1000 Mann übrig. Wie ein Löwe
kämpfte Sebastian ^ er wollte sich znlezt gefangengeben, wurde aber
von den Mauren niedergehauen. Auch zwei Könige der Mauren ver-
loren das Leben'). —
König Der Cardinal -Infant Henrique wurde nach Sebastian Konig. Er
]578_'war 67 Jahre alt, kränklich, nnd entsprach nicht den Hoffnungen, dir
1580. Manche auf ihn sezten. Ein Vermählungsplan desselben misslang.
Jezt wollte er Philipp II. zu seinem Nachfolger erwählen lassen. Der
Klerus stimmte bei, der Adel zur grössern Hälfte, die Städte wider-
sprachen. Ohne Entscheidung erlebt zu haben, starb der Konig am
HI. Januar If^SO, an demselben Tage, und zu derselben Stunde, an
der cj- vor G8 Jahren geboren worden. Mit ihm starb das alte Königs-
geschlecht von Bnrgund aus, das mit dem Grafen Heinrich nicht so fast
den Thron PortugaFs bestiegen, als diesen Thron erst begründet hatte ^).
^^^- Als Philipp IL sah, dass er auf dem Wege der Succession kaum
n. Tor- König von Portugal werden durfte, beschloss er, seinen Rechten durch
tiigai. (Jie Gewalt der Waffen Anerkennung zu verschaffen. Die Leitung des
Heeres übergab er dem „eisernen* Herzog von Alba, der von 1573
— 1580 auf seinen Belgischen Lorbeeren geruht hatte. Die Theologen,i
welche Philipp befragte, stimmten ihm alle bei, dass, wenn die Portu-i
giesen ihm sein Thronrecht streitig machten, er zu den Waffen greife]
dürfe. Der Papst habe hier nichts darein zu reden, da die Sache reil
weltlich sei. Philipp H. vereinigte Milde mit Strenge. Wir selbi
') Manoel de Menezes, Chronica do principe den Sebastiao rey de Portu
Lisboa, 1730, 2*. — Ibid., (unter andenn Titel) 1737.
') Die erwähnten Werke von Dam. Goe^^ Sousa^ Os&rius etc. Conestaggii
Jeronimo de Franchi, Dell' unione del re^o di Portogallo alba Corona di C
stiglia hi8toria.;Genoa, 1585. 4'. (verfaMt von Jocu} de Silva, Graf von Portalegre)
Genna, 1589; Venedig, 1592; Milano, 1616: Florenz, 1642.) Spanisch: Historia
la Union etc., por Luis de Bavia. Barcel, 1618, 4*. — Lateinisch: de Portagali
conjnnctione cum regno Castillae; Francof», 1602; 1610. Französiseb: von C
Nardin. Besanc., 1596; Arras, 1600; Paris, 1680.
Damit steht Im Znsammenhange das Werk (ttb. die Schlacht v. 4« Aug. 1571
Jornada de Africa, por Jeron, de Mendoza, on quäl se responde a Jerotu FYangu
o a outros, e se trata do successo de Batalha, et Cativeiro, e dos qne nelle peri
cerao por nao serem Mauros, con ontras cousas dignas de notar. Lisboa, IGO'
4*. — Eibeiroy Dissertacoes chronologicas etc., t. I, Lisb., 1810, p. 334 sq. -
Heinr. Schäfer, Gesch. von Portugal, 3. Bd., 1850 (von 1495— 1580).
Annexirang vod Portugal. 243
glauben, dass ihm gemäss der Verwandtschaft die Regierung über
Portugal gebührte , betrachten aber die Vereinigung von Spanien und
Portugal als ein grosses Unglück für die beiden feindlichen ,,Brüder'*-
Völker, wie der Erfolg in Bälde zeigte. Alba hatte fast 20.000 Mann,
10.000 Spanier, 4500 Italiener, 3500 Deutsche, 1500 Reiter. Philipp II.
wu88te, dass die Portugiesen Hilfe gegen ihn bei andern Fürsten, u. a.
bei Frankreich gesucht, und entschloss sich zu schnellem Vorgehen.
Ein neues Gutachten von 30 Theologen der Hochschule Alcala, deren
tlieologische Facultät damals die erste in Spanien war, welche von
dem frühern Gutachten nichts wussten, lautete einstimmig, dass Phi-
lipp n. Portugal erobeni dürfe. Die Festung Elvas ergab sich frei-
willig, wo Philipp II. am 5. December 1581 seinen Einzug hielt ^).
Es ergaben sich die Städte Olirenca, Serpa, Moura, Arronches und
Portalegre, auch Montemor und Evora. Das Land südlich vom Tajo,
mit Algarve, fiel ohne Schwertstreich dem Könige zu. Das feste Setuval
übergab sich Alba ohne einen Kanonenschuss. Als aber Alba nach seiner
in den Niederlanden angenommenen Sitte, mehrere Heerführer der
Portugiesen hinrichten Hess, so schlug die Stimmung der Einwohner
von Lissabon in Schrecken und Abscheu um. Alle Spanier, die sich
entfernt vom Heere treffen Hessen, wurden grausam ermordet. Land-
leute, Mönche^ Weiber und Kinder wetteiferten in Steinwürfen und
StÖBsen. Ein Heer von c. 10.000 Mann hatte sich unter dem s. g.
Prior AntoniOy der, wie Philipp II., ein Becht an die Krone zu haben
glaubte 9 bei Alcantara nahe bei Lissabon gesammelt. Es kam zum
Kampf. Die Portugiesen flohen gegen Lissabon. Die Flotte der
Portugiesen musste sich den Spaniern ergeben. Auch Antonio floh
in die Stadt, und Hess die Gefängnisse eröffnen, aus welchen nicht
bloss die Verbrecher, sondern auch die gefangenen Anhänger Phi-
lipp's II. hervorgiengcn*). Lissabon ergab sich, unter Gewährleistung ^ ^
der Sicherheit der Personen und des Eigenthums. Doch wurde der obert
grössere Theil der Stadt drei Tage lang geplündert.
PhiHpp U. berief die Cortes nach Thomar^ wo er sich und
.'einem Sohne huldigen Hess. Er ertheilte eine sehr beschränkte Am*
uestie. Am 19. April 1582 wurden die Cortes eröffnet. Der König
beschwor 'die Rechte der Portugiesen, versprach ziemlich dasselbe, was
König Immanuel im Februar 1499 beschworen hatte, als er und sein
Sohn Michael präsumtive Thronerben von Spanien waren ^). Sollte
.ber der Fall eintreten, erklärten die Cortes, dass Philipp II. oder seine
I^isaa-
*} Conestaggio, Lib. V. — Lmz de Menezes, Portugal, restaurad, 1. I.
*} Quasi post tantam bominnm stragem in pauculis malefiois aliquid spei
«nperesaet, Thuanus, historia sni tcmporis, 1. 70, p. 558. ConestaggiOf p. 195.
^) Klrcbengeschichte von Spanien, llf, 1, p. 850.
16»
244 Dreizehntes Bach. Siebentes Kapitel.
Nachfolger nicht Alles, was versprochen und beschworen worden, genau
beobachteten, so wiirden die drei Stande des Reichs nicht verpflichtet
sein, das Uebereinkommen zu halten und konnten frei die Unterwerfung
und den Gehorsam verweigern, ohne desshalb in das Verbrechen der
verlezten Majestät oder in einen andern Schaden zu verfallen*).
Philipp II. hielt am Feste der Fürsten der Apostel — 1582 seinen
LiMabo- Einzug in Lissabon, unter dem Zudrange und Jubel einer zahllosen
ner ju- Menge, empfangen vom Magistrat der Stadt. Unter einem goldge-
iipp II. stickten Baldachin begab er sich zu Pferd zuerst in die Cathedrale,
*»• von da in den Palast, wohin ihn der ganze Adel zu Fuss begleitete.
Portugal hatte innerhalb weniger Jahre fünf Eonige gehabt, und jubelte
dem neuesten mit frohen Hoffiiungen entgegen. „Alle fünf richteten
ihre Unterthanen zu Grunde (sagt Conestaggio)^ Sebastian durch Ver-
wegenheit , Henrique durch Unentschlossenheit , die Governadorcs
durch Furcht und Sondervortheilc, Antonio durch Tyrannei und Phi-
lipp mit den Waffen. Allein damals, als er (in Lissabon) einzog,
während fast Alles ruhig war, glaubte man, dass die frühern Bekümmer-
nisse und Drangsale in Heiterkeit umschlagen würden."
^suüu** * Aber Portugal verlor mit seiner politischen Unabhängigkeit zu-
gleich seine Macht; das Ansehen des Volkes in Europa sank schnell
dahin; man redete nicht mehr von Portugal, nur noch von Spanien.
Beraubt ihrer eigenen Schwungkraft, siechte die Nation traurig dahin.
Die Nation verarmte, wurde geplündert und herabgewürdigt, ihr Wohl-
stand und ihre Würde verschwanden. Von Lissabon aus bemühte
sich Philipp um die Unterwerfung der portugiesischen Colonieen, ein^
sehr mühsame und blutige Arbeit. Trozdem fand Philipp in Lissaboai
Zeit^ sich um die kleinsten Einzelheiten der Synode von Toledo
Jahre 1582 zu bekümmern, und über kanonische Stunden und alll
Formen des Gottesdienstes seine Aussprüche zu thun. Er war mel
Eirchenfürst, als Staatsmann, mehr Sacristan als Finanzmann. Lezter<
war seine wundeste Seite. In Strömen floss das Gold ihm zu, ui
sein Staatsschaz war allzeit leer.
Philipp's Plan, mit der Wittwe des Herzogs von Braganza si«
zu vermählen , scheiterte an deren unbesiegbaren Widerwillen. II
Sohn Tkeodosio würde, so hoSte sie, einst Eonig von Portugal werdet
Philipp II. Hess bei seiner Abreise — 11. Februar 1583 — die P<
tugiesen in der grossten Unzufriedenheit zurück, welche der Statthalü
Cardinal Albert von Oesterreich, noch vermehrte. Mehrere ülsc]
„Sebastiane^^ traten auf, und weckten und tauschten die Hoffnung(
des Volks'). Sechs Portugiesen wenigstens sahen Sebastian's vi
') ConestaggiOj üb. 8. — Thuanus^ IIb. 81. —
*) Confossua est (Sebastianns), praeaente Nunio Masoaregna, penes quem um
rei fides erat Thoan., lib. 65.
Die ScbaBtiane. 245
stümmelten Leichnam. Derselbe wurde nach Ceuta gebracht, dort
vor einem Notar und vor Zeugen dem Commandanten von Ceuta
übergeben. Philipp ü. liess den Leichnam in der königlichen
Graft zu Belem beisezen. Trozdem glaubten alle Portugiesen, diess
sei die Leiche eines andern. Ihre sehnsüchtige Liebe zu dem Könige,
ihr Widerwille und Hass gegen die Herrschaft der Spanier trieben sie , *,,^,„ '
dem „falschen Sebastian^^ in dritter und vierter Auflage in die Arme, sebu-
Im Jahre 1585 trat der Sohn eines Ziegeldeckers als König „Se- ^*^^'
bastiaii^^ anf, er wurde durch die Strassen von Lissabon gepeitscht, und
busste lebenslang auf den Galeeren. Dann trat der Sohn eines Steinhauers
als „Sebastian^^ auf. Er bekannte seine Betrügereien, und wurde zum
Galgen verurtheilt. Im Jahre 1595 begann ein Zuckerbäcker von Toledo
dasselbe Spiel, und dabei ein Liebesabenteuer mit einer Nonne. Ihn und
den Beichtvater der Nonne, der dazu geholfen hatte, traf die Todesstrafe.
Aber im Jahre 1598 trat der relativ wahrscheinlichste unter den
falschen „Sebastianen^^ zu Venedig auf, der durch seine Angaben in
ganz Europa grosses Aufsehen machte. Er wurde endlich vom Yice-
könig von Neapel arretirt, auf die Galeeren gesezt und nach Spanien
gesandt, wo er sein Leben im Gefängnisse schloss. Um so fester glaubten
die Portugiesen an seine Aechtheit und thaten beim Papste und bei An-
dern alle möglichen Schritte, damit ihr König ihnen ausgeliefert werde*
Zwei Mönche endeten dafür am Galgen. Die Portugiesen waren über-
zeugt, dass er der wirkliche Sebastian gewesen. „Philipp's Behörden
vermochten den Gefangenen nicht des Betrugs zu überfuhren, und so
brachte ihn Philipp (III?) im Kerker zum Schweigen .^^ — Philipp
hielt die wenigsten der von ihm zu Thomar beschwomen Punkte. Nicht
von Lissabon, sondern von Madrid aus wurde Portugal regiert. Por-
tngal's Waffenvorrilthe wurden nach Spanien gebracht Die Justizstellen
wurden nur in Madrid, und zwar um theures Geld erworben. Viele
wurden insgeheim hingerichtet, d. i. in's Meer gestfirzt, das die Leichen
wieder auswarf'). — Arzilla in Afrika trat Philipp II. gegen 200.000 Gru-
zados an Marokko ab.
Die Prediger weckten stets den Unabhangigkeitssinn der Portu-
giesen. Der Jesuit P. Luiz Alvarez predigte einst vor dem Cardinal
Albert and sprach aus Anlass des Evangeliums vom Gichtbrüchigen
zu ihm: „Surge^ tolle grabatum tuum, et ambula. — Serenissimus
Prinz'^ Diese Worte wollen sagen: „erheben Sie sich schnell, nehmen
•) In einer Anmerkung sagt Schäfer: Portng. restor., I, p. 39. Brandaö,
1, p. 22.) Ueber 2000 Geistliche und Ordenspersonen sollen damals in Portugal
nsd auf den Inseln im Geheimen hingerichtet worden sein. Nach Thnan. lib. 78.
Spondani annaL, ann. 1583, nr. 4. Lezterer sagt nur: On en fit mourir plusieurs
saiTCBf et la peste emporta bien deox mille Frestres et Moynes dans le Portagale
dans'ces mesmes Isles.
246 Dreizehntes Buch. Siebcnfcs Kapitel.
Sie ihr Bettgeräth und gehen Sie nach Ilause/^ Sebastian kehrte nicht
wieder, aber Portugars Losreissung von Spanien erfolgte 60 Jahre
nach seiner Angliederung an das y,8tammverwandte'% aber von den
Portugiesen tödtlich gehasste Spanien').
§. 8.
Am 8. Februar 1587 war die unglückliche Maria von Stuart in
ihrem Gefängnisse zu Fotheringhay enthauptet worden, im zwölften
Jahre ihrer Gefangenschaft, im funfundvierzigsten Jahre ihres Lebens.
Sie starb mit Ergebung, und treu ihrem Glauben. In der Zeit von
1558 — 1587 war ein protestantisches Geschlecht in London herange-
wachsen. Seine Freude über Maria's Hinrichtung war so unbändig,
dass man in London 24 Stunden mit allen Glocken läutete, und
Freudenfeuer vor den Hausthären anzündete, wie am Set Johannis-
Abend. Der Protestant DaUmann nennt diess eine „gemeine That
und ein gemeines Behagen daran.^^ In Folge davon, und ans andern
Phi- gewichtigen Gründen rüstete Philipp U. zum Krieg gegen Elisabeth;
ul^Eiisa- 135 Kriegsschiffe mit 8000 Matrosen und 19.000 Mann Landnngs-
beth von truppen sammelten sich in Lissabon — 1588. Alexander Farnese, der
°^ ^ ' Statthalter der Niederlande , sollte auf flachen Schiffen 30.000 Mann
aus Flandern an die Küste von England fuhren. Die Flotte der Eng-
länder war an sich der spanischen überlegen, und stand unter gefeierten
Admiralen. Lord Howart, der die Flotte führte, war zwar Kaüiolik.
„Aber der katholische Theil der Bevölkerung fühlte weit mehr vom
') Chronica do principe D. Sebastiane, por Menezes (Jos. Pereira Baiao]\
Lisboa, 1730, 2^ — Historia sebastica; contem a vida de D. Sebastiano, rey de
Portugal, e es saccessos memoraveis do reino e conquista no seu tempo, por Fr,
Afanoel dos Santos. Lisboa , 1735 — in fol. (darin aocb die Schrift des Jeron.
Almeida über die Todtenfeier des D. Sebastian, 1582). — Hemorias para a historia
de Portugal, que comprehendem o governo del rey D. Sebastiano • . • do anno de
1554 atö ao anno de 1561 (1578), por Z>. Diego Barbosa Machado. Lisboa,
1736 — 1739, 4 vol. 4*. — Chronica de el rey D. Sebastiao, por Bern, da Cruz,
public, por A. Heradano e o Dr. A. Payva^ Lisboa, 1837, 8*. Portugal cuida>
doso e llastimado com a vida, e perda do Sr. rey D. Sebastiao, pelo P. Jos.
Pereira Bayao. Lisboji, 1787, 2". — Jornada y muerte del rey D. Sebastian de
Portugal, por Ant. de San Roman; Vallad., 1603. 4*.
Historia de Portugal, y conquista de las islas de los Acores^ en 1582 et
1583,. p. Ant, de Herreras, Madr., 1591. 4*. — Invasion et occupation du royanme
de Portugal en 1580, par L. A, Eebello de Silva, Par., 1864, t. I. — Brieve et
sommaire descripcion de la vie et mort de D. Antoine I , rey de Portugal (par le
prince Christophe, son fils), Par., 1629. — Histoire de D. Antoine, roy de Por-
tugal, tir^ des mömoires de D.Oomez Vasconceüos de Figtteredo^ Amsterd., 1690.
— H. Schäfer, Gesch. von Portugal, Bd. IV, 1852, p. 833-422.
Die „blutige'' EHsaboth von England. 2J7
Engländer, als vom Papisten in sich." Am 19. Juli 1588 langte Phi-
lipp's „Armada" im Kanal an. Mächtige Stürme bekämpften und
überwanden die spanische Armada. In einer Seeschlacht bei Grevelingen
am 30. Joli verlor die Armada 13 — 14 ihrer schönsten Schiffe. „Die
sinkende Sonne sah die Niederlage der Spanier entschieden." Ungefähr
die Hälfte der Schiffe kehrte nach Spanien zurück. Schwer habe sich
em Höfling gefunden, der Philipp IL die Hiobspost bringen wollte.
^Er findet den Philipp am Schreibtische (wie immer); der legt die Feder
nieder, vernimmt, was geschehen, dankt Gott, dass es nichts Schlimmeres
sei, und fkhri zu schreiben fort"*).
,^Wirklich heillos aber war es, sagt derselbe DaTdmann^ dass nach
solchen Bewährungen eines wahrhaft königlichen Verhaltens in Glaubens-
sachen jezt Elisabeth die Untersuchungen gegen Katholiken wieder
anhob, und die Strafen gegen ihre s. g. Recüsanten, wollten sie nur
bloss die Gotteshäuser der Staatskirche nicht besuchen^ oder sogar
den Supremat (der Konigin) verwerfen, recht eigentlich als Finanz-
quelle benüzte, gleich als gälte es nur auf jede Art die Kriegskosten
wieder einzubringen. Ihre Taxe war 20 Pfund monatlich' von jedem
katholischen Kecusanten, und sie trieb unbarmherzig ein von Allen,
die in dem Verzeichnisse standen, welches in jeder Grafschaft gefer-
tigt werden musste. Einem Edelmanne rechnete man 69 Monate
nach, in welchen er die Kirche nicht besucht hatte, deren Gebräuche (•so''
mit seinem Glauben stritten, und er musste l380Pftind büssen. Zwar ^"'*'
... . . . both.
erklärte er, die Königin sei allen Excommunicationen zum Troze seine
rechtmassige Gebieterin, und er sei stets bereit, sie mit Gut und Blut
gegen alle Fürsten, Päpste, Potentaten, Prälaten und sonstige Feinde
zu vertbeidigen. Manche fanden sich darum lieber mit einer ermäs-
sigten jährlichen Zahlung ab; die unvermögenden erlitten Leibesstrafen.
Auf das Anhören einer Messe standen 100 Mark Brüche und ein-
jähriges Gefängniss. Ertappte man bei den häufigen Haussuchungen
einen katholischen Priester in einem Hause, so verwirkte der Hausherr
sein ganzes Vermögen. Aber zu der Habsucht gesellte sich bald die
Gransamkeit. „Unvermeidlich war, dass der entdeckte Priester noch
sch^rerer büssen musste als sein Hehler; es blieb nichts übrig, als ihn
zu todten. In den 14 Jahren von der Bezwingung der Armada bis
auf den Tod der Königin erlitten über 100 Katholiken den Tod,
GL Priester, 47 Laien und 2 Edelfrauen. Mit diesem Verfahren war
der greise Minister Burleigh ganz einverstanden; er sagte, kein katho-
lischer Priester ertheile Absolution, ohne sein Beichtkind von dem
Gehorsam gegen die Königin abwendig zu machen; „doch sei mit dem
Hängen der Priester genug gethan, das Schleifen zum Richtplaze und
Die
*) Lingard, Vlll, p. 288. DaMmann, p. 128.
248 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapitel.
das Viertheilen unterbleibe besser," Den Puritanern ergieng es nicht
besser, als den Katholiken').
§. 9.
Im Verlauf der Jahre wurde Philipp IL immer argwohnischer,
abgeschlossener, unzugänglicher, unentschlossener, schwermütbiger und
mürrischer. Es lag auf ihm eine Centnerlast, und er wollte oder
konnte sie nicht abwälzen. Er schien das Mitleid der Menschen an-
zurufen, aber es war ihm nicbt zu helfen. Schon um das Jahr 1583
sagte der Cardinal Granvella sehr bezeichnend von ihm: „Sein ein-
ziger Entschluss in allen Dingen ist es, beständig unentschlossen zu
bleiben.^^ So mussten alle Angelegenheiten des Reiches in's Stocken
gerathen. Indem er sich mit dem Kleinen und Kleinsten abquälte,
zerfloss und zerfiel daa Grosste. Er handelte, wie einer, der gleich
Gott, Alles weiss und für Alles zu sorgen hat. Weil er für Alles
sorgen wollte, sorgte er im Grunde für gar nichts; denn es war ganz/
zufällig, worauf gerade seine Thätigkeit fiich richtete. Er war viel-
leicht der fleissigsüe Arbeiter in seinem ganzen Jahrhundert. Aber
beim Anblick des unendlichen Details, in das er sich verlor, mnss mau
fragen: ad quid perditio haec? Die Könige sind nicht da, um zu ver-
walten, sondern um zu regieren, d. i. andere in ihren Geschäften
zu leiten.
Der Ludwig XIV. war, verglichen mit Philipp II., darum ein grosser
PM- Begent, weil er für jeden Plaz den besten Mann ausfindig machte^ und
"Pf» u. ihn dann seinem Wissen und Gewissen überliess. Philipp II. schul-
meisterte seine Minister, wollte Alles besser wissen als sie, zankte sie
aus, wenn sie zufällig etwas nicht mehr wussten, woran er sich er-
innerte. Vergebens stellte ihm Granvella vor, dass er durch sein
Weise, zu arbeiten, und die Unmasse seiner Arbeiten nur die Kraf\
seines Korpers und Geistes aufreibe. Philipp war so eigensinnig, wie
ein verzogenes Kind und hielt sich in Allem für unfehlbar.
Dieses ewige Zögern und Zaudern, der Mangel an Entschlossen-
heit und frischer Thatkrajft, der Wahn, die lebensvolle Welt wie eirn;
Anzahl von Drahtpuppen an den lahmen Stiften seiner Staatsdepescheii
von seinem Zimmer aus regieren und lenken zu können, ist auch in Baum^
siMrVs Augen Philipp's allerschlimmste, wahrhaft verhängnissvolle Eigen
Schaft, deren Grund er in dem Mangel des eigentlichen Herrscher
Genius findet, deren Grund wir in Philipp's Eigensinn und unbändige^
Herrschsucht finden, in der er Gott und dem Volke gar nichts über
e
*) Joh. Lingard, Gesch. v. England, Bd. S, Frankf , 1828, S. 296 — 301]
J. CkaUoner, Memoirs of miaslonary priests, etc. — (Dentsch, Regensb., Ifö3«)
Philipp U. der Sohreiberköuig. 249
lassen, in der er wie eine im Fleische wandelnde Vorsehang für Alles
allein sorgen wollte^).
Seine Verschlossenheit nnd UnzUganglichkeit fand aach zu seiner
Zeit Tadler. Sein Grossalmosenier D. Luis Manrique schrieb ihm
einmal: ^Gott hat Euere Majestät, und die übrigen Eonige, welche in
seinem Namen die Lander regieren^ nicht dazu geschickt, dass Sie
sich zurückziehen, um zu lesen und zu schreiben, ja nicht einmal, um
zu betrachten und zu beten, sondern damit Sie dastehen als öffentliche
und allgemein zugangliche Orakel politischer Weisheit, an welches jeder
Unterthan sich wenden kann, wenn er eines Ausspruchs bedarf* Und
wenn irgend ein Eonig in der Welt diese Gnade von Gott empfangen
hat, so ist es Euere Majestät; darum wäre die Schuld um so grösser,
wenn Sie nicht Allen sich zur Verfügung stellen wollten.'^ Baumstark
bewundert Philipp, der so mit sich reden Hess. Wir würden ihn be-
wundem, wenn er nach diesen weisen Mahnungen sich gerichtet hätte.
Aber wie ein starrer, unbeweglicher Fels, blieb er stets derselbe;
nicht seine guten, sondern seine schlimmen Eigenschaften nahmen ihn
stets ausschliesslicher in Besiz.
Erst als es mit ihm zum Ende ging, zeigte er wahren Helden-
muth und wahre Seelenstärke. Elein und kleinlich im Leben, wurde
er gross im Sterben. Die schrecklichen Leiden, die Gott über ihn
sandte, ertrug er mit unbesiegbarer Geduld, und ein Laut der Elage
kam nicht über seine Lippen').
*) Aehnlich sagt der Philipp II. sehr wohlwollende Graf Fall<mx: „Indem
man Alles auf Ziffern reduoirt und alle übrigen Menschen rücksichtslos bei Seite
setzty wird der Geist unerbittlich wie das Gesez der Zahlen. Aus Unkenntniss der
unzähligen Eigenthümlichkeiten der Menschheit wird das Unheil ein unrichtiges und
die Gerechtigkeit, die erhabenste Tugend eines Königs, kommt ans Mangel an Milde
in Gefahr oder gerftth auf Abwege''. — FaUoux, S. 91 — 92.
*) Phelipe segnndo, rey de Espafia (hasta 1583), por Luis Cabrsra de Cor-
dova. Madrid, 1619, foL (Der Druck des IL Bandes gedieh nicht zu Ende). Wie
Camera nur bis zum Jahre 1&83 reicht, so reicht W. Prescott in seinem mehrfach
erwiihnteD Werke: History of the Reign of Philip the second, King of Spain —
New edition. Philadelf., 1874, 8 t., nur bis zum Jahre 1580, oder bis zum Tode
der Königin Anna von Oesterreich. — La vida del catholico D. Filippo II. d'Austris,
rh delle Spagne, con le gnerre de* suoi tempi, descritte da Cesare Gampana, col
Supplemente d'Agostino Campana. Vicenza, 1605—1609, 5 tom. in 3 vol. — 4*.
— .806. WaJtsm, History of the reign of Philip the IL, King of Spain. Lond.,
1777—1778, 2 voL 4% (in 8* — Lond., 1779, 1785, 1803, 7. Aufl., 1812 - in 3 voL
— Franzis. Uebersezung v. Mirabean nnd Darival, Amsterd. 1778, 4 od. 12*. —
Histoire de Philippe II, roi d*Espagne, par Alex, Dwnesnil, 2 edit, Paris, 1824.
— Das Werk PresooWs erschien zuerst 1^55—1858 in 8 Bänden zu New- York. —
Reeneil des aetiona et paroles mömorables de Philippe IL, trad. de PespagnoL
Cologne 1671. •— Les estats d* Espagne tenus a Toledo Tan 1560, par le mandement
da roy Philippe II , Paris, 1562, 4". — L'Espagne dopuis le rögne de Philippe IL
250 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapitel.
Troz aller Lobsprüche von anderer Seite halten wir den König
Philipp IL für den Todtengräber der Grosse und Herrlichkeit Spa-
nien*8. Wir befinden uns hierin im Einklänge mit gefeierten spa-
nischen Historikern der neuem Zeit, u. a. dem Canonikus von Sara-
gossa, und ernannten Bischof Jose Sabau y Blancoj dessen Fortsezong der
Geschichte J. Mariana^s allen andern vorgezogen wird. — ,,Ueber
alle Maassen, sagt er, demttthigte Philipp die Granden, als es aber mit
ihm zum Sterben kam, empfahl er seinem Sohne, ihnen zu schmei-
cheln, und sie mehr zu ehren, als die übrigen Unterthanen. Denn
(andere) Leute, welche das Glück emporgehoben habe, seien stets
unzufrieden *).
„Philipp war von Natur aus hart, und es schien, dass die Milde
und das Mitleid aus seinem Herzen verbannt seien; die übel verstan-
dene Politik und Keligion machten ihn Handlungen einer maasslosen
Härte begehen, welche ein barbarisches und grausames Herz, unwürdig
eines Souveräns, offenbarte^). Seine Frömmigkeit war mehr scheinbar,
als wahrhaftig, denn in seinem Privatleben überliess er sich ohne Ge-
ifvissensbisse den Lastern, und er war von verdorbenen Sitten. Selten
empfing er die Grossen, und redete sehr wenig mit ihnen. Er war
sehr sparsam in seinem Hause. Sein Wuchs war klein, seine Augen
lebhaft. — Er gestattete nicht, dass Jemand mit ihm spreche, ausser
auf den Knieen (liegend).
Ueberhaupt zeigte er in seinem ganzen Verhalten, dass er nach
jusqu* ä Tavenement des Bonrbons, par 6%. Weiss, Paris, 1844, 2 t. Gegenwärtig
ist das ErscheiDen einer neaen apologetischen Geschichte der Regierung Phi-
lipp's II. aas spanischen Staatspapieron im Gange. Die Thatsache bleibt bei allen
Apologieen, deren wahrscheinlich nicht die lezte erschienen ist, unbestreitbar, dass
das Ende der Regierang Philipp's II. den Anfang des dreihundertjährigen YerfalU
Spanien*s inaagurirt hat.
^) L. c. t. XYI, (1820), p. 166 — abatiö demasiado k los Grandes — aber
seinem Sohne empfahl er: que los acariciase y honrase mas que k los dem^
sttbditos.
') Era natoralmente severe y parecia, qae la clemencia y compasion estaban
desterrados de su corazon : la politica y la religion mal entendida le hacian cometer
actos de una severidad excesiva, qae manifestaba an corazun barbaro y cruel, in-
digno de an Soberano. Su piedad era mas apariente, qae verdadera, porqne en la
vida privada se entregaba k los vicios sin remordimiento , y era de costumbres
corrompidas. Rara vez redbia k los Grandes y los hablaba muy pooo. — Sa estatora
era peqaefia, sus ojos vlvos. No permitia quo nadie le hablase sino de rodillas. ^
£n fin, por toda su cönducta manifeste qae no pretendio, sino ser temido de sns
subditos y lo Wogö k consegair.
Anderwärts lesen wir: Der spanische Historiker Imü Cabrera de Cordova
hat eben den zweiten Band seiner Greschichte Philipp*s II. von Spanien fertigge-
stellt Das Werk wird aaf Staatskosten gedrackt.
Urthcile ttbor Philipp II. 251
nichts verlangte, als von seinen Unterthanen gefürchtet zn werden^ und
er erlangte, was er wünschte^^
Der Sache nach nicht viel verschieden von dem Urtheile Sabau's
ist das des jezt lebenden Eirchenhistorikers Vic* de La FuetUej der
am Schlüsse der Regierang Philipp's II. über ihn sagt:
„35 Millionen in Gold und Silber waren über San Lucar im
Jahre 1595 nach Sevilla gelangt, und im Jahre 1596 befand sich
nicht ein Eeal im Staatsschaze , so dass Philipp II. am £nde die-
ses Jahres sich bankerott erklären mnsste; durch ein von ihm er-
lassenes Edikt hob er alle von ihm eingegangenen Contracte auf,
unter dem Vorgeben, sie seien wucherisch und sehr lästig. Von
diesem Augenblick wollte sich Niemand mehr mit ihm (in Geld-
sachen) einlassen. Er befand sich ohne alle Hilfsquellen, musste mit
Heinrich IV. von Frankreich um jeden Preis Frieden suchen, abdicirte
die Niederlande in die Hände seiner Tochter, und verheirathete sie
mit dem Erzherzog Albert (der nach dem Tode des Cardinais
Caspar Quiroga 1577 October — t 20. November 1594 vom 3. April
1595 bis zu seiner Abdankung am 7. Juli 1598 Cardinal-Administrator
von Toledo gewesen war).
Diess war die trostlose Lage Spanien's, als Philipp II. am
13. September 1598 starb. Mit Recht sagt Carl Coloma in seinen
nCommentarien^^): „dass die ganze „Klugheit^ Philipp's II. darin be-
stand, den katholischen Glauben zu erhalten*), dass er in allen an-
dern Dingen nicht der „Eluge^ war, vielmehr lausende von Fehlem
machte.
Diess war das trostlose Ende eines für Spanien so grossen und
schonen Jahrhunderts; schmerzlich ist es, dass so viel kriegerischer
Heldenmuth von Seite unseres Vaterlandes^ solche feurige Frömmigkeit
den Ausgang nahmen, die protestantischen Länder zu bereichern,
während die spanische Nation zu Grunde gerichtet wurde. Beugen
wir uns vor den verborgenen Gerichten Gottes, der diejenigen, welche
iur die Wahrheit und die Gerechtigkeit kämpfen, nicht immer mit
zeitlichen Gütern lohnt"*).
Diess war die traurige Lage Spanien's im Jahre 1508^ im Jahre
1699, im Jahre 1800, und nach dem 26. Juni 1878 ist sie kaum viel
tröstlicher.
>) Sonst fahrt Philipp II. den Titel: »der Kl1lge^
^ Las guerras de los Estados Baxos , per D, Carlos Coloma. Amberes,
1625, 16;i6, Barcelona, 1627 — V.
•) L. c. V, p. 362.
Achtes Kapitel.
Die Zelten PhiUpp's lU. (1598—1621) and PbUIpp's IV.
(1621—1665).
§. 1.
Die meisten ThroDcrben oder -Prätendenten erwarten mit Unge-
duld die Zeit, in der sie selbst die Zügel der Gewalt ergreifen können.
Philipp IIL sah mit Unbehagen der Zeit entgegen, in welcher er die
Regierung übernehmen musste. Er wollte nicht regieren, und er
Philipp konnte nicht regieren. Er war ein sehr guter Katholik, ein zärtlicher
^'^'^^^®' Familienvater , ein sittenreiner Christ, von einem Regenten hatte er
nichts in sich. Hätten sich die Cortes in ihrer alten Bedeutung er-
halten, so hätte Spanien troz eines unfähigen Regenten gedeihen können.
Da aber die absoluten Herrscher des sechszehnten Jahrhunderts, be-
sonders Philipp IL, die Stände zu blossen Figuranten und Zahlern
degradirt hatten, so fiel die höchste Gewalt in die Hände desjenigen,
der sich zufällig in die Gunst und das Vertrauen des nominellen
Königs eingeschmeichelt hatte. Ein solcher Günstling schrieb dann
vor, der König schrieb nach, was ihm vorgeschrieben wurde; er war
das Werkzeug, durch welches der Günstling seinen Willen in das
Werk sezte. Der Schatten -König gewöhnte sich an das Gehorchen,
der Minister, d. i. der erste Diener aber an das Herrschen, bis auch
dieser durch einen andern Glückspilz gestürzt und beseitigt wurde.
Diess ist im Grossen und Ganzen, mit sehr geringen Unterbrechungen
(etwa unter Ferdinand VI.), die politische Lage Spanien's vom Jahre
1598 bis zum Jahre 1878, seit drei Jahrhunderten, weniger 20 Jahren.
Der AllmScbtige Lerraa. 253
Le roi r&gne, et ne gooTerne pas — ist ein sehr gutes Wort«
Philipp n. hatte nur verwaltet und nicht regiert* Seine Nachfolger
regierten nicht und verwalteten nicht Sie giengen meist ihren Privat-
veignügen nach. Schon Philipp III. vergeudete die schönste Zeit auf
der Jagd • • . • Er hatte einen Herrn über sich, bevor er zur Re-
gierung kam.
Franz de Koxas de Sandoval Lerma war als Marquis von Denia
Oberstallmeister des Infanten Philipp geworden, und gewann Einfluss
auf den Prinzen. Als dieser Eonig geworden, machte er ihn zum
ersten Minister, und zum Herzog von Lerma. Auch Lerma war, wie
Philipp, ruhig und gemässigt^ aber er hatte die Gaben nicht, Spanien
zu regieren. Auch er hatte wieder seine Günstlinge; er theilte sich
in die Regierung Spanien's mit Rodrigo Calderon, welcher sein Page
gewesen war. Diese beiden mittelmassigen Staatsmänner suchten in
dem hohen Stile Philipp's IL fort zu regieren. Schon im Anfange
seiner Herrschaft liess Lerma 50 Schiffe zum Kampfe gegen England
aasrüsten — 1599. Auch diese Flotte unter Martin de Padilla wurde
von Stürmen zerstreut, bevor sie den Feind in Sicht bekommen hatte *)•
§. 2.
Im Jahre 1599 heirathete Philipp UL die Erzherzogin Margareta^
Tochter Garl's von Steiermark, und der Maria von Bayern. Geboren
zu Gratz am 25. December 1584 war die Braut damals 15 Jahre alt
Am 10. Februar 1599 schifite sie sich zu Genua nach Valencia ein,
wohin der König am 14. Februar zu ihrem Empfange kam. Am
18. April fand die Vermählung in der dortigen Kathedrale statt.
Die Aragonier föhlten sich unter Philipp II., dem exclusiven
Castilianer, sehr zurückgesezt. Lerma suchte sie zu begütigen, indem
die Neuvermählten sogleich von Valencia aus nach Barcelona zogen.
Bis hieher hatte Maria, die Mutter der Königin^ ihr das Geleit ge-
geben. Bevor der Konig nach Saragossa kam, befahl er, die annoch
aasgesteckten Häupter derer zu entfernen, welche in Folge des Auf-
standes wegen Ant Perez hingerichtet worden, deren Häupter zur Er-
innerung an Philipp's IL Seeleng^össe hier seit sieben Jahren para-
dirten. Philipp lU. ertheilte allen in diesem Aufstande Verurtheilten
TÖÜige Amnestie« Darum war auch die Aufiiahme in diesen beiden
Städten eine sehr herzliche. Der Konig bestätigte feierlich die Rechte
*) Watsan, Robert, History of Philip the third, Basel, 1792, I, p, 43.
254 Dreizehntes Bach. Achtes Kapitel.
und Privilegien der Äragonier*). Am 24. October 1599 zogen die
Neuvermählten in Madrid ein').
§. 3.
Lcrma mus8te im Jahre 1608 die Unabhängigkeit von Holland
nach einem vergeblichen Kriege von 40 Jahren anerkennen^ Von da
an blieben die spanischen Niederlande katholisch, während die katho-
lische Kirche in Holland kaum sich erhielt
Durch königliche Ordonnanz vom 11. September 1609 wurde die
Austreibung der Moriscos aus Spanien angeordnet Im Jahre 1599
ermahnte Philipp III. die Bischöfe, sich der Bekehrung der „neuen
Christen" zu widmen. Am 6. August 1599 erliess er von Denia aus
ein neues Gnadenedict für sie. Die Moriscos fuhren fort, mit den
Türken sich zu verbinden, und zeigten sich dem Cbristenthum absolut
feindlich. Sie begannen den s. g, „kleinen Krieg", und tödteten viele
Christen. Dazu kamen erneuerte Ueberfälle der Küsten durch die
Corsaren. Es kam zu vielen kleinen Seegefechten zwischen Mauren
und Spaniern.
Der „selige'^ Juan de Rivera, Erzbischof von Valencia, Patriarch
von Antiochien, sah selbst keinen andern Ausweg aus dem Elend und
den Gefahren, als die Verbannung der Mauren. Er schrieb am
23. August 1609 an Philipp III., und dankte ihm für den gefassteu
Entscliluss, das Land von den Gotteslästerungen und Sacrilegien zn
befreien, welche die Moriscos gegen den Glauben der Spanier be-
giengeu. Es handle sich schon nicht mehr um die Bekehrung der
Mauren, sondern um Glauben und Leben der Christen. Die Christen
müssten gegeu die Mauren geschüzt werden.
Am 22. September wurde in Valencia die Ordonnanz des Königs
vom 11. September öffentlich durch den Vicekönig Luis Carrillo de
Toledo verkündigt. Alle Moriscos dieses Königsreichs, Männer,
Frauen, Kinder, sollten nach drei Tagen auswandern, und, mit ihrer
beweglichen Habe, an den bezeichneten Hafenpläzen sich einschiffen.
') Davüa, QU Gonzalez^ Historia de la vida y bechos del — D. Felippe
tercero, IIb. IL, cp. 8 (nar M. S.). — Watson^ I, p. 41.
*) FUyrez, Beynas cat, II, p. 91&— 921— 930. Zn Macgareta*8 Lobe sagt
Florez: Alle Nonnen behandelte sie derart, dass ihre Besuche vielmehr die eines
refonnirenden Prälaten, als die unschuldige Unterhaltung einer Königin zu sein
Bcbienen, p. 923—924. Sie babe, sagt er, das Kloster der Angustinerinen neben
dem Palaste zu Madrid errichtet, um ibr Dienstpersonal zu vermOgen, in das fixester
zu geben. Sie war efne würdige Tochter jener bayerischen Maria, deren Andenken
Hurter in unscrn Tagen erneuert bat.
Vertreibnog der MoriBCOB, 1609—1610. 256
Die bereitstehenden Schiffe würden sie nach der Berberei über-
fuhren. Die Znrückbleibenden sollen den Gerichten übergeben werden.
Nur Knaben unter vier Jahren durften, mit Einwilligung der Ihrigen,
zurückbleiben. An jedem Orte^ der aus 100 Hänsern bestand, wurde
sechs Familien die Erlaubniss zum Bleiben ertheilt, damit die prak-
tischen Kenntnisse des Ackerbaues und der Bewässerung dem König-
reiche erhalten blieben. Beide Conoessionen wurden mit Verachtung
zurückgewiesen^). Am 27. October waren schon 70.000 Moriscos aus
dem ELonigreich Valencia ausgewandert. Viele „slte Christen^ rächten
sich an den Mauren; die spanischen Gommissäre schleppten Galgen
mit sich herum, um solche gewaltthätige Spanier sogleich vom Leben
zum Tode zu bringen*). Unter den Baronen und Gutsbesizcrn,
welche hiebei am meisten Schaden litten, war der Herzog von Gandia,
Inhaber grosser Manufacturen , die nur von Moriscos im Gang er-
halten wurdea Er bat vergebens um 2 — 3 Jahre Aufschub, bis
christliche Arbeiter geschult wären; der König gewährte keinen Tag
Aufschub.
Doch wurden von frommen Personen, besonders Nonnen, eine
Anzahl Maurenkinder mit List oder Gewalt zurückbehalten. Isabella
de Yelasco, Vicekönigin von Valencia, machte den Anfang mit diesem
frommen Raube; sie befahl, „dass einige kleine Maurinen, auch mit An-
wendung von Gewalt, in ihr Haus gebracht würden^.
Die wohl 20.000 Vasallen des Herzogs von Gandia zogen zuerst ^*® ^*'
ab, und wurden, nach günstiger Fahrt, bei Oran an's Land gesezt« desHer-
Der Gouverneur — Graf Aguilar nahm sie gütig auf. Auf seine ■®«"^®'*
Vermittlung durften sie sich im Gebiete des (türkischen) Vicekönigs
von Tlemezen niederlassen. Aber die öden Wüsten von Tlemezen
stachen gar sehr ab von den blühenden Gefilden von Valencia. Doch
wurden sie gut aufgenommen und behandelt. Als günstige Nachrichten
von ihnen einliefen, ergaben sich die andern Moriscos leichter in ihr
Geschick. Manche wurden von ihren Herren, deren Vasallen sie ge^
wesen, bis nach Afrika begleitet. In wenigen Wochen hatten sich an
120.000 Männer, Weiber, Kinder, eingeschifft. Von diesen soll der
grössere Theil aus Noth, Hunger, Misshandlung, umgekommen sein.
Noch hatten sich an 30.000 Mauren in die Gebirge geflüchtet und
verschanzt. Sie wurden bald zur Uebergabe gezwungen ^). An
3C0O giengen zu Grunde, an 22.000 hatten sich übergeben, welche
*) Goleccion de docnmentos ineditos, t. 18, Madrid, 1851. — Janer ^ Doen-
mentos, nr. 86—114.
*) JancTf Documento nr. 103. — Füfiseca, Damian de, 0. S. D., de! giosto
Bcacciamento de moreschi da la Spagna, (spanisch, 1612), Roma^ 1611, p. 238.
*) Fonseea, p. 810.
256 Dreizehntes Euch. Achtes ILapitel.
nach Afrika gebracht worden. Kinder anter sieben Jahren wurden
den Soldaten als zeitweilige Sklaven übergeben. Die Entwerthang
des Eigenthams and die Entvölkerong des Landes traten sehr fühlbar
hervor^). Bezeichnend ist es für die Lage der Dinge, dass der Patriarch
J. de Bibera erklärte, wenn die Moriscos oder nar ein Theil derselben
in Spanien blieben, so würden sie nach 2^3 Menschenahem alle
Yalencianer vom Kreaze zam Halbmonde verkehren ^.
^^^ Es folgte die Vertreibung der noch übrigen Moriscos in Anda-
An- lasien, Alt- and Nencastilien, Aragonien and Catalonien. Ein Armee-
aiu
daiaiien corps wurdc in Sevilla znsammengezogen , and ein Geschwader be-
bannt, ordcrt, die noch übrigen Moriscos in Marcia, Granada, Jaen, Gordova
and Sevilla fortzuschaffen. Jaan de Mendoza, Marquis von San Ger-
man, machte als königlicher Commissär am 12. Janaar 1610 zu Sevilla
seinen Auftrag bekannt. Den Moriscos wurden die Verbrechen des
Ungehorsams, der Verschworung, der Häresie, des Mordes, der Ver-
bindung mit den Türken, schuldgegeben; sie mussten in 30 Tagen
Spanien verlassen, durften nicht über Valencia oder Aragonien reisen,
nicht Gold, Silber, Edelsteine, Münze oder Werthbriefe mit sich
nehmen. Sie durften nur Waaren, welche sie von den Einwohnern
des Reichs gekauft, und das für die Ueberfahrt nothige Geld mit sich
nehmen, konnten aber nach Belieben zu Land oder zur See reisen.
Giengen sie in L&nder der Christen, so durften sie ihre Söhne mit
sich nehmen; giengen sie anderswohin, so mussten sie ihre Sohne
unter sieben Jahren zurücklassen. Sie gaben nun vor, sie wollten
nach Frankreich oder Italien gehen ^ und verhandelten mit den See*
fahrem, damit sie sie in die Berberei oder nach Afrika ziehen Hessen^).
Die Moriscos beeilten sich, das Land zu verlassen; nicht wenige ver-
loren in Spanien das Leben. Diesem Schicksale unterlagen die vor-
nehmsten Moriscos der Villa HomachoB*}^ welche nicht weniger Ver-
brechen und Scandale überwiesen waren. Es schien unglaublich, dass
den sonst so scharfen Augen der Inquisition so viele Jahre lang eine
Bande von Mordern hatte entgehen können. Einige wurden hinge-
richtet, andere zeitlebens zu den Galeeren verurtheilt. — In den
Wohnungen aller Vertriebenen fand man viele Bücher ihrer muhame-
danischen Religion.
^}^ Die Moriscos von Andalusien zogen in der Zahl von 80.000 fort
au — Die Deputirten der Provinz Murcia baten den Konig, die dortigen
'} Kirchengeschiehte von Spanien, III, 1, S. 46S.
*) Watsan, I, p., 320— 378.
') Marcus de OuacUUaxara, Carmel.^ Memorable expulsion y jnstialmo
destierro de los Moriscos de Espafia. Pampel., 1613.
*) In Estrcmadiira.
Die
Austreibung der Moriscos. 257
Manren im Lande zu lassen , da sie für den Ackerbau wie für die ^"
Künste nothwendig seien. — Luis Fajardo war Commissär für die ye"*
Vertreibang derselben; 16.000 Personen wanderten von dort ohne ^**^*
weitere Hindemisse aus. Diese Auswanderer nahmen meistens den
Weg nach Ainka^). — Nun beauftragte Philipp III. den Marquis
von Aytona, Vicekonig von Aragonien, dass er sich bei dem Erzbischof ^^^^^^^^^
von Saragossa über die Lage und die Verhältnisse der dortigen Moris- in Ara-
C08 erkundige. Man möge dieselben ermuthigen, dass sie sich nicht ^^**^|^*j]^
über das Schicksal ihrer Glaubensbrüder beunruhigen ^). Der Marquis lonien.
befestigte die Grenzen Aragonien's gegen Valencia hin, um das
Eindringen der in den Gebirgen zurückgebliebenen Moriscos zu
verhindern. ^Trozdem hielten die Moriscos in Catalonien und Ara-
gonien ihre Sicherheit für gefährdet, und verkauften zu den
niedrigsten Preisen ihre Habe^ obgleich ihre Herren sich um deren
Bleiben sehr bemühten. Die wenigen Mauren Catalonien's horten auf,
die Felder zu bebauen. Aus politischen Erwägungen, mit Rücksicht
des von Frankreich her drohenden Kriegs, wurde auch ihre Austrei-
bung beschlossen. Die „alten Christen^ in Aragonien sahen darin den
Ruin ihrer Heimath, feierliche Gesandtschaften an Philipp III. gingen
ab, um ihm die bevorstehenden ungeheuren Verluste vorzustellen. Sie
wiesen in einer Denkschrift u. a. auf die geringe von ihnen drohende
Gefahr hin, auf die Möglichkeit, sie zu bekehren, auf die Schwierigkeit,
das Land wieder zu bevölkern. Deputirte waren Franz von Aragon,
Graf von Luna, und Martin. Carrillo, Domherr von Saragossa. Am
Ilofe waren gleichzeitig auch Deputirte aus andern Königreichen. Es
Laif nichts. Die Moriscos verkauften ihre Landgüter, um sich einige
Mittel zu verschaffen. Angeblich wegen drohender Gefahren von ihnen
wurde eine grosse Waffenmacht entfetltet. Augustin Mejia^ der die
Austreibung der Mauren in Valencia überwacht hatte, kam nach Ara-
gon, und dislocirte die Truppen, während die Galeeren in den Ge-
wässern von Tortosa erschienen.
„unzählbare Familien sollten auswandern, deren Verbrechen kein
anderes war, als die ewige Feindschaft gegen die Christen und die
Entschlossenheit, dem Glauben ihrer Väter zu folgen.^ Am 23. Mai
IGIO ergieng der Befehl der Auswanderung. Commissäre erschienen,
•iud führten die Moriscos an die für sie bestimmten Hafenorte. War
ein Monaco mit einer „alten Christin^^ verheirathet , so konnte er
Weib und Kinder zurücklassen, falls sie zu bleiben wünschten. Die
Barone und Herren ergaben sich in ihr Schicksal. „Einige wollten
9 Expiilsion joBtificada de los Moriscos espafioles, per Pedro Aznar de
CardonOy j sniua de las exeelencias dal rey D. Phelipe III., Hresoa, 1611.
*) Carta (üiedita) del rey» fecha 20 de Oct 1609.
G«mi, ipui. KiRhe. 111. %. 17
258 reizebntes Bach. Achtes Kapitel.
dem Lerma za Willen sein und beeilten eich sogar, die Austreibung
zu erleichtern. Der grossere Theil wanderte durch den Pass von
Alfaques zur See aus; 9975 Mauren wanderten nach Navarra, 12 —
14.000 durch den Pass von Gampfranch nach Bearn und Frankreich.
Der Gouverneur von Bearn liess sich von jeder Person 10 Realen be-
zahlen. Die Zahl der aus Axagon Vertriebenen, Männer, Frauen und
Kinder, waren an 74.000 Seelen, welche 13.893 Häuser in 130 Orten
bewohnt hatten. Die Minister des Königs von Frankreich liessen sich
einen Dncaten von der Person bezahlen, und die Mauren durften
Waffen tragen. Aber in Bälde nahmen die Franzosen ihnen dieselben
ohne Entschädigung ab. Viele Auswanderer erlagen den Strapazen
des Weges. — Der Herzog von Monteleon, Vicekönig in Catalonien,
gab den c. 50.000 Moriscos in diesem Lande drei Tage Zeit zur Aus-
wanderung; nach deren Verlauf gestattete er den „alten Christen", sie
zu fangen, zu berauben, und ohne alle Strafe sie zu tödten.
vertrei- Nachdem diess geschehen^ betrieb der Herzog von Lerma die
der Mo- Austreibung der Mauren , welche in den beiden Castilien , in der
riscM Mancha, und einem Theile von Estremadura wohnten. Auf seinen
ans Ca*
itüien. Kath erliess der Eonig am 11. October 1609 (1610?) einen Brief,
worin die Behörden zu einer schonenden Behandlung der Ausgetrie-
benen ermahnt wurden. Der Graf von Salazar war Commissär für
die aus Castilißn Auswandernden; 16.713 Personen nahmen den Weg
über Burgos, und nahmen so viel Eigenthum mit, als sie konnten.
Air ihr Gold, Silber und JuwetelEi gaben sie für Esswaaren auf dem
Wege aus.
Die aus Granada vordem hieher verpflanzten Moriscos wollten
nicht abziehen; sie behaupteten, ein Recht auf ihr Eigenthum zu haben.
Ein neuer Erlass verkündete, dass Alle und Alles auswandern müsse,
auch die Moriscos, welche, da sie nirgends eine sichere Statte fanden,
nach Spanien zurückgekehrt waren. 11.317 weitere Personen wan-
derten über Burgos aus, andere 10.000 über Cartagena. Sehr gross
war die Zahl derjenigen, welche durch die Häfen von Andalusien aus-
wanderten. Es war nicht möglich, dass die Austreibung in einer Frist
von zwei Jahren vollzogen wurde. Man versichert, dass die aus Cas-
tilien Vertriebenen mehr als 100.000 gewesen seien.
Da aber viele in den Ländern ^ wohin sie sich gewendet, übel
behandelt wurden, suchten sie nach Spanien zurückzukehren; andere
drängten sich in die Kähe der Küsten von Spanien, unter dem Vor*
wände , Handel zu treiben , und spanische Früchte nach der Levante
auszuführen. Durch königlichen Erlass vom 20. April 1613 wurde
die totale Austreibung aller in Spanien noch wohnenden^ oder dahin
zurückgekehrten Moriscos verordnet. Zulezt wanderten aus die Moris-
cos von Almagro, Villarubia de los Ojos, Daimiel, Aldea del Rey und
Zahl der vertriebenen Moriecos. 259
olanos, in der Ebene von Calatrava, und die des Tbales von Ricote
Marcia, welche allein an 6 — 7000 Personen waren. Viele Maurinen
liratheten „alte Christen^^, und pflanzten so in Spanien das maurische
Int fort Flor, Janer meint, dass troz aller vorausgehenden Yerfol-
mgen im Jahre 1609 noch eine Million Moriscos in Spanien ge-
Bsen sei, dass davon etwa 100.000 auf verschiedene Weise ver-
iglückt, 900.000 vnrklich ausgewandert seien, und meistens ein
mriges Leos gefunden haben.
Die Angaben der Zeitgenossen über die Zahl der Vertriebenen zaMder
hen weit auseinander: Stdazar de Mendoza giebt die geringste Zalil, benen.
K).000, an. Fray Jaime Bleda nennt 500.000; andere, wie Escolano
id der erwähnte Fr. Marcos von Guadalajara berechnen sie auf
0.000. Andere, .wie der stets übertreibende Uorente^ sprechen von
ler Million. Aber auch 500.000 Seelen sind eine erschrecklich grosse
tbl, besonders für ein relativ schwach bevölkertes Land. Genaue
ihlen theilt Flor. Janer nur über die Moriscos von Castilien und
)tremadura mit. In Altcastilien hatten sie 1820 Häuser, in welchen
14 Personen wohnten. In dem ^,Eonigreich^' Toledo hatten sie
02 Häuser, in welchen 19.819 Personen wohnten. Aus der Mancha
irden 8340 Personen ausgetrieben, welche in 1707 Häusern gewohnt
tten. — In der Provinz Estremadura hatte man 1830 Häuser, und
99 Personen gezählt').
Viele derselben , meint Janer ^ seien auf den Schiffen gestorben,
Je in Algier, Marocco, in Frankreich, in Italien, in der Türkei. Die
luren in Afrika und die Türken verfolgten sie, weil sie dieselben
r Christen, die Christen in Frankreich und Italien verfolgten sie, weil
t dieselben für Muhamedaner hielten. Nur in Tunis fanden sie einigen
hnz. In der Verzweiflung wurden manche Piraten, und belästigten
de Jahre die Küsten von Italien und Spanien.
„Welches waren", fragt Janer, die „Verbrechen dieses Volks, das
ig zu der Auswanderung und dem £lende verurtheilt wurde, oder
^ das Schwert bereit halten musste, seinen väterlichen Heerd zu
rtheidigen?^^ Diess war das überaus traurige £nde des vielleicht
eisten und besten Theiles der sarazenischen Völker in allen drei
elttheilen. Was aber ihnen, den Ungläubigen, widerfuhr, das be-
gnete in derselben Zeit den gläubigen Christen, den Katholiken in
rossbritanien, Irland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Island, den
^eeländem, Russland, in vielen Theilen von Deutschland, Oester-
ich, Ungarn und der Schweiz. Es wäre den Katholiken in Frank-
ich begegnet, hätten die Hugenotten obgesiegt« Es waren Katho-
'} Janer, apendice, nr. 130, p. 346—349; ibid. p. 85—93.
!?♦
260 Dreizehntes Bach. Achtes Kapitel.
üken, welche, fliehend vor der Verfolgung in England, den Staat
Maryland und die Stadt Baltimore gründeten. Also, wer von eucl
ohne ähnliche Sünde ist, der hebe den ersten Stein auf, und schlendere
ihn gegen die fanatischen und exclusiven Spanier des siebzehntei
Jahrhunderts ^).
^*® Die Gegner des Herzogs von Lerma warfen demselben vor, da«
und "ZI er die Vertreibung der Moriscos zum Zwecke seiner Bereicherung be-
Herzog trieben habe. Aus deren eingezogenen Gütern habe er sich 250.000 Da«
jJiT». caten geben lassen. Sein Sohn habe 100.000, sein Schwiegersohn, dei
Graf von Lemos 100.000, die Gräfin von Lemos, seine Tochter, 50.000.
alle in allem 500.000 Ducaten erhalten.
Auf Lerma fallt die Hauptschuld der Vertreibung der Moriscos,
Hätte er sein ganzes Gewicht dagegen in die Wagschale geworfen, dei
Patriarch Ribera und der Klerus wären nicht gehört worden. Wäre
aber nicht durch Carl L und besonders Philipp H. die schrankenlose
Monarchie in Spanien geschaffen worden, so hätte auch der mächtigste
Minister solches nicht vermocht. Dieses konnte nur geschehen , weil
die alten Stände nur noch ein Schein -Dasein führten.
§. 4.
Wenn Lerma ein Mann von grossen Fähigkeiten gewesen, so
hätte er in etwas die Unthätigkeit des Königs ausgleichen können.
Zum Unglücke hatte Lerma alle fähigen Männer aus der Zeit Phi-
lipp's U. entfernt. Die Geschäftsmänner Philipp's H. Tiaren stahlhart
gewesen, wie der Konig selbst, so der Herzog von Alba, der Cardinal
Siliceo, der (ältere) Herzog von Osuna, der Marquis von Santa Cruz,
Vasquez de Arce, der Bischof Didac. Covarruvias , alle sind bekannt
wegen ihres strengen und harten Charakters, aber auch ihrer eisemenj
') Orozcot Sebast de Covarrubias, schrieb um 1610 MLevantamiento de los
Moriscos. — Justa ezpnlsion de los Moriscos de Espafia, por. Dam. Fonseca,
Roma, 1612. — Relacion de la rebelion y expolsion de los Moriscos dei reyno de
Valencia, por AnL de Corrdly Rojas^ Viüad., 1613, 4*. — Vinc Oonzcdez AlvareZf^
La ezpnlsion de los Moriscos de Avila. {Nie Antonio kennt das Bach nur vom
Hörensagen.) — Ribera, Juan de, Instancias para la expolsion de los moriscos,
Barcel., 1612. — Vasconcelos, Juan Mendez de^ Liga deshecha por la expolsion de
los Moriscos, 1612. — Äguüar, Oaspar de, Expnlsion de los Moriscos de Espana
por el Rey D. Felipe III. (en ootovas), Valencia, 1610. — Blas de Verdü^ 0. S. D.,
Discurso de la expolsion de los Moriscos, Baroelon., 1612. — Nebstdem die Schriftj
von Aznar, 1612, und die beiden Schriften von Marcus de Ouadalajara^ 1613
ond 1614.
Llorente, IN, p« 426—431. Flor. Janer, Docamentos, nr. 89—149 (nonmebr
Hauptqoelle fUr diese Ereignisse.
Der Herzog von Lerma. Der Historiker Mariana verfolgt 261
irbeitskraft. Solche Männer passten nicht für Philipp III. und für
Lerma, von dem L. Ranke sagt, es sei ein Geheimniss, wie er solchen
Einflasfi auf Philipp II. gewinnen konnte. Als der Historiker J^ Mariana
iah^ dass Vazquez de Arce und andere seiner Freunde ans dem Rathe
ies Königs entfernt wurden, so wurde sein strenger und zorniger Geist
.^ereizt, und er tauchte seine Feder in Galle. Die Aufnahme des In- Marfana
entars alles Silbers in den Kirchen Ton Spanien, welche den Klerus ,fchV-
n Schrecken sezte, die Verschlechterung der Münze, welche den Han- ee»» der-
lei minirte, und andere verderbliche Maassregeln veranlassten den
Vaviana einige Tractate zu schreiben, welche (vielleicht gegen seinen
Ölen) im Auslande gedruckt wurden^). Der Fiscal klagte denselben
ler Majestätsbeleidigung an, weil er, ohne Bespect vor dem Könige
od seinen Ministem, behauptet hatte, dass die in Spanien eingeführte
iendernng der Münze ein verderblicher Schlag gegen den Staatscredit
ei, dass die Vertreter des Volks (d. i. hier die Minister) nur ihr
Virat- Interesse im Auge hätten, sich wenig um die allgemeine Noth
ümmerten, wenn si« ihnen nur die Gunst des Königs einbringe^).
(anana wurde in Haft genommen und in dem Erlöster der Francis- *^^f°
mer zu Madrid eingesperrt. Dort schrieb er eine feste und muthvolle m Hatt.
pologie; er sagt, dass er, jezt 73 Jahre alt, einige Anerkennung für
ie zahllosen Mühen, die er in Zeit von 56 Jahren übernommen, er-
artet; er habe im Dienste der Religion wie des Staats gewirkt. Dafür
i er mit strenger Haft belohnt worden. Diese Denkschrift trägt
^ Datum vom 3. November 1609. Der Konig befiehlt in einem
liefe an Franc, de Castro, es sollen alle Exemplare obiger Schrift
tigekanft, und in der Stille verbrannt werden^). Zwei Jahre dauerte
*) Das berOhmte Werk: de rege et regia institatione , 1. III — erschien
erst 1599^ dem EOnige Philipp III. gewidmet. — Im Jahre 1609 erschien n. a.
Cöln: ,De monetae mutatione" mit andern harmlosen Tractaten. Gleichzeitig
»cbien: de editione vulgata S. S. Bibliomm (auch Bassani , 1771). Wegen der
/bandlim^ Aber die VerBchlechternng der Mtlnze wurde ihm ein Process an den
^ gehängt. {8ema Santcmder besass eine Copie der Akten dieses Processes,
L TOD 442 pp.) — Fiscal war D. Lilimon de la Mota. — Franc, de Sosa, Bischof
n Canariaa, war vom päpstlichen Nuntius zum Richter delegirt. Nicht die Schrift:
B ponderibus et mensaris", sondern ^de monetae mutatione' und obige über die
ligata führten zum Processe gegen Mariana.
') £r aagt: Plerique eorom rebus gerendis panun sunt idonei, quippe sorte
^, leve« homines ingenio venali, nihilque prae ocolis habentes prae cupiditate
jnblica calamitate gratiam Principis promerendi, ex ea lucrum captandi etc.
r. 193 voL 2 der: Tractatos VII, tum theologici, tum historici, Cöln, 1609 —
~ pp. 444. — In Gapit 13 sagt er: „Verum quod vnlgo fama fert, plane est
^rabile, nullum hoc tempore in Provincia Magistratum, nullam procurationem, ne
vrdotia qnidem et Episcopatus meritis dari, cuncta esse venalia, etc.
') Der Schrift de monetae mutatione; cf. Backer j biblioth^que des äcrivains etc.,
f, UhgBy 1859, p. 518—519.
262 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel
MaHana'a Haft* Auch seine Obern legten ihm strenge Bussen aui
Was er schrieb und sagte, war der Aufschrei eines ächten Spanier
von altem Schrot und Kom.
§. 5.
Die Nation aber gieng ihrem Ruin entgegen. Der Adel war ei
bittert, die Unzufriedenheit allgemein. Lerma war Wittwer seit de
Jahre 1603; er hoffte, der Cardinalshut werde ihn gegen die ih
LermA drohenden Stürme schüzen. Diesen gewünschten Hut gab ihm Pa
nai^ Paul V. am 26. März 1618. Was ihn schüzen sollte, stürzte i
1618. Der Konig, gewohnt mit seinem alten Diener familiär zu verkehrt
fühlte sich genirt und unbehaglich vor einem Würdenträger der Kirch
Lerma's Sohn, der Herzog von Uceda, benüzte diese Gelegenheit E
erhob sich ein scandalöscr Streit zwischen Vater und Sohn. Der So
verleumdete seinen Vater durch gemeine Anklagen. Lerma erhielt
Sein 20. October 1618 Befehl, den Hof zu verlassen. Sein Sohn wiii
october erster Minister. Lerma wurde nun Priester, und feierte seine Prii
1618. in dem Kloster S. Paul der Dominikaner zu Valladolid, dessen Bj
Seine schüzer er war. Er stiftete sechs Lehrstühle für die Doctrinen d<
goQ heiligen Thomas von Aquin in Salamanca, Valladolid und Alcala, welc
Dominikaner einnehmen sollten, die von der Familie Lerma's präsei
tirt würden. Bis auf unsere Tage herab hat das Haus MedinaceU i
dieser Weise präsentirt.
So wurde Lerma von seiner Hohe von demselben Könige g
stürzt, der beim Antritt seiner Regierung, eine in Spanien unerhö
Sache, befohlen hatte, dass Lerma's Unterschrift ebenso viel gel
solle, als die Unterschrift des Königs. Nach Philipp's UI. Tod bra
der Unwille des Volks stürmisch hervor. Diess bewog Philipp I
eine gerichtliche Untersuchung anzuordnen. Rodrigo Calderon, se|
Vertrauter, wurde zum Tode verurtheilt, Lerma musste grosse Summ
dem Staatsschaze zurückerstatten^).
§. 6.
Im Jahre 1619 besuchte Philipp IlL Portugal. Das Volk hofi
Abstellung seiner. Beschwerden. Der Adel entfaltete die höcbs
Pracht und wetteiferte in Festlichkeiten zu Ehren des Königs. Fl
lipp III. sagte, an dem Tage seines Einzugs habe er erst gefühlt, da
') Oonzalo CespedeSy Historia de D. Phelipe IV., 1. J, cp. 7. — Rob, Watso
II, p. 133—152.
Philipp III. in Portugal, 1619; Philipp's Tod. 263
er Eonig sei*). Die Begleiter des Königs aus Castilien entbrannten
in Eifersucht. Von ihnen liess sich Philipp IIL, unselbständig wie er
war, ganz gegen die Portugiesen einnehmen. Der Herzog von Uceda
suchte den D. Teodosio, Herzog von Braganza, in jeder Weise zu
stürzen, doch gelang es nicht. In Lissabon wurden Coiles gehalten, pw-
Nach denselben wollte Teodosio nach seiner Residenz Villa - Viposa llJ^^iMa
zurückkehren. Philipp HI. wünschte 9 dass er sich eine Gnade aus- ^o»«
bitte. Stolz erwiederte der Portugiese: „Die Ahnen E. Maj. und meine
Ahnen haben meinem Hause so viel gegeben^ dass sie mich jeder Bitte
überhoben haben." Nach sieben Monaten kehrte der König nach
Madrid zurück, und liess die Portugiesen in grösserer Unzufriedenheit,
als sie vorher gewesen, zurück. Die Ho£fnungen waren getäuscht.
Mehrere Adelige hatten sich durch den gemachten Aufwand an den
Bettelstab gebracht.
Philipp starb schon am 31. März 1621. Mit Recht sagt über ™-
ihn Graf Ericeira: Er bestätigte die Weissagung seines Vater's (Phi- ge«t.
lipp's II.), indem er sich dem Willen seiner Diener in einer Weise '*'M*'*
überliess, dass sie es waren, welche unumschränkt regierten, auf
ihre eignen Vortheile so aufmerksam, dass sie der Monarchie Spanien's
die grössten Uebel zufugten, welche selten zur Kenntniss des Königs
gelangten"). Feiner und wohlwollender, aber doch nicht verschieden
lautet das ürtheil des Spaniers Franz Quevedo über Philipp lU.
Quevedo hatte Carl V., und Philipp II. im Ganzen sehr günstig be-
urtbeilt. Nur über leztem sagte er: „Doch hat ihn seine Furcht viel
gekostet, und nur selten wusste er seinem Argwohne zu widerstehen.^
üeber Philipp HI. aber sagt er: „Er war von mittlerer Körpergrösse,
starkgliedrig und wohlgebaut, würdevoll, freundlichen Angesichts, und
von heiterer Leutseligkeit. Sein Blick hatte eine unentschlossene An- urtheiie
spruchslosigkeit, ohne jede Anlage zum Finstem; seine Züge neigten
sich eher zu der Heiterkeit des Lächelns, als zu grollender Aufcv^allnng.
Nach nichts strebte er so sehr, als nach Uebung des Gehorsams; mit
leichtgläubiger Gelehrigkeit richtete er sich nach dem, was die Per-
sonen seines Vertrauens wünschten. Ausserdem trieb er das Spiel und
die Jagd. Allein diese Beschäftigungen waren nur von Aussen ver-
anlasst; denn im Innersten seines Herzens wohnten einzig nur Religion
und Frömmigkeit. Seine Sitten waren so rein und lauter^ dass die
Betrachtung seines Lebenswandels ebenso sehr zur Gottseligkeit auf-
forderte, als Hochachtung vor ihm einflösste. Er war so tugendhaft,
dass man von der Reinheit seiner Seele ebenso grosse Wunder hätte
erwarten können, als Orossthaten seiner Macht hätten entspriessen können*
') Aber als König fühlte er sich nie.
') Ericeira, Portugal restaiurado, I, p. 47 //. Schäfer, IV., p. 422— i42.
264 DreizebnteB Buch. Achtes Kapitel.
Er vollendete die Wiedereroberung Spanien's von den Ungläubigen^),
gebot Einhalt den Plänen Savoyen's, demüthigte Venedig; gegen die
Ueberfluthung der Eezerei liess er die Katholiken veieder frei auf-
athmen^). Der Unterthan verfehlte sich schwer gegen die Ehrfurcht
vor seinem König, der diese edlen und einsichtsvollen Staatshandlungen
unter dem Namen geleisteter Dienste sich anmaassen wollte (Lerma und
Uceda sind gemeint). Man kann von seiner Gemüthsart nicht sprechen,
ohne die zu verurtheilen, welche ihn irreführten. Ueberschaut man
seine Handlungen, so verlezt man ohne vorwurfsvolle Absicht sein ge-
heiligtes Andenken, und ehrt zu wenig seine Wünsche, die immer rein
waren, voll von Güte und Gerechtigkeit. Statt Gehorsam zu finden,
war er beständig belagert; fremde Verschlagenheit verstand es, seinen
Gesichtskreis zu beschränken, und sein Ohr zu verscMiessen^).
Der Vater wollte Alles und Alles allein thun, was er sollte und
was andere sollten; der Sohn wollte nichts thun von Allem, was er
sollte. Viel strenger lautet über ihn das Urtheil des jezt lebenden
Vic. de La Fvumi;%^\ Ein Konig, welcher nicht herrscht, und aufhört,
seinem Günstling zu befehlen, ist kein wahrer König, sein Name be-
gleitet nur den Namen seines Günstlings. So war es mit Philipp III.;
er entwindet sich den Händen eines Günstlings, um einem andern in
die Hände zu fallen; aber sein vornehmster Günstling ist der Herzog
von Lerma. Wie erklärt man, dass von einem so thätigen und ener-
gischen Vater, wie Philipp IL, welcher sogar die Ueberschriften der
Correspondenz revidirte, und der seine Thätigkeit vom Höchsten
bis zu den kleinsten Dingen herab ausdehnte, ein so flauer und
sorgloser Sohn abstammt, wie Philipp UI? Es ist diess ein Phä-
nomen, das wir nicht zu erklären vermögen, obgleich wir es alle
Tage sehen. Nicht als ob es Philipp III. an den schönsten Eigen-
schaften gefehlt hätte. Einige seiner Biographen (vne Virgjil Mcdvezzi)
versichern, - mit Bücksicht auf seine Beichtväter, dass er in seinem
ganzen Leben keine Todsünde begangen. Aber troz aller Biographen
und Beichtväter, ist es denn eine so kleine Sache für einen Fürsten,
sich nichts zu kümmern um seine Geschäfte, die Regierung auf den
Schultern eines unfähigen Favoriten liegen zu lassen, und den Tag
hinzubringen mit Besuch von Plauderstuben, während die Nation ihrem
Ruine entgegengieng? Die Tugenden Philipp's waren die eines Frivat-
*) D. i. er nnterschrieb das Decret der Vertreibung der Maaren.
') Also nnter seinem Vater konnten sie nicht frei aufathmcn?
s) Franz Quevedo, v. Baumstark, 1871, S. 120—121.
*) Historia eoles. de Espafia, 1 edicion^ t. III, p. 222. — 2 edieion, t« V,
p. 388 — 390. Oü. OonzcUez Davüa, 1. c. — Jtuin Yannez, Memorias para la
hiatoria de D. Felippe III, Madrid, 1723, 4*.
Urth<rile über Philipp IIF. Philipp IV. vor der Regierung. 265
mannS) ea fehlten ihm die Tagenden eines Königs, und auch jene ver-
unstaltete er durch seine Willenslosigkeit und seine Abneigung gegen
die Arbeit.*
Lerma hatte, meint derselbe, eine viel härtere Strafe verdient,
aber der Cardinalshut habe ihn vor ihr geschuzt '). Aber auch Lerma's
Sohn, und des Königs Beichtvater, AUiaga, waren so einfältig, dass
sie Lerma^s Regierung in gutem Lichte erscheinen Hessen.
§.. 7.
Aus der Ehe mit Margareta von Oesterreich hatte Philipp III.
eine Tochter, Anna Mauritia, geboren am 22. September 1601 , welche
im Alter von 14 Jahren mit Ludwig XIII. vermählt, und Mutter
Ludwig's XIV. von Frankreich wurde'). Am 8. April 1605 wurde der
Infant Philipp geboren. Er empfing die Huldigung der Stände und
Grossen in der Kirche S. Geronimo zu Madrid am 13. Januar 1608.
Die dritte Tochter, Maria, wurde am 3. September 1628 mit Ferdi-
nand (III.) von Oesterreich vermählt.
Philipp IV. trat am 31. März 1621 die Begierung an. Er hätte
auch bei der besten Erziehung und Leitung im Alter von 16 Jahren
sich für die Kegierung kaum vorbereiten können. Aber sein Vater,
der von den Staatsgeschäften nichts wissen wollte, konnte und mochte
auch seinen Sohn nicht in dieselben einführen. Wie konnten aber
Lerma oder Uceda ein Interesse daran haben, dass ein Prinz heran-
gebildet werde, dessen Wissen und Wirken sie überflüssig machen
würde? So war Philipp sich selbst überlassen. So unterschrieb denn
auch er die Decrete derer, die statt seiner regierten. Viele wollten in
ihm die Eigenschaften seines Grossvaters finden; aber gerade die
gleichmässige und beharrliche Arbeitsliebe fehlte ihm.
§. 8.
In den ersten Jahren seiner Regierung sezte der Streit über das^**"««
Patronat der Heiligen in und über Spanien die Gemüther in Bewegung upp..
IV.
') Darauf wurde das Conplet verfasst:
£1 ladron mas afamado
For no morir degollado
8e vistio de Colorado.
Und der Schurke, weit verschrieen,
Eilt' den Purpur anzuziehen,
Ui^ dem Gralgen zu entfliehen.
*) Diesen nennt der Spanier Fhrez noch im Jahre 1775'Ludwig den Grossen.
266 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
Es handelte sich darom, ob Jacobus der Aeltere der einzige Patron
Spanien's bleiben, oder ob nicht die heilige Theresia oder der heilige
Franciscus Xaver zu der Ehre eines Mitpatronats erhoben werden
sollten. Der heilige Jacobns fand tapfere Vertheidiger seines alten
Rechts. Es erschien eine grosse Anzahl von Schriften, welche, um
seine Stellang als einziger Patron von Spanien zu befestigen, seine
personliche Anwesenheit und Predigt im Lande zu beweisen suchten.
— Die heilige Theresia wurde im Jahre 1622 canonisirt. Ihre Ver-
ehrer waren nicht damit zufrieden, sie wollten sie als Patronin Spa-
nien's eingesezt wissen. Darüber wurde ein heftiger Wort- und Feder-
krieg in Scene gesezt Die Anhänger der heiligen Theresia hatten der
Natur der Sache nach den schwereren Stand. Sie waren so zu sagen
die Angreifer, jene die Vertheidiger einer schoD^ gesicherten Position.
patronat Schou im Jahre 1617 hatten die Carmeliter-Barfusser an die
der Hei- ^^ . .
ligen. Cortes vou Castilien den Antrag gestellt, die heilige Theresia möge
als Schuzpatronin Spanien's erklärt werden. In jedem andern Lande
hätten die Stände erklärt, dass diese Streitfrage ausserhalb des Kreises
ihrer Thätigkeit liege. Aber die Spanier waren damals eine Nation
von Theologen. Am 16. November 1617 beschlossen die Cortes im
Sinne der Antragsteller, und am 18. August 1618 genehmigte der
König den Beschluss der Stände *)• Mit allem Rechte erklärte Philipp
de Tassis, Erzbischof von Granada (1618 — 1620), dass die Cortes die
Grenzen ihrer Macht überschritten, dass in dieser Frage nur der Papst
entscheiden könne. Der gefeierte Erzbischof von Sevilla, Petrus de
Castro, schloss sich dieser Erklärung an. Die heilige Theresia selbst
wurde erst am 12. März 1622 canonisirt
Im Jahre 1624 starb der Erzbischof von Sevilla, einer der an-
gesehensten Prälaten von Spanien, im Alter von 102 Jahren, nachdem
der Erzbischof von Granada schon im Jahre 1620 gestorben war^).
Die Angelegenheit des Patronats wurde jezt aufs Neue betrieben, und
Philipp IV. für diesen Plan gewonnen.
Die heilige Theresia wurde im Jahre 1515 zu Avila geboren.
Als sie die Lebensgeschichte der Märtyrer gelesen, entfloh sie als
Kind mit ihrem Bruder aus Avila, um nach Afrika zu ziehen, und
dort ihr Blut für den Herrn zu vergiessen. Durch die Dazwischen-
kunft ihres Oheims wurde sie zurückgeführt, ergoss ihren Schmerz
darüber in den heissesten Thränen, und suchte ihn durch Almosen
und andere Werke der Frömmigkeit zu mildem. Im Alter von
20 Jahren trat sie in den Orden von Carmel, und legte die Gelübde
*) Acta Setoram, t. VII, Ootober, Paris, 1869, pag. 765.
') Oonz. de C^edes, Hiatoria de Felipe IV, Lisb. 1631, lib. V, op. 1
(p. 361), (Marqnes Virg^lio Malvezzi).
Leben der heiligen Theresia. 267
ab« An 18 Jahre lang ^varde sie dnrch die schwersten Krankheiten
und Versnchnngen aller Art geprüft, und von keinem hohem Tröste
erquickt. Unbesiegten Geistes trug sie alle diese Leiden, und erlangte
am Ende dieser Prüfungen wunderbare Tröstungen. Den im heiligen
Sacramente gegenwärtigen Heiland schaute sie wie mit ihres Leibes
Augen, und konnte sagen, dass sie jene um nichts zu beneiden brauche,
die den Herrn mit ihren leiblichen Augen geschaut. Ihre Liebe zu
Gott war nicht, wie die eines Menschen, sondern wie der „Cherubin"*),
und diese Liebe erhöhte der Herr durch viele ihr gewordene Gesichte
und Offenbarungen. Sie sah zuweilen einen Engel, der ihr Herz mit
einem feurigen Speere durchbohrte, und in ihr die Liebe in mächtigen
Flammen entzündete. Sie machte in dieser Liebe das Gelübde und
hielt es, immer das zu thun, was das Vollkommenere wäre, und zu
Gottes grösserer Ehre gereichte. Erglühend in inniger Nächstenliebe
beweinte sie das Elend der Ungläubigen und Häretiker mit nie ver-
siegenden Thränen; für deren Bekehrung brachte sie Gott stets Fasten,
Geisselungen und andere Abtödtungen des Fleisches dar. Keinen Tag
Hess sie vorübergehen, ohne Werke der Liebe vollbracht zu haben.
Für ihre Feinde hörte sie nicht aaf zu beten. Weise Männer pflegten
zu sagen: Wer von Theresia geliebt zu werden wünsche, der müsse
ihr Schaden und Unbilden zufügen. Unglaublich waren die Werke ihres
demüthigen Gehorsams. Auf Verlangen ihres Beichtvaters warf sie das
schone Buch, das sie über das hohe Lied verfasst, in die Flammen.
Sie führte die Reformation ihres Ordens, sowohl in den Männer- Reform
als Frauenklöstem , unter den grössten Schwierigkeiten siegreich meuten.
durch, unterstüzt hierin von dem heiligen Johannes vom Kreuze.
Diese Reform breitete sich fast über alle katholischen Länder aus.
Ohne Geld, ohne Einkünfte, führte sie die Errichtung so vieler Klöster
in und ausserhalb Spanien's durch, meistens unter dem Widerstreben
der weltlichen Grossen. In ihrem Leben schon verherrlichte sie Gott
durch viele Wunder (von welchen die Bulle der Heiligsprechung einige
anführt). Nach so vielen Werken starb sie in ihrem Kloster zu Alba
am 4. October 1582. Ihr Leichnam athmete den süssesten Wohlgeruch
aus. Die Wunder, die auf ihre Anrufung vollbracht wurden, mehrten
sich. Auf Bitten Philipp's UI. wurde die Frage ihrer Heiligsprechung
in Bom eifrig betrieben. Auch Kaiser Ferdinand IL fügte seine Bitten
denen Philipp's III. bei. Am 12. März 1622 wurde sie als „Heilige^
der Kirche erklärt; ihr Fest auf den 15. October, als auf ihren Todestag
angesezt').
') So heisBt es in der herrlichen Canonisationsballe.
^ S. die Bolle in Btdlar. Roman, Taurin, 1867. t. XII, p. 673-682 — und
in Acta Sanctor., 15. Oetober, VII, Paris, 1869, p. 638—725 — wo ihre Acta anct.
268 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
Kaum war Theresia als „Heilige erklärt, so wollten ihre Verehrer
mit neuem Eifer sie zur Patronin Spanien's erklärt wissen, als ob
die Heilige nicht ohne diese Erklärung liebend vom Himmel her auf
ihr Vaterland geblickt hätte^'). Philipp IV. schrieb im Februar 1626
von Saragossa aus an den Präsidenten von Castilien, Franc« de Con-
trcras, und dieser wandte sich aufs Nene an die Cortes. Die Cortes
von Castilien erneuerten ihren frühem Beschluss. Das ganze Land
gerietb in hizige Bewegung. Man wandte sich nach Rom. Am
21. Juli 1627 erklärte Papst Urban VUI., Theresia von Jesus solle
Schuzpatronin von Castilien sein, aber mit Vorbehalt des Patronats
des heiligen Jacobus'). Aber die Kirche von Compostella und einige
andere waren damit sehr unzufrieden, nicht mit Unrecht, wie uns
Franc, de Ribera^ S. J., libr. 5 sind; cf. andere „Vitae** v. Didac. Yepes nud
Matth. MaHineZj p. 725—741. (741—743). Gloria posthnma, p. 745—790. (Separat-
abdruck mit dem Commentare Yandermoere^s), Acta Set, p. 109—537, Bruxell., 1845).
Historia de la reforma de los descalzos de naeatro Sefior del Carmen. Ma-
drid, 1644 — 1710. 6 vol. 2*. — Eacritos de Santa Tereaa, 2 tom., Madr., 1861— 18G2,
por Vie. de La Fuente (tom. 53 et 55 der Sammlung: Biblioteca de antores espa-
fioles dcsde la formacion del lengaaje hasta nuestros dias. Madr., 1646 — 1862,
impr. de Bivadeneyra, dämm Bibliothek von Rivadeneyra genannt). Das Leben der
heiligen Theresia, von ihr selbst geschrieben, nach dieser Ausgabe übersezt von
Ida Hahn- Hahn, Mainz, 1867. — Leben der heiligen Theresia, von ihr selbst ge-
schrieben etc.^ Aachen, 1868. — Schriften der heiligen Theresia von Jesn, 6 Bde.,
heransg. von Oall. Schwab (Bd. I, Leben, von ihr selbst beschrieben. Bd. II, das
Bach der (ihrer) Elosterstiftungen. Bd. III, Weg zur Vollkommenheit. Bd. IV,
Seelenburg. Bd. V, Kleinere Schriften. Bd. VI, Sapplementband). — Die sämmt-
lichen Werke der Heiligen, nach den Sammlungen des Bischofs D. Juan de Pala-
fox, Sulzbach, 1881—1833. — Auserlesene Schriften, von Eath. Fr. Schlosser,
2 Bde., Franktot, 1827—1832. — Sämmtl. Schriften, herausg. von OalL Schwab,
revid. von Magn. Jacham, 2. Aufl., 6 Bde., Snlzbach, 1861— 1853l — Werke,
übers, von L. Claras, 5 Bde. , Regensbnrg, 1851 — 1855. Jocham, die Schriften
der heiligen Theresia im Auszage, Regensbnrg, 1863. —
Zahlreiche „Leben*' der heiligen Theresia in allen lebenden Sprachen, u. a.
von YepeS' (Braccini), Rom, 1623, Vie, Lyon, 1670; ViUefiyre, Paris, 1712;
Marckhovitsch, Wien, 1718, 2 Bde.; P. Cl. Duret, Lyon, 1718; X Ä. Efnery, Lyon,
1775; J, B, A.Boucher, Paris, 1810, 2 t; 8. Buchfeiner, Augsb., 1826; J. Cemy,
Prag, 1830; F. B. Collotnbet, Lyon, 1837; „Leben", Cöln, 1841; Leben von Fr. Fosl,
Regensb., 1847; Hennes, 2. Aufl., 1866; Paul, Roussekt, Paris, 1867, und viele
andere.
■) Vie. de La FuenU, Hist. ecl V, p. 422, Hadr. 1874.
^ Acta Sctor.^ Paris, 1869, 1. c, p. 765, (nicht 1628, wie in „Anno Teresiano,
t II, p. 149 steht). Es war ein Breve, nicht eine Bulle, die der Papst erliess; es
steht Acta Sctor., p. 765—766. Die wichtigste Stelle des Breve laatet: nlmpo-
sterum eadem S. Teresia cnm omnibus et singnlls privilegüs^ gratüs et Indul-
gentiis similibns Patronis competentibos sea alias concedi solitis, sine tamen praeju-
diclo et ifiovatione vel diminatione aliqua patronatus S« Jacobi Apostoli in universa
Qispaniarum regna haben et reputari«
Compatronat der heiligen Theresia. 269
scheint, obgleich die heilige Theresia nicht als Patronin von ganz
Spanien, sondern nur des Königreichs Castilien erklärt worden. Aber
die Provinz Galizien bildete von jeher einen integrirenden Theil des
Reichs von Castilien. Sie gehorte weder za Portugal, noch bildete
sie für sich ein Königreich. Nach dem Breve aber wäre die heilige
Theresia wenigstens in Castilien dem heiligen Jacobns vorgezogen
worden, dieser aber oberster Patron in Aragonien, Navarra, Amerika
u. 8. w. geblieben. Die Carmeliten vertheidigten aus allen Kräften die
heilige Theresia, u. a. erklärend, dass nicht sie, sondern alle andern
es gewesen, welche ihr so hohe Ehrentitel erworben, die man ihr abei'
jezt nicht mehr rauben dürfe.
Wegen der grossen daraus entstandenen Bewegung der Gemüther
suspendirte Philipp IV. am 22. November 1627 den Vollzug des päpst-
lichen Breves, das er doch vor Allen verlangt hatte, bis eine Entschei-
dung des Papstes über den Grund der Opposition ergangen sei.
li'ane. QuevedOf Kitter des Ordens des heiligen Jacobus „vom Schwerte*^ '"'*"*•
(de spada) verfiisste seine „Denkschrift für Santiago's Patronat^, welche nr set.
im Februar 1628 erschien. Er lehrt, dass das Patronat des heiligen J*^^'^^
Jacobns über Spanien eine Sache gottlicher Anordnung sei, und dass
Cortes (und auch Könige) hierin nichts ändern können. Er erzählt
n. a., was Konig D. Ramiro über die ihm gewordene Erscheinung des
heiligen Jacobus berichtet habe'). Am 26. Februar 1628 wandte sich
Quevedo an Papst Urban VIEE. , mit der Bitte , er möge den Apostel
Jacobns in seinem überlieferten Rechte lassen. Ein längeres Gedicht
in derselben Streitfrage gab er heraus. Gegen ihn schrieb u. a. der
SeTÜlaner Franc. Marovdli^), „nicht ohne einige Eingenommenheit gegen
den heiligen Jacobus, den bis jezt einzigen Patron von Spanien^.
Ganz Spanien gerieth in Feuer und Flammen. Der Bischof von
Cordova, Didacns Mardones, ein Dominikaner, war erglüht für die Ehre
des heiligen Jacobus. Er widmete ihm ein Bild in seiner Cathedrale
mit der Inschrift: „B. Jacobo Hispaniarum unico certissimo antiquis-
simoque patrono^.. Er starb im September des Jahres 1624, 96 Jahre
alt*^. Er hatte zum Nachfolger den Bischof Cristobal de Lobera y
Torres, den feurigsten Anhänger der heiligen Theresia. Ueber ihn
sagt Oom, Bravo^): „Damals befand sich die Prätension^ dass die hei-
lige Theresia als die Mitpatronin der Reiche von Castilien erklärt
') Kirchengesch. II, 2, p. 870—374.
^ Franc. MoroveÜi de Puebla defiende el Patronato de Santa Teresa de
Jesus, y responde a D. Franc de Quevedo Viüegas, a D. Franc, de dielgar Ca-
nonieo Dotoral de Sevilla, y a oCros qne han escrito contra öl. Malaca. 1628. 4*.
*) Der Erzblschof de Castro von Sevilla starb in demselben Jahre, 102 Jahre alt
') Obispos de Cordova, 1777, II, p. 610.
270 Dreizehntes Bach. Achtes Kapitel.
werden solle, in ihrer stärksten Strömung. Diese Erklärung wnrde
vom Hofe sehr begünstigt, und in Rom mit grosser Hize ventilirt,
Hisige da dei. Papst am 21. Juli (1627) sein Decret erlassen hatte. Am
nir und 3. October erklärte der Bischof seinem Kapitel, er sei entschlossen,
wider in den ö. October als Festtag zu begehen. So that er; er be£Eihl, dass
Yn, das Fest der heiligen Theresia mit einer Octave in seinem ganzen
Bisthum begangen werde. Das Kapitel machte Vorstellungen, da
weder es noch die Stadt die hiezu nöthige Genehmigung ertheilt habe.
Am 4. October wurde beschlossen, dass das Fest als „Semiduplex^ be-
gangen werde, wie es in Rom bestimmt worden. Der Bischof liess
ein Manifest für das Patronat der heiligen Theresia drucken, und
sandte es am 27. November an das Kapitel. Das Kapitel appellirte an
den König „de abusu^ ^), in seinem und dem Namen des ganzen Klerus.
Leider legte der Klerus selbst. Alles vom Konige hoffend, und Alles
von ihm fürchtend, bei jedem Schritte alle kirchliche Gewalt in die
Hände der weltlichen, mittelst des „Exequatur^, und wegen Miss-
brauchs der geistlichen Gewalt, ohne dass die Regierung es verlangte.
-^ Das „ruere in servitutem^' (regis) trieben diese spanischen Priester be-
harrlich fort. Der Bischof entsezte einen Domherrn seiner Stelle, an-
geblich wegen langer Abwesenheit, in Wahrheit, weil er ein feuriger
;* Anhänger des heiligen Jacobus war.
Die Kirche von Santiago, die von Cordova, und einige andere
ergriffen nun den Recurs an den Papst, welcher im November 1629
ein neues Decret erliess, worin er das frühere fast aufhob. Er er-
klärte^ dass das neue Patronat bloss für die Orte und Diocesen gelten
solle, wo der Bischof, der Klerus und das Volk gemeinsam darum
bitten würden*). Das Kapitel und das Municipiiim von Cordova
wollten dieses lezte Decret pnit besonderu Ehren aufnehmen, und be-
schlossen in Folge desselben eine grosse Wallfahrt nach Santiago zu
veranstalten. Dem widersezte sich der Bischof, und man beschloss,
zu warten, bis er abgereist wäre. Ein anderer Streit kam in die
Quere. Der obige Domherr^ zugleich Magistrat, Lucas Gonzalez de
Leon, predigte am Feste des heiligen Jacobus (25. Juli) 1630; der
Bischof fühlte sich durch seine Rede sehr beleidigt, fing einen Pro-
cess an, und verhängte über den Magistrat die Excommunication.
Dieser protestirte gegen den Spruch als eine Anmassung, da der
Bischof ganz einseitig vorgegangen, er auch in seiner Rede nichts
Persönliches vorgebracht habe. Das Kapitel liess die Predigt drucken,
*) Reeorrio al Real auxilio de la faerza.
*) Novam patrocinii gratiam singnlis civitatibns et DioecesiboB dnmtazat, qua-
ram Episoopas, Gleros et populas conjunctim praedictam Sanctam Theresiain patro-
nam habere elegerint, ac a Nobis deputari conBenBerint
Der heilige Johann Tom Kreuze. 271
und es fand sich nichts Verfängliches darin. Man verglich sich. Da
der Bischof für Palencia ernannt war, „so endigten diese Wirren,
welche aas der Andacht des Bischofs für die heilige Theresia und
der Verehrung des Magistrals gegen den heiligen Jacobus erflossen
waren; da aber da und dort die Discretion und die Klugheit fehlten,
80 waren daraus schwere Scandalß erwachsen^ ').
§. 9.
Der heiligen Theresia stand in der Reform ihres Ordens der hei-
lige Johannes vom Kreuz zur Seite , erster unbeschuhter Carmelit.
Geboren im Jahre 1542 zu Hontiveros bei Avila, — wurde er erzogen
zu Medina del Campo, wo er bei den dortigen Jesuiten studirte, die
übrige Zeit aber dem Dienste der Kranken widmete. Mit 21 Jahren
trat er daselbst in den Orden vom Berge Carmel. in Salamanca sezte
er seine Studien fort; und unterzog sich den grossten Abtödtungen.
Mit 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht Schon in Me-
dina hatte ihn die heilige Theresia kennen gelernt. Von Salamanca '^^'^'
zog er nach Durvelle, wo sie das erste Männerkloster der strengern crus n.
Reform gegründet hatte. Am ersten Sonntage des Advents 1568 er- ^** ^•'*
nenerte er mit seinen Mitbrüdem die Gelübde. Johannes a Cruce
wurde Prior des erneuerten Ordens. Spater wurde er im Kloster zu
Pastrane Novizenmeister. Verfolgt von den Carmeliten der laxern
Observanz y vnirde er neun Monate gefangengehalten. Im Todesjahre
der heiligen Theresia (1582) war die strengere Regel in 15 Männer-
(und 17 Frauenklostern) durchgeführt. Im Jahre 1579 stiftete Jo-
hannes das Kloster von Baeza; 1581 wurde er Prior des Klosters in
Granada. Im Jahre 1585 wurde er Provincial-Vicar von Andalusien,
im Jahre 1588 erster Ordensdefinitor. Auf dem Ordenskapitel zu
Madrid im Jahre 1591 siegten seine Gegner, und er wurde aller seiner
Stellen entsezt. Nachdem er als einfacher Ordensmann sich in das
Kloster von Pegnuela zurückgezogen, vollendete er hier seine mysti-
schen Schriften. Krank — Hess er sich in das Kloster von Ubeda
bringen. Nach den Worten: ^^Herr, in deine Hände empfehle ich
meinen Geist^, starb er am 14. December 1591. Er wurde am
27. December 1726 heiliggesprochen*). — Seine Schrifiben (Subida ^«»n»
del monte Carmelo — 3 Bücher; Noche oscura del alma — 2 Bücher; ^^"
Llama de amor viva; Cantico espiritual entre la Alma y Christo su
') Chmez Bravo, II, p. 614. — Fic* de La Fuenie, V, p. 423— ß6.
*} Die Bulle vom 27. December, Heiligsprechung in BvUar* Rom. ed. Aug.
Taurin., 1871, t 22, p. 480-483.
272 Dreizehntes Bach. Achtes Kapitel
esposo con su declaracion) , erschienen zu Barcelona — 1619 4® und
1635; zu Madrid 1629 und 1672; Obras, 12. Ausgabe, SeviUa, 1703
— 2°.; ferner in latein., franzos., Italien. Uebersezungen. Deutsch —
hl. Job. V. Kreuz christl. Mystik y. Sim. Buchfdnerj 1841; aämmt-
liehe Schriften, mit einer Einleitung v. Oallus Schwab, 2 Thle., Sulzb«,
1830. — Uebersezt und als zweite Auflage der Schwabischen Ueber-
sezung herausgegeben v. Magn. Jocham. — Werke, übersezt 2 Bde.,
Snlzb., 1858. — Leben und Werke des heiligen Johannes vom Erenz,
Von P. Lechner, 3 Bde., Regensb., 1858 — 1859. Sein Leben schrieben
die Carnieliten Hieronymns de S. Joseph, Madrid, 1641; Gaspar de la
Anunciacion, Josef, a Jesu Maria, c. 1615, Josef von d&r heiligen
Theresia, c. 16 4 0, u. a. — (F. •/. Scherm«r^), die klassische ascetische
Literatur Spanien's in „Chilianeum«, Bd. II— III, 18G3— 1864*).
§* 10-
Patro-
Von dieser Zeit an mehrten sich die s. g. „Patronate^^ der Hei-
Heiu- ligen, keineswegs aber die Frömmigkeit und die wahre Nachfolge der
^^°* Heiligen. Bei fast jeder Bedrängniss und Noth sah man sich nach
neuen Patronen um, ohne daran zu denken, den sinnlosen Luxus, die
Profanationen des Heiligen, die Laster überhaupt abzustellen. — Der
Hof hatte viele Jahre gewaltig für das Patronat der heiligen Theresia
geeifert, so dass die Gegner desselben gemaassregelt wurden. Die
Feinde Quevedo's klagten bei Hof über den harten Ton seiner Schuz-
Schriften, und dass derselbe in seiner frühem Schrift: „Die Politik
Gottes und die Regierung Christi^% den Konig und den Hof ange-
griffen^). Er wurde darum im April 1628 vom Hofe verbannt, und
nach Juan Äbad internirt. Der Bann lag etwa acht Monate auf ihm.
Am 29. December 1628 erhielt er die Erlaubniss zur Bückkehr. In
seiner Verbannung im Mai d. J., arbeitete er eine neue Schrift aus:
„Santiago für sein Schwert^' *), worin er eine sehr scharfe Sprache
redet. Er macht es dem Olivares zur Pflicht, den jungen Eonig eines
Bessern zu belehren. In sechs Abschnitten widerlegt er seine Gegner
und deren Angriffe auf ihn, der heiligen Theresia aber zollt er den
glänzendsten Tribut/ der Verehrung. Die Schrift konnte damals nicht
gedruckt werden, und erschien erst im Jahre 1852 in der neuesten
') Schermer hat auch die Werke des Juan de Avila (s. oben S. 160) in
3 Bden. in's Dentsche übersezt, Begensburg, 1856—1859.
^) Politica de Dies y gobiemo de Christo, sacada de la Sagrada Escritnra,
1625 (1620).
') Santiago per su Espada.
Spätere Patronate. 273
Ausgabe der Werke Qftevedo^a^), Das Patronat der heiligen Theresia
worde wieder im Jahre 1700 durch das Testament Carl's II., beson-
ders aber durch die radikalen Coi-tes von Cadiz angeregt, welche aro
28. Juni 1812 die heilige Theresia als ,,Compatronin Spanien's^% zu-
gleich mit dem heiligen Jacobus, erklärten*).
§. 11.
Da C8 mit dem Patronate der heiligen Theresia nicht yorangieng,
so begeisterte sich der Hof für das Patronat des heiligen Erzengels
Michaä. Im Jahre J 643 schrieb Philipp IV. an den Bischof Dom. P»tron.t
, des hl.
Pimente] (1633 — 1649), das Kapitel und die Stadt von Cordova, nach- Mich«i?i.
dem schwere Unfälle das Reich betroffen, dass alle diese Unfälle der
lauen Verehrung gegen den heiligen Erzengel Michael zugeschrieben
wurden, dass man öffentliche Akte der Verehrung desselben begehen,
und dass er als Patron des Königreichs angenommen werden möge.
Am 6. Februar 1643 schrieb dariiber die Stadt an das Kapitel. Es
wurde vereinbart, eine sehr feierliche Procession zu Ehren des heiligen
Michael in die ihm geweihte Kirche zu halten, der heilige Jacobus
möge aber einziger Patron von Spanien bleiben^. Am 8. Mai 1643
fand diese Procession statt. Die Frage wegen des neuen Patronats
aber ruhte.
Im Jahre 1678 richtete König Carl II. die Bitte nach Rom, es ^*°®
möge der heilige Joseph als Patron von Spanien erklärt werden. Das te.
gewünschte Breve wurde erlassen, aber Weiteres geschah nicht. Im
Jahre 1702 bemühte sich der Erzbischof Jacob Cantelmi von Neapel,
dass der heilige Jafmariua^ zugleich mit dem heiligen Jacobus, als
Patron von Spanien erklärt würde. König Philipp V. war damit ein-
verstanden. Die heilige Theresia, der heilige Michael und der heilige
Joseph wurden fallen gelassen. Auf Bitten Philipp's V. erliess Cle-
mens XI. eine Bulle, jedoch mit der Beschränkung, dass Januarius der
kleinere, Jacobus der grössere Patron sein sollte. Also hatte mau
den Unterschied zwischen grössern und kleinern Patronen. Das Ka-
pitel von Santiago, und das von Cordova^ die in dieser Angelegenheit
stets Hand in Hand gegangen, wendeten sich beschwerend an den
König, und die Publication der Bulle unterblieb.
Carl lU. erlangte am 8. November 1760 die Erklärung des all-
■) Biblioteca de Rivadeneira, tom. 23 et 48.
') Acta Sctor., Oct. t VII, Paris, 1869, p. 766-767. — Baumstark, Franz
^oevedo, lö71, S. 148—160.
») Bravo, II, p. 641—612.
G«iD«, span. Kirche. IIT. S. ]^g
274 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
gemeinen Patronats der „unbefleckten Empfängnisse* von Papst Cle-
mens XIIL in allen seinen Reichen, cum ritu duplici der ersten Süasse,
und einer Octave, mit eigenem Officium und eigner Messe. Die Cortes
endlich des Jahres 1812 stellten das Patronat der heiligen Theresia
wieder her. Wenn Konige und Staatsmänner sich so sehr mit der
Theologie beschäftigen, und die Rangordnung der Heiligen festsezen,
so pflegt etwas faul zu sein „im Staate Dänemark".
In Navarra verlangte das Königreich zu seinem Patron den hei-
ligen Franc. Xaver, die Cathedrale aber und der Klerus den heiligen
Firmin. In Madrid verlangte man nach dem Patronate des heiligen
Isidor von Madrid*).
§. 12.
Philipp IV. figurirt, wie sein Vater, nur seinem Namen nach
unter den Königen von Spanien; er regierte nicht und verwaltete nicht.
In der frühem Zeit regierte der Graf- Herzog von Olivares, in der
spätem Zeit desselben der Graf Haro. — Philipp III. hatte sich be-
müht, von der Gesellschaft seines Sohnes einen ehrgeizigen und reichen
Jüngling zu entfernen, den (Grafen) Gaspar Guzman. Derselbe wurde
zu Rom am 6. Januar 1587 geboren. Als der jüngste seiner Fa-
milie war er zum geistlichen Stande bestimmt, und sollte seine Studien
<^w- in Salamanca fortsezen. Als (dritter) Graf von Guzman wurde er
<JJJJJ^". zum Rector der Universität erwählt, vom Konige erhielt er die Com-
"» mende von Veteras im Orden von Calatrava. Nach dem Tode seines
altern Bruders Geronimo kam er. Erbe grosser Güter, selbst an den
Hof. Nach dem Tode seines Vaters trat er mit dem ganzen Glänze
seines Ranges auf. Von einem Ehrgeize ohne Maass erfüllt, war er
verschwenderisch, um Anhänger zu werben. Ein feiner Hofmann, ge-
wann er die Gunst der Palastdame Agnes von Zuniga y Velasco, die
er im Jahre 1607 zur Ehe nahm, und erlangte dadurch die Gunst der
Konigin Margareta. Philipp HL versprach ihm die Würde eines
Granden, die er seinem Vater verweigert hatte. Da er ihn aber von
seinem Sohne entfernen wollte (vielleicht wegen der Eifersucht Ler-
ma's auf dessen wachsenden Einfluss), sandte er ihn als ausserordent-
lichen Gesandten nach Rom. Der Konig fürchtete mit Recht, dass
Guzman die ohnedem stürmischen Leidenschaften seines Sohnes reizen
würde; dieser aber wollte von Guzman nicht lassen. Guzman wohnte
') Genannt Labrador (der Baaer). Er starb im zwölften Jalirh. in Madrid.
Sein Iweben beschrieben Joe. Bleda, Alf ans de VüUgas, Oregor. de Argais,
Nicolaus Jos, de la Cruz^ u. a.
Der Graf Olivares. 275
auch der VermähluDg Philipp's (IV.) mit Elisabeth von Bourbon im
Jahre 1616 an. Er galt allgemein als Nebenbafaler der Macht Lerma's.
Mit seinem Reichthume befriedigte er die kostspieligen Neigungen des
Infanten Philipp. Nach dem Tode Philipp's III. war er unumschränkter
Herr der Situation. Der Jesuit P. Florencia galt damals als der beste
Prediger am Hofe. Kurze Zeit nach Philipp^s III. Tode predigte er
vor Philipp IV. über die christliche Sanftmuth und Demuth. In Er-
wägung, dass Florencia uns die Demuth einschärft, sagte Philipp IV.,
so wollen Wir eine Probe derselben ablegen, indem Vfir befehlen,
dass der Graf von Olivares bedeckt werde, (die Oranden haben das
Recht, vor dem Könige ihr Haupt zu bedecken). Niemand konnte an
eine solche Wirkung der Predigt denken. Von diesem Tage an hielt
Gaspar de Guzman 20 Jahre lang die Zügel der Gewalt in seinen ^^''^^^^
Händen. — Er erliess zwar im März 1623 strenge Edicte gegen den iang°
Luxus, sowie gegen die ausschweifenden und tollen Trachten, worin ^^^^
die Spanier stets das Mögliche geleistet haben. Aber der Hof gieng ^en
von nun an selbst mit*dem schlechten Beispiele voran. Während der
Anwesenheit der Prinzen von Wales bei seiner „Brautfahrt" (1621 —
1623) wurde in Luxus und Verschwendung alles Frühere überboten.
Seit Olivares die Gewalt hatte, änderte sich das Angesicht des Hofes.
Gallafeste , Zerstreuungen , Schauspiele , musikalische Productionen
wechselten ab. Der König, wie sein Vater den Geschäften abgeneigt,
aber ohne die Tugenden desselben, lebte in Vergnügungen und Zeit-
vertreib dahin. Körperliche Rüstigkeit und liebenswürdige Laune
werden an ihm gerühmt. Die Dichter verherrlichten seinen Hof. Sie
erhielten oder sie verlangten einen Antheil an seinen Genüssen. Ein
neuerer Schriftsteller sagt, dass die hundert Günstlinge Philipp's IV.
das Mark des Landes verzehrt haben ').
Der Herzog von Uceda war in den Process seines Vaters wegen ^nd«
Betrug verwickelt worden. Er wurde gerichtlich verurtheilt, von Phi- ^^^"^a*
lipp IV. aber begnadigt. Sein Vater war edel genug , ihn in seinen ureda b.
Trnbsalen zu trösten. Aber dem Sohne gieng sein Sturz tiefer zu
Herzen, als dem Vater; er wollte sich nicht trösten lassen. Er starb
im April 1624 zu Alcala, sein Vater aber im Jahre 1625 zu Valladolid.
Im Jahre 1626 reiste Philipp IV. zu den Cortes nach Saragossa.
Die Cortes kamen erst unter Carl II. , der sich persönlich nirgends
zeigen konnte, ganz ausser Gebrauch. Dass er auch frommen Aspi-
rationen zugänglich war, bewies er gerade damals, als er von Sara-
gossa aus die Frage des Patronats der heiligen Theresia wieder in
Flosa brachte. Aber es giebt auch, sagt der Spanier Vic. de La FuentCj
■) Tölomeo^ Hiatoria de Zaragoza, 1859.
18
276 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel,
Ausart- Jq ^j^m Leben Philipp's IV. Parthien von der tiefsten Unsittlichkeit,
Pbi- von denen zu wünschen wäre, dass sie sich bb zu den lezten Sporen
upp'siv. verloren hätten. Solche seien u. a. die Gewaltthätigkeiten gegen die
Inqaisition. gewesen , um seine Reputation in der scandalösen Ange-
legenheit des Protouotars Villanueva zu salviren,. nachdem der König
mit schlimmen Absichten in ein Frauenkloster eingetreten, dessen
Patron Villanueva war. Von seinen Kindern ausser der Ehe habe er
nur den D. Juan de Austria (II.) anerkennen wollen, welchen ihm eine
Schauspielerin geboren. Diese Frau, von seltener Schönheit^ bereute
ihren Fehler, und trat in ein sehr strenges Kloster ein, wo sie muster-
haft lebte«
Wie in dem Leben des Königs, gab es in dem Leben des Oli-
vares zwei Perioden. Sobald er sich in dem Vertrauen des Königs
befestigt sah, ohne Rivalen in der ganzen Nation, so suchte er die
Missstände und Schäden, die er angerichtet, wieder gut zu machen.
Aber die Lage der Dinge war stärker, als seine Kräfte. Das Unglück
stürmte von allen Seiten herein, und die Monarchie drohte aus den
Fugen zu gehen. Schliesslich gieng auch das annexirte Portugal ver-
loren, dessen Besiz und Verlust Spanien tiefe Wunden schlug« Be-
sonders die finanziellen Maassregeln des Olivares machten ihn ver-
hasst. Wie in andern. Tagen der so genannte „Milliardensegen'' gar
sehr zum Unheil des ganzen Volkes ausschlug, wie Wenige daran
Viel sich bereicherten, und die Andern verarmten, so war auch der Gold-
^g,„"' Strom, der von Amerika her nach Spanien strömte, der Anlass der
Geld fm Verarmung. Die ohnedem nicht grosse Arbeitslust der Castilianer
wurde dadurch noch mehr herabgestimmt. Spanien bezog auch in
Folge der Vertreibung der Moriscos seine Waaren und Fabrikate aus
dem Auslande um sehr theures Geld. Die Fremden Hessen sich als
Gewerbs- und Kaufleute nieder und bereicherten sich. Wie damals,
so ist es heute noch im Reiche Castilien. Schon Philipp II. hatte
durch Verordnungen den Werth verschiedener Münzen willkührlicb
erhöht; Philipp lU. erhöhte den Werth des Kupfergeldes. Das übrige
Europa sandte nun sein Kupfergeld nach Spanien, und zog dafür
Gold und Silber aus dem Lande. Zur vermeintlichen Bemedur ver-
bot Philipp's IV. Regierung unter Strafe die Einfuhr von Kupfer, und
die Ausfuhr von Gold und Silber. Im Jahre 1626 wurde verordnet,
dass in den nächsten 20 Jahren kein Kupfergeld geprägt werden dürfe.
Eine Verordnung vom 13. September 1627 wollte die Preise
der Lebensmittel und Arbeitslöhne zwangsweise anordnen. Die da-
durch entstandene allgemeine Verwirrung zwang dazu, diese Maass*
rcgel aufzuheben. Am 7. August 1628 wurde der Werth des Kupfer-
geldes wieder auf die Hälfte herabgesezt; am 16. September 1628
wurden gescbärile Strafen auf die Einfuhr von Kupfer, und auf die
MiaBwirthschaft nnter OlivareB. 277
Ausfahr Ton Gold und Silber gesezt. Nur auf besondere Erlaubniss
des Finanzmioisteriums für bestimmte Fälle und einzelne Seehäfen
sollte die Erlaubniss zur Einfuhr von Waaren gegen Ausfuhr edler
Metalle gestattet werden. Dass diese Notizen nicht in eine Kirchen-
geschichte von Spanien an sich gehören, leuchtet ein. Hier aber
fliessen sie ein, um an einem Beispiele zu zeigen, dass, wenn eine
Regierung zu viel in Theologie, in Eirchenpolizei und Kirchenregiment
macht, das von ihr regierte Land um so mehr herunterkommt Eben ^^**^®°j|
zur Zeit der Herrschaft des Olivares wurde die Freiheit der Kirche am
meisten unterdrückt. Die Niederlagen, welche diese Regierung auf
allen andern Gebieten erlitt, wollte . sie durch scheinbare Siege auf dem
kirchlichen Gebiete aufwägen.
Diese Misswirthschaft stammte schon aus den Zeiten Carl's V.
her, nnd Philipp H. gieng mit dem Gelde um wie ein Kind ohne Er-
fahrung. Quevedo nennt den Bau des Escorial in jenen Zeiten der
Noth eine „Kinderei*, d. i. eine kindische Vergeudung von Geld. — nndvet-
Troz aller Finanznoth verschlangen die noblen Fassionen Philipp's IV., *dunr
besonders seine Theater^ und das, was darum und daran hieng, ganz
enorme Summen. Es wurden am Hofe Theaterstücke aufgeführt,
welche ein Hohn auf alle Moral, u. a. auf die Treue des Ehe-
standes waren. — Die Theater begleiteten den König auch auf seinen
Keisen, z. B. im Jahre 1632, als er wieder zu den Cortes nach Ara-
gonien reiste.
§. 13.
Seit dem Jahre 1 635, als Frankreich Spanien den Krieg erklärte,
giengen die Dinge zum Schlimmem. Aller Handel und Verkehr
stockte; die Unzufriedenheit gegen Olivares, wie gegen den Hof, stei-
gerte sich. Eine anonyme Bittschrift vom December 1639 an Phi-
lipp IV. lantete u. a.: „Katholische, geheiligte, königliche Majestät, die
Gott als Gottheit uns auf Erden sezte (diess meinte eben Philipp 11.^
aber diese Meinung war Spanien's Anfang zum Falle), ein armer Greis
spricht auf seinen Knieen zu Euch. — Von Allem, was Gott wachsen
lässt anf Erden, von Allem, was des Menschen Kunst erfindet, zahlt
man in Spanien mehr Steuer, als die steuerbaren Dinge selbst werth
sind. Hundert Konigen zusammen hat Spanien nie die Summen ent-
richtet, wie Eurer Regierung. Schon beginnt das Volk zu furchten,
man werde ihm auch noch eine Steuer auf das Athmen legen; und die
Reichen wiederholen es immer lauter; Es ist doch Alles verloren, darum
lasset uns Alle stehlen." Wer immer diese Schrift verfasst hat, sie
war der Ausdruck der wirklichen traurigen liagc.
Im Jahre 1 640 brach die Revolution in Catalonien aus. Es hatte , J„j
278 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel
iD cau-dm-^ij den Krieg mit Frankreich (1634— 1640) gar sehr gelitten. Der
^640.' Schaz war leer. Man wollte Catalonien zwingen^ die Trappen, die
dort lagen, selbst zn unterhalten, nnd ihnen Lebensmittel und Fonrage
za liefern. Philipp IV. sandte scharfe Befehle^ welche mit einer ex-
cessiyen Strenge ausgeführt wurden. Das Volk von Barcelona er-
mordete den Vicekönig Graf von Santa- Coloma, sowie alle castilische
Beamte. Die ganze Proyinz erhob sich, und constituirte sich als Re-
publik unter dem Schuze Frankreich's. Angegriffen von dem Marquis
de los Velez und gransam behandelt, riefen die Catalonier den Schuz
Frankreichie an, erkannten Ludwig XIIL für ihren Souverain, und
widerstanden den Angriffen der Castilianer. Sie kämpften bis zum Jahre
1653, und hielten einen grossen Theil der StreitkraAe Spanien^s fest*).
§. 14.
Am 1. December 1640 brach die RcTolution in Lissabon aus.
Die Spanier hatten unter Olivares das Ihrige gethan, die Lage der
Portugiesen zu verschlimmern. Diese riefen Johann, Sohn des Theo-
tonius, aus dem Hause Braganza, zu ihrem Konige aus. Sie fanden
bei Frankreich, England, Holland, den deutschen Protestanten, fast
überall Hilfe, während Spanien auf sich selbst angewiesen blieb, und
schon dem Kriege mit Fk'ankreich und Catalonien nicht gewachsen
PortDgai war. Die Zahl der Truppen, die es gegen Portugal stellen konnte, er-
^lich*' reichte darum nicht oder kaum die Zahl der Soldaten Portugal's,
welch' leztere gute Führer hatten. Im Grunde kämpfte nicht Spanien
gegen Portugal, sondern Castilien kämpfte gleichzeitig gegen Portugal,
Catalonien und Frankreich. Es ist kein Wunder, dass es erlag.
Die Lage der Monarchie war schrecklich. Aragonien grollt
nnd drohte. Die Holländer plünderten die spanischen Colonieen. Ita
lien, (besonders Neapel) erhob sich gegen die spanische Herrschaft;
selbst der Papst war mehr auf Seite der Gegner.
Be- Olivares verbarg die Wucht der harten Schläge lange unter einei
"^nuT äusserlichen Heiterkeit, die er auch dem Hofe mitzutheilen wusste
spa- Er fuhr fort, den König zu beherrschen, und ihn durch gehäufle ye^
^^'^'^ gnügungen und Feste zu zerstreuen» In dem kostbaren Palast d«i
„Buen Retiro^^ gebaut im Jahre 1633, umgeben von Dichtem uai
hübschen Frauen, sollte der Konig zieh zerstreuen, und alles Ander^
vergessen. Schon wusste die ganze Welt von der Revolution in Por
tugal. Olivares hinterbrachte endlich die Thatsache dem Konig mi
') Meto (MtUo)^ jPVanc. Manoely Historia de los movimientos, y separacki
de Catalnfia; y gnerra entre Felipe y la Gatalofia, Llsboa, 1645, 1696; Madrid, 180^
Paris, 1827.
Olivares in Noth. Philipp IV. will selbst regieren und wird fromm. 279
den Worten: „Der Herzog von Braganza hat sich als König krönen
lassen; diess ist ein Wahnsinn, welcher Euerer Majestät 12 Millionen
Einkünfte rauben, aber derselben mehrere Provinzen verschaffen wird.^
^Gut so,^ erwiederte der indolente Fürst; „Ihr seid der Herr, bringet
es in Ordnung." Die Noth der Dinge konnte aber bald auch dem
Könige nicht mehr verborgen werden. Der Herzog von Medina-Sidonia,
Statthalter voh Andalusien, suchte diese Provinz von Spanien loszu-
reissen, und sich als Herrn derselben aufzuwerfen. Seine Schwester
Anna von Gnzman war an Johann von Braganza vermählt, tmd trug
viel dazu bei, dass ihr Mann endlich in die Pläne der Portugiesen mit
ihm eingieng. Sie stachelte auch ihren Bruder auf, sich von Castilien
loszureissen. Aber die Revolution Andalusien's wurde im Blute ihrer
Urheber erstickt, während die Portugal's Erfolg hatte.
Der zunehmenden Noth und Zersplitterung der Kräfte konnte
Olivares nicht mehr Stand halten. Seine staatsmännischen Talente
waren nur oberflächlich, er wurde mehr und mehr verschlossen und
einsilbig und warf sich jezt im Stande der Noth der Frömmigkeit in
die Arme. Der Tod seiner Tochter, der Gräfin von Heliche, machte
ihn vollends hypochondrisch. Er stand im Winter um 6 Uhr des oiivare»
Morgens auf, communicirte wenigstens zweimal in der Woche, und ^^J^^
gab manchen Tag Audienz bei künstlichem Lichte. Er dotirte mehrere vndTer-
Kirchen, dictirte Vorschriften gegen, die Immoralität, die er selbst be-*^t**
tordert hatte, und baute ein kostspieliges Kloster für unbeschuhte
Dominikaner. Diess rettete ihn nicht mehr. Am 17. Januar 1643
schrieb ihm der König, er wolle von nun an die Geschäfte selbst
leiten. D. Luis de Haro genüge ihm für die Ausfuhrung der Befehle.
Olivares durfte vor dem Könige nicht mehr erscheinen, er erhielt den
Befehl, sich nach Loeches zurückzuziehen. Man farchtete, dass das
Volk bei seinem Weggange ihn insultiren werde, und bediente sich
einer List, um die Neugierigen zu täuschen.
Der König regierte wirklich eine Zeit lang selbst. Er befahl in
Saragossa den P. Castro zu bestrafen, der in einer Rede ihn ermahnt
hatte, sich tapfer zu erweisen. In der Ungnade seines Königs starb /^^'
Olivares zu Toro am 21. Juli 1645. Luis de Haro kam mehr und
mehr in den Besiz der Gewalt. Es gelang ihm, Spanien aus der be-
drängtesten Lage zu retten. Der König aber suchte in der zweiten
Hälfte seiner Regierung in der Religion den Trost, den ihm weltliche
V'ergnügen und Genüsse nicht verschaffen konnten.
§. 15.
Luis Hendez de Haro. Sohn des Didacus de Haro, und der^"!° ^^
Francisca de Guzman, Neffe des Olivares, war geboren im Jahre 1599.
280 Dreizehntes ßucb. Achtes Kapitel.
Unter der Leitung seines Oheims wurde er in die Staatsgeschäfte
eingeweiht. Er war in dem Grade gemässigt, als sein Oheim stür-
misch und herrschsüchtig gewesen, und erlangte einen immer grossem
Einfluss, ohne scheinbar nach demselben za streben.
Die Losreissung Portugal's hatte schwere kirchliche Gonflikte im
Gefolge, namentlich die Befestigung einer Rom feindseligen Stimmung
in den regierenden und einiBussreicben Kreisen Portugal's. Konig Jo-
hann (Joao) IV. verlangte als solcher von Rom anerkannt zu werden.
Diess suchte Spanien aus allen Kräften zu verhindern. JoacT IV. hoffte
Porta- u. a. auf Papst Urban's VIII. bekannte Abneigung gegen die Spanier;
ver. er hoffte auch auf die Unterstfizung Frankreich's in Rom, das damals
saehe in Jm Kriege mit Spanien war. Miguel de Poi-tugal , Bischof von La-
mego, stand an der Spize der portugiesischen Gesandten, die im Oc-
tober oder November 1641 in Rom ankamen. Zugleich kam der Mar-
ques de los Veles als ausserordentlicher Gesandter Spanien's, der die
Schritte der Portugiesen durchkreuzte. Er führte eine drohende
Sprache gegen den Papst. Alles Maass überschreitend, sammelte er
200 Banditen um sich. Es kam zum blutigen Handgemenge zwischen
den Spaniern , und den Franzosen und Portugiesen anderseits. Es
fielen 4 Portugiesen, 8 Spanier^ und 20 wurden verwundet. Der Papst
zürnte mit Recht über die Insolenz des Spaniers, der in dem Hause
eines Andern, dem sichern Zufluchtsorte aller Katholiken, mit Ver-
achtung der päpstlichen Heiligkeit eine Person angegriffen, die nnter
der Zusicherung des Schuzes der Kirche in Rom weilte. Trozdem
fand der Bischof von Lamego bei dem Papste weniger Gehör als je.
Eine lezte Vorstellung blieb unbeachtet Die Congregation der Gar-
dinäle hatte beschlossen, dass die Gesandtschaft nicht zugelassen
werde. Nach einem Jahre vergeblichen Mühen reiste sie ab — 1642.
Papst Urban VIII. starb am 29. Juli 1 644, und hatte Innozenz X.
zum Nachfolger. Er war als Cardinal Pamfili für Zulassung der Ge-
sandtschaft gewesen, wenn Joao IV. etwa vier Jahre regiert hätte, auch
vorausgesezt, dass er „Usurpator^ sei. . Als Papst war er anderer An-
sicht. Joaö IV. schickte seine zweite Gesandtschaft nach Rom. Diese
wurde angenommen unter dem Vorbehalt „ohne Nachtheil eines
Dritten*'. Dieser Beschluss wurde aber nicht Portugal, sondern durch
den Nuntius den spanischen Ministem mitgetheilt. Diese protestirten
aus allen Kräften, erklärend, der Papst würde dadurch die Empörung
gegen die rechtmässige Obrigkeit sanctioniren und legitimiren. Ver-
gebens wies der Nuntius auf die Worte Papst Pius H. hin: »Es ist
Sitte des apostolischen Stuhles, denjenigen Konig zu nennen, welcher
das Königthum besizt.** Die Spanier untermischteti nun Schmeiche-
leien mit schweren Drohungen, deren Sinn war: Wir sind die Starken,
der Papst und Portugal sind die Schwachen. Der Papst möge den
NothstHod der Kirche in Portagal 281
zahmea Löwen nicht reizen. Die Spanier waren ja Herrn von Sicilien,
Mailand und Neapel. Gesandte Portugal's warden in Rom nicht zu-
gelassen; die Agenten PortugaFs und die Franzosen, ihre Beschüzer,
richteten nichts aus. *
Es handelte sich besonders darum , die erledigten Bisthümer zu
besezen. Der Papst schlag vor, er wolle, ohne Erwähnung des Königs»
die Bischöfe ,,motu proprio'' präconisiren , welche ihm der König
Joaö IV. vorgeschlagen habe. Der Cardinal Mazarin brachte den
König von der Annahme dieses Vorschlags ab. Die Päpste könnten
sonst in Zukunft den Königen das Präsentationsrecht rauben. Im Jahre
1652 waren erledigt die Erzbisthumer Braga, seit 1641, Lissabon, seit j,*^^'
Januar 1643, Evora, seit September 1643; die Bisthümer (Portugal, Buthii.
Bischof von Lamego starb im Jahre 1644); Coimbra, seit Juli 1646, ^^^ig^i^
Guarda seit November 1640, Leiria, seit 1647; (der lezte Bischof hatte
sich aber nach Ausbruch der Revolution nach Spanien zurückgezogen ;)
Miranda, seit 1634, Faro, seit 1649; Portalegre, seit 1638; Porto, seit
1640; Visen, seit 1639. Im Jahre 1658 starb auch der Bischof von
Elvas. Seit dieser Zeit hatte Portugal keinen einzigen Bischof. Von
einer Unterstfizung oder Hilfe durch spanische Bischöfe konnte keine
Kede sein^). Aehnlich war es in den Colonieen.
Im Jahre 1662 ermannte sich die Kirche Frankreich's, und legte
Fürbitte ein für PortugaFs verwaiste Kirche. Die zu Pariß versam-
melten Bischöfe richteten ein nachdrückliches Schreiben zu Gunsten
Fortugal's an den Papst Innozenz X.')
Umsonst befahl der französische Klerus seinem Agenten in Rdm,
die Interessen Portngal's, wie die eigenen, zu vertreten. Vergebens
wandten sich die von Joaö ernannten Bischöfe mit der Bitte an den
Papst, dass sie ihr Amt verwalten dürften« Vergebens gaben sich die
französischen Cardinäle die äusserste Mühe, der Kirche von Portugal
') Ribeiro, Dissertades, t V. Lisb. 1886, p. 142-223, P. Oams, Benes
episcopornm, 1873, p. 93 — 112.
*) Es steht in: Historia de Portagal reetaurado (an. 1640 --1668) p. Luis de
MenezeSf conde de Erioeyra, Lisb. 1679—1698, 2 t. 2*. — (Bd. I wieder abge-
druckt — 1710; Bd. I etil, LIsboa, 1751 — 1759. 2 t in 4 vol. in 4». — t. II, p. 393,
Ausg. V. 1751.
La refifauraQao de Portagal prodigiosa, p. Gregor, de Almeida (P. Joam de
Vaseoncellos). Lisboa, 1641. 4*. Fem. MenezeSy historiamm Lositanar. libri X,
1640—1657; Ulisipp., 1734, 2 Tol. in 4*. — Historia della disunione del regno
de Portogallo della Corona de Castiglia, scritta da O, B. Btrago, corretta, emen-
data ed illastrada dal P. Ferd. Helevo, Amsterd., 1617 — 4*. — Histoire de la
revolation de Portugal, par E. Ä. de Ve^'tot^ la Haye, 1734. — Bellam Lnsitanam,
ejusqae regni separatio a regno castellensi, cum abrogatione superadjecta Alfonsi
regia lositani; auth. P. Cajetano PassareUo, Lagd. 1684 2\ — H. Schäfer,
Gesch. von Portugal, IV, p. 452—539.
282 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
zu helfen. Da wandte man sich in Portugal um Hilfe an die be-
rühmtesten Universitäten und die ersten Gelehrten Europa's. Einer
schlug vor, ^um den Papst zur Raison zu bringen,^ jede Geldaus-
fuhr nach Rom in jeder Form zu verbieten. Andere schlugen
vor, der Konig solle ein Nationalconcil berufen, dieses einen Patri-
archen wählen, welcher die Bischöfe einzusezen hätte. Diess war
das Schisma, etwa wie in England, und im Schisma die Häresie
im Keime. Ein Ordensmann schlug vor, jedes Kapitel soUe einen
Bischof wählen, und dieser solle sich vom ältesten Bischof weihen
lassen^). Schon im Jahre 1647 drohte Joaö IV. dem Papste, er
werde diesen Weg einschlagen. Aber die portugiesische Inqui-
sition trat dazwischen, und erklärte: »Der Papst als Oberhaupt
der romischen Kirche besize alle monarchische Gewalt, und sei die
Quelle aller geistlichen Jurisdiction, welche allein mit seiner Zustim-
mung und seinem Willen den Bischöfen übertragen werden könne^.
Der König stand von seinem Vorhaben ab.
Im Jahre 1653 publicirten die drei Stände Portugal's eine Denk-
Tom schrill: „Das Blöcken') (Rufen) der Kirche von Portugal nach dem
^föa^ obersten Hirten^ dem Papste^, worin sie aber die harte Behandlung
durch den Papst sich beklagen, sie halten aber an dem ausschliess-
lichen Rechte des Papstes fest, die Bischöfe einzusezen')« Wie einst
Jacob (im Traume) mit Gott oder dem Engel Gottes gerungen habe,
so wollen sie mit dem Papste ringen, bis sie ihn durch Bitten be-
zwungen hätten. — Die Spanier aber betheuerten dem Papst, sie
w^den durch einige entscheidende Schläge die rebellischen Portugiesen
zermalmen, und er werde dort, vor wie nach, Bischöfe einsezen. Weil
Spanien räumlich so gross, Portugal so klein war ^ zweifelten die
Spanier und andere nicht, dass sie bald obsiegen würden. Inno-
zenz X. starb am 7. Januar 1655, ohne dass etwas geschehen wäre.
Ihm folgte Alexander VII. (1^55 — 1667), und auch unter diesem
wurde die Angelegenheit nicht geregelt.
Denlc-
schrlft
§. 16.
Die Königin Elisabeth von Bourbon, Philipp's IV. erste Ge-
mahlin, starb, erst 41 Jahre alt, am 6. Ootober 1644. Der Infant aus
dieser Ehe, Balthasar Carl, starb, 17 Jahre alt, am 9. October 1646.
') Relation de la conr de Portugal soua D. Pedro II., Amsterd. I, p. 398—
300, p. 806.
*) BaUdoB.
^ Belation etc., I, p. 308—311.
Philipp iV. in den Jahren 1649-1665. 283
Daa Reich war ohne Thronfolger und ohne Königin*). — Nach einem
Wittwerstande von fünf Jahren heirathete Philipp lY. im Jahre 1649
die Erzherzogin Mariana, die Tochter des Kaisers Ferdinand III.
Wie einst Philipp 11. nach dem Tode seines Sohnes D. Carlos
die dem Infanten bestimmte Braut geheirathet hatte, so heirathete jezt
Philipp IV. die seinem Sohne verlobte Braut. Ihre Mutter war
D. Maria, Schwester Philipp's IV., er der Onkel, sie die Nichte. Sie
gelangte am 3. October 1649 nach Madrid').
§. 17.
Seit dem Jahre 1666 wurde ein Friede mit Frankreich unter-
handelt. — Bei Elvas erlitten die Spanier im Herbste 1658 eine
Niederlage von den Portugiesen, und der Minister Haro wurde nun
nachgiebiger gegen Frankreich. Der so berühmte Pyrenäen- Friede J'yr«-
wurde verhandelt. Die Minister Mazarin und Haro kamen auf der ^^^^^
Fasanen- Insel der Bidassoa, des Grenzflusses zwischen Frankreich und i659.
Spanien, zusammen. Die Confer^nzen begannen am 13. August 16Ö9.
Luis de Haro Hess sich von dem sehlauen Cardinal nicht überlisten^
und gieng so glücklich als möglich aus seiner an sich schlimmen
Position hervor. Es wurde die Ehe zwischen Ludwig XIV. und der
Infantin Maria Theresia, Tochter Philipp's IV. und seiner ersten Ge-
mahlin Elisabeth, geb. am 20. September 1638, stipulirt. Man weiss,
dass der Maria Theresia das Loos keineswegs auf das liebliche ge-
fallen ist. Die Infantin musste vorher auf die Thronfolge in Spanien
vei*zichten. Der Friede wurde am 7. November unterzeichnet. Am
3. Juni 1660 repräsentirte Haro seinen Konig bei der Vermählung der
Infantin zu Fnentarrabia. Philipp IV. belohnte den Luis de Haro^
indem er das Marquisat von Carpio zum Herzogthum erhob. Haro starb
zu Madrid schon am 26. November 1661. Er war der tüchtigste
Minister Spanien's im siebzehnten Jahrhundert. Im Innern unternahm
er keine grossen Reformen. Aber er beschüzte den Handel, den
Ackerbau, und die Wissenschaften.
In dem Frieden von 1659, in welchem Spanien u. a. die Graf-
schaft Cerdagne, Koussillon, und das Bisthum Perpignan abtreten
musste, verlor es in den Niederlanden auch die Grafschaft Artois, mit
Ansnahme von Saint-Omer, mehrere feste Pläze in Flandern^ Henegau
und Luxemburg. Von dieser Zeit an galt, oder war doch Spanien
eine Macht zweiten Ranges , welche mit Frankreich nicht mehr con-
corriren konnte.
0 Flürez, Beynasj II, p. 933 — 950.
^ FUyrez^ Reynas^ II, p. 954.
284 Dreizehntes Buch. Achtes KapiteL
Nach dem Pyrenäen -Frieden schien es für Philipp IV. leicht,
Spanien das kleine Portugal niederzuwerfen. Aber zwei Expeditionen , die er
vor Por- ausrüstete, misslangen. Führer der einen war Philipp^s Sohn D. Juan
tngio. de Austria. Er nahm zwar Evora ein, im Mai 1663. Die Spanier
erlitten aber am 8. Juni bei Amexial oder Canal eine schwere Nieder-
lage. Von ihrer Armee von 16.000 Mann fielen 4000, 6000 wurden
gefangen, davon 2500 Verwundete. Die Portugiesen zählten nur
1000 Todte und 500 Verwundet^. D. Juan fluchtete nach Badajoz.
„Durch diese eine Schlacht wurde dem Braganza (seit 1656 Alfons VI.)
das bisher noch wankende Reichdiadem befestigt.^ Den lezten ent-
scheidenden Sieg erfochten die Portugiesen am 17« Juni 1665 bei
Villa - Vi^osa. Hier standen die Portugiesen, 15.000 Fussgänger,
5500 Reiter, mit 20 Geschüzen. Bei ihnen waren englische und fran-
zösische Hilfsschaaren. Ueber 4000 Spanier fielen , 6000 wurden ge-
fangen, 3500 Pferde, Munition und Waffen aller Art wurden erbeutet.
Die Portugiesen hatten nur 700 Todte, 2000 Verwundete'). — Für
Spanien war jezt die Hoffnung auf Wiedergewinnung Portugal's ver-
loren. Schon krank, erhielt Philipp IV. die Trauerbotschaft; er
sprach: Es geschehe der Wille Gottes. — In den lezten Jahren hatte
er sich vielfach ernsten Dingen gewidmet. Er führte namentlich einen
längern Briefwechsel mit der ehrwärdigeu Maria de Agreda. Er starb
am 17. September 1665»).
Der Krieg hatte 25 Jahre gedauert; Alles sehnte sich nach Frier
den. England drohte mit Krieg, wenn Spanien Portugal nicht als
unabhängig anerkenne. Am 13. Februar 1668 wurde der Friede ge-
schlossen; Portugal in seinen frühern Grenzen wieder hergestellt. Nur
Stadt und Festung Genta blieb bei der Krone Spanien').
§. 18.
Noch waren die Bisthümer Portugal's verwaist Alfons VI.
wurde im Jahre 1667 abgesezt; an seine Stelle trat D. Pedro II.,
dritter Sohn Joaö's IV. Auf Papst Alexander VII. (f 1667) war Cle-
mens IX. (t 1669), diesem Clemens X. gefolgt. Er wurde am 29. April
1670 gewählt, und schon am 22. Mai hielt der portugiesische Ge-
') Portag. fester., IV, p. 333. Haec. est clades Hontisclari (Montes Glaros),
quae Liultaiii tandem diadema regni in Bregantii capite fixit, et seu ntilitatia iacre-
mento, sen gloriae inter primas Lusitanao virtutia atque fortnnae celebris. Paaa-
relli, Bellum Liisit., 169i, p. 420.
*) Petr. Rodr. de Mtmforte, Roladon de las Exeqniaa del Rey D. Felipe IV.,
celebradaa en Madrid. oO— 31. October 1665. Ibid., 1666. 4». (Tlchnor-Wolf, 8. 195).
») Schäfer, IV., p. 643—690.
Entwirrnng d. Wirren Bom*s m. Portugal. Gregor'« XVI. Const. v. 9. Aug. 1831. 285
sandte } Franc, de Sousa, Graf von Paido, mit der grössteo Pracht
seinen öffentlichen Einzug in Rom^). Im folgenden Jahre traten die
neuernannten Bischöfe die Regiernng ihrer Sprengel an. Die Sedis-
vacanz hatte bei einzelnen Bisthümern an oder über ein Menschen-
alter gedauert. Die dadurch im Herzen der Portugiesen entstandene
Missstimmung kam auch später noch in mannigfacher Weise zum
Ausbruch. Namentlich waren und sind die Portugiesen eifersüchtig
darauf, in Rom. bis in's Kleinste auf gleichem Fusse, wie die Spanier,
behandelt zu werden. Die römischen Nuntien in Lissabon wie in
Madrid mussten fast immer einen bittern Leidenskelch trinken, und
mussten sich auch Ausweisungen gefallen lassen.
§. 19.
Weil aber die lange Verwaisung der Kirchen Portugal's auch in
Rom mit gebührendem Schmerze nachempfunden wurde, so ergriff
Papst Gregor XVI. ruhmreichen Andenkens aus dem Bürger- und
Bruderkriege zwischen D. Miguel und I). Pedro Veranlassung, die
künftige SteUung der Kirche bei ähnlichen Thronstreitigkeiten zu prä-
cisiren. Die päpstliche Constitution vom 9. August 1821 ist für das
Verhalten der Päpste bei Thronstreitigkeiten maassgebend. Der Papst
erklärt sich durch das Schwanken und die Umgestaltungen in den
einzelnen Staaten vielfach gestört in dem göttlichen Auftrage, unter
den Völkern auf dem- ganzen Erdkreise schnell und unabhängig für
die Kirche und das Heil der Seelen zu sorgen. Um des Heiles der
Seelen willen haben die Päpste von jeher mit denjenigen sich in Ver-
bindung gesezt, welche factisch die Gewalt in den Händen hatten.
Schon Papst Clemens V. sprach auf dem Concil zu Viene aus: »dass,
wenn der Papst Jemand unter dem Titel irgend einer Würde in Wort,
Verordnungen oder Briefen anrede, ehre, oder irgendwie mit ihm
unterhandle, daraus nicht geschlossen werden dürfe, dass er ihn in
dieser Würde anerkenne, oder ihm neue Gerechtsame ertheile. Heut-
zutage sei es nothwendiger, als je, dass der Papst den Schein vermeide,
dass er aus menschlichen Rücksichten die Sache der Kirche zu ver-
lassen scheine. Es wird daher die Constitution Papst Clemens' V.
bestätigt, und für alle Zeiten festgesezt, dass, wenn vom Papst irgend
ein Individuum zur Besorgung geistlicher Geschäfte unter dem Titel
einer gewissen Würde, selbst der königlichen, angeredet und geehrt,
mit ihm unterhandelt werde, demselben durch ein solches Verhandeln
kein Recht von dem Papste beigelegt, noch von der andern Seite
') Sousa^ Historla gener. de Portugal, VIF, p. 467.
286 Dreizehntes Bach. Achfes KaplteL Philipp IV.
erworben oder ihm bestätigt sei, und keineswegs geglaubt werden dürfe
oder müsse, dass den Rechten, Patronaten und Privilegien Anderer
eine Abweisung oder eine Veranlassung zur Veränderung und Um-
gestaltung derselben gegeben sei. — Diese Constitution wurde zu-
nächst hervorgerufen durch die doppelte portugiesische Gesandtschaft,
die sich damals in Rom befand (von Seite D. Mignel's und D. Pedro's)
und um Anerkennung bei dem Papste nachsuQhte ^).
Die Hauptschuld der langen Sedisvacanz aber von 1640 — 1671
scheint mir dem Cardinal Mazarin zuzufallen, der in seiner machia-
vellistischen Politik den Eonig Joaö IV. davon abwendig machte, die
gewiss billigen und gerechten Vorschläge des Papstes über die Art
der Besezung der Bisthümer anzunehmen. Die dem Papste gemachten
Vorwürfe der Verwaisung der Bisthümer fallen auf Portugal selbst
zurück, dem man vorwerfen kann, dass ihm am königlichen Patronat
mehr gelegen gewesen sei, als an dem Heile der Seelen. Bis zum
heutigen Tage hat die Krone Portugal ihr Patronat in einer Weise
ausgedehnt und ausgebeutet, als wäre dasselbe kein päpstliches In-
dult oder Privilegium, sondern ein Karfunkel von besonderm Werthe,
der von Anfang an als Stern erster Grosse in der Krone Portugals
erglänzt hätte. Sie wollen lieber gar keine Bischöfe, als bloss vom
Papste eingesezte Bischöfe').
0 Die Constitution s. «Der Katholik", Bd. 48, S. 80— 84. — Allg. Zeit-
aog, 1. nnd 6. Ootober 1881.
') Er starb zwar 1661, aber der Drack, den er auf Portugal ausgeObf, über-
lebte ihn. — Onno Klopp hat neuestens gezeigt, dass der Hanptscbnldige Lud
wig XIV. von Frankreich war , welcher Portugal dahin zu bringen hoffte , den
Musterverfluch einer s. g. Nationalkircbe zu machen, damit er im Falle des Ge-
lingens Frankreich auch von Uom trennen kOnnte.
') Primera parke de la Historia de D. Felippe el II. Por D. Oongalo de
Cespedes und Meneses. Barcelona, 1631 — 2*. — (Eine Fortsezung ist nicht ge-
folgt). — Relation de ce qui s'est passö en Espagne, k la diagrace da comte
d* Olivarte, frad. de IMtal., Amsterd., 1G50. — Histoire du ministöre da comte
duc d*01ivarös, trad. de l'espagn. du comte de la Roca, Cologn., 1678. — Dasa
Philipp*8 IV. spätere Zeit, und dass sein Sohn Carl II. in Spanien Oberhaupt keine
Biographen gefunden, ist leicht erklärlich. — Der mefarerwäbnte Sangraäar Vittores
nennt Philipp IV. in seiner Geschiebte von Valladolid (I, p. 474) ,den Grossen",
(warum?) während der Historiker von Saragossa (TVmieo, 1859} sagt, dass unter
Philipp iV. Spanien von 100 Günstlingen ausgesogen worden sei.
Malvezzi, Virgil, , Sucoesos principales de la monarquia de Espafia en el
tiempo de Felipe lY., Madr., 1640 — 4^ — ZanetomalOy Relazione del goveno
delhi famosa cortedi Spagna, in tempo del reFilippo IV. 1672 ~ 4*. — «7. Dunlop,
Memoir*s of Spaign during the reign of Philip IV. and Charles IL, Edinb,, 1834,
2 vol. — Weiss,, CharL, 1* Espagne depuis le tögne de Philippe II. jnsqu*^
r av^nement des Bourbons. Paris, 1844, 2 vol.
Neuntes Kapitel.
Die Zelten Cari*s II. (166S - 1700).
§. 1.
Philipp IV. hatte einen hoffnungsvollen Sohn gehabt, Philipp
Prosper, geboren 20. November 1657, der aber sehr frähe, am 1. No-
vember 1661 gestorben. Ein zweiter Sohn Philipp's und der Königin
Mariana, Ferdinand Thomas, vollendete nicht das erste Lebensjahr.
Am 6. November 1661 , sechs Tage nach dem Tode des Infanten
Philipp, wurde D. Carlos geboren, der seinen Vater überlebte, mit
dem aber das Haus Habsburg in Spanien ausstarb'). Beim Tode
seines Vaters , am 17. September, 1665, zahlte der Thronerbe noch
nicht vier Jahre.
Carlos U. heisst bei den Historikern „Der Schwächliche" (el ^*'^ ^^
debil), der „Unfähige^ (impotente), der „Geduldige^ (patiente), der
„Behexte^ (el Hechizado)^). Die Königin Mariana war Reichsverwe-
serin, neben ihr eine Regierungsjunta zu ihrer Berathung. Der sonst
ehrenwerthen Regentin fehlten die Gaben einer Herrscherin. Schon
zu Lebzeiten ihres Mannes zeigte sie den grossten £ifer, ihrem Beicht-
vater, dem deutschen Jesuiten P. Eberhard Nühardy alle möglichen
£hren und Würden zu verschaffen. Philipp IV., der kein WcAI-
gefallen an ihm fand, widerstand den Gapricen der Konigin, und
suchte zu verhindern, dass P. Nithard an den Geschäflen der Re-
gierang Theil nehme. Nach Philipp's Tode legte die Regentin fast
») Flarez, Reyruu^ II, p. 956—957.
*) Viäares, I, p. 485.
288 Dreizehntes Buch. Neuntes Kapitel.
die Zügel der Regierung in seine Hände. Nach dem Tode des Car-
dinais Bemard Moscoso y Sandoval ^) von Toledo , der an demselben
Tage, wie der Konig, gestorben war (f 17. September 1065), ernannte
die Regentin den Cardinal (seit 16ö8) und Grossinquisitor Pascbalis
de Aragon zu seinem Nacbfolger'), sezte aber demselben zu, seine
Würde als Grossinquisitor niederzulegen. Es geschah; P. Kithard
folgte ihm in diesem Amte, „gegen die päpstlichen Constitutionen,
und die Geseze des Reichs, welche verboten, dieses so wichtige Amt
einem Ausländer und vollends einem Convertiten zu. geben^^^). So
war diese hohe Gewalt, welche sogar Bischöfe erzittern machte, in
den Händen des Fremden, wogegen Klerus und Volk laut murrten.
Die Regentin ergriff nun den Ausweg, den P. Nithard als Spanier
naturalisiren zu lassen.
Spanien fand sich im tiefsten Verfall, regiert von zwei Fremden,
ohne Hilfsquellen, ohne Schaz, ohne Armee; die kirchlichen Ange.
legenheiten lagen, wie die staatlichen, tief darnieder. — Juan de
juÄU de ^ngfriQ ^ Sohn Philipp's IV., und der Schauspielerin Calderona, trat
(II.) naturgemäss an die Spize der nationalen Partei. Er war geboren am
7. April 1629. Im Jahre 1647 ' übernahm er die Führung der spa-
nischen Truppen in Italien, und brachte die (unter Masaniello) abge-
fallenen Neapolitaner wieder zum Gehorsam. In den Jahren 1652 —
1664 hatte er die Leitung des Krieges gegen die Franzosen und die
aufständischen Catalonier. Im Jahre 1656 übernahm er die Führung
deb Krieges in den spanischen Niederlanden gegen die Franzosen.
Anfangs glücklich, erlag er, als Marschall Turenne ihm gegenüber trat;
am 14. Juni 1658 verlor er die Schlacht bei Dunes. Auch sein Feld-
zug in Portugal endete mit einer schweren Niederlage. Nach Philipp's
Tode musste er zuerst der Regeutin weichen. Die Intriguen des
P. Nithard brachten es dahin, das er nach Consuegra verbannt wurde.
') Erzbischöfe von Toledo seit Bart. Carranza, f 2. Mai 1576, waren: 157G,
October, Cardinal Caspar de Qairoga, f 20. November 1594; Albert, von Oester-
reich, l&d5, 3. April — resignirte 9. Juli 1598; 1598, 18. Angust, Garcia Loaysft
Giron, f 22. Febroar 1599; 1599, 23. Juni von JaSn transferirt der berühmte Car-
dinal Bernard Sandoval y Bozas, f 7. Decembar 1618; 1620, 5. Mai, Ferdinand II.,
Infant von Spanten, Cardinal, im Jahre 1620, beständiger Administrator des £rz-
bisthums, starb in Brüssel am 9. November 1641; Balthasar Moscoso wurde g^leicb-
falls von JaSn transferirt am 7. Oetober 1646.
*) Er trat ein am 3. März 1666, und f am 28. September 1677, worauf der
Cardinal Portacarrero folgte.
') Nithard war bis zu seinem 14. Jahre Lutheraner gewesen. — Historia
general de Espafia (v. Marianä), ilustrada con notas historicas y criticas y nnevas
tablas cronologicas y criticas hasta la muerte del rey D. Carlos IlL, p. D. «Tb^r
ISabau y Blanco, Madrid, 1817 — 22. — 20 t. in 4«. — (t. 20, p. 3).
D. Jaan de Aastria, der Jüngere. 289
Da er aber anch hier von der Regentin bennrnhigt wurde, so flüchtete
er nach Saragossa. Dort Hessen sich die Stadenten und verschiedene
Einwohner za Ezcessen gegen die Jesniten fortreissen, um den Justiz- ^p. Nit-
mord eines Aragoniers Namens Josö Malladas, Agenten des D. Juan, D^juan
zu rächen. Man behauptete, die Königin habe ihn heimlich durch ^'^^•'
eine Garrotte hinrichten lassen, ohne ihm kaum Zeit zur Beicht zu
lassen, und mit oder ohne Grund, wurde P. Nithard beschuldigt, dazu
gerathen zu haben. D. Juan selbst klagte in seiner Vorstellung an
die Königin — von Torrejon aus — 4. März 1669 — den Bischof
von PIasen9ia, Diego Valladares, Präsidenten des Raths von Castilien
und Creatur des P. Nithard, dieses Mordes an'). — um die Fort-
schritte des D. Juan zu durchkreuzen, wurde die Inquisition gegen
ihn aufgeboten. In einem Briefe sollte er kezerische und staatsge-
fährliche Ansichten ausgesprochen haben. Ein kleiner unblutiger
Burfferkriefi: spielte sich ab. D. Juan rückte mit seinen Leuten bis ^"'*^°**'
Torrejon de Ardoz, drei Ijeguas von Iqlaaria, vor. Bei seiner An- gei.
uähernng eihob sich Madrid gegen die Fremden. Die Regentin mühte ^'^®^'
sich ab, ihren Beichtvater in seiner Stellung zu erhalten. Vergebens
versuchte der päpstliche Nuntius eine Vermittlung zu Stande zu
bringen'). Endlich entschlossen sich einige Granden, in dem Rathe
der Regentin auf ihre Trennung von ihrem Beichtvater hinzuarbeiten.
Allerlei Reden liefen um, dass z. B. P. Nithard zu den Granden ge-
sagt: Habt Achtung vor mir, der ich Gott in meinen Händen, und
die Konigin zu meinen Füssen habe. Der Rath der Königin stellte
ihr also die Nothwendigkeit einer Trennung von P. Nithard vor: die
Obern der Gesellschaft Jesu ermahnten ihn zur Nachgiebigkeit, weil
sie selbst unter der gespannten Lage litten.
Man fürchtete Angriffe des Volks auf den P. Nithard; der Car-
dinal von Aragon führte ihn in seiner eignen Chaise aus Madrid fort
— 23. Februar 1669. Man bot ihm verschiedene Pensionen und Ge-
schenke an; er entgegnete: »Als armer Religiöse bin ich gekommen,
ebenso will ich das Land verlassen^ ^. Die Königin ernannte ihn zum
ausserordentlichen Gesandten in Rom, und bat für ihn mit Beharr-
') Semanario eradito qae compreheDde varias obras ineditas criticas morales,
inatructivas, politicas, histöricas, satirioas y jocosas de nnestros mejores antores an-
tiguoB y modemol^ dalos a luz D. Ant. de Valladares y Sotomayor. Madr., 1784
- 1791, 34 voL 4\ — t. IV, p. Ö7 sq. p. 168. — t X, p. 244 sq. — t. XIV, p. 16.
*) Papat Clemens IX. habe seinem Nuntins geschrieben, den P. Nithard zu
bewegen, Madrid freiwillig za verlassen, sagt «7. Sabau, Mariana' 8 Fortsezer, Hi-
storia general de Espafia, t. 19, Madr. 1821, p. 20; p. 24 — der Papst habe aber
auch an D. Juan geschrieben, sich der Königin za unterwerfen.
'; Semanario eradito, IV, p. 235. Sabau, XIX, p. 26.
Oabm« wftoi. Klrehe, IIL S. 19
290 Dreizehntes Bnch. Neuntes Kapitel.
lichkeit um den für einen Spanier vorbehaltenen Cardinalshut, den er
im Jahre 1672 erhielt. Der General seines Ordens aber habe ihn bei
seiner Ankunft in Rom mit einiger Härte empfangen, da er die ibo^
gegebenen Mahnungen, er möge durch seine Einmischung in die Poliül^
die Gesellschaft Jesu nicht compromittiren, in den Wind geschlagen habq
§. 2.
D. Juan d'Austria wurde im Jahre 1669 Vicekonig von Ara-
gonien, welche Stellung seinem Ehrgeize eine Zeit lang genügte. Anj
7. Juni (1669) war er kühn genug, an Papst Clemens IX. zu schrei^
ben, er möge den P. Nithard zwingen, allen seinen Aemtern zu enti
sagen. Im Jahre 1675 ernannte ihn die Königin zum Vicekonig allei
Besizungen Spanien's in Italien, u. a., um ihn so aus Spanien zu enti
fernen. Es gelang nicht. Der Beichtvater und der Erzieher CarFs III
überredeten diesen, er möge, wenn er mit 15 Jahren grossjährig gej
worden, seinen Oheim D. Juan als Bathgeber annehmen'). D. Jua
durfte zwar nach Madrid kommen, sollte aber sogleich über Barcelon
nach Sicilien abreisen. ^
D. Juan verzögerte seine Abreise. Am 9. November 1675 sollt^
D. Cur. D, Carlos 11. die Regierung antreten. Dieser schrieb dem D. Juanj
Küniff, er möge in Spanien bleiben. Der junge König wurde in der nächste^
ifi75. Zeit durch die Partei seiner Mutter und des D. Juan hin- und herj
gezerrt. Am 27. December 1676 schrieb er dem Vicekonig von Araj
gonien, er möge nach Madrid kommen, und ihn mit seinem Kath
unterstüzen« Die Königin Mutter schrieb gleichzeitig an D. Juan eine
sehr freundlichen Briefe). Mit grossem Heeresgefolge machte siel
D. Juan im Januar 1677 auf den Weg. Am 14. Januar 1677 gab dei
König seiner Mutter zunächst Hausarrest im königlichen Palast.
MarquiB gj^ hatte ciueu Mann ihres Vertrauens, Fernando de Valenzuela
Valen - •
sueia. aus dem niedersten Stande zum Granden erster Klasse von Spaniel
erhoben. Die Granden wie das Volk murrten, und fanden es unbe
greiflich ^ wie sie nach den Vorgängen mit P. Nithard wieder dii
öffentliche Meinung reize. Die Granden riefen: „Venezuela ist Grande
O tempora, o mores! — Er war aber auch erster und einziger Mi
nister. Es regnete Satiren und Pasquille in Rede, Schrift und Bil
gegen die Regentin und ihren Günstling. Der Marquis Valenzuela
führte den jungen König in allerlei Vergnügen und Zerstreuungen ein
u. a. in das Vergnügen der Jagd. Carlos IL wurde vermocht, eine
•) Sahau, XIX, p. 79.
») Sabau, p. 100.
Der HarqniB Valenznela; D. Joan rächt sich. 291
Haftbefehl gegen ihn zn erlassen, als Valenzuela sich im Escorial be-
fand. Antonio de Toledo, Sohn des Herzogs von Alba, nnd der Herzog
von Medina Sidonia wurden mit 200 Reitern abgesandt. Valenzuela
flüchtete sich durch den Garten in das Kloster, und bat den Prior
nm ein sicheres Versteck. Hier erkrankte er, nachdem man ihn ver-
gebens gesucht. Der gerufene Chirurg verrieth, troz geleisteten Eides,
das Geheimniss dem Ant. de Toledo. Dieser brach am 22. Januar
wieder im Kloster ein. Valenznela wurde ergriiBfen, und in das Schloss
von Consuegra gebracht. Später wurde er in einem Castell in Cadiz
strenge eingeschlossen. Als Staatsgefangener wurde er nach den Phi-
lippinen abgeführt. Auch sein Weib, eine Deutsche, und seine Kinder
wurden in ein Nonnenkloster zu Talavera eingeschlossen. Niemand
durfle mit ihnen reden.
Der Papst Innozenz XI. (1676 — 1689) excommunicirte auf Klagen
des Priors diejenigen, welche den Valenzuela den geweihten Räumen
des Klosters, welches das Asylrecht hatte, entrissen. Die Schuldigen
baten nm die Absolution, welche ihnen der Nuntius Meilini mit
grosster Feierlichkeit unter den Thoren der Kirche des „Kaiserlichen
Colegio** ertheilte.
Am 23. Januar kam D. Juan mit Carlos II. in Buen-Retiro zu- d- Juan
sammen. D. Juan aber erschöpfte sich in Handlungen kleinlicher ^/{q.
Rachsucht. Durch Decret vom 27. Januar liess er den Valenzuela i<ci>.
aller V^ürden und Ehrentitel entkleiden. Dann confinirte er die Königin
b Toledo, und gab ihr den Alcazar zur Wohnung. Bald verglich
man ihn mit Valenzuela und P. Nithard, ja gab diesen noch den Vor-
zug, weil sie keine so unbändige Rachsucht an den Tag gelegt, und
Kachsicht und Schonung gegen D. Juan bewiesen, obgleich er die
Konigin stets kränkte und beleidigte. j^Die grossen Hoffiiungen, die
man anf ihn gesezt, zerflossen, wie der Rauch. ^ Die fremden Ge-
sandten behandelte er mit Geringschäzung^). Vergebens strebte er
nach dem Titel eines Infanten, der ihm nicht zukam, und hofBte, nach
des Königs kinderlosem Tode selbst einst den Thron zu besteigen.
Den jungen König wollte er allein in seiner 'Hand haben, und hielt
ihn in einer Art von Gefangenschaft. Man nannte ihn „den Sohn
einer miserablen Comödiantin^. Auch gegen ihn regnete es Pasquille
jeder Art. Sein Stolz war sehr gereizt, und er liess seinen Zorn an
einigen Granden aus, denen er ohne Beweis die Angriffe auf ihn zu-
schrieb. Auf blossen Verdacht hin wurde der Admiral von Castilien,
der Herzog von Ossuna, der Ffirst von Stilano, der Marquis von Man-
sera und der von Mondejar, die Grafen von Humanes und Aguilar,
') Er bot ihnen bei Audienzen nicht einmal Size an.
19*
292 Dreizehntes Bach« Neuntes Kapitel.
und mehrere andere verbannt, wobei man harter verfuhri als es je von
Seiten der Königin geschehen war. So wurde ihre Regentschaft sogar
zurückgesehnt. Den Grafen Monterrey liess er nach Catalonien
schicken, weil der König Wohlgefallen an ihm hatte. Auch gegen
den Nuntius und den Papst kehrte D. Juan die rauhe Seite heraus ;
auch der Nuntius Mellini durfte weder in der Wohnung noch in dem
Secretariate des D* Juan auf einem Stuhle sich niederlassen, und
unterzog sich dieser Demüthigung. D. Juan sah, dass der Klerus ihm
überhaupt abgeneigt sei, und bezahlte ihn mit gleicher Abneigung.
Dem Nuntius zürnte er besonders wegen der Vorgänge nach der Ver-
haftung des Valenzuela.
„Die mindern Brüder^ vom heiligen Franc. Garacciolo wollten
^®^' zur Wahl eines Provinzials schreiten. Der Nuntius proterirte einen
flikte
mit dem Caudidateu, während der Präsident von Castilien einem andern Vor-
Nnnüng. gcl^ub leistete. In dem s. g. Vertrag mit dem Nuntius Fachineti vom
Jahre 1640 war bestimmt, dass sich die Nuntien nicht in die Re-
gierung, also auch nicht in die Wahl der Vorsteher der Orden mischen
sollten. Der Präsident, damals Domherr Juan de la Fuente von To-
ledo, sandte dem Nuntius eine königliche Gedula, die ihm verbot,
dem Wahlkapitel anzuwohnen. Der Nuntius wollte nicht gehorchen.
(In der That war die Convention mit Fachineti in Rom verworfen
worden). Man legte ihm nun eine Strafe von 1000 Thalern auf, offen-
bar eine Beleidigung gegen den Papst. Der Nuntius klagte beim
Papste und König. D. Juan widerrief kurz vor seinem Tode die
Strafe, und Carlos II. schrieb einen sehr demüthigen Brief an den
Papst. Aber nicht zufrieden mit dieser Genugthuung, verlangte der
Nuntius die Absezung des Präsidenten von Castilien, und dass dieser
in Person die Absolution bei dem Papste nachsuchen solle. Der
Herzog von Medinaceli, der Nachfolger D. Juan's als erster Minister,
weigerte sich, dem Nuntius^ so weit nachzugeben. Doch wurde, be-
sonders aus politischen Gründen, in einer hiefur eingesezten Junta die
Absezung und Verbannung des Präsidenten von Castilien beschlosstn
— 12. April 1680. Er wurde aber, troz des Andringens des Nuntius,
nicht zur Busse nach Ilom geschickt^).
D. Juan war seinem Sturze nahe, als ihn der Tod ereilte. Die
Königin Mutter sollte u. a. wieder an den Hof zurückkehren. Der
König sagte zu den Gegnern D» Juan's: „Es bedeutet wenig, da^s
D. Juan (der Rückkehr der Verbannten) sich widersezt, ich will es^
und das genügt^ ^). D. Juan sah mit bitterm Herzen seinen Stern
•) Sabau, XIX, p. 174-176. — Vic. de La FuenU, V, p. 511—512.
') ImportH poca, queD. Juan se opooga; yo lo qniero y bssta. Sabctu^ p. VA.
D. Joanne Fall und Tod. Cardinal Nithard. 293
erbleichen. Alle Verbannten kehrten zurilck. Es wurde berathen, wie
man den D. Juan von der Leitung der Geschäfte entfernen konnte.
D. Juan erkrankte lebensgefährlich.
Am 7. September 1679 erfahr der König, dass D.Juan rettungs-
los verloren sei. Er sandte den Cardinal Portocarrero , ihn zu be-
suchen und zu trösten. D. Juan war aber gottergeben, und tröstete
selbst die Freunde, die um ihn waren. Mit der grössten Andacht
empfing er die heiligen Sacramente. Der König besuchte ihn wieder-
holt. Er starb am 17. September, an demselben Tage, wie sein Vater, d. Juan
er starb mit den Worten: »Ave maris Stella". Er wurde feierlich im
Escorial begraben, sein Herz aber (nach seinem Wunsche) in der
Kapelle del Pilar in Saragossa beigesezt.
„Die Fremden, (sagen u. a. Sabau und F. Fiiente) haben vielfach
seine Tugenden, seine Talente, seine Geschicklichkeit in der Kunst
des Krieges und der Regierung gerühmt. Sie stellen ihn uns (Spaniern)
dar als einen Helden von einer grossen Seele, edlen Gesinnung, und
als den lezten der grossen Männer der Dynastie Habsburg. Diese
Lobspräche scheinen übertrieben zu sein. In Portugal, Neapel und
Flandern gab er wenige Proben seiner Geschicklichkeit. In Spanien
gab er sich,, so lange er an der Spize der Geschäfte stand, nur mit
iDtrignen des Hofs ab, und die öffentliche Verwaltung in allen Zweigen
kam herab, so dass, wenn er zum Unglück länger an der Gewalt ge-
Mieben, er die Nation sicher zu Grunde gerichtet hätte. Er starb,
i^on seinen Freunden wenig bedauert, und verwünscht von seinen
Feinden. So kam es, dass P. Nithard zehn Jahre nach seinem Sturze,
und dass selbst Yalenzuela dem D, Juan vorgezogen wurde ').
P. Nithard wurde auf Andringen der Königin Mariana Erzbischof p ^^^^
von Cäsarea, Cardinal im Jahre 1672, und starb als solcher zu Rom ^^'^^r
am 30. Januar 16S1, 73 Jahre alt. Seine Bibliothek vermachte er dem
Colleginm der Jesuiten zu Linz. Verschiedenes an ihm wird gelobt,
n. a. dass er den Streitigkeiten und der Abneigung der Universitäten
Castilien's gegen die Gesellschaft Jesu ein Ende machte. Statt die
l niversität von San Isidro in Madrid auf Kosten der andern zu för-
lero, suchte er die übrigen Hochschulen zu heben, gründete an ihnen
tixe Lehrstühle für die Schule des Snarez, und dotirte sie auf dem-
M Iben Fusse, wie es Philipp III. und der Herzog von Lerma auf den
Uochscbulen von Salamanca, Valladolid und Alcala in Betreff der
^ehule des heiligen Thomas gethan. — An Nithard wird ferner der
Gehorsam gerühmt, mit dem er nach seiner Ankunft in Rom den
Weisungen seiner Obern sich unterwarf. In Spanien gab er einige
') Sabau, XIX, p 1 — 157. — La Fuente, V, p. 506—512.
294 Dreizehntes Buch. Neuntes Kapitel
Schriften über die unbefleckte Empfängniss und verwandte Materien
heraus^). ^
§. 3.
In seinem Testamente hatte Philipp lY. verordnet, dass seine
Wittwe die ganze Regierung des Reichs in Händen haben sollte, bis- sein
Nachfolger das 14. Lebensjahr zuriickgelegt hätte. Am 6. Novembe 1675
übernahm Carlos IL die Regierung. Seine Mutter sollte von da an, nach
dem Testamente, jährlich 300.000 Thaler „Nadelgeld^" erhalten. Wollte
sie sich freiwillig in irgend eine Stadt des Königreichs zurückziehen, so
sollte sie die Verwaltung und Gerichtsbarkeit über diese Stadt nebst
ihrem Gebiete erhalten. Freiwillig verliess die Konigin Madrid nicht
im Jahre 1675; sie wurde entfernt Sie lebte zu Toledo nnd Aran-
EDdeder jQ^2 und kehrte zu Lebzeiten D. Juan's nicht zu ihrem Sohne znrück.
Königin '* ^
Mariana. Als D. Juan am 17. December 1679 gestorben, ging ihr der König
entgegen, und empfieng sie am 27. September zu Aranjuez. Am
folgenden Tage zogen Mutter und Sohn unter vielen Beifallsrufen in
Madrid ein; die Stadt wurde drei Tage beleuchtet. Diess war der
Triumph einer Fürstin, die eine Reihe von Jahren, ja während der
ganzen Zeit ihrer Regentschaft, so gründlich und so allgemein gehasst
war. Sie nahm ihren Wohusiz in dem Schlosse „Buen-Retiro^, -wo
sie die Begrüssungen entgegennahm*).
Als bald darauf Carl IL heirathete , zog sie sich am 26. No-
vember 1679 in den Palast der (königlichen) Räthe zurück. Sie
überlebte die erste Gemahlin ihres Sohnes, und erlebte noch dessen
zweite Vermählung. Sie starb nur vier Jahre vor ihrem Sohne, am
16. Mai 1696.
Erste Gemahlin Carl's U. war D. Maria Loube, älteste Tochter
Philipp's, Herzogs von Orleans, Bruders Ludwig's XIV. von Frank-
reioh. Sie zählte 17 Jahre ^. Sie reiste über Irun und Boi^os, vro
Carl sie erwartete^}. Der feierliche Einzug in Madrid war erst am
*) Sie stehen bei BcLcker^ Bibliographie, t IV (der Mhern Ausgrabe),
p. 46Ö— 470.
Relation des difförends arrivös en Espagne entre D. Juan d'Antridie et le
Cardinal Nithard, j^nite. Paris, 1676; Cologne, 1677. 2 tom. — F. Bovhours,
(S. J.), Belation de la sortie d* Espagne, du F. Everard Nitard, Jösaite, Confessear
de la reine; en espagnol et en fran^ais., Paris, 1699. — Eggs^ Purpura docta, L VI,
p. 508—514.
*) Florez, II, p. 966 — alli redblo los besamanos.
') Aus AnlasB der Vermählung sagt Florez: „Der Christlichste*' (Ludwig)
tanzte mit der nKatholischen" (Mar. Louise). II, p. 974.
*) In Bnrgos sohaute die Königin zum erstenmale „Stiere* (*Grefechte), nnd
sie „manifestirte dabei viel Vergnügen*' — la Beyna manifestö mucho placer, sagt
sogar ein Mann, wie FhreZy 0, p. 975.
Marie Lomse, erste Gemahlin GarPs If. 295
13. Januar 16^. Nach all' den tranrigen Erlebnissen eines ganzen
Jahrhanderts mit seinen Königen und Koniginen jubelte das Volk in
seliger und unsäglicher Freude den Neuvermählten entgegen, als sollte
der Himmel jezt sogleich auf diese Erde herabsteigen , und bleibend
sich auf ihr niederlassen. Voraus zogen sechs Trompeten und mit
martialischen Tonen verkündeten sie dem ganzen Volke Frieden und
Freude. Es folgten die Alcalden „des Hofes'' (Madrid) , alle auf
schonen Rossen, aber in modemer Tracht. Ei^ folgten eine grosse
Zahl Ritter der Kriegsorden , die Edlen des königlichen Hofes , die ^*' ^^'
Titelträger und Granden, welche mit einander an Pracht der Bedienten, 7 arte
der Livreen und Galakleider rivalisiiien. Es folgten die Beamten des ^^^•®*
königlichen Marstalles, und des der Königin, welche der Königin voraus-
giengen, die auf einem reichen und schönen Zelter ritt; die Schleppe
trugen die Regidoren von Madrid. Die Oberkammerfrau folgte auf
einem Maulthier, ebenso die Ober- Schlüssel -Dame, dann das statt-
liche Gefolge der Ehrendamen der Königin, alle auf reich geschmückten
Zeltern'); jede hatte ihr zur Seite zwei Reiter, ihre Verwandte. Es
kam die grosse Zahl der Palast- Bediensteten u. s. w.^).
Die Geschichte Spanien's zeigt, dass nach dem Maasse des ab-
nehmenden Wohlstandes und National- Reichthums der Luxus und die
Verschwendung zunimmt. Diese Pracht-Entfaltung, diese Verschwen-
dung ist eine der spanischen National-Ejrankheiten').
Die Königin war liebevoll gegen das Volk, und wurde von ihm
geliebt. Ihre Frömmigkeit war gross; wenigstens zweimal in der
Woche beichtete und communicirte sie. «Das Reich war aber ohne
einen Thronfolger, und alle seufzten darnach, dass Gott ihn schenken
möge. Ein Jahr vergieng und wieder vergieng ein Jahr, und er wurde
nicht geschenkt^). — Sie gieng einem frühen Tode entgegen. Als sie
ihr nahes Ende fühlte, sagte sie zu dem Prior an der Kirche von
Ätocha: „Padre, es ist heute der lezte Tag, dass wir uns hier sehen.^
So war es. Gottergojben sah sie dem Tode entgegen; sie sprach zu
') Der Einzug Alfons XII. and der Donna Mercedes am 23. Januar 1878
war ziemlich nach demselben Zuschnitte arrangirt.
') Deren es im Jahre 180S noch 2000 waren.
') Sempere y Ouarinos, Historia del Luxo de Espafia, Madr., 1788, 2 t.—
TicknoT'Julius, I, p. 291. Ticknor-Wolf, p. 188: „the Conde de Andero, who is
Supraintendiente de Lis Rentas, declares he is not able to find money for his
Majestys siibsistence (aus einem Briefe Madrid d. 26. Mai 1698).
*) Ein Dichter sang damals:
Paris, bella Flor de Lis
£n afliccion tan estrafia:
Si paris, paris k Espa&a
Si no paris, k Paris.
296 Dreizehntes Buch. Nenntes Kapitel
ihrem Beichtvater: „Ich befinde mich im guten Frieden^ und bin sehr
erfreut zu sterben.^ Sie erreichte nicht das 28. Jahr ihres Lebens, und
starb am 12. Februar 1689, zum tiefsten Leide alles Volkes, indessen
einziger Trost es war, dass der Konig Nachkommenschaft haben werde
von einer zweiten Gemahlin** ').' Schon im April 1G90 heirathete Carl II.
seine zweite Gemahlin D. Mariana von Pfalz -Neuburg. Auch diese
zweite Ehe war kinderlos, und keine Seitenlinie war da, welcher die
Krone Spanien's zufallen musste^).
§. 4.
In der Eirchengeschichte des Spaniers Vio. de La Funkte findet
man ein Kapitel (Bd. V, §. 175): ,,Die Behexung CarPs II.«'). Ganz
Madrid, ja ganz Spanien glaubte nicht anders, als dass Garlos II.
durch eine ihm angethane Behexung durch die französische Partei
kinderlos geblieben sei. Schon der Herzog von Olivares war der Be-
hexung beschuldigt, und dieser Behexung die Unfruchtbarkeit der
Königin Elisabeth schuldgegeben. Je „mehr die Nation ihrem Verfalle
entgegengieng, und die kirchlichen Studien in einen leeren Casuismus
ausarteten, verbreiteten sich solche abergläubige Meinungen, die man
auf Stellen der heiligen Sohrül stfizte, welche man willkührlich aus-
legte, und auf die Aussagen von Schriftstellern , von denen die einen
die andern citiren"*).
Der Canonicns Sabau beschuldigt den Cardinal -Erzbischof von
Toledo, Portocarrero, und den General -Inquisitor Bocaberti, Erzbischof
von Valencia, dass sie dieses Gewebe von Lügen angezettelt, ^welches
bloss in einem Lande von Wilden mit einigem Ernste habe können
aufgenommen werden.'' Man behauptete, der Konig sei behext; er
habe die Dämonen in seinem Leibe, und seine Gegner haben ihn in
diese klägliche Lage versezt*). Der P. Froylan Diaz*), neuer Beicht-
vater des Königs, habe diese Idee adoptirt. Er Hess den Konig durch
I
•) Fhrez, Reynas, II, p. 971—983.
•) Ibid. II, p. 984—995,
(' Hechizamiento de Carlos II.
*) F. Puente,y, p. 516.
*) 8cU>au- Mariana, XIX, p. 393—394. La Fuente dagegen sagt, es sei
schwer zu glauben, dass ein solcher Diplomat und KirchenfÜESt, (wie Portocarrero)
an Hexen geglaubt habe. V, p. 518.
') Nach dem Sturz des P. Nithard bekleideten Dominikaner diese Stelle.
Den ersten, P. Reluz aus Salamanca — führte D. Juan d* Aastria ein. Er wurde
abgesezt, nahm aber das Bisthnm Avila nicht an. An seine Stelle kam P. Bayona,
Professor in Alcala — 1684; nach ihm kam P. HatilUi (Semanario emdito, t XIV, p. 55).
HexereieD; Auflaufe der grossea TheaerunK* 297
einen deutschea Kapuziner F. Maurue Tenda^) exorciairen. Die schreck-
lichen Anathemas 9 die schaurigen Vorrichtangen za ^eser heiligen
Ceremonie flössten dem Konige die tiefste Melancholie ein, welche ihn
inuerlich verzehrte; seine geistige Niedergeschlagenheit schwächte die^*^* "•
Kräfte seines Leibes, und führte ihn dem Grabe entgegen^ ^). Der
französische Gesandte bediente sich dieser Lage der Dinge iur seine
Pläne^ und streute reiche Ströme von Gold unter das Volk. Die Königin
Hess den Beichtvater verbannen, vergebens ^). Unter dem Verwände der
grossen Theurung wurde ein Aufstand in Scene gesezt. Das Volk erhob
vor dem Palaste des Königs drohenden Lärm, nur die französische Partei
befand sich in dem Geheimnisse. In Strassen und Häusern wiederhallte
der Ruf: ^Es lebe der König; es sterben jene, die ihn betrügen.^
König und Königin verbargen sich. Der König sollte sich auf dem
Balcon zeigen. Man entschuldigte ihn, sagend: „Der König schläft.^
Der Pöbel rief: „Er schläft schon lange; es ist endlich Zeit, dass er
aufwache.^ Endlich musste er sich dem Volke präsentiren und fragte,
was es wolle? Sie riefen: Brod wollen wir. Sie wurden an den Grafen
Ovopesa, Verwalter der Proviantvorräthe, verwiesen. Wuthend langten
*) Der Name klingt nicht deutsch.
') Sabau, XIX, p. 394.
') Nach Mcdüla wurde der Dominikaner Froilan Diaz, ProfeBSor in Alcala,
ßeichtvater, der mit seinen Ezorcismen in gntem Glauben handelte. Auf Betreiben
der Königin worde auch er entlassen, (es gieng das Gerücht, dass sie den König
behext habe) und der Provincial des Ordens P. Nicolaus Torres Padmota^ wurde
Beichtvater des Königs. Verfolgt von dem neuen Grossinquisitor, dem Bischof
Mendoza, flüchtete der P. Froilan nach Bom. Aber Hendoza erlangte es^ dass der
königliche Hof ihn von dort reclamirte. Er wurde von Bom als Gefangener nach
Mnrcia geschickt. Aber die dortige Inquisition erklärte, es sei kein Grund zu seiner
Verhaftung da. Mendoza liess ihn nun nach Madrid bringen, wo er drei Jahre in
dem Kloster des heiligen Thomas von Aquin confinirt war. Die französische Partei
hatte sich seiner bedient , und liess ihn dann fallen. Der Grossinquisitor aber,
immer mehr gereizt, wollte sich an allen Bäthen de Ui Suprema, die sich der Ver-
haftung Froilans wldersezt, rächen, liess drei derselben ergreifen wegen Mangels an
Bespekt gegen ihn; zwei liess er pensioniren, und verbannte den dritten. Der
Bath ,de ia Suprema* klagte gegen seinen Präsidenten. Es wurden verschiedene
Junten gehalten. Zulezt wurde die Entacheidttng am 24. December 1703 dem
obersten Bathe von Gastilien übergeben. Dieser beschloss vollzählig und einmüthig :
es Bei das Vorgehen des General -Inquisitors notorisch ungerecht, nichtig und ge-
waitthätig. Der Bischof Mendoza musste erliegen; als er nicht freiwillig gieng,
zwang ihn Philipp V. im Jahre 1705 zu gehen. Er kehrte in sein Bisthum Segovia
zurück. Er starb erst im Jahre 1727, und wenigstens ihn hat, wie so manchen
Andern, die königliche Ungnade das Leben nicht gekostet Er war vielmehr „der
Decan" der Bischöfe Spanien*s seiner Zeit. — Nach seiner Absezung brachten ihn
dio Inquisitoren in ihr Verzeichniss der Personen, welche der Häresie verdächtig
wären. Llorente, l'histoire de T Inquisition, chap, 26, t. II, p. 5'i5 — 526, chap.
39—40 (t. IV, p. 1-46; s. oben, S. 88).
298 Dreizehntes Bach. NennteB Kapitel.
sie bei seinem Haase an, plünderten und verwüsteten es; mit Mühe
rettete Oropesa sein Leben. Als 200 Reiter in Madrid einzogen , zer-
stob der Pöbel nach allen Winden. Aber auch die Häuser der
Minister, die als Anhänger Oesterreich's galten, waren geplündert
worden. Insulten wurden gegen die Königin und den Beichtvater
des Königs ausgestossen. Die Anstifter der Bande aber erlangten,
was sie wollten; der Graf von Oropesa und der Admirat von Casti-
lien, welche als Häupter der österreichischen Partei galten, wurden
vom Hofe verwiesen.
§. 5.
Carl II. Portocarrero, jezt Führer der französischen Partei, gewann die
i^bea. Oberhand. Es gelang ihm' aber noch nicht, des Königs Zuneigung zu
Oesterreich zu überwinden. Er schlug einen sehr schlauen Weg ein.
Er machte den König glauben, dass ein so delicates Geschäft, wie
die Wahl eines Nachfolgers, durch den Papst entschieden werden
müsste, und dass hiebei sein Seelenheil in Gefahr stehe. Carl 11.
sandte den Grafen Uceda nach Rom. „Obgleich ich,^^ sagte der
König, „meinem Stammhause zugethan bin, so ist doch mein ewiges
Heil in meinen Augen kostbarer, als alle Familienbande^ ^). Scheinbar
mit Widerstreben nahm Papst Innozenz XH. (1691 — 1700), von dem
man glaubte, dass er dem Hause Oesterreich abgeneigt sei^ diese An-
gelegenheit an, und überwies dieselbe den Gardinälen Albano, Espi-
nola und Espada, welche alle drei Frankreich ergeben waren. Nach
einer Verhandlung von 40 Tagen gaben sie ein Frankreich günstiges
Gutachten. So entschied auch der Papst, welcher u. a. an Carl II.
schrieb : „Eurer Majestät kann es nicht unbekannt sein , dass die
Söhne des Dauphin von Frankreich die legitimen Erben der Krone
^®' (Spanien's) sind, und weder der Erzherzog (Carl), noch irgend ein
soll eni- Individuum des Hauses Oesterreich darf ihnen das mindeste Hinder-
schei- Qies in (Jen Weg sezen. Je wichtiger diese Thron -Nachfolge ist,
um so schmerzlicher wäre die Ungerechtigkeit, die legitimen Erben
auszuschliessen , und dadurch die göttliche Rache auf Euer Haupt
herabzuziehen'^ ').
Diese Entscheidung — war iür den ebenso furchtsamen, als
religiösen König — entscheidend. Der Staatsrath wurde zu Käthe
') Annqne afectö a mi casa, mi salvaoion etema es k mis ojos mas preeiosa
qae todos los vincalos de mi familia. Es giebt in der Geschichte einen Carl den
Dicken und einen Carl den Einfältigen. D. Garlos II. ist zugleich Carl der Ein-
filtige IL
*) Atrayendo sobre vuestra fronte la vengansa Celeste.
Testament CarPs II. 299
gezogen, nnd sprach sich in seiner Mehrheit für das Haus Bourbon
aus. Nur zwei von den Stimmberechtigten schlugen zur Losung des
Problems die Berufung der Cortes vor. Aber seit 1665 hatte es keine
Cortes mehr gegeben. Wie sehr war in Spanien Alles zurückge-
gangen seit den Zeiten des berühmten Compromisses von Caspe (1412?^)
Unter diesen Eindrücken^ und mit Zurücksezung der Königin nnd der
österreichischen Partei formulirto Carl IL sein (drittes) Testament,
worin er das Haus Oesterreich ausschloss und die Krone von Spanien
dem Hause Bourbon vermachte. Eine ganze grosse Nation wurde, nteSpa-
ohne vorher im Mindesten gefragt worden zu sein, testamentarisch ver- krank-
macht, und sollte von nun an Gut und Blut für das Haus Bourbon "*ch
verschwenden und versprizen. Es war mit Buthen geschlagen worden, „^^t^
68 wurde nun mit Scorpionen gezüchtigt.
Da wir einer vollendeten Thatsache gegenüber stehen, so wollen
wir hier auf die rechtlichen Ansprüche des Hauses Oesterreich und
Bayern nicht eingehen. Ohnedem entschied nicht das Testament, son-
dern die Waffen zu Gunsten Ludwig's XIV. Wenn aber auch der
Erzherzog Carl als Carl UL den Thron von Spanien bestiegen, so
hätte er doch nach dem &ühen Tode seines Bruders Joseph I. nach
Oesterreich zurückkehren, und Spanien hätte einen neuen König
suchen müssen.
Daa Testament Carl's IL ist aus Madrid vom 21. October 1700
datirt*). Am 26. October trat ein neuer schwererer Krankheitsanfall des
Königs ein. Am 29. October wurden für den Fall seines Ablebens
als Mitglieder der Kegentschaft — der Cardinal Portocarrero, die
Präsidenten der Käthe von Castilien, Aragon, Italien und Flandern,
D. Manuel Arias, der Herzog von Montalto, der Marques von Yilla-
franca, der Graf von Monterey, und der mehrerwähnte Generalinquisitor
Balthasar Mendoza gewählt. Später kamen noch die Grafen von Bena-
vente und Frigiliana dazu. Die Königin erlangte nichts, als einfaches
Stimmrecht im Staatsrath. Die Beschlüsse sollten gemäss der Mehrheit
der Stimmen gefasst werden. Aus ihrer Verbannung sollten die Grafen
von Monterey, von Banos, der Admiral von Castilien, der Herzog von
Montalto, der Graf von Oropesa zurückkehren. Lezterer aber war
dem Cardinal unbequem, und er hintertrieb seine Znrüekberufung. Am
1. November 1700 starb Carl II. im Alter von 39 Jahren, sanft und
gottergeben. Er wurde beklagt von seinem Volke, dessen Lasten er
stets zu erleichtern strebte, dessen Abgaben er verminderte. Hätten
nicht die Eaiege ihn verhindert, dem Drange seines Herzens zu folgen,
') Janer, El Gompromiso de Gaspe, Madrid, 1851.
^ Es Bteht vollständig bei Sdbau , Testamento de Garlos IL, XIX,
p. 401—424.
n
^ Dreizehntes Buch. Neuntes Kapitel.
so hätte er unvergleichlich mehr zum Besten seiner ünterthanen
ToUbracht, die er wie seine Kinder liebte. «Edel, wie das Hans
Oesterreich« (nobile, como la Casa d'Austria) ist ein altes Sprüch-
wort in Spanien. Carl II. hat sicher dazu beigetragen, es zu erbalten,
oder in Gang zu bringen').
§. 6.
Wie stand es aber mit der Geschichte der Kirche Spanien's in
der Zeit von 1665 — 1700? Es stand so, wie wir oben gesehen, oder
auch nicht gesehen haben. Die wenigen Miserabilien , die wir gehört
haben, die Geschichte mit dem P.. Nithard, mit dem Nuntius Mellini,
mit dem gewaltsamen Einbruch in den Escorial, mit den wechselnden
Beiohtvätern des Königs und der Konigin, bilden die Kirchengeschichte
dieser Zeit. Ausser diesem weiss auch Fuente nur noch von den
„hundert Klagen oder Processen" des Erzbischofs Jacob^Palafox (1685
— 1701) von Sevilla. Diese hundert „pleitos^' sind so kleinlich und
unbedeutend, dass wir über sie hinweggehen. Es war ein allgemeines
Darniedcriiegen des geistigen, auch des kirchlichen Lebens in dieser
Zeit. Es waren kleinliche Streitigkeiten, welche auch innerhalb der
Kirche geführt wurden.
Selbst die sonst so blühende Literatur schien in dieser Zeit aus
dem zerfallenden Spanien auswandern und im Ausland ein Asyl suchen
zu wollen. Gewiss ist, dass die beiden bedeutendsten Werke dieser
Zeit in Rom erschienen.
') Suite des particolaritös arriväes k la cour d'Espagne, depuis le 16. No-
vembre de Tan 167f), Gologne, 1678. — M^moires de la oour d'Espagne (par
3fiim d'Ätdnoy), Paris, 1690, 2 vol. 12*. — Memoirs of Spain, during the reign of
Philipp IV. and Charles II.» from 1621 to 1700, by J. Dunlop, Edinb., 1834, 2 vol.
in 8*. — L'Espagne depuis le rhgne de Philippe 11. jusqu'a ravönement dea
Bourbons, par Ch. Weiss, Paris, 1844, 2 voll, in 8*. — Lord Mahon (Gni Stan-
kope)^ Spain ander Charies IL, 2. Ausg. — Lond. 1844. — Eistoria general de
Espafia, por J. Mariana ^ Continuacion de las tablas chronologicas desde el anno
16*55, hacta el de 1700, p. D. JosS Sabau y Blanco, tom. XIX, Madr. 1821,
p. 1— 4U0. — Mignety Franc, Mar. Äug,, Nögociations relatives a la sncoession
d'Espagne bous Louis XIV. oü Gorrespondances, m^moircs et actes diplomatiques
concemant les prätentiös et ravönement de la maison de Bonrbon an trone d'Es-
pagne; accompagnös d*un texte historique et pr^^d^ d'une introduction. — 4 vol.
in 4% Paris, 1836—1814. (Ist ein Theil der „Coliection de documents inödits sur
rhistoire de France*'.)
^ „Los cien pleitos del Arz. Palafox in Sevilla, V, p. 512—514. Er hatte
besonders Streit mit seinem Dekan und Kapitel.
NicolaoB Antonio. 301
§. 7.
w
Nicolaus Antonio, geb. zu Sevilla am 28. Juli 1617, studirte in Sala-*
manca besonders Oeschichte und canonisches Hecht« Nach seiner Rückkehr
nach Sevilla — lebte er wie vorher, im Benedictinerkloster, angezogen
darch die reiche dort befindliche Bibliothek, ohne jedoch selbst in den
Orden einzutreten. Erst im Jahre 1659 trat er mit der Schrift: „Ueber
die Verbannung als Strafe') hervor. Philipp IV. sandte ihn in dem-
selben Jahre als seinen ersten Geschäftsträger nach Rom. Dass er
entschiedener Regalist (d. i. antiromisch) wurde, ipag zum Theil daraus
sich erklären. In Rom war er an 20 Jahre. Er sammelte dort eine
Biblioiliek, besonders spanischer Werke, die gleich nach der vaticani-
sehen genannt wurde. Um das Jahr 1679 kehile er nach Madrid
zurück, wo er noch mehrere ehrenvolle Aemter bekleidete, und da-
selbst am 13. April 1684 starb. Im Jahre 1649 begann er an seinem
grossen Werke der „spanischen Bibliographie'^ zu arbeiten. Er ar-
beitete daran zu Sevilla, zu Madrid und besonders zu Rom. Zu seinen
Lebzeiten wurde nur derjenige Theil seines Werkes gedruckt, welcher
später „Bibliotheca nova'^ hiess. Sie enthalt die Biographien, besonders
die Werke und Ausgaben der Werke der spanischen Schriftsteller,
welche in den Jahren 1&00-— 1672 gelebt und geschrieben haben. Das
Werk ist alphabetisch geordnet, aber nach der spanisch- portugiesischen
Unsitte, nicht nach den Familiennamen, sondern nach den Taufnamen.
Wer also einen Schriftsteller finden wiU, muss seinen Taufnamen
wissen. Das Werk selbst aber ist ausgezeichnet; ja es ist fraglich,
ob die Literatur irgend eines andern Volkes vor dem Jahre 1672 ein
ähnliches Werk aufzuweisen hat. Dass aber jezt 206 Jahre verflossen
sind, ohne dass in Spanien ein Fortsezer dieses Werkes aufgestanden
wäre, das presst uns den Ausruf ab: O tempora, o mores!
Die Bibliotheca Hispana nova erschien zu Rom 1672 2 t« —
fol. — Erst zwölf Jahre nach dem Tode des Antonio erschien gleich-
falls in 2 t. 2* „die Bibliotheca vetus^. Dieselbe enthält die
spanischen und auch die portugiesischen (etwa 1300) Schriftsteller, von
der Zeit des Kaisers Augustus an bis zum Jahre 1500, nicht alpha-
betisch, sondern nach der Zeitfolge dargestellt Dieses Werk wurde
gleichfalls zu Rom in zwei Folianten gedruckt — 1696, besorgt von
Emmanuel Marti ^ Decan von Alicante, auf Kosten des Cardinais
Aguirre, Zöglings und Freundes des Antonio« — Hundert Jahre später
erschien eine, neue prachtvolle Ausgabe der vier Bände; der „alten
*) De ezilio sive de ezilii poena eznlumque conditiotie et jaribnd. Ant-
werpen, 1659, 2\
302 Dreizehntes Bueh. Neuntes KapiteL
Bibliothek darch Pe/rez Bayer, mit schäzbaren Anmerkaogen — der nenen
Bibliothek, durch Sanchez, PeUicer nnd Casalbom, ohne Anmerkungen,
ohne Fortsezung, mit den Fehlem und Lücken der ersten Ausgabe ')
— Madrid 1788 (nicht 1783).
Alle, die sich mit spanischer Geschichte und Literatur beschäf-
tigen, sind zu jeder Zeit an dieses herrliche Werk angewiesen; sie
stehen aber rathlos da, und sind auf den Sand gesezt bei den Schrift-
stellern, die nach dem Jahre 1684*) geblüht haben').
Das Werk Antonio' s: „Censura de historias fabulosas*' gegen
Hier. Raman. de Higuera und seine Nachfolger, die spanischen j^Ge-
schichtsbaumeister des sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts,
konnte zu Lebzeiten des Verfassers noch nicht erscheinen. Erst
Gfreg. May ans wagte es im Jahre 1742 herauszugeben^). Die ganze
Geschichte dieser Geschichtsbanmeister hat in unsem Tagen erschöpfend
behandelt: Josi Oodoy de Alcantara^ Historia critica de los falsos
ühronicones. Obra premiada por voto unanime de la real Academia
de la Historia y publicada ä sus expensäs. Madrid 1868, p. 343.
„In derselben Zeit, sagt er über Nie. Antonio^ als er im Anblicke
dieser Sündfluth von Erdichtungen ausrief: Es gibt keinen Hercules
für diese Hydra mit so vielen Häuptern — war er (zu Bom) Agent
der Kanoniker von Sacro Monte in Granada ^) in Angelegenheiten
ihrer Bleitafeln. Als genauer Kenner der römischen Curie leitete er
sie und gab ihnen Instructionen über die Weise ihres Vorgehens —
und empfahl ihnen besonders die Nothwendigkeit, sich auf die über-
natürlichen Zeichen zu stüzen, unter denen die Entdeckung der Blei-
') Nur die Schriftsteller von 1672—1684 werden ans dem literarischen Nach-
lasse des Antonio beigefügt. ^
^ Es sind etwa 8000 Schriftsteller toq 1500—1681 aufgeführt.
') Leben des N» Antonio^ von May ans in der Vorrede za der „Censara de
Historias fabulosas", Valenc, 1742. Dasselbe vor der neuem Ausgabe der Biblio-
theca, t. I^ Prologus, p. XIII— XX. Musterhaft sind auch die Indioes zu der
ersten, besonders der zweiten Bibliothek; index Cognominum II, p. 411—468 (wo-
durch der oben erwähnte Missstand etwas beseitigt wird); Index Patriaram, p. 469
—500. IIL Ordinom ecclesiasticorum Secularium, p. 501—506. — Regulariam —
507 — 526 (man beachte den grossen Unterschied zwischen Welt- und Ordenspries-
tem). V. Munerum ecclesiasticorum, p. 527—530. Munerum Secularium, p. 531—584.
Materiarum, p. 535—669. — Nach 23 Abtheilungen oder Zweigen des menschlichen
Wissens werden hier die Schriftsteller und Titel ihrer Werke angegeben. — Ticknor-
Julius, I, p. 194—195 sagt: „Es ist ein Denkmal des Fleisses, der Gerechtigkeit und
der Treue, wie es selten gefunden wird. Beide Werke zusammengenommen, machen
ihren Verfasser, ausser allem Zweifel, zum Vater und Ghrfinder der Qesehichte der
Literatur seines Vaterlandes.**
*) S. Kirchengesch. II, p. 335 — 336.
*) Kirchengesch. I, p. 179 — 182.
Der doppelte Nicolaas Antonio. 303
tafeln geschehen. Feind der Pseudo- Chronisten und Freund der Blei-
tafeln von Granada zu sein, waren Dinge ^ welche sich gleichmässig
mit der Moral des N. Antonio vertrugen, welche, wenn man sie nach
dieser Thatsache beurtheilt, allzuweitherzig war^ '). Es scheint über-
haupt, dass die römische „aria cattiva" (schlechte Lnft) einen sehr ver-
schlimmernden Einfluss auf Geist und Herz der spanischen Geschäfts-
träger in Kom ausübte«
*) Ser enemigo de los cronlcones y protector de los plomos granadmos,
eran cosas qne parece cabian dentro de la moral de don l^icolas Antonio, que k
jazgar por este hecho, debia de ser an tanto demaaiado latitudinaria. — J, Oodoy
AlcarUara, p. 278.
Vierzehntes Buch.
Spanien nnter den Bonrbonen und unter der Herr-
scliaffc der Hevolntion.
(1700- 1878.)
Erstes Kapitel.
Spanien unter den zwei ersten Boorbons Philipp V. und
Ferdinand VI. — 1700-1757.
§. 1.
Nach dem Ableben Carl's II. wurde sein lezter Wille dem Konige
Ludwig XIV. mitgetheilt , und dieser erlaubte, was er so lange ge-
wniiscbt, dass sein Enkel Philipp, HersTog von Anjou, die Krone Spa-
nien's annehmen dürfe. Als seine Antwort in Madrid eingetroffen
war, Hess die Regentschaft Philipp V, als König ausrufen — 24. No-
vember 1700. Es geschah mit der grössten Feier, unter dem Zuströ-
men des Volks aus Nah und Fern, das, „fröhlicher Hofi&iungeu voll,"
wie bei jedem Thronwechsel , den alten Konig und die alte Dynastie
schleunigst vergessen hatte, und durch die Strassen der Hauptstadt
den Ruf ertönen Hess: „Es lebe der König Philipp V.'* — Spanien
lag zu den Füssen des „allerchristlichsten Königs'^, und ,,e8 gab keine
Pyrenäen mehr'^ Den andern Mächten insinuirte er, sie möchten
seine grosse Mässigung bewundirn, in der er zugegeben, dass die
Kronen Spauien's und Frankreich's nie auf einem Haupte vereinigt
würden. Leopold I. von Oesterreich verlangte von den spanischen
Philipp V. in den Jahren 1700-1163. 805
Statthaltern in Italien, ^ dass sie seinen Söhn Carl als ihren König aü-
erkennen sollten, aber sie erwiederten, dass sie Philipp V. schon ge-
huldigt hätten. — Diese Verwicklungen führten zu dem spanischen
Erbfolgekrieg, in dem Oesterreich', England und Holland durch die
Allianz vom 7. September 1701 gegen Frankreich, (Spanten), Bayern
und Savoyen kämpften.
Am 4. December 1700 reiste Philipp V., mit seinen Brüdern, '^'*
den Herzogen von Burgund und Berry, in sein Reich ab. Die Prinzen kommt
begleiteten ihn bis an die Grenze, welche Philipp am 24. Januar 1701 ^'^^
bei Irun überschritt — Am 17. Januar hatte der Graf von Harrach, iA.Apri'i
Oesterreich's Gesandter in Madrid, feierlich gegen das Testament ^''^^'
Carl's U. protestirt, da er zu demselben gezwungen worden sei, wie
Bein Beichtvater P. Torres, der Generalinquisitor und die Königin«
Wittwe bezeugten. Philipp V. befahl, dass die Königin -Wittwe den
Hof vor seiner Ankunft verlassen müsse, sowie der Beichtvater, der
Grossinquisitor, die Gesandten von Oesterreich und der Churpfalz, und
einige andere Personen.
Am 18. Februar empfingen Portocarrero und viele Granden
Philipp V. in Buen-Retiro. Am 14. April zog derselbe mit herkömm-
lichem Pompe in Madrid ein. Er bildete seinen Rath aus dem Car-
dinale, aus Manuel Arias, der im Jahre 1702 Erzbischof von Sevilla
wurde, und dem Franzosen Harcourt, welcher alle fi-ühem Intriguen
mit Portocarrero eingefädelt hatte«
§. 2.
Philipp V., geboren den 19. December 1683 zu Versailles, war
der zweite Sohn Ludwig's, Dauphins von Frankreich, und der Maria
Anna von Pfalz (-Bayern). Philipp hatte (sagt Siwiandi^) sich bisher
nur durch seine Sauftmuth bemerklich gemacht. Er hatte wenig
Fehler, aber auch wenig Togenden; seine Gesinnungen waren auf dag
llechte gerichtet und ehrenwerth, aber sein Charakter entbehrte der
Energie • . • • Er zeigte nur Geschmack für die Uebnngcn der
Frömmigkeit, und für die Jagd; er war dazu geschaffen, um regiert
zu werden, und er wurde regiert sein Leben lang*).
Diese Schilderung passt eben so gut auf Philipp V., wie auf
Philipp III., zum Theile auch auf Philipp IV. Spanien hatte von 1698
iux vergebens auf einen kräftigen Regenten gewartet. Hätte es eines
gewaltigen Jäger's bedurft, so war ihm mit der Person Philipp*s Y,
') Hi»toire des Francis, 31 vol. 8*. Paris, 1821 — 1814«
') 11 ötait fait, pour etro gonvern(^, et il h fut toute sa vie.
G«!ns, npan. Kirebe. IlT. 9. 20
306 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
vortrefflich gedient. — Ludwig XIV. besorgte für seinen Enkel auch
eine Gemahlin — in der Person der Maria Luisa Gabriela, Tochter
des Herzogs von Savoyen, Am ]. Mai 1701 wurde der Ehevertrag
Die Kö- in Madrid verkündigt. Am 3. November fand die Vermählung zu
Maria Figucras statt. Im Winter 1701 — 1702 weilte das Konigspaar zn
Luua Barcelona, von wo sich Philipp V, am 8. April 1702 nach Neapel
«la^* einschifile. Er liess die Königin als Reichsverweserin mit einem
Cabinetsrathe zurück, in dem natürlich auch Portocarrero sass. Der
König hatte Cortes zu Barcelona gehalten ; die Königin sollte jezt
Cortes zu Saragossa halten, um die Klagen der eben gehaltenen Stande
zu beschwichtigen. Die Königin selbst präsidirte den Cortes, aber
eilte, ohne sie zu schliesscn, nach Madrid. Dort zog sie am 30. Juni
ein, „unter unaussprechlichem Jubel und Freudenbezeugungen, sowohl
wegen der beständigen Treue und Liebe dieser Bevölkerung zu seinen
Königen, wie wegen des Wohlwollens und der Anmuth, welche in der
Königin herrschten"').
Der Erbfolgekheg erreichte Spanien erst im Jahre 1704. Mit
8000 Anglo-Holländem landete der Erzherzog Carl in Lissabon, nach-
dem auch Portugal zu den Gegnern Ludwig's XIV. übergegangen war,
hoffend, sich einen Theil Spanien's einverleiben zu können, während
eine französische Armee unter Marschall de Berwick Philipp V. zu
Hilfe eilte. Der Feldzug dauerte nur drei Monate, in dem die Spanier
stets Sieger waren. Philipp V. theilte alle Gefahren, wie ein einfacher
Verlust Officier. Aber die Festung Gibraltar, in welcher nur 100 Spanier lagen,
Gibrai- ßgj durch Ucberfall dem Admixal Rook in die Hände, ein bis heute
schmerzlicher Verlust für Spanien, das nun einen äusserst gefährlichen
Nachbar auf seinem Nacken sizen hatte, den es nicht mehr abschütteln
konnte^). Im Jahre 1705 wendete sich das Glük wieder zu Gunsten
der Feinde Philipp's V.^),
§. 3.
p«r- Parteien herrschten am Hofe des Königs, der seinem Vorsaz
♦«^«" ungetreu geworden war, nur mit Spaniern sich zu umgeben. Die
Hofo. Französin Maria- Anna de Tremouille, bekannter als Fürstin von Ursini^
erste Palastdame der Königin, bemächtigte sich des jungen Königs
und der Königin nur zu Gunsten ihrer Landsleute. Da Spanien's
Finanzen sich in einem Zustande der Verzweiflung befanden, so sollte
*) Florez, Eeynas, II, p. 990.
*) Dem Narvaifz wird der Plan zugeschrieben, mittelst eines Canals für grosse
Schiffe — Gibraltar Aus einer Halbinsel zn einer Insel zu machen.
») Sabau, t. XX, p. 1—76.
Die Üreini; der Cardinal PortOdArrero. 307
d(;r Franzose Orry ihnen auf die Beine helfen. Er war unbestechlich,
trieb aber die Sparsamkeit bis znr äussersten Härte. Die von ihm
versuchten Reformen verlezten gar viele Interessen; eine neue Kopf-
stener z. B. begegnete so grossem Widerstand, dass man auf sie ver-
zichten musste.
Die Fürstin Ursini sah ihren Hauptgegner in dem Cardinal
Portocarrero, und arbeitete an seinem Sturze. Dieser Politious sah,
wie er verdient, diejenigen als seine mächtigsten Feinde, die er mit
aller Energie zur einzigen Macht über Spanien erhoben.
Nachdem er den Hof, wie er meinte, von der Partei Oester-
reich's ganz gesäubert, drängte er in die wichtigsten Aemter seine
Freunde und Günstlinge, und gab ihnen Stellen, denen sie nicht ge-
wachsen waren, oder die ihrem Charakter nicht entsprachen. Die
Fremden stiessen sich an diesen Missgriffen, und theilten ihre Klagen
auch dem Auslande mit. Allen voran die Fürstin Ursini*).
Mit Hilfe des Cardinais gelang es ihr, den ihr verhassten Patri-
archen von Westindien, der Philipp V. getraut hatte, vom Hofe zu
verbannen*). Der ^gute" Cardinal hatte geglaubt, dass der Wechsel
der Dynastie, für welchen er so gewaltig gewirkt hatte, für ihn selbst
keinen Wechsel in seiner beherrschenden Stellung mit sich führen
werde. Aber siehe da! „das fremde Weib", die Ursini, hob ihn bei
Hofe aus dem Sattel, warf ihn in den Sand, und zwang ihn, vom Hofe ^^^
nach Toledo sich zurückzuziehen. Diess war zwar sein Erzbisthum; aber n^i^nnd
sein Herzeleid, sich auf es zurückziehen zu müssen, war so tief, ^'*
Für-
als tief der Fall war, den die Fürstin Ursini ihm bereitet hatte. „Die ltin\
französische Camarilla", sobald sie auf Stufen den Thron bestiegen,
gab einen FNisstritt air denen, auf deren Schultern sie zum Thron
emporgekommen ; Portocarrero und der Erzbischof M. Arias „mussten
sich überzeugen, dass die Zeiten des Cisneros abgelaufen seien". Da-
gegen kam der französische Cardinal d'Estrees, Neffe Portocarrero's,
an den Hof, um in Mazarin's Fusstapfen zu wandeln, und mit der
Fürstin Ursini Streitfragen der Etikette zu lösen, und um die beiden
Erzbischöfe vom Hofe ferne halten zu helfen«
>) S. die Correspondenz des eitlen Franzosen Lambille au Torcy, citirt bei
Wiüicmi Caxe^ Memoirs of the kings of Spain, of the hoose of Bourbon, from the
accesslon of Philip the fifth, to the death of Charles the third, 1400 — 1788, drawn
from anpublished docnments and secret papers; with an hietorical introduction, etc.,
Lond., 1813, vol. 4*. — (Lond. 1815, 5 vol. in 8*.) — Eine französische BearbeitnDg
von Ändr. Murid erschien zu Paris, 1827, 5 vol. 8*^ sowie eine spanische Bear-
beitung unter dem Titel : Historia de Espafia biyo el reinado de la casa de Borbon,
por Chuülermo Caxe, Madr., 1816, 4 t. — ct. T. I. p. 98.
'} Sie nannte ihn in einem JBriefe: mico reqnitioo, viejo y maligna.
20*
308 Vierzehntes 6aeh. Erstes ^pitel.
Finanz- Der FinaozmanQ Orry warf bald seine Blicke auf die Gäter der
Kirche. Sich stüzend auf die Ideen des Regalisten Macanaz, hielt er
es für erlaubt, seine Hände nach dem Silber der Kirchen auszastrecken.
Auch Ludwig XIV. gab dem französischen Botschafter seine Anschau-
ungen über das Kirchensilber kund'). Vor den Folgen, welche diese
Einziehung selbst für den Thron des Königs haben konnte, zog sicli
Orry scheu zurück').
Das Jahr 1706 verlief sehr unglücklich für Philipp V. Die Ad-
mirale Leak und Showeil führten mit den furchtbarsten Flotten, welche
England und Holland je einmal vereinigt hatten, den Erzherzog Carl
von den Ufern des Tajo an die Küsten von Catalonien — September
1705. Eine von Lord Peterborough befehligte Armee nahm Barcelona
hinweg. Hier wurde der Erzherzog als König von Spanien ausgerufen.
Granz Catalonien unterwarf sich ihm. Die Königreiche Valencia und
Aragonien folgten nach.
Der In Valencia hatte der extreme Regalist Melchior Macanaz, Inten-
dant des Königreichs Aragonien, die kirchliche Immunitat in jeder
Weise verlezt. Selbst die Mönche griffen zu den Waffen, und rückten
aus, unter dem beifalligen Spotte der englischen Soldaten. Der Erz-
bischof, Anton. Folch de Cardona, Franciscaner, hatte sich früher
Philipp V. zugeneigt, und den Vicekönig der Untreue gegen Philipp
beschuldigt. Jezt gieng er zu dem Erzherzoge über, was spätei* dem
Cathedral-Kapitel grosse Verlegenheiten bereitete. Der Erzbischof selbst
zog sich nach dem Siege Philipp's nach Wien zurück, wo er im Jahre
1724 starb.
Bei der schwankenden, unklaren Lage, da das Recht beider
Competenten bestritten wurde, kam Alles auf den äussern Erfolg an«
»Res»-
UsfMA
*) Instmctionen an den Grafen von Mercin bei TT. Coxe, I, p. 117. Der Erz-
biachof von Sevilla wurde gegen die Einziehung des Kirchensilbers bei Hof »vor-
stellig'', Hess aber all* sein Tafelsilber zerschlagen, and gab es dem EOnig in
„klingender MQnze'^.
*) Histoire de Tav^nement de la maison de Bourbon au trone d^Espagne, par
Targe, Paris, 1772, 6 vol. 12'. — Mömoires secrets sur T Etablissement de la maison
de Bourbon en Espagne, extraits de la correspondance du marqnis de Louisville,
Paris, 1818, 2 vol. 8*. — Mömoires militaires r^latifs k la succession d^ Espagne
sous Louis XIV., pr^c^öes d'une introduction par Migriet, Paris, 1836 — l>^i2,
4 vol. 4*. — Mömoires militaires rölitifs k la succession d* Espagne sous Louis XIV ,
extraits par — De Vault, publi^s parPeZe^, Paris, 1836—1862. T. I ad XI m. Atlas
— 12 4*. — Sucesion del rey Felipe V., por Arä. de Übila y Medina, Madr,|
1705, 2*. — Desengafio de Ignorantes, Madr., 1703 — 4' (Schuzschrift für die Rechte
Philipp's V.), — Epistola pro aug. Hispaniarnm monarcba Philipp. V., auct Bis«
cardi, Neapoli, 1704 (gegen die AnsprQche Oesterreich's). — L* Espagne triom-
phante sous le rögne de Philippe V., par N. de Fer., Paris, 1704. — Philipp V.^
monarca legitimo delle Spagne, von J. A, Castagnola, Naples, 1704. 1*. — Da
Philippo V., potent. Rege Hispaniarnm — ed. CaraccioH, Neap., 1704.
I
Krieg im Jahre 1706. 309
Man darf sieb desebalb nicht wondern, wenn man in dieser Zeit bei
Generälen wie bei Bischöfen eine ansichere Haitang findet. Philipp V*
eilte nach Catalonien^ nnd begann im April 1706 die Belagerang
Barcelona's , wo . sich der Erzherzog eingeschlossen hatte. Seit fünf
Wochen waren die Lanfgräben eröffnet, und eine Flotille unter dem
Grafen von Toulouse occupirte den Hafen. Es gelang aber dem Ad-
miral Leack, die auf das äusserste gebrachte Stadt wieder zu ver-
proviantiren, und die Besazung zu verstärken. Auch hier waren es
Priester und Mönche, welche, erbittert gegen die Franzosen, entweder
selbst kämpften, oder die Kämpfenden ermuthigten. Philipp musste,
mit Zurücklassung seiner Artillerie, in der Nacht vom 10. Mai 1706
abziehen. Jezt huldigte auch ganz' Aragonien dem Erzherzoge. Die
Verbündeten rückten gegen Madrid vor, und besezten es am 25. Juni.
Philipp floh zu der Armee Berwick's, der übrige Hof nach Burgos. Krieg
In Madrid agitirte ein „fraile" (Mönch), Caspar Sanchez, besonders *"Jj^*
gegen Philipp; er recrutirte Schaaren von Migueletes (Freiwillige) gegen
die Franzosen. Nach der Rückkehr der Truppen Philipp's — Sep-
tember 1706 leistete er mit den Seinigen den muthigsten Widerstand in
dem königlichen Palast und wurde zulezt gefangengenommen'). Phi-
lipp V. befahl am 7. September, man solle ihn in den engsten, feuchtesten
und ungesundesten Kerker werfen , dort solle man einen Käfig machen,
nnd den Armen an Händen und Füssen in Eisen schlagen, ihm nur das
Aeusserste von Brod und Wasser zur Lebensfristung reichen, und so
ihn unter langsamen Qualen tödten. Die Spanier sagen mit Recht,
dass ihre Weise der Einrichtung durch die Garrotte mild sei, ver^
glichen mit französischer Einsperrung^ zu der auch Bischöfe seien
verurtbeilt worden. „Welcher Unterschied des Betragens Philipp's IV.,
der sich weigerte, den berüchtigten Fälscher Molina viertheilen zu
lassen, um nicht Todesstrafen zu erfinden, die vorher in Spanien un-
bekannt waren**').
Die Verbündeten . hatten auch Toledo besezt. Der Cardinal P^to-
Portocarrero befahl, dass Carl als König von Spanien ausgerufen werde, ^u^
und Hess seinen Palast beleuchten. Er sang das Te Deum in seiner oetier-
Cathedrale, und gab ein glänzendes Bankett. Philipp V. hielt es für "**'^'"'
qut, ihm zu verzeihen, wegen der grossen Dienste, die er dem Hause
Bourbon erwiesen, indem er die Demonstrationen der Freude für Carl
dem Verlangen zuschrieb, wieder in den Besiz der Gewalt zu ge-
langen. Auch die Königin -Mutter, deren Neffe der Erzherzog war,
und welche in Toledo wohnte, gab ihrer Freude den stärksten Aus-
druck. Philipp sehrieb ihr einen höflichen Brief, und bat sie, sich
«) Semanario erudito, t VII, p. 78, t. XXVI, p. 61.
») Fic. de La Fuente, t. VI, Madr., 1875, p. 12.
310 Vierzehntes Buch. Erstes Kspifel.
_V'* nach Bayonne zurückzuziehen. Der Herzog von Osuna kam mit
wittna 200 berittenen Gardisten, nnd führte sie nach Frankreich, anter dem
''^'' Vorwande, dass sie so den Unruhen des Kriegs entfliehen werde. Sie
nahm ihren Aufenthalt in Bayone, bis sie lange nach dem Ende des
Kriegs auf Fürbitte ihrer Nichte, der Königin Elisabeth, nach Spanidi
zurückkehren durfte, erst im Juni 1739, Im Alter von 72 Jahren
starb sie zu Guadalajara — am 16. Juli 1740^).
Der Hof kehrte von Burgos nach Madrid zurück. Auch dii-
Fürstin Ursini, damals schon 66 Jahre alt, wurde zurückberufen.
Im Februar 1703 hatte sie ihren ,) alten Freund" Portocarrero fre-
stürzt Fürchtend den Einfluss des Cardinais d'Estrees, Ludwig's 21 V.
Gesandten in Madrid, hatte sie seine Stellung so geschickt unter-
graben, dass er selbst bat, nach Frankreich zurückberufen zu werden
^ugen — September 1703. Sie wurde aber selbst von ihren Feinden am
n. Siege Hofe ZU Versailles scharf angegriffen; Ludwig XIV. wollte sie abberufen.
**"n^' Es gelang ihm aber nicht, weil ihr Einfluss auf Philipp V. Übermacht ig
war. Erst nach dessen Abreise zum Kriege an die Grenze von Por-
tugal — 6. October 1704 — wurde die Ursini abberufen und nach
Italien verwiesen. Ihre Freunde, der Cardinal Noailles, die Herzog<*
von Villeroi und Harcourt^ sezten es durch, dass sie in Toulouse Halt
machen durfte, von wo sie nach Versailles kam — Jan, 1705. Da
nach ihrer Entfernung in Spanien Alles in Verwirrung gericth, so bat
man sie beinahe, dahin zurückzukehren, — und sie erhielt eine oflH-
cielle Sendung. Sie sezte sogleich durch, dass Orry wieder Finanz-
minister , der Präsident Amelot franzosischer Gesandter in Madrid
wurde. Sie sezte sich, so zu sagen, ihr eigenes Ministerium zusammen,
und kam als „Regentin^ nach Madrid zurück. Ihre Rückkehr nach
Spanien war ein beständiger Triumphzug, 15. Juni — August
1706. Ueberall rief das Volk ih^: „Vivas** zu. Konig und Konigin
eilten zu ihrem Empfange nach Canillas (zwischen Valladolid und
Palencia). Sie kam, sah, und siegte nicht mit ihren Intriguen gegen
die Intriguen ihrer Feinde. Sie floh mit dem Hofe nach Burgos —
1706. Sie suchte den Muth des Königs und der Konigin zu heben,
und arbeitete eifrig mit Orry gegen die Ebbe im Staatsschatz. Sie
sezte ein Anlehen auf die Güter des Klerus und manches Andeic
durch. So kehrte sie denn auch nach Madrid von Burgos zurück.
Ihr Einfluss auf den König und die Königin war so dominirend, dass
im Grunde Alles geschah, was sie wollte. Die übrigen Damen am
Hofe der Königin waren ihr spinnenfeind, sie aber sezte es durcli,
dass keine am Hofe bleiben durile, welche dem Hofe nicht nach Burgoi»
») Florez, Reynas, II, p. 995. — Sabau, XX, p. 127.
DerKU-
rui im
Die Kriegsjahre 1706—1109. 311
gefolgt, obgleich ein solcher Befehl nicht ergangen und die Wege Tom
Feinde besezt waren.
§. 4.
I
In den Jahren 1706 — 1709 zogen Bischöfe und Priester beider
Parteien in den Kampf, doch vorwiegend die Anhänger Philipp's.
In dieser Zeit nahm der Bischof von Murcia, Ludwig Bdluga, die f«m«.
Stadt Orihuela im Sturme, überlieferte sie der Plünderung, nahm ihr
alle Privilegien, und entwaffnete die Einwohner. Als Elche von den
Castilianern eingenommen wnrde, mussten Alle, welche sich in das Fort,
in die Kirchen oder Klöster geflüchtet hatten, über die Klinge springen.
Am 9. December 1706 starb der König D. Pedro IL von Por-
tugal, geliebt von seinem ganzen Volke, nach einer Regierung von fast
40 Jahren. Ihm folgte sein Öohn Joao V. (1706 — 1730). Im Jahre
1708 heirathete er die Schwester des Kaisers Joseph L, Maria Anna
von Oesterreich^ und man hoffte, dass er der Sache der Aliirten treu
bleiben werde*).
Im Jahre 1807 — 1808 wurden Valencia und Aragonien, zum
Theile Catalonien für Philipp V. zurückerobert. Die Castilianer, auch
die Bischöfe und der Klerus, waren und blieben seine feste Stüze. Die
Oesterreicher wurden hier verhasst, weil die mit ihnen verbündeten
Engländer und Holländer — zugleich einen Krieg gegen Kirchen,
Klöster und kirchliche Personen führten. Das englische Geschwader, Eiees««
welches sich des Hafens von Santa Maria bei Cadix bemächtigt, ]£ri«gff.
Überliese sich den grössten Excessen; Kirchen wurden geplündert, und
sogar die Gott geweihten Jungfrauen angetastet (1702)*). Die An-
führer selbst gaben das Beispiel der Brutalitat. Obgleich die Anda-
Insier an sich den Engländern sich zuneigten, konnten sie doch diese
Angriffe auf die Religion nicht in Geduld tragen, und erhoben sich
gegen die Alliirten, welche von der Rache des Landes verfolgt, sich
kopfüber wieder einschiffen mussten. Für den (damals) in Italien
weilenden König hatte sich die Königin an die Spize gestellt. Gar«
dinal Portocarrero unterhielt damals auf seine Kosten sechs Schwadronen,
der Bischof Cardinal Salazar von Cordova ein Regiment, der von
Murcia zwei. (Bischof Blasius Serrate von Tarazona warb seine eignen
Priester als Soldaten an,)
Als die Engländer im Jahre 1706 Castilien besezt hielten, gaben
sie Anlass zu vielen Klagen wegen Profanationen der Kirchen, u. a. in
«) Schäfer, Geschichte von Portugal, V, 1854, S. 167.
») Wm. Coxe, I, p. 176.
312 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
den Bisthümcrn Sigoenza, Guenca, Osma und Toledo. Aefanliches
geschah durch das Heer der Frauzosen, in dem sich viele Protestanteo
und Juden befanden.
§. 5.
Der Conflikt mit Rom hatte schon vom Anfange der Kegierun<r
Philipp's V. gedroht. Per den Franzosen so gunstige Papst Inno-
zenz XII. war am 27. September 1700 gestorben, einen Monat und
vier Tage vor Carlos IL In dieser kurzen Zeit und im Angesichte^
des Todes hatte man den willenlosen Konig noch dahingebracht, von
einem der abscheulichsten Privilegien Gebrauch zu machen, welchem*
sich die s. g. katholischen Hofe bei Papstwahlen angemasst hatten.
Er gab dem Cardinal Albani die s. g. „Exclusive^, weil er im Ye'r-
dacht stand, österreichisch gesinnt zu sein. Aber Carlos II. starU
während des Conclave. Mit Recht glaubten die Cardinäle jezt an
seine „Exclusive^ nicht mehr gebunden zu sein, und wählten am
21. November den Cardinal Albani zum Papste, der sich Clemens XI*
nannte. Der Papst konnte, bei dem unsichern Hin- und Herwogen
des Krieges, besonders in Italien, nicht so entschieden auf die Seite
Fhilipp's Y. treten, als dieser es beanspruchte. Man zeigte sich in
Madrid verstimmt. Die Oesterreicher hatten Mailand und Neapel
(1708) erobert, und drohten in den Kirchenstaat einzufallen, wenn der
Papst nicht Carl (IIL) anerkennen werde. Der Papst befand sich im
Gedränge^) und entschuldigte sich bei Philipp Y. Obgleich dieser
die Zwangslage des Papstes einsah, wollte er doch, „um seiner Ehre
pfai- willen^, mit Rom brechen. Er hatte vorher seinen Beichtvater, den
Ifpp V.
briebt
P. Robinet, und andere Theologen um Rath gefragt, und diese er-
mit klärten, er habe das Recht, den Gerichtshof der Nuntiatur zu schliessen,
^^' weil derselbe auf Bitten ^der katholischen Könige errichtet worden
sei". Durch Decret vom 22, Februar 1709 wurde der Nuntius ver-
bannt, das Gericht der Nuntiatur geschlossen, den Spaniern jede Ycr-
bindung mit Rom verboten. Eine Junta, bestehend aus Mitgliedern
des Staatsrathes und des Raths von Castilien, trat in Thätigkeit, und
beschäftigte u. a. sich damit, ein Sammelsurium all' der Klagen aufzu-
sezen, zu denen Rom in den lezten Jahrhunderten den Spaniern Anlass
gegeben, namentlich durch Neuerungen in der Kirchenzucht. Aus den
Archiven, besonders dem von Simancas, wurde eine grosse Menge von
Documenten hervorgezogen. Selbst die im Jahre 1713 aus andern
*) M. Picot, MömoireB pour servir k rhistoire eccl^iastique pendant Ic
18 sitele. 3 Mitioo. Paris, 1853, t. I, p. 293-299.
Ki'ieg mit Rom^ 1709 — 1713. Der grosse Kegalist Macanaz. 313
Gründen berufenen Cortes willfahrten den Wünschen der königlichen
Käthe, und iibergaben Philipp V. eine Denkschrift voll Klagen über
die Missbränche der romischen Curie, und wiederholten die Anklagen
der Regalisten Pimente! und Chumacero. Diese Cortes bequemten sich
auch, nach den Wünschen der Konigin, das salische Recht der Thron-
folge in Spanien anzuerkennen, durch welches Frauen vom Throne aus-
geschlossen waren (bis' 1833).
Leider zeigte es sich hier auf das Neue, wie bei frühern Con-
flikten, dass die Bischöfe sich als Beamte, vielmehr Bediente der je-
weiligen Regierung gerirten. Sie meinten gute Katholiken zu sein,
so oft aber der Konig mit dem Papste Händel anfing, so war der
^katholische Konig^ unfehlbar, und der Papst hatte gefehlt. Franc, de
Solis, Bischof von Lerida (1701 — 1714), später von Cordova, war
zugleich VicekSnig von Aragonien. Auf Verlangen des Staatssecre-
tärs Marques de Mejorada, gab er im Jahre 1709 sein zustimmendes
Gutachten über „die Missbräuche ^es romischen Hofes^, mit Bezug
auf die königlichen Rechte und die Jurisdiction der Bischöfe^). Das
Gutachten war nicht ohne Gelehrsamkeit, aber mit um so grosserer
Bitterkeit gegen Rom verfasst. An die Spize dieses Kampfes wurde
der Intendant Macanaz gestellt, der durch die Fürstin Ursini und ihre
Camarilla gestüzt wurde.
§. 6.
Melch. Macanaz, im Jahre )660 geboren zu Hellin, lehrte in Meicbor
Salamanca römisches Recht, und bewarb sich auch um die Lehrstühle ^^
des Civil- und canonischen Rechtes^). Um sein Glück zu machen,
schlich er sich an den Hof, und erlangte die Gunst Portocarrero's.
Er machte sich als stürmischer Regalist bemerklich, dem die Regalisten
des siebzehnten Jahrhunderts viel zu zahm aufgetreten waren; er war
kühn und unternehmend, sehr art)eitsam, und in seinem Privatleben
ohne Tadel. Ja, wie so viele Kirchenfeinde in Spanien bis auf die
neueste Zeit, er nahm es genau mit den Vorschriften der Kirche, und
den äussern Uebungen der Frömmigkeit. Er rühmte sich in seinen
Schriften, dass er den Rosenkranz bete, und troz seines Alters die
vierzigtägige Fasten halte. Denn damals hatten die Regalisten noch
auf den Hof zu achten, der in strengen kirchlichen Formen sich be-
wegte. Bis zu den Zeiten Carl's HL konnte man es in Spanien zu
') Dictamen- tocante ä las rcgalias de S. M. C, y jnrisdiccion que rcside en
los oblspoB — 1809. Semanario erudito, t. IX., p. 206,
^ Seine ^Gloria de Espafia** — s. Semanario erndito, t. VIII, p. 16.
314 Vierfiehntes Buch. Erstes Kapitel.
nichts bringen, wenn man die äussern Uebnngen der Frömmigkeit
ausser Acht liess. Durch die Gunst der Fürstin Ursini wurde er
Intendant von Valencia. Durch sein freches Auftreten daselbst zog
er sich die Censuren des Erzbischofs und den Unwillen des Volks zu.
Man war gezwungen, ihn zu entfernen, und er kam als Intendant nach
Aragonien. Er zeigte aber eine tiefe Verachtung gegen Alles, was in
diesem Lande galt und Sitte war. Dem Eonige brachte er bei, dass
die „Fueros^ nichts Anderes seien, als „rechtlose Concessionen , von
den Konigen durch Rebellionen und Aufstände erpresst^. Er war
Absolutist wie Regalist, servil gegen jede Gewalt. In Aragonien ver-
stand er es aber, Geld zu sammeln.
Die franzosische Camarilla berief ihn wegen der Conflikte mit
Rom nach Madrid — 1713. Der König wollte ihn nach Paris senden,
um mit dem Nuntius Aldobrandini zu verhandeln, weil Ludwig XIV.
seine Vermittlung angeboten hatte. Er schien aber zu hizig zu sein.
Statt seiner wurde Villalpando, Marques de la Conquista, nach Paris
gesandt, Macanaz aber zum Fiscal des Rathes von Castilien ernannt;
er sollte von Madrid aus die Verhandlungen leiten. Eine von ihm
verfasste Denkschrift, in vier Folianten, wurde an den Rath von Castilien
abgegeben, und gab Anlass, dass die Inquisition sich mit ihr befasste.
Der oberste Rath der Inquisition holte Gutachten der Theologen ein,
welche niclit übereinstimmten. Der Minime Franc. Polanco, später
Bischof von Jacca (1717 — 1720), fand in der Denkschrift keine ge-
fährlichen Doctrinen; der Dominikaner Blanco, der im Jahre 1709 die
Schliessung der Nuntiatur befürwortet hatte, sprach sich mit aller
Energie gegen die Doctrinen des Macanaz aus.
§. 7.
Porto- Am 15. September 1709 starb der Cardinal von Toledo* Die
r^w! Stelle blieb, zum Theil wegen der kirchlichen Wirren, sechs Jahre un-
CMTdinai besezt. Nach derselben trachtete der Cardinal Franc. Giudice, Italiener,
^'"'"'^•seit 1711 General - Inquisitor, zugleich Erzbischof von Monreale in
Sicilien. Macanaz zeigte der Königin, die ihn befragte, die Geseze in
der „Neuen Gesezsammlung^, welche verbieten, Ausländem kirchliche
Würden in Spanien zu übertragen. Giudice aber glaubte, als Neapoli-
taner auch Spanier zu sein. Philipp V. war mit ihm unzufrieden, und
schickte ihn als Geschäftsträger nach Paris, aber ohne specielle Mis-
sion. Es war diess eine Art von Verbannung. Dort erhielt er Kunde
von der Denkschrift des Macanaz, und gemäss den eingelangten Gut-
achten verdammte er als Gross-Inqnisitor dieses „Memorial^, zugleich
mit den ähnlichen Schriften des Jean und JerOme Yarclay, und des
Der Gross -Inquisitor Giudice. Friede von Utrecht, Rastadt; Baden. 31^
M. ToIoD, damals Präsidenten des Parlaments zu Paris, d. i. er verbot
das Lesen derselben in Spanien.
Durch Edikt vom 30. Juli 1714 aus Marly vnirde das Werk
des Macanaz „als aufrührerisch^ verwegen, häretisch, schismatisch, be-
leidigend für fromme Ohren" etc. bezeichnet. Ludwig XIV. war nicht
wenig beleidigt, dass ein Ausländer in seinem eigenen Palaste Werke
verdamme, die zu Gunsten seiner Regalien geschrieben worden, und
jagte den Gross-Inquisitor unter Beschimpfungen fort; er musste Frank-
reich verlassen. Philipp V. verbot ihm die Rückkehr nach Spanien,
nahm ihm die Stelle eines Gross -Inquisitors, und bot sie vergebens
seinem Beichtvater P. Robinet an. Der König liess dem „Santo Oficio'^
befehlen, die gegen Macanaz ergangene Sentenz als „nichtig" zu er-
klären. Aber die zu diesem Zwecke berufenen Theologen erklärten,
dass man hierin nicht nachgeben könne. Da der P. Urbano mit Bitter-
keit über die Zumuthung des Königs gesprochen, so wurde er vom
Hofe verbannt. Durch solche Vorgänge erlangte das Gutachten des
Macanaz eine an sich unverdiente Celebrität £s wurde in Frankreich
gedruckt, in Spanien wurde es als Manuscript allgemein verbreitet,
aber erst in neuerer Zeit gedruckt*).
§. 8.
Der Friede zwischen England und Frankreich wurde zu Utrecht
am 11. April 1713 geschlossen, ebenso mit Savoyen, Portugal, Preussen
and Holland. Die vom Papste angebotene Vermittlung war beson-
ders von England abgewiesen worden. Clemens XL sandte aber doch
den spätem Cardinal Dom. Passionei nach Utrecht. Carl, welcher
nach dem Tode seines Bruders Joseph (f 17. April 1711) Kaiser von
Oesterreich geworden, trat dem Frieden von Utrecht nicht bei, weil
er auf Spanien nicht verzichten wollte. Erst später wurden darüber
Verhandlungen zwischen ihm und Frankreich eroflfnet. Die Prälimi-
narien des Friedens wurden am 6. März 1714 zu Rastatt unterzeichnet,
der definitive Friede wurde am 6. September zu Baden geschlossen.
Diess war der Friede zwischen Oesterreich einer-, Spanien und Frank-
1 eich anderseits. Philipp V. blieb König von Spanien ; er musste aber
Gibraltar und Minorca an die Engländer, Sicilien an Savoyen, die
*) Das i^Pedimento* des Macanaz „PropoBiciones al Consejo de Orden S. H.
acerca del Concordato, qae se trataba on Paris anno de 1713, steht bei Tejada y
liamiro, VlI, p. 267—280. — cf. Pedimento del fiscal general Melchior Macanaz
sobre abosos de la cörte de Roma y sns remedios, seguido de la traduccion del
manifesto qne en defensa de aqnel remitiö al rey en idioma francös desde Paii, etc.
Xadr., 1841.
316 Vierzehntes Bacb. Erstes Kapitel.
Niederlande, SardinieD, Neapel und Mailand an den Kaiser abtreten.
Von dieser Zeit an hatte die vielhundertjalirige Herrschaft der Spanier
in Italien ein Ende.
Am 14. Febmar 1714 verlor Philipp seine Gemahlin dnrch denl
Tod. Sie hinterliess einen Thronerben, den spatern Konig Ferdinand VL|
Nach allen Schlagen des Schicksals, die sie getroffen, behauptete aucb;
nach dem To'de der Königin die vielgenannte Fürstin Ursini das
Schlachtfeld, anf welchem so viele Helden unter ihrer stets schlagfer-!
tigen Hand unterlegen waren. Das Jahr der Trauer 1714 war noclii
nicht verflossen, und sie hatte, unter dem Verwände, den Konig gegenj
Melancholie zu schnzen, schon eine neue Gemahlin für ihn aufgefunden,
Die ur- sie überredete ihn, die Prinzessin Elisabeth von Parma zu heirathenJ
lezten- EHsabcth war die Tochter des Eduard Famese, Bruders des Herzogsl
male von Parma und Piacenza. Sie war geboren am 23. October 1692.
Die Fürstin Ursini hoffte durch diese Partie sich in der Macht za
befestigen. Sie irrte sich. Vor illfrer Ankunft schrieb Elisabeth an
den König: „Ich bitte Sie nur um das Eine, die Fürstin zu entlassen^,!
worauf der König erwiederte, diess sei nothwendig, denn wenn diel
Ursini nur zwei Stunden mit Elisabeth reden würde, so würde sie
dieselbe ganz bezaubern, sie für sich gewinnen, und den König von
der Königin getrennt halten. Die Ursini hoffie dennoch, dnrch eine
persönliche Begegnung die neue Königin für sich einzunehmen, und
gieng ihr bis Jadrague entgegen. Es gelang ihr, die Königin allein
zu sprechen. Elisabeth aber gerieth in Zorn, warf ihr den Mord
mehrerer Personen vor, und rief aus: Man möge diese Närrin hinaus-
schaffen. Es war Nachts um sieben Uhr und das Land mit Schnee
bedeckt — 23. December 1714. Mit einer Begleiterin wurde sie in
eine Chaise gesezt, ohne Zeit gehabt zu haben, die Kleider zu wechseln,
sich gegen die Kälte zu schüzen, ohne Geld und Geldes werth, ohne
einen Bissen Nahrung; 40 Reiter escortirten sie. Am 14. Januar
1715 kam sie an der Grenze zu S. Jean de Luz an. Dem Sturze der
Fürstin folgte unverzüglich die Zurückberufung des Cardinais Gindico,
die Wiederherstellung der Inquisition in ihrem alten Umfange — durch
Decret vom 10. Februar 1715, der Sturz und die Verbannung ihrer
Creaturen, des Macanaz und des Orry. Mit einer französischen Kentc
von 40.000 Livres wanderte sie nach Holland, wurde dort von den
Generalstaaten übel aufgenommen, und liess sich in Genua nieder.
Von Langeweile getrieben, — liess sie durch ihren Bruder, den Car-
dinal de La Tremouille, die Stimmung gegen sie in Rom sondiren.
stofluch. Erst nach dem Sturze ihres Nebenbuhlers Alberoni — 5. December
Rom, ^"^19 — li^ss sie sich in Rom nieder, aus Furcht, von Spanien aus
1719. beunruhigt zu werden. Durch ein seltsames Spiel des Glückes trat
sie in Rom mit den beiden Cardinälen Giudice und Alberoni, wie sie
finde der Ürsini; Alberonrs Anfange. 317
flüchtig aus Spanien, zusammen. Dank ihrer Rente von Frankreich
und einer Pension von Spanien, konnte sie in Rom, der gemeinschaft-
lichen Zafiachtsstätte der Verbannten; eine grosse Figur spielen. Sie
hieng sich an die Stuarts an, und machte mit ihnen noch etwas in
Politik. 80 Jahre alt, starb sie, noch frisch und lebendig, und ge-
niessend * die Freuden des Lebens. Sie liebte den Glanz und das
Herrschen durch Intriguen über Alles. 14 Jahre lang hatte sie den
Hof von Madrid, und mehr und weniger auch das Reich beherrscht.
Philipp y., und Spanien war der Königin Elisabeth zum Danke ver-
pflichtet, dass sie den König und das Reich von der grossen Intriguantin,
von der „herrschgewaltigen Fürstin^^ beireit hatte ^).
§. 9.
In der Gunst des Königspaares war ihr Julius Aüerani gefolgt; JuHat
geboren am 31. Mai 1664 bei Piacenza, wurde er Priester daselbst. ^^^^".
Später kam er nach Rom. In dem spanischen Erbfolgekriege wurde codkh.
er mit dem Mai'schall Herzog von Vendome bekannt, welcher die
Franzosen in Italien commandirte, und gewann dessen Gunst. Von
Natur aus träge und vergnügungssüchtig, gewöhnte er sich doch daran,
täglich 16 — Ib Stunden zu arbeiten, und tägjich nur eine Mahlzeit von
der Frngalität eines strengen Klostermannes zu nehmen. Im Geleite
des Marschalls kam er nach Spanien. Vendöme starb in seinen Armen,
am 12. Juni 1712. Im Jahre 1713 gab der Herzog von Parma dem
Alberoni den Titel eines Grafen , und bestellte ihn als seinen Consular-
agenten in Spanien. Die „Ursini^^ war damals ,^allmächtig^^ an dem
Hofe. Alberoni hatte häufig Gelegenheit, sie zu unterhalten, und ge-
wann ihre Gunst. Da er sie in Verlegenheit sah, welch' neue Ge*
mahlin sie dem Könige zufuhren sollte, schlug er ihr zum Scherz die
Elisabeth Farnese vor. Absichtlich schilderte er sie ihr als einfältig,
andächtig, unbekannt mit der Welt, von der sie getrennt lebe, also
ganz passend für die Pläne der Fürstin mit ihr. In der That wusste
er, dass Elisabeth sich von Niemand beherrschen lasse.
Jezf behauptete Alberoni den Plaz der Ursini am Hofe. Sein
Einfluss auf das Königspaar war unbeschränkt, Spanien wieder in den
Händen der Fremden. Der alte Cardinal Giudice, dem Titel nach
erster Minister, that nichts ohne Alberoni, und den D. d'Aubanton, ^^^
') HiBtoire seeröte de la coar de Madrid, 1701—1719, Colugne, 1719. —
WüL Coxe^ les Boarbons d'Espagne, t I— IL — Mömoires d*un Grand d'Es-
pagne, Rotterd., 1718. — - Franc. Combes, La Princebse des Ursina. Essai aar sa
y'ie, et son caractöre politiqae, d'apröa de nombreux docomenta inöditea. Paris, 1858,
— Yerachiedene Sammlungen ihrer Briefe,
318 Vierzehntes Üuch. Erstes Kapitel.
den Beichtvater des Königs, zu Käthe zu ziehen. Alberoni suchte sich
dem Lande nüzlich zu machen, besonders durch Versuche, die Finanzen
zu regeln. Der Tod Ludwig's XIV. (f 1. September I7l5) wirkte
mächtig auf die spanische Politik ein. Der Dauphin und dessen
ältester Sohn waren gestorben. Philipp V., als zweiter Sohn des
leztem, war nun der nächste Thronerbe, und glaubte Anspruch auf
die Regentschaft zu haben. Der Herzog von Orleans war Regent für
Ludwig XV« Ludwig's XIV. Urenkel, welchem sich Philipp V. durchaus
feindselig zeigte. Die Konigin gieng ganz in seine Pläne ein. Ihr Be-
streben war es, ihrem Sohne Carl, geboren 20. Januar 1716, einen Thron
Fab«i- zuzuwenden. Alberoni und sie verbanden sich zu fabelhailen Plänen,
pixne bedrohten in Bälde die Ruhe Europa's, und schleppten den König
der K8- willcnlos mit sich fort Alberoni sollte Cardinal werden, und musste
^A^n- sich darum mit Rom auf guten Fuss stellen. Einige Maassregeln des
nV9. Finanzmanns Orry, welche die Kirchengüter belasteten, wurden zurück-
genommen. Der Cardinal Giudice musste seine Stelle als Gross-
Inquisitor und erster Minister niederlegen.
§. 10.
Es mussten aber auch di^ seit 1709 unterbrochenen Verbind-
ungen mit Rom wieder angeknüpft werden; der König aber war schwer
dafür zu gewinnen. Doch Alberoni sezte es durch. Der apostolische
Nuntius durfte zurückkehren. Das Tribunal der Nuntiatur trat in
früherer Weise in Action. Das Verbot des Verkehrs mit dem aposto-
lischen Stuhle wurde aufgehoben. Ein Decret gegen Macanaz wurde
angeschlagen, dass er in 90 Tagen vor dem Gericht der Inqui-
sition sich stellen solle, als Angeklagter der Häresie, der Apostasie und
der Flucht.
Da Alberoni .sah, dass Giudice seinen Plänen sich widerseze, so
drang er auf seine Entfernung und Rückkehr nach Rom. Alberoni
sezte es durch, dass eine spanische Flotte gegen die Türken abgesandt
wurde, die sie hinderte, sich der Insel Corfu zu bemächtigen. Aus
Dankbarkeit bevrilligte der Papst dem Könige wieder die kirchlichen
Hilfsgelder.
Aibtroni Der spanische Hof erwirkte, dass Alberoni am 13. Juli 1717
^^!f**zum Cardinal erhoben wurde. Im November 1717 liess er sich zu
1717.
dem reichen Bisthura Malaga ernennen, und wurde als Bischof am
6« December präconisirt. Inzwischen war der Erzbischof Arias von
Sevilla gestorben (f 17. November 1717). Schon am 16. December
liess sich Alberoni zum Erzbischof von Sevilla ernennen. Der Papst,
schon unzufrieden mit ihm, vmrde es noch mehr durch dieses sich
überstürzende Verlangen nach hohen einträglichen Kirchenämtern. Die
Alberoiii steigt höiier und ii^lier, Bcliwüuki uud wankt il9
Bullen för Malaga worden nicht ezpedirt. Der Papst weigerte sich,
ilin für Sevilla zu bestätigen. Dadurch fühlte der Hof sich sehr
beleidigt. Der Eonig wollte den Nuntius Pompejus Aldovrandi
nun nicht mehr anerkennen, verbot seinen Ministern den Verkehr mit
ihm and rief auch die spanischen Agenten in Rom zurück. Der
Nuntius verliess, ohne Abschied zu nehmen, Madrid, und kehrte nach
Italien zurück.
Alberoni aber kehrte mehr und mehr die rauhe Seite gegen Rom ^^^^^
hervor. Auf seinen Rath wurde eine grosse Junta eingesezt, die dem Kom.
König die Beschwerden und Nachtheile vordemonstriren sollte, die er
durch Rom, in seinen königlichen Rechten, in Betreff der Bullen der
Bischöfe, der Pensionen, Reservationen, Spolien, vacanten Stellen,
Dispensen, Appellationen und Instanzen der Spanier nach und nach
ao Rom erlitten hätte. Diess waren genau die Punkte, welche sich
auch in dem „Memorial^ des Macanaz befunden hatten , der durch
Alberon^s Einfluss das Land hatte verlassen müssen. Man berieth
über die Rückkehr zur alten Disciplin, unter der Rom die Bischöfe
nicht bestätigt habe, und über die Abschaffung des Gerichtshofs der
Inquisition. Der Papst seinerseits zog seine Bewilligung in Betreff der
Kirchenabgaben an die EJrone zurück. Aber die Geistlichen, die sich
deren Einziehung widersezten, wurden strenge bestraft. Der Sturz
Älberoni's erfolgte aus politischen Gründen. Er hatte Sardinien, das
damals dem Kaiser, und Sicilien, das Piemont angehörte, durch die
spanische Flotte angreifen lassen, welche am 18. Juli 1718 vor Palermo
erschien. Die Truppen besezten einen Theil der Insel. Aber die Spanier,
zu Wasser und zu Land geschlagen, mussten Sicilien räumen. Durch
den Vertrag der s. g. Trippelallianz (Frankreich, England, Oesterreich)
wurde Sicilien dem Kaiser, Sardinien aber Savoyen zugewiesen, welches
den Namen „Königreich Sardinien^ annahm. Der tollkühne Alberoni
entsandte eine Flotte, um in Schottland die Sache der Stuarts zu
uQterstCizen, eine andere Flotte gegen Frankreich, um in der Vend^e
den Aufstand gegen den Prinzregenten Herzog von Orleans zu unter-
stüzen. Beide Expeditionen scheiterten kläglich.
Am ö. December l7iU erhielt Alberoni ein Decret, vom König Aioeroa
unterzeichnet, das ihm verbot, sich weiter in Staatsgeschäfte zu mischen, ^^„^''
ihm befahl, inner acht Tagen Madrid, Spanien aber inner drei Wochen ^^^-
ZQ verlassen. Sein Sturz stellte den Frieden zwischen Frankreich und
Spanien wieder her. Alberoni reiste über Frankreich; im Gebiete von
(renua wurde er auf Befehl des Papstes arretirt. Er wurde in Glaubens-
sachen angeklagt, weil er das gesammelte Geld der s. g. Cruzada und
die kirchlichen Hilfsgelder an die Krone zu den Kosten des Kriegs
gegen katholische Mächte verwendet, und verhindert habe, dass die
Spanier sich in kirchlichen Angelegenheiten nach Rom gewendet habea«
320 Vietzehnies Bnch. Erstes Kapitel.
Er vertheidigte sich in einem Briefe an den Siaatssecretar Cardinal
Paolacci vom 20. März 1720, dorch den er den Hof von Madrid nicht
wenig blosstelltey aber auch seinen eigenen guten Ruf. Denn die vou
ihm mitgetheilten Details stellten die Perfidie vieler seiner Handlungen
in helles Licht. Sein Zweck war, zu zeigen, dass er die Interessen
Spanien's den Interessen Rom's geopfert. Er hatte die Stime, es als
einen £om erwiesenen Dienst darzustellen, dass er den Macanaz ver-
folgt habe. Lezterer präsentirte sich dem Konig, bat um eine neue
Prüfung seiner Angelegenheit, dass seine Denkschrift durch andere
Consultoren untersucht, und ihm die dort stehenden häretischen Be-
hauptungen bezeichnet wurden, damit er sie widerriefe. Um sich aber
mit der Inquisition auf einen guten Fuss zu stellen, schrieb Macanaz
eine Apologie derselben *). Er sagt u. a. mit Recht, dass die von der
Kirche abgefallenen Mächte, besonders die heuchlerische Elisabeth
von England, gegen die Katholiken eine viel grausamere und schreck-
lichere Inquisition anwendeten, als die spanische gegen die Kezer und
Juden war.
Alberoni wurde von Genua freigelassen — 20. April 1720, hielt
sich aber bis zu dem Tode Clemens XI. (f 19. März 1721), der ihm
den Process hatte machen lassen, verborgen. Nach dessen Tode gieng
er aus der Verborgenheit hervor, und nahm seinen Plaz in dem Con-
clave ein, in welchem Innocenz XIII." am 8. Mai 1721 gewählt wurde.
Um den Hof von Madrid zu begütigen, wurde ein leichter Process
gegen ihn instruirt. Er wurde verurtheilt, vier Jahre in einem Jesuiten-
kloster zu wohnen. Der Papst ermässigte die Strafe auf ein Jahr,
dann auf fUnf Monate, welche Alberoni bei den Jesuiten in Rom zu-
brachte. Im December 1723 sezte ihn der Papst in alle Privilegien
seiner Würde wieder ein. Die Cardinäle Paolucci und Ottoboni zählten
ihn zu ihren Freunden. Der Regent von EVankreich und die Konigin
von Spanien versicherten ihn ihres Wohlwollens. Leztere konnte
nicht vergessen, dass sie, ohne ihn verachtet, durch ihn Konigin ge-
worden war« Aus Spanien bezog er u. a. Jahre lang die Einnahmen
des reichen Bisthums Malaga. Am 30. December 1722 wurde im
öffentlichen Consistorium ein päpstliches Breve verlesen, durch welches
Alberoni in alle Ehren eines Cardinais eingesezt wurde. Nachher
Hessen ihm der Papst und die Cardinäle Glück wünschen; es folgten
die fremden Minister, Prinzen, die Prälaten, und der ganze römische
Adel. Aber erst am 12. Januar 1724 wurde dem Alberoni der Car-{
dinalshut gereicht. Schon am 7. März 1724 starb der Papst In
dem neuen Conclave, in dem am 29. Mai Benedict XHL gewählt
Sein
>) Defensa eritica de la Inquiaicion. Madrid, 1788. Uorente bQtet sich
wohl, diese Schrift zu erwähnen.
Alberoni arm von Piacenza, reich von Malnga aus. 321
wofde, brachte es Alberoni auf einige Stimmen'). Der neue Papst
erwies sieh ihm nicht ungünstig, und wählte ihn in mehrere wichtige
Kongregationen. Von Haus aus ein armer Bettler, hatte er von Spanien
aus so viel Geld in's Trockene gebracht, dass er zu Rom ein sehr
grosses Haus arrangiren konnte. Obgleich eine Congregation von fünf
Cardinälen dem Cardinal Zondadari, der als Nuntius in Spanien schwere
pecuniäre Opfer gebracht, die Hälfte der Einkünfte des Bisthums Ma-
laga, das jährlich 60.000 Ducaten trug, zugesprochen hatte, behielt der
schlaue Alberoni doch diese Gelder für sich allein, und wurde ausser-
dem vom Papste am 18. November 1725 zum Bischof von Malaga ^^•'o°*
geweiht'). Doch fiel er auch bei diesem Papste wegen Ungehorsam
Ton
in Ungnade, und zog sich nach dem 25. December 17^9 auf sein neu^f^^s«?
erkauftes Landgut Castel Romano zurück. Da der Papst schon am
21. Februar 17^0 starb, kehrte er zum Conclave nach Rom zurück, g^ine
in welchem Clemens XH. am 12. Juli 17!^0 gewählt wurde. Grosses >^«'tii-
Lob erwarb sich Alberoni durch seine milden Stiftungen in seiner stmun-
Heimath Piacenza. Er errichtete herrliche Gebäude in San Lazaro, sen in
worin )unge Edelleute unentgeltlich erzogen wurden. Am 17. Januar ^^
1735 wurde er päpstlicher Legat zu Ravena. Bei seiner Ankunft ^8»^*°
Hess er gleich drei Personen aufknüpfen, und befahl, dass Morder
mit Gewalt ans den Kirchen geschafft wurden. An den Strassen liess
er Galgen errichten, wobei er sprach: Weniger Sbirren, aber desto
mehr Galgen. Sein Regiment war sehr gefürchtet, aber auch geachtet.
Als er sogar verbot, Niemand dürfe ein päpstliches Decret gebrauchen,
das er nicht vorher unterschrieben, erhielt er einen verdienten Verweis.
Der Provinz Ravena ervnes er die grössten Wohlthaten. Die beiden
Flüsse Ronco und Montone vereinigte er in einem Bette. Der
Kath der Stadt errichtete ihm im Jahre 1737 eine Denksäule in dem
Saale des öffentlichen Palastes. Lobreden und (60) Lobgedichte auf
ibn erschienen gesammelt im Drucke. — Im October 1739 eroberte
■) Es wurde das Spottgedicht in Umlauf gesezt:
Der Himmel will den Orsini,
Das Volk will den Coraini,
Die Frauen den Ottoboni,
Der Teufel den Alberoni.
') Wenn diess wirklich geschah, so war Alberoni nur einen Tag wirklicher
B^chof von Malaga. Denn schon am 19. November 1725 wurden die Bullen für
den Bischof Didacus Gonzalez Toro Villalobos ausgefertigt Da aber Alberoni aus
den Einnahmen des Bisthums bis zu seinem Tode eine jährliche Rente von 17.500 Du-
caten bezog, so mag dadurch seine Bischofsweihe motivirt gewesen sein. Nach
Letia, Conversaciones histor. Malaguefins, Malaga, 1794,, t. IV, p. 240—241, erhielt
Alberoni wohl die Bullen für Malaga, aber nicht für Sevilla. — Auch die Einkanfto
des Erzbisthums Tarraco bezog er längere Zeit. --
Qmü9f tpaa. Klrcb«. in. S* 21
322 Vierzehntes Bach. Erstes Kapitel.
Alberoni die Republik San Marino , musste sie aber auf Befehl des
Papstes wieder fahren lassen. In demselben Jahre schenkte er seiner
Stiftung S. Lazaro die Herrschaft Castel Romano, die er um 95.000 Scndi
gekauft hatte. Nach dem Tode des Papstes Clemens XII. am 6. Febrnnr
1740 trat Alberoni zum viertenmal in das Conclave^ worin er sich sehr
stille hielt. Erst am 17. August wurde der grosse Papst Benedict XIV.
gewählt, der Mann der eisernen Arbeitskraft Er ernannte den Alberoni
zum Legaten von Bologna, und zum ersten Cardinalprieater. Seine
Legation gieng im Jahre 1743 zu Ende. Er zog sich in seine Hei-
math zurück. Schon 80 Jahre alt, redete er mit gleicher Leichtigkeit
italienisch, franzosisch, spanisch und lateinisch. Bis an sein Ende war
Alberoni g^ frisch uud gcsund. Am 26. Juni 1752 starb er in seinem Seminar
«11,1752! zu 'S. Lazaro, 88 Jahre imd 26 Tage alt. Diesem Seminar vermachte
er alle seine Güter in der Lombardei, im Werth von 600.000 Thalem.
Sein Neffe Caesar erhielt die Güter im Kirchenstaate, im Werthe von
lYs Millionen Ducaten, welche, falls Cäsar ohne rechtmässige Erben
sterben wurde, dem Seminar S. Lazaro zufallen sollten. Ein anderer
Neffe, Abbe Alberoni, erbte einen grossen Theil seiner Baarschaft,
auch seine Memoiren und Schriften. Als dieser dem Papste die Kunde
von dem Tode des Cardinais brachte, bezeugte Benedict XIY.^ dass
er den Verstorbenen wegen seiner grossen Eigenschaften stets hoch-
geschäzt habe, dass Alles an ihm ausserordentlich gewesen sei, sein
(niedriger) Stand, sein Glück, sein Geist, sein Alter und sein Ansehen ').
Der unter oder von Alberoni gemachte Entwurf eines Concordats
zwischen Bom und Spanien blieb historisches Material, und wurde za
den Akten gelegt.
§. 11.
Im Jähre der Verbannung Alberoni's aus Spanien wurde zu Rom
ein Process gegen den Bischof von Oviedo gefuhrt, der mit dessen
Absez. Absezung endete. Jos. Femandez de Toro hatte am 2. Juli 1707
Bischofs Besiz von diesem Bisthume genommen; vorher war er Inquisitor zu
yon Murcia gewesen. Schon im Jahre 1T09 leitete die spanische Inqui-
sition gegen ihn einen Process wegen Molinistischer Verirrungen ein.
') Lebcnsgeschichte aller Gardinfile (des achtzehnten Jahrh.) von M. M. R.
— Regensb., 1788, Bd. III, S. 75 >- S. 126: ,Mit einem Worte: der Cardinal Al-
beroni war ein grosser Staatsmann, und ein rechtes Wunder nnserer Zeiten.*^ —
La vie d' Alberoni, par J. Rousset, La Haye, 1719. — Storia del Cardenal Al-
beroni, par el marcbese Oütevi, Koma, 175G. ,|Alberoni'' in Nonvelle Biograph,
universelle p. J?ö/er (-Didot), Paris, 1852, t. T, p. 643 — 56ß, mit zwei Schnzschnfien
Alberioni^s vom Jahre 1720 and 1721 (a^M\ eo fuit excellentins, vel in vitiis, vel
ip virtatibns**).
Der Bischof Toro von Ovicdo; Primns Valero von Toledo. 323
Man sandte die Processakten nach Rom. Dabin wurde auch der Bischof
gebracht, und am 9. Juli 1716 in die Engelsburg eingesperrt. An den
Papst hatte er appellirt. Am 27. April 1719 gaben die Consultoren
ihre Voten ab. Nachdem der Papst das Gutachten von acht Cardi-
nälen gehört, gab er am 4. Mai die Sentenz: dasB Fem. Toro als
formaler Kezer zu erklären, dass er als solcher den durch die Canones
Terbängten Strafen und Censuren verfallen sei. Er sollte abschwören;
iar alle Zeit sollte ihm die Ausübung seiner Weihen, und die Spendung
des heiligen Sacraments der Busse, sowie jegliche Leitung der Gewissen
untersagt sein. Er verlor sein Bisthum und alle seine andern Bene-
ficien, und wurde verpflichtet, die noch nicht verzehrten Früchte der-
selben zurückzuerstatten. Zu seinem Unterhalte sollte er eine Pension
ans den Einkünften seines Bisthums (4000 Ducaten) erhalten. Er
sollte in einem Kloster Busse thun. Am 27. Juli führte man ihn von
der Engelsburg in den Vatican, wo er, vor dem Papste und den Car-
dinälen knieend seine Irrthümer abschwur, und schluchzend seine Schuld
bekannte. Er wurde in ein römisches Kloster gebracht. Im Jahre
1728 legte er Papst Benedict XIII. die Bitte vor, von allen gegen ihn
verfugten Strafen befreit zu werden. In Anbetracht seines Alters, seines
Betragens, uud seiner langen Reue gestattete ihm der Papst, zu wohnen,
wo er wolle ').
§. 12.
Nach dem Tode des Cardinals Portocarrero (1709), der seitdem
Jahre 1695 auch Suburbicar- Bischof von Praeneste gewesen war'),
blieb das Erzbistlinm Toledo bis zum 7. Mai 1715 erledigt. Franc. Valero Erz.
y Losa*) stammte aus Villanueva (bei Cuenca). Er wurde Pfarrer ^^^^^
daselbst. Als solcher ernannte ihn Philipp V. im Jahre 1707 zum vaiero
Bischöfe von Badajoz^ von welchem Bisthum er am 12. Mai 1708 Besiz ^*»** t»-
nahm. Er führte nüzliche Reformen unter dem Klerus und dem Volke
durch, und gründete oder verbesserte kirchliche Institute. Im Jahre
1709 gab er einen kurzen Abriss alles dessen, was jeder Christ wissen
') Espana sagr., t. 39, p. 181—185. -- Pieot, Mömoires t. II, Paris, 1853.
p. 53^51 (WO der Bischof Tozo, statt Toro heisst).
*) Leben aller Cardin&le des achtzehnten Jahrhunderts, t I, p. 119 — 184.
Za seinem Lobe ist o. a. za sagen, dass er die Kirchen von Palestrina und Maria
Maggiore zu Rom vor seinem Tode reichlich beschenkte. Dem heiligen Haoae zu
Loreto schenkte er 20.000 Scndl.
') r Cava sagt 7. Fuente, t. VL p. 24; richtiger dagegen, f. VI, p. 284 nnd
297: Losa,
21*
324 Vierzehntes Bach* Erstes KApitel.
und glauben muss^, heraus*). Das Buch schweigt von den „Autos^
oder ^misterioB sacramentales^, welche damals schon ihre Würde und
ihren Ernst verloren hatten. Wenigstens eiferte Valero gegen die-
selben^ sowohl in seiner Pfarrei als in seinem Erzbisthume, was dio
Aatos Ansicht bestätigt , dass diese Art von Zerstreuungen in den Elösteru
mente- ^oü Estremadura wenig Eingang fand, welche unter dem Vorwand von
lea. Ehrbarkeit Gefahren und Unordnungen im Gefolge hatten, Unordnungen,
die seit dem fünfzehnten Jahrhundert vergebens von allen geistlichen
und weltlichen Auetoritaten gerügt worden waren ^). Dreimal hatte
Valero das Bisthum Badajoz niederlegen wollen. Daiur ernannte ihn
Philipp V. zum Primas von Toledo. — Nachts schlich sich Valero
in Toledo ein. Er lebte ärmlich in seinem Gemache. Die Verkün-
Bulle de digung der Bulle de la Cruzada vom Jahre 17 19 bereitete ihm schweren
c«d»'v! Verdruss. Nachdem diese Verkündigung durch den General- Comnaissai
1719. cLer Cruzada, der ebenso ein königlicher Beamter war, wie der General-
Inquisitor, geschehen war, glaubte der Erzbischof, es sei nicht un-
passend, wenn er sie selbst in seinem Sprengel verkünde. Er erhielt
aber von dem Minister Alberoni „einen Verweis wegen dieses Vor-
gehens^, nachdem der Papst alle der Elrone gewährten Gnaden uod
Regalien suspendirt hatte. Alsbald schrieb er an den König und an
den Cardinal Alberoni, dass er nicht anders, als dem Papste gehorchen
könne. Bei dem Papste entschuldigte er sich demüthig, mit der Vor-
stellung, dass, weil der vom heiligen Stuhle delegirte General-Commissär
(so gehandelt), er ein Recht gehabt habe, annehmen zu dürfen, dass
derselbe im Einvernehmen mit Seiner Heiligkeit vorgegangen. Als
man ihm bemerkte, dass Alberoni seinen Brief übel aufnej^men vrerde,
antwortete er: »Wir wollen ohne Gefahr aus dieser Affaire hervor-
gehen, mehr noch, wir werden gesichert hervorgehen*^*). Der Konig.
der ihn hoch achtete, befahl ihm, seine Visitationen der Diöcese auf-
zuschieben, und den Bescheid zu hören, welcher in einer Consulta
(des Staatsraths?) gefasst worden. Man verglich sich. Der Papst er-
neuerte die Bewilligung, und der König befahl, dass der Erzbischof
von Toledo diessmal es selbst allen Bischöfen mittheilen solle. Bald
nach diesem starb Franc. Valero, 23. April 1720. — In ihm sind wir
endlich auf einen Bischof gestossen, der bei Conflikten zwischen Rom
und Spanien sich offen auf die Seite des Papstes stellte^).
') Breve Compendio de lo qae debe saber y creer todo christiano. Bad., 170P.
') Catalogo razonado etc. p. Vic, Barrantes, Madr. 1865, p. 49.
') Inzwischen war Alberoni, der Stpin des Anstosses, gefallen.
*) Vida ejemplar del — Franc. Valero y Losa, obispo Antes de Badajoz, y
despues Arzobispo de Toledo, Primado de Espaüa. p. Ant de los Rcyts^ Carmei.
— Pamplon.^ 1792. 4%
Die s. g. ^Traditionen** der Spanier. 325
§. 13.
^Die Leichtigkeit, mit welcher man in Spanien jede geschichtliche
Behauptung als Eezerei anklagt, welche den Meinungen des Volks,
oder von Personen^ die im Rufe der Frömmigkeit stehen, nicht conform
ist, und die Verfolgungen, welche sich gegen jeden Kritiker erheben,
der mit einiger Unparteilichkeit vorgehen will, und sich zuweilen etwas
von dem breitgetretenen Wege entfernt, veranlassen mich, hier auf das
Verbot der „Acta Sanctorum'' von Papebroch und Henschen in Spanien
zu sprechen zu kommen"^). Dieses offene Gestandniss eines Spaniers
ist aller Anerkennung würdig. Die Censur der spanischen Inquisition
war schärfer, als die römische. Die Spanier haben in Rom nicht ge-
ruht, bis die Nachricht von der personlichen Predigt des Apostels
Jacobus in Spanien wieder in das romische Brevier kam. Sie haben
bei jeder Gelegenheit geschichtliche Untersuchungen oder Behaupt-
ungen dadurch beseitigen wollen, dass sie sagten, sie Verstössen gegen
den Glauben und die Tradition. Zu der Tradition aber haben sie all'
das gerechne^t, was eine Zeit lang fromme Meinung in Spanien war,
selbst die schrecklichen Geschichtsfälschungen am Ende des sechs-
zehnten, und im siebzehnten Jahrhundert. Sie haben sich bei ihren An-
nahmen stets auf die „Verjährung^ berufen; als ob etwas dadurch ^p*-
Thatsache wurde, weil es viele Jahrhunderte lang in Spanien für wahr ^y^.
gehalten wurde. Sie haben die Zweifel und Bedenken der Ausländer i^^-
aus den niedrigen Motiven des Neides und der Eifersucht gegen die
Grosse und Herrlichkeit der spanischen Kirche hergeleitet. Gross und
herrlich bleibt sie, wenn auch manche Annahmen einer spätem Zeit
sich als „Missverständnisse^ erweisen.
Als Manuel Bisco leugnete, dass Athanasius und Theodor die
ersten bekannten Bischöfe von Saragossa seien, so sagte er mit Recht,
dass Saragossa trozdem überschwenglich reich an Ruhm und Grosse sei^
da es (den Bischof Felix im dritten), den Bischof Valerius, den Le-
viten Vinzenz, und so viele Märtyrer im Anfang des vierten Jahr-
hunderts unbestritten besize. Nach ihm kam Fr. Lambert Zaragoza,
und wollte herbe Kritik an Bisco üben^), hat aber doch nichts be-
') Fic de La Fuente, VI, p. 25. MOge sich diess sein verkezernder Collega
Orti y Lara zu Herzen nehmen.
*) Man. Bisco, Esp. sagr., t. 30 — 31, Madr., 1775; Ausgabe von 1859,
p. 97->d8. Dagegen: Teatro historico de las iglesias del reino de Aragon, por
Fr. Lamb. de Zaragoza^ t I. Zarag., 1780. Dagegen schrieb wieder Bisco im
Anhang zn Band 33 der Espafia sagr., Madr., 1781 — eine Abhandlang: „Juicio j
convencimfento de la obra, que el — Fr, Lamb. de Zaragoza (Kapuziner) pnblicö
el afio —de 1780 — contra t. 30 de la Esp. sagrada, p. III— XXXVII, wo er den
Unterschied zwischen wahren and falschen Traditionen aoseinandersezt
326 Vierzehntes Buch. Erstes Rnpitel.
wiesen, nicht einmal wahrscheinlich gemacht, dass Athanasias, Theodor
und Epictet die ersten Bischöfe von Saragossa gewesen. Während
Bisco diese drei fallen Hess, glaubte Florez im Band 16 (der Espana
sagr., 1759), bei dem Erzbisthnm Braga noch den Petrus Rathensis
als Schüler des heiligen Petrus und Jacobus, und ersten Bischof von
Braga aufrecht halten zu können. Was er aber als Beweise beibringt,
sind leere Behauptungen. Mit Recht sagen die Bollandisten: „ob den:
Petras mit Recht der Titel eines Bischofs beigelegt werde, darüber
wollen wir nicht streiten. Wir wollen es der Leichtgläubigkeit der
Bracarenser zugeben, welche ihn als solchen verehren, und dem heutigen
römischen Martyrologium, worin er als solcher steht^^). Gegen diese
und ähnliche Eingriffe der Bollandisten in die s. g. Traditionen der
Spanier, zunächst wegen der Frage des Ursprungs der Carmeliten von
dem Propheten Elias auf dem Berge Carmel, erhob sich die spanische
Inquisition. Spanische Carmeliten baten im Jahre 1691 und 1694 die
Inquisition um Schuz ihrer „Traditionen^^ Das „heilige Officium'^
verdammte 14 Folianten der Bollandisten durch Decret vom 25. Oc-
tober 1695. Dieser „terrible Schlag'^ wiederhallte in ganz Europa.
Denn diese 14 Folianten vollbrachten unter allen Völkern ungehindert
ihren Lauf. „Man kann behaupten ,'' sagt obiger Spanier, „dass es
kaum einen Gelehrten von bedeutendem Rufe gab, von dem Papebroch
nicht Briefe erhalten, die ihn in seinem Missgeschicke trösten und ihn
ermuthigen sollten, heiterere Tage auch für sich vom spanischen Him-
mel herab zu erwarten^. Besonders die Dominikaner bezeugten ihm
ihre Theilnahme. Papebroch bat die Inquisition, ihm die Irrthümer
näher zu bezeichnen, damit er sie im Nothfalle widerrufen könne. Der
General -Inquisitor Rocaberti befahl, dass den Wünschen Papebroch's
entsprochen werde. Aber die „Qualificatoren** verschoben die Antwort.
Die Die Ankläger der Bollandisten hatten schon früher auch in Rom Klage
**^1* gestellt, aber kein Gehör gefunden. Es erhoben sich vielmehr starke
Vertheidiger, wie die Cardinäle Albani (Papst Clemens XL), de Noris,
Aguirre, Sfondrati, Barberini, Petruchi, Carpegna, Colorcdo; besonders
der Mauriner Mabillon, der zur Vertheidigung Papebroch's an alle seine
Freunde in Rom schrieb; ebenso der Benedictiner Bened. Bachini (169C).
Nach wiederholten wüthenden Delationen und wiederholten reif-
lichen Untersuchungen wurden die 14 Bände, enthaltend die Monate
März, April und Mai, freigesprochen. Die politischen Wirren zwischen
Rom und Spanien hinderten Papst Clemens XL, sich um Aufhebung
des Verbots an die spanische Inquisition zu wenden. Der General-
SftMCtO
rum*
censa
rirt.
') Detur hoc sanc BraearenBium ciedulitati, qui cum {*ic colunt, et hodienio
Martyrologio, cui sie est inscripfus. Acta SaLct,, Apiil (t Jll; 26, p. ICOl — 10f3.
BoUandisteD; der Historiker J. Ferreras, 327
luquisitor Yidal Marin erklärte in Folge einer eingereichten Denkschrift,
dass die „Acta Sanctoram^ nicht in das Yerzeichnies der in Spanien
verbotenen Bücher gesezt werden sollen, welches im Jahre 1707 er-
schien. £r bestimmte 17 Qnalificatoren ans der Zahl der angesehensten
Theologen, welche die censurirten 14 Bände wiederholt prüfen soUten.
Sie legten sehr bald ihr Gutachten „dem Rath der Suprema^ vor,
aber die Entscheidung verzögerte sich acht Jahre. Am 20. December
IT 15 erklärte der General- Inquisitor Cardinal Franc, de Giudice:
Nachdem die Werke der P. P. Henschen und Papebroch reiflich
geprüft worden, hebe er das absolute Verbot derselben auf; nur leichte
Verbesserungen sollten nachgetragen werden. Es bleibe verboten der
zweite Tfaeil der „Conatus critici historici^' zu dem Cataloge der rö-
mischen Päpste, der nicht zu den „Acta Sanctornm^^ selbst gehörte,
wegen des Unpassenden gevnsser Erzählungen darin. Man sollte
denken, dass man dieses „Unpassende^' in Rom mehr, als in Spanien
empfunden hätte. Von den 14 Bänden wurden 7 ganz untadelig be-
funden; alle Correcturen fallen auf die 7 noch übrigen; auch hier war
die Zahl der „Corrigenda^^ genog; es sind mehr Nachlässigkeiten der
Verfasser, die gerügt werden. Das Decret solle am 20. December
1715 im ganzen Reich bekannt gemacht, und während des Januar 1716
au allen Eirchenthüren angeschlagen w:erden').
§. 14.
Ein ähnliches Schicksal, ähnliche Angriffe wegen seiner Ortho-
doxie erfuhr der Historiker Juan de Ferreras. Geboren den 7. Juni J^j»^ ^^
H3r)2 zu La Baneza bei Astorga, studirte er auf den hohen Schulen
ras.
von Valladolid und Salamanca. Er wurde Pfarrer von Santiago de
Talavera, wo er durch seine Predigten sich auszeichnete. Im Jahre
]6S1 kam er nach Alvares; hier regte ihn der berühmte Marques
Caspar de Mendoza Jbanez de Segovia zum Studium der spanischen
Geschichte an. Im Jahre 1685 wurde er Pfarrer zu Camarma bei Alcala,
wo er besonders Theologie studirte. Von da berief ihn der Cardinal
Portocarrero nach Madrid, übergab ihm die Pfarrei S. Pedro, und
später San Andres, und nahm ihn als seinen Beichtvater an. Ferreras
vertheidigte mit grossem Eifer die Sache Philipp's V. Er ist Verfasser
luthrerer hieher gehöriger Schriften. Auch bei dem Nuntius Aquaviva
') lieber Dan. Papebroch, der den Ausgang des Proceascs nicht mehr erlebte,
(«reb. 1628, t 2^. Juni 1714), ß. Acta Eruditorum, annas 1715. — Vita Papebrochii,
111 Acta Sanctomm, t. VI, Juni. Niceron, M6moiren t. II. Ftc. de LaFuente, VI,
p. 25^29 ;au8 einer Denkschrift des achtzehnten Jahrb.)
328 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
stand er in hoher Gnnst. Papgt Clemens XL erwählte ihn zum
Examinator und Theologen des Tribunals der Nuntiatur. Von der
Inquisition wurde er als Qualificator und Provisor ernannt. Konig
Philipp y. befahl ihm^ den Sizungen des Staatsrathes anzuwohnen.
Die Bisthümer Monopol! in Neapel und Zamora lehnte er ab. An
der Errichtung der königlichen Akademie nahm er den regsten An-
theil, wurde wirkliches Mitglied derselben (171»'0j »"ch eifriger Mit-
arbeiter an dem von ihr (1739) herausgegebenen spanischen Woiler-
buche. Zulezt wurde er Bibliothecar an der königlichen Bibliothek.
Er konnte nun die in Alvares begonnenen Studien über die spanische
Geschichte mit reichen Hilfsmitteln wieder aufnehmen. Im 83. Lebens-
jahre starb er am 8. Juni 1735.
Sein Hauptwerk ist: Synopsis historica chronologica de Espana
6 EUstoria de Espana, Madrid, 1700—1727, in 16. Bänden 4% in neuer
Ausgabe 1775 — 1791, in 17 Bänden. — Das Werk reicht bis zum
Jahre 1598. Es ist in trockener Annalenform geschrieben, gibt aber
alle Nachrichten und Notizen, die aufzufinden waren. Es ist eher ein
Magazin der spanischen Geschichte, als eine wirkliche Geschichte.
Das Werk wurde in das Franzosische übersezt: Histoire generale
d'Espagne (jusqu' en 1598), trad. de l'espagnol, avec des notes histor.
et critiqu., par d'Hermilly, 10 t. 4®. Paris. 1742 — 1751. — Nach
dieser Uebersezung wurde es in's Deutsche übertragen, unter der
Leitung von 8. A, Baumgarten und Smder^ und von Bertram bis zum
,Jahre 1648 fortgeführt, Halle, 1754—1772, 13 Bde. 4«. — Genaue
Chronologie, und Ausmerzung fabelhafter Legenden und Sagen werden
an dem Werke gerühmt.
Wegen dieser Ausmerzungen erschienen besonders gegen die zwei
ersten Bände eine Menge von hizigen Streitschriften^). — In diesen
Angriffen wurde dem Ferreraa j^Ungläubigkeit^ vorgeworfen, und um
Frieden zu erhalten, entschloss er sich zum Widerrufe. — Im Ganzen
hinterliesB er 38 theils gedruckte, theils ungedruckte Werke, u. a.
zwei Voll, über Theologie, 1735; eine Paraenese an die franzosischen
Pfarrer, sich dem päpstlichen Stuhle zu unterwerfen, 1696; einen „Desen-
gano catolico ühd Des. politico, zu Gunsten Philipp's V.; Varias poSsias^
Madr., 1726«).
') Sie stehen in Mmsel's Bibliotheca histor., VI, I, p. 150 — 154. Dazu
kommen: Reparos historicos sobre los doce primeros annos de! Tom. VlI. de U
Bist, de Espafia. Alcala, 1723 — 4*, wogegen Ferreras ßchrieb: B, Juan Ferrera.^
vindieado, Madr., 1729 — 4*. — cf. Anttdefensa, de Luis de Salazar j Continuacion
de la Crisis Ferreras. Saragossa, 1720, 4* — 4S p.p., wo die Einzelnheiten der
literarischen Fehde stehen.
•) Blas. Änt. Navarre y Ferriz, Elog io" de Ferreras, gehalten am 1. Au-
gust 1785 in der (1713 gegründeten) spanischen Academie, Madr., 1735 1 4*. -
CardiiMil L. Bellug«, 1719. 329
§. 15.
Von Schwermuth getrieben Übertrag Philipp V. durch Decret
vom 14. J|knuar 1724 seinem ältesten Sohne Ludwig die Krone; er ^bt-
wollte sich ausschliesslich seinem Seelenheile widmen. Ludwig war^^^^cirt.
geboren am 25. August 1707, wurde Konig am 15. Januar 1724. Der
Tod raffte ihn schon am 31. August 1724 hinweg, und Philipp V.
kehrte zur Regierung zurück.
Unter den Bischöfen Spanien's in jener Zeit ragte Lud, Belluga B»«c»»oi
•y Moncada hervor. Er wurde zu Motril am 23. November 1662 ge- yon
boren, nnd studirte in Granada und Sevilla. Er wurde Canonicus und Murcu,
Professor der Theologie zu Cordova. Der Cardinal Salazar, damals c*rdiDai
Bischof daselbst, bewog ihn , in die Gesellschaft der Oratorianer zu »*^«*'-
treten. Durch dessen Vermittlung wurde er im Jahre 1705 Bischof
von Murcia^ welche Provinz er (wie wir hörten) in der Treue gegen
Philipp V. erhielt. Mit den Ausschreitungen des Königs und Hofs
gegen Rom in den Jahren 1709 — 1719 war er unzufrieden'). Durch
eine von ihm zu Gunsten Rom/s herausgegebene Schrift kam er bei
Hof in Ungnade, und musste sich in seinem Bisthume zurückgezogen
hisilten. Philipp V. trug ihm seinen Zorn viele Jahre nach. Als er
hörte, dass Papst Clemens XI. ihn zum Cardinal ernennen woUe, be-
fahl er seinem Gesandten in Rom, Cardinal Aquaviva, sich dieser Er-
hebung aus allen Kräften zu widersezen. Aquaviva erfuhr, dass Belluga
am 24. November 1719 Cardinal werden soUtCi eilte am Abend vorher
zum Papste, hofitc, ihn durch ftirchtbare Drohungen einzuschüchtern,
und schlug den Jesuiten P. Aubanton, Beichtvater Philipp's Y., als
Cardinal vor.
Clemens XI. erhob am 24. November 1719 den L. Belluga unter
vielen Lobsprüchen zur Cardinalswürde, nannte ihn den grössten Eiferer ^"^*
iur den wahren Glauben^ den unerschrockenen Yertheidiger der päpst- nai,
liehen Auctorität, den tapfern Vorkämpfer der kirchlichen Freiheit, eine ^^^'•**
grosse Leuchte und Zierde der frommen spanischen Nation. Trozdem
brachte es Aquaviva dahin, dass der Cardinalshut eine Zeit lang in
Rom zurückbehalten wurde. Belluga wollte diese Würde gar nicht
annehmen, und der Papst befahl ihm mit Strenge, sich zu fugen.
Vergebens wandte sich Belluga auch an das CoUegium der Cardinäle.
M^moirea de Tiövonz, März, Jali, August, 1743; Mai, Juli, 1752. — Retratos de
1o8 Espanoles ilustres con un epitome de bub vidas, Madr., 1791, 2*. — Fevd.
Wölf^ b. Ersch. und Qrvber, Encycl., Leipzig, 1846. — Ticknor-JuliuSy 1851, II,
p. 3Ö2. TUknor-Wolf, 1867, p. 197.
*) Also wieder ein wirklich rOmisch- katholischer Bischof.
3c!0 Yierzehotcs Buch. Erstes Kapitel.
Philipp V. erklärte dem Papste, er werde diese Ernennung nie
genehmigen, aber Clemens XL gab nicht nach. Da BeiInga ein Ton
ihm gemachtes Gelübde yorschüzte, so übersandte er ihm durch Abbe
Prati das Birrct und ein Breve, wodurch jenes Geläbde aufgehoben
wurde. Endlich gab auch Philipp V. seine Einwilligung, und Belluga
unterwarf sich. Er behielt seine Strengfaeiten bei, fuhr fort, sich zu
geissein, stark zu fasten, und Alles den Armen zuzuwenden. — In
Folge der Angri£Pe Alberoni's auf Italien war es zum zweiten Bruche
zwischen Rom und Spanien gekommen. Der Nuntius wurde aus
Spanien ausgewiesen, und die Beziehungen mit Rom abgebrochen.
Damals richtete Belluga eine energische Denkschrift an Philipp V.*).
Er bekämpfte darin die Lehren der „Regalisten^^ mit grosser Schärfe
und Fülle von Gelehrsamkeit. Er bekämpfte das Exequatur, den
Recurs an die weltliche Gewalt, die Beschränkung der (kirchlichen)
Censuren und andere Regalien, welche seit dem fünfzehnten Jahrhundert
missbräuchlich eingeführt worden, und welche durch die Mitwirkung
der französischen Minister Philipp's V., die alle Ultraregalistcn waren,
gar sehr erweitert worden. Diesen lieh der König seine Ohren. Auf
das Memorial Belluga's aber nahm er jezt keine Rücksicht.
vhx- Nach dem Sturze AJberoni's kam der König auf seinen alten
als „Htt- gutgemeinten, aber von ihm übel verstandenen Plan einer Reform der
fonoB,- kirchlichen Disciplin in Spanien zurück. Er selbst wollte auf die
Reform Einfluss haben und sie sollte nach seinem Geschmacke durch-
geführt werden. Der Primas Fr. Valero wurde zu Rathe gezogen.
Dieser hatte, mit Recht, wie uns scheint, als das geeignetste Mittel
hiezu die (seit 140 Jahren unterbliebene) Feier von Provincial-Concilien
vorgeschlagen, vne sie das Concil von Trient vorschreibt. — Die
Politiker hätten ein Nationalconcil vorgeschlagen, weil dort der Staat,
oder die „spanischen Gallicaner'^ mehr dominiren konnten. Doch
wurde beschlossen, die Reformen mittelst der Provincial-Concilien zu
versuchen. Am 30. März 1721 ergieng ein königliches Schreiben zu
diesem Zwecke an alle Bischöfe'). Es traten Schwierigkeiten in den
Weg. Belluga rieth dem König, sich an den heiligen Stuhl zu wen-
den , damit dieser die Reformation auf die ihm passend scheinende
Weise durchführe, nach dem Sinne des Concils von Trient^ und nach
den (billigen) Wünschen des Königs. Wenn man einem von Toledo
') Memoria], ein t in 4* — ohne Dmckort imd -Zeit. An leztenn Mangel
leiden Oberhaupt Bellnga's Schriften« Uns scheint, dasa das „Memorial" von dem
Bischof, nicht dem Cardinal Belluga verfasst worden.
*) Recnrans ad prindpem^ in Spanien: recnrso de faerza.
'> Es Bteht, mit der Adresse an Bellnga, als Apendice nr. I, ap. La Fuenttf
VI, S. 321-322.
Versuchte „Eeformen*. Reformbulle vom 13. Mai 1723. 331
#
auegegangenen Manifeste Glauben schenken darf, so hätte sich Belluga
h\oB8 von Gründen der Etikette, vielmehr des Vorranges leiten lassen.
Da er als Bischof anter dem Primas von Toledo stand, so habe er
auf die ältesten Jahrhunderte der Kirche recorriren wollen, in welchen,
wenigstens bis zum Jahre 400, die Bischöfe von Cartagena als Metro-
politen vor denen von Toledo den Vorrang gehabt^)« Damit Belluga
nicht einem zu Toledo gehaltenen Concil hätte anwohnen müssen, habe
er Philipp V. dahin gebracht^ sich die Reform von Rom aus zu er-
bitten. Dieser Vorwurf scheint uns, in Anbetracht der Persönlichkeit
Belloga's, niederträchtig zu sein. Der Weg der Verhandlungen mit
Rom schien ihm der kirchlichere und wirksamere zu sein.
§. 16.
Nach dem Tode des Papstes Clemens XI. (f. 19. März 1721)
begab sich BeUuga, mit dem Cardinal Borgia, zum Conclave nach
Rom. Die Regierung wies Jedem zur Bestreitung der Kosten 6000 Dub-
lonen an. Von Alicante fuhren sie mit drei Fregaten nach Civita
Vecchia. Bei ihrer Ankunft in Rom (nach dem 8. Mai) war Inno-
zenz XIII. schon gewählt. Am 10. Juni empfingen sie aus seiner
Hand den Cardinalshut, am 16. die Titel ihrer Kirchen. Belluga weilte
über ein Jahr in Rom. Auf sein Betreiben erliess der Papst die Bulle: ^""* ^-
13 Mftl
Apostolici muneris, 13. Mai 1723, worin^ die Grundsäze einer Reform i'^s.
der Kirche in Spanien ausgesprochen sind. Sife enthält 20 Punkte zur
Reform des Welt- und Ordens- Kleras, und weitere vier Artikel über
die Beobachtung dieser Bulle. Sie handelt von der Tonsur der Kle-
riker, der Vorbereitung zum Eintritt in den Klerus, von der Residenz der
Kleriker bei ihren Kirchen, von dem Predigtamte der Pfarrer, von der
Weise, diesen Coadjutoren zu geben, von der Verminderung der Bene-
tlcien ohne die Congrua, von dem Vorrange der Bischöfe, welcher in allen
Fällen aufrecht erhalten werden sollte, um die lächerlichen Missbräuche
zu verbannen, die sich in vielen Kirchen Spanien's zum Schaden der
Würde der Bischöfe eingeschlichen hatten. Die Reform der Regularen
lunfasst sechs Punkte. Der Nuntius möge sorgen, dass in den Klöstern
nicht mehr Mönche und Nonnen aufgenommen werden, als die Ge-
nossenschaft unterhalten könne. Sie handelt über die Weihen, die
Cura der Mönche, worin sie den Bischöfen unterstellt werden; über
die Beichtväter der Nonnen. Die Bischöfe sollen die Missbräuche ab-
') Diese ist eine Bestätigung dessen, was wir stets behauptet haben, dass
Bischof Hikrias im Jahre 400 Metropolit von Cartagena nnd auch über Toledo ge-
wesen- Kirchengesch. II, p.p. 177 — 178; 39ö — 39G; 442—144; eine Bestätigung,
lieblich zu hOren aus dem Munde der Toletaner selbst.
332 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
m
schaffcD, irelche nnter dem Vorwande der Gewohnheit In vielen Kirchen
gegen das Ceremonial der Bischöfe nnd das romische Ritaal, ferner
in der Feier der heiligen Messe, den Privat - Oratorien und mit den
tragbaren Altären, Eingang gefanden. Es werden Bestimmungen übe^
die Art und Weise des Vorgehens bei den Appellationen und bei den
s. g. Schiedsgerichten gegeben*). Die meisten dieser Punkte sind nur
Erneuerungen der Vorschriften des Concils von Tricnt. Zu seiner
Vertheidigung führte Belluga diesen Beyfeis Punkt für Punkt •). So-
bald die Bulle publicirt wurde, erhob sich in ganz Spanien ein ge-
waltiges Geschrei gegen sie. Da sie nicht ,)motu proprio^ vom Papste
erlassen wurde, der Papst sich vielmehr auf das Bemühen des Cardi-
nais Belluga, sie zu erlangen, berief, so wurde dieser, und nicht die
Balle, angegriffen. Verschiedene „Memoriales^^ wurden an den König
gerichtet, um ihre Ausführung zu suspendiren. Eines der hizigsten
wurde im Namen der Metropolen und Cathedralen von Castilien und
Leon abgegeben. In demselben ist Alles enthalten, was immer die
Casuisten aufhäufen konnten, um Missbräuche aufrecht zu erhalten,
Belluga welche die Bulle ausrotten wollte. Das Memorial will die Auetoritat
feiDdet der Bischöfe nach Kräften niederhalten, und bringt darum alles Denk-
bare gegen die Bischöfe vor. Diese „Denkschriften^^ sind ausgegangen
von den sich so nennenden „Heiligen Kirchen'^, welche heilig sein wollen,
wenn sie wirken auch ohne ihre Häupter, oder gegen ihre Häupter.
Selbst von Seite einiger Orden oder Regularen wurde ein heftiger Protest
erhoben. Von anderer Seite erschien aber ein „Contramemorial'^, welches
sich mit den Verordnungen der Bulle ganz zufrieden erklärte.
Die Bulle wurde gewöhnlich: „Bulla Bellugiana^^ genannt Troz
der Einsprüche gegen sie bemühten sich sowohl die Prälaten als die
Regierung; sie auszuführen; auch der niedere Klerus hatte nichts gegen
sie. Ihre Gegner waren die Kapitel und die Exemten, welche nach
Kräften ihre Durchfuhrung verhinderten.
Die Eingabe der ,,heiligen Kirche von Toledo^^ behauptet, die
Bulle enthalte Eingriffe zum Schaden dritter, und streite gegen das
gemeine Recht. Der Papst möge sie suspendiren oder modificiren,
und der König ihn dazu bestimmen, diess wäre eine der „heroischsten
Thaten seines königlichen und katholischen Eifers^^ zum Nu2en der
Kirche'). So kam es, dass Belluga den Hass des spanischen Klerus
') Siehe die Bolle u. a. in Bnllariain Boman., t XXI, Augustae Taurin.-,
1871, p. 931—942. — Vie. de La Fuente^ t VI, im Anhang, p. 323—335.
Madrid, 1875. — cf. Memorial k la Santitad de Innocentio XIII., de felix recordacion,
para obtenir la bolla Apostolici mimeris.
*) Siehe Apendice der Schrift von Did. Covarrvbias^ Beoorsos da fderz«
— p. 417 der zweiten Ausgabe von 1786.
*) La Fwftite^ VI, nr. 3, p. 336.
BeUuga bleibeod in fiom, 1724 -1743. 3^3
sich zuzog. Als er im Jahre 1724 sich zum zweiten Condave nach
Rom begab, hielt er es für gerathen, seinem Bisthume zu entsagen.
Bei dem neuen Papste Benedict. XIII. stand er in hoher Gunst, der
ihn immer in seiner Nähe haben wollte. Beide waren vereinigt durch
ihren brennenden Eifer für die Verbesserung der Eirchenzucht^ und der
Sitten des Klerus. Sogleich . sezte der Papst eine Commission ein,
welche aus den hiefur eifernden Cardinälen Bellugä, Tolomei und Zon-
dadari bestand, die über eine allgemeine Reform des Klerus berathen
sollte. Belluga wohnte dem Lateranconcil von I72ß an, und gab sich
viele Mühe zu beweisen, dass es ein allgemeines sei, als welches er
freilich nicht anerkannt wurde *). Der Erhebung Coscia's zum Cardinal
widersezte er sich nach Kräften, was ihn bei Papst Benedict XIII. eben
nicht empfahl. Im Jahre 1733 wurde er an der Stelle des Cardinais
Cornel. Bentivoglio spanischer Minister in Rom*).
§. 17.
Neue Conflikte brachen zwischen Rom und Spanien vom Jahre ^««^
1734 an aus. Der lezte Grund davon war der Ehrgeiz der Konigin, flutte
welche zu Lebzeiten einen ihrer Söhne als Konig, den andern als <"'^
Cardinal sehen wollte. Bei dem Ableben des lezten Herzogs von ; 734. 37.
Parma, Anton. Farnese, sollten diese Herzogthümer an Spanien fallen.
Anton. Farnese (seit 1727) starb ohne Erben den 20. Januar 1731.
In Folge des Wiener Vertrags vom September 1731 nahm der Infant
D. C^os Besiz von den Herzogthümern. Im Jahre 1733 erklärte
Philipp Y. dem Kaiser den Krieg, und sandte eine Armee nach Italien,
deren Anführer D. Carlos, damals 17 Jahre alt, am 14. März 1734
wurde. Carlos drang in das Königreich Neapel ein; er wurde am
15. Mai 1734 in der Hauptstadt selbst als Konig proclamirt Im Jahre carim
1735 eroberte er auch die Insel Sicilien. Am 18. November 1736 ^^°**
beider
wurde ein neuer Vertrag zu Wien geschlossen, durch welchen Spanien sicuien.
im Besize beider Sicilien bestätigt wurde, während es auf Toscana,
Parma und Piacenza zu Gunsten des Hauses Habsburg verzichtete.
Belluga wurde im Jahre 1734 beauftragt, auf den freien Durchzug
der Spanier durch den Kirchenstaat zu dringen. Papst Clemens XIL
gab nach. Aber die spanischen Officiere und Beamten hoben mit mehr
oder weniger 'Gewalt Soldaten im Kirchenstaate aus. Durch solche
GewaHthätigkeiten kam die Wuth des Volks zum Ausbruche — März
') Concilinm Romanam in basil. Lateranensi celebratam — Romas, 1725;
Mooachii, 1726. Dasselbe in: Conoiliornm recentiornm collectio Lacensis, Fribnrg?,
t. I, 1870, p. 341—466.
^ Lebensgescb. aller Cardin&le des achtzehnten Jahrhunderts, II, p. 411— 419f
334 Vierzehntes Buch. Erstes Kfipitel.
1730. Spanier wurden in Rom und Ostia ermordet. Andere flohen in 1
Kloster. Der „instinktive Hass*^ der Einwohner des Kirchenstaats gegen '
die gewaltthätigen Spanier brach wieder einmal in hellen Flammen ans.
Das Volk, andere sagen der Pobel, machte einen Angriff auf die spa- >
nische Gesandtschaft. Im Jahre 1735 war der Cardinal Aqnaviya als
cwrdinai gpanigcher Minister an die Stelle Belluga's getreten. Mit 50 spanischen
Soldaten vertheidigte er sich in dem Gesandtschaftspalast. Da Papst
Clemens XII. keine den Ansprüchen genügende Satisfaction leistete,
so wurde der Internuntius des Papstes wieder einmal aus Spanien (
ausgetrieben, wieder einmal das Tribunal der Nuntiatur gesperrt, Geld \
nach Rom zu senden verboten, und dem neuen Nuntius, Valent. Gon- 1
zaga, der Eintritt in das Land verweigert. Aehnliches geschah in
Neapel. Alle Spanier jeden Standes und Geschlechtes mussten Rom
verlassen. Mit den übrigen Spaniern retirirte der Cardinal Belluga
nach Neapel, wo sie bis März 1 737 blieben. Das spanische Heer drang |
in ded Kirchenstaat ein^). Veletri suchte vergebens Widerstand zu
leisten. Die Spanier errichteten Galgen auf den Marktpläzen der
Städte, wo sie Viele von denen aufhingen, die Theil an dem Aufstande
genommen. Die Stadt Veletri musste 18.( 00 Scudi als Strafe bezahlen.
Gleiche Contributionen zögen sie von Ostia und andern Orten, noch
grössere in Palestrina ein. Der Papst musste nun auf alle Forderungen
des spanischen Hofes eingehen.
Er musste auch dem Infanten Luis Bourbon den Cardinalsbnt
geben. Er war am 25. Juli 1727 als jüngster Sohn Philipp's V. ge«
boren. Der Cardinal (seit 1727) Didacus von Astorga, Nachfolger
Fr. Valero's als Erzbischof von Toledo, war am 9. Februar 1734 mit
Der Tode abgegangen. In dieser Würde sollte ihm nun Luis Bourbon, erst
lioniT sicb^i^ Jahre alt, folgen. Dieses Erzbisthum hatte jährlich viele Tonnen
Boar- Goldes Einkünfte, und die Königin trug kein Bedenken, solches ihrem
jungen D. Louis ,)Zuzuschanzen''. Sie verlangte durch ihren Minister, nnd
durch den Cardinal Belluga, dass ihn der Papst als Erzbischof bestä-
tigen solle''). Clemens XII. wollte nicht ein Kind als Erzbischof ein-
sezen. Die Königin suchte nun aus dem Kirchenrecht und der Kirchen-
geschichte, d. h. aus frühern kirchlichen Missbräuchen, ihre Ansprüche
zu begründen. Endlich am 12. Juli 1735 gab der Papst nach*). „Als
der Prinz (sagt obiger Lebensbeschreiber, III, p. 161) den geistlichen
Habit anlegte, empfand die Mutter ein solches Vergnügen darüber, dass
sie überlaut ausrief: „O Ludewig, o Ludewig, fahre fort, du kannst
0 Sabau, XX, 326—329.
') Lebensgesch. aller Cardinäle des achtzehnten Jahrhunderts, IlJ, 160 — 170.
*) Anderswo ist der 13. Februar 1736 und 1. Deoember 1737 als Anfang der
I, Administration*' des Lnis Bourbon bezeichnet
Ein achtjfthriger Cardin&l. Neaeft Goncordat 3?5
hober steigen, und einmal die dreifache Krone erlangen, ob sie gleich
bisher keinem Ausländer (?) zu Theil geworden; dein ßruder Don
Carlos kann dir, nebst andern Prinzen, die mit uns in Freundschaft
leben, dazu behilflich sein/^ Prinz „Ludewig'' aber zog den Ehestand
der dreifachen Krone vor. Die Mutter liess nun auch um den Cardinals-
hut durch Aqua^iva werben. Da der Papst in Bedrangniss war , so
gab er nach. Der Infant wurde am 19. December 1735, ganz allein,
'AMm Cardinal ernannt. In der glänzen katholischen Kirche war man
über diesen ^,kindischen'' Cardinal Terblufft').
Diese Regierung, welche solche Missbräuche forderte, ja mit Ge-
walt sie vom Papste erzwang, hatte beständig den Mund voll über die
Missbräuche der romischen Curie in Spanien.
§. 18.
In Madrid hatte man Materialien gesammelt, um das unbeschränkte
königliche Patronat über fast alle Kirchen Spanien's nachzuweisen.
Der Abt von Vivanco, Secretär der (konigl.) Kammer, hattQ dem Konige
ein Memorial über diese und andere angebliche Rechte der Krone über-
reicht — 1735, deren Bestätigung von Rom man verlangte. Dem
widersezten sich der Bischof von Avila, Internuntius, sowie die Vor«
Steher der Benedictiner, welche leugneten, dass der Konig das Patronat
über ihre Consistorial-Abteien habe. Der Minister Josö Patino wollte
in einem gelehrten Foliobande das allgemeine Patronat des Königs
beweisen*). Der Abbate Guiccieli, geheimer römischer Agent am Hofe
von Madrid, sandte heimlich Breven an Bischöfe, mit der Aufforderung,
weder das gegen Rom geschleuderte (staatliche) Interdict, noch das
(allgemeine) königliche Patronat anzuerkennen; er erklärte als null und
nichtig alle von der Regierung in diesem Sinne genommenen Maass-
regeln. Die Regierung liess diese Breven einsammeln, und verschiedene
Agenten, welche heimlich Bittgesuche nach Rom gerichtet und Ant-
wort von dort erhalten hatten, wurden mit schweren Strafen heimgesucht.
Eine neue Regierungsjunta wurde eingesezt, an ihrer Spize Caspar
von Molina y Oviedo, Bischof von Malaga, Präsident des königlichen
Rathes, fünf Räthe, und die Theologen Fr. Juan Raspeno, Fr. Matias
') Der rOmische Pasqnino stellte eine Person dar, welche in der einen Hand
einen Cardinalshut, in der andern ein Backwerk hielt, und beides dem Infanten
präsentirte, welcher seine Hand nach dem Gebackenen aasstreckte. — Dierönselo
ademäs, con esc&ndalo de todas las personas de virtnd, los arzobispados de Toledo
j Sevilla ^lezteres seit 1742). Fuente, VI, p. 38.
*) PropognAcnlo histörico canönico, politico y legal del Real y universal
patronato; Madrid, 1786 — in fol. — (v. Patifto),
•^»3() Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Terao, Fr. Antonio Gutierrez and Fn Domingo Losado. Dio Junta
sollte die Aoflräge formuliren, welche für die Unterhandlang über ein
neues Concordat dem Cardinal Aqaayiva za ertheilen seien, und V^or-
schlage machen, was die Regierang than solle , wenn Rom das ange-
botene Concordat zurückweisen würde. Daraus schon sieht man, wie
es mit dem neaen Concordat gemeint war. Rom sollte Alles conce-
diren, Spanien Alles erhalten. Schon als der König am 23. December
(17357) im Staatsrathe nene Verhandlangen mit Rom ankündigte, be-
zeichnete er das am 24. October erlassene Beeret, welches die Vorlage
aller päpstlichen Breyen, Rescripte, mit Ausnahme der Erlasse der
Pönitentiarie, an den Staatsrath verlangte^), als das beste Mittel, das
seit Jahrhunderten von Rom Verlangte zu erlangen*). Vor den Ver-
handlangen starb der Minister Jose Patino (f 5. Nov. 1736). Sein
Nachfolger Sebast. de la Cuadra war ihm weder an Kenntnissen noch
an Energie ebenbürtig. Anderseits wünschte Molina den Cardinalsbot
zu sehen, der ihm, nach dem Abschlass des Concordats, in Aassieht
stand ^). — Die Regierung aber wünschte, da Clemens XII. schon
83 Jahre alt war, bei der bevorstehenden Sedisvacanz Einfiuss auf die
Papstwahl zu erhalten. In Rom war papstlicher Bevollmächtigter
Cardinal Firrao, spanischer der Gesandte Cardinal Aqaaviva^). Sie
brachten das Concordat am 26. September 1737 znm Abschluas; es
wurde von Clemens XII. am 12. November genehmigt. Es richtet sieb
vielfach nach dem Entwarf eines Concordats vom Jahre 1717 — I7l8*
Artikel 1) Es wird der Verkehr mit dem heiligen Stuhle vollkommen
Concor- "^^^dcr hergestellt; wie vorher, sollen die apostolischen Ballen und die
data TOD Bullen in Ehesachen ausgeführt werden; der Nuntius und das Tribunal
^'^' der Nuntiatur, wie vorher, in Thätigkeit treten. 2) Die Missbräuche
des Asyls sollen beschränkt werden. 3} Beschränkung des Asyls der
s. g. „Iglesias frias^. 4) Die Einsiedeleien und Landkirchen, in welchen
das Sanctissimum nicht aufbewahrt, in denen kein Priester wohnt, wo
auch nicht häufig celcbrirt wird, besizen kein Asylrecht 6) Gegen
die allzugrosse Zunahme der Kleriker mit höhern und niedem V^eihen
werden die Beschlüsse des Concils von Trieut eingeschärft. Es werden
Vorsichtsmaassregeln getroffen, dass der Fiscus nicht in Betreff des
Privatvermögens der Kleriker betrogen werde. 6) Die Sitte, kirc^iche
Beneficien nur für eine beschränkte Zeit zu errichten, vnrd ganzlich
*) Wodurch die Pragmatica vom 16. Jon! 1768 anticipirt wurde.
*) Coleccion de los Concordatos y demas Convenios ceiebrados despaes dei
Concilio Tridentluo, entre los reyes de Espafia y la Santa Sede, per un Catedratico,
Hadr., 1848, p, 35-86.
*) Supplement ad historiam eccles. Natalis Alexandri, t II, p. 286 — 267.
Biogii ad Rhenum, 1791.
*) Coleccion, p. 26.
Das Coneordat vud 1737. 337
abgeschaflft. Artikel 7 handelt von den Beiträgen der Kirchen und
Kleriker zu den Staatslasten. Der Papst ertheilte dem König ein In-
dult von fiinf Jahren, kraft dessen der Klerus die neue Auflage von
4'/^ Millionen spanischer Ducaten (mit-) bezahlen soll, und den Tribut
für die 8000 Soldaten, gelegt auf Weinessig, Fleisch, Essig und Wein;
in derselben Weise, in der er schon die 19'/« Millionen Abgaben
(mit-) bezahle, so jedoch, dass die Bezahlung der 4V, Millionen auf
sechs Jahre sich erstrecke. 8) Die Güter, welche E^enis und Kirche ^ ^^'
seit 1700 erworben hat, und in Zukunft ei-werben wird, sollen den- Concor,
selben Lasten unterworfen sein, wie die Güter der Laien. 9) Die ^«t» von
Kleriker sollen nach Empfang der Tonsur — zur rechten Zeit die
höhern Weihen erhalten, sonst sind sie nicht befreit von den öffent-
lichen Lasten. 10) Die kirchlichen Gensuren sollen mit Maass an-
gewendet werden. 11) Die Erlöster sollen wegen etwaiger Missstande
darin visitirt werden. 12) Li Dingen von grösserer Bedeutung darf
nach Rom appellirt werden; kleinere sollen durch Richter in partibus
entschieden werden. 13) Die Pfarreien sollen nach vorangegangenem
Concurs besezt werden* 14) Da die Pfarreien in Spanien nicht „fett^
sind, so wird man sie nicht mit Pensionen belasten ^ ausser im Falle
der nothwendigen Pensionirung eines frühem Pfarrers. Artikel 15
handelt von den Pensionen, welche auf andere Beneficien gelegt werden.
16) lieber alle frühern und zufalligen Einkünfte der Präbenden und
Beneficien soll eine genaue Berechnung (Passion) angefertigt werden.
17) Stellen von Coadjutoren an Dom* und Gollegiatkirchen dürfen
ohne Zeugnisse der Bischöfe nicht vergeben werden. 18) Die Nuntien
dürfen in Zukunft keine Dimissorien ertheilen. 19) Da die Nuntien
Beneficieii vergeben dürfen, deren Einkommen nicht 24 (Kammer-)
Dacaten übersteigt, so sollen die Erträgnisse solcher Beneficien genau
berechnet werden. 20) Der Nuntius soll zu Richtern in „Curia^' nur
solche bestellen, welche von den Synoden als ,Judices^^ ernannt sind,
oder an dten Cathedralen eine Dignitat haben. Artikel 21 handelt von
der Ennaesigung und Feststellung der Kosten und Sportein bei dem
Gerichte der Nuntiatur. 22) Von den Spolien und Einkünften aus
vacanten Beneficien soll in Zukunft stets der dritte Theil zum Besten
dieser Kirchen selbst und der Armen verwendet werden, nach Abzug
der auf diese Beneficien gelegten Pensionen. 23) Wegen der grossen
Streitfrage des königlichen Patronats soll eine genaue Untersuchung
angestellt werden, durch eine Gommission, deren Mitglieder der Papst
and der König, jeder zur Hälfte, erwählen. 24) In den Punkten, über
die man nicht übereingekommen ist, solle die frühere Praxis bestehen.
iS) Wenn sich künftig Streitfragen erheben, so sollen sie das jezige
Uebereinkommen unangetastet lassen. 26) Der Vertrag soll beiderseits
Oftm«, spao. Klrehe. ]U. S. ^2
338 Vierzehntes Bach. Erstes ELapitel.
in zwei Monaten besiegelt und ratificirt werden'). In Rom beeilte
man sich, die einzelnen Stipulationen des Concordats in Ausfuhrung
zu bringen. Circularschreiben ergiengen an die Bischöfe, ein besou-
deres Breve an den Konig, ein Breve an die Erzbischöfe über die
Visitation der Klöster, nebst Instruction für dieselbe, ein Breve wegen
des Asylrechts. Um dem König zu schmeicheln, wurde am 1. De-
cember 1737 der Infant Luis zum Administrator Toledo's in spiritualibus
ernannt, wie im Juli 1735 in temporalibus. Als Coadministrator wurde
ihm der Erzbischof Bemard von Larissa beigegeben'). Auch der neue
Nuntius, Erzbischof Silvius von Nicaea, erhielt genaue Instructionen.
Er wurde ehrenvoll in Madrid aufgenommen. Aber das Concordat
DMCon-Ji^gg man nur als einfaches Decret circuliren. Der köniirliche Ratb
nicht scheint das „Pasc" verweigert zu haben. Der Cardinal Aquaviva, sonst
AUi'ge- ein extremer Spanier, wurde beschuldigt, die spanischen Interessen
verrathen zu;,haben. Was den Spaniern zusagte, das führten sie aus;
z. B. in Betreff der Asyle, vor Allem das Indult über die Belastung
des Klerus mit neuen Abgaben. Dieses Indult wurde im Jahre 1740
noch erweitert, indem Clemens XII« dem Könige wieder zwei Millionen
aus den Einkünften der Kirche bewilligte^). Auch eine neue Centralis
sation der geistlichen Orden in der Hand und zum Yortheile des
Königs wurde von Clemens XII. am 22. Mai 1739 genehmigt.
Im Jahre 1738 vnirde die königliche Akademie der Geschichte
in Madrid errichtet. Die Portugiesen waren hierin den Spaniern um
17 Jahre vorangeeilt ^).
*) Das Concordat steht u. a. spanisch bei T^ada y Ramiro: Coleccion com-
pleta de Concordatos Espafioles, Madrid, 1862 (t. VII der Conciiiensammlang Ir,-
jada's), p, 100~106y mit dem päpstlichen Breve der Bestätigang vom 14. November
l'i37, p. 106 — 112. Bei Ftc. de La Fuerite, Apendice, nr. 4, p. 337—343, mit der
Real Cödula zar AasfÜhrang des Concordats an die „Audiencia von Aragon**, vom
10. Mai 1741. Apend. nr. 5, p. 343 — 346, — Hergenröther , Archiv für Kirchen-
recht, 1864, X, pp. 1— 46, 185 — 214.
') Commentar.i|in Regulas, constitutiones et Ordinationes Concellariae Apa&to-
licae. Op. posth. Joh. Rigantii. t. II — 2** — Romae, 1744. — Not. ad Ke^L
XXIV Cancell. § 2. nr. 35 (t. II, p. 373).
') Moronif Diccionario^ t. 68, p. 148.
*) Die Lissaboner Akademie wurde errichtet durch Decret des KOnf^ Joao V.
vom 8. December 1720. Der König erklärte sich zu ihrem Protector, und ernannte
50 Akademiker, welche sich in die Bearbeitung der Kirchen- und Profangesehich te
PortugaPs und seiner Colonieen theilen sollten. — J. P, Miöeiro, Indice chrono-
logico de legislagao portugueza (ann. 1603 al 1819) 6 vol. 4*. Lisb. 1805 — 18:20;
t. I. p. 310. — Heinr, Schäfer, Geschichte von Portugal, Bd. V, 1854, p. 177—178.
ti
DifTerenzen über die AnsfOlirnng des Goncordats. 339
§. 19.
Von dem Concordate des Jahres 1737 wurde zunächst die Be-
schränkung des Asylrechts ausgeführt. Dasselbe gab zu vielen Miss- ^*y^'
ständen Anlass. Im Jahre 1742 flüchtete sich ein Mörder in das ^^
Kloster der Capuciner zu Pamplona, und wurde mit Gewalt heraus-
gezogen. Es kam zu schweren Conflikten zwischen dem Bischöfe und
dem königlichen Rathe von Nayarra. Der Bischof excommunicirte die
Behörden; diese vertrieben den Provisor des Bisthums. Es kam fast
zur Schlacht zwischen den Anhängern des Bischofs und den Truppen').
Im Ganzen herrschten über 11 Artikel des Concordats Differenzen.
Es sollte über die Frage des königlichen Patronats in Rom, über die
andern Punkte in Madrid verhandelt werden. Rom bequemte sich zu
mehreren ihm ungünstigen Modificationen des Concordats. Papst
Benedict XIV. (1740 — 1758) wollte dem Madrider Hofe alle ihm nur
möglichen Concessionen machen. Der Erzbischof Ludwig Salcedo von
Sevilla starb am 3. Mai 1741. Auf Andringen des Hofes gab der
Papst am 19. September auch dieses Erzbisthum „in Administration"
dem Cardinal-Infanten Luis, von welchem derselbe am 7. Januar 1742
Besiz ergriff^. In spiritualibus sollte der Erzbischof von Mitylene,
Gabriel Torres y Navarra, sein Coadjutor sein; im Weltlichen ad-
ministrirte er allein im Alter von 15 Jahren die beiden Erzbisthümer.
In den Jahren 1741 — 1742 arbeiteten die beiden Cardinäle Bel-
luga und Aquaviva an einem neuen, oder an Verbesserung des alten
Concordats im Sinne der Spanier. Gabriel de la Olmeda, damals
Fiscal der königlichen Kammer, hatte gemäss Auftrag vom 18. Sep-
tember 1741 eine Denkschrift über das allgemeine Patronat des Königs
verfasst, welche den beiden Cardinälen am 20. November als Grund-
lage ihrer Verhandlungen zugesandt wurde. Bei der grössten Nach-
giebigkeit des Papstes kam man im Jahre 1742 in dieser Frage nicht
weiter. In Spanien wies man die römischen Verbesserungen der Denk-
schrift Olmeda's zurück. Den beiden Cardinälen wurde von Seiten
des Papstes eine ,,Dimostrazione'' übergeben. Olmeda aber schrieb
ein neues Memorial. Rom schlug den Ausgleich vor, der König möge
i'ür die in den acht Monaten der päpstlichen Reservation erledigten
Stellen, welche streitig waren, dem Papste je zwei Personen zur Aus-
wahl vorschlagen. In Madrid wollte man alle Stellen allein besezen.
') Greg, Fem, Perez, Historia de los obispos de Pamplona, 3 tom. (1822—
1824), t. lU, p. 1&7.
') Bigant, t II, p. 373.
22*
340 Vierzehntes Bach. Erstes Kapitel.
Card. üeber die fruchtlosen Verhandlungen starb der Cardinal Belluga,
fms. ana 22. Februar 1743, im Alter von 80 Jahren. Er genoss die Hoch-
achtung aller Gutgesinnten, besonders der vier Päpste, unter denen er
Cardinal war. Benedict XIV., der ihn überaus schäzte, beehrte den-
selben durch eine würdige Grabschrift:
„D. O. M. Ludovico Belluga, Hispano, qui ex Episcopo Carthagi-
nensi invitus et renuens a demente XI. S. M. in S. R. E. Cardinalium
Collegium coaptatus, Hispaniarum apud S. Sedem Protector, Jurium
Romanae Ecclesiae Vindex hoc unum curavit, ut Deo, non hominibus
placeret; vir Apostolico propagandae fidei zelo flagrantissimus, eccle-
siasticae disciplinae assertor, de alimonia pauperum, de institutione
Clericorum, de educatione juventutis sollicitus, Collegia, scholas, pias
domus aere suo fundavit. Benedictus XIV. P. M. perene hoc amoris
sui monumentum P. C. Vixit änos LXXX. Mens. II. Dies XXIIL
Obiit IX kal. Martias Ano 1743. Hie ex Testamento una cum S. Phi-
lippi Nerii, Filiis ipse et Congregationis Propagator resurrectionem
expectat" *).
§. 20*
Nach dem Tode Kaisers Carl VI. 1740 wollte Philipp V. die
Gelegenheit zu neuen Eroberungen in Italien ausnüzen. Im Jahre 1742
sandte er seinen Sohn Philipp mit einer Armee unter den Befehleu
des Grafen de Glimer ab. Savoyen fiel zuerst in seine Gewalt. Bald
aber zwang ihn der König von Sardinien zum Rückzug. Im Jahre
1744 wurde diese Armee, verbunden mit der französischen, aus dem
Gebiete von Mailand zurückgeworfen. Es handelte sich wieder darum,
auch dem Jüngern Philipp einen Thron in Italien zu verschaffen. Der-
selbe war zu Madrid am 15. März 1720 geboren. Er sollte sich ioi
Jahre 1742 den Thron von Parma erobern. Zweimal musste er vor
den Armeen Oesterreich's und Sardinien's in das ihm verbündete
Frankreich retiriren. Sein Vater erlebte das Ende des Krieges nicht.
Erst durch den Frieden von Aachen erhielt Philipp die Herzogthümer
Parma, Piacenza und Guastalla — 1748; er nahm am 7. März 1749
*) Seine Lebensgeschichte b. Leben aller Card. III, p. 419, und „Bibliotfa^ne sacr^e""
von Richard et Giravd, Par., 1824, 1. 17, p. 144 (Art Moncada). Bei Rickard sind
auch die grossen und zahlreichen Lobsprüche der vier Päpste s. Zeit auf Belln^a
gesammelt, sowie die Titel seiner zahlreichen Schriften, leider ohne Angabe des
Dnickortes und Jahres ihres Erscheinens, L c., p. 134—144. *- In dem „Dictionnaire
des Cardinanx, publ. p. Tabbö Migne, 1857 — art. ^^Moncada*' ist hingewiesen auf
Moröri, grand Dictionnaire historique, Paris, 1759, und den dort stehenden Catalog
seiner gedruckten nnd nicht gedruckten Schriften.
Philipp'8 V. Tod and Charakter. 341
Besiz von seinen Staaten, und beschäftigte sich mit dem Glücke seiner
Unterthanen.
Philipp V. starb am 9, Juli 1746, im Alter von 63 Jahren.
Neben grossen Fehlern, der Unfähigkeit zu den Geschäften, der Leichtig-
keit, sich von andern regieren zu lassen, der Leidenschaft für die Jagd,
fehlte es ihm nicht an guten Eigenschaften. Seine Frömmigkeit war
aufrichtig. Er hatte einen Sinn für Gerechtigkeit, und eine Liebe zu
seinem Volke. Unter ihm erschien die neue Sammlung der spanischen
Geseze *).
Bei seinem Tode wurde Philipp V. von seinem Volke betrauert.
Ungeachtet der Fehler, die er begieng, ist doch unter ihm auch Blei-
bendes gegründet worden. Unter ihm wurde die kriegerische Tugend
der Spanier erneuert, die Disciplin der Armee verbessert Die Flotte
warde in tüchtigen Stand gesezt Oran^ das die Mauren genommen,
wurde wieder erobert. Die Gerichtshofe wurden reformirt. Der Eonig
drang auf Beschleunigung des Verfahrens der Gerichte. Den Handel
und die Industrie suchte er zu heben. Den Wissenschaften wendete
er Schuz und Ermunterung zu. Er gründete die Akademie der Ge-
schichte, wie der castUianischen Sprache an der Bibliothek zu Madrid.
Aber anstatt seinen Unterthanen Institutionen nach dem Charakter
des Landes und Volkes zu geben, anstatt die Freiheiten der Nation
wieder in das Leben zu rufen, welche mit einer festen Regierungs-
gewalt und einer regelmässigen Verwaltung wohl vcreinbarlich waren,
8ezte er einfach die despotische Regierung der Eonige aus dem Hause
Habsburg, und jene elende Günstlingswirthschaft fort, unter welcher
Spanien seit dem Jahre 1598, theilweise seit dem Jahre 1517, dar-
niederliegt').
*) Recopilacion de las leyes destos reynos, faecha por mandado del rey Felipe V.
Madrid, 1723, 4 vol 2*. — Saplemento k la coleccion de pragmaticas etc., publi-
cadas en el reynado de Carlos IV. Madrid 1799 *- 2*. — Novisima Recopilacion de
las leyes de Espafia. Paris, 1832. 4 vol. 4* — ed. par Vincent 8alvd^ Paris, 1845,
— 5 voll. — 8».
') Belando, Jesus (Fr. Nicolaus de), Historin civil de Espafia, sncesos de
la gaerra y tratados de Paz desde el afio 1700 asta 1733, Madrid, 1740— 174i,
3 vol. in 2*. ~ Der dritte Band dieses Werkes wurde im Jahre 1744 von der In-
quisition eingezogen und verboten, und war noch im Jahre 1789 verboten, ist darum
nicht zu finden. — BacäUar y Sana, marques de San Phelippe, (D, Vicente),
Comentarioa de la guerra de Espafia e historia de su rey Phelippe V, desde el
prineipio de su reynado hasta el afio de 1725. Genova (ohne Datum), 2 vol. 4\
auch in 2*. — Als Fortseznng erschien: Memorias politicas y militares para servir
de continuacion a los comentarios. Madrid, 1756 — 1763, 2 vol. in 4*. Französ.:
M^moires ponr servir ä Thistoire d'Espagne sous Philippe V, parle cheval. de Man-
dave. Amsterd«, 1756, 4 vol. in ~ 12*.
Die schon erwähnten Werke von TT. Coxe und «7. B. Targe, Avtoement
des Bonrbons au trone d'Espagne, Paris, 1772, 6 vol. in 12^ —
342 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Saint 'Simony (dresandter am spanischen Hofe, als Philipp V.
38 Jahre alt war, schildert ihn also: ,,Er war keineswegs mit höherer
Einsicht und mit nichts von dem, was man Einbildnngskraft nennt,
begabt Er war kalt, schweigsam, traarig, von keinem Vergnügen he-
Tierreehty eile von der J<igd, furchtsam vor andern, sich selbst forchtend,
wenig hervorbringend, einsam und abgeschlossen aus Neigung und
Gewohnheit, selten durch andere gerührt, dennoch von guter und ge-
rechter Gesinnung, mit genügender Erkenntniss der Dinge, eigensinnigi
wenn er sich für etwas einsezte, oft ohne dass man ihn davon ab-
bringen konnte, und dennoch war er vollkommen geeignet, von andern
hingerissen und regiert zu werden. Wenig besorgt wegen der Kriege,
die er führte, liebte er dennoch die Unternehmungen, und seine Lieiden-
schaft war es, respectirt und gefurchtet zu werden, und eine grosse
Figur in Europa zu spielen '). Leztere Eigenschaft hatte er von seinem
Ghrossvater.^ Die andern Eigenschaften erklärt Stramberg so: „Er war
in seiner Jugend ein Idiot, und desshalb ungemein hartnackig in der
Beibehaltung eines Gedankens, der ihm hatte beigebracht werden
können. Zeitlich aber verwandelte sich dieser Idotismus in eine ziemlich
ausgebildete Verrücktheit, die bis zu seinem Ende der Königin nicht
wenig zu schaffen machte. Jeden Augenblick hatte Elisabeth eine
wiederholte Abdankung zu beförchten und zu bestreiten. Mit dem
frühzeitigen YerfiEdle der spärlichen Seelenkräfte war der Verfall des
Körpers gleichen Schritt gegangen. Mit 38 Jahren war er schon
ein ganz verfallener Greis; nur wenn er tanzte, war er wie ein ver-
jüngter Mensch.^
Seine Wittwe lebte nunmehr im Schlosse San Ildefonso, das
unter Philipp V. mit einem Anlande von etwa 46 Millionen Realen
erbaut worden, wo sie auch am 11. Juli 1766 starb").
Saint 'Simon, Louis de, Memoires complets et aatenthiqaes da dae de
S, Simon, sur le siöcle de Louis XIV et la rögence, par M. Cheruel, Paris, 1^56
— 1858, 20 vol. in — 8". — Saint- Simon \\q Mi» de), Histoire de la guerre, ou
campagne de 17 i4, par les arm^es combinöes d'Espagne et de France oommand^es
par rinfant D. Philippe et le prince de Conti. Amsterd. 1769—1770. 4*. Alph.
Viollet, Histoire des Boarbons d'Espagne, Paris, 1848—8*. La Espafia de los
Borbones. Historia documental desde antes de la muertede Carlos II. hasta (1818).
p. D. Jo8^ Gonzalez Carvajal, Madrid, 1842 — 1814, ä t. in 4* (ist nur eine Bear-
beituDg des Werkes von Coxe, und reicht nar bis zum Jahre 1753). — F.A. Conde,
Elogio de Felipe V; Madr., 1779, «'. — J. de Clavijo, Elogio de Felipe V.
Madr., 1779, in — 8*. Paris, 1780. Historia del dnqne de Biperda, primer ministro
de Espafia, en el reynado de Felipe V., segund. edicion, afiadida e ilostrada etc.,
per D. Salvador Josi Manner, Madr., 1796, — in 4'.
') De figurer grandement en Europe.
') V. Straniberg, über Philipp V., in Ersch und Orvber Encyclop», III Sect.,
22. ThL, Leipz., 1846, S. 446 -462.
Ferdinand VI. Freimaurerei in Spanien. 343
§. 21.
Ferdinand VI., Sohn Philipp's V. nnd der Lnisa Maria Ton Sa- Ferdi-
voycD, geboren am 23. September 1713, folgte am 10. August 1746°'^^
seinem Vater in der Regierung. Er brachte eine schwächliche Ge- i769.
sundheit auf den Thron. Abgeneigt den Kriegen und Eroberungen,
begann er seine Regierung mit Werken der Wohlthätigkeit Zwei
Tage in der Woche bestimmte er, um die Klagen seiner Unterthanen
zu boren. Mit seinem Minister La Ensenada bemühte er sich, die
Lasten seiner Unterthanen zu erleichtern. Durch die Unterzeichnung
des Friedens von Aachen — 28. Juni 1748 — half er Europa wieder
den Frieden geben. Die beiden Sicilien, sowie die Herzogthumer,
sollten nicht mehr mit Spanien vereinigt werden. Zum erstenmal seit
Jahrhunderten war Spanien sich selbst wieder gegeben. Jenseits der
Pyrenäen besass es nichts mehr.
Ferdinand VI. war — seit 19. Januar 1729 mit D. Barbara von
Portugal vermählt, blieb aber ohne Nachkommen. An seinem Hofe
war — vor 1745 — eine starke portugiesische Partei, an der Spize
der Carmelit Manoel de San Josä, der als Cavallerie-Hauptmann unter
dem Namen Manoel Freire da Silva für Carlos III. (von Oesterreich)
gekämpft hatte. Ensenada suchte besonders die Marine zu heben. An
dem Hofe war auch eine starke englische Partei, unter dem Minister
Wall, und dem englischen Gesandten Eeene. Beichtvater des Königs
war der Jesuit P. Ravago. um diesen zu discreditiren, erdichteten jene
eine Correspondenz zwischen ihm und den Jesuiten in Tucuman, wor-
nach die Jesuiten es auf Herrschaft und Unabhängigkeit des Landes
von Spanien abgesehen hätten. — In dieser Zeit drang auch die FreL _^^*-
maurerei in Spanien ein. Die ersten Logen entstanden auf englischem
Gebiete, in Gibraltar, und in Mahon, eingeführt von den Protestanten
und den Juden (1725—1729). Um das Jahr 1739 drangen die Logen
nach Gadix, und die andern Seepläze. Um das Jahr 1748 zählte eine
(zweite?) Loge in Cadix an 800 Affiliirte *)• Am 2. Juli 1751 sah die
Regierung sich veranlasst, die Verbindungen der Freimaurer unter der
Strafe der königlichen Indignation, und der Ausstossung aus dem
Heere und der Flotte zu verbieten. Im Jahre 1752 schrieb der F.
Fr. Jo84 Turibia schon mit grosser Genauigkeit über die „Arbeit* und
die Gebräuche der Freimaurer, die besonders unter den Kaufleuten
und Reisenden Propaganda machten^. Diese Gesellschaften halfen
maarer.
*) Siehe des Jesuiten Hervaa y Panduro: Causas morales de la revolacion
francesa.
^ J. Turrubia^ Centinela contra francmasones, Madr., 1752 — 8* Vic. de
La Fuente, Historia de las Sooiedades secretas eu Espafia, 3 tom., Hadr., 1870.
Ver-
hand-
344 VierEefantes Buch. EreteB Kapitel
mit Eifer zu dem Kriege gegen die katholische Kirche rüsten, welcher
unter der Regierung CarPs III. zum vollen Ausbruche kam.
§• 22.
Seit dem Jahre 1749 wurden wieder Verhandlungen mit Rom
langen eingeleitet. Der Minister Carvajal zog darüber hervorragende Juristen
"749-!* zu Rathe, u. a. den Marques de los LIanos, den D. Blas Jover y
1753. Alcazar, den Abt von la Trinidad in Orense, und besonders den D.
Hyacinth Latorre, Canonicus von Saragossa, angesehen wegen seiner
Kenntnisse und grossen Erfahrung. Anderseits verfasste der Canonicus
Doctoral D. Manuel Ventura de Figueroa, ^im Auftrage des Königs,
und zu Händen des Ministers eine Abhandlung über das Concordat
des Jahres 1737, welche in drei Theile zerfallt: 1) Ueber die abge-
schlossenen Funkte, und (die Punkte), welche eine nähere Erklärung
bedürfen. 2) Ueber die Punkte, für welche noch Conferenzen in Aus-
sicht genommen werden. 3) Ueber die in dem Concordate nicht be-
rührten Punkte *). Der Canonicus H. Latorre redigirte die Instructionen,
welche an den Cardinal Joach. Ferd. Portocarrero (den jungem) ge-
sandt wurden. Er war im Jahre 1747 Protector der Krone Spanien' s,
im Jahre 1749 ordentlicher Minister Spanien's in Rom geworden^)«
Die Härte Carvajal's und andere Gründe brachten die Verhandlungen
zum Stocken. Man griff nun zu dem Ausweg einer doppelten Ver-
handlung, welchen Figueroa empfohlen hatte. Er hatte gewinnende
äussere Formen. Man übertrug ihm die Stelle eines Auditors in
Rom, mit dem Auftrage, eine geheime Verhandlung anzuspinnen, deren
Fäden der Minister Ensenada und der P. Ravago in Händen hatten«
Er sollte sich direkt mit dem Papste in's Benehmen sezen, ohne dass
der Cardinal Portocarrero und der Minister Carvajal Kenntniss davon
erhielten.
Diess war die „ doppelte '^ Diplomatie, es waren die geheimen
Agenten^ die hier verhandelten. Benedict XIV. überzeugte sich durch
die von Figueroa gegebenen Daten von dem rechtlichen Bestände des
königlichen Patronats, sowie dem Wunsche vieler Kirchen in Spanien,
es möchte diese Streitfrage zu Gunsten der Krone entschieden werden.
Er redigirte selbst das Document, welches im Namen des Papstes
der Cardinal Valenti Gonzaga, für die Krone von Spanien Manuel
') Escrito de erden de S. M. por el canonigo dootoral — Figaeroa anno de
1749. Dieser .Discnrso'' ist gedmckt bei Tejada, t. VlI, p. 113—163. Die Denk-
schrift ist ans Madrid vom 4. October 1749 datirt, und wurde dem Minister de
Carvajal y Lancaster übergeben.
'} Lebensgesch. aller Cardinäle des achtzehnten Jahrb., III, p. 380—834.
Concordat von 1758. 345
Figaeroa unterzeichnete. Dieser wurde später Governadore des (kgl.)
Käthes, Commissär der Cruzada, und im Jahre 1782 Patriarch von
Westindien (f 1782); er virar zugleich Erzbischof von Laodicaea.
Benedict XIV. machte durch dieses Concordat nicht so fast den
Reserraten, als deren Missbräuchen ein Ende* Der heilige Stuhl aner-
kannte das königliche Patronat, nicht als ein beschränktes für gewisse
Kirchen und Beneficien, sondern auf alle Pfründen und Würden, mit Aus-
nahme der'besondem Patronate. Die Coadjutorstellen, die Pensionen,
die der apostolischen Kammer vordem zufallenden Spolien und Vaca-
turen wurden abgeschaffl;. Unter der Leitung des Königs und des
Ministers Ensenada hatte Spanien in wenigen Jahren an Wohlstand
sehr zugenommen. Philipp Y. hinterliess 42 Millionen Realen Schulden,
Ferdinand VL einen Staatsschaz mit 40 Millionen. Darum war es
jezt Spanien leicht, Rom für die entfallenden Einnahmen zu entschä-
digen. Rom erlangte als Entschädigung für seine Verluste in Spanien
in runder Summe 1.143.333 römische Scudi*). Diese Summe mit
drei Procent vom Hundert berechnet, konnte eine Rente von 3^.000
römischen Scudi abwerfen zur Bezahlung der an der Datarie und an-
dern Posten in Rom Angestellten. Zur Verfügung des Papstes sollten
5000 Scudi ausgeworfen werden, entnommen dem Fond der Cruzada,
welche zum Unterhalt des Nuntius in Madrid verwendet werden konnten.
Das Concordat vom 11. Januar 1753 wurde von Ferdinand VI.
I
am 31. Januar bestätigt. Der König erhielt das Recht, 12.000 bisher
streitige Pfründen zu vergeben. Dem allgemeinen Uebereinkommen
folgten acht nähere Bestimmungen über die Besezung vacanter Bene-
ficien. 1) Die Bischöfe sollten, wie vorher, in den vier Monaten März, Nihere
Juni , September und December die erledigten Pfründen vergeben, mM^n
2) In Folge des bisher üblichen Tridentinischen Concurses. 3) Bei <i««
Stellen, zu welchen Laien -Patrone vorschlagen, sollte dem Ordinarius Concor-
die Wahl zwischen drei Priestern gelassen werden, welche gehörig geprüft, d*ta.
und von dem Patron präsentirt worden. 4) Die Bestätigungsbullen
sollten, wie bisher, nachgesucht werden. 5) Die päpstlichen acht Monate
sollten dem Könige ganz zufallen, die bischöflichen aber bei Erledigung
der Bisthümer oder aus besondem Rechtsgründen. 6) Der Universal-
Patronat des Königs sollte durch etwaige Indulte und Reservate von
Cardinalen, Bischöfen und Nuntien nicht mehr geschmälert werden.
6) Die Ordinarien sollten die vom König Providirten ohne Ausferti-
gung einer päpstlichen Bulle instituiren — 7) und sollten durchaus im
Besize ihrer kirchlichen Jurisdiction bleiben. Denn der König hat
nur das Nominations- und Präsentationsrecht, aber keine geistliche
") Etwa 26 Vt Millionen Realen.
346 Vierzehntes Bach. Erstes Kapitel.
Gerichtsbarkeit über Kirchen und kirchliche Personen. — * Anch die
52 Stellen, welche der Papst noch vergicbt, stehen unter den kirchlichen
Ordinarien. — Neben den Exemtionen und Spolien werden auch die
s. g. Bankzettel abgeschafft, über welche sich schon die Gortes von
1632 beschwert hatten^). Von jezt an wurden durch königliches Decret
diese Bankzettel abgeschafft^).
§. 23.
Das Concordat von 1753 brachte eine fast vollständige Umge-
staltung in der Disciplin der Kirche von Spanien h^pror. Viele be-
trachteten dasselbe als einen Akt der Schwäche und Nachgiebigkeit
Rom's gegen die weltliche Gewalt. Thatsache ist aber, dass die Miss-
bräuche ezistirten, dass die eifrigsten Männer, ja selbst die Heiligen
seit Jahrhunderten gegen sie ihre Stimme erhoben, warum also hätte
man ihnen nicht abhelfen sollen? ,,Durch dieses Concordat wurde den
Regalisten Anlass und Vorwand zu ihren lautesten und häufigsten
Anklagen abgeschnitten. Was man bestimmt behaupten kann, ist, dass
die Krone viel gewann, aber die reinere Disciplin der Kirche Spanien's
sich nur wenig besserte*^ •).
Von jezt an wurde das Kirchengut den Staatszwecken mehr und
mehr dienstbar, während die Einkünfte ßom's aus Spanien ganz un-
bedeutend waren. Die Anaten^ die bei den Päpsten so sehr getadelt
wurden, nahm der Staat allenthalben für sich in Anspruch.
*) Cedalae bancariae« Coleccion, p. 295. Benedict XIY. erklart dieselben in
seiner BestÜtigangsbuUe so: Gonsaetudo a longo tempore vigens nt in beneficiornm
collationiboB et provisionibnB, qnae per S. Sedem fierent, quaedam pensiones annuae
snper eorumdem beneficiornm fhiotibos et proventibns reservarentor , et pro eamm
certiori solntione publicorum Ärgentariorum cantiones sea cedulae Bancariae a
provisis Beneficiatis exigerentor.
*) Novisima Recop. Ley 14, tit, 22, — L. I. — Coleccion, p. 218. — Siehe den
Text dieses Concordates ap. Tejada y Bamiro, VII, p. 161—170; apnd La Fuenie
VI, p. 347—358. cf. Münch^ Sammlung aller Goncordate, 2 Bde., Leipz. 1830-1S3I,
I. p. '443—487, nach dem Madrider Abdruck von 1764, sowie in Goleocion de Gon-
cordatos, 1848, p. 172—194.
Jose dd CastiUo y Ayensa, Historia oritica de las negociadonee con Borna
desde la maerte del rey D. Fernando VII, Madrid, 1859, 2 tom. 1 1. apendice nr. 21,
p. 252—254. — Hergenrötker, t XJi, S. 252—263. Die sehr regalistische und
kirchenfeindliche Schrift des Gregor May ans: Obsenraciones legales, historicaa y
criticas sobre el Goncordato de 1753, Madrid, 1753, ist wieder abgedruckt apud
Tejada, VII, p. 171—258. — Mayans macht «Observaciones XXXVII*, wovon die
letzte von p. 234—258 reicht.
Die GonfirmatiousbuUe des Papstes vom 9. Jnni 1753 aus Gastel-Gandolio
steht u. a. spanisch bei Tejada, p. 258—265. Dieser folgt ein Breve des Papstes
vom 12. September (qne aclare y explica el conc. de 1753), ebendas., p. 265—267).
*) La FuenJbe, VI, p. 53.
KOnig Ferdinand'a VI. Tood. 347
§. 24.
König Ferdinand VL war stets von schwacher Gesundheit. Er
litt an einer unheilbaren Melancholie, die seine Kräfle um so bälder
verzehrte. Aber die Liebe zu seinem Volke erfüllte sein ganzes Herz.
Bei mittelmässigen Geistesgaben wirkte er darum dennoch Grosses und
Segensreiches. Er war sehr sparsam, und hinterliess seinem Nachfolger
einen bedeutenden Staatsschaz. Im Jahre 1758 verlor er seine Ge-
mahlin durch den Tod. Durch den Verlust derselben wurde des Königs
Melancholie aufs höchste gesteigert, und artete in Trübsinn aus. Am
10. August 17t 9 erloste ihn der Tod von seinen Leiden. Vic. De La
Fumte sagt von Ferdinand VI., dass, seit den Zeiten Ferdinand's V.
und Isabella's, Spanien keine so glückliche Zeit, wie unter ihm (1746
1759), erlebt habe^.
WüL Coxe, Espagne soas les rois de la maison de Bourbon (1700—1788),
t IV, Pari» 1827, p. 1—418. {Fuente, V, 8).
Zweites Kapitel.
Kircbe und Staat von Spanien unter den grossen kdniglichen
Jflgern Carl III. (1750—1788) und Carl lY. 1789—1807).
§. 1.
Carl IIL, von Natur mit den herrlichsten Anlagen ausgestattet,
hatte als Konig von Neapel (1736 — 1759) die Liebe seiner Unterthanen
im hohen Grade verdient und erlangt. Namentlich zeigte er einen
religiösen Sinn, und Liebe zu kirchlichen Dingen^). Nach dem Tode
Ferdinand's VI. holten ihn 16 Linienschiffe ab. Sein Abschied von
Neapel wurde von der Theilnahme des ganzen Volkes begleitet, 'eine
Theilnahme, in welcher Freude und Leid vereinigt waren, Freude über
seine Erhöhung, Leid über seinen Verlust. In vier Tagen gelangte er
nach Barcelona. Der ihm entgegenjubelnden ersten Handelsstadt Spa-
nien's bestätigte er ihre alten Municipal- und Handelsprivilegien, welche
sie in Folge der Kriege von 1640 und 1705 — 1714 verloren hatte*).
Ueber Saragossa reiste er nach Madrid, wo er am 9« December 1759
anlangte. Sogleich zeigte er grossen Eifer und grosse Theilnahme an
den Angelegenheiten der Regierung. Noch war die Gewalt in den
Händen des Ministers Ensenada. Aber bald wurde dieser und seio
Vertrauter Ordenanza entlassen. Sie erhielten nur die Erlaubniss, wieder
am Hofe zu erscheinen — 13. Mai 1760. Der General VTall blieb Minister.
Seine Valparaiso wurde entlassen, und statt seiner der Marquis von Squilace
Eigen- ^®^ Finanzen vorgesezt, welchen Carl von Neapel mitgebracht. Erst,
■chaf- nachdem die Aemter besezt und vertheilt worden, hielt Carl am 16. Jnli
1760 seinen Einzug. Troz der liberalen neuen Aera — durften die
ten
') Er schämte sich nicht, mit dem kirchlichen Gewände nnter den Chorherren
SU stehen, und mit ihnen zn psalliren.
•) WxU. Coxe, IV, p. 421.
Carl III. als Jäger. 349
„Stiere^ nicht fehlen. Tags darauf war HuIdiguDg. Carl's ältester
Sohn wurde als epileptisch und geisteskrank von der Regierung aus-
geschlossen, sein zweiter Sohn Carl als Prinz von Asturien anerkannt.
In den ersten Jahren wendete Carl seine Sorgen auf Hebung des
Handels und der Finanzen. Maassregeln zur Tilgung der frühem Schul-
den wurden ergriffen. Schon in Neapel war Pflege des Ackerbaues
Carl's besonderes Bemühen gewesen. Der englische Gesandte, Graf
von Bristol, schildert den Konig also: Er hat grosse Talente, ein
glückliches Gedächtniss, bei allen Gelegenheiten eine grosse Herrschaft
über sich selbst, (welche später in eine grosse Unterwürfigkeit unter
den Willen der andern übergieng). Da er oft betrogen worden, ist er
misstrauisch (vielmehr ängstlich) geworden. Er behandelt alle Ange-
legenheiten mit Sanftmuth; er hat die Geduld, seine Ermahnungen
lieber zu wiederholen, als sich, selbst für unbedeutende Dinge, seiner
Autorität zu bedienen. Dennoch, mit seinen feinen Manieren und seiner
Höflichkeit, hält er immer seine Minister in Brcspect, vielleicht auch in
Furcht. Seine Hauptsorge ist, seinen Sohn Ferdinand im ruhigen Be-
size beider Sicüien zu erhalten^).
Aber in dem Crrade, als die Jagdlust die herrschende Leidenschaft
in ihm wurde, liess das Interesse an allem andere, auch an den Staats-
geschäften^ nach. Es war das kleinere, dass seine Jagden enorme Aus-
gaben veranlassten^ sie hielten ihn ganz ab, seinen Pflichten nachzu-
kommen. Die Nachricht, dass in der Nähe von Madrid ein Wolf sich
liabe blicken lassen, oder gar ein Eber, sezte den ganzen königlichen
Hof in Bewegung. Unter dieser Eigenschaft entartete der Charakter die er
des Königs derart, dass der sonst sanftmüthige und schüchterne Fürst i **^"*^.
ungerecht und grausam wurde. Ein armer Bauer nahm einst in den iien
königlichen Bevieren einige Eicheln als Nahrung für seine arme Familie
weg. Ein Wächter ergriff ihn, und fand bei ihm ein halbes Duzend
Eicheln. Dem König wurde Bericht erstattet. Vor ihm war es ein
schweres Verbrechen, die seinem Vergnügen geweihten Oertlichkeiten
zu entweihen. Der Verbrecher musste so viele Jahre in den feuchten
Kerkern von Genta büssen , als er Eicheln genommen hatte. Gegen
ulle Vorstellungen und Bitten blieb Carl unerbittlich. Denn es war
eine schauerliche Sache, sagte er, die armen Thierchen ihrer Nahrung
zu beraaben. Er scheint gemeint zu haben, dass es ein Vergnügen
Hir diese Thierchen sei, von königlicher Hand erschossen zu werden.
I^er Baaer blieb sechs Jahre in seinem feuchten und dunkeln Kerker.
Nach seiner Heimkehr trieben ihn Verzweiflung und Wuth zur Rache;
ia einem Hinterhalt tödtete er seinen Ankläger. Er wurde nun selbst
hingerichtet.
') Der Bericht Lbt vom Angust 1761.
360 Vierzehntes Bach. Zweites Kapitel.
Der englische Reisende J. Townsend beschreibt Carl's Jagden
also^): Der König bringt den grösHen Theü seiner Zeit auf der Jagd
zu. Am Mittag kommt er, nach einer kurzen Excursion, zum Essen
heim, hält Besprechung mit den fremden Gesandten, zieht sich auf
einige Minuten mit seinem Beichtvater zurück; er verlässt gewohnlich
vor drei Uhr, oft früher, den Palast, und macht 20 —30 Meilen, bevor
er zu jagen beginnt. Wenn es Nacht wird, so sezt er sich in seinen
Wagen und kehrt zurück. Keine Zeit kann ihn zurückhalten; er
furchtet weder Donner noch Bliz, noch Hagel, noch Regen, noch
Schnee. Ist sein Kleid beschmutzt, so nimmt er ein anderes. Wenn
durch g^ine Begleiter über das Wetter sich beklagen, sagt er ganz kalt: „Der
jHffer- liegen bricht die Beine nicht.^ Die Festtage halten ihn nicht ab^ sich
leiden- seinem Vergnügen hinzugeben, ausser zwei Tage in der Charwoche.
Obgleich von Natur von sanftem Charakter, sagt man, dass er dann
in so üblem Humor ist^ dass sich ihm Niemand nähern mag. Als
einer seiner Söhne schon fast in den letzten Zügen lag, gieng er wie
gewöhnlich aus, und sagte wiederholt: Es wird gewiss wieder bessei^
werden. Als man ihm meldete, er sei gestorben, antwortete er mit
seiner gewöhnlichen Buhe: Wohlan denn, weil man nichts mehr thuu
kann, muss man seine gewöhnliche Partie machen. In seinem Ge-
leite befindet sich gewöhnlich der Prinz von Asturien, der Capitan dei|
Eine Garden, sein erster Stallmeister, sein erster Kammerherr, sein Arzt uniJ
pJlfj,'^ sein Chirurg. All' diese Personen occupiren fünf Wagen; ein anderer
deMei-' Wagen ist bestimmt für Medicinen, andere für die Gewehre, die
^* Munition, die Jagdkleider. Jeder Wagen ist mit sechs Maulthieren
bespannt. Da es aber auf dem Wege mehrere Posten für Pferde und
Wächter giebt, so braucht man taglich an 200 (Maulthiere). Diest
Thiere müssen in der Stunde 12 Meilen zurücklegen; desswegen giebi
es häufige Unglücksfälle für Menschen und Thiere.
„Wenn der König jagt, hängt er nicht ausschliesslich von seiner
Hunden ab; gewöhnlich beschäftigt er 200 Menschen als Treiber de?
Wildes, die es auf passende Pläze in seiner Nähe bringen müssen, v*'c
er und sein Sohn es erwarten, mit den Bedienten, welche die Gewehre
laden und sie präsentiren. An sich hat jedes Wild gleich viel Wertli
für den König. Es schmeichelt ihm aber ganz besonders, das Land
von den Wölfen zu befreien, über welche er genaue Rechnung halt AI'
Carl m. ich im Escurial war, belief sich die Zahl der von ihm getödteten Wöltv
wife**'^^^^^ Stück. Sieht man einen Wolf in einer entsprechenden Ent-
fernung, so werden zwischen 1600 und 2000 Personen, je nach dei
Ausdehnung des Gebirgs, aufgeboten, um das Thier zu überwachen,
es einzuschliessen, und es an einen Ort zu bringen, wo der Konig mi;
*) Joorney trongh Spain, London, 1792, 2 vol., par J. Townsend.
Carrs UL Treibjagen (Catida) 85 i
Leichtigkeit es todten kann. Jede Person erhält 6 Realen (1 Va Francs);
tödtete er aber einen Wolf, so wird der Lohn verdoppelt"). Diese
Ausgabe ist überflüssig; denn wenige Bauern würden daza hinreichen.
„Aber wenn ein guter Fürst darin ein Vergnügen findet, dieses wilde
Thier zu todten, so werden seine Unterthanen die lezten sein, zu
denken, dass er vielleicht dieses Vergnügen zu theuer erkauft.^
Glücklich noch wäre es für Spanien, wenn alle Kosten darauf i><«k<»-
sich beschränkten; diess ist aber sicher nur ein sehr kleiner Theil der j^^^'^
Totalsumme, welche diese Wuth zu jagen der Nation raubt. In weiten
Kreisen um die „sitios^ oder königlichen Residenzen sind die Ländereien
onangebaut. Der Forst der „Pardo^ hat einen Umkreis von 30 Meilen;
wenn man dazu alle unbebauten Ländereien bei Aranjuez, San-Udefonso,
und dem Escurial rechnet; wenn man femer erwägt, dass die Hirsche
unbeschränkte Freiheit geniessen, und ungehindert alles dazwischen-
liegende Land durchstreifen, wie hoch wird sich nicht dann der vom
Volke erlittene Schaden belaufen? Es ist wahr, dass der König den
Gutsbesizem den von ihnen erlittenen Schaden bezahlt; aber der Scha-
den, welchen die Gesammtheit erleidet, kann nicht so leicht gutgemacht
werden; denn das Land entvölkert sich , weil es der Nahrung beraubt
ist, und die Dörfer fallen in Ruinen.
Der König hatte in seiner Jugend Geschmack für die Wissen-
schaften« Er wurde aber davon abgebracht. Dann beherrschte ihn
die immerhin noch edle Sorge für seine Familie. Dann beherrschte
ihn allein die Liebe zur Jagd. Sie hat ihn vielleicht vor sinnlichen Aus-
schweifungen bewahrt. Denn obgleich er viele Jahre Wittwer war, ist
niemals ein übles Gerücht über ihn gegangen^).
Jedes Jahr gab es viermal eine „Batida^ (Jägertreiben), Qder eine
königliche Jagd. Bei einer solchen Jagd waren neben dem Könige
seine drei Söhne. Drei Tage vorher waren 2000 Treiber aufgeboten
und ausgesandt worden, um das Wild an den bezeichneten Ort zu
treiben; sie mussten Tag und Nacht auf ihren Posten stehen. Von Jäger-
einer Anhöhe aus sah Townaend die Hirsche aus weiter Ferne und von *'®*^*°*
allen Seiten herankommen an den Ort ihres Todes. Man hörte das
Knallen der Gewehre. Das Wild suchte sich nach allen Richtungen
hin zu retten; es half ihm nichts. Eine doppelte Mauer von Treibern
schloss sie ein, und zwang sie, sich vor die königlichen Jäger zu
stellen« Da begann das Blutbad; während einer Viertelstunde war
das Feuer ununterbrochen. Einige Hirsche, wie ihr Schicksal ahnend,
weigerten sich durchaus^ vorwärts zu gehen, troz des Geschreies der
') 818 Wolfe kosteten demnach etwa 47, Millionen Francs, ein sehr theores
Vergn^en.
») Coxe, V, p. 400.
352 Vienehntes Bnch. Zweites Kapitel.
Treiber und des Feuers der Wächter, sprangen sie in gewaltigen Bogen
über die Doppelreihen der Treiber hinüber and entwischten in die
Wälder.
Als das Feuer aufgehört, kam der Eonig mit seinen Söhnen, um
das Schlachtfeld zu inspiciren. Die Jäger ksunen zurück, beladen mit
den Hirschen, welche todtlich verwundet auf der Flucht ihren Wunden
erlegen waren , sie legten die Beute nieder zu den Füssen ihres könig-
lichen Herrn. Townsend zahlte 14Ö getödtete Hirsche, mit einem Eber.
„Indem ich meine Schritte nach dem Orte, wo ein Gedräng war,
richtete, sah ich in einiger Entfernung Leute, welche einen Eber herbei-
brachten ^ den Hals und die Füsse an einander gebunden, den sie an
einem starken Stocke aufgehängt trugen. Als sie näher gekommen,
stellten sich der König und seine Söhne aufs Neue bewaffnet in Schuss-
linie auf. Die Träger legten ihre Last nieder; die Stricke wurden
abgehauen, und das arme yerstümmelte Thier suchte sich zu bewegen;
aber eine gut gezielte Ladung befreite es von seinen Qualen.
Die Ausgabe für die „Zerstreuung^^ dieses Tages wurde auf
300.000 Realen (75.000 Francs) oder 3000 Pfund Sterling gescbäzt
Abends wurde, nach dem Gebrauche, alles Wild in dem Gemache
niedergelegt, wo der König speiste, und wohin die vertrauten Gesandten
ihm folgten, um ihn zu becomplimentiren. Diese Gesandten waren
die von Neapel, Portugal und Frankreich, welche es in ihrem Interesse
fanden, allen den Dingen Beifall zu schenken, an denen der König ein
Vergnügen findet. Sie beglückwünschen ihn nicht nur bei feierlichen
Gelegenheiten, sondern sie kommen jeden Abend beim Souper zu ihm
und fragen ihn, was er heute getödtet hat, um dann ihren Freunden
davon Nachricht zu geben.^'
So musste alle Welt sich dazu bequemen, mit dem König
Heuchelei, eigentlich das Gespötte zu treiben, mit dem grossen Wölfe-
tödter zu heulen. Er selbst hüllte sich in einen Dunstkreis der
Heuchelei und Selbstverblendung ein. Er schäzte sich glücklich, dass
Carl iit. er, weil er nicht selbst regierte, auch für seine Fehler als Regent keine
d6t »Ich Verantwortung vor Gott habe« Er bedauerte seine Minister wegen der
strengen Rechenschaft, die sie vor Gott ablegen müssten. So könnte
jeder Familienvater sich entschuldigen, der sich um die Kinder nichts
bekümmert, die Gott ihm anvertraut hat, und sie in die Hände fremder
Leute giebt. Carl sorgte auch dafür, dass sein Sohn als Carl IV.
keine Verantwortung vor Gott habe. Denn wie der Vater 30 Jahre
jagte bis zu seinem Ende, so jagte auch der Sohn 20 Jahre bis zu
seiner Absezung.
Carl HI. war ein completer Bedienter seiner Minister geworden,
ja ein Sklave, der ihnen nicht einmal eine Bitte, einen Wunsch vor*
zutragen wagte. Einer der Minister war überzeugt von der guten
Carl, Sklave seiner Gewohnheiten. 353
\ j:
Carl war ein Sklave seiner Gewohnheiten, von denen er gar nicht
a})gieug. Alles musste zur bestimmten Stunde geschehen. Der Tag,
die Stunde, die Minute der Abreise des Hofs nach dieser oder jener
Residenz waren stets dieselben, ohne dass die mindeste Veränderung
gestattet war. — Der Laienbruder Sebastian von Sevilla trug immer ein »"»<*«'
Bild des Kindes Jesu bei sich, und stand bei einigen Frommen im ttan v.
Kufe der Heiligkeit. Er hielt sich selbst für inspirirt, und verfasste einige ^^^^
Gebete. Carl, noch als Kind, fasste plözlich eine grosse Zuneigung zu
dem Bruder Sebastian „von dem Kinde Jesus^^ Der Bruder schenkte
dem Infanten einige von ihm geschriebene Gebete, und sagte zu ihm
mit einer geheimnissvollen und heiligmässigen Miene, es sei gewiss,
dass der Prinz einst König von Spanien werden würde, zum Lohne
liir die Frömmigkeit und die Geduld, die er jezt schon zeige. Diese
Worte machten tiefen Eindruck auf Carl. Er trug das Manuscript
des Bruders Sebastian allezeit bei sich. Er liess es nie im Palaste,
oder auf einem Landsize zurück. So lange er ausser dem Bette war,
trug er es stets in seiner Tasche; wenn er sich schlafen legte, bekam
das Manuscript seinen Plaz unter seinem Ohrläppchen, und blieb da,
so lange er schlief. Als er wirklich König von Spanien geworden,
Ijuttc die EUmdschrift einen noch viel grösseren Werth in seinen Augen.
Er hielt jezt den Bruder Sebastian für einen wahren Ausbund jeder
Heiligkeit Als der (spätere) Bischof Eleta von Osma sich sehr für
die Heiligsprechung des Bischofs Joh. Palafox von Osma (f 1. October
1059) in Eom bemühte, ertheilte Carl IIL seinem Gesandten in Bom
den Befehl, daselbst auch die Heiligsprechung des Bruders Sebastian
/A\ betreiben. Der ungläubige und satyrische Azara war damals Minister
in llom. Das Gesuch wurde nicht rundweg abgeschlagen. In Rom
OsLOinf «pao. Kirche. HI. S. 23
lieiahigung einer Person, die der König hochschäzte, oder er suchte als -^t
guter Hofmann den persönlichen Neigungen des Königs zu schmei-
cheln, und schlug dem König einmal jene Person für einen unterge-
ordneten Dienst vor. Der König hörte den Vorschlag mit ebenso viel
Erstaunen als Freude an. Er fragte den Minister, ob jene Person
wirklich alle zu dem Amte erforderlichen Eigenschaflen besize. Es
wurde bejaht, und der König erwiederte: Ich bin Urnen vielen Dank
schuldig, dass Sie an diese Beförderung gedacht haben; denn niemals
hätte ich es gewagt, darüber mit Ihnen zu reden.
,,Stolz lieb' ich den Spanier, ** sagt ein wohlbegründetes Sprüch-
wort. „Denn der Spanier ohne Nationalstolz ist kein ächter Spanier
iiiehr.^ Dieser König der Spanier aber war gar nicht stolz.
354 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel
leitete man lange Verhandlangen ein über die Tugenden und die He
ligkeit des Bruders Sebastian, ohne alles Ergebniss. Man verlang
in Rom u. a. das Büchelchen, das der Bruder dem Könige gesehen
Darüber zogen sich die Verhandlungen in die Länge. Carl wollte sie]
von seinem Schaze nicht trennen. Anderseits konnte man zu Rom ein
Frocess nicht fortsezen^ fiir dessen Fortfuhrung alle Vorbedingung
fehlten. Im Eifer für die Ehre „seines Heiligen'^ entschloss sich ä
König, sich von seinem Schaze eine Zeit lang zu trennen. Ein Conri
sollte das Manuscript nach Rom tragen^ und nachdem dort Einsic
davon genommen wäre, es sogleich zurückbringen. Für den ganz
Weg waren die Umspannpferde bestellt. Eigenhändig gab Carl
Handschrift dem Courier, dem er am meisten vertraute. Oft und
grösster Angst beschwor er ihn, es wohl zu verwahren and bei d<
Reise hin und her auch keinen Augenblick Zeit zu verlieren.
In der Zwischenzeit stand und lag Carl wie auf Domen. Schrec
liehe Träume quälten ihn und rai^^ten ihm den Schlaf. Er wollte ta|
keine Nahrung zu sich nehmen. Das Vergnügen der Jagd, das nicht d
Krankheiten und selbst nicht der Tod seiner Kinder hatte unterbrecht
können, wurde jezt unterbrochen, weil ja die Handschrift des Brudei
Sebastian ihn auf seinen Reisen in die Wälder nicht begleiten könnt
Carl stellte sich unter das Fenster seiner Wohnung, und zahlte d
Wassertropfen, welche der Regen auf die Strasse fallen liess; von Ze
zu Zeit entrangen sich ihm tiefe Seufzer. Die Geschäfte, die Vergn
gungen, die Gespräche, die Mahlzeiten wurden unterbrochen.
Als es aber mit der Heiligsprechung des Palafox und des B
ders Sebastian nicht vorwärts gieng, geriethen der Beichtvater Ele
und der König in eine bitterböse Stimmung gegen Rom. £s fehl
nicht an Feinden der Jesuiten, die dem Könige geheimnissvoll b
deuteten, dass hier die bösen Jesuiten im Spiele seien. Inzwisclie
brach zu Madrid die Emeute des Jahres 1766 aus. Das Volk erbo
sich gegen die Ordonnanz der Polizei, durch welche das Tragen d«
grossen Hüte') und der langen Mäntel verboten wurde, welche di
Verbrechen und besonders den Mord begünstigten, und den Schuldige
ein Mittel boten, sich zu verbergen, und nicht erkannt zu werdei^
Diese und andere ähnliche unliebe Maassregeln wurden auf Rechnung
des Marquis von Squilace gesezt, welcher als Fremder und Günstlin
des Königs verhasst war.
itaiie- Nach der Entfernung des Ministers Wall — 1764 — wurde d
Mhen^ Departement des Auswärtigen dem Italiener Grimaldi übergeben. Beid
spa- Italiener hatten eine Zahl anderer Italiener in ihrem Gefolge. Zwisebe
°**°* diesen brachen Streitigkeiten, zwischen Grimaldi und Squilace brachei
') Chambergos, runde Hüte mit niedergestülpten Rändern,
Minister
Squi-
Der Minister Sqailace. 355
Eifersüchteleien aus (ähnlich der Eifersncht, welche unter Ferdinand VI.
wischen den Ministern Carvajal und Ensenada geherrscht). Keiner von
»eiden wollte dem Eonige missfallen, also auch nicht widersprechen,
rrimaldi hatte vornehme Manieren, und machte ein grosses Haus. —
quilace war unpolirt in seinem Wesen, und fast grob in seinem ge-
röhnlichen Verkehr, ohne den mindesten Anflug von Literatur oder
Wissenschaften. Er war weniger ein leitender Minister, als ein Commis.
Ir war verschlossen, und voll Angst, die Gunst seines Herrn zu ver-
eren. Stets an die strengste Sparsamkeit gewohnt, haschte er uner-
ältlich nach Geld. Er wollte seine Zukunft in Sicherheit bringen,
nd handelte eben um den Kauf einer prächtigen Besizung in Sicilien,
reiche dem Hause Alba gehörte. Als Finanzminister hatte er Abscheu
or Krieg, aus Furcht, dadurch die Quellen vermindert zu sehen, aus
enen er seinen besondern Profit schöpfte^ und wohl auch aus Sorge
ir den (Staats-) Schaz. Er war streng und unbeugsam, hatte keine
Lchtung vor der öffentlichen Meinung, in Gesinnung und Lebens-
weise war er völlig ein Neapolitaner, also in Spanien ein Fremder
eblieben.
Seine Maassregeln hatten den allgemeinen Hass auf ihn gezogen.
!r war zur Auflegung neuer Taxen und Bewilligung verschiedener lace.
[onopole geschritten. Verdienste erwarb er sich um die Entwicklung
er Manufacturen, um die Verschönerung und die Sicherheit Madrid's.
>as Tragen verborgener Waffen wurde verboten. Aber das Tragen der
reiten Hüte und der langen Mäntel ') mochte noch so gefährlich, noch
) polizeiwidrig sein ; es war einmal die spanische Nationaltracht, welche
ch mit Polizei und Gewalt nicht abschaffen liess.
Der Volkshass hätte ihn vielleicht nicht gestürzt. Aber er hatte
agen die Eifersucht der andern Minister und den Neid der Hofleute
1 kämpfen. Den Klerus hatte er sich durch Eingriffe in seine Rechte
bgeneigt gemacht. Auch der Hof von Frankreich war ihm feindlich,
ad hoffte durch seinen Sturz die Macht des ihm ganz ergebenen
rrimaldi zu erhöhen.
Am 26. März 1766 brach der Aufstand aus. Die Volksmassen a«^-
ilzten sich gegen das Hotel Squilace's, die Fenster wurden einge- gegen
orfen, die Thore angegriffen. Die Wallonen-Garden trieben die Massen *|;»-
arück, die sich unter dem Rufe durch die Strassen vertheilten: Es ^qq]
)be Spanien! Es lebe der König! Es sterbe Squilace! Das Volk griff
«r die Wallonen an, von denen mehrere, während sie die Menge be-
ihigen wollten, niedergemezelt wurden. Am 27. März erreichte der
lufruhr seinen Höhepunkt. Die fremden Gesandten umgaben den
[ünig. Dieser schritt zu Unterhandlungen. Die Unterhändler waren die
>) OapM.
23*
356 Vierzehntes Bach. Zweites Kapitel.
Herzoge von Medinaceli und von Arcos. Die Menge verlangte etormb
den Kopf des Squilace. Nach drei libr liess sich der König zu eiot
Ausgleich mit dem Volke herbei. Er erschien auf dem Balcoo d
Schlosses, versprach den Squilace zu entlassen, einen Spanier ihm zc
Nachfolger zu geben, das Verbot wegen der Hüte und Mäntel zurüc
zunehmen, den Preis des Brodes, des Oeles, der Seife und der Wk
herabzusezen, das von Squilace vergebene Monopol, die Stadt
Lebensmitteln zu versorgen, aufzuheben, und — den Aufstandisel
zu verzeihen. Ein Mönch, das Kreuz in der Hand, las die Artil
des Ausgleichs dem Volke vor, und der Konig gab jedesmal d
Zeichen seiner Zustimmung. Am Abend wurde eine allgemeine Ai
nestie verkündigt. Sogleich kehrte die grösste Ruhe zurück — al
nicht lange.
Der Konig und seine Familie verliessen, aus unbegründeter Ang
um Mitternacht den Palast, nur begleitet von einigen Garden,
obersten Bediensteten am Hofe, und von Squilace. Sie giengen
zum nächsten Thor zu Fusse, von wo sie eiligst nach Aranjuez fuhr
Auf die Kunde davon erhob sich das Volk mit neuer Wuth, da
den Vertrag für gebrochen hielt. Sie raubten Waffen, besezten (
Thore von Madrid, und Hessen Niemand sich entfernen. Die spai
sehen Truppen kämpften nicht gegen das Volk; die Wallonen \^ar
in Aranjuez, Madrid war 48 Stunden in der Gewalt des Volks. AI
Niemand wurde misshandelt. Nur an den Leichen der ermordet
Wallonen liess der Pöbel seine Wuth aus. Sie riefen stets: Es le
der König, es sterbe Squilace. Ein Hanptfahrer, ein Kutscher, \\Tir
nach Aranjuez gesandt, um die Bückkehr des Königs zu fordern. M
antwortete, der König sei in Folge doppelten Aderlasses allzu schwär
Squilace sei entlassen und Michael de Muzquiz zum Finanzminisa
ernannt. Alles sei verziehen. Wenn das Volk die Waffen nied«
lege, werde der König sogleich wiederkehren. So geschah es.
wenigen Stunden war Madrid ruhig. Von den Leitern der Beweg«
wurde aller in Schenken und an Gebäuden angerichtete Schaden va
kommen ersezt.
Dem Squilace gelang es kaum^ der Volksrache zu entfliehe
Durch leichte Cavalerie wurde er von Aranjuez nach Cartagena escc
tirt. Er schiffie sich dort mit seiner Familie nach Italien ein. Do«
bekleidete er später den Posten eines spanischen Gesandten in Venedig
§. 3.
Diesen Aufstand konnte Carl lU. nicht verwinden^ nicht vergesse
Seine sonst so friedliche Natur wurde ganz verändert. Er schäzte d<
Squilace derart, dass er öffentlich sagte, wenn er nur noch einen Bis&t
Aufstand von 1766. 357
irod hätte, würde er ihn mit SquUace theileo. Er glaubte, dass der
Luistand von verborgener Hand angesponnen, and gegen ihn selbst
lerichtet sei. Vorher v^aren kleinere Revolten in verschiedenen Städten
usgebrochen, und es war Blut geflossen ^). Carl III. wurde mehr und
}ehr argwöhnisch, nachdenklich, ein Träumer, schweigsam — und mür-
8ch. Zuerst kehrte sich sein Verdacht gegen die Franzosen. Davon wurde
r abgelenkt; Verdachtsgründe gegen die Jesuiten wurden ihm bei-
ebracht, mit welchen sich einige höhere Hofbeamte, besonders Ense-
ada, verbunden hätten. Dieser wurde vom Hofe verbannt, kehrte nicht
}ehr zurück, und wohnte in Medina del Campo, wo er in hohem
Liter starb.
Äranda, damals Gouverneur von Valencia, wurde an Squilace's
teile nach Madrid berufen. Ein Corps von 10.000 Mann wurde um
ie Stadt zusammengezogen, und die äussere Ruhe bleibend hergestellt.
)och Maueranschläge, wie:
Si volvieran los Valones
No reinaran los Borbones.
Wenn wiederkehren die Wallonen, sind ausgetrieben die Borbonen),
eigten das Fortglimmen des Feuers. Der König blieb längere Zeit in
Lranjuez, und wollte sogar die Residenz nach Sevilla verlegen. Zu-
izt sagte ihm Grimaldi, die königlichen Schlösser in Castilien hätten
nmense Summen verschlungen, zum Baue neuer Schlösser in Andalusien
ihle das Geld, und der König blieb in Castilien. Aber erst nach
cht Monaten kehrte er nach Madrid zurück.
Grimaldi, durch das Schicksal Squilace's erschreckt, überliess die
inere Verwaltung dem Aranda^ und begnügte sich mit dem Aeussern. *"»*«t«r
Sr entging so dem Argwohn des Königs und dem Hasse des Volkes,
fach ihm erhielt kein Fremder ein Ministerium. Die Finanzen erhielt
1. Muzquiz, welcher erster Commis unter Squilace war. Aranda
mrde Präsident von Castilien und General- Capitain. Viel Volk wurde
Q8 Madrid verwiesen, auch die nicht angestellten Priester. Um die
)rdonnanz über die Hüte und Mäntel durchzusezen, befahl man dem
Scharfrichter, den grossen Hut und den Mantel zu tragen.
Bei der argwöhnischen Stimmung CarFs III. war es nicht allzu-
'chwer, seinen Verdacht auf die Jesuiten zu lenken. Wegen angeblicher
i^erschwömng gegen den König Josef — 4. September 1758 — wur-
kn die Jesuiten im Jahre 1759 aus Portugal vertrieben. Am 1. Sep-
') Caxe, IV, p. Ö56— 671.
358 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
tember 1764 wurde die Gesellschaft Jesu in Frankreich aufgehoben.
Was'Pombal, Choiseul und die Pompadour durchgesezt, das getraute
sich auch Aranda zu vollbringen. Aber Carl III. hatte Pombal's
Tyrannei gegen die Jesuiten bitter getadelt.
Aranda verband sich mit Roda. Diese Beiden verbreiteten die
damals gegen die Jesuiten circulirenden Gerüchte weiter. Es hiess.
sie hätten den Aufstand in Madrid bezahlt und geleitet. Mehrere der-
selben seien, troz ihrer Verkleidung, unter den Tumultanten geschesl
worden. Man nannte den P. Ignaz Lopez aus Asturien, eines der ein-
flussreichsten Mitglieder der Gesellschaft. Man habe ihn mitten unter
dem Volke, und von Strasse zu Strasse eilend, gesehen. Das Volk
habe ja den Ensenada als Nachfolger des Squilace genannt, der er-
klärter Beschüzer der Jesuiten unter Ferdinand VI. gewesen. Dies*
war richtig, ebenso, dass er sich durch seine Verwaltung in gutem
Andenken erhalten hatte. Wenn es nicht, sagt W, Cox&y gegründettj
Anklagepunkte gab, so fehlte es doch nicht an scheinbaren Griinde
gegen die Jesuiten.
Unter dem Vor wände, die Ursachen: des lezten Aufstandes tieiei
zu erforschen, sammelten Aranda und Boda alle Berichte, welche ge
eignet waren, die Stimmung Carl's UI. gegen die Jesuiten zu vexi
schlimmem. Man legte dem Konige und dem Volk den Streit des
ehrwürdigen Bischofs Palafox sowie dessen Briefe vor, worin er über
die Umtriebe der Jesuiten in Amerika klagt; dass diese Briefe
Madrid öffentlich verbrannt worden, galt als Beweis der Schuld de
Jesuiten. Damit allein drangen Aranda und Boda nicht durch. Si
zogen den Grafen von Campomanes in ihren Bund, der damals Fisa
und (provisorischer) Präsident des Raths von Castilien war. Er gal
als unfehlbare Auctorität in allen Fragen der innem Verwaltung. Vo
ihm stammt die Sammlung der Aktenstücke über die Vertreibung dei
Jesuiten aus Spanien^).
Es wurden dem Könige Documente vorgelegt, um zu beweisen
dass P. Ravago, Beichtvater Ferdinand's VI., die Jesuiten in Amerik
ermuthigt, sich der Ausfuhrung des Grenzvertrags mit Portugal vob
Jahre 1750 und der Abtretung der Mission von Paraguai gegen Tausch
mit der Colonie von Sacramento zu widersezen. Man warf ihnen aoi-b
das Monopol des Handels mit Südamerika zum Nachtheile des Staate
') Coleccion de Providencias tomadas por el gobierno sobre el extrafiamient"
y ocupacion de las temporalidades de los reguläres de la Compania (in Spanien
hiessen die Jesaiten die „Gesellschaft'' (Jesu). Die Sammlung ist gedruckt in-
Lettres from Spi^n by Leucadio Doblado, Londres, 1822. Der Verfasser diestr
Schrift, Blanco (oder White, Weiss), war Magistral - Canonicus von San Salvador
in Sevilla. Die Ereignisse von 1808 trieben ihn nach England, wo er apostasirtc.
AoBtreibong der Jesuiten. 359
uud der Privateo vor. Ein Bericht des Vicekönigs von Peru, Manuel
Damas, behauptete, sie besässen Handelshäuser in Lima und andern
Städten, unterhielten grossen Handel mit den Indianern, bezahlten keine
Handelslicenzen, wodurch sie die andern Kaufleute erdrückten.
Bei dem F. Payons, Rector des Collegs zu Saragossa, fand man
mehrere tausend Exemplare eines geheim gedruckten Werkes, über die
Vertreibung der Jesuiten aus Frankreich, worin die Magistrate mit
Vorwürfen überhäuft, und die Person des Königs selbst angegriffen
wurde. Um die Gerüchte ihrer Conspiration gegen die Regierung
Spanien's wahrscheinlich zu machen, fingirte man einen Brief, den an-
geblich der General des Ordens zu Rom an den General-Provincial in
Spanien gerichtet, dem er befohlen. Aufstände in Spanien hervorzurufen.
Der Brief war so adressirt, dass er aufgefangen werden musste. —
Die Jesuiten verloren ihren Einfluss auf Carl HL, weil sie beschuldigt
wurden, sich der Heiligsprechung des Bischofs Johann von Palafox,
von Pnebla und dann von Osma, zu widersezen, und den lezten Auf-
stand in Madrid angezettelt zu haben^ ja, neue Machinationen gegen cariui.
seine Familie, und selbst gegen den König im Schilde zu führen. 7|'^
Vorher ihr Beschüzer^ wurde er allmälig ihr unversöhnlicher Feind, der je-
und war nach dem Vorgange Frankreich's entschlossen, sie auszu- ■°**®°*
treibei).
Die Ausfuhrung wurde in die Hand des Grafen Aranda gelegt,
der alle dazu nöthigen Eigenschaften besass. Als Präsident von Ca-
stilien entwarf er den Plan mit dem König allein. Man wusste, dass
der König gewöhnlich nur die von den Ministern vorgelegten Schrift-
stücke unterzeichnete. Aranda brachte zu dem Könige ein Taschen-
schreibzeug und Papier, damit die Jesuiten oder ihre Freunde, wenn
sie etwa ein Schreibzeug aus einem Bureau beim Könige sähen, nicht
Verdacht schöpften. Der König schrieb mit eigener Hand das Decret,
und sandte Circulare an die Statthalter der Provinzen, mit dem Auf-
trag, zu einer gewissen Stunde und an einem bestimmten Orte sie zu
eröfinen.
Als der bestimmte Moment gekommen, wurden die sechs Collegien
der Jesuiten in Madrid um Mitternacht durch Truppen, unter AnfLihrung
von Officieren der Polizei, umringt. Sie drangen ein und bemächtigten
sich der Glocken. An jede Zelle wurde eine Wache gestellt. Man
befahl dem Rector, die ganze Genossenschaft |im Speisesaale zu ver-
sammeln. Hier wurde ihnen das königliche Decret ihrer Austreibung
kundgegeben. Jedes Mitglied durfte ein Brevier, Wäsche, Chocolade,
Tabak, und was sonst zu ihrem Unterhalt nothwendig war, sowie ihr
Geld, falls sie den Betrag desselben- schriftlich angaben, mitnehmen.
Die Thüren wurden geschlossen, und sie wurden in Abtheilungen von
je 10 Personen zu den Wagen, und in denselben, die einen von den
360 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
anderu getrennt, zu der Küste geführt. Die Laienbrüder und audeic
Dienstleute der Jesuiten, wurden eine 2eit lang festgehalten, und dann
entlassen. Alles war so geschickt geleitet und schnell ausge/uhrt, dass
die Einwohner von Madrid erst am andern Tage, als die Jesuiten
schon weit entfernt waren, erfuhren, was in der Nacbc geschehen*).
Diess geschah am 31. März 1767, während das Decret ihrer Verban-
nung am 2. April (unterzeichnet), und durch den öffentlichen Ausrufet
vor dem königlichen Palaste, vor den Thoren von Guadalaxara, unter
Trommelschlag und Trompetenstössen ausgerufen wurde.
In den Provinzen wurden am 2. April alle CoUegien der Jesuiten
auf dieselbe Weise überfallen. Die Jesuiten wurden an die Küste ge-
führt, und zu Schiffe gebracht, sie wussten nicht wohin. Auf mehreren
Fregatten wurden sie nach Civita Yecchia gebracht, und dort ausgeschifft *^) .
§. 5.
Da Ganganelli besonders durch den Einfluss Spanien's Papst ge-
worden (19. Mai 1769), so suchte er sich Carl III. auf allen Wegen
dankbar zu erweisen. Der Bischof Palafox wurde als ehrwürdig (vene-
rabilis) erklärt, was sonst die Einleitung zur Heiligsprechung ist. Be-
sonders auf Andringen des spanischen Gesandten Monino (nachher
Florida Bianca) hob der Papst am 21. Juli 1773 die Gesellschatt
Jesu auf).
Da Carl III. allen über die Jesuiten verbreiteten Tendenzlüi^en
ein williges Gehör geschenkt, und von ihnen immer noch eine
Ruhestörung in Spanien gefürchtet hatte, so war er über ihre Aul-
hebung sehr erfreut, und seine natürliche Milde stellte sich wieder ein.
Der Orden hatte zur Zeit seiner Aufhebung und kurz zuvor vicK
durch Gelehrsamkeit hervorragende Mitglieder, wie Andres, Arteaga,
') Franc. Beeatini, Storia del regne di Carlo III. , de Borbone, re dclh:
Spagne; Venezia, 1790 — S\ p. 238—239. — W. Coxe, V, 6—10. — DasDccrer
der WegfÜhmng wurde vor dem der Verbannung nnterzeichnet.
^) Für das üebrige, was ausserhalb Spanion's geschah, besonders die Am
Hebung der Gesellschaft Jesu, müssen wir auf die allgemeine Kirohengeschichte vci-
weisen. Ich berichtige hier meinen Irrthum in MöMer's Kirchengeschichte, dass der
s. g. Aufstand der Hüte gegen Aranda (und Alba), statt gegen Squilacc, gerichtet
gewesen. Die dort angeknüpfte Vermnthong über den eigentlichen Grund der Ver-
bannung scheint eben nur eine Hypothese zu sein. Die oben angegebenen GrüiMlc
waren wohl hinreichend, um den König zu seinem Entschlüsse zu bringen. Uo^<
die verschiedenen Schicksale der Jesuiten in Spanien seit 50 Jahren (17(;6 — isji
s. Am. de la Religion et du Roi — nr. 800, daraus in: der Katholik, 182 J, Bd. V.
Beilage nr. IX.
*) Journal historique et politique de 1783, voll. II, p. 87, ann. 1784, I, p. 17 >.
VerbaDuuDg der Jesuiten. 361
Aymericfa, Burriel^ Cerda, Colomes, Eximeno^ Isla, Lampillas, Lasala,
Masden, Montengon, Nuix, Serrano*).
In der pragmatischen Sanction vom 2. April 1767, welche die
Vertreibung der Jesuiten und die Einziehung ihrer Güter verordnete,
erklärt der König, dass die Beweggründe zu diesen Beschlüssen in
seinem königlichen Herzen verborgen bleiben, eine Geheimnissthuerei,
worüber selbst d*Alembert in einem Briefe an Voltaire vom 4. Mai d. J.
spottet. Carl verbietet, für oder gegen das Edict zu schreiben oder zu
reden. Er legt seinen Unterthanen Stillschweigen auf. Die Uebertreter
sollen als Majestätsverbrecher bestraft werden (Art. 16). Er erklärt, dass
er bei der getroffenen Maassregel nur dem Drange seiner königlichen Milde
folge (Art. 2). Wer immer den Anschlag machen würde, dass die
Jesuiten nach Spanien zurückkehrten, würde als Störer der öffentlichen
Rohe behandelt werden.
Den Priestern des Ordens wurde eine Pension von lOO^ den Brü-
dern von 90 Piastern zugewiesen. Sie würden die Pension verlieren,
wenn sie den Eärchenstaat verliessen, sich durch Reden oder Schriften
verfehlten. Ja — sie sollten alle zugleich ihre Pension verlieren, wenn
eines ihrer Mitglieder, unter dem Vorgeben einer Apologie, Schriften
ausgäbe, welche dem Respecte vor dem Willen des Königs zuwider
wären. Der Briefwechsel der Spanier mit den Jesuiten wurde aufs
Strengste verboten. Die Uebertreter sollte schwere Ahndung treffen«
Selbst ein säcularisirter Jesuit dürfe ohne Erlaubniss nicht zurückkehren;
wer sie erhielte, müsste versprechen, mit den Jesuiten keine Gemein-
schaft zu unterhalten. Selbst in diesem Falle sollte er keine geistliche
Handlung vollziehen dürfen. Die Novizen, welche den Professen folgen
wollen, erhalten keine Pension.
Joachim Navarro, Rektor des kaiserlichen CoUegiums, wurde ge-
fragt, ob er sich den Befehlen des Königs unterwürfe. Er antwortete:
„Wir sind bereit, nicht nur die Landesausweisung, sondern noch weit
grössere Leiden, zum Beweise unserer Ehrerbietigkeit und Unterwerfung
gegen den König, zu erdulden.^
Unter den Vei'bannten befand sich Peter von Calatayud, ein in
ganz Spanien bekannter Missionär, ein apostolischer Mann, schon
78 Jahre alt. Er hatte viele Andachtsbücher geschrieben. Neben ihm
ragten hervor Franc. X. Idiaquez, Herzog von Granada (Gandia?), ein
Mann von grosser Gelehrsamkeit, Josef Pignatelli, Graf von Fuentes,
Anton« Moijirino, der Mann des Vertrauens bei König Ferdinand VI.,
Gabriel Busemart, 80 Jahre alt.
Es gab in Spanien 118 Häuser. Auch die Jesuiten in Amerika
*) Sempere, Biblioteca de los majores escritores del reynado de Carlos III.,
Madr. 178ö— 1789, 6 vol. S\
362 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel
und Indien traf später gleiches Schicksal. Die Missionen in Pata-
gonien und Paraguai zerfielen. Man schazte die ganze Zahl der spa-
nischen Jesuiten auf 5000.
Den 13. Mai kam das erste Schiff mit 850 Jesuiten zu Civita
Vecchia an. Die Republik Genua bot sich an, sie* in Corsica aufzu-
nehmen. Sie segelten dorthin ab, nachdem sie sechs Monate auf dem
Meere herumgeirrt waren. In Ajaccio erhielten sie das bischöfliche
Seminar als Wohnung. Auf das rührende Schreiben Clemens XIII.
vom 16. April gab Carl III. am 2. Mai eine kurze abweisende Ant-
wort. Ein Bericht des Raths von Castilien wurde gedruckt, worin
u. a. gesagt wird; „dass der Papst, indem er für die Jesuiten Fürbitte
einlege, sich in eine Sache mische, die ihn nichts angehe; dass, wenn
der König Seiner Heiligkeit die gegen die Jesuiten ergriffene Maass.
regel mitgetheilt, diess bloss ein Act der Höflichkeit gewesen sei, und
dass das Breve vom 16. April verdient hätte, zurückgeschickt zu werden.
Diese Sprache war in Spanien neu. Aber vom Jahre 1766 an
hatten die Kirchenfeinde Oberwasser^ und mit geringen Unterbrech-
ungen seit einem Jahrhundert die Gewalt. Am 16. September und
21. October 1767 erliess der Rath von Castilien zwei Befehle. Nach
dem ersten sollten die Jesuiten^ welche sich in Rom hatten säculaiisiren
lassen, dann aber aus Corsica nach Spanien zurückgekehrt waren, aufs
Neue verhaftet und an die Grenze gefuhrt werden. Würden sie ohne
Erlaubniss zurückkehren, so seien sie als Staatsverbrecher zu behandeln.
Nach der zweiten Verordnung, welche öffentlich ausgerufen wurde, sollte
jeder Jesuit, der ohne Erlaubniss des Königs Spanien wieder beträte,
als Verwiesener, wenn er die Weihen noch nicht empfangen, mit dem
Tode, im anderen Falle mit ewigem Gefängnisse bestraft werden. Die,
welche ihm zur Rückkehr verhalfen, und Andere, welche um die Rück-
kehr gewusst, sie aber nicht angezeigt hätten, sollten als öffentliche
Ruhestörer behandelt werden.
Im Kirchenstaate befanden sich bereits die Jesuiten aus Portugal.
Wie sollten die 5000 Jesuiten aus Spanien dort Nahrung finden? Den-
noch zwang die Noth, sie aufzunehmen, und sie wurden in die ver-
schiedenen Städte vertheilt, wo sie sich die Anerkennung aller Stände
erwarben. Durch ihre gelehrten Arbeiten thaten sich hervor: Johan.
Andres, Faustin Arevalo, Franc. Gusta, Laurent. Hervas, Franc. Josef
Isla, Johan. Franc. Masdeu, Johann von Ossuna, Josef Pons, Carl de
la Serna Santander u. a. m.
Die Verbannung der Jesuiten aus Spanien dauerte 30 Jahre; die
Meisten derselben waren gestorben. Die noch Uebrigen erhielten im
Jahre 1799 die Erlaubniss, zurückzukehren; unter ihnen waren Masdeu
und Serna-Santander. Fast alle kehrten zurück. Sie mussten ihren
unversöhnlichen Feinden zum zweiten Male weichen. Man schien sie
Die Jesuiten im neunzehnten Jahrhundert. 363
nur darum zurückberufen zu haben, um sieb das Vergniigen zu machen,
sie wieder zu vertreiben.
Durch Decret vom 29. Mai 1815 erklärte Ferdinand VII., dass
er, um den Wünschen vieler Stände und Städte zu entsprechen, den
Jesuiten ihre CoUegien, Häuser und Missionen zurückgebe. Ihre Auf-
hebung sei nur eine Folge der Eifersucht und des Parteigeistes ge-
wesen; sie hätten nur die Feinde des Staats und der Obrigkeit zu ihren
Gegnern; sie hätten besonders in der Erziehung der Jugend unschäz-
bare Dienste geleistet. Mehrere Jesuiten, u. a. der gelehrte Faustin.
Arevalo, kehrten damals zurück. Im Anfange des Jahres 1817 hatten
sie schon 43 Häuser. Am 29. Mai 1816 wurden sie mit grosser
Feierlichkeit in Mexico wieder eingeführt.
Durch Beschluss der Cortes vom 15. August 1821 wurden die
Jesuiten auf das Neue unterdrückt. Sie besassen damals 12 CoUegien
und 16 Convente. Bei den folgenden Revolutionen waren sie gewöhnlich
unter den Ersten, welche vertrieben wurden.')
§. 6.
Konig Carl III. war nach dem Aufstande des Jahres 1766 ein
ganz anderer gegen die Kirche, als er vorher gewesen. Schon am
18. Januar 1762 waren zwei pragmatische Sanctionen erlassen worden,
welche die Privilegien der religiösen Institute sehr beschränkten und
den Rechten des römischen Stuhls nahe traten« In der ersten be-
schwerte sich der König, dass die Verkündigung von Bullen und
Rescripten Rom's allzuoft die öffentliche Ruhe gefährdet hätte. Er
gebietet, keine Bulle und kein Bescript von Rom vor deren Prüfung
durch seinen königlichen Rath anzunehmen. Auch die Rescripte, welche
an Privatpersonen ergiengen, sollten ebenso behandelt werden, mit Aus-
nahme der Breven und Dispensen der Poenitentiarie« Die zuwider-
handelnden Prälaten imd Priester würden ihre Temporalien und ihr
Heimathsrecht verlieren und unfähig sein, ein anderes Bisthnm zu be-
sizen. Die schuldigen Laien sollten eine Geldbusse von 2000 Ducaten
bezahlen, und ihr Amt verlieren, könnten sie nicht bezahlen, so sollten
sie vier Jahre in einer Festung Afrika's büssen. Die Beamten, welche
sich der Ausführung dieser Pragmatik widersezten, sollten die Halfle
ihres Vermögens verlieren, und zehn Jahre Gefangene in Afrika sein.
Der König behielt sich vor, nach seinem Wohlgefallen jeden Einwohner
jeden Ranges zu verbannen, der ohne erhaltene Erlaubniss eine Bulle
') Ami de la Rilig., nr. 800 — „Katholik« v. 1822, nr. IX. Beil., p. 31~il.
PölüZ' Zimmer, Weltgeschichte, 111, Abth. 2, S. 31.
364 Vieraehntefl Buch. Zweites Kikpitel.
oder ein Breve in Vollzug gesezt. Die Bischöfe, Richter, Statthalter,
müssen sogleich diese Pragmatik beobachten, welche am 21. Januar
1762 zu Madrid verkündigt wurde. Das Gesez ist vom Secretär des
Ti'r klu ^^"'g^ "°d fünf Käthen unterzeichnet. Unter diesen ßathen figurirt
ijpainio. Didacus de Koxas y Contreras, Bischof von Cartagena (1750 — 1772).
So weit kommen Bischöfe als hohe königliche Beamte, dass sie dem
Könige geben, was Gottes ist. „Es scheint, dass ein Bischof sich
wohl davon hätte dispensiren können^ seinen Namen unter ein Gesez
zu sezen, das mit solchen Strafen droht." ^) — Der zweite Erlass,
genannt „Cedula", verbietet dem Generalinquisitor, irgend ein Edikt
in Folge einer Bulle oder eines Breves von Kom zu verkündigen, ohne
die Kenntnissnahme desselben durch den König oder Staatssecretär.
Handle es sich um das Verbot von Büchern, so dürfe man das Breve
durchaus nicht beifugen. Man dürfe kein Decret des Index ohne die
Erlaubniss des Königs kundgeben. Vor der Verurtheilnng eines Buches
müsse der Verklagte gehört werden.
Der Jansenist Fr. Phil. Mesengui hatte zuerst im Jahre 1744 seine
„Exposition de la doctrine chretiene" herausgegeben. Durch Decret des
römischen Index wurde das Werk im Jahre 1757 verworfen. Da das
Buch weiter verbreitet und übersezt wurde, so wurde es durch Breve
vom 14. Juni 1761 feierlich verboten.*) Man sagt, dass Carl III. durch
dieses Decret sehr beleidigt war^ weil er gewollt, dass man sich des
Katechismus von Mesengui zum Unterrichte seines Sohnes Carlos be-
dienen solle. Das Breve vom 14. Juni 1761 war durch den Gross-
inquisitor Manuel Quintano Bonifaz am 9. August publicirt worden.
Erbittert darüber verbannte ihn Carl III. auf ein Jahr. Der König
wollte nicht zugestehen, dass er Air den Unterricht seines Sohnes ein
häretisches Buch bestimmt habe.^ So entstand die „Cedula" vom
18. Januar 1762.
§• 7.
Dia droi Nachdem Papst Clemens XIII. Eenntniss von diesen Erlassen er-
Bchen ^^^^^9 80 schrieb er am 15. Januar 1763 an die drei spanischen Cardinäle,
cardi- L. Ant. Fern, de Cordova, den Erzbischof von Toledo, Bonav. de
Jahre" Lacerda, Patriarchen von Westindien, und Franc. Solis Folch, Erzbischot
1763. von Sevilla. Er erinnerte sie an das im Jahre 1737 geschlossene Con-
cordat, das durch diese neuen Pragmatiken vernichtet worden, welche
') Picot, mömoireB. IV, p. 127.
*) Bullar. Clementis XIIL, t. II, p. 132. — Picot, TV,, p. 67-70.
') Ghizette de Madrid, v. 8. Dec. 1761; Gazette de France, v. 26. December.
Nottvellec ecclösiastiqnes, vom G. Februar 1762.
Clemens Xlfl. und Carl III. im Jahre 1768. 365
die wesentlichen Rechte des heiligen Stuhles antasteten. Sie mögen
dem Könige und den Ministern Vorstellungen machen und ihnen zeigen^
dass sie durch die Feinde des heiligen Stuhls betrogen worden. Der
Nuntius L. Op. Pallavicini, Erzbischof von Lepanto, sollte sich mit
ihnen darüber verständigen'). Der Papst schrieb selbst an den König
(und dessen Mutter?) — am 2. Juni 1763. Sicher ist, dass leztere
dem Papste meldete, Carl IIL habe durch ein Decret vom 5. Juli 1 763
seine Ordonnanzen zurückgenommen. Es wäre darum nicht nothwendig
gewesen, dass sie als Vermittlerin in dieser Sache Dienste geleistet;
der König sei durch eigne Bewegung zu seinem Entschlüsse gekommen.
Der Papst dankte durch ein Schreiben vom 4. August 1763; er bezeugt
seine Freude über diese Zurücknahme, und spricht herzliche Wünsche
für das Wohl der Königin und ihres Sohnes aus''). Durch seinen
damaligen Gesandten D. Manuel de Roda, liess Carl III. ein sehr
ehrerbietiges Schreiben übergeben. Am 28. Juli 1763 antwortete
Clemens XIII. u. a.: „Wir haben keinen Augenblick zögern können,
Eurer Majestät Unsern lebhaftesten und grössten Dank inr eine solche
Wohlthat auszusprechen, die Sie der Kirche und mithin Uns, die Wir
ihr vorstehen, erwiesen haben. Könnten Wir bei Eurer Majestät sein,
um Sie zu umarmen, und tausendmal zu segnen wegen Ihrer heroischen
Frömmigkeit und Beligiosität, da Sie, in Unserer armen Person die
apostolische Stimme des Fürsten der Apostel achtend — Unsern Bitten
vorgekommen sind, Unsre Besorgnisse beruhigt, die Kirche mit Jubel,
mit Glanz und mit Ruhm erfüllt haben. Gestatten Sie somit. Eure
Majestät^ dass Ihr geistiger Vater und Oberhirte in den liebevollsten
Worten seiner väterlichen Zärtlichkeit ausrufe, und gestehe: Sie sind
seine Freude und seine Krone; in Ihnen findet er seinen Trost und
seine Stärkung in jenen stürmischen Flnthen, von denen sein so be-
drängtes Pontificat bewegt ist.^ In einem Handschreiben vom 16. Au-
gust versicherte Carl III. in ähnlichen zärtlichen Ausdrücken den Papst
seiner ganzen Anhänglichkeit und Verehrung').
§. 8.
Die Königin Elisabeth starb nach einem Wittwenstande von
20. Jahren zu Aranjuez am 11. Juli 1766, in dem 74. Jahre ihres
') Bvilar. Clementis XIIL, t. 11^ p. 330. Roscoväny, Monnmenta catholica
pro independentia potestatis ecclesiasdcae ab imperio civil!, 2 1., 1847, 1. 1. p. 300—301.
«) BuOar. II, p. 390.
') Picot, memoirea, t. IV, Par., 1853^ p. 126—128. — Theiner, Geschichte
des Pontificats Clemens XIV., Leipz., 1853,' 1, p. 42—43. — Weder Picot noch
Theiner theilen das königliche Edict vom 5. Jnli 1763 mit.
ri-
366 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Alters. Sie sah zwei ihrer Söhne auf dem Throne von Spanien, einen
auf dem Throne von Neapel, einen als Herzog von Parma, einen Enkel
auf dem Throne beider Sicilien. Sie sah auch einen ihrer Sohne als
Cardinal. Ihre Hoffnung, ihn auch als Papst zu sehen, wurde durcli
ihn selbst vereitelt Obgleich er viele Jahre Cardmal, und Erzbischof
von Toledo und Sevilla gewesen, empfing er die heiligen Weihen nicht.
Darum weigerte sich Papst Benedict XIV., ihm noch femer die Ein-
künfte beider Erzbisthümer zu lassen, und er musste resigniren. Im
Kin Ex- Jahre 1754 schrieb der „Cardinal" Luis Bonrbon dem Papste n. a.:
cArdinaL ^jy^ ^^ q^^^ Wohlgefällig ist, dass ich ihm in dem weltlichen Stande
den schuldigsten Dienst und Gehorsam leiste, so folge ich meinem Be-
rufe, und bitte Eure Heiligkeit, mir die nöthige Dispensation zu er-
theilen, und zu erlauben, dass ich Ihnen den Hut, womit Sie (?) mich
beehrt haben, zurücksende." etc.
§. 9.
Der Papst hielt ein geheimes Consistorium am 18. December
1754. Der Minister Cardinal Portocarrero fuhr mit vielen Bedienten
und einem Gefolge von 28 Prälaten nach dem Quirinal. Darunter war
Negroni, der in einer prächtigen Chaise den Cardinalshut auf einer
silbernen Schale trug. Der Hut wurde im Quirinal auf einen kleinen
Tisch gelegt. In Gegenwart von 30 Cardinälen sass der Papst auf
seinem Throne, und hielt eine Ansprache. Der Consistorialadvocat
Negroni bat um die Erlaubniss, den Hut sammt den beiden Erzbis-
thümern niederlegen zu dürfen. Der Papst fragte die Cardinäle: Was
dünket Euch? Dann nahm er die Verzichtleistung an, und ernannte
zugleich den L. A. Fernandez de Cordova zum Cardinal und Erz-
bischof von Toledo.
Der Infant erschien am 2. Februar 1755 in weltlicher Kleidung
am Hofe, den Degen an der Seite. Er erhielt von seinem Bruder hohe
Ehrenämter.') Er heirathete am 28. Januar 1776 eine Norwegerin.
Maria Teresa de Yillabriga y Drummond. Mit dieser unebenbürtigen
Ehe war Carl III. unzufrieden. Er verbannte seinen Bruder nach Areuas
de S. Pedro in Estremadura. Er verbot, dass seine drei Kinder, ein
Sohn und zwei Tochter, den Namen „Bonrbon** fiihren; sie wurden
also „Villabriga" von der Mutter genannt. Carl IV. erlaubte ihnen,
den Namen Bourbon anzunehmen. Sie wurden unter der Aufsicht des
Cardinais Lorenzana in Toledo erzogen, der Sohn in dem erzbischöf-
lichen Palast, die Töchter in dem Kl98ter von San Clemente. Jener
') Lebensgeschichte aller Cardinäle des achtzehnten Jahrhnnderts , Ul
p. 169 — 170.
Conflikte in Folge der Verbannang der Jesuiten« 367
wurde Cardinal von Toledo^ war also Luis IL de Bourbon als Car-
dinal und Erzbischof. Eine Tochter heirathete den Friedensförsten,
die zweite den Herzog von San Fernando. Der Excardinal starb zu
Arenas am 7. Aug. 1785.')
§. 10.
Carl III. selbst war seit 9. Mai 1738 mit der Prinzessin D. Maria
AmaUa von Sachsen verheirathet. Aus dieser Ehe giengen u. a. die
Infanten Philipp Caspar, geb. 1747, und D. Carlos, geb. 12. November
1748 hervor. Da jener von der Thronfolge ausgeschlossen wurde, so
empfing D. Carlos (IV.) am 19. Juli 1760 die Huldigung als Prinz
von Asturien. — Der Infant Ferdinand wurde König von Neapel. Im
Ganzen gebar die Konigin sechs Söhne und sieben Töchter. Kurze
Zeit nach ihrer Ankunft in Spanien verfiel sie einer unheilbaren Krank-
heit. Sie starb schon am 27. December 1760, bevor das erste Jahr
ihrer Ankunft in Spanien voriiber war, noch nicht 36 Jahre alt.^)
Carl in. aber blieb im freiwilligen Wittwenstande vom Jahre 1766 bis
1788, wie versichert wird; aus Liebe zu seiner ersten und einzigen
Gemahlin.
§. 11.
In Folge der Austreibung der Jesuiten entstand unter dem Klerus,
und selbst dem Episcopate nicht geringe Zwietracht. Die einen stellten
sich auf die Seite der Verfolgten, die andern auf die Seite der Ee-
gierung. Es zeigte sich hier, was wir mehrfach angedeutet^ dass der
spanische Episcopat und Klerus der weltlichen Regierung als einer
unfehlbaren überall zu secundiren pflegte, und dadurch die Unabhängig-
keit der Kirche aufheben half. Nach der Vertreibung der Jesuiten bJ«c*»ö«9
wurde eine besondere Staatsjunta eingesezt, um die aus der Vertreibung ,» mr
rcsultirenden Maassregeln zu berathen. In ihr sassen Erzbischöfe und ^^^ ^'
Bischöfe , u. a. der Erzbischof Rodriguez de Arellano von Burgos jemiten
(1764 — 1791), Saenz de Burruaga von Saragossa (1768 — 1777), die
Bischöfe Jos. la Plana y Castellon von Tarazona (1766 — 1795), Josef
Tornao von Orihuela (1767 — 1790), und der Bischof Josef Molina von
Albarracin (1765 — 1776). Bischöfe in andern Ländern wären vielleicht
nm ihres guten katholischen Rufes willen nicht in einer solchen Commission
gesessen. Man versuchte es eine Zeitlang, die Jesuiten als Jansenisten
') Mariana- 8abau, XX, p. 433. — Parro, Toledo en la mano, I. p. 848.
») Fhrez, Reynas, II, p. 1041 — 1056.
368 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
za verdächtigen. Flugschriften gegen die Jesuiten, geschrieben von
geistlicher und weltlicher Hand, durchflogen Spanien.^) Verschiedene
Bischöfe gaben „terrible" Hirtenbriefe^) gegen die Jesuiten heraus,
wiederholten die pragmatische Sanction (vom 2. April 1767) und lobten
sie. Die Bischöfe (und Ordensobern) erhielten aber von der Regierung
am 23. October 17G7 den strengen Befehl, die Widerspenstigen, be-
sonders die Nonnen^ zum stricten Gehorsame gegen die Erlasse des
Staates zurückzuführen. Sie mussten den Empfang dieses Befehles d( t
Regierung anzeigen^), und ihr eine Abschrift ihrer hierüber erlassenen
Hirtenbriefe und Ermahnungsschreiben einsenden. Die Unterlassun;:
dieser Pflicht, hiess es, werde nicht mit Gleichgiltigkeit hingenommeu
werden, da hiebei die Religion ebenso wohl, als der Staat, betheiligt sei ^).
Im Allgemeinen war die Abneigung gegen die Jesuiten in Amerika
wohl grösser, als in Spanien selbst. Streitigkeiten ^ welche durch die
Stirn- Exemtionen derselben entstanden, hatten Missstimmung erzeugt. Der
™"°' Erzbischof Lorenzana von Mexico, und der Bischof Fabian y Fuero
gegen ' J
die jo- von Puebla (1765 — 1773) fahrten in ihren Hirtenbriefen besonders eiue
*°JJJ.j° harte Sprache gegen die Jesuiten. — Die Obern der Orden erhielten
ka- Befehl, die Nonnen zu bestrafen, welche angebliche Offenbarungen über
die baldige Rückkehr der Jesuiten verbreiteten. Jesuitenfrennde waren,
oder galten als solche, u. a. der Cardinal von Toledo, Ludvrig von
Cordova, und sein Generalvicar.
An seinem Geburtstage (20. Januar 1768) erschien Carl IIL aut
dem Balcon seines Schlosses zu Madrid, bereit, dem Volke irgend eine
von ihm erbetene Gnade zu gewähren. Als das Volk mit lauter Stimme
die Bückkehr der Jesuiten begehrte, zog sich der hierin ganz «Der-
bittliche Carl III. verblüfft in seine innern Gemächer zurück. Mau
redete ihm ein, der Cardinal von Toledo und sein Generalvicar habm
das Volk aufgehezt; diese erhielten Befehl, Madrid sofort zu verlassen.
Als Anhänger der Jesuiten galten noch der Erzbischof Joan. Lario }
Lancis von Tarragona (1764 — 1777) und dessen Generalvicar. — AI?
die Nonnen über den Verlust der Jesuiten, als ihrer Beichtväter Idagtcii.
so erhielten sie die eifrigsten Anhänger der Jesuiten aus dem Welt
klerus als Beichtväter. Die Auiregung in den Frauenklostern stit <:.
und verbreitete sich über dieselben hinaus. Die Regierung schritt mit
*) ha Fuente wirft dem berühmten Henr, Fhrez vor, er habe eine „Del.i< lo;.
de la doctrina de los intitnladoB Jesnitas contra el dogma y la moral poi- •'
i>. Fernando Huidobro y Velasco*^ (es war diess sein zweiter Name und '/■
name?) Madr., 1768, heransgegeben, und verweist dabei auf dessen Biogra}i '
von P. Franc. Mendez.
«) Fuente, VI, p. ^'0.
') „aviso del recibo** geben.
*) Thein^, I, p. 65—67.
Aofregang ia Folge der Verbannung der Jesuiten. 369
scharfen Drohnngeo und Maassregeln ein. Die angedonnerten Nonnen
lenkten ein; sie kehrten (nach Theiner) ohne Schwierigkeit zn ihrer
frühem Einfalt und Nüchternheit zurück , ,,nnd ihre Oberinnen ent-
hüllten selbst in rührenden und interessanten Geständnissen der
Regierung alle — — Kunstgriffe, womit diese unwissenden Priester
das Gewissen derselben getauscht, ihren Aberglauben genährt und
ihre Phantasie crhizt hätten.^ ') Auf solche Geständnisse hin er-
hielten natürlich die Nonnen, die doch mit ihren Prophezeiungen
die Lieute aufgeregt hatten, den Generalpardon der Regierung, die
Freunde der Jesuiten vom Weltklerus mussten als Sündenbocke
figuriren,
Isidor de Garvajal y Lancaster, Bischof von Cuenca (1760 — 1771), b*«^»'
trat als eifrigster Vertheidiger der Jesuiten und der kirchlichen Interessen y i.«„.
überhaupt hervor. Namentlich wogen des neu eingescbärilen konig- ^^^^^''
lieben „Pase^ fiir die päpstlichen Erlasse schrieb er einen Brief an jo^ui.
den Beichtvater Carl's HL, Jo. Eleta, worin er u. a. sagt, dass das Reich <""
verloren sei, dass es kopfüber seinem Ruine entgegenstürze, wegen der
Verfolgung, welche die Kirche erleide. P. Eleta zeigte den Brief dem
Konige. Der schlaue Manuel de Roda rieth dem König, er möge den
Bischof fragen, welches die Verfolger imter den Ministern, welches die
geplünderten Kirchen, und die über den Haufen geworfenen Immuni-
täten seien. Der Bischof merkte, wohin die Fragen zielten, und ver-
schob die Antw^ort — wegen seiner hosen Gesundheit. Der König aber
drang weiter in ihn, und der Bischof führte als Beschwerdepunkte die
vielen Lasten an, die dem EJerus aufgebürdet seien^ die Beschränkung
des kirchlichen Asyls, die Versuche, die Zunahme der kirchlichen Ein-
künfte und den Zuwachs des Klerus überhaupt zu verhindern, das
Decret, womach jede Bulle dem königlichen Rathe vor ihrer Verkündi-
gung vorgelegt werden müsste, zulezt die Geringschäzung, mit der man
in einigen damals erschienenen Schriften von dem Papste und den
Jesuiten redete. Ueber diese Briefe des Bischofs sass der Rath von
Castilien zu Gerichte. Gerichts- Fiscale waren Campomanes und Florida-
bianca. Ihre Instruction des Processes enthielt die fortgeschrittensten
Doctrinen des Regalismus, sie war gleichsam das „Vademccum^ der
regalistischen Schule. Der Rath nahm ihre Vorschläge an, man befahl,
es sollen die Briefe des Bischofs und deren Abschriften saisirt werden, ^f^dror
Der Bischof wurde vor den hohen Rath citirt, um wegen seiner Invec- denuntti
tiven Verweise in Empfang zu nehmen. Eine königliche Cedula er- ^tino*
gieng an alle Bischöfe, die sie von dem unklugen Vorgehen des Bischofs citirt.
von Cnenca in Kenntniss sezte, welches, wie man erwartete, bei allen
') ITiHneri I. p. 66.
Oauu, «p»o. Kireh9. XIU 9,
24
370 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Bischöfen MisabilligUDg finden werde. Der Konig werde die Vor-
Stellungen der Bischöfe wohlwollend aufnehmen, wenn dieselben wahr-
heitsgetreu, gemässigt, mit gebührendem Respecte vorgebracht würden.
Kein anderer Bischof wollte sich nunmehr der bittem Censur eines
Fiscals aussezen; sie schwiegen.') Die Frommen betrachteten den
Bischof von Cuenca als einen Bekenner des Glaubens, und seine Haltang
galt als Vorbild für katholische Bischöfe.
§. 12.
Als besonders durch das gewaltthätige Eingreifen Carl's in. unJ
seines Gesandten Monino die Jesuiten am 21« Juli 1773 anfgehoben
wurden, mutbete der König seinen Bischöfen zu, das Geschehene zu
beloben — durch passende und beistimmende Hirtenbriefe. Am 2. Sep-
tember (1773) erhielt er das Aufhebungsbreve und i^war vor Freude
spani. ^uss^i' sich.^ Es wurdc im lateinischen Texte mit spanischer lieber-
Rcb« Je- sezung kundgegeben. Am 16. September befahl Carl III., es in allen
'^m° Staaten seiner Monarchie zu verkünden. Am ]. October wurde das
Kirchen- päpstlichc Brcve an die Bischöfe versandt. — Von jezt an erhielten
■tiuto. ^-^ 1^ Kirchenstaate wohnenden spanischen Jesuiten eine regelmässige
Pension, mussten aber vorher die Annahme des Breve ihrer Aufhebung
unterzeichnen. Viele, die diess zu thun verweigerten, erhielten keine
Pension ').
In Folge seiner diessfalsigen Verdienste wurde Monino, der nur
177;^ — 1774 in Rom gewesen, Bath am Gerichtshofe von Castilieo und
Graf von Florida -Bianca. Die spanischen Bischöfe (sagt Tkeiner) be-
eilten sich, das Auiliebungsbreve bekannt zu machen, und „begleiteten
es mit wahrhaft rührenden Pastoralschreiben^. Am meisten zeichneten
sich hierin die Cardinäle Solis und Lacerda, der Erzbischof von Valencia,
') La Fuentef Vi, p. 8i>8j. — Trülon Mttnnoz, Obispos de Caenea, Ca.
1860, sagt, er habe troz allen Nachsachens die gediegene Denkschrift des Bischuts
für die Jesuiten nicht auffinden können, p. 386.
*) CretineaU'JoUy^ Clemens XIV. und die Jesuiten. Histoire de la Com*
pagnie de J^os, t. I, p. 145—413, Paris, 1815. — Themer, I. c. 1. 1. paasim. —
Ficot, Mtooires, t IV, 1855, p. 236— 24 1. — C. Riffel, die Aufhebung des Jeauiren-
Ordens, 3. Aufl., Mains, 1855, S. 172, 179 sq. *- W. Coxe, 17, 185 sq. — Juicio
imparcial aobre el extrafiamiento de loa Jeauitaa, v. Abate Hermoso (was 1845 nodi
nicht edirt). Im Jahre l8o7^l868 edirte Fuente eine Reihe von Artikeln, und gab
aie geaammelt heraua. Ihm antvrortete Ferrer dd Rio, worauf Fuente replicirte
in : La oorte de Carlos III. -- £r selbst ISsst in seiner Kirchengeschichte, auf
p. 74—79, den Engländer W. Coxe reden. — Aug. Carayon, 8. J., Charles lll.,
9t \^ i^eauitea .... documenta inöd., Pari% 1868.
MoDino als Graf von Florida -Bianca. 371
Franc. Fabian y Faero, der Bischof vou Cartagena, Manuel Rnbin de
Celis, sowie der Bischof Luc. Ramirez Galan von Tnj, bis 1771 Erz-
bischof von Bogota, aus *).
§. 13.
I
Neben dieser grossen Concession an Carl III. concedirte ihm
Papst Clemens XIV. mit vollen nnd offenen Händen noch manches
Andere. Ein concordirtes Breve vom 26. März 1771 stellte bei Er-
richtung des Tribunals der Bota der spanischen Nuntiatur den Grund-
saz auf, dass kirchliche Rechtssachen in Spanien selbst entschieden
werden müssten. Carl III. erlangte auch den entscheidenden Einfluss
anf die Bestellung der Richter der Rota. Es war also, wie die In-
quisition, ein königliches Gericht mit kirchlichen Formen. So hatten
es die Regalisten Dom, Pimentel und Joan. Chumacero im siebzehnten
Jahrhundert gewollt*). Die bisherige Gerichtsbarkeit des Auditors der
Nuntiatur hörte damit auf. Die Rota der apostolischen Nuntiatur war
vom Nuntius durchaus unabhängig. Die sechs Richter der Rota wurden
vom Könige präsentirt. Auch der Uditore der Nuntiatur soll künftig
ein Spanier und dem König angenehm sein, ebenso der Fiscal und der
Abbreviator. Der Nuntius war so ein Fremdling unter seinen Leuten.
Das Breve wurde erst am 26, October 1773 promulgirt*). Der
königliche Rath sollte die dienlichen Maassregelu für die Einrichtung
des Tribunals treffen. Für diese gefährliche Neuerung , welche den
kirchlichen Einfluss ganz verdrängte, sprach Clemens XIV. am 8. Sep-
tember 1774 dem Könige seinen innigsten Dank aus^), vierzehn Tage
vor dem Tode des Papstes. Er hatte das Seinige gethan^ um den
Primat der Jurisdiction des römischen Papstes in Spanien zu einem
Primat der Ehre zu degradiren.
Auch ein concordirtes Breve über die Rs^uction der Asyle hatte
derselbe Papst am 12. September 1772 erlassen^), nachdem die frühem
Päpste schon die grössten Concessionen hierin gemacht Von nun an
sollten in jedem Bisthum nur noch ein, höchstens zwei heilige Orte
das Asylrecht haben. So war dieses Recht auf ein Mmimum reducirt.
^) Den Hirtenbrief des leztern vom 26. October 1773 im spanischen Original
theilt Theiner mit, II. p. 888—389.
') Ckileccion, p. 2S9— 2ü0. — Das Breve spanisch und deutsch bei Hetgen-
röther, Archiv, XL, Beil. B, p. 395 — 401.
») Ley I, tif. 6, L. II, Nov. Reoop. Coleccion, p. 279-280, 291.
^ Theiner, Epistolae Clement. XIV., ur. 2SJ, p. 825. — ^ Dersclb., Geschichte
Clemens XIV., t. II, p. 450 -lö2.
*) Bullar. Born,, Cont. t, IV, p» 4^8—192 -^ Auszug in der Colecc, de los
Conoordatos, p. 8t^8 sq.
24*
372 Vierzehntes Bnch. Zweites Kapitel.
SpätcM- — am 11. November 1800 — gab die Uegierung noch be-
souüorc Regeln für die Eotfernung der Verbrecher aas den Asylen
und das Verfahren gegen sie*)
§. 14.
Am Ende des Jahres 1776 tratMonino in das Ministerium. Sein
Nachfolger in Rom wurde Grimaldi, dann Azara. Anch von Papst
Pins VI. (seit 1775) erlangte Carl III. verschiedene Indulte.
Noch in den Jahren 1778 — 1779 drang Carl III. in den Papst,
die Lehre von der nnbefleckten Empfangniss der seligsten Jungfrau al?
Glaubenssaz auszusprechen. Es wurde die Seligsprechung des Bischofs
Palafox aufs neue, und der im Jahre 1665 gestorbenen Maria Agreda
betrieben. Am 28. Januar 1777 sprach sich die Congregation der Riteu
gegen die erstere aus. Der Botschafter Juan Nie. Azara erliess da-
gegen eine derbe Denkschrift^). Wegen dieser und anderer (in Rom)
noch schwebenden Seligsprechungs-Processe wurden die Bischöfe am
31. August 1778 aufgefordert, genaue Berichte dem königlichen Rathe
zu erstatten.
§. 15.
Der Graf Aranda war im Jahre 1773 als Gesandter nach Paris,
von da nach Rom versezt worden. Vom Jahre 1777 — 1788 herrschte
Florida- Florida -Bianca unbedingt über die spanische Monarchie, Carl III.
Bianca ^^ ^^^ Jahre 1766 — 1783 in der Hand der unerbittlichen Kirchen-
von 1777 feinde. — Dem Könige wurde das Recht vindicirt, Pensionen bis zum
-1789. dritten Theile des Ertrags auf die ohnedem schwer belasteten Beneficien
in Spanien zu legen. Einerseits wurde Rom mit immer neuen Gesuchen
um Concessionen und Indulte drangsalirt, anderseits wurden die Recurse
der Spanier nach Rom durch Erlasse vom 15. September 1778 sehr
erschwert. Ein eigener spanischer Agent wurde in Rom angeblich zur
Verhütung von Missbräuchen, in Wirklichkeit, um alle Recurse zu vor-
hindern, aufgestellt'). Die Bischöfe wai*en fast nur noch Beatnte der
Regierung. Die Regierung mischte sich sogar in den Katechismus.
Durch Gesez vom 16. Juli 1784 wurde den Bischofen unter strengen
. Strafen befohlen, ihre Generalvicai*c von der Regierung genehmigen zu
lassen. Statt dessen stellten die Bischöfe nur Provisoren auf, die der
Genehmigung nicht unterlagen. — Viele andere Gesuche vnirden von
■) ColeccioD, p. 302. Ley, G, tit 5.
») Le Bret, Magazin der nonen Kirchengeach., VII, pp. 353—831, 383—385.
»; Le Brei p. 386 — 31*2.
AmortiBation des Kircbenguts. 373
PiQS VI. genehmigt In Rom wasste man^ dass man ohne diese Be-
williguDgeh in Spanien eigenmächtig vorgehen werde, und wollte darum
von zwei Uebeln das kleinere wählen. — Auch ^Ordensreformen^
wurden versucht. Am 12. März und 12. Mai 1786 wurden die von
dem päpstlichen Nuntius revidirtcn Statuten der unbeschuhten Oarme-
liter und Carmeliterinen bestätigt'). Am 24. August 1787 wurde der
Orden des heiligen Antonius für Spanien aufgehoben').
§. 1«.
Neben den Planen einer immer schrankenlosem Ausbeutung des
Eirchengutes zu Gunsten des Staates, giengen jezt die Plane der Ein-
ziehung oder Amortisation desselben. Die Guter „der todten Hand^
sollten dieser entzogen, und dem s. g. Volke nuzbringend gemacht ^"^^
werden. An der Spize dieser Bestrebungen stand der berühmte Pedro das Kh-
Rodriguez Campomanes, aus Asturien, geb. 1. Juli 1723. Er wurde ^**®"«"**
Fiscal des königlichen und obersten Rathes von Castilien — 1762,
später Graf und Staatsminister. Als Fiscal legte er dem Konige seine
oconomischen Pläne vor. Auf seinen Antrag verbot Carl III. am
10. März 1763 die weitern Erwerbungen der ^^todten Hand^)^, und leitete
damit die spätere Säcularisation ein. — Schon der Franzose Orry hatte
einzelne Versuche der ,, Amortisation^ gemacht. Das Concordat von p. r.
1737 hatte die von der „todten Hand^ erworbenen Güter allen Lasten ^^^^^^
und Tributen des Staates unterworfen (Art. 8). Nur sollten Geistliche
nicht durch die Beamten der weltlichen Gerichtshöfe, sondern durch
die Mandatare der Bischöfe zur Zahlung verhalten werden. Aber in
der von Carl IIL im Jahre 1760 erlassenen Instruction für die Ein-
ziehung der Abgaben war diese Bestimmung schon weggelassen, wie
so manche Clausel, von deren Beobachtung man sich stillschweigend
dispensirte *). Am 10. März 176^ wurde der „todten Hand** Güter zu
erwerben verboten, auch wenn diese Erwerbung sich in das Gewand
der Frömmigkeit oder Nothwendigkei^ kleiden wollte^).
Das Werk des Campomanes über die „kirchliche Amortisation
als Regalie** war bahnbrechend •). Es verräth eine umfassende Gclehr-
•) BuUar. Rom. Continuat. t. VII, p. 491-^588; Const. Pii VI — 59a
») t. VIII, p. 78-81. Const, 668.
*) Novia. Eecop, Ley 17, tit 5. L. I. — CaatiUo y Ayensa^ II, p. 274.
Leztercr neoDt dieses mid die ähnlichen Gcseze : diBpoaicionos atentatorias al derecho
de propriedad.
*) Ley 15, tit. 1, L. I.
•) Ley 17, t. 1.
*) La regalia de ascitizacifin eclcsiästica, Madr., 1764.
374 Vierzehntes Bnob. Zweites Kapitel.
samkeit, und ein tiefes Studinin. Er brachte es dahin, dass mehrere
Professoren der Theologie und des canonischen Rechts es revidirten
und billigten, sowie verschiedene andere Geistliche von Ansehen. Unter
diesen waren Isidor Arias, Professor der Theologie, General der Congre-
gation der Benedictiner, später Bischof von Guamanga ') , Juan Perez,
Provincial der Dominicaner von Castilien, P. Josö Leon, vom Orden
der ,,Agonizanten^, und der P. Basilius de S. Justa y Rafina, vom
Orden der Piaristen.
Der Graf Aranda gewann iür die gleichen Plane die Universitateo,
ehedem kleine Republiken, von jezt an durch das absolute System der
allmächtigen Minister durchaus abhängige Corporationen. Welcher
Professor hätte sich weigern können, dem Elaborate eines Fiscals des
Rathes von Castilien seine Billigung zu versagen? Man sorgte auch
für die Verbreitung des Werks jenseits der Pyrenäen. Im Jahre 1764
wurde es in Madrid gedruckt, im Jahre 1765 auch in Venedig und
Mailand. Das Werk wurde erst im Jahre 1825 auf den Index gesezt.
§. 17.
Schüler und jüngerer Freund des Campomanes war Caspar
o. M. Melchior Jovdlanoa; im Jahre 1744 zu Gijon in Astarien geboren
UM. (t 27. November 1811). Er studirte die Rechte, und wurde Assessor
am Criroinalgerichtshofe von Sevilla. Hier trat er zuerst als Dichter
mit Erfolg auf*). Im Jahre 1778 wurde er Assessor am königlichen
Gerichtshofe zu Madrid. Im lahre 17P0 wurde er Mitglied des Rathes
des Ordens von Calatrava. Auf seinen amtlichen Reisen sammelte er
den Stoff zu seiner „Anleitung zur Gesezgebung über den Ackerbau^').
In diesem Gutachten suchte er zu beweisen, dass die Krone ein un-
veräusserliches Recht habe, abgelt-itet aus dem „jus cavendi^, die Er-
werbungen der „todten Iland** zu beschränken*). Campomanes ver-
sicherte im Jahre 176:1, der Klerus besize mehr als den sechsten Theil
alles Grundbesizes in Spanien. Auf seine Aussage wurde diess bis
jezt als sichere Thatsache angenommen; man sprach sogar von einem
Fünftel und selbst Viertel alles Grundvermögens im Besize der „todten
Hand^. Dagegen wies der Senator Santarella in der Sizung vom
*) Vielleicht ComayagQa (Hondaras), wo wir einem Isidor Bodrignez begegnen,
späterm Erzbiscfaofe von S. Domingo.
*) Sein : El Delinqnente honrado — der Verbrecher in Ehren — wnrde in
die Mehrzahl der europäischen Sprachen ttbersezt. Seine Tragödie „Pela)o'' wurde
im Jahre 1790 iin königlichen Theater aufgefQhrt.
*) Informe en t'I expediente de la ley agraria — las qaestiones mas impor
tantes de economiH politica, adaptadas al estado presente de la Espa&a.
^) Goleccion de los Concordatoa; p. 142—143.
C. M. Campomanes. Carl III. 375
10. Februar 1845 nach, daas von 55 Millionen Fanegas (Scheffel oder
Stück Land zn einem Scheffel Aussaat) von Grund nnd Boden der
Klerna nur 4.093.000, nur etwa den dreizehnten Tbeil gehabt habe*)-
Das Meiste davon fiel dem Staate und den Armen zu. Zudem war
damals die Zeit längst vorüber, in welcher der Kirche neue Güter ge-
schenkt wurden.
In Betreff der neuen Maassregeln gegen das Eirchengut schrieb
Papst Clemens XIII. am 10. Juli 1766 und 26. Juni 1766 an Carl III.
Mahnungen, welche ohne Erfolg blieben').
Auf Ansuchen Carlas III. erliess Clemens XIII. ein concor-
dirtes Breve vom 18. December 1766 tiber die Facultaten des aposto-
lischen Nuntius in Spanien'), welches in die spanische Gesezes-
sammlung aufgenommen wurde. Es war hiebei die Absicht der
spanischen Regierung, den Verband mit Rom möglichst zu lockern.
Der Nuntius, mit dem man in Madrid leichter fertig werden konnte,
als mit dem Papste in Rom, sollte so umfassende Facultaten erhalten,
dass die Berufung nach Rom in den meisten Fällen wegfiele. Das
Breve diente von nun an für die Beglaubigungsschreiben der spanischen
Nuntien ^).
§. 18.
Im Vergleiche mit seinen Vorgängern und Nachfolgern führte
Carl III. im Ganzen eine ruhige und glückliche Regierung von bei-
nahe 30 Jahren. Er erkrankte im Escurial, und wurde im Anfange
des December 1788 nach Madrid gebracht. Am 13. December ver-
schlimmerte sich sein Zustand, und es wurden ihm die heiligen Sacra-
mente gereicht. Er starb am 14. December, im Alter von 72 Jahren*^).
>) Castmo y Ayenaa, II, p. 287-388 (cf. 274).
*} BuIIarii romani Continaatio a demente XIII. ad Pium VIII, op. et stnd.
Andreae Advocati Barberi. Romae, 1837—1857, 18 voll« 2*. — t. III, p. 123
bis 124. — RoBcovany, Monumenta, t. III, p. 187—188.
*) Colccoion de los CoDCordatos, p. 265 — V79. •— Tejada y Ramiro^ Colec-
don, t. VII, p. 28:— 286 (aas Ley 4, tit 4, Hb. 2 de la Novisima Recopiladon); bei
Hergenröther, Arehiv v. Moyn. VerIng, Bd. XI., Bei), A., p. 382.-895, spanisch
und Uteiniscb (Das Lateinische ist nur der Versnob einer Rückübersezung aus dem
Spanischen).
*) Coleccion, pp. 47, 279.
*) Er starb noch im December ; Sabau giebt den Tag seines Todes nicht an,
La Fuente nennt den 14. December. — Cabctrrus^ Elogio de D. Carlos 111; Madrid
1789 in 4*. — Beecatini, Storia de! regno di Carlo III., Paris, 1796. — Mariana-
Sobou, t. XX, p. 386- 487. - TT. Oww, t 1V~ V.
376 Vierzehntes Buch. ZweltcB Knpitel.
§. 19.
criiv. Carl IV. wurde zu Neapel am 14. November 1748 ccboren. Er
isoe. erbte von seinem Vater nur die Gutmutbigkeit, und die Leidenschalt
der Jagd, der er sich jeden Tag, wie Carl III., hingab. Er wurde
frühe mit Maria Louise von Parma, seiner Cousine, vermählt. Im Laa(e
der Zeit gewann sie solche Gewalt über ihn, dass sie sich die grossten
Zeichen des Vertrauens von ihm geben liess, ja dass Carl IV. der
einzige Mensch in seinen Staaten war, der nicht die Verirrungen der
Königin sah, die sonst Jedermann in die Augen fielen. Der Konig
hat bis zum Ende seipes Lebens ein Vertrauen ohne Grenzen in die
Tugend seiner Gemahlin gesezt.
Im Anfange seiner Regierung wurden für einen bestimmten Zweck
die Cortes berufen, welche unter Carl III. gänzlich vergessen worden,
und huldigten dem Konige. Als sie sich aber ihrer alten Rechte er-
innern wollten, wurden sie in Ungnaden entlassen, ond nicht mehr
berufen.
In den ersten Jahren der Regierung Carl's IV, behauptete sich
zwar Florida -Bianca noch in seiner Stellung, doch wurde dieselbe mehr
und mehr erschüttert und untergraben« Im Jahre 1792 wurde er, der
Florida- yotmals allmächtige Regent von Spanien, gestürait. Im Schlosse von
gesturst, Pamplona, seinem Gefängnisse, befand er sich in einem solchen Zu-
*^**' Stande der Entbehrung, nach 15 Jahren seiner Regierung (1777 — 1792),
dass sein Bruder Franc. Monino ihn mit Geld unterstüzen mnsste.
Nach eidiger Zeit durfte er nach Murcia zurückkehren, wo er bis zum
Jahre 1808 lebte. Nach dem Ausbruche der Insurrection gegen Napo-
leon wurde er an die Spize der Generaljunta des Königreichs berufen.
Aber gebeugt unter der Last der Jahre (er wurde zu Murcia im Jahre
1728 geboren), starb er zu Sevilla im Anfange des Jahres 1809. Ei
wurde dort in der Cathedrale beigesezt, und ihm ein Mausoleum vod
Marmor errichtet«
Aranda war zum erstenmale im Jahre 1773 gestürzt worden,
erhielt aber zur Entschädigung die Gesandtschaft in Paris. Im Jahn*
AiandA 1792 ersezte er den Grafen Florida- Bianca wieder im Ministerium, und
Jilder ^^^^ scheinbar die höchste Gewalt, aber nicht für lange Zeit. Er war
MiaLter. der Königin zu strenge. Sie, ihr Günstling Manuel Godoy, und fn^t
alle Hofleute bildeten eine mächtige Coalition gegen ihn. Man be-
schuldigte ihn, die Ideen der revolutionären Franzosen zu theilen.
Am J 4. März 1 7lJ4 war grosser Rath zu Aranjuez über die Frage
des Kriegs gegen, oder des Friedens mit Frankreich. Als Godoy
glaubte, so viel, wie Aranda, zu verstehen, entledigte er sich seiner.
Godoy stimmte für den Krieg gegen Frankreich, Aranda für bewafineto
GcMloy fitürzt den ArandH. Der ^Glückspilz^ u. «Friedensfliist" M. Godoy. 377
Neutralität. Als Äranda nach beendigtem Ilatfae in seine Wohnung ^*^*f*
5^ levolu-
zarückgekehrt war, so erschien der Oomnaandant des Plazes, nahm tionsa
seine Papiere in Beschlag, wie Aranda die Papiere der Jesuiten hatte ^^*^'
in Besehlag nehmen lassen; er befahl ihm barsch, sogleich in ein Ge- i4.Mftrz
ilihrt einzusteigen, ohne dass er vorher Nahrung zu sich nehmen konnte, ^^^'
wie er es mit den Jesuiten gemacht. Man iuhrte ihn schleunigst in Ver*
bannong (nach Jaen), wie er den Jesuiten gethan. Von da kehrte er in
seine Heimath Aragon zuriick, wo er fast vergessen im Jahre 1799 starb '}.
Vom Jahre 1794 bis 1808 herrschte Godoy, (oder Godoi), un- ^*^^^|
nmschränkt. Manuel Godoy, Friedensfurst, Herzog von Alcudia, war Herr-
am 12. Mai 1767 zu Badajoz geboren. Sprosse einer armen ade- ^^^^
ligen Familie kam er im Alter von 17 Jahren nach Madrid, wo isos.
er in eine Compagnie der Leibgarde eintrat, in der seit 1784 auch
sein älterer Bruder Luis Diogo diente. Seine schöne Haltung, die
Kegelmässigkeit seiner Zuge, seine sanften und feinen Manieren, sein
liebenswärdiges Wesen erwarben ihm die Gunst der Frauen selbst
am Hofe. Die Königin Louise Marie bemerkte ihn; Carl IV« aber
fasste eine solche A£Pection zu ihm, dass sich ihm der Weg zu allen
Ehren und Wurden erschloss. Einige meinten, dass seine Fertigkeit
im Spielen der Guitarre sein Gluck begründet habe. Er wurde bald
General der königlichen Leibwache, und bald auch in den Staatsrath
berufen. In dieser Stellung zeigte er eine Sicherheit, die weit über
sein Alter war. Er zeigte ein gesundes Urtheil, ein glückliches Ge-
dächtnks, einen ausgesuchten Tact und eine scharfe Gabe der Auf-
fassung. Der Geist der Intrigne, der sich so leicht am Hofe bildet,
half zu dem Weitern. Er wurde erster Minister statt des Grafen
Aranda. Der Krieg gegen Frankreich endigte unglücklich. Der am
22. Juli 1793 zu Basel geschlossene Friede verschaffte dem Godoy,
vorher schon Herzog von Alcudia, den Titel eines Fürsten des Friedens, ^^J^
Tind eines Granden erster Klasse. Carl IV. gab ihm femer den Orden deos-
des goldenen Vliesses, und eine Domaine mit einem Einkommen von
(iO.OOO Piaster. Troz der mächtig sich erhebenden Opposition schloss
Godoy am 16. August 1796 das Offensiv- und Defensivbündniss mit
der franzosischen Republik zu San Ildefonso. — Das Königspaar wollte
ihn auch noch durch die Bande der Ehe mit der königlichen Familie
verschwägern. Er sollte eine der Tochter des Infanten und Excardinals
Don Luis heirathen. Er selbst scheint diese Ehe nicht sehr ernst
nnfc«
1795.
*) Er war geboren am : 8. Deccmbcr 1718. Den Tag seineB Todes finden
wir nicht
378 Vienehntes Bnch. Zweites Eftpftel.
genommen zn haben. In einem Briefe Tom 15. Angast 1797 an den
Präsidenten des Rathes, Bischof Ant. Tavira von Salamanca, bittet er
diesen, den Gobernador des Erzbisthnms Ton Toledo zu ersuchen, zuerst
die ältere Tochter des Infanten zu fragen, ob sie ihn heirathen \?olIe,
wenn nicht, die jüngere Tochter*). — Doch wurde er nm diese Zeit
jotefA scheinbar gestürzt« Er hatte seine Blicke auf D. Josefa Tndo geworfen.
Tado. jy^^ Vater dieser jungen Person, ein Militär, der seit langem eine Stelle
suchte, erschien mit seiner Tochter vor Godoy, um Hilfe bittend. So-
aodoy gleich wurde er zum Verwalter des königlichen Schlosses |,el Retiro^
^ i^^r g^n^&cl^t y ^o sich nun Godoy häufig zu Besuchen einfimd. Josefa
Tudo wollte von galanten Abenteuern nichts wissen, Godoy aber wollte
von ihr nicht ablassen. Er schloss eine geheime Ehe mit ihr. Weder
die Eifersucht der Konigin, noch die glänzenden Eigenschaften der
D. Teresa de Bourbon, mit der Godoy öffentlich sich vermählte, ver
mochten die Verbindung Godoy's mit der Tudo zu trennen. Alle Weltj
redete von dieser Doppelehe, die Inquisition wollte den Process wegen
Bigamie gegen Godoy anstrengen. Carl IV. war wie taub, und blie
seinem Günstling treu ergeben. Vergebens wurden einige seiner Gegne
verbannt; die Zahl der Feinde wuchs« Godoy musste (in Folge eine
Intrigue des franzosischen Cabinets) am 28. März 1798 das Ministerinni
wird verlassen. Als Minister folgten ihm Franc, de Saavedra und Melcbi
ubor- Casp. Jovellanos. Lezterer war im Jahre 1790 in Ungnade gefallen!
gehend j^ Jahre 1794 erhielt er wieder den Titel eines Rathes von üastilienj
Im Jahre 1797 liess ihn Godoy zum Gesandten in Petersburg ernennen,
und als er die Annahme verweigerte, wurde er Minister der Gnaden
und Gerechtigkeit. Bald darauf zog er sich den Haas Godoy's zu.
der ihn im Jahre 1798 nach Gijon verbannen liess. Im Jahre 1801
liess er ihn in die Carthause von Valdemuza auf Majorca, im Jahro
1802 aber in das Staatsgefängniss von Bellver bringen.
joveiift. In Bellver schrieb Jovellanos seine berühmten Briefe: |,üeber dae
suaV zurückgezogene Leben und über die eitlen Pläne und Bestrebungen der
mann a. Meuscheu.'' Erst im Jahre 1808, nach dem Einzug der Franzosen, cr-
fuillr. ^^^^* ^^ ®®*°® Freiheit und kehrte nach Gijon zurück. Nach wechselnd
den Schicksalen, worin er sich als entschiedenen Gegner der Franzosenj
bewies, starb er in seiner Heimath am 27. November 1811*).
') Der Brief bei Barrantes, Cafalogo razonado, 1865, p 50.
') Noticias hietoricas de don G. M. Jovellanos; Palma, 1812. — 4*. -
J. Cea BermudtZj Memorias para la yida de Jovellanos j noticias de sos obra!>.
Madr , 1814.
Godoy wieder auf der Bühne und im „Zenith" seiner Macht 879
§. 21.
Der scheinbar gestürzte Godoy war in der Tbat nicbt gestürzt;
er hatte sieb nur etwas zurückgezogen. Jovellanos und Saavedra wurden
in demselben Jahre (1798) gestürzt Urqnijo, der ihnen gefolgt, übrigens
der französischen Revolution sehr günstig war, wurde bald verbannt,
und der Friedensfurst erschien wieder offen auf der Bühne« Er wan-
delte von nun an ganz und gar im Schlepptau des „ersten Consuls^
Napoleon, welchem er Spanien zu Füssen legte. In einem kurzen
Feidzng gegen Portugal, an dessen Spize Godoy selbst sich stellte, er-
oberte er einige Fläze, wurde Grosskreuz des Ordens Carl's III. und
von Malta, und erlangte, als Graf von Evoramente, eine jährliehe Steige-
rung seiner Einkünfte um 100.000 Realen. Carl IV. gab ihm zudem
zwei Fahnen, die er seinem Wappen beifügen sollte, und einen Ehren*
säbel, den er ihm eigenhändig umgürtete.
Der Freiherr von Vincke, später Oberprasident in Münster, sah
im Jahre 1802 den Godoy auf dem Höhepunkte seiner Macht. „In dic^^®^*^
Bibliothek des Friedensfursten,^ schreibt er, „haben lediglich die Granden, Höho.
Erzbischofe und königlichen Adjutanten Zutritt 0* Hier fanden wir ^^^^^
den grossen Mann, diesen Potemkin II, im seidenen, mit vielen Sternen Macht,
geschmückten Schlafrock, unter den Händen des Barbiers. Als dieser
fertig war, wurde der Waschtisch in die Mitte des Zimmers gesezt,
(es waren sogar drei Damen im höchsten Staate zugegen). Dann wur-
den wir beide (der preussische Gesandte und Vincke) allein in das
elegante Schlafgemach genöthigt^ wo sich der Fürst mit uns eine ge-
raume Zeit äusserst artig unterhielt, und uns seiner mächtigen Unter-
stüznng versicherte.
-Der Fürst ist ein sehr schöner Mann, von sehr einnehmendem ®^"^«'
..... rungdei
Aeussem. Auch au gesellschaftlicher Politur scheint es ihm nicht zu «For-
fehlen. Weiter kann ich ihn nach so kurzer Unterhaltung nicht beur- ■*•""•
theilen. Nach der öffentlichen Meinung soll es ihm aber sowohl an
natürlichen Anlagen höherer Art, als an gründlicher Bildung durchaus
t't'hlen. Wie sich die stolzen Spanier, die ihn vom Grunde der Seele
verachten, wie sich die so weit über ihn erhaben dünkenden Granden
so sehr vor diesem Günstling des Glücks demüthigen können, ist mir
ganz unbegreiflich. Dieselbe Scene wiederholt sich tagtäglich, und ist
selbst für die wenigen rechtlichen Leute zu einer Art von Nothwendig-
keit geworden, diesem Courgeschäft viele Stunden aufzuopfern, weil
dessen Vernachlässigung augenblickliche Entfernung von Amt und
*) Leben des Oberpräsidenten von Vincke, OMth beinen TMgcbUchem bear-
beitet voD Bodehchtvingh. I. llieil: Das bewegte Leben, 1774-1816 Berlin, 1853.
380 Vierzehutee Bach. Zweites Kapitel.
Würden UDausbleiblich nach sich zieht. Es ist diess — ein zureichen-
der Beweis , dass der Mann, welcher so auf seine Couren hält, ein
sehr kleinlicher Geist sein muss.^
Am 8. Mai 1802 gieng Vincke mit dem Gesandten Rhode in dto
königlichen Speisesaal, wo sie den Monarchen an einer grossen wohl-
besezten Tafel mit grossem Appetit speisen sahen '}. Der Wein wurde
ihm mit allerlei üeremonien credenzt Der Patriarch ?on Indien, da-
mals Ant. Senmanat y Cartella, sprach das Tischgebet, Ausser Vincke
war kein einziger Fremder anwesend, aber eine Menge Spanier, welche
für erhaltene Wurden knieend die königliche Hand küssten. Dann
gieng es zum Prinzen von Astnrien, dem selbst die gewohnlichen
Courfragen noch nicht geläufig schienen (der in demselben Jahre hei-
rathete), endlich zur Konigin. „Der Konig hat etwas sehr Gatmüthiges
in einer sehr unbedeutenden Physiognomie. Er scheint sehr abgelebt^
und schwach, und hat fast das Anssehen eines alten preussischen Depot-
Di« Kö- Bataillonscommandeurs. Die Konigin macht noch Ansprüche auf Schön-
heit, trägt aber vollständig das Gepräge des Lebens, welches sie ge-
führt hat; ihr frecher malitioser Blick war mir, bei aller aflectirteB
Freundlichkeit, höchst widerlich. Der Prinz, welcher einst das Reich
beherrschen soll, hat eine äusserst dumme Physiognomie. Nach dem
Essen und der Cour gieng es auf die Promenade. Hier fährt jedes
Mitglied der königlichen Familie, bis auf die kleinsten Prinzen herab,
einzeln in einer altmodischen Carosse spazieren, und ein, oder mehrere
leere Wagen folgen. Ausser den königlichen Equipagen war die Prome-
nade leer, da die vornehme Welt den Hof eher flieht als sucht^
König Um diese Zeit machte Carl IV. eine Randreise durch einen
reist '^b^U d^s Landes. Er kam u. a. nach Valencia und Barcelona. Da
»um er aber mit seinem ganzen Hofe reiste, so war die Reise eine Land-
eken P'^S^ ^^ ^^^ getro£fenen Gegenden. Vincke sagt, dass das Gefolge
seiner sich auf 10.000 Pcrsoucn belaufen habe. Der Konig föhrtc seintii
th^nep. S^°^^^ Hofstaat mit sich, ebenso die Konigin, ebenso der Prinz von
Asturien, die Prinzessin von Asturien, ebenso alle Infimten und In-
fantinnen des königlichen Hauses. Auch der Friedensfurst Prinz Godoy,
der naturlich die Reise mitmachen musste, schleppte seinen eigenen
Hofstaat mit sich herum. Mundkoche des Königs waren es n. a. 4C0^
worunter 18 Fcderrupfer, bei deniAufsaz- und Desertamt waren es 21,
dem Betteü- und Meubliramt 37 Personen. Bei der Obeikämmcrei
waren 201 Personen. Beim königlichen Marstall waren zusammen
') Anch Ferdinand's VII. Appetit stach In die Augen. Diesen, aber nicht
den Geist seines Vaters konnte er erben. Denn an Geist hatte Carl IV. nicbta zu
vererben.
'} f^T «^hlte erst öl Jahre.
Ein Besuch des Hofes. 381
896 Personen; bei der königlichen Jägerei n. a. 15 Aufspärer, 23 Nez^-
kalter, 34 Treiber, im Ganzen 202 Personen. Die königliche Ijeib-
garde bestand aus 385 Personen. Hellebardiere waren es 64. General-
öumnie 2-191 Personen. Rechnet man nun die königlichen Fussgarden,
den Bediententrain der Ezcellenzen und Granden , die Staatsminister
mit ihren Burean's, den Friedenaiursten mit seiner Leibgarde und Hof-
haltung, so wird annähernd eine Summe von 10.000 Personen heraus-^
kommen'). Es war ein wahrer Heuschreckenzug, der sich verheerend
und verzehrend über das Land lagerte, ein unübersteiglicher Wall, der
jede Annäherung zwischen dem Monarchen und seinem Volke, was
doch der ostensible Zweck der Reise war, unmöglich machte. Als
^'incke kurz darauf nach Barcelona kam, fand er die bitterste Stimmung
iiber die eben genossene Ehre des königlichen Besuches vor. Am
8. Januar 1803 traf der König mit seiner Familie, dem Hofe, und
dem unvermeidlichen Friedensfursten wieder in Aranjuez ein. Man
schlug die Kosten dieser Reise auf 15 Millionen Piaster an^).
§. 22.
Ferdinand, Prinz von Astnrien, wurde zu S. Ildefonso am 13. Octo- i«rdi.
her 1784 geboren. Von der Natur war er sehr stiefmütterlich bedacht. "'°*^"-
^ ... ÄltPrlni
Man wusste nicht, ob seine Schweigsamkeit auf Berechnung, Schüchtern- ron a«
heit oder Unwissenheit beruhe. Seine äussere Erscheinung war eher ^''*''-
abstossend, als einnehmend. Die Ghitmuthigkeit im' Gesichtsausdrucke
seines Vaters und Grossvatera suchte man bei ihm vergebens« Sein
Auftreten und seine Manieren waren linkisch^ plump und brnsk. Sein
Erzieher war der Herzog von San Garlos, sein Lehrer der Ganonicus
Esquiroz (Escoiquiz). Obgleich er die besten Instructoren hatte, zeigte
i r doch wenig Geschmack am Studium. Dass er durch die Natnr
der Verbaltnisse dahingedrangt wurde, Gegner des Godoy, und damit
Anhänger der englischen Partei zu werden, ist natürlich. Denn da alle
Spanier in dem Verhältnisse der Knechtschaft zu Frankreich eine Er-
niedrigung und einen beständigen Knechtsdienst sahen, warum hätte
der Thronfolger allein die Sache anders ansehen sollen? Schon am
21. August 1802 wurde er mit seiner Verwandten, Maria Antonia Theresia
von Neapel, vermählt. Diese trat von selbst an die Spize der englischen
Partei In der Schlacht bei Trafalgar — am 21. October 1806 —
*) Allgemeine Zeitang — 18. Januar 1803.
*) Allgemeine Zeitung vom 25. Febraar 1803. — Zum Andenken an diese
KiMse worden Goldstflcke von 320 Realen im Wertbe geprägt. Es ist diess das
4ridsBte Goldatnck, dos ich je gesehen, von dem ich asu Mndrid vnrtlbergehcnd ein
LkeiopiMf besof^sen h.*ibe.
382 Vierzehntes Bach. Zweites Kapitel.
wurde die franzosisch-spanische Flotte vernichtet. Durch dieses National-
Unglück wurde Godoy, wo möglich, noch verhasster, während CarFa lY.
die Allgen wohl über-, aber nicht aufgiengen.
Weil Godoy den Canonicus Johnnn. Escoiqidz von Saragossn
(dea er seiner Zeit selbst zum Lehrer des Prinzen auserwählt hatte^,
für den Verführer Ferdinand's hielt, so sezte er die Entfernung des
selben durch, und hielt den Prinzen mehr als je von den Geschäften
der Regierung fern. Derselbe wurde wie ein Gefangener im elterliched
Hause bewacht, und hatte das Unglück, schon im Jahre 1806 seintj
Gemahlin zu verlieren. Er war, wie einst Philipp II., Wittwer mi^
22 Jahren. Seine Lage war so verlassen und traurige wie möglich i
Sein mürrisches und argwöhnisches Wesen konnte darin nur neuti
Nahrung finden.
Man wollte ihn zu einer zweiten Ehe mit D. Maria Laisa df|
Bourbon, deren ältere Schwester Gemahlin des Friedensfursten warj
zwingen, um ihn ganz zu umstricken. Beharrlich weigerte er sicij
gegen eine so unwürdige Zumuthung. War ja doch die Ehe des Ex-
Cardinais Luis eine clandestine und nicht standesmässige gewesen. —
Thöricht aber war es von Ferdinand, dass er auf den Rath des Esi
coiquiz und des Franzosen Beauharnais sich unter die Fittige Napoi
leon's III. flüchtete, der Spanien annexiren wollte. In einem Briefi
voll von Schmeicheleien erklärte er sich als Schüzling Napoleon's, unc
erbat sich eine Tochter des Lucian Bonaparte als Gemahlin. Di«
Spione der Königin entdeckten seine Pläne. Im October 1807 wurd<
er in seiner Wohnung überfallen. Man nahm ihm seinen Degen
sperrte ihn in einen Saal des Palastes ein, und nahm seine Papied
hinweg. Es wurde ein Process instruirt, in welchem die Ankläger
die Angeklagten und die Richter keine noble Rolle spielten. Ferdinand|
gemein, wie er immer war, bekannte sich als Schuldigen, denuncir-t^
seine Mitschuldigen, seine Freunde, die Herzoge von San Carlos, voi
Infantado, den Canonicus Escoiquiz. Leztere wurden verbannt, Ferdi
nand aber freigelassen.
§. 23.
Schon mischte sich Napoleon I. ein. Im Jahre 1807 schloss ei
einen geheimen Vertrag mit Carl IV., nach welchem Portugal zwischer
der (abgesezten) Königin von Etrurien und Godoy getheilt werdet
sollte; mit Ausnahme von drei Provinzen. Eine französische und spa
nische Armee sollte Portugal besezen. Carl IV. sollte den Titel eine:
Kaisers von Amerika annehmen. Von dem ganzen Vertrage wurcl
allein die Vertreibung der Königin von Etrurien durchgeführt,* sie
erhielt aber nichts von oder in Portugal, Ala Unterpi'aud »eines gutex)
Ferdinand VII. 3S3
Willens stellte Carl IV. Napoleon ein Corps von 16.000 Spaniern
zur Verfügung, welche nach Dänemark versandt wurden, damit sie
nicht für die Unabhängigkeit Spanien's kämpfen könnten. Die Fran-
zosen, welche angeblich wegen Portugal in Spanien eingeruckt waren,
richteten ihren Marsch auf Madrid. Der Frtedensfurst beschloss, mit
dem Eönigspaare sich nach Andalusien zurückzuziehen, und im Noth-
falle den Hof nach Amerika überzufuhren. Auf die Nachricht davon
brach der Aufstand in Madrid aus. Oodoy verkroch sich. Carl IV.
fühlte sich verlassen, wurde noch verzagter durch die Angst der
Königin, und obgleich ihm kein Leid geschah, zitterte er für sein Leben.
Als er sah, dass das Volk seinen Sohn als König verlangte, so
legte er die Regierung nieder r- 19. März 1808, und war bloss be-
sorgt, seinen Günstling und den Buhlen der Königin zu retten. Aber
sogleich bereute er seine Abdankung. Er richtete an Joachim, Gross-
herzog von Berg, welcher Madrid schon besezt hatte, eine Protestation
gegen seine Abdankung, weil man ihn dazu gezwungen habe — 26. März.
— Napoleon, der im Jahre 1806 die Bourbonen von Neapel entthront
hatte, war entschlossen, den Bourbonen Spanien's "^ dasselbe Loos zu
bereiten. Diese Entthronung sollte aber möglichst wenig Blut, Geld
und Mühe kosten, und ihn in dem Lichte eines Retters in der Noth
und eines Befreiers von Spanien erscheinen lassen. Die Sache war
nicht allzuschwer. Den alten König konnte er durch Godoy ohne
Mühe dahin bringen , zu seinen Gunsten auf Spanien zu verzichten.
Vorher aber musste Ferdinand zu Gunsten seines Vaters auf die Re-
gierung verzichten. Napoleon brachte Vater und Sohn nach Bayonne
— Mai 1808, und Hess sich zum Könige von Spanien durch Carl IV.
einsezeu.
Drittes Kapitel.
Die Bischöfe Id diesem Zeltraam.
§. 1.
Nach dem Geständnisse des Engländers W. Caxe war auch iti
dieser Zeit der ^höchsten Aufklärung^ unter Carl III. (und seinem
Sohne) der Klerus, wie durch seine Stellung und sein Amt^ so durch
seine Reichtbumer, der einflussreichste Stand der Gesellschaft in Spanien.
Er war an Bildung den übrigen Klassen der Gesellschaft überlegen.
Seine Bildung war keineswegs eine exclusiv theologische, erstreckte
sich vielmehr auf die meisten Zweige des menschlichen Wissens und
Strebens. Die Vereine für Oeconomie und Cultur des Landes , die
damals mit grossem Eifer und in grosser Zahl gestiftet wurden, fanden
gerade beim Klerus den meisten Anklang , und die meisten tbätigen,
nüzlichen, und sieh aufopfernden Mitglieder. Die Wohlthätigkcit und
die Bildung des Klerus trugen am meisten zur Hebung dieser Institute
bei. Die Mitglieder des Klerus waren thcils die Directoren, theils die
Censoren, sie waren so zu sagen die „Seele^ dieser Vereine^).
Die Institute, genannt y,Monte de Piedad**, hatten sich von Italien
auch nach Spanien verbreitet. Ihr Bemühen war es, den Bedürftigen
ohne Wucherzinsen Getreide und das ihnen sonst Nöthige zu verschafiVn.
In unsefer Zeit wurden solche Institute zu Malaga, Valencia, in Galicien,
und anderwärts in's Leben gerufen, besonders um den Landbebauern
zu Hilfe zu kommen^). Unter dem Ministerium des Florida- Bianca
») W. Coxe, VI. p. 100.
*) Um das Jahr 1850^1856 war der Monte de Piedad za Madrid der W
dentendste im Lande. Aas Mangel an Mitteln war er aber gezwiingeo, seine (Kapitalien
zu ftlnf Procent auszuleihen. Diccionario de Tco)ogi:i, por Ant. Monescillo, Madrid,
J8&7, p. 603-C07.) {Coxe, VI, p 324-328.)
Die Bischöfe in diesem Zeifraum. S85
geschah viel für Unterslüznng und nüzliche Beschäftigung der Bettler
und Hilflosen überhaupt. Ungliickliche Frauenzimmer, die vorher von
der Prostitution gelebt, wurden in den Gefangnissen „de la Galera"
bei Madrid untergebracht, sie wurden an die Arbeit gewöhnt, und
lernten, ein regelmässiges Leben zu fuhren. Es gelang dem Eifer und
den Mühen eines Priesters, einen Verein von Damen zur Unterstüzung
und sittlichen Hebung dieser Personen zu stiften, den Carl HL unter
seinen besondern Schuz nahm.
§. 2.
In dem llechenschaflsberichte, welchen der Graf von Florida-
Bianca am 6. November 1788 an Carl IIL (einen Monat vor dem
Tode des Leztern), richtete, sagt derselbe insbesondere zum Lobe des
Klerus: „Ich muss einem grossen Theile des hohen KJerus und seinen
Prälaten Gerechtigkeit widerfahren lassen, welche^ mit meiner lieber-
einstimmung, zur Verwirklichung der Absichten Eurer Majestät bei-
getragen haben, mit einem Eifer und einer Freigebigkeit, welche die
höchsten Lobsprttche verdient. Sie haben Hospitäler und Kranken -
bänser gegründet und mit sicher m Einkommen ausgestattet; sie haben
verschiedene öffentliche Werke mit grossen Kosten unternommen und
verbessert, um der unbemittelten Bevölkerung Unterstüzung zu ge-
währen, und um den Nothleidenden während der lezten Jahre des
Mangels zu Hilfe zu kommen«
Ich kann nicht umhin, Eurer Majestät einige dieser Pridaten zu
nennen, die sich am meisten ausgezeichnet, und die ich um so weniger
mit Stillschweigen übergehen kann, da ich ihnen sehr verpflichtet bin,
sei es personlich, sei es als Minister Eurer Majestät.
Den ersten Plaz verdient der Erzbischof von Toledo, Don Francisco
de Lorenzana« Er hat sich ausgezeichnet, indem er das erste Beispiel
durch die Gründung der beiden Häuser der Wohlthätigkeit in Toledo
und in Giudad Real gab, indem er mit grossen Kosten den herrlichen
Palast oder Alcazar zu Toledo wiederherstellte, der in Trümmer zu
füllen drohte, und welchen ^Enre Majestät für den Zweck der Wieder-
herstellung an ihn abtrat. Die übrigen öffentlichen Arbeiten, welche
dieser würdige Erzbischof unternahm, sind die Wiederbevoikerung
mehrerer oder und verlassener Orte, die Erklärung und Erhaltung der
alten Väter der Kirche von Spanien, von denen er auf seine Kosten
eine herrliche Ausgabe veranstaltete, die Verschönerung der Hauptstadt
äeines Sprengeis mit nüzlichen Gebäuden, mit belehrenden Denkmalen,
und mit den Bildsäulen der berühmtesten K5nige von Spanien, welche
Eure Majestät ihm gab. Er hat endlich tausend andere Dinge, deren
Nazen in die Augen fällt, vollbracht, welche würdig sind des Glanzes
OaibIi tpttii. KIr«b«, UI. S« 25
386 Vienebntes Bach. Drittes Kapitel.
der alten Haaptstadt (Toledo), für welchen Zweck ich, aaf Befcbi
Eurer Majestät, jede nur mögliche Unterstüzung gewährt habe.^
Dann nennt der Minister mehrere andere Prälaten, welche da<
Beispiel des Erzbischofs von Toledo nachgeahmt hatten, indem sie dii
vorzüglichsten Orte ihrer Bisthümer verschönerten, die Industrie er-
muthigten, öffentliche Arbeiten unternahmen, patriotische, literarische,
oder Anstalten der Wohlthätigkeit gründeten. Als die verdientestoM
Bischöfe nennt er den Bischof von Gerona, Bruder des Cardinah^
Thomas de Lorenzana, den Erzbischof von Burgos, Josef. Xav. Rodrigue;
de Arellano, den Don F. Fabian y Fnero^ Erzbischof von Valenci
die beiden Erzbischofe von Tarragona, Nicolaus Santillan y Zapat
vielmehr Joachim de Santiyan y Valdivielso), und Franc, de Armana, deil
Erzbischof von Santiago, Malvar et Pinto, den Jos. Gonzalez Lasoj
Bischof von Placentia (1766 — 1799), den Bischof von Siguenza J. Dia^
Guerra, den J. F. Ximenez^ Bischof von Segovia,.den Erzbischof v(n|
Granada, Ant Jorge y Galvan, den Bischof Josef. Molina von Malagt^
Man* Rubin de Celis> Bischof von Cartagena, Eman« Abad, Biscbo
von Astorga, Caj. Ant. Quadrilleros, Bischof von Leon, Joachim Eletn
Bischof von Osma und Beichtvater des Königs.
Die Bemühungen dieser Bischöfe, schliesst der Minister, wurd
gar sehr unterstüzt durch die Kapitel der Cathedralkirchen, und dnrcl
die reguläre Geistlichkeit. Die Domkapitel haben verschiedene fromm
Stiftungen unterhalten, Hospitaler, Krankenhäuser, und andere nüzlicb
Werke for die Nothleidenden. Mehrere ihrer Mitglieder, sowie auci
Pfarrer haben sich mit Eifer an den patriotischen Vereinen betheiligt
Mehrere Kloster haben es übernommen, eine bedeutende Zahl arme
Kinder, Waisen oder Findelkinder zu bekleiden und zu erziehen. £
wäre sehr zu wünschen, dass alle Mönchsorden und Kloster dem voi
mehreren religiösen Genossenschaften der Benedictiner, Gisterciensr
und Garthäuser gegebenen Beispiele nachfolgen mochten, um die Un
thätigkeit und die Verschwendung, sowie den von den Bettelordeu ini
ihren täglichen Almosen getriebenen Missbrauch zu verhindern *).
ei
>) W. Caocef VI, p, 326—331. Auch der Freiherr v. Vineke lobt die \Vi>li
thätigkeitsanstalten in Spanien. — Er fand die Anstalten dieser Art in Oadix, tx
sonders das Hospizio de la Trinidad in Cadfz, wo das gelbe Fieber im Jahre iMi
von 70.000 Einwohnern — 16.000 hin weggerafft hatte, in einem f&r Spanien so!
guten Znstande. Wegen des Ankaufs von (e. 1200) Merinoschafen kam er in d^
Schnrhans des reichen Klosters Gaadeloupe. Zwei Priester waren Verwalter di s
selben, deren Gkistfreundschaft und Humanität Vineke erfahr nnd rühmte. Uel»
dem Schurhause befand sich eine Galerie, welche bei der Morgen- und AbeDdanj
dacht der Arbeiter znr Capeile diente.
Die Bischöfe in diesem Zeitraam. 387
§. 3.
Nachfolger des j^resignirten^ Cardiaal-Ei^biscfaofs von Toledo Luis I.
de Bonrbon, wurde der Cardinal Ludwig Ant. Ferriandez de Cordoya.
Er war Sohn des Herzogs von Peria, war Graf von Teva, Domherr,
später Domdecan in Toledo. Da sein Vorgänger stets abwesend war,
und um Geschäfte sich nicht bekümmerte, so regierte er schon damals
das £rzbi8thum. Gern bestätigte ihn Papst Benedict XIV. als Nach-
folger des Luis Bourbon, und ernannte ihn zugleich zum Cardinal*).
Als £rzbischof wurde er am 4. August 1755 bestätigt, nachdem der
Cardinal Portocarrero das ihm angetragene Erzbisthnm ausgeschlagen.
Im Jahre 1758 und im Jahre 1769 wurde er vergebens zum Conclave
in Rom erwartet. Im Jahre 1769 zahlte er bereits über 74 Jahre.
Seine Wohlthätigkeit war unerschöpflich. Er beschränkte seinen eigenen
Tisch auf ein bescheideneres Maass, und mied alle nicht durchaus ge-
botenen Ausgaben. Was er dadurch ersparte, floss in den Schooss
der Armen, der Wittwen und Waisen. Er starb am 26. März 177],
im Alter von 75 Jahren (geb. 22. Januar 1696) •). — Sein Nachfolger
war Fr. Lorenzana.
Franc. Anton. Larenzana, geboren am 22. September 1722,
CanonicQS von Siguenza und Toledo, war ein Jahr lang Bischof von
Placentia (1765 — 1766), darauf fünf Jahre lang Erzbischof von Mexico
(1766 — 1771). Dort versammelte er im Jahre 1770 ein Concil, dessen
Acten in Madrid sequestrirt, d. i. nicht zur Bestätigung nach Rom
gesandt wurden, bis sie Tejada zum ersten Male im Jahre 1859 heraus-
gab^. Die drei ersten in den Jahren 1555, 1665 und 1585 gehaltenen
Concilien gab er zu Mexico 1769 — 1770 heraus. — Im Jahre 1769
erschienen seine musterhaften Hirtenbriefe und bischoflichen Verord-
nungen. In der „Historia de Nueva Espana^ — Mexico 1770, gab er
die Berichte und Briefe des Fern. Cortez an Carl V. heraus. Seine
Einkünfte verwendete er auf Anlagen von Strassen und Wasserlei-
tungen, auf Gründung wohlthätiger Stiftungen, u. a. eines grossen
*) Der Abbate Scott!, der ihm das Birrett überbringen sollte, ertrank auf der
Seereise. Ein anderer PriÜat musste es ihm nun Überbringen. Da er aber nie
nach Rom kam, erhielt er weder den Hut noch einen Priestertitel.
^ Leben aller Cardlnäle des neunzehnten Jahrhunderts, Bd. IV, Regensb.,
1773, S. 129—131 und 2. Abth., S. 320-324. — Pardo, Toledo en la mano, I.
p. 848.
•) 8. oben, 8. 820.
2ö»
388 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Waisen- und Findelhauses, welchem er bei seiner Abreise nach Spanieo
den Rest seiner Habe hinterliess. Die Reise nach Spanien machte tr
mit erborgtem Gelde.
Am 12. März 1772 ergriff er Besiz yon seinem Erzbisthame. In
Toledo stellte er den Alcazar wieder her, der in dem Erbfolgekriege
zerstört worden* Er erridhtete ein grosses Gast- und ein neues Armen-
haus, ein Kloster der barmherzigen Brüder, eine Caseme für die £e-
sazung, die prächtig ausgestatteten Gebäude der Universität und des
Irrenhauses; die allein mehr als 1 % Millionen Realen kosteten. Seht
viele Pfarrkirchen liess er renoviren oder neu bauen. Mit Hilfe der
ersten Künstler Spanien's schmückte er die Cathedrale und Stadt
Toledo mit den Werken der Architectur, Malerei und Sculptur. Den
alten Palast der Konige verwandelte er in ein grosses Arbeits- und
Versorgungshaus 9 und nannte es das Haus der Nächstenliebe. Dort!
legte er die berühmten Seidenfabriken an. In demselben Palaste grün-j
dete er eine Anstalt zur Versorgung von Greisen und armen Frauen.
Er liess daselbst 200 Kinder erziehen. Seine eigene Tafel und seine
Wohnung waren aufs Einfachste eingerichtet. Indem er den Be-
dürftigen nicht so fast Brod, als Arbeit geben wollte, liess er Wege,
Brunnen, Gebäude und Anderes errichten. Er fand leider nur Wenige,
die in seine Pläne eingehen wollten.
^ Im Jahre 1775 liess er seine Pastoralbriefe erscheinen. Im Jahr?
1779 gab er das gothische Brevier neu heraus. Auf seine Kosten Uess
er die Kirchenväter von Toledo in drei Folianten erscheinen, 1785 bis
1793^). An der Herausgabe der lateinischen christlichen Dichter und
der Werke des Isidor von Sevilla durch P. Faustin. Arevalo hatte
er hervorragenden Antheil.
In Toledo gründete er die grosse erzbischofliche Bibliothek^),
die heute noch besteht. — Am 30. März 1789 wurde er zur Würde
eines Cardinais erhoben. Im Jahre 1794 wurde er Staatsrath und
General -Inquisitor. Als solcher musste er in Madrid seinen Aufenthalt
nehmen. Diesen Stellen entsagte er im Jahre 1797 auf Befehl de^
Königs, hinter dem der „Friedensfurst^ stand. Der Erzbischof Jos«
de. Arce von Burgos, auf den sich Godoy als auf seine Creatur ver-
lassen konnte^ sollte Grossinquisitor, und dadurch die Inquisition deis
,,Friedensfursteh^ gefugig werden. Lorenzana selbst musste in ein«
Loren- ehrenvolle Verbannung gehen. Als im Jahre 1797 französische Truppci
nnssTor ^eu Kirchcustaat besezten, verkündigte man in Spanien und Italien^
oodo7 (jj^rl IV. habe durch Absendung der hervorragendsten Bischöfe dem
cheo. Papste seine Theilnahme und Hilfe zu Theil werden lassen. lYu
') Kirchengeschichte, 11, 2, p, 138, 178.
') Ich konnte sie im Jahre 1865 nur von Aussen sehen.
Lorcnzana in Rom. 389
Gesandten waren der Cardinal Lorenzana, der Erzbischof, und (seit 1803)
Cardinal Anton. Despuig von Sevilla, und der "Erzhlschof Musquiz von
Seleucia (in p. infid.). Als sie sich nach Italien einschifften, war der
Friede von Tolentino zwischen Papst Pius VI. und Frankreich schon
geschlossen. Lorenzana und der Erzbischof Despuig sollten aber auf
eine anständige Weise beseitigt werden. Denn wie der Vater Luis
Bourbon, obgleich noch ein Knabe, Cardinal und Erzbischof von Toledo
und Sevilla geworden war, so sollte auch dessen Sohn, kaum ein an-
gehender Jüngling, Luis Bourbon II., dieselben drei Würden in seiner
Person vereinigen. Dass er dem „Friedensförst^^ in Allem zu Willen
sein werde, dafür war vorgesorgt durch die Willens- und Charakter-
losigkeit, welche er in allen Wandeln und Wechseln seines Lebens zur
Schan trug. Dazu war Lorenzana's Gegenwart in Madrid lästig ge-
worden. Die beiden andern Erzbischöfe kehrten, als sie die Zweck-
losigkeit ihrer Sendung einsahen, nach einiger Zeit zurück. Godoy,
der jezt eine solche Theiluahme für den Papst heuchelte, war der erste,
der den Gedanken aussprach, man sollte dem Papste den Kirchenstaat
nehmen, und ihn an irgend einen entlegenen Ort, etwa nach Sardinien,
relegiren. Lorenzana blieb in Rom, und begleitete den Papst auf seiner
Hin wegführung nach Frankreich bis nach Parma, wo die Weiterreise
verboten wurde. Lorenzana war nach dem Tode Pius VI. (f 29. August
1 799 zu Valence) sehr thatig für die baldige Zusammenkunft des Conclave.
Lorenzana fühlte, dass er aus Spanien verbannt sei. „Seine Ent-
fernung war wünschenswerth, sagt Godoy in seinen Memoiren, ja sogar
nothwendig. Er beunruhigte die Regierung, und durchkreuzte meinen
Plan, die Macht des heiligen OfGciums (der Staatsinquisition) in die
von dem Evangelium gezogenen Schranken zurückzuführen^ ^)« — Auf
den Wunsch des Hofes entsagte Lorenzana seinem Erzbisthume, welches
alsbald der junge Graf von Chinchon erhielt. In einem besonders
dazu veranstalteten Consistorium hielt Pius VI. am 20. October 1800 eine
Allocution, und erklärte den Luis de Bourbon als Cardinal*).
§. 5.
Luis Maria de Bourbon wurde zu Cadahalso am 22. Mai 1777
geboren, und zu Toledo erzogen. Nachdem seine ältere Schwester den
') D. h. Lorenzana konnte zu der Bigamie und andern Ezceasen Godoy's
nicht die Augen zudrücken. Mömoires da prince de la Paix, Paris, 1836, t. II.
^ AUocutio habita in promotione Emin. Cardin. Lndovid de Borbon cpiscopi
Hibpalensis 20. October 1800, in Bnllarii xomani Continuatio a Glemente XIII. (1758)
ad PiQm YIU. opera et Btndio Andreao Advocati Barberi. Romae, 183j— 1857,
18 vol. f. 2\ — (Dazu ein vol. 4» — Prato, 1857, onth. die Ballen Gregorys XVI.)
— t. XI, p. lG-47.
30O Vierzebntes Buch. Drittes Kapitel
Godoy geheirathet hatte, masete aacb or zu Ehreu and Wrirden ge-
langen. — Anton. DespDig y Dameto war kurze Zeit nach einander
Bischof von Orihnda 1791, Erzbischof von Valencia, 30. Joli 1795,
und von Sevilla — 2. Febroar 1796, geworden, und wnrde bald darauf
nach Madrid berufen. Er nnd Lorenzana weigerten eich, Godoy's Ehe
mit der Schwester des Luis de Bourbon einzusegnen, weil Godoy, ohne
dass die Konigin es wusste, schon heimlich vermählt war. Darauf
segnete der Patriarch von Westindien, Ant. Sentmanat (1784 — 180C),
diese Ehe in der königlichen Kapelle ein. Godoy wurde nun bei der
Inquisition formlich verklagt als Bigame, sowie dass er seit acht Jahren
die heiligen Sacramente nicht empfangen habe. Lorenzana, damals
Grossinquisitor, wurde von A. Despnig, und dem Erzbisdiof Mozqiiiz
von Selencia, dem Beichtvater der Konigin, zum Einschreiten aufge-
fördert, war aber nicht dazu zu bringen. So entschloss sich denn
A. Despuig, darüber nach Rom zu berichten, von wo der Befehl er-
gieng, die Sache zu verfolgen. Aber das Breve, welches diesen Befehl
enthielt, wurde von dem General Bonaparte aufgefangen, nnd an Godoy
gesandt.
Um sich selbst zu sichern, sandte Godoy die drei Erzbischoft-
nach Kom^ und machte seine Creatur, den Erzbischof Aree y Keinoso
von Bnrgos, zum Grossinquisitor^ von dem er nichts zu besorgen hatte.
Despuig blieb in Rom bis zur Fortführung Pins VL von Rom. Er
trennte sich zu Siena von dem Papste^ und kehrte nach Spanien zurück.
Im Jahre 1798 wurde er zum Staatsrathe ernannt, dann wurde er
Präsident einer Junta, die beauftragt war, Mittel und Wege zu suchen,
um die Güter der Hospitäler und frommen Stillungen zu verkaufen.
Er wurde vermocht, auf das Erzbisthum Sevilla Verzicht zu leisten,
und erhielt, zur Entschädigung, reiche Beneficien, und den Titel eines
Patriarchen von Antiochien, als welcher er am 14. Mai 1790 bestätigt
wurde. Luis de Bourbon erscheint schon am 26. März 1799 als Erzbischo)'
von Sevilla. Despuig wurde mit dem Titel eines spanischen Gesandten
beim heiligen Stuhle abgesandt, und wohnte als solcher dem zu Ve-
nedig gehaltenen Conclave (1799 — 1800) an. Er kehrte von Venedig
nach Rom zurück; am 14. Juli 1803 wurde er selbst zum Cardinal
ernannt; als solcher wurde er Pro-Präfect der Congregation der Bischöfe
Im Jahre 1806 kehrte er nach Spanien zurück^ wurde aber im Jahrr
1807 nach Rom zurückberufen, und zum Provicar der Stadt ernannt.
Als Luis de Bourbon am 22. October 1800 zum Cardinal er-
nannt worden, erhielt er, wie vordem sein Vater, den Titel der Kirche
der heiligen Maria della Scala. Am 22. December 1800 wurde er auch
noch als Erzbischof von Toledo in Rom bestätigt, so dass er alle
Aemter und Würden seines Vaters besass, deren er genau so unwürdig,
wie sein Vater, war. In den 23 Jahren, in denen er den Titel eines
Die Cardinäle LoreDzana, Despuig, Bourbon. 391
Erzbiscbofs trug, reihte er eine Thorhcit an die andere, er gieng mit
Godoy und der Königin , er gieng im Jahre 1808 mit Napoleon, er
gieng später mit der siegreichen Junta von Sevilla, und gieng wieder
mit der siegreichen Revolution von 1820. In der Zeit von 1814 bis
1820 Hess er es an Velleitaten zum Bessern nicht fehlen* Von Werken
der Wohlthätigkeit oder frommen Stiftungen desselben erfahren wir
nichts. Im Ganzen wandelte er immer im Schlepptau der liberalen
Parteien.
§. 6.
Der Cardinal Lorenzana aber verwandte das ganze Einkommen,
das ihm noch übrig geblieben war^ theils zu Werken der Wohlthätig-
keit, theils zur Unterstüznng der Wissenschaften. Einer seiner Neffen,
Canonicus zu Toledo, hatte ihn zu seinem Erben eingesezt, während
er in Florenz wohnte. Der Cardinal theilte alsbald das grosse Erbe in
zwei Theile, den einen bestimmte er zur Ausstattung von armen Mäd-
chen, den andern für das Hospitinm zu Madrid. Auch seinem geliebten
Toledo wendete er stets noch seine Wohlthaten zu. Die muzarabische
Kapelle daselbst schmückte er mit einer kostbaren Mosaik, die er in
Korn gekauft, vielleicht der grossten, die es gibt Aus dem Nachlass
des spanischen Cardinais Fr. X. Ziclada (f 29. December 1801) kaufte
er herrliche Codices in hebräischer, chaldäischer und chinesischer
Sprache, und schenkte sie der Bibliothek des Kapitels zu Toledo. Als
leztes Werk Hess er erscheinen: Gothisches Missale nach der Regel
des heiligen Isidor für den mozarabischen Ritus, Rom, 1804. — Kaum
war ihm die Correktur des lezten Bogens vorgelegt, so schlössen sich
seine Augen, ohne Krankheit, ohne Kampf. Am Morgen des 16. April
hielt er noch eine Anrede an Klosterfrauen. Abends unterredete er
sich mit seinen Freunden über neue Pläne zu Werken der Wohlthätig-
keit. Er wollte, um mehr geben zu können, seine Equipage verkaufen.
Mit solchen Plänen und Gedanken schlief er ein, um nicht mehr zu
erwachen (f 17. April 1804). Sein Grab in der Kirche von S. Croce
de Jerusalem trug die bescheidene Inschrift: „Hier ruhet der Vater
der Armen"*),
') Notizia biografica sul Cardinale (de) Lorenzana — in Baraldi, Memorie di
feligione, IJI, 1823, p. 477. -> B. Wctgner, Biographieen denkwürdiger Priester
und PrSlaten^ 1816, I, S. 1 — 10, nach dem Ami de la Religion v. 1820, 12. Aug«
nnd nach M. Magan in Seminario pintoresco Espafiol, 1841. » Neueste Kirchen-
Keschichte, 8. 240—244. — Gottesreicbsgescbichto von Wittmann, Ang&b. 1823
bis 1830, 9 Bde., Bd. VIll, S. 526 - 530. — Bomfae. Oams, Kirchengescbichte des
neunzehnten Jahrhunderts^ II, 185% S. 49 — 56. — Religions- on4 Kirohenfreond,
392 Vierzehntes Buch Drittes Kapitel.
§. 7.
Dem Cardinal Luis Bourbon I. folgte am 27. December 17f«5,
^•' Franc. Solls Folch als Erzbischof von Sevilla, von Cordova hieber
Cardinal _ _ c a »i «k/* i-i j. i •
Foieh de versezt. Er wurde am ö. April 1756 zum üardmalpriester ernannt.
Sola. ]g|. j^^Qj gj.g^ 2um Conclave von 1769 nach Rom. Er und sein Be-
gleiter, Cardinal de la Cerda, vereinigten sich mit dem Cardinal de
Bernis, und sezten die Wahl Ganganelii's, Papst Clemens XIV., durch.
Nach dem Tode dieses Papstes — am 22. September 1774 — musste
er auf Andringen des Hofes sogleich nach Rom reisen« Auf Solis' Be-
trieb (sagt ein Biograph), bekam Cardinal Braschi 27 Stimmen, und
war allem Anscheine nach Papst. Portugal liess sich bew^en, die
demselben gegebene Exclusive zurückzuziehen. Obgleich man dem
Cardinal Migazzi (von Wien) vomemlich verdanken musste, dass das
Conclave endlich ein Ende nahm, so hat doch Pius VI. seine Erhebang
vorzuglich dem Cardinale Solis zu verdanken*). Solis starb zu Rom
den 22. März 1775. Sicher ist, dass die spanische Regierung sich
um die Wahl Pius' VI. bemuhte. In seinem erwähnten Berichte vom
6. November 1788 an Carl IIL rühmt sich aber Florida -Bianca, Ur-
heber der Wahl Pius' VI. zu sein: ^^Die meisten Erfolge,^ sagt er,
„welche wir am romischen Hofe auf unsere Bemühungen erlangt, ver-
danken wir dem Einflüsse, den Eure Majestät bei dem Conclave auf
die Wahl des jezigen Papstes hatte ^ und dem Einfluss, den Eure
Majestät am päpstlichen Hofe erlangte«^ Er erwähnt dann seine diess-
falsige Thätigkeit bei dem Conclave, seine Verhandlungen mit den
s. g. Ejron- und mit andern Cardinälen. Er habe mit dem französischen
Minister eine Partei im Conclave gebildet, die stark genug gewesen^
jeden ihm missliebigen Papst auszuschliessen. Es sei nothwendig ge-
wesen, diese Partei von 16 — 17 Stimmen fest zusammenzuhalten.
^Ich kann Eure Majestät versichern, dass ich hierin eine bestandige
Sorgfalt anwendete^ dass ich die Grosse meiner Mähen, und der mir
entgegentretenden Schwierigkeiten dabei nicht genug zu schildern im
Stande bin. Die französischen Cardinäle Bernis und Luynes, Conti,
der Mandatar Portugals, und Orsini, der von Neapel, unterstüzten mich
aus allen Kräften. Der Cardinal de Solu kam zulezt in das Conclave,
1842, 8. März, nr. 19, S. 151 flg. — Diotionoaire des Cardinaux, 1857, s. v. Loren-
zana. — Parro, Toledo en la mano, 1857, I, p. 849-850. En cuanto k obras
publicas, buen gaesto para las artes y esplendizez en sos constmcciones no ha
habido quien le esceda ni aun iguale. — In Madrid und Aleala stellte er die erz-
bischöflichen Curicn neu her.
*) Lebensgeschichte aller Cardinäle des neunzehnten Jahrbondetts, lY, p. 131
— 133, 824-327.
Die Wahl Papst Piue' VI. - 1775. 393
und obgleich er sich dort sehr gut benahm, so bat doch seine Unbe-
kanntschaft mit den localen Verhältnissen, und mit dem Charakter der
Personen, sowie sein Mangel an KeAntniss der (italienischen) Sprache
ihm die grossten Schwierigkeiten bereitet. Er aber habe den Cardi-
nälen erklärt, wenn sie einen Papst wählten , der den Fürsten als den
Repräsentanten des christlichen Volkes (das will heissen, der dem
Florida- Bianca) unannehmbar wäre, sie ein Schisma in der Kirche
herForrufen wurden.
So habe denn das ganze Collegium der Cardinäle sich herbei-
gelassen, das Princip anzunehmen, den Papst nur im Einvernehmen mit
den beiden Ejronen von Frankreich und von Spanien zu wählen. Er
selbst habe früher Beziehungen zu dem Cardinal Braschi als päpst-
lichem Schazmeister gehabt, und habe ihn hochachten gelernt. Er habe
für seine Wahl die Einwilligung seines Königs Carl III., und aller
Gesandten in Rom erlangt. „Sie überliessen es mir völlig, zu handeln
nach meinem Gutbefinden; das heilige Collegium folgte ohne Mühe
ihrem Beispiele. Demzufolge schrieb ich am Morgen den 14. Februar
1776, Billete an die Cardinäle de Solis, de Bernis^ Orsini, Conti und
Migazzi, welche die Stimmen von Spanien, Frankreich, Portugal und
Wien besassen, und meldete ihnen, man sei übereingekommen, zu der
einstimmigen Wahl desjenigen zu schreiten, der sich nachher Pius VI*
nannte^'). Die Cardinäle hätten bei dem nächsten Wahlgange ihre
Voten offen in die Wahlurne gelegt. Solis sei aber zu spät gekommen,
und habe seinen Beitritt verweigert, da er das Billet Monino's noch
nicht erhalten. "Er habe vielmehr gegen diese Wahl protestirt, und
die Cardinäle seien zu einem andern Scrutinium geschritten. „Indess,
am Ende desselben , als die Cardinäle aus der Kapelle heraustraten,
erhielt Solis mein Billet, und ohne Verzug eilten alle, um einmüthig
den Braschi als Nachfolger des heiligen Petrus anzuerkennen, und ihm
an demselben Abende zu huldigen. Sie proclamirten Tags darauf
die Wahl"«).
Diese Grosssprecherei Florida- Blanca's erinnert uns an den grossen
Bramarbas, Herrn von ChcUeaubriaTidj im Jahre 1829 franzosischen Ge-
sandten in Rom, der nach der Wahl Pius^ VHI. (Castiglioni), an den
er vorher gar nicht gedacht hatte, am 31. März 1829 triumphirend
nach Paris schrieb; „Victoria! ich habe einen zum Papste^ den ich auf
meine Liste gesezt hatte, gerade den Cardinal, welchen ich im Jahre
1S23 für das Papstthum vorschlug, als ich noch Minister war, gerade
*) En leor aonon^nt quMI ^tait codvodu do proeäder k V election nnanime
de celoi qui depais B*appellait Pie Vh
«) W. Coxe, VI, p. 426-435.
^
394 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
denjenigen^ welcher mir lezthin im Conclave von 1829 anf meine Rede
antwortete, und mir dabei gewaltige Lobsprüche erthcilte^*).
Wenn irgend eine Papstwahl geschehen, so pflegt jeder Gesandte
bei seiner Regierung seine Verdienste um diese Wahl besonders her-
Torzuheben,
§. 8.
Dem Cardinal Solis Folch folgte als Erzbischof von Sevilla Franc.
Xav. Delgadoy von Signenza hieher versezt (1776 — f 10. December
l781), auch Patriarch von Indien, diesem aber Alfons Marcos Llanes,
von Segovia hieher berufen. Er gründete eine Bibliothek, und er-
öffnete sie dem Publicum im Jahre 1792. — Auch in Cordova be-
stand noch im Jahre 1865 eine solche Bibliothek, welche mehr als
15.000 Bände enthielt«).
Diesem Erzbischofe (f 7. Januar 1796) folgte der Cardinal Ant.
Despuig (1795 — 1799). Anton. Despuig y Dameto wurde zu Palma
am ."51. März 1715 geboren. Als Canonicus an der Cathedrale daselbst
erhielt er von seiner Regierung den Auftrag, um 1775, Studien über
die Städte des Abendlandes zu machen, wo die berühmtesten Con-
cilien stattgefunden. Er reiste durch Frankreich, Deutschland, Holland
und England. Im Jahre 1778 kam er nach Rom. Von da durchreiste
er das Königreich beider Sicilien, Malta und die venetianischen Staaten,
und kam im Jahre 1 785 als Auditor der Rota (für Aragon) nach Rom
zurück. Im Jahre 1791 wurde er Bischof von Orihuela*). — In seiner
Eigenschaft als Provicar des Papstes in Rom, und als Plus VII. am
5. Juli 1809 in seinem Palaste ein Gefangener wurde, war er und
Barth. Pacca die einzigen Cardinäle, die in seiner Umgebung sich
*) CJuUeaubriandf Mtooires d'outre tombe, PariB, 1850, 1 10, et 12. — Gatns,
KirchoDgeBchichte des neunzehnten Jahrhunderts, II, p. 480^481.
') In einem eigenen Gebäude, ich konnte sie aber, sowie die enbischöfliche
Bibliothek von Toledo, nur von Auesen sehen und bewundern. Ob die erwähnte
Bibliothek in SevilU heute noch besteht, i^t mir nicht bekannt Die vorzflgllchsten
Bibliotheken daselbst sind die des Ferd. Colon, oder Bibliothek des Domcapitele.
Ein neuerer Schriftsteller giebt die ursprüngliche Bändezahl der „Biblioteca Colom-
bina^ auf mehr als 20.000 an. Colon habe dem Dumcapitel einen reichen Fond f Qi
Erhaltung und Vermehrung der Bibliothek vermacht, welche heute mehr als 30.000
Bände umfasse, und in einem Nebenbau der Cathedrale steht. Sie ist dem Publicum
an allen Werktagen von 10<-2 Uhr geöffnet, im Sommer von 7^10 Uhr des Mor-
gens. — Die Universitäts- oder Provincial- Bibliothek ist neuem Ursprungs; sie
wurde aus den Bibliotheken der anfgehobcnen Jesuiten — und anderer Kldster an-
gelegt, und erreichte in Bälde die Zahl von 70.0 ;0 Bänden. - Gnia de Sevilla,
Sevilla, 1805, p. 81 -83. — Indicador Cordobes, Cord. 1837, p. €0.
'} Das Weitere siehe oben, §. 5.
CardiDai Despuig. 395
befanden. Als der P<np6t den Despuig sab, sagte er: „Eminenz, so sind
Wir hier.** Darauf erwiederte Despuig: „Eure Heiligkeit bedarf nicht,
dass ich Sie daran erinnere, dass wir heute die Octave der heiligen
Apostel feiern, und dafs die ganze Welt von Eurer Heiligkeit ein
Beispiel des Muthes und der Geduld erwartet;^ worauf Pius YII. er-
wiederte: „Eure Eminenz haben Recht.^ Despuig begleitete mitPacca
den Papst bis zum Wagen, bat dann um den päpstlichen Segen, um Abso-
lution und geistliche Gnaden; diese Scene wurde später im Bilde dar-
gestellt. Despuig wurde einige Monate in das „GoUegio romano^
verwiesen, im Winter aber (1809) in der strengsten Kälte nach Paris depor-
lirt. Er lebte hier zurückgezogen, hielt sich fem von dem sogenannten
Nationalconcil des Jahres 1811, fem von der Hochzeitsfeier Napoleon's,
und der spätem Taufe des „Königs von Bom.^ Auf Vermittlung des
Cardinais Fesch erhielt er von Napoleon, wegen seiner Anfälle der
Epilepsie, die Erlaubniss, nach Italien zurückzukehren, wo er einige
Monate in den Bädern von Lucca verweilte. Hier starb er, 69 Jahre
alt^ am 3. (al. 31.) Mai 1813, und wurde mit grossen Ehren in der
Cathedrale beigesezt. Nach seinem Willen wurde sein Herz nach
Spanien zurückgebracht, und dort in einer von ihm eigens der unbe-
fleckten Empfängniss geweihten Kapelle beigesezt Wie die Römer,
so waren die Bewohner von Lucca Zeugen seiner hervorleuchtenden
Tugenden. Wegen der seltenen Gaben, die ihn schmückten, wird sein
Andenken im Segen fortleben. In ihm sind wir wieder einem wahrhaft
römisch-katholischen spanischen Cardinal begegnet^).
Vom Jahre 1709 bis zum Jahre 18 16 führte Luis de Bourbon U.
den Titel eines Erzbischofs von Sevilla. Dieses Erzbisthum warf ein
Einkommen von 400.000 Scudi ab. Damit mussten die Kosten der
Unterhaltung des Seminars, des Spitals der alten Leute und der Findel-
kinder bestritten, sowie 95 Bedienstete unterhalten werden. Der Cardinal
Despnig erhielt aus diesen Einkünften eine Jahresrente von 40.000 Scudi.
Luis Bourbon Hess sich ein Jahr später, als er Napoleon L einen
iinterthänigsten Brief, ohne dazu aufgefordert zu sein, geschrieben, und
Joseph Napoleon den Eid der Treue geschworen hatte, zu der Würde
eines Präsidenten der Regentschaft (von Sevilla, dann von Cadix)
commandiren. Wie Ferdinand VU. in ähnlichen Lagen, that er Alles,
was man von ihm verlangte. Er verkündete alle Decrete der Cortes,
besonders die radikale und kirchenfeindliche Verfassung von 1812.
Als die Regentschaft die Inquisition abgeschafft, und der Nuntius Fetr.
Gravina einige Vorstellungen dagegen gemacht, so schleuderte Bourbon
gegen ihn ein Decret, das ihn zwang, Spanien zu verlassen.
') Moroni, Dizionario, t. 19, Rom., 1843, p. 258—259. — DictioDDuire des
Cardinaax, Paris, 1857. p. 791-792.
396 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
^^^ Gravina war seit 1802 Nuntius in Spanien. Von Madrid aus
petr. begleitete er die Regentschaft nach Sevilla und Cadix. Aus Spanien
Gravina. vertrieben, begab er sich nach Portugal. Er hielt sich zu Tavira auf,
und erliess dort am 4. Januar 1814 ein historisches Manifest mit
27 Documenten, um seine Haltung zu vertheidigen ^).
Konig Ferdinand VII. war von 1808 — 1814 Gefangener Napoleou's
in Valencay gewesen. Im Anfang des Jahres 1814 musste er ihn frei-
lassen. Luis de Bourbon erwartete ihn an der Grenze von Spanien,
um ihm den Eid auf die neue Verfassung der Cortes von Cadix ab-
zunehmen. Der König wich ihm aus. Dennoch holte ihn der Cardinal
ein, fand aber einen möglichst frostigen Empfang, und musste einen
gezwungenen Aufenthalt in Toledo nehmen (1814 — 1820).
Dagegen berief der König am 24. Mai 1814 von Madrid aus den
Nuntius sehr ehrenvoll zurück, und hob den ai^f sein Einkommen ge-
legten Sequester auf. Gravina wurde Cardinal am 8. März 1816. —
Bis zum Ende des Jahres 1816 durfte Luis Bourbon die reichen Ein-
künfte des Erzbisthums Sevilla, neben denen von Toledo, einstreichen.
Am 16. November 18 16 nahm er Besiz von dem Erzbisthum Somnald.
Anton. Mon y Velarde, vorher Erzbischof von Tarragona. Nach seinem
baldigen Tode (f 16. December 1819) blieb der Siz von Sevilla er-
ledigt bis zum Jahre 1825.
Troz alledem , was Luis Bourbon IL that, oder vielmehr tban
Hess, nennen ihn verschiedene Schriftsteller einen frommen und tugend-
haiten Prälaten. „Dieser harmlose Prälat," sagt ein Franzose, n^^^'
von Frömmigkeit, und von guten Intentionen, that vielleicht kein an-
deres Unrecht, als dass er sich aus seinem Wirkungskreise heraus-
ziehen liess"*). Der Toletaner Ramon Sisto Parro aber sagt: „er war
von sanftem Charakter, liebenswürdigem Wesen, und sehr einfachen
und unschuldigen Sitten;^ er nennt ihn einen tugendhaften Piälaten.
Er findet an ihm so zu sagen gar nichts zu tadeln. Er meint nur,
die politischen Wirren jener Zeit hätten ihm viel Verdruss und viele
Reibungen mit seinem Neffen Ferdinand VII. bereitet*).
§. 9.
Kr^b. Raphael de Muzqtdz y Aldunate, gebürtig von Viana in Navarra«
^^^^^ wurde Canonicus von Valencia, Erzbischof von Seleucia i. p. infid. als
qais. Beichtvater der Königin Maria Luisa von Bourbon, und Abt von Granja.
') Davon giebt es 2 spanische, und eins italienische Ausgabe, Rom, 1^21.
') Dict. des Gardinanx, p. 58S.
'j Pardo, Toledo en la mano, I. p. 851 — disgastos y Binsaboree.
Bischöfe jener Zeit. 397
Er mussto im Jahre 1797 mit Lorenzana und Despuig die Reise nach
Rom machen, um den Arm der Inquisition gegen den Friedensfursten
zu lähmen. Nach Spanien zurückgekehrt, erhielt er am 15. April 1799
das Bisthum von Avila, wurde aber schon am 24. Mai 1801 Erzbischof
von Santiago. Die Domherrn von Avila wollten ihm ihre Dankbarkeit
für die Wohlthaten, die er ihnen spendete, dadurch beweisen, dass sie
in der Cathedrale zu Ehren seines Namenspatrons, des heiligen Raphael,
einen Altar errichteten. Sein Nachfolger war Emmanuel Gomez de i><«chof
Salazar (1801 — f 3. November 1815). „Unvergesslich wird dessen ^l^^^r
Name den Abulesen sein,'' denn als die Franzosen einfielen und die ▼<>«
Stadt betraten, wollten sie dieselbe plündern, anzünden, und die Ein-
wohner ermorden, aber der Bischof warf sich, begleitet von zwei Priestern,
dem erzürnten General Lefevre zu Füssen, und sie boten ihr eigenes
Leben als Opfer dar ; der General schonte der Einwohner, liess jedoch
die Stadt plündern — am 5. Januar 1809').
Der Erzbischof Raphael Muzquiz war entschiedener Gegner der
napoleoniscben Invasion — 180<^, Er wurde von Napoleon wegen
seiner Anhänglichkeit an Ferdinand VII. in die Acht erklärt, und
gezwungen, nach Portugal zu entfliehen. In dem Unabhängigkeits-
kriege brachte er die gr5ssten Opfer für die Ausrüstung des Heeres.
Für die Ausschmückung der Capilla mayor der Cathedrale von
Santiago übernahm er grosse Kosten. Er starb am 11. Mai des
Jahres 1821 >)
Der berühmteste seiner Suffitigane war der Bischof von Orense,
Petrus de Quevedo y Qnintano. Geboren am 12. Januar 1736 zucardioai
Villanueva del Fresno , studirte er bei den Jesuiten in Badajoz und ^^^•^'^
' * von
Granada, an der Universität von Salamanca erlangte er den Grad eines orente.
Baccalaureus der Theologie, wurde dort und in Zamora Domherr, und
Doctor der Theologie. Am 14. Juli 1776 wurde er in Madrid als
Bischof von Orense geweiht. Während des Unabhängigkeitskrieges
war er Kegent des Königreichs, aus dem er nachher verbannt wurde.
Er weigerte sich (im Jahre 1816), das ihm angebotene Erzbisthum von
Sevilla anzunehmen. Am 28. September 1816 wurde er als Cardinal-
priester verkündigt. Er starb am 28. März 1818, im Alter von 82 Jahren,
von denen er 42 Jahre Bischof gewesen war. Die Zeitgenossen sind
voll seines Lobes. Seine Grabschrift, die sein (zweiter) Nachfolger,
Bischof Bedoya, verfasste, nennt ihn: den unermüdeten Prediger des
Evangeliums, den Yertheidiger der Rechte (der Kirche), die Säule des
0 Jwxa Martin Carramolino, Hi&toria de Avila, su provioeia y obispado,
t. III. Madrid, 1873, p. 4 18-- 419.
^)Zepedano, Bmliem CompostelaDay Comp VQQ^ p. 27^,
398 Vierzehntes Bach. Drittes Kapitel.
Reichs, die herrliche Stüze der Armen und Trauernden, dessen Tod
alle Stande beklagten^).
Unter den Opfern der franzosischen Invasion war der 85jährigo
Bischof Joann. Alvarez de Castro von Coria (1790). Die Trappen des
Marschalls Soult rissen ihn aus seinem Bette, und fiisilirten ihn in
barbarischer Weise (1809)«).
Anton. Tavira y Almazan, Bischof von Canarias, 1791 — 179C,
Osma 1796 — 179-^ Salamanca (179f^) würde wohl zu den bessern
Bischöfen jener Zeit zählen, wenn nicht der Staatsmann und Beamte
in ihm zu stark hervorgetreten wäre. Sein Bisthum trug mehr als
20.000 Duros. Er errichtete in Salamanca neben dem CoUegium Mayor
del Arzobispo^ das allgemeine Hospital de la Trinidad, das eine
Musteranstalt in dieser Art sein sollte. Leider stellte ^er eine grosse
Zahl von Bediensteten und Beamten dort an, neben welchen die wahre
Nächstenliebe und die bisherige Sparsamkeit nicht bestehen konnte.
Aus seiner Börse musste er diese Beamte unterhalten. Als er sab,
dass sich die frommen Personen vor dieser Verwaltung, und vor ihm
wegen seiner aufgeklärten Ansichten zurückzogen, als er sah, dass die
Nation und das Iteich immer tiefer sank, verfiel er in Melancholie,
welche sein Leben abkürzte (f 7. Januar 1807).
§. 10.
Der Dominikaner Thomas de Yalle war vier Jahre Bischof von
Ceuta (1727 — 1731), vom Jahre 1731 aber bis zu seinem im December
c*dix. 1776 erfolgten Tode Bischof von Cadix, er war durch 50 Jahre lang
Bischof, und der Decan sämmtlicher Bischöfe. £r war auch Bischol
der spanischen Flotte. Er erfrente sich einer grossen Auetoritat in
allen Kreisen der Gesellschaft. Sein Nachfolger Johann. B. Cervera,
von Canarias hieher versezt^ eröffnete im Jahre 1780 dem Publicuui
eine Bibliothek (1777— f H- Januar 1782).
Der Bischof von Albarracin (1765 — 1776), Josef Molina Larino
y Navarro, hatte sich durch Schaffung von nüzlichen und wohlthätigeu
HAiaja. Werken daselbst ausgezeichnet, als Inhaber des reichen Bisthums Malaga
') Indefessus Evangelii praeco, immnültatam vindex, regni colamen, insigiie
egenis maestisque presidium, cnnctis IngeDtibus ordmibixs obiit — J. M. Bedoya,
Retrato historico del — Pedr. de Qnevedo, — con nn copioso apendice de docu-
mentoB, Madr. 1835. — BuLlarii Ramani Contin.j ed. Barberi, Rom, 1849, t XW,
p. 240-242. — Baranda, Coleccion de documeDt in^ditos, t. XXIT, Madr. 18.02,
p. 99—100. — Oams, Series ep. Eccles. catb., 1873, p. 55.
*) Fic. de la BHiente, VI, p* 183.
*) Siehe oben 8. 131.
Woblthfitige and gelehrte Bischöfe. 399
hatte er mehr Mittel, sich aaszazeichnen. In der Gathedrale stiftete
er ein herrliches Orgelwerk, mit einem Aufwände von 310.341 Realen.
Das Domkapitel wollte hinter dem Bischöfe nicht zurfickbleiben nnd ^^^fi^
erweiterte dieses Werk. Ebenso Hess der Bischof in der Cathedrale
eine Kapelle der Incamacion herstellen. Berühmter noch ist er da-
durch geworden, dass er im Jahre 1782 für die Stadt eine grosse
Wasserleitung von Guadalmedina her zu bauen unternahm. Am 30. Au-
gust 1782 ertheilte der Konig die Genehmigung (nebst Danksagung) für
den Bau. Leider erlebte der Bischof die Vollendung des Baues nicht
mehr (1776 — f 4. Juni 1783). Erst am 7. September 1784 flössen die
Wasser durch die neue Wasserleitung und die Strassen der Stadt. Die
Kosten wurden auf 2 Millionen 179.311 Realen berechnet — Wie in
andern Städten, so wurde auch in Malaga eine ö£fentliche Bibliothek
errichtet^).
Emmanuel de Moscoso y Peralta war in den Jahren 1771 — 1778
Bischof von Tucuman, 1778 — 1789 Bischof von Cuzco gewesen. Er
hatte sich unvergängliche Verdienste um die Indianer erworben, die
ihn nicht ziehen lassen wollten. Im Jahre 1789 wurde er Erzbischof
von Granada. Bei ungeschwächter Kraft des Geistes und Leibes wirkte oraaa-
er hier 22 Jahre lang höchst segensreich. Er verdient den Ehren- ^'''
namen: „Vir magnanimus.^ Er starb, 88 Jahre alt, am 24. Juli 1811^).
Der Trinitarier, Michael a S. Josefo, Bischof von Guadix (Januar
1750 — t 1757), hat eine: |,Bibliographia critico sacra^ in vier Bänden
Folio herausgegeben. — Einer seiner nächsten Vorgänger als Bischof von
Guadix war der Dominikaner Joann. de MonUdvan^ (1707 — f 12. No- ouadix.
vember 1720, er hat in 3 t. fol. eine „Theologia^ herausgegeben^.
Unter den Erzbischofen von Valencia im achtzehnten Jahrhundert Enb.
ragt Andreas May oral hervor (1738, f 6* October 1769), ein „Kirchen-
furst von höchster Wohlthätigkeit, dessen Andenken die unzähligen
frommen Stiftungen unvergänglich machen, die er vom Grunde aus neu
errichtete." Unter seinen übrigen Werken verdient die „Erzbischofliche
Bibliothek" besondere Erwähnung, „durch ihren Keichthum an ausge-
suchten Werken, sowie die Helle und Schönheit des hohen Stockwerkes,
des Erzbischoflichen Palastes, in dem sie aufgestellt wurde^'"*). — Zwei
der Nachfolger dieses Erzbischofs, Franc. Fabian y Fuero, bis 1773
Bischof von Pnebla in Mexico, vom Jahre 1773 — 1795 Erzbischof von
Valencia, und Joann. Franc. Ximenez, (I79ß, f 1. April 1800), vorher
voQ Va-
l6iieU.
') Ich sah sie noch im Jahre 1865. Sie war aber wenig benüzt, und vom
Zahn der Zeit gar sehr angenaflrt, — Convorsacionos historicas Malaguefias, p. d€
Ixi Lennoy t. IV. Malaga, 1793, p. 298— 3(?8.
') lliberis 6 Granada, per D. Jose Hidalgo Morales, Granada, 1842.
") Sein Leben cd. Diego Raspenna, Salamanca, 172G.
*) Yillanueva, Viage literarlo, t. l. Madrid, l>50 5, p. 57.
0
400 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Bischof von Scgovia, nennt der Graf Florida-Bianca in seinem Berieht«
vom Jahre 1788 als Gründer wohlthätiger und gemeinniiziger Werke. Bei
der grossen Zahl von Bischöfen, die uns in dieser Zeit als Urheber wohl-
thätiger Stiftungen begegnen, drängt sich uns wiederholt der Gedank
auf, dass diese Bischöfe, wie im Gefi'ihle, dass sie in der Hingebung
an die Intentionen der (unter Carl III. und Carl IV.) kirchenieind-
lichen Regierung die Grenzen des Erlaubten überschritten, diesen Fehler
auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und frommen Stiftungen ans-
gleichen wollten« Es waren so zu sagen ,,überverdien8tliche Werke, ^
die sie hier vollbrachten').
caenoa. Der Bischof Äutou. Pciafox y Croy von Cuenca (1800 — f 9. De-
cember 1802) war sehr bemüht für eine mit strenger Disciplin ver-
bundene Bildung des Ellerus. Er gründete schon seit dem Jahre 1783,
als vieljähriger Archidiacon von Cuenca, unentgeltliche Schulen für
Knaben und Mädchen, auf seine Kosten errichtete er im Centrnm der
Stadt ein solides Gebäude, mit grossen Sälen für den Unterricht^ nud
sechs besondern Wohnungen, je für drei Lehrer und Lehrerinnen, die
er aus seinen Mitteln besoldete. Er selbst überwachte und leitete den
ganzen Unterricht. Den Sporn der Prämien für strebsame Schüler wen-
dete er im reichsten Maasse an. Auch auf dem Lande stiftete er ond
dotirte er viele Schulen. Er wollte dadurch namentlich dem Bettel der
Kinder steuern. Die Schulen hiessen die der „Gesellschaft^^). Palafbx
war auch ein fruchtbarer Schriftsteller').
') Wir haben oben gesagt, dass die bedeatendsten in den Jahren I6G0 — 1700
in Spanien ver&ssten Werke im Auslände, besonders in Born, erscheinen mnssten,
wie die Conoiliensammlnng des Cardinais Aguirre, nnd die „Bibliotheca Hispana" des
Nie. Antonio. Diesen fQgen wir den Erzbischof von Valencia, Jnan. Thom. de
Erib. jRoccabertij bei. Er war Dominikaner, and von 1676 bis zu seinem Tode (f 13. Januar
Rocca- i()99^ Erzbischuf, die lezten vier Jahre seines Lebens auch spanischer General-
Inquisitor. Genau in diesen lezten Jahren erschien zu Rom in 21 Folianten sein
grosses Werk: Bibliotheca Pontificia maxima in qua autores melioris notae^ qui
hactenus p. S. Komaoa sede scripserunt, fere omnes continentnr, Bomae, 1695 — IG^.
Das Werk ist ganz vollendet; der t. 21 enthält die vollständigen Jndices. Die
Gallikaner brachten es dahin, dass dieses Werk durch Parlamentsbeschloss vom
20. December 1693 ffir ganz Frankreich verboten wurde. Wer das Buch be^ass,
dfirfe es nicht behalten, weil es sei ein Buch von grossem und massigem Umfange,
angefQIlt mit vielen Säzen, die sich auf keinen Beweis stfizten, gegen den Sinn der
katholischen Kirche, die heiligen Traditionen, nnd die gemeinsame Lehre der Väter
und Theologen klingen , und klärlich nur zur Schmähung des „gallischen Namens*"
aufgestellt sind. Roecaberti musste das Werk auf eigene Kosten herausgeben —
Siehe darüber: Alb. Weiss, in: Historisch - politische Blätter, Bd. 71,(1873, l\
S. 52-64.
*) Sociedad economica de Amigos del Pais.
*) Trillan Munnoz y Soliva, los obispos de la Diocesis de Cuenca, Cuenca,
1860, p. 4r.9— 475.
Erzbischöfe von Tarragona. 401
§. 11.
Der Erzbischof von Tarragona, Joachim de Santiyan y Valdivielso Tarra-
(1779 — t ö. Jali 1783) bewies in den wenigen Jahren seiner Amts* •*''*■•
fuhrung, was ein Bischof vermag, der seine Heerde liebt Er Hess
die Strassen, Mauern, und Spaziergange von Tarragona ausbessern.
Sein Hauptwerk war aber die Wiederherstellung der alten so berühmten
römischen Wasserleitung, Wie die alten Mauren durch das System
ihrer Berieselung und Bewässerung, so haben die Romer durch Her-
stellang von Brücken, Strassen und Aquaeducten Spanien das Ge-
präge ihrer (hierin wohlthätigen) Herrschaft bis zum heutigen Tage
eingedrückt. Der Fortbestand dieser Wasserleitung war eine Lebens-
frage für die Stadt. Der Bischof erlebte nicht die Freude der Vol-
lendung seines Werkes. Zum Zwecke dieser Vollendung hinterliess
er 48.000 Ducaten.
Sein Nachfolger, der Augustiner Franc, de Ärmaha^ war vom
Jahre 1768 bis 1785 Bischof von Lugo gewesen. Als Erzbischof lebte
er arm für die Armen. Seine Cathedrale stattete er mit kostbaren
Zierden aus, er dotirte seinen Klerus, forderte den „Monte pio^ für
arme Priester, gab grosse Summen für den Bau des Hafens, und für
den jeden Tag mehr verarmenden Staat Mehr als 100.000 Duros ver-
wendete er auf solche Werke. Er vollendete auch die romische Wasser-
leitung. Am 3. December 1798 gelangten die Wasser zum ersten-
male in die Stadt, eine Wohlthat, welche die Namen der Erzbischöfe
Santiyan und Armana verewigen wird« Er selbst lebte in Allem wie
ein strenger Mönch, und legte das linnene Gewand seines Ordens nicht
ab. Er predigte häufig, und sandte Missionäre auf das Land, Gelehrte,
wie er selbst war, unterstüzte grossartig die öffentlichen Schulen,
dotirte seine Lehrstühle reichlich, gründete einen Lehrstuhl für die
heilige Schrift. Er starb am 4. Mai 1 803, 85 Jahre alt. Seine Pastoral-
briefe wurden gedruckt, zwei Bände 4®, femer drei Bände Predigten über
die Moral, einen Band über die Heiligen. Anderes hinterliess er im
Manuscripte oder unvollendet^}.
§. 12.
Asensio Sales, Bischof von Barcelona (1755 — f 17. Januar 1766), conci-
betrieb auf dem lezten Provincialconcil von Tarragona — 1757 — ^^^^Tw-nT
Herausgabe der Concilien der frühern Zeit. Erst im Jahre 1857 wurde gona.
dieser Wunsch durch Tejada y Ramiro erfallt Aber auch der vorlezte
') Vülaniieva, Viage lit., t 20, Madrid, 1851, p. 62 - 67.
Qamf, span. Kirche. III. 2. 26
402 Vierzehntes Bncb. Drittes Kapitel.
Erzbischof Dom. Costa y Borras (f 1864) sammelte die GonstitationeQ
jener Concilien, welche im fünften und sechsten Bande seiner nach
dessen Tode edirten Werke erschienen (Tarragona, 1866). Der Bischoi
B«"ce- Jose{ Climent von Barcelona (1766— f 28. November 1781) ist Trager
eines berühmten Namens. In ihm verbanden sich die Gelehraamkeit
mit der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit. In 10 Klöstern der Stadt
errichtete er 10 Freischulen« Er war ausgezeichneter Prediger, und
bildete eine Schule von Predigern. Von seiner, von ihm selbst in
das Catalanische besorgten Uebersezung der Rhetorik des Ludwig von
Granada wurden in 10 Jahren fünf starke Auflagen vergriffen. Seine
Predigten über die Sittenlehre und die Heiligen kamen in sechs Bändeo
(in 4?) heraus. Ebenso erschienen seine Edicte und Hirtenbriefe.^ Ans
allen seinen Schriften leuchtet eine grosse Kenntniss der heiligen und
Profangeschichte hervor, und eine allgemeine Kenntniss der Literatur.
Er war das leuchtende Vorbild aller Tugenden eines Bischofs. Als
ihn Carl IIL zum Bischöfe von Malaga im Jahre 177.^ ernannt, lehnte
er diese Ernennung ab, verzichtete aber zugleich auf sein bisherigem
Bisthum, und verlebte seine übrigen Jahre in seiner Heimath CastelloD
de la Plana (heute dem Size de^ Bisthums Segorbe). Er gründete
u. a. noch zwei Freischulen in Valencia. In seiner Heimath stißetcl
er ein Haus für Waisen beider Geschlechter').
Geiona. "^jj- gchliesseu diese Skizze mit Thomas de Lorenzana y ButronJ
dem Bruder des Cardinais, und Bischöfe von Geroua (1775 —
f 21. Januar 179G). Er errichtete neben dem Haus der Barmherzigkeit
zum grossen Theile auf seine Kosten das Haus des „Hospicio^, ic
dem er die Seidenweberei mit bestem Erfolge einführte. Ebenso
unterstüzte er andere Fabriken in der Stadt und dem Bisthume. Aui
seine Kosten errichtete er ein Haus für die aus den Spitalern eot
lassenen Reconvalescenten. Für die verschämten Armen und ändert
ähnliche Bedürftige gründete er Vereine der Barmherzigkeit, an dene:
er selbst stets Theil nahm. Er stiftete viele Armenschulen. In d
reichen Villa Olot errichtete er von Grund aus ein grossartiges Hospi
tium, mit Schulen der Grammatik und Rhetorik, und erbaute auf's Neu
die Kapelle des heiligen Narcissus^), und vollendete dieses Werk
Beständig visitirte er sein Bisthum. Seine besondere Sorge war ihm sei
Seminar; er vermehrte die Lehrstühle an ihm, eröffnete die Bibliothek
nach königlicher Cedula vom 10. November 17% sollten die Studier
an demselben für die Grade an allen Universitäten befähigen. Fas
«) VtUanueva, t. 18, p. 76—83.
') Nach anserer Meinung des ersten ans bekannten Bischofs von Aagsbnrg
nicht aber von Gerona. Dennoch freuen wir uns der Verherrlichnng eines deutscbe
Bischofs auf spanischem Boden.
Hervorragende BIscböfe. 403
täglich besuchte er selbst die Classen. — Für seine Person lebte er
äusserst arm*).
Wir sind weit entfernt, zu meinen^ in vorstehender Skizze alle,
oder auch nur die Mehrzahl der Bischöfe genannt zu haben, welche
unter dem Gesichtspunkte der guten oder nuzlichen Werke (oder
auch als Schriftsteller) erwähnt und gerühmt zu werden verdienen').
Dazu fehlt es uns an den Qaellen, vor allem an dem Räume. Es ist
auch zu beachten, dass die vorhandenen Werke über die einzelnen
Bisthümer in Spanien nicht bis zum Jahre 1800 reichen, oder nur die
dürftigsten Notizen über die einzelnen Bischöfe geben').
0 Espafia sagrada, t. 44, Madrid, 1826, p. 207—211.
*) Ftc. de La Puente ist in diesem Kapitel noch kürzer als wir.
*) Die Fortsezer des Florez reichen nnr bei den BiBtbflmera Lerida und
Gerona Ober das Jahr ISOO hinaas. ViUanueva reicht im AllgemeiDeo zam Jahre 1800.
I
26»
Viertes Kapitel.
Bläthe der Literatur (1747—1808). Allmflliger Verfall.
§. 1.
Die im sechszehDten Jahrhundert so blühende spanische Literatur
konnte seit dem Verfalle des Staates und Volkes im siebzehnten Jahr-
hundert auf ihrer Höhe sich nicht erhalten. Langsam, aber docli
unverkennbar, erlahmte sie. Die kriegerische und im Allgemeinen
unruhige Regierung Philipp's V. forderte ihren Aufschwung nicht.
Doch trat eine allmälige Besserung ein, seitdem das Volk von den
Schlägen des langen Erbfolgekrieges sich zu erholen begann. Erst
seit der friedlichen, den innern Angelegenheiten zugewendeten, Regie-
rung Ferdinand VI. trat ein Um- und Aufschwung zum Bessern ein.
Bezeichnend für die neue Lage der Dinge ist es, dass schon im Jahn
1747 der erste Band des klassischen Werkes der „Espana sagrada"
erschien.
Eenrique Florez wurde am 21. Juli 1702 in Villadiego geboren,
trat zu Salamanca in den Orden des heiligen Augustin, erlangte dt*.
Grad eines Doctors zu Alcala de Henares, und wurde später Professo:
daselbst. Zur Einleitung in sein Hauptwerk erschien: Clave Histori:..
con qui se facilita la entrada al conocimiento de los hechos ocuridc-
desde el nascimiento de n. S. Jesuchristo hasta nuestras dias, Madriil,
1743, oft abgedruckt, und wieder im Jahre 1817, eine Art vergleicht!,
der Chronologie der Geschichte seit der christlichen Zeitrechnung.
Der L Band des Hauptwerkes hat den Titel: Espana sagracL;
Theatro geographico historico de la Iglesia de Espana. Origen* Divi-
siones y Limites de sus Provincias, Madr. (1747 und 17S4). D. .
n.Band erschien gleichfalls im Jahre 1747 (und 1754) und enthält einiu
Fiores. <e spanische Chroniken, deren genauer, oft erster Abdruck eiucr dii
}
Die „Espana 8agrada% Bd. I —XIII. 405
Haaptvorzuge des grossen Werkes ist, und es vortheilhaft vor ähn-
lichen, in Frankreich, Italien u. s. w. erschienenen Werken unterscheidet.
Der III. Band (1748, 1754) behandelt die Einführung des Christen-
thums in Spanien, und die Geschichte der sogenannten mozarabischen,
oder in Spanien ursprünglichen Liturgie (Misa). Der IV. Band
(1749, 1756 — dritte Aufl. 1859), handelt weiter von dem Ursprünge
der Bisthümer und Metropolen in Spanien. Vom V. Bande an (1750,
1763, 1859) geht Florez zu den einzelnen Bisthümern der Provinz
Carthaginensis über, welche aber überall nur bis zu der Zeit der
Maurenherrschaft behandelt werden, in der die alten Bisthümer er-
loschen. Dieser Band handelt von den beiden Metropolen Carthago
nova und Toledo, und behandelt jene Streitfragen, die in unserem Werke
ausführlich behandelt wurden. Band VI (1751, 1763) handelt von
den Concilien von Toledo, und bringt verschiedene Chroniken und
Documente. Band VII (1751, 1766) handelt von den unter Toledo
stehenden Bisthümern : Acci (Guadiz), Arcavica, Basti, Beacia, Complu*
tum, Osma und andern. Von den 13 hier behandelten Bisthümern sind
nicht weniger als 11 eingegangen, und nur die Diöcesen Guadix und
Osma wieder hergestellt worden. Band VIII (1752, 1769, 3. Aufl. 1860)
handelt von den Bisthümern Palencia, Saetabis, Segovia, Segobriga^ '
Segoncia, Valencia, Valeria und Urci. Von diesen acht Bisthümern
bestehen heute noch sechs, wenn man Segorve als Fortsezung von Se-
gobriga betrachten darf. Dass aber Almeria an der Stelle des alten
Urci liegt, davon hat uns eine im Jahre 1872 gefundene Inschrift über-
zeugt *).
Mit dem IX. Bande (1752, 1777, 1860) geht Florez zu der d« hei-
Kirchenprovinz Baetica oder Sevilla über. Der X. Band (1753^ HgeSpa-
1775) behandelt die Bisthümer (Abdera == Adra, dessen Existenz
Florez auf Grund einer einzigen Unterschrift annimmt), Asido oder
Xeres, Astigi oder Ecija, und Cordova. Hier finden sich die interes-
santen Untersuchungen über die Herrschaft der Mauren, über die
SchicksaliB, die Erfolge und die Verfolgungen der Christen von Cor-
dova im neunten und zehnten Jahrhundert. Ebenso interessant ist der
XI. Band (1753, 1775), der ausschliesslich von den berühmten Män-
nern von Cordova und ihren Schriften, besonders von Aharus von
Cordova, handelt. — Der XII. Band (1754, 1776) beschliesst diese
Kirchenprovinz mit der Darstellung der ältesten Geschichte der Bis-
thümer Eliberis, Malaga, welche fortbestehen, und Egabro, Elepla,
Italica, und Tucci, welche nach der Zeit der Mauren nicht wieder in
das Leben traten.
Mit semem XIII. Bande (1756, 1782, 1816) geht Florez über
>) Ffc de La Fuenie, I, p. leo.
406 Viorzehntes Buch. Viertes KapiteU
zu der Kirchenprovinz Lnsitania, die grossentfaeils im heutigen
Portugal lag, deren politische und kirchliche Metropole das seit den
Tagen der Mauren völlig yerfallene Ernerita war. Band XIV (1758,
Provinz 1786) handelt von den unter Merida gestandenen Bisthümem, Avila,
nia. Ooria, Coimbra, Ebora, Egitania, Lamego, Lisboa, Ossonoba, Pacense,
Salamanca, Viseo, Zamora, die alle, theilwebe mit veränderten Nameo,
heute noch fortbestehen oder wieder hergestellt wurden, sowie von dem
eingegangenen Bisthume Caliabria. —
provin. Band XV (1759, 1787) führt uns hmüber in die alte Provinz
Astorg«! Galicien, und handelt von seiner Metropolis Bracara im Besonderen.
— Der XVI. Band (1762, 1787) führt den Titel: „Von der heiligen
Kirche von Äatorga in ihrem alten und ihrem gegenwärtigen Stande.^
Es ist das erste Bisthum, dessen Geschichte Florez von seiner Grün-
dung an bis zu seiner Zeit, bis zum Jahre 1 762, fortführt. In kurzen,
aber doch dankenswerthen Umrissen hat S. Baranda die Geschichte
der Bischöfe Astorga's vom Jahre 1762 bis 1852 fortgeführt'). Der
XVII. Band (1763, 1789) handelt in ähnlicher Weise von dem Bis-
thume Orense bis zum Jahre 1763, und wird von S. Baranda bis zum
Jahre 1852 fortgesezt*). — Der XVIII. Band erschien im Jahre 1764
(und 1789) und handelt von den alten Bisthümern, genannt Britonia
oder Dumium, und von dem spätem Bisthum MondonedOf dessen
Bischofscatalog Baranda vom Jahre 1764 — bis zum Jahre 1852 fort-
führt«). Im Jahre 1765 (und 1792) erschien der XIX. Band, der das
,Heiii< Bisthum Iria und Compostella bis zum Jahre circa 1150 behandelt, bis
^nien*'* ZU der Zeit, in welcher Compostella Erzbisthum wurde. An die Bear-
B<Li4— beitung der spätem Zeit wagte auch Florez nicht heranzutreten, nnä\
'^' bis zum heutigen Tage fehlt uns eine kritische und zuverlässige Ge-
schichte der Erzbischöfe von Santiago. Der XX. Band erschien im
Jahre 1765 (und 1791) und enthält zum erstenmale die „BUstoria
Compostelana (hasta hoy no publicada), über welche wir früher be-
richtet haben*).
Mit dem XXI. Bande kehrt Florez nach Portugal zurück; der-|
selbe erschien im Jahre 1766 (und 1797). Die Geschichte der Bischöfe
von Oporto wird bis zum Jahre 1766 geführt, von Baranda aber vom
0 Baranda, Coleccion de docnmentos inöditos para la Historia de Espafis,
por D. Miguel Solvay y D. Pedro Sainz de Baranda^ tom. 22, Madrid, 1853,
p. 63—68. Für die Zeit von 1853 bis 1879 könnte ich anf das Snpplementom I
za meiner „Series episcoporum*^ — (1879), hinweisen, wenn zwei Axitegen, die idi
in Astorga gestellt, noch rechtzeitig beantwortet würden.
•) Baranda, t. 22, p. 98—104.
*) Baranda, p. 95—97. Für die Zeit von 1852—1879 siehe mein „Supple
mentum", für welches ich Beiträge aus Mondofiedo erhalten habe.
*) Kirchengeschichte II, 2, p. 367 sq.; besonders tll, 1. S. 104—107.
Lezte Arbeiten des H* Florez. Heiliges Spanien. 407
Jahre 1766 bis lf'52 fortgefahrt «). — Der XXU. und der XXIII. Band
(1767 nnd 1798, 1767 und 1799) enthalten die Geschichte der Bischöfe
von Tuy in Galicien — bis zum Jahre 1767, welche Geschichte von
Baranda von 1767 bis 1852 fortgesezt wird. Der XXIV. Band
(1769, 1804) enthalt die romischen Alterthümer von Tarragona; der
nächste Band (1770, 1859) handelt von der Eirchengeschichte Tarraco's
bis zu der Wiederherstellung der Metropole — 1137. Band XXVI
(1771 in zwei Auflagen) handelt von dem alten Stande der Bis-
thümer Auca (= Oca), Valpuesta und Burgos, bis zum Jahre 1579,
oder bis zur Erhebung des Bisthums Burgos zum Erzbisthume, während ""g"^.
der XXVII. Band (1772, 1824) von den Kirchen, Klöstern u. s. w. nien«.
des Bisthums Burgos handelt Der XXVIII. und XXIX. Band er-
schienen nach dem Tode des H. Florez. Jener (1774) handelt von ''^ore»
• + 17T8
dem Bisthume Ausona (Vieh) in „seinem 2ilten Bestande^% der Band
XXIX (1775) handelt von dem alten Stande der Kirche von Barcelona,
glebt einen Catalog der Grafen von Barcelona, und enthält die Samm-
lang der Schriften „der Väter von Barcelona^.
Florez hatte vor Beginn seines grossen Werkes fünf Bände Schrift;en
über Theologie herausgegeben. Ferner gab er neben dem „heiligen
Spanien^ einen Band über das Land „Cantabria^ heraus'). — Gleich-
zeitig mit der „Espana sagrada^ liess er seine drei Bände „über die
alten Münzen in Spanien^ erscheinen — „Medallas de 1^ colonias,
mnnicipioB y pueblos antiguos de Espana^, Madrid, 1757 — 1773, ein
noch heute sehr geschäztes Werk, in dessen „Medallas^ Bilder der
Kaiser neben Bildern von (zum Kampfe auf Leben und Tod sich in
Position stellenden) Stieren mit einander abwechseln. Er schrieb ferner
das oft von uns angeführte Werk: „Memorias de las reynas catolicas,
bistoria genealogica de la casa real de Castilla y Leon (Madrid, 1761,
2. Ausg. 1770, 3. Ausg. 1790)*), und „Elogios del santo rey Fernando,
Lobsprüche auf Konig Ferdinand den Heiligen , welche in hebräischer
und arabischer Sprache auf seinem Grabmale in Sevilla stehen: „zu-
gleich Tabellen der Hegiras oder Jahreszahlen der Araber ,^^ Madrid,
1752—1754.
Im Ganzen sind von Florez unter seinem Namen circa 42 Bände
erschienen. Was ich im Jahre 1868 über die „Espana sagrada^ ge-
artheilt, wiederhole ich im Jahre 1879: „Nicht England, nicht Frankreich,
^) Baranda, p. 110— 113. Die vier nach 1852 lebenden Bischöfe in meinem
Sapplementum, p. 90.
*) La Cantabria, Disertacion Bobre el sitio y extension qae tnvo en tiempo
de los Bomanos etc., Madrid, 1768 — i\
*) Diese dritte, von Ebert dtirte Aasgabe ist, nach dem Manuel de Brunei
5 ^dit, t. n, p. 1306, von zweifelhafter Existenz. Aber|;erade diese .Tercera Edidon*,
(üe icli in Cadix gefunden, liabe ich in Händen.
1
t
408 Vierzehntes Bach. Viertes Kapitel.
Italien oder Deutschland liai ein ähnliches Werk aufzuweisen, das so
gediegen gearbeitet , so reich an den wichtigsten Documenten wäre.
Es ist ein wahrhafter Schaz für die Eirchengeschichte^ ')• Damit
stimmt auch Emü Hühner überein, der, Alles in Allem gerechnet,
H. Florez für den ersten Historiker der Spanier betrachtet*).
Florez starb zu Madrid am 5. Mai 1773 in seinem Kloster San
Felipe el Real. Sein Ordensgenosse Franc. MendeZj geboren 25. März
1725, wurde dem Florez als „Amanuensis" zur Seite gestellt, welcher
seine Entwürfe^) und Documente in's Reine schrieb. In dieser Eigen-
schaft war er an seines „Meisters^' Seite vom 2. November 1749 bis zu
dessen Tode. Niemand war aus diesem Grunde auch geeigneter, das
Leben des „Maestro^^ zu schreiben. Es erschien unter dem Titel:
Noticias sobre la vida, escritos y viajes de R. P. Fr. Enrique Flores,
de la Orden de S. Augustin, primer escritor de la Espana sagrada,
p. Fr. Mendez, Madrid, 1780 — 4**).
Mendez hat auch den ersten Band der „Tipografia Espanola/'
oder „der Geschichte der Einführung, Verbreitung, und den Fort-
schritten der Buchdruckerkunst in Spanien,*' Madrid, 1796 — 4" —
geschrieben. Der zweite Band dieses wichtigen Werkes ist nicht er-
erschienen ^).
') Kirchengeschichte von J. A. MöMer, 3. Bd., 1868, S. 548.
*) HiUmerf Incript. Hispaniae latinae, 1869.
*) Borradores. So was kommt in nnserer Zeit nicht mehr vor.
*) Segunda edlcion, qne con notas y adiciones publica la real Academia de
la historia. Madrid, 1860, 4*, p. 4i6.
Eine genane Analyse sämmtlicher Schriften des Morez findet man bei Juan
Sempere y Ouarinos, Eneayo de una Bibiioteca Espafiola de los mejorea eacritores
de! reynado de Carios III., (6 tum.) t. 3, Madrid, 1786, p. 62—84, wo noch ver-
schiedene andere Schriften des Florez , Schriften Anderer, von ihm herauagegebeo
und ManuBcrlpte desselben, angeführt werden. Neben einer kostbaren Mflnsensamm-
lung nnd Bibliothek hatte er anch ein sehr werthvolles Natoraliencabinet gesam-
melt — Die ausführlichste Analyse über den Inhalt der Espafia sagrada findet man
bei Sainz Baranda in dem mehrerwfihnten Bnche, Madrid, 1853, welches anch den Titel
führt: Clave de la Espafia sagrada („Schlüssel zum heiUgen Spanien'') oayo objeto
es dar k conocer esta importante obra y facilitar su uso, p. 5—507; enÄält u. «•
eine Angabe aller der zahlreichen in der Espafia sagrada erschienenen Docnmente.
*) Wohl aber im Jahre 1864 eine zweite Anflage: Tipografia Eapafiola 4
historia de la introdnccion, propagacion y progresos del arte de la imprenta en Es*
pafia 2 edic; corregida y adicionada por D. Dion. Hidalgo^ Madr. 1861 (in Liefe*
rung). Dieser Band enthält nur das fünfzehnte Jahrhundert; der zweite Band, dal
sechszehnte Jahrhundert, wurde, als antographes Mannscript des VerfiiBserBy in dea^
Catalog von Salvä um 80 livr* angeboten.
Manuel Rieco, Fortseser der Espafia sagrada. 409
Manuel Bisco sezte nach dem Tode des H. Florez ,,Da8 heilige ^^^^^
Spanien fort." Geboren zu Haro am l. Juni 1735, trat er in daa
Augustinerkloster „unserer Frau del Risco" im Bisthum Avila ein, von
welchem er auch seinen Beinamen Bisco annahm. Er studirte zu Sala-
manca. Schon in den ersten Jahren nach Beginn der „£spana sagrada"
wünschte Florez ihn als Fortsezer derselben zu gewinnen. Er aber
entschuldigte sich wegen seines angeblichen Mangels an Fähigkeiten
und Kenntnissen. Nach dem Tode des Florez wurde er aber zu dessen
Nachfolger ernannt, zu der Zeit als er Kegent der Studien in dem
Kloster ,^Dona Maria de Aragon^ war. Im Jahre 1775 liess er den
XXX. Band der „Espana sagrada" erscheinen, enthaltend die Kirche
von Saragossa in ihrem alten Stande, mit einer Sammlung sämmtlicher
Briefe des heiligen Braulio von Saragossa, die« bis dahin nicht er-
schienen waren. Der XXXI. Band (1776) enthält die „Denkwürdig-
keiten der berühmten Männer von Zaragoza, die Geschichte Zaragoza's
in den vier Jahrhunderten der Gefangenschaft (circa 718 — 1118), sowie
die Werke des berttbmten Bischofs Tajo (651 — bis vor 683), „bis
heute noch nicht publicirt.^' Band XXXII. (1779), genannt ,4a Vas-
conia^^ oder das Land der Basken, ist zugleich Einleitung zu der Ge-
schichte der Bisthümer Calahorra und Pamplona. Band XXXIII (1781)
enthält die bürgerlichen und kirchlichen Alterthümer von Calahorra, so-
wie die t)enkwürdigkeiten der kurze Zeit bestandenen Bisthümer Nagera
und Alava. Die Bände XXXIV — XXXVI enthalten die Geschichte der
(exemten) Bischöfe von Leon (1784, 1786, 1787), Der XXXVIL Band
enthält die Geschichte des alten Königreichs Asturien^ Gründung der
Stadt und Kirche von Oviedo. Der nächste Band handelt von den
zu Oviedo gehaltenen Concilien, der XXXIX. Band aber von den
(exemten) Bischofen Oviedo's bis zum Jahre 1795 (1789, 1793, 1795).
Saim Baranda sezte den Catalog dieser Bischöfe von 1795 bis 1852
fort, wie er den Catalog der Bischöfe von Leon vom Jahre 1787 an
fortgesezt hatte ■). Band XL und XLI (1796, 179?) enthalten die Ge-
schichte der Bischöfe von Lugo, welche Baranda von 1798 — 1852 fort- Lago.
geführt hat^). Im Jahre 1801 gab Bisco seinen lezten Band, „die
bürgerlichen und kirchlichen Alterthtimer^^ der Städte Dertosa, Egaraund
Ampnrias heraus. Damit ruhte die Fortsezung des „heiligen Spaniens^^
bis znm Jahre 1819. Im Jahre 1800 erlangte Bisco auf seine Bitte
Enthebung von dieser Arbeit, weil er krank sei, er vollendete seine Tage
0 8. Baranda, t 22, p. 87 — 91 (Leon), p. 105—108.
») P. 92-93.
410 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel
in dem Kloster San Felipe el Real za Madrid am SO. April 1801. Es
scheint mir, dass seine Arbeiten und Leistungen nicht sehr weit hinter
denen des Meister Florez zurückstehen').
§. 3.
Ein Seitenstuck oder ein durch die Espana sagrada herrorge-
rufenes Nebenwerk ist das ,,Teatro eclesiastico de las Iglesias de
Aragon^^ („kirchlicher Schauplaz der Bisthumer von Aragon^^), welches
von zwei Capucinem bearbeitet wurde. Die vier ersten Bande, enthaltend
die Geschichte der Bischöfe von Zaragoza, gab Fray Lamberto Zaror
goza heraus. Er gerieth wegen der Bischöfe der ersten Jahrhunderte,
deren Existenz er nach den sogenannten spanischen Traditionen Ter>
theidigen wollte, in eine literarische Fehde mit ManuSl Bisco. Yiel
solider gearbeitet ist die Fortsezung des Werkes durch FV. Baanon de
Huesca; Band 5 — 7, Pamplona, 1792 — 1797, handelt von den Bischofen
von Huesca. Der achte Band erschien im Jahre 1802 in Pamplona,
und handelt über das Bisthum Jacca. Im Jahre 1807 erschien ru
Zaragoza ein neunter Band, welcher von den Bisthümem Boda und
dessen Fortsezung Barbcistro handelt. Wegen der folgenden Kriege
konnten die weitem Bände nicht erscheinen. Fr. Bamon de Hoesca
musste den zehnten und eilften Band, enthaltend die Geschichte der
Bisthumer Albarracin und Teruel, im Manuscripte hinterlassen.
Die Bis- Neben dem Werke dieser beiden Capuciner erschienen fon dem
in Ära- Piaristen Jociq. Traggia de S. Domingo zu Madrid 1791 — 1792 zwei
^®'' Bände: „Apparat zu der Kirchengeschichte von Aragon/' Dieser
Apparat holt aber in der mythischen und politischen Geschichte von
Spanien so weit aus, dass er aufhört, bevor die Eirchengeschichte von
Aragon anfangt. Es soUte eher heissen: „Das romische Aragon (ien)/^
Band 3 — 5 liegen als Manuscript in der Academie der Geschichte zu
Madrid. Band 4 — 5 handeln erst von der Geschichte des „Volkes
^^' Gottes^' (der Juden), und von den Anfangen der Predigt des Evan-
geliums in Aragonien. In derselben Academie befindet sich eine grosse
Sammlung von Manuscripten desselben Verfassers. Von Einzelwerken
über die Geschichte der Bisthttmer jener Zeit wollen wir nur vier an-
B.Dora- f g{u.QQ^ Im Jahrc 1 766 gab Bemard. Dorado „ein historisches Com*
pendium der Stadt Salamanca, ihres Alterthums, und ihres Bisthoms
(*
') In der Einleitang oder dem Prolog des XLUI. Bandes der .E^Mina
sagrada^ findet man, p. V — VII einen Bericht über das Leben and die Ver-
dienste des Bisco an diesem grossen Werke des „heiligen Spaniens*, das heute,
nach 131 Jahren seit seinem Beginne, kaum zur Hälfte vollendet ist» Kfirxer handelt
über ihn Baranda^ p. 12—13 1. o.
Benedictiner« 411
hcrans. — In vier Banden gab in den Jahren 1789 — 1793 Christof.
Medina Conde unter fingirtem Namen die interessanten „geschichtlichen
Conversationen über die Civil-, Natnr- und Eirchengeschichte der Stadt
nnd des Bisthums Malaga^' heraus. Wahrhaft classisch an Form und ^^^
Inhalt, and auch in der äassem Ausstattung ist das in drei grossen
Octavbänden erschienene Werk über das Bisthum Osma: Descripoion ^^^^^
historica del obispado de Osma, mit drei Dissertationen über die Lage
der alten Städte Numantia, Uxama und Clunia, von Juan Lopcnraez
Corvalon, Canonicus von Cuenca, Madrid, 1788.
Der Jesuit Matthäus Aymerich^ geboren bei Gerona, 27. Februar Btweio-
1715, lehrte in seinem Orden Philosophie und Theologie, war auch n^tth.
Kanzler der Universität Gandia. Neben vielen andern Werken schrieb Ayme-
er: Nomina et acta episcoporum ßarcinonensium, das. 1760. Er schrieb
das Werk auf Bitten des Bischofs Sales^ um die Geschichte des Bis-
thums von den falschen Fabeln zu reinigen. Nach der Vertreibung
der Jesuiten lebte er viele Jahre zu Ferrara, wo er Verschiedenes, be-
sonders über lateinische Literatur, herausgab. Er starb daselbst im
Jahre 1799').
§. 4.
Bei Arbeiten über die Geschichte der Bisthümer hofft man vorzugs-
weise den Arbeiten der Benedictiner zu begegnen. Diess ist in Spanien
nur in beschränktem Maasse der Fall. Einer der gefeiertsten Benedictiner
jener Zeit war Benito Geronimo Feyioö y Montenegro, auf welchen die Spa-
nier grosse Stücke halten*). Er wurde geboren am 8. October 1676 und
starb am 26. September 1764 zu Oviedo, wo er Abt des Ellosters zum
heiligen Vincenz gewesen. Berühmt ist sein „Teatro critico, sopra los
errores comunes^. Madrid, 1726 — 1746, 16vol.8^ Diesem folgten seine:
Carlas eruditas y curiosas, gelehrte und interessante Briefe), 1742 bis
1 760 — 8 Bde. 8**. — „Feyioö fürchtete sich nicht,*' sagt ein Biograph, Fejio*.
^,die Unwissenheit der Mönche, die Ungebundenheit des Klerus, die
lächerlichen Privilegien, den Missbrauch der Wallfahrten, der Exor-
cisaien, der angeblichen Wunder und Anderes anzugreifen.^^ Natürlich
erstanden ihm daraus viele Gegner. Es ist schon bedenklich, dass
ein Liberaler, wie Campomanes^ das Leben des Feyioö schrieb und seine
') Juan Sempere, Ensayo etc., t I, p. 171—176 — Felix Torres y Ämat,
Escritores CatalaneB, 1^36, p. 66— 68.
') Als ich im Jahre 1865 in Barcelona war, s.'igte mir ein dortiger Schrift-
steller, er habe den ganzen vierten Band eines dort erscheinenden biographischen
Lexieons ;mit dem Artikel über Feyioö angefüllt. — Sein ,|Teatro critico** ist, an
Tersciiledenen Orten, fünfzehnmal wieder abgedruckt worden.
412 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
gesammelteu Werke herausgab '). Dagegen sagt freilich Sempere: nDk
ganze Nation verehrt den Namen des vorzüglichsten Wiederhersieller»
ihrer Literatur. »Der Ruf des so gelehrten Feyiaöj^ sagt der Graf
CampomaneSy „wird unter uns fortdauern , so lange die Nation eioe
cultivirte sein wird/* — Noch viele andere seiner Werke sind bei
Sempet'e verzeichnet'). Feyioö vertheidigte n. a. die richtige Ansicht,
dass Spanien nie bevölkerter gewesen, als zu seiner Zeit, ond das«
namentlich seit Philipp IL die Zahl der Einwohner nicht bedeutend
abgenommen habe. Der Convertit Clarus dürfte nicht Unrecht haben,
wenn er sagt, dass Feyioö gar viel lauwarmes Verstandeswasser
destillirt habe'). Diess wäre verdienstlicher gewesen, wenn er ein
„kritisches Theater'* der Geschichte der Erzbischöfe von Santiago
hinterlassen hätte.
Mart. Martin SarmieniOy sein Ordesgenosse , gab schon im Jahre 1732
miento ^^^^^ ^^ Superlativ lobpreisenden Apologetisus des kritischen Theaters
Feyioifs in dessen vier ersten Bänden heraus. Er war damals Lector
der Thologie bei S. Martin in Madrid. Nach dem Tode des P. jSar-
miento gab das Kloster San Martin seine „Obras posthumas^' heraus, u.a.
eine „Geschichte der spanischen Poesie und der spanischen Dichter^'').
— In dem Sammelwerke des „Semanario erudito'^ ist von ihm gedruckt:
„Ein Commentar von interessanten und auserwählten Büchern."
Der Benedictiner Bomuald Esccdona, Chronist der Congregatioo
des heiligen Benedictns von Spanien, gab die „Historia del Real Mona-
sterio de Sahagun^' — Madrid, 1782, in foL, heraus, nach den hinter-
lassenen Manuscripten des Fr. Jos, Perez, durchaus gestüzt auf Original-
Escaio- Documente aus dem Archiv von Sahagnn, durch welche viele Irrthümer
°^' in der Chronologie berichtigt, und viele wichtige Thatsachen der welt-
lichen und Kirchengeschichte von Spanien bestätigt werden. 326 hier
mitgetheilte Urkunden aus dem dortigen Archiv gehen vom Jahre 904
bis zum Jahre 1475^).
Manuel Der schr gelehrte Benedictiner Manud Abtxd y Ltmerra wurde
^'j*^ y am 24. December 1729 im Bisthum Lerida geboren, studirte in Huesca,
ra. trat in das berühmte Kloster San Juan de la Penna ein, wurde Abt
von S. Maria de Meya, am 18. Juli 1783 erster Bischof des neuer-
richteten Bisthums von Ivipa; von hier wurde er am 28. Jnli 1787 als
■) Madrid, 1780, 33 vol. 8«.
*) Ensayo, t lil, p. 19—46.
*) Ticknor-Juttua, II, p. 350.
*) Ensayo, V, p. 110-114. — Madrid, 1776.
*) HiBtoria del Beal Monasterio de Sahagnn, sacada de la que dezo escrita el
P. M, Fr. Joseph Perez, Gatedratioo — de SalamaDca, anment con mucbas ne-
morias muy eonducentes k la historia general de Espafia. Madrid, 1782, foL —
Sempere, Ensayo. III, p. 1—2.
Abad 7 Lastern, 0. S. B. Franc. Perez Bayer. 413
Bischof nach Astorga versezt. Nach drei Jahren, im Jahre 1790, ent-
sagte er dieser Würde, wurde zum Director der königlichen Stadien
von Madrid ernannt, zum Erzbischof von Selimbria i. p. inf., und zum
Gross -Inquisitor — 1792, auf welche Stelle er im Jahre 1794 auf
Befehl Carl's IV., d. i. Manuel Godoy's, verzichten musste. Er zo^
sich in seine Heimath zurück, und starb zu Zaragoza am 12. Januar
1806. Er vermachte der königlichen Academie der Geschichte seine
werthvoUen Handschriften, sie aber bezeichnete ihn in ihrem Nachrufe
als einen „sehr gelehrten und achtenswerthen Prälaten, als ungemein
bewandert in unserer alten Diplomatik und Paläographie, xmd sehr
verdient um unsere Academie^^ *)• Seine Werke sind aber leider bis
heute „Manuscripte*^ geblieben. Er schrieb über die Kapellen der
Konige von Spanien, u. % über die Kapelle von Alquezar bei Huesca,
über das alte Kloster Fotfrida in Aragon'), über das Kloster Meya
in Catalonien, dessen Prior er gewesen'), über den alten Bischofssiz
von Hictosa (heute Tolva), mit dem Cataloge seiner Bischöfe^); er
verfasste eine Geschichte und Beschreibung des „alten und neuen
Pantheon^^ (der Kirche) seines Klosters S. Juan de la Pena^). — Er
schrieb über die Inseln Ivi9a und Formentera, sowie die anliegenden
kleinem Eilande, deren Bischof er gewesen war. Das Manuscrif)t
trägt das Datum: Ibiza, am 6. September 1786. — Wir bedauern,
dass alle diese gelehrten und gründlichen Forschungen nicht gedruckt
worden sind.
§. 5.
Die nun folgenden Schriftsteller wollen wir nach der alphabetischen
Reihenfolge ihrer Namen anfuhren. Franc* Perez Bayer, wurde im Jahre P«res
1711 zu Valencia geboren, war Professor der orientalischen Sprachen ®'^*'"
zu Salamanca; er wurde nacheinander Archidiacon von Valencia, Er-
zieher des Infanten Gabriel, und C)on8ervator der königlichen Biblio-
thek zu Madrid. Er erhielt mit zwei Genossen im Jahre 1750 von
Konig Ferdinand VU. den Auftrag, zu einer „literarischen Keise^, um
die hebräischen Inschriften und Documente zu copiren und' in eine
genaue Ordnung zu bringen. Daran arbeitete er zu Toledo bis zum
■) Memorias de la r. A. de la historia, t. Y. Baranda, 1. c. t 22, p. C4.
*) Laiassa, Biblioteca nneva Aragon^s, t VI, p. 308.
*) M. S, in t XVIII seiner ManascripCe in der Academie de la Historia.
*) In dem sehr genauen Verzeicbnisse der alten spanischen Bisthflmer bei
Baranda, (I. c. t 22, ^Catalogo de las sillas antigaas y modemas de 1. IgL Es-
pafiola, p» 59—121 — kommt Ictosa nicht vor, aber bei Munoz, Diccionario. 8. V«
Tolva. Lataasa, Bibl. naeva, t VI. p. 807,
*) Munoz, Pefia, nr. 8, '
414 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Jahre 1752. Er erhielt sodann eine Dommherrnstelle zn Barcelona,
und den neuen Anftrag zu einer Reise nach Italien, um Mannscripte,
Münzen und andere alte Denkmale (mit Beziehung anf Spanies) zn
durchforschen. Er besuchte die ersten Bibliotheken Italiens , und trat
mit vielen Gelehrten, u. a. dem Cardinal Querini, in Yerbindang, und
sammelte die seltensten Münzen. In Born legte er eine vollständige
Sammlung der Inschriften, Grabschriften und Erinnerungen an dk
vielen von alter Zeit her dort anwesenden Spanier an, wo er auch im
Jahre 1756 die erwähnte Schrift über die Spanier, die heiligen Liaurentius
und Damasus, herausgab^). Mamaehi nennt ihn einen Gelehrten in
der lateinischen, griechischen und hebräischen Literatur, einen hervor-
ragenden Kenner der Geschichte und der Alterthumer. In Rom habe
er das Arabische so schnell erlernt, dass er seinen Lehrer nicht so fast
eingeholt, als überholt habe. Er kann die Schrift über Damasus nicht
genug bewundem, in der er seine Gegner völlig entwaffnet habe. Ueber
seine Schrift: „De alphabeto y lingna de los Fenices y de sus colonias.*'
Madrid, 1772 — fol., wurde in romischen Blättern geurtheilt^ dass ibr
Verfasser, besonders in diesem Gebiete der Literatur, nicht leicht Einen
seines Gleichen habe. Diese Dissertacion wurde der Ausgabe des
Sallustius für den Infanten Gabriel, einem Meisterwerke der Buch-
druckerkunst, die damals zu Madrid in höchster Blüthe stand , bei-
gegeben. Er legte eine kostbare Sammlung von hebräisch-samaritanischec
Münzen an; darauf gestüzt, gab er die berühmte Schrift heraus: „De
Nummis Hebraeo-Samaritanis,*' Valencia, 1781. Ein Kenner in den
literarischen Efemeriden von Rom — vom Juli 17£l — sagt: keine
Schrift von gleicher Sach- und Formvollendung in diesem Gebiete ge-
sehen zu haben. Da aber das Werk doch einigen Widerspruch fand,
so gab BayeVy schon 79 Jahre alt, seine „Nummorum Hebraeo-Samarita-
norum Yindiciae'^, 1790, fol., heraus. Mit und neben Caairi arbeitete
er in 3 t. fol. einen Catalog der castilianischen, lateinischen und griechi-
schen Werke im Escurial aus, mit vielen interessanten Noten und
Schriftproben. Er nahm auch an der Widerlegung der erdichteten
Alterthumer von Granada den lebhaftesten Antheil*). Perez Beyer
hatte die Materialien zu einem grossen Werke: „Antiguedades Es-
panoles" gesammelt, und Materialien .zu vielen andern Werken. — Er
war ein Gelehrter von europäischem Rufe, und hat gezeigt, was die
gelehrten Spanier bieten könnten, wenn die äussern Verhältnisse für
sie nicht gar so ungünstig lägen. Aber in Beziehung auf die Literatur,
auf die Möglichkeit, die Literatur der andern Völker benüzen zu können,
0 Kirchengeschiclite II, 1, S. 330—33?.
') Die Schrift, EiroheDgeschichts I, S. 182, Aam. i, Ut zum grosses TbeJ
sein Werk.
Philipp Beitran; Bocanegra. 415
ihre eigenen Manuscripte in anstandiger Form nnd ohne allzu grosse
pecaniäre Opfer heranszageben, scheint Spanien bente mehr, als zu
Bayen^a Zeit, das „Ultima Thule'^ za sein. (Seine Verdienste nm die
Herausgabe der Bibliothek des Nie, Antonio sind früher erwähnt.)
Schade war, dass er ihn nicht für die Zeit von 1680 — 1790 fortgesezt
hat^). Bay&r starb zu Madrid am 26. Januar 1794, 83 Jahre alt.
«.V,
* *?
§. 6.
Philipp BeUran, (von 1763 — f 23. November 1783) Bischof von pwiipp
Salamanca, und Grossinquisitor (1775 — 1783) war einer der gelehr-
testen Bischöfe seiner Zeit. Er gab heraus: „Coleccion de Cartas
Pastorales y Edictos^^ (Madrid, 1783, 2 t.). In ihnen zeigt jsich eine
,^maje8tatische Beredtsamkeit ^ grosse Kraft und Beinheit des Styles.
Besonders die Briefe über die Ausübung des Predigtamtes, über die
Unterstüzung der wirklichen Armen, über den Charakter der wahren
Reue — sind Muster der heiligen Beredtsamkeit.^^ Im Jahre 1778
gründete er das Seminar von San Carlos^ und gab im Jahre 1783
musterhafte Constitutionen für dasselbe heraus^).
Franc. Bocanegra, Bischof von Guadix (1757 — 1773) und Erz-
bischof von Santiago (f April 1782) gab zu Madrid 1775 — zwei
ßände „Sermones^^ heraus, welche im Jahre 1783 in zweiter Auflage
erschienen, worin er einen Fortschritt der geistlichen Beredtsamkeit in
Spanien vom Jahre 1755 — 1775 mit Freuden constatirt^).
AnAreas Marc. Bur(r)ielj (geb. 1719), trat in die Gesell- ^•'^
Schaft Jesu ein» Wie Perez Bayer, wurde er im Jahre 1750 nach BurrieL
Toledo gesandt, um die dortige Bibliothek zu reorganisiren , und die
Archive zu durchsuchen. Er arbeitete dort von 1750 bis 1755.
Zahlreiche andere Gelehrte erhielten ähnliche Aufträge für andere
Städte Spanien's; sie hatten ihre Manuscripte an Burrid einzusenden,
dieser aber sie zu ordnen, nnd an das Ministerium zu berichten. Er
sollte eine allgemeine Sammlung aller alten, die Kirchengeschichte
Spanien's betreffenden Documente herstellen, besonders über die Con-
cilten und die Literatur. Schon im Jahre 1752 war er weit vorge-
schritten. Er hatte 2000 authentische Documente von der Eroberung
von Toledo an — gesammelt« Er studirte genau die altgothische Liturgie.
Er handelt auch von andern Sammlungen der liturgischen Bücher in
Spanien, von denen er genaue Abschriften nahm. Er spricht mit Recht
0 Für die Zeit von 1738—1788 tritt Semp&re ergänzend ein. I, p. 189-202,
*) Sempere, J, p. 202—212.
*) iSwipere, I, p. 216—217.
416 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
von den spanischen Litnrgieen, in allen ihren Verzweigungen*). Er
meint, man müsse alle drncken: „proat stant^^ Die im elften Jahr-
hundert in Spanien eingefiihrte romische Liturgie sei, zwar nicht im
Wesen, aber doch in bedeutenden Formen, von der ersten romischeu
sehr verschieden gewesen. Er beschwert sich Ober die unverschämte
Verwegenheit des spanischen Martyrologium's von Tamayo y SaLazar
— 6 tom. foL, und wünscht ein gereinigtes Martyrologinm zu sehen.
(was meines Wissens bis jezt nicht erschienen ist,) beklagt, dass in
ganz Toledo nicht ein Exemplar der Bollandisten oder der „ältesten
Martyracten^^ des Rninart sich befinde, oder eines neuem ähnlichen
Werkes *). — Er spricht auch einige Conjecluren' über das dem Isidor
von Sevilla zugeschriebene Werk: „de ortu et interitn patrnm^' (dessen
Aechtheit wir angezweifelt haben) aus.
Keine der von P, BurrUA herausgegebenen Schriften erschien
unter seinem Namen. Als seine Schriften sind aber u. a. anerkannt:
„La Paleografia Espanola^^'), „Abhandlung über die Gleichförmigkei;
der Gewichte und Maasse'^, Madrid, 1758. „Noticia de la California'^
3 t. 4* — Madrid, 1757; Vorrede zu der wahrhaften Sammlang der
Canones der Kirche von Spanien, nach dem heiligen Isidor^ edirt von
Sema-Santander — Brüssel — an. VIII (der Republik im Jahre 1800;.
Burrid starb am 19. Juni 1762, erst 42 Jahre alt. — Wir staunen
über seine riesenhafte Arbeitskraft und umfassende Gelehrsamkeit, und
bedauern lebhaft, dass die meisten seiner Schriften ungedruckt geblieben,
dass namentlich seit 120 Jahren das Studium der „CoUectio Canonun.
Ilispana^' so zu sagen nicht „vom Flecke gekommen^^ ist. Erst wenn
alles handschriftliche Material gedruckt vorliegt, wird man über die
Zeit und den Ort der Abfassung besser urtheilen können^).
cahnd^a Der Merccdaricr ÄugusL Cabad68 Magi, Professor der Theologie
in Valencia, hat daselbst im Jahre 1781 den ersten Band: „Institution is
Theologicae in unsum tyronum adorn.^ herausgegeben, welche sclu
gerühmt werden, weil sie den Intentionen der damaligen Zeit und lic-
gierung entsprachen»).
Bischof Der Licentiat der Theologie, Ramon Cabrera schrieb eine ge-
ouo." l^l^rte Schrift: „über die verschiedene Disciplin der Kirche von Spanien
über den Ort der Begräbnisse^).
Alfana Cano, Trinitarier, aus La Mota, bekleidete verschiedeiu
ehrenvolle Aemter in seinem Orden; am 22. Juni 1770 wurde er zuu
') Man kann hier an die Liturgie von Sevilla, und von Bracara denken.
*) So gross war nnd ist der Mangel an nichtspanischer Literatur in Spanien
') Erschien 1755 und 1758.
*) Sempere, I, p. 233—245. - Backer, lilcrivains, V, p. 108-110.
•) Sempere, II, p. 1 — 4.
*^ üempere, 11, p. 18 — 21.
Der Bischof AlfonB Cano von Segonre. 417
Bischof von Segorve ernannt. Seine erste Sorge war die Errichtung
eines j^SeiniDario Conciliar'^ (von Trient), und er arbeitete eifrig an
der Reform des Klerus. Bei dem Baue neuer Kirchen drang er auf
einen strengen und reinen Styl. Er forderte den Ackerbau, und die
Cultnr der Oelbäume, für jeden neu gepflanzten Olivenbaum bezahlte
er 3 — 4 Realen; er gründete an vielen Orten Volksschulen. Er stiftete
eine öffentliche Bischof liehe Bibliothek , um die Kenntnisse in seiner
Stadt und Diocese zu verbreiten. „Dieser grosse Prälat'^ starb am
17. April 1780'). Er schrieb „Metodo de estudios monasticos^' (welche
in den Provinzen seines Ordens von Castilien, Leon und Navarra ein-
geführt wurde, und Einiges über Landwirthschaft^).
§. 7.
Im Jahre 1772 ergieng eine Verordnung ^der königlichen Kam-
mer^, es solle ein „Haus der Studien^ für den Unterricht der Franois-
caner in der arabischen und griechischen Sprache errichtet werden,
welche sich den Missionen im heiligen Lande und in Asien überhaupt
widmeten. Der Pater Franc. Canes vom Orden der unbeschuhten '''"®'
Franciscaner hatte 16 Jahre in den Missionen von Asien in der arabi- der Ara-
schen Sprache gepredigt und Beicht gehört, und war später Lector ^^^•
der arabischen Sprache gewesen. Er verfasste nun eine; „Gramatica
Arabigo — Espanola^, mit einem Worterbuche, und dem Texte der
„christlichen Lehre^ im Arabischen').
Anton Capmani hat im Jahre 1 779 ein wichtiges, mit Documenten ^°^*
belegtes Werk „über die Marine, den Handel, und die Künste der „«ni.
alten Stadt Barcelona^ herausgegeben, welches für das Studium der
Geschichte der Missionen, besonders in Afrika, von Bedeutung ist,
wozu später das Werk kam : „Alte Verträge zwischen den Königen von
Aragon und verschiedenen ungläubigen Fürsten in Asien und Afrika,
Madrid, 1786. 302 Documente sind dem Werke beigegeben; das Werk
handelt z. B. über die zu Barcelona seit dem sechsten Jahrhundert
gehaltenen Concilien. Derselbe gab im Jahre 1777 eine „Philosophie der
Ikredtsamkeit^ heraus; dazu „historisch-kritisches Theater der castiliani-
soben Beredtsamkeit^ vom dreizehnten bis zum achtzehnten Jahrhun-
dert^)« Capmani wurde gel)oren zu Barcelona 24. November 1742, lebte
35 Jahre in Madrid, war seit 1790 „beständiger Secretär^ der Aca-
0 ViOanueva, t. 8, p. 108-111.
•) Änt, FonSf Viage de Espafia, t 10, Carta 7. — Sempere, II. p. 117—123.
*) Sempere, II, p. 130—131.
*) Madrid, 1786-1794^ 6 tom. in i\
Qanitt, tp«a Kirche. 111. 9. 27
418 Vienehntes Bach. Viertes Kapitel.
demie der Geschichte. Zar Zeit des Einfalls der Franzosen floh er
nach Sevilla am 1. Januar 1809, stand an der Spize der Vertheidiger
des Vaterlands, worde Depatirter von Catalonien für die Cortes in
Cadix, und starb am 14. November 1813. j^Seine literarischen Werke,
und seine Anstrengungen für die Unabhängigkeit und den Buhm der
. Kation werden sein Andenken unsterblich machen*^ — lautet seine
Grabschrift. — Viele Werke von ihm blieben ungedruckt'}.
Miobam Der Maronit Micha^ Casiri, Bibliothekar u. s. w., ist bekanoi
^ ' geworden durch seine: ^^Bibliotheca Arabico-Hispana EscnrialeDsis."
Madrid» 1760, 2 fol. Er giebt Notizen von 1805 Codices. Darontei
ragte ein um 1049 in cufischen Buchstaben ver£asstes Buch hervor:
9,Collectio sacrorum Canonum^, verschieden von dem Codex Aemilia-
nensis und Vigilianus derselben Sammlung im Escurial, das leider ver-
loren gieng^).
Hodr. jQß^ Bodfiguez Ca$tro, OfHcial an der königlichen Bibliothek, liess
^' die: Biblioteca Espanola, T. I, Madrid, 1781, fol. — Rabbiniscbi
Schriftsteller in Spanien — erscheinen, welche bis zum fünfzehnten
Jahrhundert reicht. Der zweite Band, 1786, handelt von den heid-
nischen und christlichen Schriftstellern in Spanien bis zum dreizehntem
Jahrhundert, so dass das Werk lange nicht vollendet ist^).
Franc. Cerda y Rico gab eine grosse Anzahl von Werken
sepui' früherer Schriftsteller, u. a. des GeneiAia Sepulveda^ der Chronik AI-
^®***- fons VIII., 1783, Alfons des Weisen von Caspar Ibannez da Segovia.
die wir zum Theil schon erwähnt haben, heraus; er schrieb femer die
Reden berühmter Spanier auf dem Concil von Trient u. a.^).
Der Ex-Jesuit Ant. Eximeno liess zu liom im Jahre 1774 sein
Werk: „Von dem Ursprünge und den Gesezen der Musik, der Gt
schichte ihres Fortschrittes, ihres Verfalls uud ihrer Emeueraug*
drucken. In Spanien war er Professor der Artillerie zu Segovii
gewesen*).
§. 8.
Der Ex -Jesuit Jos* Franc, de Isla^ geboren 1703, war schon nu'
24 Jahren ein beliebter Prediger. Seine zwischen I72y — 1754 g-
schriebenen Predigten sind von grosser Reinheit und Eindringlichkeu
Gegen die falsche Predigtweise seiner Zeit schrieb er: „Geschielt
') Sempere, II, p. 132-144; Amat y Torres, p. 145—152.
*) Sempere, II, p. 156 — 168.
^ üempere^ U, p. 161— 16«.
*) Sempere, II, p. 173—185.
*) Sempere, III, p. 5 — 11. — Backer, IV, p. 203.
Fray Gernndio; P. Jos^ Isla. 419
des berühmten Predigers, Bmders Gerundio de Campazas oder Zotos.
Es ist ein satyrischer Roman. Das Bach ist ernst and schneidend
geschrieben* Er schildert seinen fingirten and dennoch wirklichen
Fray Gernndio n. a. also: Er war im vollsten Besize seiner Kraft,
etwa 33 Jahre alt, schlank, stark und kräftig, von wohl sich an-
schliessenden nnd wohl gebildeten Gliedmassen, männlicher Haltung,
zum Fettwerden sich neigend, das Haupt aufrecht tragend, und den
Kreis der Haare um seine Tonsur soi^fältig und genau geordnet und
gekämmt haltend« Seine geistliche Tracht war immer sauber, und fiel
in weiten und regelmässigen Falten an ihm herab. Seine Schuhe
passten ihm aufs Vollkommenste, sowie hoch oben sein seidenes Barett,
welches mit seltener Stickerei und einer reichen Troddel geschmückt war,
alles die Arbeit gewisser andächtiger Frauen, die vor Bewunderung ihres
Lieblingspredigers starben. Kurz, er sah recht jung und liebenswürdig
aus, und fügte hiezu eine helle volle Stimme, ein leichtes, beliebtes
Lispeln, eine besondere Anmuth bei Erzählung einer Geschichte, Ge-
berdensprache, leichte Bewegungen, eine einnehmende Weise, erhaben
klingende Worte, nicht geringe Dreistigkeit, und dabei vergass er niemals
in seine Beden Scherze, Sprüchworter und gebräuchliche Redensarten
äusserst geschickt einzuflechten, wodurch er denn bei seinen öffentlichen
Predigten allgemein beliebt wurde, und in den von ihm besuchten
Sälen der Vornehmen Alles mit sich fortriss ')• Isla giebt verschiedene p. isia.
Beispiele dieser manierirten, vielmehr widerlichen Predigtweise seiner
Zeit. Ohne Wissen IMs erschien der erste Band des Romans,
1758; in 24 Stunden waren 800 Exemplare verkauft;. Isla musste der
Inquisition Red' und Antwort stehen, sein Buch wurde 1760 verboten;
nach dem „Indice^^ von 1790 wurden auch Schriften für und gegen das
Buch verboten. Isla wurde mit seinen Mitbrüdern nach Italien depor-
tirt; der zweite Band des y^Qerundio^ erschien zuerst englisch 1772;
bald erschien das ganze Werk spanisch zu Bayonne, welchem viele
Auflagen an- verschiedenen Orten folgten^). Im Jahre 1813 wurde der
Druck in Spanien erlaubt, 1814 verboten. Aber „Bruder Gerundio^
wurde ein Spizname für diejenigen, welche in jener niedrigen Weise
predigten, und ein Priester, von dem man glaubte, dass er ihn ver-
diene, vermochte nicht länger andere Zuhörer um sich zu sammeln,
als solche, ans denen der Pöbel öffentlicher Pläze besteht.^ In seinem
„Cicero", der in 16 Gesängen über 12.000 Verse enthält, geisselt er
die Liebensweise der damaligen modischen Damen und die herrschende
•) Don Franc. Lohen de Salazar, (pseudonym), Hlstoria del famoso Pre-
dicador Fray Oerundio de Campazas — 4 Bde., Madrid, 1813, 12*.
\ Wieland, Deutscher Mercur, 1773, 111, p. liJG. - Rob. Walt, Bibliotheoa
Britannien, 1824, 8. v. Isla,
27*
420 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
verkehrte Erziehung. Der Dmck des Werkes wurde verboten ^). Von
seinen Predigten warden sechs Bände, ebenso seine „Cartas familiäres'',
Madrid, 1798, in 6 vol. gedruckt Seine ,, Aasge wählten Werke^ erschienen
in der grobsen Sammlung von Rivadeneyra — 1 tom., 1850 unter den
spanischen Classikern^. Viel Aufsehen machte seine im Jahre 17^i
erschienene Uebersezung des „Gil Blas^ von Le Sage, welches Werk
er auf dem Titelblatte bezeichnet: als „aus dem Spanischen gestohlei ,
und jezt seinem Vaterlande und seiner Sprache durch einen Spaniti
zurückgegeben, der es nicht dulde, dass man mit seinem Volke Scher/
treibe^ '). A. Llorenie hat im Jahre 1822 zwei Denkschriften desselben
Inhalts herausgegeben, wobei er sich aber vorwiegend auf innere
Gründe stüzt.
Ma'i Aufgabe bestand in der Satyre, und er hat seinem Vater-
lande den grossen Dienst erwiesen, aus dessen ehrwürdigen Kirchen d\v
niedrige Predigtweise zu vertreiben, welche sie schon lange verunziert
hatte. Der Bruder Oerurulio erfiillte diese seine Au%abe fast ebenso
vollständig, als der Don Quixote die seinige, die unsinnige Leidenschan
für Ritterromane, welche im siebzehnten Jahrhundert herrschte, völlig
auszurotten** (lala f 2. November 1781)*).
Der Ex- Jesuit Xaver LampiUas Hess in den\Jahren 1778 — 17S1
zu Genua in 6 Bänden „einen historisch -apologetischen ,}Saggio" dei
spanischen Literatur gegen die voreingenommenen Meinungen einigt!
neuem Italienischen Schriftsteller^ erscheinen'). Aus diesen und andere
Arbeiten sieht man u. a., mit welcher unauslöschlichen Liebe diese a^:^
ihrer Heimath schmählich ausgestossenen Jesuiten an ihrem Vaterland-,
auch in der Fremde hielten und hiengen, während andere Elüchtig-
nach dem Grundsaze lebten: „W^ess' Brod ich ess', dess' Lied ich sing.^
Eugen Llaguno y Amirola gab 1779 die Chroniken der Königt
von Castilien, D. Pedro, D. Enrique II., D. Juan I, D. Enrique III.,
von dem Grosskanzler von Castilien D. Pedro Lopez de Ayala, unc
mit den Verbesserungen des Secretärs Hieron. Znrita heraus — 2 t. 4',
ferner: die Chronik des D. Pedro Nino, Grafen von Buelna^ vo::
Gutierre Diez de Gomes — Madrid, 1782, sowie ein „Sumario^ dt
Könige von Spanien. Er hat den Druck all' dieser Werke mit Soic
falt geleitet und überwacht').
') Das Manoscript ist seit 1844 im Besiz des »Athenaeum'' zn Boston.
*) Obras escogidas dal padre Josi Francisco de IsUi, tom. 15, 1850.
') 6 Bde., Madr. 1787, und seitdem oft godrackt.
*) Sempere, lU, p. 123—131; Ticknor- Julius, 1860, II, p. 300 — St
Bäcker^ Ecrivains, iV, p. 309—317.
*) Sempere, 111, p. 161—166.
«) Sempere, III, 188—197.
Schriftsteller dieser Zeit ^^^
§. 9.
Gfregor Mayans y SiseoTj geboren zu Valencia 9. Hai 1699, war oregor
ein vielseitiger Schriftsteller, und in vielen Gebieten des Wissens be- *'*y»'*^
wanderter Gelehrter. Er schrieb u. a. das Leben des heiligen Abts
^GU« _ 1724; Leben des heiligen Ildefons, 1726 nnd 1727; Ideal
des christlichen Redners, in drei Dialogen, 1733; edirte das Buch des
Nie. Antonio gegen die „Historias fabulosas*', mit dem Leben des-
selben — 1742; er gab die „chronologischen Werke des CcLspar Ibcniez
de Segoviaj auf Kosten der Akademie von Valencia, heraus, Valencia,
1744, föl. Im Jahre 1746 gab er in foh desselben Verfassers: „An-
merkungen zu der Geschichte des P. Juan de Mariana^ heraus. Schon
im Jahre 1756 erschien das Leben des „Gregor. Mayansius^ angeblich
von dem Rector zu Osnabrück, Johann Christoph Strodtmann, Wolfen-
büttel, 1756 — 8®, man glaubte aber allgemein, dass Mayans sein
eigenes Leben geschrieben und herausgegeben habe. Denn wie er
ein Universal- Genie sein wollte, so wollte er auch in aller Herren
Länder bekannt sein. Es ist erstaunlich, wie viele von ihm ge-
schriebene Briefe er drucken liess. Im Jahre 1782 gab er das Leben
und die Werke des Joh. Ludov. Fiv^. heraus. Er starb zu Valencia,
21. December 178P). Sein Bruder Juan Änt Mayans gab im Jahre Anton
1771: „Ilici, hoy villa de Elche*, mit dem Cataloge der dortigen ^-y*«-.
Bischöfe, heraus.
§. 10.
Die Tertiarier von Granada, Raphael und Peir. Bodriguez Mohe* moJ»«^*
danOf Brüder, gaben eine sehr weit ausholende: „Historia literaria de
Espana, von der Urzeit bis auf unsere Tage,^ heraus, 9 t. 4^, Madrid,
1766 — 1779. Erst der vierte Band handelt von den römisch-spanischen
Schriftstellern unter Kaiser Augustus; der ganze sechste Band handelt
von dem Spanier Seneca; der achte Band von Columella; der neunte
Band von Junius Galion, Vater und Sohn, und von Pomponius Mela.
Wie natürlich, blieb das Werk im Sande stecken^).
Der Ex-Jesuit Joh. Franc. Masdeu, geboren zu Palermo, 14. Oc- Masden.
tober 1744 (f zu Valencia 11. April 1817) lebte nach der Vertreibung
der Jesuiten zu Foligno. Vom Jahre 1782 an erschien seine: Historia
') Fuster, Biblioteca Valenciana, 1827 — 1830, t 11, p. 98. ^ Sempere, IV,
14—50. — Ticknor- Julius, II, p. 269 und passim.
") Senders, IV, p. 66—72.
422 Yierzehntes Buch. Viertea Kapitel.
critica de Espana, zuerst italienisch, dann spanisch, Madrid, 1783 bis
IbOö, 20 vol. 4®; Bd. 4 — 8 handelt von dem romischen Spanien,
Bd. 9 — 1 1 von dem gothischen Spanien, Bd. 12 — 15 von dem arabischen
Spanien, Bd. 16 — 19 enthalten Supplemente. Mit Band 30 sollte
„Espana restauradora^ beginnen. Dieser Band enthielt „Vorl&nfige
Illustrationen gegen die Patres Florez und Bisco. ^ Weiteres erschien
nicht. Es ist klar, dass bei dieser Weitläufigkeit mehr als 50 Bände
nicht ausgereicht hätten, das Werk zum Jahre 1800 zu fahren« Die
Hyperkritik dieser „kritischen Geschichte" und JUasdeu'$ hiziges
Temperament Hessen ihn troz seines erstaunlichen Fleisses nicht der
erwarteten Wirkungen seiner Arbeit sich er£reuen'). Auch traten die
innem Wirren des Landes dem weitem Erscheinen des Weiiies in
den Weg. Sein spanischer Patriotismus liess ihn u. a. das Bach-
lein herausgeben : „Spanischer Ursprung des Papstes Pias YII.,
Madrid, 1805.«
Ant. Ponz gab in dreizehn Bänden seinen „Viage de Espana^, 1772
folg., heraus, „Reise durch Spanien, in welcher über die wichtigsten
und wissei^ würdigsten Dinge in diesem Lande berichtet wird;'' die
ersten zehn Bände wurden wieder gedruckt, von dem ersten giebt es
drei Abdrücke. In zwei Bänden gab er auch eine „Reise aosserhalb
Spanien's*' heraus^).
§. 11.
Ant de Sotomayor y VaUadares gab das „Semanario erudito^
heraus, welches zu Madrid 1784 — 1791 — in 34 vol. erschien^ und
eine interessante Sammlung verschiedener unedirter Werke ist. —
Matth. VUlanuno hat in vier Bänden eine „Summa^ Concitiorum
Hispaniae, Madr., 1781 — 1785, erscheinen lassen. — Der Aufschwung,
den die Literatur unter Carl III. genommen, wirkte auch unter Carl IV.
noch. Aber es trat von nun an die Unterstüzung von oben herab
zurück. Man wendete die Gunst andern Dingen zu, und brauchte auch
das Geld zu andern Dingen. Doch ist es merkwürdig, wie noch in
den Jahren 1807 und 1808 wichtige Werke erschienen. Aber mit dem
*) MaadeUf Bespaesta a sn eradito oensor Joaqnm Tnggia, Madrid, 1793.
— Ccuana y Torrea, Bespuesta k algonos pontos de la H. crit de M€i»deu,
Madrid, 1808. — Ämat. y Torres, EscritoreB Catalwaes, 1836, p. 397—406. — Backer,
Ecrivains de la Compagnie de J^ns, 4 Ser., 1858, p. 397— 40a — Aach BtMcker
sagt, dass Masdeu zur Vollendung seines Werkes wenigstens TO BSnde gebraaeht
hätte und sagt gleichfalls : „Man kann ihm auch vorwerfen , dass er die spaiiiache
Nation zu sehr erhebe"
») Sempere, IV, p. 251— 259.
Geldnoth in Spanien. Die religiösen Orden. 423
Einfalle der Franzosen traf das Wort zu: »inter anna silent musae.**
Es ist schwer zn sagen, was das grossere Unglück war, die schranken-
lose Fortdauer der Herrschaft des Manuel Godoy, oder dieser in-
nere Krieg.
Carl IV. jagte, wahrend Godoy alle Faden der Gewalt, auch der
geistlichen, in seinen Händen zn concentriren suchte. Er bediente sich
der Inquisition als eines Instrumentes der Gewalt. Er behauptete, die
Klöster reformiren zu wollen, d. i. er nahm das Recht in Anspruch,
beliebig viele derselben aufzuheben, und deren Einkünfte för andere
humane Zwecke zu verwenden. Man liess sich von Rom möglichst
viele Indulgenzen für den Konig ertheilen, und wirkte die Erlanbniss
aus, über eine grosse Anzahl von geistlichen Gütern und Einkünften
zu Gunsten der EJrone zu verfugen*).
§. 12.
Ein päpstliches Breve vom 15. Mai 1804 sagt, der König habe
in Rom dringende Vorstellungen gemacht über Missbrauche bei den
Wahlen von Obern, dass darum ein Generalvisitator aller Klöster ein-
zusezen sei. Als diesen Visitator ernannte Godoy seinen Schwager^ Gela-
den Cardinal Luis Bourbon. Der Cardinal und der König verlangten ^^^^,
von dem Papste^ die spanischen Erlöster aus ihrem Verbände mit ihrem gat.
Ordensgeneral in Rom zu entlassen, und sie Generalvicaren zu unter-
werfen, die in Spanien residirten. Das Wohl der Orden und deren
Visitation durch den Cardinal erfordere diess. Wenn die Orden von
Rom gelöst waren, dann konnte Godoy nach Herzenslust Klöster auf-
heben, trennen, verbinden, suspeniUren und reformiren. Der Papst
schlug den Ausweg vor und ein, dass, weil kein Land so viele Ordens-
personen hätte, bei jeder zweiten Wahl eines Ordensgenerals ein Spanier
gewählt werden sollte. In diesem Falle sollte die Wahl in Spanien,
sonst aber in Rom oder anderswo stattfinden zu der Zeit, in der der
Ordensgeneral kein Spanier wäre, sollten doch die Spanier ihren eigenen
Ordensgeneralvicar haben; wenn aber der General ein Spanier wäre, Rafor-
so sollten die übrigen limder ihren eigenen Ordensgeneralvicar in Rom ^^^^^^^
haben. Alle in Spanien bestehenden Orden wurden ermächtigt, vouKisater.
non an frei über ihre Güter zu verfügen; sie dürften nicht mehr zum
Unterhalte ihrer Orden in andern limdern beitragen*). So erhielt
Godoy ein fast unumschränktes Recht über Sein und Nichtsein der
') Breven vom 2. April, 18. Juni 1802, 10. Mai 1803, 22. Januar, 26. HSrz
1806 -- in BuUar. Roman. Continuatio, t XI, p. 319-320, 346-347 et t. XII,
p. 13-14, 257-258, 276-277.
") Cont BuOar. Rom. XII, p. 164-168.
424 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Kloster in Spanien. Aehnlich war in Frankreich die Reformation der
Klöster vor der Revolution, durch den Cardinal Briene, nichts anderes^
als deren Aufhebung gewesen. Dass das Recht, die Kloster zu re-
formiren, nur die Ankiindigung ihres bevorstehenden Untergangs ge-
wesen, erzählt ausführlich, der Cardinal Pacca in seinen „Denkwürdig-
keiten über Portugal^ ')• Aber die Geldnoth wurde in Spanien immer
grosser, weil die Verschwendung immer grosser wurde. Carl IV.
musste dem Papste vorstellen: „alle öffentlichen und besonderen An-
gelegenheiten seien gleichsam unter der VS/^ucht eines Druckes von
Unfällen in seinen Staaten dahin gelangt, dass kaum je vorher schlimmere
Zeiten hereingebrochen; Pest, Theurung, Erdbeben, dazu lange Kriege,
haben dem Reiche solche Wunden geschlagen, dass, wenn man nicht
schnelle und die kräftigsten Gegenmittel anwende, für das Ganze der
Untergang drohe. Der königliche Schaz sei ganz leer, und man habe
zu Papier seine Zuflucht nehmen müssen, das, in grossen Massen in
Umlauf gesezt, mehr und mehr allen Werth verloren habe. Um den
öffentlichen Credit nicht ganz zu untergraben, müsse man mit der
Hinausgabe von Papiergeld innehalten^ und das hinausgegebene all-
mälig zurückziehen. Der König wisse aus dieser Noth keinen Aus-
weg, als die Kirchengüter. Der Papst möge ihm erlauben, dieselben
zu verkaufen, um aus dem Erlöse Papiergeld zurückziehen, und für
andere dringende Dinge Vorsorge treffen zu können. Aus apostolischer
Kirchen- Fülle der Gewalt ertheilt der Papst dem Könige die Vollmacht, 8o
Rut ein- ^j^jg Kirchenffüter zu verkaufen, dass deren Erlös eine jährliche Ein-
gezogen. O / tt
nähme von 200.000. Ducaten in Gold erreichte. Sollen Bischöfe, Obere
von Klöstern und Andere sich widersezen oder sie redamiren, so möge
der König nach Belieben sie mit Geld- oder andern Strafen belegen;
der weltliche Arm könne gegen Alle in Anwendung gebracht werden,
welche sich diesem Verkaufe oder den neuen Besizem der ehemaligen
Kirchengüter widersezen würden "*).
Allein wer hatte denn Spanien in diese Tiefe des Elends ge-
stürzt, wer den Staat an den Band des Bankerotts gebracht, als die
Königin, Godoy und der Jäger Carl IV.? Wie konnte ein noch so
colossaler Verkauf von Kirchengütem^ jenen unersättlichen Schlund
ausfüllen, der an dem Marke Spanien's zehrte? Kaum hatte man diese
günstige Antwort von Rom erhalten, als die Regierung aufs Nene
den Papst bestürmte, ihr Kirchengüter zur Verfügung zu stellen; dei
Verkauf der früher ihr überlassenen G^ter habe sich verzögert, oder
sei unthunlich gewesen, auch reiche derselbe keineswegs hin, „um die
*) Deatsche Ausgabe, S. 30—37.
') Breve vom 14. Juni 1805 in Buüarii Romani Continuat^ t. XQ, p. 319
bis 324.
Allgemeiner Verfall 425
Wunden zu heilen, welche die Unglücksfalle der lezten Zeit dem
Reiche geschlagen« Alles liege so darnieder, dass es einer gewaltigen
und einer schnellen Hilfe bedürfe, das Papiergeld sei ganz entwerthet, ^^^'
die Schifffahrt mit Jndien unterbrochen, Alles im grossten Elende."
Durch Breve vom 13. December 1806 bewilligte der Papst dem Konige
die liegenden Güter der Eaplaneien in seinem Reiche, soweit sie ans
kirchlichen Mitteln gestiftet worden, oder unter kirchlicher Auetoritat
stehen, für die Krone einzuziehen, so, dass der Staatsschaz von dem
Erlose dieser Güter in Zukunft drei Procent an die bisherigen Nuz-
niesser jährlich zu bezahlen habe. Den Ertrag aus den eingezogenen
Gütern der Eaplaneien sollte der König zu frommen Zwecken und
zur Abhilfe der Nothstände des Reiches verwenden *). Hätte die
Wirthschaft Godoy's noch länger gedauert^ so hätte sie schon damals
alle Eärchengüter verschlungen. Der B^nd mit Napoleon gegen Eng-
land brachte immense Nacbtheile, und keinen einzigen Vortheil. Er
machte das Land zur Annectirung an Frankreich reif, und er hatte
den Abfall der Colonieen in Amerika in seinem Gefolge. Die spanisch-
franzosische Flotte war bei Trafalgar vernichtet worden; der ganze
atlantische Ocean in der Hand der Engländer«
Schon vor dem Jahre li9^> hatte die Konigin, als sie erfahren, ^'® ^^'
dass die Mercedarier grosse Summen Geldes für den Loskauf von nimmt
Christensklaven in Madrid deponirt hätten, diese Summen in mehreren ^®*^®'
WOflT
Wagen nach Hofe bringen lassen, unter der Firma eines Anlehens
und Versprechen von Vergütung. Der Orden und andere Leute
schwiegen, oder raunten sich die Sache in's Ohr. Mehrere Mouche
hatten die Wirthschaft bei Hofe mit dem wahren Namen bezeichnet.
Sie wurden unvermuthet arretirt, escortirt, und mussten im Kerker
büssen^).
Am 24. November 1803 erhob der Papst Santiago de Cuba und
Venezuela zu Erzbisthümem, weil die Insel S. Domingo von Spanien
an Frankreich gekommen war^.
Die Volker sind in der Hand Gottes, der sie heimsucht und züch-
tigt, um sie zu heilen. Manches Unglück, das sie trifft, trägt den Keim
des Glückes und besseren Zeiten in sich. Die Unterwerfung Spanien's
durch die Mauren im Jahre 712 erwies sich im Laufe der Jahr-
hunderte als Glück und Gnade. Die spanische Nationalität ist in
dem sieben Jahrhunderte dauernden Kampfe herangewachsen und
erstarkt. Spanien wurde durch den Einfall der Franzosen im Jahre
1808 von jener elendesten Regierung erlöst, unter der das Land und
•) BüU. Rom. Cent,, t XIII, p. 74— 78.
') Neueste Wel&unde von PosseU, 13 — 16 Jan* 1798.
•) Builar. B. Cani. XU, Rom, 1847, p. 96-99.
426 Vierzehntes Bach. Viertes Kapitel. Allgemeiner Verfall.
Volk 20 Jahre lang dahingesiecht war, und die es nicht abschuttela
konnte. Aber gegen die Franzosen stand das Volk auf wie ein Mann.
Ohne die Englander hatte es nicht obgesiegt; aber anch die Eng.
länder ohne die Spanier nicht. Sicher ist, dass die Spanier die ersten
waren y welche über den nnbesiegbaren Napoleon die ersten Siege er-
fochten, welche zuerst zeigten, dass, „wenn das Volk an&teht,*
wie ein Mann, die schlagfertigsten and schlacbtgewandtesten Heere die
„Schlacht verlieren^^ können.
Fünftes Kapitel
Vom Jahre 1808 bis lor Gegenwart.
§. 1.
König Carl IV. verzichtete za Bayonne; wohin er von Napoleon
eich hatte locken lassen, auf sein Königreich. Zuerst wurde Ferdinand
gezwangen y zu Gunsten seines Yaterft zu resigniren — 6. Mai 1808|
— dann trat der Vater sein Reich und Volk an Napoleon ab. »Der
Nachkomme Ludwig's XIV., der Sohn CarFs III., überlieferte aus Hass
gegen seinen Sohn — - seinen Thron ^ seine Volker, die Ehre seines
Haases, die Freiheit seiner Kinder dem Manne, der den lezten Conde
(Bonrbon) hatte erschiessen lassen. Ewige Schmach auf so viel Feig-
heit and Ehrlosigkeit^ *).
Carl IV. liess seinen Sohn nicht zu Worte kommen, überhäufte
ihn mit Schimpf werten , schrie, dass Ferdinand ihn habe ermorden
wollen, and erhob eich, am seinen Sohn körperlich zu züchtigen. Wie
eine rasende Furie unterbrach ihn ploziich Ferdinand's Mutter, warf
ihm ihre Entthronung vor, und forderte von Napleon, dass er ihren ^*
Sohn auf das Schaffet bringen lasse. Selbst Napoleon zitterte vor bonm"
dieser Mutter. „Welches Weib** rief er nachher, „welche Mutter, sie^"****'
hat meinen Abscheu erregt, sie hat mich mit Mitleid für Ferdinand gpMi«o.
erfüllt/* — Diese Mitleid aber hinderte ihn nicht, Ferdinand als
Staatage&ngenen zu verwahren, und Besiz von Spanien zu ergreifen.
*) Also der Franzose Ltfeövre^ Geschichte der Cabinete Europa's während des
Consolats and des Eaiserthums, 1800 — 1815, 3 Bde., Leipzig, 1847, S. 421 — 4e9.
Mömoires historiqnes snr la revointion d'Espagne, par abbö de Pradt, Paris, 1816,
p. 406 — de Pradt, damals Bischof von Poitiers, war von Napoleon zu dem Con-
presse in Bayonne mitgenommen worden. — Baumgarten, Geschichte Spanien's
(von 1789-1837), Band I, Leipzig, 1865, 8. 181—219.
428 Vierzehntes Buch. FUnftes Kapitel.
Ferdinand erhielt als Jahresgehalt eine Million Franken« Sein Vater
wurde in Compiegne confinirt. Josef Napoleon wurde als König von
Neapel nach Spanien gesendet. Am 12. Juli 1808 zog er in Madrid
jo8«f ein, ^Q diesem Tage schrieb er an Napolen: „Niemand hat bis jezt
leon, Eurer Majestät die ganze Wahrheit gesagt Es ist Thatsache, dass
Kdafg ^eiQ einziger Spanier sich für mich ausspricht/^ Später sdireibt er:
spanion. »Ich bin nicht erschreckt über meine Lage, aber sie ist einzig in der
Geschichte; denn ich habe hier nicht einen einzigen Anhänge***). —
Später schrieb er, dass 2000 Bedienstete auf einmal ihn verlassen, troz
der hohen Gehalte, die er ihnen gab. Zwar hatte Napoleon zu dem
Canonicus Escoiquiz, dem Erzieher Ferdinand's, gesagt. „Glauben Sie
mir, die Länder, wo viele Mönche sind, sind leicht zu unteijocheD.
Ich weiss das aus Erfahrung^^*). Umsonst befahl Napoleon die Auf-
hebung eines Dritttheils aller Kloster, die Aufhebung des Tlribunals der
Inquisition. Umsonst hob Josef Napoleon später durch ein Decret
vom Jahre 1809 mit einem Schlage alle regulären und Mendikanten-
klöster, alle Bruderschaften vom dritten Orden auf, confiscirte ihre
Gäter, verbannte und confinirte die Mönche.
Von dem ganzen Klerus unterwarf sich nur der Cardinal Bourbon
von Toledo durch einen sehr unterthänigen Brief vom 22. Mai 1808,
worin er Napoleon „die Huldigung seiner Liebe, seiner Treue und
seiner Ehrerbietung zu Füssen legt, und bittet: „Geruhen Eure kaiser-
liche Majestät mich als Ihren getreuesten Unterthanen anzusehen, und
mich Ihre souveräne Willensmeinung wissen zu lassen, um meine herz-
liche und eifrige Unterwürfigkeit auf die Probe zu stellen« Sire, zu
den Füssen Eurer Majestät deren treuester Unterthan Ludwig vod
Bourbon, Cardinal, Erzbischof von Toledo^^'). — Neben diesem un-
ebenbürtigen Bourbon war es noch AnL lÄormUe der im Gefolge
Joseph Napoleon's seinen Einzug in Spanien hielt Die übrigen Bischöfe,
der ganze Welt- und Regulär- Klerus stand auf der Seite des spani-
schen Volkes.
§. 2.
DieSpa- Ganz Spanien erhob sich gegen die Fremdherrschaft. Seit dem
Hier «r- 24. September 1810 führte die Junta von Sevilla , später von
•leh. Cadix, das Staatsruder im Namen Ferdinand's VIL Die Mehrheit
der Mitglieder der Junta war aber radikal. Man richtete sich
') Mömoires et Correspondanoe politiqae et militaire da Rot Joseph etc.,
Paris, 1853 — 1851, t IV, (Allg. Ztg. vom 20. Januar 1854).
*) Storia della rivolaz. di Spagna, trad. dal' Ingl, Pisa 1817.
') AUg. Ztg. V. 27. Jan! 1808.
^^»
Die Cortes za C«dir. Die Zeit von 1814—1820. 429
nach der Musterverfassang Frankreich's vom Jahre 1789 — 1793, nahm
das Einkammersystem an, und machte den Eonig zu einer politischen
Nnll. Spanien hatte keinen Sinn und kein Gedächtniss mehr für seine
eigene grosse Vergangenheit. Das Franzosenthum herrschte über die
Geister, ob auch die Franzosen selbst zum Tode gehasst waren. Troz-
dem erklärten die zu Cadix versammelten Cortes die katholische Religion
als die allein in Spanien herrschende und einzig zur Ausübung be-
rechtigte. Ja — diese Cortes stellten Spanien sogar unter den Schuz
der heiligen Theresia. Sie hoben femer die Inquisition auf, und be-
schlossen die allmälige Verminderung der Klöster beider Geschlechter,
wollten alle Gütec der „todten Hand'^ einziehen, und dem Klerus nur y^rt^.
so viel lassen, als zur Bestreitung der Cultkosten, nach ihrer Meinung ««^»c ▼*
genügend wäre. Am 19. März 1812 wurde die Verfassung verkündigt, jg^g.
im September 1813 losten sich die Cortes auf).
Spanien hätte aber, ohne die Engländer und ohne Wellington, wei-
das Joch Napoleon's wohl nicht abgeschüttelt, wenigstens viel später,
als es geschah.
Ferdinand VII. wurde aus seiner Gefangenschaft von sechs Jahren
befreit. Er gieng gebrochen und zermalmt von dem Angesichte Napoleon's
hinweg, um nie mehr zu erstarken.
§. 3.
Am 14. Mai 1814 zog Ferdinand als Konig wieder ein in Madrid.
In den Jahren 1814 — 1820 wurden unglückliche und ohnmächtige
Versuche gemacht, um den Staat uud die Kirche zu restauriren. Mit
endlosen Ministerwechseln wurde das Land bescheert; von 1814 — 1819
folgten sich 25 Ministervariationen. Das Land seufzte unter der auf
ihm liegenden Schuldenlast. Die Männer der rettenden That liessen
sich nicht finden. Die ohnedem beraubte und ausgezogene Kirche
Spanien's wurde mit endlosen Ansuchen bestürmt, der Finanznoth des
Landes abzuhelfen. — Maassregeln der Strenge und der Schwäche
wechselten mit einander ab'). Der Verfall war ein allgemeiner. Das
im Innern angesammelte Gill brach hervor in der Revolution vom
1. Januar 182^0. Riego erhob die Fahne der Empörung in Cadix. Er ^i^'^^-
und die übrigen Soldaten wollten nicht nach Amerika gebracht werden, ^^^ ^^
sondern sie wollten in Spanien nach ihrem Geschmacke leben. Ob bmc-
darüber Südamerika für Spanien verloren gieng, kümmerte sie Hut- ^^^[.^^
wenig. Sie riefen: „die Constitution oder der Tod^^, und ihre ganze laso, u.
•) Die Constitution des Jahres 1812 steht in „Allg. Ztg.« v. 1*^20, Nr. 45 flg.
der Beilagen. — Herrn. Baumgarten, 1, S. 600-577.
») K BaumgarUn^ Bd. II, 1868, S. 1 - 23i
430 VIersehDtes Boch. Fttiiftes Kapitel.
«er R«. Thätigkeit beBtand im Schreien, Rauben und Morden. Die Revolution
1820 bi« zeigte alsbald ihren kirchenfeindlichen Charakter. Schon am 9. Man
1829. wurde die Inquisition wieder au%ehoben. Konig Ferdinand musste
einen neuen freisinnigen Beichtvater sich gefallen lassen; denn „Ge-
wissensfreiheit^^ sollte ja herrschen. Der Zehent wurde aufgehobeo;
den Mönchen alles Unterrichten verboten. Die Kirchenguter worden
verkauft und verschleudert, die Priester in grossen Massen als Ver-
schwörer gefangen gesezt.
Nachdem der bereits willenlose Konig das Decret der Unter-
drückung aller Kloster unterschrieben, wurde es am 27. October zu
Madrid unter grossem Volkszulaufe ausgerufen. Es wurde verboten,
irgend ein klosterliches Gelübde abzulegen, oder vollends irgend eb
Kloster au gründen. Als der Erzbischof von Valencia gegen das
Decret protestirte, so wurde sein Haus umringt Kaum konnte er zor
See entfliehen. Der Bischof von Cadix entfloh nach Medina. — Bald
musste Ferdinand wieder einen andern Beichtvater annehmen, da der
vorige nicht zuverlässig genug war. Der neue Beichtvater war ein Ex-
Mönch, der die Aufhebung der Kloster ganz in der Ordnung gefunden*}.
Alles schwärmte jezt für die „Constitution^^ als für das unfehl-
bare Heilmittel gegen alle Leiden Spanien's, aber nicht für die alten
Fuero's und Cortes Spanien's^), sondern für die Constitution nach dem
Zuschnitte der franzosischen Revolution, deren gewaltthätige Natur den
^^•*^ damaligen Herrschern in Spanien besonders zusagte. Diese „Consti-
gefiüien tutiou^' trostctc für den Verlust eines halben Welttheils in der neuen
vJJI!^. ^®^** ^^^^ ^^^ ^^ J®^^* Städtlein wollte ihre ,,Pkza de la Consti-
g8nii«ii.tuzione^^ haben.
Schon waren durch die Behörden eine Anzahl von Priestern unter
den scheinbaren Formen der Justiz zum Tode verurtheilt worden, als
der blutdürstige Fobel selbst als Richter sich aufwarf. Der Ei^zdiaoon
Mathias Vinuesa von Tarazona, einer der verdientesten Priester des
Landes, wurde am 29. Januar 1821 als Feind der Verfassang
unter den Insulten des Pöbels durch die Strassen von Madrid ge-
schleppt Der Gerichtshof verurtheilte ihn am 3. Mai zu 10 Jahren
Gefangenschaft in Afrika. Diese Milde empörte den Pöbel; er brach
in das Gefängniss ein und ermordete den Vinuesa auf die grausamste
Weise; sein Leichnam wurde namenlos misshandelt und entehrt^).
*) Es war der Benediktiner Veremnnd Anas Tejeiro.
*) EinflUtig dem Wortlaute nach, aber dorcbaus wahr dem Sinne nach sbd
die Worte, welche Kaiser Franz I. in dieser Zeit zn den Ungarn sprach: Totos
mundos stnltizat, et novas valt habere constitntiones, voa habetis nnam.
*) Das «Leben* des Vinuesa, (nach Oracion fünebre qiie en laa exeqoiai
celebradaa el 32 Jnlio 1893 pronnncfo el Dn Eduarde Joni Rodrigue» Carata) steht
Gonflikt mit Rom. ^31
§. 4.
Im Jahre 1821 brach aoch der Conflikt zwischen Rom und Spa-
nien ans. Am 28. März theilten die Cortes dem Nuntias mit, die
2ieiten haben sich geändert , die Geseze über die Säcalarisation der
Mönche müssten' befolgt werden, nnd die Bischöfe seien die natür-
lichen Richter in diesem Geschäfte. Am 14. April wurden alle Geld-
sendungen nach Rom wegen Dispensen u. a. verboten, doch wiesen sie
dem Papst ein freiwilliges Geschenk von 10.000 Realen an, um zu
dem Glänze desselben beizutragen, d. L, sie wollten dem Papste einen
Fusstritt geben. — In drei Tagen sollten alle Bischöfe Hirtenbriefe ^^''^^^
erlassen, um das Volk zum Gehorsam gegen die Constitution zu er- itou,.
mahnen, diese Hirtenbriefe aber an die Cortes einsenden. In vielen
Städten wurden grosse Massen von Priestern eingesperrt oder fort-
gejagt. Wer einen Priester, der gegen die Constitution gepredigt, ein-
liefern würde^ sollte 1500 Realen Lohn erhalten. Die geistlichen Zehenten
wurden um die Hälfte herabgesezt, wogegen der Klerus 30 Millionen
Realen jahrlich zahlen sollte. Im Juni 1821 waren von 1700 Klöstern
schon 800 aufgehoben; man zählte aber noch 19.000 Mönche. Sie
mussten sehen, wie sie vor dem Hnngertode sich schuzten« Nach
andern Angaben blieben nicht einmal 14 Kloster im Lande bestehen.
— Das Kapitel von Santiago erklärte, es werde demnächst die Kathedrale
schliessen müssen, weil es an Mitteln zum Ankaufe von Hostien fehle.
Die ernannten, aber noch nicht bestätigten Bischöfe sollten vor-
erst als »Gobemadoren^ die Bisthümer verwalten« Die Regierung
wollte, wie einst Napoleon I., die Bischöfe durch die „Metropoliten^^
bestätigen lassen, und sich völlig von Rom lossagen.
Ans. dem ganzen Lande wurde der König mit Adressen über-
schattet, und ihm die Guillotine Ludwig's XVL in Aussicht gestellt.
Er erklärte, dass er, mit den Waffen in der Hand, den Tod an der
Spize seiner Garden, erwarte. Die am 1. März 1822 eröffneten Cortes Perdi-
waren so radikal, dass sie den berüchtigten Don Riego zum Präsidenten ^^^^
erwählten. — Die Feiertage wurden aufgehoben. Den Priestern und Lebens-
Mönchen in ganz Spanien wurde verboten, ihre Wohnungen zu ver- ^'^'^^''
lassen. Am 7. Juli 1822 kam es zum Kampfe zwischen dem Heere
und der Garde. Diese unterlag und wurde aufgerieben. Die Ge-
sandten der Mächte erklärten nun, dass sie das Ministerium und ganz
Spanien verantwortlich machten für jede Misshandlung des Königs
bei Bemh, Wagner: Biographieen denkwürd. Priester and PrSIaten, welohe in
upserem Jahrhunderte gestorben sind, 1846| p. 428— 187 (AUg. Ztg. vom 1. nnd
29. MikI 1^2!).
482 Vierzehntes Bach. Fanftea Kapitel.
und seiner Familie, deren Leben bedroht war. Der Konig war ein
Gefangener in Mitten seines Volkes. Er musste Alles thun, und that
Alles, was seine Feinde wollten.
Im September 1822 wurde der radikale Canonicus J. Lorenz
ViUanueva zum Gesandten in Rom ernannt. Da er als Mitglied der
Cortes gegen die Kirche gesprochen und gewirkt und u. a. beantragt hatte^
den Papst und die Bischöfe abzuschaffen, weil sie in der Urkirche
nicht gefunden würden, so konnte er in Rom nicht angenommen werden.
Dennoch reiste Villanueva ab, und gelangte am 13« November 1822
nach Turin, wo man ihm mittheilte, dass der Papst ihn nicht an-
nehmen könne ^). Auf die Erklärung der spanischen Regierung, dass
auch sie den päpstlichen Nuntius ausweisen werde, antwortete Cardinal
Consalyi am 3. Januar 1823 sehr ausführlich. Die Regierung über-
sandte am 22* Januar dem Nuntius Giustiniani seine Pässe, der nach
einem Proteste am 28. Januar Madrid verliess').
Die Regierung hob nun auch die andere Hälfte der geistlichen
Zehent auf, weil ja doch „Niemand mehr denselben entrichte/^ Zu
Sohrc- den 30 Millionen der gewohnlichen ordentlichen Steuer sollte dafür
Reyoin- ^^^ Klcrus dcu Cortcs 20 Millionen ausserordentliche Steuer entrichten.
tiop. Schon wurden auch die „überflüssigen^^ Eirchenschäze eingezogen.
Im Anfang des Jahres 1 823 waren neun Bischöfe vertrieben, u. a.
Raphael Velez, damals Bischof von Genta, dessen berühmte Sehriit:
„Apologie des Altars und des Throns'^ — (1818) die neue ßegierang
verboten hatte. Schaaren von Priestern flohen nach Frankreich. Der
75 Jahre alte Franciscaner, Raimund Strauch , Bischof von Vicb,
schmachtete lange in den Gefängnissen von Barcelona und Madrid,
wurde vor Gericht gestellt^ aber im April 1823 freigesprochen. Mit
zwei Priestern erhielt er Pässe nach Tarragona. Er wurde aber zc
Ordalt bei Barcelona angehalten, zeigte dem Commandanteu daselbst
seinen Pass; dieser las ihn, und todtete den Bischof durch eioeQ
Pistolenschuss; ebenso die zwei ihn begleitenden Priester. — In Barce-
lona wurden beständig Mönche und Priester erschossen.
Cardinal ^^^ Cardinal Luis von Bourbon war im Jahre 1808 ,^za den
Luis Füssen Napoleon's I. erstorben", hatte die Revolution von I8lO — 181-
1S8S. mitgemacht, und am 19. März 1812 als Präsident der Regentschaft die
radikale Verfassung von Cadix verkündigt, war in den Jaliren 1S14
bis 1820 aus dem politischen Leben verschwunden, und leistete d:i
der neuen aus der Revolution von 18^0 hervorgegangenen Regieru
') Er schrieb seinerseits: Despedida de Roma (Abschied von Rom).
^ Siehe die Aktenstücke in dem „Diario romano* vom 22. Februar l^t,
daraus in der Allg. Ztg., nr. 41—49 der „Beilagen", und im Äoszag in Katholü;
von 1823, Bd. 8. Heft 4, S. XI -XIV. ^
I
A
Blatige Revolution; Ende derselben* 433
seine gehorsamsten Dienste. Sein Benehmen bei der Vertreibung des
päpstlichen Nuntias im Januar 1823 gefiel mehr in Madrid, als in
Rom. Er erlebte nicht mehr den Sturz der Regierung, die er mit
allen Kräften hatte bauen helfen. Nach langer Krankheit starb er, erst
45 Jahre^ am 19. März 1823.
Kaum hatten sich seine Augen geschlossen, als der rettende Engel nie
heranzog, der Spanien von der Gev^alt dieser revolutionären Bande ^^^^j^^
befreite. Dieser rettende Engel war der Prinz von Angouleme, der Rewer
mit einem franzosischen Heere am 7. April die Grenze überschritt,
und^ ohne Widerstand zu finden, Madrid am 24. Mai besezte. Vier
Tage vorher hatten die Cortes den König mit sich nach Sevilla ge-
schleppt. Sie suspendirten ihn, aber sezten eine Regentschaft ein,
schleppten ihn am 14. Juni auf ihrer weitern Flucht mit sich nach
Cadix, (in die Stadt, wo die spanischen Revolutionen gewohnlich an-
fangen oder verenden), und hoben dann die Suspension wieder auf.
Als die Franzosen schon vor Cadix standen, lieferten sie ihnen den
König aus. Tausendmal hatten die Cortes beschlossen und geschworen:
Siegen oder sterben, die Constitution oder der Tod. Als sie aber
nicht siegten, beschlossen sie, auch nicht zu sterben. Sie bestiegen
die rettenden Schiffe, und wollten ihr Leben für bessere Zeiten dem
Vaterlande salviren.
§. 5.
Am 2'^ Mai hatte sich zu Madrid eine „Regentschaft" gebildet, ^'®
welche u. a. Wiederherstellung der Klöster und der Jesuiten heschIo§s. gent-
Ferdinand VII. erklärte alle Akte der sogenannten constitutionellen •'^^*''-
Regierung vom 7. März 1820 bis l. October 1823 für ungiltig. —
Am 6. October verordnete ein königliches Dekret, es sollen Missionen
gebalten werden, um die irrigen, verderblichen und kezerischen Lehren
zu besiegen. Siehe da! Schon will die Regierung wieder thun, was
allein Sache der Bischöfe ist, und was die Bischöfe sich nicht entwinden
Jassen dürfen. — Die Mönche und Priester, welche an den Wagen
der Revolution sich angespannt hatten, sollten in Klöstern der strengsten
Observanz büssen. Wer durch die Flucht sich retten konnte, rettete
sieb, wohl die Meisten nach England.
Unter denen, welche den Staub Spanien's von ihren Füssen d»®
scbüttalten, waren die beiden Brüder Villanneva. Joaquin Lorenzo ymaJ
Villanneva wurde im Jahre 1757 zu Jativa geboren. Er wurde Hof- n««^»-
prediger, Beichtvater an der Hofkapelle, und Canonicus von Cuenca.
Als die Revolution von 1808 ausbrach, so erklärte er sich sogleich für
dieselbe. Von Valencia wurde er als Deputirter zu den ausserordent-
lichen Cortes des Jahres 1810, sowie zum Suppleanten für die des
Qjkm; epan. Kiroh«. 111« 9. 28
I
434 Vierzehntes Bach. Fanftes Kapitel.
Jahres 1813 gewählt. Er warde nach Ferdinand's Rückkehr im Jabr,
1814 in das Kloster la Salceda verwiesen'), im Jahre 1820 wiecit:
entlassen. Wieder wurde er in die Cortes von 1820 gewälilt. Es
hatte längst die Grenze überschritten, die den Regalisten von dnr.
Jansenisten scheidet, und war ein erbitterter Kirchenfeind gewordn:
^^' Schon im Jahre 1791 hatte er seine Schrift: „Von dem Lesen der lui-
er«. Hgen Schrift in den neuern Sprachen" (de la Leccion de la Sagrad
Escritura en lenguas vulgares) herausgegeben'*). Er galt unbestritte.
als Verfasser der giftigen „Briefe" unter dem Namen des D. JS^v
Llecd (1820), welche ein Hauptgrund seiner Zurückweisung in Kon
waren. Das Motto, das er diesem Werke voranstellte, war eine ver-
stümmelte Stelle aus einer Decretale des Papstes Gelasius^). — Es vd-
räth wenig Muth, dass er diese Schrift pseudonym herausgab zu ciiiu
Zeit, wo seine Richtung in Spanien unbedingt herrschte. — Nach iK
Restauration des Jahres 1823 floh er mit seinem Bruder nach Englaii*].
— Bald darauf liess er eine ausführliche Selbstbiographie an das Licl
treten, in der er sich selbst reichlich Weihrauch streut*).
Das Werk des Jaime Villanueva^ „Viage literario," kam in dr<;
verschiedenen Zeitabschnitten heraus. Es zeichnet sich, wie die „E>-
pana sagrada", durch solide Forschungen, besonders durch Mittheilmn
einer Anzahl interessanter, völlig unbekannter Documente aus"), l^i
erste Band „literarische Reise zu den Kirchen Spanien's"*), erscliu:;
unter dem Namen des Joaquin Villanueva^ der seinen jungem Brnd».
eva n. a. glcichsam Unter seine Flügel genommen und ihn diese „litcrarisc 1j
^litera- Reise" hatte machen lassen. Das Werk besteht, ausser den Dck'.;-
rlsche
Koise«'. menten, nur aus Briefen Jaim^s „an seinen geliebten Bruder.^' I^'
*) Cartas Bobre los apantes publicados por J, L, Villanuevay relatlva^ -li
arrcsto de varios vocales de Cortes, ejecutado en mayo de 1^14, Madrid , 1^-'
(v. Ant Alccüa Galianof).
^ Valencia, 1791, foJ. ~ Dazu erBchien: Ano chriBtiano de Espaüa, Madii .
1791 — 1803, 19 vol. in 8*.
^) Cartas de D. Roque Leal & un amigo suyo sobre la representacion «>
Arzobispo de Valencia & las Cortes, fecba A 20 de Octobre de 1820 (gegen die A .
hebung der Orden), Madrid, 1S20.
^) Vülanuevay Jo. Lor.^ Vida literaria, o memoria de sus escritos y de >
opiniones eclefiiästicas, y politiciis, y de algnnos buccsob notables de sa tieDi{>
con an apendice de documentos relatives a lu historia del concilio de Trento, i'
crita por el mismo, London^ 1825 — 2 vol. Später gab er in Dublin, wo er :ii-
(1837) starb, heraus: „Ibernia Phoenicea, seu Phocnicum in Hibemia inculuti^
Dublin, 1821 (PoSsias escogidas, London, 1833).
*) Zum Lobe Villarmeva's sagte mir Archivar BofaruM in Barcelona: Wf"
einmal Viliamieva in einem Archive gearbeitet hat, so darf ein anderer nicht nn
hoffen, etwas Neues zu entdecken.
*) Viage literario ä las iglesias de Espnfia: Ic publica con algunas oIm
vaciones Don Joaquin Lorenzo Villanueva, Madeid, 1803.
»Viage literario« des J. Villanueva. 435
I. Band erschien za Madrid im Jahre 1 80H. Er handelt über das alte
Bisthum Saetabis (San Felipe), und das Erzbisthum Valencia mit einem
sehr lacken- und skizzenhaften Verzeichnisse der Erzbischöfe, und sehr
iuteressanten Untersuchungen über die Liturgie und verschiedene Fest-
lichkeiten in Valencia. Das IL Bändchen, Madrid, 1804, (denn
alle 22 Bde« sind nur Bändchen) handelt weiter von den Festen und
Processionen in Valencia, von einigen kostbaren Reliquien, enthält
Notizen über die gelehrten Schulen Valencia's seit seiner Wiederer-
oberung, Notizen über kostbare Manuscripte und anderes sehr In-
teressante.
Der IIL und IV. Band erschien zu Madrid in den Jahren
1804 und ^1806. Jener handelt über das Bisthum Segorbe, und giebt
einen ausführlichen Catalog über die Bischöfe von Segorbe, spricht
über die dortigen Synoden, theilt alte unbekannte Inschriften mit, han-
delt von dem „Wunder* ') der Taufquellen von Ossen, und von dem Owen,
literarischen Leben des gelehrten Bischofs Juan Bapt. Perez, (1591 —
t 8. November 1597), der zu einer Zeit durch gesunde und nüchterne
historische Kritik sich auszeichnete, in welcher die „falschen Chroniken*
das Licht der Welt erblickten und fast zwei Jahrhunderte die Ge-
schichte Spanien's in Verwirrung brachten. Band IV handelt von
verschiedenen Klöstern und Oertlichkeiten der Bisthümer Segorve,
Xativa (= Saetabis) und des Erzbisthums Valencia.
Der V. Band, Madrid, 1806, handelt von dem Bisthum Tor-TortoM.
tosa seit seiner Wiederherstellung im Jahre 115 1. Am Schlüsse des
Catalogs der Bischöfe sagt er: „Wenn keiner von den vielen Forschem
und arbeitsamen Männern in diesem Kapitel sich die Mühe nehmen
wird, genau den Catalog der Bischöfe dieser Kirche fortzusezen, so
wird eine Zeit kommen, in der man kaum wissen wird, dass einige von
diesen Bischöfen existirt haben^^). Wie oft habe ich selbst mit Schmerzen
erfahren^), dass man gerade über die unmittelbare Vergangenheit der
Histhümer am schwierigsten Nachrichten erhalten kann. Im fünft;en
Bande befindet sich auch die Bulle vom 22. März 1312 über die Auf-
hebung des Templerordens, welche ich auf Anregung BofarulFs im
Jahre 1865 nach einer Verborgenheit von CO Jahren aus der „literari-
schen Reise** hervorgezogen habe*), wie Hefele im Jahre 1858 und
Helfferieh im Jahre 1860 die Haeresie der Migetianer aus dem
ifHeiligen Spanien**, in der sie HO Jahre lang zwar gedruckt, aber
') ,|Mi]agro* im Spanischen bedeutet alles Seltsame, Räthselbafte, n. s. w.
*) V, p. 1 19.
^ Und erfahre es heute noch in Betreif der Bisthümer Astorga, Cadix,
Cananas, Orense, Osma, Placentia, Ciudad-Real, Urgel etc.
*) Bd. III, 1, S. 272-273.
28»
436 Vierzehntes Bnch. Fünftes Kapitel.
doch verborgen geblieben war, an das Liebt der Oefientlichkeit ge-
zogen hatten*).
Der VI. Band der ^literarischen Reise^ erschien zu Valencia
erst im Jahre 1821. Er enthält den Bericht über die im Jahre is
nach Vieh (= Vique) unternommene ,,literarische Reise" Jaime 17'' J
nueva's, unter dessen Namen erst dieser sechste Band erschien. S»d
Bruder Joaqtun war in den Jahren 1821 — 1^23 damit beschäftigt, dtij
revolutionären spanischen Staatswagen in den Abgrund führen za hoIiVd
j. vuiä- Band VII erschien im gleichen Jahre zu Valencia und handelt gkiiLH
Fo«ch. falls vom Bisthume Vieh. Band VIII, Valencia 1821, beschreibt dn
ongeD. Reise zu den Kirchen von Vique und Solsona — Jahr 1806 und 1M»I
Der IX. Band, Valencia, 1821, beschreibt die Reise nach Solsona
Ager und UrgeL Der X. Band, 1821, giebt den Catalog der BiscLr.ti
von Urgel bis zum Jahre 1075. Im Anhange findet man den (e:
gehegten und erst 1859) ausgeführten Plan zu einer Gesammüinsirtl«
der Concilien von Tarraco.
Unter- j^^t trat ciuc neue Unterbrechung in der Herausgabe diese
an7 von Werkes von 1821 bis 1850 ein. „Die politischen Umstände" zwangt
J821— im Jahre 1823 den gelehrten Verfasser zur Flucht Er übergab ak
die Entwürfe^) für die noch übrigen Bände dem gleichfalls aus dco
Orden des heiligen Dominicus getretenen IgnaU Herrero^ der seine
Zeit mit ihm die Kirchen und die Archive besucht und durohbiii
hatte; Jaime Villantteva starb zu London schon am 14. Novenil
182^. Herrero aber bewahrte seine Manuscripte auf — zur Verfüg«
der Regierung, mit deren Hilfe und Unterstüznng Välcuiueva sei
,Reise" ausgeführt hatte. Wie die „Akademie der Geschichte*' vd
der Regierung den Auftrag erhielt, die „Espana sagrada" der AugustiN
Das lortzusezen, ebenso erhielt sie den Auftrag, „die literarische luiM!
^t' Villanueva's fortzufuhren. Mit Hilfe einer kleinen ihm bewilliir*.d
icheint Pension ordnete und schrieb H&rrero die noch übrigen Bande in
r^-^o— ßel^e. Mitten in dieser Arbeit traf ihn der Tod am 1. Januar \^^
1852. und seine Erben übergaben alle seine Papiere der Akademie. Manix
Lopez SanUella, General -Commissär der Cruzada, gab die nothwin
digen Gelder für die Herausgabe der noch übrigen Bände« So 'p
die „Academia", (ohne einen speciellen Namen eines Herausgeholt
im Jahre 1850 zu Madrid den XL Band an das Licht, der die iui^
nach Urgel enthält. Der Catalog der Bischöfe wird fortgesezt. AU
es ist auffallend und schmerzlich zu sehen, wie Villanuetya das Todt^
jähr von drei Bisehöfen, die von l'iGS — 1 797 regierten, in Urgel stlH
') Kirchen^eschichte, 11, 2, S. 2n4.
') Borradore» = nicht zum Drucke fertige Handschrift.
„Viage Hterario" des Villanueva. 437
nicht erfahren konnte'). Der XII. Band hat den Titel: Reise nach
Urgel und Gerona. Der XIII. und XIV. Band handelt ausschliesslich
vom Bisthume Gerona. Der XV. Band, Madrid, 1851, handelt von
(fcrona und Koda; Band XVI von Lerida, wohin das Bisthum von Iloda
übertragen wurde. Der folgende Band führt uns von Lerida nach
Harcclona. Der XVIII. Band handelt nur von Barcelona. Der XIX.
liud XX. Band behandelt die Geschichte des Erzbisthnms Tarragona. Die
/\M'i Iczten Bände, (Band XXI erschien 1851, Band XXII erschien 1852)
li.nidelu von dem Bisthum Mallorca oder Palma. Die Briefe tragen
;ille den alten Eingang: „Mein geliebter Bruder'^, wir erfahren aber
nur seltener, wann sie an den „geliebten Bruder" geschrieben worden
sind. Wir erfahren, dass Villanueva mit dem Bischöfe Bern. Nadal
y Crespi (1795 — f 12. Dccember 1818) nach dem Schlüsse der
l'ortes von Cadix am Ende des Jahres 1813 von Cadix nach Palma
tiilir, und dass die Schiffikhrt 73 Tage dauerte*). Der betreflfende
Brief ist aus JPalma den 1:^6. Mäiz 1'?14 datirt Die folgenden bis
zum lezten und 154. Briefe schliessen nur mit: A Dios; Palma etc.
Xr. 14 der „Apendices" enthält einen , bisher sicher unbeachteten Brief-
wn'lisel zwischen Äern. Boil^ der hier „Apostolischer Vicar" für Indien
^tiiannt wird, .und einem Gelehrten auf Mäjorca, Anidld. Descos,
§. 6.
Mit den übrigen Vertriebenen kehrten im Jahre 1823 — 1824 auch
üe Jesuiten nach Madrid zurück. Unter ihnen war der berühmte
F<m8tin Arevalo^ Herausgeber der „christlichen lateinischen Dichter", und
Kr Werke des Isidor von Sevilla. Nach der Wiederherstellung der Jesuiten
in Spanien war er im Jahre 1813, troz alles Abmahnens, in seine
Ikiniath zurückgekehrt. Man wusste nur noch, dass er im Jahre
iSl6 in Spanien lebte. Die Brüder Backer in ihrem grossen Werke:
Schriftsteller der Gesellschaft Jesu", wussten nichts über seine späteren
^-•-it ^). Er musstc, wie die andern Jesuiten, vor der Revolution des
•) T. XI, p. 162|— 163.
») Villanueva, XXII, p. 161.
') Ich crkandigte mich bei Jesuiten in Barcelona und Madrid über ihn; sie
'•ir urklärten, dass sie auch nichts finden könnten. Kurz nach meiner Bückkebr
IS S|)anien — 28. Mai 1865 — durchblätterte ich eine seit der Rostauration Fer-
dinand'b VII. erscheinende religiöse Zeitschrift in Madrid, in welcher ich die Nacbricht
')U dem am 7. Januar 1^*21 zu Madrid erfolgten Tode Arevalo's fand. In dem
urzcn Nekrologe werden seine uns schon bekannten Schriften angeführt. Es geht
iiniua hervor, dass in den Jahren 1813—1824 seine schriftstellerische Thätig-
■M ruhte.
1>
438 Vierzehntes Buch. Fünftes Kapitel.
1. Januar 1820 fliehen, kehrte am Ende des Jahres 1823 nach Madri.;
zurück, and starb nach wenigen Tagou am 7. Januar '82-J, im Alta
Yon 77 Jahren.
§. 7.
Sammid- Der (spätere) Bischof von Menorca, der Dominikaner Juan Au'.
dirn ^^ Merino^ gab die „Coleccion Ecclesiastica Espanolu" heraus, di
DUa Sammlung aller päpstlichen Breven, Noten des Nuntius, Eingaben d>:
^'a°!! Bischöfe an die Cortes, Hirtenbriefe und Edicte derselben mit andei;
Aktenstücken, betreffend die von den Constitutionsmäunern in kirclt-
liehen Angelegenheiten gemachten Neuerungen, angefangen vom 7. Wh^
1820. — Madrid, 1823—1824. Die Sammlung erschien in 14 Bäudn
meist kleinern Umfangs. Aus den Briefen des Papstes an den Car-
dinal Luis (IL) de Bourbon sieht man, wie wenig derselbe mit dessn
nachgiebiger Haltung zufrieden war. Er treibt ihn dringend an, d:
er durch irgend ein Pastoralschreiben sich gegen die gefahrliclii
Schriften ausspreche; er schreibt ihm wieder, nachdem er erfahren, du
er die Jurisdiction über die Mönche an und über sich genommen, nv:
damals nichts anderes bedeutete, als dass er ihnen zu der von Ac.
Regierung verlangten Säcularisation verhelfen wolle. Aber Luis Bourbi i
fürchtete oder respectirte die Männer, die riefen: „Die Constitution
oder der Tod", viel mehr, als den fernen Papst. Weil die Biscbofi
kein Haupt hatten, so war Jeder für sich gezwungen, in den allir^*
meinen Anliegen der spanischen Kirche an den Papst sich zu wendcu'/
— Im Zusammenhange mit dieser Sammlung steht: „Coleccion d
documentos, que manifiestan la conducta del obispo de Urgel, u.'
Bezug auf die von den Cortes in dem zweiten Zeitraum des consii
tutionellen Regiments in kirchlichen Dingen gemachten Neuerungen*
Madrid, 1823.
Bernard Franz Caballero , der als Bischof von Urgel (1817 l-
1824) an der Spize der sogenannten „apostolischen Junta von Urgel
gestanden war, wurde am 27. September 1824 als Erzbischof vci
Saragossa bestätigt.
Der Dominikaner «/. Merino gab auch die „Biblioteca de Religion *'
heraus, eine Sammlung von Uebersezungen verschiedener Schriften :lK!^
aus dem Französischen u. s. w. Der I. und IL, X. und XI. Bai
1.1
') Eine ausführliche Inhaltsangabe der 14 Bände, leider ohne Zeitiio^i!-
siehe in Hidalgo's „Diccionario gcneral de Bibliografia Espafiola (des neunzehn'.
Jahrhunderts), 1H62, I, p. 182— lb6.
*) Biblioteca de religion, ö sea Coleccion de obras contra la incrediilidad .
errores de estos uUimos tiempos, Madrid, 1826—1829, 25 tom.
Die Kestaaration von 1823 -> 1629. Neue Bischöfe. 439
enthalten den ,)Versucli des Abbä de la „Mennais über die ludifierenz
iü Sachen der Religion"; Band III — VI den philosophischen Kate-
chismus, oder Bcuicrkungen zur Vertheidigung der katholischen Reli-
gion. Band XXV handelt über die geheimen Gesellschafleu, und
enthält einen „Index" über sämmtliche Bände, an denen vielleicht nur
auszusezen ist, dass zu viel Franzosisches, und zu wenig Spanisches
darin enthalten ist. Denn der Unglaube kam nicht bloss aus Frank-
reich nach Spanien, und die Freimaurer kamen zunächst aus England *).
— Im Jahre 1831 wurde Merino Bischof der kleinen und abgelegenen
Diöcese Menorca. An dem berühmten politisch -religiösen Zeitblatte:
„EI Restaurador" nahm er thätigen Antbeil.
In der Zeit von 1824— 182U erfreute sich die Kirclie von Spanien 2^*»*'^^"
1824
der vielverheissendsten Blüthe, die bald wieder von neuen noch grössern isss.
Stürmen zerknickt wurde. Die aus der Verbannung heimkehrenden
Bischöfe predigten überall Mässigung und Versöhnung. Die neuge-
wählten Bischöfe waren ausgezeichnete Männer. Am 27. September
1824 wurde Petrus Inguanzo y Ribera Primas von Toledo (geboren 1761
zu Slanes in Asturien). In dem Jahrzehent von 1814 — 1824 war er
Bischof von Zamora gewesen. Die erwähnte „kirchliche Sammlung^^
brin£:t eine irrosse Anzahl von Actenstücken aus den Jahren 1820 bis ^^°
, , , neuen
1823 von ihm. Durch seine Thatkraft und Todesverachtung war er iuBUcböfe
diesen Jahren der Verfolgung Haupt fast des gesammten spanischen ^°gf?*
Episcopates gewesen. Ihm gebührte darum auch die Ehre, nach der
WTfolgung mit der ersten Würde der Kirche Spanien's geschmückt p"°*»
zu werden. Am 20. December 1824 wurde derselbe auch als Car- eo.
dinalpriester ernannt.
Neben ihm und B. Fr. Caballero von Saragossa wurde in dem
Consistorium vom 27. September auch der Oratorianer Simon Lopez
von dem Bisthume Orihuela auf das Erzbisthum Valencia befördert.
Er starb schon am 3. September 183j. Am 20. December 1824 wurde
der berühmte und vielverdiente Kapuziner Bapha'd Velez^ früher Bischof ^**>«
von Ceuta (1817 — 1824), im Jahre 1824 ernannter Erzbischof von Burgos, veie«,
als Erzbischof von Santiago präconisirt. Er war am 17. October 1775 K»pn«.
im Erzbisthume Granada geboren. Er vcrfasste die Schrift: 9,Ver-
nrahrungsmittel gegen die Gottlosigkeit^^'), von welcher in den Jahren
1812 — 1813 zwei Ausgaben veranstaltet wurden. Sein berühmteres,
(Ton ihm als Bischof von Ceuta geschriebenes Werk war: „Apologie
les Altars und des Thrones^^^), 1818. Er wollte darin die Religion
0 Hidalgo, Diccionario, I, p. 254—255.
') Preservativo contra la irreligioD, per el P. Eafäel Fe^ez, Madrid, 1813.
') Apologia del Altar y del Trono, ö historia de las reformas hechas en
[Cspa&a en tiempo de hs llamadas Cörtcs, ö impugnaclon de algunas doctrinas
440 Vierzehnles Buch. Fünftes Kapitel.
gegen die Angriffe vertheidigen, welche sie durch die gottlosen SchrifteL
der lezten Zeit erlitten hatte, die gesunde Lehre einprägen, den ans
ihr flicssenden Nuzen zeigen, den Schleier der eitlen Versprechen zer-
reissen, womit die Neueren die Unvorsichtigen verfuhren wollten, er
wollte die so sehr verherrlichte Volks- Soaveränität bekämpfen, die
verderblichen Systeme der Constitutionisten, ihre Absichten, ihre Hal-
tung, ihre aufrührerischen Pläne enthüllen, ebenso die verderblichcu
Folgen der Constitution, die Identität der leztem mit der „assemblt-e
nationale" in Paris, endlich will er die Einigkeit der Gemüther und
den Frieden befestigen, welchen uns unser geliebter Souverain (Ferdi-
nand VII.) gab- Gegen Angriffe auf sein Werk liess Velez zwei
„Anhänge" erscheinen, Madrid, 1825; die Angriffe rührten von einem
gewissen C Vem. . • und von dem „illustren CoUegium der Advocaten
in Madrid" her*).
§. 8.
bis^wfa ^^^ Erzbischof von Tarragona, Bomuald Mon y Vdarde (1804
v.Tarra-bis September 1816) verHess wegen der Kriegsschrecken im Jahre
1804— ^^^^ Tarragona, und zog sich mit den andern Bischofen Catalonien'b
1854. und mit dem grössern Theile seiner Domherrn vor den Franzosen nach
veu^de ^^]^^^'^ zurück, WO sic bis zum Ende des Kriegs verweilten. Nach
seiner Rückkehr war der erzbischöfliche Palast so zerfallen, dass er
nicht mehr bewohnt werden konnte. Im Jahre 1815 beschloss er ihn
von Grund aus neu zu bauen, und gab aus seinen Mitteln dazu einen
freiwilligen Beitrag von 82.000 Liras catalanischer Münze. Als er im
Jahre 1816 nach Sevilla versezt wurde, so befahl er, dass das be-
gonnene Werk auf seine Kosten vollendet werde. (Doch starb er in
Sevilla schon am 16. December 1819)').
BergoBA ^^^^ B&i*qo8ay Jordan war vom Jahre 1801 bis zum 15. November
y Jor-
dan. 1817 Bischof von Antequera in Mexico gewesen. Erst am 2. März
1817— ]8l8 ergriflF er Besiz von dem Erzbisthume Tarragona. Er beschenkte
1819.
seine Cathedrale mit reichen Paramenten, wie sein Vorgänger, beson-
ders für die Pontificalämter, und für die feierliche Procession am Feste
publicadas en la ConstitucioD, diarios y otros escritos coatra la religioo y ol estadr»
por D. Fr, Rafäel de Velez , del örden de capachioos, obispo de Ceata, Madrid.
1818 — 2 t. 4' (pp. 4^0 et 348).
') Ap<^ndices d las apologias del altar y del trono, Madrid, ll^2'>. — Ilidabj»..
I, IK'), V2\}.
"*) Ibi tandem gloria decorus die 10. Deccmbris 1819 vitae agoncm feliciti ^
consammavit, sagt sein Nachfolger J, D, Costa y Borrds io s. „Obraa", V, ISit'^
p. 46.
Erzbischöfe von Tarragona. ^^i
der Piotomartyrin, der heiligen Theda, Er starb auf dem Wege iu
tin Heilbad am 18. Juli 1819.
Jacob. Greus y Marti stammte ans Matarö bei Barcelona; er war j»c.
Canonicus an der Cathedrale von ürgel, als welchen ihn Ferdinand VII. ^^"^
im Jahre 1814 zum Bischöfe von Menorca ernannte; derselbe ernannte
ihn noch im Jahre 1819 zum Erzbischof von Tarragona, und er
wurde am 2*J. Mai 1820 in Rom bestätigt. Als er aber aus Menorca
im Januar 18^0 in Barcelona landete, so fand er ganz Spanien in
höchster politischer Aufregung. Er konnte darum erst nach Bewälti-
gung der Revolution von 1820 — 1823 durch die Franzosen — am
1.3, November des Jahres 1823 Besiz von seinem Erzbisthume ergreifen
lassen. Erst am 18. April 1824 zog er in feierlichem Aufzuge in
Tarragona ein, fünf Jahre nach seiner Ernennung. Es war ihm nur
noch ein Jahr zu leben beschieden. Es liess Missionen sowohl in
seiner Cathedrale, als in andern Pfarreien halten. Während er seine
Diöcese visitirte, war er nuermüdet in Verkündigung des Wortes
Gottes. Aber schwer erkrankt, musstc er seine Visitation unterbrechen.
Er kehrte nach Tarraco zurück, und starb nach fünf Tagen am 13. Sep-
tember 1825.
Ihm folgte Anton. Echanove y Zaldivar^ geboren im Jahre 1767,
im Jahre 18H Abt von San Ildefonso, im Jahre 1818 Erzbischof von
Leucosia i, p. Am 25. Juni 1826 nahm er Besiz von dem Erzbisthum
Tarragona. Sogleich begann er die Visitation seines ganzen Sprengeis,
uud führte sie zweimal durch. Als die Cholera im Jahre 1834 die Stadt
Tarraco heimsuchte, trug er eifrige Sorge für das geistige und leibliche
Wohl der Erkrankten und theilte grosse Summen an die Armen aus.
Nach dem Tode Ferdinand's VIL suchten ihn die Aufrührer auf, um
ihn zu tödten. Kaum entgieng er ihren Verfolgungen. Er entfloh nach
Menorca, von da nach Toulon, lebte eine Zeit lang in Frejus und
Nizza, and gelangte im Jahre 1839 nach Rom, wo er an sechs Jahre
verweilte*).
§. 9.
Vor und besonders in den Jahren 1820 — 1823, wo die Liberalen
in Spanien „Constitution oder der Tod'' heulten, rissen sich die spa-
nischen Golonien in Amerika los, und constituirten sich als besondere
— kleinere — Staaten. Noch zu Zeiten Pius' VII. suchten sie Unter-
handlungen mit Rom anzuknüpfen. Um die Kirche in diesen Ländern
^) Im römischen „Aimuano" und darnach in meiner „Scries episcoporum'
beisst er „Ferdinand'^
*) „Obras" del arz. Costa y BorraSy V, p. 45 — 50.
442 VicrzehnUß Buch. Fünftea Kapitel.
nicht untergehen zu lassen, wurde es von Tag zu Tag nothwendiger,
für ihre geistigen Bedurfnisse zu sorgen. Der Staat Columbia, den
Bolivar leitete, sandte den D. Ignatio Tejada nach Rom, um Bischot'o
oder apostolische Vicare sich zu erbitten. Aber der Gesandte Sj»a-
Ritter V. jjigjj'g^ Marquis de la Constancia, vorher Kitter von Vargas^ verlangte
mit Heftigkeit von dem Papste Leo XIL, dass der Gesandte Colum-
bia's aus Rom entfernt werde, und drang wiederholt auf dessen Ent-
fernung. Ignaz. Tejada hatte sich nach Bologna begeben, nachdem
ihn der Staatssecretär wie der Papst empfangen hatte*). Weil aber
der Einfluss des spanischen Gesandten sehr gross, und weil Ignatio
Tejada so unklug war, sich mit den Republikanern einzulassen, so er-
langte er damals nichts. Aber der „Graf von der Standhaftigkeil''
starb am 24. October 1824 — zu Rom, im Alter von 84 Jahren^
nachdem er noch kurz vorher am 28. September als Doyen der Ge-
sandten eine herrliche Anrede zum Jahresfest der Wahl Leo's XII.
an denselben gehalten hatte. An sich war sein Tod eiiv schwerer
Schlag für Spanien und die Kirche; denn er war ein durchaus kirch-
licher und ehrlicher Mann, räumte aber doch ein grosses Hinderniss
Spaniea für den Fortgang der Verhandlungen mit den ehedem spanischen Colo-
"«meri- ^^^^^ hinwcg. Der Papst stellte der Madrider Regierung vor, die
ka. Bisthümer in Amerika seien verwaist, die Gläubigen verlangen laut
nach Hirten. Seine Pflicht sei es, die spanische Regierung anfzu-
fordern, entweder ihre Colonieen wieder zum Gehorsame zorückzu-
f Uhren, oder es zu gestatten, dass der Papst den erledigten Kirchen
wieder Bischöfe geben könne. Der Papst richtete am 20. Juni 1825
an den Präsidenten von Mexico ein höfliches Antwortschreiben. Diplo-
matische Beziehungen zwischen Rom und den südamerikanischen Repu-
bliken stellten sich allmälig ein und her.
Biwhöfe In dem Consistorium vom 21. Mai 1827 wurden endlich einige
ameri- Bisthümcr in Südamerika besezt das Erzbisthum Bogota, das Erzbis-
ka. thum Venezuela, die Bisthümcr Quito und Santa Marta in Colnmbicu,
Cuenca in Peru, und San Salvador in Brasilien. In diesem Consisto-
rium sprach Leo XIL: „Immer schwebten uns die Kirchen Amerika's
vor Augen, welche bei vieljährigem Mangel an Hirten unter einer be-
trübenden Reihe von Uebeln leiden. Unser Herz wurde immer schmerz-
lich verwundet, wenn man Uns von den Klagen der trostlosen Gläu-
bigen berichtete, weil Niemand sich fände, ihnen das Brod des Lebens
zu brechen. Wir haben diesen Kirchen darum Bischöfe gegeben,
welche mit Hirtentugenden geziert sind, welche jene Kirchen von den
') SchoD unter Pius VII. hatte Chili den D. Cienfnegos als Unterhändler
nach Rom gesandt.
Karzer Conflikt mit Rom, 1827—1828. Die Regentschaft von 1833 flg. 443
Makeln reinigeD und sie wieder aufblühen machen werden'). Der
Geschäftsträger Spanien 's in Boni, Azaricij berichtete nach Madrid,
dass zwischen Rom und dem erwähnten Ign. Tejada ein Concordat
geschlossen worden sei. Ferdinand VII. legte die Sache seinem Staats-
rathe vor, der nach sehr stürmischen Debatten beantragte, den neuen
päpstlichen Nuntius Tiberi nicht zuzulassen. Alle Grenzbehorden er-
hielten Befehl, ihm den Eintritt in Spanien nicht zu erlauben. Am
21. Juni (1827) lief eine neue Note des Gesandten aus Rom ein, des
Inhalts, der Konig möge den Ernennungsbullen für die Bischöfe in
Amerika das Exequatur crtheilen.
AUmälig wurde man ruhiger in Madrid. Eine Junta von Bischöfen,
Mönchen und Richtern erhielt den Auftrag, ein Gutachten abzugeben.
Der Nuntius Tiberi war am 18. Juni in Bayoüe augelangt, und musste
dort mehrere Monate warten. Er wurde endlich als päpstlicher Legat
zugelassen. Ferdinand liess ihn durch einen Generalcapitän begiüssen.
Vom 28. September bis 7. October reiste er unter den üblichen Ehren-
bezeugungen von Bayonne nach Madrid. Herr von Labrador, der sich
besonders auf dem Wiener Gongress ausgezeichnet, kam als spanischer
Gesandter nach Rom.
§. 10.
Ferdinand VIL, noch immer ohne Thronerben, heirathete in
dritter Ehe im Jahre 1^29 die Neapolitanerin Marie Christine (+ 1878),
welche die Quelle so vieler Leiden für Kirche und Staat in Spanien
geworden. Dieselbe vermochte den König, das salische Gesez der
Erbfolge aufzuheben, und das frühere spanische Thronfolgegesez wieder
herzustellen — 29. März 1830. Isabella (II.) wurde im Jahre 1830
geboren. Im September 1832 nahm Ferdinand VII. seine Verfugung
vom 29. März 1830 zurück, und widerrief bald darauf diese Zurück-
nahme« Don Carlos, der Bruder des Königs, protestirte den 29. April
1833, von Portugal aus, gegen alle Eingriffe auf sein legitimes Erb-
recht in Spanien.
Ferdinand VII. starb am 29. September 1833'). Seine Wittwe TodFer-
übernahm die Regentschaft. Der Nuntius Tiberi, der am 2. Juli 1832^"^*
Cardinal geworden, war nach Rom zurückgekehrt. Amat di San Felipe 1 1833.
e Sorso, Erzbischof von Nicaea (t ^^0. März 1878), folgte ihm als
Nuntius. Die neue Regierung weigerte sich, ihn anzunehmen, bis seine
Creditive auf Isabella IL lauteten. Der Papst befahl aber, nachdem
er mit der Regierung von Madrid Unterhandlungen gepflogen, dem
»> Artaud'Scherer, Leben Leo's XII., S. o74. Alig. Ztg. 1827, nr. 162.
*) L*£Bpagne boqs Fcrdinantl VJL, par le marqnis de Custinc, Paris, 1888, 4 voL
444 Vierzehntes Buch. Füuftes KnpiteL
schon iü Madrid weilenden Nuntius, zurückzukehren. Die neue Re-
gierung aber zeigte sehr bald, dass Papst Gregor XVI. ihre Pläne
durchschaut hatte.
§. 11.
Einoge- Am 22. April ]8o4 verfugte der Justizminister Gareliy, Mitglied
"jul^u!* ^^ Ministeriums Martinez de la Rosa, die Errichtung einer aus liberalen
Prälaten und hohen Beamten bestehenden geistlichen Junta, welche die
neue Organisation des Klerus vorbereiten sollte. Auf Grund der Herstel-
lung einer neuen kirchlichen Statistik sollte eine neue kirchliche Eintheilang
und Dotation des Klerus durchgeführt werden Aber schon am 22. April
1834 verbot die Regierung allen Mönchsklostern die Annahme von
Der Novizen. Als im Jahre 1834 die Cholera in Spanien wüthete, so wurden
Sturm - \ <• j
gegen dem Pöbel die Mönche als Vergifter (der Brunnen?) vorgeworfen; der
f^ Pöbel ermordete erst einzelne Religiösen, erstürmte dann die Kloster'
raubte sie aus, und erwürgte, was in seine Hände fiel. 160 Elapuziner
und 18 Jeluiten verloren in Madrid ihr Leben'). Ueber ganz Spanien
ergoss sich die gleiche Wuth. Obrigkeiten oder Gerichte schien es
nicht mehr zu geben; es gab vielmehr blutige Gerichtsferien.
Durch Decret vom 4. Juli 1835 wurden die Jesuiten aufgehoben.
Am 15. Juli wurde die Inquisition aufgehoben, ihre Giiter wurden der
Staatsschulden tilgungscommission zugewiesen. Ein Decret vom 25. Juli
^^^ verordnete die Aufhebung aller Klöster der i^önche, in denen nicht
anfgeho- wenigstens 12 Mitglieder sich befanden, welche die Gelübde abgelegt.
^«° So sollte das Eigenthum von 1848 Klöstern vom Staate eingesackt werden.
1836. Dieses Decret Hess nur die Häuser der frommen Schulen, die Regular-Cano-
nicer und die CoUegien der Missionäre für die Philippinen ausdrücklich
bestehen. Die Mönche der aufgehobenen Klöster sollten sich in die noch
bestehenden zurückziehen. Die lezten Schläge gegen die Klöster führte
der Jude, Fiuanzminister Mendizabal. Ein Decret vom 11. October
1835 verfügte wieder die Aufhebung vieler Orden und Klöster, der
regulirten Chorherni von Set Benedict von der Congregation von
Saragossa, der Augustiner und Prämonstratenser, und kündigte die Auf-
hebung aller noch übrigen Klöster an. Durch Regierungsbeschlnss
vom 18. Januar 1836 wurden 37 Mönchsklöster in Madrid geschlossen.
Die Mönche wurden mitten in der Nacht ausgewiesen, und ihrem Elende
preisgegeben. Als die Gläubigen am andern Morgen an die Kloster-
kirchen kamen, fanden sie Alles geschlossen.
Mittlerweile wüthete der, wenn er gereizt wird, stets nach Blut
') Baumgarten f Geschichte Spanien's (von 1789—1837), in drei Banden,
III. Band, Leipzig, 1871, p. 280.
Grenel in Saragossa 183r». 445
dürstende Pobel Spanien's im ganzen Lande gegen die Mönche, die
Bischöfe und den Klerus überhaupt.
Am 24. Juli 1834 waren die Cortes eröffnet worden. Der Cardinal Cardina
Ingnanzo von Toledo trat in diese Cortes nicht ein. Er wurde zulczt '°^"'"*
in seinem eigenen Palaste confinirt^ von dem Verkehre mit der Aussen- Jannar
weit ganz abgeschlossen, und er starb daselbst schon am 30. Januar '^
1836, 72 Jahre alt*).
Die Ungestraftheit, deren sich die Madrider Morder des 17. Juli
1834 eriireuten, reizte zur Nachahmung. Unter dem Vorwande, dass
der Erzbischof B. Fr. Caballero den als liberal geltenden Priestern
ihre Vollmachten entzogen habe, stürmten Pobelhaufen durch die
Strassen von Zaragoza, unter dem Rufe: Tod dem Erzbischof, und Tod
dem Kapitel! sie ermordeten mit entmenschter Wuth den Canonicus
Marco, den Bruder des römischen Cardinais (1828 — f 1841) Marco y
Catalan, troz seiner Popularität, und obgleich er für liberal galt; ferner
einen Privatgeistlichen, zwei Mönche in dem Kloster von San Diego,
und einen Franciscanerlaienbruder. Der Buchhändler Pardo, ein durch-
aus friedliebender und harmloser Manu, wurde an der Thüre seines
Hauses ermordet. Ein bösartiger Mönch, ein Organist, führte die Meuchel-
mörder in sein eigenes Kloster de la Victoria, wo vier Religiösen in der
Kirche vordem Sänctissimum ermordet wurden; ein anderer Mönch wurde
schwer verwundet, sowie zwei andere in dem Kloster San Diego
(3. April 1835). Der Organist von la Victoria, der Militär geworden,
wurde in Unter -Aragon erschossen.
An demselben S.April 1835 schrieb der Generale» pitän dem Erz- DwErz.
bischof , „dass wichtige Gründe der Kühe und Ordnung, worüber er ^**^*'^^
der Regierung Rechenschaft geben werde, ihn zwängen, den Erzbischof lerover
zu ersuchen, ohne Verzug nach Barcelona abzureisen"*). Sein Leben ^*'*^*'
war aber in Barcelona nicht weniger gefährdet als in Zaragoza. — Er
blieb bis zum 11. August in Lerida. Als aber eine drohende Volks-
bewegung ausbrach, musste er in das Arranthal fliehen, dessen Gouver-
neur ihn mit sich nach Frankreich nahm. Er wohnte in Toulouse,
Tours, zulezt im grossen Seminar von Bordeaux. Doil starb er in
der Verbannung am 15. December 1843, nachdem er noch eben das
Aufleuchten einer bessern Zeit für Spanien gesehen hatte.
'; Parro in s. ^Toledo in der Hand** wirft ihm Härte und Bitterkoit vor,
wahrend er den Luis 11. Bourbon gar sehr erhebt, troz aller „sinsabores** mit seinem
Oheim nnd Souverän. — Pardo^ I, p. 851--8r*2 (Sn instruccion, religiosidad, severi-
dad de costnmbres y caridad para eon los pobres, eran nororias, pero bii genio
acre y desabrido trato deslacieron mucho aqncllas brillantes cnuliüades. Publico
aigunos cBcritos mny apreciables).
'j Caballero'ä Leben in: Bemh. Wagner, Biographieen dchkwnrdiger Priester
und Prälaten (Im neunzehnten Jahrhundert) 184C; S, C^i—^.
446 Vierzehntes Buch. FOnftes Kapitel.
Nenef ^^ ß. Juli ] 835 brach ein neuer Sturm in Zarascoza los, Diess-
fltnrm In
z»rigo- Daal genügte der Mord von 1 1 Mönchen nicht. Die Kloster der Augo-
«*• stiner und Dominikaner wurden niedergebrannt. Am 7. wurde die Ruhe
durch die Miliz wiederhergestellt, ja sogar zwei Rädelsführer erdrosselt,
was sonst sehr selten in Spanien geschah').
Nun hatte der Pöbel Blut gekostet, und er lechzte nach mehr
Blut ,,Nieder mit den Mönchen'', hatten die Exaltados von Catalonien
schon lange gerufen. Es hiess, dass einzelne Abtheilungen der Car-
listen in Catalonien von Mönchen geführt werden. Eine Abtheilung
der Miliz von Reus, der stets revolutionären Stadt, wurde von Carlisteo
überfallen, und sechs Mann ermordet. Einer der Städtischen, Vater
von acht Kindern, sei, hiess es, auf Antrieb eines Mönches gckrenzigt,
Oreaei und ihm die Augen ausgerissen worden. Am 22. Juli brach die Wuth
in Reu«, ^^g Volks iu Rcus los, lu der Nacht wurden die Klöster erstürmt, in
Brand gesteckt, und alle Mönche, die gefunden wurden, ermordet.
Schon am 24. Juli wusstc man in Barcelona, was die „Patrioten'
in Rens vollbracht. Die Wühler erzählten, man habe in einem Kloster
Barcelona's Waffen für die Carlisten gefunden. Zur Feier des Namens-
festes der Königin- Mutter war am 25. Juli ein Stiergefecht arrangirt.
In Bar- Wenn die Stiere schlecht kämpfen, keine Pferde niederbohren, und dem
Mordstahl des Matador ausweichen, gerathen die Zuschauer in die
höchste Wuth. An diesem Tage aber kämpften die Stiere unerhört
schlecht. Wohl 10.000 Zuschauer waren da, unter ihnen nicht wenige
Wühler, welche die Gluth schürten. Wüthend begann das V^olk, die
Size zu zertrümmern, und warf sie auf die Stiere hinab. Vergebens
erscholl der Ruf: bessere Stiere! Als auch der lezte Stier sieb sehen
benahm, stürzte sich ein Haufe auf ihn, erschlug ihn, und schleppte
ihn unter cannibalischem Geheul durch die Strassen der Stadt. Die
schwache Garnison vermochte keinen Widerstand zu leisten. Stets
wilder ertönte der Ruf: Tod den Mönchen. Zuerst warf man den
Augustinern und Franciscanern nur die Fenster ein. Bald stand das
Carmeliten-, und in Kurzem standen sechs Klöster in Flammen. Die
Mönche, welche den Mordbrennern in die Hände fielen, wurden grausam
ermordet; 32 wurden, die einen erschossen, die andern mit Stöcken
und Steinen erschlagen, die andern in ihre brennenden Wohnungen
zurückgetrieben. Andere wurden von Mitleidigen mit eigener Lebens-
gefahr gerettet. Grosse Schäze der Kunst und der Literatur giengen
an diesem Schreckenstage verloren*).
») Pirala, Guerra civil, II, p. 51 — 117 flq. — Baumgarien, S, S. 38S— 383.
*) In dem Werke von Amat y Torres: Escritores Catalanes — 1836, liest
man oft : dieses oder jenes Werk befand sich vor dem t^5. JoH 1835 In diesem oder
jenem Kloster; in jener Nacht aber gieng es zu Grunde.
Die blutige ßevoIntioD. Allocution vom 9. Februar 1830. -^47
Wie eine Epidemie verbreiteten sich die Klostcrbrände und
Moiichsmorde über ganz Catalonien, von da giengen sie nach Valencia
und Murcia über. In Marcia aliein wurden vier Kloster in Asche
gelegt. Von neuem vrurde Aragon Scbauplaz dieser Greuel. Der
Statthalter LIauder von Catalonien hob alle Klöster auf, weil er doch
nicht im Stande sei, sie zu schüzen^).
In Murcia brach der Sturm schon am 6. April 1835 aus. Der
Bischof musste fliehen , um sein Leben zu retten. Der Bischofliche
Palast wurde geplündert und dem Erdboden gleichgemacht Am
31. Juli wurden sodann die vier Klöster der Dominikaner, der Francis-
caner, der Trinitarier und der Mercedarier angezündet. Ajigeblich wegen
politischer Vergehen wurde zu Valencia der Decan von Murcia, Blas.
Ostolaza, welcher einst Beichtvater des Don Carlos gewesen war, er-
schossen. Alle Klöster dieser Provinz wurden unterdrückt« Dasselbe
geschah in Mallorca, angeblich weil ein Kleriker und einige Mönche
ao) Bürgerkriege Theil genommen. Die Junten, die sich in den ver-
schiedenen Provinzen unter dem Vorwande gebildet, die Constitution
zu verkündigen, nahmen das Geschäft auf sich, überall mit den Klöstern
fertig zu werden. In Salamanca wurden sie am 20. August (1835^ KiSiter
geschlossen, am 23. August wurden die Mönche in Malaga kopfüber uberau
ausgetrieben^ und anderwärts folgte man diesem Beispiele. ment.
Der Monat Juli wurde verhängnissvoll auch für die Klöster
der Nonnen. Nachdem dieselben meist thatsächlich unterdrückt wor- Nonnen-
den, gaben ihnen die Cortes am 29. Juli 1837 vollends den Gnadenstoss. '^^^^^^
Der Monat October des Jahres 1835 war reich an Decreten gegen
den Klerus. Alfons Gomez Becerra war Minister der Gnaden und
der Justiz. Im October wurden die Güter aller Klöster dem Staats-
schaze zugesprochen, auch derjenigen, deren Erhaltung ausdrücklich
ausgesprochen worden. — Der Minister bestimmte nach seinem Gut-
dünken den Gang der Studien in den Seminarien; dieselben wurden,
ohne Rücksprache mit den Bischöfen, in kleinere und grössere getheilt.
In dem geheimen Consistorium vom 1. Februar 1836 hielt Papst Papst
Gregor XVI. seine erste Allocution über die Verfolgung der Kirche ^^^^^^
in Spanien. Er beklagt und verwirft die Angriflfe auf die Kirche, i. Febr.
„dass man die Censur der Bücher den Bischöfen grösstentheils ent- ^'^'*'
Die
*) Pirakty Qnenm civil, t. II, passim — LIauder , Mcinorias docnmenfadas,
I, p. 120 sq. U, p. 74. — Anales del reinado de DoCia lsabel II, obra posflinroa de
l>. Javier de Burgos, Madrid, 1850-1851, 6 vol. 4". — II. p. 162 sq. — Baum-
(jurfen, lU, p. 382 -38J^. Vic De IjaFuente, VI, p. 217 — 2iO,
448 Vierzehntes Buch. Ffliiftes E^apitel.
zogen, die Berufung von ihrem Ansprüche an ein weltliches Tribunal
gestattet, dass man eine Junta niedergesezt habe, um die Normec
einer allgemeinen kirchlichen Reform zu entwerfen; dann jenes Ge-
sez, durch welches man zuerst die Aufnahme von Novizen verboten,
bald darauf die meisten Kloster aufgehoben, und ihre Güter dem
Staatsschaze zugeschlagen habe, wobei man die, Mönche entweder ihren
geistlichen Vorgesezten entzog, oder sie in die Welt hinanstrieb.
Dazu kommen die gewaltsame Entfernung der Seelenhirten von ihren
Diocesen, die Vertreibung der Pfarrer, die grausame Unterdrückung
des ganzen Klerus, da den Bischöfen sogar fortan untersagt wurde^
Kleriker zu den heiligen Weihen aus freier Machtvollkommenheit za
führen* All* dieses wahrhaft Schreckliche und nie genug zu Verwerfende
geschah unter den Augen eben dieses Erzbischofes von Nicäa (Amat
di Sorso), ohne dass ihm erlaubt worden wäre, durch pflichtschuldige
Beschwerde die Sache der Kirche und dieses heiligen Stuhles zu ver-
theidigen, zum grossen Aergerniss für alle Guten, welche aas seinem
Stillschweigen, wo nicht auf eine Nachsicht, so doch auf ein ruhiges
Gewährenlassen von Seite des apostolischen Stuhles schliessen konnten.
Darum also, da es mit der Heiligkeit Unseres apostolischen Amtes
allzu unverträglich gewesen wäre, eine solche Schmach für die Kirche
länger zu dulden, befahlen Wir demselben ehrwürdigen Bruder, das
Gebiet von Spanien zu verlassen^^ ^).
§. 13.
Um diese Zeit schon wurden, wie es mit dem Erzbischofe von
Zaragoza geschehen war, jene Bischöfe gewaltsam vertrieben, weJcbe
man nicht einschüchtern zu können hoflfle. Eines der ersten Opfer
der Gewalt war der Cardinal von Sevilla. Franc. Xav. Cienfuegos w.if
in den Jahren 1819 — 1824 Bischof von Cadix. Als dort im Jahre
18 i 9 das gelbe Fieber herrschte, brachte er sein Leben stets zum
Opfer für seine Heerde. Am 20. December IS24 wurde er Erzbiscboi
von Sevilla*), am i3. März 1826 auch Cardinal. Er genoss die höchste
Achtung bei allen Ständen. Der Justizminister sandte ihm den Befehl
seiner Ausweisung nach Alicante zu. Am J. März 1836 reiste er in
aller Stille ab®), und liess das Volk in der grossten Bestürzung zurück.
Er wurde verbannt, weil man seinen Widerstand fürchtete. —
Der Bischof Jo, Ant. Diaz Merino von Menorca war (1831—1834)
ein leuchtendes Vorbild aller bischöflichen Tugenden. Er wollte liebei
') Die AUocntion in „Allg. Ztg.« vom 18. Februar 1836.
^) Siehe oben, S. 396.
») Katholik von 1836, Heft V. — Katholik vom 17, April 1846.
]
Die BiflobOfe verbaont, confinirt nnd deportirt 449
4
') Elogio fnnebre por Josd Marques y Oener^ und daraoB bei Nicol, Wise-
lan, Geaamm, Abhandle Bd. I, 1854, SJ 1—88. — Beruh, Wagner, Biographien»
l 353—356.
Oams, tpuL Kirehe. III. S. 29
sein ganzes Hansgeräthe verkaufen, als einen einzigen Leidenden darben
sehen. Im Jahre 1837 erachtete er es für seine Pflicht, seine Bei-
»timmang za den gottlosen Maassregeln der Regierung zu verweigern.
,Jch habe^, sagte er, „meine Ueberzeugung als Bischof der Regierung
vorgelegt. Will sie mir meine Temporalien sperren, will sie mich
verbannen, lässt sie mich deportiren, ich werde mich gern unterwerfen, . |
und mich nicht anders vertheidigen, als durch Geduld.^ Er musste
Spanien verlassen und zog sich nach Frankreich zurück. Hier fühlte b*»^»' ^
er bald den grossten Mangel. Das Klima war ihm zu rauh; seine Ge- ver- 1
sundheit litt darunter. Sein Gehör wurde sehr schwach. Der Staar ^^°*
1837— I
beraubte ihn beinahe des Augenlichts. Dennoch bewahrte er die Heiter« 1844.
keit des Gemütbes. So lebte er sieben Jahre in der Verbannung. Als ,
er die heiligen Sacramente der Sterbenden empfangen, sprach er mit
sichtlicher Freude: „Ach, ich sehe sehnsuchtsvoll dem glucklichen
Augenblicke (des Todes) entgegen.^ Er nahm Abschied von seinem
Beichtvater, und sagte: „Ich gehe, ich gehe in den Himmel.^ Ruhig
gab er seine Seele seinem Schöpfer zurück. Er starb zu Marseille am
16. April 1844. Feierliche Exequien wurden für ihn zu Marseille,
Toulon, Madrid nnd Cadix gehalten. Als sein Leichnam in Menorca
ankam^ kannte der Schmerz des Volkes keine Grenzen. Die feierlichen
Exequien wurden am 18. Juli 1844 zu Ciudadela, seiner bischöflichen
Residenz, gehalten ').
• Der vortreffliche Bischof von Avila, Raimund Maria de Adurriaga^
geboren 1755, wurde, obgleich schon 82 Jahre alt^ im Jahre 1837
nach einem afrikanischen Presidio deportirt, wo in der Regel nur
Galeerensklaven weilen, wohin das Trinkwasser aus Spanien gebracht
werden mnss, das Klima tödtlich ist, und eine Pflege für sein Alter
ganz unmöglich war. Der allgemeine Schrei der Entrüstung zwang
die Regierung, nach zwei Jahren ihn wieder zurückzurufen. Er lebte
noch weitere zwei Jahre, und starb am 2, Februar 1841, in^ Alter von
86 Jahren.
Der Bischof von Placentia, Cyprian. Sanchez. Varda (1826 — 1848),
urde nach Cadix verbannt. Dort an das Krankenbett gefesselt,
achte er zur Vertreibung der Langeweile Rosenkränze, die er an die
rmen verschenkte. Sieben Jahre war er verbannt, und nie Hess ihn
ie Liebe der Gläubigen im Stiche. — Judas Romo, Bischof von
^anarias, war nach Sevilla verbannt. Dort verfasste er mehrere Werke,
nd ertbeilte statt des vertriebenen Cardinais die heiligen Weihen und
ie Firmung.
450 Vierzehnte0 Bacb. Füxdteu Kapit^L
An die Stdle der verbamiten oder gestorbenen Bischöfe drängte
^ die Regierang don Kapiteln sogenannte ^^Administratoren^ auf; in
Toledo zuerst den liberalen Canonicus Vallejo, dann nach dessen Todt
den Golfanguer (Wolfganger). Von lezterm hielten sich die Katfao
liken in Toledo nnd Madrid ferne. — Der Eindringling Valentin
Ortigosa in das Bisthum Malaga im Jahre 1836 erlangte eine traarigf
Berühmtheit.
Im Jahre 1837 sezten die constituirenden Cortes eine Junta nieder,
welche eine Art „Civilconstitution^ des Klerus entwerfen sollte. Sie
legte ihren Entwurf den Cortes am 19. Mai 1837 vor. Sie meinte,
gemäss den Grundsäzen der alten spanischen Kirche, musae der spa-
nische Klerus von dem Papste, als dem Mittelpunkte der Einheit, ab-
hängig bleiben. Doch sei der Papst nur der Erste „inter pares^,
der nur einen Vorrang der Ehre, nicht der Gewalt habe. Kein anderem
Patronatsrecht, als das der Krone von Spanien, sollte von nun an
gelten, kraft der Erlaubniss der Regierung sollten die Bischöfe fortan
in ihren Sprengein die Dispensationen und Absolutionen ertheilen, dit
bis jezt d^m Papste zugekommen. Die Festtage sollten auf die kleinste
Zahl beschränkt werden. Der Gerichtshof der apostolischen Nuntiatur,
die Ritterorden, die Cruzada u. a. sollen aufgehoben werden. Siebzelin
Bisthümer sollen aufgehoben, fünf neue errichtet werden. Die Nation
solle, nach den Vorschlagen der Cortes, die Ausgaben für den Klerub
und den Gottesdienst tragen. Die Cortes nahmen diese „Civilver-
fassung'' der Kirche in Bausch und Bogen an. Viele Bischöfe, die
meisten Kapitel und andere Korporationen erhoben Beschwerde da-j
gegen. Die Cortes aber wurden vor der definitiven Bestätigung dieser i
neuen Kirchenordnung von der Begentin aufgelöst. — Eine andere
zehent. Junta der Cortes beauftragte die Aufhebung aller Zehenten und anderer
Primicien, und die Erklärung der Güter des Weltklerus als National^
gut. Ein Theil ihres Ertrages solle als Dotation des Klerus dieneui
zur Deckung der übrigen Kosten des Cultus und Klerus solle einJ
Cultussteuer aufgelegt werden. Die Cortes beschlossen, der Zeheui
solle vorläufig noch ein Jahr bestehen. Im. Jahre 1838 betrug den
Zehent 122, im Jahre 1839 — 145 Millionen Realen'}. Vom JahrJ
1839 wurde nur die Hälfte des Zehent erhoben.
§. 14.
Dieoar- Vom Ende des Jahres 1837 bis zum September 1840 nahm die
ifaun. Verfolgung einen milderen Charakter an. Das Ministerium Ofalia — -
seit Ende 1837 — warf seine Augen auch auf die bedrängte Liage doi
') An 36 Millionen Franken.
Mildere Zeit vod 1837-^1840. 451
darbenden Klerns. Eine Junta sollte über HersteUung der Verbindung
mit Rom berathen. Alle Mitglieder derselben hielten die Zeit dazu
noch nicht für gekommen. Nur Calatrava meinte, man solle dem Papste
mitthfeilen, wie sehr die spanische Kirche durch das gegen sie von
Rom eingehaltene Verhalten leide. Im Jahre 1839 gieng der so-
genannte ^siebenjährige Kriegt zwischen den Carlisten und den
„Christinos^ zu Ende. Don Carlos musste weichen — 15. September
1839. Durch die sogenannte Convention von Vergara verrieth und
lieferte sein General Maroto ein Heer von 20.000 Mann in die Hände
der ^Christinos^^ Jezt wurde D. Julian ViUalba als Agent der Re-
gierung nach Rom gesandt, um die laufenden Geschäfte zu führen, und „j""^
mit Rom wieder Verbindung anzuknäpfen. Von Frankreich hiebei ^«""^^^^
lebhaft unterstüzt, wurde Villalba vom Papste empfangen, und als ^337-
spanischer Agent anerkannt. i^<^-
In Spanien selbst erschienen neue tüchtige Zeitschriften, z. B.
„Der Prophet", „Die Religion", „Der Katholik von Madrid". Damals
wurde der Name des Jaime Bcdmea zum erstenmale genannt. Er wurde J^ime
im Jahre 1810 zu Vieh geboren , studirte theils in Vieh, theils in \^^^
Cervera, wurde im Jahre 1834 Priester, arbeitete von 1834 — I8IW zu is»'
seiner weiteren Ausbildung theils in Vieh, theils in Cervera, und trat
im Jahre 1839 mit der Schrift hervor: „Ueber den geistlichen Cölibat",
wofür er in Folge eines Concnrses den Preis erhielt. Im April 1840
erschienen seine „Sociale, politische und ökonomische Bemerkungen
über die Güter des Klerus" *), mit welcher Schrift er seinen literarischen
Ruhm begründete. Schlagend zeigt er, wie die Güter in der „todten"
Hand zugleich dem ganzen Volke den sichersten und allgemeinsten
Gewina bringen. Er siedelte nach Barcelona über, und gab dort ,,Die
politischen Betrachtungen über die Lage Spanien's heraus^). Es war
grosser Muth, diese Schrift erscheinen zu lassen, die dem Verfasser
das Leben kosten konnte.
§. 15.
Im September 1840 wurde die Regentin durch Espartero, den Neue
Herzog von Vittoria , zur Abdankung gezwungen. Don Baldemero Jq'^J'^
Espartero wurde im Jahre 1792, als neuntes Kind eines Wagenmachers -1843.
*) Siehe Ober das Uecht von Don Carlos — EadawitZy gesammelte Schriften,
3. Bd., 1853, S. 1 — 160. — Fölüz iBülau-Zimmer), Weltgeschichte, 1853, Bd. III,
Abth. II, S. 221.
*) Bahne» ^ Observaciones sociales, politicas y economicas sobre los bienes,
del Clero. Vieh, Abril de 1840 — siehe Joe. BälmeSj sein Leben und seine Werke
von A. V. Blanehe-Eaffin, Regensbnrg, 1852, p. 35.
*) CoDsideraeiones politicas sobre la sitoacion de Espafia; agoato de 1840.
29*
452 Tienehnteo Bach. Fünftes Kapitel.-
zu Granatula, in der Provinz la Mancha, geboren, and zum Geist-
lichen bestimmt. Bei dem Einfall der Franzosen im Jahre 1808 trat
er als Freiwilliger in das Heer ein. Im Jahre 1811 noch Seconde-
Lieutenant, trat er 1816 als Hauptmann in das Heer, das zur Unter*
drückung des Aufstandes nach Südamerika zog. Er wurde bald Major,
im Jahre 1817 Oberst-Lieutenant^ 1821 Oberst, Die Kapitulation von
Ayacucho (1827) brach die Herrschaft Spanien^s in Amerika. Espartero
kehrte, als sehr reicher Mann, nach Spanien zurück. Bald darauf wurde
er Brigade-^ General. Nach dem Tode Ferdinand's VU. erklärte er
sich sogleich för die „Regentin^. An den Kämpfen gegen die Carlisten
Eipar- nahm er hervorragenden Theil. Bald sah sie sich zur eigenen Sicher-
^''°* heit genöthigt, den bereits zum Herzog von Yittoria ernannten Espar-
tero auch zum Minister - Präsidenten zu erheben. Als Christine
. gestürzt wurde, ernannten ihn die Cortes „zum Regenten und Vor-
mund der Königin^' Isabella II., und ihrer Schwester, der Infantin
Louise.
§. 16.
Im September 1840 musste die „Regentin" abdanken und Spanien
verlassen. Mit dieser sogenannten September- Revolution begann der
Sturm gegen die Kirche aufs Neue, und heftiger, als zuvor. In allen
Provinzen hatten sich „Junten" gebildet, welche Bischöfe und Pfarrer
vertrieben, an ihre Stelle radicale Priester sezten, neue Eintheilungeu
der Pfarreien machten, überhaupt schmähliche Gewaltacte gegen den
Klerus begiengen. Die Junta von Madrid suspendirte die meisten
Assessoren des Gerichts der Rota in Madrid. Dieses Gericht, das
unabhängigste und am besten organisirte in Spanien, entschied im
Namen des Papstes über Civil- und Criminalprocesse des Klerus, und
fungirte als Appellationsgericht über die Entscheidungen der Erzbischöfe
und Bischöfe. Der Cardinal Carl Tiberi, der Madrid im April 18^
verlassen, übertrug, mit Genehmhaltung der Regierung, die Erledigung
^ der dem Nuntius zukommenden Geschäfte dem Assessor der Nuntiatur.
Am 30. Juni 1835 zeigte der Nuntius Amat di Sorso der Regierung an,
dass der Papst, mit Rücksicht auf die schwache Gesundheit des Assessors
Campomanös, den Fiscal der Nuntiatur, D. Jose Bamirez de Arellano,
als seinen Stellvertreter bestimmt hätte. Die Regierung genehimgte
diese üebertragung. Als Campomanös am 12. Juli 1838 gestorben,
zeigte Ramirez der Regierung an, dass er die Geschäfte eines Vice-
gerens (der Nuntiatur) übernommen. Als solcher protestirte er bei
der provisorischen Regierung von 1840 gegen viele von den Junten
der September- Revolution begangenen Gewaltacte. Die Regentschaft
verwies seine Klagen an den obersten Gerichtshof Spanien's, der ganz
AIlocQtiou vom 1. März 1841. 45'$
aus SeptemberiDännern bestand, desseo Präsident Calatrava, dessen
Beisizer D. Antonio Gonzales , dessen Fiscale der Kircbeofeind Jose
Alonso and der Deputirte Lopez waren. Nach seinem Ausspruch hob
die Bogentschaft das Gericht der Bota auf, übertrug seine Geschäfte
dem obersten Gerichtshof, und liess den Vicegerens über die Grenze
bringen — 29. December 1840.
Am 1. März 1841 hielt Papst Gregor XVI. seine zweite Allo- ^"^^^^
cution über die Noth der Kirche in Spanien. Als neue Acte der Ge- «ch« ai.
walt werden bezeichnet das Decret vom 10* December 1840, welches ^««*"®*^-
den Magistraten die strenge Einhaltung der Decrete von 1835 gebot,
das den Bischofen, mit Ausnahme gewisser seltener Fälle, die Beforde*
rungen auf geistliche Stellen verbot, das Decret vom 6. und 13* De-
cember 1840, das die Verordnung über die Aufhebung und Seques-
trirung der Kloster auf die jüngst unterworfenen Provinzen ausdehnte,
das Decret vom 9. December, das den schleunigen Verkauf aller Kloster-
kirchen im öffentlichen Aufstreich befahl, das Decret vom 31. Januar
1841, dass die Weltgeistlichkeit allen Besiz der Kirchengüter verlieren,
und mit einer bettelhaften Besoldung abgefunden werden sollte, das
Gesez vom 30. November 1840, das allein die verbannten Geistlichen
von der allgemeinen Amnestie* und Rückkehr nach Spanien ausschloss.
Ausföhriich wird die Angelegenheit des Eindringlings Valentin Ortigosa
besprochen. Der Vicegerens Ramirez de Arellano habe dagegen am
20. November 1840 bei der Regierung protestirt; femer am 5. und
17. November wegen eines andern Eingriffs und wegen schmählicher
Misshandlung und Vertreibung des Bischofs (Joann. Anton, de Lillo)
von Neu-Caceres und einiger Geistlichen; sodann wegen einer neuen
Eintheilung der Pfarrkirche in Madrid, und sei dann mit Gewalt über
die Grenze geschah worden. Indem er Himmel und Erde zu Zeugen
anruft, erhebt der Papst seine Beschwerden gegen alle diese und die
frühern Gewaltthaten, verwirft sie und abrogirt deren Folgen*).
Gegen diese Allocntion erliess der Minister Alonso am 28. Juni
eine strenge Verordnung. Alle, welche sie oder ein anderes päpstliches
Manifest, Breve, u. dgl. einbringen oder ausführen würden, sollten den
schärfsten Strafen unterliegen. In einem Berichte des Ministeriums an
den Kegenten Espartero wird die Allocution als Attentat auf die höchste
Autorität des Reichs, als die Ordnung, die Ruhe und den Frieden
störend bezeichnet^ gemäss der Sentenz des obersten Gerichtshofes.
Weiteres sollten die Cortes bescbliessen').
Am 29. Juni legte der Finanzminister einen Gesezesentwurf vor^
nach welchem die Güter des Klerus vom Staate eingezogen werden
■ I
>) Die Aitooation in: AUg. Ztg. vom 11. and 12. März 1841.
^ ,8ion" vom 14.-18. Jnü 1841.
464 Vierzehntes Buch. Fttnftee Kapitel.
sollten. Der Entwurf warde am 21. Juli mit 109 gegen 2 Stimmen
angenommen *).
In Spanien wurde „das Werk der Verbreitung des Glaubens"
verboten, weil der Glaube im Lande schon yerbreitet sei. Ein Bischof
wurde verbannt und seiner Güter beraubt^ weil er einem Minister seine
Meinung gesagt, das Kapitel von Toledo wurde der Vermessenheit und
Unrnhestiftung bezüchtigt, weil es eine demüthige Vorstellung ein-
gegeben.
Neno Im Januar 1842 legte der Minister Alonso ein Gesez vor, wel<jies
g^^en^ alle päpstlichen Iteservatreohte aufhob, und die factische Trennung von
^^ der römischen Kirche aussprach. Darauf erschien am 23« Januar 1842
,g4i_' Vallejo, ernannter Erzbiechof von Toledo, ein grosser Lib»*aler, der
1842. unter Ferdinand VII. zehn Jahre verbannt gewesen, vor dem Regenten
Espartero, und übergab ihm eine Denkschrift, worin er seine Würde
niederlegt; er habe das Kapitel aufgefordert, einen neuen Administrator
zu wählen. Er sagte zu Espartero: ^Ich und Alonso gehen nicht in
einen 8ack.^ Er wollte Spanien verlassen« Auch der zum Erz-
bischof von Valencia ernannte Bischof Posada von Murcia dankte ab.
Ebenso protestirten die Kapitel von Zaragoza, Ovledo^ Toledo,
Lugo, und hatten den Zorn der Gewalthaber zu fohlen. Selbst der
berufene Ortigosa von Malaga dankte ab. Vallejo starb schon am
30. April 1842«).
§. 17.
Am 22. Februar 1842 erliess Papst Gregor XVI. seine herrliche
Encyclica über die Kirche Spanien's an die katholische Christenheit:
Der „Zum ewigen Gedächtniss. Die Unserer Niedrigkeit von dem
^^d'a <^b^^^^^^ Fürsten der Kirche und dem erbarmungsvoUen Erlöser des
kathoi. Menschengeschlechts anvertraute Sorge für die katholische Religion
tenhX ^^^ ^^^® Liebe mit welcher Wir alle Geschlechter, Nationen und Völker
Febniar empfangen, machen es uns zum dringenden und innerlichsten Bedürfiiiss,
^^^* nichts ausser Acht zu lassen, was von Uns zur unverlezten Bewahrung
der Hinterlage des Glaubens und zur Abwehr des Verderbens der
Seelen als nothwendig erkannt wird. Allgemein ist es bekannt, iu
welcher Lage sich die Angelegenheiten der Kirche in Spanien befinden,
'} Sion vom 4. Aogast; Beilage nr. 15; die Verhandlangen in Beilage
DT. 16—17.
*) Blan sieht, weiche Energie in dem spanischen Elenis rabt, wenn derselbe
in die Opposition bineingeBtossen wird, and wenn er die ,yk«tholi0che imestät*
anoh nicht mehr dem Namen nach sieb gegenüber hat.
Päp«tlicb6 EncycUca vom 22. Februar 1842. -455
und wie schmerzKch Wir von den traurigen Wechseln berührt werden
mussten, die seit mehreren Jahren über die Kirche daselbst ergangen
sind. Zwar ist jenes Volk dem orthodoxen Grlaoben zu sehr ergeben,
als dass es je abtrünnig werden konnte von den hochheiligen Ueber-.
lieferungen seiner Vater; unverdrossen zum grössten Theile schlagt die
Geistlichkeit die Schlachten des Herrn; die heiligen Vorsteher, obgleich
den klaglichsten Plackereien ausgesezt, oder selbst vertrieben und unter
den härtesten Bedrängnissen, lassen sich die geistige Pflege ihrer
Heerden nach Kräften angelegen sein. Doch sind ebendaselbst, ond
zwar in nicht geringer Zahl, auch verlorne Menschen zu finden, die
in frevelhaftem 'Verein gleich Fluthen des wilden Meeres ihre Ver-
wirrungen ansschäumend den abscheulichsten Krieg gegen Oiristus und
seine Heiligen fuin-en, die der katholischen Kirche bereits den grössten
Schaden zugefugt haben, und deren gottloses Trachten ist, wenn es
möglich wäre, sie ganz und gar auszurotten. Indem Wir nach Beruf
Unseres Amtes Unsere apostolische Stimme erheben, haben Wir wahrlich
nicht unterlassen, die von der Madrider Regierung der Kirche ge-
schlagenen schweren Wunden öffentlich zu beklagen, und alle den
Rechten und G^sezen der Kirche zuwiderlaufenden Erlasse der Staats-
gewalt sind von Uns ftlr null und nichtig erklärt worden. Ueberdiess
haben Wir Uns über die grässlichen Beleidigungen und Drangsale,
die Unsern ehrwürdigen Brüdern den Bischöfen, und den geh^igten
Personen^ der Welt- und Klostergeistlichkeit jenes Königreichs wider*
fahren sind, über die greuelvolle Entweihung heiliger Stätten, die
tempelränberische Plünderung der Kirchengüter, ihre Veräussemng und
Einziehung für den öffentlichen Schaz mit jedem Ausdruck des Schmerzes
nachdrucksam beschwert, und zugleich die Strafen und Censuren in
Erinnerung gebracht, welche die apostolischen Constitutionen und die
allgemeinen ConciKen als nnmittelbar verwirkt über diejenigen ver-
hängen, welche sich nicht scheuen, solche Missethaten zu begehen.
Wir haben dieser Pflicht Unseres apostolischen Amtes einmal und
abermal gewaltet in zwei Allocutionen, die Wir an Unsere ehrwürdigen
Brüder die Cardinäle der heiligen römischen Kirche in dem Gonsi-
etoriam vom K Februar 1836, und vom 1. März 1841 richteten, nnd
im Drucke erscheinen liessen als ein öffentliches dauerndes Denkmal
Unserer apostolischen Bekümmemiss und Missbilligung. Wohl hatten
Wir uns zu der Hoffiiung aufgerichtet, dass diese Unsere Stimme,
welche aus dem betrübten Herzen des gemeinschaftlichen Vaters aller
Gläubigen hervorbrach. Gehör finden und auf Unsere wiederholten
Mahnungen und Vorstellungen diese grausame Verfolgung der katho-
lischen Seligion ein Ende nehmen wiirde. Tag und Nacht haben Wir,
niedergeworfen zu den Füssen des Gekreuzigten, unter reichlichen
Thränen nnd Seufzern in Unseres Herz^is Demuth nicht aufgehört zu
456 Vierzehntes Bach« Fünftes Kapitel.
beten, dass er nach seiner nnendlichen Barmherzigkeit der leidenden
spanischen Nation die helfende Rechte reichen, und den Irrende^ das
Licht seiner Wahrheit zeigen möge zar Rückkehr auf den Pfad der
Gerechtigkeit. Noch ist nach dem unerforschlichen gottlichen Rath-
schluss kein Erfolg da, der Unserer Hoffiiung entspricht, ja Wir sehen
die Uebel in jenen weiten Landen von Tag zu Tag dermassen an-
wachsen, dass die katholische Religion gleichsam förmlich mit dem
Untergang bedroht ist. Wenn Wir auch vieles Andere, was offenkundig
genug ist, was gegen die heiligen Geseze der Kirche und die Rechte
dieses apostolischen Stuhles kürzlich beschlossen oder auch schon aus-
geführt worden ist, mit Stillschweigen übergehen, so haben Wir jezt den
Schmerz, dass die Gottlosigkeit so weit gekommen ist, dass aus einer
wirklich teuflischen Bosheit ein verfluchenswerthes Gesez den obersten
Reichscomitien vorgelegt wurde, das geradezu den Zweck hi^t. Unsere
rechtmässige kirchliche Gewalt gänzlich abzuschaffen, und die gottlose
Meinung aufzustellen, dass der weltlichen Gewalt in ihrem höchsten
Recht die Herrschaft zustehe über die Kirche und deren Angelegen-
heiten« Und zwar wird in diesem Geseze erklärt, dass die spanische
Nation sich um diesen apostolischen Stuhl nichts zu bekümmern habe;
dass jeglicher Verkehr mit demselben in Betreff aller und jeder geist-
lichen Gnaden, Indulte und Concessionen einzustellen, und die solcher
Vorschrift Zuwiderhandelnden unnachsichtlich zu bestrafen seien. Ebenso
wird darin festgesezt, dass apostolische Briefe und andere von diesem
heiligen Stuhle ausgegangene Verordnungen nicht allein ohne dass sie
von Spanien verlangt sind, unbeobachtet und überhaupt ohne Wirkung
bleiben, sondern auch von denen, an die sie gelangen, unverzüglich
der bürgerlichen Obrigkeit und durch diese der Regierung angezeigt
werden sollen, gleichfalls unter Androhung einer Strafe im Unter-
lassungsfälle. Auch wären nach diesem Geseze Ehehindemisse nur
noch so lange der Jurisdiction der Bischöfe zu unterstellen, bis da.s
Civilgesezbuch den Unterschied zwbchen der Ehe als Vertrag und aL«-
Sacrament bestimmt haben würde« In religiösen Dingen sich aus
Spanien nach Rom zu wenden, solle gänzlich verboten, und zu keiner
Zeit mehr ein Nuntius oder Legat dieses heiligen Stuhls zugelassen
werden mit der Ermächtigung, Gnaden und Dispensationen, wenn aucii
unentgeltlich, zu ertheilen. Noch mehr; — das geheiligte Recht des
römischen Papstes, die in Spanien gewählten Bischöfe zu bestätigen
oder zu verwerfen, wird gänzlich ausgeschlossen, ja mit Strafe des
Exils sollen belegt werden sowohl Priester, die zu einer bischöflichen
Kirche ernannt, bei diesem heiligen Stuhl die Bestätigung oder ein
apostolisches Breve nachsuchen würden, als Metropolitane, welche um
das Pallium einkämen. Nach diesem Allem ist es in der That nur
zum Verwundern, dass in diesem Gesez versichert werden mag, der
^
Rom und die Regierung von Madrid« 457
ömische Papst werde als der Mittelpunkt der Kirche angesehen, da
loch mit ihm kein Verkehr stattfinden 8ol]| ansser mit Erlaubniss«
§. 18.
Die spanische Regierang wollte dieses allgemeine Gebet der ge- ^** ^•'
sammten Christenheit einfangen und in Bande legen« Schon am kämpft
13. März erliess der berüchtigte Alonso an die Bischöfe und die obersten ^^
ßerichtsb^horden ein Ausschreiben, das n. a. lautet: j,Die romische Aionso
Curie) welche seit dem Anfang des nun glücklich beendigten Barger- ^^
krieges kein Mittel spart, um die legitime Regierung Spanien's anzu- p»pst,
feinden, hat ihre lezte Zuflucht dazu genommen, sie im Angesichte der ^^
Welt als Feind der Religion des Gekreuzigten darzustellen. Die Re*
giernng weiss recht gut, dass diese vergeblichen Versuche dahin ab-
^.ielen, die Spanier aufzureizen, damit sie gegen den Gehorsam sich
^erfehlen^ welchen den Lehren des Evangeliums gemäss die Hirten und
die Heerden gegen die bestehenden Obrigkeiten zn beobachten schuldig
sind. Beständig wurde die Absicht kundgegeben, den von der Nation
energisch zuriickgewiesenen Rebellen Don Carlos zu begünstigen, die
in Kraft befindlichen Geseze zn bekämpfen, welche mit dem Verkauf
der Nationalguter zahlreiche Interessen geschaffen haben, und die Doc-
trinen zu verdammen^ welche den materiellen Interessen des romischen
Hofes zuwider sind, der, trozdem dass er unser Geld für die Bewilligung
der apostolischen Gnaden empfängt, die Mehrheit der Spanier der
Gottlosigkeit anklagt, und so die Ruhe der Gewissen, und die Ehr-
furcht, welche sie für den gemeinsamen Vater der Gläubigen bekennen,
zu gefährden strebt^ Den Bischofen wird befohlen, das Schreiben
vom 22, Februar, wenn es ihnen zukäme, an den Minister einzusenden;
die Civilbehorden sollen den Umlauf und den Vollzug des Breve
hindern, und von Amts wegen alle Exemplare demselben hinweg,
nehmen *).
Die Regierung nahm einen ungewöhnlich katholischen Anlauf,
am sich Rom gegenüber vor der Nation in die Brust werfen zu können.
Sie forderte alle Bischöfe durch Rundschreiben auf, die Festlichkeiten
der Osterzeit mit allem möglichen Glänze zu veranstalten^ gab aber ^^■♦•™
der mittellosen Kirche keinen Piaster dazu aus ihren eigenen Mitteln.
Die Ceremonien wurden nun zwar in Madrid wie in Sevilla mit grossem
Glänze gefeiert, aber die Kosten bestritten durchaus fromme Privatleute.
Für die Feier der heiligen Woche wurden dem Klerus von Sevilla
76.000 Realen tibergeben.
') Sion, 30. März 1812.
458 Yiensehntes Buch. Fünftes Kapitel.
Ein Mittel, den Klerus an sich zu ziehen, und ihn gegen iiom
zu gebrauchen, war die scheinbare Sorge für seinen Unterhalt. Durch
Schreiben Tom 15. März befahl der Finanzminister allen Beamten, für
vollständige Tilgung (Entrichtung) der für den Klerus und den Gottes-
dienst bestimmten Steuer zu sorgen. Es sei der Wille des Regenten,
auf reichliche Weise für die Bedürfnisse der Eürche zu sorgen.
Zum Schrecken der Regierung nahmen die Spanier stets ent-
schiedener Partei für die verfolgte Kirche. Die römische Encyclica
vom 22. Februar circulirte in einer Menge von Abschriften, und wurde
Die Be- mn gQ eifriger gelesen, weil sie verboten war. Fast Niemand ant-
iaoUrt wortete auf die Frage: hast du die Encyclica gelegen, mit: nein! Die
Btoh. Presse führte eine freimüthige Sprache. — In der Commission, welche
den Gesezesentwurf über die Lostrennung der spanischen Kirche von
Rom berathen sollte, sprachen sich von sieben Stimmen sechs gegen
den Entwurf des Alonso aus. Der Bischof von Tuy protestirte bei
den Cortes gegen diesen Entwurf"). — Der apostolische Bischof Silos
Moreno von Cadix protestirte am 9. Octobcr 1841 bei dem Minister
Alonso gegen die Einziehung und den Verkauf der Güter des Welt-
klerus in Spanien.
Durch Urtheil vom 14. Juli 1842 wurde der Bischof Varela von
Placeniia zu zweijähriger Gonfinirung innerhalb des Bisthums Cadix
verurtheilt. Um diese Zeit wurde auch das Werk der „frommen
Stiftung für Jerusalem^ unterdrückt, und die Almosen Spanien's fai
die Fi*anciscaner im heiligen Lande horten auf.
Diehnn- Die Nonueu in Sevilla, denen man 21 Monate ihre Pension nicht
NoTnen* bezahlt hatte, erhoben ihre Stimme, weil sie, wenn sie Hungers sterben
sollten, wenigstens noch einmal sprechen wollten: Statt sich ihrer anzu-
nehmen, erliess die Regierung neue strenge Geseze wornach kein Priester
Beichte hören, oder eine seelsorgerliche Function vollziehen dürfe, der
certifl- nicht ein Certificat über seine Liebe zur Constitution und zur bestehen-
^iwM d®^ Regierung vorgelegt hätte. Die Mehrzahl brachte dieses Zeugniss
▼«r- nicht bei, weil sie nicht lügen, und nicht die Einmischung des Staates
in die Eirchenfreiheit anerkennen wollten. Diesen allen wollte die
Regierung die Erlaubniss zur Seelsorge entziehen. — Da dieselbe
davon abstehen musste, den erwähnten Gesezesentwurf durch die Cort4}s
zu bringen, so suchte sie ihn durch einzelne Verordnungen zu ersezeu.
Sie verbot u. a. bis auf weiteres, sich mit Gesuchen um Dispensen
nach Rom zu wenden. Die vor diesem Erlasse schon erlangten Dis-
pensen sollten an das Ministerium der Gnaden und Justiz eingesandt
werden. Nach dem Rücktritte der Herrn Becerra und Alonso war
dieses Ministerium jezt in den Händen des Zumalacarreguy. Kur
») Sion vom 17. April 1842.
Die verwaisten Bisthttmer. 459
llhedispesseo, und Dispensen, die von der Poenitentiarie ausgiengen,
liärften noch in Rom erholt werden.
Damals befanden sich in ganz Spanien nur noch wenige Bischöfe !><« ^er-
von 56) im Besize ihrer Amtsgewalt, welche canonisch vom Papste Biathtt-
ingesetzt worden (die Bischöfe von Astorga, Barcelona, Tay, Valladolid). merund
Die Uebrigen waren entweder vertrieben oder gestorben. Nur ^^1^0.
loch der dritte Theil der Pfarreien des Landes war regelmässig mit
Pfarrern besezt, die von anerkannten Bischöfen eingesezt worden. Man
jeschied z. B. den Bischof von Valladolid nach Madrid zur Verant-
(vortung, weil er, schon im Jahre 1838, zwei jungen Männern aus
roledo die Weihen ertheilt habe, welche päpstliche Dispense er-
laJten. Der in Sevilla confinirte Bischof von Palma ^ Judas Jos6x>n bi-
RojfhOy wurde zur Verantwortung nach Madrid berufen, weil er ^i^^^i^^^q^.
Denkschrift an den Regenten eingeschickt hatte. In dieser Zeit der narias.
!voth liess er seine berühmte Schrift erscheinen: „Beständige Unab-
bängigkeit der spanischen Kirche, und Nothwendigkeit eines neuen
[^oncordÄts" '). Dafür wurde er zu zwei Jahren Verbannung verur-
heilt. Ein Pfarrer hatte im Jahre 1841 über das Werk der Ver-
breitung des Glaubens gepredigt. Dafür wurde er in den Gefangnissen
;o misshandelt, dass er wahnsinnig wurde, und in das Irrenhaus ge-
bracht werden musste. — In der Stadt Bilbao hörte am 12. October
[ 842 aller und jeder Gottesdienst auf, weil die Priester sich weigerten,
Certificate ihrer Anhänglichkeit an die Regierung beizubringen. —
V^ier Priester von Barbastro^ welche diese Zeugnisse nicht beibrachten,
A^urden in ihre Heimatsorte verwiesen. Eilf Priester in Saragossa,
Krelche den unre<!}htmäs8igen Administrator La Rica nicht anerkennen
Evollten, wurden zwei Jahre lang auf eine Entfernung von 15 Stunden
\on Saragossa verbannt '*).
') Independencia constante de 1a fglesia hispana y necendad de un nuevo
!oncord»feo, por el llmo Sn. Obispo de Canarias, Madrid, 184'^ 420 pp. ~ Eine neue
\uflag^e eracbiea daselbst im Jahre 1843, worin sich der Bischof als D. Jvdas Josi
Romo^ Hanspralat Sr.^eiligkeit und Assistens am päpstlichen Throne, nennt. Diese
vermehrte Ausgabe hat 482 pp. (Dion. Hidalgo, t III, 1868, p. 292.)
*) Sion vom 9. und 16. October, 13. und 15. November 1842. — Die „Sion"*
erwarb sich duroh ihre Berichte aus Spanien verdiente Anerkeauung. Ihre Artikel
KTurden in das Spanische übersetzt In der Sion von 20. April 1842 steht der
erwähnte Protest des Bischofs Merino, welchen er selbst an die „Sion" gelangen
ieflSy iadem er ihr Air die Vertheidigung der Kirche in Spanien herslich dankte. — •
VgL auch: «Spanien und der Herold des Glaubens**, von Patrit WiUmann (damals
^daktenr der Sion). — PfeiUchifter hatte in seinem „Herold" den traurigen Muth
gefunden, auf den geschlagenen spanischen Klerus noch weiter loszuschlagen, weil
M aas Spanien mit ungünstigen Eindrücken über und von diesem Klerus heimge*
^ehrt war.
460 Yienehntei Buch. Ffioftes Kapitel.
§. 19.
Im Jahre 1843 brach der Krieg zwischen Espartero und Narva^-;
ans^ welcher die Interessen der Konigin Mutter und der Königin Isa
bella II. vertheidigte.
Espartero der «^Siegesherzog'' wurde diessmal geschlagen^ uu<:
musste sich zum Abzüge entschliessen. Umsonst bombardirte er b
seinem Rückzuge nach Andalusien im Jahre 1843 die offene St<iJ
Sevilla*). Er inusste fliehen — 28. Juli, und die Befreiungsarmee ver
folgte ihn. Auch er entkam, wie so viele Kirchenfeinde vor ihm, naci
^p"- Cadix, auch er bestieg das rettende Schiff, er retirirte nach England
flieht u^d kehrte im Jahre 1848 ungefährdet nach Spanien zurück. Mit seineu
liMs. Sturze aber hatte die Kirchenverfolgung ihr Ende erreicht, 17 Monatr
nach der Verkündigung des spanischen Jubiläums vom 22. Fe*
bruar 1842.
Die Kirche Spaniens aber konnte sich von ihrem Elende nur all«
mälig erholen. Das Kirchengut war verkauft und verschleudert. I^i
der gänzlichen Erschöpfung des Staatsschazes wurden die dem Klern
und den Ordensleuten versprochenen Pensionen nicht ausbezahlt. D
eingezogenen Güter kamen nicht dem ganzen Lande und Volke, soii
dem einzelnen Speculanten zu Gute. Gegen Ende des Jahres 184^
war man den armen Klosterfrauen sieben Jahrgänge ihrer Pensiot
schuldig. Was half es ihnen^ dass man sie auf die Grossmuth dei
Nation angewiesen hatte, da diese „Nation^ gelbst immer mehr verarmt
und darbte«)?
Die Während des harten Winters vogi 1844 — 45 zahlte man diese
glrnden ^^^^^ Klosterfraueu aus Gnade vier Monate aus dem Rückstände de
Nonnen. Jahrcs 1837 aus. Trozdem wurden von diesen Armen alle Communal-
und Staatsabgaben ohne Nachlass erhoben. Es bildeten sich allent-
halben Vereine, um dieselben von dem Hungertode zu retten. Die
Königin Mutter stellte sich selbst an die Spize eines solchen Verein.^
in Madrid.
') Siehe oben KircheDgeschichte, 1, S. 288, nach Wtseman, Abhandinnpen (ib^
vereohiedene Gegenstände, Bd. 3, S. 68—73. '
') Im Februar 1865 hat mir gegenüber Fr. X. Simcnest in Granada seine
Meinung dahin ansgesprochen, dato nur etwa y, Million Spanter wohlhabende Leate,
die grosse Masse aber armes Volk sei. Diess gilt kanm von den nordöstlichen
Provinzen.
Mildere Zeiten. 461
§. 20.
Nach dem Sturze des Espartero (Juli — August 1843) folgten die
inisterien Lopez^ Olozaga und Gonzalez Bravo einander in schnellem i»« ^i-
aufe(1843 — 44), Dann kam Narvaez an das Ruder, das er zweimal ^"J^^
irlassen musste (1844 — 46)'). — Das Ministerium Gonzalez Bravo 1^43 i>u
3f die verbannten Bischöfe und Erzbischofe wieder zuriick, welche, ^^^'
ie der Cardinal von Sevilla^ und der Erzbischof von Santiago, mit
)hen Ehren gefeiert wurden, Andere^ wie der Bischof Talayero von
Ibarraciu (f 1839), die erwähnten, der Erzbischof Caballero von Zara-
^za, und der vielverdiente Bischof von Menorca, waren in der Yer-
iDDung gestorben. — Den Geistlichen wurde die Beibringung von
ertificaten ihrer Anhänglichkeit an die Verfassung erlassen. — Der
erichtshof der Rota wurde wieder eröffnet.
Die Konigin Mutter hatte schon während ihrer Verbannung die ^^^ ^^'
srsöhnung mit dem heiligen Stuhle auf das Eifrigste betriebep. Sie Matt«c.
^88 auf Antreiben Papst Gregor's XVI., dem sie sich persönlich vor-
eilte, ihre vieljährige wilde Ehe mit dem frühem Sergenten Munoz,
m spätem Herzog von Rianzares, kirchlich einsegnen. Narvaez aber
hickte'bald nach seinem Amtsantritt den Privatsecretär der Königin
[atter, Castillo y Ayensa. nach Rom, der daselbst auf oi&ciösem Wege
erhandlungen einzuleiten suchte. Den (langsamen) Gang der Ver-
mdlungen hat er selbst in dem oben angeführten Werke in das Ein-
glaste geschildert, und J* Hergenröiher hat darüber den deutschen
esern den genauesten Bericht erstattet. Uns gebricht der Raum,
arauf näher einzugehen. Wir wollen aber gern die hohen Verdienste
es Unterhändlers anerkennen, der seit langer Zeit zum erstenmale in
om eine Haltung einnahm, die sehr vortheilhaft von der Haltung
iioer spanischen Vorgänger abstach, welche auf dem Wege des Drohens
od Säbelklirrens in Rom mit ihren Forderungen durchzudringen suchten,
'astillo y Ayensa trat als Bittsteller auf, der Papst aber und der Car«
inal Lambruschini beobachteten eine würdevolle Haltung. In Spanien
)Ilte man iuhlen, dass der Papst und die Kirche auch ohne Spanien
ben könne. Einen relativen Vortheil gewährte die jezige Lage der
^inge. Man konnte nun den Papst nicht mehr mit beständigen Ge-
ichen um materielle Hilfe aus den Kirchengütern bestürmen. Diese Güter
aren von den nimmersatten Männern der Revolution verschlungen worden.
Die erste Frucht der Verhandlungen mit Rom war das Decret
om 9. August 1844, welches die Einstellung des Verkaufs der (wenigen)
') Spanien seit dem Sturze Espartero's bis aof die Gegenwart, Leipzig, 1853
oonym), S. 108—146.
462 Vierzehntes Boch. Ffln/tes Kapitel
tu)ch unverkauften Güter dce Wcltklerus und der FraucnkVoilt' '
zur de6nitiven EoUcheidang der Oortea darüber verfugt«. Diefcji
der ehemaligeu Klostci^iiter fürchteten dadurch in ihrem iaa^^
gefährdet zu sein. —
Die Unterdrückung des Ordens von den frommen Scbuleu <
des heiligen Joeef von Galasanz wnrde in ganz Spanien sciin^
gefühlt. Von allun Seiten und ohne Unterschied der Parteien ge\m
Bitten an die Regierung, diesen Orden wieder herzustelleD. Derst
wurde im Anfang des Jahres 1S45 durch einen Beschluss der Id
wirklich wieder hergestellt').
Die Cortes traten den Beschlüssen des Ministenams in ^
der Rirchengüter bei. Der Finanzminister legt« den Entnart «
Dotatinusgesezes fiir den Klerus vor. Damach BoUte dem KJenm
Rest der Kircheogüter , allerdings nur ein kleiner Theil toi ^'"^^^
lOüO Millionen Uealen, und nicht mit Selbstverwaltung, gelassen wenl
Die Debatte führte so heftige Auftritte zwisohen Mod nod derkd
liscben Fraction VJluma's herbei, dass Viloma nttd seine iTAnuq
sich für beleidigt erklärten und ihre M&ndate niederlegten -' ^- '
cember 164.% jedoch fast aämmtlich wiedergewählt wnrden-
Zu Ende des Jannar 1846 kam Castillo unerwartet toh Q
nach Madrid. Der Regierung Lag Alles daran, die Anericeimiuig I
bella's IL durch den heiligen Stuhl and ein Ooncordat ea etm,
Sie concedirte also, was sie vor zwei Monaten al^eschlagea, oit
waltung des Restes der Kirohengüter durch den Klerus selbst i
17. März 1840 nahmen die Cortes diesen Antrag mit 126 gcg^
Stimmen an, der Senat aber am 1. April mit 76 gegen 4 Stinii«
Castillo war inzwischen nach Rom zurückgekehrt, i^i vi
nun von dran Staatsecretär Lambruschini als bevoUmäohtigter Mi«
Isabella'e II, empfangen. In dem Consistonum vom 19. Janu« *'"
wiMlRr diA ernten Bischöfe fiir Spanien präconisirt. Der P^t s»^^'
, dass die Regierung die Stimme des nach Kom ä»
nden Volkes recht bald verstehen lernen möchte.
'ansehe der Königin entgegengekommen, indem a
inten Bischöfe bestätigt habe*).
- 1. 0., ni, S. 103—104 (nach Pensamiento de h HKi''». "^
Nnmer dieses vorlraffliefaeD Blattes eraebieo w ">■ ^^'^
fang eta WocbenUatt vw je 16 Seiten. ,Ea achNot um I»
I Hofter eines kirchlichen Journals sn sein; es steht nn^
te Balmis*. Vom 1. Märe 1843 liess derselbe m BvmU
Bocieilad' erscheinen, welche mit dem iweiloi B»!»* '
itiing vom 28. j«iiu»r u. 10. Febr. lölG.
:i
Die VerwaiflUDg der BifttfaOmer« 463
§. 21.
Die Verwaisung der Kirche Spanien's hatte den höchsten Grad
erreicht.
Jo9ef Petrus Talayero, seit 1829 Bischof von Albarracin, Domi-
nikaner, wurde aus seinem Bisthume nnd Vaterlande' vertrieben, und
starb in der Verbannung zu Marseille am 7. December 1839. Er war
auch theologischer Schriftsteller. Er stiftete die Bruderschaft der
Bischöfe Spanien's, welche den Zweck hat, sich gegenseitig, jeder mit
dem Opfer von 100 Messen, nach dem Ableben jedes Einzelnen zu
unterstüzen. Mit ihm schlo3s auf würdige Weise die Reihe der Bischöfe
von Albarraoin, das am 22. Juli 1577 errichtet, durch das Concordat
von 1851 aufgehoben wurde.*)
Das Biflthum Almeria hatte im Jahre 1 833 seinen Bischof Anton Aimeri«,
Perez Minayo durch den Tod verloren. Es blieb verwaist bis zum
Jahre 1848.
Astorga^ Bischof von Astorga, war seit dem Jahre 1834 der als Astorga.
Schriftsteller verdiente Felix Torres Amat. Er war der einzige der f««*
spanischen Bischöfe, welcher durch dick und dünn mit der Regierung ^^^^^^
gieng. In einem Hirtenbriefe vom 6. August 1842 stellte er die Aucto-
rität des Staats der der Kirche gleich, nnd sogar noch über sie^); er
ist sehr ängstlich bemüht^ seiner Heerde beizubringen, dass sie zwischen
dem Haupte der Kirche nnd dem Könige von Rom unterscheiden lerne.
Dem Könige von Rom wirft er die Verdammung einer Schrift seines
Oheims Felix Amat, des Erzbischofs von Palmyra, vor, der meines p^y^
Wissens der einzige Spanier war, welcher „eine allgemeine Kirchen- Amu.
geschichtet (in 12 Bänden) herausgab.^ Fdix Amat wurde geboren
bei Barcelona am 10. August 1750. Er stiftete, mit dem Erzbischofe
von Tarragona, die Gesellschaft der „amigos del pais^. Er wurde
Beichtvater CarPs IV., im Jahre 1803 Abt von Sanlldefonso undErz-
biscbof von Palmyra. Seine „Sechs Briefe an einen Friedfertigen^,
und seine „Pflichten des Christen zur Zeit der Revolution^ wurden
von seinem Neffen herausgegeben^). — Seine „Bemerkungen über die
kirchliche Gewalt^ erschienen in den Jahren 1817 — 23 unter einem
*) Bein Leben bei Bemh. Wagner (i. e. lyeilschifter), Biographieen etc.,
1846, S. 87--91.
') Pastoral del Obispo de Astorga, Madrid, 1842.
*) Tratado de la Iglesia de Jesn Gristo. (Sehr magere Kirchengeschichte bis
zum Ende des 18. Jahrbnnderts, Madrid), 12 vol. 179d--^180a.
*) Seis cartas k Jrenico, Barcelona, 1817. — Deberes del Cfaristiano dn tiempo
de revolnclon, Madrid, 1817. Observaciones sobre la Potestad eclesiastiea, Bar*
celona, 1817—1823, 3 vol. in 4*, unter dem Namen des Don Macario PaduaMelato.
1
464 Vierzehntes Buch. Ffinftes Kapitel.
falschen Namen. Sie kamen in den Index wegen eines Drnckfeblers,
wie sein Neffe meint, der von seinem Oheim verbessert worden sei
Dieses Verbot brachte den Neffen dahin, zwischen dem Konige von
llom und dem römischen Papste einen Unterschied zn statairen. Der
ältere Amat starb in dem Kloster der Franciscaner bei Sallent, am
28. September 1824, im Alter von 74 Jahren*). Sein Leben und seine
Schriften hat sein Neffe in dem oft genannten Werke „Ueber die
Schriftsteller von Catalonien^ dargestellt. Es dürfte diess die ver-
dienstvollste Arbeit des jungem Torres Amat sein.
Im Jahre 1849 erschien dazu ein werthvoUes „Suplemento", voc
dem Canonicus Juan Corminas von Bnrgos. — Der Bischof von Astorga
ver- starb zu Madrid am 29. December 1847. Das Bisthum Avila war seit
M*!hü. 2. Februar 1841 erledigt. Am 16. Februar 1841 war auch der Bischof
mer. Matthacus Delgado y Moreno von Badajoz (seit 29. December 160:^)
gestorben. Der Erzbischof von Burgos Ignatius Rivas y Major, seit
25. Februar 1832, war am 31. October 1840 gestorben. Das Erz-
bisthum Saragossa war seit dem 15. December 1843 erledigt. Der
Bischof von Cartagena (= Murcia), Joseph Anton, de Azpeitia Saenz
de S. Maria (seit 13. Mai 1825) war am 1. November 1840 mit Tod
abgegangen. —
Lezter Bischof des afrikanischen Bisthums Ceuta war seit 15. Man
1830 Joannes Sanchez Barragan y Vera, der in seiner Bischofsstadt
am 14. August 1846 gestorben war. Durch das Concordat von 1851
wurde dieses Bisthum aufgehoben. Bischof von Guenca war seit dem
21. Mai 1827 Hyacinth. Ramon Rodriguez Rico, dessen Siz am 12. Ja*
nuar 1841 durch seinen Tod erledigt wurde. Da der Bischof von
Gerona, Dionys. Castano y Bermudez, seit 27. Juni 1825, schon am
24. April 1834, d. i. nach dem Tode Ferdinand's VII., gestorben war.
so blieb dieses Bisthum 14 volle Jähre, von 1834 bis 1848 verwaist
— Laurent. Ramo de San Blas, Bischof von Huesca seit 15. April
1833, starb am 15. September 1845. Das Bisthum blieb sechs Jahre
erledigt Schon am 28. August 1836 war Didacus Martinez Carloi:
y Teruel^ Bischof von Jaen seit 23. Februar 1832, gestorben; voit
Jahre 1836 bis 1848 blieb das Bisthum verwaist. Der Bischof von
Leon, Joachim Abarca y Blanque, wurde am 20. März 1825 geweiht. Er
musste, da er Don Carlos dem Aeltem diente, fliehen und wohnte
in dem Kloster der Carmeliter von de Lanzo bei Turin, wo er aw
21. Juni des Jahres 1844 starb. Der Bischof Julian. Alonso von Lerida.
0 Torres ÄmcU, DiccioDario critico de los eBcritores catalanes, Barceloos.
p. 16—34. Ein „Apendice^ za seinem im Jahre 1835 heraasgegebeneo Leben er-
schien im Jahre l!)38, beide von seinem Neffen; cf. die ZeitocbriA .EBp«&ol^
nr. 229—230, 241, v. Juni 1836.
Verwaisung der Bistbümer. 465
aus dem Fraemonstratenserorden, geweiht als Bischof von Lerida am
2o. Jnli 1833^ war zwar ein treuer Anhänger der minderjährigen Isa*
bella IL Dennoch wurde ihm der Process gemacht, er wurde mit dem
Verluste aller seiner Ehren, Würden und Güter aus Spanien als
Rebell verbannt, 7. October 1840. Der Bischof zog sich nach Nizza
zurück, und starb daselbst am 18. Februar 1844, als er schon, wie
man sagte, die Erlaubniss erhalten, nach Spanien zurückzukehren, und
wieder sein Bisthum zu regieren*). Dasselbe blieb verwaist bis zum
Jahre 1848. -r- Das Bisthum Lugo wurde durch den Tod des am
18. December 1824 von Maynas in Peru hieher versezten Franciscaners
Ilippolyt. Sanchez Rangel y Fayas am 29. April 1839 erledigt. Er
starb in seinem Bisthume, das nach ihm neun Jahre verwaist blieb.
Bischof von Maynas war er seit 1805 gewesen. Er wurde 78 Jahre alt.
Zwei Bischöfe von Majorka starben im Jahre 1842, der eine
war der sehr „fortgeschrittene^ Petrus Gonzalez Vallejo, seit dem
27. September 1819, der mit der Revolution vom L Januar 1820 Hand
in Hand gieng, darum im Jahre 1824 seinem Bisthume entsagen musste.
Er war am }jO. April 1842 gestorben. Sein Nachfolger war Anton.
Perez Hirias, seit 27. Juni 1825, durch dessen am 18. December 1842
erfolgten Tod das Bisthum der Insel Majorka fUnf Jahre erledigt blieb ^).
Das Bisthum Malaga war durch den am 26. December 1835 erfolgten
Tod des Bischofs Josef Gomez y Navas verwaist, bis zum Jahre 1848,
aud fiel in die Hände des ^vielgenannten^ Administrators Valentin.
Ortigosa, der in der spanischen Eirchengeschichte neben dem Bischöfe
llostegesis (845 — 864) berufenen Andenkens figurirt.
Der Bischof Franc. Lopez Borricon war am 25. Juni 1827 far
Mondonedo praeconisirt worden, und war am 12. December 1839 in
seinem Bisthume gestorben. Der Siz blieb bis zum Jahre 1850 er-
ledigt — Am 14. März 1819 wurde der Bischof Damasus de Igle-
sias y Lago von Orense geweiht, und starb am 13. November 1840,
(^In dem IV., VII. und IX. Bande der erwähnten „Coleccion eclesia-
ä>tica^ finden sich nicht wenige Documente, welche seine Erleuchtung
und seinen Eifer beweisen). Der Bischof Joan. Cavia y Gonzalez von
Osma, am 26. September 1814 bestätigt, war am 23. Dec. 1831 ge-
storben. Im Jahre 1833 wurde als sein Nachfolger Josef Sabau Blanco
ernannt, Canonicus von Saragossa, der berühmte Fortsezer der spa-
nischen Geschichte von Mariana. Er starb aber noch in demselben
J^ahre, und so fiel das Bisthum einer langen Verwaisung heim vom
0 Espafia sagrada, t. 47, Madrid, 1850, p. 147-49.
^ Von dem im Jahre 1844 gestorbenen Bischof Merino von Menoroa haben
gesprochen.
OAB»«f «PMi. Kirche. III, l, 30
466 Vierzehntes Bach. Fünftes ELapitel.
Jahre 1831 bis zum Jahre 1848. Zwölf Jahre blieb Oviedo erledigt,
durch den am 20. März 1836 erfolgten Tod des Bischofs Gregor.
Ceruelo de la Fuente (seit '23. September 1815). Giudad Rodrigo war
seit dem Jahre 1835 erledigt, nnd blieb erledigt für alle Zeit.
Der Bischof Philipp Gonzalez Abarca war am 28. September
1829 von Ivi^a nach Santander versezt worden; mit seinem Tode am
12. März 1842 war das Bisthum verwaist nnd blieb es sechs Jahre
lang. Der Bischof Julian. Sanz et Palancö von Segorve, seit 21. März
1825, 8tai:b am 30. April 1837. — Der Dominikaner Joachim Briz.
seit 24. Februar 1832 Bischof von Segovia, war am 23. Januar 1837
gestorben. Der Siz blieb 11 Jahre erledigt. Gleichfalls 11 Jahre war
das Bisthum Siguenza verwaist, durch den am 8. Januar 1837 erfolgten
Tod des Bischofs Emmanuel Frayle (seit 29. März 1819). Solsona hatte
seinen lezten Bischof, den Mercedarier Joannes Josef de. Tejada, vom
2. Juli 1832 an. Der Siz war erledigt im Jahre 1840, das Bisthum
selbst aber hörte mit dem Jahre 1851 auf, zu existiren. — Der Biscliot
Hieron. Castellon y Salas, Bischof seit 10. Juli 1815, zugleich der
lezte Generalinquisitor in Spanien, war schon am 20. April 1835 ge-
storben; 13 Jahre, bis zum Jahre 1848, blieb nach ihm das ßisthnm
Tarazona erledigt. Durch den Tod des Bischofs Josef Asensio de
Ocon (1832, 24. Febr. — t 2. Dec. 1833) wurde das Bisthum Terud
erledigt, und blieb es 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1850. Der Fri-
matialstuhl von Toledo war nicht besezt von 1836 — 1847. Victor.
Damian Saez, Bischof von Tortosa, 3* Mai 1824 Minister unter
Ferdinand VII., war am 3. Februar 18S9 gestorben; der Siz blieb
9 Jahre lang verwaist. — Vierter und zugleich lezter Bischof von Tadela
war Ramon Maria Azpeitia Saenz de S. Maria — seit 1819, welcher
am oO. Juni 1844 starb. Der Erzbischof Joachim Lopez Sicilia tou
Bnrgos, am 24. Februar 1832 hieher versezt, war am 24. Ailgust 18^^
gestorben. Es trat eine Sedisvacanz von 10 Jahren ein. Nach dem Tode
des Bischofs Paul de Corcuera y Caserta (L825, 20. Dec. f 3 Juli
1835) blieb das Bisthum Vieh 13 Jahre unbesezt. Endlich nach dem
Tode des Dominikaners, Thomas de la Iglesia, war das Bisthum Za-
mora 14 Jahre verwaist (1834 — 1848.)
Zur Zeit des Todes Gregorys XVI, — 1. Juni 1846, waren von
59 Bisthümern 38 erledigt. Dazu kam noch im Jahre 1847 der Tod
des Bischofs von Astorga. Am 21. Juni 1847. starb zu Alicante —
der Cardinal von Sevilla, Franc. Xav. Cienfuegos«
Es lebten noch die Erzbischofe und Bischöfe von BarbastrO)
Barcelona , Cadix , Calahorra , Canarias , Compostella , Cordovn.
Qoria, Granada, Jacca, Ivi^a, Orihuela^ Palentia, Pamplona, Fla*
centia, Salamanca, Tarragona, Tuy, Urgel, und Valladolid. Zwei
Dritttheile des Episcopats von Spanien waren ausgestorben. Es war
Nene BischOfe 1816-1848. 467
dieses ; abgesehen von den Zeiten der Maaren, die grosste und am
längsten dauernde Verwaisung der Bisthümer Spanien's.
In der Verbannung starben die Erzbischöfe von Saragossa und
Sevilla, die Bischöfe von Albarracin, Leon, Lerida und Menorca. —
Jahre lang verbannt waren die Erzbischöfe von Compostella und Tar-
ragona, die Bischöfe von Avila, Placentia, (Cadix), Canarias, Calahorra^
Plasencia, Valencia, Barbastro, ürgel, Pamplona u. a. — Die Regierung j
hatte eine Anzahl von Bischöfen ernannt, welche aber in Rom nicht ^
bestätigt wurden. ^
Am 4. October, 17. und 24. December 1847 wurden nach langer
Verwaisung der Bisthümer wieder zahlreiche spanische Bischöfe prae-
eonisirt, Manuel Lopez Santisteban für Avila, der schon am 30. April 1852
wieder verzichtete, Eman. Maria Gomez Rivas für das Erzbisthum Sara-
gossa (t 17. Juni l>io8\ Bonaventura Codina für Canarias, während der
bisherige Bischof Judas Thaddaeus Romo nach Sevilla versezt, und
schon im Jahre 1850 Cardinal wurde. Bischof von Carthagena wurde
Marian. Barrio Femandez. Der Bischof von Corduba Joan. Josef
Bonel y Orbe wurde am 4. October 1847 Erzbischof von Toledo, —
Cardinal im Jahre 1^50, und erhielt an demselben Tage zu seinem Nach-
fol<;cr in Cordova den Joachim Tarancon. An demselben 4. October 1847
wurde der bisherige Bischof Raimund Montero von Coria Erzbischof
von Burgos, starb aber shcon am 30. März 1848 zu Madrid, In Coria hmsbi-
folgte ihm Eman. Anselm. Nafria (f 1851 }• Auch Cuenca erhielt am ^ ^
17. December 1847 nach langer Verwaisung einen Bischof, der aber isas.
schon am 9. October 1848 starb. An demselben Tage erhielt Gerona
in der Person des Florent. Llorente j Monte einen neuen Bischof
(t vor Febr. 1862). Den Stuhl von Granada bestieg im Jahre 1848,
von Teneriffe hieher kommend, der Erzbischof Ludov. Anton. Folqueras
7 Sion (f 28. Oct. 1850). Josef Escolano y Fenoy wurde am 23. April
' 1848 zum Bischöfe von Jäen berufen (f 21« Juli 1854). Zu derselben Zeit
I erhielten die la>ngverwaisten Bisthümer Leon und Lerida, Lugo, Ma-
jorka, Malaga, Orense, Osma, Oviedo, Santunder, Segorve, Segovia,
' Siguenza, Tarazona, Teruel, (Tortosa), Valencia, Vieh und Zamora ihre
(neuen Oberhirteu. — Diese neuen Bischöfe trafen sehr zerrüttete Zu-
stände in ihren Kirchen. Sie sollten alles neu ordnen, neu schaffen;
es fehlte aber gar sehr an materiellen und sonstigen Mitteln. Die
Kirche war verarmt, der Staatsschaz war leer^ das Volk war zum grössten
Theile verarmt. Wir begegnen der auffallenden Erscheinung, dass von
den neuen Bischöfen viele im Laufe weniger Jahre dahinstarben. Von
80*
j
i
468 Vierzehntes Bach. Fflnftes Kapitel.
den Bischöfen^ die im Jahre 1848 Besiz von ihren Kirchen nahmen,
lebt schon längst keiner mehr. Vielleicht dass das Elend, das sie
fanden, nnd dem sie nicht abhelfen konnten, ihnen das Leben nicht
wenig verkürzt hat.
Am £0. September 1850 wnrden wieder neue Cardinäle för Spanien
ernannt, die Erzbischofe von Sevilla und von Toledo. Unier ihnen war
der Glaubensbekenner Raphael Velez von Compostella nicht. Als er
ans seiner langen Verbannung auf Menorca von 1835 — 1844 zurück-
kehrte — Juli 1844, wurde er im Triumphe aufgenommen. Er durch-
eilte seinen grossen Sprengel, und suchte überall die durch den langen
spanischen „Culturkampf^ geschlagenen Wunden zu heilen. Aber seine
Tage waren gezählt Er starb am 3. August 1850, im Alter von 75 Jahren,
von welchen er 34 Jahre lang Bischof gewesen war. Er starb, wäh-
rend er, nach seiner täglichen Gewohnheit, die Litanei zu allen Hei-
ligen betete; er starb eines ruhigen und heiligen Todes, sowie sein
ganzes Leben gewesen war. ')
§. 23.
Die Orundlage der jezigen kirchlichen Ordnung in Spanien ist
Nemea das am 5. September 1851 geschlossene Concordat in 46 Artikeln^).
^^°,^^^Nach ihm ist die katholische Religion die einzige in Spanien. Die
bestehenden Erzbisthümer Toledo, Bnrgos, Saragossa, Compostella,
Granada, Sevilla, Tarragona und Valencia bleiben bestehen. Ein neuntes
Erzbisthum, Yalladolid, wird für die Provinz Altcastilien errichtet.
Aufgehoben werden die Bisthümer Albarracin, Barbastro, Cindad Ro-
drigo. Genta, Ivi^a, Tndela und Teneriffe. Leztcres hatte seinen ersten
Bischof vom Jahre 18:^5 bis 1848. Es hat aber am 20. März 1877
in dem Benedictiner Ildefons Infante y Macias seinen zweiten Bischof
erhalten. Es heisst auch S. Christoforo di Laguna — auf der Insel
Tenerifife.
Drei neue Bisthümer sollten in Spanien errichtet werden, Ma-
drid, Ciudad Real und Vittoria. Warum Madrid bisher nicht errichtet
wurde, haben wir früher gesagt, Ciudad Real kommt zum leztenmale
in dem romischen „Anuario*' vom Jahre 1878 mit den Worten vor:
„Errichtet von Seiner Heiligkeit (Pius IX.),^ In dem „Anuario 11.'^
des Jahres 1878 ist es ausgelassen. Madrid aber blieb stehen, wie
wenn es verwaist wäre. In der That, es ist verwaist von seiner
') Pedr. Oreajo, Historia de la Catedral de Bargos, 1856, p. 175—1^6. — Zep^
dano, Catedral de Compostella, 1S6X
*) Acta Pii IX, Ul, p. 311—841.
!
T. J.
1861.
Kircbliche Literatar. 469
Gründung an. Nachdem das Erzbistham Toledo im Laufe der Jahr-
hunderte so viel verloren halte, wollte es nicht auch noch die Haupt-
stadt Madrid verlieren. — Das Bisthum Vittoria wurde zum erstenmale
im Jahre 1861 besezt.
Unter Toledo stehen nun die Bisthümer: Coria, (>uencft, Placencia, ^^^*
Siguenza^ (Ciudad Real, Madrid). — Unter dem Erzbischofe von kirch-
Burgos stehen die Bischöfe von Calahorra, Osma, Palencia, Santander, ^^^^
Vittoria, und Leon. Leon, das allzeit exemte Leon, ist endlich lang
Suffraganbisthum geworden. Unter Saragossa stehen nun Huesca (Bar-
bastro), Jacca, Pamplona mit Tudela, Tarazona, Teruel mit Albar-
racin. Tarragona hat unter sich die Bisthümer: Barcelona, Gerona,
Lerida , Tortosa , Urgcl , Vieh mit Solsona. Valencia hat unter sich
die Bisthümer: Orihuela,' Segorve, Majorka mit Ivi^a, Menorca.
Der Erzbischof von Granada hat zu seinen Suffraganen die Bischöfe
von Cartagena, Jaen, Guadix, Almeria und Malaga. Unter dem
Erzbischofe von Sevilla stehen die Sufiaganbisthümer von Cordova,
Uadajoz, Cadix mit Ceuta, Canarias und Teneriffe. Unter dem neuen
Erzbisthum Yalladolid stehen Astorga, Avila, Salamanca mit Ciudad
Kodrigo, Scgovia und Zamora. Der Erzbischof von Compostella
hat zu seinen Suffraganen Lugo, Mondonedo, Orense, das nicht mehr
exemte Oviedo, und Tuy.
Es bestehen 9 Erzbisthümer und 45 Bisthümer. Dazu kommen
4 (5) Bisthümer in den Philippinen und 3 in Westindien. ^)
§. 24
In Folge des neuen Concordats begann ein neues Leben für die
Kirche in Spanien, das freilich schon wieder im Jahre 1854 durch
neue Sturme unterbrochen wurde. Die beständigen politischen Umwäl-
zungen in Spanien ziehen stets auch die Kirche in Mitleidenschaft. —
Neuere Seminare traten in das Leben. Der Zugang, vielmehr der
Zudrang zum geistlichen Stande trat auffallend hervor. Im Jahre 1854
kam vorübergehend wieder Espartero zur Gewalt. Der Papst musste
sich über Verlezungen des Concordats beklagen» Doch dauerte dieser m,^
Sturm nicht lange. i^«
Auch die kirchliche Literatur trieb neue Blüthen. Die vom Jahre
1851 neu erschienenen Werke haben wir fast alle genannt, es ist die
Conciliensammlung von Tejada y Ramiro, 1851 — 62, das «Suplemento^
liltora-
tw.
') Das Concordat bei Tejada y Ramiro, t. VII, p. 1. — enthftlt zagleich ein
VerseicbnSas aller in Folge desselben emanirten Erlasse vom Jahre 1861 bis zam
Jahre 1862, deren Zahl gross ist. — CastiUo y Ayensa und Hergmröther 1. c.
470 Vierzcbotce Bach. Fünftes Kapitel. Kirchliebe Literatur.
«
zu dem Diccionario der Theologie, von Bergier^ Madrid (1857), an
welchem die meiBten Bischöfe mitarbeiteten, die in zwei Aoflagen
(1854 — 18Ö8, 187i5 — 1875) erschienene Eirchengeschichtc Spanien's von
Kic. de La Fuente (4 und 6 Bände), die in 6 Bänden erschienene
Sammlung der Werke des vorlezten Erzbischofs von Tarragona, Costa
y Borras (f 1864), Barcelona 1865 — 1866, die Fortsezung der Espana
sagrada vom Bande 43— 50 in den Jahren 1 849 — 1865, enthaltend die
BIsthumer Gerona (t. 43, 44, 45), Lerida (t. 46—47), Barbastro (t.48)
und Tarazona (t 49—50). Seit dem Jahre 1865 „ruhet'* das Werk, und
es ist keine gesicherte Hoffnung, es wieder in Gang zu bringen.
Im Jahre 1868 musste die Konigin Isabella II. ihren Gegnern,
den gegen sie verchwornen Serrano, Prim und Topete, weichen. Narvaez
starb am 23. April 1868 als Ministerpräsident. Auf ihn folgte Gon-
zalez Bravo. Die Flotte unter Topete empörte sich, zu Topete schlugen
sich Prim und Serrano. An demselben Tage und in derselben Stunde
musste Isabella Spanien verlassen, an welcher ihr Vater S5 Jahre
früher das Leben verlassen hatte (29. Sept. 1833 und 186S). Zwei
Jahre lang versuchten es die Spanier mit dem Piemontesen Prinz
Amadeo, 1870 — 72, der freiwillig abdankte — Januar 1873; dann
kam wieder eine Scheinrepublik unter Serrano. Der General Martmez
Gampos rief im December 1874 den Sohn Isabella's als Konig Alfons XII.
aus, der im Januar 1875 nach Madrid kam. Ein päpstlicher Nuntius
folgte bald nach. Die Beziehungen mit Rom gestalteten sich freund-
licher. Unter dem tüchtigen Minister Cänovas del Castillo traten
ruhigere Zustände ein. Leider wurde die Ehe Alfon's Xil. mit seiner
Cousine D. Mercedes von Orleans — 23. Januar 1878 — schon am
26. Juni 1878 durch den Tod der Königin gelost.
Gott schüze Spanien, und lasse es im möglichst engen Anchlusse
an seine glorreiche katholische Vergangenheit eine besbere Zeit erleben,
als es anter der langen Herrschaft der Revolution (l'iG2 — 1875) er-
lebt hat.
RecapitulatioD des ganzen Werkes.
Von dieBem Werke erschien der erste nnd zweite Band in den
Jahren 1862 und 1864; der dritte und vierte in den Jahren 1874 und
1876. Der Grund des langen Zwischenraums von 10 Jahren war vor-
wiegend die Bearbeitung ,,der Series episcoporuni Ecclesiae catho-
licae,^^ welche ich im März 1865 zu Barcelona begann, und an der ich
acht Jahre arbeitete. In der langen Zeit von 1862 bis 1879 hat auch
die Literatur Fortschritte gemacht. Ueber die meisten der von mir
in diesem Werke behandelten historischen Fragen sind inzwischen
neue Schriften erschienen; die Resultate derselben haben mich zu
wiederholter Prüfung der von mir vorgeschlagenen Lösungen der Streit-
fragen veranlasst. In der nun folgenden Zusammenstellung des In-
halts meines Werkes will ich die von mir behandelten Fragen in Kürze
wiederholt darlegen.
Erstes Kapitel
Erster Band, 1862.
Die Missionsreise des Apostels Paulus nach Spanien, nach dem
Ende seiner ersten romischen Gefangenschaft im Jahre 63; wird wenig*
stens von katholischen Schriftstellern ziemlich allgemein zugegeben.
Die beiden Hauptgründe, das Zeugniss des Clemens von Rom und das
Zeugniss des Verfassers des sogenannten Codex Muratori N. T. scheinen
eine andere Eiklärung nicht zuzulassen, als dass Paulus von Rom nach
Spanien gereist sei. Im Besondern habe ich aus Profan- wie aus kirch- Die drei
liehen Schriftstellem nachgewiesen, dass im ganzen Alterthum li tigfia *^^^'
t^g Svcttög oder „ultima Hesperia'^ nie etwas anderes bedeutet habe, Grond«
472 Recap'tulation des ganzen Werkes. Erstes Kapitel. Erster Band, 1862.
fttr die als Spanien, dasa man die Worte weder von England, Irland, Gallien,
,,,'^p^n' Italien, noch von Mauritanien verstehen könne. Clemens, der Zeit-
las nftch genösse des Panlus, konnte, ja musste wissen, ob Panlos die beabsirh-
c.**««. d! tigte Heise nach Spanien gemacht habe, oder nicht. Die Apostel-
^^- geschieh te warde von Lucas in Rom während der Zeit der ersten Ge-
fangenschaft des Apostels in Rom in den Jahren 61 — 63 verfasst, nnd
Lucas konnte nicht E^reignisse einer spätem Zeit erzählen. Er schweigt
ilber Pauli Reise nach Spanien, wie über dis Martyrium des Apostels
Petrus, weil beide Ereignisse damals noch nicht eingetreten waren.
Nach meiner Kenntniss der Literatur bin ich der erste Schrill-
Rieht- gteller, der den Versuch gemacht, die Richtung der Reise des Apostels
Koise in und durch Spanien selbst zu erforschen^ oder zu errathen. Ich baW
daroh ^jj^ Vcrmuthung aufgestellt, er sei von Cadix über Sevilla, Astigi
G«. (Ecjia), Corduba, über den Mons Marianus, über Laminium, Libi-
▼OB
dMiiAch ßQga^ Xativa oder Sätabis, Valencia, Dertosa nach Tarragona gereist.
oo7 Es bestehen schwache Local- Traditionen, dass der Apostel in Astigi,
Laminium, Lezuza, Sätabis, Dertosa und Tarragona geweilt habe. Diese
Traditionen gewinnen aber einen beachtenswerthen Halt . und Zusam-
menhang durch die Thatsache, dass alle diese Orte an der grossen
Strasse lagen, welche von Gades nach Tarraco, von Tarraco nach
Rom führte.
Als der erste Band meines Werkes im Jahre 1862 erschien, war
die Richtung der Strasse von Castulo nach Sätabis noch keineswosi^s
festgestellt. Ja nach einer Aeusserung Strabo's, dass dieser Weg
wegen seiner allzu grossen Steile oder Härte verlassen nnd die neue
Strasse in der Richtung von Cartagena, Acci und Castulo gebaut
worden sei, und wegen des Stillschweigens, wenigstens der verwir-
renden Angaben der Stationen des Weges in dem Reichswegweiser
Tradi- ^jgg sogenannten Antonin konnte man überhaupt bezweifeln, ob durch
jnAtu- die Sierra Morcna noch eine im Gebrauch befindliche Strasse gefuhrt
«*' ^^ habe. Man entdeckte aber im Jahre 18Ö2 die soffenannten Vasa Apol-
xaut», linaria, (eine Entdeckung, von der ich im Jahre 1860 noch nichts
DertoM. joggte), Welche die Mansionen oder Haltstellen der Strasse von Gades
nach Rom in drei Variationen, oder in einer dreifachen „Recension^^
angeben, mit der Ueberschrift: Itinerare a Gades usque Roma (Reise-
Stationen von Gades nach Rom. Das Latein ist nicht klassisch, aber
doch verständlich). Hier sind von Castulo nach Sätabis neun Stationen
angegeben, von welchen früher nur zwei, Hentesa (dessen Lage nicht
sicher gestellt war) und Libisosa, bekannt waren. An der Anleitung
dieser neuen Entdeckung, und aus Anlass des Baues der Eisenbahn
dnrch die Sierra Moreua wurde nun auch die Lage der sieben übrigec
Mansionen untersucht, und mit grosser Wahrscheinlichkeit festgestellt.
Da nach den örtlichen Traditionen der Apostel einerseits in Astigi,
Der heilige Paalus in Spanien. ^73
anderseits in Libisosa gepredigt habe, so kann man nicht mehr dagegen
einwenden, dass diese beiden Orte in keiner Verbindung mit einander
gestanden, und man von dem einen höchstens auf grossen Umwegen
zu dem andern habe gelangen können. Vielmehr führte die direkte
Strasse von Gades nach Hispalis, von Hispalis nach Astigi, von hier
über Corduba und Castulo, vorüber an den Stationen: Ad Morum,
II Solana nach Mariana am nördlichen Rande der Sierra Morena, von
da nach Libisosa^ von hier über Parietinae, Saltigis — , vorbei an den
Mansionen: Ad Palem und Ad Aras nach Sätabis (Xativa), und weiter
über Valencia nach Dertosa und Tarraco. Diese spätem oder mir erst
später bekannt gewordenen Entdeckungen haben also zur Verstärkung
der von mir beigebrachten Grunde über die Richtung der Reise Pauli
durch Spanien beigetragen.
Ich habe einen dritten, bisher nicht beachteten Beweis für eine Ersten,
doppelte Gefangenschaft Pauli in Rom, im Jahre 61, und um das ^'^'^^
Jahr 66 — 67 beigebracht; denn, wenn Paulus nur einmal in Rom ge- F»aii
fangen war, so bleibt für eine Reise desselben nach Spanien keine Zeit ^^ ^^'
und kein Raum. Nun feierte die älteste römische Kirche nach dem
sogenannten Romanum Parvum des Ado, d. h. dem ältesten uns be- ^
kannten römischen Festkalender, dessen Spuren sich schon bei Gregor
dem Grossen finden, am 6. Juli:
Das Fest der Oktave der (Fürsten der) Apostel, Et Primus in-
gressns apostoli Pauli in urbem Romam. Einem ersten Eintritte mnss
wenigstens ein zweiter gefolgt sein, der Apostel also aus seiner ersten
römischen Gefangenschaft um das Jahr C3 befreit worden sein. tVam
Werner in Set Polten hat fast gleichzeitig mit mir eine Abhandlung über:
„die Reise Pauli nach Spanien und dessen zweite römische Gefangeu'-
schaft^^ (in oesterreich. Vierteljahrschr. f. kath. Theologie, von Theodor
Wiedemann, Wien, 1863; S. 321^316; 18G4, & 1—52) erscheinen lassen,
deren Resultat mit dem meinigen übereinstimmt, nur sagt er nichts
von der Richtung der Reise des Apostels durch Spanien. Am Ende
seiner Arbeit kam ihm meine Abhandlung noch zu Gesichte, und er
bezeichnet es als von „Verdienst, auf jenes Fest in dem Romanum
Parvum hingevnesen zu haben^ (18G4, S.49), adoptirt demnach meinen
Beweis« Auch Dr. Hefele weist denselben nicht ab (Tübinger Quar-
talschr. 1863, S. 522.) — Im Jahre 1862 habe ich es als wahrschein-
lich bezeichnet, dass der heilige Paulus auch nach Dertosa (und Tar-
raco) gekommen. Jedenfalls fordert die unbestreitbare Thatsacfae, dass ^'®
die heilige Thecla, die gefeierte Schülerin des Apostels, von jeher Pa- tettmo
tronin der Kathedrale und des Erzbisthums von Tarraco war, eine "»^ *•
erschöpfende historische Untersuchung. Wo die heilige Thecla ver- Th«eu«
ehrt wird, wird überall auch ihr Bekehrer, der heilige Paulas, verehrt.
Im Jahre 1867 habe ich sowohl im ersten Band von Möhlei'^a Kirchen-
474 Recspitulation des g»Dzen Werkes. Erstes Kapitel. Erster Band, 1862.
geschichte, als in der Festschrift: ,,Das Jahr des Martyrtodes de
Apostel Petrus und Paulus'^ auPsNeue, und besonders die Frage unter
sucht, ob man, sei es auf der Hinreise, oder Ruckreise des Apostel
aus Spanien einigen Grund habe anzunehmen, dass er durch das süd
liehe Gallien, etwa nach Narbonne, Arles und Vienne, gekommen sei*)]
Ich habe gesagt, dass wir Grund zu der Annahme haben, dass TroH
phimus von Arles nnd Crescenz von Vienne von den „Aposteln^^ nadi
Gallien gesandt worden. Bisher glaubte man allgemein, Crescenz sei
von Rom nach Galatien gereist. (1 Timoth. 4, 10.) Aber Dio Ccusivs
nennt „Galatien und Gallien^^ neben einander als dasselbe Land
(53, 12 [7]; 54, 4 [7]. Bei den Griechen bedeutet überhaupt Gala-
tien anch das westliche Gallien. Der griechische Irenaeug nennt „Gal-
^'^' lien" auch „Galatiea"^ Biusebius von Caesarea sagt bestimmt: (Kirchen-
roistvon gcschichte 3, 14). Crescenz ist nach Gallien gereist Hieronymu» sagt
^o'Q (de viris illustr. append. I): „Crescens in Gallüs praedicavit^', ebenso das
oaiiien Ghronicon paschale, Epiphanius und TTieodoret. Dazu kam neuestens das
(Vien. entscheidende Zeugniss des sogenannten Codex Sinaiticns, der dem
vierten Jahrhundert angehört, und mit dem Text der ältesten latei-
nischen Uebersezung der Bibel (nach Tiechendorf) harmonirt. Dieser
Codex nun sagt: „Crescenz reiste nach Gallien"*).
Nach allen vorliegenden Zeugnissen kann es keinem Zweifel mehr
unterliegen, dass der Apo6telschüler Crescenz von Rom nach Gallien
reiste; da man auch allgemein annimmt, dass Trophimus im ersten Jahr-
hundert von Rom nach Arles gesandt wurde, so gewinnt dadurch die
Annahme einer Reise des heiligen Paulus durch das südliche Galliec
(nach meiner Annahme bei seiner Ruckreise in den Orient) an Wahr-
scheinlichkeit.
§. 2.
Das zweite Buch behandelt „die Sendung und Thätigkeit der
sieben Apostelschüler in Spanien." Sie wurden von den „Aposteln" von
Rom nach Spanien gesendet. Nach der Annahme dci^ meisten altera
Spanier landeten sie in Cartagena. H. Florez^ der sie von Südosten
her, von Urci, kommen lässt, steht mit seiner Hypothese ^dlein da.
Nördlich von Acci^ welches auf der linken oder westlichen Seite des
') Sowohl Mokler^s Kirchengesohiefate als die Schrift über Petnu und Panliu
wurden von Abbö Betet za Besan^on in das Französische fibersezt (was ich freilich
erst aus Zeitschriflton und auf dem Wege des Buchhandels erfuhr)
') Phil. BiUtmann, Recensns omnium lectionum qnibus Codex Sinaiticus dis-
crepat a textu editionis Novi Testamenti, cui titulus est: N. testamentnm graece ad
fidem potiss. codicis Vatioani; recensuit etc. Buttmann , edit 3, 1865» p. 106;
rotXUav anstatt: TaActr^ay.
Die sieben Apostelscbüler etc. in Spanien. ^'^
Flusses von Guadix lag und liegt, rubfen sie von der Reise aus, und^**^»^*'
wollten Nahrangsmittel zn sich nehmen. Das heidnische Volk stürmte TirUpo.
auf sie ein. Sie flohen über die Brücke zurück, welche durch ein •^^*^*'*
Wunder der Macht Gottes einstürzte, so dass ihre Verfolger sie nicht ~ c. C5.
mehr erreichten. Darauf hin bekehrte sich die fromme Luparia. Ein
Oratorinm wurde gebaut. Torquatos, der Führer der Siebenmänner^
schlag als erster Bischof seinen Siz in Acci auf, und wirkte hier und
von hier aus bis zu seinem Tode. Dass er, oder einer seiner Ge-
fährten Märtyrer geworden, wird durch die alte spanische Liturgie
nicht bestätigt
In allen Jahrhunderten hiess Acci die „apostolische Kirche^S
weil sie von einem Apostelschüler gegründet wurde. Am Festtage des
Heiligen, am ersten Mai^ tri^b, nach dem Zeugnisse des Usuard und
Ado, der Olivenbaum am Grabe des Heiligen, das in einiger Ent-
fernung von Acci gezeigt wird, neue Blüthen. Als ich im Jahre 1865
in Granada und Guadix war, erzählten mir die Herren Man,, Qongora
und Torcuato Tarrago in Gaadix, dass gerade in jenem Jahre der
lange verdorrte Olivenbaam neue Blüthen getrieben habe*). Damals,
im Jahre 1865, waren nach meiner Annahme c. 1800 Jahre (65 — 1865)
vergangen, seitdem Torquatus mit seinen Gefährten in Acci angelangt ^^^,
war. Dass ferner im Jahre 1865 eine neue Brücke über den Fluss diz)„difl
geschlagen wurde, konnte ich mit eigenen Augen sehen, habe aber *^|^'
keine Meinung darüber, ob in der ganzen Zeit von 65 bis 1865 der Kiishe«.
Fluss brückenlos war.
Die Festmesse der altspanischen Liturgie am Tage des heiligen
Torquatus (erster Mai) stammt aus der Stadt Acci. Dieses geht deut-
lich ans den Worten der Präfation (Ulatio) hervor: „Da die „Sieben^^ .
(Männer) in der Nähe dieser Stadt (in vicinitate hujus civitatis =, Acci)
ihre Schüler aussandten, um einige Lebensmittel zu kaufen, so voll-
brachten die Begleiter, was ihnen aufgetragen worden.^'
Dßr zweite der Siebenmänner Hess sich in „Ahda^^ nieder. Dass
Abula das heutige Avila in Altcastilien sei, dafür spricht nichts. Avila
hiess bei den Spaniern Obila, Abela, Abila, erst im Mittelalter und in
Frankreich kommt der Name „Abula^^ auf. Der Ort „Abula^S sechs
Leguas südostlich von Acci^ heisst heute „Abla.^^ Das U fiel aus, Abi»
weil es kurz gesprochen wurde. Das alte Abdera bei Almeria heisst ^,|^^m^'
heute verkürzt; „Adra^, Libisosa heisst Lezuza u. s. w. Es ist wahr^ seeun-
dass sich in Abla keine Urinnerungen an den heiligen Seoundus finden, ™'
und es nachweisbar niemals Bisthum war. Man kann aber sagen, dass
Acd
') Dass der bekannte Bosonstock an der Mauer des Doms zu Hildesheim
schon über 1000 Jahre stets neue Blüthen treibt, gesteht selbst AL Humboldt in
seinen „Ansichten der Natur."
476 Recapitulatton des ganzen Werkes. Erstes KnpKei. Erster Band, 1862.
das Bistham Abia in die nahe und grossere Stadt Basti, die Haupt
Stadt des Gebietes der Bastitaner, in dem auch Abla lag (vor deu
Jahre 306), znrückverlegt wurde. Da man aber überhaupt keine Tra
ditionen über den Ort Abla hat, so kann man aus deren Nicht vor
handensein auch nichts gegen die Gegenwart des heiligen Seeundu;
daselbst schliessen.
MttiMJon ^^^ dritte Apostelschuler, Indaletius, liess sich in Urci — nieder
urd. Er wird überall der erste Bischof von Urci genannt. Man kann wedc^
beweisen, noch mit Grund bestreiten, dass von dem unbekannten Jährt
seines Todes an es fortwährend Bischöfe von Urci gegeben habe. In
Jahre 3Q6 erschien zu Elvira CantoniuSj der zweite uns bekannte Bischo
von Urci.
Bis zum Jahre 1872 glaubte man, und mit den andern glaubt(j
ich es, dass Urci an der Mündung des Flusses Almanzor, ziemlieh ii]
der Mitte zwischen Almeria und Cartagena, gelegen habe. Dabei er
regte es allerdings Bedenken, dass man den Leib des heiligen Inda
letius im Jahre 1084 zu Paquena nordlich von Almeria suchte nud
fand, und ihn von da in das neugegründete Kloster San Juan de h
Pena brachte. Doch meinte man, bei dem Zerfalle von Urci hättei
die Christen seinen Leib nach Paquena gebracht. Heute ist aber er-
wiesen, dass das alte Urci identisch mit Pechina oder Pasqnena ist
S. Richard, Saenz Santa Maria fand die darüber entscheidende Inschrift
für welche er von der Academie der Geschichte zu Madrid eineu
Preis erhielt — im November J872,') welche nothigt, Urci an dieser
Stelle zu finden, wo sich die Reliquien des heiligen Indaletius noch
urol bei jjjj Jahre 1084 befanden. Wohl nennt Ptolemams Urci eine am Meere
^ gelegene Stadt, aber entweder heisst diese, nahe dem Meere, oder,
was viel wahrscheinlicher ist, das Meer hat sich hier zurückgezogen^!
und Raum für die Stadt Murgis oder Almeria am Meere geschaffen.
Schon zur Zeit des Theodosins war Urci verSdet. Die Pfarrkircht:
von Pechina, dem alten Urci, trägt den Namen des heiligen Indale-
tius. Die Erinnerung an die Lage des alten Urci war nie unter-
gegangen, sonst hätten die Christen im Jahre 1Ü84 an dieser Stelle
nicht nach seinem heiligen Leibe gegraben.
Bis zum heutigen Tage kommen die neuerwählten Bischöfe von
Almeria zuerst nach Pechina, nehmen dort Besiz von ihrem Bistham,
und ziehen dann in die Cathedrale von Almeria. Wir können daher sagen:
Das Bisthum hiess zuerst Urci, dann Paschena, hierauf Almeria. Es
wurde so wenig verlegt, als Acci nach Guudix, oder Elvira nach Gra-
nada verlegt wurde. Nicht die Lage, sondern die Namen änderten sieb.
') Vic. de La Fuente^ Ilistor. ecles. t. L Hadr. 1873, p. 160.
Der hl.
Ctesi-
Der heilige Ctesiphon von Verginm. Der heilige CACcilins in Illiberis. 477
Der vierte der Siebenmänner, Ctesiphon, Hess sich nicht weit
«restlich von ürci (= AJmeria), in Vergi(am), heute Berja, nieder. Der
Ort liegt zwei Leguas nordostlich von Adra (Abdera), nicht weit vom
Meere. Vergi wurde am Anfang des fünften Jahrhunderts durch ein
Erdbeben zerstört. Am 11. Mai 1596 veranstalteten die Einwohner
verschiedene Andachten zu dem heiligen Ctesiphon, um durch seine
Fürbitte von schweren Landplagen befreit zu werden. Am 25« August
1804 zerstörte ein Erdbeben die Kirchen und viele andere Gebäude;
67 Personen verloren das Leben. So erklärt es sich, dass die heutigen
neuen Kirchen in Berja keine Reminiszenzen an den heiligen Ctesiphon
entbalten. Doch trägt eine Einsiedelei in der Nähe seinen Namen. — pbon t.
Dazu kommt, dass kein anderer Ort in Spanien sich rühmt, der "**''^*'
Bischofssiz des heiligen Ctesiphon zu sein.
Florez hat nachzuweisen sich bemüht, dass Abdera einst ein ^^^^^
Bisthum gewesen sei (Espana sagr., 10, p. 1 — 14), und hat den heiligen Abdera?
Ctesiphon den ersten Bischof von Abdera genannt. Aur. Fem. Gverra
tritt aus geographischen Gründen dieser Ansicht bei,') welche ich
nacfatraglich adoptire. Ich glaube, dass nach dem Zerfalle Berja's das
Bisthum des heiligen Ctesiphon nach Adra verlegt, aber zur Gothen-
zeit eingegangen sei, sei es, weil die Landplagen und Erdbeben wieder-
holt eintraten, sei es wegen der allzu grossen Nähe der Bisthümer
Urci und Malaga. Es traf hier die Verordnung des sechsten Canons
der Synode von Sardika ein, dass man keinen Bischof in einer „Villa^
oder einer unbedeutenden Stadt einsezen soll, damit nicht der Name
und das Ansehen des Bischofs Schaden leide. Derselbe Grund ver-
anlasste wohl auch das Eingehen des Bisthums Ab(u)la.
Der heilige Caecilius „ruhte^, d. i. starb in „Illiberis''. Die
Spanier Mariana, Mendoza, Murülo^ der Conde de Mora^ der Bischof
Perez, neulich noch der Spanier Tejada y Bamiro (1859), der Hol-
läuder JB. Dozy (18G0), und der Deutsche Emü Hübner (1861) be-
haupteten, dass Elvira an der Sierra de Elvira, 1 Vg Leguas von Granada ^'^^^^
entfernt, gelegen habe. Im Jahre 1862 habe ich die Gründe lür diese hi. cae-
Annahme zu widerlegen gesucht, und die Giünde für meine Ueber- ^*"<>>-
zeugung dargelegt, dass Elvira und Granada dieselbe Stadt sei.
Im Jahre 1860 — 62 befand sich diese Ansicht noch in der Mino-
rität. Im Jahre 1879 aber befinden sich die Anhänger der andern
Ansicht theils auf dem Rückzuge, theils sind sie hinter dem Stande
der neuesten Untersuchungen zurückgeblieben. Als ich im Februar
]b65 selbst in Granada war, zeigte mir der Professor Man. Gongora,
in solchen Fragen wohl die erste Auctorität, von seiner Wohnung aus
die Lage des alten römischen Hunicipium liliberris auf dem Hügel
') Munoz, Diceionario — 1858, p. 55,
478 Ilecapitniation des ganzen Werkes. Grates Kapitel. Erster Band, 1862.
, Albajcin; später erweiterte sich Illiberris, und stieg in die westwärt
gelegene Ebene herab. Im Jahre 1860 legte Reinh» Doxy noch eiD^
Grana- mächtige Lanze fiir die Lage des alten Elvira an der Stelle des spätenj
«ite Medina Elvira ein. Die Identität der Namen Elvira nnd Medina EL
Eivira. vira ist für Dozy der Hauptgrund anzunehmen, dass beide Orte ai
der gleichen Stelle lagen. Um das Jahr 1010 wanderten die Bevcohnej
von Medina nach Granada aus. Um das Jahr 1364 war Medina nuj
noch ein Dorf. — Dosy hat später indirekt sich selbst vrid^rlegt. Ei
wnsste, wie wir, dass Gregor (c. oö9 — 392) Bischof von Ellvira war
Wenn nun der Bischof Recesmund von Elvira im Jahre 961 (in seinen
von Dozy herausgegebenen Festkalender) den Bischof Gregor nicLj
Bischof von Elvira, sondern von Granada nennt (s. oben II, 2, S. 4ol)|
so wird Dozy nicht leugnen können, dass Elvira nnd Granada im
Jahre 961 eine und dieselbe Stadt war^).
In der Lage 22. Dozy's befindet sich auch Fr. X.Jitmontt. E}
hat im Jahre 1860 sich der Ansicht zugeneigt, dass Elvira auf den|
Hügel Albaicin lag; doch schloss er mit den Worten: Nos rem in medi
relinquimus"). Im Jahre 1871 gab er (ein Jahr vor Dozy) den Kaiende
des Bischofs Recesmund vom Jahre 9G1 heraus, und musste darauf
ersehen, dass dieser Bischof Illiberris und Granada als eine und die-
selbe Stadt erklärte; er dürfte heute an der Identität von Elvira und
Granada kaum mehr zweifeln.
Im Herbste 1860 weilte Emil Hübner in Granada. Seine Berichte
erschienen in den Verhandlungen der Berliner Akademie der Wissen-
schaften— 1861, in denen er nicht zugeben wollte, dass Illiberris und
Granada dieselbe Stadt sei. Acht Jahre später leistete er Widerruf.
Er gesteht seinen Irrthum ein^). Aber während er mich und deti
Spanier Vic, de La Fuente in einer ganz untergeordneten Sache, di<
mit der Hauptfrage in keiner Verbindung steht, tadelt^ hat er es ver
schwiegen, dass ich viele Jahre vor ihm die Identität von Elvira und
Granada bewiesen habe.
Im Jahre 1878 wusste ich noch nicht genau, auf welcher Seite
Aurdiano Femandez Guerra mit seiner gewichtigen Auctorität zur Zei^
stehe. Aus einer Zuschrift desselben aber sehe ich, dass er Elvira uud
Granada für dieselbe Stadt halte. Er tadelt mich wegen meiner angebiiol!
gegentheiligen Meinung, und verweist mich auf Hiibn&rj p. 286. Offenbar
dachte er nicht daran, dass HÜbner auf eine Nebensache Gewicht lege,
zu der Hauptsache aber schweige.
*) Dozy, Recherchea etc., 2. 6dit., Lcyde, 1S60, t. I, p. 328-334 (Elvira,
Granada). *
*) Descripcion del reino de Granada, Madr. 1860> p. 28*— 41.
'; Hübner, Inacriptiones Uispaniaö latinae, p. 286, Borl, 1^69.
cera.
Der hl. Enphrasins in Illiturgis ; Esitlns in Cazorla. Die Zeit von 100— -iCO n. Chr. 479
Aaa air dem aber geht hervor, dass die von mir im Jahre 1862
vertheidigte Ansicht, damals in der Minorität, heute die Ueberzeugang
der grossen Majorität geworden, nnd ich zum Betractiren keinen
Gmnd habe.*)
Der sechste Apostelschüler, Enphrasins, lenkte seine Schritte nach ^«^ >*«>-
Illiturgis am- Baetis, wo er starb« Zeugniss für seine Verehrung ist, pf^aaia«
dass man im Anfange des siebenten Jahrhunderts einei Kirche seines ^^ '"i-
Namens daselbst baute. Die Stadt und das Bisthum Jaen verehrt ihn "
als seinen Patron.
Der siebente Apostelschüler, Esitius, wohnte zulezt und „ruhet* i>ct hei-
in Cazorla (Carcesa oder Carcera) westlich von lUiturgis und Castulo. ]^,if|u.
Er wurde, soweit die Erinnerung zurückreicht, als Beschüzer dieser»«» f'«'*-
Stadt verehrt Keine andere Stadt, besonders nicht das frühe zerfal-
lene Carteja aa der Meerenge, rühmen sich, Bischofssiz des heiligen
Esitius zu sein. Cazorla wurde oder blieb zwar kein Bisthum, aber
es hatte von jeher innerhalb des Erzbisthums Toledo eine ganz exemte
Stellung (etwa wie die gefürstete Propstei Ellwangen im Bisthum
Augsburg oder wie das Generalvicariat Feldkirch (Vorarlberg) im Bis-
thum Brixen).
Deber die apostoHschen Siebenmänner ist mir keine Literatur
bekannt. Florez hat das Kapitel nicht erschöpfend behandelt. Im Jahre
1864 erschien von einem Priester im Bisthum Segorve eine Schrift:
„Lios siete Apostolicos'' (die sieben Apostelschüler). Begierig griff
ich nach der Schrift. Aber von c. 147 Druckseiten handeln nicht 22 Zeilen
über die Siebenmänner. Vic, de La Fuenie kennt die Schrift im Jahre
1873 noch nicht So vermuthe ich denn, dass ich im Jahre 18G2 zum
erstenmale diese wichtige Frage behandelt habe. Sie ist im Grunde
keine Streitfrage, sondern ausserhalb und in Spanien ist sie bis jezt
noch nicht näher beachtet worden. Man hat erst angefangen, den histo-
rischen Gehalt und In)ialt der alten Liturgieen für die Geschichtschreibung
zu benüzen nnd zu verwerthen.
§. 3.
Das dritte Buch handelt von der Kirche Spanieu's in der Zeit Der hei.
von c. 100 bis 300. Irenaeus und Tertullian bezeugen die Verbreitung 'pji^^
des Christenthums in Spanien zu ihrer Zeit. — Der Brief Cyprian's «ad die
von Carthago an die Gemeinden von Astorga-Leon und Emerita, ge- {^^ g^^.
schrieben c. 254, beweist: 1) dass es damals Bischöfe in Saragossa, oIodi
C.S64.
') Man. Oongora^ seitdem Icidor gestorben , sagte mir ancb, dass das hea-
tig'e Goadix genau an der Stelle des alten Acci gelegen , aber etwas kleiner ge-
wesen sei, $^B Goadix heute ist»
480 HecapitulatJon des ganzen Werkes. Erstes Kapitel. Erster Band, 1862.
Astorga, Emerita, wohl auch in Hispalis gab. Ein Bischof Ton Tar-
raco ist sonst bekannt. Entgegen der Erklärung des Florez und der
übrigen Spanier habe ich nachweisen wollen, dass der apostasirte Bischof
Basilides und sein Nachfolger Sabinns Bischöfe von Emerita, dass der
abgesezte Bischof Martialis und sein Nachfolger Felix Bischöfe von
Astorga und des damit verbundenen Leon waren, während Florez und
die Spanier den Basilides in Astorga, den Martialis in Emerita sachten
und fanden; ebenso habe ich zeigen wollen, dass „ein anderer Felix''
Bischof von Saragossa gewesen. Meine Auseinandersezung hat Dr. Fried-
lieb in Breslau — im Jahre 1863, gebilligt'); Dr. Hefele aber giebt im
Jahre 1863^) nur Kenntniss von meiner von Florez abweichenden An-
Der hei- sieht. Ausführlich hat JoL Peters im Jahre 1877 dieselbe Streitfrage
"^!m behandelt^). Er sagt, dass es nach meiner Darstellung unzweifelhaft
a. spA- sei, dass Basilides und Sabinus Bischöfe von Merida, Martialis und
Felix Bischöfe von Astorga gewesen, ich sodann nicht mit Unrecht
vermuthe, dass Astorga Bischofssiz gewesen, und Leon damals als
Pfarrei zu Astorga gehört habe. Noch handle ich in diesem Buche
von dem Martyrbischofe Fructuosus von Tarragona im Jahre 259, von
der Zerstörung Tarraco's durch die „Barbaren^, dem Bischöfe Ger-
ontius von Italica, von den Hartyrinen Justa und Bufiua von Sevilla.
Das vierte Buch behandelt die Märtyrer Spanien's zur Zeit der
Marty- Verfolgung des Diocletian. Ein längeres Kapitel über die heilige Eulalia
jl'hrr ^^^ Barcelona, deren Identität mit der heiligen Eulalia von Emerita
«>* — noch von Vielen ohne Grund behauptet wird, wurde von meinem jun-
^^ gern Freunde Eugenio Martin, der leider vor Kurzem als Generalvicar
von Palentia starb, übersezt, und erschien in einer Zeitschrift zu Bar-
celona« Ferner hat Dr. Fr. X Kraue die beiden Kapitel: „Die hei-
lige Eulalia von Emerita^, und „der Levite und Märtyrer Vincen-
tius" in den Nachträgen zu seiner Kirchengeschichte, — 1875 —
mitgetheilt. Das lö. ICapitel dieses Buches lautet: „Die Inschriften —
keine Quelle für die Geschichte der ersten Jahrhunderte der Kirche
Spanien's.^ Es ist eine sehr gewagte Sache, aus sogenannten innem
Gründen der Kritik die Unächtheit einer grossen, von Andern als acht
angenommenen Zahl von Inschriften nachweisen zu wollen. Aber in
diesem Falle bin ich völlig gerechtfertigt worden, durch den „Deutschen"
Emil Hilbnery der als Anhang seiner Sammlung der ächten spanischen
FftUebe Inschriftcn die unächten sogenannten Inschriften mitgetheilt hat, die
sich auf die Kirche, das Christen thum und die Christenverfolgungen
Inaebrif-
ten.
in Spanien beziehen.
') Oesierr. Vierteljahrschr. 1863.
*) Und ähnlich im Jahre 1873.
'} In: Der beilige Gyprian von Carlbago, Ilegentb, 1877, 8. 482-^191.
Zeit der Synode. 481
Wenn ich aaf den Inhalt der vier fiucher dieses ersten Bandes
zurückblicke, so kann ich mit dem Ergebnisse und den Schicksalen
meiner historischen Untersuchungen wohl zufrieden sein. Ist die Dar-
stellung vielfach zu breit geworden, so habe ich durch Zusammen-
ziebung des Inhalts dieser Kirchengeschichte von fünf in drei massige
Bände das mir Mögliche, „das Möglichste^ zur Abstellung dieses Miss-
standes geleistet^).
Zweites Kapitel.
Zweiter Band, 1864.
§• 1-
Das fünfte Buch handelt (S. 1 — 136) von der Synode von Elvira^*« sy-
(306). Unter den 19 Bistbümern, deren Bischöfe in Elvira erschienen, EiTira
bietet nur der Name „Fibularia" Schwierigkeiten dar. Die Lesart "" ^^*
^Salaria^ ist durch nichts beglaubigt; Salaria kommt sonst so wenig
als Bisthum vor, als Fibularia. Calagurris Fibularia war aber ein be-
deutender Ort, den Plinius von Calagurris Nassica unterscheidet, dem
beutigen Calahorra. Im Mittelalter hiess Fibularia, beim Wegfalle
der zwei ersten Silben (oben III, 418), „Lahorra^; daraus ist das heu-
tige „Loarre^^ entstanden. Das Bisthum Jacca ist eine Fortsezung des
alten „Fibularia.^^ Es waren also im Jahre 306 zu Elvira erschienen: ^^* ^''
die Bischöfe von Acci, Elvira, Urci, Basti, Corduba, Sevilla, Oastulo, dMeibst.
Egabra, Tucci, Ment^sa, Emerita, Ossonoba, Evora, EHiocroca, Malaga,
Toledo, Leon, Saragossa, Fibularia.
Von den 24 Pfarreien der in Elvira erschienenen Priester glaube ^*® **
Priostor
ich 23, sämmtliche im Süden, gefxmden zu haben. Nur Drona oder dasoibst.
Brana war nicht zu entdecken. Die Pfarreien sind: Cartagena, Epora-
Montoro, Urso-Ossuna, lUiturgi, Carula, Astigi-Ecija, Ateva-Teba,
Acinippo, Eliocroca-Lorca, Laurum-Alora, Barbe bei Tucci, Egabro-
Oabra, Ajnne-Arjona, Municipinm- Elvira, Segalvinia-Selambina, Ulia-
Montemayor, Urci, Gemella-Tucci, Castulo, Baria-Vera, Sqlia-Lucar
la Mayor, Ossigi-Hengibar, Corduba,
Als die Zeit der Abhaltung der Synode habe ich den Mai des Die sy-
Jahres 306 angenommen, so dass dieselbe etwa vom 1. bis 15. Mai\^j*J^'
gedauert hätte. Die Verfolgung hatte kurz zuvor stattgefunden. Der^mJ^re
Bischof Valerins von Saragossa war aber schon aus der Verbannung
zortickgekehrt Es liegt kein Grund vor, das Jahr 307 oder irgend
') Hefele, T. Theol. Quartaischrift, 1863, S. 625 und 5ao.
Qama, apaa. Kirche. III. 9. 31
806»
482 Recapitalation des ganzca Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864.
ein späteres anzonehmeo. Dr. Hefde hat sich schon im Jahre 18.55
sei es fiir den Herbst 305, oder das Jahr 306, im Jahre 1858 bestimmt
für das Jahr 306 ausgesprochen. — In der zweiten Auflage seiner
Concilien-Gescbichte — 1873 — sagt er einerseits: „Garns entscheidet
sich dafür, dass die Synode im Mai 306 stattgefunden habe (S. lol),
sagt aber sowohl in dem voranstehenden Inhaltsverzeichnisse, als in
* dem Contexte: „Synode von Elvira im Jahre 306." (S. 148—192.)
Andere sind seinem, vielleicht auch meinem Beispiele gefolgt, n. a.
Ant, Linsenmayrj Entwicklung der kirchlichen, Fastendisciplin bis zam
Jahre 325, München, 1877, p. 70. So dürfte das Jahr 306 wenigstens
auf katholischer Seite allmälig als das der Synode angenommen werden,
die jedenfalls im Monat Mai gehalten wurde.
Bei der Erklärung der drei ersten Canones und der Beantwortung
der Frage, was man unter Verweigerung der Communion auf dem Tod-
bette verstehe, habe ich darunter die „Wegzehrung der Sterbenden"
verstanden. Ich habe ferner historisch nachgewiesen, dass in Spanien
bis auf die Zeit des Papstes Pius V., in Frankreich durch das ganze
Mittelalter hindurch, in Constanz bi^ zum Jahre 1435, in Strassburir
bis zum Jahre c. 1506 den zum Tode Verurtheilten die heilige Com-
munion nicht gereicht wurde.
Diover- Aber Benedikt XIV. bestrachtet diese Unsitte noch zu seiner Zeit
rang^der*"^ foHbestchcnd in Spanien und Frankreich. Er stellt die mildere
heiiigfsn Praxis der Deutschen und Italiener der strengem der Spanier und
^j^""^ Gallier entgegen und ftigt sehr bescheiden (noch als Prosper Lamber-
Ende d. tini) hiuzu: „Wir sind die Gewohnheit dieser Königreiche weder zu
billigen, noch zu widerlegen gesonnen." — Als Kapital -Verbrechen,
welche von dem Empfange der lezten heiligen Communion ausschliessen,
bezeichnet die Synode das Opfern der Christen in den Tempeln der
Heiden, besonders, wenn getaufte frühere ,.Flamines" der Heiden den
Gözen opferten, und an den blutigen unzüchtigen Spielen der Heiden
sich betheiligten.
Nach mir hat Jf^V. Frank in: „Die Bussdisciplin der alten Kirche
von den Apostelzeiten bis zum siebenten Jahrhunderte^', Mainz, 18t^7.
dieselbe Frage untersucht. Er kommt, ohne Kenntnissnahme von meiutu
Untersuchungen, zu dem gleichen Resultate: dass zwischen sacramen-
taler Absolution, canonischer Absolution von den Busswerken umi
Empfang des heiligen Abendmals zu unterscheiden sei. Die erstero
wurde Niemand verweigert, und schon vor der* zweiten ertheilt. Unsere
Synode verbiete die Ertheiiung der heiligen Communion; „communio^*
bedeute in sämmtlichen (?) Canones der Synode von Elvira nur die
heilige Eucharistie'). Dr. Hefele ist im Jahre 1873 seiner (und damit
') Frank, p. 739, 745, 887—889, 896—903, 939.
Synode von Elvira — 806. 483
auch meiner) Ausführung beigetreten. In der Erklärung des Canon 2 ^®' ^*'
— was unter: homicidium und moechia der frühern ,,FIamines^^ zu
verstehen sei, habe ich die Ansicht yertheidigt, dass sich di^se Ver-
brechen auf die blutigen Gladiatorenspiele und die unzüchtigen sce-
nischen Spiele beziehen, welchen kein Christ anwohnen durfte, (wenn
sie auch später, als es nur noch „Christen" im romischen Reiche gab,
denselben in hellen Haufen nachliefen), — „Flamines'' aber, welche
auf ihre Kosten dem Volke Spiele gaben, opferten erstens den Gozen,
verschuldeten zweitens den Mord der Gladiatoren und Stierkämpfer,
begiengen und machten Unzucht begehen; das Geben upd Veranlassen
scenischer Spiele in jener Zeit war unnatürliche Wollust. Canon 15^*^^*
missbilligt zwar die Ehe christlicher Mädchen mit Heiden, aber ver*'
bietet sie nicht. Denn — nach meiner Erklärung hätte dieses Verbot
den christlichen Mädchen überhaupt das Heirathen unmöglich gemacht,
weil es wenige Christen, und sehr viele Christinen gab. Heine Er-
klärung hat auch Dr. Hefde angenommen.
Canon 34 . verbietet das Anzünden von Kerzen (am Tage) auf
den Gottesäckern, „weil die Geister der Heiligen nicht beunruhigt
werden sollen«'^ Ich habe diess Verbot so erklärt, dass die Christen,
and theilweise selbst die Bischöfe von der allgemeinen Meinung be-
fangen waren, es sei den Menschen möglich, die Todten hervorzurufen,
sie wenigstens zu beunruhigen. Canon 36 verbietet, dass Bilder in b"^®'
den Kirchen angebracht werden. Dr. Hefde erklärt nach Rossij der Kir*
Eintritt der Heiden in die Kircheli der Christen hätte den Spott oder <^^®°-
die Verfolgung derselben hervorgerufen. Ich beharre bei der frühern
Erklärung, dass es im Jahre 306 überhaupt in Spanien noch keine
christliche Kunst und christliche Künstler gab (wohl aber schon im
Jahre 380), dass also alle Bilder Carrikaturen und Frazen waren.
Zu Canon Ö9, dass Gläubige nicht in das Capitolium hinauf- c •?'•<«■
steigen sollen, habe ich nachzuwei\seh gesucht, dass jede bedeutende spAni-
Stadt Spanien's ihr Capitolium hatte; denn Spanien war das am meisten ««
romanisirte Land im Reiche.
Im Allgemeinen glaube ich nicht veranlasst zu sein, eine meiner
Erklärungen der 81 Canones zu retractiren. Linaenmayr hat mir irgendwo
nachgewiesen, dass ich einComma bei einer Stelle TertuUian's an den
unrechten Ort gesezt habe; er dürfte wohl Recht* haben').
^) Aber darin kann er aicht wohl Recht haben, dass er in seinem erwähnten
Bache — S. 21 — zweimal schreibt: Origlnes, auf S. 42 — Origenes, und wieder
auf S. 43 zweimal: Origincs. Dagegen S. 56 und spSfer schreib^r richtig: Origenes.
31*
484 Recapitnlation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864-
§. 2.
Das sechste Buch handelt von Hosias von Corduba yom Jahre
325 bis 357. Ich habe nachzuweisen gesucht, dass -Hosias zu Nicaea
wirklich im Namen des Papstes Sylvester den Vorsiz iührte.
In dem Kapitel: „Hosias, and die Gründung der kirchlichen Hier-
archie in Spanien^ habe ich den Beweis versucht, dass die spanischen
Bischöfe zu Elvira im Jahre 306, zu Arles im Jahre 314, zu Sardika
im Jahre 343 — 344 nicht nach dem Alter ihrer Ordination, sondern
nach dem Alter ihrer Bisthümer unterzeichnet, und dass aus diesem
i>o' Grunde Felix von Acci im Jahre 306 nicht so fast den Vorsiz ge-
Auf 'den fuhrt, als zuerst unterschrieben habe. Einem Widerpruche gegen diese
spani- Ansicht bin ich nirgends begegnet. «/• Friedrich ist in seiner Schrift:
cond- 7jl^''ei unedirte Concilien aus der Merovingerzeit" Bamb. 1868 —
lien Yon geiieigt, meiner Ansicht beizutreten. Aber ich konnte mir nicht ver-
hehlen, dass ich mich mit meiner Ansicht in einer sehr precären Lage
S80.
befinde, so lange diese Weise, zu unterschreiben, nicht durch Concilien
anderer Länder nachgewiesen und verbürgt wäre. Eine Bestätigung
meiner Ansicht )habe ich endlich in dem Werke des P« Z^eop. Ja
nauachek: „Origines Cistercienses, Wien, 1877, gefunden (p. XIII der
^** ^** Einl.). Die Aebte des ganzen Ordens der Cistercienser, welche jedes
«luer. Jahr im Generalkapitel zu Clairvaux versammelt waren, sassen nicht
nach der Zeit ihrer eigenen Wahl oder Benediction, sondern nach der
Zeit der Stiftung ihrer Klöster. Im Fortgange der Zeit, und bei der
Zunahme der Zahl der Klöster war es nothwendig, dass Verzeichnisse
angelegt wurden, in welchen die einzelnen Klöster mit Angabe der
Zeit ihrer Gründung aufgeführt wurden. In dem achten Statut des
Generalkapitels des Jahres 1218 wurde allen Aebten befohlen, dass sie
die Namen und die Gründungszeit ihrer Kloster mittheilen sollten. In
den Jahren 1239 und J270 wurde diese Verordnung erneuert — Diese
Generalkapitel können füglich auch Concilien genannt werden, und so
habe ich für meine Annahme wenigstens eine Analogie gefunden. Was
die Cistercienser im' zwölften und dreizehnten Jahrhundert thaten, das
können auch die Spanier im vierten Jahrhundert gethan haben. Auf
der Synode zu Toledo im Jahre 400 war diese Sitte schon aufgegeben.
§. 3.
HoBint Hosius hat ferner das Verdienst, die Metropolitan -Verfassung
nnd dl« j[j2 ^g^ Kirche von Spanien eingeführt zu haben. Im Jahre 306 finden
poiiten wir noch keine Spur von einer solchen VerfEissung, es gab damals
in Spa- Qm. Bischöfe, keinen Erzbischof. Da die Synode von Antiochien vom
Jahre 341 die Grundsäze für eine Metropolitan-Verfassung der Kirche
^'»(i^S^.'-vV.V'''
Sechs Metropoliten in Spanien. 485
Qssprach (oder vielmehr erklärt, was hierin ältere Praxis war), so
larf man sich nicht wundern, wenn die Spuren einer solchen Ver-
üssung in der Kirche Spanien's zum eisten Male im Jahre 343— -344
lervortraten, Hosius kam mit fünf spanischen Bischöfen nach Sar-
lika. Damals h^tte Spanien sechs Provinzen, Tarracouensis, Cartha-
iniensis, Baetika, Lusitania, Galicia und Mauritania Tingitana in
ifrika. Dazu kamen unter Theodosius dem Grossen die Balearen als
iebente Provinz, die wohl schon unter Constantin in ähnlicher Weise
3 einzelnen Zweigen der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit getrennt
on Tarracouensis, gleichsam eine werdende oder eine theilweise Pro-
inz waren, wie es Galicien schon im zweiten und im dritten Jahr-
hundert gewesen war. In Tingitana gab es noch keine Bisthümen
Lber die Metropoliten der übrigen fiinf (sechs) Provinzen erschienen ^*°
a Sardika. Der Metropolit der Provinz Baetika war Hosius selbst^^Metro-
yordttba blieb Hauptort der Provinz, wenn auch der Vicarius von p»"*«»
"% In Sda-
;anz Spanien in Hispalis seinen Siz hatte. Emerita war Hauptstadt nieo.
on Lusitania, Der Metropolit Florentius von Lusitania (= Merida)
»egleitete darum den Hosius nach Sardika. Die Stadt Asturica war
[amals noch (bis zu ihrer Zerstörung im Jahre 457) die Häuptstadt
ler Provinz Asturica oder Galicia« Darum begleitete der Bischof
)omitianus von Astorga den Hosius als Metropolit dieser Provinz,
lauptstadt der Provinz Carlhaginensis war auch im Jahre 343 Car-
agena. Aber wer kann beweisen, dass Cartagena damals überhaupt
chon einen Bischof hatte? Hatte es aber keinen, wie ich glaube, so
Qusste eben der Bischof einer andern Stadt als provisorischer Metro-
olit in Sardika erscheinen. Dafür eignete sich der Bischof von Ca-
fculo vorzüglich; denn Castulo war eines der ältesten Bisthttmer der
^rovinzy und eine der bedeutendsten Städte derselben. Darum nahm
losius den Bischof Anianus von Castulo mit sich nach Sardika.
Hauptort der Provinz Tarracouensis war an sich Tarraco. Aber
'arraco lag in Trümmern. Es hatte zwar am Ende des vierten Jahr- Tarraco
änderte wieder einen Erzbischof« Aber im Anfange des fünften '^
ahrhunderts noch sagt Orosius: Auf den Trümmern grosser Städte
»estehen noch kleine und arme Wohnsize, welche noch die frühern
{amen tragen, wie unser Tarraco in Spanien. — In den Jahren 269
lis 385 begegnen wir überhaupt keinen Bischofen von Tarraco, und
8 ist nicht zu beweisen, dass es in den Jahren 343—344 einen solchen
gegeben habe. So war denn der Bischof Castus von Saragossa im
^ahre 343 bis 344 der provisorische Metropolit der Provinz. Endlich
»egleitete Bischof Praetextatus von Barcelona als praesumtiver Metro-
polit der Balearen den Hosius nach Sardika.
mein.
486 Recapitolation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864.
§. -4-
Ueber den ,^Fall'' des Hosias und die Zeit seiDes Todes liah
ich in den Jahren 1860, 1864, 1865 and 1867 gehandelt Meine znlrz
im Jahre 1867 ausgesprochene Ansicht ist: Hosius war zwei Jahr
nach Sirmium verbannt, 355 — ri57. Znlezt kam der Kai^^er Coostantin
selbst im Juli 357 dorthin, und weilte im Juli und August „incognito^^'
in Sirmium, um auf Hosius einen „Druck^^ auszuüben. Die Ariane
Ursacius^ Valens und Germinius wollten ihn zur Unterschrift ihrer 50
genannten zweiten sirmischen Formel zwingen, die Hilarius mit Kecii
eine „Blasphemie'^ nennt. Hilarius wenigstens glaubte, auf die Aus
sage der ihn umgebenden Semiärianer, er habe sie (mit) verfasst. AU
die Unterschrift des Hosius findet sich nicht unter der Formel. Nu
Potamius von Lissabon acceptirte die Formel, und versendete dieselb
später mit einer kauderwelschen Vorrede. Er war Gegner des Hosiiu
und Arianer aus Angst. Dass Hosius unterschrieben habe, sagt nicli
Athanasius, nicht Phoebadius von Agen, oder Eusebius von Vernelli
nicht der „feurige^ Hilarius, nicht die spätem Epiphanius, Hieronymu:
Augustinus, Sulpicius Severus. Erst ein ganzes Jahrhundert spät«
sagen es Socrates, Sozomenus und Philostorgius, welche die gani
Geschichte dieser Zeit in die grosite Verwirrung. gebracht, und u. i
daran schuld sind, dass man bis zur jüngsten Zeit das Jahr 347 al
das der Synode von Sardika angenommen hat.
Ankift- Athanasius verdient doch mehr Glauben, als nächster Zeitgenoss
Ho. des Hosius. Er war zwar Freund des Hosius; aber er konnte di
gen ge
gen
i»iu8 Wahrheit wissen und sagte sie. Er sagte aber nicht: „Hosius hat untei
schrieben, er stimmte ihnen bei, er ist gefallen^% sondern: ,,er wi(j
ihnen einen Augenblick, so jedoch, dass er zwar mit Valens und Vi
sacius Gemeinschaft eingieng, aber nicht unterschrieb gegen Athaoi
sius, d. i. von dessen Gemeinschaft sich nicht trennte.^ Daraus folg
dass die Art der Gemeinschaft, die er mit den Arianem eingieng, kein
Verleugnung des Glaubens, kein Fall und kein Abfall war. „Ab<
auch so, sagt Athanasius, nahm der Greis die Sache nicht leicht au;
denn als es mit ihm zum Sterben kam, erklärte er in Form ein«
Testaments die ihm angethane Gewalt, er sprach gegen die Amni
das Anathema aus, und er befahl, dass Niemand sie annehmen solU
(histor. Arian. op. 45).
Worin aber die Gemeinschaft mit den Arianem bestand, erfahrt
wir von ihm nicht, ich denke, weil er es im Jahre 357 — 358 selb
') D. h. die von Sirmium erldssenen Verordnungen tragen swar das Dati
der Zeit, aber nicht des Ortes, aus dem sie erlassen worden.
Hosiufl im Jahre 357. Tod demselben. 487
(noch) nicht wasste. Eine Andeutung aber giebt Epiphanius, wenn er
sagt, dass die Arianer meinten, die Kirche selbst zu verdammen durch
die Briefe, welche sie dem ehrwürdigen Hosius mit List abjagten
{Sg i&ifQacav naqa jov oüitsCfiov '0<f£ovj baeres. 73.). Was war der In-
halt dieser Briefe? Die zweite sirmische Formel spricht aus: „Man
darf des Wortes: „Homousios" keine Erwähnung thun", d. i. der Sohn
G^ottes ist nicht Gott, und nicht gleichen Wesens mit dem Vater. Der
Schluss aber lautet: „Diess ist der Kern und Schlussgedanke und die
Besiegelung des ganzen Glaubens, dass die Dreieinigkeit aufrecht zu
erhalten ist, wie wir in dem Evangelium lesen: „Gehet und taufet
alle Volker im Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen
Geistes." Unversehrt, vollkommen ist die Zahl der Dreieinigkeit." Diese
Weite für sich genommen^ sind Ausdruck des katholischen Glaubens.
Nach diesem Eiklärungsversuche bestand des Hosius Gemein-
scbafl mit den Arianern darin, dass er sein Symbol dem ihrigen ent-
gegensezte. Sie hatten ihren Glauben ausgesprochen, und er sprach
den soinigen aus. Aber sei es überlistet qder im heiligen Zorne, sprach
er denselben ihnen gegenüber schriftlich aus, er gab ihnen etwas Ge-
schriebenes von seiner Hand; schlau und schleunig nüzten sie es aus,
und verkündigten: Wir haben einen Brief der Gemeinschaft von Hosius,
er ist der Unsrige. Ob er auch protestirte, sie behielten llecht in den
Augen der Welt. — So würden sich die Worte des Epiphanius er-
klären, dass die Arianer mit List dem Hosius einen Brief abgejagt
haben. Selbst Hilarius hätte dem Wortlaute nach Recht, dass die
zweite sir mische Formel von Potamius und von Hosius geschrieben
worden. Denn Potamius hat sie abgeschrieben und mit seinen Glossen
versendet, Hosius aber hätte einen widerlegenden Zusaz beigefügt.
§. 5.
Dafur^ dass Hosius in Spanien (um das Jahr 359 — 361 gestorben,
dafür stehen nur die beiden verlogenen Lnciferianer Faustin und Mar-
cellin. Wenn man ihnen glaubt, muss man ihnen auch glauben, dass
in Gegenwart ihres „heiligsten Lucifer's von Cagliari" der Bischof Ja-
nuariuB von Neapel seine Zunge wie ein Ochs habe heraushängen
lassen, und dass sie in diesem hängenden Zustande geblieben sei.
Dass aber Hosius am 27. August 357 in Sirmium in der Ver-
bannung, lOl Jahr alt, gestorben, dafür hsii Florez schon vor 126 Jahren
(1753) zwei schwerwiegende Beweise geführt. Athanasius erzählt in
seiner „Geschichte der Arianer", die noch im Jahre 358 erschien, die
nähern Umstände des Todes des Hosius. Es kann also Hosius nicht
erst 359 — 361 gestorben sein, wie man bis heute annimmt. AthanasiuB
aber hätte, bei der mangelnden Verbindung, die nähern Umstände seines
488 Recftpitalation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864.
Todes erst Jahre lang später, oder gar nicht erfahren. Das griechische
Menologium (die Menaeen, Heiligenlegende) feierte den Tod des Hosius
zum 27. August mit den Worten:
An demselben Tage (27. August) das Gedächtniss unseres hei-
ligen Vaters, des Bischofs Hosius von Corduba:
Schon wenn ich deinen Namen aaaspreche, o Heiliger —
Bringe ich dir, dem Todten» das gebührende Lob.
Ho«iii«t Dieser wurde in die Verbannung geschickt, und nachdem er vieles
'^^l'^' Harte in derselben erduldet hatte, fancC er in derselben das Ende seines
Lebens (iv S^oQlci na^ni^A^tj^ xci iv avifj tov ßhv xcniXveiv), Das Jahr
ist nicht genau angegeben; aber sein Tod kann nicht wohl nach dem
Jahre 357 erfolgt sein. Einen dritten Beweis, vielmehr Wahrschein-
lichkeitsgrund für den am 27. August zu Sirmium erfolgten Tod des
Hosius fand ich in folgender Thatsache. Kaiser Constantius weilte im
August 357 in Sirmium. Am 28. August 357 sandte er an den Con-
sularis von Baetika, der in Corduba seinen Siz hatte, einen Erlass,
ein wahres Kanbgesez, das einzige Gesez, das während seiner ganzen
Regierung nach Spanien gesandt wurde, das im Januar 358 auf das
ganze Reich ausgedehnt wurde, aber wegen seiner Härte von Valen-
tinian. I. aufgehoben wurde. Es war allgemeine Sitte der Spanier, dass
die Leichname der im Auslande Gestorbenen nach Spanien zuriick-
gebracht wurden. Die Begleiter oder Verwandten des Hosius haben
wohl dasselbe gethan. Kaiser Constantius hatte ein „brennendes'^ In-
teresse daran, diess nicht nur zu gestatten, sondern den Hosius mit
kaiserlichem Aufwände zurückbringen und beisezen zu lassen, um den
Schein der Apostasie auf ihn zu werfen. Das Gesez vom 28. Augost
357 gieng mit der Leiche des Hosius nach Spanien, und es trug dem
Kaiser so viel Geld ein, dass er aus dessen Einnahmen sich für seine
Auslagen schadlos halten konnte. — Constantius Hess überhaupt die
Leichname der in der Verbannung gestorbenen katholischen Bischöfe
auf seine Kosten einbalsamiren und mit Ehrengeleiten zurückfuhren, um
den Schein zu erwecken, als seien sie als Arianer gestorben. Er be-
fahl, dass von den 400 zu Rimini im Jahre 359 versammelten Bischofen
keiner hingerichtet, und nicht mehr als zehn verbannt würden. Dennoch
brachte er es dahin ^ dass zulezt keiner mehr widerstand, dass alle
nachgaben. Von Gregor von Elvira bezweifeln es die Spanier; sie
bringen aber den sehr schwachen Grund, dass bei der grossen Zahl
der Bischöfe sein Widerstand oder Widerspruch dem ICaiser und
seinen Agenten entgangen sein könnte. Dann musste sein Widersprach
sehr kleinlaut gewesen sein.
Unter den zu Rimini Weilenden war ein Bischof Hyginus. Sein
Bisthnm wird nicht genannt. Aber mit Ausnahme des Papstes Hygmus
im zweiten Jahrhunderte, und des Rhetors Hyginus zur Zeit des
Hosias ab Heiliger. 489
Äugustas, der gleichfalls ein Spanier war, kommt der Name Ilygiuns
überhaupt gar nicht mehr vor. Es ist kaum ein Zweifel, dass der
Uyginus des Jahres 359 identisch sei mit dem vielgenannten Bischöfe ^y«*°""
Hyginns von Cordaba , der den Priscillianisten zuerst widersprach, ^dubaT
und ihnen dann zufiel« Darnach musste Hosius früher gestorben sein, ^^*
als man gewöhnlich annimmt, wenigstens im Jahre 358,
§. 6.
Die Bollandisten messen nicht mit gleichem Maasse, wenn sie von Hoiias
Hosius zum 27. August sagen, dass er gegen Athanasias unterschrieben ^^u^q"
habe, troz des ausdrücklichen Zeugnisses des Athanasius selbst, und diston.
wenn sie sodann zum 23. September den Papst Liberius unter die
Heiligen sezen, und leugnen, dass er gegen Athanasius unterschrieben,
da doch Athanasius sagt, er sei gescheitert (mxXaci) und habe gegen
ihn unterschrieben; dass sie sodann das Zeugniss der Menaeen an-
nehmen, die ihn am 27. August nach Hosius als „Heiligen^ angeführt
haben, während sie dasselbe Zeugniss für Hosius nicht gelten lassen.
Bei Usuard und Ado von Vienne kommt Liberius auch nicht beim
23. September als Heiliger vor. Baronius hat ihn nicht in das ro-
mische Martyrologinm aufgenommen; Liberius hat aber seinen „Fall^
durch erneuerte Standhafligkeit gesühnt. Sobald man sich überzeugt
haben wird, dass Hosius nicht gefallen, den Fehler aber, den er ge-
macht, vor seinem Tode gesühnt hat, sobald man sidi allgemein über-
zeugt, dass Faustin und Marcellin keine E^tholiken, sondern Luci-
ferianer waren, so bald wird man geneigt sein, dem Beispiele der
Griechen zu folgen und den Hosius als Heiligen zu verehren. Ein
Anfang ist schon gemacht. Das verdienstvolle Heiligenlexicon von
Stadler und Oinal fuhrt den Hosius unter den Heiligen der romischen
Kirche auf. Als ich im Februar 1865 in Sevilla ^ar, hat mir der
Redakteur der Zeitschrift ^la Cruz^, ein Laie, und stammend ans einer
mozarabischen Pfarrei in Toledo, gesagt, er sei entschlossen, die Frage
der Heiligsprechung des Hosius fortan als stehendes Thema in seiner
Zeitschrift zu behandeln. (Ob es geschehen ist, konnte ich nicht er-
fahren.) Die spanischen Bischöfe und der Hof müssten wohl hier
sich an die Spize stellen, wie es König Philipp IL ohne Mühe erwirkt
hat, dass Hermenegild ein Jahrtausend nach seinem Tode canonisirt
wurde. Warum könnte Hosius nicht 15 Jahrhunderte nach seinem
Tode heilig gesprochen werden?
cut.
490 Rccapitulation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864.
§. 7.
Von dem grossen Hosius bin ich (im Jabre 1863) zu seinem
kleinen Gegner Gregorius von Elvira übergegangen. Die vielgenannten
Lueifcrianer nennen ihn, der nach dem Tode oder dem Ruckzuge des
„apostolischen^ Lucifer von Cagliari au die Spize der Sekte trat, oder
sich schieben liess, selbstverständlich stets „den Heiligen^« Zwar
müssen sie gestehen, dass er unter allen Glanbensbekennern allein
weder Verbannung noch Anderes duldete. Der Grund war aber sehr
einfach. Er hat den Hosius von Corduba zu Tode gebetet, d. h. er
bat Gott um den Tod des Hosius, und sogleich fiel Hosius schrecklich
verstaltet zu Boden, und starb, oder auch nur — und verstummte.
Das erfuhren die Beamten des Kaisers, wollten ihr lieben nicht in
die Schanze schlagen, und wagten dem gewaltigen Beter Gregorius
kein Haar zu krümmen. Auf zwei unsolide Gründe stüzt sich die An-
sicht von der Heiligkeit des Gregorius, auf das Zeugnisa der beiden
Luciferianer, und auf den Brief, welchen ihm der verbannte Eusebias
von Vercelli aus Aegypten schrieb, als Antwort auf einen Brief des
Gregorius an ihn. Hieronymus wirft den (d. i. vielen) zu Rimini ge-
fallenen Bischöfen vor, dass sie an Athanasius geschrieben, um sich
ihm zu insinuiren, und belobende Briefe von ihm zu erhalten. Wii
wissen nicht, welche Bischöfe dieses gethan haben. Aber in dieser An-
gelegenheit an Eusebius zu schreiben, war dasselbe, als an Athanasius
zu schreiben. Auch von Gregorius und seinem Briefe an Eusebius
gilt das Wort: „Wer sich entschuldigt, beschuldigt sich."
Ich war in Granada, und habe keine Spur von Verehmng des
Grego Gregorius im Volke gefunden. Er hat — zum 24. April — keine
Baeti- eigene Festmesse in Granada; er hat nicht einmal eine eigene Oration.
Von einer Erwähnung desselben in der alten spanischen Liturgie ist
keine Rede. Sein Name kommt auch nicht in dem „Proprium San-
ctorum^^ der Spanier aus unserem Jahrhundert vor. Dagegen hat ihn
Usuardus um das Jahr 853 in sein Verzeichniss der Heiligen aufge-
nommen; dass er aber ein Lokal -Heiliger war, geht aus den Worten
des Bischofs Recesmund von Elvira im Jahre 961 hervor: „Fest des
heiligen Gregorius in der Stadt Granada.^ Diejenigen, die nicht
leugnen wollen, dass er Luciferianer war, helfen sich mit der Behauptung,
er habe sich in der lezten Zeit seines Lebens bekehrt, wofür keine
Beweise vorliegen.
Nach ihm, Potamius und Florentius von Emerita habe ich die
Schriftsteller Pacian von Barcelona, und Paul%nfi$ von Nola, und den
Vigilantiua behandelt, über sie aber nichts Neues vorgebracht; dasselbe
gilt von dem Dichter JuvenetM und Papst Dam<i8U8f wahrscheinlich aas
Prud.
Cle-
Sara-
gOM«.
Der Dichter Pradentius CleinenB. Die PriscillianiBteD. 491
Gaimaraeus im Erzbisthame Bracara. Es folgt Theodosiits der Grosse,
der Spanier, und Dexter, Sohn des Pacian. Dessen ^omnimoda hi-
storia^, von der Hieronym^u berichtet, hat dieser nicht, und yielleicht
gar Niemand gelesen; ich glaube, dass sie überhaupt nicht erschien,
„nicht unter das Volk ausgieng^, darum auch nicht verloren gieng.
Es folgt das Kapitel von Aurditis Prudentius Clemens, nach Vieler
und nach meiner Ansicht dem grössten christlichen Dichter aller Zeiten, mens v
Ich habe die Ansicht vertheidigt, dass er aus Saragossa stammte, und
dort wohnte, dass, wenn er von-^nnserm" Calagurris redet, er dasselbe
von dem gallischen Calagurris des Vigilantius unterscheidet (wenn er
von unserm „Tarraco" redet, er an die Provinz Tarraconensis denkt,
in welcher Tarraco^ Saragossa und Calahorra lagen).
Nach mir haben über Prudentius geschrieben: Cleni, Brockhnus,
in: „Aurel. Prud. Clemens in seiner Bedeutung für die Kirche seiner
Zeit"; Leipzig, 1872, p.p. 3.-{4. Er spricht nur in einer kurzen An-
merkung von des Dichters Heimath (p. 15) und sagt: „Man mnss sich
bescheiden, seinen Geburtsorts nicht zu kennen." Diess scheint mir
allzu bescheiden. Im Jahre 1872 handelte auch Joh. Christ Fei. Bahr
von der Heimath des Prudentius. Er sagt: „geboren 348 zu Sara-
gossa oder zu Calahorra, obwohl im Ganzen mehr Gründe für den
erstem Ort sprechen dürften, und: „Auch Garns möchte sich für Sa-
ragossa aussprechen." Wohl habe ich früher geschrieben; ,^Er stammte
sehr wahrscheinlich aus Saragossa"^ heute aber sage ich: „er stammte
ohne Zweifel aus Saragossa"'). — Im Jahre 1874 handelte Ad. Ehert
über unsem Dichter und lässt ihn „wahrscheinlich in Saragossa ge-
boren" werden. Im Jahre 1875 nennt W. S. Teuffei den Prudentius
„den bedeutendsten christlichen Dichter, und lässt ihn „wahrscheinlich
in Calagurris" das Licht der Welt erblicken. — Endlich sagt Alzog
im Jahre 1876 — „Prudentius war 348 zu Saragossa geboren, doch
macht auch Calahorra auf die Ehre Anspruch, seine Geburtsetätte
zu sein!"*)
§. 8.
Von dem Kapitel über den lieblichen Dichter Prudentius giengen
and gehen wir zu dem unlieblichen Kapitel über die IViscillianisten in
Spanien über. Im Unterschiede von den frühern Forschern über diese
') Geschichte der rOmischen Literatur, 4. Bd. J, die christlichen Dichter und
Geschlchfschreiber, IL Aufl., Carljruhe, 1872, S. 61—65. — Ad. Ebert, Gesch. der
chriHtlicb'latein. Literatur Von ihren Anfangen bis zam Zeitalter Karins d. Grossen,
Leipz., 1874, S. 213—244. — W. Ä Teuffei, Geschichte der römischen Literatur
3. Aufl., Leipz. 1875, 8. 1028 (§. 436).
') Alzog, Handb. der Patrologie, 8. Aufl., Freib. 1876, S. 633.
492 Becapitulation des ganzen Werkes. Zweites Kspitel. Zweiter Band, 1864.
^^" Häresie habe ich theils wahrscheinlich zu machen, theils zu beweisen
luni- gesucht, dass der Priscillianismus reiner Manichaeismns, dass derselbe
stondnd gchon vor dem Jahre 343 und noch viel früher in Spanien verbreitet
Manf. worden, dass Hosius von Corduba vor dem Jahre 344 gegen den
chaeer. Manichäcr Marcus gekämpft, den die Arianer einen Mann des „selig-
sten Andenkens^ im Jahre 344 nennen; nachgewiesen, dass der spa-
nische Bischof Olympius, der im Jahre 314 blühte, ein Buch gegen
die Manichäer (in Spanien) geschrieben. Ich habe zu zeigen gesocht,
dass die Haeresie in Baetika zum Ausbruche kam, von da nach Lusi-
tanien und nach Avila in dieser Provinz sich verbreitete, und zulezt
ganz Galicien ergriff'). Es scheint eine ganz ungeheuerliche Behauptung
zu sein, das eine Zeit lang alle Bischöfe von Galicien in die Neze
dieser Haeresie verstrickt waren. Aber die Akten der ersten uns be-
kannten Synode von Toledo und andere Thatsachen beweisen es. Poli-
tische Motive scheinen mitgewirkt zu haben. Der Usurpator Maximus,
der den Priscillian hinrichten Hess, hatte sich gegen Theodosius empört,
und es konnte scheinen, als hätte er in Priscillian und den S'einigen
den Galicier Theodosius treffen wollen. Rumpp hat gefunden, dass
meine Auseinandersezungen nähere Beachtung und weiteres Studium in
Alispruch nehmen').
Auf der Synode von Toledo im Jahre 400 waren 19 Bischöfe
versammelt; aber nur von 4 sind uns die Size genau bekannt Im
Gegensaze gegen die Synode von Elvira verordnet diese Synode, dass
die schwersten Sunder auf dem Todbette die heilige Wegzehrung
empfangen sollen. Nur etwa 4 von den 20 Canones bezieben
sich auf die Priscillianisten. Aber nach dem Concil fanden Verneh-
mungen und Untersuchungen in Betreff der Priscillianisten statt Die
Bischöfe Symphosius und sein Sohn Dictinius von Astorga, und der
Priester Comasius schwuren in tiefster Demuth die Irrlehre des Pris-
cillian ab. Auch Bischof Paternus von Bracara schwur ab, sowie
andere Bischöfe, deren Size nicht genannt werden. Andere Wider-
strebende wurden abgesezt.
0 Eben, beim Dnrchblättem des Werkes: ,,von den berühmten MSnnern"
des Isidor von Sevilla finde ich eine Stelle, darch deren Inhalt meine Vermntbnng
an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Indor (o. 15.) erzählt: ItaciuSj Bischof in Spa-
nien (d. i. von Ossonoba), mit Zunamen und nach seiner Beredtsamkeit ,,Clarn8*,
schrieb ein Bach gegen Priscillian, worin er zeigt, dass ein gewisser Marcos ans
Memphis^ sehr erfahren in der Kunst der Magie, Schüler des Manes und ,|Lehrer
des Priscillian^ gewesen sei. Wenn er Lehrer des Priscillian war, so ist um so
wahrscheinlicher, dass er in Spanien längere Zeit geweilt Leider hat sieh der
„Apologeticns'* des Jtacius nicht erhalten; es scheint aber, dass Isidor die Schrift
gekannt habe.
') Literarischer Handweiser von 1865, nr. 27.
OrosioB von Braeara. 493
§. 9.
ean.
Wir gehen za dem Kapitel über Orosius über. Dass derselbe Orotius
Paulus geheissen, ist unwahr. Pacian, Dexter, Hosius, (Priscillian), ^^"^'*"
Olympius^ Damasus, Tbeodosius, viele andere — begnügten sich mit
einem Namen. Warum will man dem Orosius den Namen Paulus
geben, den er sich selbst, und den ihm seine Zeitgenossen nicht ge-
geben? — So lange man noch nicht wusste, oder wissen wollte, dass
er aus Bracara stamme, mochte es einigen Sinn haben, ihn aus „un-
serm Tarraco'^ stammen zu lassen. Jezt aber kann nur Bracara in
Frage kommen. Der Ausweg, den Teuffd vorgeschlagen, er sei zu
Tarraco geboren, in Bracara Presbyter geworden, empfiehlt sich durch
keinen Grund (§. 455, p. 1073). Ehert hat das Richtige über ihn ge-
sagt (L c. S. '626). Alzog nennt ihn noch „Paulus'% und, mit Recht,
Priester von Braga (S. 417, §. 77).
Ueber die kleinem Schriftsteller, die beiden Av%tu$ von Bracara,
S*svert$8 von Minorca, B($chiariu$ — habe ich Neues nicht vorgebracht.
§. 10.
Die noch übrigen Kapitel des siebenten Buches handeln von den
fünf Kirchenprovinzen Spanien's in der Zeit von 357 bis Ö89, zuerst
von der Provinz Baetika. Weil Hispalis Hauptstadt des römischen
Spanien's war, so ernannten die Päpste mehrere dortige Metropoliten
zu ihren Vicarien in Spanien. Diese Einrichtung aber vermochte keine
festen Wurzeln zu fassen, weil die Gothen Spanien eroberten, und
Barcelona^ später' aber Toledo zu ihrer Hauptstadt auswählten. In
Betreff der Kirchenprovinz von Toledo habe ich nachgevnesen, dass
die Bischöfe von Toledo sich als Metropoliten nur die Anerkennung
der Bischöfe von Carpetanien erwarben, während die östlich und süd-
östlich wohnenden Bischöfe als ihren Metropoliten den Bischof von
Carthagena erklärten. — Von Bischof Turibius von Astorga habe ich
behauptet, dass sich Papst Leo I. wegen der Manichaeer, sonst Pris-
cillianisten genannt, an ihn nicht gewendet, weil er „Notar des Papstes^'
gewesen, wie Martin von Braga 120 Jahre später sagt, sondern weil
er Metropolit von Galicien gewesen; femer daraus, dass der Papst
ibn za Abhaltung von Synoden in ganz Spanien auffordert, folge nicht,
wie man gewöhnlich annimmt, dass solche Synoden in den Jahren
447 — 448 wirklich stattgefunden haben. Der Chronist Idatius, der
sonst ganz Unbedeutendes berichtet, hätte darüber nicht geschvnegen,
und die Akten der Synoden wären so wenig verloren gegangen, wie
die der andern Synoden.
"^94 RecapitulatioQ des ganzen Werkes. Drittes KapiteJ. Der drifte Band.
Drittes Kapitel. .
Der dritte Band
erschien im Jahre 1874, zehn Jahre nach dem zweiten, besonders weil
in der Zwischenzeit das Werk: „Series^episcoporum ecclesiae catho-
licae^' von mir geschrieben wurde, das ich in Spanien begann. Dieser
Band umfasst die Zeit von 589 bis 1085. Der Anfang des Bandes,
S* 1 — 101, wurde gedruckt vor dem Antritte meiner Reise nach Spa-
nien im September 1864. In Spanien selbst habe ich viele Anregung,
aber weniger Ausbeute für meine Arbeit gefunden. Ich kann im Ganzen
nur sagen, dass ich in den bisherigen Ansichten über einzelne Streit-
fragen der spanischen Kirchengeschichte bestärkt wurde, z. B. in der
Frage von der Lage von Acci-Guadix, Elvira-Granada. Den Eindruck,
den ich über Land und Lente gewonnen, darzulegen, ist hier nicht
der Ort. Ich hatte nie im Sinne, eine Schrift herauszugeben, die an-
nähernd ein Reisebericht über Spanien wäre. Das haben hundert
Andere vor mir gethan.
Die sechs ersten Kapitel des achten Buches . geben mir keinen
Anlass zu Bemerkungen. Das siebente Kapitel handelt über Isidor
von Sevilla, und „Paul'^ von Emerita. lieber jenen spreche ich aber
ein^ Vermuthung aus, die ich schon im Jahre 1864 hatte. Er sagt in
seiner erwähnten Schrift (cap. 5.): (Uosius) verfasste auch ein anderes
Werk „über die Erklärung der priesterlichen Gewänder im Alten Testa-
mente, ausgearbeitet mit herrlichem Sinne und Verständnisse (egregio
quidem sensu et ingenio elaboratum). Dieses, sovne das andere Werk
' des Osius über das Lob der Jungfräulichkeit, gilt allgemein als ver-
loren. Es kommt aber vielleicht eine Zeit, wo man alle die unge-
nannten Quellen, aus denen Isidor von SeviUa seine verschiedenen
Schriften zusammengesezt hat, ohne die Auctbren mit ihren Namen zu
citiren, die „Reminiscenzen an seine frühere Lectüre^^^ aufifindet, and
da mag man darunter auch eines oder beide der verlorenen Werke des
Hosius entdecken.
Einen Schriftsteller Paul von Emerita hat es nachweisbar nie ge-
geben. Daraus folgt aber keineswegs, dass die Schrift : „Vitae Patruni
Emeritensium'^ eine unächte Schrift sei. Nur die diei ersten Kapitel
sind unächt, und zeichnen sich durch ausserordentliche Abgeschmackt-
heit des Inhaltes aus. Dass der Abt Unctus ans Afrika zu Boden
Das siebente Jahrhundert. 493
gestürzt sei, wenn ihn etwa das Auge eines Weibes erblickt habe,
halten wir für ein Märchen. Denn welchen Zweck hätte ein solches
Wunder? Das Kapitel von dem „gefrässigen Mönche in Cauliana^^,
dessen Leichnam nach Jahren unversehrt gefunden worden, ist erdichtet
von einem patriotischen Lusitanier, der, nachdem man den Brief des
Mönches Tarra von Cauliana an König Reccared aufgefunden, der wegen
Unsitdichkeit aus seinem Kloster Verstössen worden, nun aus einem
Unsittlichen (nur) in einen grossen Esser und Trinker umgewandelt
wird, der sich aber nachher derart besserte, dass sein Leib unver-
Wesen aufgefunden wurde.
£s bestand ein Werk von einem unbekannten Verfasser, mit dem
Titel: „Leben der Väter von Emerita", welches mit dem vierten j»^*«
Kapitel der Schrift des angeblichen Paul von Emerita begann. — In y^ £,„«.
der Ausgäbe des „Bivar^', vielmehr in dem Codex^ den er entdeckte, '^'*"*
fehlten gleichfalls die drei erten Kapitel. Die Schrift kam von Emerita
auch nach Asturien; König Alfons IIL von Leon schrieb über den
Inhalt derselben im Jahre DOG an den Klerus und das Volk von Tours:
„Wir besizen das Leben, die Tugenden und die Wunder vieler her-
vorragender Männer, wie z. B. der von Emerita, in guter und klarer
Weise geschrieben, welche in euren Archiven sich nicht befinden,
und welche wir, so es euch dienen wird, gerne an euch senden werden.^'
§. 2.
Das achte Kapitel des achten Buches: „Fünfte bis eilfte Synode
von Toledo, Synode von Emerita. Die Könige Chintila, Ohindaswinth
und Receswinth. Eugen II. und Udefons von Toledo" bieten zu Be-
merkungen keinen Anlass. Ich bleibe aber, mit Florez gegen Vic. de
La Fuente^ bei der Behauptung stehen, dass König Receswinth in den ^^^^
spätem Jahren seines Lebens wurde, wie König Salomo in seinen alten ^ntb]
Tagen, als er mit fremden Frauen sich umgab, und von der Weisheit
seiner Jugend abfiel, und dass das gänzliche Aufhören der Concilien
von Toledo in seiner spätem Zeit darin seinen Grund hatte. Es zeigte
sich hier zum erstenmale jene bedenkliche Abhängigkeit der Kirche
von dem Staate in Spanien '), die später so oft schmerzlich hervortrat.
Die Bischöfe fühlten das Drückende ihrer Lage, konnten aber das
Joch nicht abschütteln, das auf ihnen lag. Vom Jahre Gö6 bis zum
Jahre 675 wurde kein Concil von Toledo gehalten.
Das neunte Kapitel behandelt die Bischöfe: Braulio und Tajo
von Saragossa; S. Aemilian von Cogolla und Fructuosus von Braga,
80 wie den Abt Valerius, bei welchem Hermenegild zum erstenmal
') D'er sich auch der heilige Ildephons von Toledo nicht entziehen konnte.
49G Recapitulation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel Der dritte Band.
„Heiliger^ genannt wird, während die Frühem ihn mit wenig schmeicliel-
haften Titeln, wie „Tyrann — und RebelP^ bezeichnen. Er hattt^
eben sich in die Arme der Griechen geworfen, und bei seiner Erhebung
gegen Beinen Vater sich auf sie gestfizt
Das zehnte Kapitel behandelt „die Konige Wamba, Erwig, £^ca^
Witiza. Die Synoden von 675 — 701. Julianus von Toledo**. Was icLl
über leztern gesagt habe, mag ich hier nicht ^recapituliren^. Wenn abeii
Kardinal Ximenes zu seiner Zeit fand, dass die Verehrung des Julia.ni
ganz aufgehört, und er darum sein Fest wieder einführte, so müsstel
vorher doch bewiesen werden, dass er zu irgend einer Zeit eine kircli-l
liehe Verehrung genoss. Wenn er im 19. Jahrhundert^ eine eigene
Festmesse hätte, so müsste diese und sein „Officium^^ doch in dein
;,Proprium Sanctorum Hispanorum^^ zu finden sein^). Da hat der hei-
lige Julian von Cuenca ein Officium mit einer Octave. Bei dem
8. März (an welchem Tage im romischen Martyrologium und in deri
Acta Sanctorum Julian's Namen steht) kommt kein Heiliger in dem ProH
prium der „Heiligen Spanien's^^ vor. — Das zu Rom am 10. August
1865 znlezt, nach den frühern Ausgaben, revidirte Proprium enthält
den Julian von Toledo nicht, dagegen zum 15. November den Eogeniud
(von Toledo).
§. 3.
Ueber die ^altspanische Liturgie habe ich in allen fiinf Bänden
dieses Werkes gehandelt, u. a. im dritten Bande, S. 186 — ^209. Diese
Die u Liturgie, wie sie uns vorliegt, ist die der Kirche von Toledo, welcfaej
To- durch Julian von Toledo ihre dermalige lezte Grestalt erhielt, sie unterlag
Ton
^^' vom Anfange an bis etwa zum Jahre 690 vielfachen Veränderungen,
nach dem Jahre 690, und seit dem Ende der Groth^iherrschaft blieb
sie unverändert, und blieb die Liturgie der spanischen Kirche bis anf
die Zeiten Gregorys VU. Vor Julian hatten besonders Eugen IL und
Ildephons theils die Form der Liturgie verändert, theils neue OfBcien
imd Messen verfasst. An dem Canon der Messe, oder der sogenannten
apostolischen Messe wurde nichts verändert Die Liturgie wurde mit
dem Jahre 400 abgeschlossen. Später lebende Heilige^ wie Augustin,
Hieronymus, Gregor der Grosse, mussten sich mit dem Commune Con-
fessorum begnügen, keiner^ nicht einer, erhielt ein eigenes Officiam.
Der lezte Heilige der mittlem Zeit, der in das Calendarium der moza-
rabischen Liturgie kam, war Thomas von Aquin (f 1274). 68 Feste
haben eigene Ofificien, davon sind 16 Heilige Spanier, die übrigen
Nicht^Spanier, 7 Römer, 3 Afrikaner, 3 Gallier, 5 Orientalen. Nur
') Riitiab 1863—1861, Paatet
Die alte Liturgie. Tairaco nnd Toledo.
497
\e heilige Leocadia von Toledo hat ein Fest mit sechs MitreD, die
>rigen theils mit vier Mitren, theils sind es Feste von nenn Lectionen,
D weiterer Beweis, dass die Liturgie aus Toledo stammt. Diejenigen i>*® ^*-
>€r, welche die Existenz Eugen'^ I. von Toledo, des angeblichen .tammt
^hülers des Dionysius von Paris, vertheidigen, müssen sich doch ver- »"• '^^'
ändert fragen, warum derselbe kein eigenes Officium in Toledo hatte?
efeiert wnrde er, aber nur de Communi Martyrum, am 15. Nov.)
Die Festmessen und Officien, welche die Kirche von Toledo auS
im Festkreise anderer spanischen Kirchen aufnahm, blieben ganz un-
irändert, so die Festmesse der apostolischen Siebenmänner, deren
räfation nur fiir Acci passt, die Festmesse des heiligen Fructuosus
»D Tarraco, worin es u. a. heisst: „Dieser Ort und dieses Volk (von
girraco) ist auf ganz besondere Weise durch die Gegenwart (ihrer)
irwiirdigen Reliquien geweiht.^ In der Festmesse der heiligen Eulalia
>n Barcelona heisst es: „Es ist da jenes hehre Fest der heiligen
alalia, welches wir jährlich zu feiern entschlossen sind, da diese Hei-
;e Bürgerin und Bewohnerin dieser Stadt, den Boden ihrer Vater-
adt auch durch die Ehre des Begräbnisses verherrlichte. Lasst uns
srehren in unserer Hingebung die Mitbürgerin.^ — In der Festmesse
38 heiligen Felix weisen die Worte auf Gerona hin: Felix war ein
friger Kaufmann in dieser Stadt. Das Officium des heiligen Vin-
mtins weist auf Saragossa.
Da die Festmessen der Heiligen der Provinzen Baetica und Lusi-
iDien sichere ortliche Hinweisnngen nicht enthalten, so sind sie viel-
icht alle in Toledo entstanden, zu welcher Ansicht auch der Cardinal
orenzana hinneigt.
3
Litur-
gie.
§.4.
Der erste Bischof von Toledo erscheint im Jahre 306. Wo ein
ischof ist, da pflegt eine kirchliche Liturgie zu sein. Wer hatte das
bcht, den Melantius zu weihen? Woher erhielt Toledo das Christen- Toledo
im? Es gehörte zur Provinz Tarraco. Im Jahre 258 gab es Bischöfe ^^^'^\
Tarraco, Saragossa und Astorga-Leon. Gegen den Süden war racoe.
lledo durch Gebirge mehr abgeschlossen. Von Tarraco, nahm ich
kam das Christenthum und die kirchliche Hierarchie und Liturgie
reder direkt, oder über Saragossa, nach Toledo. Tarraco aber
fielt die Liturgie, wie das Christenthum von Rom, vielleicht im
Uten christlichen Jahrhundert. In dieser Zeit wurde der Gottes-
ist in Rom noch in griechischer Sprache gehalten. In Tarraco
(ste die Liturgie übersezt werden, was einige Abänderungen zur
Ige hatte. Die „Präfation^^ der Messe, im Gallischen „Conte-
kio'^ genannt, heisst im Spanischen: „Inlatio oder Illatio^S was eine
\%mB, epan. Kirche. III. 8. 32
/
^
498 Eeoapitulation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte Band.
genaue üebersezung des griechischen a,«^«' ist. Dieser überse^ten
Liturgie bediente sich der Martyrbischof Fructuosus. Aus der Er n-
nell an dieselbe sprach er am 21. Januar 259 zu de- Cb„ste
Felix der ihn um seine Fürbitte ansprach: ,Ich muss der ka&ohscheu
K che ebgedenk sein, welche vom Morgenlande bis zum Abenmando
fuseebreitet ist.« Er sprach: 7» ments me habere mces^ esteccUsrara
3icl ab Ori^te usque ad Occidentem ^ffusam. Im Kanon der
aCan^hen Messe heisst es aber nach dem S.ncius:^^Ecclenan. san-
\^rZholicam ■ in orationibus in mmte habeamu,- Wie ich, erklär:
P L?e^ bestelle als Beweis, dass diese Liturgie schon un Jahre
Tmrr«o „59 ;„ Tarraco in Uebung gewesen. „ . •
"•'^- In der Commemoration der Lebendigen heisst es: Es bringen
dar das Opfer Gott dem Herrn unsere Bischöfe (sacerdotes), der ro-
^ chrPapst (Papa Romensis), und die übrigen - Tur sich und den
miscne ^^P V i^ __ ^^^ ^^^^^ ^^^ römischen Papstes ist m
rrWoZ ausgesprochen. Er ist der erste Bischof der Kirche ; er
W voTaUen und allein genannt. In Rom kann der Celebraosmch:
Tal: es opfert der römische Papst - sondern höchstens unser Papst.
^Bisch^of. Aber ^ch das WO.: P^^^
nicht aus Gallien, nicht aus Africa, nicht aus Sudspanien. Denn dor
r^ man: Papa romanus, ecdesia romana. Das abnome ^ort:
RomenTis - kommt nur vor in der Provmz: Tarraconensis. Diese:
B^o-Wor^^Udung konnte nur derjenige anheimfallen, an dessen O^en d.
n>i.ch, ^ ° f •„ bestandijj klang, nur der, bei welchem die Provinz.
^ wre'r S T. wX^'er iJ^, diese Endung hatte. Di^s trifll
"Z" bei den Stadt;«: Barcino, Berda, Girona, Leon Astorga und Tarra.
- zu So ist es erklärlich, wie der üebersezer der Liturgie (und ma,
kL an Fructuosus selbst denken) den „Papa Romensis", und nicl
Romanus« in dieselbe brachte. Der „Papa Romensis" blieb auch u
Komanus ^ ^ ^^ dem Canon der Messe gar nicht;
?t'r ^: üTrzer in T^edo - ein „Toletanus" h.tte siehe.-
"^T üefeltg^lr Liturgie aus der griechischen Spradie d^ote
einiee Ausdrücke an. Unser „Sanctus" heisst: ,^os («y«„)' . Un..:
Kvrie ekison" ist eine der lezten Erimierungen d^ auch die rc-
Se Surgie ursprünglich in der griechischen Spr«*e gehalte:
Xde Die Abgestorbenen heissen in der spanischen Liturgie: „pan
wnrae. x^ie ^ » .,. ^ • ^ jUg Uebersezung des griechischen
santes, «P»"*f P»"«'"*'"^ ' %ntsnreoheitd dem Zk^itwort hat de;
navoiUvtov, oder: naveaitimv. Jlintspreoneiiu
Die Liturgie von Tarraoo -Toledo. Isidor Aber die Liturgie. 499
Uebersezer das Wort: „pausatio** — „Ruhe im Tode oder im Grabe" ^^bitto
gebildet. In der Festmesse der heiligen Eulalia am 10. December Abge-
wird gebetet für die Todten nm: (et defunctis) eterne paasationis so- «'o'^e-
latiam. In der Messe des Papstes Clemens (L) bitten sie: „pro spi*
ritibas fideliam reqniem defunctoram^; in der Messe der Erscheinung
Christi beten sie: „refrigerium quietis defanctis accumnla^. In der
Messe der Siebenmänner wird gebetet: „pro defunctis omnibns"; ebenso
in den zwei Messen der heiligen Jnsta und Rnfina. In der „aposto-
lischen^ Messe heissen die Todten „pausantes^, im Jahre 306: „Sancti",
später gewohnlich „defuncti''. — Die tägliche Messe heisst: „Missa
cotidiana Romensis^, d. i. der Canon der Messe, der von Rom kam. —
Die Diaconen heissen in der Liturgie „diaconi^, ebenso auf der Synode
zu Elvira — 306; im Jahre 400 und später heissen sie diacones (aber
die beiden Diaconen des heiligen Fructuosus heissen auch schon
diacones).
Die Liturgie der drei nördlichen Provinzen leite ich von Tarraco
her, wohin sie vor dem Jahre 259 aus Rom gekommen, aber in Spa-
nien war iibersezt worden. Es ist aber wahrscheinlich, dass dieselbe
Liturgie aus Rom schon früher nach Sudspanien gekommen^ weil hier ^^^^^^
das Christenthum schon im ersten Jahrhundert in den obengenannten Bpanien.
Städten, und wohl auch in Sevilla und Cordova eingeführt wurde.
Die Liturgie der Provinz Baetica ist uns aber nicht bekannt. Isidor
von Sevilla sagt in seiner Schrift: „über die kirchlichen OfScien^, dass
die Responsorien aus Italien stammen, dass das „Allelnja^ in Spa-
nien, ausgenommen die Fastenzeit, das ganze Jahr hindurch gesungen
werde, „nach der alten spanischen Ueberlieferung^. „Die Ordnung
der Messe aber und der Orationen, durch welche das Gott darge-
brachte Opfer consecrirt wird, ist zuerst von dem heiligen Petrus ein-
geführt worden, deren Feier zu einer und derselben Zeit der ganze
Erdkreis begeht." Die apostolische Messe hat also auch Spanien aus
Korn erhalten. Ihre Beschreibune: bei Isidor weist einige Verschieden- ^""^"^^^ ^
gevlila
heiten von der nordspanischen auf. Sieben Orationen zählt Isidor^
sieben hatte auch Toledo, die Beschreibung im Einzelnen passt aber
nicht ganz. Auf eine nähere Beschreibnng der heiligen Messe geht
Isidor nicht ein. Ueberhaupt enthält sein Werk wenig, was nicht
anderwärts bekannt wäre. — Leander von Sevilla hat nach dem Zeug-
nisse IsidoT^s fast die ganze Liturgie neu bearbeitet. Braulio zählt
alle ihm bekannten Werke Isidof^e auf; die Meinung aber, dass Isidor
die gothische Liturgie bearbeitet habe, kam im späten Mittelalter auf.
Der zweite Canon der vierten Synode von Toledo verordnet: In Cnnonii
ganz Spanien und Gallien (soweit es zu Spanien gehörte), soll eine und g' ^^^^^'
die gleiche Art des Psallirens, ein Ritus bei der Messfeier, der Vesper und v. jahra
Matutin beobachtet werden. Dieser Canon bedeutet nicht die Einfuhrung ^''
32*
500 RecapitaUtion des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte Band.
einer nenen Liturgie, sondern, dass namentlich Galicien (vielleicht anck
Gallien) den Ritus der übrigen Kirchen annehme. Auch Dr. He.ftlt
tritt dieser Ansicht bei (Concil. Gesch., 2. Aufl., 3. Bd., 1877, S- 8U.),
indem er sagt: „Garns bestreitet die Meinung, dass durch diesen Canon
die mozarabische Liturgie in Spanien entstanden sei. Der Canon ver-
ordnet ja nicht die Einfuhrung einer neuen Liturgie, sondern will, das^
die in dem grossten Theil des Westgothenreichs bestehende Liturgit
auch in den übrigen Theilen durchgeführt werde.^
Meine Ansicht über den Ausgang der „mpzarabischen Messe"*
aus Toledo theilt auch Herr Eug. Stern, (protestantischer) Pfarrer in
Bischweiler, da er mir am 6. Januar 1878 u. a. schrieb: „Ich habe
die vier erschienenen Bände (der spanischen Kirchengeschichte) nicht blobs
durchgelesen, sondern durchgearbeitet, und ich stehe nicht an — ^ u. s. w.
„Es ist Set. Pauli Reise nach Spanien, und ihr Yerhältniss zur
mozarabischen Messe, das mir besonders schwierig war. Diese moz-
arabische Messe ist, wie ich völlig mit ihnen übereinstimme, die Mes^f
der Stadt Toledo; sie hat sich im Lauf von sechs Jahrhunderten zu
der Gestalt ausgebildet, in der wir sie gegenwärtig haben. Sie ist dub
wichtigste Document für das kirchliche und religiöse Leben Spaniens
in ihrer (seiner?) ersten Entwicklung: — sie enthält wichtigere ältere.
ja ganz alte Bestandtheile — diess Alles halte auch ich für völlig be-
gründet.^ Und später:
„Darf ich vielleicht das Bedauern ausdrücken, dass Sie nicbi
in allen Stücken mit der Freiheit des Geistes und Loslösung von ge-
heiligten historischen Traditionen vorangegangen sind, welche ich und
noch andere in Ihrem Urtheil über Eugenius von Toledo, und beson-
ders über Set. Jacobus bewunderten.^ (Es folgen weitere Lobsprücbe.'i
— In einem spätem Briefe kommt Herr Pfarrer Stetm auf dasselbe
Thema zurück, und sagt, dass man keinen sichern historischen Boden
^'® unter den Füssen habe, bevor nicht alle Codices der altspanischen
Codices Liturgie zur Einsicht uns vorliegen. Das meine ich, und meinte auch
der LI- p^ Burid im vorigen Jahrhundert. Aber ich furchte, dass wir die
„an. Herausgabe dieser Codices nicht erleben werden, weil der spanische
edirt«. ^]Qj.|]g seine alten Einkünfte verloren hat, und weil auch der Regierung
die Ausgaben für dieses Werk zu gross sein düriten. Ich gestehe
gerne ein, dass ich den überzeugenden Beweis nicht gefuhrt habe, dass
die römische Liturgie vor dem Jahre 259 nach Tarraco kam, und dort
in das Lateinische übersezt wurde. Sicherer scheint mir zu sein, dass
die Liturgie von Tarraco nach Toledo kam.
Freund Auch mein jüngerer Freund Joh. PiUZj zur Zeit Kaplan in Vclbui g
^^°' (B. Eichstädt), früher beschäftigt mit Studien über den ürsprimg der alten
kölnischen Liturgie, hat meine „Studien^ über die altspanische Liturgie
mit grossem Interesse verfolgt, und wurde^u. a. von dem Saze frappirt:-
Alte Liturgie. Toledo and Rom. 501
!a88 man in der alten spanischen Liturgie Tielleiclit noch Bestandtheile
er ältesten romischen Liturgie finde.
§. 5.
Im Jahre 1862 habe ich auch die Frage von dem Ursprünge der
^genannten Yetus Itala, oder lateinischen Bibelübersezung vor der
Vulgata^ behandelt* Seitdem ist über diese Frage eine kleine Literatur
[-wachsen. Damals befand sich die Ansicht, die „Itala^ sei in Italien,
iebt in Afrika^ entstanden, in grosser Minderheit. Heute befinden sich
ie Vertheidiger des afrikanischen Ursprunges der „ItaW^ theils in der
defensive, theils auf dem Rückzuge. Die „Itala" ist in Italien ent-
banden. Die Zeit, wann? — wusste auch Augtutinus nicht. Ihre
leimath ist sehr wahrscheinlich — Rom; da aber diess noch nicht
ewiesen ist, Augustinus es auch nicht wusste, so begnügen wir uns zu
Igen: sie entstand in Italien, und neben ihr gab es zahlreiche andere
fcbersezungen; ihr aber gibt Augustinus vor allen andern den Vorzug^).
§. 6.
Von der spanischen Liturgie bin ich zu dem wenig erquicklichen di
e
Kirche
vou To-
Lapitel 12 des achten Buches übergegangen: Die Kirche^ von Toledo
od die Kirche von Spanien, S. 210—222. Die Kirche von Spanien ledo
od die Kirche von Rom, S. 222—238. Ich habe nachgewiesen, dass ^^^^^^^
er Primat über alle Bisthümer Spanien's, den Julian im Jahre 681 ▼. spa-
archfohrte, eine durch nichts gerechtfertigte Neuerung war. Weder ''*'^°'
i Spanien, noch in andern Ländern hatte man bis jezt einen solchen „^^ ju.
rimat gekannt, der alle kirchliche Gewalt in allen Bisthümem des ii&>^*<i
eichs in die Hand eines einzigen Mannes legt. Dieser Primat trug im ^^^
^eime sowohl die Losreissung von Rom, als auch die Erhebung gegen
*) Ans Anlass meiner Abhandlung hat ein 0. behauptet, ich habe meine
orsohnngen Aber diese Frage aus dem Lexikon von Klotz „herausgeforscht. ^ 0. wird
Der der grOflsten Forsoher aller Jahrhunderte sein, sobald er aus obigem Lexikon
leraosgeforsoht* haben wird, dass der lateinische Irenaus, der lateinische Hirte
'S HermaSy das sogenannte Fragment des Muratori, die Vüter von Elvira, nnd dass
srtollian, mit welchem ich obige Schriften verglichen habe, um zu zeigen, daas
r Latein ebenso „afrikanisch^ gef&rbt sei , wie das des TertuUian, dass, sage ich.
ese Schriften dem Verfasser obigen Lexikons als Quellen gedient haben. Aus
aem andern Gmnde bin ich aber 0. nicht wenig dankbar. Ich habe meine» Feder
e „kühnen^ Worte entfliessen lassen: „Ich könnte ein Buch schreiben^ (tlher die
ala). So oft mein Auge auf diese Worte fiel, ärgerte ich mich an ihnen. 0. hat
ch gleichfalls an ihnen mit Kecht gestossen. Ich widerrufe nun feierlich die
^orte: „Ich könnte ein Buch schreiben"; und ich rufe ebenso feierlich: „loh könnte
nn Buch schreiben."
502 Eecapitnlation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte Band.
das Königtham in sich. Schon Sisbertos^ der nächste Nachfolger des
Julian (f 690), war nicht zufrieden mit der Gewalt eines Universal-
bischofes von Spanien. Er wollte den König Egica, dem er seine Er-
hebung verdankte, stürzen, nicht bloss so, wie Erwig, der den Julian
seinen ;,Primat'^ durchfuhren Hess, den Wamba gestürzt hatte. Er
wollte den König, die Königin^ die Söhne und die Töchter des Königs
durch Mord aus dem Wege räumen. Die Synode vom Jahre 693 wirft
ihm „superbia^^ und „peijurium^^ vor. Sein Plan wurde entdeckt, er
selbst abgesezt und verbannt Sein späteres Schicksal liegt im Dunkel.
Dass aber schon der zweite Primas ein so schreckliches Ende nahm,
spricht nicht für die Grüte dieses Primats.
Eagoni. Schon Eugcu I. von Toledo, Erzbischof seit Januar oder Februar
Toledo. 636, schrieb zum Antritte seines Amts an Isidor, und sprach seine
Bedenken gegen den römischen Primat aus. Ihm antwortete Isidor kurz
vor seinem Tode: „Obgleich die Würde seiner (Christi) Gewalt auf
alle katholischen Bischöfe übergegangen ist, so bleibt sie doch durch ein
besonderes Privilegium dem römischen Oberhirten, als dem Haupte, da5
erhabener ist, als die übrigen Glieder, bis zum Ende der Zeiten in
ausgezeichnetem Grade. Wer ihm also nicht in Ehrfurcht den schul-
digen Gehorsam leistet, der trennt sich von dem Haupte, steuert dem
Schisma der Akepbaler zu, und ihn treffen die Worte in dem Symbol
des Athanasius: 9,Wer dieses nicht treu und fest glaubt, der kann
nicht selig werden.^^
Wenn Isidor noch im Jahre 638 gelebt hätte, so hätte Brauli*
von Saragossa sicher nicht jenen zomglühenden Brief an Papst Hono |
rius I. geschrieben, den wir S. 224 — 227 mitgetheilt haben. — Eine
jQiian's ^^gar wenig höfliche Sprache'^ des „Primas^^ Julian, kaum dass t-
^J^' seinen Primat im Jahre 681 „(lir die ganze Ewigkeit der Zeiten'^ fest^
gestellt hatte, gegen die Päpste geführt, haben wir auf S. 233 — 2r>.'|
erzählt.
§. 7.
Wie die spanische Liturgie nur zunächst die Liturgie der Kirch
von Toledo war, so war, nach meiner Ueberzengung, die „CoUecti
Canonum Hispana^ in Toledo, zum Zwecke einer historischen Be^
gründung der Machtansprüche Toledo's angelegt. Die Sammlung selb^
bestand schon um das Jahr 632, sonst hätte Isidor von Sevilla nioh
ein Kapitel aus derselben in seine „Etymologieen"^ aufnehmen konm^D
die im Jahre 632 schon vollendet waren. Ich kann aber die Arga^
mente für meine Ansicht nicht wiederholen. Bisher hat Niemand aucl
nnr wahrscheinlich gemacht, dass Isidor irgend einen Antheil an dei
Sammlung gehabt. Ich habe mich für Toledo als den Ort ihrer Ent«
stehung ausgesprochen, und dafür spricht u. a., dass diese SammlunJ
Die alte
€k)lle<
nonum.
Toledo und Spanien. Felix Dahn über interpolirte Akten der Sammlnng. 503
ie Synode von Emerita ▼cm Jahre 666 nicht enthält, welche zu einer
eit gehalten wurde, wo man in Toledo nicht den Muth fand, den
Unmuth^ des Königs Receswinth in seiner spätem schlimmen Zeit zu
rtragen^). Ich habe femer mein^ Ansicht dahin ausgesprochen, dass
Bischof Aurasius von Toledo im Jahre 6!0 — 611, und der Primas-
Julian die Urheber dieser Sammlung seien. ^
Auch Felix Dahn hat (thcils vor theils nach mir) seine Ueber-'
Zeugung ausgesprochen, dass einige Bestandtheile der Collectio Ca-
non um interpolirt oder unterschoben seien*). Er hält die Akten deretio c*-
Synode von Toledo vom Jahre 610 für entschieden falsch; 1) weil die
Sprache entschieden abweiche von den ächten Schriftstücken der Zeit
vom Jahre 610. 2) Zwei Absäze des Textes seien so geschrieben, wie
man dazumal nach Allem, was wir wissen, in Spanien nicht schreiben
konnte. Die Akten werden verdächtig durch das entschieden falsche An-
hängsel der drei Bittschriften, welche in übrigens viel schlechterm Latein
vcifasst seien. Jedenfalls sei der hier genannte Aemilianus unvereinbar
mit dem in den Akten der Synode aufgeführten Jacobus von Mentcsa.
Auch die Gründe für die Unechtheit des sogenannten decretum
Gundemari scheinen dem Fdix Dahn „überwiegend^. Verdächtig sei,
dass sich Gundemar das sonst unerhörte Praedicat „majestas nostra^'
beilege ; niemals begegnet sonst dieses Prädikat bei den Gothenkönigen.
Auffallend sei die historische Gelehrsamkeit des „Decrets^^ Die Unter-
schrift des Isidor von Sevilla sehe ganz nach der Absicht aus, mit der
Auktorität dieses Namens zu wirken. Endlich fällt am meisten auf,
dass gleichzeitig mit den 15 Bischofen der (Provinz) Carthaginiensis
noch 4 Metropolitane und 22 Bischöfe aus dem ganzen Reich, also
fast der ganze spanische Episcopat vollzählig, am Hoflager sich be-
fanden haben sollen, während doch feststeht, dass ein Reichsconcil
unter diesem Eonig „nicht gehalten wurde^^
Wenn nun Felix Dahn Recht hat, wenn der lezte Sammler der
Collectio, welcher unbestreitbar Julian von Toledo war, falsche oder
interpolirte Schriftstücke in die Sammlung aufnahm, offenbar nicht,
um den Vorrang Toledo's herabzudrücken, so habe ich auch nichts
sonderbar Ehrenrühriges gegen ihn oder seine Mithelfer gesagt, wenn
ich behauptete, dass der oder die Sammler das Wort : Johannes, Bischof
ron Tarraco absichtlich in: Johannes, Bischof von Dici (Illicitanae eccle-
siae), vor Allem aber, dass der oder die Sammler den Brief des Papstes
[nnozenz L vom Jahre 404 absichtlich oder tendenziös verstümmelt
*) Qnia non erat adanandomm pontificam olla praeceptio (i. e. regia). Weil
Eteceswinth nicht befahl, es sollten Goncilien gehalten werden, so wurden auch
18 Jahre) keine gehalten, aus Furcht, ihm zu missfallen.
*) Könige der Westgothen, 1870, S. 175, VJL (440.)
504 Recapitniation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte Band.
habe. Nur den ersten Theil der Einleitung theilt der Sammler, und
diesen willkürlich verändert, mit. Sodann lässt er das ganze erste
^^^' Kapitel mit vier Abschnitten , sowie das zweite Kapitel ganz ans.
sei nndTrozdem hat er, um glauben zu machen, dass er die ganze Decretale
AnsiHs- Qiitgetheilt, auch seinen Auszug in sechs Abschnitte getheilt, wie sie
darin, ^ic «Kchte Dccretale enthielt. Es ist lächerlich zu sagen, er habe nur
das Unwichtige ausgelassen. Haben denn die übrigen 103 Stucke der
Sammlung lauter Wichtiges enthalten, weil er dieselben unverändert
mittheilt^ und nur diese Decretale unwichtigen Ballast? — AberBischot
Hilarius, der in Jahren 400 — 404 in Rom Klage führte über die trau-
rige Lage der Kirche in Spanien^ war sehr wahrscheinlich Metropolit
der Provinz Carthaginiensis , und jedenfalls nicht Bischof von Toledo
(dieser war vielmehr Asturius, der neunte Bischof von Toledo), und
es sollte vergessen werden, dass es eine Zeit gegeben habe, in der
Toledo nicht Metropole gewesen.
' §. 8.
Die Ml- In ^^m Kapitel über die Kezerei der Migetianer habe ich gesagt,
ner. es scheiuc mir wahrscheinlich, dass das dem Elipandi^s zugeschriebene
„opusculum^ gegen sie eine Arbeit des Orientalen, „des Bruders Me-
litOy oder Milita^ sei, und dass von Elipandus nur die kräftigen Schimpf-
worte herstammen, in deren Handhabung er eine ausgezeichnete Vir-
tuosität erlangt hatte.
In dem Kapitel „Die Adoptianer^, neuntes Buch, drittes Kapitel
EUpon. (261 — 298), habe ich zweierlei beweisen wollen. Erstens die „Brüder*
da» der yQQ Cordova , d. i. die dort mit den Arabern eingewanderten Nesto-
tianeru. rianer haben den Elipandus zu ihrer Irrlehre gebracht und verfuhrt,
Bruder q^^ f^j. \)^j,q Zweckc die mozarabischc Liturccie ausgebeutet, in der
sie einzelne missverständliche Stellen für ihre Häresie fanden. Der
Adoptianismus ist demnach reiner Nestorianismus. Eigentlicher Ur-
heber desselben ist der Priester j^Milita^^j der dem Elipandus wieder-
holt „vier Quaternionen^^ Schriftstücke zusandte. Derselbe ist Ver-
fasser der Chronik, die den Namen des „üfeZiVo^^ trägt, und sehr wahr-
scheinlich auch Verfassev jener Chronik^ die bis zum Jahre 758 reicht,
bis zur Herrschaft der Ommajaden in Spanien, und den falschen Namen
des Isidor von Face trägt, der nachweisbar niemals existirt hat. Dass
diese Chronik nur in Cordova geschrieben sein konnte, hat auch
R. Dozy nachgewiesen. Es hat aber dem Bruder ,yMelito^^ gefiedlen,
die Chronik nicht über das Jahr 758 fortzusezen, weil er einerseits
die Behandlung der Christen unter den Chalifen nicht loben konnte,
aber auch nicht tadeln wollte, weil er unter ihrem Schuze leben musste.
Ein liebliches Kapitel ist das über: „Die Bekenner und die
Die Jacobua- Frage« Heilige Leiber verloren und wieder gefunden. 505
Märtyrer von Corduba" (839—864), S. 299-^338; aber ich wusste in ^
demselben nichts Neues vorzubringen. Gleichzeitig mit mir bat Graf rer von
Wolf. Wilh. Baudüsin erscheinen lassen : „Eulogius und Älvar. Ein cordub«
Abschnitt spanischer Kirchengeschichte aus der Zeit der Maurenherr- 864).
Schaft/^ 213 S.S., Leipzig, 1873. Das Buch ist mit Wärme geschrieben.
Aber auch hier habe ich nichts gefunden, was nicht aus Florez schon
bekannt vear. -^ Es folgt (5. Kapitel :) Das Reich Asturien (Leon) und
die spanische Mark im neunten Jahrhundert (S. 339 — 360, vro der im
Jahre 799 — 82jährige Elipandus und der vielleicht auch 82jährige
Bruder „Milita^^ noch einmal neben einander erscheinen.
Es folgt das zehnte Buch. Jacobus, der Apostel und Patron von
Spanien. Von Compostella nach Toledo (Jahr 900 — 108;)) , und als
erstes Kapitel: Jacobus der Aeltere, S. 361 — 396. — Es ist mir keine
Beurtheilung der von mir aufgestellten Hypothese zu Gesichte ge-
kommen. Ich sagte aber, von der Zeit von 521 n. Ohr. bis 756 ist
meine Behandlung der Frage Theorie oder Hypothese, vom Jahre 756
an aber ist sie beglaubigte Geschichte. Dass der Leib des heiligen ^^^ ^*
Jacobus in den Jahren 521 — 525 in das Erlöster Raithu von Jerusalem jn
in ähnlicher Weise gebracht vfurde, vrie der Leib der heiligen Catha- ^***^^^
rina von Alexandrien nach Sinai gebracht veurde (wofür man den
Alexandrinern zur Beschveichtigung ihres Unv^illens den Leib des hei-
ligen Antonius aus der Thebais zuführte), ist meine Yermuthung, die
ich nicht beweisen kann. Die Spanier sagten, der Leib des Heiligen
sei in einer halben Stunde „per ratem^^, mittelst eines K^nes vom
Hafen Joppe nach Ina- Compostella sogleich nach dessen Tod im
Jahre 41 gekommen. Ich glaube, „ratis^, der Kahn, ist ein Missver-
ständniss, das aus „Rathensis^ entstand. Die drei Mouche: Athana-
sius, Theodor und Petrus „Rathensis'' (eigentlich sollte es heissen
Kaithuensis, oder auf alle drei bezogen, Raithuenses) brachten den Leib
des heiligen Jacobus aus Kloster Kaithu zuerst nach Saragossa, wo er
in der unterirdischen Kapelle der Kirche jidel Pilar^ ruhte und ver-
ehrt wurde, bis er zur Maurenzeit nach Galicien gebracht wurde«
Im Jahre 1874 hatte ich keine Meinung über die Richtung des
Weges, ob zur See oder zu Lande, die sie eingeschlagen haben, und
habe auch im Jahre 1879 keine Yermuthung. Im Jahre 1874 hatte
ich eine Yermuthung über die Zeit der Uebertragung, dass sie nämlich
in den Jahren 700 — 711 geschehen sei, habe aber diese Yermuthung
aicht ausgesprochen.
Jezt aber spreche ich sie aus, da man im Februar 1879 nach
tagelangem oder wochenlangem Suchen den Leib des heiligen Jacobus
in der* Kirche von Compostella gefunden hat, und neben demselben
die Gebeine oder doch Gräber seiner beiden Jünger, d. i. nach meiner
AnaicJit der beiden Mönche Theodor und Athanasius aus Raithu,
506 Reeapitnlation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte Band.
Petrus Rathensia kann vorher gestorben, oder auch nach Braga sieb
begeben haben. Die Bracarenser hielten oder halten ihn für ihren
ersten Bischof, wie man den Athanasins und Theodor für die ersten
Bischöfe von Saragossa gehalten hat.
Im Allgemeinen ist die jüngst erfolgte Wiederanffindung der Ge-
beine des heiligen Jacobas eine Bestätigung der von mir aufgestellten
in Sara- Thcorie. Wcuigstens zweimal hatte man aber das Grab des heiligen
compo- JACobns vergessen und verloren, nämlich in der Zeit von 756 bis 829,
«taiia. mi(] dann wieder in neuerer Zeit Ein solches Vergessen und Verlieren der
Gräber der Heiligen kommt in allen Jahrhunderten und kommt sehr häufig
vor. Man denke an den Leib des heiligen Augustinus in Pavia, au die
Leiber der heiligen Protasius und Gervasius, der Märtyrer von Mailand,
deren Leiber der heilige Ambrosius wieder aufgefunden, und bei denen
er begraben werden wollte. Noch nicht hundert Jahrewaren seit dem
Martyrtode der heiligen Justus und Pastor verflossen, und erst nach
langem mühevollen Suchen fand der Bischof Asturius von Toledo
(c. 388) ihre Gräber, und begrub dortPauIinus von Nola — um 391 — 392
— seinen Sohn Celsus. — Erst nach langem Suchen konnte der Leib
des heiligen Marcus, den sich die Venetianer eigentlich auf Schleich«
wegen erworben hatten, in der Marcuskirche wieder aufgefunden
werden.
Die Gebeine des heiligen Franciscus von Assisi waren im Jahre 1230
in der Kathedrale beigesezt worden, seitdem aber nicht mehr gesehen
Der worden. Nach einer Arbeit von vielen Tagen wurde der steinerne
heiugtr^arg aufgefunden, in welchem der Leib des Heiligen ruhte. Am
Franz. 5. September 1820 erliess Papst Pius VIL ein Breve, durch welches
Auiri. ^^ entschied, dass die Identität des Leibes für hergestellt zu erachten
sei ^). — Man fühlt sich zu der Behauptung versucht, dass im Laufe
der Zeiten die Grabstätte der Mehrzahl der Leiber der Heiligen ver-
gessen wurde. In keinem Falle wäre der Schluss ein berechtigter,
dass der Leib des heiligen Jacobus desswegen nicht in Compostella
ruhe, weil der Ort seines Grabes seit so langer Zeit vergessen war.
Der in unsern Zeitungen ohne Datum, aber wohl im Februar 1871*
erschienene Hirtenbrief des Erzbisohofs Paya y Rico theilt mit, dass
man nach langem Nachgraben in einem Gewölbe unter der Sacrisui
das Grab des Heiligen und seiner zwei Gefährten gefunden, dass bei
dem AufBnden einer der Arbeiter gerufen habe: Ich sehe nichts mehr,
und zeitweiliger Betäubung verfallen sei. Spätere Nachrichten sind
mir nicht zu Gesichte gekommen.
») Das Breve steht bei CappeUetH, le Chiese d'Italia, t. V., 1846, p. 170— 18J,
und iD BuUarii Romani Continuatio von (1758-1884), t. XV., Rom. 1853, p. 821—32:.
Verlorene und wieder gefundeoe heilige Leiber. Sinai und B«ithn, e. 700. 507
Ich bin aber darch die Thatsache der Auffindung, an der ich
nicht zweifle, in einer Yermuthung über die Zeit der Uebertragung
aus Raitha nach Saragossa bestärkt worden, die ich jezt erst ausspreche.
Nach den Annalen des Patriarchen Entychius von Alexandrien ^) baute
Kaiser Justinian den Mönchen am Sinai eine Kirche zu Kolzum (Suez),
ein Kloster zu Rayeh {nach Ritter Raithu)^ und ein Kloster auf Sinai,
so fest, dass kein Kloster in der Welt fester wäre.
Justinian's Legat baute in Kolzum die Kirche des heiligen Atha-
nasius, und das Kloster Rayeh. Das Kloster auf dem Sinai baute er
bei dem Dombusch (des Moses). Zweihundert Sklaven mit Weibern
und Kindern sandte er eben dahin zum Schuze und zum Dienste der
Mönche. Der Ort, wo die Sklaven wohnten, hiess noch 956 Deir-el-
Abid (Kloster der Sklaven). — Diese Sklaven mehrten sich sehr; unter
ihnen verbreitete sich der Islam — , um 700 unter dem Chalifen Merwan;
sie fielen über einander her, und tödteten sich.^ Viele wurden er-
schlagen, viele flohen, andere bekannten sich zum Islam. Ihre Nach-
kommen waren noch um 950 Muhamedaner und hiessen ,|Knechte des
Klosters".«)
In dieser Zeit der allgemeinen Verwirrung und Auflösung nun,
vermuthe ich, nahmen die drei mehrerwähnten Mönche (genannt Ra-
thenses, von Raithu) den Leib des heiligen Jacobus und brachten ihn
nach Saragossa, wo er in der Kapelle del Pilar nur wenige Jahre
ruhte. Man erwäge, dass spanische Pilger stets nach Palästina und
auch zu dem Sinai wallfahrteten , dass die Rückreise über Aegypten
gieng n. s. w., und dass also die drei Mönche sichere Wegweiser hatten.
Im Jahre 714 wurde Saragossa von den Mauren erobert, der
Leib des heiligen Jacobus, wie fast alle Reliquien, nach Asturien in
Sicherheit gebracht. Dahin brachten ihn zwei seiner ,,Gefährten^,
d. h. die Mönche Theodor und Athanasius. Sie wurden an dem Orte,
der später Gompostella heisst, neben dem heiligen Jacobus begraben,
der wenigstens bis zum Jahre 756 allgemeine Verehrung genoss, und
zu dessen Ehre Kirchen in Galicien gebaut wurden. —
Die spätern Ereignisse bieten mir keinen weitem Stoff zu Nach-
trägen. (Ich kabe nirgends eine Beurtheilung meines Versuches der
Lösung der Jacobus-Frage gelesen).
*) Eutychü annales, bis 956 — ed. Pocoeke, Oxford, 1658, t. II, 160-168. —
Migne, Patr. ^rraeca, t. 111, Parle, 1863 (p. 161, p. 1071—1073).
*) Carl Ritter, Geogr. Bd. Vlll. Die Sinai-Halbinsel, Berl. 1818, p. 15—25.
508 Uecapitulation des ganzen Werkes. Drittes Kupltel. Der dritte Band.
§. 9.
oaieii. j^^ Schlasse des dritten Bandes habe ich das nenentdeckte von
der d«8
Biteh. Simonet im Jahre 1871, von B. Do9y im Jahre 1873 veröffentlichte
mund"v «Calendariam" des Bischofs Recesmund von Elvira-Granada^ genannt
j. 961. „Calender von Cordova. vom Jahre 961", mitgetheilt, aus dem wir er-
DieMo-^^^^^9 welche Feste die mozarabischen Christen unt^r der Herrschaft
■«raber der Maurcn im Jahre 961 begiengen, und in welchen Kirchen diese
g^,^ Feste vorzugsweise begangen wurden. Zugleich sieht man mit Vergnügen
aus diesem Calender, dass sich die Christen der ungestörten Ausübung
ihres Glaubens erfreuten, und dass die Kirche von Cordova blühte,
wie sie hundert Jahre vorher geblüht hatte. Wir ersehen aus dem
Calender, dass die Christen im zehnten Jahrhundert die ^^apostolischen
Siebenmänner" wenigstens ebenso verehrten, wie die Spanier der alten
Zeit. Sie feierten ihnen zu Ehren eine ununterbrochene Festoctave
vom 27. April bis 3. Mai. Den 27. April nannten die Christen „die
sieben Apostelschüler ^; zum 1. Mai heisst es: Fest des Torquatus und
seiner Gefährten; sie sind die sieben Boten. Seine Festlichkeit ist
(besonders) im Kloster Gerisset und dem Ort Keburiene (vor allem
sicher in Guadix). 3. Mai: Diess ist der lezte Tag, welchen die
Christen die „sieben Boten" pennen. — Man hat gesagt, da die Tbat-
sache von den Siebenmännem nur auf die Liturgie sich stüze, so sei
diese einzige Stüze doch zu schwach.
Genauer betrachtet stüzt sich dieselbe auf eine siebenfache Liocal-
Tradition. Die Nachricht, dass Secundus in Abula, Indaletius in Urci,
Ctesiphon in Vergium, Caecilius in Elvira, Eaphrasins in Uliturgi,
Hesychius in Cazorla gestorben seien, stammt nicht aus Guadix und
nicht aus der Liturgie. Nach Guadix vielmehr gelangte die Nach-
richt aus den obengenannten sechs Orten. Sechs Bäche bildeten za
Guadix einen Fluss; von Guadix aber gelangte der Bericht in die
viele tt Lituririe von Toledo. Es lässt sich historisch nachweisen , dass in
V» vielen
Selten füuf dicscr Orte die Tradition fortdauerte und bis heute fortdauert.
Nach- }fuf JQ Ahvlaj dem kleinen Orte, haben sich keine Erinnerungen er-
über die halten. Vielleicht ist dort das Christenthum zur Maurenzeit völlig
«sie- verschwunden. Eliivrgi ist gleichfalls untergegangen; wir wissen aber,
mxn. dass dort im Anfang des siebenten Jahrhunderts eine Kirche zu Ehren
B«r^ des heiligen Euphrasius gebaut wurde.
Zweitens die Nachricht von den Siebenmännem steht in dem
ältesten römischen Martyrologium. Wer kann beweisen, dass sie aus
der spanischen Liturgie dorthin gekommen sei? Das Martyrologium
kann ebenso aus einer andern Quelle geschöpft haben. — Drittens,
dem Gregor von Tours war der Bericht über die Siebenmänner bekannt,
Die Siebenm&nner. 509
denn er wollte seinem ,,Gallieii'^ auch apostolische Siebenmanner vin-
diciren. Was die feigen Gothen, die nach ihrer Gewohnheit (vor) den
tapfern Galliern den Rücken wandten und flohen , erhielten, warum
sollten es nicht auch die täpfern Franken erhalten haben, die ein Jahr-
hundert früher Katholiken waren? Man kann aber nicht beweisen, dass
Gregor seine Nachricht ans der spanischen Liturgie schöpfte.
Zu obigen sind nun aus der Zeit von 1862—1879 — vier weitere
Anhaltspunkte für den Beweis gekommen. Erstens die Lage von Elvira-
Granada ist endgiltig festgestellt. Daraus geht u, a. hervor, dass die
Kirche von Granada apostolischen Ursprungs ist, und dass, wenn die
erste uns bekannte spanische Synode im Jahre 306 dort gehalten
wurde, die spanischen Bischöfe einer apostolischen Kirche eben den
Vorzug gaben. Zweitens ich habe sehr wahrscheinlich gemacht, dass
der Bischof Felix von Acci im Jahre 306 zu Elvira desswegen präsi-
dirte, weil er Bischof des der Zeit nach ältesten Bisthums in Spanien
war. So lange der von mir versuchte Beweis nicht widerlegt ist, halte
ich denselben aufrecht, und folgere, dass die Bischöfe Spanien's im
Jahre 806 über die apostolischen Siebenmänner dasselbe glaubten und
festhielten, was die alte Liturgie berichtet. Drittens — man hat im
Jahre 1872 die wahre Lage von Urci-Pechina entdeckt.* Urci lag da,
wo man im Jahre 1085 den Leib des heiligen Indaletius suchte und
fand. Also war hier eine von c. lOO bis 1085 fortlaufende gleiche
Tradition; also behält die Kirche von Almeria Recht, deren Bischöfe
von jeher in dem nahen Pechina Besiz von ihrem Bisthume ergreifen.
Hier also reicht eine gleichmässige Tradition vom Anfange an bis zur
Gegenwart. Viertens die Auffindung und Herausgabe des Festcalenders
des Bischofs Recesmund vom Jahre 961 zeigt die ununterbrochene Verehr-
ung der Siebenmänner in ganz Südspanien. Dass diese Verehrung nur
oder vorzugsweise aus der Liturgie der Gothen (d. i. von Toledo) ent-
sprungen sei, ist mehr als nur unwahrscheinlich. Diese Verehrung ist
alter, als die Liturgie. Sie kam aus dem kirchlichen Leben , aus der
von Anfang an bestehenden kirchlichen Festfeier in die kirchliche
Liturgie. Die sieben apostolischen Kirchen in Spanien feierten ihre
Siebenmanner, bevor es eine (gesammelte und abgeschlossene) Liturgie
;ab. Vom ersten Jahrhundert hie zum Jahre 961 flieset der breite Strom
i&r Verehrung der Siebenmänner durch das ganze südliche Spanien.
ingesichts dieser Thatsachen dürfte es nicht mehr richtig sein, dass
lie alte spanische Liturgie die einzige Quelle sei, aus welcher der
Bericht über die Siebenmänner fliesse. (Niemand aber hat in der alten
Seit oder im Mittelalter eine Kirchengeschichte von Spanien geschrieben.)
510 BecapituIatioD d. ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte a.fflnfta Band.
Viertes Kapitel
Der vierte und fünfte Band — 1876—1879.
§. 1.
Der vierte Band bietet mir zu wenigen Bemerkungen Anlass.
D«rPri. j)ej. zweite Toletanische Primat vom Jahre 1088 bis zum Jahre 1851?
xnstvoin
Jahre hat mit dem ersten nichts als den Namen gemein. Mehrere römische
1088. Papste mühten sich vergebens ab, dem zweiten Primat die Anerken-
nung zu verschaffen. Es gieng nicht; denn Compostella hatte sich
emancipirt, und wollte den Primat von Toledo nicht anerkennen. Braga
aber war Metropole von Portugal, wie Tarragona Metropole von Ära-
gonien-Catalonien war. Das Kirchliche war vom Politischen nicht zu
trennen. Drei getrennte Königreiche giengen nicht unter einen Hut.
Die grossten Päpste, Alexander IIL und Innozenz III. sahen die
Fruchtlosigkeit eines weitern Mühens ein. Sie überliessen es d€n Pri-
maten von Toledo, und den Konigen von Castilien, ihren Primat selbst
durchzuführen. Diess wäre aber ohne blutige Kriege nicht möglich
gewesen. So wurde der Primat von Toledo mehr und mehr ein leerer
Titel, etwa wie der Primat Salzburgs in und über Deutschland. Aus
dem Concordate des Jahres 1851 ist jede Spur der alten Primatie
verschwunden. Toledo wird nicht einmal mehr vor den übrigen Me-
tropolen genannt; zuerst wird, nach der Ordnung des Alphabet««
Burgos genannt, zulezt das neue Erzbisthum Valladolid. ^)
Bode* Der berühmte Primas Roderich Ximenes wohnte der vierten
mene/ Synode im Lateran bei, im November und December 1215, und that
a. ie4n allcs Denkbare 4iir die Anerkennung seines Primats. Weil er in einer
Vorversammlung am 8. October 1215 die persönliche Predigt des hei«
ligen Jacobus in Spanien leugnete, während er, wie wir, zugab, das«
sein Leib in Compostella ruhe, haben sich die Spanier alle Mühe ge-
geben, sein „Alibi^ nachzuweisen. Er kann damals nicht in Korn
gewesen sein, weil er zu viel Geschäfte in Spanien hatte. Nun wissen
wir aber aus römischen Documenten, von den Spaniern (und Portu-
giesen) selbst mitgetheilt, dass er lange vor dem 30. Januar 1216 in
Komwar; dass er in den Jahren 1216 und 1217 noch dort weilte, um
Beinen Primat durchzusezen, und dass er zulezt, da er absolut nichts
*) Pii IX. P. M. Acta, tom. 1. (ohne Jahrzahl), reicht von 184r) bis 18M.
p. 818—314.
Einzahl der Einwohner Spanien's. Die Inquisition. 511
4
ausrichtete y von Papst Honorius III. ein Breve an seine Domherren
ausgestellt erhielt, dass er das ^Menschenmögliche'' fiir seinen „Primat''
geleistet habe. Wenn er in den Jahren 1216 und 1217 von Spanien
abwesend sein konnte, so konnte er auch im October, November und
Dceember 1216 voo Spanien abwesend sein. Zu der Synode im Lateran
war er aber von Papst Innozenz IIL berufen, „befohlen^ worden').
In einem Excurse zum vierten Bande suchte ich nachzuweisen,
dass die Bevölkerung Spanien's in der alten Zeit und zur Zeit der
Mauren nicht halb so gross gewesen sei, wie man behauptet. Nach
der Berechnung von Wietersheim hatte Spanien und Portugal zur Komer- '
zeit höchstens neun Millionen Einwohner. Im ganzen Mittelalter und bis
zum Jahre 1713 betrug die Bevölkerung ungefähr sieben Millionen, wäh-
rend Portugal eine Million Einwohner hatte. Heute hat Spanien ißVs?
Portugal 4 Millionen Einwohner. Spanien ist ein dürres, steiniges Ge-
birgsland , mit vielen fruchtbaren Oasen. Wäre es überall ' gleich-
massig fruchtbar, so könnte es auch SO Millionen Einwohner nähren;
so aber nur die Hälfte.
Ein zweiter Excurs handelt von einigen bis jezt weniger be-
kannten römischen Strassen in Spanien, besonders von der unbekannten
Strasse von Laminium nach Saragossa.
§. 2.
Ich gehe über zum lezten Bande. Die erste Abhandlung des- Die ip«-
selben „Die spanische Staatsinquisition'^, ist auch als Separatabdruck im j^^'^^.
Jahre 1878 erschienen. Ich habe eine vollständige Biographie des heiligen uon.
Petrus Arbues gegeben^ und gezeigt, dass er wegen seines heiligen Lebens
und seines Todes, nicht aber, weil er Inquisitor gewesen, canonisirt
worden sei. Ich habe nachgewiesen, dass besonders Papst Alexander VI*
durch seine maasslosen und endlosen Concessionen an den nimmcr-
satten katholischen^ Ferdinand Y. gar sehr zur „Verstaatlichung'^
der Inquisition beigetragen, und dass alle Bemühungen der spätem
Päpste hierin nichts mehr ändern konnten. Diese Mühen alle wurden
vereitelt durch die consequente Energie der spanischen Machthaber^
die Inquisition als Staatsinstitut festzuhalten. Man Hess dem Papste i><® i"*
die Ehre, den jeweiligen General -Inquisitor zu bestätigen. Einsezeutionand
durfte er ihn nicht; und kein Papst hat es verhindert, dass ein solcher ^"
Inquisitor abgesezt wurde. Nur ein einziger Inquisitor, Valdis, wurde
von dem heiligen Papste Pius Y. abgesezt. Nur vor seiner Drohung
wich Philipp IL, Spanien sammt dem Könige mit dem Interdikte zu
belegen.
*) Ich bin belehrt wordeu, dass der Aasdrack Saliga: (IV, S. 435) in der
Sprache der Moralisteo die sieben Todsünden bedeute.
512 ReoApitulatioD des ganzen Werkes. Viertes Ejtpitel. Der vierte a. itinfle Band
Der Druckbogen 32 war schon gesezt, als mir das neueste drei-
bändige Werk von Fr. X. Rodrigo: Historia verdadera de la Inqui-
sition, Madr. t. I, 1876, t. II— III — 1877, p.p. 1559, sowie die Be-
sprechung dieses Werkes, der Schriit von Orti y Lara, und meiner
Schrift über die Inquisition von P. Orisar in der Zeitschrift für katho-
lische Theologie, IIL Jahrg., Heft 3, Innsbr., 1879, S. 548— Ö74 zii-
gieng. P. Orisar tadelt an allen drei Schriften Verschiedenes, und
anerkennt Verschiedenes. £r möchte mit den beiden Spaniern den kirch-
lichen Charakter der dortigen Inquisition wahren, giebt aber zu, dass
Dr. Hergenröther anderer Meinung sei, und dass die Inquisition im
vorigen Jahrhunderte unter jansenistischem Drucke gestanden. Also
war sie wenigstens damals nicht mehr kirchlich, und es steht in Frage,
wann sie angefangen habe, ein Institut der jeweiligen Regierung zu
sein? — Ich habe sie als ein Staatsinstitut erklärt, hätte aber, glaube
ich, besser daran gethan, diese Ansicht nicht schon auf dem Titel
kundzugeben. Ebenso finden sich auf Seite 5 — 12 meiner Schritt
einige Säze, die dahin miss verstanden werden konnten, als hätte die
einzige wahre Religion nicht das ausschliessliche Recht der Herrschaft
in einem Lande. Die Aeusserungen ferner auf S. 95 — 96 gegen Orti
y Lara sind zu scharf ausgefallen. Er hatte die Herren Dr. Hefde und
Alzog unter die Kezer, ^^die liberalen Katholiken'^, verwiesen, weil sie
den ausschliesslich kirchlichen Charakter der spanischen Inquisition
leugneten, ich aber ihm erwiedert, es fechte mich nicht an, wenn er
mich auch zu denselben zähle. Diess hätte ich nicht drucken lassen
sollen. Denn es kann einem katholischen Schriftsteller nicht gleich-
giltig sein, dass er von einem katholischen Schriftsteller den Kezern
zugezählt vnrd*).
pti- Ueber die Regierung der Konige Carl I. (V.) und Philipp U.
und die b^b^ ich kaum viel des Neuen oder Unbekannten gebracht. Philipp II.
Kirche. ]q Schuz nehmen oder vertheidigen zu wollen, lag mir durchaus fern.
Die Sache der katholischen Kirche und Philipp^s II. stehen in keinem
Zusammenhange. So wenig die katholische Kirche und die Legitimisten
in Frankreich in einer innern Verbindung stehen (wer hat die Kirche
denn mehr verfolgt, oder verfolgen lassen, als diese Bourbonen, die
heute die Fahne der Legitimität in die Höhe halten?), «o wenig hängen
die Interessen der katholischen Kirche mit den Interessen und Be-
strebungen Philipp's II. zusammen. In seinen eigenen Reichen war er
Papst-König, und liess den Papst nichts gelten. Dennoch sollte der
Papst ihm in Allem zu Diensten sein, und seine diktatorischen Rath-
schläge befolgen, weil er es ja so gut mit dem Papste und der Kirche
') In meiner Abhandlang corrigire man ferner den Namen Ferd* Zimgibl
in; jE6erÄ. Zimgiebl, S. V. 30, 75.
Die Kirche vom Staate verschlungen. Philipp II. a. Pias IV. (1559—1565). 513
meine. Er war yon der fixen Idee beherrscht, dass kein Papst« kein
Bischof nnd kein Cardinal die Intere86en der Kirche so gat verstehe
and wahre, wie er.
§. 3.
Enrze Zeit nach dem Tode Fius' IX. (f 8. Febr. 1878) las ich
in einer 2ieitnng, Philipp II. habe nach dem Tode des Papstes Pias Y.
sieben Cardinälen die Exclasive gegeben. Er hat wahrlich noch Schlim-
meres gethan. Weil ich aber damals die Quellen noch nicht gesam-
melt, wollte ich diese Frage in einem Anhange behandeln. Inzwischen
hat Philippstm dieselbe Frage in zwei von eingehenden Studien zeugenden
Artikeln in SybeFs ^^historischer Zeitschrift^' (1878) behandelt Gern
gestehe ich, von ihm viel gelernt zu haben, und ich folge im Ganzen
seiner Darstellung*).
In Spanien blickte der Klerus zum Könige als dem Spender
aller Gnaden, dem Verleiher von Würden und Einkünften auf. Man
kennt kein Beispiel, dass der Papst von seinem Rechte der Bestätigung
(der kirchlichen Würdenträger) einen negativen Gebrauch gemacht. — ^
Der königliche Rath von Castilien hatte die unbedingte Gerichtsbar-
keit auch über den Klerus; er war faktisch die lezte Instanz.
Alle Geistlichen nahmen zu den ,,Recursos de fuerza'^ (appellatio
ab abusu der geistlichen Gewalt) ihre Zuflucht, mit Ausnahme der
Kirche von Toledo und der Jesuiten. — Die demüthige und beschei-
dene Form, mit welcher die spanische Regierung gegen päpstliche
Entscheidungen sich verwahrte, war reine Heuchelei. Unter der Wah-
rung respectvoUer Formen gegen den Papst lief das Verfahren „der
einstweiligen Retencion'^ der päpstlichen Bullen einfach darauf hinaus, ^^'®"*
dass die Räthe und Senate von Castilien, Aragon, Mailand, Palermo, boiich.
Neapel, das volle Recht der Prüfung und der Verwerfung päpstlicher
Bullen und Breven beanspruchten und ausübten.
Das Verfahren der ,^Retencion'^ der Bullen wurde allmälig auf
das Speciellste geordnet In dem Geseze CarFs V. vom Jahre 1Ö43
^nrde in sechs Fällen die Retencion der Bnllen ein für allemal an-
geordnet (Nueva Recapil. I, 3. 25. 28). Keine Excommunication u. s. w.
^Ute Giltigkeit haben. Der Geistliche^ der dieses Gesez verlezt, ist
)8o facto seiner Naturalisation als Spanier beraubt. Die „Zurück-
[tung^^ päpstlicher Bullen war eine „alltägliche Sache'^ — Ebenso
purden die Entscheidungen der .päpstlichen Rota ^,zurückgehalten'^
') Martin Phüippson , Philipp IL von Spanien nnd das Papsttham , 1878,
1. 39, 8. 269— 315; 419—^57.
OAiai, ipM, Klrehe. III. 8, 33
514 Recapitnlation des ganzen Werkes. Viertes Eapi fei. Der vierte n. fQnfte ß&nd.
Die spanischen Juristen suchten Gelegenheiten^ mit der Rota, ja uil:
der Curie selbst anzubinden.
Die „Bulle de la Cruzada'' war ganz in königlichen Händen. £•>
war diess ein Ablasshandel zu Gunsten der katholischen Konige. Im
Jahre 1558 wurde der Ertrag auf 350.000 Dncaten gerehnet, in.
Jahre 1598 auf 800.000 Goldthaler (1.030.000 Ducaten). „Die Nach-
frage nach der Cruzada hatte sich also nach 40 Jahren verdreifacht.*^
Der königliche Rath machte es sich zum besondern Vergnügt n.
die Entscheidungen gerade des Nuntiaturgerichtshofes (oder der ro-
mischen Rota in Madrid) auf dem Wege des Recurses aufzuheben.
§♦ 4.
Das Concia ve des Jahres 1659 dauerte vier Monate. Philipp II.
widersprach von vornherein der Wahl eines Caraffa (Paul IV. wni
ein Caraffa gewesen) aufs Heftigste. Der König von Frankreich un!
der Kaiser erklärten sich gleichfalls gegen gewisse Cardinäle. Hieran <
leiten einige Schriftsteller die Exclusive ab, welche sich von da tv.
jene drei Monarchen bei Papstwahlen zuschrieben'). An diesen spo-
ciellen Fall des Widerstrebens Philipp's II. gegen die Caraffa knu^r:
sich die „Exclusive". Eine frühere Ausübung derselben ist nicht er-
wiesen. — Angelo Medici, ein Unterthan und Günstling der spanischen
"^^ Regierung, wurde am 24. December 1559 als Pins IV. gewähh.
(Dec Bald schien es, als sei Pius IV. nur ein Werkzeug in der Hau.
1559.) Philipp*8 n. Ein Venetianer sagte von Lezterem: Ipse dixit, et fat.t
sunt (a Papa). Von Madrid aus behandelte man den heiligen Vatu
mit einer gebieterischen Geringschäzung , mit einer übermüthige:.
Sicherheit, als sei er immer noch der Mailänder Unterthan. Es wa
das Ziel von Philipp's II. Kirchenpolitik, der Kirche zu dienen, abt
indem er die Kirche seinen eigenen Zwecken, „den politischen Inttr-
essen Spanien's dienstbar machte." — Der Nuntius und die übrige:
Agenten Rom's wurden in Madrid mit einer Geringschäzung belKin-
delt, als wären sie Abgesandte eines Untergebenen der spanischen Krone -
PiMiv. Pius IV. bewilligte zum ersten Male eine direkte Steuer des s[ki-
g9gm- Irischen Klerus an Philipp IL, das sogenannte „subsidio". Es wuru
kom- immer auf fünf Jahre vom Papste zugestanden, dann aber erneuof:
^egen ^ucrst bctrug es 420.000 Goldthaler, Da Pius IV. auch die „C^<>
PM- zada" wieder bewilligte, so bezog Philipp II. aus kirchlichen Quell« .
"^'P"' jährlich 750.000 Ducaten 3).
*) Ottok* Lorenz^ Papstwahl und Kaiserthum, p. 291.
') Relazioni di Paolo Tiepolo (1563), di Girolamo Soranzo (156o), di (;i.
vanni Soranzo (1665) bei Alberi (der ganze lltel, s. oben S. 101.) 1, 5, 47, i}:j t\
II, 6, 107 flg.
•) Alberi, I, ö, 47; 6, 188, 382.
!
Pius IV. und Philipp IL (1560- 1565). 515
In diese Zeit fällt die VerhafluDg Carranza's von Toledo. Der
Gesandte (Cardinal) Pacheco schrieb am 19. Januar 1560 aus Rom:
»Wenn die Bomer erst anfangen, die Hand in die Angelegenheiten
unserer Inquisition zu stecken, so gebe ich Alles für verloren, beson-
ders in diesen Zeiten. Der Eonig sei verpflichtet, jede romische Ein-
mischung ferne zu halten, nicht bloss aus Sorge für die Religion^ son-
dern auch für die Erhaltung seiner Reiche^' ^).
Troz aller Mahnungen des Papstes wurde Carranza in harter
langer Haft gehalten. Durch diese lange Haft schreckte Philipp H.
alle Bischöfe, so dass sie sich bedingungslos ihm unterwarfen. Er
wählte auch nur Bischöfe aus gemeinem Stande. Die Adeligen hielt
er ohnedem hart, und hielt sie fern von sich; und Bischöfe aus dem
Adel wollte er nicht haben. Die einzige Sicherung vor der Inquisition
(meint Philippson) war das Bekenntniss zu regalistischen Anschauungen,
die Betonung einer streng königlichen und nationalen Gesinnung,
heftiger Widerstand gegen die ultraraontanen Bestrebungen , giengen
bie auch unmittelbar von dem heiligen Vater aus. Die durchaus rega-
listische Stimmung des hohem katholischen Klerus in den zwei fol-
genden Jahrhunderten ist nipht am wenigsten diesem „Drucke" zu-
zuschreiben. — Philipp gab sich die grösste Mühe, zu verhindern,
dass auf der Synode von Trient etwas gegen seine Inquisition geschehe^).
Wenn Pius IV. einmal widersprach, so höhnte ihn Vargas, meinte u. a.,
er wundere sich über die Ausflüchte, die der heilige Vater gebrauche.
Er möge sich die Sache noch einmal ruhiger überlegen. Mündliche
Zusagen würden Philipp IL nicht beruhigen. Man müsse (zu Trient)
Alles schriftlich und durch feierlichen Synodalbeschluss nach den
Wünschen des Königs abändern.
Auch Pius IV. gieng zülezt die Geduld aus. Die Spanier sagten,
ihr König brauche sich weder um Papst noch um Cardinäle zu be-
kümmern; diese seien doch immer auf Spanien zum Schuze des Glau-
bens angewiesen. Schon im Mai 1562 rief Pius IV. vor Cardinälen
und zahlreichen Andern dem Vargas zu : Es bleibe nur noch
übrig, dass Philipp II. die Waffen ergreife und den heiligen Stuhl
1 bi-kricge. Er wolle den Papst ganz beherrschen, und alle seine Hand- waa iv.
langer schulmeistern. Aber Gott werde jene (Spanier) dafür strafen. '^^^"jj^'
Fortwährend habe der heilige Stuhl dem katholischen Könige Wohl-
llmten erwiesen, aber der König erwidere dieselben in keiner Weise.
^"^ach dem Berichte des Vargas waren alle Anwesenden ausser sich
») Dollinger, Beiträge, I. (259), 329.
'} Brief Philipp*8 aa seinen Gesandten Vargas in Rom vom 15. Dcc. 15G2.
33*
516 BeoapUnlatioD des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte n. Anfte Band.
vor Staunen und Verwunderung, da sie ein so ganz unwürdiges, mass-
loses Gebahren sahen*).
Darülrer aufs Aeussersie ergrimmt , drohte Philipp seinen Ge-
sandten aus Rom zurückzurufen*), weil Frankreich auf dem Concii
zu Trient den Vorsiz fahrte. Der Papst gab aber diessmal darchans
nicht nach. Als Vargas in seiner gewohnten Weise mit heftigen
Worten den Unwillen seines Herrn yerdollmetschte '), da rief der Papst
dem Vargas zu, sein Herr habe den Papst ohne jede Unterstozun^
gelassen^). — -Das gute Einvernehmen zwischen Philipp II. und dem
Papste war völlig zerstört Zwar führte Philipp II, die Drohung nicht
aus, seinen Gesandten abzurufen, aber die Spanier horten nicht auf,
den Papst öffentlich als einen Menschen von geringem Urtheil und
ungeeignetem Benehmen zu beschimpfen; er habe die üble Gesinnung,
die er gegen den König bisher versteckt gehegt, endlich offenbart.
Pius IV. drohte, er werde dem Konige die „Cruzada" und das „Sub-
sidio" verweigern, den Carranza nach Rom rufen und den Köni^
zwingen, die 800.000 Ducaten herauszugeben, die er von dem nnbe.
sezten Bisthume Toledo eingezogen. In Spanien war man gleichfalls
entschlossen, nicht nachzugeben. Es ist komisch zu lesen (selbst bei
Preacott)^ dass Philipp H. vor jedem Stimrunzeln des Papstes erzit-
terte. — Der Papst seinerseits lehnte mehrere Gesuche Philipp's II. ab.
Die fun^ährige Steuer, genannt „Subsidio^, wurde im Jahre 1564 auf-
gehoben. — Als die Nachricht von dem Entsaze Malta's (durch die
Spanier) nach Rom kam, sprach Pius IV. nur von dem Danke, den
man Gott schulde, und von der Tapferkeit der (Malteser-) Ritter, ohne
der Spanier auch nur zu gedenken, was Philipp IL nicht wenig reizte.
Troz Malta's concedirte er das fünfjährige „Subsidio^^ nicht. Bald
sagte er, ganz mit Recht : „Ihr in Spanien wollt Papst sein, und Alles
dem König anheimgeben^^; bald: „Wenn Philipp Konig sein will in
*) TodoB qnedaron espantados y maravillados, viendo nna indignidad tan
grande y modo de proceder tan faera de terminos. — Depesche des Vargaa vom
23. Mai 1562, welche Philipp am 23. Juni erhielt — DöUinger, 1, S. 427--431.
*) DöUinger, I, S. 486, 489.
') Seit den Zeiten des Geschäftsträgers Castillo y Ayensa in Born föhren die
spanischen Geschäftsträger in Rom eine höfliche und wOrdeyolle Sprache. Wer
aber die Geschichte der spanischen Botschafter in Bom von den Tagen Ferdinand's
des Katholischen an bis zam 19. Jahrhundert schreiben will oder wird, wird die
Geschichte der Ungezogenheiten und Bohheiten schreiben, weiche sieh der (aiz-
geblich) Starke gegenüber dem Schwachen, weil er schwach und ohnmächtig ist,
erlauben zu dürfen gkubt. Endlos pochen sie auf ihre Verdienste um die £rliai>
tung der katholischen Religion, als wäre die Kirche verloren gewesen, wenn sie die-
selbe nicht erhalten hätten. Man darf sich nicht wundern, wenn die Spanier dem
römischen Volke verhasat waren. Heute ist das ganz anders, d. i. besser geworden.
*) Depesche des Vargas vom 24. April 1563. — DöUinger, S. 617-- Ö20.
Das Cuncil von Tricnt in SpRnien gefölscht 517
Spanien, so will ich Papst sein in Rom'^; bald: „Tch bin vom Könige
nnd seinen Ministern arger misshandelt worden, als je ein Papst von
einem spanischen Herrscher.'^ — Er beschwerte sich, dass Philipp den Pias iv.
Synoden in Spanien ihre Beschlüsse durch den Mund von Laien form- ^'
lieh vorschreibe, dass er beanspruche, das Concil von Trient auszu- sich
legen, dass er die päpstlichen Bullen den königlichen Fiscalen und ^^
Gerichtshöfen preisgebe, über des Königs schlechte Rathgeber^ dieuppu.
direkt ihn zu verderben und von der Obedienz des apostolischen Stuhles
loszureissen sachten ^).
Die Verkündigung des Trienter Concils in den spanischen Landen
trat in den Vordergrund. Die Spanier fürchteten einigen Einfluss des
Papstes auf die Beseznng kirchlicher Würden. Vargas bezeichnete
diesen gefürchteten Einflnss als Werk ,^des Teufels^' ^. Im Jahre 1565
cntschloss sich Philipp II., das Concil zu publioiren^ doch mit wesent-
lichen Beschränkungen^), wodurch allen Bestimmungen die Spize ab-
gebrochen wurde, die den Einfluss des Königs auf die Besezung der
Frälaturen, und die geistliche Gerichtsbarkeit zu vermindern drohten.
Die Vicekönige und General- Gouverneure wurden angewiesen, keine
kirchenpolitischen Neuerungen als Folgen der Tridentiner Beschlüsse
zu gestatten*). — Die Spannung zwischen Philipp II. und Pins IV.
war sehr gross, als dieser am 9. December 1665 starb.
§. 5.
Pins V. (Jan. 1566 — 1572) gerieth vom Anfange an mit Philipp II. Piu v.
in Zwist. Die Frage des Vortritts Frankreichs, das mit Abfall drohte, /T*^^
, ^ ^ bis 1678.
wurde so ausgeglichen, dass der spanische Gesandte in Rom an einem
besondern Tage Audienz haben sollte. — Eine Reihe von Verordnungen
Pius' V. wurde vom Consejo für „einstweilen unverbindlich erklärt".
So des Papstes Erlass „motu proprio" gegen Wucher und Zinsnehmen
überhaupt, för Spanien, Neapel und Sicilien abgewiesen. — Pius V.
reagirte zuerst in Neapel. Den Bischöfen wurde die Einholung des
königlichen Exequatur für die aus Rom ergangenen Verordnungen ver*
boten. Aber der Vicekönig zwang die Bischöfe durch Drohungen,
den Befehlen des Papstes nicht zu gehorchen, so dass sich der
') Brief Davik^a nnd Depeschen Pachecda vom 22/23 September, 16/30 No-
vember 1565. — DöUinger, S. 629.
'} Brief des Vargas vom 13. December 1563. — DoUinger,'^. 539—543.
*) Josi CovarrubiaSf Becorsos de fuerza, I, p. 277.
'*) Petr. Oianone, istoria civile del regno di Napoli, 1. lo. — Milan. 1823—1824.
t. 10, p. 79.
•) CaUyrera, FeUpe II, 1. 7,'^cp. 11.
5 1 8 Recnpifniation des ganzen Werke». Vierte$ Kapitel. Der vierte «. fünfte BiinH.
Nuntius in Neapel wieder regelmässig bei jeder Verfügung um das Exe-
quatur bewarb. Wer dagegen handelte, wurde niit Gefängniss odor
n)it strengen Ahndungen bestraft. Troz allen Widerstrebens sah sich
Plus V. hier zum völligen Nachgeben gezwungen'). Ebenso wenij^^
Erfolg hatte er in seinen Bemühungen gegen die sogenannte „sicilia-
nische Monarchie", nach welcher die Könige in allen Instanzen ubir
TM- die Geistlichen zu Gerichte sassen. Philipp II. berief sich hier auf
iipp IL ^j^ Urkunden der päpstlichen Concessionen. Die Vicekönige befreiten
Htroite ohnc Weiteres die Gefangenen der Bischöfe aus dem Kerker. Der
mit
.)
König war hier Papst. Der Vicekönig Graf Olivares liess im Jahre 159
durch seinen geistlichen Gerichtshof den Bischof von Catania absezeii,
und sperrte ihn bis zu seinem Tode ein*).
Auch der heilige Carl Borromaus in Mailand kam mit der spa-
nischen Inquisition in Conflicte^). Piug V. weigerte sich, dem Könige
die „Cruzada" und das „Subsidio" ferner zu bewilligen, namentlicli
wegen des schmählichen Schachers, der mit der „Cruzada" getrieben
wurde. Er fürchtete, dass dieser Schacher in Spanien einmal ähnliche
Folgen haben könnte, wie einst der Ablasshandel in Deutschland. Er
verweigerte es auch, dass die Einkünfte des Erzbisthums Toledo auf
den Bau des Escorial verwendet würden, und drang darauf, dass der
Process des Bartholomäus Carranza in Eom verhandelt werde*).
Im Jahre 1566 weilte Petr,Camajani^ Bischof von Ascoli (156G — 1579),
als ausserordentlicher Nuntius in Spanien. Er sollte den König zu
der Reise nach den Niederlanden antreiben, die Sache des Bartholo-
mäus Carranza betreiben, und wegen der spanischen Angriffe gegen
die Kirche in Neapel und Mailand Klage fuhren. Philipp II. war
Phi. aber über die fortgesezte Verweigerung der Cruzada sehr „ergrimmt."
»»j»p n. Er liess dem Papste die härtesten Vorwürfe „über das Unpassende
piug V. seines Benehmens'^ machen. Der Papst möge zunächst daför sorgen,
^^^' dass die Kirche in andern Ländern gleiche Rechte, wie in Spanien,
1^ OlPv •
') Gianone, I. e., p. 157—173—178. — Histoire ecclds. (Cont. de Fleury\ t. 3'>,
Paris 1737, p. 84 sq.
*; Wenn diess Vincenz Catelli war, so lautet der Bericht ober ihn andoi-
wärts ganz anders: Damach wurde er nach Rom berufen, hielt dort seine Kecfiti*
standhaft aufrecht und wurde im Jahre 1587 seiner Würde beraubt. In Rom btait»
er, im Geruch der Heiligkeit, am 28. Juni 1597. — Cf. CappeUetti, le Chiese d*Itili.«,
Venez., 1870, t. 21, p. 640. Nach Fic. d'Avino (Cenni storici — über die Bis
thilmer beider Sicilien, Neapel, 1848, p. 181) hätte der Papst nur seine Resignation
angenoipmen. Fhilippson beruft eich auf Gitis, Bwmfiglio Coatanao, lUstoTu
Siciliana, Vonezia, 1601, p. 665 sq., 073.
•) Fleury, t. 34, p. 652 sq.
*) Luis Cabrera de Cördova, Hist. di Filipe segundo. Nene Ausgabe, Ma
drid, 1876, t. I, p. 513—520 (libro VII, cap. 12).
'V>*'f
Be-
Pius V. uud Philipp II. 519
geniesse. Dagegen versprach er in unwilligen Ausdrücken seine Keise
nach den Niederlanden (die er nie ernstlich im Sinue hatte), und die
Auslieferung Carranza's *).
Pias V. bewilligte für die Niederlande eine neue, dritte geistliche
Abgabe, den „Excusado" — 4. Juni 1567, welche in jeder Pfarrei
ein Haas nach der Wahl des Königs entrichten musste, in der Höhe
des Zehnten, den es sonst zu zahlen hatte, und von dem es dadurch
licfreit (excusado) wurde.
Philipp's Politik war: Keich soll der Klerus sein, aber dem König
unterworfen; reich, damit er ihn zur rechten Zeit zu Gunsten der Krone
ausplündern könne. Er beantragte die ,4^®^ormation der Klöster" in
seinem Lande. Aber nur Spanier sollten die Klöster „reformiren".
Wehe den Mönchen, die es wagen würden, in Rom selbst Reform-
uiassregeln für ihre Orden zu betreiben. Bei ihrer Rückkehr wurden
sie sofort im Hafen ergriffen, und lebenslänglich in Haft gebracht*).
Am 2. März 1568 überreichte der Nuntius Julius Acquaviva dem ^
. «chwor-
Könige eine Denkschrift, welche die Unterdrückung der kirchlichen den
Freiheit in Spanien mit lebhaften Farben schilderte. Man könne nicht ??'**1X'
leugnen, dass die strenge Prüfung der apostolischen Bullen, wie sie hpp u.
taglich geschehe, die Hindernisse, die man in aller Weise den Pro-
visionen und Executionen, welche von Rom kommen, in den Weg
le|:^e, die Einmischung in die kirchlichen Processe auf verschiedenen
Wegen und unter dem Verwände der Gerechtigkeit, die steten Befehle .
an die Prälaten, Richter und Geistliche, dass sie excommuniciren und
tieisprechen je nach dem Wunsche des Rathes und der Kanzleien, das
zahlreiche Erscheinen von Welt- und Klostergeistlichen vor den welt-
lichen Gerichtshöfen, so viele Usurpationen der geistlichen Gerichts-
harkeit, die in diesen „Königreichen" geschehen, zweifellos nichts
Anderes bedeuten, als dass man unter einer gewissen Schönrärberei
und mit einer gewissen Geschicklichkeit allmälig dem Könige und
seiuen Ministern alle kirchliche Gewalt verschaffe, so die Jurisdiktionen
vermische, und die von Gott gesezte Ordnung verwirre, da solche Los-
iJisüDg der Nationalkirchen von dem Papste, solche Eingriffe in die
Freiheiten der Kleriker (sagte der Nuntius) die Anfänge zu allen
Kezereien gewesen wären').
') M. Oachardy Don Carlos et Philippe If., Brux. 1863, t. II, p. 372 sq.
') Im%8 de Cabrera, VJI, cap. IK Caando volvian, en los puertos de Espafia
Qo fältaba qnien les metia in prision y entragaba d sa mayor, que los ponla donde
purgaban sa culpa y pagaban su atrevirniento hasta morir (ihre Verwegenheit bis
zu ihrem Tode büssten), como se hizo con un Cartuxo — do GuadiXi I, p. 511.
*) Die Denkschrift vom 2. März 1565 steht bei H, Lämmer — Meletematam
Romanorum Mantissa, Ratieb. 1875, p. 220—222).
520 Rtoapitalation des ganzen Werkes. Viertes Kapifel. Der vierte n. fünfte Band.
Aebnliche VorstelluDgen machte am 9. Februar 15G9 der Nuu-
t'ius J. B. Castagna, Erzbischof von Rossano, gegen das königliche
Exequatur in Neapel. Aber Alles war vergebens. Vielmehr brachti
jedes Jahr neue Ausdehnungen der königlichen Gewalt Der Nuntius
litt peinlich darunter. Philipp II. nahm eine wahre Schozherrlichkeit
über die Kirche selbst in Anspruch, sich stiizend auf das Tridentinuui.
Eine Pragmatik vom 20. Nov. 1569 hielt ausdrucklich an dem Rechte
des Placet, der ^Retencion* der Bullen fest. — Um so harter fühlte
^*« sich Philipp IL getroflTen, als Pins V. im Juli 1568 die alte Bulle „In
,ia coena Domini" mit neuen Verschärfungen veröffentlichte. Den Abdruck
coon» (jej. Bulle in Spanien hatte schon Carl V. im Jahre 1551 unter schweren
mint^ Strafen verboten. Spanien und Venedig protestirten auf das Lebhafteste.
Philipp IL erklärte dem Nuntius in Madrid mit Nachdruck, er werde
nicht dulden, dass seine Majestät und seine Prärogativen beeinträch-
tigt würden*).
Mehrere Bischöfe, namentlich in Italien, wurden, als sie dennocli
die Bulle verkündigten, in den Kerker geworfen, oder mit dem Verlust
ihrer Temporalien und persönlichen Güter bestraft*). Der spanische
Gesandte in Rom hatte desshalb sehr lebhafte Händel mit Pias V.,
der fest auf seinem Entschlüsse beharrte, und Spanien nnd Venedig
sogar mit dem Interdikte bedrohte').
DiflTür- Philipp IL gab in geringeren Dingen nach. Die Türkengefahr
f«hr aber zwang den Papst, gerade mit Spanien und Venedig ein Bündniss
bringt 2;a sucheu, das im Jahre 1571 geschlossen wurde, und zu der Schlacht
aam vou Lcpanto — 7. October 1571 — führte. Pius V. konnte nicht
Nach- ^oy anders, als dem einzigen Monarchen, der sich ihm zur Verfugung
stellte, sich gefällig erweisen. Im Beginne des Jahres 1571 erneuerte
er sowohl die Cruzada, als auch das ^Subsidio^ des spanischen Kleras
auf fünf Jahre. Philipp IL versprach, stets 60 Galeeren zu unter,
halten. Bald aber wurden diese Einkünß;e auch zu andern Zwecken
verwendet Herr Nuntius, sagte der Bischof von Cnenca, Philipp's IL
Beichtvater, zu dem Erzbischofe von Rossano: Es ist Sr. Heiligkeit
so ergangen, wie die Castilianer im Sprichworte sagen, dass die Hart-
leibigen schliesslich am Durchfall sterben^).
Der Papst zeigte sich jezt auch in principiellen Streitfragen nach-
giebig« Im Jahre 1570 anerkannte er die Clausein, unter deoeo
') Depesche des Erzbischofis v. Bossano vom 28. Jali 1568. — Grachard^ ies
bibliothöques de Madrid et de rEscnrial; Brüssel, 1875, p. 114.
') Oianone, p. 100. — Em, Friedberg, die Grenzen zwischen Staat a. Kirche.
1878, p. 545.
*) Gontinnation de Fleury^ t. 34, 548.
^) Belazione di Leon Danato, p. 380.
Pius V. und Philipp 11. 521
Philipp II. das Tridentinum verkündigt; er erklärte in einem „Motu
iroprio^, bei allen apostolischen Privilegien^ die dem Trienter Concil
zuwiderliefen, seien, wenn sie nur vom frühern Papste eigenhändig
unterzeichnet seien, vf^eder eine besondere, noch allgemeine Dero-
gation des Concils zu ihrer ferneren Giltigkeit nothwendig ^). Im
fahre 1571 billigte er durch ein Breve das allerdings milde Verfahren
ier „Kecursos de fuerza'% wie es in den Ländern der Krone Aragon
iblicb war. — Fast eine Million Ducaten zog jezt der König jährlich
fcus kirchlichen Quellen.
Philipp IL hatte den spanischen Klerus so vollständig von Rom
gelöst, dass er nur noch durch das Band des Glaubens, nicht aber
lurch das der Organisation und Disciplin mit dem Papste verknüpft
Kvar. „Niemals hat in neuem Zeiten der Staat wieder vermocht, so
kveitgehende Rechte und Befugnisse über den katholischen Klerus zu
3rlangen" *)•
Als der Erzbischof von Rossano im August 1571 eine Instruction
:ür seinen Nachfolger als Nuntius schrieb, wagte er nur leise von den
Hindernissen seiner Thätigkeit zu reden, die er dem Consejo de Ga-
st illa, und nicht dem Konige zuschrieb'). »,Der König aber ist ein
;ehr grosser Christ ^). Mit. Schmerzen trug Pius Y« das ihm aufge-
adene Joch. Im Herbst 1570 Hess er durch Vinzenz Justiniani, den
General der Dominikaner, dem König mit beweglichen Worten die
„missbräuchliche Gestaltung'^ der „Monarchia Siciliana^' und des „Exe-
quatur'^ vorstellen. Nach dem 1. October 1571 gab sein Nuntius?
Cardinal von Alexandrien, eine dringende Denkschrift über diese Dinge
ein^). Aber Justiniani wurde kurzer Hand ohne Bescheid abgefertigt,
der (>ardinal-Nepote zwar ehrenvoll aufgenommen, aber doch mit
nichtssagenden Worten ,|heimgeschickt^. — Die Catalonier schickten
wegen der Ausdehnung der Inquisition in das ausserkirchliche Gebiet
Gesandte an Pins Y. Eine alte Bulle habe die Inquisition auf Ver-
brechen gegen die Religion beschränkt, in zweifelhaften Fällen dem
') JSalgado, 2, 1, Gd, p. 144.
*) Friedberg, S. 560, not 6.
*) Phüippson, bei Sybel; 1878, S. 419-157.
*) Die ganze Stelle, 8. oben, 2, 2, S. 2. — die ScLIÜsse aber, die ich im
Jahre 1864 ans dieser Stelle gezogen, ziehe ich nicht mehr ans ihr; der Nnntins
hat sich getäuscht, oder wollte nicht die ganze Wahrheit sagen.
') Sie steht bei Lämmer: Mantbsa, p. 226-227. — - Gtanone, Ausgabe vom
Jahre 1823, X, ISO, 205.
X)
O - 1: Recnpitnl.ition des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte u. fünfte Band.
Papste die Entscheidnng überlassen; sie verlangten^ dass die Inquisl-
Die In- ^\q^ Jq Barcclona bei icdem Processe öffentlich darle^ren solle, da5>
tion in der Verhaftete wegen Kczerei in Hafl sei. Diesen Klagen zeigte siih
^**'*«" Pills V. im Ganzen gunstig. Er erliess ein Breve, das eine Appella-
tion von der spanischen Inquisition an den Papst für erlaubt erkiaite.
Aber der königliche Rath erklärte das Breve in der herkömmlichen
Form der „Supplicatio ad Sanctissimum" fiir unverbindlich. Einige
Opponenten in Barcelona wurden eingekerkert, weil sie schlechte Katho-
liken seien; denn sie opponirten dem heiligen ^Officium". Philipp II.
erklärte Pius V., er möge nicht die Rechte der spanischen Krone an-
tasten, und nicht ,,die katholische Majestät entehren.^
Pius V., gelähmt wegen der Türkenkriege, erlangte nichts, al<
die Freilassung der Eingekerkeilen. Diese wollten aber nicht frei
werden, bevor die Inquisition erklären würde, sie seien im Rechte,
und nicht wegen Kezerei in Haft gewesen. — Die Catalanen hatten
mehr als 1CH).OÜO Goldthaler auf die Unterhandlungen in Rom verwendet ' j.
Der König legte ferner Verwahrung gegen die Bulle ,>in coeua
Domini" in Rom ein, und verbot jedes ihr entsprechende Verfahren -J
()57i^). Die spanischen Juristen bewiesen, dass es nicht der Zurück-
weisung der Bulle bedurft hätte, vielmehr die darin enthaltenen Straf-
androhungen sich nicht auf das in Spanien gebräuchliche Verfahren
der „Retencion** und der „Recurse*' beziehe. Die Bulle ist bis aut
den heutigen Tag nicht in Spanien recipirt worden. Vergeblich schlug
der Cardinal Alessandrino vor, statt weltlicher Gerichtshöfe zur Prüfimi:
der „Recursos de la Fuerza* „Roten (Rotas)** zu sezen, deren Richtt i
von Philipp II. selbst zu ernennen seien, und die endgiltig über d'w
Recurse zu entscheiden hätten. Er kehrte un verrichteter Dinge nach
Rom zurück, als Pius V. schon gestorben war (5. Mai \bl2).
§. 7.
Am 13. Mai wurde Hugo Bnoncompagni — Papst Gregor XIII.
— gewählt. Seine Gewandtheit und Milde als Legat in Spanien wnrJt
p. Gre- gerühmt. Er war gegen Philipp II. durchaus nachgiebig. Er erweittiu
gorxni. ^ „Excusado" dahin, dass er immer das reichste Haus in jedi j
nähert » j j
■ichPhi- Pfarrei treffen sollte, auch dort, wo der Zehent an weltliche IVrsoiu i»
"**^"' abgetreten war^). Am 15. März 1573 gewährte er die von Philipp II.
') l^•!nz. di. Leon, Donato, p. 3(>6 sq. — Salgado^ de snpplie. ad Sancti«
2, 3', 137— 13S (p. 332).
'; Vic. de La Fuente^ V, p. 318-319 („Protestas contra las Rdictones hachns pt>r
Sin Piü V. cn la Bnia do 1h cen«) — IScdgado, 1, 2, 1G2 sq. (p 30.)
•) La Fmnte, V, p. 323.
Gregor XIII. nnd Pliilipp II.
■gen die ctwälinte Bulle PJus' V. über die zu wicdeiliolc
T zum IJeicIithören ermächtigten Priester eingelegte
id „reformirte" die Bidle '). Fbilipp 11. vcreünmte
ipstos Milde gegen ihn im reichsten Maasse niisziini
n L'7. October IÖ73 erliese sein königiiclicr Kath
<s oin für allemni päpstliche Biuven, die in kirchlich«
;)inicn'ti Spniiier vor ausländische (also ancli römische) Ü
r ungültig erklüite. Pamit war Rom ans Spanien a»
- Die Conacrvaloren der Orden, Universitäten, frommi
jrften nnr Spanier sein. Diese Griindsäze winden (auch
renge ausgeföbit*). Kein spanischer Bischof oder V
ich der Papst nicht wagte zw widersprechen, oder auch
iirren. Jncoh Biioncompagni, der Sohn des Papstes,
hilipp ir. stattliche EiokTinfle, die Grosscomthnrei vc
ie jährlich 12.000 Goldthuler abwarf, das Generalat der
1 Mailand mit 6000, und eine Compagnic spnnisschcr
it lOOO Goldthalero, und vieles andere mehr. — Der Cai
iioncompagnt, Neffe des Papstes, erhielt eine Pension voi
n Gegendiensten liees es der Papst nicht fehlen. Du
Biie Concessionen steigerte der Papst die Einkünfte Phi
irchlichen Quellen bis zum Jahre 1575 uni eine Million
asä sie sich auf S'/i Hillionen jährlich beliefen.
Am I8. Juli 1579 gewährte der Papst dein Könige
er Zehnten und Erstlingsfrüchfe von gewissen Novalie
11(1 den Canarias, mit einigen weitem finanziellen Wol
CS Papstes öftere dringende Einladung sandte er den 1
Java und den Jnristeu Franc, de Vera nach Rom, um ai
fi/.lichen nnd endgültigen Beilegung" der zahlreichen Zn
er geistlichen and weltlichen Gewalt in den italienische
panien's zn arbeiten^).
Aber Philipp II. war unersättlich und erzürnt, weil
iclit Alles that, was er wollte. Er beklagte eich üb
'ardinäle; er geizte mit Pensionen und anderen Wohl
ordinale. Seine Hauptklage war, dass troz der um
.'erdienste, die er sich um Rom erworben, Rom doc
li\ä halb kezerieche, nnznverlässigc, mehr, als ihn begünstige
veigertc sich, mit iiuu ein Schuzbündniss in Betrefi" '.
') Bullar. raagn. cii. I.ugrtun ,11, p. .TO sq. — Salgado, 1
p. ae, 57).
') läalgadit. 2, 11, !)r>-100 (p. 19J-ia4).
') Reluz. dl Lor. Frittli (IfJn); Mut. Zane ( l.'J84)! Paoh Tie
Alben, 1, p. 5, 264, Ö6;); U, 4, 221) eq. — Bergenrötker, p. 21.)
524 Rccapitalation des ganzen Werkes. Viertes E^apitel. Der vierten, fünfte Band.
etwaige Angriffe der Hagenotten zu schliessen. Als weltlicher Für*^
masste sich der Papst auf die Seite Frankreichs neigen, da er to-
Spanien ganz umsponnen war. Die Bündnisse, sagte er Philipp II..
dürfen nur gegen die Ungläubigen im Allgemeinen, nicht aber wid*
eine besondere Nation abgeschlossen werden, um unter diesem Vor
wände die Franzosen von Italien ferne zu halten. Es ist Pflicht dt
heiligen Vaters, für die Erhaltung des Friedens Sorge zu tragen, nicli
bloss in Italien, sondern in der ganzen Christenheit, und zu dieser
Zwecke ziemt es ihm, neutral zu bleiben').
Die In- \^ie liber seinen Augapfel wachte Philipp 11. über die Inqnisi
uon V. tion. In den Jahren 1582 — 1583 hintertrieb er wiederholt Appelln
^^^' tionen nach Rom; er schrieb „sehr dringend und nachdrücklich^ ar
gehfltet^ den Papst, er dürfe keine von der Inquisition verhängte Strafe durcl
Dispens oder Nachlass aufheben oder verringern^).
Er verharrte überall auf seinem alten starren Standpunkt. Dem
er war unfehlbar, der Papst aber fehlbar. Als Gregor XIII. durcl
Bulle vom 4. April 1583 über alle Kezer, sowie alle, welche dei;
Bestimmungen der Bulle: „In coena Domini^ entgegenhandeln würden,
die Ezcommunication aussprach^, erneuerte Philipp 11. sofort den Aus
schluss dieser Bulle aus allen Ländern seines Reiches^). — Erst i
der lezten Zeit Gregorys XIIL trat eine theilweise Annäherung zwiscbe
ihm und Philipp II. ein, wegen des spanischen Unternehmens gege
England^).
Am 20. October 1584 gab der Papst ziemlich ausgedehnte, vor
Philipp II. bald willkührlich ausgedehnte Facultäten zur Beileguod
der Streitigkeiten der kirchlichen Behörden in Spanien untereinander
Damals wurde die Bedeutung der Nuntien sehr zu Gunsten des König-
thnms vermindert*).
§. 8.
Am 10. April 1585 starb Gregor Xllf., am 24. April wunl'
Sixtus V. zum Papste gewählt. Philipp II. und er liebten einander
nicht. Sixtus V. hatte unerfreuliche Eindrücke von seiner Reise not i
Spanien zurückgebracht. Zuerst gab es kleinere Gonflikte mit Mailand
und Neapel. — Im October 1586 erschien in Madrid „die Pragmatik
') Mat. Zane, p. 367 sq.
•) Satgado, 2, 83, 138—140 (p. 332).
«; BiillHr. Roman, cd. Cocquelinus, t. IV, P. IV, Rom. 1748, p. 27-31.
*) Fic. de La Fuente, V, p. 318.
*) Hübner, Sixt V, I. p. 374. Depesche Vinc. Gradenigos v. 22. Febr. Ib:
•) UergmTöther, 10, 30.
Sixtafl V. und Philipp IL (1585-1590.) 525
der Titel^, und es fragte sich, ob man den Nuntius „Monsignor^ oder
„Monsignor reverendissimo^ nennen solle. Der Papst verbot bei Strafe
der Excommunication, sich dieser Titel -Pragmatik zu unterwerfen,
Dafiir verbot Philipp II. verschiedene Bullen Sixtus* V.; er verbot dem
Inquisitor in Sardinien, sich nach Rom citiren zu lassen '). — Wegen
des Feldzngs gegen England aber trat die Missstimmung zurück. Für
diesen Zweck gab Sixtus V. (im Jahre 1587) jährlich 800.000 Gold-
thaler, und suchte die „heillose spanische Langsamkeit^ in ein schnel-
leres Tempo umzusezen« Dem Konige bewiUigte er zudem ein „Snb-
sidio ecclesiastico^ von jährlichen 420.000 Ducaten*). — Im Jahre 1587
schenkte er dem Eonige auch das Hochmeisterthum des Ordens von
Montesa^). Als aber der Feldzug misslang, wurde Sixtus V* zornig siztosv
auf PhUipp II. Er weigerte sich, die Million Goldthaler nach Spanien ^^^•J**
zu senden (Sept. 1588); er leugnete^ die Absendung der „Armada^ an- gisch.
gerathen zu haben. Die spanischen Gesandten Olivares und Herzog
von Sessa waren mit Hass gegen Sixtus V. erfüllt. Olivares schlug
dem Könige ein „Schisma^ vor; ein spanisches Nationalconcil sollte
über den Papst zu Gerichte sizen. Im Juni 1589 sagte Philipp II. zum
päpstlichen Nuntius, er werde ihn nur noch im Nothfalle empfangen. —
Je mehr Heinrich IV. von Frankreich sich zu Sixtus V. hinneigte, um
so mehr wendete dieser sich ihm zu. In Madrid sah man mit Arg-
wohn, wie Sixtus V. sich eine Kriegsmacht schuf und fürchtete An-
griffe auf Neapel^). Endlich trieb Philipp U. zur Entscheidung. Eübner
^gefallt sich hier^ Philipp II. in Schuz zu nehmen.^ Olivares sollte den
Papst nöthigen, 1) zur Entfernung des französischen Gesandten Luxen-
burg; 2) zur Excommunication aller französischen Prälaten, die auf
Seite des „Prinzen von Beam^ ständen; 3) zur Erklärung^ diesen als
rückfälligen Kezer nie in den Schoos der Kirche aufzunehmen.
Olivares war einer der wüthendsten Spanier, die je einmal Ge-
sandte in Rom waren. Er griff den Papst personlich an, und wollte
vor ihm einen feierlichen Protest im Namen des Königs erheben.
Sixtus y. aber nannte den Grafen ^^ einen Verbrecher, Stein des An-
ßtosses, und Ursache aller Uebel^^ und drohte ihn aus Rom zu ver-
treiben*). Der Papst beschwerte sich bei Philipp II. Dieser aber
schrieb an den Papst, sein Brief sei eine „Ungereimtheit^, worin er
*) Salgado, 2, 33, 141 (p. 332)»
«) Mod. LaßtenUf VII, p. 530.
') Relaz. di Franc. Soranzo bei Bar. et Berchenroth, 1, 1, 48.
') Tomas Contarini 1593 bei Albert, I, 5, 439.
') Depesche Oiivares bei dem französischen Hühner III, p. 379 , v. 3. März
1590. (Von HiUmer^s Sixtas V. erschien gleichzeitig eine französische und deatache
Aasgabe.)
520 Kecapitulation des g:)DzeD Werkes. Ylertcs Kapitel. Der vierte n. fünfte Baod.
bezweifle, dass Philipp U. den ,, Protest^ seines Gesandten befohle^
Labe^). Im Mai 1590 sandte er den Herzog von Sessa nach Koi:
giebtzu- um bei Sixtus V. mildere Saiten aufzuziehen. Auch Sessa gieng bal
nach, zu Drohungen und zu Zwang über; und nicht ohne Erfolg. Luxti*
barg wurde vom Papste nicht mehr empfangen. Rom versprach, da-
es nie Jemand als König Frankreichs anerkennen wurde, der Philipp's I
Billigung nicht empfangen. Mitte Juli 1590 wurde ein Offensivbündni-^
zwischen dem Papste und dem spanischen Gesandten aufgesez*
Sixtus V. aber starb am 27- August J590, welche Nachricht in Spa
nien erfreute.
Am 15. September 1590 wurde der Cardinal Castagna (Rossam-
»^
^'^ Papst als Urban VI,, ein lauter Bewunderer Philipp's IL, der ihn eint
(1590 — „grossen Christen" genannt. Ihn hofl^e man völlig als Geschöpf Pp:
1590), nicn's ausnüzen zu können, so wie etwa seiner Zeit Carl V. über sein
derer Erzichcr Adrian V. gesagt hatte: „Ich verfüge über ihn wie über ein
^***" in meinem Hause Erzogenen"*). Allein schon nach 13 Tagen sta
' der Papst. Lange dauerte das neue Conclave*).
Montalto, Neffe Sixtus' V., stand auf der antispanischen Seite; giJ
spanische Cardinal Mendoza verfugte aber über mehr als ein Drittel iK
li^^n Stimmen. Philipp IL erfrechte sich, eine eigentliche „Inclusive" tin
schreitet führen zu wollen, nachdem er früher das Recht der „Exclusive'^ sie!
^Exciu' erstritten. Er bezeichnete den Wählern ganz positiv diejenigen Ca:
siTe" dinäle, aus denen allein er einen Papst anerkennen würde. Er trr.|
■yr^^Jkein Bedenken, dem heiligen Geist in die Arme zu fallen und dt:
ciutive ' A «
fort. Kirche den Nachfolger des Apostelfürsten dictatorisch bestimmen zj
wollen. Sieben durchaus spanisch gesinnte Cardinäle nannte er, untc:
ihnen möge Montalto selbst wählen. Dieser gab endlich nach uii !
Papst wählte den spanischen Candidaten Cardinal Sfondrato — Gregor XIV.,
gopxiv. ^' December 1590. Philipp's Unterthan, stammte er aus einem sti:.-
1500— spanisch gesinnten Hause. Sein Bruder Ercole war Diplomat Philipp^s II.
' Von den Staatssachen verstand er nichts. Der spanischen Leitim^
ergab er sich völlig. Alle Katholiken forderte er unter seh wert r.
Kirchenstrafen zum Abfalle von Heinrich IV. auf, unterstüzte d
Ligue durch seine Legaten, durch Sendungen von Geld und Mann-
schaften, es leerten sich die von Sixtus V. gesammelten Schäze*).
Aber selbst ihm Hessen die spanischen Juristen nichts hingtheu
Als er am 9. Juli 1591 eine Bulle erliess, welche das Asylrecht ilc
it
') Depesche v. San Lorenzo vom 12, Juni 1590 {Hübner, III, p. 451).
•) Tom. CorUarini, 438.
*) Ueber die Wahl Gregorys XIV. s. Gindely, Papstwahlen in den Sizun^-b-
berichten der Wiener Akademie der Wissenachaften, 38 (1^61), S. 253—257.
*) Tom, Contarini,
„Die Inclusive Phfllpp's II." Clemens Vill. und Philipp IL (1592—159.«^). 527
Kirchen wahrte, wurde ihm von Spanien der Gehorsam versagt. Er
staib aber am 15. October 1591, und schon am 29. October wurde
Fachinetti zum Papst gewählt*). lunocenzIX. war ein eifriger Anhänger inno-
der Ligue, doch war er den Spaniern nicht ganz so angenehm, wie <'«°'^*^»
der vorige. Auch er starb schon am 30. December 1591. Am 30. Ja-
nuar 1592 wurde Hippolyt Aldobrandini — Clemens VIII. — gewählt,
mit gutem Verständniss für die Staatsgeschäfte begabt*). Mit seiner
Wahl war Philipp II. keineswegs einverstanden. Sofort richtete der
Papst einen freundschaftlichen Brief an Philipp U.; allmälig bekam
man von ihm eine bessere Meinung in Madrid^).
Fast drei Jahre lang wandelte Clemens VIU. in den Bahnen
seiner beiden Vorgänger, wenn auch mit minderer Hize. Er gestand
Cruzada, Excusado und Subsidio zu, so dass Philipp II. nur aus
kirchlichen Quellen zwei Millionen Ducaten zog. Clemens VIII. er-
schien jczt als „ganz spanisch."
Gerade diess Bündniss gab Philipp II. die „Unverfrorenheit*', PhHipp«
mit einer Schärfe die Unabhängigkeit der spanischen Kirche zu be- s^ämt-
treibeu, wie sie wohl nie schroffer durch einen „Gallicaner" hervor- **®*'
wuchst
gehoben worden. Auf eine Petition der Cortes vom Jahre 1593 er- mit der
klärte er: Da sich die Nuntien auf Artikel 16 der Bulle: „In coena ***^
Uomini" berufen, da das Heilmittel der „Recursos de la fuerza" das
wichtigste und nothigste ist, was es zum Wohle, zur Ruhe, und zur
guten Regierung (dieser Reiche) geben kann, ohne welches das ganze
Cieraeinwesen in Verwirrung gerathen wurde: so befehlen Wir unserem
Käthe und unseren Appcllhöfen^ dass sie grosse Sorgfalt darauf ver-
wenden, den Parteien, die bei ihnen durch Anrufung „de fuerza" Ab-
hilfe suchen, ihr Recht zukommen zu lassen, in Uebereinstimmung mit
dem Rechte, und unvordenklichen Herkommen, den Gesezen und Ver-
ordnungen dieser Reiche, und dass sie in Gemässheit dieser alle Ueber-
treter strenge bestrafen"*).
Wieder wurde verboten, dass ein kirchlicher Process, der noch
in erster Instanz schwebe, an die Rota in Rom gebracht werde, ent-
gegen der Praxis, welche die Rota längst befolgte. Die Bulle Cle-
mens VIII. vom 19. Juni 159:1 über die Geschenke von und an Kloster-
Irute, ganz harmlosen Inhalts, wurde in Spanien ebenso wenig an-
genommen, wie manche Anordnungen der päpstlichen Kanzlei. Rota
und „Consejo" lagen erbitterter als je im Streite. Der „Consejo" bestrafte
•) Tom, Ctmtarini, S. 438 flg.
') Tom. Contarini, S. 439.
^) 0s8cU an Villeroy vom 17. Jan. l'M: — Ich glaube, dass der Papst mehr
Zimc'rgung za Frankreich, als zu Spanien hat. — Lettres d*0s8at, 2, 27.
*) Naeva Rocopilacion, lib. 2., t. 5. 1. &0.
Baro-
nin«.
528 Recapitnlation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte a. fünfte Band.
die an die ^,Rota^^ Appellirenden mit Gritereinziehangy and oft mit
Verbannung *).
In Rom wollten sich die Cardinäle nicht mehr von Philipp II.
commandiren lassen. Auf ihr Betreiben trat eine Commission von Theo-
logen zusammen, die, sich st&zend auf eine scharfe Bulle PauPs IV.,
und eine andere Pins' IV., das Verfahren Philipp's II. geradezu als
„ipso facto^^ der Excommunication unterworfen bezeichnete. Sie ver-
dammte besonders den direkten Zwang, den Philipp durch die „In-
clusive*^ auf einen grossen Theil der Cardinäle ausübe, den Ausschluss
oft der trefflichsten und geeignetsten Männer durch die Exclnsive
Card. (Cardinal Baronius wurde zweimal durch die Spanier „excludirt") aus-
übe, die formliche Simonie, deren sich der König durch die Bezahlung
von Cardinälen mit Rücksicht auf die Papstwahl schuldig mache ^}.
Der Herzog von Sessa wollte diese Anklagen nicht auf sich sizen
lassen. Im Februar 1594 versammelte er in Rom alle spanischen
Theologen, die ihn und seinen König „rein wuschen^^ Im Jahre ir39S
wurde ihr Spruch von einer theologischen Junta in Madrid bestätigt.
Die Cardinäle aber blieben fest, und seitdem war es mit der unbe-
dingten Herrschaft Spanien's über das Conclave vorbei^.
Heinrich IV. war 1593 Katholik geworden; er meinte, dass ein
so schönes Königreich, wie Frankreich, doch auch einer Messe werth
sei. „Heiliger Vater^ sagte der Präsident der Rota, Serafin, Cle-
mens VIT. hat England verloren, weil er sich zu sehr beeilte, Hein-
rich VIII. zu excommuniciren, und Clemens VIII. wird Frankreicli
verlieren, weil er zu sehr zögert, Heinrich IV. zu „absolviren". Am
17. September 1595 fand die Absolvimng und Anerkennung Heinrich^s IV.
in Rom statt, während Philipp II. ihn immer noch als Prinzen von
Bearn, als rückfälligen und heillosen Kezer betrachtete, mit dem er
seit Januar 1595 im erklärten Kriege sich befand. Aber troz aller
Bitten Heinrich's IV. weigerte sich Clemens VIII. beharrlich, den
Serafin zum Cardinal zu ernennen. Am 1. August 1595 und 10. Ja-
nur 1596 sezte er die Vorrechte der spanischen Inquisition im weitesten
Umfange fest, und^erklärte den Generalinquisitor als einzige und aus-
schliessliche Appell -Instanz von den Urtheilen und Verfügungen der
Inquisitionsgerichte ^). Diess half den) Papste nichts. Philipp II. war
tödtlich beleidigt „Obwohl (sagt Vendramin) die Absolution nDti
Rebenediction „Navarra's'^ (Heinrich's IV.) das Gemuth des Königs
>) Salgado, I, 2, 138, 142; 2, SO, 1. 4. 5-7. 10. 12. 14. 33. 37 (p. 35.
240-242).
*) LcyrenXy Papstwahl und Kaiserthnm, S. 133 flg.
«) Oindely, S. 258 flg.
*) Belaz. di Franc. Vendramin — 1595 ap. Alberij 1, 5, 466 sq.
^^S-PTT
demens Vlll. ntid Philipp tl. 529
ausserordentlich bewegt und erschüttert hat, so lässt er sich dennoch ^^•
von dieser Kränkung nichts merken, wie es auch andrerseits S. Heilig- gebr be-
keit thut in Betreff der Beeinträchtigungen, welche die Ansprüche der ^^^^^
Kirche in Spanien erleiden, wo nicht nur Ihre Anordnungen und Ver-
fügungen vom königlichen Bathe der Gensur unterzogen und abge-
schwächt, sondern auch ganz verworfen werden. Darüber hat sich
freilich S. Heiligkeit oft bei den spanischen Botschaftern beschwert,
jedoch völlig fruchtlos. Im Cardinalcollegium hat jezt der Konig nicht
mehr viel Auctorität wegen seines herrschsächtigen Vorgehens, und
wird er in Zukunft noch weniger haben, da die franzosische Partei zu
ziemlicher Grösse gelangt ist, so dass sie demnächst der spanischen
kräftiger wird entgegenwirken können.^
Philipp n. fühlte es; nach so vielem Andern hatte er auch die
Gewalt in Rom verloren. Kein Wunder, wenn Clemens VIII. auf den
Tod Philipp's wartete. Denn sein Nachfolger galt für (und war) un-
bedeutend, dabei mild und versöhnlich. Philipp's Plane hatten Schiff-
bruch gelitten. Er wollte die spanische Kirche unter das Joch seines
gleichförmigen Absolutismus beugen, und diess gelang ihm fast völlig.
Er wollte seinen Absolutismus auch auf weltlichem Gebiete durch kirch-
liche Mittel fordern; er wollte aber auch der Lenker und Leiter der
ganzen Kirche sein — und diess misslang ihm. Die Interessen des
Glaubens und Spanien's waren ihm identisch. Aus der heiligen rö-
mischen £[irche wollte er eine heilige spanische (oder Philipp'she)
Kirche machen. Er verlangte mit aller Schärfe, dass, wie Spanien der
Kirche und dem Papstthume, so diese unbedingt Spanien dienten.
S. katholische Majestät betrachtete sich als das weltliche Haupt der
Kirche, mit dem das geistliche, der Papst, stets Hand in Hand
gehen müsste.
,Jn dieser für die Kirche so gefahrlichen Zeit, schreibt er an
seinen Gesandten in Rom, hat S. Heiligkeit viele Gründe und Ursachen,
mir zu glauben und meine Erinnerungen und Rathschläge mit ebenso
grosser Zuvorkommenheit und Bereitwilligkeit aufzunehmen, wie seine
Vorgänger in derselben Hinsicht gezeigt haben.^' Die eifrigen Katho-
liken ausserhalb Spanien's waren den Ansprüchen Philipp's II. nicht p^i-
abgeneigt. Heinrich von Guise sagt: „Ich halte S. katholische Majestät ^j^ ^{,
für den gemeinsamen Vater sowohl aller Katlioliken, als auch meiner i^in die
im Besondem«>). ^l^^^^
„Was S. Majestät thut, geschieht für den Dienst Gottes, und zum
allgemeinen Besten der Christenheit und des katholischen Glaubens.
') Philipp IL an den Herzog von Sessa, vom 15. Juli 1590. Hühner^ 3, 449
(leider sind in der deutschen Ausgabe die Documente nicht gedruckt).
Oamj, span« KIrcho. III. 2, 34
530 Becapitnlation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte n. f&nfle Band.
Das ist notorisch. Die katholischen Fürsten brauchen bloss aufrichtig
sich ihm anzuschliessen und sie sind sicher, sich auf dem guten Wege
zu befinden"*).
Würde ein Papst sich von Philipp II. emancipiren, es wäre dann
kein Zweifel, dass er aus „verwerflichen persönlichen Beweggründen''
handelte, dass er eine Art von Kezer wäi*e. Denn Philipp JI. war
„katholischer als selbst der Papst^^; er aUein war unfehlbar. Einen
solchen Papst bezeichneten die spanischen Minister und der Konig
selbst als „vernunftlos", „verhärtet", „voll schädlicher Rathschläge",
„mit dem schlechtesten Herzen von der Welt", „ohne Verständniss
für die Staatsangelegenheiten", „unzuverlässig", „Ursache des Aerger-
nisses"; er wurde beschuldigt, , Jahrelang nicht gebeichtet zu haben^S
Philipp II. schrieb dem Papste, „dass er der Kirche in ihren grössteu
Gefahren vergesse"^). Zahlreiche andere Stellen finden sich in seineu
Depeschen. Philipp IL wollte keinen Papst aus fürstlichem Geschlechte,
weil dieser mit seinem ganzen Hause über seine Bestecbungskünste
erhaben, und nicht so leicht einzuschüchtern gewesen wäre^. —
Philipp II. glaubte steif und standhaft an seinen und Spanien's Beruf,
zu herrschen zur Erhaltung des Glaubens, zum Dienste Gottes. Er
war der Riese, der Atlas war er, der die ganze Welt auf seine Schal-
tern nahm, und sie tragen wollte. Kein Wunder, dass er immer
keuchte und jammerte, den Beleidigten und den Trübseligen spielte,
und jegliche tiefe und wahre Herzensfreude ihn floh. Wenn ein arm-
seliges Geschöpf Gott alle seine Lasten abnehmen und sie allein tragen
will, so muss er ein — Ritter von der traurigen Gestalt werden.
Durch falsche Berichte irre geführt, habe ich S. 250 gesagt, der
Historiker Luis Cabrera de Cordova hat den zweiten Band seiner Ge-
schichte Philipp's IL fertiggestellt; das Werk wird auf Staatskosten
gedruckt« Es musste hcissen: Das Werk von Cabrera: Phelipe se-
gundo, rey de Espana, das im Jahre 1619 in 2 vol., reichend bis zum
Jahre 1583, gedruckt worden, ist jezt auf Staatskosten neu erschienen.
Der dritte Band (Madr., 1877, kl. fol.) reicht bis c. 1591; ich sage
bis circa — . Denn man kann nicht leicht ein geschichtliches Werk
') Gnise an Mendoza am 12. Juni 1687 — ap. Croze^ \ea Guises, les YhIuis
et Philippe II. Paris, 1866, II, p. 291, — Sessa an Ydiaquez — am I. Aug. lf)70.
Hühner, II, p. 22.
') Döllinger, Beiträge, I, p. 503, 629. {Hühner, III, p. 232, 244, 259, 3f)G.}
*; Giov. Soranzo 1565, I, p. 5, 96. — QiroL Soranzo 1602, bei Bar, und
Berchenrothf I, p. 1, 169 sq.
531
finden, das so sehr aller chronologischen Angaben entbehrte, wie dieses
im schwerfälligen Dithyramben- Stile geschriebene Werk. Man weiss
nie, in welchem Jahrzehent man sich befindet. Die Ausstattung zwar
ist sehr splendid. Aber der oder die Herausgeber hätten wenigstens
die Herausgeber der alten Chroniken, Gerda y Kico und Eugen Llaguno ^
(5, 418, 420) nachahmen, und oben auf jeder Seite das Jahr angeben
können, in dem der Leser und der Auetor sich befindet.
§. 9.
Ein neues Werk: „Philippe H. et Don Carlos devant Thistoire"
par Jose OuUl y Rente (Ex-Deputirter der constituirenden Cortes vom
Jahre 1864), ist zu Paris 1878 erschienen, pp. 353. Der Verfasser
nimmt Don Carlos gegen Philipp H. in Schuz. Am Schlüsse seines
Werkes giebt er eine Blumenlese der r— verwerfenden — Urtheilo einer
grossen Anzahl von Schriftstellern über Philipp U. Vergleicht man
damit das, was ich über Philipp U. gesagt, so sind meine Ausdrücke
über ihn — gelinde und milde.
§. 10.
Den spanischen und nichtspanischen Schriftstellern nachfolgend
habe ich (S. 298) gesagt, dass Papst Innocenz XU. im Jahre 1700
dem Eonig Carl U. gerathen habe, den Philipp (V.) von Anjou (Or-
leans) testamentarisch als seinen Nachfolger einzusezen. Vor Kurzem
hat Onno Klopp nachzuweisen versucht, dass der Papst gar keinen
Ausspruch in dieser Sache gethan. Der Cardinal Portocarrero habe
dem schwachen und todtkranken Carl II. fast Gewalt angethan, sich
für die Bourbon's und gegen Oesterreich zu entscheiden^). — Das
Schreiben Carl's II. war vom 13. Juni 1700, die Antwort des Papstes
vom G.Juli 1700 (in: Av^nement desBourbons autröned'Espagne, t. II9
p. 227 suiv. n. Hippeau — , der an die Aechtheit der Briefe glaubt.
Dagegen findet sich bei Jf. Capefiguey Louis XIV., son gouvernement
et sa politique exterieure, Paris 1835, 6 vol. (t. IV, p. 160) der ächte
Brief Carl's IL) Der Inquisitor Mendoza, Torres, der Beichtvater Carl's II.,
und die Konigin Maria Anna mussten aus Madrid — 1700 entfernt werden;
denn ihnen hatte Carl II. gesagt, es sei ihm bei Anfertigung des Testa-
ments Gewalt angethan worden. (Theatrum Europaeum, XVI, 399;
*) Hat der Papst Innocenz XII. im Jahre 1700 dem König Carl II. von Spa-
nien gerathen, daroh ein Testament den Herzog von Anjou znm Erben der spa-
nischen Monarchie za ernennen? Historisch-polit. Blätter, t. 83 (1879), p. 23— 46,
125—150.
34*
532 Becapitalation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel Der vierte n. fünfte Band.
Memoires de Lamberty, I, p. 420 sq.) Papst Clemens XI. wurde, troz
des Veto's CarPs II., am 23. November 1700 zum Papste gewählt Er
war von Anfang an nicht franzosisch gesinnt; aber aus Furcht vor
Frankreich erschien er franzosisch. Er erklärte dem Kaiser Leopold I.,
dass weder die Frage Carrs II., noch die Antwort Innocenz's XII. so
gelautet, wie ausgesprengt worden seL (Relazione del Conte di Lam-
berg, fol. 156 — di quelle, che si narra del passato pontificato vi
h qualche piccola cosa di vero, ma vi b moltissimo di falso, e se si
potesse palesare queUo che vi 6 di vero, non potrebbe riprendersi in
conto alcuno la memoria di quel santo Pontefice, Fonore pero e la
conscienza obligano a tacere, e basta dire con veritä che ne l'istanza
di Carlo II, ne la risposta d'Innozenzio XII furono tali quali si dicono
nel foglio (des franzosischen Cardinais Forbin Jansen). Questa es-
pressione del Papa h qui rapportata senza variazione ne pure di una parola.)
Fendon kannte die Sage noch nicht Aber bei St, Simon findet
sich die ^^Tradition^' abgerundet (Memoires, t. II, p. 123) und ebenso
bei Voltaire, si^cle de Louis XIV, p. 191. Diese zwei haben das
Märchen in die Welt gesezt Der Cardinal Forbin^Janson, in liom
und Neapel entlarvt, sandte Abschriften der fingirten zwei Briefe nach
Paris und an Philipp V. Er suchte der Lüge eine Basis für spätere
Zeiten zu verschaffen. „Der Erfolg in der gesammten europäischen
Geschichtsliteratur beweist, dass dem Cardinal Forbin- Janson diess
gelungen ist (s. Ranke, Franzos. Gesch., IV, 146), „Wir werden
anzuerkennen haben, dass an den eigenen Worten des Papstes Clemens XI.
die Fiktion des Cardinais Forbin-Janson zerschellt"
REGISTEI^.
£b. bedeutet Enbiiohof, EnbUthom; B. bedeutet Biaehof, Bistham; P. Fi^Mt.
A.
Ab ad, und LaBierra, Manuel, 0. S. B.,
Eb., III. 2, S. 412-413.
Abdera (Adra), B.? I, S. 155, 166, 169;
II. 2, S. 15, 22; UI. 2, S. 477.
Abder rahman ei Dakhel, der Ommijade,
erster Ghalife von Cordova (756—788),
n. 2, S. 244—245, 251.
Abder rahman II. (821—852), nnter
ihm erblnht Cordova, II, 2, S. 301 ; seine
Nachfolger, S. 307, 309, 319, 324--325.
Abderrahman III. (912 — 961), II. 2,
S. 441, duldet die Christen, S. 443, 448
bis 449.
Aberglauben, II. 2, S. 18.
Abla (Abnla, Alba), Bischofssiz des hei-
ligen Secundus, I, S. 150—158. Abula
ist die Villa Abla bei AccI, S. 154—157.
Abula in der neuem Kirchengeschiohte,
S. 157-158; 111. 2, S. 475—476, 508.
Ablässe, seien nicht zu zahlreich, III. 1,
S. 383.
Acci (Gnadiz), die „apostolische Kirche* ;
der Weg von Basti nach Acci, I, S. 120
bis 123. Das alte Acci, S. 130—131.
Der heilige Torquatus von Acci, der
erste beglaubigte B. Spanien's, S. 138
bis 149. Das B. Acci, das erste in Spa-
nien, S. 142. Acci, sein Strassennez,
S. 208—209. Die Centrallage der Stadt
Acci, S. 205—214. Bischöfe, II. 2, S. 20
bis 21; seine Grenze gegen Elvira, S. 21 ;
will nicht unter Toledo stehen, S. 73
(199). B.Fredoarum720,S.243. B.Qui-
ricuB, 839, S. 312—313. Guadix erobert
und wieder Bisthum, 1490, UI. 1, S. 443 ;
III. 2, S. 474—475.
Acinippo, Pfarrei 306, II. 1, S. 16-17;
III. 2, S. 481.
Aciscius, und Victoria(?), Märtyrer von
Corduba, I, S. 356—360; IL 2, S. 454.
Acta Sanctornm, s. Bollandisten.
Adelelmus (Lesmes), hl., und seine
Hospitäler (f c. 1097), III, 1, S. 171—172.
Ein anderer Adelelmus (f c. 1218), III. 1,
S. 175.
Ado, V. Vienne, s. Martyrologium c. 870,
I, S. 32, 46, 72-73, 78—80, 146—149,
222-227, 312-318; lU. 2, S. 475.
Adoptianer, Haeresie der, II. 2, S. 259
bis 298. Nestorianer und Adoptianer
(sind identisch), S. 261—266. Elipandus,
Eb. von Toledo um 782—783; die Ne-
storianer wandern aus Syrien in Spa-
nien und Corduba ein, S. 264—265,
und bringen u. a. die Werke Ephrem's
des Syrers mit, S. 265. Elipand ist
Schüler der „Brflder* in Corduba, S.266.
Mdnche kommen aus dem Orient nach
Spanien, S. 266—267. Der „Catholicns*
531
Reg'stcr.
in Corduba, S. 267. Quellen des Ado-
ptianismiis, S. 2G7— 269. Lehre der
Adoptianor, S. 269—272. Die Ado-
ptianer und die spanische Liturgie,
S. 272. Anhänger des Elipnnd : Felix von
Urgel, S. 273, und Ascaricns von Merida ?
S. 273. Abt Fidelis, S. 273 bis 274, 277.
Gegner: Beatns und Etherius von Osma,
S. 274. Theudnla,Basiliscus,Vincentin8,
S. 275. Beatns, S. 275—277 gegen Eli-
panduB. Synode v. Narbonne, v. J. 788,
S. 28 1 . Synode v. Regensburg, v. J. 792,
S. 281. Die Falschheiten des Felix,
S. 282. Elipandus an Carl Gr. und
die fränkischen Bischöfe, S. 2^i, gegen
Beatus, S. 285. Synode v. Frankfurt
V. J,791, S. 287— i:91. Synoden v.J. 799,
S.292— 294. Synode V.Aachen, v.J. 799.
Alcuin disputirt mit Felix, S. 292 bis
203. Felix bekehrt sich, S. 293. Lezte
Mühen des Elipandus, S. 294. „Bruder**
Milita, S. 291. Elipandus sucht den
Felix „zurückzuerobern**, S. 296. Eli-
pandus an Alcuin, S. 296—297. Eli-
pandus „hüllt sich in Dunkel ein** (seit
c. 800), leugnet den Primat Petri, S. 298;
in. 2, S. 504—505.
Acra, spanische Zeitrechnung, abge-
Bch^fft, III. t, S. 208.
Agde, B., Synode v. J. 506, IL 1, S. 485;
Synode v. J. 907, II. 2, S. 424—425.
Aguirre, Sa^nz, Cardinal (f 1699), siehe
seine Sammlung der spanischen Con-
cilicn, I., S. 2M, 253; III. 2, S. 301.
Alaba, B. von kurzer Dauer, geht 1088
in Cälahorra auf, II. 2, S. 414.
Alba, I., S. 156.
Albeldense (Aemilianense) chronicon,
c. 881, IL 2, S. 343—315, s. Dulcidius.
Alberoni, Jul., geb. 1664, am spanischen
nof, III. 2, S. 317. Hohe Häne der
Königin Elisabeth und Alb., S. 318.
Alb., Cardinal 1717, S. 318—319. Er
kehrt die rauhe Seite gegen Rom her-
vor, S. 319; entlassen December 1719,
S. 319-320. Sein Proccss in Rom,
S.3.0. Alb., B. V. Malaga ?S. 321. Grosse
StiftnngcQ in Piacenza; Alb., Legat in
Ravcina, S. 3ii— Ö2^. Alb. f 88 Jahre
alt, 20. Juni 1752; Bcinc grossen Tugen-
den und grossen Fehler, S. 322.
Albornoz, Aegid., der grosse Cardinal,
Eb. von Toledo, lU. I, S. 384; seine Sy-
noden, 384—385, erobert den Kirchen-
staat wieder 1353—1361, f 23. August
1367, S. 390 (lies: „Beisezung*^ ; sein
Begräbniss, IL 1, S. 290.
Alcala (Complutum), B., L, S. 3S0— 334.
Das B. 1 6. Februar 1 156 beständig mit
Toledo unirt, III. 1, S. 27. Synode
gegen Petrus von Osma 1479; III. 1,
S. 434— 437» Universität, von Ximenes
gestiftet, eröffnet 1508; III. 2, S. 130
bis 132.
Alcan tara, Ritterorden, IIL 1, S. 55—56.
Alcoba^^a, Kloster 0. S. Bern, in Por-
tugal, III. 1, S. 58, 324, 329.
Alcuin, im Kampfe mit den Adoptia-
nem, II. 2, S. 186, 264, 281-282—283,
292-294; gegenFolix vöoürgel, S.294;
gegen Elipand, S. 297.
Alexander IIL P. (1159-1181), lässt
den zweiten Primat von Toledo auf
sich beruhen, IIL 1, S. 27—28, 55, 5G,
60, 108. AI. und Tarraco, S. 199, 205.
Alexander VL (1492— 1503), seine Bal-
len in Betreff America's 1493, IIL i?,
S. 95—96 - 97. AI. und Isabella die Kä-
tholische, IIL 2, S. 122. AI. und das
Placet, III. 2, S. 141. AI. und die Juden
in Rom, IIL 2, S. 50. AI. und die spa-
nische Inquisition, S. 50—52, 511.
Alfons L, König von Astnrien (f c. 750)
und die Benedictiner, II. 2, S. 276, S&^.
Alfons II. und der heilige Jacobns {Sz^},
ir. 2, S. 366, 367—368, 369.
Alfons IIL (t 20. Dec. 918), IL 2, S. 352,
374—375, 876—377, 397-398, 399,
406, 411.
Alfons IV., König von Leon (925— 92.S^,
IL 2, S. 399—401.
Alfons V., König von Leon (999—1028),
IL 2, S. 388, 400-401, 407, 409.
Alfons VI., König von Leon und Ca-
stUien (1076—1085), IL 2, S. 407, 410,
417, 422, 457^460, und P. Gregor YII.,
S. 461—462; IIL 1, S. 2, 3, 10, 18,
19; erobert Toledo 10^5, IIL 1, S. 10:
hält Ordnung aufrecht, S. 40; bant
BrQcken, S. 40; f 30. Juni 1 109, 79 Jahre
alt, S. 42; IIL 1, S. 171.
AlfoDB VII., in. 1, S. 17, 21-22, 29,
3], 33 (Kaiaer), S. 34, 35, 38, 41, 42,
lI26znLeoD gekrönt, ä.4':f, 44. Kriege.
1135 in Leon als „Kaieer' gekrönt,
S. 41, nimmt Joni 1142 Coria; S. 45,
48, 101, lO-*. Alf. Vll. gegen die AI-
Oübaden,S.49; b. „Chronik" hlaim,
S. 49-50, 50-51; f 21. Augnst 1157,
S. 51—52, 66-67.
AlfoDB Vlil., IM. 1, S. 38,39,53; 1161
solbaländig, S. 58—59,60-61, 62—6:;
pcBchlflgenbeiAlarcon 1195 (geb. 1155);
regiert 55 Jahre (die Citatros n. Larsa),
in. 1, S. III— IH, 116-118; nnd der
Krifig¥. 1212, S. 120-128 {f 6. October
1214), S. 129, 172-174).
Alfon8lX.v.Lei)n,geb. 1171 (1188), IM. 1,
S. 55—56, 60—62; Beine Ehe getrennt,
S. 63, 112, 128, 130, 166- 15G (t 1230).
AlfonsX., ,ol Sabio" (1252- 128i), von
Castilien, III. I, S. 167, 352 bis 353;
deutscher Beichscandldat, S. 32:), 353
(aeine GefleEeBBammlQng, S. 351), oin-
didirt 125G neben Bicbard von Com-
walliB, S. 357. Stellung der Päpate in
dieser Strellfrago, S. 367— a'^S; der P.
Boll ihm das Diadem geben, S. 358
(Richard 1 2. April 1272). P. Gregor X.
(1271—1275) weist mit Recht Alfona S.
ab. Rudulf v. Habsburg 29.Scptember
lüTJzQm KaiBer gewählt, S.360;AlfonB
weicht nicht, 1279, und will, wie Peter
vunLuDB, nicht verzichten, 8.362. Krieg
mit den Mauren 1275—1278, S. 363
bis 364. Eingriffe in die kirchlichen
Rechtcü.SGl— Süa.ConfliktemitFrank-
reich, 1278-1279, S. 36>— 367. Kriege
mit den Manren, 1280—1281, S. 366.
AlfonB ruft die Haureu, dann den P,
zu Hilfe gegen Beinen Sohn Sanobo
1232, a. 367, t 4. April 1284 (8. 368)
zu ScTilla. Seine Schriften, S. 369; Tu-
genden und Fehler.
Alfon» XI. (1312, 1 1350), 111. 1, S. 381);
siegt am Salgado 1340, S. 381—382
f^cgen die Haaren; nimmt 1344 Alge-
»iraa; seine Schriften, 8. 3s2.
Alfona XII. KOnig von Spanien (1875),
III. 2, S. 470.
AlfonB I, Herzog von Portugal (1172),
III. t, 8. 57.
Alfona III. (1245-1370)
III. t, a. 317.
Alfons I,, König von Ära
III. 1, S. 41, 178; nimn
goaea (f 1131), S. 180-:
Alfona II., der RenBche :
III. 1, S. 51, 63, 202, 211
Alfona III. (12a5-I291),
bis 256.
Alfons IV. (1336-1387),
Alfons V., König von Ar.
bis 1158;, HI. 1, S. 299-
Geld von der Kirche.
AlhakemII.,Chalif96I,II
Älm8n8orc.9S6,II.2,S.4;
Bieger der Christen, win
slirbt 1. Juli 1002, S. 457,
BlerbcD ans 1037, S. 457.
AImcria, B. des heiligt
I., S. 120, 126, 147, 154,
164. Andenken des heilij
in Alm., 8. 165. Alm. I
gehend wieder erobert,
200; wird wieder B. :
S. 443.
Almohaden, Herrscher
nehmen Cordova 1148,
45; nach 1145 fliehen
vor ihrem Angesichte, S. 4'
drei In Toledo starben, S
130.
Almoraviden, seit 1086
111. 1, S. 42, besiegt vo]
haden c. 1157, III. 1, 8.
Alonso, Kircbenfeiad, III.
454, 457-453.
Alora,Pfarroi30G, II. 1,8.18
AlvaruB von Corduba, c,
S. 265, 274—275, 301, 306-
und Eleazar, S. 316-311
Leben und Schriften, S
Alvar. ein .zweiter Tertall:
gegen B. SanloB.
Alvaro de Lima, Condesti
8. 423—424.
Amador deloaRioB, f 17. 1
II. 2, 8. 250.
Amalriob, König der West
IL I, S. 447—448, 486—1:
536
Register.
Amat, 8. Tones.
Ambrosius, hl, I., S. 217; IL 1, S, 382
bis 383 (8. Priscillianisten).
America, entdeckt 1492, s. Ck>1ambn8,
III. 2, S. 94—121. Erste Bischöfe Amer.,
S. 119. Neue (bessere) Geseze v.J. 1542,
III. 2, S. 172—174. Die Commenden
oder „Repaitimientos** sollen anfhOren.
Die Kirche im spanischen America vom
Jahre 1542 bis c. 1600, S. 202—220.
Patriarchen v. Westindien s. 1524, S.202.
S. Domingo, Eb. 1543(1547); Mexiko
Eb. 1534; B. Paebla 1525, S. 203.
B.Meohoacan 1536; B. Anteqaera 1535;
B. Gaadalaxara 1548; B. Merida 1562;
drei Concilien in Mexiko, S. 204. B. Dn-
rango 1620 errichtet; B. Linares 1777;
B. Sonora 1787; B. Guatemala 1534,
S. 206, Eb. 1742. Chiapa 1538, Hon-
duras 1539, Nicaragua 1534; Eb. Bo-
gota 1562— 1564, Panama 1534, 8.206
bis 207. Cartagena 1534, S. 207;
Santa Marta 1535; Popajan 1546, Ve-
nezuela 1532, Eb. 1803; Charcas 1552,
Eb. 1609; La Paz 1608; Gordova 1570;
8. Gruz de la 8ierra 1606; Paraguay
1547, 8. 207—208. Buenos Ayres 1620,
Eb. 1866; Lima 1539—1616, S.208. Fünf
Concilien, Cuzoo 1538, 8. 208—209.
Arequipa 1611, 8. 209. Truxillo 1609;
Quito 1546, Eb. 1837; Guamanga 1609;
Santiago de Ghile 1561, Eb. 1840;
Concepcion de Chile, 1563, 8. 209—210
(s. Turibins hl.). Dominikaner undFran-
ciscaner in America, 8. 2 1 5. Die Bischöfe
aus verschiedenen Orden, S. 217—21^.
Wieder schlimmere Zustande seit c. 1 600
8. 218—220. America reisst sich v. Spa-
nien los 1821-1827, in. 2, 8. 441—443.
Americo Vespncci, und America, III. 2,
8. 102-103.
Ammianns Marcellinus, I., 8« 96, 98;
II. 1, 8. 288.
Ana ölet, Gegenpapst, sucht mitDidacus
Gelmirez anzubinden, III. 1, 8. 102
bis 104.
Anathema Maranatha, II. 1, 8. 316;
II. 2, 8. 9, 101, 277; UI. 1, 8. 199.
Andujar, I., 8. 187-188, 191.
Antonin, Eb. von Emerita, IL 1, 8. 220
bis 222, 478.
Antonio, Nicolaus (1617, f 1684), s. Ei-
bliotheca vetus et nova, IIL2, 8. 301 bis
302; 8. Zweizüngigkeit, 8. 302—303.
Apostelschüler, die Sendung und
Thätigkeit d. sieben Apostelsch. in Spa-
nien, I., 8. 76. Die Martyrologien
über die Siebenmanner, 8. 76-80. Die
alte spanische Liturgie, erste Quelle
über sie, 8. 81—85. Ihr Officium und
ihre Festmesse, 8. 103—117. Die Städte
(Abla, Urci, Berja, Elvira, lilitnrgis,
Cazorla) der apost. SiebenmSnner und
die Centrallage der Stadt Aeci; 8. 205
bis 214. Die Siebenmänner mit ihren
sieben Städten und die Stadt Rom,
8. 205—208. Der Zusammenhang der
Reise des Apostels Paulus mit der
Sendung der sieben Apostelschüler
8. 218—221. Ihre Festfeier; ihre Feste
im 10. Jahrhundert, sie haben eine
Octave, II. 2, 8. 451. NachtirSge nnd
neue Entdeckungen, III: 2, S. 474 bis
479. Nicht eine, sondern viele Quellen
bezeugen die Wahrheit der Tradition,
8. 508—509.
ApringiusvonPace, Schriftatelier c53l,
IL 1, 8. 425; II. 2, 8. 148.
Aragon, Teatro edesiastico de las Iglc-
sias de — 9 t, III. 2, S. 410.
Aragon, Königreich s. 1035, II. 2, S. 41K
bis 422. K0nigRamiroL1035— c. 1067;
Sancho Ramirez nimmt Barbastro 1067,
t 1094; Pedro L 1094-1104, 8. 417
bis 418. B. Jacca, Huesca, Aragon,
S. 418.
Aragon ion, die Reiche A. und Cata-
lonien (1085-1248), UI. 1, S. 171-235;
Don Pedro I., 8. 174—182. Itimiro II.
„der Mönch«" 1 134, S.182. A. mit Catalo-
nien vereinigt 1137, S. 186, durch Ray-
mund Il.von Barcelona, der 1148Tortosa
erobert, 8. 200; nimmt 1 1 19 Lerida and
Fraga, 8. 208. Ramon IV. Berengar,
t 1161, 8. 202. AlfonslL, sein Sohn,
8. 202; seine Mutter Petronilla Rc-
gentin (f 1173), 8.202. Alfons König
s. 1163 (t 1196), 8. 211. Pedro II.
1204 in Rom (S. 211) gekrönt, hilft
1212 die M[auren besiegen, 8. 212; fallt
13. September 1213. König Jayme 1.
(1213-1276), 8.213; bekriegt Majores,
Register.
537
S. 214 — 215. Don Jayme, und „die
Töchter Eva's«, 8. 223—224, 233; Don
Jayme a]s Zungenabachneider, S. 233,
und als ßüsser, S. 234, erobert die
Balearen nnd das Königreich Valencia,
S. 214—217—220. Ar. von der Erobe-
rung Valencia*8 bis zu seiner Verbin-
dung mit der Krone von CastiKen
(1248—1479), III. 1, S. 236-816. Don
Jayme I., S. 236—237. Als fiegent
vergleichbar Ferdinand IH. von Caati-
licn, in seinem Privatleben aber sehr
bemackelt, S. 241 ; soll 2—5000 Kirchen
hergestellt haben, S. 242; seine Ehen,
S. 242 (Gemahlinen); theilt seine Staaten,
Band mit Navarra, 8. 243; seine 8öhne}
8. 243—24 1 ; theilt wieder im Jahre 1 262 ;
gegen die Blanren in Marcia 1265 bis
1266, 8. 244; sein gepknter Krenzzng,
S. 244—245; ist 1274 auf dem Concil
zu Lyon, 8. 244—245; legt das Gewand
0. 8. Bern, an 1275, 8. 245 — 246;
1 25. Juli 1276, 8. 245. König Pedro III.
1276, 8. 219; will Navarra erobern,
S. 350; nimmt Sicilien, 1282, 8. 251.
P. Martin IV. der „Franzose", gegen
ihn, 8. 251—252; sezt ihn als König
von Aragonien ab 1283 (Carl von Anjou,
t 1285), 8. 253. P. Martin, f 28. März
1285. Krieg mit Frankreich 1285, 8.253.
König Pedro III., f 10. November 1285,
8. 253, .der Grosse". Alfons 111. (1285
bis 1291), 8. 254-255. P. Honorins IV.
gegen ihn, dann für ihn. Don Jayme II.
(1291—1327), 8. 2.>5; 1297 in Rom.
P. Bonifaz VIII., 8. 255, er wird von ihm
mit Sardinien und Corsika belehnt; sein
Bruder Friedrich, König von 8icilien,
8. 256. Don Jayme II. erklärt sein
Reich als untheilbar; erobert Sar-
dinien c. 1322; gegen die Pisaner,
S. 281; Don Jayme anerkannt 1324,
1326, t 2. November 1327, 8. 282.
König Alfons IV. (1327 --1336), 8. 282.
Pedro IV. (1336-1387), 8. 286; seine
Chronik, S. 286; erobert die Balearen
13 13, 8. 2^1 ; Kriege mit Castilien, 8. 289
bis 290; 1378 fällt Sicilien an Aragonien
zurück, 8. 290; f 5. Januar 1387, 8. 290;
König Don Juan I. (1887), 8. 292.
für Clemens VII. von Avignon, f 19. Mai '
1395, 8. 293.' König Don Martin (1395),
8. 293, ganz (Ur Peter von Luna, S. 294;
t 31. Mai 1410, S. 296; mit ihm stirbt
der Mannsstamm der Grafen von Bar-
celona aus. Congress von Caspe; die
Königswahl, 8. 296. Ferdinand I. von
Castilien gewählt, 8. 296—297; Ara-
gonien und das Concil von Constanz
1414, 8. 297; Ferdinand fibr Peter von
Luna, 8.297; Ferdinand I., f 2. April
1416, 8. 299. König Alfons V. (1416
bis 1458) will immer Geld vom Klerus
haben, 8. 300-301, 304; zerfällt mit
P. Martin V. wegen Neapel, 8. 302 bis
303. Der Legat Cardinal von Foix ver-
handelt mitAlfons V. in Valencia, 8. 305
bis 306. Aegid Mufioz (Clemens VIU.)
fallen gelassen, 8. 307. Mufioz ent-
sagt feieriich, 8. 807. Pefiiscola nicht
mehr schismatisch, 8. 807—308. Alfons
giebt 1429 den Forderungen der Kirche
nach, 8. 309. Reformen Alfons V. ; seit
1443 in Neapel, S. 313; belehnt von
P.Eugen IV. mitNeapel(t 1458). JuanlL,
König von Navarra (1458—1479). In-
quisition in A. seit dem 13. Jahrhun-
derte, III. 2, 8. 12—14. Neue Inqui-
sition 1484-1486, III. 2, S. 23—24.
Aranda, 1766 Präsident von Castilien,
III. 2, 8. 357-359; vertreibt die Je-
suiten, am 31. März 1767, S. 359 bis
360; Gesandter in Paris, S. 372, 374,
376; 1794 gestürzt vonGodoy, 8.377,
t 1799.
Arbuös, Pedro hl., geb. c. 1442, studlrt
in Huesca und Bologna; Chorherr in
Saragossa 1474, III. 2, 8. 25—26, wird
Inquisitor 1484, 8. 26—28; seine Thätig-
keit als solcher, 8. 27—32; die „neuen
Christen* beschliessen seinen Tod, S. 33
bis 84; stirbt als Märtyrer 17. September
1485, 8. 34—35. Folgen seines Todes;
seine beständige Verehrung; Heilig-
sprechung, Biographieen, S. 35—43*'
Arevalo, Faustin, 8. J., II. 1, S. 343
bis 844 über Dracontius; edirt den
Isidor V. Sevilla, II. 2, 8. 113; edirt die
christlichen Dichter 1791 ; II. 1, 8. 135;
t in Madrid 7. Januar 1824, IIL 2,
S. 438-439.
Argentea, hl. Martyrin von Cordova,
638
Register.
II. 2, S. 441-442 UDd der Gallier Vul-
fura (t 13. Mal 931).
Arjona, 306 Pfarrei, II. 1, S. 18—19;
IIL 2, S. 481.
Arnobius, der Rhetor, I., S. 90, 94,
95, 98, 280.
Arnle, Kirche v., 1157 geweiht, III. 1,
S. 201—202.
Asidona, B, I., S. 64; als B. genannt
zuerst im Jahre 619; II. 1, S. 418;
IL 2, S. 83, 89; besteht im Jahre 862,
II. 2, S. 321; hört nach 1144 auf,
III. 1, S. 47; Bischöfe sind nachweisbar
von 619 bis 1145.
A8tigi(s), Ecija, B., I., S. 56, 65, 69,
71, 142, 362-363; 8. Crispinus, Paulus;
besteht als B. im 6. Jahrh,, II. 1, S. 418,
B. Pegasius, 570, II. 2, S. 19 — 20;
vor ihm Gaudentius, S. 19—20; die
Bischöfe Marcian. und Habentius 630 bis
638, II. 2, S.12I, 123; B. Leobesindus
839, IL 2, S. 312, 321; im Jahre 1240
wieder erobert, III. 1, S. 48. (IL 2,
S. 449; IIL 2, S. 472-481).
Ast urica (Astorga), B. vor dem Jahre
254, L, S. 57, 147, 236, 242—251. Das
Verhältniss der beiden Bisthümer A.
und Leon, S. 256—260. Bedeutung und
Grösse von A., S. 256—257. A. und
Palentia, IL 1, S. 449—450; Metropole
bis 457, IL 1, S. 456-467. Eb. Do-
mitian im Jahre 343. Eb. Symposius
weiht seinen Sohn Dictinius als B.,
456; dessen TVactate, 459. Eb. Turibius
446, IL 1, S. 456, 458, war Eb., und nicht
Notar P. Leo*s L A. erscheint 572 als
B., S. 462, 468. Bischöfe: Dictinius
(IL 1, S. 478), Turibius c. 444, S. 475
bis 479; seine Briefe. A. zerstört von
den Westgothen 457, zwei Bischöfe
gefangen 483, auch Palentia zerstört.
Synode c. 842—850, IL 2, S. 350,
Bischöfe, 8. 351, 353. Synode v. J.
946, S. 401 (406.)
Astnrien, seit Pelajo c. 719 König-
reich; sein Sohn Favila, Alfons L,
IL 2, S. 244, der Katholische. Fruela L,
Don Aurelio, sein Sohn Bermudo IL,
Alfons IL 792, IL 2, S. 244—246. A. im
9. Jahrhundert, S. 339—353. König Al-
fonsIL,d.Keu8che,S.339— 310. Oviedo '
Residenz; König Ramiro (842— 8;"kO,
gegen die Normannen, S. 340. Ordonoi.
(850—866.) Albailda, S. 340. Die Nor-
mannen, S. 340—341. Alfons IIL 866.
Lange und gifickliche Regierung; lässt
sich in Leon nieder, S. 344. König-
reich Leon; Burgos; der Chronist Se-
bastian von Salamanca nach 880, S. 342
bis 343. (Chronik Alfons III.) von
Wamba bis 866. Pelagius (Chronic,
Albeldense, Aemilianense). König Cr-
dofio L, S. SU. Concilien zu Oviedo (?)
S. 347—349. Lugo war Eb. und nicht
Oviedo, S. 318—349. Bischöfe A. im
Jahre 881—883, fl. 351 ; viele resignirte
Bischöfe, S. 351 ; daa Reich A. 900 flg.,
S. 397; Bischöfe in und um Oviedo
L pari inf., S. 398—399; Könige bis
910, s. Leon.
Asturius, B. von Toledo c. 3^-8 — JOO.
L, S. 330-332; IIL 2, 8. 504.
Asylrecht, iL 2, S.40I; IIL 2, S. 339.
Ateva, Pfarrei 306, IL 1, S. 16; IIL 2,
S. 481.
Athanasius, hl., s. Hosius.
Athanasi US, Mönch vom Kloster Raithu?
IL 2, S. 361; IIL 2, S. 505.
Augurius, Märtyrer 259, 1.,S.265— 269;
HI. 2, S. 499.
August in, hl., gegen d. Priscillianisten,
IL 1, 8. 401—403, s. Consentius, Oro-
sius.
Augustus, Eintheilung Spauien's in drei
Provinzen unter ihm, 11. I, S. 170 — 171.
Aurasius (B. von Toledo c. 603—615),
IL 2, S. 474—475; IIL 2, S. 503.
Ausonius und Hispalis, L, S. 390 bis
392; A. und Paulinns von Noia, IL I,
S. 324 (289).
Autodafö's, die^ IIL 2, 8. 60; ein A.
vom Jahre 1784 zu Madrid, S. 60--62,
66; A. zu ValladoUd 1559, S. 186; zu
Sevilla 1559—1560, S. 199.
Avienns, Sextus-Rufus, L, S. 53, 64,
163, 197; IIL 1, S. 449-462.
Avila, B. vor dem Jahre 383, L, S. 150
bis 153 (345 sq. s. Vinceut.); II. 1,
S. 372-373; IL 2, S. 16, 250; Uh 2,
S. 397, 475-47^'.
Avila, Juan de, der ehrwürdige, Apostel
Andalusiens (f 1569), HL 2, S. 159-iea
Register.
539
Avisorden in Portugal, III. 1, S. 57—58.
Avitne, zwei Priester dieses Namens,
von Bracara, II. 1, S. 404—405, 465,
Aymericb , Nie, Inquisitor, III. 1, S. 2^9
bis 29^; IIL 2, S. 13-14.
B.
Bacaaden (Bagauden), L, S. 278; II. 1,
S. 468, 482.
Bacch iari US, der Mönch, seine Schriflien,
II. 1, S. 411—413.
Uadajoz (I., S. 391), B. seit 1255, III. 1,
S. 60; HL 2, S. 323—324.
Karte, verboten, III. 1, S. 379.
]3a5za (Beatia), von Castnio das B. hie-
her verlegt im 7. Jahrhundert; wieder
erobert 1U7 und B., III. 1, S. 48—49,
145; c. 1236 nach JaSn verlegt.
Balearen, die Bischöfe auf den B. schei-
nen im 4. — 5. Jahrhundert den B. von
Barcelona als ihren Metropoliten aner-
kannt zu haben, II. 1, S. 187—189;
II. 2, S. 33-34, 439; sie werden er-
obert von Jayme I. von Aragonien 1229,
III, 1, 8. 214—215; und im Jahre 1236
das B. Palma errichtet, S. 215—216;
die Balearen hatten eigene Könige von
1236—1343, fallen aber dann an Ara-
gonien, III. 1, S. 286—287.
Balmes, Jayme (1810, f 9. Joli 1848),
m. 2, S. 451.
Barbaatro, das B. von Roda nach B.
übertragen, geht aber 1149 auf Lerida
über, II. 2, S. 425; III. 1, S. 195, 200;
wieder B. von 1571— 1851, III. 2, 8. 468
bis 469.
Barbe, 306 Pfarrei, U. 1, S. 15; III. 2,
S. 481.
Barcelona, B., I., S. 251, 260, 273 bis
271, 279. Cucnfat von B., 303—305;
8. Ealalia. Enter bekannter B. (Eb.)
Praetextatns 843, II. 1, S. 187-189;
B. Pacian. (s. d.); Nnndinarius e. 460,
IL 1, S. 430; Irenaeus 460, vonTar-
rassa, 8. 432; Synode c. 510, S. 437
bis 438; Nebridius c. 540, 4)1, II. 2,
S. 200; B. und die Balearen, II. 2,
S. 439; zweite Synode v. J. 599, II. 2,
S. 26—27, mit 13 Bischöfen und 4 Ca-
nones; erlangt 1058 das (erneuerte?)
PrivOegium über die Balearen, 8. 439;
Eb.B.?579— 5F6 „Heerlager« d. Gothen,
S. CO— Gl. Eb. der Gothen? B. Se-
verus c. 614-633, S. 70; II. 2, S. 173.
Quiricüs, Idalins, B. der „civitatula*,
S. 179. B. erobert von den Franken
80 f, 8. 354. Nach 693 bis 858 keine
Bischöfe bekannt; c. 906 (907) Synode,
S. 424. Neue Kathedrale geweiht 18. No-
vember 1058. Gemischte Synode K09,
S. 432; 40 Canoniker, S. 438. — Die
Grafen von B., II. 2, 8. 354. Erbliche
Grafen: Ramon Berengar (1017—1076),
S. 423; Bamon Berengar IIL, III. 1,
8. 186 (t 1131); Ramon Berengar IV.,
König von Aragonien 1137. B. Uni-
versität 1507, III. 2, 8. 137. Eevolu-
tion 1835; Greuelscenen, III. 2, 8. 446
bis 447.
Baria (Vera), II. 1, 8. 21; III. 2, S.481.
Baronius, Card, (f 1607); Annalen, I.,
8. 6, 70, 387—389; s. Martyrologiom,
I., 8. 70, 77-78, 371; II. 2, 8. 527;
er wird „excludirt" wegen seiner ,Mo-
narchia Sicula**.
Basel, Spanier (bes. Aragonier) auf dem
Concil von B., III. 1, 8. 406-407.
Basti ianer, seit 1540 in Spanien, DI. 2,
8. 171.
Basilides, B. von Emerita? c. 250,
I., S. 236, 239-241, 242 flg., 246 bis
251, 262—264; lil. 2, S. 480.
Baskische Provinzen, kommen an Ga-
stilien, III. 1, S. 185.
Basti (Baza), s. Acci : B. 306, 1., 8. 120—123,
207; II. 1, 8. 10; II. 2, 8. 447; 1489
Baza wieder erobert, aber nicht mehr
B., IlI. 1, 8. 442—443.
Bandissin, Graf, Enlogins und Alvar
1872, III. 2, 8. 506.
Bayer, Franz Perez (f 1794), III. 2,
8. 413—415.
Baypnne, III. 1, 8. 480.
Beatns, G^egner des Elipandus, II. 2,
8. 268; B. Adoptianer.
Begninen, III. 1, 8. 277.
Belluga y Moncada, Lud., geb. 1662,
Card. 1719, III. 2, 8. 329-330, 331
bis 334, 339-340 (t 22. Febr. 1743).
Bei trän, Philipp, Schriftsteller, UI. 2,
8. 415.
Benedict IL, P. (681-685), und Julian
610
Register.
von Toledo, If. 2, S. 176; an die Spa-
nier, S. 230—231; Jalian gegen ihn,
S. 234-236.
Benedict XIII. (Peter von Luna) von
Avignon und sein Schisma, III. 1,
S. 294-307, 394—398 (t in Pefiißcola
23. Mai 1423).
Benedict XIV., L, S. 78—79; 111. 2,
S. 340, 844—346.
Benefioiarii, I., S. 265-266.
Benedictiner (nnd Glnniacenser), II. 2,
S. 276, 403—404,405, 413-415 v.Clugnj,
418-419, 428, 440, 459—460; lil. 1,
8.170—171 (Congr.v.Valladoüd),S.376.
Benifazar, Abtei 0. S. Bern., III. 1,
S. 234.
Berbern, die — in Spanien, II. 2, S. 56.
Berja (Vergium) bei Adra, I., S. 166;
das y. des hl. Ctesiphon, S. 167 bis
170; Verehrung des hl. Ct. in B.,
S. 170—171, III. 2, S. 477.
Berengaria, Kaiserin (1128), III. 1,
S. 4% 50—51, 60 (t Febr. 1149).
Berengaria, Tochter Alfons VIII., III. 1^
S. 59; Königin von Leon, S. 118, 127
bis 130, 151.
Bermudo L, 789—792, II. 2, S. 245.
Bermudo II., 952, II. 2, S. 400, 409.
Bermudo III., 1028, II. 2, S. 388, 400.
Bernaldez, Andr, Chronist, III. 2, S. 15.
Bernard, 0. S. B., Abt von Sahagnn,
10S6 Eb. von Toledo, III. I, S. 3, 4;
Primas 1088; päpstlicher Legat, S, 12
bis 15, 50; 15-17 wieder Lega^ S. 18
bis 19 nimmt Mönche 0. S- B. aus Gal-
lien mit sich, f 2. April 112(6?), 111, 1,
S. 187.
Besalü, Synode v. J. 1077, II. 2, S. 439
bis 440.
Besessene, II. 2, S. 164.
Bibelttbersezung, die vetusitala vor
Hieronymus stammt nicht aus Africa,
sondern aus Italien, I., S. 86—101;
IIL 2, S. 501.
Bigamie und Inquisition, IH. 2, S. 52.
Bilbilis (Catatayud), L, 8. 133, 167, 204.
Bischöfe, als Aufseher der Beamten,
II. 2, S. 13; was sie an Leistungen
verlangen dürfen, S. 13; II. 2, S. 23
bis 21; Bischofswahlen, IL 2, S. 26.
Bischofeweihen, Erfordern, dazu. Illi-
terati als Bischöfe, S. 54; Biächois-
wahlen durch die Könige, S. ^0; was
Bischöfe vor den Priestern voraus
haben, S. 86—87; Bischöfe sterben
sehr gern in den Hauptstädten, S. 126;
ihre Eigenschaften, S. 415—416. All-
mälige „Provision** der Bischöfe, IIL 1,
S. 264. Bischöfe, die, in dem Zeit-
raum 1760-1808, ni. 2, S. 384—403.
Die spanischen Bisthamer 1833—1817
verwaist, IIL 2, S. 448-46«. Spa-
nische BisthQmer nach dem Concor-
date von 1851, IIL 2, S. 468—469.
Bivar, Frz., Geschichtsf^cher, I.,
S. 253.
Bobadilla, Frz., lässt den Columbus
in Ketten legen, IIL 2, S. 103—104;
s. Schiffbruch.
Bocanegra, Frz., Schriftsteller , IIL 2,
S. 415.
Boil, Bern., 0. S. B., Missionär in Ame-
rica, 1493; IIL 2, S. 96—100.
BoUandisten (Acta Sanctomm), L,
S. 70—71, 168—169, 360. Die B. eine
Zeit lang in Spanien (wegen der Car-
meliten) verboten, HI, 2, S. 325—327.
Bonifacius, hL, II. 2, S. 240.
Bonifacius VIIL; s. Aragonien.
Bourbon, Cardinal (mit acht Jahren),
111. 2, S. 334-435; rcsignirt 1755 und
heirathet, S. 3*56-367, t 1785.
Bourbon, Luis IL, Sohn des Obigen,
Cardinal 1800, IIL 2, S. 389-390-^1,
t 19. März 1823, S. 433; 395—396;
legt sich allerunterthänigst Napoleon 1.
zu Fassen, S. 428.
Bracara, Eb. seit c. 457. B. PfttemuB
0. 380-400, IL 1, S. 456. B. Balco-
nius c. 415, S. 458. Eb. Profuturus um
538—544 und P. VigiUus, S. 459-460.
Eb. Lucretius 568; erstes Concil 561,
IL 1, S. 444, 456, 461, 472. Eb. Martin,
vor ihm nur 4 Bischöfe bekannt; Martin
vorher B. v. Dumium; s. (2.) Synode
V. J. 572; eifert auf Astorga; dritte und
lezte Synode v. J. 675, S. 462—464,
IL 2, S. 165— 166. — Bracara 1071
restituirt, IL 2, 8. 407; im 9.— 10.
Jahrhundert Bischöfe i. p. infideL,
S. 351; IL 2, S. 251-252. Bracara
und Petrus Bathensis, IL 2, S. 364.
Register.
541
Braga will den Primat von Toledo Dicfat
anerkennen, III. 1, S. 21—22, 26;
Erzbischöfe 1095-1228, III. 1, S. 77
bis 79; £b. im 14. Jahrhundert, III. 1,
S. 336; Eb. 1372-1467, S. 343; Eb.
1467-1505, S. 351, IlL 2, S. 505—506,
Braalio, B. von Saragossa (630 bis
0. 651), über die berahmten Männer
von Galicien, II. 1, S. 471; Br. und
Isidor von Sevilla; Br. an König Chin-
daswinth, II. 2, S. 126, 132-134, 138;
Leben und Schriften, S. 145—149;
44 Briefe von ihm, S. 146; Br. und
seine grosse »Hitze^; Fructnosus an
ihn, II. 2, S. 156, 164—166, 169, 187.
Bolgaranns, der Graf, II. 2, S. 68;
seine Briefe.
Bailas, las, I., S. 153—154.
BargoB, Concil in — nimmt die rö-
mische Liturgie an, IL 2, S. 460—461;
B. Simon ;Burgos-Oca seit 1075, IIL 1,
S. 10; 1096 exempt von Toledo, S. 10;
wieder exempt 1163, S. 28; Concil
in B. 1136, S. 32—34; das Kloster
Cisterc. las Huelgas, S. 128—129; Ka-
thedrale gebaut von B. Mauritius, S. 142
bis 143; IIL 1, S. 171.
Bnriel, Andr. Marc, S. J. , Schrillen,
IIL 2, S. 415-416.
Basse (Kirchenbusse), IL 2, S. 12, 27,
32, 98—99, 122, 124; IIL 1, S. 401;
s. Elvira.
c.
Caballero, Bern. Fr., Eb. von Saragossa
(t 1843), IIL 2, S. 445—446.
Cabra (Egabra), B., IL 1, S. 11; IIL 2,
S. 481.
Cadix, Kloster, 11. 2, S. 151; Cad. B.
1267, 111. 1, S. 352, ist wohl das wie-
derhergestellte B. Asidona.
Caesaritts, Abt von Montserrat, lässt
sich in Compostella zum Erzbischofe
von Tarraco weihen, wird aber nicht
anerkannt (945 bis c. 971); IL 2,
S. 382—387, 427—428, exemter Abt;
nennt sich noch 978 Eb. (i. p. infid.),
(t 980 oder später.)
Calahorra, B., 1045 wieder erobert,
II. 2, S. 413; neues Bisthum, S. 414;
Nagera und Alava gehen in Cal. auf,
8. 414, 8. Fibnlaria.
Calatrava, Ritterorden von, IIL 1, S. 38,
54—55, 122, 173—174. Cal. und Mon-
tesa, S. 279—280.
Caliabria, B. von kurzer Dauer, IL 2,
S. 142.
Calixt IL, P. (1119-1124), IIL 1, S. 16;
C. und seine Sorge um Spanien, IIL 2,
S. 191; s. Didaous G.
Campomanes, Fiscal, sein Leben und
Streben, IL 2, S. 358, 369, 373.
Canarias, Christenthum und Bisthum,
IIU 1, 8. 169.
Cano, Alphons, B. und Schriftsteller
(t 1780), IIL 2, S. 416-417.
Canoniker, die, IL 2, S. 404; in Cata-
lonien, S 426, 432—33; C. und die
„Canonica«, S. 432—434, 438; C. in
Gerona, S. 436; in Dertosa 1168, III, 1,
S. 189, 201, s. Arbufes, Tarraco etc.
Capmany, Ant. (t 1813), IIL 1, S.168;
IIL 2, S. 417-418, seine Schriften.
Capuziner, in Spaniens. 1578, III, 2,
S. 171.
Caracciolo, Frz., und die „mindern
Brüder«, III. 2, S. 292.
Cartesa, s. Cazorla und Carteja.
Carl V. (L), in Spanien, gb. 1500; kommt
1517 nach Spanien, IIL 2, S. 149; ver-
lässt es 1520, S. 152; kehrt 1522 zu-
rück, hält 1523 Cortes zu Valladolid,
will Geld und immer Geld, S. 156;
C. nach dem Aufstande der Comuneros,
seine Ehe mit Elisabeth v. Portugal 1526,
wohnt in Granada, verhandelt gegen
die Moriscos, S. 158; nähert sich 1527
dem P. Clemens VIL, S. 161—162; Cari
und die Nuntiatur in Madrid, S. 162 bis
161; wählt Bischöfe zu den höchsten
Staatsämtem, S. 164; „die Königliche
Kammer« seit 1518, S. 164—165; Ver-
trag von Barcelona von 1529 mit Cle-
mens VIL, S. 165—166; 1530, 22. Febr.
(an seinem Geburtstage), zu Bologna
von Clemens VIL gekrönt, S. 166;
drängt „Administratoren« in die Bis-
thümer ein, S. 166-167; C. in be-
ständiger Geldnoth, presst die Kirche,
S. 168—169; verkauft die Güter der
Ritterorden, S. 169; rächt sich an Adel
und Clerus 1538, S. 170; drückt das
ganze Land mit seinen Abgaben, S. 170 i
542
Register.
schüzt die Indianer, S. 116—117; seine
grossen Verdienste um America, S. 172
bis 173; dankt ab 1555—1566, S. 179
bis 180; geht nach 8. Tost, f ^- Sept.
1558. Melanchton and Andere über ihn,
S. Ib0-18d; wird erst sehr spftt in
Spanien popul&r, S. 183; G. und die
Inquisition, JII. 2, S. 54.
Carl II., der lezte Habsburger (1665 bis
1700), III. 2, 8. 287-303; geb. 1661;
Königin Mariana, Reichsverweserin; der
Jesuit Eberh. Nithard, ihr Beichtvater;
G. II. zwei Ehen kinderlos; G. IL be-
hext? S. 294—297 ; G. IL ohne Erben,
S. 298; der P. soll Aber die „Erben*"
entscheiden, S. 298—299 (hat es aber
nicht gethan, S. 531—532); C. wird
gezwungen, sein Land den Bourbons
zu vermachen, S. 299—300; t !• No-
vember 1700.
Carl IIL und IV* (1759—1808), „die gros-
sen Königlichen Jäger^ IIL 2, S. 348
bis 426; G. IIL, König von Neapel
1735—1759, S. 348; 1759-1788 von
Spanien; seine guten Eigenschaften,
S. 348—349; die er allmählig verliert,
S. 350; wird ein exclusiver Jäger,
S. 349—350; seine Jagdpartieen, Thier-
nnd Menschenquälereien, S. 350 — 353;
Bruder Sebastian vom Kinde Jesu,
S. 353-354; G.'s italienische Minister
Grimaldi (S. 357) und Squilace, S. 354
bia 355; Aufstand vom 26. März 1766
zunächst gegen Squilace, S. 355 — 356;
G. U. durch den Aufstand verbittert,
S. 357; Aranda, General-Gapitän und
Präsident, S. 357; Vertreibung der Je-
suiten, S. 357—358; Roda und Aranda
verbunden, S. 358; G. IIL wird Feind
der Jesuiten, S. 359—360; deren Ver-
treibung 31. März 1767; weitere Schick-
sale der Jesniten, S. 361—363; bis
1821; G. III. gegängelt und getrieben
von den Kirchenfeinden, S. 363; C.'s
einzige Gemahlin, S. 367; und seine
Kinder, S. 367; G. Wittwer von 1760
bis 1788; Wirren wegen der Verban-
nung der Jesuiten, S. 367; die Nonnen,
S. 368—369; G.'s Freude über die Auf-
hebung der Jesuiten, S. 370; die spa-
nischen Bischöfe in dieser Affaire, S. 370
bis 371; C. IIL und die „unbefle<^e
Empfängniss Mariens,'' S. 372; Amorti-
sation des Kirchengutes, S. 373; Caii
t 14. Dec. 1788, S. 375.
Carl IV. (1788-1808), S. 376— 383; seine
theure und schleppende Rundreise,
S. 380—383; entthront 1808, S. 383. -
Blüthe der Literatur unter G. IIL um!
G. IV.; allmähliger Verfall, S. 404 biä
423; seine Geldnoth, in der ihm Born
allzeit helfen soll, S. 423-425; C. jagt,
bis ihm Napoleon L zu Bayonne sein
Land und Volk abjagt (180S), S. 43
bis 428; er taucht in der (reschicbte
unter und taucht nicht mehr auf; f ver
lassen zu Neapel 19. Jan. 1819.
Garlos, Don, unglücklicher Sohn Plii
lipps IL, IIL 2, S. 221-223; f 21JaL
1568, S.531.
Carmeliter, s. BoUandisten, Johann tob
Kreuz, Theresia.
Garranza, BarthoL, £b. von Toledu,
111. 2, S. 199—200.
Carrillo, Alfons, Cardinal (f 1434), ULI,
S. 409.
Carrillo, Alfons (Acufia de), £b. rus
Toledo (1446—1482), ein turbulente!
Kirchenfürst, IIL 1, S. 428; seine Cm
ciiien; Gegner Isabella*s IL, S. 433 b;
434; muss zuittckgezogen leben, S.4^
schreitet im Auftrage P. Sixtus IV
gegen Petrus Martinez de Osma oiii,
S. 433-437; t 1482, IIL 2, S. 20.
Carrion, Kloster 0. S. B , Concil iis
Jahre 1130, UL 1, S. 31—32; drei B^
schöfe daselbst abgesezt.
Cartaginiensis, Kirchenprovinz vos
c. 343—610, IL 1, S. 442— 4Ö5; Gar
thago nova 425 zerstört; die 2^ Bis-
thümer der Provinz sehr getrentit|
S. 442; Eb. Hilarius? o. 4C0, S. 443 bd
444; IL 2, S. 471—472; Metropoii
Hector (516), IL 1, S 444—445 {m)\
II. 2, S. 371 ; Celsinus, Metropolit (M."i
IL 1, S. 452—457; Gart. Metitjpül:
c 600, IL 2, S. 53-54, 70-71; Cart.
(Murcia), Bisthum 1255, Iir. 1, S. ^53;
Administratoren desselben, JIL 2, S. Ii>>
bis 167, 603—501.
Garteja, kein Bischofsitz, I., 193— 19T
Carterius, B., seine zweite Ehe, IL 1|
Register.
543
S. 370; ein anderer besserer Carterins,
S. 471.
arthansen, in Spanien, III. 1, S. 225.
arula, Pfarrei 306, 11. 1, S. 15; III. 2,
S. 431.
arvajal, y Lancaater, B. von Guenca,
im Conflict mit der Regierang CarFs III.,
III. 2, S. 369—370.
lasas las, 111. 2, S. 95; und die Skla-
verei, S. 98; kommt 1502 nach Amerika;
sein Leben nnd Wirken, S. 112; G. L.
und die Negersklaven, S. 113; wird
1522 Dominikaner, S. 116; B. von
Cbiapa, S. 118; G. L. and Yerapaz,
S. 119; Wirken von 1539 an, S. 172;
1544— 1550 Bischof von Ghiapa, S. 174
(t 1566, 92 J. alt).
)asiri, Mich., Mar., l., S.175; III.2,S.4l8,
/aspe, s. Aragonien.
üassianas, Märtyrer von Tingis, I.,
S. 291—292; G. and die Gassianiten,
11. 2, S. 313—315.
J a s t i 1 i en , die Reiche Gastilien nnd
Leon im 12. Jahrb. (Gastilien föngt
eigentlich mit 1085 oder der Eroberung
von Toledo an), III. 1, S. 40—63,
B. Alfons, Dofia Urraca, Alfuns VII.,
Sancho IH., Alfons VIII., Ferdinand III.
Das Reich Gastilien von 12}8— 1492;
Ferdinand III. nimmt 1250 Xeres nnd
Gadix; er f 30. Mai 1252; Alfons X.
(1252—1284), S. 353—369; Sancho IV.
(1284—1295), S. 376; Ferdinand IV.
(1295-1312), S. 281; Alfons XI. (1312
bis 1350), S. 382; Pedro der Grausame
(1350-1369), S. 386—389, „der Hger
von Gastilien". Heinrich von Trasta-
mara (1369-1379), S. 38«, 390—391.
.König Juan I. (1379—1390), S. 392;
teinc Stellung in dem abendländischen
Schisma; verwirft 1381 Urban's VI.
ahl als Papst, S. 893-395; Enri-
[<qne 111.(1390), S.895, und das Schisma;
ehrt zu der Obedienz Benedictes XIII.
urück 1402, S. 396, und hat wieder
nflikte mit ihm, S. 396 (f 1406),
402. König Juan II. (1406), S. 402,
teht unter Alvaro de Luna (f 1454),
. 425. Glanz- und Schattenseiten
es Episcopats im 15. Jahrhunderte,
421—123, König Juan II. f 20. Juli
1 151 (nicht 1554, wie es S. 425 heisst),
König Enrique IV. (1464—1474), S. 425*
Krieg zwischen Isabella nnd Johanna
la Beltraneja, S. 431; Krieg mit Por-
tugal, S, 432. £b. Garillo gegen Isa-
bella, S«.432; Krieg mit den Portugiesen
1474—1479, S. 433—434. Krieg Fer-
dinand's V. und Isabella's gegen die
Mauren von Granada seit 1481, S. 439.
Malaga erobert 1487, S. 441 ;Baza 1489 ;
Granada 2. Jan. 1492, S. 444-456.
Gastro, Jos. Rodrlquez, spanische Bi-
bliothek, III. 2, S. 418.
Gastromorel, Goncilll57, III. 1, S. 201.
Gastulo, eines der ältesten Bisthümer
in Spanien, I., S. 53, 56-57, 66, 119,
128, 188—189, 200—20.3; G. 343 Eb.?
II. 1, S. (10) 187.
Gatalonien, s. Barcelona u. Aragonien,
Gatharina, die hl., von Alezandrien
und (seit 521—525) vom Berge Sinai,
II. 2, S. 388-390; III. 2, S. 505.
Gatharina, Infantin, III. 2, S. 124.
Gazorla, I., S. 195; hat am meisten Wahr-
scheinlichkeit far sich, das Garcesa d. hl.
Esitius zu sein, S. 198— 201; ULI, S.144.
Gerda y Rico, Frz., Herausg. von Ghro-
niken, HI. 2, S. 418.
Geretius, gallischer B.?; hl. Augustin
an ihn, II. 1, S. 403.
Genta, B. 1421—1851, III. 1, S. It9,
342; Ifl. 2, S. 468.
Ghelidonius; s. Emeterius.
Ghindaswinth, König, Eindringling,
II. 2, S. 124, J. 642 (t 652), S. 127, 133
bis 134, 139.
Ghintila, König (636 f 640), II. 2, S. 119,
121.
Ghrisma, II. 1, S. 461; s. Montanus,
S. 463; III. 1, S. 377, 383.
Ghristina, Maria,Regentin(t 187»),III.2,
S. 413, 451—452, 461.
Gampeador, III, 1, S. 19—20.
Gienfuegos, Gardinal (f 1847), III. 2,
S. 448-449.
Gistercienser, III. 1, S. 45— 55, 57 bis
68, 173, 177, 216, 234.
Giudad Rodrigo, B. 1175-1^^51, III. 1,
S. 60; III. 2, S. 468.
Gixila, Eb. von Toledo, Leben des
hl. lldefons, II. 2, S. 166, 246—247, 251,
K
/
544
Begistcr.
Clemens IH. (1187— 1191), ondTarraco,
lir. 1, S* 199.
ClemeDS V., a. Templer.
Clemens VIL, s» Aragonien and Caati-
lien.
Clemens XIII. (1758—1769) ondKOnig
Carl Ilf., IH. 2, 862, 364—365, 375.
Clemens XIV. (1769—1774), nnd Carl 111.,
III. 2, S. 360—366; viele Coneessionen
an Carl IH., S. 871; die Nuntiatur ganz
„spanisch« (1773), S. 371—372.
Coelibat, 11. 2, S. 11-12, 20, 25—26,
96-98, 127, 163—164, 166; »1. 1, S. 144.
Coimbra, als B. bekannt seit 561, IL 1,
S. 425; seit c. 1064 restituirt, II. 2,
S. 408; Univers. III. 1, S. 326.
Collectio oanonum EccI. Hispanae, IT. 2,
S. 463—477, nicht von Isidor von Se-
villa; vor ihr bestehen andere Samm-
lungen; entstand vor 631, S. 464.
Maassen*s „Möglichkeiten", S. 466,
sind keine Wirklichkeiten, S. 46<^; die
Sammlung entstanden in Toledo um
610 — 612, S. 468—469. Innocenz I.
Brief an die Spanier (c. 404) ist in
unserer Sammlung verstümmelt, S. 470;
gegen BCaassen, S. 471 ; der Sammler
degradirt den Metropoliten Johannes
von Tarraoo 514—523 zum Bischof von
Elche, S. 471—472; Elche war 517
erweislich noch kein Bisthum, S. 472;
Felix Dahn über die Streitfrage der
Synode v. J. 610, und das „Decretum
Gundemari", S. 478; die „Excerpta
Canonnm« sind eine Art Uebersicht der
Sammlung, um 68S verfasst, wohl von
Julian von Toledo, S. 474; Maassen
„schweigt **, S. 475; hat nichts bewiesen.
Die Handschriften der „Collectio",
8. 476; Literatur, S. 477; III. 2, S. 502
bis 504; Felix Dahn gegen die Aecht-
heit der Synode v. J. 610.
Columbien, III. 2, S. 101.
Columbus (Colon), Christoph, entdeckt
America 1492, III. 2, S. 94; erste Fahrt
1492—1493, S. 94-95; Colon in Barce-
lona, S.95; zweite Fahrt 1493, S.96-97,
99—100; hat viele Gegner (1494—1496),
S. 100; seine schweren Missgriffe, S. 100
bis 101 ; verliert alle Fassung, S. 101 ;
dritte Reise 1498, S. 101 ; Verschwörung
der Spanier gegen ihn, S. 101; du
„Bepartimientos" oder „Encomiendu'
eingeführt, S. 102; verkauft die Indii
ner als Sklaven 1500, S. 103; mm
Schreckensherrschaft, 8. 104; komm
in Ketten nach Spanien zurück; tiertt
Fahrt 1602, S. 104; 1504 neue Em
pörung gegen ihn, S. 105; kehrt za
rück; sein gottergebener Tod 17. Mai
1506, S. 105; seine Verdienste nmi
Fehler, S. 105—106; seine zwei Brüdei
nnd zwei Söhne, S. 106—107; dasG«
schlecht erlischt 1576.
Co mm Union, die, s. g. peregrina, ll. I,
S. 240; Com. mit dem hl. Blute, II. '1
S. 164.
Complutum, B.,1.,S.3S0— 337; B.nocli
c. 854, II. 2, S. a06. Compintensor
Polyglotte, III. 2, S. 137—138; s. Al-
cala; Justns.
Compostella, 11. 2, S. 366; vorher
Iria, S. 351— 358; Grab des hl. Jacoba?,
S. 362; Kirchweihe 899, S. 366—367;
Bischöfe von Iria und (yompostell».
S. 368; was bedeutet Compostella^
S. 368—370, 375. Synode v. J. la' J^
II. 2, S. 404-405; B. Didacus PeUi |
gefangen, III. 1, 8. 5; Comp. exeoU
1095, III. 1, S. 6-9; B. Dalmatii
III. 1, S. 9; Historia Compoatelbii
S. 13-14, sq.; Concll v. J. UM, 8. H
Eb. V. J. 1140 an, S 109—110 (bis 1:>KJ
Eb. 1266—1305, III. 1 , S. 372;
S. 882—384; Eb. v. 1367 an, III.
S. 395, 405 (15. Jahrb.). Conc. d
k. Provinz 1565—1566 zu Salami
III. 2, S. 187; III. 2, S. 507.
Comuneros, Aufetandder, 1520—1;'
III. 2, S. 154; blutige Rache an ihi
ß. 156-157.
Co ena, Bulla in C. Domini, zuerst 1. Mi
1519 von Leo X. erlassen gegen
„Administratoren** Croy von Toli
und WL Lang von Mnreia, III.
S. 158.
Conantius, B. von Palentia, II. 2, S.
72-74, 101, 120, 123.
Concilien, die Zahl nnd Zeit, 11.
S. 13; allmahliges Erlöschen der,
1582 an, III. 2, S. 190-191.
Conde, seine phantasiereiche Geschkl
Register.
545
der Mauren in Spanien (1820), III, I.
S. 42—43.
Consentins, Schriftsteller, wohl anf den
Balearen, Angnstin an ihn, II. 1, S. 898,
401—403.
Constantine, Kaiser, I., S. 397, 399;
politische Eintheilnng Spanien*s unter
ihm, ir. 1, S. 185, s. Hosins.
Constantinus, Chloms, sein Vater, L,
S. 297—299, 874.
Oonstantins, Kaiser, der Arianer, I.,
S. 399; s. Hosins.
Co n stanz, spanische und portugiesische
Bischöfe anf dem Ooncil, lil. 1, S. 401
bis 402; die Spanier seit 1416 als fünfte
Nation; die Gastiiianer treten 18. Juni
141 7 ein, S. 403; 11. Nov. P. Martin V.
gewählt, S. 401.
Cordnba, Bedeutung d. Stadt, I., S. 65
bis 66, 206, 28^, ist reich an Märtyrern,
S. 351. Die Märtyrer Faustus^ Januarius
und Martialifl, S. 351—855. Acisclus
und Victoria, S. 356—360. Zoylus und
seine Geführten, S. 360—362. Bischöfe
Hosius, Hyginus, Stephanus, J. 504.
B. Agapius, IL 2, S. 86—87. Cord, und
die Adoptianer, II. 2, S. 2C4— 265. —
„Die Bekenner und die Märtyrer von
Cordnba«,839— 861, S. 299—338. CJord.,
kirchliehe Hauptstadt des maurischen
Spanien's, S. 299—300. Lage der Mo-
zaraber, S. 800. Die .Comites' (Conden)
der Christen, S. 300. Die Kirchen, S. 301
n. Feste, die Glocken, S. 302. Einzelne
Kirchen in Cord., S.802 (Samson, S.S02).
Kirchen u. Klöster in der Nähe, S. 803
bis 304. Kloster Tabanos, zerstört &53.
Schalen der Christen, S. 304. Klerikale
Tracht, S. 804. Der Klerus bartlos,
8. 304. Geseze u. Sitten der Christen,
S. 304—305. Tribute der Christen, S.305.
Fortbestehen der BisthSmer, S. 306.
Die Simonie, S. 306. Die Bischöfe Re-
oAfred a.Sau]us von Corduba, 306—307.
B. Valentins c. 860-863, S. 307. B. Ni-
fridiiiB und Samuel von Elvira, S. 308.
Ilostegesis von Malaga e. 845—865,
S. 30S— 309. Eb. v. Sevilla, Johannes
h:{9, Recafred c. 850—852, S. 309—310.
Wistremir, Eb. v. Toledo, 839 u. 849,
ein „herrlicher Mann*, S. 310— 811. Sy-
noden u. Haeresieen in den J. 839—864.
Synode von Corduba v. J. 839, S. 311.
Ariulf, Eb. von Emerita, 839-862.
B. Quiricns von Acoi 839. Concil ge-
gen die Akephaler, S. 813. Zu Epagro
die Casianer; acht Bischöfe, darunter
drei Metropoliten; Recaft^d, S. 315 bis
316, Wistremir, S. 815, EgiU? 815.
Casianer und Migetianer 816. Der
Apostat Bodo o. 839 — in Spanien — 840
(Eleazar), Briefe zwischen ihm u. Alvar^
S. 316—318. Die Antropomorphiten,
S. 318. Concil zu Corduba v. J. 852,
S. 318—319. Concil v. J. 862, S. 319
bis 320. Samson u. Hostegesis. Bischöfe
von Urci, Basti, Astigis, Beatia, Asido,
Egabra und Elche im J. 862; B. Va-
lentins V. Corduba, S. 320—321. Ste-
phanus intrusns c. 864, S. 321. Die
Märtyrer von Corduba, geschrieben von
Eulogius. P. Perfectus 850, S. 321 bis
322. Joannes Confessor, S. 322—323.
Erzpriester Cyprian, S. 823. Märtyrer
Isaac, S. 323 (851). Viele andere Mär-
tyrer, S. 324—326. B. Recafred, S. 325.
Eulogius, Märtyrer 859, S. 326—330.
Abt Speraindeo, S. 830. Eb. Cyprian,
S. 830-331. Abt Samson, S. 331—333;
8. „Apologeticus", S. 331. S. und Ho-
stegesis, S. 332—334; Priester Leovi-
gild, S. 334—336. (Jsnard und Aymo
in Corduba, S. 334—836. B. Saulus,
S. 335—337. Alvarus, S. 336-338.
Bischöfe im 10. Jahrhundert, S. 442 bis
448. Kirchen und Feste im J. 961,
S. 449, mehr als zwanzig Kirchen
in und bei Corduba, 8. 449—450.
Corduba .wieder erobert 1236, III. 1,
S. 157. Bischöfe von 1236 an, S. 157
bis 158.
C 0 r i a , 1 1 42 erobert und wieder Bisthum,
HL 1, S. 44—45.
C ort es, die, kommen herab unter Carl V.
und Philipp If., III. 2, S. 170.
Coyanza, Concil v.J. 1030, H. 2, S.402
bis 404.
Crispinus, I., S. 65, 144; Märtyrer von
Astigis, S. 362— 3>3.
Ctesiphon, hl., vouVergium, l., S. 166
bis 170; III. 2, S. 477.
Cuba, entdeckt v. Colnmbus 1492. Col.
35
546
Register.
Ifisst Beine Leute be8chw()ren, dass sie
Festland sei, III. 2, S. 94, 9H— 99.
Cncufat, Märtyrer von Barcelona, I.,
S. 303-305.
Caenca, erobert 1177, Bistham 1183,
hL Julian, III. 1, S. Ö9; lil, 2, S. 498.
Cyprian, von Carthago, nnd die Kirche
Spanien's in den Jahren 2.vO~25S, i.,
S. 236-264. Sein Brief an die Gemein-
den Astorga-Leon und Emerita, S.236
bis 241 ; III. 2, S. 479—480, s. Corduba.
Dacian, kommt nach Spanien 304, I.,
S. 298—300; Dacian nicht in Evora,
S. 346—50; cf. 315—316, S. 325, 330
bis 331, 376 flg., 392.
Dahn, Felix, über toletanische Fälschun-
gen, II. 2, S. 473; III. 2, S. 503—504,
8. Collectio.
Damasus, hl., Papst 366-384, II. 1,
S. 326—331 ; (426), wohl von Guimaraös
bei Braga, s. Gedichte, II. 2, S. 192, 205.
Decius, Verfolgung unter, I., S. 216,
229, 407.
Dertosa, B., I., S. 57, 69; hl. Paulus
in Dertosa? S. 71 — 75, 201; HI. 2,
S. 472, s. Aragonien.
Despuig 7 Dameto, Anton., Cardinal
1803 (t 1813), III. 2, S. 390, 394-395.
D ext er, Sohn des Pacian, s. omnimoda
historia, wohl nie erschienen, II. 1,
S. 334—336, aber von den span. Ge-
schichtsbaumeistem fingirt
Deza, Didac., 0. S. D., zweiter General-
inquisitor, III. 2, S. 50, 56, und sein
Gehilfe Lucero, S. 57; 1506 Revolte
zu Corduba gegen ihn, S. 58; Deza
muss 1507 resigniren, S. 65. Eb. von
Sevilla (1505—1523), s. Synode daselbst
V. J. 1512, S. 58-59.
Diaconen und Subdiaconen, II. J, S.460;
II. 2, S. 97.
Dictinins, Eb.? von Astorga, II. 1,
S. 392—94; II. 2, S. 156.
Didactts Gelmirez, erster Eb. v. Com-
postella, III. 1, S. 9; darf 1104 das
PalUum tragen, S. 12—15; 1120 Eb.
und Legat, S. 16 — 17; zu Palentia
1129, S. 28—30; D. 1130 in Leon und
Carrion, S. 30-31, 33-34; D. allzeit
«pompös^ 8.41; D, und Dofia Urrac.
S. 42, 65; D. nnd die Kirche dea hl
Jacobu?, 111.1,8.81—110; (1099-11;
B.; 1118 bis c. 1139 Eb.; 1114 C<>ii?|
zu Santiago, S. 81—86), P. Calixr. ij
giebt ihm das Eb. von Emerita }!.:•{
wird auch Legat des Papstes über ü:i
Kirchenprovinzen von Bracara li i
Santiago; Synode zu Composteila v. J
1121; Concil v. J. 1122, 8. 9i; Cond
v.J. 1121, S. 95; .Gottesfriede", S. :
Synode v. J. 1125, 8. 98. D. in R.>a
verklagt, 8. 100; sein Verkehr mit <i«
Päpsten seiner Zeit, die er finaczit i
unterstQzt, um von ihnen in seinti
Planen U9terstQzt zu werden; Verkti^
mitP. Innocenz II. (1136—1143), S. 1«
bis 103; D. und Pelagius von Bra^M
8. 101—103; die Historia Compostti
lana (i. e. des Didacus) reicht bis 11 ^
8. 105 — 110; ihre Anlage und i'.
Charakter von drei Verfassern, wovt.
zwei „CardinSle'^ von Composteila warf
(Munio, Hugo und Gerardus). Des I
Verdienste, 8. 105-106; führt 72 C-j
uoniker ein, S. 106; die neue Cathedra.]
8. 106; D. t nach dem 17. April ir |
Diniz, s. Portugal, III. I, S. 424—4. :|
Diocletian, Spanien während der guH
sen Verfolgung unter D. und Maximi.n
I., 8. 289 flg. Anfang der Diod. Ver
folgung, 8. 296—298. Die Gründe .
Christenverfolgung unter D. , S.
bis 409. Ausbruch der Verfolgu: :
S. 396-397. Die vier Edicte; s. \
cennalien In Rom, Nov., Dec. 303; ej^t
Martyrien; erkrankt auf der Rückrt-i-
nach Antioohien, dankt ab 1. Hai :>
Dionysius Areopagita nnd D. von Pur -.
I., 8. 61; 216-217; IL 2, S. 134.
Dominicaner, in Afrika, III. 1, S. l*'-
176—177,234,239,^^46-247; D. in P :
tugal, S. 321-822; D. als Inquisitort:
111.2^ 8.12; ihr segensreiches Wirken t-
die Indianer in America s. 1510, IH :
8.109-112, 173-174; viele D. als L
schöfe daselbst, S. 215—218. D. i
Spanien reformirt durch P. Pius V
8. 196—197.
Dominicus hl.,v, Silos (t20.Dec. !•.••
II. 2, S. 422 (und 8* Domingo).
Register.
647
Dominicns, von Galzada(t 1109), III. 1,
S. 172—173.
Dominicas, Gnzman, III, 1, S. 177.
DomitiaDas, I., S, 145.; D. Eb.? von
Astorga, II. 1, S. 183 flg.
Donatns, Abt von Servitannm, 571,
II. 2, S. 65-67.
Dozy, R., I., S. 175; über Isidor von
Face, II. 2, S. 241; Aber B. Reces-
mimd, S. 448, 455; III. 1, S. 19 (über
Cid Campeador); S. 41 — 42 gegen
Conde; HI, 2, S* 478 (über Elvira).
Dracontias, der Dichter, von Engen II.
überarbeitet, II. 2, S. 133-135.
Domium, Kloster und B., II. 1, S. 472.
E.
Egab ra (Cabra), Bistham vor 306; B. Sy-
nagios 306, 11. 1, S. 11, 176; Bischöfe von
589 an, 11. 2, S. 15; Grenzatreit mit
dem B. Malaga, S. 85—86; hat Bischöfe
862, S. 321.
E ga r a (Tarrasa), bei Barcelona, Bistham ;
B. Ireraens c. 465, II. 1, S. 430-431 ;
Nebridius 516, S. 441 ; 448; U. 2, S. 15;
Synode v. J. 614, S. 62—63.
Egica, König (687—702), II. 2, 8. 175
bis 176, 180—181, 183; E. and Witiza,
S. 184—186; Wit. artet aus, S. 184
(t 710, al. 711), S. 185, s. „Defensa".
Egila, Begionarbischof am Ende des
». Jahrhunderts, II. 2, S. 252—26«, 258
bis 259, Schüler des Migetius?
Ehen zwischen nahen Verwandten, 11.^,
S. 438—440.
Elche (llici) kurzdauerndes B., hat Bi-
schöfe 633 und 862, II. 2, S. 74, 321,
a. Collectio.
Elepla, B., seit 589 bekannt, li. 1, S. 418
bis 419; II. 2, S. 89; das B. hört nach
1141 auf, III. 1, S. 47.
Elipandua, Eb. von Toledo (c. 782 bis
fcOO?), s. Adoptianer, U. 2, S. 186 bis
187; 360.
Elisabeth hl., Königin von Portugal
(t 4. Juli 1336), Ilf. 1, S. 331—333,
(275).
Elisabeth, von Famese, zweite Ge-
malin Königs Philipp V. (t 1766), III. 2,
S. 365—366.
Elna, B. (spftter Perpigoan), U. 2, S, 434;
Cathedrale der heiligen Eulalia lOrS,
S. 439.
Elotana, B. von kurzer Dauer, IL 2, S. 7.
Elvira, das heutige Granada, liegt an
der Stelle des alten lliberris, I., S. 172
bis 178. Der heilige Caecilius in El-
vira, S. 178—183; II. 1, S.8— 9; iden-
tisch mit Granada, III. 2, S. 477—479.
Synode von Elv. I., S. 2, 64, ?9, 118,
142, 162, 243, 248, 256, 267, 27G, 279
bis 280, 286, 309. Die Synode v. Elv.
(Mai 306), II. 1, S. 1-136; IIL2, S.481 bis
483. Elv., die dort erschienenen 19 Bi-
schöfe, II., 1, S. 10—13; die dort erschie-
nenen 24 Pfarrer, S. 14—21. Die Er-
öffnung d. Synode, S. 21—22; Erklärung
d. 81 Canones, S. 23—136. Nativola bei
Elv., II. 2, S. 21—22; B. Egila v. Elv.?
S. 252; s. Mozaraber, Corduba, Beces-
mund, Gregor, Granada etc.
Emerita (Merida), Eb., I., S. 236, 242 flg.
hat Bischöfe vor 254, S.261; 256—257.
Bischöfe Basilides und Sabinus. Seine
(grosse) Bevölkerung, S. 272—273. Die
heilige Eulalia von Emerita, S. 364
bis 371. Falsche Alterthümer, S. 391 bis
392. Eb. Liberius 814, Florentius 343
— 344, II. 1, S. 314 — 316; Idatius
(Clarus?) 380, S. 395; Patruinus 400;
Gregorius c. 404'; Antoninus c. 446, II. 1,
S. 420—421. Die Kirchenprovinz von
Emerita (Lusitanien), voi\ 314—589,
II. 1, S. 420—425. Eb. Antoninus c. 445
— 448 gegen die Manichäer. Eb. Paulus
c. 530— 560; Grieche und „Arzt", S.421
bis 42*2; Fidelis, sein Neffe und Nach-
folger, S.421 — 421. Emerita, die reichste
Kirche in Spanien, S.428; die Kirchen
in Em., S. 423—424; Eb. Masona 571
bis 606, S. 424—425; seine Verdienste
u. frommen Stiftungen; Kirchenprovinz,
II. 2, S. 16; 28. Synode v. J. 666,
II. 2, S. 138—143, mit 12 Bischöfen
und 23 Canones, über Gottesdienst,
Kirchenzucht und Kirchenregierung;
Eb. Proficius 666; unter ihm 11 Suf-
fragane; Eb. Ascaricus? c. 790, s. Ado-
ptianer. Der lezte uns bekannte Eb.
war Ariulf aus den Jahren 839 u. 862.
Das Eb. muss vor dem Jahre 1120 auf-
gehört haben, weil es in diesem Jahre
36«
548
Bester.
nach Compostella übertragen wurde;
8. Didacus Gelm.
Emeterias and Chelidonias, Krieger,
Märtyrer von Calagorris, J. I , S. 59,
293—296; IL 2, S. 2üO— 201.
Emmannel, Kg. von Portugal (1495 bis
1525), in. I, S. 349-351.
Encratis, Martyrin von Saragossa, L,
S. 308-309, 322, 3^9.
England, n. Spanien 1554—1559, III. 2,
S. 178; B. Phiüpp 11.
Ephrem, der Syrer, nach Spanien seit
c, 780 wohl durch die Neatorianer ge-
bracht, II. 2, S. 256, 333, 338.
Epiphanins, von Salamis, 1., S. 40 bis
41; Aber flosius,^ II. 1, S. 259; IIL 2,
S. 487.
Ermengol, hl., B. von Urgel (1010 bis
1035), Nachfolger seines Oheims Salla,
ir. 2, S. 433-435; schon 1044 als Hei-
liger verehrt.
Erwig, beseitigt den Kg. Wamba 680,
II. 2, S. 167-170; Erw. auf der Synode
von 683, S. 172—173, 174—175; (f 15.
— 24. Nov. 687), S. 167—177, 229
bis 230, 231-232.
Escalona^ Romuald, Gesch. v.'Sahagnn,
0. S. B., III. 1, S. 17, 38, 60; III. 2,
S. 412.
Espafia, sagr., s. Florez.
Espartero, Baldemero (f Jan. 1878),
III. 2, S. 452; „Kegenf" (1840— 1^43>
muss 1843 fliehen, S. 460.
Estelia, erbaut, 111.1,8.170; Synagoge
der Juden, S. 183.
Eugen L, angeblich gesendet von Dio-
nysius Areopagita, II. 2, S. 194^-195,
199, III. 1, S. 35-37, lü. 2, S. 497.
Eugen I., von Toledo (636-647), H. 2,
S. 182, 138, 231, hat Zweifel an dem
römischen Primat.
Eugen II. (647), s. Schriften, IL 2, S. 132,
138, 146, 149, 247.
Eulalia, die hl, von Emerita, Martyrin
10. Deo. 304?, I., S. 146; ihr Martyrium,
364-371, 8.281,309,339, III. 2, S.480,
11. 1, S. 414— 415, 429; ihre Haupt-
Wrche, 8. 423—424, H. 2, 455, III. 2,
S. 479, 499.
Eulalia, hl., Martyrin von Barcelona
12. Febn 305?, I., S. 306—319; Wider-
legung der Zweifel an ihrem Martyrion,
S. 306—310; positive Beweise ftir die
hl. E. von Bare, S. 311—314; die Passlo
derhl.E., S. 315-317; ihre Verehiung
in Bare, S. 317—319; ihre Festmesse.
II. 2, 8. 200; ihr Grab gefunden 877,
8. 359; Kirche in Corduba, 450, III. l
S. 237, III. 2, S. 480, s. Elna.
Eulogius, Maurer 259, I.,S.265flg.
Eulogius, Märtyrer von Corduba, I..
S. 189, 297, 300, 314, 355, 358-361,
368—369, 383, H. 2, S. 301—302; E.
und die Ußtnk, S. 304 ; 306, 310-311,
318—819; Leben, Leiden nnd Schrif-
ten, S. 326; Märtyrer, 11. März 859,
8. 328; Schriften, S. 329, 337—338;
in und über Navarra, S. 354—365, 356
bis 358, 360.
Euphrasius, hl., von Ulitoigi, seine
Verehrung, I., S. 186—192. Name von
Bischofen, S. 190—191, II. 2, S. 8^.
III. 2, S. 479.
Eutropitts, Abt von M« Servitanum
584, II. 2, 8. 8; B. v. Valencia, 8. 57
bis 59, 74, 153.
Evora, Bisthum 306, II. 1, 8. 10, 12;
Bischöfe, II. 1, S. 425.
Eximitto, Ast, 8. J., IIL 2, S. 418.
F.
Falschmünzer, III. 1, S. 30.
FaustinuB nnd Marcellinns, dieLOgen-
schmiede, L, 8. 59, IL 1, S. 256, 275,
310—317, IIL 2, 8. 487.
Felicitas und Perpetua, L, S. 92—97.
Felix, B. von Saragossa (e. 250—^4).
I., S. 239, 243, 253-256.
Felix, B.vonAstorga (c254), L,S.236,
239, 243 flg.; das Bisthum des F.,
S. 246—250.
Felix, Presbyter von Leon, I., S. 236.
Felix, Märtyrer von Gerona (304— 305),
L, 8. 300—302, II. 2, S. 200, III. 2, S. 497.
Felix, ConfesBor, u. die hL Eulalia von
Barcelona, I., 8. 316—317.
Felix, B. von Acoi 306, L, S. 142,251,
U. 1, 8. 10, 176—178, III. 2, S. 484.
Felix, von Urgel, II. 2, 8. 264—265,
268, s. Adoptianer.
Ferdina'nd I., Kg. von Leon and Ol-
Süllen 1037 (f 27. Deoember 1065),
Register.
549
U. 2, S. 400 — 402, 407, 422? III. 1.
S. 8.
Ferdinand IF., Kg. von Leon (1157),
Iir. 1, S. 37, 52— Ö3, 60 (f 28. Jan.
117S), S. 61, 108—109.
Ferdinand m., d. Heilige (geb. 1 199, Kg.
1216, t 30. Mai 1252), II J. 1, S. 63,
110, 130, 155—162, 176, 352.
Ferdinand, Infant (t 14. Oct. 1211),
111. 1, S. 116-118.
Ferdinand r.^ von Aragonien, Ilf. 1,
S. 296—297.
Ferdinand IV., von Castilien (f 1312),
III. 1, S.^70, 381.
i* e r d i n an d V., 1469 Gemahl der laabella,
„der Katholische«, III. 1, S. 314, 430,
432. Krieg gegen Granada 439—446,
B. Inquisition, III. 2, S. 23—24, America,
Oolumbus, Ximenes. F. zweite Ehe 1505,
III. 2, 8. 126; F. 1607 wieder in Ca-
stillen, S. 127 „Regent«; droht 1508
sich von Rom losznreissen , S. 128;
ir>0*j— 1511 gespannt mit P. Julias II.,
S. 140—141 ; 1511 imBunde mit Juliuslf.
gegen Ludwig Xll. von Frankreich,
S. 142—143; erobert Navarra, S. 143;
(t 1516) au Madriiejos, S. 143; sein
Charakter, S. 144.
Ferdinand Vi., Kg. von Spanien (1746,
t 10. Aug. 1759), III. 2, S. 343-347;
Verhandlungen mit Rom 1749—1753,
S. 341; Concordat vom 11. Jan. 1753
mit P. Benedikt XIV., S. 346—346;
F. Tod und Charakter, S. 347.
Ferdinand Vll., Kg. von Spanien, geb.
1784, Kg. 1814, III. 2, S. 381-383, 396;
F. in der Zeit von 1808—1814, S. 427
bis 429; zieht 14. Mai 1814 in Madrid
ein; Revolution vom 1. Jan. 1820, sie
ist sehr kirchenfeindlich, S. 429—430.
1821 Confllkt mit Rom, S. 431 ; Klöster
aufgehoben; F., von den Franzosen be-
freit 1823-24, S. 433; „Regentschaft«
(1823), S. 433; F. heirathet Marie Chri-
stine 1829, III. 2, S. 443 (f 29. Sept.
1H33),
Ferdinand I., von Portugal, 1367, III. 1,
S. 339.
Ferdinand, „der standhafte Prinz*, Ge-
fangener in Afrika (t Juni 1443), III. 1,
S. 345-346.
Ferdinand, von Oesterreicfa, geb. 1503,
III. 2, S. 125, 176—177.
Ferrer, Vinzenz hl, III. 1, S. 296; und
die Juden in Spanien, III. 2, S. 13—15.
Ferreras, Juan de (1652, f 8. Juni 1735),
seine Geschichte von Spanien, III. 2,
S. 327—328; und andere Werke.
Feuer, das griechische, II. 2, 8. 240.
Feyioö, B. H., 0. S. B., der scharfe
Critiker (t 1764), III. 2, S. 411-412.
Fibularia, Calagurris, Bisthum 306,
II. 1, S. 12—13, 11. 2, S. 418, III. 2,
S. 481.
Florentina, hL, Schwester Leander*s u.
Isidor's von Sevilla, II. 2, S. 34-46,
105-106.
Flore z, Heinrich, 0. S. A. (f 1773), u.
die Espa&a sagrada, 1747—1865, 50
Bände, wovon 29 von Fl selbst, 1747
bis 1774; Bd. 30-42 von Bisco; 143
bis 44 von Merino und Canal; t. 45—46
von Canal; t 47—48 von Baranda;
t. 49—50 von Vicente De La Fuente,
I., S. 262; Fl über Montanus von To-
ledo, II. 1, 8. 450—451 ; über Idatius,
S. 470—471; edirt neue Werke Mar-
tinas von Braga, S. 474; Fl über das
Pallium, II. 2, S. 39; Analyse der 50 t.
des „heiligen Spanien"*, III. 2, S. 404
bis 410; des Fl übrige Schriften, II. 2,
S. 162, III. 2, S. 407—408.
Florida- Bianca, vorh. Monino, III. 2,
S. 369-370 ; Minister 1777-1788, S. 372;
unbeschränkt in der Gewalt, S. 372,
376; gestürzt 1792 (f 1809); Fl-Bl
über die Bischöfe seiner Zeit, S. 385
bis 386, 392-^93.
Folter, und Inquisition, III. 2, S. 64.
Fonseca, Juan, B. u. Colonial-Minister
(t 1524), III. 2, S. 115.
Fontana, Synode v. J. 947? IL 2, S. 425.
Formosus, P. (891—896), IL 2, 8. 358.
Franc! scaner, in Marokko, III. 1, S. 162
bis 169; in Spanien, S. 177, 260; dritter
Orden, S. 277; F. in Westindien, III. 2,
S. 109—113; reformirt in Spanien 1569,
S. 196-197.
Freigelassene, II. 2, S. 11—12; der
Kirche, S. 19-20; 87, 100, 122, ISO,
141, 171, 173, 180.
550
Begister.
Freimanrer, in Spanien, IIU % S« 343
bis 344«
Fructnoens, bl«, Märtyrer von Tarraoo
21. Jan. 259, U S. 59, 265—272, 274
bis 276, IL 2, 8. 199-200; und die
Liturgie, 8. 203; seine Kirche, III. 1,
S. 199.
Frnctaosns, hL, £b. von Bracara 656,
L, 8^ 281—282, 814, 332, 370, 374,
\U 2, 8. 132, 152-157; Eb., 8. 154,
178, 198—199; F. als Reisender, Kloster-
stifter, Schriftsteller.
Fnen-Gnbierta, Synode v. J. 911, 11.2,
S. 424—425.
G.
6 Ad es (Cadix), I, 8. 1—?, 12—15, 53
bis 57, 63—65; die Gaditaner im Alter-
thum, 8. 196-197, 374—375, s. Cadix.
Galerius, Kaiser, Christenverfolger, !.,
8. 296, 308, 395—397, 407-409.
Galioien, die Kirchenprovinz von 357
bis 589, ir. 1, 8. 456-464. Die Gali-
cier, 8. 465—466.
Gallien, angebliche Sendnng von sieben
Bischöfen ans Bom, I., 8. 215—217.
Gardinge, die, IL 2, S* 172.
Gelasius L, P. (492—496), L, 8. 43 bis
44, 46—47.
Gelasius IL, P. (1118—1119), und Eb.
Bernhard von Toledo, III. 1, 8. 16;
Gel. und Tarraoo 1118, \\\. 1, 8. 190.
Gennadins, von Marseille, I[. 1, 8.445,
466.
Gennadius, hL, B. von Astorga 899
(t c. 936), IL 2, 8. 406, 409.
Gentilis, Valentin, als Kezer in Bern
hingerichtet, III. 2, 8. 79—80.
Gerontius, B. von Sevilla? (Italica),
L, 8. 59, 144—145, 168; der Bischof G.
von Italica, 8. 280—283.
Gernnda, und der heilige Felix von, L,
8. 300—302. Concil v. J. 517, II. 1,
8. 434—436; Concil v. J. 646, 8, 440,
IL 2, 8. 200; das B. nicht unterbrochen
zur Maurenzeit, 8. 354; B^ 8. 358 bis
359, 430; Kirche des hl. Felix und
Narcissus seit 1002, 8. 430; Cathedrale
eingeweiht 1038, S. 436; Concil 1078,
8. 440; Concil 1143, III. 1, 8. 195;
Concil 1197, 8. 220.
GfrÖlrer, Friedr. (f 6. Juli 1861), IIL 1,
8. 43; fibersch&zt d. Histor. J. A. Conde,
und die Zahl der Einwohner des mau-
rischen Spanien's, 8. 464—467.
Giudice, Franc, Cardinal 1690 (t lO.Oct
1725), General-Inquisitor, IIL 2, S. 8^,
314—315.
Godoi (oy), Manuel, „der Friedensftirst^',
sein Leben und Treiben (herrscht un-
beschränkt von 1794 — 1808), IIL 2,
S. 377- 383; wegen Bigamie verklagt,
S. 390.
Gongora, Manuel^ Archaolog, f zu Gra-
nada c, 1869, HL 2, S. 477—479.
Gonzalez Perez, Primas von Toledo
1182 (t 30. AugQst 1193), IIL h S. 39.
Gottesfriede, 1027 in der spanischen
Mark, IL 2, S. 434; 1054 zuNarbosne,
8. 438, 489, J.1065— 1 068, s. Didac Gelm.
GOzendienst, in der christlichen Zeit,
II. 2, S. 13, s. Braga, Martin v., IL 2,
8. 18, 171, 18L
Guadeloupe, Kloster, und Insel, 1493
entdeckt, III. 2, S. 97.
Granada, seine Lage an der Stelle des
alten Elvira, L, S. 171—178; der sacro
monte von Gr. und seine Höhlen, S. 1 7b
bis 183; die Verehrung des hl. Caed-
Hus in Gr., 8. 183 -1«>, s. Elvira.
Gr. wieder erobert 2. Januar 1492 u.
Eb. 1492, IJL 1, 8.443—445. Univer-
sität unter Cari V., III. 2, 8. 132; Erz-
bischGfe im 16. Jahrhundert, S. 15ii:
Schule und Universität daselbst, S. 159;
Concil des Eb. Guerrero 1565, S. 187.
Gregor! US, Baeticns oder von Elvir»
c. 359—892, L, 8. 178; Haupt d. Luci-
ferianer nach dem Tode oder dent
Rücktritte des Lucifer von Cagliari;
359 in Rimini, „ilUlt'< zu Nicca ab;
lässt sich von Ensebtns von Vercelli
beloben; betet den Hosius za Tode,
und wird allein unter allen Bekennem
nicht gestraft, weil jeder Beamte vor
dem gewaltigen Beter zittert, IL 1<
8. 256—260, 310-317; II. 2, S. 1^7,
451; III. 2, 8. 478.
Gregor, von Tours, s. Gallien; über
die Kriege der Franken n. Westgothen,
IL 1, 8. 485—488; gegen Hermenegild,
IL 2, S. 4.
RegiBter.
551
Gregor I., P. (590—604), über Henne-
negildy II. 2, S. 3—5; im Verkehre
mit Spanien; seine Legaten daselbst,
S. 29—34; Gr. an Leander, S. 29—30;
seine Moralia aber Job, S. 29—30, a.
seine „Hirtcnregel'^, S. 31 ; sendet dem
Leander das Pallinm, S. 31 ; an Reccared,
S. 31; seine Dialoge, S. 116. Gr. und
Tajo, S. 150-155, 227—228.
Gregor Vil. (1073—1035), I., S. 83, 143,
Gr. im Verkehr mit Spanien, IT. 2,
8. 457 — 462; Gr. und die römische
Liturgie, S. 457— 458;' sendet Legaten,
S. 459. Der Mönch Robert ans Clugny,
ein StOrefried, S. 460; Abt Richard
von Marseille, s. Legat. Das Duell
(wegen der Liturgie), S.461; f 25. Mai
1U85, am Tage des Einzuges der Spa-
nier in Toledo, S. 462, IH. 1, S. 3.
Gregor IX. (1227—1241), und Don Ro-
drigo Ximenes, III. 1, S. 145-146; u.
Baymund von Pennaforte, S. 246.
Gregor X., P. (1271 — 1276), und Por-
tugal, III. 1, S.32I-322;gegen AlfonsX.
von Castilien, den deutschen Kronprä-
tendenten und für Rudolph von Habs-
burg, S. 3;^4, 360—363.
Gregor XIII. u. XIV., s. Philipp II.
Gregor, XVI. (1831—1846), gegen die
Sklaverei, 1839, III. 2, S. 120-121;
seine zwei AUocutionen Aber die Noth
der Kirche in Spanien, IIK 2, S. 447
bis 448; seine Encjclica vom 28 Fe-
bruar 1842, S. 454—457; bessere Zeiten
von 1813 an, S. 461; der Gesandte
Castillo y Ayensa in Rom, S. 461—463.
Gnadix, apostolisches B.; das Wunder
bei G., I., S. 118—137. Das Thal von
G.; die Lage der Stadt, und das Ge-
birge über ihr, S. 123—124. DerFluss
von G., und die Lage der Stadt an
ihm. Die beiden Nebenflüsschen Rio
de Gor und Fardes, S. 124—126. Die
£inzelnheiten des Vorgangs, S. 127 bis
129. Bemerkenswertho Analogien aus
der neuesten Zeit, S. 129-130. Das
heidnische Fest in der Stadt, S. 130
bis 135. Der Einsturz der Brücke. Das
Wander und die Natur, S. 135-137.
Guadiz, erneuertes B. seit 1492, S. 142,
147; IJI. 1, S. 442. Der hl. Torquatus
in G. verehrt, I., S. 145—149, 157, s. Acci,
Apostelschüler.
Gundemar, König (610—612); Edict
für Toledo v. J. 610, II. 2, S. 67-68;
469-470; HI. 2, S. 503— 504.
Gunthar, König der Vandalen, IL 2,
S. 135.
H.
Hadrian L, P. (772— 795), an und gegen
Bischof Egila (von Elvira?), II. 2, S.252
bis 254; gegen Migetlus, S« 258, 259;
H« gegen Elipandus, S« 281—282, 288
bis 291; H. vu die Synode von Frank-
furt V. J. 794, S. 287—288,
Hadrian (V*), Cardinal, Carrs V. Ver-
weser in Spanien, III« 2, S. 154; Jan. 1522
P. Hadrian V.,S. 155; macht Carl. V. die
grössten Concessionen, ohne ihn zufrie-
den zu stellen, S. 155—156; Gott er-
löst ihn durch den Tod (f 14. Sept«
1523) von Conflikten.mit Cari V., S. 156*
Hayti, 14^^ entdeckt, III. 2, S. 94.
Hefele, Carl Jos«, der Cardinal Ximenes
1851, HL 2, S. 130—132; H. über die
Inquisition, 111*2, S« 90* Con eil- Gesch.,
Bd*l— 7, reicht bis zum J* 1449; pas-
sim, 2. Aufl., Bd. 1—4, 1873—1879.
Heitferich, Ad«, der westgothische
Arianistnus 1860, I., S, 86 etc., II* 1,
S. 455 über B. Justinian, II. 2, S. 137;
über Bulgaram; Westgothenrecht 1858,
II. 1, S. 485; II. 2, S. 12, 162.
Hennemann, Aegidius, 0. S. B., III. 1,
S. 273.
Henrique (Heinrich) L, Kg. v. Castilien
1214, (t 16. Juli 1216), III. 1, S. 129.
Henrique II., deutscher Kaiser, II. 2,
S. 167.
Henrique Trastamara II., Kg. von Ca-
stilien 1369 (t 1379), 111.1, S. 890-891.
Henrique III. 1390, wechselnde Stellung
im päpstlichen Schisma, HI. 1, S. 395
bis 397 (t 1406), S. 402.
Henrique IV. (1454-1474), III. 1, S. 425
bis 426, 481.
Hermandad, santa, III. 1, S. 433.
Hermenegild, hl., Sohn Königs Leo-
vigild, n. 1, S. 489; wird zu Sevilla
katholisch; verbindet sich mit den
Griechen gegen Leo vigild; wurde Mar-
552
RegiBter.
tyrer zu Tarraco 13. Apr« 5S5, S«49l;
zuerst als Rebell betrachtet^ wurde er
ein Jahrtausend nach seinem Tode ca-
nonisirt, II« 2, S. 3—5« P» Gregor I«
über ihn, IL 2, 8. 3 ; 158«
HesychiuB (Esitins, Iscius); der hl« H«
von Carcesa, I«, S. 193—204; sein Siz
ist eicht Garteja an der Meerenge,
S. 193^197; nicht das unbekannte Gar-
teja derOlkaden, 8.197— 198; sondern
wahrscheinlich Gazorla, S. 198—203«
Hexen in Deutschland, und Kezer in
Spanien, lir« 2, S. 76«
Hidalgo, Dionys. (f 1866), Diccionario
de Bibliografia Espafiola, t. 1—5, Ma-
drid 1862-1873, HI. 2, 8. 408, 459.
H i e r 0 c 1 e 8 , Statthalter, Ghristenfeind, I.^
8. 404-408«
Hieronymiten, in Gastilien, III« 1,
8. 390; in Westindien, 111.2, S« 113—115.
H i g u e r a , Boman, Gleschichtsbaumeister,
H. 2, S* 447-448«
Ililarius, von Poitiers, u. Theodor von
Mopsveste, II. 2, S« 49—51, 52, 88,
8. Hosius.
Hilarius, von unbekanntem Size, Me-
tropolit der Provinz Garthaginensis 400,
II. 1, 8. 443—444, s« GoUectio«
Hispalis, s. Sevilla«
Honorius I«, P. (625— 638), IL 2, 8.145
148; Braulio's hiziger Brief an ihn
8« 224—228; 230.
Honorius IT.. P. (1216—1227); Bullen
von ihm, III« 1, 8« 113; H« und der
Primat von Toledo, 8«135 ; 137, 140, 143.
Hormisdas,P. (514—523), macht 2. Apr«
517 den Bischof Johannes von Tarraco
zu seinem Vicarius in Spanien, II« 1,
8« 436, und schreibt durch ihn an die
Bischöfe Spanien's, II. 2, 8« 471—472;
war £b. V. Tarraco, nicht B. v. Elche«
Hosius, von Gorduba, geb. c* 256, B*
c« 296 (t in Sirmium 27. Aug« 357);
H* vor und auf der Synode von Elvira,
II« 1, 8. 2—4; H. von der Synode v«
Elvira bis zu der -Synode von Nicäa
V« J« 306—325, 8« 137-143; H« und
die Synode von Nicäa, S. 145-148;
H. Vorsizender daselbst, S. 148—159;
im Namen des Papstes Sylvester, 8« 159
— 163; StUlschweigen über ihn 323
bis 343, S« 163—165. Er organisirt die
kirchliche Hierarchie in Spanien, S« 166
bis 181; führt die Mctropolitane ein,
8. 185— 191. H. auf der Synode von
Sardica v. J. 343-344, 8« 192—210;
H.v.J. 344—355; Verbannung n. Sirmium
355, 8. 211—218; H« in Sirmium 356
bis 357, S« 219—243. Worin bestand
sein Fall, II. 1, 8. 242-267. Sern or-
thodoxer Zusaz zu der zweiten sirmi-
sehen Formel wird ihm aU Gommnnio
mit den Arianern angerechnet« Er starb
zu Sirmium 27. Aug. 357, S. 268—284.
In welchem Sinne er nach Spanien zu-
rQckgekehrt sei? 8. 285—299« H. der
„Grosse*^ und der „Heilige«, S. 300 bi«
302, 308-309; IL 1, 8. 414; IL 2,
S. 202. Recapitulation der glänzen H.-
Streitfrage, lU. 2, 8. 484—489,
Hospitäler, in Spanien, reducirt und
„reformirt«, HI. 2, 8. 192—193.
Haber, Vict. A., über die span. Inqui-
sition, III. 2, 8. 82—85.
Huebner, Emil, Inscriptiones Hispaniae
christianae 1871, II. 2. 8. 250, 478 bis
480; etwa 200 Inschrifiten, meist aus
der Zeit von 465—782; III. 1, 8. 46;
H. Inscriptiones Hispaniae latinae 1869;
H. giebt mir nicht Becht, aber ist ge-
zwungen, mich zu rechtfertigen, III. 2,
8. 478-480.
Huesca, Goncil v. J. 598, II. 2, S. 26;
lil. 1, 8. 259; Goncil v. J. 1303; Uni-
versität, III. 2, 8. 137; wieder erobert
1096. II. 2, 8. 417—418; Bisthum, IL 2,
8. 420—421 (Jacca).
Husillos, Goncil v. J. 10' 8, IIM,S.7.
Hyglnus, B. von Gorduba 359 — c. 386 ;
als Eb. 382— 883, IL 1,8,273—275; 364
bis 365; Hl. 2, 8. 488-489. «
I.
Jacca, Bisthum, im Mittelalter Jaeca-
An^on, ir. 2, 8* 418; Synode v. J.
1063, 8. 420-431; Kirchweihe 1063,
8. 421, 458; wieder Bisthum 1571.
Jacobus, der Aeltere, „der Apostel u«
Patron von Spanien'', IL 2. 8. 189 bis
190, 197, 361—396 (f 12. Aprfl 41 in
Jerusalem, 8. 363); Kirchen unter sei-
nem Namen in Oaliclen schon um 756
Register.
653
gebaut, ir. 2, S. 251. Die Klöster Sinai
und Railba 521—525 gebaut; die Klo-
stersklavcD werden Mahamedaner, S.3()3
bis 364. Gatharina von Aiexandrien
Wird Gatharina vom Berge Sinai, S. 363
bis 364. Der Leib des hl. Jac. kommt
in die Kirche del Pilar in Saragossa
nm 700, S. 364. Theodor, Athanasins
und Petras «Ratbcnsis'' sind Mönche
aus dem Kloster Raithu, die seinen hl.
Leib nach Spanien brachten, S. 364.
Nach dem Einfalle der Maaren wird
dieser Leib geflüchtet nach dem (spä-
tem) Ort Gumpostella, S. 365—366, dem
Heiligen aber schon vor 757 Kirchen
geweiht. Sein Grab wird zwischen 757
bis 829 vergessen, S. 366. Die Historia
Compostellana, S. 367 (weiss gar nichts
hierfiber). B. Theodomir von Iria c.
829, S. 368. Ramiro I. und die „an-
gebliche'' Schlacht von Glavigo c. 844,
S. 369—374. Kg. Ordofio I. (854),
S. 374—376. Kg. Alfons HI. baut die
neue Kirche des hl. Jac., S. 376—377,
ireweiht 6. Mai 899. B. Sisenand, S. 378.
Greschenke Alfons' IIL an Gompostella,
S. 377—378; schreibt 906 nach Tours
über den hl. Jac., ohne damit „die
Jacobus-Frage^ zu lösen, S. .378-380.
Nene Geschenke, S. 380—381. Kg. Or-
dofio If., S. 381. Die Besizungen v. Iria
restituirt, S. 381. Jac. der „Patron",
S. 381-382. Ordofio III. 954, S. 382.
Abt Cäsarius, S. 382—387, erlangt zu
Gompostella denSiz vonTarraco, aber
nur in part. infid., und schreibt um
Hilfe an P. Joannes XII., S. 383, c. 963.
Kg. Veremund II., S. 387. Alfons V.,
Bermudo III , S. 388. Die Schuzengel
der Völker, S. 388 ; hl. Gatharina von
Sinai, S. 388-389; ihre Kirche in der
Normandie, S. 389. Jac. der Aeltere
In der span. Liturgie, S. 390« Isidor?
über Jac, S. 393-395. Jac. in Süd-
Spanien nicht gefeiert, S. 453. Bd. 4»
S. 116, Z. 18 von oben lies Jacobus
statt Paulus. Streit über sein Patronat
fiber Spanien; soll sich mit der hl.
Theresia in dieses Patronat theilen,
III. 2, S. 268— 271; Recapitulation der
Jacobn8-Frage,S.505— 507; desseuGrab
in der Gathedrale von Gompostella wie-
der gefunden c. Febr. 1879. Santjago
vom Schwerte, Ritterorden 1161, III. 1,
S. 56, in Ucles; S. 109.
Jaön, 1216 erobert und B., III. 1, S. 160.
Jaffe, PhU .Regesta P.Rom., III. 1,S. 13.
Jayme L, Kg. von Aragonien (riil3bis
1276), III. 1, S. 213.
Jayme II. (1291-1327), III. 1, S. 255;
& Aragonien.
Idatius, der Ghronist, I., S. 55, 151,
218,350,369. Id., sein Ghronicon, II. 1,
S. 456-458, 465—471. Id., B. vonLa-
mego, S. 46K; seine Ghronik reicht von
376—469 ; sein Geburtsort Limia ? S. 468 ;
B. von Ghaves? (Aquae Flaviae); Aus-
gaben der Ghronik, S. 469—170. Fasti
Idatiani, S 470; Turibius an ihn über
die Prisoillianisten, S. 476-479.
Ildefons, Eb. von Toledo, I., S. 341
bis 342; sein Werk „von den berühm-
ten Männern^, über Asturius, 11. 1,
S. 445-446; über Montanus, S. 451
bis 452; II. 2, S. 160. Ild., hl., geb. c.
607, S. 135-138; Eb. 657 (f 23. Jan.
667). Schriften, S. 136-138; 152, 177
bis 178; II. 3, S. 209. Cixila über ihn
und die hl. Leocadia, S. 247—249, 250.
Ild. und die „Etymologieen** Isidor's,
S. 467—468; sein Fest eingeschärft
1302, III. 1, S. 371.
Illiturgi.s), die Lage der Stadt, L, S. 186
bis 189, 8. Enphrasius; IH. 2, S. 479.
Indaletius, hl, der hl. Indaletius von
ürci, L, S. 159-160. Der Leib des hl.
Ind. in Pasqnena (Pechina), seit 1084
in S. Juan de Ja Pefia, S. 162—164.
Sein Andenken in Almeria, S. 165. Seit
1872 weiss man, dass Urci an der Stelle
des heutigen Pechina (oder Almeria)
lag, IIL 2, S. 476-477, 508—509.
lud 1er (Westindier), erste, getauft 1493,
III. 2, S. 96—97; warum sie nicht
Ghristen werden wollten, S. 100. An-
fänge ihrer Sklaverei, S. 102—103; ihr
schnelles Aussterben, S. 107; erhalten
und mehren sich auf dem Festlande,
S. 1C8; ihre Sklaverei, besonders in
Mexico, aufgehoben, S. 117—118. Das
Festland, bessere Lage seit 1542, S. 172
bis 173.
564
RegiBter.
InguaDzo, Primas von Toledo (1824 bis
1836), III. 2, S. 4ö9.
Ifiigo, hl, von Ofia, IL 2, S. 422.
Innozenz 1.(402— 417), I.,S. 43; an die
zu Toledo im J. 400 versammelt ge-
wesenen Bischöfe, II. 1, S. 420; II. 2,
S. 470 — 473, 8. CoIIectio, Hilarius,
Innozenz II. (1130—1143), b. Didaens
Gelm.
Innozenz III. (1198—1216), nnd Don
Rodrigo Ximenes, III. 1, S. 114— 1 in;
Kreuzzng in Spanien, S. 122; fiber die
Klosterfrauen von las Huelgas, S. 128
bis 129. Inn. III. und der Primat von
Toledo, S. 135. Inn. III. nnd Portugal,
111. 1, S 75; und Navarra, 8. 184.
Innozenz Vm (1484—1492), und die
Span. Inquisition, III. 2, S. 22—23.
Inquisition, in Aragonien^ III. 1. S.229^
262, 270; ihr kirchlicher Charakter,
III. 2, S. 12-13.
Inquisition, die spanische 1480, III. 2,
S. 5- 93. Ein National-Institut, S. 8.
Spanische Eigenart, S. 8, 9; auch die
Juden in Spanien ^cxclusiv", S. 9— 10;
Bind Proselytenmacher, S. lO^il; die
Spanier. Vermengung des Kirchlichen
und Staatlichen, S. 12. Vinz. Ferrer u.
die Juden, S. 13-14; Disputation in
Tortos», S. 14—15. „Alte und neue
Chilsten«, S. 15-16. Revolte in Cor-
dova 1473, S. 16-17. Feindschaft der
Christen und Juden, S. 17. Die Inq.
gegründet 1178—1480. Die Inq. 1481,
S. 19; die Inq. als Staatsanstalt von
P. Sixtus IV. bekämpft, S. 20-21 ; die
Appellationen nach Rom, S. 21; Tho-
mas Torqucmada, 0. S. D., erster Ge-
neral-Inquisitor, S. 21^22. P. Inno-
zenz VlII. und die Inq., S. 22—23. Die
(neue) Inq. in Aragonien 1484, S. 24.
Die „neuen Christen" in Saragossa, s.
P. Arbu6s. Versammlung d. Inquisitoren
zu Sevilla 1484, S. 43 und Statuten der
Inq., s. Juden, Mauren, Moriscos. P.
Alexander VI. nachgiebig, S. 51; er
nnd Torqueroada, S. 51. Ausdehnung
der Inq. auf verschiedene Verbrechen,
S. 52. Die Päpste nnd die Inq., S. 53
bis 54; die Staatsinq., S. 51. Der Ge-
ßandte Garcilaso de la Vega in Rom,
S. 55. Deza, zweiter General-Inquisitor,
S. 56. Der Inquisitor Lucero, S. 57.
Deza 1507 abgesetzt, S. 5S; Ximenes,
dritrer General-Inquisitor 1.507—1517,
S. 5S. Die Autodafö*s, S. GO— 63. Der
Sanbenito, S. 63. Die Gnadenfrist, S. 6 1
bis 64. Die Zeugen; die Folter, S. 64.
Die Gefängnisse, S. 64—65. DieQuali-
ficatoren, S. 65 — 66. Falsche Zeugen
bestraft. Art des Verfahrens, f^ällang
der Urtheile. Abkürzung derProcesse,
S. 66-67. Zahl der Opfer der Inq.,
etwa 2000 von 1481—1504 nnd eine
ähnliche Zahl? in der ganzen spätem
Zeit, S. 68—72. A. Liorente „homo
mendax," S. 73—74. Zurita und Paramo
über die Inq., S. 74—76. Hexenglaube
in Deutschland, S. 76—77 und Gegner
der Hexenprocesse, S. 78—79. Die „Re-
formatoren'' lassen die „Kezer" ver-
brennen und „köpfen** (Genf, Bern).
Val. Gentilis, S. 80. Blüthe der spani-
schen Literatur troz der Inq., S. 80—82 ;
die Spanier fQr dieselbe, S. 82. Der
Protestant V. A. Huber für sie, S. 83
bis 84. Liorente und Paramo, Antipo-
den, S. 84—85; Paramo leitet die Inq.
aus dem Paradiese ab; Gott der Vater
war der* erste Inquisitor, S. 85. Reihe
der General-Inquisitoren, S. 86—89. Die
Italiener weisen die Spanische Inq. zu-
rück, S. 89-90. Liorente und Hefele
S. 90. Die Inq. in Portugal, 8. 90:
Schriften über sie, S. 90—93. Nachträge
und Berichtigungen, III. 2, S. 511— 512.
(Zur Literatur: Franzisca Hemandez
und Frai Franzisco Ortiz. Anftoge re-
format. Bewegung unter Carl V. von
Ed. Böhmer, Leipzig, 1865.)
Inschriften, verdächtige, I., S. 347 bis
350; angebliche Inschrift in SiMuiien
über die Neronische Chri8tenverfolgant,%
S. 387—389; angebliche über die Dio-
cletianiBche Verfolgung, S. 389-390;
393—891.
Johannes, von Bidaro, Chronist, IL 1.
S. 489—490; II. 2, S. 3-.% 8, 241; B.
von Gerunda, S. 27, 59—62, »eine
Chronik.
Johannes, von Saragossa (c 619 — 631),
II. 2, S. 65.
Begister.
555
Johannes, MOnch von Gorze,iD Spanien,
953 — 955, 957—960, II. 2, S. 303,
443 — H6; seine Audienz bei Abderr-
haman, nach einer Geduldsprobe von
3 Jahren.
Johannes, Primas v . Toledo (t 29. Sept.
1166), III. 1, 8. 36—38, 54.
Johannes, a S.Facurido (f 1479), III. 1,
S. 438.
Johannes, Carvajal, Cardin, (f 1469),
III. 1, S. 414-415.
Johannes, Cervantes, Cardin, (f 1453),
III. 1, S. 417—418.
Johannes, de Mella, Cardin, (f 1467),
HI. 1, S. 419, 432—433.
Johannes, v.Segovia,Ps. Card. ^c.l449),
III. 1, S. 412—413.
Johannes, von Turrecremata, Cardin.
(t 14G8), lil,l,S.415— U7. Dr. Lederer,
der Span. Card. Johann v. Torquemada
B. Leben und s. Schriften, Freib. 1879.
Johann, hh, von Gott (1495—1550), III. 2,
S. 19 J— 194, und seine Hospitaler.
Johann, hl., vom Kreuz (1542—1591),
III. 2, S. 271-272.
Johanniter, in Portugal, III. 1, S. 57.
Jovellanos, Casp. Melch. (1744—1811),
III. 2, S. 374—375, 378.
[renaeus, hl., von Lyon, bezeugt den
Bestand des Christenthums in Spaniep,
I., S. 228—232.
Isabella, die Katholische, Königin
(1474—1492), IIL 1, 8. 431-416; siehe
America, Inquisition. Js. (1492—1504),
Jfl. 2, S. 122— 126. Tod fast aller ihrer
Kinder (Infant Don Juan, f 1497,
S. V/3}. Is. von Portugal (f 1498).
Is. schmückt die Kirchen, S. 123; fern
von allem Luxus; liebt und übt die
Wissenschaften, S. 123—124; ist gate
Lateinerin, S. 124; schüzt die Buch-
dracker, 8. 124; Gelehrte aus Italien;
erkrankt 1504, S. Vzö (f 26. Nov. 1504);
ihr unsterblicher Ruhm.
Isabella, Gemahlin Kaiser CarPs V.
(1.526, t 1639). III. 2, 8. 175.
isabella IL, unter Vormundschaft ihrer
Mutter (1833 — 1845), III. 2, 8. 443;
mnas Spanien verlassen an dem Tage
und zu der Stunde, in der ihr Vater
35 Jahre vorher gestorben war, HI, 2,
S. 443, 470*
Isidor, von Sevilla, über die Sueven,
IL 1, S. 457; über Idatius, 8. 469;
über Hermenegild, II, 2, 8. 3-f', (76),
14(5—147; Leben, Schriften und deren
Ausgaben, II. 2, 8. 102; Eb. 599
(t 4. April 636); seine Busse. Schriften:
differentiar. 1. 2, S. 104. Allegoriae
qnaedam s. Scriptnrae, S. 104. De fide
catholica contra Judaeos, 8.105; Sen-
tentiarum, S. 106. Kirchliche Officien,
1. 2, 8. 107, seinem Bruder Falgentius
gewidmet; 13 Briefe, 8. 108—109; von
der „Ordnung der Creaturen", 8. 109;
über die „Natur der Dinge**, an König
Sisebut, 8. 109—110; sein Chronieon,
8. 110; von den „Königen der Gothen",
8. 110; „von den berühmten Männern",
8. 1 1 1 (47, darunter 1 5 Spanier). Braulio
über seine Schriften, 8. 111; seine
Etymologieen, S. 112; Ausgaben seiner
Werke, 8. 113, II. 2, S. 152, 165, 1«^';
s. Collectio. Wann er die „Etymo-
logieen" vollendet, und was Braulio
an ihnen verändert hat, 8* 466 bis
467.
Isidor, von Pace, der Chronist, dem
Spätere diesen Namen gaben, lebte in
Corduba, IL 2, 8. 150, 159-160, 176,
134, 236-287; seine Chronik, 8. 240 bis
241, 315—317, und ist wohl der Ne-
storianer Melito oder Milita.
Isla, Franz de, 8. J., Satyiiker, III. 2,
8* 418-420.
Itala, vetus, entstanden in Italien, nicht
in Afrika, I., 8. 86-101 ; III. 2, 8. 501.
Italica, B., I., S. 282-284; II. 1, S. 419.
Juan I., 8. Castilien.
Juan II., Isabella's Vater, der Schön-
geist (t 1454), III. 1, S. 402; III. 2,
8. 123.
D*Juan d'Austria, CarFs V. Sohn, im
Kriege gegen die Moriscos Sieger;
Sieger bei Lepanto; hohe Plane, III. 2,
8. 23i; 1576 in den Niederlanden,
8. 235; t bei Namur 1. October 1578,
8. 235—236.
Juan d'Aiisfria (!I.\ Sohn Philipp's IV.
(t 1679 s S. 288—293.
Juden, in Spanien, I., S. 2-^3, 58, 63;
666
Register.
Jaden wollen die Früchte (der Chri-
sten) segnen, H. 1, S. 107—109; IK b,
S. 12, 17. König Sisebut und die J.,
S. 78, 59 — 100; 122, 127 — 128, 130;
handeln mit Christensklaven, 8. 131 ;
168, 170—171; J. und Araber, S. 17ö;
177, 180, 403; J. in Toledo, IIL 1, S. H;
J., getaufte, lil. 1, S. 377; J. als Blut-
egel der Christen, IH. 1, S. 387—388;
J. in Spanien arge Froselytenmacher,
Hl. 2, S. 10; aber auch die Christen
wollen sie mit Gewalt nChristianisiren^,
S. 1 1 ; J. aus Spanien vertrieben, 1493,
Ilf. 2, S. 44-49, etwa c. 160.000 J.?
Julian, hl, von Cuenca (1196—1206),
in. i; S. 174—175.
Julian, von Toledo, IL 2, S. 136, seit
Jan. 680 Eb. (f 690), & 167; eine ener-
gische Herrschematur, S. 167, 177;
selbstgeschaffener Primas, S. 175; hat
„unwissende Nebenbuhler** in Rom,
S. 176; Jnl. Leben u. Schriften, S. 176
bis 178; Jul. und sein Kirchenrecht,
S. 474; Jul. und die Liturgie, 8. 177, 178
bis 179; Streit mit P. Benedict IL;
seine Decretalerlasae, S. 233 — 234; er
lehrt drei Substanzen in Christus, S. 235;
will nach eigenen Heften lesen, S. 235.
Wie die Spätem sich diesen Streit zu-
rechtlegen, S. 236—238. Verdienste
um die gothische Liturgie; s. Schriften.
Justa und Rufina, Märtyrer von Sevilla,
L, S. 284-288.
Justinian,B.v. Valencia, 546, als Schrift-
steller, IL 1, S. 455, vielleicht bei 11-
defons erhalten, S. 455; II. 2, S. 137.
Jus tu s, die Märtyrer J. und Paator v.
Complntum, I.,S. 330—334; IL 2, S. 201.
Justus, B., IL 2, S. 82—83.
Juvencus, Dichter im vierten Jahrhun-
dert, IL 1, S. 326—330.
K.
Klöster, als Pönitenzanstalten, IL 2,
S. 17; 34, 86, 98, 122—125. Klöster
in Baetica, S. 87. Frauenklöster, S. 88.
Klöster und Bischöfe, S. 98; IL 2,
S. 180 (Gäste).
Kronen (Votiv?), aus der Zeit, der
Westgothen, ir. 2, S. 250.
Kreuzzüge> nach Spanien, UL 1,S. 191.
L.
Lactantins, sein Buch: «de mortibn«
persoeutomm'', I., S. 393, 397, 404; sau
Bericht über die Anfange der Chriatcfl-
Verfolgung, 8*404—406; überHlerocle«.
S. 408.
Laminium, und Campus Laminitanos,
I., 8. 57, 66—68.
Lampllla8,FranzXav.,S.J^in.2,S.42t}.
Leander, Eb. von Sevilla (t 599}, in
Constantinopel, IL 1, S. 289; L. und
Hermenegild, iL 2, S. 4; in Toledo,
589, S. 10, 14, 16; L. und Gregor L
II. 2, S. 29—31 ; L. von Sevilla, Lebeo
und Schriften, 8. 37—43; L, und die
Liturgie, II. 2, 8. 20S\ IIL 2, S. 49;».
Lebrija, AeL Ant. v., IIL 2, S. 124.
Lectoren, IL 1, S. 446, 460-46L
Leibeigene, der Kirche, II. 2, S. *20.
Leichenbegängnisse, MissbrSuche da-
bei verboten, II. 2, 8. 14. ^
Leo I., P. (440—461), u. Spanien, B. L
S. 456, 458. L. I. und Eb. Turibius,
über die Prisciliianisten, S. 476-479.
Leo IL, P. (682—683), und die Mono-
theleten, IL 2, S. 228.
Leo III., P. (795—816), gegen die Ado-
ptianer, II. 2, S. 282; das Concü zb
Born 799 gegen sie, S. 292.
Leo X., P. (1513—1521), und die Inqui-
sition, IIL 2, S. 52—53, 66. L. uod
Cardinal Ximenes, S. 145. L. iL Carl i.
S. 149; erklärt ihn „als kaäiolischeii
König* ; L. im Conflikt mit Cari V.,
8. 152—154.
Leocadia, hL, von Toledo, L, 8. 144,
189, 230, 298, 312—313. Die heilige
Leocadia von Toledo, S. 335—343:
Kirche der hl. L., in ihr üanden die
meisten Condlien von Toledo ststr.
IL 2, S. 25-26; ihr Fest in T., 8. 19»;
L. und hl. Ildephons, 8. 247-248, 251,
ni. 1, S. 36. Ihre Basifica 1162 wieder
hergestellt, III. 1, S. 88; ihr Fest,
m. 2, S. 497.
Leon, B., L, S. 234—236, 242. Das
Verhältniss d. beidenBisthümer Astorgi
und Leon, S. 256—260; Gnindaog,
8. 256, 293; war ein B. 306, II. 1'
S. 7, 10; erscheint aber als solches
Register.
557
erst wieder am 793, II. 2, S. <»öl, 353.
Bischöfe bis 900. Synode y. J. 1020,
II. 2, S. 401— 402; Bischöfe: Cypriao 1040
bis 1057, S. 406-<-407; Alvitas, S. 407,
allzeit „ezempt", bis zam Concordat
des Jahres 1851, III. 2, S. 469.
iCOD, das Königreich, seit 910, II. 2,
S. 399; König Garcia (911—914); Or-
dofio (914, t 924). Fmela (924, 1 925).
Alfons IV. (925-928). Bamiro II. (931
bis 950) , stiftet Kirchen und Klöster.
Ordofio m. (950 — 957). Sancho I.
(957—966), S. 400. Bamiro HL (966 bis
982). Bermudo IL (982—999). Alfons V.
(999—1028) ; Bermudo UI. (1028—1037);
Ferdinand I., IL 2, S. 400, König von
Castilien nnd Leon (1037, f 1065).
Später wieder von Castilien getrennt,
•epanto, Schlacht bei — 1571, IlL 2,
S. 231.
erida, Concil v. J. 517, II. 1, S. 487;
Concil V. J. 524 (al. 546), S. 438—439,
454. Bischöfe, IL 2, S. 360 (Bischöfe
in Pallas, S. 360); L. zurückerobert
1149, III. 1, S. 200; 1173 Concil zu L.,
S. 205—207; Concil 1190, S. 208-209.
Berühmte Beformsynode v. J. 1229.
S. 221—223. ConcU v. J. 1246, S. 233
bis 234. Concil v. J. 1293 und 1294,
S. 258. Concil v. J. 1418, III, 2, S. 300
bis 301. Landtag v. J. 1257, UI. 1,
S. 240. L., Universität, IIL 2, S. 137.
iberins, F., s. Hosius«
ibisosa (Leznza) und der hl. Apostel
Paulus, L, 3.57,66-71; lü. 2,8.472-473.
icinian, v. Carthagena c. 590, II. 2,
S. 49—55; seine Schriften; ist Metro-
polit, S. 74.
issabon, £b. 1394, IIL 1, S. 343;
£b. bis 1452; £b. von 1152—1500,
S. 350—351.
iturgie, die spanische, L, S. 47, 77,
81-85, 101—117, 143—145, 210-215,
270—275, 294, 300, 311—312, 349,
351, 354, 357—358, 362, 368,373,411;
1/. 1, S. 390—391, 397, 427, 433-436,
453, 459, 463; II. 2, S. 11, 17, 65, 91
bis 93, 133, 136 — ist die Liturgie der
Kirche von Toledo, S. 186—198. Kein
Heiliger nach dem Jahre 400 erhält
ein eigenes Officium, S, 187 • DasBre-
viarium nnd Missale, S. 188. Die Vesper,
Matutin, die Landes; Proprium de tem-
pore; Advent, 8. 188—189. Die sechs
Woltalter, S. 189. Proprium Sanctorum,
S. 189. Fasten -Officien, S. 190—191.
Epiphania Domini, S. 190; Fasten- nnd
Fleischspeisen, S. 191 ; Palmen nnd Pal-
mensonntag, S. 191 ; Charwoche, S. 191 ;
Ostern, S. 191; Himmelfahrt, S. 191;
Pfingsten, S. 191— 192. Das Psalterium,
S. 192; Cantica, S. 192; Hymnen, Spa-
nien, das Land d. Hymnen (d. Bienen n. d.
Kerzen), S. 192. Die „canon. Stunden'',
S. 192—193; Complet, S. 193. Todten-
Officien, S. 193. Commune de tem-
pore, S. 193. Die „Mitren'S S. 193. Das
«Sanctorale'S S. 193. DasMissale, S. 19 »
bis 194. Kirchenjahr des Missale. Die
apostolische Messe, S. 194. Fronleich-
nam, S. 195. Die einzelnen Heiligen,
S. 195—198; (es ist zu lesen : Jan. 28.:
Thyrsus, Märtyrer unt Decins) ;68 Feste,
S. 197—198, nnd 16 von Spaniern;
Heilige nach dem Jahre 400, die keino
eigenen ;Officien haben, S. 198—199.
Festmessen entstanden an einzelnen
Orten in Spanien, S. 199—202. Prä
£ation, S. 201 — 20l>. Toledo eitielt
die Liturgie vonTarraco, S. 202—204.
,^tio<', S. 203. Die römische Li-
turgie übersezt in Tarraco?, S. 203,
vor dem Jahre 269. Der »Papa Bo-
mensis**, S. 204—205; Tarraco, S. 205.
Die Taufe an Epiphanie, S. 2u5. Die
Liturgie aus dem Griechischen über-
sezt, S. 205. Commemoration d. Todten,
S. 206 (S. ^06 lies: Melantius). Die
„Pansantes'S S. 206—207. Die „täg-
liche Messe'S 8. 207. Die „Missa Bo-
mensis'S S. 207. Diaconi und Diacones,
S. 207. Isidor Hisp. leitet die Liturgie
von dem hl. Petrus her, 8. 208. L., mo-
zarabische, UI. 1, S. 170. Becapitu-
lation, HL 2, S. 496-501.
Liutprand,v.Cremona,IL2,S.4§7— 418.
Llorente, Ant., u. d. Inquisition, III. 2,
S. 21 ; entstellt ihre Geschichte, S.84, 90.
Llaguno, Eugen, lü. 2, S. 420.
Loperraez, Geschichte des B. v. Osma,
m. 1, S. 10.
Lopez, de Pisnerga, Martin«, Primas
558
Register.
(1194, 1 28. August 1208), erster Gross-
kanzler y. Castilien, III. 1, S. 39.
Lorca (EUocroca), B. 306 von kurzer
Dauer, I,, S. 119-121, 159, 161 ; II. 1,
S. 10, 17—18; III. 2, S. 480-481.
Lorenzana, Frz., Card., I., S. 62, 84,
101-102, 168, 269, 304, 308, 326, 348,
414. Lor. über seinen Vorganger Mon-
tanus, If. 1, S. 450-452; Patmm
Tolet. quotquot extant opera; über
Eugen's 11. Werke, II. 2, S. 133-137;
P. 178; ed. Julian's Werke, S. 202;
II. 2, S. 237; III. 1, S. a*)— 36; über
Eugen I. von Toledo, S. 37; über
America, III. 2, S. 220. Lor., gelobt
vom Minister Florida- Bianca, S. 385
bis 386; Leben und Wirken, S. 387,
(H. 2, 8. 138, 178.) Cardinal 1789, S. 388;
nach Rom verbannt 1797, S. 389, 391
(t 17. Apr. 1804).
Lorenzana, Thom., B. v.Gerona, III. 2,
S, 402-403.
L u c as , von Tuy (Tudensis, 1 1249), Chro-
nist, III. 1, S. 151—153.
Luciferianer, die, in Spanien, c. 359
bis 400, Ik 1, S. 310—317. Ihr Führer
Gregor von Elvira.
Ludwig, von Granada, 0. S. D. (1504
— 1588), III. 2, S. 197.
Lugo (nicht Lugos), B., I., S. 190—191,
234 ; J. 569 keine Synode daselbst, II. 1,
S. 461—464. L., Metropole vor 572,
S. 462, 467. B. Agrestius, S. 466, 472,
die Metropole schon 675 verschwunden,
IL 2, S. 166; erscheint aber wieder
im 8.— 10. Jahrb., Eb. von Lugo 859
und im 10. Jahih., IL 2, S. 850. Eb.
(oder Bischof?) Odoarius (c. 740—786),
S. 351 , 365 ; erbaut Lugo wieder,
S. 365-366, t Als Eb.; S. 399. Me-
tropoliten bis c. 1085.
Luparia, von Aoci, erste uns sicher
bekannte Christin in Spanien, c. 65,
L, S. 112, 133.
M.
Macanaz, Melchior, famoser Regalist,
III. 2, S. 318—314.
Madrid, B. 1851, 1851—1879 unbesezt,
IL 1, S. 71; IIL 1, S. 2, 113, 116.
Mahomed,Chalifv.Cord.852,II.2,S.351.
Majoral, Eb. v. Valencia, m. 2, B. S&
bis 400.
Majorka, von K5nig Jayme L erober j
1229, IIL 1, S. 214—215; das neue B
1238, S. 215—216, exemt
M hI aga , B. Januarius v., und P. Gregor 1
IL 2, S. 32—33. Die Bischöfe Januarij
von M. und Stephanns im Gebiete dt
Griechen, S. 32--36. Die Grenzen de
B. im Jahre 619 fest- und wiederbei
gestellt, S. a5— 86; c. 1100-1118B. J-
lian, III, 1, S. 45—46. KlOster in dr
NShe J. 982.
Maranos, IIL 2, ,S. 15.
Marcellus, Märtyrer in Tingis; stii
Martyrium, L, S. 2S9 — 291; ^
S. 235, 396.
Marcia, Gemahlin d. ElaisersCommodr.
L, S. 140.
Marcian, B. von Arles^ I., S. 216— 2n
263—264.
Marcianus, B. v. Astigis c. 630—6?/
n. 2, S. 121; B. Habentius.
Mariana, J. (f 1623), seine Geschieht
von Spanien, L, S. 62, 193, 199, 3J
bis 348. Ausgaben seiner G^eeehichr'
II. 2, S. 68; gemassregelt anter Pbi
lipp IIL, in. 2, S. 261-262.
Maria Anna, von Oesterreich, Regenrit
für Cari IL (t 1696), IIL 2, 8. 287— 2M
Marienfeste, in Spanien, IL 2, S. IH
194, 196-198, 248.
MarinaeuSjLaciua-Siculns, IIL 2, S. V2i
Mark, die spanische (801), IL 2, S. a'>j
bis 360, und Barcelona.
Marmol, über den Maurenkrie^, IIL -
S. 228, 280.
Marokko (vergebl.) Versudde der Eir
ffthrnng des Christenthnms in — , III. i
S. 162—167; B. Lope l p. in6de:
B. Blancus 1266, S. 167, von CecT:
1269; B. Roderich, S. 167—168.
Martialis, der Dichter, L, S. 53, «>'.
66, 133, 167, 231—232; IL 1, S. 3v^
(Prudentius und Mart).
Martialis, B. von Astorga, L, S. 23
239-253, 260—264.
Martin US, von Tours; seine Beliquiir
in Braga, IL 1, S. 472; IL 2, S. 2«)i-
Martinus, von Braga, IL 1, S. 471
bis 475, aus Pannonien, a 472, mv
^mm
Register.
569
im Orient; Isidor über ihn, S. 472;
seine Schriften, S. 473. M. und Seneca,
S. 473; seine 84 Canones, S. 473;
Aasgaben seiner Schriften, S. 473—474.
Martin, von Leon (c. 1200), III. 1,
S. 153-154.
Martin IV, P. (1281-1285), nnd Ara-
gonien, 111. 1, S. 299.
Martyrologinm, Romanam (parvnm),
I., S. 32-84, 72, 79-80, 222—227;
M. Rom., nnd das „sechste Alter der
Welt«, II. 2, S. 189.
Masden, J. Fr. (1744—1817) , Historiker.
Historia (hyper-) critica de Espafia,
Madr. 1783—1800, 20 t. (unvollendet),
IIL 1, S. 43; III. 2, S. 421-422.
Masona, £b. von Emerita c. 571 (f 60B),
II., 1, S. 489; II. 2, S. 14, 28, 114;
III. 2, S. 9.
Maximus, 6. v. Saragossa (c. 592—614),
IL 2, S. 27, 63-65; seine Chronik
verloren.
May ans y Siscar, Greg. (1699-1781),
III. 2, S. 421.
Medina, del Campo, (1380—1381) Ver-
sammlung wegen des Schisma, III. 1,
S. 392; s. Salamanca.
Mendez, Franz, 0. S. A., Biograph u.
MiUrbeiter des H. Florez, III. 2, S. 408.
Mendoza, Petras Gonzalez de, Cardinal
von Spanien, IIL 1, S. 432—433; Eb.
von Sevilla, 111. 2, S. 18; Primas von
Toledo (t 1495).-
Mendoza, Didacus Hurtado de, über
den Krieg gegen die Moriseos 1568,
IIL 2, S. 228-230.
Menorca, 1229 erobert, IIL 1, S. 215;
s. Severas.
Mentesa, B., vielleicht zwei Bisthümer
d. N., I., S. 189; IL 1, S. 10, 12, 174,
177; IL 2, S. 77.
Mercedarier, gestiftet von Petras No-
lascus und Raymund von Pennaforte,
Hauptsiz in Barcelona, III. 1, S. 168
bis 169, 236—239. (Wirken in Afrika.)
Merino, J. Anton Diaz, 0. S. D.; seine
Schriften; B. von Menorca (t 16. Apr.
1844), IIL 2, S. 438—439, 448—449.
Mexico, erste B. das., IIL 2, S. 117;
s. America, Indien,
Michael, hl., Orden in Portugal, IIL 1,
S. 58.
MichaSI, a S. Josefo, B. von Gnadiz,
IIL 2, S. 399.
Migetianer, die (neu entdeckte) Hae-
resie in Andalusien znr Zeit des £11-
pandas von Toledo, IL 2, S. 264-261.
Migetius u. Egila, S. 254— 255. Schauer-
licher Brief Elipand*R ao Migetius, S. 255-
Elipand wideriegt den Migetius, S. 256
bis 258. Elipand und die „Hispali-
taner"*, S. 258.
Migne, Patrol. lat., III. 1, S. 13.
Mi 1(1) an, S., de la CogoUa (t 564), IL 2,
S. 145—146, 156,187, 413—414 ; Kloster,
IIL 1, S. 172—173.
Milito (Melita), nach meiner Meinung
Nestorianer in Corduba, Urheber des
Adoptianismus, und Verfasser d. Chronik
des s. g. Isidor von Pace, IL 2, S. 294
bis 295; inspirirt und instruirt den
Elipandus und Felix von Urgel; Eli-
pandus ist sein Sprachrohr, S. 296.
Miraflores, Carthause v., III. 1, S. 428.
Mohedano, Brüder, IIL 2, S. 421.
Molina, B. von Malaga, IIL 2, S. 398
bis 399.
Mondofiedo, B., IL 2, S. 351; IIL 1,
S. 13—14.
Monotheleten, II, 2, S. 228, 232—233.
Monte, de Piedad, IIL 2, S. 384—385.
Montesa, Ritterorden, errichtet 1317
von Don Jayme IL, III. 1 , S. 279 bis
280; erhält die Güter der Templer,
S. 280.
Moriseos, die, in Spanien, unbekehrbar;
IIL 2, S. 157; Krieg gegen die M.
von Granada, S. 223—228. Die M.
und die -Inquisition, IIL 2, S. 49—50;
s. Philipp. IIL
Moscoso, Eb. V. Granada, IIL 2, S. 399.
Mozaraber, Moz. Liturgie, L, S. 47,
77. Ihre Schicksale, S. 81-85; ihre
verschiedenen Namen; ihr liegt die
vetus Itala zu Grunde, S. 84—86 flg.;
stammt aus Rom, S. 86. Ausgaben
von Ximenes-Ortiz 1500—1502; Lesley
1755; Fr. Lorenzana 1770, 1775, 1804;
Migne 1850, S. 101-102, 114. lieber
die mozarabische Messe. Das Officium
und die Messe d, sieben Apostelschülen
560
R^giBter.
S. 103—117, 148, 210-212, 215. Die
stufenweiae Entwicklung, S. 270, 272,
275. Die mozarabische Messfeier im
Domeza Toledo, 3.340-341. Kapelle
der Mozaraber in Toledo, III. 2, 8* 391.
Mozaraber, II. 2, 8. 188, 194—195. Die
Christen unter den Mauren (900—1085),
II. 2, 8. 441 — 457. Bischöfe v. Cor-
dnba im 10. Jahrhundert, iil. 1, 8. 179
bis 180; Bisehöfe v. J. 988 und vorher,
II. 2, 8. 440-^447. B. Becesmund yon
Elvira, 8. 447, und Liutprand yon
Cremona 956, 8. 447; CaLendarinm der
M. T. J. 961, 8. 449; ihre Feste i. J.
961, 8. 449-457. Neue Feste der M.,
8. 449; sie sind von 864 bis 961 nicht
zurQokgesunken, 8. 455—456. M. in
Toledo, UI. 1, 8. 24.
Muh am ed an er, von8panien nach Gal-
lien, II. 2, 8. 239--240.
Muratori, das s.g. Fragment des N.T.,
I., 8. 17-24, 25-28; III. 2, 8. 471.
Muroia, an Castüieo 1243, III. 1, 8. 158
bis 159^
Muzquiz, Eb. v. Compostella (t 1821),
m. 2, 8. 396—897.
N.
Nagera, B. von kurzer Dauer, II. 2,
8. 412—413.
Narbonne, 1., 8. 52, 54, 223. Metro-
pole, II. 2, 8. 359; Concil v. J. 589,
11. 2, 8. 16—19, mit 7 Bisdiöfen und
15Canones. Metropole der spanischen
Mark bis 971, II. 2, 8. 424, und dann
wieder bis o. 1118. 8ynode von Fnen-
Cttbierta bei Narb. 911, II, 2, 8. 424
bis 4L'5; 428, 431, 434, 439—440; UI. 1,
8. 121—122, 123, 126—127; 8ynode
V. J. 1127—1128, IIL 1, 8. 193.
Narcissus, sein Name ist seit c. 1000
bekannt in Qerona, und wahrscheinlidi
durch Gerbert von Rheims bekannt
geworden, I. 8. 302; IL 2, 8. 438.
Navarra, Königreich, IL 2, 8. 354.
Lage d. Kirche e. 848, 8. 354—355. Klö-
ster, S. 35 1—357. Kloster Leyre, 8. 355 ;
Kloster des heiligen Zaeharias, 8. 356;
Leyre ist Kathedrale v. J. 868 bis
C 1023, 8. 357. 72 Klöstdr stehen
unter Leyre, 8. 857, das 57 Villas hat.
Cluniacenser Reform. Königr.; Garcia
(1037), IL 2, 8. 400. Reieh Navarra
(900—1085), 8. 411—416. Sancho Gar-
eias erster König (905, f 925), gründet
924 Albelda. König Gardaa (925 bis
970). 8ancho el Major (970, t 1035).
zerstückelt sein Reich, 8. 411—412;
Kloster Leyre, 8. 412; Synode 1022.
8. 413. N. bis 1134 mit Aragon unirt;
dann wieder Königreich unter Garcia
Ramirez, IIL 1, 8. 183 (f 11«)>. Sein
Sohn Sancho Garens el Sabio (f 1194),
8.184. SanchoVlLelFuerte(U94-1234),
8. 184 lies Sancho VIL statt Alfons VIL;
Könige von 1253 an, 8. 243. Könige
von N., 1305 — 1479, S. 314—316. N.
schliesst sich an Frankreich an, IIL 3,
8. 250.
Navas las, de Tolosa, Schlacht am
16. Juli 1212, IIL I, 8. 120— 126. Dk
„Ultramontanen" verlaufen sich.
Nestorianer, bei den Arabern viel ver-
mögend, IL 2, 8. 261—262. Die Ver-
dienste der „Chaldäer*' um die Wissen-
schaften, 8. 262—263. Nestorianer sind
überall, wo die Araber sind, 8. 263— 2ij4.
Nithard, Eberh., der deutsche Jesuit
und die Regentin Marianna, 111, 2,
8. 287; wird General-Inquisitor, S.28S
bis 290, 293 (f 1681); Cardinal 1672.
Nnnctus, Abt, IL, 2, 8. 117—118.
Nuntiatur, römische, in Madrid, IIL 2,
8. 163-164 (J. 1528); soll ein spa-
nisches Staatsinstitut werden.
0.
0 ce a nus, in Rom, Galicier? IL 1, S. 471.
Odilo, von Clugny, IL 2, 3. 419.
Odoarius, B. (Eb.?) von Lugo (t 785),
IL 2, 8. 251-252.
Oldegar, hl, B. von Barcelona (1115),
erster (neuerer) Eb. v. Tarmoo (1 1 16 bis
1 118), 8. 189, Legat P. Calixt*s IL (122^).
Robert, Graf v.IVurraco (112SX S. 192 bid
194 (t 1136(37)); seine Schriften, 195.
Oliva, Petrus, B. von ^ch, und Abt
von RipoU und Cnxa (1018—104(0,
IL 2, S. 435—438 (f 2U Cuxa 30. Oct,
1046); seine Schriften, 8. 137—438,
Olymplus, B. eines nicht bekaanten
Register.
561
Sizes , II. 1 , S. 363 — 364 (gegen die
Priflcillianisten).
ifia, San Salvador, Doppel-ELloater, II. 2,
S. 419, 422.
Ifiate, UniveraitSt, III. 2, S. 182.
ippa 8 , £b. Yon Hiapalis, Verräther, II. 2,
S. 242-243.
Irense, B., IL 2, S. 352; 1071 reati-
tuirt, S. 407—408.
irosiua (nicht Paulus), aus Bracara
(und nicht ana Tarraco), I., S. 257,
278, 385—386. 0., von Bracara, Leben
und Schriften, U. 1, S. 398-411; II. 2,
S. 156, 189; HI. 2, S. 493.
»sma, B. 1088 reatituirt; B. hl. Petma,
lll. 1, S. 7, 19-20.
)8Bonoba/B. Vincentina 306; Idatins
385; Petma 589; II. 1, S. 425. 0. in
Sylvea restitnirt 1189, lU. 1, S. 74.
*tto I., und d. Chalife Abderrhaman III.,
II. 2, S. 441—447.
*viedo, Hauptstadt von Astnrien, seit
dem 8. Jahrb., IL 2, 8. 244. Bisthum
c 802—814, S, 244. Synode?, IL 2,
S. 350. Bischöfe im 9. — 10. Jahrb.,
S. 351; war nie ein £b., II. 2, S. 398;
aber .ezemt*, IIL 1, S. 12 (J. 1105).
üniveraitSt, lU. 2, S. 133.
P.
ace, B., II. 2, S. 142.
acianus, B. von Barcelona, Leben
und Schriften, U. 1, S. 318—324.
alaf ox, B. von Cuenca (f 1802), III, 2,
S. 400.
alatine, IL 2, S. 172, 173.
alentia, B., II. 1, S. 449, streitig
zwischen Toledo und (Astorga? Braga?)
1035 restitnurt, II. 2, S. 413. Montanus
von Toledo an die Palentiner, II. 1,
S. 449—450. Die Universit&t von P.,
IIL 1, S. 112; Concil 1114, IIL 1,
S. 14; Concil 1129, S. 28—30; Ver-
sammlung der Gortes 1148, III. 1, S. 85;
Concil von 1388, S. 394.
'alias, B. von kurzer Dauer, II. 2,
S. 424—425.
'allium, das, an Leander von Sevilla,
II. 2, S. 37—40, und das rOmische
«Vicariat«, IL 2, S. 473—474; Pall.
Gama, ipan. KJrche. III. 8.
im Jahre 1088, lU. 1, S. 4-5, 11
bis 12.
Pamplona, in der Hand der Christen,
IL 2, 8. 354, 356, 357; kurze Zeit
maurisch, 1023 restituirt, S.413; wieder
B. 1023, S. 414. Synode v. J. 1023,
S. 415—416. B. Sancho (1023) stellt
(stattLeyre) P. wieder her, durch Sancho
el Major, S. 415. Die Bischöfe soUen
aber aus den MOnohen von Leyre ge-
nommen werden. IIL 1, S. 27—28, 184.
P., Hauptstadt von Navarra, IIL 1,
S. 183.
Paraguay, im 18. Jahrb. kein „Para-
dies'^ mehr, III. 2, S. 219—220.
Paramo, Lud., über die Inquisition,
IIL 2, S. 84-86, 89—90.
Paredes, Maria Anna a Jesu, die „Se-
lige", IIL 2, S. 215.
Pasohalis IL, P. (1099—1118), und der
Primat von Toledo; und Santiago, IIL 1,
S. 11, 14.
Paschalis, hl., Petrus, ULI, S. 426-427.
Pastor, B. n. Schriftsteller, IL 1, S. 466
bis 467.
Paternus, Abt von San Juan de la
Pefia; c. 1040 B. von Saragossa und
noch 1063. IL 2, S. 418—420, 421.
Paulinus, von Nola, Priester in Barce-
lona, II. 1, S. 324 (Vigihintius, S. 324).
Paulinus, von Aquileja, in Frankfurt
79^, IL 2, S. 288; s. libelL sacrosyllab.
gegen Elipandus, S. 288-289, 291.
Paulus a S. Maria, getauft 1390, 40 J.
alt, B. von Burgos 1415 (f 1435), IIL 1,
S. 407 — 408. Schriften; seine zwei
Söhne als Bischöfe, S. 408 (Alfons und
Gonzalo).
Paulus, V. Emerita; die Schrift: Vitae
patrum Emeritensium ist vom vierten
Kapitel an ficht, der Name des Ver
fassers aber unbekannt, IL 1, S. 421
bis 425; ist gegen Hermenegild, II. 2,
S. 4; 113—118; Abt Nunctus, S. 113
bis 114. Die Schrift war bekannt und
geschfizt i. J. 906, S. 118.
Paulus, hl., der Apostel P. in Spanien,
I., S. 1 — 75. Sein Entsohluss, nach
Spanien zu gehen, S. 1—4. Das Zeugniss
des Clemens von Born für seine Beise,
S. 5—16; die Zeit seiner spanischen
36
562
Register.
JReifle, S. 50; ging nach seiner Frei-
lassang im Jahre 63 zuerst nach Spa-
nien, 8. 51—52; hat wohl den Seeweg
eiogeschlagen, S. 52^54. Wirksam-
keit des Apostels in Spanien, 8. 55—75.
P. des Lateinischen nicht mSchtig?
S. 52, 58—59, 66; ergründete Gemein-
den? S. 63; P. in Astigi? S. 65; in
Libisosa? S. 66-71 (m. 2, S. 472
bis 473); in Dertosa? S. 71—75 (IH. 2,
S. 472-473); in Tarragona? III. 2,
S. 47B. Der Znsammenhang der Reise
des Apostels P. nach Spanien mit der
Sendung der sieben Apostelschüler, I.,
8. 218—221. Recapitnlation und neue
Entdeckungen, 111.2,471-473; ob der
hl. Paulus durch den Süden von Gal-
lien (Narbonne, Arles, Vienne) in den
Orient und nach Rom zurückgekehrt
sei? S. 473—474.
Paulus in., P. (1584-1549) verbietet
die Sklayerei der Indianer 1537, III. 2,
S. 119—120; ebenso spfttere Pipste,
S. 120-121.
Pechina (Paquefia), 1., 8. 162—165; seit
1872 weiss man, dass Pechina an der
Stelle des alten B. Urd liegt, 111. 2,
S. 476-477.
Pedro I., König von Aragon (1094 bis
1104), II. 2, 8. 418; III. 1, 8. 178.
Pedro II., König von Aragonien (1196
bis 1213), regiert seit 1 196, III. 1, 8. 211 ;
1212 in Toledo und der Schiacht von
Las Navas de Tolosa, S. 121, 123, re-
giert bis 13. Sept. 1215 ; der ,,Katho-
liBche^ 8. 212.
Pedro, der Grausame, „der Tiger von
Gastilien'* (1350-1369), ermordet, III.'l,
S. 386-389.
Pelagius, Cardinal 1206, HI. 1, 8. 112.
Pelagius, Alvar, B. von Silvas, 111. 1,
8. 334—336; seine Schriften (f 25. Jan.
1352 zu Sevilla).
Pelayo,Don, erster Herrscher von Astu-
rien c. 720, II, 2, 8. 244.
Pelayo, B. von Oviedo, Chronist, II, 2,
8. 409- 4 10, ni. 1 , 8. 40-41 (984—1 109),
452.
Pelayo (Pelagius), Märtyrer in Corduba
925, II, 2, S. 408, 409, 452.
Pefia, San Juan, Kloster 0. S. B., U. ::
8. 415, 418—419 unter Abt Patemü-^
gebildet in Clngny, gegründet vor 1 022
Synode? v. J. 1062, S. 420, 422 (ru
mische Liturgie).
Pefiafiel, Synode v. J. 1302, III, l
S. 371.
Perpignan, Psendo -Synode das. 140^
bis 1409, III. h S. 294—295.
Peru, III. 2, 8. 118, 173 (Bürgerkrieg
Petrus, von Lerida, II. 2, S. 188, 209.
Petrus, Urseolus (f 997), II. 2, S. 43>^
Petrus, Cerebrun, Primas, III. 1, S. <}-
(t 12. Mai 1180).
Petrus, Nolascns, stiftet dieMercedarie)
(t 25. Dec. 1256), III. 1, S. 236— 2 5f
Petrus, Regalatns, 0. 8. IV., und di-
strengste Observanz (f 1456), lii, i
8. 401.
Petrus, Martyr v. Anghiera, Aber Isa
bella L, IH. 2, 8. 126; seit 1487 i:
Spanien, S. 124«
Petras, von Osma, imd seine Irrthfimer
verdammt zu Alcala 1479, IIL 1, S. 4c I
bis 437.
Petrus, hl., von Aloantara, 1499 — 156l
III. 2, 8, 195— 196.
Philipp I., der SchOne, Gemahl jQima'd
111. 2, 8. 125; liebt nicht in Spani^^ i
zu leben; gegen Ferdinand V., S. 12
kommt 1506 nach Casttlien, 8. Vj
(t 25. Sept. 1506), 8. 127.
Philipp II., Kg. V. Spanien, Staataomc;
potenzler, III. 2, 8. 2— 3; ISast Hermen, j
gild 12. Febr. 1585 canonisiren, II. 2, S. f i
Philipp, geb. 1527, muss frdhe regiert- ii
III. 2, 8. 174-175; 1543—1548 Re^ei
in Spanien, 8. 175; 1543 erste Ehe u. i
Maria von Portugal (f 1545); 1048 i
Belgien, 8. 175—176. £in pOxclasiTe'
Spanier, 8. 176; soll römischer Köu.
(Kaiser) 1550 werden; Carl V. Aber
schSzt ihn, 8. 176—177; PhiL keh:
1551 nach Spanien heim, 8. 177; mu?
Maria, «die Katholische*, heiratho
8. 178, seine Grosstante, 1554; kebr
1555 nach Belgien zurück, 8. 179. Zc
seiner Regierung v. 1556—1568, S. 1.^
bis 201; sein Krieg mit P. PaulIV. (1 o
bis 1559), 8. 185; Friede mitPrankrek:
Register.
563
1559, S. 185—186. Phiiipp's dritte Ehe
mit Elisabeth von Valois, S. 186; kehrt
1559 fUr alle Z^it nach Spanien zq-
rück, S. 186; er beeinflosst nnd mass-
regelt die Concilien, S. 188; Phil, und
das Concil von Trient, S. 188—189;
Bchickt fiberall hin seine Commissäre,
S. 188^189; seine stetigen Conflikte
mit den Päpsten, S. 192. — Die Re-
gierung Phil. II. in ihrem Niedergange
(1568—1598), ni, 2, S. 221—251. Don
Carlos/ S. 221— -223. Die Moriscos,
S. 1^23—228 (Krieg von Granada). Kö-
nigin Elisabeth (f 3. Oct. 1568), S. 231 .
Anna von Oesterreich, Phil, vierte Gre-
mahlin, Matter Phil. IIL, S. 232. Anna
(t 26* October 1580). Philipp IL geht
„partont^' nicht nach den Niederlanden,
S. 233—234. Don Juan 1576 in den
Niederlanden, S. 234. Escobedo nnd
Anton. Perez. Die Fürstin Eboli, S.%35.
Eecobedo durch Perez beseitigt, S. 235
bis 236, März 1578. Phil. IL seit 1578
im Kampfe mit seinem Gfinstling Ant.
Perez, S. 236. Perez nud die Eboli
1581 arretirt, S. 236. Perez entflieht
1591 nach Frankreich, S. 238—239; er
wird 7. Sept 1592 von der Inqnisition
verurtheilt. Perez t *u P»r>B 3. Nov.
J611, S. 239. Sein Ruf und Name 1615
rehabilitirt, S. 240. Charakter d. Perez,
S. 240—241. Phil. IL annexirt Por-
tugal, S. 241. König Sebastian 1568;
Feldzug nach Afrika, S. 242; fällt 1578,
4. Aug. KOnig Enrique L (f 31. Jan.
1580) ohne Erben. Alba erobert Por-
tugal, S. 243. „Prior" Antonio. Phil,
empfangt 19. April 1582 die Huldigung
der Cortes. Die falschen Sebastiane,
5. 214—246. Die Portugiesen höchst
unzufrieden, S. 245-246. Phil, ver-
anglfickter Feldzug gegen Elisabeth
von Engknd. Pius Y» nnd PhlL IL,
III. 2, S. 233 (Niederiande); England
1587, S 247. Phil Stern erbleicht,
8. 248. Sabau über ihn, S. 250, und
?ic. de La Fuente, S. 251 (Josö Guell
f Rent6 1878 über ihn, S. 529—530).
PhiL IL erklib^ sich 1596 für bankerott,
B. 251. Er 1 13. September 1598, und
lasst sein Reich in der änssersten
Erschöpfung zurück, in den Händen
eines Nachfolgers, der ebenso wenig
zu regieren anfangen wollte, als sein
Vater zu regieren aufhören wollte. Phi-
lipp iL ist meistens auf gespanntem
Fnsse mit den PSpsten seiner Zeit;
denn er will mittelst der Päpste die
Kirche Gottes auf Erden regieren, S. 513
bis 529. Retencion der Bullen, S. 5 ' 3.
Condave von 1559, S. 514. P. Pius IV.
(1559—1565) entgegenkommend gegen
PhiL IL, S. 514—515. Carranza in
harter Haft, S. 515. Pius IV. sehr ent-
täuscht, S. 515—516. PhiL IL über
ihn ergrimmt, S. 516; das Concil von
Trient in Spanien gefälscht, S. 517;
Pius IV. t 9. December 1565. Pius V.
(1566-1572) in Conflikt mit PhiL IL,
welcher dem Papste Verweise ertheilt,
S. 518 — 519. Beschwerden Pius* V.
über PhiL IL, S. 519—520. Die Bulle
,In coena Domini«', S. 520. Die Tür-
kengefahr bringt Pius V. zum Nachgeben^
S. 520—521 ; er trägtaber mitSohmerzen
das span. Joch, S. 521—522 (f 1. Mai
1572). P. Gregor Xlll. (1572—1585);
Goncessionen in Hülle und Fülle au
Phil. IL. S. 523, und dennoch, Phil. IL
„weheklagt'^ Die Inquisition v. Phil. U.
gehütet. Gregor Xill. 1 10. Apr. 1585.
Siztus V. zuerst energisch geg, PhiL IL,
S. 525; giebt zulezt nach, S. 526.
ürban VI. (1590 — 1590), Bewunderer
PhiL IL, S. 526. Nach seinem Tode
schreitet Phil. IL von der „Exclusive"
zur „Inclusive"; er bezeichnet dem
Conclave 7 Gardinäle, aus denen der
Papst zu wählen sei. P. Gregor XIV.
(1590—1591) war einer dieser Sieben,
S. 526. P. Innocenz IX. (1591). P. Cle-
mens VIII. (1592). PhiL IL „ünver-
frorenheit" wächst mit den Jahren.
Cardinal Baronius zweimal „exdudirt^^
Heinrich IV. von Frankreich 1595 vom
Papste anerkannt, wodurch sich PhiL IL
tödtlich beleidigt fühlt. Die Cardinäle
emandpiren sich von dem spanischen
Drucke. Der ohnmächtige Phil. IL wird
von allen Seiten verlassen.
Philipp IIL; seine Zeiten (159S— 1621),
III. 2, S. 252; sein Premier- Minister
36*
564
Register.
Lerma, S. 253; seine Oemahlin Mar-
garetha von Habsborg, S. 253; Ans-
treiboDg d.Morisco's 1609—1613, S.254;
Juan de Rivera, Eb. von Valencia
dafür, S. 254—255—256. Die Morisoo's
ans Valencia, S. 255 — 2fi6; die v. Anda-
lusien (80.000), S. 256—257; die v. Murcia,
S. 257; aus Aragonien (an 74.000 See-
len) und Catalonien (c. 50.000), S. 257
(J. 1610). Die M. aus Castilien ver-
bannt, S. 258 (aber 100.000). Janer
über diese Massregeln, S. 259 — 260.
Lerma und die Morisco's, S. 260. Juan
Mariana gemassregelt, S. 261. Lerma
wird Cardinal 1618, S. 262, und ge-
stürzt; wird Priester. Phil. IIL 1619
in Portugal, S. 262-264; Minister
Uceda, Lerma's Sohn, S. 262—263;
Phil. III. (t 31. März 1621), S. 263.
Fr. Quevedo über ihn, S. 263—264.
V. Lafaente über ihn, S. 264; seine
Kinder, S. 265.
Philipp IV. (1621—1665), III. 2, S. 265
bis 2S6; regiert, 16 Jahre alt, S. 265;
Streit über das Patronat der Heiligen,
S. 266—271. Weitere Patronate der
Heiligen, S. 272; Quevedo für Santiago,
S. 272-273. Patronat des hl. MichaSl,
S. 273; 1678 des hl. Joseph; 1702 des
hl. Jannarius; 1760 „der unbefleckten
Empfängniss« , S. 274. Phil. IV. »re-
giert nicht und verwaltet nicht^, S. 274,
vielmehr der Graf Herzog Olivares von
1621 an. Phil, kostbare Liebhabereien
S. 275—277, 27i<, 279. Nothstand des
Landes, S. 277. 1640 Revolution in
Catalonien, S. 277-278. 1. Dec. 1640
Revolution in Portugal, S. 278. Jo-
hann IV. von Braganza. Olivares er-
liegt, S. 279, entlassen am 17. Jan.
1643 (t 21. Juli 1645). Phil. IV. will
selbst regieren, doch regierte zulezt
Luis de Haro. Phil. IV. wird fromm.
Portugal und Spanien bekriegen sich
in Rom, S. 280. Portugal in Rom nicht
anerkannt, 1642. Die Spanier dominiren
und terrorisiren in Rom, S. 281. Alle
Bisthümer Portugals seit 1658 er-
ledigt, S. 281. Aber auch Portugal
giebt nicht nach, S. 281 — 282. PhU.
zwei Gemahlinen und Kinder, S. 282
ti
bis 283. Der Pyrenfienfriede 1659 m
Frankreich, S. 283. Luis Haro (f 26. Xo%
1661, doch auch ein guter Minister
Die Spanier erliegen anfa Nene v
den Portugiesen, 1663—1665, S. 2^
PhU. IV. t 17, Sept 1665, S. 2-
13. Febr. 1668 Friede mit Portnga
Im Jahre 1672 wieder Bischöfe f
Portugal, S. 285, 286. Cardinal M
zarin und König Ludwig XIV. darf
die Hauptschuld an der Verw&isn
der Kirche in Portugal treffen, S. *i
Philipp V., Ton Orleans^ König v
Spanien (1700-1746), IIL 2, S. 304 b
342. Die Königin Marie Louise G
briele, S. 306. Der spanische Erbfol^
krieg 1704—1712, S. 306—307. D
Card. Portocarrero u. d. Fürstin Urst
S. 307. S. 311 corrigire 1707—17
statt 1807; Gonflikt mit Rom 17<
(liegen angebl. Hinneigung P. C
mens XI. zu Garl von Oesterreic
S. 312. Melch. Macanaz, S. 3ia— 31
Friede von Utrecht und Baden (i;
und 1714), S. 315. Phü. V. anerkan
S. 315—316. Die Spanier müssen a
Italien weichen, S. 316. König^in E
sabeth Fa^nese von Parma, S. ;;i|
stürzt die Fürstin Ursini 1714, S. o ]
Card« Jul. Alberoni herrscht nach i
in Spanien, S. 317 flg. Phil, will xl
Kirche reformiren, S. 330. Neae O
flikte mit Rom 1734—1737, S. 3:ic;
335. Der Streit um das allgeme.
Patronatsrecht, S 335, 336--aod; ij
Asylrecht beschränkt, S. 339. Das <
cordat von 1737, S. 835—338. Kr
in ItaUen 1742, S. 340. PhlL V. f ^. J
1746; sein Charakter, S. Sil— 34ü.
Philippinen, die, entdeckt und bes'
1564, UI. 2, S. 194—195.
Pius, hl., V. (1566—1572), und die ^
tSler in Spanien, UI, 2, S. 192; v
bietet die Stierk&mpfe 1567, in.
S. 197; s. Inquisition, Philipp II.
Placentia, B. 1186, III. 1, S. 59.
Pole, Keg^d, Card., III. 2, S. 1
in England 1554.
Ponce, de Leon, Luis; a^n Proc«
III. 2, S. 200-201; seine Schriften
Ponz, Ant.; seine Reisen, UL 2, S. 4
Ee^rister.
565
Portocarrero, Card, (t 1709), Ilf. 2,
S. 307 sq.
Po rtncale (Oporto), B., IL 2, S. 853, 408.
Portugal, Königreich, IIL 1, S. 64—80,
Graf Heinrich (f 12. April 1112). Be-
gentin Theresia (1114— 1130); seit 1115
«Königin«, S. 65—66 (f 1. Nov. 1130);
1128-1137 Alonso I. «Infant«, 1137
«Fürst«; 1139 Schlacht von Ouriqne,
aus welcher Portugal entstand. Alfons
König; die Cortes von Lamego 1143,
S. 67—68. Alfons sucht „Fflhlung«
mit Rom; nimmt Santarem 1147, S. 70;
Lissabon 1147, 1162 Beja, S. 71;
Evora 1166 (t 6. Dec. 1185, S. 72—73);
Chronicum Lusitanum 311—1184, S. 73.
König Sancho I. (f 1211), S. 175.
Alfons II. (t 25. März 1223), S. 75—77.
Sancho II. erobert Algarve, resignirt
1245, S. 77 (Chronicon, II. 2, S. 410).
Portugal, Geschichte von ]24i— 1500,
III. 1, S. 317—351. König Alfons III.
erobert den Best von Algarve, S. 318;
wegen Doppelehe im Banne, S. 3 19 bis
320; seine Angriffe gegen die Kirche,
S. 321, trozt ohne Ende (f 16. Febr.
1279), 8. 324. Diniz, vortreffl. König
(1280—13-25), S. 324. Die hl. Elisabeth
seit 1282 seine Gemahlin, S. 325; seine
Seefahrten ; Ausgleich mit den Bisehöfen
1289, S. 325. 40 Artikel. 1309 die
vierte „Concordia«, S. 326. Die Klö-
ster, S. 326—327. Orden von Santiago,
getrennt von dem in Castilien, S. 327,
(1288-1320). 60 Commenden. Die
Tempelherrn, S. 327, — aufgehoben,
S. 328. Der „Christusorden« 1319; sein
Hauptsiz in Thomar, S« 329 — sind
die alten Templer, S. 330. Krieg zwi-
schen Diniz und seinem Sohne, S. 330.
Die hl. Elisabeth stiftet wiederholt
Frieden, S. 330-331; herriiches Ende
des Königs Diniz, S. 331. König Di-
niz (t'7. Jan. 1325), S. 331. Die
hl. Elisabeth, S. 332; „die Friedens-
ötifterin« (t 4. Juli 1386), S. 332—333.
König Alfons IV. (1325—1357), 8. 336
bis 337, und die Cortes von Lamego;
1340 grosser Einfall d. Mauren; Schlacht
am Salado, S. 837. König Pedro II.
(1357—1367). Cortes zuElvas 1361.
König Ferdinand 1367, der ^Verschwen-
der«, trachtet nach Castilien, S. 339.
Friede von 1371 (t 1383), S. 340. Unter
ihm kommen die Engländer in's Land,
S. 341. Die „Union'' mit Castilien im
Blute erstickt, S. 341. Der Pöbel von
Lissabon und von Evora 1383. Jo&o I.
der „Defensor«, S. 341; 1884 sehliessen
die Castilianer Lissabon ein, S. 341,
und müssen abziehen. Der „Denfensor''
König (1885—1433), S. 342; 1431 Friede
mit Castilien. Joäo I. im Frieden mit
der Kirche, S. 343—344; seit 1422 die
ohristl. Zeitrechnung, S. 344 (f 14. Aug.
1433). König Duarte(1433—1438),S.344.
Der „Infant^' Ferdinand^ ein Märtyrer
1438 in Fez (f Juni 1443), S. 346.
Duarte (f 1438). Don Pedro 10 Jahre
Begent Alfons V. (1448—1481), „der
Afrikaner«, S. 347. Entdeckungen in
Afrika zur See. Henrique, „der See-
fahrer (t 1460); 1471 Feldzug nach
Afrika, S. 348. Tanger Bisthum. Al-
fons V. will wieder Castilien erobern
1475, S. 349; geschlagen 1476; Friede
von 1479. Alfonso (t 1481). Joäo II.
(1481—1495); Emmanuel der Grosse,
S. 349—351 ; 1497 das Vorgebirge der
guten Hoffnung umfahren. Emmanuel
1498 Thronerbe von Castilien, S. 349
bis 350, und von Aragonien.
Po t am ins, B. von Lissabon, Angst-
Arianer, U. 1, S. 314—317.
Primat; s. Julian u. Bernhard v. Toledo.
Priscillianisten, die, in Spanien, 11.1,
S. 359—394. Literatur über sie, S. 359
bis 361. Ihr Ursprung zur Zeit d. Hosius,
S. 361—366; IIL 2, S. 492. Ihre Haupter
(Marcus, Agape, Elpidius, Instantius,
Salvian, Priscillian), S. 366—367. Lusi-
tanien ihr erster Siz, S. 367—368. Sy-
node von Saragossa (380) gegen sie,
S. 369—372. Ihre Schicksale in d« J.
381—385, S. 372. Synode v. Bordeaux
c. 384, S. 375 (Idacius, Itiiacius), S. 372
bis 378 (die Bischöfe Bufus n. Magnus) ;
Schicksale d. Priscillianisten v. 385 bis
400. Martinns, Ambrosius u. P. Siridus
Ober und gegen sie, S. 879—383. Ganz
Galicien fSUt ihnen zu, S. 383—888.
Ende des Ursurpators Maximus« Hie-
566
Register.
ronymns im Verkehre mit Spanien.
Synode von Toledo 400, S. 389—394
(IL 1, S. 449), IL 1, S. 458-461, 463,
466—467, 475-479. Turibius über und
gegen sie; IL 3, S. 156.
Prudentias, Aarel. Pr. Clemens, IL 1,
S 837—358; wohl der grösste christ-
liche Dichter; aus Saragossa, nicht
aus Calahorra, S. 337—342; sein Leben,
S. 842—344; seine Schriften, S. 344
bis 354; Ausgaben, S. 356—358, IL 2,
S* 188, 189-190, 192; IIL 2, 8. 491.
D-
Qnevedo, Franz, IIL 2, S. 65.
Quevedo, Card., B. von Orense, IfL 2,
S. 397-^98.
Quirle US, B. von Barcelona (t 679),
U. 2, 8. 150, 160, 167, 188, 200, 212
bis 213, 231.
Qniricus, £b. von Toledo (seit 667),
IL 2, S. 162, J.675, S. 165, 213, 229
bis 230.
R.
Ramiro L, König von Aiagonien (1035
bis 1067), IL 2, S. 416—417.
Ramiro IL (1134), König von Arago-
nien, III. 1, 8 182-183.
Raymund, 0. S. B., „Primas" von To-
ledo, IIL 1, 8. 20-21, 23—24; müht
sich um seinen „Primat* vergebens
ab (1126—1151), IIL 1, S.28; Concilien
unter ihm, S. 29, 35; will zu S. Denys
den Leib Eugen's I. entdeckt haben,
S. 35—36-37 (t 1160-1154) S. 44;
krönt König Alfons VII. ; S. 104.
Raymund, Cisterc. Abt von Fitero,
(t 1163), la 1, 8. 54, 173-174.
Raymund, hL, Nonnatus, unddieMer*
cedarier, IIL 1, 8. 238; Cardinal (der
dritte spanische (f 31. Aug. 1240).
Ray m und, hl, von Pennaforte, IIL. 1,
S. 229, 237; sein Leben, 8. 246—247;
geb. c. 1177; 1222 0. S. D.; seine
„Decretalen,« S, 246 (t 6. Jan. 1275).
Raymundus, Lullus, IIL 1, S. 287 bis
289; s. Schriften; 8. 292 s. Irrthamer.
Reoesmund, B. von Granada c. 956,
Gesandter an Otto L, IL 2, 8. 444;
B. Liturgie, Mozaraber.
Receswinth, seit 649 Mitregent, 11, '2,
S. 126, 134, 138, 140-144 (t 672),
149—150; ist er wirklich durch die
Juden oder dieJfidinen schlimmer ge-
worden? 8. 159—160. Seine Kronen;
Rec. und die «mit dem Purptir ge
schmückte Buhlerin''? IL 2, 8. 161 bis
162; 248.
Reformatoren, u. dieKezer, IIL2,S.79.
Reliquien, ihre Flucht nach Asturien,
IL 2, S. 249-251.
Repartimientos, die, Im spanischen
Amerika, IIL 2, S. 1 10.
Ripoll, moster, IL 2, S. 429, 431-4H2,
vierte Einweihung 1032, S. 435; 437.
Ritterorden, geistL, allm&L von der
Krone absorbirt, IIL 1, 8. 433—434.
Roda, B. 957, IL 2, 8. 425, 434.
Rodrigo, König (709), IL 2, 8. 184 bis
185; unterliegt gegen die Araber,
8. 184—186, 26. Juli 71 L
Rodrigo, el Gerratense, IL 2, 8. 219.
Rodrigo (Roderich) Ximenes, über die
Absohafiüng der Toletanischen Litoigie,
IL 2, S. 460—461; IIL 1, 8. 8, 18,
39, 47, 51—53. Der Eb. Don Rodrigo
Ximenes von Toledo und seine Zeit,
IIL 1, 8. 111—120, 128—150; B. von
Osma 120S, 8. 113; 1208 Eb. von To-
ledo, S. 114; Primas 1. März 1210,
S. 115; bemüht sich um den Kreuzzug
gegen die Mauren, 8. 116—120. Rodr.
i. J. 1216 in Rom, S. IdO; vieliacht
schon 8. Oct 1215; leugnet Jacobi
Ankunft (zu d. Lebzeiten) in Spanien,
8. 132. Er streitet in Rom um seinen
Primat, 8. 134; ist vor dem 12. Jan.
1216 in Rom, 8. 137. Im Jahre 1217
sein Primatialstreit gegen ihn, und för
die Bracarenser entschieden, 8. 138;
gewinnt d. Amt „Cazoria^" 1231, S. 141 ;
beginnt 1226 den Bau seiner Cathe-
drale, S. 141—142; 50 .Radoneros''
in Toledo, 8. 142, und 40 Canoniker.
Don Rodr. u. P. ®. IX. 1284, S. 145;
c. 1235 dritte Romreise, 8. 145, und
1240 vierte?, und wieder vergebliche
Primatial- Mühen, S. 146 (f 1245, aL
10. Juni 1247); seine Nachfolger von
1247 an, 8. 146—147; seine Schriften,
S. 228, Rodr. und Tanmco.
Begister.
567
Bodrigo, Ciudad de, B. 1175, m. 1,
S. 108—109.
Rom, die Tradition der römisehen Kirche
über den Apostel Panlns, I., S. 29—39.
Gentralstelinng d. römischen Gemeinde,
S. 205—208, 231—232. Rom, Lockerung
der Verbindung mit Rom seit 636,
IL 2, S. 222—238; latentes Schisma.
Engen I. nnd der römische Primat,
S. 223; Isidor weist ihn zarecht, S. 224.
Braiilio*s hiziger Brief an F. Honorius L
638, S. 224 — 227. Erstürmung und
Plünderung von Rom, Mai 1527, III. 2,
S. 161.
Romanus, P. (897), IL 2, S. 358.
Rosa, hL, von Lhna, IIL 2, ,S. 214—215.
Rubicon, B. 1404, IIL 1, S. 169.
Rudeslndns, hl., gründet Celanova,
Abt das., II* 2, 351, 405; Verweser
von Compostella, S. 406 (t L März
977).
Ruf US, von Dertosa? L, S. 71—75, 226.
s.
Sahagun, 0. S. B., IIL 1, S. 38; s. Esca-
lona.
Salamanca, Concil v. J. 1154, III. 1,
S. 37—38; Oondl v. J. 1175, IH. 1,
S. 60; ConcU v. J. 1192, S. 61—62;
ConeU V. J. 1310, S. 373—374; Concil
V. J. 1335, IIL 1, S. 382—383; Concil
V. J. 1381, S. 393. Synode v. J. 1410,
S. 397. Concfl v. J. 1565, IIL 2, S. 187.
Universität c. 1212 ; 1255 bestätigt, IIL 1,
S. 112; 374—375, 405; ihr Einkommen;
Collegien daselbst, lU. 2, S. 124—125,
S. 134—136.
Sales, Asensio, B. v. Barcelona, IIL 2,
401—402.
Sampiro, B. von Astorga (1035— 1040),
Chronik der Jahre 866 — 982, IL 2,
S. 408—410; über die Könige von Leon,
III. 1, S. 41.
Samson, Abt, v. Cordova, IL 2, S. 307
bis 308, 318, 319—321, 330—331, 331
bis 333, Leben und Schriften; S. 334
bis 335.
Sancho Ramirez, König von Aragonien
(1067—1094), IL 2, S. 417—418, 421.
Gregor VII. an ihn, S. 451^.
Sancho Major, Kön^ von Navarra
(1024), U. 2, 8. 403.
Sancho IIL, König v. CastUien, 10. 1,
8. 52-54 (t 31. August 1158); sein
hohes Lob.
Sancho IV., König von Castilien (1284
bis 1295), m. 1, 8. 370.
Saragossa, Concil v. J. 380, s. Pris-
cillian.; zweites Concil v. J. 592, II. 2,
S. 22—23; drittes ConcÜ v. J.691, S. 180.
B. Senior (858), U, 2, 8. 311, 336, 355
bis 356; 359—360. B. von Saragossa
(c. 1040 — 1063) Paternus; Synode?
V. J. 1058, S. 420. S. zurückerobert
1118; neues B. c. 1118, IIL 1, S. S4.
Cathedrale San Salvador, 8. 179. EU*
1318; Concil v. J. 1318, IH. 1, S. 278
bis 279. Erzbischöfe von 1318—1520,
in. 1, 8. 311-312. Concil v. J. 1565
bis 1566, IIL 2, S. 187.
S;armiento, Martin, 0. 8. B., IIL 2
S. 412.
Sebastian, v. Salamanca, IL 2, 8. 174
bis 175 (Chronist).
Secundus, hl., von Abula, L, S. 150 bis
158; in. 2, 8. 475—476.
Segovia, zeitweilig beim B. Palentia,
U. 1, S. 450; 1128 restituirt, IIL 1,
8. 17.
Seneca, nnd Martin von Braga, U. 1,
8. 472-476.
Sepulveda, über Carl V., III. 2, 8. 183.
Servandus und (Hermanns, Krieger und
Märtyrer, L, 8. 372—375.
Servede, Michaöl, als Kezer in Genf
verbrannt, III. 3, 8. 79.
Severus, B. von Menorca, und die
Juden, U. 1, 8. 406-407.
Severus, B. von Malaga, Schriftsteller
vor 589, IL 1, S. 419; IL 2, 8. 53.
Sevilla (HispaUs), L, 8. 56, 65, 248,
283. Verehrung der heil. Justa nnd
Rufina, 8. 287—288. Hauptstadt im
4.—5. Jahrb., 8. 390— 391. Die Kirchen-
provinz von 357—589, U. 1, S. 414 bis
419. Eb. Marcellus 400, 8. 414. Sabinns
J. 440— 441,461. Epiphanius „intrusus*
441, S. 415. Orontius (c. 462—472).
Zeno (472—486), „Vicarius*" d. Papstes
Simplicius und Felix III, über Spa-
nien, 8. 415—416. SaUustius, Vicar
568
Begistor.
des P. Honnisdas (514—523), S. 416
bis 418 über Baetica u. Lasitanien. IL, 2,
S. 299; in. 1, S. 47. Concil v. J. 590,
IL 2, S. 19—22; 2. Concil v. J. 619,
S. 85—90, ein Werk Isidors; S. 9a
c. 937 £b. Julian, IL 2, S. 447. £b.
Clemens flieht nach 1144, und stirbt in
Talavera, U. 2, 8. 299; lU. 1, S. 47,
Sevilla 1248 wieder erobert, III. 1,
S. 160—162. Neue Cathedrale; Cathe-
drale 1401 beschlossen, 1403 begonnen,
gebaut bis 1511 und 1519, III. 1, S. 399
bis 401. Concil y. J. 1352, S. 385;
Erzbischöfe von 1249—1352, S. 385;
Concil y. J. 1412, S. 398; £b. yon 1360
bis 1412; £b. bis 1482, S. 433; £b. ,
im 15. Jahrhundert, III. 1, S. 404—405.
Autodafes, 1559 — 1560, IIL 2, S. 199.
Sevilla, die Junta von 1810, IIL 2,
S. 42&-429.
Schack, Jul., fiber die deutschen Hexen
und die spanische Inquisition^ III. 2,
S. 57; 77, 81.
SiebenmSnner, n. 2, S. 199, 451—452
(bei den Mozarabern hochverehrt); siehe
apostolische S.
Siguenza, B., II. 2, S. 356.
Siliquen, Münzen, U. 2, S. 22—24.
Silos, Kloster, IL 2, S. 422.
Silves, B., IIL 1, S. 319-320.
Simancas, B. von kurzer Dauer, II, 2,
S. 350.
Simonet, Xav., II. 2, S. 187, 448 (Re-
cesmund), IIL 2, S. 478.
Sinai, Reliquien der hL Catharina und
des hL Jacobus? daselbst, IL 2, S. 388
bis 390; IIL 2, S. 505—507.
Siudered, £b. von Toledo (711—714),
flieht nach Rom , war dort 721 , IL 2,
S. 242.
Sisbert, U. 2, S. 180, 221.
Si8epi)ut, König (612— 621), und Schrift-
steller, II. 2, S. 77— 78; 8 Briefe von
und an ihn; Strafbrief an £b. £use-
bius, S. 79—80; Sis. und die Longo-
barden, S. 80; 99.
Si8enand,König(6dl— 636), II. 2, S. 81
bis 82, 101.
Sixtus IV.; s. Inquisition.
Sixtus y.; s. Hermenegild, Philipp IL
Sobrarbe, kleines Königr., n. 2, S. 417.
Sodomie, und Inquisition, IIL 8, S. 51
bis 52.
Solidus, Manze, IL 2, S. 24.
Sonntagsfeier, IL 2, S. 17.
Sotomayor, Ant., IIL 2, S. 422.
Spanien, das £nde des Abendlandes
bei den Alten, L, S. 6—16; die Kirche
in, von 400—429, IL 1, S. 395—397.
Stand der Bevölkerung Sp. in den Ter-
schiedenen Zeitaltem, IIL 1, S. 447 bis
470; IIL 2, S. 511.
Speraindeo, Abt in Cordnba, IL 2,
s. sao.
S t r a SS e n , d. (bis jezt weniger bekannten )
römischen in Sp., III. 1, S. 471—482.
Sueven, Reich der, von 441—587, IL 1,
S. 456 — 457. König Garraridi wird
katholisch (c. 550— 559). König Ariamir,
König Mir. 570, S. 461, von Martin
V. Braga bekehrt, S. 472—473 (nach
Isidor, II, 2, S. 110).
Swintila, König (621—631), herrscht,
der erste, Aber die ganze pyren. Halb-
insel, II. 2, S. 81 ; abgesezt 631.
Syagrius, B. und Schriftsteller, II. I,
S. 466-467.
T.
Taj 0, B. von Saragossa (653—666), II. 2,
S. 147—151; Schriften. Tajo in Rom,
8. 135, 227, 228.
Talavera, erster £b. v. Oranada (1492,
t 1507), IIL 2, S. 49, 127—128.
T&nze, lascive, in Spanien, II. 2, S. 14,
52—58, 167.
Tar ra, Mönch, ans Gauliana? IL 2, S. II 7.
Tarraco; s. Fruotnosus. £b. Himeiiaa
385, II. 1, S. 426; Tarr. und Rom,
S. 426; P. Sirieius 885 an ihn, in
15 Kapitehi, S. 426 — 429; P. Inno-
cenz L 40i. Die Kirdienprovinz v. J.
357-589), n. 1, S. 426—441; ftber
Bischöfe dieser lYovinz, S. 429—430.
Die Tarr. Bischöfe an P. Hilarina c 465,
S. 480 — 431. £b. Ascanius e. 465,
S. 431. P. Hilarius an ihn, 3. 431 bis
432. £b. Johannes nnd P. Hormisdas.
516 Concil znTair., S. 432— 434. Ser-
gins, £b. (539—540). Tarr, rea^rt
gegen den Primat vpn Toledo, m. 1,
S. 23—25. Tarr. u. die Liturgie, U. 2,
Begister.
569
S. 202'-S04; Tarr. and Rom, S. 203«
Tarraco-AoBona, H. 2, S. 426. Das
£b. provisorisch wiederhergestellt 1091,
als Ausona, als and in Tarraoo 1116
bis 1118; s. Oldegar. Tarr. seit 1163
frei vom Primat von Toledo, 111* 1,
S. 186-187. Neuere Erzbiechöfe: 01-
degar, Gregor (t 1146), Bemard Torts
(1146—1163), 111. 1, S. 196—197; seit
1146 viele ConciUen; erhält 1154 eilf
Snffragane« Die Canoniker 1 1 54 0. S. A .,
S. 198—199, 203. Eb. Hago de Cer-
velho, ermordet April 1171, S. 203 bis
204; Wilhelm v. Torroya, Eb. 1172,
llf. 1, S. 2a^— 208 (tll74). Berengar
V. Villamor; Concilza Tarr. 1180, S«208;
ermordet v. s. Verwandten 1194, S. 209;
dessen Busse, 209-210^ 1194 Eb.Bai-
mund von Castelltersol , S. 210; Eb.
von 1200 an, 111. 1, S. 220—221; Concil
V. J. 1280, S. 224. Eb. Petrus de Al-
balat hält 8 Condlien 1239 — 1248;
Concil V. J. 1239 zu Tarr., S. 226—227;
1242 Concil gegen die Eatharer and
Waldenser, S. 229 flg., 247—249; Bau
der Cathedrale vollendet, S. 256—259;
£b. im 14. Jahrb., S. 283—298; Eb.
im 15. Jahrh. bis 1529, S. 295—818;
Eb. der neoern Zeit, III. 2, S. 401«
Taafen, IIL 1, S. 189; keine Gebühren
«laf., II. 1, S. 463; H. 2, S. 140, 164.
Tavira, B. v. Salamanoa, III. 2, S. 398.
Tello, B. von Palencia, III. 1, S. 175.
Tejada, y Bamiro (f c. 1863) Colecdon
de Concilios, t VII., edic. 1859—1862,
r., 8. 285; in. 2, 8. 469.
Telmo, Petrus Gonzalez, III. 1, 8. 175
bis 176 (t 1240).
Tempelherrn, die Aufhebung der (zu-
nächst in Aragonien), III. 1, 8. 260 bis
279. Quellen, S. 260—261. König
Philipp IV. an König D. Jayme II.
Jayme an P. Clemens V. 1307, 8. 261,
nnd dieser an Jayme, 8. 261 — 262.
Die Templer eingesperrt, S. 262« Ja-
nuar 1308 Concil zu Tarragona, S. 263.
Clemens und D. Jayme II. 1308, 8. 264.
Die belagerten Templer, S. 265-266;
sie appelliren an den Papst« Das Jahr
1309, 8. 266. Das Jahr 1310, 8. 267.
Concil von Vienne auf U Oct 1310
Gami, tpaa. Klrohe. III. 8.
berufen, 8. 267—268. Die Templer ver-
wahrt. Oct 1310 Concil v. Tarr., 8. 268 ;
Differenzen über die Güter der Templer,
8. 269—270. Jayme 11. lässt die Templer
foltern. Concil von Vienne v. 16. Oct.
1311, 8. 271; Philipp der Schöne übt
mit seiner Armee „einen Druck*' auf
den Papst aus, 2. März 1312, 8. 271.
22. März — 3. April die Templer auf-
gehoben. Bulle vom 22. März, 8. 272.
Die Auf hebungsbulle verloren vu wieder
gefunden 1806, 1865—1866, 8. 272 bis
278; „Vox in ezcelso''. Die Güter der
Templer zumeist an die Johanniter,
2« Mai 1312. Concil für die Templer
zu Tarragona März und 18. Oct 1312,
8. 271. Am 4. Nov. werden sie von
aller Schuld losgesprochen, 8, 271,
275. Seit 1331 durften sie in andere
Orden eintreten, 8. 276. — Templer, die,
in Castilien aufgehoben, 1308, III« 1,
S, 373 — 374; für unschuldig erklärt
und freigesprochen in Salamanca 1310«
Templer, III. 1, 8. 51; in Portogal,
8. 57; in Aragonien, 8. 182, 186, 195;
ihre Aufhebung; s. Aragonien, Casti-
lien, Portugal.
Thecla , hl., Patronin nnd Cathedrale
der hl Th. in Tarraoo, III. 1, 8. 189;
Neubau der Cathedrale, III. 1, S. 194,
199; ihr Fest, 8. 226; der Bau voll-
endet, 8. 256; III. 2, 8. 473.
Theodosius, Gr., Kaiser (f 395), aus
Cauca in Galicien, II. 1, 8. 332—334.
Theresia, Dofia, 1190 Königin v. Leon,
III. 1, 8.61, 62; Cistercienserin in Lor-
vaon (t 17. Juni 1250).
Theresia, hl. (1515, f 4- Oct 1582);
Leben, Schriften; ihr Patronat über
Spanien, III. 2, 8. 266—271.
Toledo, vordem nicht Metropolis, II. 1,
8. 445; Eb. Montanus; B. Melantioi,
II. 1, S. 445; Schriftsteller Audentins
8. 445; Asturius 400, 8. 445; (Eugenl.?),
8. 445; Asturius war neunter B. in
Toledo, erster v. Complutum, 8. 445,
446 (s. Justus n. Pastor, I., 8. 330—332);
Celsus c 508— 522; £b. Montanus 522
bis 531 ; seine Synode v. J. 527, II. 1,
8. 446—448, mit nur vier Bischöfen aas
d. „Provinz"; „praktische Beschlüsse'* ,
37
670
Begiflter.
S. 449; die zwei Briefe des Montanus
„sebr erregt" geschrieben, S. 449 biB
452. Dritte Toletanische Synode v. J.
689, II. 2, S. 6—16; mit 62 Bischöfen
und in 23 Kapiteln, S. 11 — 14; das
Concil voD Toi. v. J. 597, S. 25-26;
B. Enphemius (587 u. 589), S. 68, 75,
iBrzbischof von Carpetanien; Adel-
phius 597, S. 69—70; Aurasiiw c. 603
bis 615, S. 75, 76; als Metropolit v.
Garthaginensis; (angezweifelte) Synode
unter König Gandemar 610, S. 71 bis
74; Decret des Gandemar, S. 74^77;
Eb. hl. Helladins (615-633), S. 82;
vorher Abt von Agli, als „Heiliger",
S. 83; Eb. Justus (633-^638), S. 84,
182; vierte Synode v. ö. Dec. 633,
S. 90—101; nach Canon 2 soll nur
eine Liturgie bestehen, S. 91,92; am
18. Mai sei jährlich die Synode, S. 93,
Ordnung des Goncils, S. 93; Char-
freitag, S. 94; Kirchenbymnen, S. 94;
Canon 2—18 über die Liturgie; Canon
19^48 über die Bischöfe und den
Klerus; Wahl und Weihe der Bischöfe,
S. 95—96; Pfarrer, S. 96; Canon 57
bis 66 über die Juden. Es ist diess
die grosse Mustersynode, S. 101 ; 69 Un-
terschriften. 5. Synode v. ToL v. J. 636,
S. 119—120; 9 Canones der Synode,
„sehr königlich*' (Kg. Chintila). 6. Sy-
node V. J.6;58 mit 52 Bischöfen u. 19 Ca-
nones, S. 121 — 123. 7. Synode 640;
6 Canones, S. 124—126, ganz poli-
tisch, vielmehr „Chintilaisch"; 6 De-
crete und 41 Unterschriften. 8. Sy-
node V. J. 653, S. 126—128; 12 Canones.
9. Synode v. J. 555, S. 128. 10. Synode
V. J. 556, S. 131—132; Unterbrechung v.
19 Jahren zur Zeit der „purpnrata
meretrix". 11. Synode v. J. 675, S. 161
bis 165. 12. Synode v. J. 681, S. 168
bis 171 . 13. Synode v. J. 683 mit 12 Ka-
piteln, S. 172—173. Concil v. J. 684,
S. 174. 15. (National-) Synode v. J. 688,
S. 175—17«; s. Julian von Toi., Eb.
Sisbert (690 bis c. 693), VerrSther,
S. 180, 182, 183. — Toi. wiedererobert
1085, s. Primas; Toi, Concil v. J. 1138,
III. 1, S. 35 (30 Canoniker); Erzbisdiöfe
von 1250 an, 8. 354—556; Eb. Infant
Sancho IL 1266, S. 356, 368; ermordet
2I.0ct. 1275, S. 364 ; Erzbiachöfe v. 1276
bis 1802, S. 370—372; Erzbiachöfe im
14. Jahrb., S. 384; Erzbiachöfe von
1310 an, S.378, 379; Eb. von 1402 an,
Johannes von Aragon, S. 378 — 381.
Toi. Universität, III. 2. S. 136; Toi.
nicht mehr Primatie von 1851 an; siehe
Bourbon, Portooarrero, Lorenzana, In-
guanzo etc.
Torquemada, Thomas, erster General-
inquisitor (t 1498), in. 2, S. 22, M,
56, 65, 67.
Torres, Felix Amat, Eb. von Palmyra,
(geb. 1750, t 28. Sept. 1824); seine
Schriften, III. 2, S. 463-464; Feüx
Amat y Torres, dessen Neffe, B. von
Astorga(geb. 1772, t 29. Dec, 1847),
S. 463—464.
Tortosa, B. (Dertoaa), I., S. 64, 57,
69; Paulus in T.? S. 71-75; 204;
III. 2, S. 478. T. wiedererobert 1148,
III. 1, S. 180; B. 1151, S. 200-201;
Cathedrale das. 1178 vollendet, S. 209;
grosse Einigungssynode 1429, S. 30»
und Reformen das., gehalten vom Car-
dinallegaten Foix;Eeformen der Sitten,
S. 309.
Testatus, Alph., B» v, Avila (t 1455),
fruchtbarster Schriftsteller, I., S. 47;
III. 1, S. 420-42K
Trini tarier in Afrika, III. 1, S. 168,
169; in Spanien, S. 177.
Tulga, König (640), II. 2, S. 124, be-
seitigt*
Turiasso (Tarazona); B. Leo 449;
Concil, III. 1, S. 223.
Turibius, hl., Eb. von Astorga. im
Verkehr mit P* Leo I., II. 1| S. 475
bis 479.
Turibius, hL, von Liebana; Montanua
an ihn, U. 1, S, 449—452.
Turibius, hl., (Mogroveio), Eb, von
Lima; seine Synoden, seine Heüig-
keit, III. 2, S. 210-213.
Tuy (Tude), B., III. 1, S- 176,
u.
üiphilas (t 898), II. 1, S. 480; a. Weat-
gothen, in. 1, S. 8—9.
Begister.
671
UniversitSten; Zeit ihrer Errichtnog,
111. 2, S. 150—138. Der Elems auf
den Universitfiten, III. 1, S. 877, 384.
Urban II., P», und der Primat von To-
ledo, HI. 1, S. 4—5 (eximirt Compo-
Stella 1095), 8. 10, 11. ürban II. und
Gatalonien, III. 1, S. 186—188.
ürgel, B. JxutQB, H. 1, S. 440, 441,
448; seine Schrift Über das hohe Lied;
seine BrQder, die Bischöfe Nebridins,
Justinianns a. Elpidius, S. 441 . B. Urgel
nie unterbrochen, II. 2, S. 364; B.
Pallas, S. 424, 425, 429; Synode v. J.
991, S. 429 — 480; Felix von ürgel,
8. Adoptianer.
Urraca, Königin v. Gastilien und Leon
(1109), IIL 1, S. 41 (regiert nicht glflck-
lieh, t 11. März 1126), S. 65, 178, 180.
Usnardos and sein Martyrologium um
875, I., S. 46, 72—73. 78, 195, 210,
ai3, 360-861, 371 ; IL 2, S. 334—336.
V.
Valdes, Generalinquisitor, abgesezt v.
Pias V., III. 2, Ö. 198.
Valencia, B.; Goncil das. i. J. 546,
IL 1, S. 452—454 mit 6 B. a. 6 Ganones;
B. Justinian, S. 452, 453; Schriftsteller,
S. 455. Eb. 1458; Synode v. J. 1565,
III, 2, S. 187; 1102 den Ghristen wie-
der entrissen, IIL 1, S. 19; das Kgr. V.
erobert von Don Jayme 1237—1238,
S. 217; neues B. 1240, S. 218; Uni-
TersitSt, S. 285.
Vaierius, Abt 695, IL 2, S. 115; Leben
und Schriften, S. 157, 158 (f c. 696),
S. 166; U, 2, S. 4-5.
Valero, Franz, y Llosa, £b. v. Toledo,
in. 2, S. 323, 324.
Valenznela, Fernando da, „Grandels
IIL 2, S. 290, 292.
Valladolid, Universitftt und B., II. 2,
S. 360; GoncU das., 1187, lil. 1, S. 34;
Goncil ▼. J. 1 155, S. 38. Goncil v.J. 1228,
S. 143 ; GonoU r. J. 1322, S. 375 bis
378, mit 28 Kapitehi. Antodafids, III, 2,
S. 186.
Valle, Thomas de, IIL 2, S. 39S.
Valpairaiso, Kloster 1137, IIL 1, S.34.
Vas Conen, wilde Völker, IL 2 S. 150.
Vega , Garcilaso de la, Gesandter in Rom
1498, III. 2, S. 65.
Velez, Raphael, Eb. v. Santiago (f 1850),
III. 2, S. 439—440.
Veremundas, hl., Abt von Hierache
(t 1092), IIL 1, 8. 169, 170.
Veras, B. von Rhodez 626, IL 2, S. 68.
Vieh, B. (Ansona); Bischöfe das., II. 2,
S. 359; B. wiederhergestellt, S. 424;
provisorische Metropole, S. 425, 426,
d. Johann. XIII. 965—972), Eb. Ado
(971), S. 426, 427; zwei Bischöfe das.,
S. 430, 431; Gongress, s. Oliva 1002,
S. 431; Gathedrale 1038 geweiht, S. 436.
Vigilien, abgeschafft, IIL 1, S. 377.
Vigilius, P. (537-565), II. 2, S. 94.
Villanueva, Joaq. Lorenz, Gesandter
für Rom 1822, III. 2, S. 432.
Villanueva, Jaime, IIK 2, S. 434;
dessen Viage literario 22 t, 1803 bis
1852 erschien., III. 2, S. 484-437.
Villa nufio, Matth., HL 2, S. 422—423.
Vincenz, M. mit Sabina und Ghristeta
V. Abala, L, S. 344—350.
Vincenz, der Levite und M. (f 22. Ja-
nuar 305), L, S. 376 — 382; IL 2,
S. 198, 200.
Vincenz von Leon and Ramirus, hl.,
IL 1, S. 490.
Vincenz, B. V. Ebusa, IL 2, S. 52, 58.
Visen, B., II. 2, S. 853, seit c. 1144 re-
stitoirt, S. 408.
Vittoria, B. 1851, IL 2, S. 71.
w.
Waldenser, III. 1, S. 220.
Wallfahrten nach Palästina vor den
Kreuzzflgen, IL 2, 8. 432—436.
Wamba, König 672, entfernt 680, II. 2,
S. 159—160, 167, 214—215.
Westgothen, die, II. 1, S. 480—491.
Die Möso-Gothen, Katholiken, S. 481;
Märtyrer unter ihnen. Die Westgothen,
als Arianer, S. 481—482. König Ala-
rich in Italien, 481 (f in Gosenza 411),
S. 482. König Ataolf in Gallien 412,
414 in Spanien (f 415 in Barcelona),
S. 482. König Wallia 418, und das
Reich von Tolosa; König Theodorich
(t 451). König Theodorich IL, S. 482
37*
572
Begister.
bis 483, feindseliger Arianer seit 464,
S. 483. König Enrich (466-484); das
grosse Gotbenreicli 483 amfasst Spa-
nien und den grössten Theil von Gal-
lien. Earich verfolgt die Katholiken,
8. 484. König Alarich If. (484-507)
gestattet wieder Wahlen der Bischöfe,
8. 485; sein „Breviarium", 8, 486.
J. 506 Concil in Agde, 8. 485; er
fWlt 607 bei Poltiers, 8. 486. Die Ka-
tholiken sind den Gothen treu, 8. 486.
Theodorich, der Ostgothe, hilft den
Westgoihen, 8* 486; regiert 15 Jahre
als Vormund über Spanien (511—526);
König Gesalich (507-511), 8. 486 bis
487. König AmaLrich (526) ttbar Spa-
nien und Septimanien, 8. 486—487;
verfolgt seine katholische Gemahlin
Clotilde. Er wird bei Narbonne von
den Franken geschlagen 531. Es folgen
Wahlkönige; Theudes, der Ostgothe
(531—544), 8. 487. Hauptstadt ist Bar-
celona, dann Toledo. König Agila,
549, ermordet von den Gothen 554, und
Athanagild, 8. 488. Athanagild ruft
die Griechen zu Hilfe, 8. 488. Er re-
giert 14 Jahre (652-666). König Liuva
(667-673). König Leovigild, sein
Bruder, regiert in Spanien, führt glück-
liche Kriege und ist Herr von ganz
Spanien, 8. 488, 491 (t 686.) Sein Sohn
Beccared wird katholisch, S. 491.
Westgothen und Spanier vereinigt;
II. 2, 8. 2. K(Jnig Beccared als Ka-
tholik, 8. 6. König Beccared und die
Synode v. J. 689, 8. 6— 8, 14 (mit
62 Bischöfen). Die Goihen treten über
689, 8. 8—11 , unter ihnen acht aria-
nische Bischöfe, u. a. Ugnas, Eb.? von
Barcelona. König Beccared (686—601),
8. 46-48. König Liuva H. (601-603),
8. 66; König Witterich (603—610),
8. 66—67; König Gundemar (610 bis
612)*, 8. 67—68; König Sisebnt (612
bis 621) , 8. 77 — 80. König SwintiU
(621—631), 8. 81. König Sisenand
(631, t 636), 8. 81—82; König Chln-
tUa (636, t 640), 8. 119, 124; König
Tnlga (640—642), beseitigt von Chin-
daswinth 642 (t 652), 8. 124, 127
133—134. Beceswinth Mitregent seit
649 (t 672). Die erste bessere und
die zweite bösere Zeit seiner Re-
gierung, 8. 126, 142 — 144. König
Wamba d. Grosse 672, 8. 159—160, 167;
gestürzt von Erwig 680; Verfiall und
Fall des Gothenreichs 680—711; Erwig
der Thronrfiuber, 8. 167; 174—175,
regiert bis 687. König Egica, sein
Schwiegersohn (687), 8. 175, lb4; 698
Witiza, sein Sohn, Mitregent. Egica
t 702. Witiza (710), S. 184. König
Boderich (Bodrigo) fSUt gegen die
Araber, Juli 711 , 8. 186. Finis Yisi-
Gothorum, 8. 239.
X.
Ximenez, Franc, Card, (f 1517), III. 2,
8. 49; über Isabella, 8. 126; Card. 1507,
8. 127; 1495 Eb. von Toledo; Gross-
Inquisitor 1507; hebt die Inquisition
ohne Hinrichtung. 8. 127; bekehrt die
Hauren zu hizig, 8. 128; nimmt
Oran 1609, 8. 129; stiftet die Univer-
sit&t Alcala, 8. 130; seine Reformen,
8. 189, 140; Beichsregent mit 80 Jahren
1616, 8. 144, t »• Nov. 1517, 8. 145,
146; seine Biographen, 8. 146, 147;
seine Briefe, S. 147, 148.
Y.
Tepes, Anton de, Coronica der Bene-
dictiner, II. 2, 8. 153—166; über die
Klöster in Navarra, 8. 356—357.
z.
Zepedano (f April 1878); Geschichte
von Compostella, lil. 1, 8. 107.
Zoylus, M. r., 8. 360—362.
Zurita, Hier., für die Inquisition, in.2,
S. 56, 74.
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£] r r a t a.
Seite 5 Zelle 8 Ton oben liee: PhfUpp T. etett: FUUpp U.
. 5 „ 4 , „ „ (14M-1700) , (14W-1«6.)
. W* , 6 „ n n PMlipp VI. . Philipp V.
» 904 » 7 , n » (1700-1759) , (1700—1767.)
, 848 , 8 , , , (178fr-180e) , (1788—1808.)
, 646 n 6 M n « CtonstenÜDiu « Oonitenttoe.
. 646 • 9 n n m Gonitaatlu « OoaataatiBDi.
3m aSerlage t)on ®. 3* SRanj in {Regendburg ift erf^tenen unb burd
oOe Suc^^anttungen ju bejiel^en:
P. P. B. Oams 0. S. B.,
Episcoporum Ecclesiae Catholicae,
quotquot innotaerunt a beato Petro apostolo. A maltis adjatas edi
4. maj. 26 M. 40 PI
(Sine 3ufa<nntenf!eaung bei Otf^dfe ber ganzen ^nfind^en IBeU ia einem einaigt
9anbe 6ffag hii^ftx bie Siteratut no4 ttid^t, unb ade iBerfud^e, eine fofc^e ^erjußeaea
totläit fett nabeju ^unbert 3A6tea gemalt tourben, j(fieiterten an ber OtBge be« einn
ungemem gvogen literartfc^en flp^arat6 jinb ungen^B^nlid^e ihraftanßrengung erforbernm
Unternehmend. Unb abertnal6 gejcftab e6, baß ba«, toa« ber (Stnielne für M ntdl^t termag
nunmehr bur4 t)ereinte JhSfte erm'6gli(4t »urbe. $tne and bem Orben be« ^eiligen j^ene
bift ber^orgegangene Srbeit liegt nun toor, bur(b totiibt ber lang geb«^gte SBunfi^ nad
einem folgen »tfc^Bfe-Seriieic^ntg erfttOt ip. F. $tu« Oonifaj ®am«, SD^tglieb ber 8ead
biftinerabtei p Bt iDonifag in SD'tfinc^en, boflenbete foeben ba« CBert, an n>e(cbem betet»
feit 1869 gebrutft tourbe, unter obigem 2:ite{. — ftnf XXIV unb 963 Duartfetten fia
bie 9{e(ben unb ißamen fSmmtlic^cr 8if<4Bfe ber t'ömift^-fatbolifcben Seit auegef(^ie^e^
na4 ibten Sidt^fimern, mit Itngabe be« 3a(re« unb 2:age6 i^rer SBabt, Ernennung
Serfe^ung unb ht9 Zott9, fo »ett biefe Angaben immer nur gn erm3gli(ibcn vare^
co(ttmnenn)eife angefftb^ unter Sugabe ber Ouetten, bie fitb am ^(^luffe für iebed $i9
t^nm Dergeicbnet fiuben. — Setra^tet man ben Snbalt be« Serfe« mit (ifiorifil^em 9uge
fo gie^t irirffic^ bie gange SBe(t« unb Sbtfergef^i^te, bie <9ef4i4te eingelner 9{ationea
bie (9ef<bic^te Heiner 2anbe«tbei(e an fe(6em torfiber, Don^iener ^tit an, n>o ba9 dfiiftii^
^inci^ bie 3eit bur(bbrana. ^iftor. ^oUt. ^U 62 8b. 3. ^eft.
@oQen tt>ir unfer Snburtbeil au9f)>recbfn« fo gebt e« babin, bag burd^ bie Ser
bffentlicbung biefeg IBetfeS f!(b P. $iu0 ®amg ein bteibenbe6 unb e^ren^oKef 2)eafma
für aQe 3a(rbunberte gefegt ^at
Um ^(^(uffe bemerfen mir, bag ber Saben^reig beg Sud^eg 15 ff* ift, ein $Teil
toeld^er bei bem mfl(^eDoIIen 2)ru(f beg SBerfeg gegen Ser!e anberer %rt olg ein nngeoieii
bifltger erftbelnt, ba unferm (Srmeffen nacb ber 2)rn(f allein fi^erfid^ einen Snfmanb wi
fi. 5000 erforbert ^aben bürfte. «, «it. 3eilg. 1873, Kr. 29.
Dr. E* Frantz,
Fra Bartolommeo della Porta.
Studie über die Renaissance, gr. 8. 3 M. 50 Pf.
In einer Besprechung über dieses Werk heiset es n. A.: «Wir freuen uns, dssi
der grosse Dominicaner an Herrn Frantz, Priester der Diöcese fireslau, einen compe
tenten Biographen gefunden, der nicht blos theologisch und historisch, sondern aud
artistisch geschult, mehrere Jahre lang die Bibhotheken und Knnstschfitze Italiau
zum Gegenstand der gründlichsten Studien machen konnte. Sein Werk ist eine bedea
tende wissenschaftliche Leistung, die in der literarischen Welt Aufsehen errei
wird, eine nach Inhalt und Form vorzügliche Monographie über ein Zeitalter, weleu.
dem Ferikleischen analog das tiefste moralische und politische und wisaenschaftlich
Elend unter dem Singen der Dichter und dem Philosophiren der Gelehrten verhüllte, i"
mitten des AuflOsungsprooesses der socialen Ordnung, die im Mittelalter durch d
Papstthum zur Einheit und GrOsse herangereift war.* HL L
31. St. «ftörnr,
W d V f^ ^regoritts VIL
unh feto S^iiälitt.
7 SBbe. fOlit ftarten. gr. 8. 74 üft.
SoQftSnbigcd 9lamen* unb @a(^regifter l^ieju bon Du Q. ^. Offenied
fln 8. 3 SW. 60 %
2)ie 8er(agS(anb(ung glaubt fid^ jeber 9[n|!>reifung biefeS SerfeS enthalten |b foIIccJ
jhntifen ber berfd^icbenflen garben ^aben ba«fe(be bereits aU eine ber groftortigfteB (Sr<
fd^einnngen ber (c^ten amei ^a^r^nnberte begrfigt.
]
@t. % Sieger,
Der: IDarfteKuns bed l^eutigen 3uftanbe^ ber latl^oltfc^en fttrd&e mit
tcr 9Itt({fi(it auf ble fr&^eren Seiten unb im ^xnhüd auf bie anberen dtedgion«'
neinf(!^aften. @))e€ie(Ie ürc^lic^e (Btogtapftit unb ©tatiftit. Ite »bt^eitung:
e euro))Sif(6en fttr(^en)>roDin)em
a3b. auc^ u. b. Zitel: StitiiUiit 9tOQxap\^it unb Ztati^it bon Starten,
0|ianiftt, ^ottngal unb 9i^anlrfi4l. gr. 8. 7 m. bO $f«
9b. t(u^ u/b. STitel: StiviiUi^t (ieogta^ldie unb ®tati{tif üon St«
lanb, ®ro96ritanntfn, Sliebetlanb^ ®4iniei), £)entf(4Ianb unb ben
angrengenben @taaten, Slnflanb, £firfci unb Gtin^enlanb. gr. 8.
7 a». 60 ^?.
2te 9bt^ei(ttng: Die au§ereuro))aifc^en ftird^enprobinjen.
S9b. aud^ tt. b. Xitel: Stiidflidit IBto^tapffu unb CStattfltf bon Xmerif a«
gr. 8. 7 ü». 50 ^f.
@o fe^r toir ^(nt)ittage mit 8fi4ern aSer ftrt üSerf^wemmt finb, Ratten bod^ bi«
t mir Jtat^olifen anffaüenber ®eife fo t)ie( al9 feine fir^It«^ (^eogto^Me unb @tattßü,
moTi bo(^ meinen follte, eine Ueberfid^t be« gegenn)liTtigen 8eftanbe« ber fat(. iKrc^e müßte
Rbeßend ebenfo anjte^nb unb xoiäftia fein a(6 eine allgemeine (Seogto^^ie ober bgl. Ot^ne
»ifet toaren e9 nnr bie ungetD&bnlu^en ©d^noierigfeiten, bie gerabe ^ier )u fibertoinben
b, n>Q9 t>on einem begfiglicpen Qerfut^e abfc^recfte, ba felbß bie i»or(anbenen Orncbflfide
ir fo((^en aflgemeinen Ueberfi^t an bebeutenben äRängeln (eiben. Seif aber anberer«
f eine (ird^Ii^e <3^eogra)>bie unb @tatifti( bo(4 ffir $ie(e ein bringenbe« Qebfirfnig unb
heben ®eBi(beten toon l^ol^m 3nteref[e ifl, fo fagte ber obengenannte ^rießet ber S)iS^cefe
ktenburg ben CSntfdftlug, fofle e9 mai e0 toolle, eine folcbe ondjuarbeiten, unb fammelte
i n?abrem ^Sienenfleige bie ba}u n5t(igeii 8e(e(fe« 2)ae ®an)e gebenft er in gloei
ipttbeile gu treiben, nfimlic^ emen aUgemeinen nnb einen f))ecieO[en. 2>er le^tere folX
Baube umfa^en. S)ie allgemeine tit^ixä^t ®eo^ra^(ie unb @tatifHf foD ato 4. 9anb
i gan$e fBevf abfc^Iiegen. 3eber 93anb »ivb fibrtgen« ein für fiäf abgef^loffene« (Sanjef
kn. Sa« nun bie «orliegenben OSnbe betrifft, oerbienen fie ungtoeifel^aft aQe Sner«
rnrng. ©. Ä, ©r. 9tx. 47.
Eusebii Pamphili
Mstoriae ecdesiasticae libri decem.
aecum textum collatis qui in Germaniae et Italiae bibliothecis asser-
ttar codicibus et adliibitis praestantissimis editionibus recensuit atque
andavit; latinam Henrici Valesii versionem passim correctam sub-
Hity apparatum eriticnm apposnit, fontes annotavit, prolegomena et
liees adjecit Dr. Hugo Laemmer; Presbyter Varmienfiis. git 8.
14 M. 40 Pf.
Dr. If. <$ergenr9f$er,
geben, feine Schriften unb bad grie(]^if(^e ©c^idma. iRadft ^anb^
ilxdttn unb gebrudten OueOen. 3 Sbe. (Hßit ber Seigabe: Monnmenta
ad Photium ejusque historiam pertinentia, qnae ex variis codici«
manascriptis collegit ediditqne Dr. J. Hergenröther.) gr. 8.
39 ü». 70 ?f.
ib 2r m. k 10 3R. 80 $f. 3r »b. 13 H». 60 % Monomenta
4 SW- 50 ?f .
i
3- f ftf rt,
Sifd^of, ftir^enüater unb SBIutieuge S^rtfti, in feinem 8e(en unD Sirlm k
flefteOt. gr. 8. 8 9».
2)a9 SSerf tfl, xoit bie Sorrebe anbentet, bte reife ^ru^t kngj5(rfger €>tubteu. S
aeMen auä> mit ^reuben, bag nnffve (Srmartung totrütc^ erffiHt toorben tfl nnb t
ca8 dntereffe fi(!( ftetgerte , ie tiefer totr in ba« 8u(b (tnbrongen. {^r. Dr. feter« ht i
unberfennBarer Siebe fid^ fetned Öegenßanbe« bemSc^tigt, mit unmnfibHcbei infinfrfjam^
folgt er bem ^eiligen auf feinen ^ebendtoeaen, notirt feine STeufientngen, toergltifti
I UmßSnbe, berütffi^ti^t bie Suffaffungen betoS^rter @4riftfleller, nm ein mBalt^ getrra
f 6i9 in^g (Sin^elnfle etngebenbeg 9i(b be0 ^eiHgen jn entmeifen. Geine (ifloniien^
I inrif!if(^en j^enntniffe b^ben ibn in ben @tanb gefegt, biete SntLt\ad^tn nnb tni\m
mehr, oU ei biglan^ gefcbe^en vaax, anh^uffSren , unb fo tonnen »ir nt4t nm^io, i
Secf gu ben erfreulTdbßen (iterorifc^en (Srfc^etnungen ber ^egenmart jn rechnen nnb
StixiSft öiel 0nte« bon i^m gu berfpre^en^ et b. SR. Z. XllL 3
^erau6A^S<ben Don $. 9« (Bami.
Ir %b. (Srfter ^eitram« 2r S3b« Bmeiter ^eitrattm. £)a6 aRittetalter. at
ä 7 JTO. 60 $f. 3r 9b. (Dritter Zeitraum. S)ie neuere 3eit. 6 SR. 60
ttrgifter 1 SR. 60 $f.
2)ie (iflor.«po(tt. OlStter (LXI. 5^ fagen am e^Inffe einer andffibr(t(i^en
f))re4ung über ben 1. unb 2. 8b.: „Sir rbnnen bie bereite bor^nbenen gwet Bän^e
j^ir^engef^td^te SDlB^fer'g ntd^t anberg a(g im ©efabfe ber greube fiber ba« biete Sd
unb Sa^re, rntld^^ nnf alg <Srinnerung an biefen eblen ®eifi in benfefben borget
tburbe, anf ber ^anb legen. SBir (aben nnr ben bo)»)>e(ten 93anfd(, ba§ bei pel
Herausgeber biefer fir^engefd&id^tlicben 9ortr5ge, ber big^er betoiefen ifat, ha% errat
tereffe bet j^ir^e nnb fir4flid^er SBiffenfc^aft fetner SRfi^e nnb (einem 2:abel fnrtbtfim
bem fBege gebt, nng redbt batb mit ber 8erbffent(id^ung bfg britten nnb (etten Sanbe^
freuen, nnb bag bie S^eiina^me für biefeg gBerf in ben »eiteßen Itretfen fii^ htnbgeben m\
ditt fthtnibith nn yrofeflTor iß. )OBnttr.
aiit ^Briefen ttni ftfeinen s4nflm SKo^ferf
^erou^geseBen bon
anu einem SBilbniffe unb gacfimUe 9Rt^Iet«.
flr. 8. 4 g». 50 $f.
SDie Wiener j^irdftengeitung (ißr. 43) fagt n. a. Aber biefeg ffierl: «Ran U
biefv» 9nd^ ein tbit^tigeg €>u^)>tement gnr ©brnboftt SO^lbblerg nennen, xotü t9 nn^
ber geizigen (Snttoictelung beg 8erfafferg ber ^bmbolir betannt mad^t, nnb tfl biefer 1 1
f^en (Brfc^einnng burd^ nnb mit ber @pmbo(it gRBbUrg i^re gortbauer ge^cj^ert."
(firtf 0. MtnialtmbtfA^
bte muHit m mtnhlMt^
t>om 1^. Senebitt bi» )um 1^. Sern^arb. Vom Strfoffet got^ntigte bet
9u«9aie Don P. St. iBranbe« unb 3. aTOflUer. 7 matt. gr. 8. 46 9». 8(
Dr. H. Laemmer,
de Martyrologio Romano.
Farergon Mstorieo-criticTmL
8 maj. 2 M. 40 Pf.
VontehendeB ist sogleich Featsclirift zum 35jlbrigeii BiBchof-Jabiliam Sr. f
Gnaden des hodiw. Hemi Fflistbisoliof r. BresUn Dr. Heinrich FOnter.
l